Konsumklima: Wir verkaufen uns glücklich
geschrieben am 24. Mai 2013 von Joerg Wellbrock
Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat mal wieder ihre vermeintlich repräsentativen Zahlen zum Konsumklimaindex vorgelegt. Demnach freuen sich die Deutschen über eine gute Konjunktur und haben richtig Lust, Geld auszugeben. Liest man die Zusammenfassung der GfK, könnte die Befragung auch in einem Paralleluniversum stattgefunden haben.
Der „Spiegel“ titelt „Deutschen kaufen gegen die Krise an“, die Tagesschau schreibt „Lieber kaufen als sparen“. Und die GfK selbst bezeichnet die Stimmung der Deutschen in Sachen Konsum als „weiterhin sehr gut.“ Das macht sie übrigens alle Jahre wieder. Im Jahr 2009 war es allerdings der Einzelhandel, der mit der Betrachtung nicht einverstanden war. Die negativen Umsatzzahlen der Branche ließen Einzelhändler ziemlich sauer werden, als die GfK das Konsumverhalten der Deutschen lobte. Doch die ließ sich davon nicht beeindrucken und fragte munter weiter die Menschen, um ihren Konsumklimaindex zu ermitteln. 2011 kam die Gesellschaft zu dem Ergebnis, „positive Konjunktur- und überaus erfreuliche Arbeitsmarktzahlen stärken die Planungssicherheit der Konsumenten, die gerade bei größeren Anschaffungen eine wichtige Rolle spielt.“
Heute, im Jahr 2013 liest sich das ähnlich. Die Deutschen sind Optimisten, daran ändern auch internationale Krisen nichts. So kommt die GfK zum Schluss, dass die Verbraucher „ihr Augenmerk in erster Linie auf die guten und stabilen Rahmenbedingungen in Deutschland gerichtet“ haben. „Eine auf hohem Niveau befindliche Beschäftigung, gute Tarifabschlüsse sowie eine sinkende Inflation stützen die gute Stimmung.“ Den Artikel weiterlesen »



Ein Kommentar
“Muss der Handelnde schuldig werden, immer und immer? Oder, wenn er nicht schuldig werden will, untergehen?”, fragt Monika Maron in Stille Zeile Sechs und bezieht sich auf Ernst Toller, den politischen Schriftsteller und einer der führenden Köpfe der Münchner Räterepublik, dessen leitmotivische Frage dies gewesen sei. Tollers Thema war für viele Jahre die Diskrepanz zwischen dem was sein soll und dem was wird, zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Ideal und dem Zwang, im irdischen Sachzwang zu leben. In einen Brief an Stefan Zweig schreibt Toller, dass “das Absolut-Gute, das Paradies auf Erden” kein Gesellschaftssystem schaffen wird, “… es handelt sich einzig darum, für das relativ beste, das der Mensch finden und verwirklichen kann, zu kämpfen”.