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  • Russland stürzt ins Finanzchaos – (2/2) Der Pyrrhussieg des Westens

    geschrieben am 19. Dezember 2014 von Jens Berger

    Als der russische Präsident Wladimir Putin gestern in einer speziellen Pressekonferenz zu den jüngsten Währungsturbulenzen und deren Folgen für Russland Stellung bezog, übte er sich in Zweckoptimismus – schon im nächsten Jahr solle die russische Wirtschaft wieder wachsen. Die russische Zentralbank geht stattdessen von einer Schrumpfung in Höhe von 4,5 bis 4,7 Prozent und einer steigenden Inflation aus. Im Finanzkrieg gegen Russland hat der Westen zwar einen Sieg errungen. Ihre vermeintlichen Ziele werden die EU und die USA dadurch aber nicht erreichen. Im Gegenteil – durch seine aggressive Politik treibt der Westen Russland in die Isolation. Gleich dem Zauberlehrling hat man Geister gerufen, die man sobald nicht mehr loswerden wird. Aber vielleicht ist dies ja durchaus gewollt?

    Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Miniserie. Der erste Teil mit dem Titel „Die erste Schlacht im unerklärten Finanzkrieg entscheidet der Westen für sich“ ist am Donnerstag auf den NachDenkSeiten erschienen.

    Durch beherzte Interventionen am Devisenmarkt hat es die russische Zentralbank mittlerweile geschafft, den Kurs des Rubels zu stabilisieren. Heute bekommt man für einen Euro rund 75 Rubel – bevor die Zentralbank den Kurs im November freigegeben hat, waren es zwischen 40 und 50 Rubel. Das heißt nichts anderes, als dass sich der Preis für Importe binnen weniger Wochen fast verdoppelt hat. Es wird nicht lange dauern, bis der Einzelhandel diese Preissteigerungen an die Endkunden weitergibt. Direkt betroffen davon sind alle Importgüter. Es gibt jedoch auch indirekte Folgen für Produkte, die in Russland hergestellt wurden – nämlich dann, wenn in den Produktionsprozess Vorprodukte aus dem Ausland einfließen oder Maschinen aus dem Ausland eingesetzt werden. Die Folge – eine steigende Inflation und ein nennenswerter Kaufkraftverlust für die Bevölkerung.

    Krise kann auch Chance heißen

    Volkswirtschaftlich hat der Wertverfall des Rubels natürlich nicht nur Nachteile. Die Rubelschwäche hat beispielsweise nennenswerte Vorteile für russische Exporte, die nun preiswerter angeboten werden können. Das Problem dabei – Russland exportiert kaum Güter, in denen ein nennenswerter Arbeitskostenanteil steckt. Russlands Exporte werden von Öl, Gas, Metallen und Chemikalien auf Ölbasis dominiert. Diese Exportgüter profitieren jedoch kaum vom schwachen Rubel, da hier auf der Kostenseite die Kapitalkosten dominieren, auf die der Rubel kaum einen Einfluss hat.

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    Russland stürzt ins Finanzchaos – (1/2) Die erste Schlacht im unerklärten Finanzkrieg entscheidet der Westen für sich

    geschrieben am 17. Dezember 2014 von Jens Berger

    Binnen weniger Stunden stürzte der Rubel gestern an den Devisenmärkten gegenüber dem Euro und dem Dollar um 20 Prozent ab. Die panische Erhöhung des Leitzinses durch die russische Zentralbank um ganze 6,5 Prozentpunkte konnte das Massaker an den Märkten auch nicht mehr stoppen. Die Folgen beider Ereignisse werden Russland auf mittlere bis lange Sicht massiv schwächen, stellen jedoch auch ein kaum zu kalkulierendes Risiko für den Westen dar. Gründe für das Finanzchaos gibt es viele – maßgeblich verantwortlich sind jedoch die Finanzsanktionen der EU und der USA. Russland hat die erste Schlacht in diesem Finanzkrieg verloren.

    Selbst die ansonsten so redseligen und phantasievollen Analysten der Finanzwirtschaft hatten für die turbulenten Entwicklungen, die sich gestern an den Devisenmärkten abspielten, keine echte Erklärung. Einige Analyse raunten etwas von den nun einsetzenden Auswirkungen des Preisverfalls auf dem Ölmarkt, andere spekulierten, dass die Investoren nun ihr Vertrauen in den Standort Russland verloren hätten. All dies mag stimmen, erklärt jedoch nicht die dramatischen Entwicklungen. Es scheint vielmehr so, als sei der gestrige Crash die Folge einer sich bereits lang abzeichnenden Devisenklemme des russischen Finanzsystems, die eine direkte Folge der Finanzsanktionen des Westens ist.

    Auslandsschulden werden zum Problem

    Wer hätte es vor einem Jahr für möglich gehalten, dass ausgerechnet dem finanziell grundsoliden Russland die Devisen ausgehen könnten? Schließlich verfügte Russland noch vor einem Jahr laut Weltbankstatistik mit 509 Milliarden US$ über Währungsreserven, die international nur von China, Saudi-Arabien, Japan und der Schweiz übertroffen wurden. Jegliche Spekulation gegen die Währung eines finanziell derart liquiden Landes schien eigentlich ausgeschlossen. Doch dieser Eindruck täuscht. Russland ist kein klassisches Entwicklungsland, sondern ein Schwellenland, dessen Real- und Finanzwirtschaft mit den internationalen Märkten verwoben ist. Zum gleichen Zeitpunkt an dem Russland über Währungsreserven in Höhe von mehr als 500 Milliarden US$ verfügt hatte, wies es auch eine Auslandsverschuldung in Höhe von 729 Milliarden US$ auf – davon fielen 353 Milliarden US$ auf den Privatsektor. Und da der russische Rubel streng genommen nur eine Inlandswährung ist, kann man davon ausgehen, dass der absolute Löwenanteil dieser Auslandsschulden in Euro und US-Dollar dotiert ist.

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    PEGIDA: Ab jetzt wird zurückgerufen!

    geschrieben am 16. Dezember 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    6191Foto: indymedia.org

    Mit Aussagen wie „Wer betrügt, der fliegt“ und Gedankenspielen wie dem darüber, dass Ausländer zuhause doch besser deutsch sprechen sollen, hat die Politik dem Volk etwas zugerufen: Wir trauen diesen Ausländern nicht! Das Volk hat den Ruf erhört und brüllt jetzt in Form von PEGIDA zurück.

    PEGIDA – das klingt irgendwie weich, fast wie ein Gesellschaftsspiel, das zu Weihnachten nach der Bescherung gespielt wird. Was aber hinter der Abkürzung steht, klingt weit weniger geschmeidig: „Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Mal abgesehen davon, dass gemäß der deutschen Rechtschreibung das Wort „Gegen“ in diesem Zusammenhang nicht unter die Großschreibung fällt, fragt man sich spontan, wie akut diese Gefahr tatsächlich ist, also die des untergehende Abendlandes. Den Artikel weiterlesen »

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    Klinikkonzern Asklepios über nimmt Nobelhotel „Atlantic“ – ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter und der Patienten

    geschrieben am 12. Dezember 2014 von Jens Berger

    Manchmal glaubt man selbst als hartgesottener Kommentator des täglichen Geschehens nicht, was da über den Ticker hereinkommt. Die Meldung, dass der Klinikkonzern Asklepios das noble und traditionsreiche Hamburger Atlantic-Hotel übernommen hat, gehört dazu. Während Asklepios-Besitzer Broermann öffentlichkeitswirksam über die Finanznot der Krankenhäuser lamentiert und seine Mitarbeiter an der Arbeitsverdichtung kaputt gehen, erwirtschaftet der Konzern offenbar so viel Geld, dass er gar nicht weiß, wohin damit. Und bevor man Negativzinsen zahlt, kauft man sich halt ein 5-Sterne-Hotel. Besonders pikant in diesem Zusammenhang ist, dass die Bundesregierung gerade eben an einer Krankenhausreform arbeitet, bei der Teile der Gehälter für Pflegekräfte vom Steuerzahler übernommen werden sollen. Auf dass die Broermänner dieser Welt noch mehr Nobelhotels kaufen können. Im Anhang finden Sie einen exklusiven Auszug aus dem Buch „Wem gehört Deutschland?“ , in dem Asklepios-Besitzer Broermann portraitiert wird.

    Die Ungeheuerlichkeit des Hotelkaufs durch Asklepios lässt sich erst dann in Gänze verstehen, wenn man folgende Meldungen in den Kontext setzt: Am 28. November war Asklepios-Besitzer Bernard große Broermann zu Gast bei der „ZEIT Konferenz“ zum Thema „Gesundheitsstandort Deutschland“. Die dazugehörige Pressemeldung sagt folgendes:

    „Bei der ZEIT KONFERENZ Gesundheitsstandort Deutschland hat der Gründer und Gesellschafter der Asklepios Kliniken, Dr. Bernard gr. Broermann, auf die “gewaltige Arbeitsverdichtung” in den deutschen Kliniken hingewiesen. Auf einen Krankenhausmitarbeiter kämen in Deutschland 20 Patienten, in der Schweiz seien es nur neun, so gr. Broermann bei der Veranstaltung der Wochenzeitung DIE ZEIT in Hamburg. Die Kostendämpfungspolitik hierzulande führe dazu, dass Deutschland viele Ärzte an die Schweiz, aber auch Großbritannien verliere. In diesen Ländern sei zudem die Vergütung der Mitarbeiter deutlich besser. [...] Das Wissen, keine Steuergelder zu erhalten, übe einerseits einen großen Druck aus, andererseits mache Not erfinderisch.“

    Arme Kliniken, reicher Konzern

    Not mache erfinderisch? Erst einmal – von welcher „Not“ spricht Broermann eigentlich? Die Häuser des Asklepios-Konzerns sind unter dem Strich hoch profitabel. Dabei gelingt Asklepios jedoch ein Kunststück, das der Quadratur des Kreises gleicht – durch geschickte Buchungen und Bilanztricks schafft es der Konzern, dass die einzelnen Häuser allesamt ertragsschwach bis defizitär dastehen, während die Holding als außerordentlich ertragsstark gilt. Nicht die „Kostendämpfungspolitik“, sondern die Renditeinteressen von Broermann selbst, der Alleineigentümer des Asklepios-Konzerns ist, sind maßgeblich verantwortlich für die mit Krokodiltränen zynisch beweinte „Arbeitsverdichtung“. Oder leicht polemisch zugespitzt: Warum kann sich ein Konzern, dem es angeblich so schlecht geht, dass er seine Mitarbeiter bluten lassen „muss“, sich nebenbei ein Luxushotel leisten?

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    MH17 – Spekulationen, Indizien und deren Bewertung

    geschrieben am 11. Dezember 2014 von Jens Berger

    Heute morgen haben wir den Brief unseres Lesers H.L. abgedruckt, der sich kritisch mit einem älteren Artikel der NachDenkSeiten auseinandersetzt. Das Thema MH17 lädt förmlich zu Spekulationen ein. Auch die nach wie vor wahrscheinlichste Version, nach der MH17 von einer Boden-Luft-Rakete einer Buk-Einheit abgeschossen wurde, weist keine lückenlose Indizienkette auf. Echte Beweise gibt es ohnehin nicht. Jedoch sollte man beachten, dass auch alternative Versionen keine lückenlose Indizienkette haben und oftmals noch nicht einmal im Ansatz durch Indizien gedeckt sind. Daher erlaube ich mir an dieser Stelle, auch die Thesen von Herrn L. auf deren Schlüssigkeit zu überprüfen.

    Vorbemerkung: Es ist sehr schwer, bei diesem Thema den Überblick zu behalten. Weder Herr L. noch ich sind Experten auf dem Gebiet der militärischen Luftfahrt. Auch ich kann nur auf Primär- und Sekundärquellen zurückgreifen, die sich dann auch noch in Teilen widersprechen. Was wir hier machen ist nichts anderes als Spekulation. Wenn Sie harte Fakten wünschen, so muss ich Sie leider enttäuschen. Harte Fakten gibt es ebenso wenig wie Beweise. Im folgenden Text argumentiere ich zudem sehr technisch und vermeide es (wie in anderen Artikeln) in das Thema einzuführen. Bitte haben Sie dafür Verständnis. Leser, die am Thema interessiert sind, werden hier sicher ein paar interessante Denkanstöße finden. Für den Rest wird der Artikel weitgehend unverständlich sein. Seien Sie mir nicht böse – derartige Artikel sind und bleiben hier die Ausnahme.

    SU-25 M1 – doch ein Abschuss durch einen Kampfjet?

    Unser Leser H.L. hat Zweifel an der These, dass MH17 nicht von einer SU-25 abgeschossen werden konnte, da die SU-25 in derartigen Höhen überhaupt nicht operieren kann. Dazu verweist er auf die modernisierte Variante SU-25 M1, die angeblich eine Dienstgipfelhöhe von 12.000 Metern haben soll. Hintergrund ist, dass laut russischen Militärangaben zum Zeitpunkt des MH-17-Abschusses eine ukrainische SU-25 in unmittelbarer Nähe gesichtet worden sein soll. Das ist sogar wahrscheinlich. Flugzeuge vom Typ SU-25 sind sogenannte Erdkampfflugzeuge, deren Spezialität darin besteht, Ziele auf dem Boden zu beschießen. Während des gesamten Bürgerkriegs im Donbass werden immer wieder – so berichten übereinstimmend ukrainische und russische Quellen – SU-25-Jets gesichtet, die auch aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen. Den Separatisten zufolge nutzen die SU-25-Piloten dabei gerne die Taktik, im „Radarschatten“ von sehr hoch fliegenden Großflugzeugen zu fliegen. Die russischen Angaben sind also stringent. Daraus den Schluss zu ziehen, eine SU-25 M1 habe MH17 abgeschossen, ist jedoch mutig.

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