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  • Insel zu verkaufen

    geschrieben am 14. Oktober 2009 von Spiegelfechter

    Großbritannien muss sich von seinem letzten Besitztümern trennen, um der ausufernden Neuverschuldung zu begegnen und einen Staatsbankrott zu umgehen

    Die Haushaltslöcher des Vereinigten Königreiches nehmen immer dramatischere Ausmaße an. In den nächsten beiden Jahren wird die britische Regierung Kredite in Höhe von 351 Mrd. Pfund aufnehmen müssen. In nur zwei Jahren muss sich die britische Regierung damit so viel Geld leihen, wie in den mehr als 300 Jahren zwischen der “Glorious Revolution” und der Machtübernahme von Labour im Jahre 1997 zusammen. Die britische Blase ist geplatzt, das Land wird wohl noch Jahrzehnte unter den Folgen der Finanzkrise leiden. Um die ausufernde Neuverschuldung wenigstens teilweise abzumildern, verkauft die britische Regierung nun ihre silbernen Dessertlöffel ? das Tafelbesteck wurde bereits in der Ära des Thatcherismus veräußert.

    Alleine im aktuellen Haushaltsjahr wird Gordon Brown 175 Mrd. Pfund neue Schulden machen müssen, um das Defizit in den staatlichen Kassen zu decken. Im Juli schockte Schatzkanzler Darling bereits die Finanzwelt mit der Ankündigung, im laufenden Fiskaljahr Schuldverschreibungen im Volumen von 220 Mrd. Pfund platzieren zu wollen. Während andere Staaten ihre Schulden an Marktteilnehmer verkaufen, ist die britische Notenbank “Bank of England” autorisiert, Staatspapiere zu kaufen, was dem Anwerfen der hauseigenen Notenpresse entspricht. Die Neuverschuldung Großbritanniens wird in diesem Jahr bei 12,5% des Bruttoinlandsproduktes liegen. Die 3%-Marke des EU-Stabilitätspaktes ist damit für die Briten nicht einmal mehr Makulatur. In Brüssel geht man bereits davon aus, dass die britische Staatsschuldenquote bis zum Jahre 2020 auf 180% steigen wird.

    Dabei galt Großbritannien in der Zeit vor der Finanzkrise als fiskalischer Musterschüler. Als Royal Bank of Scotland und Northern Rock noch klangvolle Namen waren, betrugen die öffentlichen Schulden der Briten lediglich 45,5% des Bruttoinlandsproduktes. Die deutsche Staatsverschuldung lag im letzten Jahr bei 63,1% – schon im nächsten Jahr wird Großbritannien Deutschland überholen und eine Trendwende der horrenden Neuverschuldungsquote der Briten ist nicht in Sicht. Bereits für 2010 prognostiziert die EU den Briten eine Staatschuldenquote von fast 82%.

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    Großbritannien muss sich von seinem letzten Besitztümern trennen, um der ausufernden Neuverschuldung zu begegnen und einen Staatsbankrott zu umgehen Die Haushaltslöcher des Vereinigten Königreiches nehmen immer dramatischere Ausmaße an. In den nächsten beiden Jahren wird die britische Regierung Kredite in Höhe von 351 Mrd. Pfund aufnehmen müssen. In nur zwei Jahren muss sich die britische ...
    Tags: Finanzkrise Großbritannien Wirtschaft
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    49 Kommentare:

    1. tar schrieb am 14. Oktober 2009 at 17:13 - Permalink

      Eine hohe Staatsschuldenquote zeugt aber keineswegs von Armut – und ist daher auch nicht so negativ zu bewerten.

      http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/vwl2/downloads/paper/helmedag/maastricht.pdf

      Man sollte sich doch mal bitte die Tabelle auf Seite 4 zu Gemüte führen: bei 400% Staatsschuldenquote und 7% Zins beträgt die Steuerlastquote lediglich 22%.

    2. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 17:28 - Permalink

      @tar

      Ich verstehe weder das verlinkte Dokument, noch Deine Argumentation so recht. Nehmen wir Dein Beispiel doch mal für den deutschen Haushalt. 400% Staatsschuldenquote wären bei einer Gesamtverschuldung von fast zehn Billionen(!) Euro erreicht. Die dafür fällige Zinslast (ohne Zinseszins und ohne Tilgung) wäre bei 7% bei stolzen 700 Mrd. Euro pro Jahr! Dies ist zweieinhalb mal so viel, wie der Bund überhaupt einnimmt!

    3. R_Winter schrieb am 14. Oktober 2009 at 17:30 - Permalink

      Dieser Artikel ist die Fortsetzung des Artikels über “Sarrazin”.
      England hat extrem vor gemacht, was passiert, wenn man den Waren produzierenden Sektor eingehen läßt und den unteren Teil des Diensleistungssektor von “Einwandern” aus Kosten- und Standesgründen machen läßt. Gleichzeitig das Einkommensunterschiede zwischen “Buchhhalter-Typen” und “Blue-Collar” in extremer Weise explodiert läßt, den sozialen Bereich einzig als Kostenfaktor betrachtet und das Gesundheitssystem auf der Basis von Grundversorgung reduziert bezw. privatisiert.
      Wir sollten mit der Beurteilung der britischen Verhältnisse vorsichtig sein, aber wir sollten unsere Schlüsse ziehen: Der neoliberale Weg ist falsch. Die Finanz- und Versicherungskreise müssen dringend in der Größe reduziert werde, damit deren Erpressungspotential sinkt. Die Minderheitenproblematik muß offen diskutiert werden.

    4. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 17:33 - Permalink

      @tar

      Nachtrag: Nun habe ich beim Überfliegen endlich verstanden, was der gute Mann aus Deinem Link eigentlich rechnet. Er spricht nicht von Staatschuldenquote, sondern von der Schuldenquote gemessen am Haushaltsvolumen. Das ist ein gigantischer Unterschied – die Staatsschuldenquote bemisst sich am BIP, das in Deutschland rund acht mal so hoch ist wie der Bundeshaushalt.

      400% Staatsschuldenquote entsprächen in der Tabelle also rund 3200% (!) der Schuldenquote mit dem Haushaltsvolumen als Basis.

    5. Truvor schrieb am 14. Oktober 2009 at 18:59 - Permalink

      @ R_Winter

      Bin auch Deiner Meinung.

    6. Outlook schrieb am 14. Oktober 2009 at 19:13 - Permalink

      Ob die Russen oder auch die Chinesen bald die Insel ins Schlepp nehmen?

      http://de.rian.ru/society/20091014/123503874.html

      Die Europäer sollen aber auch bald Krafthubschrauber erhalten.

      Könnte der V.Klaus heute in Russland verhandeln?

    7. Truvor schrieb am 14. Oktober 2009 at 20:45 - Permalink

      @ Outlook

      Dir Russen brauchen diese Insel, wie ein Hase ein Stoppschild.

      Mit den Chinesen hätten die Insulaner aber ein Problemchen.
      Die Opiumkriege und andere unrühmliche Episoden werden die Chinesen ihnen nie vergessen.
      Sie (Chinesen) haben ein seeeeeeeeeehr langes Gedächtnis.

    8. Beate schrieb am 14. Oktober 2009 at 20:51 - Permalink

      Grossbritannien ist mein Geheimtipp für deutsche Unternehmer.
      Löhne in wertlosem Pfund bezahlen.
      Waren in Deutschland in Euro abrechnen.
      China praktisch vor der Haustür.

    9. tar schrieb am 14. Oktober 2009 at 21:25 - Permalink

      Hallo Jens,

      ich kann dir nicht ganz folgen.

      Das Bruttosozialprodukt beträgt in Deutschland 2,5 Bio Euro.
      Die Staatsverschuldung etwa 1,6 Bio.

      Das macht also ziemlich genau 64% Staatsschuldenquote.

      Wie kommst du nun plötzlich auf einen Vergleich mit dem Bundeshaushalt und besagten 3200%?

      Für besagte 3200% müsste Deutschland eine Staatsverschuldung von 80 Bio Euro haben.

      Gruß!

    10. Leserlich schrieb am 14. Oktober 2009 at 21:36 - Permalink

      Wirklich erstaunlich wie tief die ehemalige Finanzsupermacht Britannien in den letzten hundert Jahren gesunken ist.
      Und es ist gut möglich, das es noch weiter sinken wird und sich der Alptraum Enoch Powells erfüllt. Schottland wird schon von nach Ablösung strebenden Nationalisten regiert und von der angeblichen Sonderrolle der Briten wird sicherlich auch wenig übrig bleiben.

    11. Alex schrieb am 14. Oktober 2009 at 21:39 - Permalink

      @ r_winter:

      “Die Finanz- und Versicherungskreise müssen dringend in der Größe reduziert werde, damit deren Erpressungspotential sinkt.”
      Ich stimme hier zu, jedoch ist dies wahrscheinlich gar nicht möglich. Die Geldmenge zum spekulieren steigt stetig an, weshalb auch das meiste Geld im Finanzkasino landet.
      Bevor man also irgendwas ändern möchte, sollte man sich die Systemfrage stellen.

    12. R_Winter schrieb am 14. Oktober 2009 at 21:49 - Permalink

      @Alex

      Es ist richtig, daß die Spekulationsgeldmenge sich immer mehr vergrößert. Darum muß dringend eine wirkungsvolle Verkleinerung der Finanzeinrichtungen (Erpressungspotentional der Staaten) erfolgen. Diese Verkleinerung darf durch nichts unterlaufen werden. Es müssen hier zusätzlich persönlich Strafen eingeführt und vollstreckt werden.
      Die USA geben hier ein Beispiel in Steuersachen.

    13. COPOKA schrieb am 14. Oktober 2009 at 21:59 - Permalink

      Ich weiß, es nicht schön und nicht mal klug – Gott vergib mir, aber ich kann mich gewisser Schadenfreude einfach nicht erwehren. Höchste Zeit für China, mit ihren Billionen was sinnvolles anzufangen und sich im Königreich einzudecken.

      Eigentlich ist es eine Hiobsbotschaft für die Exportweltmeister. Wie Flassbeck schon öfters ausführte, wenn einige wie verrückt produzieren, ohne es zu verkonsumieren, dann müssen sich andere überschulden, damit das Spiel weiter gehen kann – Amis, Briten, Spanier, Italiener, Osteuropäer … Und diese Schulden werden eigentlich nie zurückgezahlt, es kommen noch die Rettungskosten auf uns zu. Wer ist am Ende der Dumme bzw. Verarschte?

    14. COPOKA schrieb am 14. Oktober 2009 at 22:02 - Permalink

      @tar, #9

      BIP != Staatshaushalt

    15. Quotex schrieb am 14. Oktober 2009 at 22:34 - Permalink

      “Wenn ein privater Schuldner keine Anlagewerte mehr hat, die als Sicherheit für einen notwendigen Kredit herangezogen werden können, droht ihm die Insolvenz.”

      Dieser Satz passt irgendwie nicht in den Artikel,Großbritannien ist nun mal kein privater Schuldner,sondern eine Volkswirtschaft.Und staaten sind deshalb hervorragende Schuldner,weil sie theoretisch in der Lage sind den privaten Sektor zu enteignen,das sogenannte Tafelsilber spielt da eher eine untergeordnete Rolle.
      Als Leser von Heiner Flassbeck solltest du das eigentlich wissen :)

    16. Alex schrieb am 14. Oktober 2009 at 22:39 - Permalink

      @ R-Winter

      “Darum muß dringend eine wirkungsvolle Verkleinerung der Finanzeinrichtungen (Erpressungspotentional der Staaten) erfolgen.”

      Das Problem ist aber, dass das viele Geld woanders hinwandert, wo man damit zocken kann. Sobald es zu viel Geld gibt bzw. dieses sehr ungleich verteilt ist, wird es zum zocken verwendet. Eine höhere Besteuerung von Spekulationsgewinnen sowie strengere Regeln für Finanzkasinos lindern nur die Symptome, heilen aber nicht die Ursache!

    17. Shitop schrieb am 14. Oktober 2009 at 22:51 - Permalink

      Großbritannien muss sich von seinem letzten Besitztümern trennen,
      besser:
      Großbritannien muss sich von seinen letzten Besitztümern trennen,

    18. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 23:17 - Permalink

      @tar

      Hallo Jens,

      ich kann dir nicht ganz folgen.

      Das Bruttosozialprodukt beträgt in Deutschland 2,5 Bio Euro.
      Die Staatsverschuldung etwa 1,6 Bio.

      Das macht also ziemlich genau 64% Staatsschuldenquote.

      Wie kommst du nun plötzlich auf einen Vergleich mit dem Bundeshaushalt und besagten 3200%?

      Richtig – das ist die “korrekte” Staatsschuldenquote. In dem verlinkten Dokumente wurde allerdings nicht das BIP, sondern der Staatshaushalt als Basis genommen. Aus den 2,5 Bio. werden so rund 350 Mrd. Euro.

      Für besagte 3200% müsste Deutschland eine Staatsverschuldung von 80 Bio Euro haben.

      Wenn man das BIP als Basis nimmt … aber der Autor des Dokuments nimmt ja den Staatshaushalt als Basis. Das ist der Unterschied und der ist gigantisch.

    19. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 23:18 - Permalink

      @Shitp

      Ja, ein Lapsus meinerseits – sorry

    20. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 23:25 - Permalink

      @Beate

      Grossbritannien ist mein Geheimtipp für deutsche Unternehmer.
      Löhne in wertlosem Pfund bezahlen.

      Der Wert einer Währung ist jede Sekunde aktuell an den Tickern abzulesen. Auch wenn Du dem Pfund keinen Wert zumisst, so ist es dennoch fast genau soviel wert wir der Euro. Daher ist Dein “Geheimtipp” auch unsinnig – der deutsche Niedriglohnsektor ist für deutsche Unternehmer viel attraktiver.

    21. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 23:26 - Permalink

      @Leserlich

      Ein interesanter Gedanke – ich frage mich gerade, ob die Bayern in der Krise zu den “deutschen Schotten” werden könnten ;-)

    22. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 23:30 - Permalink

      @Copoka

      Und diese Schulden werden eigentlich nie zurückgezahlt, es kommen noch die Rettungskosten auf uns zu. Wer ist am Ende der Dumme bzw. Verarschte?

      Ich weiß, die Frage ist rhetorisch – deutsche Investoren (und das sind auch alle Riester-Renter oder Lebensversicherungskunden) werden da noch jammern. Es soll aber keiner sagen, man hätte sie nicht gewarnt.

    23. Spiegelfechter schrieb am 14. Oktober 2009 at 23:33 - Permalink

      @Quotex

      Als Leser von Heiner Flassbeck solltest du das eigentlich wissen :)

      Tu´ ich ja auch – ich wollte mit dem Vergleich nur den Lesern die Sache ein wenige plastischer gestallten, da viele von ihnen nicht Flassbeck lesen und auch nicht unbedingt Ahnung von Volkswirtschaft haben. Ich schreibe ja für TP und nicht für ein Fachmagazin ;-)

    24. Comorius schrieb am 15. Oktober 2009 at 02:38 - Permalink

      Tja,
      und wer darfs dann letzendlich wieder ausbaden? Richtig, der englische Steuerzahler. Interessant in dem Artikel jedoch ist, wer (außer der nationalen Notenbank) kauft denn eigentlich noch englische Staatsanleihen?
      Auf der anderen Seite spricht man davon, dass England jahrzehnte daran zu kauen habe. Ich stelle die Gegentheorie in den Raum, dass England seine Wirtschaft in den nächsten 3 Jahren aufgrund eines Krieges wieder einigermaßen in Schuss bringen wird.

    25. Truvor schrieb am 15. Oktober 2009 at 05:00 - Permalink

      Bizarr:

      http://www.warandpeace.ru/ru/reports/view/40222/

    26. hannilein schrieb am 15. Oktober 2009 at 05:42 - Permalink

      Und das hannilein ist, wiewohl es das Skript ja vorab las, immer noch baff, wie man ein Land so zielstrebig gegen die Wand fahren kann – unabhängig von der jeweiligen Regierung!
      Empfindet von den “Verantwortlichen” (die stehen hier ganz bewußt in Anführungszeichen!) denn keiner auch nur ein bisschen Verantwortung?

      O tempora, o mores …
      hannilein

    27. tar schrieb am 15. Oktober 2009 at 10:02 - Permalink

      @ 14 COPOKA,
      @ 18 Jens,

      Richtig ? das ist die ?korrekte? Staatsschuldenquote. In dem verlinkten Dokumente wurde allerdings nicht das BIP, sondern der Staatshaushalt als Basis genommen. Aus den 2,5 Bio. werden so rund 350 Mrd. Euro.

      Wie kommst du darauf? In dem verlinkten Dokument wurde die korrekte Staatsschuldenquote in der Tabelle angeführt. Ansonsten käme der Prof. kaum auf rund 60% für Deutschland.

      Du wirfst da einiges durcheinander.

      Richtig ? das ist die ?korrekte? Staatsschuldenquote. In dem verlinkten Dokumente wurde allerdings nicht das BIP, sondern der Staatshaushalt als Basis genommen. Aus den 2,5 Bio. werden so rund 350 Mrd. Euro.

      Wo steht das in der Tabelle? Rechne doch selbst nach. Er schreibt:

      Angenommen wurden Zinssätze zwischen 4 und 7% sowie Schuldenstände bis zum Vierfachen des Sozialprodukts.

      Und nicht vom Haushalt. Weiter:

      Die Bundesrepublik Deutschland ist gegenwärtig links oben angesiedelt, d.h. von den Gesamteinkünften sind weniger als 4% für Zinszahlungen in die Staatskasse abzuführen. Offensichtlich ist der objektive Spielraum kreditfinanzierter Staatsausgaben keineswegs erschöpft. Die Frage lautet, welchen Gebrauch man davon machen sollte.

      Gruß!

    28. OAlexander schrieb am 15. Oktober 2009 at 10:12 - Permalink

      Dann kommt die große Währungsreform im Königreich und das Pound wird durch die Ounce abgelöst. Große Alternativen gibt es ja in Großbritannien nicht mehr wenn man sich an den dort gerade abgelaufenen Parteitagen von Tories und Labor orientiert. Die unterscheiden durch Einsparungen auf £ 5 Mrd. Niveau.

      Einstweilen senden die Briten mehr Soldaten nach Afghanistan und planen eifrig die Erneuerung ihrer mittlerweile etwas rostigen Atomwaffen – der Preis hier soll bei irgendwelchen £ 100 oder 170 Mrd liegen. Sic transit gloria mundi. Da schiebe ich doch gleich mal Elgar’s Pomp and Circumstance in den CD-Schacht.

      Übrigens, dass Krieg, wie einige meinen, allgemein ein probates Mittel zu einer wirtschaftlichen Gesundung ist halte ich für einen Mythos.

      Die Chose ist auch für Deutschland unangenehm: noch ein Kunde der Pleite geht.

      @ Alex #11

      Ich stimme hier zu, jedoch ist dies wahrscheinlich gar nicht möglich. Die Geldmenge zum spekulieren steigt stetig an, weshalb auch das meiste Geld im Finanzkasino landet.
      Bevor man also irgendwas ändern möchte, sollte man sich die Systemfrage stellen.

      Es ist richtig, dass immer noch / wieder genug Spekulationsgeld da ist, belegt die gegenwärtige Hausse an den Aktienmärkten, eine spezifische Inflation. Wenn oben zuviel Geld da ist, muss man oben die Steuern erhöhen und nach unten verteilen um entsprechenden Konsum zu fördern. Dann können sich getätigte Investitionen wieder besser amortisieren. Hin und wieder muss man das ganze dann wieder Umdrehen. Das wurde ja in den letzten 30 Jahren nicht mehr gemacht, auch daher die heutige Problematik.

      Die Systemfrage als solches stellt sich schon zumal angesichts mangelnder alternativen nicht wirklich. Nur, man muss die Marktwirtschaft steuern und darf sie nicht zu einer Einbahnstraße von Kapital von unten nach oben degenerieren lassen, wie es dem Wesen einer unkontrollierten Wirtschaft entspricht.

      @ Truvor #25

      Russisch wurde ausserhalb der DDR in Deutschland kaum gelehrt. Hoffentlich liest’s die Frau Kanzler, denn die soll’s ja können – im Gegensatz zu mir. Vielleicht eine Zusammenfassung der Hauptthese oder so etwas?

    29. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 11:31 - Permalink

      @tar

      Wie kommst du darauf? In dem verlinkten Dokument wurde die korrekte Staatsschuldenquote in der Tabelle angeführt. Ansonsten käme der Prof. kaum auf rund 60% für Deutschland.

      Das ist ja richtig, aber Du darfst nicht vergessen, dass die Steuerlastquote auch am BIP gemessen wird und nicht an den Steuereinnahmen … was logisch ist, ansonsten wäre sie ja stetig bei 100% ;-)

      Die Bundesrepublik Deutschland ist gegenwärtig links oben angesiedelt, d.h. von den Gesamteinkünften sind weniger als 4% für Zinszahlungen in die Staatskasse abzuführen. Offensichtlich ist der objektive Spielraum kreditfinanzierter Staatsausgaben keineswegs erschöpft. Die Frage lautet, welchen Gebrauch man davon machen sollte.

      Ja, 4% des BIPs! Da ist auch objektiv kaum mehr Raum nach oben. Der Bund nimmt in diesem Jahr wohl rund 250 Mrd. Euro ein – davon muss er wohl (nach altem Stand) 42 Mrd. für die Schuldlast bezahlen. Das sind bereits rund 17% der Einnahmen. Wenn man nun Deinem Gedankenspiel folgt und die Staatsschuldenqute mal flux auf 200% erhöht (das steht GB ja vielleicht bevor), so würde
      der Staat bei einer moderaten Zinslast von 5% bereits 250 Mrd. Euro für die Zinslast(!) bezahlen, die Tilgung käme noch dazu. Dies übersteigt – bei der gegenwärtigen Einnahmenstruktur – die gesamten
      Einnahmen des Bundes.

      Ich weiß nicht, wo Du und der Herr Professor da eure Gelassenheit hernehmt ;-)

      Anhand Deines Beispiels in Kommentar 1, bei dem Du “nur” von einer Steuerlastquote von 22% sprichst, ist anzumerken, dass dies zusätzlich auf die momentane Steuerlastquote, die ebenfalls rund 22% zu addieren wäre. Wenn man da den Bundeshaushalt isoliert betrachten würde, so müsste er dann auf 1.000 Mrd. Euro aufgebläht werden, die Bundessteuern müssten also vervierfacht(!) werden, nur um die Schulden zurückzuzahlen – das ist schlichtweg unmöglich und würde der Volkswirtschaft das Genick brechen.

    30. Beate schrieb am 15. Oktober 2009 at 12:00 - Permalink

      Girokonten sind von den Sparkonten zu trennen.
      Girokonten sind immer zu 100% durch Zahlungsmittel gedeckt.
      Wer sein Geld den Banken gibt , sparen im eigentlichen Sinne, muss bereit sein 100% Verlust zu tragen.
      Es gibt also zwei verschiedene Banksysteme.

    31. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 12:03 - Permalink

      @Beate

      Häh? Wieso sollten Girokonten durch Zahlungsmittel gedeckt sein und Sparkonten nicht?

    32. COPOKA schrieb am 15. Oktober 2009 at 12:10 - Permalink

      @Truvor, 25

      Ja, das ist beeindruckend, besonders die Bilder, aber wenn du hier Links postest, dann lieber doch auf Original. Russisch kennen hier nur die wenigsten, Englisch – fast alle.

    33. tar schrieb am 15. Oktober 2009 at 12:25 - Permalink

      @ 29 Jens

      Ja, ganz genau. Die Einnahmenseite ist zu gering. Es werden also aktuell 4% Steuerlast veranschlagt – und wer trägt die nahezu komplett? Auf keinen Fall die Einkommen oder die Vermögen (insb. Erbschaft). Da besteht also noch sehr viel Spielraum.

      Es ist ja nun mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Deutschland ein Steuerparadies für Vermögende darstellt.

      Gruß!

    34. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 12:37 - Permalink

      @tar

      Du kennst ja meine Artikel – ich wäre der Letzte, der gegen eine verstärkte Besteuerung der Vermögenden ist. Aber auch eine starke Besteuerung würde nicht derart extreme Summen in die Kassen bringen, wie sie in den Beipspielen gennannt werden. Selbst wenn wir solche Steuern besonders hoch ansetzen, wird dabei nicht mehr als rund 4% des BIPs herausspringen – und das wäre bereits extrem viel. Eine Erhöhung der Staatsschuldenquote auf 100% wäre damit also vielleicht finanzierbar, mehr aber auch nicht. Quoten von oberhalb der 200% sind auch mit bester Phantasie kaum finanzierbar, egal wie man es anstellt. Der letzte Ausweg wäre dann die Inflation

    35. edgar schrieb am 15. Oktober 2009 at 12:59 - Permalink

      Was würde bei einer einmaligen Vermögensteuer, ab 100 Mill. Euro Vermögen, bei 10% rauskommen ?

    36. COPOKA schrieb am 15. Oktober 2009 at 13:07 - Permalink

      @edgar, 35

      Was würde bei einer einmaligen Vermögensteuer, ab 100 Mill. Euro Vermögen, bei 10% rauskommen ?

      Weltweites Geheule wie vor dem Ausbruch des 3. Weltkrieges.
      SCNR.

    37. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 13:16 - Permalink

      @edgar

      Na Du kannst Fragen stellen ;-)

      Ich habe gerade eben keine Zahlen parat, aber ich überschlage mal – eine Studie des DIW sagte neulich, dass eine Substanzbesteuerung nach OECD-Schnitt in D rund 25 Mrd. Euro bringen würde. Der OECD-Schnitt dürfte bei 2,5% liegen in D sind es 0,9% – 1,5% wären demnach 25 Mrd. und 10% 167 Mrd. Euro, rund 2/3 des Bundeshaushalts. So viel ist das auch nicht, als Finanzierung der Krisenfolge aber ein ordentlicher Beitrag. Wenn Du allerdings eine 100 Mio. Grenze aufstellen willst, wäre der Betrag deutlich(!) niedriger.

    38. Gipsy info schrieb am 15. Oktober 2009 at 13:35 - Permalink

      Das ist schön und eindrucksvoll formuliert: “In nur zwei Jahren muss sich die britische Regierung damit so viel Geld leihen, wie in den mehr als 300 Jahren zwischen der ?Glorious Revolution? und der Machtübernahme von Labour im Jahre 1997 zusammen. ” Man kann auch an Hand der Währung (Pfund/Euro) ablesen, dass es dem Vereinten Königreich nicht so gut geht (Was aber auf der anderen Seite nicht heißen, soll, dass es dem Euro so gut geht :-)).

    39. edgar schrieb am 15. Oktober 2009 at 13:47 - Permalink

      @SF
      Oh danke, Substanzbesteuerung. Sehr schönes Wort. Gefällt mir überaus.
      Das ist ab jetzt mein persönliches Lieblingswort bis ins Grab. ;)

      Würde es volkswirtschaflich Sinn machen es zum Schuldenabbau zu benutzen ?

    40. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 14:16 - Permalink

      @edgar

      Würde es volkswirtschaflich Sinn machen es zum Schuldenabbau zu benutzen ?

      Darüber gehen die Meinungen auseinander – ich würde es für sinnvoller halten, mit diesen – theoretischen – Einnahmen, die Konjunktur, v.a. die Binnenkonjunktur, zu stärken, da dies nachhaltig die Einnahmenseite des Bundeshaushalts stärken würde und so auch die Tilgung der Altschulden leichter fallen würde. Aber das ist graue Theorie – eine solche Abgabe gibt es nicht und wir werden von schwarz-gelb regiert :-(

    41. Beate schrieb am 15. Oktober 2009 at 16:05 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Getrenntes Bankensystem: Irving Fisher 100 % Money

      Das Geld auf den Girokonten ist zu 100% durch von den Banken bei der Zentralbank zu führende Bargeldkonten gedeckt.

      Das Geld der Sparer auf Sparkonten bei Investmentbanken wird von den Investmentbanken direkt investiert oder weiterverliehen.
      Das Geld kann nur an die Sparer zurückgezahlt werden, wenn die Schuldner die Forderungen der Investmentbanken bedienen oder die Direktinvestitionen werthaltig waren.
      Die Sparer und die Eigner der Bank sollen das Verlustrisiko dafür allein tragen.

    42. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 16:21 - Permalink

      @Beate

      Seit Fischers Zeiten hat sich aber viel geändert ;-)

      Das Geld auf den Girokonten ist zu 100% durch von den Banken bei der Zentralbank zu führende Bargeldkonten gedeckt.

      Das wäre ja mal was ;-)

      Der Mindestreservesatz der EZB für Sichteinlagen beträgt gerade mal 2%. Davon sind übrigens auch Sparkonten betroffen, wenn deren Laufzeit weniger als 2 Jahre beträgt.

      Das Geld der Sparer auf Sparkonten bei Investmentbanken wird von den Investmentbanken direkt investiert oder weiterverliehen.

      Nicht nur dort – auch Geschäftsbanken geben zwischen 98% und 100% der Einlagen einfach weiter. So funktioniert nun einmal das Bankgeschäft.

    43. wilko0070 schrieb am 15. Oktober 2009 at 17:31 - Permalink

      In dieser kurzen Antwort der Ökonomin Brigitte Unger im Gespräch im dem österreichischen “Standard” steht eigentlich alles, was man wissen muss:
      http://derstandard.at/fs/1254310740436/Oekonomin-Noch-schaerfere-Krise-in-zwei-drei-Jahren

      STANDARD: Was sind die fundamentalen Probleme?

      Unger: Dass es sich nicht lohnt, in die Realwirtschaft zu investieren. Das ganze Geld wurde in die Finanzmärkte gesteckt, weil in der Realwirtschaft zu wenig Kaufkraft vorhanden war. Die finanziellen Mittel im Finanzsektor sind viermal so groß wie in der Realwirtschaft. Wir haben also viermal mehr Geld als Güter, die wir darum kaufen können. Das Geld ist zudem so konzentriert, dass die, die es haben, es nicht anbringen können. Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager John Paulson etwa hat in einem Jahr vier Milliarden Dollar verdient. Die kann er beim besten Willen nicht in der Realwirtschaft ausgeben.

    44. wilko0070 schrieb am 15. Oktober 2009 at 18:05 - Permalink

      @Beate, Spiegelfechter:

      Am besten, ihr schaut einmal in die aktuelle Verordnung über die Liquidität der Institute (LiqV):
      http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_1928/DE/BMF__Startseite/Service/Downloads/Abt__VII/Liquidit_C3_A4tsverordnung,templateId=raw,property=publicationFile.pdf

      Dort heißt es:

      § 4
      Zahlungsverpflichtungen
      (1) Als Zahlungsverpflichtungen sind im Laufzeitband 1 zu erfassen
      1. 40 Prozent der täglich fälligen Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten,
      2. 10 Prozent der täglich fälligen Verbindlichkeiten gegenüber Kunden,
      3. 10 Prozent der Spareinlagen im Sinne von § 21 Abs. 4 der Kreditinstituts-
      Rechnungslegungsverordnung,
      4. 5 Prozent der Eventualverbindlichkeiten aus weitergegebenen Wechseln,
      5. 5 Prozent der Eventualverbindlichkeiten aus übernommenen Bürgschafts- oder
      Gewährleistungsverpflichtungen,
      6. 5 Prozent des Haftungsbetrags aus der Bestellung von Sicherheiten für fremde
      Verbindlichkeiten,
      7. 20 Prozent der Platzierungs- oder Übernahmeverpflichtungen und
      8. 20 Prozent der noch nicht in Anspruch genommenen, unwiderruflich zugesagten
      Kredite, wenn sie nicht nach Absatz 2 Nr. 12 oder Absatz 3 zu erfassen sind.

      Auf deutsch: 10% der Einlagen auf Giro- und Sparkonten (Punkte 2 und 3) müssen von den Finanzinstituten liquid bereit gehalten werden.

    45. tar schrieb am 15. Oktober 2009 at 18:20 - Permalink

      Nicht nur dort ? auch Geschäftsbanken geben zwischen 98% und 100% der Einlagen einfach weiter. So funktioniert nun einmal das Bankgeschäft.

      Das stimmt so nicht – oder ist reichlich unpräzise formuliert.

      Das würde folgendem Buchungssatz entsprechen:

      Verbindlichkeiten an Kunden (A) … AN … Verbindlichkeiten an Kunden (B)

      Findet aber so eben nicht statt. Denn dann würde bspw. das Konto von Frau Quandt belastet, wenn Herr Schmidt einen Kredit aufnimmt.

      Es ist hingegen so, dass Sparguthaben (Sparbuch, usw.) zunächst einmal Zahlungsmittel blockieren – und auf der anderen Seite einen geringen Betrag an Zentralbankguthaben (ZBG) freisetzen, den die GB für Kredite verwenden kann, bei denen keinerlei Sicherheiten hinterlegt werden müssen.

      Der Große Hammer kommt dann, wenn der Kredit getilgt ist, durch den das ursprüngliche Sparguthaben entstanden ist – denn dann wird auch die Sicherheit entzogen und das neue Guthaben (aus sicherheitslosen Krediten) ist plötzlich nicht mehr (ausreichend) gedeckt.

      Gruß!

      PS: Auch ich wäre mittlerweile für einen neuen New Deal. Diese kommunistischen Maßnahmen würde heute einiges bewirken ;)

    46. Spiegelfechter schrieb am 15. Oktober 2009 at 18:31 - Permalink

      @wilko0070

      Mea culpa – ich habe mich nur auf die von Beate angesprochenen Zentralbankeinlagen konzentriert und die Liquiditätsreserven flappsig unterschlagen. Danke für den Hinweis.

    47. Gebintit schrieb am 15. Oktober 2009 at 19:18 - Permalink

      Krass! Sieht es wirklich so schlimm aus?
      Krass auch der in den Kommentaren verlinkte Artikel über die gigantische Geisterflotte (Danke an Truvor und vor allem auch an COPOKA (mein Russisch ist wirklich njet gut! ;-) ) ).
      Vielleicht ist es bald ein Privileg, ein Entwicklungsland zu sein, denn die sind noch weiter von dem bösen Ende entfernt, als die Vorreiter der Industrialisierung und Globalisierung.

      Und übrigens, Schuld an dieser Krise ist nicht der gute alte DARWIN mit seiner Theorie. Neoliberale und viele andere berufen sich zu Unrecht auf angebliche Naturgesetze, wenn sie den rücksichtslosen Raffke-Ellbogen-Individualismus legitimieren wollen. Ich möchte nochmals auf ein Experiment verweisen, das in einem Spektrum-der-Wissenschaften-Heft zu lesen war: Um Hühner zu züchten, die möglichst viele Eier legen, wurden aus jedem Käfig jeweils die legefreudigsten Hennen herausselektiert und weitergezüchtet. Das Ergebnis: aggressive Hennen, die sich gegenseitig so bekämpften, dass die Legeleistung sank! Selektierte man dagegen immer ganze Käfige nach ihrer Gesamtlegeleistung, so konnte die Legeleistung gesteigert werden (Gruppenselektion). Und die Moral von der Geschicht: Wenn wir nicht lernen, möglichst harmonisch und sozial zusammen zu leben, werden wir am Ende alle leiden! Globalisierung funktioniert dauerhaft nur mit fairem Handel. Der neoliberale Egoismus ist extrem kurzsichtig!

    48. Truvor schrieb am 25. Oktober 2009 at 02:10 - Permalink

      Auch interessant:

      http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=15420


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