Neue Informationen über den mutmaßlichen Auslöser der Cornwall-Krise
03. April 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Lange galt die Gefangennahme von fünf iranischen Diplomaten in der kurdischen Stadt Arbil als mögliches Motiv für den Cornwall-Zwischenfall. Es wurde spekuliert die Iraner hätten die 15 britischen Seeleute gefangen genommen um einen Austausch herbeizuführen. Dieser Zusammenhang war allerdings nie ein schwerwiegendes Argument, da seitens Iran nie Forderungen in diesem Kontext gestellt wurden und die Gefangennahme der britischen Soldaten diplomatisch und außenpolitisch zu brisant ist, als das sie als Gegenreaktion auf die Festnahme von fünf Diplomaten im niedrigen Rang wirklich plausibel erscheint.
Ein exklusiver Bericht im Independent bringt heute neue Fakten ans Licht, die, wenn sie so stimmen, eine sehr plausible Erklärung für die iranische Kommandoaktion wären. Gestützt auf offizielle kurdische Quellen wird behauptet, das wahre Ziel der US-Kommandoaktion, die mit Hubschraubern und ohne vorherige Informierung irakischer oder kurdischer Sicherheitsstellen durchgeführt wurde, seien nicht etwas die fünf rangniedriegen Diplomaten, die bis heute in US-Haft sind, sondern zwei leitende iranische Geheimdienstoffiziere. Der eine soll Mohammed Jafari sein, die mächtige Nummer Zwei des iranischen Sicherheitsrates und verantwortlich für die innere Sicherheit. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl wegen eines ihm angelasteten politischen Mordes in Wien im Jahre 1989 vor. Der zweite Mann ist ein gewisser General Minojah Frouzanda, seines Zeichens Geheimdienstchef der iranischen Revolutionsgarde (Pasdaran), die sowohl zu den reaktionären Kräften gezählt werden muss, als auch in enger Verbindung zu Ahamdinedschad steht, der früher selbst Kommandant in dieser Truppe war und heute 12 der 21 Ministerposten an Offiziere der Pasdaran vergeben hat. Das britische Boardingteam wurde auch nicht etwa von der Küstenwache sondern von eben diesen Revolutionsgarden festgesetzt.
Zwei sehr hohe Offizielle waren es also, die den amerikanischen Spezialeinheiten nur knapp entkamen. Um die internationalen Implikationen dieses Zwischenfalls zu begreifen, sollte man sich vorstellen, iranische Spezialeinheiten überfallen die amerikanische Gesandtschaft in Herat und versuchen den CIA-Chef Hayden und den US-Sicherheitsberater Stephen Hadley zu kidnappen.
Zugetragen hatte sich dieser Vorfall am 11. Januar. Am Vorabend hatte Bush in seiner Rede zur Lage der Nation angekündigt, gegen iranische Offizielle vorzugehen, die angeblich hinter Anschlägen auf Koalitionstruppen stünden. Interessanterweise wurden bei Anschlägen auf US-Truppen dutzende Staatsbürger aus arabischen Ländern als Täter ausgemacht, aber noch nie ein iranischer Staatsbürger. In diesem Kontext gibt die geplante aber misslungene Festnahme von zwei hohen iranischen Sicherheitsbeamten, die der reaktionären Seite zuzurechnen sind, durchaus Sinn. Sie liesse sich medienwirksam als Schlag gegen den “iranisch gesponserten Terror” verkaufen. Die Festnahme der fünf Legationsmitglieder macht indes keinen Sinn, da im kurdischen Gebiet um Arbil weder Anschläge auf US-Truppen, noch sunnitische oder schiitische Kämpfer zu verorten sind.
Das in diesem Zusammenhang reaktionäre iranische Kreise dem Westen eine Reaktion entgegenbringen mussten, war zu erwarten. Das nicht (gut geschützte) US-Soldaten sondern leichtsinnige britische Seeleute Opfer wurden ist dem blauäugigen Verhalten der Royal Navy geschuldet, die ihre Soldaten unnötig in Gefahr brachte und der Politik ihres Landes einen großen Schaden zufügte.
Jens Berger















































































das erstaunlich defensive verhalten der britischen regierung ist doch schon seit tagen ein grund zum misstrauen gegenüber ihrem geschwätz. daher: mich wundert es nicht, wenn sich rausstellt, dass die briten zu blöd waren, in irakischen gewässern zu navigieren.
@jolly rogers
Jo, das ist es ja. Erst dilettantieren, dann große Klappe haben und schliesslich den Ball ganz flach halten und immerfort eine selbstgefällige Kolonialherrenart. Ich kenne viele Briten, sie haben ihre Regierung nicht verdient … genau so wenig wie wir, die unsrige.
neue Bilder von britische Soldaten in iranische Nachrichten - Webseite (Fars News)
english.fa...
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Ein US-Kriegsziel fast erreicht
Neues Ölgesetz in Irak – Kontrolle der Mehrheit der Ölreserven für US-Firmen
Die USA scheinen in Irakmit jedem Tag mehr in Bedrängnis zu kommen. Doch von einem wichtigen Kriegsziel sind sie nur noch eine Abstimmung im irakischen Parlament entfernt: Von der Kontrolle über Iraks Öl.
Robert James Parsons/Genf
Das irakische Parlament hat ein Problem: Die meisten seiner Mitglieder leben inzwischen ausser Landes. Damit fehlt die Mindestanzahl von Abgeordneten für eine gültige Abstimmung. Doch auf der Agenda steht ein Gesetzesentwurf, dessen Annahme faktisch darüber entscheidet, wer den Irak-Krieg gewonnen hat. Die Vorlage entscheidet darüber, wer künftig die irakische Ölindustrie kontrolliert.
Kontrolle von zwei Dritteln
Das Gesetz über die irakische Ölindustrie würde die Kontrolle über die Ölreserven faktisch an die internationalen – in der Praxis: an die amerikanischen – Ölmultis abgeben. Es sieht vor, dass die Ölfirmen während 30 Jahren 70 Prozent ihrer Produktion für sich behalten können. Weitere 20 Prozent sollen dauerhaft von jeder Art der Besteuerung befreit werden. Zum Vergleich: Übliche Abkommen zwischen Regierungen und Ölfirmen über eine Teilung der Produktion überlassen den Produzenten nur 20 Prozent der Förderung. Die Nachbarn Iraks, die US-Verbündeten Saudi-Arabien und Kuwait ebenso wie Iran, billigen den internationalen Multis überhaupt keinen Anteil an der Produktion zu: Sie haben die Ölindustrie nationalisiert.
Das neue irakische Ölgesetz klammert zwar die bereits produzierenden Ölfelder aus. Doch derzeit produzieren nur 17 der 80 bekannten Felder, und die fördern nur 40 Milliarden der 115 Milliarden Fass bekannten Reserven. Deshalb könnten die US-Ölfirmen faktisch die Kontrolle über 64 Prozent der bekannten Reserven Iraks übernehmen. Doch Experten rechnen mit mindestens 100 Milliarden Fass zusätzlichen Öls, die sich ebenfalls im irakischen Boden befinden dürften. Damit erhöhte sich die Fremdkontrolle auf über 80 Prozent der Reserven.
Traumhafte Renditen
Die US-Ölmultis könnten dank dieser für Irak nachteiligen Aufteilung der Produktion mit einer Rendite von 42 bis 162 Prozent rechnen. Der Durchschnitt der Ölindustrie beträgt nur 12 Prozent. Umgekehrt verlöre Irak den Grossteil seiner Öleinnahmen. Bei einem Ölpreis von 40 Dollar pro Fass wären dies je nach Produktionsmenge zwischen 74 und 194 Milliarden Dollar verlorene Einnahmen.
Auch die Kontrolle über die Vergabe der Förderrechte übten zumindest teilweise die US-Ölmultis aus: Sie schickten Vertreter in den Irakischen Öl- und Gasrat. Dieser entscheidet, wem die Förderrechte erteilt werden, und zu welchen Bedingungen. Dieser Rat hat das Recht, Verträge aufzuheben, welche die Regionalregierungen in Irak schliessen.
In Washington geschrieben
Das neue irakische Ölgesetz wurde in Washington entworfen. Die US-Regierung hatte die Beratungsfirma BearingPoint damit beauftragt. Iraks Regierung stimmte dann dem Entwurf am 18. Januar zu. Das Parlament erfuhr vom Entwurf erst, als eine arabische Übersetzung des englischen Originals im Januar auf einer Internetseite erschien.
Die USA haben nie verhehlt, dass sie die Kontrolle über Iraks Öl anstreben. Die Gruppe Öl und Energie des Aussenministeriums erklärte schon im Frühling 2003, dass Irak nach Kriegsende für internationale, also US-Ölfirmen, geöffnet werden solle. Auch die «Iraq Study Group» von Ex-Aussenminister James Baker empfahl im vergangenen Dezember, die USA sollten ausländische Investitionen in den Ölsektor fördern. Während Präsident Bush andere Empfehlungen der Baker-Kommission ablehnte, nahm sie diese Empfehlung an. Es dürfte kein wirkliches Problem sein, im irakischen Parlament die nötige Mehrheit zu sichern: Die USA müssen nur ein paar willige Abgeordnete einfliegen.
Quelle: tagblatt.c...
Tja, nun sollen die Soldaten ja plötzlich freikommen
stern.de/p...
- meines Erachtens nach ein weiteres Indiz dafür, dass die Briten kräftig im Hintergrund gewirbelt haben müssen. Irgendetwas muss ja schließlich den Auslöser für dieses plötzliche Einlenken des Iran geben - und “Einsicht” eigener Fehler seitens der Iraner war das mit Sicherheit nicht ;o)
Und dann diese Stille, in die sich die Briten seit Tagen hüllen… Es scheint, dass sich das Gefühl, das ich von vorn herein hatte, mal wieder bestätigen würde. Wie das kommen mag? Nun, hat man einmal die Strategie westlicher Industriemächte im Kampf um die Vorherrschaft über die letzten großen Ölreserven ausgemacht, ist es wohl nur wahrscheinlich, dass sie sich sich immer wieder aufs Neue zeigt.
@lillywhite
Das nennt sich wohl “Geheimdiplomatie” ;-)
Wahrscheinlich werden wir nie erfahren, was hinter den Kulissen vor sich ging. Vielleicht war dies der Anfang vom Ende des britischen “Engagements” im Persischen Golf?
Ein guter Tag für die britischen Seeleute, ein schlechter Tag für die Bellizisten.
Naja, mit Optimismus wäre ich da noch ziemlich vorsichtig. Vielleicht hat sich nur herausgestellt, dass die britischen “Beweise” den iranischen in einem öffentlichen Schlagabtausch nicht hätten standhalten können und die Briten haben das irgendwie gedeichselt, dass sie ohne Gesichtsverlust ob ihrer großen Töne, die sie noch vor ein paar Tagen spuckten, aus der Sache rauskommen konnten? Die Kriegsgefahr ist deshalb imho noch lange nicht gebannt - man bedenke, dass ein Iran unter westlicher Kontrolle nach wie vor strategisches wie wirtschaftspolitisches Ziel westlicher Großmächte - allen voran der USA und ihrer Verbündeten - ist. Auch die Atomgeschichte ist ja nach wie vor völlig offen und wird nun - da die Angelegenheit mit den Soldaten geklärt sein dürfte - wohl wieder in den Vordergrund treten. Zumindest dürften gerade die Briten ein Interesse daran haben, dass die Soldaten-Geschicht’ möglichst in Vergessenheit gerät - sollten sie denn tatsächlich den Mund dabei zu voll genommen haben.
Alles in allem bin ich echt froh, dass der Iran ein Einsehen zeigt und die Soldaten freilässt - auch, wenn mich die tatsächlichen Fakten hinsichtlich der Verantwortung für den Zwischenfall echt mal interessiert hätten. Man überlege mal, was das internationale Recht zu illegalen Grenzübertritten sagt und welche Konsequenzen es dafür vorsieht…
Eigentlich ist es schon ein Unding, dass in einer Demokratie Staatsangelegenheiten derart vorm Wahlvolk verheimlicht werden können.
@lilywhite
Ich meinte auch nicht, daß Blair “freiwillig” den Platz räumt. Das britische Volk ist allerdings schon länger mit einer großen Mehrheit für einen Rückzug aus dem Irak. Ich schätze, jetzt, da sich erst einmal die Lage entspannt hat (das wird nicht lange dauern) werden die Stimmen lauter “Bring the boys back home”
Ja, im Grunde gab es diese Stimmen ja schon eine ganze Weile, sie waren quasi immer da. Aber auch wenn sie jetzt lauter werden sollten: Dort, wo sie herkommen, wird in aller Regel keine Politik gemacht - leider. Sieht man ja auch in den USA, dort kommen diese Stimmen sogar aus dem Kongress und dennoch - Politik macht der Präsident und keiner sonst.
Interessant ist übrigens die Reaktion unserer lieben Medien auf die Freilassungsaktion - höre ich da tatsächlich so etwas wie Enttäuschung darüber, dass man nun nicht länger über “die Geiseln” lamentieren darf, die die “bösen Mullahs gewaltsam und vermutlich unter Folter festhielten”? Ja, regelrecht erzürnt ist man von “dem Geschenk” Ahmadinedschads an die Briten und schnell muss man noch einmal alle Register ziehen, damit auch ja allen “klar” ist, WER hier der böse Bube ist (völlig gleich, ob der soeben Gefangene unversehrt in die Freiheit entließ, über deren Gefangennahme noch immer völlige Unklarheit herrscht).
@lilywhite
Nicht nur Du hörst eine Art “Enttäuschung” heraus. SPON wittert auch bereits einen “Abgrund an Heuchelei” *kopfschüttel*
Ich schätze ich brauche mir keine Sorgen zu machen, daß ich keinen Nachschub für dieses Blog mehr bekomme - die Medien entblöden sich selbst und haben das schon fast systematisert :-(
yo, soviel dürfte feststehen. Danke für den SPON-Link - da zieht’s einem ja glatt die Hosen aus:
“Was es für sie bedeutete, in Ungewissheit irgendwo irgendwie
gefangen gehalten zu werden, lässt sich kaum vorstellen. Sie waren
Spielball höherer Mächte, ein paar Tage lang, nicht 15 Monate wie
der Hochseefischer Donald Klein.”
Lässt es sich wirklich so schwer vorstellen? Man braucht doch nur mal Murat Kurnaz oder David Hicks zu fragen, die könnten dem Herrn Spörl ein Lied darüber vorsingen - und zwar vermutlich mittlerweile in 5 Sprachen (so oft, wie sie von allen möglichen Geheimdiensten der Welt unter Schlägen und Demütigungen “verhört” worden sind). Die waren keine 2 Wochen oder 15 Monate bei guter Kost und Betreuung unter Arrest und wurden in feinen Zwirn gesteckt, sondern jahrelang in einem Folterknast ohne jegliche Rechte, ohne Beistand. Selbst ein Herr Klein wurde nicht gefoltert oder entrechtet, sein Rechtsbeistand hatte jeder Zeit Zugang zu ihm. Der Artikel ist das Letzte - soviel Verlogenheit und Berechnung…
ganz neue Bilder…
farsnews.c...
Danke für die Bilder. Konnte Sie in der SUN veröffentlichen:
thesun.co....
Ich möchte wetten, keines der Bilder wird in WELT, SZ, FAZ, SPIEGEL erscheinen….
Das glückliche Gefühl kurz vor Freiheit
(Film: Britische Soldaten im Iran)
bitaraf.co...
Das letzte Bild im Flughafen Teheran mit Geschencke
bitaraf.co...