Teile und herrsche

geschrieben am 12. Oktober 2009 von Spiegelfechter

Ein exponierter Vertreter des Großbürgertums pöbelt gegen die Unterschicht und die Mehrheit des Volkes – darunter sicher auch viele Angehörige der angesprochenen Unterschicht – gibt ihm recht. Die öffentliche Diskussion um die neuesten polemischen Spitzen des Bundesbankers, SPD-Politikers und ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin nimmt von Tag zu Tag abstrusere Formen an. Hatte Sarrazin früher mit Vorliebe gegen die gesamte Berliner Unterschicht gepöbelt, zerrte er in seiner neuesten Philippika türkische und arabische Migranten in den Mittelpunkt seiner Angriffe – und siehe da, das Volk ist endlich auf einer Linie mit Pöbel-Thilo. Das alte Herrschaftsprinzip „divide et impera“ (teile und herrsche) hat anscheinend bis heute nichts von seiner Wirkmächtigkeit verloren.

Provokation reloaded

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls durften zahlreiche Intellektuelle und Thilo Sarrazin im Berliner Kulturblatt „Lettre International“ über die Situation und die Zukunft der Bundeshauptstadt reflektieren. Wer Sarrazins regelmäßige Tiraden gegen das Berliner Subproletariat bereits kennt, für den bieten weite Teile des Interviews nichts Neues. Zunächst lässt sich Sarrazin langatmig über die Ursachen der Berliner Misere aus – während des kalten Kriegs zogen die meisten „Leistungsträger“ weg und wurden durch die „Achtundsechziger“ ersetzt, „Menschen, die gerne beruflich aktiv waren, wurden durch solche ersetzt, die gerne leben“, wie Sarrazin es ausdrückt. In der Folge sei keine andere Großstadt dermaßen deindustrialisiert und habe eine derartige Subventionsempfängermentalität wie Berlin. Für die Zukunft Berlins schwant dem Bundesbanker böses – 40% aller Geburten fänden in der Unterschicht statt und da für Sarrazin der Begriff „soziale Mobilität“ schon immer ein Fremdwort war, bedeutet dies für ihn, dass Berlin über Generationen hinweg zu einem dystopischen Moloch werde, wenn man nicht gegensteuert. Als oberstes Primat hat der Bundesbanker dabei die Neuordnung der finanziellen Förderung von Kindern ausgemacht – solange die Unterschicht für ihre Vermehrung finanziell alimentiert würde, wäre keine Änderung dieser Schieflage in Sicht. Kinder ja, aber nicht für jedermann, so Sarrazins schlichte Botschaft.

So weit, so schlecht – mit derlei unappetitlichen Vorstößen ist der leidenschaftliche Provokateur des Großbürgertums schon des Öfteren angeeckt. In seinem Interview mit „Lettre International“ wagt sich Pöbel-Thilo diesmal jedoch noch ein wenig weiter vor und unterzieht die von ihm so verachtete Unterschicht einer ethnischen Sezierung. Migranten und Deutsche mit Migrationshintergrund seien überproportional häufig unter dem Berliner Fünftel anzufinden, das von Hartz IV lebt. Aber Migrant ist für Sarrazin nicht gleich Migrant. „Gute“ Migranten sind für ihn vor allem die osteuropäischen Juden, deren Nachwuchs zu 85% Abitur macht. Aber auch Vietnamesen, Osteuropäer, Asiaten und Russlanddeutsche – die laut Sarrazin noch „eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben“ – finden bei ihm Gnade. Auf der anderen Seite stehen bei ihm jedoch die „schlechten“ Migranten, die „Kopftuchfrauen“, die kleine „Kopftuchmädchen“ wie am Fließband gebären, aus der Türkei oder dem arabischen Raum kommen und mit ihrer Fertilität Deutschland feindlich übernehmen wollen, wie es die muslimischen Kosovaren bereits im Kosovo vorexerziert hätten.

Oswald Spengler reloaded

Sarrazins Gedankenwelt ist im konservativen Bürger- und Großbürgertum weitverbreitet – die geistigen Brandstifter tragen auch die Namen Broder und Giordano. In ihren Köpfen spukt ein Kulturkampf, in dem eine neue fremde Kultur das jüdisch-christliche Abendland über das Schlachtfeld der Kreißsäle erobern will. Die Argumentationen dieser Vordenker der „neuen konservativen Revolution“ sind dabei keineswegs neu – Oswald Spengler, Othmar Spann, Ernst Jünger und in gewisser Weise sogar Carl Schmitt gaben einst vor, was ihre Nachfolger heute der Gesellschaft als Tabubruch verkaufen wollen. Oswald Spengler beschrieb bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts den Untergang des Abendlandes in einer schrittweisen Verdrängung der „kulturfähigen Bevölkerung“ durch „primitive und nicht entwicklungsfähige Volksmassen“. Die Neokonservativen unsere Zeit erweisen sich hierbei als gelehrige Schüler des Kulturpessimisten. Wenn Sarrazin von „dem Vietnamesen“ spricht, der – so Sarrazin – kaum Deutsch spricht und Zigaretten verkauft, oder „dem Türken“, der „weder integrationsfähig und integrationswillig“ ist und bestenfalls als Obsthändler der Gesellschaft das zurückgibt, was er von ihr einfordert, so klingt dies wie Spengler reloaded:

Im Politischen gibt es keine Wahl; jede Kultur und jedes einzelne Volk einer Kultur führt seine Geschäfte und erfüllt sein Schicksal in Formen, die mit ihm geboren und die dem Wesen nach unabänderlich sind.
aus: Oswald Spengler – Der Untergang des Abendlandes

Während Spengler sich jedoch von jeder Form des „rassischen“ Denkens distanziert, überschreitet Sarrazin die Grenze zum Rassismus in einem Satz des Lettre-Interviews, der interessanterweise von den aufgeregten Medien jedoch kaum zitiert wird:

Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.
Thilo Sarrazin

Sarrazins Gedankenwelt ist jedoch nicht direkt mit der Oswald Spenglers zu vergleichen – während Spengler den Materialismus als kulturvernichtendes Element ausgemacht hat, ist Sarrazin ein lupenreiner Sozialdarwinist, dessen Gedanken ausschließlich rund um das goldene Kalb des Materialismus kreisen. Sarrazin ist demnach auch kein klassischer Rassist, er hat gar nichts gegen Ausländer, Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund – aber nur solange sie ihren ökonomischen Teil in der Gesellschaft beitragen. Erbringen sie weniger monetäre Leistungen, als sie von der Gesellschaft zugewiesen bekommen, sind sie unerwünscht.

Eugenik reloaded

Für Thilo Sarrazin ist nur Leben erwünscht, das der Gesellschaft einen ökonomischen Mehrwert erwirtschaftet. Türken und Araber gehören für Sarrazin nicht dazu – deutschstämmige Angehörige der Unterschicht allerdings auch nicht. Daher ist es auch Sarrazins Wunsch, die Vermehrung solch ungewollten Lebens durch eine Umstellung des Sozialsystems zu verhindern – wenn er vorschlägt, man müsse das System so ändern, dass man durch „Kinderreichtum“ nicht mehr seinen Lebensstandard verbessern können solle, so heißt dies im Umkehrschluss, dass Eltern, die an der Armutsgrenze lavieren, durch ihren Nachwuchs endgültig in die Armut abfallen sollen. Der Gedanke hinter diesen Äußerungen ist die Geburtenkontrolle im Vorfeld. Es sind jedoch nicht nur Kinder der Unterschicht, die die Gesellschaft potentiell mehr kosten, als sie einbringen. Auch Behinderte gehören in diese Kategorie. Wenn man Sarrazins Gedanken konsequent zu Ende denkt, so landet man bei der Eugenik, deren Vordenker Rassenhygiene durch die Vernichtung und Vermeidung „unwerten Lebens“ erreichen wollten. Vernichten will Sarrazin „unwertes Leben“ nicht – er will die Geburt solch „unwerten Lebens“ lieber bereits im Vorfeld vermeiden.

Bourgeoise reloaded

Thilo Sarrazin ist selbst ein Bundesbürger mit Migrationshintergrund – er entstammt einem hugenottischen Geschlecht, das vor Jahrhunderten seine Chance in der Migration nach Deutschland suchte. Die Sarrazins haben es geschafft, Thilo wurde als Sohn eines großbürgerlichen Arztes und einer westpreußischen Großgrundbesitzerin geboren. In Sarrazins Kreisen ist eine antiegalitäre Weltsicht keineswegs ungewöhnlich. Angehörige der unteren Klassen werden nur dann als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen, wenn sie dem Staat, der Gesellschaft und letztlich dem Großbürgertum treue Dienste leisten und Leistung erbringen. Eine Gesellschaft besteht allerdings nie nur aus Leistungsträgern nach Sarrazins Gusto, sondern auch aus den Mitmenschen, die für die Sarrazins dieser Welt dem Lumpenproletariat zugerechnet werden. Ginge es Thilo Sarrazin wirklich um Integration und Auflösung subproletarischer Milieus, so müsste er vor allem verstärkte Integrations- und Bildungsinvestitionen fordern. Sarrazin glaubt jedoch nicht an die soziale Mobilität. Der Sohn eines immigrierten persischen Arztes oder eines sowjetischen Intellektuellen ist für ihn zwar immer noch ein Migrant, aber kein Problemfall, da er ganz nach Sarrazins Klassendünkel ja ein Angehöriger des Bürgertums ist.

Ein Erfolg der alten Bundesrepublik war es, die soziale Mobilität zu gewährleisten und es auch den Nachkommen subproletarischer Familien zu ermöglichen, sozio-ökonomische Positionen oberhalb der eigenen Schicht zu errreichen. Diese Klassendurchlässigkeit ist allerdings im Kreuzfeuer der neokonservativen Kritik und nimmt von Jahr zu Jahr ab. Das antiegalitäre Großbürgertum hat in den letzten Jahrzehnten seinen Siegeszug auch auf der politischen Bühne angetreten. Waren in der alten Bonner Republik noch die meisten Vertreter der politischen Eliten kleinbürgerlicher oder proletatischer Herkunft, so befanden sich in der letzten Bundesregierung mit Ulla Schmidt, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier nur noch drei Arbeiterkinder auf der Regierungsbank, während erstmals mit Ursula von der Leyen, Thomas de Maizière und Karl Theodor zu Guttenberg gleich drei Vertreter des Großbürgertums Ministerposten bekleideten. In der neuen schwarz-gelben Koalition wird sich das Verhältnis wahrscheinlich noch weiter zugunsten des Großbürgertums verschieben.

Tabubruch reloaded

Es ist nicht zu bestreiten, dass Deutschland ein Integrationsproblem hat. Die von Sarrazin angesprochenen Fehlentwicklungen haben jedoch weniger eine ethnische, sondern vor allem eine soziale Komponente. Die alten und neuen Unterschichten in Gelsenkirchen, Berlin oder Halle sind zuvörderst nicht deutsch, türkisch oder arabisch. Sie eint vor allem eins – sie sind arm und haben kaum Chancen, diesem Schicksal zu entkommen. Wer versucht, die Diskussion um Chancengerechtigkeit auf eine ethnische Schiene zu lenken, will nur einen Keil in die Gesellschaft treiben.

Gemäß dem Prinzip „teile und herrsche“ soll davon abgelenkt werden, dass es beinahe die gleichen Ursachen hat, warum Mehmet aus Berlin-Neukölln, dessen Vater Hartz IV-Empfänger ist, und Anna aus Berlin-Marzahn, deren Vater ebenfalls Hartz IV-Empfänger ist, kaum Chancen haben, selbst aus diesem subproletarischen Milieu herauszukommen. Wenn sich in BILD und RTL über die Hartz IV-Abzocker aufgeregt wird, so hat dies vor allem einen Grund – eine ganze Bevölkerungsschicht soll anhand einiger schwarzer Schafe stigmatisiert werden, so dass der gemeine Bürger auf der Straße nicht erkennt, worin die eigentlichen wirtschafts- und sozialpolitischen Probleme des Landes liegen. Solange der Bürger denkt, Hartz IV-Empfänger wären für ihr Schicksal selbst verantwortlich, und würden ihm als Steuerzahler betrügerisch auf der Tasche liegen, werden antiegalitäre Politiker weiterhin ihre neokonservative und neoliberale Politik betreiben können. Wenn sich Sarrazin nun über faule und integrationsunwillige Türken und Araber aufregt und von der konservativen Presselandschaft dafür mit klammheimlichem Beifall überschüttet wird, so wird dabei nur die nächste Sau durchs mediale Dorf getrieben. Nicht nur der deutsche Hartz IV-Betrüger, sondern auch „der Türke“ liegen also dem Steuerzahler auf der Tasche – und da „der Türke als solcher“ ja auch weder integrationswillig noch integrationsfähig ist, muss man den Sozialstaat gegen derlei ungewollte Kostenfaktoren abschirmen. Dass der Bürger auf der Straße letztendlich unter genau diesen Abschirmungen selbst am meisten leiden wird, wenn er im Alter von 50 Jahren von seinem Arbeitgeber vor die Tür gesetzt wird, und die Chancen seine eigenen Kinder unter einem antiegalitären Bildungssystem ebenfalls leiden, erkennt er jedoch nicht – teile und herrsche.

Diskussionsunfähigkeit reloaded

Sarrazins Philippika wäre nie von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt worden, wenn sich die Gesellschaft nicht bereits seit Jahrzehnten vor einer sachlich geführten Einwanderungsdiskussion drücken würde. Natürlich ist der rosarote Traum einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert, natürlich gibt es vor allem bei Türken und Arabern ein massives Integrationsproblem, natürlich muss man darüber nachdenken und offen diskutieren, an welche Voraussetzungen eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland geknüpft sein soll. Dies anzusprechen mag politisch unkorrekt sein, die Augen vor diesen Problemen zu verschließen, ist jedoch grundsätzlich falsch – mit Denkblockaden hat man noch nie Probleme lösen können.

Wenn eine Gesellschaft keine soziale Mobilität zulässt, entstehen automatisch Parallelgesellschaften – dies hat nichts mit dem Islam oder mit der Staatsangehörigkeit zu tun und trifft auch auf deutsche subproletarische Milieus zu. Was für den einen der Koran und das Kopftuch, ist für den anderen RTL II und das Arschgeweih. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter – vor allem für die Großstädte, die überproportional vom Armutsproblem betroffen sind, ist dies eine Herausforderung für die Zukunft. Dieser Herausforderung wird man allerdings nicht durch eine implizite Geburtenkontrolle begegnen können und auch der Ruf nach einem Verbot des Zuzugs von türkischen Ehepartnern verhallt ohne Wirkung – Deutsche mit Migrationshintergrund sind zu allererst Deutsche und man kann keinem Bürger verbieten, den Ehepartner seiner Wahl ins Land zu holen.

Sarrazins Denkanstöße gehen wie immer in die falsche Richtung. Es ist sicher richtig, dass die Finanzlage des Berliner Senats katastrophal ist. Grund dafür sind jedoch nicht türkischstämmige Migranten, die am Fließband kleine Kopftuchträgerinnen in die Welt setzen, sondern ein soziales Milieu, das die Gesellschaft alleine im letzten Jahr mehr gekostet hat, als alle Migranten in der Geschichte der Bundesrepublik zusammen – die Banker. Sarrazin täte daher besser daran, sich an die eigene Nase zu fassen. So viel Steuergelder, wie alle „kleinen Kopftuchträgerinnen“ den Staat in ihrem ganzen Leben kosten, verbrennt ein durchschnittlicher Banker in einer besseren Frühstückspause – Pöbel-Thilo, übernehmen sie.

Jens Berger

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  3. 3 · Teile und herrsche – divide et impera « am 13. Oktober 2009 um 06:42·

    [...] bei Der Spiegelfechter Kategorien:Migranten in Deutschland Schlagworte: Der Spiegelfechter, Deutschland, Menschenhass, [...]

  4. 4 · Neidisch auf den Spiegelfechter – Nics BlogHaus am 13. Oktober 2009 um 12:53·

    [...] die „Kopftuchfrauen“, die kleine „Kopftuchmädchen“ wie am Fließband gebären… Quelle: Spiegelfechter Unabhängig von der weiteren (scharfsinnigen) Analyse, die Berger in seinem Artikel zieht, geht es [...]

  5. 5 · đª]V[ªX » Links 2009-10-13 am 13. Oktober 2009 um 16:09·

    [...] Spiegelfechter: Teile und herrsche [...]

  6. 6 · Sarrazins Äußerungen – onli blogging am 13. Oktober 2009 um 22:02·

    [...] die Geburtenrate beschränken zu wollen (die Dopplung des Angriffes gegen Schicht und Herkunft thematisierte der Spiegelfechter, auch eine mögliche Interpretation) und nur anhand der Herkunft Rechte zu beschneiden verstösst [...]

250 Kommentare

  1. Momo am 12. Oktober 2009 um 17:05 - - Permalink

    Tilo Sarrazin in besagtem Interview:

    “Berlin ist belastet von zwei Komponenten: der 68er-Tradition und dem West-Berliner Schlampfaktor.”

    Hierzu der Kabarettist Arnulf Rating:

    “Sarrazin arbeitet ja im Bankensektor – einem sozialen Milieu, wo eine beispiellose soziale Verwahrlosung herrscht, die die sozialen Gemeinschaften weltweit allein im letzten Jahr mehrere Billionen Euro gekostet hat. Das waren keine Alt-68er. Vielleicht ist durch den Umgang mit Bankern sein soziales Taktgefühl geschädigt worden. Für die Berliner Stadtkasse hat sich der Schlampfaktor im Bankensektor – etwa bei der Bankgesellschaft – bisher als größere Belastung erwiesen als die Geburtenrate der Unterschicht.”

    Der Autor Horst Evers zu Sarrazin:

    “Lange Zeit hatte man Mitleid mit Herrn Sarrazin, wie er verzweifelt versucht hat, sich bei den Obermenschen einzuschleimen. Nette Worte für Investmentbanker, nette Pachtverträge für Golfclubs, in der Hoffnung, dadurch würden sie ihn vielleicht mögen. Oder wenigstens irgendwie lustig finden, weil er gleichzeitig so urkomisch auf diese unnützen Unterschichtmenschen einprügeln kann. Aber sie lassen ihn wohl immer noch nicht richtig mitmachen, weshalb er weiterhin für sie den Tanzbären und Possenreißer geben muss. Das ist alles sehr traurig, gewiss. Trotzdem ist das Mitleid für Sarrazin jetzt aufgebraucht.”

  2. Karsten Bier am 12. Oktober 2009 um 17:33 - - Permalink

    Wow! Das ist wieder mal ein echter Spiegelfechter!

    Zuerst nahm ich verwundert, ja fast schon etwas “verärgert”, wahr, dass du noch nicht die “grüne Bombe” kommentiert hast sondern stattdessen das schon “alte” Thema Sarrazin angehst. Aber was dann folgt ist IMO mal wieder ein Meilenstein, der eloquent und geistreich eine der größten und von den meisten Leuten mit viel zu wenig Beachtung bedachten Problematiken darlegt – sowohl in unserem Land als auch in der ganzen Welt. Vielen Dank!

    P.S. Das neue Design gefällt mir auch sehr gut.

  3. R_Winter am 12. Oktober 2009 um 17:42 - - Permalink

    @SF

    Positiv ist die neue Hintergrundfarbe. Die Augen danken.

    Sarrazin hat schon viel Mist von sich gegeben, aber dieses darf kein Grund sein, den inneren Haß mit sehr verschieden Dingen zu vermischen. Der Artikel stimmt vom Inhalt, ist aber in seiner Vermischung nicht klar.

    Natürlich ist der rosarote Traum einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert, natürlich gibt es vor allem bei Türken und Arabern ein massives Integrationsproblem, natürlich muss man darüber nachdenken und offen diskutieren, an welche Vorrausetzungen eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland geknüpft sein soll. Dies anzusprechen mag politisch unkorrekt sein, die Augen vor diesen Problemen zu verschließen, ist jedoch grundsätzlich falsch – mit Denkblockaden hat man noch nie Probleme lösen können.

    Dieser Abschnitt steht fast am Ende und ist in seiner Aussage sehr wichtig.

  4. P@trick am 12. Oktober 2009 um 18:00 - - Permalink

    Ich finde es erschreckend das solch ein Sozialdarwinist überhaupt eine solche mediale Aufmerksamkeit bekommt.

    War das jetzt ein Freundschaftsdienst der BILD, das dieser drei Tage lang (Mo-Mi) in den Politikteil groß vorkram oder muss man für solche Kampagnen auch bezahlen? Aber schön zu sehen wie leicht man Absolution erteilt bekommt, solange man nur die richtige Meinung vertritt.

    PS: Ein Artikel über die Saarumkipper ist wirklich überfällig. Wär schön wenn du die abstruse Schuldzuweisung an Lafontaine noch mit rein nehmen könntest und natürlich darf dieses Bild nicht fehlen. ;)

  5. Michael Kostic am 12. Oktober 2009 um 18:10 - - Permalink

    Der Sarrazin ist einfach nur ein peinlicher Bote einer noch peinlicheren Nachricht: Die Spezies braucht nach wie vor Feindbilder, um interne Probleme möglichst langfristig zu verdrängen.

    Früher hatten wir den “Ivan”, den “Russen” oder einfach nur die “Kommunisten”! 20 Jahre nach dem Fall des Ostblocks brauchen wir ein weiteres Feindbild, weil die Problemstellungen der Industrienationen noch immer nicht “überwunden” sind.

    Was mich viel brennender interessiert ist, warum diese “Weltanschauung” durch ausgerechnet diesen Mensch medial derart vollumfänglich transportiert wird. Da gibt es doch ganz sicher deutlich glaubwürdigere Persönlichkeiten. Warum dieser akademische Verlierer?

  6. No_sarrazin am 12. Oktober 2009 um 18:12 - - Permalink

    Bin mir nicht im klaren, ob ich mich so wie Dr. Sarrazin verhalten würde, wenn auch ich Personenschutz und gepanzerte Wohnung/Auto hätte.

    Wer, wie Thilo im warmen sitzt, kann leicht über die frierenden herziehen.

    Die Mehrzahl seine Sprüche sind nicht nur daneben, sondern ehrverletzend, beleidigend gegenüber “Minderheiten”.

    Ob Hartz IV, Araber, Türken oder “Kopftuchmädchen”.

    Sarrazin, urdeutscher Name, gehört zur politischen “Elite” und ein paar Euro besitzt er verdientermaßen ganz sicher. Aus dieser Position herraus kann man gut über die “unten” herziehen.

    Welcher Richter, welcher Staatsanwalt wollte diesen “Herren” belangen?

    Ich geh mal eben ganz viel essen…

  7. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 18:12 - - Permalink

    @R_Winter

    Genau das ist der Punkt – Wer sich jetzt über Sarrazin aus der Perspektive politischer Korrektheit aufregt, trägt nur seinen Teil dazu bei, dass das Volk der Meinung ist, das Thema “Integrationspolitik” sei ein Tabuthema. Das ist es nicht! Und Sarrazins neuster Ausfall hat auch nur am Rande etwas mit Immigrationsfragen zu tun.

  8. Thomas Immanuel Steinberg am 12. Oktober 2009 um 18:21 - - Permalink

    In Sarrazins Kreisen ist eine antiegalitäre Weltsicht keineswegs ungewöhnlich. -
    Gemeint: egalitäre

  9. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 18:33 - - Permalink

    @TIS

    Nö – das stimmt schon genau so, wie es da steht.

  10. Herr Knecht am 12. Oktober 2009 um 18:33 - - Permalink

    “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.”

    +

    http://www.welt.de/politik/article4805401/51-Prozent-der-Deutschen-geben-Sarrazin-Recht.html?page=3#article_readcomments

    =

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Rassenhygiene

    @SF:
    durch Artikel wie diesen hier verliere ich mehr und mehr die Fähigkeit, die altbekannten Nachrichtenportale zu lesen, geschweige denn ernst zu nehmen.
    Ich kann mir all diese Dreizeiler, die nur so vor -Tiefgang- strotzen, einfach nicht mehr antun. DAS hier nenne ich informativ, ich wollte Dich einfach mal loben!

  11. Robin am 12. Oktober 2009 um 18:34 - - Permalink

    Je weniger ein Subjekt sich selbst hinterfragt, desto weniger kann es ein Bewusstsein für die Ursachen seiner Probleme entwickeln. Das gilt sowohl für das Individuum, als auch für eine (mehr oda weniger^^) soziale Gemeinschaft…Sarazin tut nichts weiter, als dem deutschen Volk den Spiegel vorzuhalten…

    nur tut er das wohl eher unbewusst und das Spiegelbild ist ziemlich grausig…

    @SF
    danke für diesen wirklich guten Artikel. Du zeigst damit mal wieder sehr genau, wo die eigentlichen Probleme liegen.

  12. Dr. Bär am 12. Oktober 2009 um 18:47 - - Permalink

    Danke, für den nach meiner Meinung zweiten guten Artikel über dieses Thema. Der erste war von Don Alphonso, dem die “Divide et impera” Strategie ebenfalls aufgefallen ist ;-)

    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/10/03/die-manieren-meiner-bohnenfrau-und-des-thilos-unterschichten.aspx

  13. harey am 12. Oktober 2009 um 18:48 - - Permalink

    Irgendwie amuesant (oder eigentlich sehr schockierend) fand ich auch dass Sarrazin offenbar grosse Probleme mit tuerkischen Gemuesehändlern hat. Er hat sich ja sehr darueber beschwert dass einige Tuerken es doch tatsächlich ‘nur’ zum Gemuesehändler schaffen.

    Also sind selbst Immigranten die arbeiten und sich eine Existenz aufbauen nicht gut genug? Wo bleibt die uebliche Unterstuetzung fuer ‘Existenzgruender / Mittelstand / kleine Unternehmen’? Oder gibts die nur wenn man in guten deutschen Branchen wie dem Machinenbau arbeitet? Oder eher wenn der Unternehmer Deutscher ist?

    Es scheinen zur Zeit sehr viele verkappt Rechtsradikale auf der Welle ‘man muss ja wohl ueber Immigration reden duerfen’ zu reiten. Der aufkommende Muslimen/Tuerken/Araber -Hass nimmt langsam ziemlich bedenkliche Ausmasse an. Da wunderst auch nicht mehr dass ‘poltically incorrect’ eines der beliebtesten Deustchen Blogs ist………. mir grausts!

  14. Robert am 12. Oktober 2009 um 18:50 - - Permalink

    Eigentlich ist der Sarrazin doch ein Fall für den Staatsschutz

    http://www.goest.de/staatsschutz.htm

  15. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 18:59 - - Permalink

    @Harey

    Es scheinen zur Zeit sehr viele verkappt Rechtsradikale auf der Welle ‘man muss ja wohl ueber Immigration reden duerfen’ zu reiten.

    Diese Steilvorlage haben “wir” den Rechten aber ohne Not gegeben. Man “darf” über Immigration reden, leider ist aber auf “der linken Seite” und vor allem bei Alt-68ern idT ein sehr großes Aufregungspotential vorhanden ;-)

  16. Dagmar am 12. Oktober 2009 um 19:03 - - Permalink

    Interessant ist auch die Aufzählung der “Leistungsträger”, die Berlin so bedauerlicherweise entlaufen sind. Genannnt wird von Sarrazin ausgerechnet Hermann Josef Abs. Dieser Herr wie auch weitere seinesgleichen haben sich damals in den deutschen Süden zurückgezogen, weil sie etwas zu tief in braune Verbrechen verwickelt waren und ein Refugium brauchten, wo sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden würden.

    Solche Gestalten zu glorifizieren und selbst sozialdarwinistische Überzeugungen zu verbreiten passt allerdings wieder wunderbar zusammen.

  17. Dierk am 12. Oktober 2009 um 19:04 - - Permalink

    Was mich aktuell bei der Sarrazin-Diskussion, aber auch ganz allgemein in den letzten Jahren, ärgert, ist die Doppel-Nazi-Keule, auch bekannt als Godwin’s Law. Ganz abgesehen davon, dass diese Beobachtung des Herrn Godwin meist falsch verstanden wird, ist es schon ziemlich … problematisch, wenn nicht einmal mehr verglichen werden kann. Geschweige denn gleichgesetzt wo es notwendig wäre.

    Hat er S. etwas Richtiges gesagt? Möglicherweise, schon weil es enorm schwierig ist, bei seiner Logorhoe nicht aus Versehen mal etwas zu sagen, was stimmt. Allerdings spielt das gar keine Rolle. Herr S. hat rhetorische Mittel angewandt, die Julius Streicher auch gern verwandt.

    Das beginnt mit dem angesprochenen Teile-und-herrsche-Kniff, geht dann weiter einer “Analyse” mit dem Schluss, dass Volk und Vaterland von den Anderen ausgebeutet werden. Damit auch der letzte Idiot versteht, was Herr S. meint, wird schnell aus konkreten Menschen abstrakte Gegenstände gemacht: Kopftuchmädchen. Wow, wie wärs mit Kaftanjuden? Ach nee, das war der andere Herr S.

    Selbst seine Ziele wählt der T. aus F. ähnlich aus, es müssen Menschen sein, die als Gruppe leicht identifizierbar sind, Menschen, die gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz anders sind als die guten Toitschen. Diese Menschen sind von dunklerer Hautfarbe und haben dunkle Haare, immer gut, um die Assoziation ’schmutzig, unrein, Ferkel, ungewaschen’ auszulösen.

    Die Lösung ist einfach – natürlich! – Mutterkreuz für Volksdeutsche, Umsiedlung der unproduktiven Gemüsehändler [T.S. isst entweder nur Fleisch vom Grill im Garten oder lässt seine polnische Putzfrau zum Niedrigstlohn* einkaufen] aus den Augen, aus dem Sinn. Die paar produktiven bleiben hier, denn die können unsere Klos putzen.

    Was Sarrazins Apologeten auch vergessen, da hat nicht irgendein halbangetrunkener Unbekannter beim Grillfest was Blödes gesagt, sondern ein hoch dotierter Angestellter des deutschen Staates. Eine privatwirtschaftliche Firma hätte erheblich schärfer auf diese Ausfälle reagiert, Siemens oder BMW z.B. können sich den Imageschaden gar nicht leisten.

    Und hätte Udo Voigt oder Horst Mahler diesen Quark von sich gegeben, wäre der Aufschrei sicherlich größer gewesen. Obwohl ich mir inzwischen vorstellen kann, dass Broder selbst da noch alles i.O. fände.

    *Das ist natürlich nicht verifiziert, sondern satirische Übertreibung. Muss in D ja seit dem Pardon-Urteil dabeistehen.

  18. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 19:08 - - Permalink

    @Dierk

    Obwohl ich mir inzwischen vorstellen kann, dass Broder selbst da noch alles i.O. fände.

    Das können wir heute Abend um 22.15 auf Phoenix herausfinden.

  19. punktierer am 12. Oktober 2009 um 19:14 - - Permalink

    Ich habe letztens von einer Studie gelesen in der Migrantengruppen verglichen wurden. Die Quintessenz war, dass Kinder von Eltern mit vietnamesischen Wurzeln im Durchschnitt schulisch besser sind als Deutsche. Und bei den türkischen Kindern genau umgekehrt. Das war die Aussage der Studie.

    Mein subjektiver Eindruck ist, dass vietnamnesische Migranten in der Regel nur ein oder 2 Kinder haben und sich nicht in ethnischen Gruppen selbst isolieren. Bei türkischen Migranten sind zum Teil an die 6 Kinder keine Seltenheit und zumindestens hier in Berlin hat eine Ghettoisierung stattgefunden. Auch in Kreuzberg existiert weniger ein Miteinander als ein Nebeneinander.

    Schlussfolgernd aus diesen Eindrücken stelle ich in Frage, ob es wirklich nur eine soziale, also finanzielle Begründung für die Integrationsproblematik geben kann oder ob auch kulturelle Prägungen eine starke Rolle spielen und wie man diesen begegnen kann.

    BTW: Koran und Kopftuch mit RTL II und Arschgeweih gleichzusetzen finde ich zwar sehr erheiternd, aber ein wenig arg polemisiert. Pöbel-Thilo lässt grüßen ;)

  20. KL am 12. Oktober 2009 um 19:28 - - Permalink

    Besten Dank für diesen guten, kraftvollen Artikel. Wir dürfen keine Furcht mehr haben, uns und anderen hysterisch vorzukommen – es scheint höchste Zeit, das Maul aufzutun, das rechte Maß werden wir schon finden. Das “Elite”-Gefasel war einer der Vorboten, jetzt geht es ans Eingemachte. Die Oberschichten wollen die Aufklärung kassieren.

    Es fehlt uns dabei aber offenbar an Daten. Wie viele Bewerbungen schreibt ein Mechaniker, eine Friseuse, ein Busfahrer, bis er/sie eine Stelle hat? Wie viele Bewerbungen bekommt ein Personaler, wenn seine Firma eine Stelle ausschreibt? Wie verteilen sich die Bewerbungen auf die Arten von Stellen (hochqualifiziert, mittel, billig, Hilfsarbeiten)?

    Ich kenne einen Mann, Mitte der 40er, der hat einen Facharbeiterbrief, ein Offiziersdiplom, ein Ingenieurdiplom,ein Doktorat in Philosophie, ist kinderlos, Nichtraucher, mit langjähriger Partnerin – und lebt seit zwei Jahren von HartzIV. An der Uni konnte er nicht landen, weil ca. 400 gleichfalls Promovierte um je 1 Stelle kämpfen. Bei Ingenieuren ist es kaum noch anders, es gibt schon Nachrichten, daß manchmal 300-500 auf eine Stelle kommen. Wahrscheinlich ist sein Problem die deutsche Mentalität – aber nicht seine, sondern die der Personaler und Chefs -, die geradlinige Lebensläufe schätzt und Fachleute nur ernst nimmt, wenn sie seit Jahrzehnten einer Spur folgen, am besten von der Pieke an. Oder was auch immer. Aber so etwas kann erst zum Problem werden, wo die Personaler sich in jedem Falle die Rosinen herauspicken können; und sei es, daß sie lieber einen wählen, der nur 1,70 m groß ist und nicht 1,90.

    Jedenfalls sind auch solche Zeitgenossen Ziel dieser Anti-Unterschicht-Hetze, und die sind dabei doch offenbar “flexibel” und “arbeitswillig”. Ich kenne noch manche ähnliche Fälle, entweder aus dem Leben oder aus: “Gesellschaft mit begrenzter Haftung: Zumutungen und Leiden im deutschen Alltag” hg. von Franz Schultheiß und Kristina Schulz. Wir alle werden wohl solche Fälle kennen, mindestens davon gehört haben. Der Soziologe Ulrich Beck hatte schon 1982 einen Aufsatz zur Sinnlosigkeit der Erwartung, Bildungsanstrengungen zahlten sich irgendwie in merklichen Berufschancen aus, unter dem Titel verfaßt: “Du hast keine Chance, aber nutze sie”.
    Wie aber gelingt es, die beiden Nachrichten im öffentlichen Bewußtsein zusammenzubringen? Daß die Sozialsysteme unter Druck sind und daß der größte Teil der Bedürftigen gar nicht nach dem Modell des erwünschten Broterwerbs zu Geld kommt, kommen kann? Wie durchbricht man den Angstwall, der die – mehr oder weniger – repräsentativ Befragten Ungeheuerlichem zustimmen läßt, als könnten sie sich vor Verdammnis schützen, wenn sie dem Teufel einverständig zunickten? Seltsam zeitgenössisch klingt das bekannte Eingeständnis Martin Niemöllers: “Als sie die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen – denn ich war ja kein Kommunist. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen – denn ich war ja kein Jude … … Als sie mich holten, war keiner mehr da, der hätte reden können.”

    Wie gesagt, Spiegelfechter, gute Leistung. Aber wie kommen wir aus dem Turm der Sehenden, Eingeweihten und Verständigen heraus? Können wir BLÖD Leser abspenstig machen? Wie, wie?

    Gruß,
    KL

  21. Moritz am 12. Oktober 2009 um 20:03 - - Permalink

    Die Politik von Zensursula ging auch schon in diese Richtung – vom Elterngeld profitieren die vor der Geburt Erwerbstätigen mit gutem Einkommen.

    Diese erhalten maximal 1800 € * 14 Monate = 25200 €.
    Arbeitslose, Studenten usw. erhalten nur 300 € * 14 Monate = 4200 €.

    Früher gab’s 300 € * 24 Monate = 7200 €.

    (http://www.finanztip.de/recht/steuerrecht/elterngeld.htm)

    Ich war damals Student als wir Erziehungsgeld erhielten und hätte nach der neuen Regel also auch fast nur halb so viel bekommen.

  22. Tigel am 12. Oktober 2009 um 20:11 - - Permalink

    Diese Steilvorlage haben “wir” den Rechten aber ohne Not gegeben. Man “darf” über Immigration reden, leider ist aber auf “der linken Seite” und vor allem bei Alt-68ern idT ein sehr großes Aufregungspotential vorhanden ;-)

    Es gibt immer “Aufregungspotential”, so wie Integrationsdebatten geführt werden ist dies aber auch gerechtfertigt.
    Natürlich müssen diese geführt werden und natürlich gibt es auch hier die Grenzen des Grundgesetzes, was auch gerne mal vergessen wird. Jedoch üblicherweise sind Integrationsdebatten mediale Kampagnen gegen Ausländer und Ausländerinnen die sich nicht integrieren wollen – Sarrazin hat es sehr schön vorgemacht, BILD hat diese Debatte ja auch sofort aufgegriffen.
    Und an dieser Stelle ist Aufregung zurecht (und eben auch hier) angebracht.

  23. harey am 12. Oktober 2009 um 20:15 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Das möchte ich gar nicht bestreiten. Natuerlich haben ‘die Linken’ (na ja, nicht alle, einige spezielle ;) ) Immigration und Integration zu einem Thema gemacht bei dem jeder Angst hat aus dem politisch korrekten Rahmen zu fallen.

    Es wäre der Debatte wohl sehr dienlich wenn beide Seiten aufhören wuerden sich gegenseitig mit Allgemeinplätzen und pauschalen Schuldzuweisungen zu bewerfen…… aber da bin ich wohl auch nicht ganz unschuldig ;)

  24. Lago am 12. Oktober 2009 um 20:19 - - Permalink

    Also Broder hat sich zumindest im DLF bereits voll hinter Sarrazin gestellt. Zur Parallele zwischen der politischen Korrektheit im Bezug auf Ausländerdiskriminierung einerseits und Israelkritik andererseits hat er sich übrigens nicht geäußert.

    Ansonsten kann ich nur wiederholen:

    Sarrazins Ideen zur Problemlösung sind doch kleinkariert. Nähme er seine eigene Analyse ernst, müsste die Lösung doch klar sein: Die ansässigen Berliner werden ins unterbevölkerte Brandenburger Umland deportiert. Dort leben ohnehin nur Leistungsunwillige und so fände zusammen, was zusammen gehört.

    Gleichzeitig besorgt man sich 3 Millionen Vietnamesen – was angebotsseitig überhaupt kein Problem ist – und macht Berlin auf einen Schlag zu einer präkariat-befreiten Zone.

    Mir ist völlig unverständlich, wieso niemand diese so offenkundige Lösung erkennen will …

  25. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 20:54 - - Permalink

    @Punktierer

    Ich habe letztens von einer Studie gelesen in der Migrantengruppen verglichen wurden. Die Quintessenz war, dass Kinder von Eltern mit vietnamesischen Wurzeln im Durchschnitt schulisch besser sind als Deutsche. Und bei den türkischen Kindern genau umgekehrt. Das war die Aussage der Studie.

    Ich glaube, Basis dieser Zahlen ist sogar das statistische Bundesamt.

    Mein subjektiver Eindruck ist, dass vietnamnesische Migranten in der Regel nur ein oder 2 Kinder haben und sich nicht in ethnischen Gruppen selbst isolieren. Bei türkischen Migranten sind zum Teil an die 6 Kinder keine Seltenheit und zumindestens hier in Berlin hat eine Ghettoisierung stattgefunden. Auch in Kreuzberg existiert weniger ein Miteinander als ein Nebeneinander.

    Das trifft auch meinen subjektiven Eindruck – je größer die Ghettoisierung ist, desto geringer ist der Integrationswille. Mich würde da mal ein Vergleich mit den USA interessieren – dort herrscht zwar einerseits auch eine hohe Ghettoisierung vor, andererseits ist mein subjektiver Eindruck, dass dort der Integrationswillen wesentlich höher ist. Woran mag das liegen?

    Schlussfolgernd aus diesen Eindrücken stelle ich in Frage, ob es wirklich nur eine soziale, also finanzielle Begründung für die Integrationsproblematik geben kann oder ob auch kulturelle Prägungen eine starke Rolle spielen und wie man diesen begegnen kann.

    Es ist wohl eine Mixtur aus all diesen Faktoren. Selbstverständlich ist Ghettoisierung und Integrationswille beileibe kein exklusives Problem von Migranten – auch deutsche Parallelgesellschaften im subproletarischen Milieu leben in Ghettos ihre eigene Kultur, die mit der deutschen Hochkultur kaum mehr etwas zu tun hat. (Re-)Integration ist auch hier notwendig.

    BTW: Koran und Kopftuch mit RTL II und Arschgeweih gleichzusetzen finde ich zwar sehr erheiternd, aber ein wenig arg polemisiert. Pöbel-Thilo lässt grüßen ;)

    Warum? Der Koran und RTL II sind Glaubensbekenntnisse einer schwammig definierbaren sozialen Schicht und sowohl Kopftuch als auch das Arschgeweih sind äußerliche Merkmale, mit denen man der Außenwelt die Zugehörigkeit zu dieser Schicht signalisiert. Wir leben in seltsamen Zeiten.

  26. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 20:55 - - Permalink

    @KL

    Können wir BLÖD Leser abspenstig machen? Wie, wie?

    Nein, das können wir nicht – gewöhnen wir uns besser an unsere Ohnmacht.

  27. Netzbummler am 12. Oktober 2009 um 20:58 - - Permalink

    Sarrazins Philippika wäre nie von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt worden, wenn sich die Gesellschaft nicht bereits seit Jahrzehnten vor einer sachlich geführten Einwanderungsdiskussion drücken würde. Natürlich ist der rosarote Traum einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert, natürlich gibt es vor allem bei Türken und Arabern ein massives Integrationsproblem, natürlich muss man darüber nachdenken und offen diskutieren, an welche Voraussetzungen eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland geknüpft sein soll.

    Sehr guter Absatz, Jens, den ich so voll und ganz unterschreiben kann. Du musst allerdings realistisch sein: schau Dir mal die Blogs an, in denen “Deinesgleichen” (also links orientierte Blogger) und ihre “Klientel” so schreiben. Und jetzt stell Dir mal vor, Du würdest wirklich mal einen kompletten Artikel über das Immigrationsproblem schreiben und alle Seiten beleuchten, also die der Ausländer (die integrationswilligen und erst recht die der integrationsunwilligen), die Seite des Staates und der Behörden und natürlich auch die der deutschen Bevölkerung, die einem Ausländer aus einer ähnlichen Kultur (Osteuropäer, selbst Asiaten) positiver gegenübersteht als einem Araber (wobei ich fest überzeugt bin, dass sich diese Haltung nicht von Anfang an so ausgeprägt war).

    Nehmen wir also an, Du fasst niemanden der Genannten mit Samthandschuhen an. Was meinst Du denn, was Du hier in Deinem Blog, aber auch auf den angeschlossenen Blogs zu hören bekommst? Nur Beifall? Wird es nicht eher so sein, dass es im linken Lager ein Sturm der Entrüstung kommen wird und Du in die Nähe rechter Kommentatoren gerückt wirst?

    Ich sehe auch bei Dir selbst ein grundsätzliches Problem in dieser Sache. Du bist sehr freiheitlich orientiert. Und dann soll – und das deutest Du selbst an – es zu Zwang kommen, wenn es um die Aufenthaltsgenehmigung geht? Das ist doch bestimmt wieder faschistoid, oder? Zwang darf doch schließlich nicht sein! Oder jetzt auf einmal doch?

    Was ich letztendlich sagen will: Ja, die deutsche Gesellschaft drückt sich tatsächlich um einen offenen Diskurs in dieser Frage herum, weil alle immer noch panische Angst davor haben, als pöhser Nazi hingestellt zu werden. Es wäre also Aufgabe auch der linken Bloggerszene, an dieser Stelle unideologische Aufklärung zu betreiben und sich gleichzeitig von den rechten Hasspredigern abzusetzen – was sicherlich alles andere als einfach werden dürfte (die TAZ hatte eine Zeitlang kritische Artikel in der Richtung veröffentlicht, dann war aber nach einer Weile wieder Funkstille – keine Ahnung, ob das jetzt noch so ist).

    Dies anzusprechen mag politisch unkorrekt sein

    Politically Incorrect? Sind das nicht die fehlgeleiteten Sorgenkinder, die diese herzerfrischend-texanische Redneck-Geisteshaltung in Deutschland populär machen wollen? XD

  28. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 20:58 - - Permalink

    @Tigel

    Natürlich müssen diese geführt werden und natürlich gibt es auch hier die Grenzen des Grundgesetzes, was auch gerne mal vergessen wird. Jedoch üblicherweise sind Integrationsdebatten mediale Kampagnen gegen Ausländer und Ausländerinnen die sich nicht integrieren wollen – Sarrazin hat es sehr schön vorgemacht, BILD hat diese Debatte ja auch sofort aufgegriffen.
    Und an dieser Stelle ist Aufregung zurecht (und eben auch hier) angebracht.

    Na ja – mir ist allerdings auch kaum ein konstruktiver öffentlicher Diskusionsansatz bekannt, bei dem das Aufregungspotential (auf beiden Seiten!) unter Kontrolle geblieben wäre.

  29. R_Winter am 12. Oktober 2009 um 20:59 - - Permalink

    Eine echte Integrationsdebatte muß geführt werden. Polemik von rechts und links sind meiner Überzeugung nach völlig ungeeignet, dieses Problem zu lösen. Maßstab in das GG und alle Menschen in Deutschland haben sich daran zu halten. Wir sollten keine Parallelgesellschaft in irgendeiner Form akzeptieren. Wir haben uns als Deutsche in anderen Ländern den dort herrschenden Bedingen anzupassen (dieses heißt nicht, daß wir andere Wertvorstellungen haben dürfen) oder wir sollen in Deutschland bleiben. Wer nach Deutschland aus anderen Ländern kommt, hat unser GG zu akzeptieren.
    Was in den Schulen von Kindern aus türkischen und einigen arabischen Familien geboten wird (fast jeder Lehrer kann hier Ereignisse aufführen), sollte die Alarmglocken bei uns auslösen oder wir stehen in 10 Jahren vor einem riesigen Problem.

  30. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 21:05 - - Permalink

    @Lago

    Mir ist völlig unverständlich, wieso niemand diese so offenkundige Lösung erkennen will …

    Mir auch *lol*

  31. Erik am 12. Oktober 2009 um 21:14 - - Permalink

    Nun springt auch noch Spiegel TV Sarrazin zur Seite. Der peinliche Beitrag lässt kein Klischee über Ausländer aus. Eine Gegendarstellung:
    http://www.bleib-passiv.de/beitraege/artikel/110-zerrspigel-tv.html

  32. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 21:16 - - Permalink

    @Netzbummler

    Ja, vielleicht sollte ich das Thema “Integrations- und Immigrationspolitik” idT mal ausführlicher angehen.

    Ich sehe auch bei Dir selbst ein grundsätzliches Problem in dieser Sache. Du bist sehr freiheitlich orientiert. Und dann soll – und das deutest Du selbst an – es zu Zwang kommen, wenn es um die Aufenthaltsgenehmigung geht? Das ist doch bestimmt wieder faschistoid, oder? Zwang darf doch schließlich nicht sein! Oder jetzt auf einmal doch?

    Na so “freiheitlich” bin ich nun auch wieder nicht ;-)

    Versuche doch mal beispielsweise als Russe eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland zu bekommen – wir hatten hier doch schon immer Reglementierungen und das ist auch gut so und verständlich. Über die Art, wie und an wen Aufenthaltsgenehmigungen ausgestellt werden, ist indes anscheinend ein Minenfeld.

    Politically Incorrect? Sind das nicht die fehlgeleiteten Sorgenkinder, die diese herzerfrischend-texanische Redneck-Geisteshaltung in Deutschland populär machen wollen? XD

    ;-)

    Ja – aber politische Korrektheit hatte ich schon etwas, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Die PI-ler haben da keine Schöpfungshöhe ;-)

  33. kclemens am 12. Oktober 2009 um 21:19 - - Permalink

    sarrazin ist dermaßen machtbesoffen von sich selbst, daß es einen schaudern lassen kann. sein loses maulwerk macht allerdings auch nicht vor “seinesgleichen” halt. in diese diskussion gehört eigentlich auch, daß er im september im handelsblatt seine eigene meinung zur lage der bundesbank kundgetan hat, die der offiziellen aussage der bundesbank diametral entgegensteht. das hat ihm intern schon erhebliche probleme beschert.

    sein poltern gegen alles was nicht selbsternannte geld- oder machtelite ist, ist leider bei sarrazin schon eine art tradition. als er noch im berliner senat aktiv war, durfte er seine tiraden bevorzugt immer dann abfeuern, wenn hinter den kulissen wieder einmal gesetze oder richtlinien verabschiedet wurden, die dem gemeinen volk entweder in die tasche greifen, oder seine freiheiten einschränken.

    just in dem moment, wo alle welt sich (zu recht) über diese äußerungen aufregt, beschließt die aus der bundesregierung ausscheidende SPD noch schnell das hier:

    Auf Vorschlag von Arbeitsminister Olaf Scholz will das Bundeskabinett am Mittwoch auf seiner voraussichtlich letzten Sitzung in dieser Wahlperiode beschließen, den Bundesanteil an den Kosten für Unterkunft und Heizung von 26 Prozent auf 23,6 Prozent senken.

    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:beteiligung-an-unterkunftskosten-bund-will-bei-hartz-iv-sparen/50019868.html

    ich unterstelle der SPD und sarrazin, daß dieses interview eine konzertierte aktion im beiderseitigen einverständnis war, damit niemand von denen, sie sich mit vehemenz auf das interview in lettre international stürzen, zu genau hinschaut, was die SPD in ihren letzten stunden noch so auf der berliner bühne treiben.

  34. Pooly am 12. Oktober 2009 um 21:50 - - Permalink

    1000x danke für diesen wirklich guten Artikel.

    Das Weltbild des Herr Sarrazin ist im Grunde stellvertretend für das einer ganzen Schicht in unserem Lande, die mit dem “gemeinen Volk” nichts mehr zu tuen haben wollen.
    Sehr schön auch durch Wilfried Schmickler vorgetragen in den WDR Mitternachtsspitzen:
    Neoliberale Sozialfaschisten

    Erst wurde auf die Hartz IV Empfänger los gegangen, jetzt Immigranten – wer bekommt als nächstes sein fett weg?
    Behinderte? Alte? Alle anderen die dem neoliberalen Weltbild nicht ins Auge passen?

    Das schlimmste an der ganzen Sache sind meiner Meinung nach die Zustimming in der Öffentlichkeit, welche sich auch noch vollkommen von den Medien verblenden lässt:
    “Ja irgendwo ist da etwas dran…”
    “Da sagt einer nur was viele denken…”
    “Darf man nicht einmal mehr in Deutschland die Wahrheit sagen?”
    Und so weiter und so weiter.

    Aber nun ja…. warten wir mal ab was von dem SPD Mann noch so alles kommen wird

  35. prico am 12. Oktober 2009 um 21:56 - - Permalink

    Guter Artikel, allerdings verstehe ich nicht, warum Du folgendes Zitat als “die Grenze zum Rassimus überschreitend” einstufst:

    “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.”

    Findest Du die Aussage, dass menschliche Begabung (Intelligenz) sowohl sozial, als auch erblich bedingt ist rassistisch?
    Oder die Aussage, dass die Mitglieder der Mittel- und Oberschicht im Durchschnitt intelligenter sind als die der Unterschicht?

    Eine andere Aussage kann ich dem Zitat nicht entnehmen.
    Da empfinde ich andere Aussagen Sarrazins als schlimmer…

    Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren =)

  36. Netzbummler am 12. Oktober 2009 um 21:56 - - Permalink

    @Jens:

    Versuche doch mal beispielsweise als Russe eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland zu bekommen – wir hatten hier doch schon immer Reglementierungen und das ist auch gut so und verständlich. Über die Art, wie und an wen Aufenthaltsgenehmigungen ausgestellt werden, ist indes anscheinend ein Minenfeld.

    Das habe ich tatsächlich schonmal, genauer gesagt ging es da um eine Arbeitserlaubnis für einen entfernten Verwandten. Der kam aus dem fernen Sibirien, war computerkundiger Mathematiker (ohne dabei, wie die anderen Mathematiker, die ich kenne, ein wenig autistisch zu wirken) und wäre für eine IT-Firma ein echter Gewinn gewesen.

    Das Ding war aber – und das war die Zeit der Computer-Inder – dass er erst eine Arbeitsstelle bzw. ein entsprechendes Angebot hätte vorweisen müssen, um die Arbeitserlaubnis zu bekommen. Wie realistisch ist es, in der kurzen Zeit, die einem das Touri-Visum bietet, bei genügend IT-Firmen vorstellig zu werden? Richtig. Die ganze Aktion mit den “Deutschen Green Cards” ist ja dann auch ziemlich schnell sang und klanglos in der Versenkung verschwunden, hatte ich den Eindruck.

    @Punktierer: Meine Mutter (Lehrerin) kann Dir das doppelt und dreifach bestätigen. Die asiatischen Kinder sind ordentlich und wohlerzogen, die kleinen Araber können dagegen echte Problemfälle sein, weil sie eine Frau als Respektsperson überhaupt nicht wahrnehmen. Im krassesten Fall kam es erst dann zu einer Besserung, als dem Vater des Jungen schonungslos klar gemacht wurde, dass sein Kronensohn von der Schule fliegt, wenn es so weitergeht.

    Das mit der Integration hat meiner Erfahrung nach viel damit zu tun, wie die Eltern zu Bildung stehen. Man darf ja nicht vergessen, dass die Vietnamesen in der DDR waren, um zu studieren. Dergleichen die Russlanddeutschen: Die zweite Generation macht zwar auch ordentlich Probleme, aber da stimmt zumindest bei den Eltern die Bildungsbasis.

    @R-Winter: Das riesige Problem haben wir bereits. Bei uns im Osten ist es zum Glück noch nicht so außer Kontrolle geraten wie im Westen. Ich bin unter anderem deswegen von München wieder zurück nach Dresden, obwohl es mir fast das Herz gebrochen hat, weil ich diese Stadt einfach großartig finde (bis auf die Mieten). Aber mein Leben und das meiner Kinder war mir wichtiger. Ein halbes Jahr später wurde der alte Mann in der U-Bahn fast zu Tode geprügelt. Und das war nur der Fall, der in die bundesweiten Medien kam.

    —–

    Edit: das mit dem Spamschutz ist doof. Wie soll ich 6+5 ausrechnen? Ich hab’ doch nur 10 Finger!

  37. P@trick am 12. Oktober 2009 um 22:10 - - Permalink

    Edit: das mit dem Spamschutz ist doof. Wie soll ich 6+5 ausrechnen? Ich hab’ doch nur 10 Finger!

    Schau mal in die Seitenleiste, da ist irgendwo ein Link der dich zur Anmeldung bringt. Dann musst du nicht mehr Finger zählen.

  38. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 22:19 - - Permalink

    @PIco

    Findest Du die Aussage, dass menschliche Begabung (Intelligenz) sowohl sozial, als auch erblich bedingt ist rassistisch?

    Menschliche Begabung != Intelligenz. Sarrazin führt zunächst aus, dass bestimmte Ethnien erfolgreicheren Nachwuchs “züchten” und packt dann die Keule aus, indem er diese z.T. auf das Erbgut zurückführt. Wenn das nicht rassistisch ist, was ist dann überhaupt noch rassistisch?

    Oder die Aussage, dass die Mitglieder der Mittel- und Oberschicht im Durchschnitt intelligenter sind als die der Unterschicht?

    Die Aussage dürfte korrekt sein, hat aber wenig bis nichts mit dem Erbgut zu tun – die Diskussion erinnert mich ein wenig an die gute Eliza Doolittle ;-)

  39. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 22:26 - - Permalink

    @Netzbummler

    … “Deutschen Green Cards” ist ja dann auch ziemlich schnell sang und klanglos in der Versenkung verschwunden, hatte ich den Eindruck.

    Da kenn´ ich auch ein nettes Beispiel – ein serbischer IT-Spezialist wollte in Deutschland gleich ein kleines Unternehmen gründen und 20 Arbeitsplätze schaffen. Die komplizierten Anträge für seine Einbürgerung und die Fördermittel waren bereits unterschriftsreif, da scheiterte das Ganze an dem Einwand, er dürfe zwar gerne hier leben und 20 Arbeitsplätze schaffen, aber seine Frau sollte doch lieber in Serbien bleiben. Heute lebt und arbeitet er in Großbritannien, wo auch seine Frau mit Kußhand aufgenommen wurde. Ja – die “Greencard” war reiner Populismus ohne nennenswerte Erfolge. Wer Migranten grundsätzlich als Bittsteller behandelt, wird im internationalen Wettbewerb um Talente keine Chance haben.

  40. Schweigsam am 12. Oktober 2009 um 22:44 - - Permalink

    Ich werde dieser Diskussion zu diesen Zeitpunkt nicht teilnehmen. Integrationspolitik hin oder her, Herr Sarrazin und konsorten geben den Ton vor und wir Trällern die Melodie. Nee Danke!

  41. aquadraht am 12. Oktober 2009 um 23:23 - - Permalink

    Ich kann Schweigsam da sehr gut verstehen. Ich bin auch nicht bereit, erst dem PI-Pack und dem Stammtisch weit entgegenzukommen, um dann ein paar mehr oder weniger differenzierte Statements abgeben zu dürfen, auf die dann eh keiner hört.

    Mir ist wichtiger, dass den Vorurteilen be- und entgegnet wird. Selbst hier: Punktierer erzählt von den Türken mit 5 oder 6 Kindern. Hmm. Ich habe zwar sechs Kinder grossgekriegt, ohne Türke zu sein, aber meine sämtlichen näheren und entfernteren türkischen Bekannten in Berlin haben nicht so viele Kinder, die meisten 2 oder 3, einige auch nur eins, stimmt, eine Familie mit 4 Kindern ist auch dabei, zweimal hintereinander Zwillinge ;). Auch unsere Berliner Bevölkerungsstatistik unterstützt diesen Eindruck. In der eher kleinen arabischen Bevölkerungsgruppe sind viele Kinder eher “in”, und türkische Bekannte (auch richtige Prolls :)) lästern heftig darüber ab, dass die Araber schmeissen wie Strassenhunde (nicht meine Ausdrucksweise).

    Richtig ist, was Jens schreibt: das sind Sozialprobleme. Ausserdem sind es Ausgrenzungsprobleme. Ich hatte nie Probleme, in die “Parallelgeselschaften” einzutauchen und teilzunehmen, genauer kriegte und kriege ich da mehr Einladungen als ich imstande bin anzunehmen. Es mag ja irgendwelche Ultrafrommen oder Ultranationalisten unter den Türken geben, die das nicht tun. Aber warum bemühen sich die so integrationsbeflissenen Deutschen nicht um Kontakte mit den kontaktwilligen Migranten? Richtig, das sind ja bloss dreckige Unterschichtler ..

    Wenn man Migrationsfragen ernstnimmt, muss man auch fragen, ob es tolerabel ist, dass eine nach Millionen zählende Minderheitsgruppe keinen – mindestens zusätzlichen – Sprachunterricht in ihrer Herkunftssprache bekommt. Die Schulleistungen türkischer Kinder sind in der Türkei besser als hier, kein Wunder, wenn bei uns die muttersprachliche Sprachkompetenz nicht nur nicht gefördert, sondern direkt bekämpft wird. Man muss sich da einmal mehr fragen, wer da integrationsunwillig ist und das intellektuelle “Humankapital” (ich hasse diesen Ausdruck) sprachlicher Kompetenz in einer weit verbreiteten aussereuropäischen Sprache brachliegen gelassen wird.

  42. Spiegelfechter am 12. Oktober 2009 um 23:37 - - Permalink

    @Aquadraht

    Wenn man Migrationsfragen ernstnimmt, muss man auch fragen, ob es tolerabel ist, dass eine nach Millionen zählende Minderheitsgruppe keinen – mindestens zusätzlichen – Sprachunterricht in ihrer Herkunftssprache bekommt.

    Zumindest das ist ja seit wenigen Jahren endlich vollbracht.

    Die Schulleistungen türkischer Kinder sind in der Türkei besser als hier, kein Wunder, wenn bei uns die muttersprachliche Sprachkompetenz nicht nur nicht gefördert, sondern direkt bekämpft wird. Man muss sich da einmal mehr fragen, wer da integrationsunwillig ist und das intellektuelle “Humankapital” (ich hasse diesen Ausdruck) sprachlicher Kompetenz in einer weit verbreiteten aussereuropäischen Sprache brachliegen gelassen wird.

    Es ist nun einmal in jedem Land Usus, dass der Unterricht in öffentlichen Schulen der Landessprache (bzw. in einer der offiziellen Sprache) stattfindet – Ausnahmen wie internationale Schulen oder “Diplomatenschulen” bestätigen die Regel. Das ist auch durchaus sinnvoll. Wer hier auf eine öffentliche Schule geht, wird auf deutsche Hochschulen und deutsche Arbeitgeber vorbereitet, auf/bei denen nun einmal auch Deutsch gesprochen wird. Sprachliche Kompetenzen in einer Zweit- oder Drittsprache sind sicher wichtig – aber eben als Zweit- oder Drittsprache.

  43. egal am 13. Oktober 2009 um 00:45 - - Permalink

    Angenommen, die Türken seien tatsächlich schlechter integriert. Dann fällt doch auf, dass sie als Gastarbeiter vor allem in die Regionen einwanderten, die früher mal industrialisiert waren und in denen heute HartzIV regiert. Die “Integrationsfähigkeit” von Türken könnte man nur dann bestimmen, wenn man Türken, etwa aus dem Ruhrgebiet oder Berlin mit Türken vergleicht, die in Regionen leben, in denen es heute noch Industriearbeitsplätze gibt. Daten dazu liegen mir nicht vor. Aber: man schaue sich mal die Nachwuchsspieler von Hertha und Stuttgart an. Die Migranten bei Hertha (aber auch z. B. Patrick Ebert): Klischee. Tätowierungen, Solarium, schlechte Deutschkenntnisse, Riesenego, Sozialverhalten mangelhaft. Und Tasci, Khedira und so weiter beherrschen sogar den Konjunktiv I bei indirekter Rede.
    Wenn man Arbeitslosenrate und Durchschnittseinkommen von Stuttgart und Wedding vergleicht, muss man sagen, kein Wunder. Gegen Armut helfen auch keine Deutschkurse.

    Und die Paralellgesellschaften in Berlin. Da gibt es viele. Die Migranten, die aus anderen Bundesländern zum Studieren herkommen, bleiben doch ab dem ersten Semester ziemlich unter sich… Die Kreise, in denen Sarrazin verkehrt, sind auch nicht gerade leicht zugänglich…
    Natürlich gibt es Migranten, die die Hauptschule besuchten und einen Gruppenhass auf die Mehrheitsgesellschaft kultivieren. Würde ich an deren Stelle auch. Im Grunde träumen die meisten aber von der Familienidylle im Grünen, davon jeden Morgen in den BMW zu steigen und hart für den Statuskonsum zu arbeiten. Aber mehr als Träumen ist nicht drin.

  44. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 01:06 - - Permalink

    @egal

    Angenommen, die Türken seien tatsächlich schlechter integriert. Dann fällt doch auf, dass sie als Gastarbeiter vor allem in die Regionen einwanderten, die früher mal industrialisiert waren und in denen heute HartzIV regiert

    Sagen wir es mal so – die Einwanderer bevorzugen Gebiete, in denen bereits viele ihrer Landsleute leben.

    Und Tasci, Khedira und so weiter beherrschen sogar den Konjunktiv I bei indirekter Rede.
    Wenn man Arbeitslosenrate und Durchschnittseinkommen von Stuttgart und Wedding vergleicht, muss man sagen, kein Wunder. Gegen Armut helfen auch keine Deutschkurse.

    Fußballmillionäre mit chancenlosen Einwanderern zu vergleichen ist schon ein wenig zynisch.

    Und die Paralellgesellschaften in Berlin. Da gibt es viele. Die Migranten, die aus anderen Bundesländern zum Studieren herkommen, bleiben doch ab dem ersten Semester ziemlich unter sich…

    … sprechen aber die deutsche Sprache, halten sich an Sitten und Gebräuche und haben – so zumindest die Theorie – gute Perspektiven. Ein ganz schlechtes Beispiel.

  45. Punktierer am 13. Oktober 2009 um 01:31 - - Permalink

    Die Misere ist weniger das Einwanderer meist zu den Sozialschwachen, sondern dass Ihnen das wichtigste Mittel zum Verlassen dieser Schichten fehlt: BILDUNG. Ich habe aber nicht unbedingt den Eindruck, dass Migrantenkinder in der Schule massiv benachteiligt werden. Gerade in Schulen mit einem Ausländeranteil von nahezu 90% dürfte das nicht der Fall sein.

    Ich glaube, das Problem liegt zu einem großen Teil an der Sprachbarriere, wobei ich die Schuld dafür nicht beim Staat sehe, sondern bei den jeweiligen Migrantenfamilien. So gibt es viele kostenlose oder kostengünstige Sprachangebote für Migranten, die von vielen aber gar nicht wahrgenommen werden. Benötigt wird ein restriktives Sprachzeugnis, nicht um Migranten zu schikanieren oder sie gängeln, sondern um Ihnen die Teilhabe an dieser Gesellschaft überhaupt erst zu ermöglichen.

    Vielleicht klappt dann auch die Wertevermittlung.

  46. Sandsturm am 13. Oktober 2009 um 02:02 - - Permalink

    @SF
    “Das trifft auch meinen subjektiven Eindruck – je größer die Ghettoisierung ist, desto geringer ist der Integrationswille. Mich würde da mal ein Vergleich mit den USA interessieren – dort herrscht zwar einerseits auch eine hohe Ghettoisierung vor, andererseits ist mein subjektiver Eindruck, dass dort der Integrationswillen wesentlich höher ist. Woran mag das liegen?”

    Also ich kann dir aus Kanada berichten das die Araber und Türken (gibt viel mehr Araber) sehr gut integriert sind. Aber das liegt auch an der kanadischen Mentalität. Da sind mehrsprachige Strassenschilder keine Schlagzeile wert und auch der Geldautomat zeigt in Chinatown chinesisch an und in Little Italy italienisch ohne das irgendwelche Spinner glauben man stehle ihnen die Kultur.

    PS: Guter Artikel

  47. Felix K am 13. Oktober 2009 um 02:17 - - Permalink

    Spiegelfechter: Diese Fußballmillionäre sind aber doch nicht als solche geboren worden und aufgewachsen.

    Ansonsten: Sehr guter Text und sehr interessante Diskussion hier, da macht’s richtig Spaß und auch Sinn sich das alles durchzulesen.

  48. transwarp am 13. Oktober 2009 um 02:45 - - Permalink

    und schon wieder ein artikel der mir aus der Seele spricht… trifft er doch so ziemlich 100% meine Meinung zu Sarrazin und Konsorten…

    Koennte noch ein bischen mehr auf die Einwanderungs Problematik eingehen.

    Natürlich ist der rosarote Traum einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert

    und deren offenen Diskussion…

    “Einwanderung” war fuer mich immer schon der Grund fuer die “islamisierung” deutschlands, und nicht der böse Islam….Lass ein paar millionen deutsche in ein afrikanisches Land auswandern, und ich garantiere eine neue christianisierung des Landes… ist doch nur normal…

    Ich wunder mich allerdings ein bischen, dass sich Broder so hinter Sarazin stellt….Ich unterstelle Broder auch eine gnadenlose divide und conquer strategie… ein Aufbauu des Islams als Feindbild fuer Support für Isreal, Kriege in iran Irak etc…. Aber Broder verfolgte diese Strategie immer verdeckt im namen des “nichtrassistischen” Islambashings… warum er sich jetzt auf die offensichtliche rassistische Seite eines Sarrazin stellt…. halte ich fuer einen taktischen Fehler…

    ps: und ist es nicht ruehrend wie entsetzt sich SPON ueber Sarrazin gibt? Trotzdem werden seine Aussagen höchstwirksam plaziert… Soche Aussagen haben definitiv nur einen Zweck, jegliche ernsthafte Diskussion ueber Einwanderung und die Teilung der Gesellschaft zu unterbinden…

    Wie viele Kollegen ich schon aufklären musste, warum wieso und weshalb….. morgen im gleichen “Blatt” Broder wieder über den Islam hetzen darf…

  49. COPOKA am 13. Oktober 2009 um 02:59 - - Permalink

    Ich muss in dem Zusammenhang auch dem ‘ZR der Juden’ bzw. seinem Gensek Kramer mein Respekt für das Tacheles zollen. Schön, dass er trotz Sarrazins Anbiederung bei den Juden klare Worte dazu findet.

    Dass der Aufruf zur Treibjagd auf die Schwächeren so ein breites Echo im Volk findet, wundert mich nicht im Geringsten.

  50. transwarp am 13. Oktober 2009 um 03:10 - - Permalink

    @COPOKA

    Respekt fuer Zentralrat der Juden:

    Wenn Sie eine wirklich differenzierte Reaktion alla Spiegelfechter gebracht haetten.. dann ja…

    So jedoch seh ich, wie eignetlich meistens, die Reaktion des Zentralrates als äusserst Kontraproduktiv…

  51. COPOKA am 13. Oktober 2009 um 03:31 - - Permalink

    Differenzierte Reaktion auf einer Pressekonferenz!?
    Da muss man seine Position knapp und unmissverständlich zum Ausdruck bringen.

    PS. Wenn gar du deine Kollegen, die kaum einer Bildungsferner Schicht angehören, darüber aufklären müsstest …

  52. aquadraht am 13. Oktober 2009 um 07:19 - - Permalink

    @SF: Niemand sagt etwas dagegen, dass im Unterricht Deutsch die Unterrichtssprache sein sollte, und sich Migranten darauf einstellen sollen und müssen. Andererseits halte ich das Geschrei, wenn andere Schulmodelle vorgeschlagen werden, für reichlich daneben – auch wenn Erdogan sowas vorschlägt. Die Hinweise auf Kanada – ähnlich England und die USA – sind da schon hilfreich. Da werden “Parallelgesellschaften” nicht skandalisiert, sondern als selbstverständlich angesehen, solange sie sich an die Gesetze halten.
    @Punktierer: Alle Umfragen unter Migranten zeigen, dass bei diesen weit über 90% deutschen Spracherwerb für wichtig oder sehr wichtig halten und ihre Bereitschaft dazu bekunden. Sicher gibt es in der Praxis Probleme, aber die sind durch Zwang nicht zu verbessern. Wenn man da Stöckchen hinhält, über die die Migranten springen müssen, hilft das wenig.
    Leider herrscht ja auch das Gerücht fast unumschränkt. Neulich sollte ja ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht werden, um islamische Migranten daran zu hindern, ihre Töchter vom Sportunterricht abzumelden. Irgendjemand kam vorher auf die Idee, bei den Schulen mal nachzufragen. Und die kannten, auch in Gebieten mit massivem Migrantenanteil, solche Fälle überhaupt nicht.

  53. edu am 13. Oktober 2009 um 08:41 - - Permalink

    Um nochmal das Beispiel Kanada aufzugreifen:
    Die Einwanderungskriterien sind in Kanada um einiges höher als in Deutschland. Dh man hat nur als gut Ausgebildeter mit gewissem finanziellen Rahmen überhaupt eine Chance.
    (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Kanada#Einwanderungspolitik)

    Meiner Meinung nach ist das Sprachproblem auch erstmal das zentrale Problem. Weil ohne ausreichende Deutschkenntnisse kann natürlich auch keine Bildung vermittelt werden.
    Ich frage mich nur was denn dagegen spricht die Ganztagsschule als Pflicht überall einzuführen. In dieser könnte man dann auch nachmittags Deutschkurse für die Bedürftigen anbieten und andere Kurse für die, welche der deutschen Sprache bereits mächtig sind.
    Ich meine die Zeiten in denen Schüler die Nachmittage draußen verbracht haben und sich sozial weiterentwickelt haben sind eh vorbei. Heutzutage sitzt man eher vor der Konsole, dem Computer oder dem Fernseher. Dann macht es doch auch Sinn die Schulzeiten zu verlängern und damit auch die sozialen Fähigkeiten zu fördern.

  54. Lago am 13. Oktober 2009 um 09:16 - - Permalink

    Im Blick auf England, USA und Kanada: Da gibt es z.T. einfach ein anderes Verständnis von Integration. Darunter wird in Deutschland üblicherweise Assimilation der Migranten verstanden, das ist z.B. in den USA anders.
    In Kalifornien, welches einen großen Teil Einwanderer aus Asien und Lateinamerika aufweist, scheint die Überzeugung zu herrschen, dass die “amerikanischen Kernwerte” wie Arbeitsethik und Zusammenleben sich praktisch von selbst vermitteln und alles andere eben Privatsache ist. Entsprechend gibt es eine starke Ghettoisierung, aber eben deutlich weniger Kulturkampf als in Deutschland. Die USA sind kulturell zwar kein Melting Pot, sondern eine Salad Bowl mit etwas wirtschaftskulturellem Dressing.

  55. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 09:19 - - Permalink

    @Felix K

    Diese Fußballmillionäre sind aber doch nicht als solche geboren worden und aufgewachsen.

    Sicher nicht, aber sie haben – so ist zumindest die Regel – sehr gute und sehr teure Privatlehrer, die ihnen z.B. bei der Erlernung der Sprache helfen.

  56. Lisa am 13. Oktober 2009 um 09:22 - - Permalink

    Ach bitte…. Herr Sarrazin hat nur Fakten genannt!

    “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.”
    Thilo Sarrazin

    Das ist ein Fakt und daran gibt es auch nichts zu meckern!!!!
    Das er danach noch versucht hat seine Kritik etwas mehr in Worte zu fassen, was dazu führte, dass er Beispiele nennen musste und diese nun dem ein oder anderen sauer aufstoßen liegt doch viel eher an den Personen selbst als an Sarrazin.

  57. Kalle am 13. Oktober 2009 um 09:46 - - Permalink

    Kleiner Schwank aus alten Tagen in einer Berliner Grundschulklasse mit rund 60% Migrantenanteil:
    Zur Intelligenz: Circa bis zu 3-4 Klasse waren 2 Türken und ein Araber die besten in Mathe. Allesamt Kinder von Gastarbeitern. Nach rassischem Denken, heißt das doch, dass die Gene von ausländischen Gastarbeitern besser sind, als die der deutschen Mittelschicht, oder nicht?
    Leider haben die mit der Pubertät dann doch leichte Einstellungsprobleme bekommen und keiner mit türkisch/arabischem Migrationshintergrund hat es aufs Gymnasium geschafft (obwohl mindestens 2 später auf den gymnasialen Zug gewechselt sind).
    Zum Respekt für Lehrerinnen: Einer hat während des Unterrichts gequascht und wurde von der Lehrerin zurechtgewiesen. Hat ihn etwas genervt und er hat mit dem Kommentar “voll geil…” reagiert. Die Lehrerin, Frau Voll, hat das als dispektierliche Beleidigung aufgefasst und einen riesen Wirbel deswegen veranstaltet… Bin mir ziemlich sicher, dass diese Frau jetzt auch noch von den ganzen ach so respektlosen Ausländerkindern schwadroniert. Und das war der einzige “große” Zwinschenfall, den es in meiner Grundschulzeit gab. Das ist zwar alles gut 20 Jahre her, aber Migrantenkinder sind immer noch Migrantenkinder. Wenn es sich verschlechtert haben sollte, sollte man vielleicht mal anfangen die Gründe woanders als plump bei “den Migranten” zu suchen.

  58. bruno am 13. Oktober 2009 um 10:09 - - Permalink

    Jetzt ist Carl Schmitt schon in der SPD angekommen, ich könnt kotzen. Und demnächst empfiehlt uns Sarrazin Otto Depenheuer als Nachtlektüre und “alle so yeah”.

    Ich finde es erstaunlich dass ein Politiker das Versagen der Politik — auch seiner Politik — der Subalternen in die Schuhe schieben kann und dafür noch Beifall bekommt. Ich finde es erstaunlich dass Sarrazin und seine Zustimmer nie bemerken wie kontraproduktiv sie sind, dass sie den von ihnen monierten Konflikt durch ihren Hass erst recht am Leben halten. Oder wie soll ich diese “Wir” gegen “Die” verstehen?

    Ich verstehe auch nicht weshalb alle immer auf der NPD rumhacken, wenn sogar ein “Sozialdemokrat” braunes Gedankengut zum besten geben darf und eine erklägliche Anzahl von Mitmenschen das toll findet. Ist das Futterneid, oder was?

    Wozu soll man jetzt noch auf Anti-Nazi-Demos gehen? Herr Sarrazin bitte gehen sie. Am besten ganz weit weg in ein anderes Land, damit sie uns allen beweisen können, wie gut integrierbar sie sind.

  59. emo am 13. Oktober 2009 um 10:14 - - Permalink

    Liebe Lisa
    Die Aussage das menschliche Begabung zum Teil vererbt ist könnte man, sofern in einem plausiblen wissenschaftl. Rahmen aufgestellt und belegt, ja noch gelten lassen. In diesem Fall redet aber Obersturmbandführer Thilo, der sicherlich nicht über das Hintergrundwissen in Genetik verfügt, um seine Aussage zu untermauern. Das grösste Problem ist hierbei auch der 2. Satz: Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.”
    Sarrazin erklärt ja im Vorfeld, das die Migranten mit ihren höheren Geburtenraten die ….ähm…..”echten” Deutschen zahlenmässig überholen werden. Somit bedeutet sein Zitat, das Kinder von Migranten nicht so intelligent sind, wie die der “echten”, und auch weniger leisten, wegen der ihnen vererbten Eigenschaften. Alles in allem ist dies beste Rassenlehre, eine Kerntheorie des Nationalsozialismus (das sind die Nazis liebe Lisa, Hitler und so).
    Alles in allem hat es mich sehr gewundert, so einen Kommentar hier zu lesen.

    PS. Da Du ja echt Plan zu haben scheinst, stell mir doch mal bitte eine Liste mit den Eigenschaften zusammen, die diese Ausländerkinder erben. Gerne auch mit Gegenüberstellung einer Aufzählung der von deutschen bei ihrer Geburt ererbten Fähigeiten. Würede mich sehr freuen, ich lache leidenschaftlich gern.
    Machs gut, kauf Dir ma n Buch, Emo

  60. Alexander Lehner am 13. Oktober 2009 um 10:18 - - Permalink

    Ich bitte um Unterstützung: Im Rahmen meiner Diplomarbeit an der Fachhochschule Wien führe ich eine Umfrage über den Online-Wahlkampf der deutschen Parteien vor der Bundestagswahl 2009 durch.

    Hier der Link zum Online-Fragebogen: http://www.unipark.de/uc/UNIQUE_alexander_lehner/673f/

    Die Beantwortung der Fragen wird in etwa 10 Minuten in Anspruch nehmen. Die Angaben werden absolut vertraulich und anonym behandelt. Danke für Ihre Teilnahme!

  61. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 10:34 - - Permalink

    @Kalle

    Ich weiß nicht, ob solche Fallbeispiele sinnvollsind. Klar, bei mir sah das ähnlich aus … damals. Wenn ich mir aber heute die Geschichten von Freunden aus B anhöre, deren Kinder dort in die Schule gehen, kommt man mit einer Bagatellisierung der Probleme sicher nicht weiter – und die genannten Freunde und Freundinnen sind sicher werder verkaptte Rassisten noch neigen sie zur Übertreibung.

  62. name am 13. Oktober 2009 um 10:49 - - Permalink

    Die bürgerliche bundesdeutsche Gesellschaft ist zerfressen von sozialdarwinistischen Einstellungen und Ansichten. Die Predigung dieser Werte findet seine konsequente Fortsetzung im veröffentlichen Schaulaufen eines Thilo Sarrazin, der damit sowohl die Truppen des Bürgertums für den Krisen- und Klassenkampf ideologisch auf Linie bringen soll, als auch den verarmten deutschen Proleten, das politisch auserkorende Schuldsubjekt ihrer Armut präsentieren soll.

    Politisch ökonomisches Ziel dieser politisch offen angekündigten Kampagne des Bürgertums ist der Expansion der eigenen Konzerne (!), in der Krise, ein neues ideologisch “völkisches” Futter zu geben, um den eigenen Expansionsdrang, gegen die Kapazitäten der nationalen Konkurrenz, zu rechtfertigen.

    Aktuell, wird diese bürgerliche Kampagne nur durch die ökonomischen Interessen anderer bürgerlicher Kapitalfraktionen etwas gemildert und abgeschwächt.

    Was dort am Himmel in den höchsten politischen Kreisen aufzieht, ist eine neue Form des Faschismus, wie er schon in gleicher Art und Weise, mit den gleichen Methoden in den letzten Jahren in Italien und Osteuropa zu beobachten war und ist, welcher nur mit einem solidarischen Klassenbewußtsein von Links in seinen Grenzen gewiesen werden kann.

    Von den Ursachen der Krise des Kapitals hält man in den bürgerlichen Kreisen die Fresse, die wirklichen Ursachen zu benennen, die verlogenen Scheindebatten als das zu kennzeichnen, was sie sind, ist die Aufgabe der Linken.

    Jens, super Artikel!!

  63. HAL9002 am 13. Oktober 2009 um 11:00 - - Permalink

    Ein richtig, richtig guter Artikel! Klar und analytisch.

    Besonders perfide finde ich, dass er er auf die Spaltung sogar noch weiter betreibt, indem er auf den vermeintlich höheren IQ der jüdischen Einwohner eingeht. Damit kann er sicher sein, dass die Bild nicht querschießt. Außerdem kann er sicher sein, dass die Erz-Konservativen Arier applaudieren.
    Er baut somit sehr geschickt für die nächste Attacke vor: Denn was verachten Erzkonservative mehr als die barfußen Fellachen? Das “internationale, amerikanische Finanzjudentum”, das die eigene Gewinne schmälert.
    Die Reaktion des Zentralrats der Juden in Deutschland fand ich deshalb bemerkenswert und weitsichtig. Die ahnen auch wohin solches Gedankengut führt.

  64. aquadraht am 13. Oktober 2009 um 11:07 - - Permalink

    @SF: Wir kennen doch immer nur Fallbeispiele. Meine jüngeren Kinder sind in den neunziger Jahren in Berlin zur Schule gegangen. Zugegeben,Tempelhof ist nicht Kreuzberg, mit “nur” 65% Migrantenanteil in der Primarstufe, dahin ziehen viele Türken, denen Kreuzberg, Neukölln oder Wedding für ihre Kinder zu krass ist. Gewiss haben sich seither Probleme verschärft. Das liegt aber nicht an den Migranten. Es ist im beschämend, dass ein Land, in dem es immer weniger Kinder und Jugendliche gibt, immer weniger für diese tut. Das ist das Problem.

  65. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 11:28 - - Permalink

    @aquadraht

    Wir kennen doch immer nur Fallbeispiele. Meine jüngeren Kinder sind in den neunziger Jahren in Berlin zur Schule gegangen. Zugegeben,Tempelhof ist nicht Kreuzberg, mit “nur” 65% Migrantenanteil in der Primarstufe, dahin ziehen viele Türken, denen Kreuzberg, Neukölln oder Wedding für ihre Kinder zu krass ist.

    … und darum ist der Vergleich auch schwer. Ich lebte früher mal auf dem “Prenzlberg” und einige meiner Freunde leben da heute noch – dieser Stadtteil hat zwar nicht den Ausländeranteil von Kreuzberg oder Wedding, aber v.a. in den letzten Jahren ist der Ausländeranteil auch dort “explodiert”. Aber die dort hingezogenen Ausländer sind nun einmal solche, die Sarrazin keine Kopfschmerzen bereiten – Franzosen, Italiener, US-Amerikaner, Japaner etc. pp., allesamt mit soliden finanziellem Hintergrund. Türken und Araber kommen dort allenfalls als Gemüsehändler vor, die nicht wirklich verstehen, warum die Kundschaft lieber in den Bioladen pilgert und dort die doppelten Preise zahlt ;-)

    Das ist auch der Grund, warum solche Fallbeispiele immer hinken – es gibt nicht “den Migranten” und es gibt auch nicht “den Türken”. Ich bin auch sehr für interkulutrelle Verständigung, habe türkische Nachbarn, mit denen ich mich gut verstehe etc. pp. – aber in Neu-Kölln oder gewissen Strassen des Wedding würde ich freiwillig sicher nicht wohnen wollen.

    Gewiss haben sich seither Probleme verschärft. Das liegt aber nicht an den Migranten.

    Widerspruch! Das ist positiver Rassimus, sorry. Es liegt nicht nur an den Migranten, das ist klar. Es liegt aber auch an den Menschen selbst, sprich den Migranten – sie sind keine schlechteren aber auch keine besseren Menschen.

    Es ist im beschämend, dass ein Land, in dem es immer weniger Kinder und Jugendliche gibt, immer weniger für diese tut. Das ist das Problem.

    Beschähmend ist dies, keine Frage. Aber m.W. hat sich dies in den letzten zwei Jahren doch zum Positiven geändert – Sprachkurse, vorschulische Integrationsbemühungen etc. pp. sind ein relativ neues Feld, in das auch ordentlich Geld gepumpt wird. Alleine aus dem Bundeshalt immerhin 900 Mio. Euro pro Jahr, wenn ich das recht in Erinnerung habe.

  66. name am 13. Oktober 2009 um 11:34 - - Permalink

    Superthilo hat die Zerstörung S-Bahn in Berlin selbst auf dem Gewissen, wie auch all die anderen Schweinereien.

    http://www.jungewelt.de/2009/10-13/010.php

  67. Jeeves am 13. Oktober 2009 um 11:53 - - Permalink

    Als Berliner, U- und S-Bahnfahrer sowie Spaziergänger muss ich sagen: So Unrecht hat Herr Sarrazin nicht. Seine Aussagen werden (leider) von meinen jahrelangen Beobachtungen bestätigt.

  68. Lago am 13. Oktober 2009 um 12:10 - - Permalink

    @Jeeves:

    Meinst du Sarrazins Aussage, dass die Berliner faule Alt-68er sind, die den ganzen Tag nix zu tun haben außer spazieren gehen und Bahn fahren?

    Ich finde es beeindruckend, wie die von Sarrazin beleidigten sich noch hinstellen und diese Beleidigungen beklatschen. “Gibs ihnen, Thilo!”
    Nicht “ihnen”, “euch” meint er.

  69. egal am 13. Oktober 2009 um 12:44 - - Permalink

    Sorry, SF, einerseits sagst du, dass Mehmet aus Neukölln und Anna aus Marzahn aus den gleichen Gründen Hartz IV und ihr Millieu nicht verlassen könnten.
    Die Ursachen lägen dabei, so habe ich es aus anderen Artikeln in Erinnerung, v. a. in einem sozial selektiven Bildungssystem, dem Mangel an Anreitsplätzen, verursacht durch die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik der Neoliberalen, und anderen Gründen, die sämtliche nicht in der Verantwortung des individuellen Sozialleistungsbeziehers lägen.

    Andererseits sagst du aber, dass es sehr wohl Probleme mit der Integration von Migranten gäbe. Dieses Probleme, fasse ich mal zusammen, bestünden in dem geringen Wert ihrer Arbeitskraft (Bildungsstand, Sprache) und in ihrer Kultur, die mit der deutschen in Teilen unvereinbar sei (Sitten und Gebräuche, Sprache).

    Zu der ökonomischen Komponente des Integrationsproblems: noch schlechter als die Bildungsintegration von Türken ist die von Italienern. Die meisten Italiener und Türken waren schon bildungsfern, als sie hierher kamen. Sie bilden auch beide eine Gruppengröße, die die Bildung von “Paralellgesellschaften” erst ermöglicht. Entscheidend ist aber, so meine Vermutung, dass sie herkamen um Industriearbeitsplätze zu besetzen, die es heute nciht mehr gibt. Integration vollzieht sich aber entscheidend am Arbeitsplatz. Die schlechte Integration von bestimmten Migrantengruppen läge damit vor allem am Mangel an Arbeitsplätzen. Beleg 1: der abnehmende Ausbildungsgrad in bestimmten Migrantenfamilien über die Generationen. Beleg 2: regionale Unterschiede in der Integration von Migranten. Wie gesagt, dazu gibt es meines Wissens keine Daten, aber es entspricht meiner Beobachtung und das Fußballerbeispiel ist für jeden, der sich für Fußball interessiert, selbst nachzuvollziehen. Ich komme aus Berlin. Wann immer ich in die Regionen Westdeutschlands gereist bin, in denen bis vor kurzem noch Vollbeschäftigung herrschte, bin ich jedesmal aus allen Wolken gefallen, wie gut Deutsch die Türken da sprechen. Anzeichen der Gegenkultur männlicher junger Migranten gab es dort auch nicht. Und er Unterschied zwischen den Boatengs, Chahed, Dejagha, Fathi auf der einen und Tasci, Khedira auf anderen Seite (gibt noch mehr beim VfB, die Namen fallen mir gerade nicht ein) ist ja wohl offensichtlich. Natürlich sind das heute Millionäre, aber sie stehen doch für ihr Herkunftsmillieu
    Offensichtlich hängt das Gelingen von Integration also von der wirtschaftlichen Lage ab.

    Selbst wenn meine Theorien nicht stimmen. Der SF behandelt, wenn ich ihn richtig verstanden habe, Migranten und z. B. Arbeitslose ungleich. Bei Arbeitslosen sei es falsch, die Ursachen der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitslosen zu suchen, das ganze Aktivierungsregime daher abzulehnen. Migranten müssten aber sehr wohl etwas für ihre Integration tun, auch wenn Mehmet und Anna aus den gleichen Gründen HartzIV bezögen (Integration hier verstanden als schlecht verwertbare Arbeitskraft).

    Einige hier werden einwenden, es gäbe doch zahlreiche Fälle, in denen Migranten (oder Arbeitslose) ihnen angebotene Chancen nicht ergriffen. Stimmt, die gibt es. Aber ihnen das vorzuhalten hieße, eine Vorleistungspflicht anzunehmen (erstmal Ausbildung machen, Beschweren erst, wenn dann arbeitslos). Diese Vorleistungspflicht anzunehmen, ist aber ziemlich dreist. Sie ist nicht nur bewährte Herrschaftstechnik, wie tausende Arbeitslose erzählen können, die Lohnsenkungen zustimmten, um ihren Arbeitsplatz zu erhalten, sie macht auch das gigantische Machtgefälle zwischen Arbeitnehmer/Azubi/Migrant und Arbeitgeber/Mehrheitsgesellschaft deutlich. Diese Kröte muss der Exkludierte erstmal schlucken. Und das ist sehr schwer für Menschen, die ihre Machtlosigkeit mit Größenphantasien überkompensieren (das machen bestimmt die Hälfte aller männlichen Migranten unter 20).

    Zu der kulturellen Komponente der Integration: schwierige Kiste, schreibe ich jetzt nichts zu.

    Ich möchte es gar nicht zum Dogma erheben, dass die Migranten, Arbeitslosen, Behinderten nicht selber Schuld seien an ihrer Lage, sondern immer nur die böse Mehrheitsgesellschaft, aber so ist es nunmal. Meistens. Wers nicht mehr hören kann: sorry, mir gefällt die Realität auch nicht.

    Ich gebe ja zu, dass mein Text auch nicht sehr überzeugend ist… egal, abgeben…

  70. HAL9002 am 13. Oktober 2009 um 12:48 - - Permalink

    @Spiegelfechter
    Tschja, jetzt bin ich wenig deprimiert. Ich hatte mir eine gewisse aufklärerische Wirkung deines Artikels versprochen. Anscheinend ist der Schritt von der Beobachtung eines Misstandes hin zur Erklärung der tieferen Ursache, die über naheliegenden Rassen-Schuldzuweisungen hinaus geht, doch zu schwierig.

    Zwischenstand:
    Es gibt drei Lager
    1. “HartaberFair”-Lager: Thilo hat Recht; deshalb Fellachen raus, da sie Schuld sind
    2. “KeineAngstVorNeudeutschen”-Lager: Thilo hat Recht; deshalb started eine grosse Arisierungs-Kampagne, damit alle die Möglichkeit haben, richtige, saubere Deutsche zu werden
    3. “Bessermenschen-Lager”: Löst dieses Problem durch eine gerechtere Gesellschaft, bessere Schulen usw., ansonsten wird es bald sehr viele betreffen.
    Das Verhältnis der Meinungen dürfte wohl bei 80:19:1 liegen

  71. schwitzig am 13. Oktober 2009 um 13:04 - - Permalink

    (egal):Und die Paralellgesellschaften in Berlin. Da gibt es viele. Die Migranten, die aus anderen Bundesländern zum Studieren herkommen, bleiben doch ab dem ersten Semester ziemlich unter sich…

    Antwort SF:
    … sprechen aber die deutsche Sprache, halten sich an Sitten und Gebräuche und haben – so zumindest die Theorie – gute Perspektiven. Ein ganz schlechtes Beispiel.

    … und mitunter absolvieren sie sogar Flugstunden, steigen mit Teppichmessern in ein Linienflugzeug und verdingen sich als Piloten …

    Sorry, konnte nicht widerstehen :-). Zu dem Phänomen der Subkulturbildung: Relevant für den Integrationswillen ist natürlich auch, wo und weshalb die Einwanderer nach Deutschland gekommen sind – wenn ultraorthodoxe Menschen egal welcher Nationalität ihren Wohnort aus z.B. (völlig rechtmäßigen) wirtschaftlichen Erwägungen wechseln, verändern sie ihre Grundeinstellung dadurch in der Regel nicht – bei den türkischen Mitbürgern waren die ersten Einwanderer überwiegend aus dem eher fundamentalistischen Lager.
    Durch einerseits massive Ausgrenzung von den deutschen Mitbürgern ausgehend und durch traditionsbedingte Akkumulationstendenzen wuchsen so schon in den 60igern sogenannte “Viertel” heran, in denen sich eine isolierte Subkultur etabliert hat. Wenn nun spätere Einwanderer nach Deutschland kommen, ist es das natürlichste auf der Welt, dass sie sich als Fremde erst einmal dem Bekannten – nämlich eben dieser Subkultur – zuwenden, die dadurch natülich auch in ihrem quantitativen Vorkommen gestärkt wird. Dies ist ein selbstverstärkender Prozess, dem aber durchaus mit Siedlungs- und sinnvollen Bildungsprojekten (nich dieser beschissene Einbürgerungstest und sogenannte “Sprachprogramme”) von deutscher Seite ohne Würdeverletzung und Zwang hätte begegnet werden können.
    Die Chancen wurden von den Linken, den Rechten und der “Mitte” in sinnlosen Grabenkämpfen vertan und nun haben wir eine Situation, die für alle Seiten unschön ist.

    Dennoch wäre es nicht zu spät, der Separation entgegen zu wirken – nur wird das mit den Sozialfaschisten der CDUSPDFDPGRÜNEN niemals passieren :-(.

    Von aussen betrachtet ist diese Entwicklung bei den türkischstämmigen Mitbürgern nachvollziehbar und gerechtfertigt. Womit sollen sie sich denn identifizieren? Mit den Türkenverarschungskomikern aus dem Fernsehen?
    Ich bin übrigens in Gelsenkirchen wohnhaft und erlebe die Separationseffekte tagtäglich.

    Ein toller Artikel übrigens.

  72. name am 13. Oktober 2009 um 13:05 - - Permalink

    Die Bildung als Einstiegsfaktor ins bürgerliche Leben ist schon keine Kriterium mehr, um der sozialen Massenverarmung zu entgehen. Diese Lüge hat das Kapital schon seit Schröder ins Nirvana geschickt, obwohl selbst heute noch etliche genau darauf hoffen und hoffen, und sich nicht einmal wundern, warum selbst die Generation Praktium überflüssig wird.

    Von der Analyse her lässt sich eines feststellen. Der auf Kredit finanzierte Finanzkapitalismus der letzten 30 Jahre schuf eine politische Klasse, die nationenübergreifend sich in einem neuen globalen sozialen Darwinismus unabhängig von Religion und Hautfarbe, bestätigt fühlte. Der alte völkische Sozialdarwinismus der Nationen hatte in diesem Zeitpunkt ausgediehnt.

    Aktuell erleben wir in der größten Krise des Kapitalismus eine Abkehr und ein Verschwinden dieser politischen Klasse. Der krisenbedingten Renationalisierung der Schlüsselindustrien folgt die Wiederauferstehung des alten völkischen Sozialdarwinismus als ideolgisches Bewußtsein des Bürgertums.

    Es stehen sich zwei verschiedene Formen des sozialen Darwinismus gegenüber, wobei die ältere Form, wieder Hochkonjunktur hat.

  73. name am 13. Oktober 2009 um 13:26 - - Permalink

    zu ergänzen bliebe noch:

    Daß dieser alte Sozialdarwinismus in Deutschland, der stärksten ökonomischen und politischen Macht in Europa, als politisches Mittel wieder angedacht und in der herrschenden politischen Klasse diskutiert wird, zeigt nur, wie brisant die gesamte Lage überhaupt ist. Diesen Idikator und die Veränderung im Bewußtsein des Bürgertums sollte man genau beachten.

  74. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 13:35 - - Permalink

    @egal

    Sorry, SF, einerseits sagst du, dass Mehmet aus Neukölln und Anna aus Marzahn aus den gleichen Gründen Hartz IV und ihr Millieu nicht verlassen könnten.

    Das sage ich nicht – ich sage, dass ihnen diese soziale Mobilität in den letzten Jahrzehnten massiv erschwert wurde.

    Andererseits sagst du aber, dass es sehr wohl Probleme mit der Integration von Migranten gäbe. Dieses Probleme, fasse ich mal zusammen, bestünden in dem geringen Wert ihrer Arbeitskraft (Bildungsstand, Sprache) und in ihrer Kultur, die mit der deutschen in Teilen unvereinbar sei (Sitten und Gebräuche, Sprache).

    Jein – unvereinbar ist dies sicher nicht.

    Integration vollzieht sich aber entscheidend am Arbeitsplatz. Die schlechte Integration von bestimmten Migrantengruppen läge damit vor allem am Mangel an Arbeitsplätzen. Beleg 1: der abnehmende Ausbildungsgrad in bestimmten Migrantenfamilien über die Generationen. Beleg 2: regionale Unterschiede in der Integration von Migrante

    Richtig – aber nicht nur. Wenn ich mal ein wenig empirisch in der Gegend herumschaue, so entdecke ich auch folgendes: Der Integrationsgrad nimmt ab, wenn Migranten die Möglichkeit haben, unter sich zu bleiben. Hier in der Provinz ist dies gut zu beobachten, da Migranten idR zersiedelt werden und sich dadurch leichter integrieren – das fängt schon im Kindergarten an, geht über die Sportvereine bis hin zur Schule, Ausbildung und dem späteren Beruf.

    Selbst wenn meine Theorien nicht stimmen. Der SF behandelt, wenn ich ihn richtig verstanden habe, Migranten und z. B. Arbeitslose ungleich. Bei Arbeitslosen sei es falsch, die Ursachen der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitslosen zu suchen, das ganze Aktivierungsregime daher abzulehnen. Migranten müssten aber sehr wohl etwas für ihre Integration tun, auch wenn Mehmet und Anna aus den gleichen Gründen HartzIV bezögen (Integration hier verstanden als schlecht verwertbare Arbeitskraft).

    Das sage ich sicherlich nicht – natürlich ist es auch Arbeitslosen zuzumuten, sich fortzubilden oder sich umschulen zu lassen. Ich spreche mich auch an keiner Stelle für eine Sanktionierung der vorhandenen Migranten aus. Ich erwähne lediglich implizit eine Überarbeitung des gültigen Zuzugrechts – das betrifft die bereits in D lebenden Migranten aber nicht. Der Zuzug neuer Migranten sollte jedoch mE an bestimmte Bedingungen geknüpft werden.

  75. Karsten Bier am 13. Oktober 2009 um 13:40 - - Permalink

    Hmm, leider wird in den Kommentaren IMO wieder am eigentlichen Problem total vorbeigeredet, obwohl SF das im Artikel so wunderbar ausgeführt hat:

    Natürlich sind die Migranten auch mit “schuld” an den Problemen, denn jeder Mensch trägt letztendlich die Verantwortung für sein Handeln und es wäre lächerlich, sie davon komplett freizusprechen. Aber zu einem großen Teil ergibt sich das Handeln eines Menschen eben auch aus dem Umfeld und den Erfahrungen. Nicht die Eigentschaft “Migrant” und schon gar nicht die genetische (und in diesem Fall auch nicht die kulturelle) Herkunft führen zu den Problemen. Sondern die sozialen und gesellschaftlichen Umstände, unter denen die allermeisten leben bzw. die insgesamt in Deutschland vorherrschen. Deutsche unter den gleichen Umständen sind IMO praktisch keinen Deut besser “integriert”, sie können nur besser Deutsch sprechen, daher ist die Verständigung mit ihnen natürlich etwas einfacher. Die Sprache sorgt IMO zudem für eine Verhinderung der Bildung von Parallelgesellschaften, die ich zumindest in der Ausprägung in Deutschland, auch als Problem ansehe. Daher auch meine doch ziemlich seltene Zustimmung zu einer der Forderungen der Konservativen nach Verpflichtung zum Erlernen der deutschen Sprache (allerdings fallen mir da andere Wege ein als der Union -> Repression hat noch nie viel gebracht).

    Aber jetzt schweife ich selbst auch schon wieder ab:

    Lest doch bitte den letzten Teil des Artikels ab dem zweiten Absatz unter der Überschrift “Bourgeoise reloaded” nochmal. _Da_ liegt IMO das eigentliche Problem und genau darüber wird viel, viel zu wenig geredet. Danke nochmal an SF, der das so überragend gut aufbereitet präsentiert.

  76. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 13:45 - - Permalink

    @Schwitzig

    Zu dem Phänomen der Subkulturbildung: Relevant für den Integrationswillen ist natürlich auch, wo und weshalb die Einwanderer nach Deutschland gekommen sind – wenn ultraorthodoxe Menschen egal welcher Nationalität ihren Wohnort aus z.B. (völlig rechtmäßigen) wirtschaftlichen Erwägungen wechseln, verändern sie ihre Grundeinstellung dadurch in der Regel nicht – bei den türkischen Mitbürgern waren die ersten Einwanderer überwiegend aus dem eher fundamentalistischen Lager.

    Sehr richtig – nur werden vor allem durch die “Heiratsimporte” ebenfalls türkische Bürger nach Deutschland gelotst, die diesem Milieu entstammen. Es kommt eher selten vor, dass Akademiker aus Istanbul per Heirat die Aufenthaltsgenehmigung erlangen – hier kommen eher Menschen in Frage, die auch in der Türkei eher in Parallelgesellschaften abseits der Zentren leben. Es ist kaum verwunderlich, dass für Berlin dann kaum andere Regeln gelten als für Istanbul.

    Durch einerseits massive Ausgrenzung von den deutschen Mitbürgern ausgehend und durch traditionsbedingte Akkumulationstendenzen wuchsen so schon in den 60igern sogenannte “Viertel” heran, in denen sich eine isolierte Subkultur etabliert hat. Wenn nun spätere Einwanderer nach Deutschland kommen, ist es das natürlichste auf der Welt, dass sie sich als Fremde erst einmal dem Bekannten – nämlich eben dieser Subkultur – zuwenden, die dadurch natülich auch in ihrem quantitativen Vorkommen gestärkt wird.

    Auch hier – volle Zustimmung. Aber man muss sich auch die Frage stellen, warum dies ein relativ exklusives türkisches Problem ist. Auch Russen oder Polen ziehen zunächst die Nähe zu ihrer alten Kultur vor – nur dass sie diese Subkultur anscheinend schneller und erfolgreicher verlassen können. Das mag etwas mit dem Bildungshintergrund zu tun haben – ich weiß es auch nicht.

    Die Chancen wurden von den Linken, den Rechten und der “Mitte” in sinnlosen Grabenkämpfen vertan und nun haben wir eine Situation, die für alle Seiten unschön ist.

    Leider hast Du da sehr recht.

    Von aussen betrachtet ist diese Entwicklung bei den türkischstämmigen Mitbürgern nachvollziehbar und gerechtfertigt. Womit sollen sie sich denn identifizieren? Mit den Türkenverarschungskomikern aus dem Fernsehen?

    Ach was – aber dafür mit der hiesigen Gesellschaft. Herrjeh, wir beide leben auch hier, Deutschland ist doch nicht nur das Land der Sarrazins, Merkels und der Ackermänner (übrigens auch ein Migrant), sondern auch – und vor allem(!) – unser Land. Natürlich kann man sich hier mit etwas identifzieren, es muss ja nicht RTL, die Merkelin oder das Bild vom röhrenden Hirsch sein.

    Wir – und damit meine ich mich und gleichgesinnte – sollten endlich wieder selbstbewußter werden und unser(!) Land nicht den Arschlöchern überlassen, die darauf Anspruch erheben.

  77. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 13:47 - - Permalink

    @name

    Die Bildung als Einstiegsfaktor ins bürgerliche Leben ist schon keine Kriterium mehr, um der sozialen Massenverarmung zu entgehen.

    Falsch – die Bildung ist keine Garantie für soziale Mobilität, aber sie ist und bleibt immer noch der gängiste Weg.

  78. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 13:49 - - Permalink

    @Hal9002

    Was für ein Quatsch – no comment

  79. Franko am 13. Oktober 2009 um 14:32 - - Permalink

    Auf jeden Fall hat Sarrazin mit seinen Außerungen eine Tür aufgestoßen. Das hat noch Folgen. Heute wird schon von Sanktionen berichtet, die “integrationsunwillige” Moslems treffen sollen und das wird so weitergehen….
    Ich habe gerade wieder mal Kommentare auf Welt Online zum Thema Muslim-Feiertage gelesen und mal ehrlich – wars im Stürmer schlimmer?? Jetzt habe ich wieder tagelange Nazi-Alpträume! ;-((
    Mein neuester ist, dass jemand wie Sarrazin eine neue Partei gründet, vielleicht die “Partei für Militarismus, Neoliberalismus, Sozialdarwinismus und Islamophopismus”….
    Jede Wette – die holen aus dem Stand 25% in Deutschland! Ich geh mich jetzt betrinken…. :-(

  80. Netzbummler am 13. Oktober 2009 um 14:42 - - Permalink

    Ich hab’s ja gesagt, ein Sturm der Entrüstung wird losbrechen. Bislang ist er nur klein, aber wenn Jens erst einmal einen ganzen Artikel zur Integrationsproblematik online stellt, wird es hier richtig heiß her gehen. Schwitzig hat ganz recht, das sind völlig sinnlose Grabenkämpfe.

    Zum Thema “Die Bildung als Einstiegsfaktor ins bürgerliche Leben ist schon keine Kriterium mehr…“, das kann meine Schwester gerade bestätigen. Trotzdem ist es meine Beobachtung, dass sich die Ausbildungs- und Arbeitsplatzchancen eines Menschen ungemein erhöhen, je besser die Bildung ist, die er mitbringt. Bildung fängt aber schon in der Kinderkrippe und im Kindergarten an, nicht erst in der Schule. Ich sehe keine Besserung der Lage, solange nicht genügend Kita-Plätze für *alle* Kinder verfügbar sind und keine Besuchspflicht analog zur Schulpflicht herrscht.

    Und natürlich hilft es, einen begehrten Beruf anzustreben. Ich meine, Philosophie- oder Geschichtsstudenten werden es nach dem Studium sicher nicht einfach haben, eine Stelle zu finden. Umgekehrt haben Ingenieure und IT-ler ganz gute Chancen, sofern sie willens sind, sich auch in anderen Gegenden/Bundesländern naach Arbeit umzusehen (das gilt natürlich nicht nur für Studis, sondern auch für Ausbildungsberufe). Dass manche Jugendlichen und jungen Erwachsenen lieber arbeitslos bleiben, haben ich immer wieder in Magdeburg erlebt (habe da studiert). Selbst das nahe gelegene Braunschweig war denen zu weit (da habe ich, der aus DD kommt und nach dem Studium zum Arbeiten nach München gezogen ist, jedes Mal das Kotzen bekommen).

    Bevor jetzt Protestgeheul kommt: vergesst mal nicht, wieviele zehntausend Lehrstellen in DE jedes Jahr unbesetzt bleiben. Sei es, weil keiner kommt, oder weil die eingehenden Bewerbungen einfach unter aller Sau sind (sprachlich, stilistisch) bzw. die Vorkenntnisse oder das Auftreten der Kandidaten unter aller Kanone sind. Eine Freundin von mir hat bei der Suche nach einer Vertretungskraft (sie ist Teamassistentin in einer Patentanwaltskanzlei) em Ende die am wenigsten schlechte Kandidatin genommen, übrigens eine Türkin. Die konnte zwar auch nix, war aber wenigstens bemüht, das durch Fleiß wieder auszugleichen.

  81. Degnaphta am 13. Oktober 2009 um 14:51 - - Permalink

    Kaum deutsch sprechende Randalejugendliche gibt es auch ohne Türken und Araber, wie meine äußerst ländliche Umgebung glasklar darlegt.
    Es gibt zwar auch russische, albanische, afrikanische Pöbler hier an den Busbuden, diese sind inklusive der ebenfalls zahlenmäßig gering ausgeprägten türkischen Pöbler, den Teutonischen bei weitem unterlegen.
    Ätzende Spacken, die sogar Rentner schubsen und sich gegenseitig das Taschengeld abpressen, haben nach meinen Beobachtungen nix mit der ethnischen herkunft zu tun. Bildungsferne gepaart mit Perspektivelosigkeit der Eltern sehe ich da als Hauptmotor für mangelnden Integrationswillen.
    Die Transferleistungsbezieher haben zuviel Zeit, die sie mit ihren Sprößlingen verbringen müssen. Was sollen sie denen den ganzen Tag erzählen? Wie ich meinen letzten Job verlor? Warum ich nie wieder einen anständigen Arbeitsplatz bekommen werde? Sind das etwa Weisheiten, die Integrationswillen fördern?
    Und die, die noch im Erwerbsleben stecken, verbringen zu wenig Zeit mit ihrem Nachwuchs. Selbst wenn die Überstunden reichhaltig vergütet werden, was scheinbar zunehmend zur Ausnahme gerät, sehen die Kinderchen immer nur vollkommen fremdbestimmte Alte, die keinen besseren Tipp im Ärmel haben, als die Tretmühle mit tina-Argumenten zum Naturgesetz zu erheben.
    Wie soll da anderes gedeihen als Frust und Destruktion. Der “no future”-Geist der Punks, der die ‘Lebensfreude’ der Hippies ablöste, findet jetzt seinen Ausdruck in geschwungenen Fäusten gegen Alles und Jeden.
    Die Erwachsenenwelt aller Deutschen und Migranten ist doch sowieso ein Klumpatsch aus ‘Paralellgesellschaften’, die munter nebeneinander existieren.
    Wieso man sich jetzt ausgerechnet über türkische oder arabische Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten aufregt, ist absolut nicht einsichtig.
    Die Klientel, die gerne Blasmusik macht/hört, bildet beispielsweise eine Paralellgesellschaft. Außer Arbeit und daß man sich im aldi über den Weg läuft, habe ich mit diesen Menschen keinerlei Berührungspunkte. Als ich es mir noch leisten konnte, war mal das Dorffest ein gemeinsames Event, aber wenn da der Eintritt für ne vierköpfige Familie 100€ kostet, dann siegt halt die erzwungene Bescheidenheit :-)
    Auch die Paralellgesellschaften der Hühern- oder Kanninchenzüchter, Aquarianer, und Jäger und Kneipengänger usw sind mir mehr aus den Medien als aus persönlicher Begegnung bekannt. Tagsüber Maloche, Freizeit irgendwas, ist doch ganz normal.
    Und wenn es zahlenmäßig so viele Hühnerzüchter gibt, daß sie ein eigenes Viertel bevölkern könnten, dann dürften sie das doch sicherlich ohne großen Widerstand machen, vermute ich mal.

    Das Sprachproblem wird unter anderem mit einem Sprachtest angegangen. Wer den nicht schafft, darf nicht zu seinem deutschen Ehepartner ziehen, also prüfe wer sich ewig bindet.

    Für Hauptschüler sorgt dieses bodenständige Unternehmen allerdings im doppelten Sinne.
    Einerseits stellt die Sparkasse jetzt auch (wieder?) Hauptschüler ein, aber andererseits fordern Eltern jetzt die Rücknahme eines Projektes, in dessen Rahmen Haupt- und Realschüler erst nach der 8en Klasse in diese Gruppen aufgeteilt werden. ich fand das eigentlich recht gut gelöst als erster Schritt zum eingliedrigen Schulsystem, wie es in Skandinavien die Norm darstellt, aber wegen der frühzeitig notwendigen Bewerbung, müsse bereits in der 8en Klasse eine klare Trennung stattfinden, argumentieren Eltern jetzt.
    Ist die Sparkasse nicht auf einem richtigen Weg? Oder ist das ein ‘Trick’, um Lohndumping an die Tresen der Tempel zu zwingen?
    Würde ein konsequentes Umsetzen des skandinavische Vorbild nicht die ganze Problematik entschärfen? Was da in Richtung Eliteschulen usw angedacht ist, dürfte die (Re)integration auf das Übelste behindern. Gräben Schaufeln im Akkord.

  82. Christian Michallek am 13. Oktober 2009 um 14:52 - - Permalink

    wiedermal ein klasse artikel vom spiegelfechter!

    Zur Frage, warum in z.b. den USA die Integration wohl besser klappt, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht warum das so sein könnte.
    In Endeffekt geht es da doch um den anreiz, was habe ich davon mich zu Integrieren?
    Für Die Amis gibt es halt den “american way of life”:

    In den USA kann jeder vom Tellerwäscher zum Multimillionär werden unabhängig von hautfarbe usw, deshalb möchte man als Einwanderer auch nicht abseits stehen sondern teil dieses way of life sein.
    In den USA wirst du kaum auf jemanden treffen der sich selbst als spanier, araber, etc bezeichnet.
    Da ist jeder “Amerikaner” und möchte das auch gerne sein.

    Was bedeutet es den überhaupt “Deutsch” zu sein? Abgesehen von unserer unvorteilhaften geschichte, fallen mir dazu nur folgendes ein, “der bescheiden-fleißige bürokrat und spießer.”
    Also Arbeiten bis zum umfallen und sich und anderen nichts gönnen.

    Klar ist das alles ne reine Imagefrage, die Amis haben geschichtliche ja auch ihren kleinen Genozid an den Indianern(nur waren die dort sogar erfolgreich) und so ein durchschittsamerikaner reißt sich den Arsch auf in 3 Jobs und muß hoffen das er nie krank wird, sonst sind die schönen ersparnisse eh alle weg und ist im schlimmsten fall noch weiter unten als vorher.

    Abgesehen davon merkt man an der Debatte ja auch, daß Akzeptanz von fremden Sitten bei uns sehr ungern gesehen wird.
    Wie auch weiter oben schonmal genannt, haben andere Länder wenig probleme damit mehrsprachige straßenschilder, bankautomaten, usw anzubieten.

    Integration bedeutet bei uns doch, die eigene Identität aufzugeben und Deutscher zu werden, weil kopftuchtragende Deutsche gibt es ja nicht, das sind türken und araber.
    Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte, das es in den USA einfacherer ist sich zu Integrieren und gleichzeitig die eigene Kultur weiterzuleben.

    Ich frage mich langsam eh warum Integration überhaupt notwendig ist.
    Wir haben weltweit als gemeinsame Sprache Englisch gewählt, diese Sprache ist ja nunmal so simpel aufgebaut, das man sie problemlos in kurzer zeit erlernen kann.

    Wenn ich einen wohnort auf diesem Planeten wähle, sollte ich nur an seine rechtlichen grundlagen gebunden sein, nicht an irgendwelche kulturellen Vorgaben.

    Aber nachdem Westerwave-möchtegern-außenminister ja klargemacht hat “Das ist schließlich Deutschland hier!” glaube ich da kaum an ein Umdenken.

    just my 2 cents und das auch ohne jegliche wissenschaftliche belegen oder fakten.

    gruß

    christian

  83. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 15:05 - - Permalink

    @Christian

    Ich frage mich langsam eh warum Integration überhaupt notwendig ist.

    Oh – dafür gibt es mehrere Gründe. Um sich diese Frage zu stellen, muss aber erst einmal klären, was Integration überhaupt sein soll. Natürlich soll der Mehmet nicht mit einer Krachledernen herumlaufen, zum christlichen Gott beten, Bier aus Maßkrügen saufen und ein Fan der Flippers werden. Es geht ja nicht um eine “Teutonosierung”, sondern um die Vermittlung der Landessprache, die Vermittlung eines Bildungsniveaus, das benötigt wird, um in dieser Gesellschaft ein eigenständiges Leben zu führen und um die Akzeptanz westeuropäischer Werte, wie sie beispielsweise im Grundgesetz manifestiert sind. Das reicht schon – der Rest kommt von alleine.

  84. Michael Kostic am 13. Oktober 2009 um 15:20 - - Permalink

    @SF:

    Na? Was habe ich oben geschrieben?

    Lang lebe das billige Denken in Feindbildern!

    Das die Welt deutlich komplexer ist als ein 10 Teile Puzzle, können die meisten der Kommentatoren (nicht nur hier) offensichtlich nicht erfassen.

    Ein paar Gespräche mit Verantwortungsträgern weiter hat sich auch meine oben gestellte Frage beantwortet. Sarrazin (am Ende seiner Karrieremöglichkeiten) wird lediglich vorgeschickt, damit glaubhaftere Persönlichkeiten später die Schneise öffentlich erweitern können:

    “Also ich stimme da auch nicht mit Herrn Sarrazin überein, aber man muss bestimmte Problemstellungen in Deutschland dennoch ungestraft ansprechen dürfen.”

    Demnächst mehr davon in ihrem SPON, Stern und Co. KG

  85. Netzbummler am 13. Oktober 2009 um 15:21 - - Permalink

    Jens, Du könntest die Macher von Wordpress mal fragen, ob die nicht ein Bewertungssystem für Beiträge einführen können, wie bei Amazon oder bei Webnews. Ich würde gern Beiträge mit Daumen hoch und Daumen nach unten bewerten können. Das könnte auch insgesamt helfen, Tendenzen im Forum besser aufzuzeigen und zu kommunizieren. Wäre das nicht eine Idee?

  86. Christian Michallek am 13. Oktober 2009 um 15:23 - - Permalink

    Es geht ja nicht um eine “Teutonosierung”, sondern um die Vermittlung der Landessprache, die Vermittlung eines Bildungsniveaus, das benötigt wird, um in dieser Gesellschaft ein eigenständiges Leben zu führen und um die Akzeptanz westeuropäischer Werte, wie sie beispielsweise im Grundgesetz manifestiert sind. Das reicht schon – der Rest kommt von alleine.

    @Spiegelfechter: kann ich nur zustimmen, doch habe ich nicht das Gefühl, daß das der Konsens ist. Speziell von der Politik empfange ich doch eher signale die sagen “sei so wie wir, oder garnicht hier” Da empfinde ich dann keine Verwunderung, wenn sich Ghettos bilden und sich eine feindliche Einstellung gegenüber unserer Gesellschaft manifestiert.

  87. Schweigsam am 13. Oktober 2009 um 15:28 - - Permalink

    @Franko

    Ich geh mich jetzt betrinken…. :-(

    Ja das geht mir ebenso, Deutschland ist nur noch in suff zu ertragen;)

  88. Lago am 13. Oktober 2009 um 15:44 - - Permalink

    Da empfinde ich dann keine Verwunderung, wenn sich Ghettos bilden und sich eine feindliche Einstellung gegenüber unserer Gesellschaft manifestiert.

    Nun, Ghettoisierung ist nicht unbedingt immer eine Folge einer Ausgrenzung durch eine Mehrheit. Prinzipiell haben Menschen das Bedürfnis nach Nähe zu anderen Menschen, die etwas mit ihnen gemeinsam haben. Und gerade in einer unsicheren Situation – die bei Migranten immer vorliegt – verstärkt sich dieser Effekt, weshalb eben nicht nur Bekannte und Verwandte in die Nähe ihrer früher Immigrierten ehemaligen Landmänner und -frauen ziehen. Unterscheiden sich Sprache und Kultur der Migranten deutlich von der der Gastregion, bietet eine kulturell/sprachlich ähnliche Umgebung (teilweise auch eine gemischte aus irgendwelchen anderen Migranten) überhaupt erst einmal eine sichere Grundlage für die meisten Menschen (die Ausnahme bildet eine kleine Minderheit von Menschen, die ohnehin sehr leicht neue soziale Netzwerke über Sprach- und Kulturbarrieren hinweg aufbauen können).

    Die Ghettobildung ist insofern erst einmal die langfristige Folge eines niedrigschwelligen sozialen Sortierungseffektes bei der Migration (zu dem noch zahlreiche sozioökonomische und natürlich auch Rahmenbedingungen der “Gastkultur” hinzukommen).

    Warum erscheint nun eine viel stärker ghettoisierte Gesellschaft wie die der USA als integrationstechnisch “besser”? In den USA ist der Anteil derjenigen, die nicht die Amtssprache sprechen und praktisch gar nicht groß mit der Mehrheitsgesellschaft interagieren, deutlich größer als bei uns. Und dabei handelt es sich nicht um Türken und Araber (die in den USA als leicht integrierbar gelten), sondern vor allem um Asiaten und Lateinamerikaner.

    Der Unterschied ist: Niemand äußert sich abfällig über den taiwan-stämmigen Gemüsehändler, der nur bruchstückhaft Englisch spricht, außer ein paar ultrarechte Randgruppen, die allgemein belächelt werden.

  89. Nick Abbe am 13. Oktober 2009 um 15:45 - - Permalink

    Hallo Jens,

    vielen Dank für diesen richtigen und wichtigen Artikel, dem ich nur beipflichten kann. Ralph Giordano hingegen hat Sarrazin beigepflichtet:
    “Giordano betonte, Sarrazin habe recht, wenn er sage: „Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen, nämlich weg von der Geldleistung, vor allem bei der Unterschicht. Er hat doch recht, wenn er sagt, 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung würden diesen Staat ablehnen und nichts Vernünftiges für die Ausbildung ihrer Kinder tun.“ Nach Ansicht Giordanos hätte Sarrazin allerdings deutlicher herausstellen müssen, dass es in Deutschland auch integrationswillige Einwanderer gebe. Man dürfe keinen Generalverdacht aussprechen.”

    (http://www.welt.de/politik/deutschland/article4830472/Giordano-gibt-Sarrazin-groesstenteils-recht.html)

    Sarrazin hat also Recht, wenn er völlig aus der Luft gegriffene und nicht mal ansatzweise (man korrigiere mich, wenn ich im Unrecht bin) empirisch belegte Zahlen von sich gibt – 70 und 90% -, aber man achte doch bitte darauf, dass man keinen Generalverdacht ausspreche….
    Ich habe von Giordano mal einiges gehalten, aber was ich inzwischen über ihn denke, gebe ich hier besser nicht wieder. Traurig, wenn jemand wie Giordano, nicht zum ersten Mal, sich in seiner Ignoranz ggü. Muslimen, Arabern und Türken mit den selbsternannten “Islamkritikern” alá Broder, Ulfkotte & Co. gemein macht. Alles was diese Leute vereint ist die Tatsache, dass sie alles mögliche sind, aber bestimmt keine Autoritäten auf diesem Gebiet….
    Insofern geschieht es Giordano völlig recht, wenn er – wie beim Kölner Moscheebau – von den Rechtsbacken wie “proKöln” vereinnahmt wird. Wer im Schweinestall spielt, sollte sich nicht über den Geruch wundern…

    Grüße,
    Nick

  90. anno am 13. Oktober 2009 um 16:51 - - Permalink

    wieweit sind die aussagen des herrn S. eigentlich durch deutsche gesetze geschützt?
    was könnte rechtlich gegen den herrn S. unternommen werden?

    wieso hört man von der spd nix?

  91. Degnaphta am 13. Oktober 2009 um 17:03 - - Permalink

    @ SF
    meine Rede. Sie sind eigentlich voll integriert.

    Es geht ja nicht um eine “Teutonosierung”, sondern um die Vermittlung der Landessprache, die Vermittlung eines Bildungsniveaus, das benötigt wird, um in dieser Gesellschaft ein eigenständiges Leben zu führen und um die Akzeptanz westeuropäischer Werte, wie sie beispielsweise im Grundgesetz manifestiert sind. Das reicht schon – der Rest kommt von alleine.

    Das Bildungsniveau ist ethnien- und herkunftskulturneutral völlig am Boden. Allesamt dumm wie Brot, was unsere Schulen so verläßt. Herzensbildung wurde schon lange aus dem lehrplan gestrichen.
    Und wie man mit Werten, die im Grundgesetz manifestiert sind, umzugehen hat, zeigen doch HMB, Sinn, Schäuble und die ganze Medien-Polit-Mischpoke jeden Tag. Der in diesen Kreisen übliche Neusprech hat doch auch nur noch in Resten mit der eigentlich schönen und ausdrucksstarken Sprache deutsch zu tun.

    @ ahho #90

    wieso hört man von der spd nix?

    Tja, berechtigte Frage :-)
    Eine Antwortmöglichkeit lautet. Die lassen den Sarrazin die NPD rechts überholen, damit eine Nahles wie ein sozialer Segen daherkommt. Angewandte Relativitätstheorie ;-)

  92. Drüberleser am 13. Oktober 2009 um 17:08 - - Permalink

    Trotz der Aussagen hoffe ich doch inständig, dass da nichts rechtlich gegen den Herren unternommen wird. Bei freier Meinungsäußerung, auch in Grauzonen, sollte es doch schon bleiben.
    Warum verbieten oder bestrafen ? Gegenargumentieren, damit auseinandersetzen, dass ist die Lösung.
    Wir dürfen unsere Streitkultur nicht vergessen, kann doch nicht sein, denn genau dadurch entsteht doch der Eindruck es sein unbequeme Aussagen und keine falschen – wie es eigentlich dargelegt werden sollte.

  93. Christian Michallek am 13. Oktober 2009 um 17:15 - - Permalink

    wieso hört man von der spd nix?

    die überlegen vermutlich, ob es für sie nicht vorteilhafter wäre sich mit sarrazin an der Spitze als die neue Rechte anzutreten.
    im Linken spektrum hat man ja keine Freunde mehr.

  94. Kletian am 13. Oktober 2009 um 17:17 - - Permalink

    Im Gegensatz zu anderen sehe ich diesen Absatz hier durchaus problematisch.

    Sarrazins Philippika wäre nie von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt worden, wenn sich die Gesellschaft nicht bereits seit Jahrzehnten vor einer sachlich geführten Einwanderungsdiskussion drücken würde. Natürlich ist der rosarote Traum einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert, natürlich gibt es vor allem bei Türken und Arabern ein massives Integrationsproblem, natürlich muss man darüber nachdenken und offen diskutieren, an welche Voraussetzungen eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland geknüpft sein soll. Dies anzusprechen mag politisch unkorrekt sein, die Augen vor diesen Problemen zu verschließen, ist jedoch grundsätzlich falsch – mit Denkblockaden hat man noch nie Probleme lösen können.

    Mich stört nicht, dass die Formulierungen politisch unkorrekt sein könnte, sondern die zugrunde liegende Annahme, dass das beschriebene tatsächlich so ist: Es gibt einen rosaroten Traum von einer multikulturellen Gesellschaft, es gibt massive Integrationsprobleme, es muss diskutiert werden, an welche Bedingungen eine Aufenthaltsgenehmigung geknüpft sein soll.
    Drei vorgebliche Tatbestände beziehungsweise Zwangsläufigkeiten, die meiner Meinung nach reflektiert werden sollten und überhaupt erst einmal benannt werden sollten, worum es sich bei ihnen handelt. Wer hatte denn diesen ominösen Traum einer mulitkulturellen Gesellschaft? Erst wenn das klar ist, kann überhaupt die Frage angegangen werden, die sich mit dem Scheitern beschäftigt. Ansonsten besteht hier die Gefahr, die verschiedenen “Multikulti”-Stereotype der LeserInnen zu bedienen. Die einen lesen in dem Wort rosarot politische Farbenspiele heraus, die anderen denken unwillkürlich an irgendwelche “Gutmenschen”, die nächsten wieder …

    Generell fand ich den Artikel okay, aber dieser Absatz gibt Behauptungen wieder, die wie Tatsachen darstehen. (Und gerade dagegen wollen Blogger doch ankämpfen? *behaupt*)

  95. anno am 13. Oktober 2009 um 17:24 - - Permalink

    @Drüberleser

    wenn es richtung hetze geht stellt sich mir die frage wo da die grenze ist.
    diese hat der feine herr mit sicherheit auch exakt ausgelotet bevor er seinen mund aufmacht.

    das gebrüll bei lafontaine war laut bei sarrazin wird geklatscht …

    durften zahlreiche Intellektuelle und Thilo Sarrazin

    lol aber ein riesen fehler den guten mann nicht zu den intellektuellen zu zählen

  96. Punktierer am 13. Oktober 2009 um 17:33 - - Permalink

    Die USA haben auch einfach eine viel restriktivere Einwanderungspolitik. Ein Freund meines Vaters ist Arzt, hat sich mit Augenkrebs und sowas beschäftigt und ist vor Jahren in die USA ausgewandert. Der musste dort aber ein Haufen Tests ablegen um seinen Beruf ausüben zu dürfen und damit in den USA bleiben zu dürfen. Hätte er sie nicht bestanden wäre er wieder rausgeschmissen worden.

    Dadurch kommen fast nur gut Ausgebildete ins Land, die sich auch eher integrieren.

    Und wenn die Integration in den USA so gut funktioniert (ich kann es nicht beurteilen), dann kann es wohl kaum an der besseren finanziellen Lage liegen. Schließlich gibt es in den USA kein Hartz4 oder ähnliche soziale Sicherungssysteme. Vielleicht ist dieser indirekte finanzielle Zwang zur Arbeit der Integration förderlich. Wobei es in Deutschland bei der hohen Arbeitslosigkeit wohl nur zu Lohndumping und damit offenen Rassismus (die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg) führen würde.

    Wobei es auch nicht egalitär wäre, wenn ein gebildeter Ausländer einwandern darf und ein Ungebildeter nicht. Wäre eben die propagierte Leistungsgesellschaft.

  97. Netzbummler am 13. Oktober 2009 um 17:37 - - Permalink

    Habe gerade einen Artikel bei Heise zum Thema “Abitur schützt vor Arbeitslosigkeit nicht” gefunden. Quelle ist eine Sonderauswertung des DGB, in der die Zahl der Arbeitslosen vom August 2009 mit der des August 2008 hinsichtlich des Bildungsabschlusses in Verbindung gesetzt wird.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Abitur-schuetzt-nicht-vor-Arbeitslosigkeit-822460.html

    Die Arbeitslosenquote ist zwar weiterhin für Geringqualifizierte etwa fünfmal höher als bei jenen mit einem hohen formalen Bildungsniveau, doch im ersten Krisenjahr hat sich die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Fach- oder Hochschulreife um 24,4 % erhöht. Sie ist damit deutlich stärker gestiegen als bei den anderen Personengruppen (kein Schulabschluss +5,5 %, Hauptschulabschluss +10,8%, Mittlere Reife +5,4 %). Zwischenzeitlich zählen gut 480.000 Arbeitslose zu der Gruppe mit den höchsten Schulabschlüssen. Ihre Zahl ist nur noch um knapp 30.000 niedriger als die derjenigen, die keinen Schulabschluss haben. In den alten Bundesländern haben bereits 15,8 % des Arbeitslosenheeres eine Fachhochschul- oder Hochschulreife und in den neuen Ländern 13,8 %. Besonders betroffen sind dabei in Ost und West die 25- bis 34-Jährigen.

  98. Schweigsam am 13. Oktober 2009 um 17:47 - - Permalink

    @anno

    wieso hört man von der spd nix?

    Ja das ist eine gute Frage.
    Es zeigt doch auch nur wie beliebig die SPD geworden ist, wenn es um die Macht geht.
    Sie wartet wahrscheinlich ab, ob man damit auch noch punkten kann.

  99. Cosmo am 13. Oktober 2009 um 18:30 - - Permalink

    @ Karsten Bier (2)

    Naja, wenn man die CDU als sozial-demokratische Partei sieht, und die Grünen ja eh auch nur eine andere liberale Partei sind, ist Jameika für einen Links-Liberalen vielleicht ganz nach seinem Geschmack.

    Und zunächst fällt ihm gar nichts kritisches dazu ein.

  100. Aio am 13. Oktober 2009 um 19:33 - - Permalink

    Ein schöner Artikel – mal aus anderer Sicht.
    Ich sehe allerdings ein gewaltiges Problem, welches wir mit der sogenannten Unterschicht haben.
    Denn vor allem fehlende Anreize sind es, welche die sozial benachteiligten in ihrer Starre verharren lassen.
    Das Geld des Staates gibt es ohne jägliche Forderungen.

    Das zweite Problem sind die Nachkommen.
    Denn Kinder, welche von Anfang an falsch sozialisiert werden, haben ihre Zukunft bereits nahezu verspielt. Hierbei geht es nicht mal um die Klasse (Arbeiter Akademiker) sondern um daheim herumlungernde Eltern, welche nicht mal die grundlegenden Werte wie einen geregelten Tagesablauf vermitteln und vorleben können.

    Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Eine hat Sarazzin angesprochen. (Rauswachsen).
    Die andere wäre die staatliche Intervention in die Selbstbestimmung und Erziehung der Eltern, welche ich als Individualist grundlegend ablehne.

  101. Michael Kostic am 13. Oktober 2009 um 20:04 - - Permalink

    So. Nun hat er die Quittung kassiert:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,654915,00.html

    Als wenn den das interessieren würde…

    Weia, weia, weia!

  102. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 20:14 - - Permalink

    @Michael Kostic

    So. Nun hat er die Quittung kassiert:

    … aber nicht für seine “kecken” Sprüche, sondern deshalb, weil er Prognosen Webers öffentlich widersprochen hat. Seine Pöbeleien sind da nur der Vorwand.

  103. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 20:17 - - Permalink

    @Degnaphata

    Die Verfehlungen der Einen, machen die Verfehlungen der Anderen um keinen Jota besser. Man sollte in seinem Elitenhass nicht so weit, jede Dämlichkeit der Unterschicht rechtfertigen zu wollen.

  104. Michael Kostic am 13. Oktober 2009 um 20:17 - - Permalink

    Oh. Hab ich nicht mitbekommen. Na denn ist klar…

  105. Gebintit am 13. Oktober 2009 um 20:20 - - Permalink

    An das „divide et impera“ (teile und herrsche) musste ich in letzter Zeit auch oft denken. Die Wirtschaftseliten haben ganze Arbeit geleistet und viele Rote, Grüne und Dunkelrote helfen ihnen noch dabei. Aus Sicht dieser Eliten betrachtet ist das Timing perfekt, jetzt die schlummernden Resentiments vieler Deutscher gegen Kopftuchmädchen und ihre fremdländischen Brüder zu schüren und so die Banker und andere Verzocker aus dem Fokus der Zornigen zu ziehen. Hier die Leistungsmissbraucher, die sich auch noch vermehren wie die Karnickel und dort die Leistungserbringer, die diese durch ihre vielen Steuern aushalten. So wird schrittweise, unter Aufbietung der gesamten medialen Mittel, verkauft von einem vorgeschobenen “S”PD-Mann und einigen Intellektuellen mit jüdischem Hintergrund, der Boden bereitet, für die nächste große Umverteilung der finanziellen Mittel von den Familien hin zu denen, die sich selbst zur Leistungselite zählen. In der Verteidigung ihrer Macht leistet diese Elite wirklich viel, das muss man anerkennen!

  106. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 20:25 - - Permalink

    @Kletian

    Wer hatte denn diesen ominösen Traum einer mulitkulturellen Gesellschaft?

    Oh, der grassierte jahrelang vor allem im links-alternativen Lager, aber auch in den christlich (sozial-ethisch) geprägten Teilen der Konservativen … und einige träumen ihn immer noch.

    Die einen lesen in dem Wort rosarot politische Farbenspiele heraus, die anderen denken unwillkürlich an irgendwelche “Gutmenschen”, die nächsten wieder …

    An die Gutmenschen, im Sinne von Bonnehommes oder Wiglaf Drostes Definition meinte ich auch (s.o.).

  107. Spiegelfechter am 13. Oktober 2009 um 20:37 - - Permalink

    @Aio

    Ich sehe allerdings ein gewaltiges Problem, welches wir mit der sogenannten Unterschicht haben.
    Denn vor allem fehlende Anreize sind es, welche die sozial benachteiligten in ihrer Starre verharren lassen.
    Das Geld des Staates gibt es ohne jägliche Forderungen.

    Bitte? Du hast wohl noch nie etwas von Sanktionierungen, 1-Euro-Jobs u.ä. gehört?

    Das zweite Problem sind die Nachkommen.
    Denn Kinder, welche von Anfang an falsch sozialisiert werden, haben ihre Zukunft bereits nahezu verspielt. Hierbei geht es nicht mal um die Klasse (Arbeiter Akademiker) sondern um daheim herumlungernde Eltern, welche nicht mal die grundlegenden Werte wie einen geregelten Tagesablauf vermitteln und vorleben können.

    Solch Eltern gab es schon immer, bei vorliegenden sozio-ökonomischen Bedingungen. Früher konnte der Staat dieses Defizit auffangen, heute ist dies wohl alleine wegen der gehäuften Zahl und der regionalen Ballung kaum mehr möglich. Der Ansatzpunkt wäre also, die sozio-ökonomischen Bedingungen zu ändern – eine Herkulesaufgabe.

  108. Phil am 13. Oktober 2009 um 20:58 - - Permalink

    @Jens:

    Mich würde da mal ein Vergleich mit den USA interessieren – dort herrscht zwar einerseits auch eine hohe Ghettoisierung vor, andererseits ist mein subjektiver Eindruck, dass dort der Integrationswillen wesentlich höher ist. Woran mag das liegen?

    Ich las in einem anderen Forum, dass die Bürger in den USA wohl mehr Mitspracherechte bei kommunalen Angelegenheiten hätten oder so ähnlich. Ob es so ist, kann ich jedoch nicht sagen, würde aber in der Tat mMn gut für eine Integration sein, da ja man selber mehr Kontrolle über das lokale Zusammenleben und somit der Zukunft hätte.

    Und hier in D? Hier darfst Du alle paar Jubeljahre mal ein Kreuzchen machen. Ansonsten darfst Du nur demütig um etwas bitten oder machst “Lobby”arbeit, die jedoch sehr schnell teuer wird, wenn sie denn auch erfolgreich sein will (siehe auch Bertelsmann, INSM und die anderen Schergen in Berlin, Brüssel und sonstwo, wo sehr viele Gelder fließen).

  109. Gebintit am 13. Oktober 2009 um 22:07 - - Permalink

    Vor allem im Katastrophenjahr 1990, als plötzlich 20 Mio (oder so) preußische und sächsische Preußen als Bundesrepublikaner anerkannt wurden.

    Ja Lemmy, dich und dein Lieblingsthema gibt es auch noch ;-) !
    Ich erinnere mich auch noch an das Jahr, als der AISW (antiimperialistische Schutzwall) fiel. Kaum waren die ersten Breschen geschlagen, schon hatten wir so einen Bruder in unserer Zivi-WG. Ständig hat er die Milch überlaufen lassen und nach dem Pinkeln nicht die Spülung betätigt. Es war schrecklich!!!

  110. V. am 13. Oktober 2009 um 22:17 - - Permalink

    Die Intellektuellen sind Sozialdarwinisten.

    Sonst ist so ein Buch nicht zu erklären:

    http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/buchtipps/306398.html

    Was machen wir mit den Dummen?

    Muss jeder wissen wer Shakespeare war?

  111. Freedom Lemmy am 13. Oktober 2009 um 22:27 - - Permalink

    War zum Glück nach meiner Zeit. Der Fall des antifaschistischen Schutzwalls fiehl in die letzten Monate meiner Zivi-WG Zeit. Wir blieben dann noch eine Weile da wohnen. Als Besuch aus commie-Ländern gabs aber nur Polen und Russinnen. Die machten allerdings einen recht selbstständigen Eindruck, soweit das damals für mich überhaupt eine Bedeutung hatte.

  112. Cosmo am 13. Oktober 2009 um 22:42 - - Permalink

    @ V. (111)

    Hast du deinen Post nochmal geändert ?

    Na, wenn es Sarrazin so erginge, wie manchen Protagonisten bei Sarah Kane (in ‘Zerbomt’ wird Cate vergewaltigt und in ‘Phaidras Liebe’ wird Hippolytus von einem rasenden Mob ermordet) …

    … fänden manche das sicherlich auch spannender *fg

    @ SF

    Schau mal nach. Das Kommentar-Skript kommt, glaube ich, noch nicht mit der Zeichen-Codierung bei Sonderzeichen zurecht … betrifft z.B. das Kaufmanns-UND und Prozentzeichen. Was danach kommt wird einfach abgehackt … die Kommentare per E-Mail Feed werden dagegen nicht abgeschnitten.

  113. Schläfer am 13. Oktober 2009 um 22:54 - - Permalink

    Sag mal, Spiegelfechter, wer ist denn bitte “der Mehmet” (Kommentar 83)? Was kommt denn da bisweilen Ungutes unter Deiner Maske hervor? Vielleicht solltest Du mal eben einen internen Stereotypen-Check machen!.. Den “Mehmet” nämlich und “das Kopftuchmädchen” kriegt man locker an ein und demselben Stammtisch unter…

  114. V. am 13. Oktober 2009 um 23:00 - - Permalink

    Ist ein Verfassungsrichter unter den Lesern?
    Dann bitte um folgendes.
    Da Herr Weise gesagt hat , ALG2 soll nicht zum Leben reichen, sondern Anreiz sein jede Arbeit anzunehmen.
    Wie aussichtsreich ist eine Klage:

    “Über 50jährigen ist nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit eine Abm-Maßnahme zuzuweisen, die sozialversicherungspflichtig mit 1500 Euro Brutto entgolten wird.
    Und endet mit 67 oder dem Übergang in den ersten Arbeitsmarkt.”

    Dafür sollen den Volksverhetzern wie Sarrazin die Steuern erhöht werden.

  115. Karl Heinrich am 13. Oktober 2009 um 23:18 - - Permalink

    Wie man an der sehr nachdenklichen Diskussion hier sehen kann, scheint Sarazzin durchaus nicht nur Verachtenswertes gesagt zu haben.

    Schade, dass er deswegen jetzt gewippt wird. Ich halte ihn für einen Sozialromantiker (er ist ja SPDist), der an Dingen leidet, die nicht zu ändern sind. Für die Integration der türkischen ‘Schwarzen’ (so heißt das anatolische Milieu in der Türkei) braucht Deutschland ein, zwei Generationen länger als für Vietnamesen oder Polen. Solange werden sie mit Hartz IV geshowert. For what it’s worth.

    Den Bezug zur Eugenik fand ich mal wieder völlig wirr. Sarazzin ging es ja erkennbar um (integrations-adverse) Ideologien, nicht individuelle Behinderungen.

    P.S.: Die Preview-Funktion ist 1a ;-)

  116. Outlook am 13. Oktober 2009 um 23:40 - - Permalink

    Sarrazins Äußerungen und die Notverbände die dazu heute in der Deutschen Bundesbank angelegt wurden, sollten auch in einem Kontext geopolitischer Veränderungen gesehen werden.

    Deutsche nationale Interessen werden zunehmend öffentlicher formuliert werden.
    Der Zerfall des Dollars und der damit schwindende Einfluss der USA auf Entscheidungen in Deutschland werden in Zukunft noch andere Reaktionen und Äußerungen produzieren.

    Der deutsche Leidensdruck, für fremde Interessen Zahlmeister zu sein, wird zunehmend schärfer polarisieren.
    Die atlantische Erziehungskultur könnte sich auch in Deutschland als ein emanzipierter Spät-Bumerang erweisen.

    Der moderne deutsche Neuzeit- Untertan, will es so nicht mehr sein.
    Auch ein herbstliches Entree für paolende Pinkler?

    Der deutsche Emanzipationsprozess gewinnt an kultureller und politischer Schärfe.
    Jede Nation hat ein Recht, im eigenen Land Interessen zu formulieren und zu diskutieren.

    Oder sind wir nur für den Hundekot zuständig?

  117. Robert am 14. Oktober 2009 um 00:06 - - Permalink

    Zum SPD-bashing:

    Es laufen mehrere Pareteiordnungsverfahren.

    “Der Berliner SPD-Ortsverband Alt-Pankow hat nach Informationen des RBB-Radiosenders 88,8 einen Antrag auf ein Parteiordnungsverfahren gegen Sarrazin mit dem Ziel des Ausschlusses aus der SPD gestellt. Zuvor hatte bereits die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl öffentlich den Parteiausschluss Sarrazins gefordert, weil dieser sich nicht zum ersten Mal abfällig über sozial Benachteiligte geäußert habe.”
    ( Sächsische Zeitung: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2278756 )

    @Outlook
    Was ist denn das jetzt für ein geschwurbel? Klingt stark nach dem deutschen Minderwertigkeitskomplex… der fehlt in dieser Diskussion allerdings noch!

  118. Outlook am 14. Oktober 2009 um 00:23 - - Permalink

    @Robert

    Wir wollen uns um Ganzheitlichkeit bemühen.
    Wir hätten einen Vorsprung vor Merkel.

    Und minderwertig ist dieses Forum auch nicht.

  119. COPOKA am 14. Oktober 2009 um 00:27 - - Permalink

    @SF, #103

    Sorry Jens, aber mit unterstellten Verfehlungen bzw. Dämlichkeit der Unterschicht habe ich so mein Problem. Die Unterschichten haben doch nichts dafür, dass sie so sind wie sie sind – die können ja gar nicht anders sein, weil sie eben aus unserer Sicht keine gebildeten Menschen sind. Dämlicher als Sarrazin oder andere s.g. Leistungsträger sind sie daher noch lange nicht. Genau wie Sarrazins und Zumwinkels dieser Welt suchen und besetzen sie ihre Nischen in der Gesellschaft, aber wenn man sich über derart Verhalten in Hinsicht auf parasitären Habitus auslassen möchte, so müssen sich zunächst die s.g. Eliten Rede und Antwort stellen, weil sie eben gebildet und angeblich so schlau sind, derart ergiebig von den gesellschaftlichen Verhältnissen zu profitieren. Keinem von den Soziopathen und Sozialdarwinisten kommt es in den Sinn, dass sie ohne Gesellschaft – Unterschicht inbegriffen – voll aufgeschmissen wie arme Würstchen da stünden – die Herren können doch gar nichts anderes als Geld und Leistungen anderer Leute zu scheffeln und sich selbst in ihrer autistischer Wirklichkeit abgöttisch zu überhöhen.

    Dämlich finde ich viel mehr die abstrakte Forderung an die Unterschichten, mehr für Bildung und Integration ihrer Kinder zu tun. Das ist doch in etwa so geistreich wie die Erwartung an eine Bärin, dass sie ihren Nachwuchs besser für künftige Zirkusauftritte züchten solle.

    Wenn es Sarrazins dieser Republik wirklich um die Kinder ginge, dann würden sie, wenn sie wirklich ein Bisschen schlauer wären, nicht an der Bildung ’sparen’ und stattdessen mehr um die gesellschaftliche Sozialisation dieser Kinder sorgen – die sind nun mal da und werden auch bleiben. Dadurch und nur dadurch kann man sie in die Gesellschaft so integrieren, dass ihre Arbeit künftig auch für die ‘Leistungsträger’ mehr lohnen würde. Aber offensichtlich reicht die Intelligenz der s.g. Eliten nicht mal dafür, um diese elementarsten soziale Zusammenhänge zu begreifen.
    Mittlerweile, wenn ich Ausführungen in einem Buch ¹) mein Glauben schenken darf, ist dt. Bildungssystem dermaßen rationalisiert und verödet, dass ein Viertel Jugendlicher in Dd auf so einem Bildungsniveua stehen geblieben ist, dass sie künftig zwangsläufig zu Lasten der Gesellschaft auf Sozialsystem angewiesen werden. Und das alles sollten nun angeblich erblich schlecht veranlagte Türken und Araber sein? Von wegen “zu wenig” Kinder!

    ¹)
    Entweder war es im “Deutschland dritter Klasse” von Eva Müller oder
    “Aufstand der Unterschicht” von Inge Kloepfer – habe jetzt keine Lust es nachzuschlagen.

  120. antonym am 14. Oktober 2009 um 01:12 - - Permalink

    “Spiegelfechter” biedert sich bei den Rechten an, irgendwie eklig. Der Wert eines Menschen hängt also wirklich von seiner Wirtschaftsleistung ab. Aber wenigstens hat er das mit dem Biologismus schon kapiert.

    Aber, das dumme Gerede von “Parallelgesellschaft” stammt ja noch aus der Zeit der jüdischen Ghettos und ist schon eine der hiesigen Spezialitäten, wenn man die Verhältnisse in anderen Ländern kennt.

    Ansonsten gilt, niemand muss sich “integrieren” sondern jeder kann so leben und glücklich werden wie er will. Zumindest wenn man den Kleinstadtmief hinter sich lässt, gell Jens.

    Die z.T. etwas verwilderten Kinder der Einwanderer spiegeln aber nur die Verhältnisse in der deutschen Gesellschaft wieder. Wenn man diese jungen Menschen Tag für Tag mit Arschlöchern konfontiert, gibts ganz natürlichen Widerstand gegen solche historisch entstanden Verhältnisse.

    In meiner Unizeit waren die Kopftuchmädchen “leistungsmässig” übrigens immer ganz vorne.

  121. Schweigsam am 14. Oktober 2009 um 06:59 - - Permalink

    @antonym

    “Spiegelfechter” biedert sich bei den Rechten an, irgendwie eklig. Der Wert eines Menschen hängt also wirklich von seiner Wirtschaftsleistung ab. Aber wenigstens hat er das mit dem Biologismus schon kapiert.

    Aber, das dumme Gerede von “Parallelgesellschaft” stammt ja noch aus der Zeit der jüdischen Ghettos und ist schon eine der hiesigen Spezialitäten, wenn man die Verhältnisse in anderen Ländern kennt.

    Ansonsten gilt, niemand muss sich “integrieren” sondern jeder kann so leben und glücklich werden wie er will. Zumindest wenn man den Kleinstadtmief hinter sich lässt, gell Jens.

    Die z.T. etwas verwilderten Kinder der Einwanderer spiegeln aber nur die Verhältnisse in der deutschen Gesellschaft wieder. Wenn man diese jungen Menschen Tag für Tag mit Arschlöchern konfontiert, gibts ganz natürlichen Widerstand gegen solche historisch entstanden Verhältnisse.

    In meiner Unizeit waren die Kopftuchmädchen “leistungsmässig” übrigens immer ganz vorne.

    Ihr Beitrag macht mir Mut!

  122. Bernd am 14. Oktober 2009 um 07:31 - - Permalink

    @ 120

    etwas verwildert

    ist nicht zu überbietende Sozialromantik.
    Überhaupt finde ich das Maß an unreflektierten Gutmenschentum in den Kommentaren erschreckend.
    Die Linke hat immer dafür gekämpft dass in der öffentlichen Debatte anerkannt wird dass unser Staat ein Einwanderungsland ist. Auch völlig zurecht ! Aber die Konsequenz daraus zu ziehen und sich an der Immigrationspolitk von anderen Industrieländern zu orientieren, soweit denkt der durschnittliche Multikultikuschler nicht.
    Es kann eben nicht

    jeder kann so leben und glücklich werden wie er will.

    mich eingeschlossen. Eine Staatsgemeinschaft verlangt jedem einzelnen kompromisse ab!

  123. aquadraht am 14. Oktober 2009 um 07:34 - - Permalink

    @Copoka: Du schreibst mir aus der Seele. Als Anmerkung: Wenn mein türkischer Lebensmittelhändler – hier im Rheinland wo ich arbeite, und auch der in Berlin – nicht da wäre, würde mir und hunderten anderen deutlich etwas an Lebensqualität fehlen. Wenn Sarrazin sich das Genick bräche, wäre das ein Stück Dreck weniger, völlig irrelevant und ersetzbar. Nicht einmal für seine Hetze wird er gebraucht, da gibt es dreizehn auf das Dutzend, wenn er nicht geifert.
    Auch sonst volle Zustimmung. Auch Jens möge sich bitte einmal Bildungsdaten der fünfziger Jahre anschauen. Damals haben von den Kindern der damaligen “Unterschichten”, überwiegend “deutschstämmigen” Arbeitern, kleinen Angestellten etc., gerade mal 5% Abitur gemacht, bei den skandalisierten Türken in D, die zum überwiegenden Teil denselben Schichten angehören, sind es doppelt so viele. Nur hat man das damals als Defizit der Bildungspolitik angesehen.
    @antonym, schweigsam: Mal auf dem Teppich bleiben. Auch wenn ich in der Tendenz zustimme: Die grösste Parallelgesellschaft in jeder Gesellschaft ist die “autochthone” Mehrheit, die sich in ihren Gewohnheiten abschottet und jede Änderung als Störung empfindet.

  124. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 08:52 - - Permalink

    @Schläfer

    Sag mal, Spiegelfechter, wer ist denn bitte “der Mehmet” (Kommentar 83)? Was kommt denn da bisweilen Ungutes unter Deiner Maske hervor? Vielleicht solltest Du mal eben einen internen Stereotypen-Check machen!.. Den “Mehmet” nämlich und “das Kopftuchmädchen” kriegt man locker an ein und demselben Stammtisch unter…

    Blödsinn – komischerweise meckert niemand, wenn ich “Liesschen Müller” schreibe. Wenn Du die Ironie in der Ausdrucksweise von #83 nicht verstehst, kann ich Dir auch nicht weiterhelfen.

  125. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 08:55 - - Permalink

    @Karl Heinrich

    Den Bezug zur Eugenik fand ich mal wieder völlig wirr. Sarazzin ging es ja erkennbar um (integrations-adverse) Ideologien, nicht individuelle Behinderungen.

    Wenn jemand die “Volkshygiene” durch selektive Geburtenplanung erhöhen will, so ist das Eugenik – Punkt.

  126. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 09:18 - - Permalink

    @Copoka

    Sorry Jens, aber mit unterstellten Verfehlungen bzw. Dämlichkeit der Unterschicht habe ich so mein Problem.

    Ach lassen wir die Sozialromantik doch beiseite – alle Menschen sind gleich. Sowohl in der Unter-, der Mittel- sowie der Oberschicht gibt es Dämlichkeit und Verfehlungen. Warum sollen Angehörige der Unterschicht bessere Menschen sein? Das ist doch absurd.

    Die Unterschichten haben doch nichts dafür, dass sie so sind wie sie sind – die können ja gar nicht anders sein, weil sie eben aus unserer Sicht keine gebildeten Menschen sind.

    Es geht auch nicht um Schuld und Sühne, sondern um eine Bestandsaufnahme.

    Dämlicher als Sarrazin oder andere s.g. Leistungsträger sind sie daher noch lange nicht.

    Warum? Man mag nun Sarrazin als Pendant zum nicht integrationsfähigen Frauenschläger stilisieren – aber wem ist damit geholfen? Beide sind bedauerliche Vertreter einer Subkultur, beide können aber zum Glück nicht als Stereotyp für die Gesamtheit gelten.

    Genau wie Sarrazins und Zumwinkels dieser Welt suchen und besetzen sie ihre Nischen in der Gesellschaft,

    Und genauso wie ich Sarrazin und Zumwinkel kritisiere, kritisiere ich sie auch.

    aber wenn man sich über derart Verhalten in Hinsicht auf parasitären Habitus auslassen möchte, so müssen sich zunächst die s.g. Eliten Rede und Antwort stellen, weil sie eben gebildet und angeblich so schlau sind, derart ergiebig von den gesellschaftlichen Verhältnissen zu profitieren.

    Das bringt doch nichts – “wir” wissen doch alle, dass Einsicht bei den Sarrazins sicher nicht vorhanden ist. Warum sollen “wir” uns nun auf die einen Sünder einschießen und die anderen ungeschoren davon kommen lassen? Der Feind meines Feindes ist nun einmal nicht automatisch mein Freund.

    Keinem von den Soziopathen und Sozialdarwinisten kommt es in den Sinn, dass sie ohne Gesellschaft – Unterschicht inbegriffen – voll aufgeschmissen wie arme Würstchen da stünden – die Herren können doch gar nichts anderes als Geld und Leistungen anderer Leute zu scheffeln und sich selbst in ihrer autistischer Wirklichkeit abgöttisch zu überhöhen.

    Sicherlich

    Dämlich finde ich viel mehr die abstrakte Forderung an die Unterschichten, mehr für Bildung und Integration ihrer Kinder zu tun. Das ist doch in etwa so geistreich wie die Erwartung an eine Bärin, dass sie ihren Nachwuchs besser für künftige Zirkusauftritte züchten solle.

    Und da wären wir wieder einmal bei der leidvollen Opferrolle des Subproletariats. Was für ein Bullshit! Ich kenne ja Deinen sozio-ökonomischen Hintergrund nicht, aber ich entstamme (zumindest von väterlicher Seite) aus klassisch proletarischen Verhältnissen. Bei mindestens der Hälfte meiner Freunde sieht dies ganz genau so aus. Was hätte es mir gebracht, Bildungsangebote nicht anzunehmen und mich in einem trotzigen Klassenstolz als Opfer ungerechter sozio-ökonomischer Verhältnisse jedweder Integration und Weiterbildung zu verschließen? Ich stünde wahrscheinlich heute auch morgens an der Trinkhalle, würde meinen Tag mit dem Konsum dämlicher TV-Sendungen verbringen und Texte wie diesen nicht einmal im Ansatz verstehen.

    Für Eltern kann es nur den Weg geben, ihren Kindern den Weg zu Bildung und Integration zu öffnen – ganz besonders in ungerechten Zeiten, in denen der Staat ihnen die Aufgabe nicht abnehmen will. Wer dies nicht tut, ist nicht nur ein Opfer der Verhältnisse, sondern auch ein Täter. Sich selbst aus der Verantwortung zurückzuziehen und als schmollendes Opfer die Ungerechtigkeit des Lebens und der Gesellschaft zu beklagen, hilft nun einmal nicht weiter. Das System ist ungerecht – das wissen wir alle. Aber ich widerspreche Adorno scharf, wenn er postuliert, dass es kein richtiges Leben im Falschen gäbe.

    Wenn es Sarrazins dieser Republik wirklich um die Kinder ginge, dann würden sie, wenn sie wirklich ein Bisschen schlauer wären, nicht an der Bildung ’sparen’ und stattdessen mehr um die gesellschaftliche Sozialisation dieser Kinder sorgen – die sind nun mal da und werden auch bleiben.

    Sehr richtig

    Dadurch und nur dadurch kann man sie in die Gesellschaft so integrieren, dass ihre Arbeit künftig auch für die ‘Leistungsträger’ mehr lohnen würde.

    Nichts anderes schreibe ich doch – ich will doch die Sarrazins nicht aus der Verantwortung nehmen. Ich sehe hier aber keine indivudelle Unschuldsvermutung für die Betroffenen – natürlich sind sie nicht kollektiv für ihr Schicksal verantwortlich, das ist klar.

    Aber offensichtlich reicht die Intelligenz der s.g. Eliten nicht mal dafür, um diese elementarsten soziale Zusammenhänge zu begreifen.

    Ach was – zumindest die Sarrazins wissen nur allzu genau, was sie tun.

  127. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 09:23 - - Permalink

    @antonym

    “Spiegelfechter” biedert sich bei den Rechten an, irgendwie eklig. Der Wert eines Menschen hängt also wirklich von seiner Wirtschaftsleistung ab. Aber wenigstens hat er das mit dem Biologismus schon kapiert.

    Das Du zu dämlich bist, den Text zu verstehen, ist mir schon klar.

    Aber, das dumme Gerede von “Parallelgesellschaft” stammt ja noch aus der Zeit der jüdischen Ghettos und ist schon eine der hiesigen Spezialitäten, wenn man die Verhältnisse in anderen Ländern kennt.

    Genau! Alles Antisemiten außer antonym!

    Ansonsten gilt, niemand muss sich “integrieren” sondern jeder kann so leben und glücklich werden wie er will. Zumindest wenn man den Kleinstadtmief hinter sich lässt, gell Jens.

    Nein mein lieber Antonym, in einer komplexen Gesellschaft kann leider nicht jeder nach seiner eigenen Facon glücklich werden, wenn er dadurch das Glück anderer minimiert.

    In meiner Unizeit waren die Kopftuchmädchen “leistungsmässig” übrigens immer ganz vorne.

    Und in meiner Unizeit machten sie subjektiv runs 1% der Studentenschaft aus – weit weniger, als es ihrem Bevölkerungsanteil enstpräche. So what?

  128. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 09:31 - - Permalink

    @aquadraht

    Du schreibst mir aus der Seele. Als Anmerkung: Wenn mein türkischer Lebensmittelhändler – hier im Rheinland wo ich arbeite, und auch der in Berlin – nicht da wäre, würde mir und hunderten anderen deutlich etwas an Lebensqualität fehlen. Wenn Sarrazin sich das Genick bräche, wäre das ein Stück Dreck weniger, völlig irrelevant und ersetzbar. Nicht einmal für seine Hetze wird er gebraucht, da gibt es dreizehn auf das Dutzend, wenn er nicht geifert.

    Aber was bringt es uns weiter, Sarrazin mit Deinem Lebensmittelhändler zu vergleichen? Willst Du ihn wirklich in Gesamthaftung für sein Milieu nehmen? Das wäre genau die logische Fehlleistung, die die Broders begehen. Die suchen sich nur ein Negativbeispiel aus dem Kreis der Migranten und sagen – im übertragenen Sinne -, dass es begrüßenswert wäre, wenn dieser sich sein Genick brechen würde.

    Außerdem ist Dein Beitrag menschenverachtend – auch einem anerkannten Menschenfeind wie Sarrazin kann man Einsicht wünschen, aber nicht den Tod.

    Auch sonst volle Zustimmung. Auch Jens möge sich bitte einmal Bildungsdaten der fünfziger Jahre anschauen. Damals haben von den Kindern der damaligen “Unterschichten”, überwiegend “deutschstämmigen” Arbeitern, kleinen Angestellten etc., gerade mal 5% Abitur gemacht, bei den skandalisierten Türken in D, die zum überwiegenden Teil denselben Schichten angehören, sind es doppelt so viele. Nur hat man das damals als Defizit der Bildungspolitik angesehen.

    Richtig – dafür brauchte es damals die Regierungszeit der SPD, unter der die Chancengleichheit massiv gestiegen ist. Heute geht diese Chancengleichheit (auch mit Unterstützung der SPD) wieder zurück. Das(!) ist der Kernpunkt der Integrationsproblematik. Da muss man “Jens” nicht aufklären, genau das schreibt er ständig ;-)

  129. superguppi am 14. Oktober 2009 um 10:27 - - Permalink

    “Sarrazin” ist ein Name, der auf seine Herkunft aus dem Jemen verweist, von dort aus wanderten die Angehörigen des Volkes der Königin von Sanaa Richtung Nordafrika, später eroberten sie Frankreich, wo ihnen der Name “Sarrazenen” gegeben wurde.

    Von wegen deutscher Name.

  130. V am 14. Oktober 2009 um 10:37 - - Permalink

    Hm… seit Tagen seh ich Sarazzins Gesicht auf der Spiegelfechter-Startseite… Allmählich könnte hier mal ein neues Thema platziert werden, so interessant finde ich den Mann und seine Verbalinjurien nun auch wieder nicht…

  131. Karl Heinrich am 14. Oktober 2009 um 10:50 - - Permalink

    @Sf

    Wenn jemand die “Volkshygiene” durch selektive Geburtenplanung erhöhen will, so ist das Eugenik – Punkt.

    Von Volkshygiene hast du gesprochen. Und bei Eugenik geht es um Erbanlagen. Das ist nicht Sarrazins Thema, wie du an anderer Stelle selber einräumst.

    Die Maßlosigkeit bei euch Linken ist zumindest nervend. Kein Wunder, dass keiner mit euch koalieren will ;-)

  132. schwitzig am 14. Oktober 2009 um 10:55 - - Permalink

    @SF’s Antwort an aquadraht & COPOKA

    Aber was bringt es uns weiter, Sarrazin mit Deinem Lebensmittelhändler zu vergleichen? Willst Du ihn wirklich in Gesamthaftung für sein Milieu nehmen? Das wäre genau die logische Fehlleistung, die die Broders begehen. Die suchen sich nur ein Negativbeispiel aus dem Kreis der Migranten und sagen – im übertragenen Sinne -, dass es begrüßenswert wäre, wenn dieser sich sein Genick brechen würde.

    Außerdem ist Dein Beitrag menschenverachtend – auch einem anerkannten Menschenfeind wie Sarrazin kann man Einsicht wünschen, aber nicht den Tod.

    nun – zur These, dass es in der Oberschicht mehr integrationsunfähige Arschlöcher als in der Unterschicht gibt, möchte ich COPOKA beipflichten, da es in einer ungerechten und unfairen Welt logisch ist, dass insbesondere skrupellose Arschlöcher mehr Erfolg haben, als Menschen, die sich moralischen und ethischen Werten verpflichtet fühlen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: “Dreck schwimmt oben”. Dieses Sprichwort hat einen realgesellschaftlichen Hintergrund, der aus dem Umstand rührt, dass Ellbogen- und Schmarotzermenschen sich mit unfairen Mitteln in einer unfairen Gesellschaft gegenüber der Allgemeinheit einen Vorteilo verschaffen können.

    Was dazu führt, dass der Arschlochanteil in der Oberschicht eklatant viel höher als in der Unterschicht ist, in welcher obendrein ein zweifelhaftes Verhalten durch das von oben verursachte Frustrationspotential sogar noch forciert wird.
    Das hat nichts mit “Sozialromantik” und “Klassenbewußtsein” zu tun, sondern ist schlichte Gesellschaftsdynamik.

    Und zum Thema menschenverachtend: Nun, ich bin gegen die Todesstrafe. Andererseits gibt es Menschen, bei denen es eine tolle Sache wäre, wenn sie nicht mehr da wären – in Gedenken an obige These sind diese Menschen besonders häufig in der Oberschicht vertreten. Und es leben auch jetzt noch viele Menschen, die für Millionenfaches Leid verantwortlich sind und dennoch besser als 90% der Menschheit ihr Dasein fristen.
    Da kann man schon mal auf den Gedanken kommen, dass eine endgültige Selbstreinigung durch Entfernung eine adäquate Lösung des gordischen Knotens Arschlochdominanz in der menschlichen Gesellschaftsstruktur sein könnte.

    Wie so vieles sollte die Durchführung und der Gedanke daran nicht pauschalisiert, sondern Einzelfallbezogen vorgenommen werden. Selbst unsere Regierung hat ja den “finalen Rettungsschuss” legalisiert – das wiederum sollte dann schon allgemeingültig sein.

  133. Karsten Bier am 14. Oktober 2009 um 11:26 - - Permalink

    Zu 131 Karl-Heinrich:

    Und bei Eugenik geht es um Erbanlagen.

    Hier nochmal Sarrazins Aussage:

    “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.”

    Wikipedia sagt zu Eugenik:

    “Eugenik (von altgriech. eu „gut“ und genos „Geschlecht“) oder Eugenetik bezeichnet seit 1883 die Anwendung humangenetischer Erkenntnisse auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern.”

    Und jetzt lies den betreffenden Absatz im Artikel nochmal

    Zu aquadraht und schwitzig bzgl. Tötungswunsch “gefährlicher” Menschen:

    Krasse und IMO üble Statements! An euch ist offenbar der Humanismus vorbeigezogen, oder? Langsam wird mir etwas klarer wie das in Russland unter Stalin so laufen konnte…

  134. aquadraht am 14. Oktober 2009 um 11:35 - - Permalink

    @SF: Ich wünsche Sarrazin nicht den Tod. Ich stelle bloss fest, dass sein Ableben oder auch sein sonst irgendwie begründetes Verschwinden (ob er mit einer Freundin durchbrennt, von UFOs entführt wird oder was immer) für die meisten Menschen weniger störend wäre als das des türkischen Gemüsehändlers, den er schlecht macht. Sarrazin mag ja ein guter Freund und Familienvater sein, das kann ich nicht beurteilen. Es ist mir auch egal. Darum ging es.

    Was die Bildungsfragen in den späten Fünfzigern anging: da bestand ein gesellschaftlicher Konsens bis tief in FDP und Union hinein. Der “Bildungsnotstand” wurde als nationale Aufgabe und Herausforderung an die gesamte Gesellschaft angesehen, nicht als individuelles oder kollektives Versagen der Unterschichten.

  135. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 11:36 - - Permalink

    @Schwitzig

    nun – zur These, dass es in der Oberschicht mehr integrationsunfähige Arschlöcher als in der Unterschicht gibt, möchte ich COPOKA beipflichten, da es in einer ungerechten und unfairen Welt logisch ist, dass insbesondere skrupellose Arschlöcher mehr Erfolg haben, als Menschen, die sich moralischen und ethischen Werten verpflichtet fühlen

    Das mag für Aufsteiger vielleicht zutreffen. Die meisten Mitglieder des Bürger- und des Großbürgertums werden allerdings in diese “Klasse” hineingeboren. Sie in Gesamthaftung zu nehmen, unterscheidet sich mE nicht sonderlich zu Sarrazins Gesamthaftung für Migraten oder Angehöroge des Subproletariats.

    Was dazu führt, dass der Arschlochanteil in der Oberschicht eklatant viel höher als in der Unterschicht ist, in welcher obendrein ein zweifelhaftes Verhalten durch das von oben verursachte Frustrationspotential sogar noch forciert wird.

    Das kann ich rein empirisch nicht bestätigen – ich kenne Arschlöcher aus Ober- und Unterschicht und ebenso guten Menschen aus beiden Schichten.

    Das hat nichts mit “Sozialromantik” und “Klassenbewußtsein” zu tun, sondern ist schlichte Gesellschaftsdynamik.

    Nein, ich vermute mal, dass Dein Urteil über das Bügertum und das Großbürgertum genau so stereotypenverhaftet ist wie Sarrazins Urteil über das Subproletariat.

    Und zum Thema menschenverachtend: Nun, ich bin gegen die Todesstrafe. Andererseits gibt es Menschen, bei denen es eine tolle Sache wäre, wenn sie nicht mehr da wären – in Gedenken an obige These sind diese Menschen besonders häufig in der Oberschicht vertreten. Und es leben auch jetzt noch viele Menschen, die für Millionenfaches Leid verantwortlich sind und dennoch besser als 90% der Menschheit ihr Dasein fristen.

    Willkommen in der RAF – viel Spaß, meine Sympathie hast Du mit solchen Äußerungen bestimmt nicht. Wer gleich eine ganze Gesellschaftsschicht zum Abschuss freigibt ist Sarrazin näher als er es wahrhaben will.

    Dein Beitrag kommt dem §130 zumindest näher als Sarrazins Äußerungen – leider.

  136. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 11:39 - - Permalink

    @aquadraht

    Ich wünsche Sarrazin nicht den Tod. Ich stelle bloss fest, dass sein Ableben oder auch sein sonst irgendwie begründetes Verschwinden (ob er mit einer Freundin durchbrennt, von UFOs entführt wird oder was immer) für die meisten Menschen weniger störend wäre als das des türkischen Gemüsehändlers, den er schlecht macht. Sarrazin mag ja ein guter Freund und Familienvater sein, das kann ich nicht beurteilen. Es ist mir auch egal. Darum ging es.

    OK, dann habe ich Dich wohl zum Glück missverstanden. Die Saat ist zumindest aufgegangen, wie Du an Schwitzigs Kommentar erkennen kannst :-(

    Was die Bildungsfragen in den späten Fünfzigern anging: da bestand ein gesellschaftlicher Konsens bis tief in FDP und Union hinein. Der “Bildungsnotstand” wurde als nationale Aufgabe und Herausforderung an die gesamte Gesellschaft angesehen, nicht als individuelles oder kollektives Versagen der Unterschichten.

    Richtig – das waren noch Zeiten *seufz*

  137. schwitzig am 14. Oktober 2009 um 11:42 - - Permalink

    Zu aquadraht und schwitzig bzgl. Tötungswunsch “gefährlicher” Menschen:

    Krasse und IMO üble Statements! An euch ist offenbar der Humanismus vorbeigezogen, oder? Langsam wird mir etwas klarer wie das in Russland unter Stalin so laufen konnte…

    Nun mal langsam mit den hanebüchenen Vergleichen. Bei uns ist es schließlich sogar so, dass jeder einfache Polizist in einer Notwehrsituation töten darf. Das hat nichts mit Stalin zu tun.
    Im Übrigen sprach ich von Verständnis und schrieb daher direkt am Beginn, dass ich gegen die Todesstrafe bin. Angesichts der Untaten dieser Menschen ist es nur zu verständlich, dass es andere Menschen gibt, die Freude an ihrem Ableben hätten.
    Und tatsächlich wären vielleicht viele Menschen nicht gestorben, wenn z.B. ein Stalin (nur, um mal Dein plakatives Beispiel aufzunehmen) ermordet worden wäre.
    Tatsächlich sind es jedoch Gemeinschaften, die Gesellschaften gestalten und da auch Arschlochgemeinschaften eine unübersichtliche Größe erreichen können, ist eine endgültige Einzelfalllösung also wenig zielführend.

  138. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 11:42 - - Permalink

    @V

    Immer mit der Ruhe – leider habe ich keinen Einfluss darauf, wann TP meine Texte veröffentlicht ;-)

    Dort ist zumindest ein Artikel über den drohenden Staatsbankrott GBs in der Warteschleife und heute – so Bob will – werde ich den/das Blog auch noch mit einem Artikel über die Situation des iranischen Widerstandes beglücken. So schnell geht das alles nicht, ihr wollt ja schließlich keine Schnellschüsse, sondern ordentlich recherchierte Artikel ;-)

  139. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 11:45 - - Permalink

    @Schwitzig

    Nun mal langsam mit den hanebüchenen Vergleichen. Bei uns ist es schließlich sogar so, dass jeder einfache Polizist in einer Notwehrsituation töten darf. Das hat nichts mit Stalin zu tun.

    Sich bei der Frage eines Mordes auf Notwehr zu berufen, zeugt aber auch nicht gerade von besonderer Intelligenz.

    Tatsächlich sind es jedoch Gemeinschaften, die Gesellschaften gestalten und da auch Arschlochgemeinschaften eine unübersichtliche Größe erreichen können, ist eine endgültige Einzelfalllösung also wenig zielführend.

    Und wer entscheidet, wer ein solches Arschloch ist? Du?

  140. schwitzig am 14. Oktober 2009 um 11:57 - - Permalink

    @Schwitzig

    Nun mal langsam mit den hanebüchenen Vergleichen. Bei uns ist es schließlich sogar so, dass jeder einfache Polizist in einer Notwehrsituation töten darf. Das hat nichts mit Stalin zu tun.

    Sich bei der Frage eines Mordes auf Notwehr zu berufen, zeugt aber auch nicht gerade von besonderer Intelligenz.

    Nehmen wir z.B. Stalins Machtübernahme nach Lenins Ableben, die unter anderem durch ein von ihm gefälschtes Testament möglich war: Was wäre gewesen, wenn ein anderer Parteikader einen Anschlag auf ihn ausgeführt hätte und die Fälschung des Testaments aufgeflogen wäre? Angesichts von Stalins schon bis dahin begangenen Verbrechen, hätte das die Entwicklung vielleicht in eine bessere Richtung gelenkt und aus der Perspektive seiner Parteimitglieder wäre es tatsächliche eine Notwehrsituation gewesen.

    Tatsächlich sind es jedoch Gemeinschaften, die Gesellschaften gestalten und da auch Arschlochgemeinschaften eine unübersichtliche Größe erreichen können, ist eine endgültige Einzelfalllösung also wenig zielführend.

    Und wer entscheidet, wer ein solches Arschloch ist? Du?

    Ein polemischer Einwurf, denn nicht umsonst schrieb ich, dass ich gegen die Todesstrafe bin, da niemand die Kompetenz innehaben könnte, eine solche Entscheidung zu treffen. Selbst wenn in Millionen Fällen nur ein einziger zuviel zu Unrecht verurteilt wird, ist die Todesstrafe nun mal endgültig und damit würde dieser eine die sofortige Abschaffung bedingen.
    Der Punkt ist – wie Du selbst auch schon bemerkt hast: In unserer Gesellschaft wird der Nährboden für eine neue RAF gelegt.

    Weil ich derart fatale Entwicklungen befürchte, bin ich “menschenverachtend” und das obwohl ich sie ablehne?

  141. egal am 14. Oktober 2009 um 12:15 - - Permalink

    Der Artikel ist insgesamt widersprüchlich. Erst zeigt er die Traditionslinien, in denen Sarrazins Äußerungen stehen. Darunter der Sozialdarwinismus mit seinem Volkswirtschaft/Staats-Utilitarismus (“Erbringen sie weniger monetäre Leistungen, als sie von der Gesellschaft zugewiesen bekommen, sind sie unerwünscht.”), der Klassendünkel und die Ablehnung sozialer Mobilität.

    Dann sagt der SF aber: “Es ist nicht zu bestreiten, dass Deutschland ein Integrationsproblem hat.” und wünscht sich eine sachlich geführte Einwanderungsdisskusion. Außerdem hält er die Auflösung subproletarischer Millieus für wünschenswert.

    Ein sachlich geführte Einwandererdisskusion heißt aber üblicherweise, die Einwanderung auf das Kriterium der ökonomischen Nützlichkeit auszurichten. Wie der SF zu dem genannten Utilitarismus steht, bleibt offen.

    Wenn ich Auflösung subproletarischer Milieus höre, höre ich immer Fördern und Fordern. Der SF denkt zwar vielleicht an freiwilligen sozialen Aufstieg und Bildungs”angebote”, aber ob er die Angebote wirklich so freiwillig denkt, wenn er von der Abschottung in Paralellgesellschaften spricht? Und stünde er damit nicht auch wie Sarrazin in gewissen Traditionen, sich das Volk nutzbar zu machen?

    Wie er selber zu dem steht, was Sarrazin reloaded hat, ist nicht ganz klar und es bleibt viel Raum für (Fehl?)interpretationen.

    Anstoß erregt glaube ich auch, dass er Probleme wie mainstreammedien überzeichnet (in Neukölln würde er nicht wohnen wollen, aber Neukölln ist kein neues Beirut, ich lebe da gut) und sich den Popanz des sozialromatischen Multikultitraums aufbaut. Dass Multikuilti tot ist, haben uns zuerst Rüttgers Koch und Buschkowsky erzählt.

    Also, ich hatte beim Lesen des Artikels ein ungutes Gefühl, aber ich warte den angekündigten Integrationsartikel ab, bis ich richtig anfange zu schimpfen. Ich hoffe, alle, die auch ein ungutes Gefühl hatten, sind dann auch dabei.

    Bis dahin:

    “Der Freund, der gute Freund
    Heute will der Chef der Bundesbank seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin einige Kompetenzen abnehmen. Doch der einzige, der ihn aus seinem Amt als Währunghüter ­entfernen könnte, wird dies nicht tun. Er ist sein Komplize”

    http://www.jungewelt.de/2009/10-13/010.php

  142. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 12:16 - - Permalink

    @Schwitzig

    Nehmen wir z.B. Stalins Machtübernahme nach Lenins Ableben, die unter anderem durch ein von ihm gefälschtes Testament möglich war: Was wäre gewesen, wenn ein anderer Parteikader einen Anschlag auf ihn ausgeführt hätte und die Fälschung des Testaments aufgeflogen wäre? Angesichts von Stalins schon bis dahin begangenen Verbrechen, hätte das die Entwicklung vielleicht in eine bessere Richtung gelenkt und aus der Perspektive seiner Parteimitglieder wäre es tatsächliche eine Notwehrsituation gewesen.

    Das ist doch nun eine Ablenkung. Ich zitiere Dich mal:

    Nun, ich bin gegen die Todesstrafe. Andererseits gibt es Menschen, bei denen es eine tolle Sache wäre, wenn sie nicht mehr da wären – in Gedenken an obige These sind diese Menschen besonders häufig in der Oberschicht vertreten. [...] Da kann man schon mal auf den Gedanken kommen, dass eine endgültige Selbstreinigung durch Entfernung eine adäquate Lösung des gordischen Knotens Arschlochdominanz in der menschlichen Gesellschaftsstruktur sein könnte. [..] Wie so vieles sollte die Durchführung und der Gedanke daran nicht pauschalisiert, sondern Einzelfallbezogen vorgenommen werden.

    Das hat nun nichts mit Stalin zu tun – Du wünscht Dir die “einzelfallbezogene” Ermordung und die “endgltige Selbstreinigung” (das hört sich für mich ein wenig nach Endlösung an) von “Arschlöchern” der Oberschicht. Das ist nicht endschuldbar und derber Mist.

    Ein polemischer Einwurf, denn nicht umsonst schrieb ich, dass ich gegen die Todesstrafe bin

    … und gleich im Folgesatz relativierst Du diese Ablehnung. Später sprichts Du von “einzelfallbezogenen” Maßnahmen á la “finaler Rettungsschuss”.

    Selbst wenn in Millionen Fällen nur ein einziger zuviel zu Unrecht verurteilt wird, ist die Todesstrafe nun mal endgültig und damit würde dieser eine die sofortige Abschaffung bedingen.

    Richtig – und warum schwadronierst Du dann über so etwas?

    Der Punkt ist – wie Du selbst auch schon bemerkt hast: In unserer Gesellschaft wird der Nährboden für eine neue RAF gelegt.

    Und in Deinen Kommentaren geht die Saat bereits prächtig auf.

    Weil ich derart fatale Entwicklungen befürchte, bin ich “menschenverachtend” und das obwohl ich sie ablehne?

    Du lehnst sie ja eben nicht ab, sondern – ich zitiere – hättest Verständnis, auch wenn Du dies prinzipiell ablehnst.

  143. schwitzig am 14. Oktober 2009 um 12:20 - - Permalink

    @SF

    Das hat nichts mit “Sozialromantik” und “Klassenbewußtsein” zu tun, sondern ist schlichte Gesellschaftsdynamik.

    Nein, ich vermute mal, dass Dein Urteil über das Bügertum und das Großbürgertum genau so stereotypenverhaftet ist wie Sarrazins Urteil über das Subproletariat.

    Nein, aber auch wenn man die Herkunft berücksichtigt, ist es doch so, dass Skrupellosigkeit zwar nicht ein Erfolgsgarant, aber doch ein bedeutender Helfer ist und demzufolge gebietet es meines Erachtens die Logik, dass sich in Entscheidungspositionen überproportional viele skrupellose Menschen befinden.
    Was wir also brauchen, sind ethische Grundsätze, die bindend mit dem Belegen einer Entscheidungsposition verbunden sind – ein Negativbeispiel wäre da z.B. der Amts”eid”, der tatsächlich in juristischer Hinsicht kein Eid bzw. bei Bruch Meineid ist.
    Um die Akkumulation von Partikularinteressenvertretern zu verhindern brauchen wir also ein juristisch verankertes Ethikrecht für Entscheidungspositionen.
    Meine Meinung – muss man nicht teilen und ich weiss auch, dass es gar nicht so einfach ist, so eine Art Ehrenkodex verbindlich zu erstellen, aber einen Versuch wäre es ja mal wert.

    Die Situation die wir derzeit haben, führt angesichts der Ohnmacht weiter Bevölkerungsteile zu einer Eskalation, die für alle beteiligten Schichten nur als Katastrophe bezeichnet werden kann. Eine Radikalisierung der oberen Kaste, die wir seit 30 Jahren erleben, führt unweigerlich auch zu einer Radikalisierung der unteren Kaste. Und daraus entstehen dann radikale Strukturen, denen der Humanismus dann tatsächlich zumm Opfer fällt.

  144. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 12:26 - - Permalink

    @egal

    Dann sagt der SF aber: “Es ist nicht zu bestreiten, dass Deutschland ein Integrationsproblem hat.” und wünscht sich eine sachlich geführte Einwanderungsdisskusion.

    Richtig – warum sollte es denn auch normal oder gar wünschenswert sein, dass Migranten sehr häufig im Subproletariat landen? Kann man das verhindern und wenn ja wie? Das verstehe ich unter einer sachlich geführten Einwanderungsdiskussion.

    Ein sachlich geführte Einwandererdisskusion heißt aber üblicherweise, die Einwanderung auf das Kriterium der ökonomischen Nützlichkeit auszurichten. Wie der SF zu dem genannten Utilitarismus steht, bleibt offen.

    Nein – da stelle ich mal eine Gegenfrage: Hälst Du ein Leben im Subproletariat für wünschenswert? Wenn nein, dann kommt automatisch eine sozio-ökonomische Komponente ins Spiel, da ein Leben abseits des Subproletariats automatisch immer an die Einkommenstruktur gebunden ist. Das heißt aber nicht, dass es sich hierbei um Utilitarismus handelt. Ist es etwa falsch, Menschen die Chance zu ermöglichen, ein sozio-ökonomisch besseres Leben zu führen?

    Wenn ich Auflösung subproletarischer Milieus höre, höre ich immer Fördern und Fordern. Der SF denkt zwar vielleicht an freiwilligen sozialen Aufstieg und Bildungs”angebote”, aber ob er die Angebote wirklich so freiwillig denkt, wenn er von der Abschottung in Paralellgesellschaften spricht? Und stünde er damit nicht auch wie Sarrazin in gewissen Traditionen, sich das Volk nutzbar zu machen?

    Wenn man das Fordern und vor allem das Fördern ernst nehmen und ernst meinen würde, wäre dies ja auch ein ordentlicher Ansatz. Leider heißt dies in der Realität aber meistens Leistungskürzung und Ausgrenzung ohne ein Angebot der Chancengleichheit. Vielleicht sollten wir erst einmal die Eupehmismen weglassen und solche Begrifflichkeiten wieder im eigentlichen Sinn betrachten.

    Anstoß erregt glaube ich auch, dass er Probleme wie mainstreammedien überzeichnet (in Neukölln würde er nicht wohnen wollen, aber Neukölln ist kein neues Beirut, ich lebe da gut) und sich den Popanz des sozialromatischen Multikultitraums aufbaut. Dass Multikuilti tot ist, haben uns zuerst Rüttgers Koch und Buschkowsky erzählt.

    Nur weil Koch und Co etwas behaupten, muss es nicht unbedingt falsch sein. Wer gerne in Neukölln lebt, der kann dort auch gerne leben – wer dort aber nicht leben will, für den muss man auch Verständnis haben.

  145. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 12:29 - - Permalink

    @Schwitzig

    Nein, aber auch wenn man die Herkunft berücksichtigt, ist es doch so, dass Skrupellosigkeit zwar nicht ein Erfolgsgarant, aber doch ein bedeutender Helfer ist und demzufolge gebietet es meines Erachtens die Logik, dass sich in Entscheidungspositionen überproportional viele skrupellose Menschen befinden.

    Ich habe in meiner bisherigen beruflichen Karriere wenige Arschlöcher in Entscheidungspositionen getroffen – richtig ist indes, dass der Nachwuchs in solche Positionen idT immer skrupeloser wird. Das ist ein echtes Problem.

    Was wir also brauchen, sind ethische Grundsätze, die bindend mit dem Belegen einer Entscheidungsposition verbunden sind – ein Negativbeispiel wäre da z.B. der Amts”eid”, der tatsächlich in juristischer Hinsicht kein Eid bzw. bei Bruch Meineid ist.

    Da bin ich ganz bei Dir.

    Die Situation die wir derzeit haben, führt angesichts der Ohnmacht weiter Bevölkerungsteile zu einer Eskalation, die für alle beteiligten Schichten nur als Katastrophe bezeichnet werden kann. Eine Radikalisierung der oberen Kaste, die wir seit 30 Jahren erleben, führt unweigerlich auch zu einer Radikalisierung der unteren Kaste. Und daraus entstehen dann radikale Strukturen, denen der Humanismus dann tatsächlich zumm Opfer fällt.

    Richtig – und daher sollte die Parole auch “Deeskalation” heißen.

  146. schwitzig am 14. Oktober 2009 um 12:30 - - Permalink

    Das hat nun nichts mit Stalin zu tun – Du wünscht Dir die “einzelfallbezogene” Ermordung und die “endgltige Selbstreinigung” (das hört sich für mich ein wenig nach Endlösung an) von “Arschlöchern” der Oberschicht. Das ist nicht endschuldbar und derber Mist.

    Ein polemischer Einwurf, denn nicht umsonst schrieb ich, dass ich gegen die Todesstrafe bin

    … und gleich im Folgesatz relativierst Du diese Ablehnung. Später sprichts Du von “einzelfallbezogenen” Maßnahmen á la “finaler Rettungsschuss”.

    (schwitzig)Weil ich derart fatale Entwicklungen befürchte, bin ich “menschenverachtend” und das obwohl ich sie ablehne?(schwitzig)

    Du lehnst sie ja eben nicht ab, sondern – ich zitiere – hättest Verständnis, auch wenn Du dies prinzipiell ablehnst.

    Nein, das wünsche ich mir nicht und ich habe auch kein “Verständnis”, wie Du es auffasst sondern ich kann nachvollziehen, dass diese Gedanken aufkommen!
    Das ist ein Unterschied. Ich persönlich lehne Gewalt sehr wohl ab, wie aus meinen Kommentaren ja wohl auch deutlich geworden sein dürfte.
    Aber Du wirst ja wohl nicht bestreiten wollen, dass der derzeitige Führungsstil unweigerlich auch zu einer Radikalisierung von Opfern dieses Führungsstils führen wird.
    Um es noch mal klarzustellen: Ich würde keinem Menschen den Tod gönnen und halte die Todesstrafe inklusive dem “finalen Rettungsschuss” für falsch. Aber ich sehe, dass es bald dazu führen wird, dass immer mehr Menschen so etwas gut finden könnten – und das hängt ursächlich mit unserer Führungsriege zusammen.

  147. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 12:35 - - Permalink

    @146 Schwitzig

    Und warum schreibst Du dann nicht, was Du meinst ;-)

    So wie Du es jetzt ausdrückst, will ich Dir auch gar nicht widersprechen – die vorherigen Äußerungen waren aber (gewollt?) missverständlich.

  148. salvo am 14. Oktober 2009 um 12:40 - - Permalink

    Dämlich finde ich viel mehr die abstrakte Forderung an die Unterschichten, mehr für Bildung und Integration ihrer Kinder zu tun. Das ist doch in etwa so geistreich wie die Erwartung an eine Bärin, dass sie ihren Nachwuchs besser für künftige Zirkusauftritte züchten solle.

    das Verlogene in der hiesigen Integrationsdebatte auf den Punkt gebracht. Eigentlich müßte zunächst der Integrationsbegriff analysiert werden, ehe man ihn in scheinbar progressiver Absicht verwendet. Problematisch ist es mE gerade einen Integrationsbegriff zu verwenden, der von einem Gesellschaftsmodell ausgeht, das von oben nach unten strukturiert ist, ohne dieses selbst zu hinterfragen. Letzten Endes besteht ‘Integration’ in diesem Sinne nur darin, von unten nach oben zu gelangen, mittels der so genannten ‘Sozialmobilität’. Dieser Ansatz ist affirmativ, da er nicht die Spaltung einer Gesellschaft in Oben und Unten in Frage stellt, sondern nur den Verlust an einer früher angeblich vorhandenenen Durchlässigkeit beklagt, mit der mensch noch von unten nach oben ‘aufsteigen’ konnte. Das ist ein genuines Ab-Bild klein-bürgerlicher Ideologie, den Traum des sozialen Aufstiegs kraft eigener Leistung träumend, in dem sich mensch aus schlechteren Verhältnissen selbst herausarbeitet bzw ‘herausbildet’, ohne diese grundsätzlich zu überwinden – denn diese bleiben eben jenen vorbehalten, denen die individuellen Merkmale (Wille zur Leistung) zum Aufstieg fehlen. ‘Intergration’ besteht in diesem Sinne darin, von unten nach oben zu gelangen, um dann den Blick (und den Zeigefinger) nach unten richten zu können.

    In der Wochenzeitung sind dazu sehr schöne Artikel zur Realität der so genannten ‘Integration’ zu lesen

    “Ditzler hat eine Integrationsmassnahme durchlebt: «Das Projekt heisst Kibitz und dauert mehrere Wochen. Wir sassen in Gruppen zusammen, um herauszufinden, was für jeden gut wäre. Ich möchte zum Beispiel gerne eine Ausbildung als Gebärdenlehrer machen. Die Ausbildung kostet 19 000 Franken, und ich brauche dazu die Matura. Die hab ich aber nicht. Soll ich jetzt noch die Matura nachholen, damit ich dann mit sechzig Gebärdenlehrer bin.» Ditzler lacht. «Im Kibitz fanden sie auch heraus, dass ich gut wäre als Fussballtrainer für Kinder … lustig, nicht … wieder ein Job, für den du kein Geld kriegst.»”

    http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2004/nr43/Schweiz/10683.html

    p.s.

    zu Sarrazin. Ganz persönlich bin ich Sarrazin eigentlich dankbar, weil er – wohl auf Grund einer mangelnden Selbstkontrolle – den ollen Nazi aus der Tiefe der eigenen Persönlichkeit hat zum Ausdruck kommen lassen, den so viele der ach so ‘mittigen’ Deutschen wohl noch in sich tragen.

  149. schwitzig am 14. Oktober 2009 um 12:47 - - Permalink

    @SF

    So wie Du es jetzt ausdrückst, will ich Dir auch gar nicht widersprechen – die vorherigen Äußerungen waren aber (gewollt?) missverständlich.

    Sagen wir, dass mein Ausdrucksvermögen suboptimal funktioniert hat – andererseits geht das schnell, wenn man sich in andere Perspektiven hineinversetzt – man spricht und schreibt dann auch aus dieser Perspektive.

  150. AchWas am 14. Oktober 2009 um 12:50 - - Permalink

    Ich glaube nicht dass die Bankster Schuld haben an den finanziellen Problemen Berlins.

    Ebenso hat jeder Hartz IV Empfaenger die Chance seine Klasse nach oben zu verlassen.

    Vielmehr: Armut ist eine Krankheit, Muslime wollen sich nicht integrieren und das Gerede von “sozialer Mobilitaet” ist ein Produkt unserer Ueberflussgesellschaft; ebenso wie die Beschaeftigung mit den Worten des Herrn Sarazzins. Da der an jenem Tage nach dem Holzhacken nicht muede genug war gab er Dieses von sich, was wiederum bei traegen Steineklopfern zu “Empoerung” fuehrte. Der Freizeit sei Dank.

    Dumm nur das Beide, die Intellektuellen und das Proletariat, wissen dass er Recht hat.

    It is only Entertainment.

  151. Punktierer am 14. Oktober 2009 um 13:05 - - Permalink

    @Schwitzig

    Aber Du wirst ja wohl nicht bestreiten wollen, dass der derzeitige Führungsstil unweigerlich auch zu einer Radikalisierung von Opfern dieses Führungsstils führen wird.
    Um es noch mal klarzustellen: Ich würde keinem Menschen den Tod gönnen und halte die Todesstrafe inklusive dem “finalen Rettungsschuss” für falsch. Aber ich sehe, dass es bald dazu führen wird, dass immer mehr Menschen so etwas gut finden könnten – und das hängt ursächlich mit unserer Führungsriege zusammen.

    Also ich kann keine Radikalisierung der Massen entdecken und ich sehe sie auch nicht kommen. Radikal sind die üblichen Gruppen am linken Rand. Das diese aber nun enormen Zulauf haben ist mir neu. Viel eher wird “das Volk” sich eine schwache gesellschaftliche Gruppe finden, die als Sündenbock herhalten muss. Herr Sarrazin zeigt ja schon mögliche Ziele auf.

    Zu deinen vorherigen Kommentaren muss ich sagen, dass es Totalitarismus pur ist und der Vorwurf des Stalinismus nicht weit hergeholt. Daran ändert auch dein späteres herumlavieren nichts. Wahrscheinlich bezeichnest du dich als “links”. Das macht es rechten oder anderen Meinungsgruppen sehr einfach Linke in die Nähe von Stalinismus und DDR-Diktatur zu rücken. Aber meiner Meinung nach bedeutet “links” vor allen Dingen, dass Menschen nicht nach ihrer Herkunft beurteilt werden, in jeglicher Hinsicht, also auch sozial. Und wie der Spiegelfechter schon sehr richtig gesagt hat sind weder “die Mitglieder” des Subproletariats bessere Menschen als die des Bürgertums, noch umgedreht. Ich hoffe du denkst mal darüber nach.

  152. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 13:14 - - Permalink

    @salvo

    Eigentlich müßte zunächst der Integrationsbegriff analysiert werden, ehe man ihn in scheinbar progressiver Absicht verwendet. Problematisch ist es mE gerade einen Integrationsbegriff zu verwenden, der von einem Gesellschaftsmodell ausgeht, das von oben nach unten strukturiert ist, ohne dieses selbst zu hinterfragen.

    Du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass die Wortführer unserer Gesellschaft in absehbarer Zeit das Gesellschaftsmodell in toto in Frage stellen? Das sind wir wieder bei Adorno – kann es wirklich kein richtiges Leben im falschen geben? Kann man nicht – unter Berücksichtung der Kritik am Gesellschaftsmodell – eine Diskussion führen, wie die missliche Lage vieler Migranten zu verbessern wäre, ohne dass man abwartet, bis die Rahmenbedingungen optimal sind.

    Letzten Endes besteht ‘Integration’ in diesem Sinne nur darin, von unten nach oben zu gelangen

    Wenn man ganz unten ist, ist jede Verbesserung der Lebensbedingungen ein Schritt nach oben – ja.

    Dieser Ansatz ist affirmativ, da er nicht die Spaltung einer Gesellschaft in Oben und Unten in Frage stellt, sondern nur den Verlust an einer früher angeblich vorhandenenen Durchlässigkeit beklagt, mit der mensch noch von unten nach oben ‘aufsteigen’ konnte.

    Es geht doch nicht um den Aufstieg, sondern um die Verbesserung der materiellen und ideelen Lebensbedingungen. Wenn – rein theoretisch – das untere Einkommensviertel besser gefördert würde und dadurch ein besseres Leben führen könnte, wäre dies ein Aufstieg? Nein, da es immer noch das untere Viertel wäre, aber die sozio-ökonomischen Verhältnisse in diesem Viertel wären besser – darauf kommt es an.

    Das ist ein genuines Ab-Bild klein-bürgerlicher Ideologie, den Traum des sozialen Aufstiegs kraft eigener Leistung träumend, in dem sich mensch aus schlechteren Verhältnissen selbst herausarbeitet bzw ‘herausbildet’, ohne diese grundsätzlich zu überwinden

    Dieser Traum ist beileibe nicht nur ein kleinbürgerlicher, sondern auch ein proletarischer. Der Unterschied besteht lediglich in der Durchlässigkeit der Klassenschranken. Da der Kleinbürger traditionell eine höhere soziale Mobilität nutzen kann, ist dieser Traum bei ihm auch traditionell ausgeprägter. Am ausgeprägtesten war dieser Traum aber beim Proletariat von der Nachkriegzeit bis zum Ende der Bonner Republik. Oder sprichst Du dem Proletariat etwa seine Klasse ab, nur weil es in diesen Zeiten ein eher “kleinbürgerliches” Bewußtsein hatte?

    ‘Intergration’ besteht in diesem Sinne darin, von unten nach oben zu gelangen, um dann den Blick (und den Zeigefinger) nach unten richten zu können.

    Ach wieso das denn? Das ist doch der klassische Stereotyp vom skrupellosen Aufsteiger, der seine Wurzeln verleugnet und nach unten austritt. Sicher gibt es solche Menschen, aber das ist doch nicht die Regel und schon gar kein Automatismus.

  153. egal am 14. Oktober 2009 um 13:15 - - Permalink

    @ 148 Salvo

    Naja, sozialer Status bezeichnet natürlich immer die relative Position eines Individuums in der Hierachie. Wenn man jedem Individuum einen Rang zuweist, ist Aufstieg natürlich nur möglich, wenn dafür jemand anderes absteigt.
    Wenn man aber Rangstufen definiert, etwa Einkommen von 1 500 bis 2 000 oder unter Mitte, dann ist sehr wohl für viele ein Aufsteig möglich, über eine möglichst mittige Verteilung der Individuen. Jeder kennt die graphischen Darstellungen der Gesellschaftshierachie (Pyramide, Bolt-Zwiebel…). Entwickelt sich etwa die (idealtypische, gab sie nie) feudale Pyramide zu der Zwiebel der Nachkriegszeit, haben sehr viele einen Aufstieg geschafft.
    Hinzu kommt noch der gefühlte Aufstieg. Weil ab den 50ern die Zahl der körperlich arbeitenden nochmal massiv abnahm, hatten sehr viele das Gefühl, aufgestiegen zu sein, weil sie noch an alten Statuskategorien festhielten, obwohl sich ihr relatives Einkommen z. B. gar nicht verbesserte.

    Wir haben nunmal Kapitalismus und damit notwendig eine ungleiche Einkommensverteilung. Wie die letzten 30 Jahre bewiesen haben, gibt es aber in der bürgerlichen Politik einigen Spielraum, auch im Kapitalismus die Einkommensverteilung, die Lebenszufiredenheit und den Zivilisationgrad zu beeinflussen.

    Der SF scheint aber tatsächlich zu glauben, der soziale Status hinge irgendwie von der “Leistung” ab. Die ist aber nichtmal notwendige Bedingung.

    @ SF

    Du kannst ja gerne nicht in Neukölln leben wollen. Aber überzeichne ein Problem bitte nicht, um daraus die Notwendigkeit staatlichen Eingreifens abzuleiten.
    Wenn Rüttgers und Freunde etwas sagen, muss das natürlich nicht flasch sein. Aber, weil du vieles ungesagt läßt, liegt die Vermutung nahe, du würdest über die Ablehnung des sozialromatischen Multikulti mit den genannten Herren noch weitere Vorstellungen teilen.

    Deine Entgegnung auf meine Vermutung, du würdest Einwanderung gerne nach dem Kriterium des des selben Staatsutilitarismus regeln, der auch Sarazins Darwinsmus zugrunde liegt (nicht, dass du auch Sozialdarwinist wärst, du teilst nur ein Paradigma), fand cih unverständlich.

    Der Integrationsartikel wird hier Klarheit bringen. Ich werde mich nicht mit dir darüber streiten, was du denken könntest. Sag halt, wie dus siehst, dann müssen wir nicht m ungelegte Eier streiten.

  154. egal am 14. Oktober 2009 um 13:17 - - Permalink

    “Ich glaube nicht dass die Bankster Schuld haben an den finanziellen Problemen Berlins.”

    Berliner Bankenskandal, schonmal gehört?

  155. Matthes am 14. Oktober 2009 um 13:18 - - Permalink

    @ 44.Spiegelfechter:

    „… Sagen wir es mal so – die Einwanderer bevorzugen Gebiete, in denen bereits viele ihrer Landsleute leben.“
    ———

    Gut gemeint. Dennoch, wie unerträglich muss so eine Diskussion für den Einwanderer sein, die vollkommen ohne ihn stattfindet. Es wird gedacht, gemeint, vermutet, gerichtet, mit Statistiken herumgeschleudert, zwischen dummen, nicht ganz so dummen und weniger dummen Einwanderer unterschieden, letzlich auf seine Kosten Politik gemacht. Nichts Neues im Grunde, wenn es wirtschaftlich eng wird.

    Zu der Annahme: Die Einwanderer bevorzugen in keinster Weise nur Gebiete, in denen bereits viele ihrer Landsleute leben. Sie bekommen wo anders meistens keine Wohnungen. Wie auch die wenigen Lehrstellen und Arbeitsplätze, die sie erst bekommen, wenn sich sonst niemand dafür interessiert. Und davon gibt es immer weniger, ob mit oder ohne Abitur. Folglich könnte dies eine Erklärung dafür sein, warum der Einwanderer sich, in der neuesten Entwicklung, überwiegend mit Obst- und Gemüsehandel beschäftigt. Letztens sagte mein Gemüsehändler: Er warte nur aus Höflichkeit und möchte nicht drängeln mit der Integration. Erst müsse das Land doch seine Ossis vernünftig integrieren.

  156. Karsten Bier am 14. Oktober 2009 um 13:23 - - Permalink

    Zu 151 Punktierer:

    Also ich kann keine Radikalisierung der Massen entdecken und ich sehe sie auch nicht kommen. Radikal sind die üblichen Gruppen am linken Rand. Das diese aber nun enormen Zulauf haben ist mir neu.

    Das kommt aber evtl. noch. Größere Mengen von Menschen sind wenn überhaupt, dann jetzt erst dabei “aufzuwachen”.

    Viel eher wird “das Volk” sich eine schwache gesellschaftliche Gruppe finden, die als Sündenbock herhalten muss. Herr Sarrazin zeigt ja schon mögliche Ziele auf.

    Die Gefahr besteht ganz sicher. Dagegen hilft nur eine besser informierte Öffentlichkeit. Das Internet wird angesichts des Versagens der klassischen Medien in dieser Hinsicht (hoffentlich) eine große Rolle spielen.

    Zu deinen vorherigen Kommentaren muss ich sagen, dass es Totalitarismus pur ist und der Vorwurf des Stalinismus nicht weit hergeholt.

    Ich habe den beiden nicht Stalinismus vorgeworfen. Ich habe nur gesagt, ich verstehe mehr, wie es damals zu den Ereignissen kommen konnte. Damit meinte ich, dass das Nachdenken darüber, dass es besser wäre, wenn Person/Personengruppe XY besser nicht da wäre, dazu führt/führen kann, dass Leute auftauchen, die das dann in die Tat umsetzen.

    Das ist der _falsche_ Weg. Man kann einer weiterhin uninformierten/ungebildeten/wasauchimmer Öffentlichkeit nicht die richtige Gesellschaft überstülpen und dazu die Gegner zu entfernen.

    Der richtige Weg IMO ist, eine große Zahl Menschen aus ihrer “Unmündigkeit” zu führen. Alles andere ergibt sich dann von selbst.

  157. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 13:27 - - Permalink

    @egal

    Der SF scheint aber tatsächlich zu glauben, der soziale Status hinge irgendwie von der “Leistung” ab. Die ist aber nichtmal notwendige Bedingung.

    Ach was – nun mach mich hier mal nicht zum FDP-Mietmaul ;-)

    Ich unterschreibe Deine Antwort an Salvo übrigens ohne Vorbehalte.

    Du kannst ja gerne nicht in Neukölln leben wollen. Aber überzeichne ein Problem bitte nicht, um daraus die Notwendigkeit staatlichen Eingreifens abzuleiten.

    Wenn ich alle Neuköllner mal fragen würde, ob sie sich wünschen, dass sich ihre sozio-ökonomischen Verhältnisse zum Positiven ändern und ob sie dies am ehesten aus eigener Kraft oder doch eher mit Hilfe des Staates erreichen könnten, so sollte die Antwort klar sein. Wenn eine Mehrheit sich tatsächlich am eigenen Schopf und ohne Staat aus dem Sumpf ziehen will oder aber mit den sozio-ökonomischen Verhältnissen zufrieden ist, ziehe ich mich gerne kleinlaut zurück.

    Aber, weil du vieles ungesagt läßt, liegt die Vermutung nahe, du würdest über die Ablehnung des sozialromatischen Multikulti mit den genannten Herren noch weitere Vorstellungen teilen.

    Natürlich! Auch die NPD ist für eine Bestrafung der “Bankster”, für eine Abschaffung der Hartz-Gesetzgebung und der Internetüberwachungsgesetze. Diese Punkte sind deshalb aber keineswegs falsch.

    Der Integrationsartikel wird hier Klarheit bringen. Ich werde mich nicht mit dir darüber streiten, was du denken könntest. Sag halt, wie dus siehst, dann müssen wir nicht m ungelegte Eier streiten.

    Kommt noch ;-)

  158. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 13:30 - - Permalink

    @Matthes

    Dennoch, wie unerträglich muss so eine Diskussion für den Einwanderer sein, die vollkommen ohne ihn stattfindet.

    Nun, jeder Einwanderer ist – nicht nur hier – herzlich eingladen, an der Diskussion teilzunehmen. Auch ich will schließlich nicht dumm sterben.

  159. Cosmo am 14. Oktober 2009 um 13:33 - - Permalink

    @AchWas (150)

    Dann redest du Humbug und weißt nicht wovon sprichst:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal

    Ebenso hat jeder Hartz IV Empfaenger die Chance seine Klasse nach oben zu verlassen.

    Ja, dieser Traum vom Aufstieg … ist genau die Illusion, von der sie sich wünschen, dass du ihn jeden Tag von neuem träumst und pünktlich zur Arbeit erscheinst.

    Anstatt, dass du mit beiden Beinen fest auf dem Boden und klarer Stimme, deinen gerechten Anteil, die Umverteilung von Oben-nach-Unten und die Beendigung teuerer und menschen-verachtender Militäraktionen einforderst.

    Gratulation!
    Mit deinem entertainment bist du genauso, wie sie wollen, dass du bist.

  160. Degnaphta am 14. Oktober 2009 um 13:34 - - Permalink

    @ SF #103
    Da solltest du streng trennen, was Verfehlungen und Eltitenhaß usw angeht.
    Bei einem Haufen Dumpfbacken halte ich Verfehlungen für die natürliche/logische/zwingende Folge der Dunpfbackigkeit.
    Bei einem Haufen angeblicher Intelligenzler erachte ich Verfehlungen als Ausdruck persönlichen Versagens oder gar als kalkuliertes Mittel zur Zielerreichung.
    Du leitest aus dieser meiner Haltung gerne ‘positive Diskriminierung’ und sogar Elitenhaß usw ab. Damit triffst du jedoch den tatsächlich vorhandenen Kern des Problems nicht, sondern lenkst eher davon ab.

    Mein umfassender Vorwurf “Alle sind strunzdumm!” entstammt leider dekadenwährender Beobachtung meiner Umwelt. Ich bin (mal wieder) in der Elternvertretung. Diesmal in einer Grund-, Haupt- und Realschule, die zudem noch als Novität in diesem Sektor als eine Schule mit zwei Standorten organisiert ist.
    Wenn ich da bei Versammlungen zwischen meinen Miteltern sitze, dann bemerke ich mehrheitlich völlig verstörte und desinformierte arme Gestalten, die nur mühsam – wenn überhaupt – über den Tellerrand der eigenen Belange hinauszudenken in der Lage sind. Das ist die bittere Realität des ehemals angedachten Bildungsbürgers, der ja eigentlich für die idealtypische Demokratie essentiell sein sollte. (Die Schweizer sind uns diesbezüglich um Lichtjahre voraus, gebe ich ein weiteres meiner Vorurteile mal zum Besten.)
    Die Lehrerschaft, die bei solchen Versammlungen dann auftritt, ist nicht nur ebenso verstört und desinformiert, nein sie sind auch noch als Hase in einem ekligen Hase-und-Jägerspiel zwischen den Fronten der kultusministeriellen Sachzwänge und den teilweise kruden Vorstellungen der Elternschaft auf der Hatz nach Lösungsmöglichkeiten. Da gibt’s dann den beinharten Typen, der die Verschlechterungen im Bildungssystem frustriert hinnimmt und an die Eltern weitergibt, sich sozusagen auf die Rolle des Unglücksboten zurückzieht ….natürlich immer mit der Beteuerung, er könne nichts dafür und fände es auch nicht gut.
    Dann gibt es den geschickten, fastrabulistischen Verkäufertyp, der die Verschlechterung unter Zuhilfenahme von Neusprech an die Eltern bringt, was dann meistens meine Intervention zur Folge hat. Dabei mache ich mich häufig zum Advocatus diaboli und bekomme einerseits zustimmendes Kopfnicken aus der Elternschaft, und vom demaskierten Verkäufer Sachen mit “Ponyhof”, “Wunschkonzert” und ähnliche Gemeinplätze als Antwort.
    Das auf dem geschändeten Acker keine Bildungsbürger sprießen können, liegt glasklar auf der Hand. Die in den Leitmedien geschickt eingeflochtene ‘Patentlösung’, die in Eliteschulen und einer weiteren Privatisierung und Ökonomisierung des Bildungswesens anzusiedeln ist, würde aber den Effekt von ‘Divide et impera’ weiter befördern. Daran dürfte Niemandem außer den ‘echten Eliten’ wirklich gelegen sein.

    Deinen Artikel finde ich übrigens ziemlich gelungen, wie eigentlich die Gesamtheit deiner Arbeit. Doch enthält er auch Ansatzpunkte zu harscher Kritik.

    Natürlich ist der rosarote Traum einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert,

    “Weil der Kram mit Schmackes gegen die Wand gefahren wurde … absichtlich oder aus Dämlichkeit.” Das gehört an diesen Satz, damit ich mich nicht an dem Wort ‘Natürlich’ störe. Das impliziert nämlich ansonsten – ohne meinen Nachsatz – eine prinzipielle Unmöglichkeit des multikuluturellen Zusammenlebens, und die sehe ich keineswegs als zwingend an. Die Hinweise auf Kanada usw dürften mir da den argumentativen Rücken stärken.

    natürlich gibt es vor allem bei Türken und Arabern ein massives Integrationsproblem,

    “weil (fast) Alles unternommen wurde, damit es nicht klappt.” möchte ich hier anfügen. Und schon wieder stoße ich an das Wort ‘natürlich’, welches die völlig falschen Implikationen erzeugt. Als könne man natürlicherweise nicht mit Türken und/oder Arabern zusammenleben, was ich für ausgemachten Kokolores halte.

    natürlich muss man darüber nachdenken und offen diskutieren, an welche Voraussetzungen eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland geknüpft sein soll.

    Der Teil erlangt dann endlich mal meine Zustimmung. Sicherlich, darüber muß man sich klar äußern…und auch äußern dürfen, ohne daß es zu Verhärtungen von Fronten kommt.
    Wollen wir Einwanderung? Soll diese Einwanderung das ‘demographische Problem’ lösen? Soll diese Einwanderung das Facharbeiterproblem lösen? Soll diese Einwanderung beide Problemstellungen lösen? Wie sieht es mit unseren Ansprüchen bezüglich Integration/Assimilation aus? Kommen wir mit einem ‘amerikanischen Modell’ zurecht? Sollten wir sogenannte ‘deutsche Identität’ zurückschrauben? Das Europäertum wäre ein möglicher Fluchtpunkt, wobei diese Form der Identitätsfindung noch nicht einmal ein klar erkennbares Ziel ist. ‘Der Europäer’ ist so noch nicht existent. Wenn man ihn als Fluchtpunkt/Entwicklungsstufe nähme, müßte man ihn in einem gleichzeitigen Prozess erfinden respektive ausgestalten.
    Ein weiterer möglicher Fluchtpunkt wäre das Weltbürgertum. Wir werden zu echten Kosmopoliten. Doch auch hier gibt es kaum anwendbare Kriterien zur Begriffsbestimmung. Aktuell sind wir zwar alle irgendwie Globalisierte, aber der Prozeß ist innerhalb der tina-Logik, die das Handeln unserer Lenker bestimmt, eine Art Naturgesetz und nicht wirklich steuerbar, weshalb es eben natürliche Verlierer(viele!) und ebenso natürliche Gewinner(wenige!) dieser Entwicklung gibt.
    Doch wird bei solchen Betrachtungen ebenfalls klar, daß ja nicht einmal über das Deutschtum ein Konsens besteht. Blasmusik und Lederhose? Männerchor und Fischerpullover? Automatistisch fleißig und blind konformistisch (womit eigentlich?) oder denkend, aufgeklärt und rebellisch? Umfassend selbstverantwortlich oder Verantwortlichkeiten bei der Gemeinschaft?
    Was ist die sogenannte deutsche Leitkultur? Das sollte dringlichst geklärt werden, wobei diese Klärung ein permanenter Prozeß sein muß, da ja ständig weitere Einflüsse aller Art in die anzustellenden Betrachtungen einbezogen werden müssen. Das hört sich – zur Recht – nach anstrengender und fehlerträchtiger Arbeit an, die da vorm deutschen Volk liegt. Nix anderes wird uns allerdings auch immer wieder von den Leitmedien eingeschärft. Noch härter Arbeiten für noch weniger Leistungsbelohnung. Doch meinen die in den Medien leider nur die Maloche, die ärger und weniger einträglich werden soll. (Beim Frondienst ist übrigens das Ende dieser Fahnenstange der Kostenoptimierung erreicht.)
    Dabei muß das ‘Arbeitsfeld’ sich auf ganz andere Bereiche erstrecken, was ohne die Hilfe der Massenmedien nur keineswegs machbar ist. Eine wirkich verzwickte Lage, in der wir uns befinden.
    Denn zwischen den von mir erwähnten Paralellgesellschaften der Blasmusikfans und der Golfspieler gibt es wenig bis keine Kommunikation. Ebenso wenig wie zwischen den Shopping-Mall-Touristen und den Millionen Geringstverdienern.
    Ein wahres Gewirr von Gräben durchzieht die Gesellschaft. Wenn man das weiter extrapoliert, landet man beim amerikanischen Modell, wo tatsächlich gemeinsam nur noch über die Jungs und Mädels, die in Plastiksäcken aus der Fremde zurückkehren, getrauert wird. Soll das mal unser gesellschaftlicher Kitt werden? Die tägliche Todesmeldung aus Zentralasien, wei die Deppen da im staubigen Bergland immern noch nicht finden wollen, daß Demokratie halt das Tor zum Paradies auf Erden darstellt?
    Auch Rita Süßmuth verwendete das Wort Reintegration und bezog das explizit auf die Ärmsten im Lande. Ich schätze diese Gruppe auf ca ein Drittel der Bevölkerung. Rentner, Minijobber, Aufstocker, Hartzianer, Alleinerziehende usw. Möglicherweise sieht es sogar noch finsterer aus, als ich mit meiner Drittelschätzung andeute.

  161. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 13:52 - - Permalink

    @Degnaphta

    Bei einem Haufen Dumpfbacken halte ich Verfehlungen für die natürliche/logische/zwingende Folge der Dunpfbackigkeit.

    Dumpfbackigkeit schützt für Strafe nicht

    Ein weiterer möglicher Fluchtpunkt wäre das Weltbürgertum. Wir werden zu echten Kosmopoliten. Doch auch hier gibt es kaum anwendbare Kriterien zur Begriffsbestimmung.

    Ich glaube auch nicht an diesen kosmopolischen Ansatz – ich bin früher oft und weit durch die Welt getingelt und der Grad der Übereinstimmung mit den Menschen mache ich mal von zwei Faktoren abhängig: dem Kulturraum und der Bildung. Mit einem chinesischen Dorfbewohner kann ich mich – unabhängig der Sparchbarriere – kaum auf hohem Niveau verständigen, da uns kulturell so viel mehr trennt als eint. Bei einem französischen oder auch einem osteuropäischen Dorfbewohner ist dies schon einfacher. Mit chinesischen Intellektuellen gibt es da schon größere Übereinstimmungen und mit französischen oder osteueropäischen Intellektuellen verstehe ich mich besser als mit meinem Nachbarn.

    Wir sind keine Weltbürger, wir sind bestenfalls(!) Angehöriger eines neuen globalisierten Zentrums, die Abstände zur Peripherie sind jedoch gigantisch und ich glaube auch nicht, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird – die Star-Trek-Gesellschaft steht noch nicht vor der Tür ;-)

  162. Beate am 14. Oktober 2009 um 14:23 - - Permalink

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,655098,00.html

    Das kostet den Staat 300.000.000 Euro.

    Habe ich in meinen Taschenrechner eingegeben und durch 20000 Euro geteilt.

    15000 Betroffene.

    Wann zerbricht eine Gesellschaft an ihrer Ungerechtigkeit.

    Wenn selbst dass dämlichste Medium Der Spiegel die herrschende Ideologie nicht mehr rechtfertigen kann.

  163. COPOKA am 14. Oktober 2009 um 15:31 - - Permalink

    @SF, #126

    Warum sollen Angehörige der Unterschicht bessere Menschen sein?

    Das habe ich nicht behauptet und wollte gar nicht hin.

    Es geht auch nicht um Schuld und Sühne, sondern um eine Bestandsaufnahme.

    D’accord.

    [Sarrazins vs. Unterschicht]

    Beide sind bedauerliche Vertreter einer Subkultur, beide können aber zum Glück nicht als Stereotyp für die Gesamtheit gelten.

    Ja, da gibt’s aber ein wesentlicher Unterschied – gesellschaftliche Position und Machtfülle einer Subkultur. Dass die Unterschicht als gesellschaftliches Phänomen für eine Hochproduktive Gesellschaft systemgefährdend seien könnte, bezweifle ich. Zumindest solange sie wirklich eine Minderheit bleibt. Es ist zwar höchst bedauerlich, ist aber kaum zu vermeiden. Das zu kritisieren ist genauso hilfreich wie die Wetterlage zu kritisieren.
    Bei elitärer Subkultur sieht es dank Machtverhältnissen schon ganz anders aus. Und wenn sich die Unterschicht in einer Gesellschaft bedrohlich aufbläht, so wurde ich nach Ursachen dafür nicht in der Unterschicht selbst suchen, was eben bei dieser Debatte der Fall ist – Selbschuld und Bla-Bla.
    Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken.

    [Bärennachwuchs für Zirkusauftritte]

    Und da wären wir wieder einmal bei der leidvollen Opferrolle des Subproletariats.

    Nein, du hast dies nicht bzw. falsch verstanden.

    Für Eltern kann es nur den Weg geben, ihren Kindern den Weg zu Bildung und Integration zu öffnen – ganz besonders in ungerechten Zeiten, in denen der Staat ihnen die Aufgabe nicht abnehmen will. …

    Genau das ist der Punkt, den ich bei dir und der Debatte kritisiere.

    Die anatolischen Bauern – nur als Beispiel, können es genauso ihren Kindern beibringen, wie von Geburt an taube und stumme Eltern ihren ganz gesunden Kindern das Singen und Sprechen beibringen können, das müssen schon die anderen, die Gesellschaft tun. Da habe ich in meiner Nachbarschaft so eine Familie, und sieh an, ihre Kinder können singen und sprechen. Wären sie durch ihre Abstammung von unwerten Eltern stigmatisiert und samt Eltern in ein Ghetto für Stummtaube verfrachtet, würde es für diese ganz gesunde Kinder ganz anders aussehen.

    Wir beide haben Bildungsangebote wahr genommen, weil uns noch in den jungen Jahren der Stellenwert der Bildung soziokulturell vermittelt wurde und weil wir die Chancen dafür hatten. Würdest du in einer Nomadenfamilie mit eingeschränkten sozialen Kontakten aufwachsen, könnte es für dich ganz anders ausgehen, weil du bei deiner geistigen Reifung was anderes begehrt hättest und von Anfang an in einer Ersatzschule gesteckt. Mit einem trotzigen Klassenstolz hat es nichts aber gar nichts zu tun – das ist idR nur nachgelagerte Rechtfertigung für Status Quo im nachhinein.

    Und wenn der Staat in diesen ungerechten Zeiten das nicht einsehen will, dass Kinder aus Unterschichten eine besondere Zuwendung brauchen, damit sie zu ‘normalen’ Bürgern aufwachsen, dann ist die Ghettoisierung der Großstädte schlicht und ergreifend gewollt.

    … zumindest die Sarrazins wissen nur allzu genau, was sie tun.

    Das meine ich auch.

    Schönen Tag noch.

  164. DJ Doena am 14. Oktober 2009 um 15:39 - - Permalink

    Sarrazin ist demnach auch kein klassischer Rassist, er hat gar nichts gegen Ausländer, Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund – aber nur solange sie ihren ökonomischen Teil in der Gesellschaft beitragen. Erbringen sie weniger monetäre Leistungen, als sie von der Gesellschaft zugewiesen bekommen, sind sie unerwünscht.

    Wer kann den wirklich tief in sein Innerstes blicken und aufrecht behaupten, dass er das nicht ähnlich sieht? Für die nicht erwerbsfähigen Teile der eigenen Familie sorgt man ja – für Kinder, Großeltern. Aber über die Arbeitslosenversicherung und Steuern auch noch bezahlen, dass in anderen Stadtteilen ganze Wohnblöcke nur zu Hause rumsitzen? Was wäre denn ein vernünftiger Grund, mich mit diesen Menschen zu solidarisieren? Zumal, wenn sie nichts dafür selber tun? Was kann ich denn dafür, dass dort Bildung nicht den Wert hat, den sie haben sollte? Ich bin nicht arrogant genug, ihnen die westliche Lebensweise aufdrücken zu wollen. Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie eben nicht. Dann möchte ich ihnen diese Entscheidung aber auch nicht finanzieren müssen. Jede Solidarität muss auch irgendwo Grenzen haben.

    Eugenik reloaded

    Der ganze Absatz liest sich so, als wollte da jemand auf Teufel komm raus Godwin’s Law aktivieren, nur um Sarrazin in die Nazi-Ecke stellen und damit seine gesamte Argumentation als falsch deklarieren zu können.
    Sarrazin auf einer Linie mit Dr. Mengele, dem darf man ja eigentlich gar nicht zuhören…

    Sarrazins Denkanstöße gehen wie immer in die falsche Richtung. Es ist sicher richtig, dass die Finanzlage des Berliner Senats katastrophal ist. Grund dafür sind jedoch nicht türkischstämmige Migranten, die am Fließband kleine Kopftuchträgerinnen in die Welt setzen, sondern ein soziales Milieu, das die Gesellschaft alleine im letzten Jahr mehr gekostet hat, als alle Migranten in der Geschichte der Bundesrepublik zusammen – die Banker

    Und das ist Denke nach dem Prinzip

    Heiliger St. Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andre an!

    Nur weil die Banker diesen und andere Staaten in die größte Jauchegrube seit 1929 gezogen haben, kann das ja nicht bedeuten, dass plötzlich alle anderen einen Freifahrtsschein bekommen.

    Dies anzusprechen mag politisch unkorrekt sein, die Augen vor diesen Problemen zu verschließen, ist jedoch grundsätzlich falsch – mit Denkblockaden hat man noch nie Probleme lösen können.

    Summa summarum: Prinzipiell hat er ja Recht, aber weils nun mal der Sarrazin war, der’s gesagt hat, müssen wir ihm aus Prinzip widersprechen.

  165. Simon am 14. Oktober 2009 um 15:44 - - Permalink

    Also, ich sehe absolut die Notwendigkeit von Sarrazins Botschaft – aber die Art, wie er sie vorgetragen hat, ist aus meiner Sicht völlig daneben. Wer sich so plakativ und polemisch ausdrückt, muss sich nicht wundern, wenn er in die rechte Ecke gestellt wird.

    Was ich allerdings bei Sarrazin nicht erkennen kann, ist irgendeine Nähe zu nationalsozialistischer Rassenideologie. Er greift m.E. keine Ethnien an, sondern bestimmte Subkulturen in der deutschen Gesellschaft, die (teilweise) mit bestimmten Herkunftsländern identisch sind. Ich sehe auch nicht die Forderung nach einer Eugenik in dem Sinne, wie sie von den Nazis praktiziert worden ist. Ich finde, man sollte sehr vorsichtig sein mit dieser Art von Unterstellungen.

    Die Integrationsfrage ist m.E. die wichtigste Herausforderung für Deutschland in den nächsten 20 Jahren. Es gibt hier ein ganzes Cluster von Problemen, die alle gelöst werden müssen:

    - Geburtenrückgang bei den sozialen Gruppen, deren Kinder tendeziell Leistungsträger würden
    - Geburtenzunahme bei sozialen Gruppen, deren Kinder tendenziell eher für die Gesellschaft als Belastung wirken
    - “Abkoppelung” einzelner Subkulturen von der Gesamtgesellschaft
    - Weiteres Auseinanderklaffen der Schere zwischen Reich und Arm

    Trotz gelegentlicher Ausfälle kann m.E. die Ansicht, dass es in punkto Intelligenz / Leistungsfähigkeit nennenswerte Abweichungen zwischen den Ethnien gibt, als überwunden gelten. Darauf folgt, dass die oben genannten Probleme sozio-kultureller Art sind – und auch sozio-kulturelle Lösungen erfordern.

    Die Lösungen müssen in gewisser Weise radikal werden, denn auch das Problem ist ein radikales. Zum Beispiel würde Kinderwahlrecht aus meiner Sicht Sinn machen, auch eine viel stärkere Förderung für Kinder und junge Familien.

    Dass Problem ist höchst dringend, und schon deswegen sollte man die Diskussion nicht von einer Sachdiskussion zu einer Personaldiskussion werden lassen. Die Verknüpfung von unbeliebten Meinungen mit einzelnen Personen (Herman, Hohman, Sarrazin) ist eigentlich ein Reflex der alten Presse – da müssen wir uns nicht dranhängen.

  166. COPOKA am 14. Oktober 2009 um 15:58 - - Permalink

    @aquadraht, 123

    Ja, das ging mir gestern auch durch den Kopf. Ich habe leider in meiner Nähe nur Globus, Aldi und Lidl und vermisse sehr Gemüsehändler, die davon wirklich was verstehen. Im Übrigen können die davon gar nicht reich werden und man kann den Leuten nur dankbar sein, dass sie es trotzdem tun.

    … bei den skandalisierten Türken in D, die zum überwiegenden Teil denselben Schichten angehören, sind es doppelt so viele. Nur hat man das damals als Defizit der Bildungspolitik angesehen.

    Jep.
    Auch wenn ich kein großer Freund des Realexistierenden sowjetischer Prägung bin, muss ich an der Stelle doch das sowjetische Bildungssystem loben. Es war nämlich absolut durchlässig, besonders für nationale und ethnische Minderheiten, deren Kinder idT dank ihrer Herkunft benachteiligt waren. Dümmer oder unfähiger waren sie keinesfalls – da habe ich während meiner Studiumzeit und später ganze Menge kennengelernt.
    Menschen werden nicht dumm geboren, sie werden dumm gemacht.

  167. R_Winter am 14. Oktober 2009 um 16:06 - - Permalink

    @ Copoka #163

    Da habe ich in meiner Nachbarschaft so eine Familie, und sieh an, ihre Kinder können singen und sprechen. Wären sie durch ihre Abstammung von unwerten Eltern stigmatisiert und samt Eltern in ein Ghetto für Stummtaube verfrachtet, würde es für diese ganz gesunde Kinder ganz anders aussehen.”

    Das Beispiel ist falsch, da der Mensch sich nicht nach Mund, Augen und Ohren, sondern nach dem Gehirn/Wissen unterscheidet.
    Sehr einfache Menschen haben in einem kulturfreien Test sehr hohe Ergebnisse.
    Sonst stimme ich Ihren Ausführungen zu.

    Wir können uns mit Menschen verschiedener Kulturkreisen verständigen, wenn die Wellenlänge und die Chemie stimmt. Dieses wird aber von bestimmten Kreisen gerade im Islam und auch in Deutschland unterbunden.

  168. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 16:17 - - Permalink

    @Copoka

    Ja, da gibt’s aber ein wesentlicher Unterschied – gesellschaftliche Position und Machtfülle einer Subkultur. Dass die Unterschicht als gesellschaftliches Phänomen für eine Hochproduktive Gesellschaft systemgefährdend seien könnte, bezweifle ich. Zumindest solange sie wirklich eine Minderheit bleibt. Es ist zwar höchst bedauerlich, ist aber kaum zu vermeiden. Das zu kritisieren ist genauso hilfreich wie die Wetterlage zu kritisieren.

    Ja und nein – einerseits hast Du mit Deiner Abwägung des Gefahrenpotentials sicherlich recht, andererseits heißt dies aber noch lange nicht, dass man Probleme nicht ansprechen darf, deren Gefahrenpotential gering ist.

    Bei elitärer Subkultur sieht es dank Machtverhältnissen schon ganz anders aus.

    Richtig – und darum drehen sich 80% meiner Artikel auch um “deren” Verfehlungen.

    Die anatolischen Bauern – nur als Beispiel, können es genauso ihren Kindern beibringen, wie von Geburt an taube und stumme Eltern ihren ganz gesunden Kindern das Singen und Sprechen beibringen können, das müssen schon die anderen, die Gesellschaft tun. Da habe ich in meiner Nachbarschaft so eine Familie, und sieh an, ihre Kinder können singen und sprechen. Wären sie durch ihre Abstammung von unwerten Eltern stigmatisiert und samt Eltern in ein Ghetto für Stummtaube verfrachtet, würde es für diese ganz gesunde Kinder ganz anders aussehen.

    Da hast Du sicher recht

    Wir beide haben Bildungsangebote wahr genommen, weil uns noch in den jungen Jahren der Stellenwert der Bildung soziokulturell vermittelt wurde und weil wir die Chancen dafür hatten. Würdest du in einer Nomadenfamilie mit eingeschränkten sozialen Kontakten aufwachsen, könnte es für dich ganz anders ausgehen, weil du bei deiner geistigen Reifung was anderes begehrt hättest und von Anfang an in einer Ersatzschule gesteckt. Mit einem trotzigen Klassenstolz hat es nichts aber gar nichts zu tun – das ist idR nur nachgelagerte Rechtfertigung für Status Quo im nachhinein.

    So gesehen ist das sicher richtig.

  169. Götterfunken am 14. Oktober 2009 um 16:49 - - Permalink

    Die Nähe zur Rassenideolgie sehe ich schon, mit der Kelle in der Hand braune Suppe verteilend.

    Von Integration lese ich hier immer wieder. In was soll eigentlich integriert werden?
    Das Verhältnis Erwerbslose zu freien Stellen ist wahrscheinlich bekannt, die Schönung der Statistik ebenso?

    Gönnt den Leuten ein bedingungsloses Grundeinkommen (mir auch); “arbeiten” ginge ich dann immer noch, würde aber liebend gern von meinem nicht ganz so spannenden Job ein paar Stunden abgeben…
    und kein Almosenempfänger mehr sein, nicht mehr Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft und gegängelt mit Sinnlosbewerbungen (achjah).
    Erst heute wieder weiche Knie bei der Leerung des Briefkastens gehabt: Post vom JobCenter (JC) -
    GottseiDank nur was Unverfängliches.
    Ja, ich kann Angst transzendieren, das können aber beileibe nicht alle.
    Egal ob in Neukölln oder irgendwo am Bodensee, egal welcher Herkunft.

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/916564_0_9223_-interview-langfristig-wird-die-arbeit-verschwinden-.html

  170. Felix Nagel am 14. Oktober 2009 um 16:56 - - Permalink

    Wie immer vielen Dank für diesen wundervollen Artikel. Wurde gleich einigen Freunden empfohlen.

    Du hast Talent meine Gedanken zu Papier zu bringen ;-)

  171. schläfer am 14. Oktober 2009 um 17:08 - - Permalink

    Lieber Spiegelfechter,

    die Ironie in der Ausdrucksweise von #83 ist mir durchaus nicht entgangen, und ich habe auch soweit nichts gegen die darin getroffenen Aussagen, nur “der Mehmet” geht mir, ich kanns nicht ändern, einfach quer. Darf ich Dich daran erinnern, dass “der Mehmet” u.a. traurige Berühmtheit erlangt hat als unverbesserlicher, prügelnder und marodierender Serienstraftäter? “Der Mehmet” sagen, wo man Türken meint, dieses entspannt zurückgelehnte Herrenrunden-Geflachse oder was das sein soll – scheint in einer Diskussion, in der es auch um Rassismus bzw. ethnische Stereotype geht, einfach unangebracht und verwundert ganz besonders bei Dir, der doch in dieser Hinsicht eigentlich unverdächtig scheint/schien… Seltsames Füßeln mit den Gesinnungsschweinen während Du überm Tisch artig gegen sie anargumentierst… Und Dein Verweis auf den (absolut stubenreinen) Begriff “Lieschen Müller”, also ich weiß nicht, der ist doch Quatsch.

  172. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 17:14 - - Permalink

    @Schläfer

    Mich zur einer PC-Sprachweise überreden zu wollen, ist vergebene Liebesmüh ;-)

    Außerdem solltest Du mal Deine eigenen Voruteile und Assoziationen einer Korrektur unterwerfen – wenn ich “der Mehmet” höre, so denke ich an den sympathischen Fußballspieler Mehmet Scholl, der übrigens ebenfalls Deutsch-Türke ist. Wer einen Hammer in der Hand hat, sieht nun einmal überall Nägel und ich verwehre mich gegen jeglichen positiven Rassismus, der sich auch durch die Schere im Kopf manifestiert.

  173. Arbo am 14. Oktober 2009 um 17:34 - - Permalink

    Ein lesenswerter Artikel! Obwohl ich zugebe, auch ein wenig Kritik anmelden zu müssen. Es fällt zwar schon auf, dass den – aus meiner Sicht – menschenfeindlichen Parolen auch etwas Elitäres anhaftet. Aber wir dürfen uns insoweit nichts vor machen, als das es nicht nur ein Problem der sogenannten “Eliten” ist. Nicht nur unter Personen wie Sarrazin oder Clements scheint eine gewisse Menscheinfeindlichkeit zum guten Ton zu gehören. Sondern die sozialen Werturteile, die sie bedienen gehören meiner Beobachtung nach – leider (!) – zur alltäglichen Erfahrungswelt. Von der Friedrich-Ebert-Stiftung gab es dazu in den letzten zwei Jahren interessante Studien. Auch die Forschungsarbeiten von Heitmeyer sind diesbezüglich nicht zu verachten (Stichwort: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit).

    Alles das ändert jedoch nichts daran, dass die selbsternannten “Leistungseliten” in besonderer Weise zur Verbreitung von negativen, sozialen Werturteilen beitragen.

    Wie auch immer. Was mir an der ganzen Sarrazin-Chose weiterhin auffiel und womit sich Sarrazin deutlich entlarvt ist Folgendes: Egal ob Sarrazin mit seiner “Feststellung” mangelnder Intelligenz oder – wie er es nennt – mangelnder Integrationsfähigkeit richtig liegt oder nicht, es geht doch in erster Linie um Menschen, die hier leben und die zum großen Teil – wie J. Berger im Artikel richtig schrieb – bereits Deutsche sind. Aber was soll denn mit denen geschehen? Die sind ja nun einmal da. Wie ist damit umzugehen? Dazu kam m.E. sehr wenig. Statt dessen scheint mir irgendwie unausgesprochen die Forderung in der Luft zu liegen “Die müssen weg!“.

    Irgend etwas in mir gibt mir das Gefühl, dass es genau das ist, was viele Menschen heute bereits denken, es sich aber – noch – nicht trauen, auszusprechen. Wie weit diese Tendenz schon kultiviert ist, lässt sich an der letzten Sendung “Was erlauben Strunz?” ersehen.

    Hinzu kommt, dass Sarrazin, indem er bestimmte sozialen Gruppen als nicht integrationsfähig bezeichnete, diesen auch jedwede Möglichkeit zur Veränderung absprach. Die können sich also auch gar nicht ändern! Das ist nur eine der “versteckten” Ungeheurlichkeiten, die in dieser ganzen Debatte stecken. Die zweite liegt im bereits erwähnten Umgang mit den vermeintlichen “Problemfällen”. Da ist offenbar noch eine Schere im Kopf, die z.B. von “Einwander|inne|n in der dritten Generation” spricht, ganz so, als ob diese kein Anrecht darauf besäßten, hier zu sein; als ob mensch diese Gruppen einfach auch wieder los werden könne. Dahinter steckt auch ein gewisses Maß an “normalem” Alltagsrassismus.

    Arbo

  174. Degnaphta am 14. Oktober 2009 um 17:35 - - Permalink

    @ SF #161
    Im Gegensatz zu dir bin ich überhaupt nicht weit gereist, sondern habe hier auf oder in der Nähe meiner Scholle viele Reisende getroffen :-)
    Deinem chinesischen Bauern stelle ich jetzt nochmal einen naturbelassenen südamerikanischen Djungelbewohner und einen Ziegnballspieler aus den Turkvölkern des nördlichen Himalaya. Die Liste ließe sich erheblich verlängern.
    So wie mein Unverständnis an deren Lebensmodellen sich aus der Fremd- und/oder Andersartigkeit erklären läßt, was mich jedoch nicht zum Schluß bringt, ihnen irgendwie in die Suppe spucken zu wollen, so bin ich mir allerdings auch einiger grundsätzlicher Gemeinsamkeiten bewußt.
    Nicht nur die ökologischen Gemeinsamkeiten, die uns an derselben Verstrahlung, Vergiftung usw sterben lassen werden, sondern auch die menschlichen Gemeinsamkeiten wie Liebe und Respekt gegenüber Altvorderen und Nachfahren können als Fundamente für aufkommende Kosmopoliten darstellen.
    Unsere gesellschaftliche Entwicklung hingegen, die ja dem Naturgesetz der Globalisierung unterworfen sein soll, geht leider in die andere Richtung. Bei umfassender Ökonomisierung wird der zur Verfügung stehende Raum für Mitmenschlichkeit immer mehr von Kostenfragen eingeschnürt.
    Die Forderung nach umfassender Flexibilität beispielsweise befördert ein nomadisches Leben. Einerseits ist nur eine Hälfte der Bevölkerung nomadisch orientiert, was die eigenen Bedürfnisse betrifft, und die andere Hälfte ist statistisch gesehen eher der Seßhaftigkeit zugeneigt. Jetzt Arbeitsnomadentum als Heilmittel für die kranke Wirtschaft zu propagieren, tritt bereits einer Hälfte heftig auf die Füße.
    Anderseits unterminiert die Förderung des Nomadentums die Bildung fester und verläßlicher Strukturen. Wer soll die Siedlungen beleben? Wer kann noch Häuslebauer sein, um auf dieser selbstgewählten Scholle seinen Lebensherbst zu erwarten? Die hierfür notwendige Seßhaftigkeit wird denjenigen, die den Gürtel enger geschnallt bekamen, mittels eines schalen Geldbeutels aufgeprfopft, und gleichzeitg werden sie wegen mangelnder Flexibilität gescholten. Wirr und kontraproduktiv diese Denke.
    Beim Sparen auf Biegen und Brechen an ca 90% der Bevölkerung kommen dann auch so seltsame Situationen zustande, wo ein eigentlich bereits zu gehobeneren Kreisen zählende Familien urplötzlich in Unterschichtbereich gedrückt werden. Ein hoher Beamter mit ehemals auch fest im Staatsbetrieb arbeitender Frau lebt sein korrektermaßen leistungsbelohntes Leben. Gutes Geld für gute Arbeit stimmt soweit. BAFöG für solche Kreise würde mehrheitlich als Ohrfeige für über 60% des Volkes empfunden werden. Doch haben diese vermeintlichen Gutverdiener drei kinder, die jetzt alle gleichzeitig studieren, ohne daß sie Unterstützung der Gemeinschaft erfahren. Diese Eltern haben trotz guter Arbeit und entsprechend guten Lohnes jetzt richtig wenig Geld im Beutel. Gefühlt jedenfalls, sind doch bisherige Annehmlichkeiten des Lebens plötzlich auf dem Prüfstand der Notwendigkeit abgeschmettert worden.
    Für hochspezialisierte Arbeit ist der finanzielle Handlungsrahmen derselbe, als wären ein angelernter Arbeiter und eine Putzfrau in einem der seltenen gutbezahlten Arbeitsverhältnisse die Ernährer. Jetzt kann man das Geschimpfe diser Leute sicherlich nachvollziehen, wenn sie den ärmsten Mitschülern ihrer Kinder das BAFöG mißgönnen und lauthals FDP-Parolen schreien.
    Dabei ist die Dame des Hauses aus ehemalig verläßlichen Arbeitsverhältnissen bei Vater Staat jetzt zur prekär beschäftigten Gelegenheitsarbeiterin geworden, die von Zeitvertrag zu zeitvertrag hoppelt, wobei jedesmal mehr Arbeit für weniger Geld herauskommt. Sie macht immer noch dieselbe Arbeit, aber inzwischen völlig frustriert und desillusioniert. Besserung ist nicht in Sicht.
    Eher, daß die Studien des Nachwuchses gar nicht mit der Erfolgsgarantie versehen ist, wie die Propagandisten an den Gymnasien jedoch nicht müde werden, als lockende Möhre in den Raum zu hängen.
    Diese vielfältige Grabenbildung, die durch Ökonomisierung Einzug in unsere Strukturen hält, unterminieren eigentlich Alles, wofür wir mal mit der Ausarbeitung des Grundgesetzes standen.
    Der Begriff ’soziale Mobilität’ ist irgendwie ein pfiffiger Ausdruck. Er wäre weniger bedeutsam, wenn der Begriff ‘Unterschicht’ heutzutage nicht mit krassem Elend und unmittelbaren Notständen Hand in Hand ginge. Und der ganze Mist wird als verheißene Todesmöhre in den Raum der bürgerlichen Mitte gehängt.

    Du sagst “Strafe muß sein.” Ich frage “Punishment oder Resozialisierung?”
    Hessens Koch hatte schon boot-camps für jugendliche Straftäter im Angebot. Bosbach outet sich auch vor jeder rumstehenden Kamera als Hohepriester der Prügelpeitsche gegen ‘jugendliche Straftäter’.
    In Amiland kann man sich gut anschauen, wie eine Justiz ohne Resozialisierungskomponente funktioniert. Wollen wir das? Wollen wir das wirklich?

    Vorhin nannte ich die Schweizer als mögliches Vorbild für informierte Demokraten. Da habe ich mich wohl getäuscht. Meine Tochter erzählte mir jüst, daß dort demnächst ein Referrendum abgehalten wird, ob der Bau von Minaretten weiterhin erlaubt sein solle. Ganz Europa scheint durchzudrehen bei dem Thema.

    Daß twitter nicht nur für Blöde, Spielkinder und moderne Performer ist, mag sich durch solche Geschehnisse bewahrheiten. Ein Beil ist ja auch nicht nur zum Handabhacken vorgesehen.

  175. DJ Doena am 14. Oktober 2009 um 17:44 - - Permalink

    @schläfer 171: Was hätte er denn deiner Meinung nach nehmen können, was dir nicht sauer aufgestoßen wäre? Achmed (the Dead Terrorist)? Aische? Murat?

  176. Karl Heinrich am 14. Oktober 2009 um 18:17 - - Permalink

    @Karsten Bier #131

    Der zitierte Satz ist eine Binsenweisheit. Er rechtfertigt nicht den Eugenik-Vorwurf.

  177. Karsten Bier am 14. Oktober 2009 um 18:48 - - Permalink

    Zu 176 Karl Heinrich:

    Wärst du dann bitte so freundlich, den Unterschied zu “echter” Eugenik zu erklären? Ich sehe im Moment nicht, wie man noch eindeutiger die Definition erfüllen könnte.

  178. Karl Heinrich am 14. Oktober 2009 um 19:28 - - Permalink

    @Karsten

    Das Sarrazin-Zitat besteht doch aus zwei Sätzen: “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.” Beide Sätze sind faktisch richtig, oder?

  179. Der Schachspieler am 14. Oktober 2009 um 20:22 - - Permalink

    Mal so zu Sarazzin und SpD:

    Eins scheint ganz klar zu sein, die SPD geht auf Stimmenfang im Nazi Lager.

    An alle die wirklich meinen der Mensch stammt vom Affen ab:

    Wer ist es der euch die besseren Gene geliefert hat, der Orag Utan oder der Chimpanse?

    @Jens:

    Wenn du schon das Thema anschneidest, dann benenne es wenigstens richtig, es geht nicht um Integration sondern um soziale Inklusion.

    Hier ein hilfreicher link:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Inklusion

    Entweder alles oder nichts ;-)

    Meinst du wirklich das ein Mensch der “zufälligerweise” als Deutscher geboren ist, mehr Anspruch auf “Deutsch ” sein hat als der nicht als “Deutsch” geborene, so rein Menschenrechtlich gesehen ?

    Habt ihr euch als Deutsche schon einmal gefragt wie es ist als “Ausländer” anwesend zu sein , mit der Gewissheit das man jederzeit abgeschoben werden kann ?

    Abgeschoben ?
    Man kann wirklich Menschen abschieben ? Schon seltsam diese Grundgesetze…… und die Wortgetreue Befolgung.

    Habe ich überhaupt einen Anspruch hier mitzuschreiben, obwohl ich Deutsch gelernt habe ?

    Die Integration die ihr euch vorstellt gibt es ohne “Lederhosen tragenden Hassan” nicht.

  180. aquadraht am 14. Oktober 2009 um 21:09 - - Permalink

    @Karl-Heinrich: Der erste Teil des Satzes ist eine Banalität ohne den geringsten Gehalt. Natürlich ist ein bestimmter Teil der Begabung erblich, schon weil Menschsein erblich ist, und eine Kakerlake, deren Kakerlalesein auch erblich ist, nicht Autofahren kann, ein Mensch aber in der entsprechenden Umwelt, die Autos und Führerscheine kennt, schon.

    Es zeigt sich da, wie denk- und differenzierungsunfähig der Sarrazin ist, und wie geistig undiszipliniert und begrifflich schlampig. Was er meint und suggerieren möchte, ist, dass die differenzielle Begabung unter Menschen erblich ist, vulgär, dass Kluge Kluge werfen und Dumme Dumme. Stimmte das, spräche einiges dafür, dass Sarrazin primitive, aber gerissene Vorfahren hatte. Tatsächlich gibt es für dieses Gerücht wenig Evidenz. Geschlossene Eliten waren stets eher eine Brutstätte von Inzuchtdefekten als von fortschreitender Veredelung. Längerfristig stabile Eliten, wie der christliche Klerus oder die chinesische Beamtenschaft, betrieben stets eine offene Rekrutierung im gesamten Genpool statt menschlicher Viehzucht.

    Der zweite Satz unterstellt dann, dass sein Vorurteil erwiesen wäre, dass nämlich “intelligente Leistungsträger” erneut “intelligente Leistungsträger” schmeissen und “weniger intelligente Nichtleistungsträger” nur dumme Versager. Nur wenn diese primitive und schwachsinnige Hypothese, die sich schon in Mein Kampf findet, zuträfe, könnte “aus demographischen Gründen” die Zahl der “intelligenten Leistungsträger” abnehmen.

    Tatsache ist leider, dass Geschmeiss wie Sarrazin aus jeder Gesellschaftsschicht rekrutierbar ist und unvermeidlich nachwächst, solange ihm alle Möglichkeiten offenstehen. Selbstüberschätzung und Charakterlosigkeit sind eben nicht erblich. Daher ist nicht zu hoffen, dass die “intelligenten Leistungsträger” von selbst aussterben.

  181. Dagmar am 14. Oktober 2009 um 21:17 - - Permalink

    @Karl-Heinrich

    “Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt”

    Machen wir doch mal eine Satzanalyse. Neben der expliziten Aussage – die Geburtenrate der “intelligenten Leistungsträger” liegt vermeintlich unter der der Anderen – gibt es auch eine implizite Aussage: die “Leistungsträger” (z.B. Hermann Josef Abs) sind ebendies, weil sie intelligenter sind als die Anderen. Ihr Status ist somit durch ihre eigenen Eigenschaften legitimiert, und der Rest der Gesellschaft befindet sich zu ihren Füßen, weil er dümmer ist und es deshalb genau so sein muß. Die im vorhergehenden Satz stehende Aussage, dass menschliche Begabung zu einem Teil erblich bedingt sei, führt dann dazu, dass die Kinder der “intelligenten Leistungsträger” naturgegeben selbst wieder zu den Herrschenden gehören.

    Rassismus und Sozialdarwinismus sind ideologische Zwillinge. Der Sozialdarwinismus geht dem Rassismus als ausformulierte Ideologie voraus. Beiden gemeinsam ist, Gruppen von Menschen bestimmte Eigenschaften dauerhaft und unabänderlich zuzuschreiben. Dabei sind diese Eigenschaften überindividuell und von Geburt an festgelegt. Die Aussagen Sarrazins sind nach diesen Definitionen beides gleichzeitig – sozialdarwinistisch, weil sie Klassenverhältnisse genetisch begründen wollen, und rassistisch, weil durch ethnische Abstammung definierten Gruppen unabänderliche Eigenschadften zugeschrieben werden.

    Die selbe Kombination fand sich übrigens damals in der berüchtigten Broschüre, die Wolfgang Clement zu verantworten hatte, insbesondere im “Ibrahim”-Abschnitt, der tatsächlich im Stürmer-Jargon geschrieben ist. Ich hatte diesen Abschnitt damals an eine Sprachwissenschaftlerin geschickt, die über Nazisprache arbeitet, und sie hat diesen Eindruck bestätigt.

    Es kommt mir wirklich das Gruseln, wenn eine solche Denke mitten in Great Depression II wieder aufgewärmt wird. Und die Abstände zwischen den Schüben schrumpfen.

  182. Stefan am 14. Oktober 2009 um 21:22 - - Permalink

    @Degnaphta:
    Nun, als “Migrant” in der Schweiz, kann ich nur sagen, dass die Minarettabstimmung, so störend sie für manche auch sein mag, auch ein Zeichen direkter Demokratie ist, es haben sich genug Menschen zusammengefunden (ich glaube, es müssen über 100′000 sein, bin aber nicht sicher), das Thema zu hinterfragen, also stimmt das Volk ab. Wie es ausgeht, wird man sehen, meine Erfahrung mit Abstimmungen in der Schweiz (natürlich als aussenstehender Beobachter) ist, dass wirklicher Extremismus nicht durchkommt und das macht mir dieses Land so sympathisch. Man sollte auch nie vergessen, dass die deutsche Situation bezüglich Integration, veglichen mit der schweizerischen (die Schweiz hat ca. 20% Ausländer, bezogen auf die Gesamtbevölkerung!) nicht wirklich vergleichbar ist.
    Gruss Stefan

  183. R_Winter am 14. Oktober 2009 um 21:37 - - Permalink

    @Schachspieler #179

    Meinst du wirklich das ein Mensch der “zufälligerweise” als Deutscher geboren ist, mehr Anspruch auf “Deutsch ” sein hat als der nicht als “Deutsch” geborene, so rein Menschenrechtlich gesehen ?

    “Menschenrechtlich” bist Du ganz schön bescheuert.

  184. Ben am 14. Oktober 2009 um 21:40 - - Permalink

    Also ich hab mir das Interview von TS mal durchgelesen und ich weiss nicht recht, ob ich mehr über das poltrige Interview oder den unsäglche Hype, der wiederum darum gemacht wird, aufregen soll.

    Aber: Wenn Sarrazin völligen Schwachsinn von sich gegeben hätte, dann hätte keiner drauf reagiert, aber anscheinend hat er doch irgendwie einen mächtig wunden Punkt berührt. Karl Kraus meinte mal: “Was trifft, trifft zu.” Kann man böse deuten, aber ist nicht ganz falsch.

    Interessant ist, dass TS kaum in der Sache widerlegt wird, nur im Ton. Was ist an der “genthese” letztlich falsch?

    Wer einmal mit Firmenchefs geredet hat, die dringend gescheite Lehrlinge brauchen, weiss, wie niedrig im Grunde die Schwelle für ersten beruflichen Erfolg ist: viele Chefs sind schon froh, wenn sie jemanden finden, der richtig schreiben und lesen kann, pünktlich zur Arbeit kommt und nicht alles gesagt bekommen muss. Um das zu lernen, muss man einfach einige Jahre mal aufmerksam auf der Schulbank sitzen und sich etwas anstrengen. Wenn das nicht reicht, gibt es Bibliotheken, zum Selbststudium. Das kann jeder normale Mensch schaffen, ob er Türke ist oder sonst woher kommt. Die FRage ist nur, was ihm selber Bildung bedeutet.

    Eine der wichtigsten Aufgaben, die früher die Arbeitervereine hatten, war Bildung für die unteren Klassen anzubieten. Die haben das aufgesogen, hart gearbeitet, für ihre Rechte gekämpft – und sind später aufgestiegen. So einfach ist das. Warum ist immer der Staat dafür verantwortlich?

    Und: dass die muslimische Kultur teilweise einen hang zum Fatalismus hat, der sich in Deutschland unglücklich mit einem fehlkonstruierten Wohlfahrtsstaat trifft, ist wahrlich keine neue Beobachtung. Was jetzt das bessere oder schlechtere ist, sei dahingestellt, aber es passt nicht gut zusammen -zumindest aus Sicht unserer Sozialsysteme.

    ich weiss nicht, ob es das Problem der fehlenden sozialen Mobilität ist, oder nicht einfach eine Grundhaltung, die sich dem sozialen Aufstieg verweigert. Faszinierend ist: ist Sachsen, wo wir laut Pisa im Bildungssystem die geringste Abhänghängigkeit vom Bildungsstand der Eltern haben, wird der Leistungsbegriff extrem hoch gehängt. Als frischer Referendar am Gymnasium finde ich es auch erstaunlich, wie viele Leute da aus “nicht bürgerlichen” Familien stammen.

    Die Misere Berlins und vieler anderer sozialer Problem-Milieus ist m.E. ein Kultur- und Leistungsproblem – weniger der sozialen Mobilität. Dem Artikel ist insofern zuzustimmen: das ist keineswegs nur ein muslimisches Phänomen – aber auch.

  185. Ben am 14. Oktober 2009 um 21:45 - - Permalink

    ach ja … und das übliche Bankerbashing am Ende. Gähn….
    Banken handeln Risiken und wollen Geld verdienen: solange sie damit rechnen können, vom Staat aufgefangen zu werden und von den Notenbanken Tonnen von Geld geschenkt bekommen, weil die Regierungen alle Wachstum für ihre Wiederwahl brauchen, werden diese Dinge einfach mit einkalkuliert und ausgereizt.
    Wer den Banken mit Moral kommt, mag sich ein gutes Gewissen machen, ist aber ob seiner Naivität nur zu bemitleiden.

  186. Karsten Bier am 14. Oktober 2009 um 21:59 - - Permalink

    Zu 178 Karl Heinrich:

    Ob die Sätze richtig sind (dazu haben ja schon ein paar Leute was gesagt), ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob man – in Verbindung mit den impliziten und expliziten Forderungen Sarrazins – ihm die Anhängerschaft zur Eugenik unterstellen kann. Ich sehe die Definition komplett erfüllt. Wenn das deiner Meinung nach nicht so ist, musst du doch mindestens einen relevanten Unterschied zur Eugenik sehen. Und den/die hätte ich gern erläutert bekommen.

  187. genova am 14. Oktober 2009 um 22:04 - - Permalink

    Das ist der beste Artikel, den ich zu dem Thema bislang gelesen habe. Respekt.

  188. Karsten Bier am 14. Oktober 2009 um 22:09 - - Permalink

    Zu 184 Ben:

    Interessant ist, dass TS kaum in der Sache widerlegt wird, nur im Ton. Was ist an der “genthese” letztlich falsch?

    Das kann ich dir sagen: Das es grob menschenverachtend und inhuman ist. Niemand würde sagen, dass die Feststellung der Nazis, Behinderte seien _rein_ökonomisch-produktiv_ betrachtet oft weniger wertvoll als Nicht-Behinderte, sachlich zutreffend ist.

    Würdest du nun daraus die Sinnhaftigkeit ihrer “Entfernung” aus dem Genpool schliessen?

    Die Vermehrung von Menschen unter solchen Gesichtspunkten zu bewerten (was auch andere als die Nazis immer wieder getan haben, man denke an die Sterilisationsaktionen in den USA im frühen 20. Jahrhundert), fällt auf jeden Fall in die gleiche Kategorie -> Eugenik eben.

  189. Karl Heinrich am 14. Oktober 2009 um 23:15 - - Permalink

    @Karsten Bier #186

    Ob die Sätze richtig sind (dazu haben ja schon ein paar Leute was gesagt), ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob man – in Verbindung mit den impliziten und expliziten Forderungen Sarrazins – ihm die Anhängerschaft zur Eugenik unterstellen kann.

    Eben, das wolltest du ja auf Grund dieser Sätze. Und der Spiegelfechter ja auch.

    Also, Aussage 1: “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.” Trivial, würde ich sagen.

    Aussage 2: “Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.” Das ist eine Prognose. Sie bedeutet, das quantitative Verhältnis zwischen den Menschen, die intelligente Leistungsträger sind, und denjenigen, die das nicht sind, verschiebt sich zugunsten der letzteren. Das ist eine Vorstellung, die in allen Bereichen des politischen Raums verbreitet ist. Die zugrundeliegenden Beobachtungen tauchen auch beim Spiegelfechter dauernd auf.

    Sarrazin macht die Aussage im Kontext Berlin, mit besonderem Bezug zum dortigen türkisch-arabischem Einwanderer-Milieu, das er als besonders immobil und zugleich hoch reproduktiv ansieht. Also bitte, diese Tendenz würde ich – in abgeschwächter Form, und unter Einbeziehung der autochthonen Unterschicht – ohne weiteres für das ganze Land verallgemeinern.

    Dasselbe in anderen westeuropäischen Ländern. Auch da diese Prognose. Aber wie das zum Eugenik-Vorwurf Anlass geben soll, ist völlig unklar.

  190. Gebintit am 14. Oktober 2009 um 23:22 - - Permalink

    @Ben

    Also ich hab mir das Interview von TS mal durchgelesen und ich weiss nicht recht, ob ich mehr über das poltrige Interview oder den unsäglche Hype, der wiederum darum gemacht wird, aufregen soll.

    Wer hat denn den Hype entfacht, mit Sicherheit nicht der “Lettre International”, den kaum ein Mensch kennt. Eher die Zeitung mit den vier Buchstaben und der Farbpalette der Reichskriegsflagge. Gib dort mal Sarrazin als Suchbegriff ein und lies mal mehrere der 191 Artikel quer, z.B. den, der mit “Lieber Thilo Sarrazin …” beginnt.

    ach ja … und das übliche Bankerbashing am Ende. Gähn….Wer den Banken mit Moral kommt, mag sich ein gutes Gewissen machen, ist aber ob seiner Naivität nur zu bemitleiden.

    Wenn man von Banken moralisches Handeln einfordert ist man naiv? Beunruhigend, dass man dich auf die Schüler loslässt! Der Verweis auf die Banker, im Zusammenhang mit der Sarrazin-Unterstellung, die Unterschichts-Looser in Berlin würden uns ruinieren, ist mehr als legitim. Eine offene und ehrliche Integrationsdiskussion ist zwar überfällig, der Zeitpunkt und die Art und Weise nähren aber bei mir den Verdacht, dass hier ein schmutziges Spiel getrieben werden soll. Einerseits sollen die Verzocker aus den Eliten aus der Schusslinie gebracht werden, indem man auf Türken und Araber zeigt, andererseits soll mit dem Verweis auf den Missbrauch von Kindergeld und der sozialen Unterstützung von Familien der Boden für eine Politik bereitet werden, die Sozialleistungen weiter zurückstutzen wird, zu Gunsten einer Entlastung von Unternehmern.

  191. Spiegelfechter am 14. Oktober 2009 um 23:50 - - Permalink

    @Ben

    Aber: Wenn Sarrazin völligen Schwachsinn von sich gegeben hätte, dann hätte keiner drauf reagiert,

    So so, eine interessante These – wenn also jemand auf Schwachsinn reagiert, ist es kein Schwachsinn? Interessant ;-)

    Interessant ist, dass TS kaum in der Sache widerlegt wird, nur im Ton

    Tatsächlich? Hast Du deh Artikel denn überhaupt gelesen?

    Eine der wichtigsten Aufgaben, die früher die Arbeitervereine hatten, war Bildung für die unteren Klassen anzubieten.

    So so, das waren also die Arbeitervereine – ist an mir (Geburtsjahr 1972) irgendwie komplett vorbeigegangen. Ich war auf staatlichen Schulen und einer staatlichen Universität – was habe ich falsch gemacht?

    Und: dass die muslimische Kultur teilweise einen hang zum Fatalismus hat

    Ich bin sicher kein Verteidiger der muslimischen Kultur – aber der Hang zum Fatalismus ist vor allem in der katholischen K