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  • Broders pathologischer Wahnwitz

    geschrieben am 23. Oktober 2009 von Spiegelfechter

    Vielleicht haben Hans-Jürgen Jakobs und Oliver Das Gupta in ihrem Kommentar in der Süddeutschen ja recht und Henyrk M. Broder ist nichts weiter als ein Pausenclown, der seine Freude an der kalkulierten Provokation hat. Broders angekündigte Kandidatur für die Präsidentschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland ist natürlich ebenfalls eine kalkulierte Provokation. Wenn die Pathologie des umtriebigen Rechtspopulisten allerdings so simpel wäre, sollte man ihn behandeln wie jeden anderen pubertierenden Gernegroß auch ? einfach rechts liegen lassen. Für einen Pausenclown ist die Nichtbeachtung bekanntlich die Höchststrafe. Broders Pathologie ist allerdings nicht so einfach. Er ist ein eitler Geck, zerfressen von Hass auf das links-intellektuelle Establishment. Narzissmus und Hybris sind Broders Kardinaluntugenden. Intellektuellen Auseinandersetzungen geht der Broderliner am liebsten aus dem Weg, zu groß ist die Gefahr, entzaubert zu werden. Broder würde gerne vom Establishment ernst genommen werden ? das Establishment rümpft allerdings die Nase vor der publizistischen Rampensau, die sich nur allzu gerne in unappetitlichen Ressentiments suhlt. ZdJ-Vizepräsident Graumann kommentierte Broders Kandidatur mit den lakonischen Worten, Broder stehe ?auf einer Liste der wenigsten geeigneten Personen ziemlich weit vorne?, er wäre ?eine fulminante Fehlbesetzung?, ?Provokation [sei] seine Passion und Profession?. Es ist schwer, Graumann bei dieser Charakterisierung zu widersprechen.

    Broderline-Persönlichkeitsstörung

    Henyrk Milhouse Broder und der Antisemitismus, dies ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ein wortgewaltiger, aber nicht eben mit intellektuellem Hintergrund beschlagener Publizist wie Broder, wäre ohne die Antisemitismus-Diskussion nur ein rechtspopulistischer Schreihals unter vielen ? keine Einladung in Talkshows, keine Anstellung beim SPIEGEL, keine lukrativen Autorenverträge, keine Preise, keine Aufmerksamkeit. Der größte Trick, den Broder je gebracht hat, war, die Welt glauben zu lassen, es ginge ihm um das Thema Antisemitismus. Der Begriff Antisemitismus ist für Broder jedoch vielmehr ein Kunstgriff, um seine Gegner mundtot zu machen und seine ständig wechselnden politischen Vorstellungen gegen jegliche Kritik zu verteidigen.

    In der unrühmlichen McCarthy-Ära zogen Broders Brüder im Geiste gegen Kritiker und Andersdenkende mit dem Argument ins Feld, sie seien Kommunisten und subversive Elemente, Moskaus fünfte Kolonne, die den guten ?American Way of Life? zerstören wollten. Im Stalinismus waren für Broders Brüder im Geiste die Kritiker und Andersdenkende Konterrevolutionäre, Washingtons fünfte Kolonne, die die Errungenschaften des Kommunismus zerstören wollten. Für Broder und seine rechtspopulistischen Weggefährten sind Kritiker Antisemiten, Teherans fünfte Kolonne, die nicht nur das Abendland zerstören, sondern auch Israel von der Landkarte fegen wollen. Der Totalitarismus bedient sich gerne solcher Kunstgriffe. Broder bezeichnet sich putzigerweise selbst als Liberalen. Sein Liberalismus hört jedoch genau an dem Punkt auf, an dem man anderer Meinung ist ? vor allem, wenn es um die Themen Islam und Israel geht.

    Antisemitismus als Kampfbegriff

    Es gibt keinen Antizionismus, der seinen Ursprung nicht im Antisemitismus hätte. Ein antizionistischer Jude ist tendenziell ein Antisemit. Der Antizionismus ist für Nichtjuden wie für Juden nur eine Ausrede, ihren Antisemitismus sozusagen in einer politisch aseptischen Form präsentieren zu können.
    Henryk M. Broder

    Broder vertritt den Standpunkt, dass Antizionismus letztlich nur maskierter Antisemitismus sei. Antisemitismus wiederum sei eine Geisteshaltung, die darauf abziele, Juden ihr Existenzrecht abzusprechen. Wer also Kritik an der zionistischen Politik des Staates Israel betreibt, ist nach demnach nach Broders Lesart nicht nur ein Antisemit, er spricht zudem den Juden ihr Existenzrecht ab. Das bloße Thematisieren des Nahost-Konflikts trägt für Broder bereits antisemitische Züge. In einer Rede vor dem Innenausschuss des Bundestages unterstellte Broder Politikern und Journalisten, die sich mit dem Nahost-Konflikt beschäftigen und nicht mit Darfur, Zimbabwe, dem Kongo und Kambodscha, dass sie diese Konflikte lediglich deshalb weniger beachten, weil ?dort keine Juden involviert sind?. Mit der gleichen ?Logik? könnte man auch Broders Fixierung auf das Thema Islam einmal psychologisch sezieren. Wenn Broder die rhetorische Frage in den Raum wirft, wieviele Stellungnahmen die außenpolitische Sprecherin der Linken in den letzten Monaten zum Thema Palästina und wieviele zum Thema Tibet verfasst hat, so müsste man Broder einmal fragen, wieviele Stellungnahmen er in den letzten Monaten zum vermeintlichen Konflikt zwischen muslimischen Migranten und der deutschen Gesellschaft verfasst hat und wieviele zum Konflikt in Kambodscha. Ist Broder etwa ein Rassist? Aber nicht doch.

    Mit dieser rhetorischen Überhöhung, die zudem eine unsägliche Relativierung der Verbrechen der Deutschen während des Nationalsozialismus darstellt, lässt sich natürlich jegliche sachliche Diskussion über die israelische Politik und die deutsch-israelischen Beziehungen bereits im Ansatz unterbinden. Wäre Broder in der Wahl seiner Totschlagargumente wenigstens konsistent ? aber Broders wechselt seine Grundsätze nun einmal häufiger als andere Leute ihre Unterhosen.

    Die Westbank [ist] zu einem Abenteuerspielplatz für Verrückte geworden ? unter den Siedlern befinden sich kaum gebürtige Israelis, sondern eingewanderte Spätbekehrte aus Frankreich und den USA. Der arbeitslose Lehrer aus Arizona, der eben erst nach Gaza umgezogen ist und jetzt den um die Ecke geborenen Palästinensern weismachen will, dies sei alles sein Land und sie sollten abhauen ? das ist ein Prototyp des Irren von Zion.
    aus Henryk M. Broder: Die Irren von Zion 1998

    Was Broder da vor elf Jahren vollkommen korrekt beschrieben hat, würde er heute jedem Kritiker der israelischen Politik als antisemitischen Ausfall um die Ohren hauen. Vielleicht ist es aber auch schlichtweg Broders Fehler, sich als vielschreibender Polemiker stets zu weit aus dem Fenster zu lehnen ? wobei es keine Rolle spielt, um welches Fenster es sich handelt. Das führt schließlich dazu, dass Broder seinen eigenen Ansprüchen nicht genügt. Dies zeigt sich auch in geradezu tragischer Weise in seinem ZdJ-Präsidentschaftsbewerbungsschreiben im Tagesspiegel. Da schimpft der selbsternannte Kandidat Broder wie ein Rohrspatz über Mitglieder des Zentralrates, die sich zur deutschen Uraufführung von Fassbinders Theaterstück ?Der Müll, die Stadt und der Tod? äußern. Welch Kehrtwende ? 1986 verzögerte sich die Auslieferung von Broders Buch ?Der ewige Antisemit? wegen einer einstweiligen Verfügung gegen Broder, der den Intendanten Günther Rühle in seinem Buch wegen der Inszenierung besagten Fassbinder-Stücks als Antisemiten verunglimpfte.

    Der Witzkandidat

    Broder als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland? Ja geht´s denn noch? Bewirbt sich Richard Williamson für den Posten als Papst? Hat sich Horst Mahler eigentlich schon für den Posten des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts beworben? Und hat sich Christel Wegner eigentlich schon als Nachfolgerin von Marianne Birthler ins Gespräch gebracht? Broders Bewerbung ist eine absurde Mischung aus Realitätsverlust, großkariertem Größenwahn und Aberwitz. Dabei ist seine harsche Kritik am Zentralrat nicht viel mehr als eine vorhersehbare Kampfansage an dessen Position, auch die Stigmatisierung von Muslimen zu kritisieren. Ausschlaggebend war dabei die Diskussion um Thilo Sarrazins geistige Flatulenzen. Während Broder voll und ganz auf einer Kampflinie mit Pöbel-Thilo steht, kritisierten Präsidiumsmitglieder des ZdJ Sarrazin scharf, indem sie ihn in eine Reihe mit Göbbels und Hitler stellten. Während Broder und der ZdJ bei den Themen Israelkritik und Kritik an Iran stets Seit´ an Seit´ schreiten, trennt Broders fanatische Islamophobie ihn nicht nur vom ZdJ, sondern auch von ehemaligen Weggefährten.

    Auf seinem fanatischen Kampf gegen die ?1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen?, steht Broder zum Glück ?noch? in einer Reihe mit gesellschaftlich geächteten Schmuddelkindern vom rechten Rand. Auch wenn Thilo Sarrazin für seine xenophobe Philippika auch aus der Mitte der Gesellschaft Beifall bekam, so halten selbst potentielle Bettgenossen wie Wolfgang Bosbach eine vorsichtige Distanz zu den unberechenbaren Polemikern. Der Antisemitismus der Gegenwart ist die Islamophobie und Broder ist einer der Vordenker dieses neuen Hasses, der leider immer gesellschaftsfähiger wird. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland wären gut beraten, die Lektionen der Vergangenheit zu verinnerlichen und jeglichem Hass den Nährboden zu entziehen, bevor er eine kritische Masse erreicht hat. Das Judentum ist keine Religion des Hasses und der Ressentiments, es sollte sich nicht durch Wirrköpfe wie Broder vor den eigenen Karren spannen lassen.

    P.s.: Durch einen Datenbankcrash sind die Kommentare gelöscht worden. Ich versuche sie im Laufe der nächsten Stunde zu rekonstruieren.

    Jens Berger

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    101 Kommentare:

    1. Michael Schöfer schrieb am 23. Oktober 2009 at 12:56 - Permalink

      Jetzt wird Dich Broder bestimmt als Antisemit bezeichnen.

    2. Albert schrieb am 23. Oktober 2009 at 12:57 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Das Erscheinen dieses Schmähartikels, war doch so sicher
      wie das Amen in der Kirche.
      Ich hab mich schon gewundert, warum das so lange gedauert
      hat.

      Die Auseinandersetzung mit Sarrazins Pöbellein fand ich
      sehr gelungen. Das hier dagegen, ist einfach nur flach und
      langweilig. Schade auch, dass Du in diesem viel zu langen
      Text nicht auf die Kritik am Zentralrat der Juden
      eingegangen bist, dann gäbe es wenigstens etwas mehr
      Inhalt.

      Versteh mich nicht falsch, eigentlich finde ich fast alle
      Artikel und Kommentare hier gut. Und zwar so gut, dass ich
      oft gar nicht weiß, was ich sagen soll. ;-)

    3. Markus schrieb am 23. Oktober 2009 at 12:57 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Broderline-Persönlichkeitsstörung

      genial!

      Auf seinem fanatischen Kampf gegen die ?1,5
      Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum
      Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen?,
      steht Broder zum Glück ?noch? in einer Reihe mit
      gesellschaftlich geächteten Schmuddelkindern vom rechten
      Rand.

      Ich würde das “noch” hier aber stark betonen. Wenn man
      sieht, wie stark die Mainstream-Presse aus den rassistischen
      und sozialdarwinistischen Aussagen zu “Wahrheiten, die
      endlich mal jemand sich auszusprechen wagt” machen, kann ich
      nur noch Schlimmeres Für die Zukunft vermuten.

      Broder ist in der Tat ein derart von Hass zerfressener
      Mensch, Hass gegen Muslime, gegen Linke, gegen “Gutmenschen”
      und Political Correctness, dass ich es allein schon
      unverantwortlich fände, ihm irgendeine politische oder
      gesellschaftliche Position anzuvertrauen.

      @ 1 Michael Schöfer:

      kann sich nur um Minuten handeln ;-)

    4. Limited schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:10 - Permalink

      Einige Vorwürfe im Blogeintrag halte ich für etwas
      überspitzt.

      Broder ist ein Medienmensch, der versucht Themen zu
      besetzen, wenn sie aktuell werden. Ein eigenständiges
      Repertorie hat er nicht. Stehen morgen Marsmenschen auf der
      Agenda, schreibt er übermorgen darüber, dass er
      Marsmenschen schon immer für ein Wahnsinnsthema gehalten
      hat.

      Der wechselt seinen Standpunkt häufiger, als manch anderer
      die Unterwäsche. Das entschuldigt seinen permanenten
      verbalen Griff unter die Gürtellinie nicht, macht es aber
      erträglicher, da nicht viel mehr als heiße Luft
      dahintersteckt.

      La0t ihn machen – als Strafe. Ein Jahr im institutionellen
      Gefüge des Zentralrats, gefangen zwischen Budgetberatungen
      und endlosen Gedenkveranstaltungen und entweder der
      Zentralrat löst sich auf oder s’Modestle landet in der
      Irrenanstalt.

      Nicht kneifen Henryk – da musst du jetzt durch, oder du
      outest die ebenso als Warmduscher wie mit deiner
      Ankündigung Deutschland zu verlassen, da es hier ja so
      unerträglich ist, vor knapp 2 Jahrzehnten.

    5. Limited schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:10 - Permalink

      @ SF

      Du ordnest ihn offenbar als Gesinnungstäter ein, ich als
      charakterlos – ich glaube über meine Wertung würde er sich
      wesentlich mehr ärgern ;-)

    6. Jolly Rogers schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:11 - Permalink

      Fulminant!

      Ein anderes Wort fällt mir zu diesem Artikel über den
      miesesten Geck der Zeitgeschichte nicht ein. Nur eines zu
      Ergänzung, Broder im Juli in der Jerusalem Post:

      “THERE ARE three short-term remedies that could breathe some
      life and fire into fighting anti-Semitism in Germany:

      # Academics, journalists, NGOs and politicians should attach
      a human face to modern anti-Semitism (anti-Israelism);

      # The myth that the accusation of anti-Semitism is as lethal
      as anti-Semitism itself ought to be dismissed for the
      nonsense it is;

      # And insulating oneself against the charge of anti-Semitism
      by employing hard-core anti-Zionist Jews should be
      recognized as a mixture of cowardice and anti-Semitism.

      Wallowing in meaningless resolutions and a fluffy
      anti-Semitism parliamentary commission represents the path
      of least resistance; it means managing anti-Semitism instead
      of confronting it when it comes disguised as criticism of
      Israel.

      Anti-Semitism is a disease in society, as is anti-Zionism.”

      http://www.jpost.com/servlet/Satellite?apage=2&cid=1246443777808&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

      Das ist sein Programm, seine Strategie und die heißt:
      Netanyahu und Lieberman, Bush und langläufige Revolver, die
      beinahe so groß sind wie er selbst.

    7. Shitop schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:13 - Permalink

      Der Antisemitismus der Gegenwart ist die
      Islamophobie und Broder ist einer der Vordenker dieses neuen
      Hasses,

      Den Rest von Broders Auftritten könnte man ja einfach
      ignorieren. An diesem Punkt wird er jedoch zu einer nicht zu
      unterschätzenden Gefahr. Vor Allem da die Mehrheit der
      Deutschen offensichtlich nichts aus der Vergangenheit lernen
      oder schnellstens Alles vergessen wollen. So wie sich die
      Sache derzeit entwickelt, sind die Moslems dann wohl schuld,
      dass es Deutschland so schlecht geht. Und dafür darf man
      sie dann auch bestrafen.

    8. Jolly Rogers schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:14 - Permalink

      @ shitop:
      Es ist noch viel schlimmer: der “gute Deutsche” kriecht
      Broder, Sarrazin und Konsorten bis zu den Schuhsohlen in den
      Arsch, um nachher die “Türken und Araber” umso
      ungehinderter verunglimpfen und mit Rassismus zu
      überziehen. So funktioniert der Neue Deutsche Rassismus,
      der sich in allen Medien breit macht.

    9. Parvenus schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:14 - Permalink

      Wer also Kritik an der zionistischen Politik des
      Staates Israel betreibt, ist nach demnach nach Broders
      Lesart nicht nur ein Antisemit, er spricht zudem den Juden
      ihr Existenzrecht ab.

      Wie soll Israel denn keine zionistische Politik betreiben?
      Meinst Du nicht eher imperialistische Politik, denn Israel
      würde es ohne Zionismus gar nicht geben? Somit spricht man
      mit Kritik am Zionismus Israel das Existenzrecht ab.
      Freilich darf man Kritik an der Politik Israels üben, aber
      nicht an Israels Existenz, die eben nur durch den Zionismus
      ermöglicht wird.

    10. Gebintit schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:15 - Permalink

      Das Broder-Zitat “Es gibt keinen Antizionismus, der
      seinen Ursprung nicht im Antisemitismus hätte.
      ” (tacheles.ch)
      trifft das Broder-Problem im Kern.
      Er diffamiert sogar Juden als Antisemiten, die den
      aggressiven israelischen Nationalismus kritisieren. Das ist
      nicht nur dumm, das ist gefährlich. Ein Wirrkopf der
      bewusst verwirrt.

      Das Problem mit den Begriffen Antizionismus und
      Antisemitismus ist, dass sie unterschiedlich
      verwendet werden und vor allem wurden. Zweifellos gibt es
      den nationalistischen und auch rassistischen Zionismus,
      gegen den man durchaus sein kann, ohne ein rassistischer
      Antisemit zu sein. Wer in Deutschland von Antisemitismus
      spricht, meint doch in der Regel den rassistischen
      Antisemitismus. Solche Feinheiten sind aber einem
      Hau-drauf-Broder ziemlich schnurz. Dass er deshalb zu einem
      ZdJ-Vorsitzenden nicht taugt, versteht sich von selbst.
      “Viel -Feind-viel-Ehr”, auch das hat Broder von den
      Holocaust-Tätern übernommen. Hat die
      Broderline-Persönlichkeitsstörung evtl. etwas mit dem
      Stockholm-Syndrom zu tun?

    11. IgnazBonifatius schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:15 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Nicht maulen, tritt einfach zur Wahl als SPD Vorsitzender
      an!

    12. Limited schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:16 - Permalink

      @ Parvenus

      Na, der Begriff “Zionismus” ist ja nicht geschützt und
      entsprechend interpretierbar.

      Unter Zionismus fällt ebenso die Vorstellung ein
      Großisraeals, das den Sinai, Teile Syriens und Jordanisens
      umfasst (Gottes biblisches Land der Juden), wie der Gedanke
      an ein Staatsgebilde mit ausschließlich jüdischen
      Staatsbürgern, wie auch der bloße Hinweis auf eine
      Heimstatt der Juden ohne nähere Konkretisierung.

      Im Gedanken des Heimstatt ist Israel wohl fundamental mit
      dem Zionismus verbunden. Der Zionismus in der Facon eines
      Liebermann, eines Kahane oder messianischer “Juden” ist
      ebenso verzichtbar wie die Äußerungen eines HMB zu diesem
      Bereich.

      Wenn er sich dahin äußert, dass Antizionismus generell nur
      eine Schattierung des Antisemitismus darstellt, macht er
      genau dass, was er allen anderen immer vorwirft – er
      verzichtet auf einen genaueren Blick und flüchtet sich in
      Vorverurteilungen.

      Das ist bigott. und kleingeistig und gleichzeitig
      größenwahnsinnig.

      Er spielt sich als selbsternanntes Gewissen auf und schwingt
      die Moralkeule – all das, was er dem Zentralrat auch
      vorwirft.

      Aber lustig ist er schon (und sei es auch nur auf makabre
      Art und Weise), der Hofnarr des Feuilliton.

    13. Dr. Bär schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:17 - Permalink

      Warum Henyrk “Milhouse” Broder ? Nur ein Fehler oder eine
      Anspielung, die ich mal wieder nicht verstehe ? Und dass der
      SZ Kommentar unüblicherweise und auffällig oft von Henryk
      Modest Broder spricht, erinnert an PI, die den
      amerikanischen Präsidenten grundsätzlich Barack Hussein
      Obama nennen.

    14. Limited schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:17 - Permalink

      @ KlinischerBär

      Welcher SZ-Kommentar?

    15. Limited schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:18 - Permalink

      Auch wenn es buchstabentechnisch nicht passt. In Bezug auf
      Figuren in Comicsereien erinnert mich Broder frapierend an
      Eric Cartman und weniger an Milhouse. Auf einem Auge 100%
      blind, extrem egozentrisch – aber irgendwie auch wieder
      schreiend komisch.

    16. Dr. Bär schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:18 - Permalink

      @ Limited

      In dem Kommentar, der oben im Spiegelfechtertext verlinkt
      ist.

    17. Schweigsam schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:19 - Permalink

      Guter Artikel. Der Artikel hat mir Broder etwas näher
      gebracht.
      Wenn ich diesen Menschen mal in Fernsehen sah, zäppte ich
      gleich weiter weil mir seine Aussagen besonders über
      Moslems unangenehm Aufgestoßen sind.

    18. Limited schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:19 - Permalink

      @ Bär

      Och, der.

      Was ist daran verwunderlich? Das ist ein Wortspiel. Im Text
      wird darauf hingewiesen, dass Broder für seine provokative
      Art öffentlich bekannt ist (was wohl auch enge Freunde von
      ihm nicht abstreiten würden, so er denn welche hat).

      Gleichzeitig trägt er aber den Beinamen “Modest” – da kann
      man schon eine gewisse oberflächliche Paradoxie erkennen
      und unterschwellig darauf hinweisen. Mit Barack Hussein
      Obama bei sehr grenzwertigen Netzangeboten ist das anders.
      Da wird nicht auf eine Paradoxie hingewiesen, sondern diese
      wird unterstellt.

      Die Sitte Jokes mit Namen zu machen ist in einigen Kreisen
      verpönnt, bei ca. 95% der Leute verfängt sie aber.

      Bei Henryk MODEST Broder halte ich es sogar
      für zuträglich, wenn man die Ausschreibung seines
      Beinamens verpflichtend macht.

    19. Jörg schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:20 - Permalink

      Broder wird meiner Meinung nach viel zu viel Aufmerksamkeit
      geschenkt. Es könnte dabei einem fast der Begriff
      “attention whore” einfallen.

      So weit ich das in Erinnerung habe ist das schon der 2te
      oder 3te Artikel der sich ganz allein mit dieser Person
      beschäftigt. Dabei scheint er ja gradezu Kretik zu
      geniessen, wenn Leute nichts besseres zu tun haben als sich
      mit ihm zu beschäftigen. Fände ihn einfach zu ignorieren
      wäre angemessener. Wenn sein Geschreibsel auf ähnliche
      Weise behandelt wird wie der Sack Reis der in China
      umfällt, dürfte ihn das weitaus mehr wurmen.

    20. Pizzi schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:21 - Permalink

      wenn ich den Geist nicht schon seit den 1. Essener Songtagen
      1968 kennen würde, meeehr JENS!
      ;-) ;-) ;-)

    21. tomassmer schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:21 - Permalink

      @ Spiegelfechter:

      1. Der Antisemitismus der Gegenwart ist die
      Islamophobie und Broder ist einer der Vordenker dieses neuen
      Hasses, der leider immer gesellschaftsfähiger wird.

      Ich stimme Ihnen zu, dass der Rassismus ein großes Problem
      ist. Er lässt sich aber mE nicht mit dem Antisemitismus
      gleichsetzen, da er grundsätzlich anders funktioniert. Der
      Rassismus, der sich hierzulande gegen “die Ausländer”,
      “Türken” und “Araber” gleichermaßen wendet, sieht diese
      als fremde, minderwertige Schmarotzer an. Der Antisemitismus
      hingegen kennt noch eine ganz andere Dimension; der Jude
      gilt ihm als geheimer Strippenzieher im Hintergrund
      (“jüdisches Finanzkapital”, “zionistische Israel-Lobby”
      usw.) und schreibt dem Objekt des Hasses eine große Macht
      zu, anders als der Rassismus, der es nur als minderwertig
      ansieht.
      Islamophobe Verschwörungstheorien gibt es zwar auch (etwa
      auf dem unsäglichen “News”-Portal PI), aber ich halte diese
      nicht für repräsentativ für den normaldeutschen
      Rassismus. Dieser funktioniert eher mit den Denkmustern wie
      “die nehmen uns die Arbeitsplätze weg”, “die gehören hier
      nicht her” usw.

      2.

      Zionismus impliziert einen jüdischen Staat
      Israel. Israel ist aber auch als säkularer Staat ohne
      Religionsbezug überlebensfähig. Israel ist sehrwohl ohne
      Zionismus denkbar.

      Denke ich nicht. Israel gründet auf den Zionismus, dessen
      Ziel es war, einen Heimatstaat für das “jüdische Volk”
      (oder was dafür gehalten wurde/wird) zu schaffen. Das ist
      keine religiöse Begründung, Theodor Herzl ging
      tatsächlich von einem Volk aus, nicht (nur) von einer
      Religionsgemeinschaft.
      Und wieso sollte eine noch weiter “säkularisiertes” Israel
      wünschenswert sein? Es herrscht dort neben allen anderen
      bürgerlichen Freiheiten auch die Religionsfreiheit.

    22. flatter schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:22 - Permalink

      Eine gelungene Analyse. Ich habe Broder in meinem ersten
      Kommentar zu seinem Syndrom ebenfalls einen “Clown” gennant.

      Was ich allerdings für ebenso relevant halte, ist sein
      abgelutschtes Stilmittel, den Popanz. Der Broderismus ist
      ein Stilmittel, eine Erweiterung des Stereotyps als Flucht
      vor der Auseinandersetzung und Einsammeln des Applauses vom
      Band der Simpel, die ihre antilinken Ressentiments bis hin
      zum Rassismus so gern pflegen. Broder “kritisiert” ein irres
      Zerrbild von Linken und Gutmenschen, “zitiert” Positionen,
      die niemand vertritt, um sich kräftig daran abzuarbeiten.
      Quellen nennt er freilich nie. Lange vor der medialen
      Aufblähung von “68ern” und angeblichen linken
      Diskursdiktatoren hat er schon für die Freiheit der rechten
      Meinung gekämpft, indem er sein paranoides Feindbild auch
      jenseits des Antisemitismus in die Welt projizierte. Sein
      Stil ist plump, dumm und erfolgreich. Inzwischen ist dieser
      auch Dank der Reichweite des “Spiegel” zum festen
      Bestandteil der hiesigen Propaganda geworden.

    23. Nic schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:22 - Permalink

      Danke, Jens, für den Artikel.
      Deine Einschätzung Broders deckt sich ziemlich mit der
      meinen.
      Allerdings hat gerade dieser Beitrag auch
      etwas sehr positives. Denn Broder singt am Ende ein Hohelied
      des Atheismus.
      Ich kann jedoch noch nicht so ganz einordnen, wie sich das
      mit seiner latenten Islamophobie deckt.

      Ich habe den Fehdehandschuh (denn er gehört zu meinen
      erklärten Gegnern) gestern deshalb erst einmal weggelegt.
      (http://bit.ly/1jfrGB) Vermutlich bis zu nächsten großen
      Provokation des Herren.

    24. Genova schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:23 - Permalink

      Guter Artikel, danke. Hinzufügen könnte man noch, dass
      Medien mit so großer Reichweite wie der Spiegel und
      Tagesspiegel Broder alle Nase lang ein Forum bieten für
      seinen “Journalismus”. Das ist das eigentliche Problem (und
      in der Folge eben auch die Tatsache, dass wir hier über ihn
      diskutieren). Dass es solche extremen Vereinfacher wie
      Broder gibt, ist nicht schlimm. Schlimm ist nur, wenn das in
      einer Gesellschaft auf fruchtbaren Boden fällt.

      Sehr aufschlussreich ist der verlinkte Mailverkehr zwischen
      Broder und Palmer.

      Broder ist mir erstmalig aufgefallen im Vorfeld des zweiten
      Irakkrieges. Er war natürlich dafür und verhielt sich in
      einer Talkshow gegenüber einer jungen Araberin, die den
      Krieg ablehnte, widerlich. Er grinste ständig vor sich hin
      und man merkte, dass ihm selbst das Thema Krieg egal ist,
      Hauptsache er steht im Mittelpunkt. Spätestens seitdem
      weiß man, dass man bei ihm vorsichtig sein muss.

    25. Albert schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:23 - Permalink

      @Jörg

      Broder wird meiner Meinung nach viel zu viel
      Aufmerksamkeit geschenkt.

      Das traurige ist, dass man den Broder gar nicht so einfach
      ignorieren kann. Mit SPIEGEL und Springer hat er sowieso
      genug Plattformen für seine steilen Thesen zur Verfügung.
      Außerdem kann er mit seinen Vereinfachungen und
      Übertreibungen immer wieder Fans vom unteren, rechten Teil
      der deutsche Gesellschaft hinzugewinnen. Dazu muss man sich
      nur mal die Kommentare auf Welt-Online anschauen. Dort
      fängt es an mit: “So einen bräuchte Deutschland als
      Bundeskanzler”

    26. Jeeves schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:24 - Permalink

      Henyrk Milhouse …? Nee: Henryk Mittelinitial Broder !

    27. name schrieb am 23. Oktober 2009 at 13:36 - Permalink

      Vor ein paar Monaten war bei Spon eine Reportage von ihm über den sozialen Zustand, die sozialen Widersprüche, bestimmter Stadtteile in Tel Aviv zu lesen, die wirklich interessant war, und den “alten” Broder zeigte. Es stimmt leider schon, daß er und seine Geltungssucht mit diesen Artikeln über soziale Themen, und er hat das Auge sogar, wahrheitsgemäß zu berichten, einfach mit diesen Themen nicht wahrgenommen wird.

      Alles in allem eine traurige Geschichte, die umso schlimmer wird, weil er selbst zum geistigen Brandstifter in seiner Sucht nach Geltung mutiert.

    28. aquadraht schrieb am 23. Oktober 2009 at 15:15 - Permalink

      @28 tomassmer: Auch der Antisemitismus hatte mehr als ein Gesicht. Zum Einen war das die religiöse Judenfeindschaft aus der christlichen Ideologie heraus. Dieser Totalitarismus der alleinseligmachenden Kirche hat sich heute transformiert in die Ideologie der “westlichen Zivilisation”, der totale Anspruch ist dabei geblieben. Ferner war das auch Rassismus und Xenophobie, vor allem gegenüber ostjüdischen Einwanderern. Auch hier gibt es viele Parallelen. Und schliesslich war und ist er auch Verschwörungstheorie, vom jüdischen Finanzkapital bis zum jüdischen Bolschewismus. Dieses Motiv ist im Islamhass zwar etwas abgeschwächt, denn diese Verschwörungstheorie richtete sich gegen die jüdischen Aufsteiger, die Geschäftsleute, Anwälte, Ärzte und Intellektuellen in den westlichen Gesellschaften. Da es islamische Gemeinschaften erst seit kurzer Zeit in Europa und Amerika gibt, haben die einen geringeren Anteil an Reichen und Gebildeten, gegen die sich Aggressionen richten können. Aber das Motiv ist ebenfalls da, es werden Weltverschwörungen in Richtung auf einen Jihad, ein Kalifat etc. fantasiert, bei denen die “Gutmenschen” die “Dhimmi” machen. Das ist hundert Prozent spiegelbildlich zum “Schabbesgoj”-Vorwurf der Antisemiten an Nichtantisemiten.

      Im Ergebnis: Akzente des Islamhasses und des Rassismus unterscheiden sich vom Antisemitismus, schon weil Geschichte und Zusammensetzung sowie sozialer Ort der verteufelten Gruppen nicht gleich ist. Aber es ist dasselbe Gift. Auch der Antisemitismus hat nur einmal zu einem so massiven Ausrottungsverbrechen wie der Shoah geführt. Und das war möglich, weil ihm so lange Raum gegeben worden war.

    29. OAlexander schrieb am 23. Oktober 2009 at 15:24 - Permalink

      Alles was zum Statthalter Israels beim Spiegel (und auch bei der Bild, was ich ja nur aus Sekundärquellen wie hier erfahren kann) scheint gesagt zu sein.

      Was mir mehr und mehr fraglich erscheint ist aber die generelle Verwendung des Wortes Antisemitismus. Durch seine allgemeine Verwendung im Kontext des Dritten Reiches ist er aufwertend relativierend – jeder der ein verunglücktes Wort raustreibt wird damit gleich in die Nähe von Gaskammerbetreibern gedrückt – oder die harmlose Gestalt des “Antisemiten” relativiert den Gaskammerbetreiber. Zum anderen könnte man den Begriff auch als relativierend für andere Ausprägungen von Rassismus halten. Im allgemeinen sollte “antijüdischer Rassismus” reichen.

    30. Lago schrieb am 23. Oktober 2009 at 16:04 - Permalink

      @OAlexander

      Da stimme ich dir zu: Ich würde nicht bedauern, wenn das Wort Antisemitismus aus den modernen Sprachen verschwände. Der Begriff basiert auf der Überzeugung der Existenz einer semitischen Rasse, eine solche Überzeugung ist allerdings heute weder bei den Antisemiten noch bei den Anti-Antisemiten wirklich vorhanden.
      Darüber hinaus wird suggeriert, dass eine rassistische Einstellung gegenüber diesen ominösen Semiten irgendwie schlimmer wäre als gegenüber anderen herbeiphantasierten Rassen.

    31. LudgerKlus schrieb am 23. Oktober 2009 at 16:31 - Permalink

      @OAlexander:

      “…..Im allgemeinen sollte ?antijüdischer Rassismus? *) reichen. …” – In der Kürze liegt in diesem Falle nicht ‘Würze’! Oder wollen wir hier etwa auch den ‘antikatholischen Rassismus’ diskutieren?Vielleicht noch einmal bedenken?! Und: Den Borderliner rechts -außerhalb des Spielfeldes- liegen lassen…sowieso!

      Grüße Ludger

      +) Ursache des Irrtums m.E: Das ‘Rassegestz’ der Nazis. Davon spukt scheinbar immer noch zu viel in ‘unseren’ Köpfen….

    32. edgar schrieb am 23. Oktober 2009 at 16:54 - Permalink

      @Spiegelfechter
      Wo sind deine Kommentare hin ?
      Hat man dich schon unter Druck gesetzt ?

    33. OAlexander schrieb am 23. Oktober 2009 at 17:16 - Permalink

      @ edgar #32

      @Spiegelfechter
      Wo sind deine Kommentare hin ?
      Hat man dich schon unter Druck gesetzt ?

      Der sitzt gerade auf dem Klo und analysiert anhand von Geschichtsbüchern von Clifford Irving die Historizität des Holocaust.

      Sollte seine neugeformte Meinung zum Thema in diesem Lande auf Widerstände stoßen wird er wegen mangelnder Redefreeiheit in Deutschland in den USA Asyl beantragen – denn er wollte ja schon immer im freisten und demokratischsten Land aller Länder leben.

    34. Jörg schrieb am 23. Oktober 2009 at 17:55 - Permalink

      Über Henryk Broder kann man ja wirklich geteilter Meinung sein, dazu ist alles gesagt. Was aber gar nicht, wirklich gar nicht geht, ist der Satz im Blog: “Die jüdischen Gemeinden in Deutschland wären gut beraten, die Lektionen der Vergangenheit zu verinnerlichen und jeglichem Hass den Nährboden zu entziehen, bevor er eine kritische Masse erreicht hat.” Ist der Satz so gemeint, wie er klingt, in leicht rheinischem Sing-Sang?

    35. COPOKA schrieb am 23. Oktober 2009 at 18:44 - Permalink

      @edgar

      Wo sind deine Kommentare hin ?

      Schau mal die Zeitstempel bei den anderen an.
      Die meisten Kommentare hab ich noch gestern gelesen.
      Jens hat wohl wieder Ärger mit der Technik.

    36. Robat schrieb am 23. Oktober 2009 at 18:48 - Permalink

      Ich bin ähnlicher Meinung wie Jörg. Der Satz ist mindesten äußerst unglücklich vormuliert.
      Abgesehen davon – um ein möglichst treffendes Bild von Broder aufzuzeigen bietet sich am besten an, ihn oft zu zitieren…

    37. Hohwacht schrieb am 23. Oktober 2009 at 19:28 - Permalink

      Was ist an Broder eigentlich so schlimm ? Er polemisiert, ok. Aber deswegen ein Monstrum aus ihm zu machen, naja…

      Und was deine Konstatierung angeht (Islamophobie ist der neue Antisemitismus), da wäre ich sehr sehr vorsichtig.

      Es gibt den politischen Islam, der ein Kalifat anstrebt, eine totalitäre Gottesdiktatur, das hat nichts mit Verschwörung zu tun.
      Es gibt martialische Predigten, in denen von der “Eroberung Roms” geschwelgt wird und die zum Hass auf alles nicht-islamische aufrufen.
      Es gibt brutale Fanatiker die Kinder erschießen, weil sie zur Schule gehen oder 16jährige Mädchen wegen “Unkeuschheit” aufhängen lassen, Schwule ermorden, Abtrünnige bedrohen und ermorden, Andersgläubige diskriminieren. All das ist sehr real.

      Der politische Islam ist eine totalitäre Ideologie, der sich übrigens viele Menschen aus dem Westen anschließen und vor der sich zu fürchten und sie zu verabscheuen nichts widernatürliches ist, im Gegenteil.

      Broder trennt ausdrücklich zwischen Muslimen, die den Islam als ihre private Andacht sehen und denjenigen, die den Islam weltlich herrschen sehen wollen.

      Ich kann mich im übrigen nicht entsinnen dass jüdische Extremisten in den 20ern oder 30ern den “Ungläubigen” den Krieg erklärt und die weltweite Einführung des Talmuds angestrebt hätten. Der Vergleich hinkt.

    38. Fyyff schrieb am 23. Oktober 2009 at 19:52 - Permalink

      Lustigerweise kann man einigen der Kritikpunkte Broders am ZdJ durchaus zustimmen. Allein – auch hier wird die Kritik schon dadurch diskreditiert, daß sie eben von Herrn Broder kommt, mithin also nichts weiter als aufmerksamkeitsheischende Dampfplauderei darstellt, welche bei erster sich bietender Gelegenheit nur noch das berühmte “Geschwätz von gestern” ist.

      Ansonsten halte ich mich weiterhin an deinen Vorschlag wie mit eitlen Parvenüs der Sorte Broder (Sarrazin bspw.) umzugehen ist. Ignorieren und rechts liegen lassen. Das ist für mein zur Zeit sowieso schon unter schwerem Angriff stehendes sonniges Gemüt vermutlich auch besser. Außerdem haben wir vermutlich wichtigere Probleme als ausgerechnet Broders neuesten Unfug. Allein der Kinderschutzbaron als Innenminister…aber ich schweife ab.

    39. edgar schrieb am 23. Oktober 2009 at 20:15 - Permalink

      @OAlexander

      Der sitzt gerade auf dem Klo und analysiert anhand von Geschichtsbüchern von Clifford Irving die Historizität des Holocaust.

      Du meinst im gefesselten Zustand ! Ist er noch zu retten ? Mossad + Broder !!! ;)

    40. Bernhard schrieb am 23. Oktober 2009 at 23:46 - Permalink

      Ein Broder wiegt mehr als zehn Spiegelfechter.

    41. Degnaphta schrieb am 23. Oktober 2009 at 23:51 - Permalink

      @ Hohwacht #37
      Vermutlich gibt es in jeder größeren Menschengruppe/Religionsgemeinschaft, die du betrachtest, eine wirklich verrückte und möglicherweise gefährliche Randgruppe (geschätzt <2%). Seien es Christen oder Atheisten oder sonstwer.
      Diesen aber mit fragwürdigen medialen Methoden so viel Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist mehr als nur Humbug sondern hochgradig gefährlich.

      Mich verwundert respektive entsetzt, daß HMB beim ENaMag Spiegel noch immer als Autor geführt wird. Selbst abgemildert als Gastautor empfände ich das so.
      Daß der überhaupt irgendeine etablierte Plattform erhält, sogar ins TV eingeladen wird, wirft ein ganz schlechtes Licht auf die Verantwortlichen bei den Medien respektive deren Steuermänner.
      Würde er als einer von vielen Bloggern in den Weiten des web dümpeln, hätte ich weniger Probleme mit solchen 'Publizisten'. Einfach nicht hinklicken :-)

    42. aquadraht schrieb am 24. Oktober 2009 at 00:04 - Permalink

      Keine Ahnung wie fett Broder inzwischen ist

    43. Bernhard schrieb am 24. Oktober 2009 at 00:25 - Permalink

      Ich rede nicht vom körperlichen Gewicht sondern vom intellektuellen.

    44. Bruder Jakob schrieb am 24. Oktober 2009 at 00:35 - Permalink

      Genial, Broder lässt mal wieder einen seiner Gehirnfurze fahren, um mediale Aufmerksamkeit zu erheischen und der Spiegelfechter hat nichts Besseres zu tun, als ihm einen – zum Teil sehr undifferenzierten – Artikel zu widmen.

    45. A.Bundy schrieb am 24. Oktober 2009 at 01:08 - Permalink

      Eine Menge aufgeregtes Geschnatter, für jemanden der auszog Broder das Fürchten mittels Ignoranz zu lehren. Versuchs ruhig weiter, du Wicht rettest mir damit jedesmal den Tag.

    46. Hohwacht schrieb am 24. Oktober 2009 at 01:11 - Permalink

      Ihr hasst Broder nur weil er ein abtrünniger Linker ist. Im Islam steht auf sowas der Tod.
      Bei der Linken immerhin nur gehässiges Gezeter. Macht aber Spaß dabei zuzuschauen. Dem Modest wohl auch ;-)

    47. Drüberleser schrieb am 24. Oktober 2009 at 01:14 - Permalink

      Ist ja schön Bernhard,
      dass du noch einmal genauer erklärst was du eigentlich meintest ;-)

      an #44

      Warum so aufgeregt und kläffend? Wuff, wuff.
      Den Namen Bundy verdienst du jedenfalls nicht.

    48. Webbaer schrieb am 24. Oktober 2009 at 01:45 - Permalink

      Neues Design? Sehr gut. Obwohl sich der WB an das alte durchaus gewöhnt hat.
      Das neue scheint flexibler zu sein, aber zur Sache:
      Deine Beschimpfungen Hr.Broders sind doch auch nur reine Polemik und Dir könnte klar sein, dass Du mit diesem Artikel zumindest in derselben Liga spielst. Naja, vielleicht wars auch beabsichtigt, an anderer Stelle hast Du Hr.Broder durchaus als Gegner würdigen können.
      Ansonsten findet der WB Henryk M. Broder unterhaltsam [1] und verständig. Alleine das sind schon Eigenschaften, die ihn herausragen lassen. Schreiben kann der alte Bursche auch.
      MFG, WB

      [1] Nichts ist zu Zeiten des Internets uncooler als eine weiträumig vorgetragene Aussage, die langweilt.

      PS: Holla, überlesen: “Die jüdischen Gemeinden in Deutschland wären gut beraten, die Lektionen der Vergangenheit zu verinnerlichen und jeglichem Hass den Nährboden zu entziehen…”. Chapeau!

    49. Lago schrieb am 24. Oktober 2009 at 11:59 - Permalink

      Wiewohl ich prinzipiell gegen jegliche “Würdigung” von Rechtspopulisten bin, egal ob Limbaugh, Broder oder sonstwer, ein Verstoß gegen dieses Prinzip von m.E. höherer Qualität als der des Spiegelfechters:

      http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31380/1.html

    50. schub schrieb am 24. Oktober 2009 at 12:51 - Permalink

      Mal ernsthaft…
      kannst Du Deine Zeit nicht mit was sinnvollem verbringen…ich schlage eine differenzierte Analyse des Koalitionsvertrages vor…
      Mach Deinem Ruf mal ein bisschen Ehre und befasse Dich mit etwas sinvollerem als den Herren Broder / Sarazin. Beide sind genau auf diese Reaktion der Medien aus. Im Endeffekt machst Du Dich damit zum medialen Handlanger.
      Diese beiden Herren sind mehr als unwichtig!!

      Grüße,

      schub

    51. Bernhard schrieb am 24. Oktober 2009 at 12:52 - Permalink

      Berger gegen Broder.
      Provinzbewohner gegen Weltbürger.
      Hobby-Leitartikler gegen Profi-Provokateur.
      Kreisliga gegen Bundesliga.

    52. Jeeves schrieb am 24. Oktober 2009 at 13:00 - Permalink

      Auch nicht schlecht, der Artikel über H. Mittelinitial Broder bei Heise (mit schönen Dönekens von früher): “Alles Antisemiten außer Mutti”.

      Oh ich seh gerade, bei @48 ist schon der Link.

    53. Drüberleser schrieb am 24. Oktober 2009 at 13:01 - Permalink

      Bernhard, nu is aber ma gut. Aus, Bernhard. Du machst den Eindruck als wärest du ein Groupie des Herrn Broder.
      Man sollte dem Spiegelfechter nicht vorschreiben, über was er schreiben und nicht schreiben sollte. Ist ja immernoch seine Sache hier und ich wäre froh wenn das auch so bleibt, denn genau das macht einen Journalisten heute noch aus, nicht das zu schreiben, was andere hören wollen.

      Grüße vom Mitleser und wiedererstarktem Mathematiker dank des Spamschutzes.

    54. Schweigsam schrieb am 24. Oktober 2009 at 13:20 - Permalink

      Meine Kritik an diesen Blogg ist für mich dass der Spiegelfechter wie auch Teile der Leser viel zu technokratisch an unsere Probleme herangehen. Wie wär es einfach mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand. Bin ja immer wieder über die “Bildung” einiger Leser sehr beeindruckt, so dass ich als schulisch eher ungebildeter manche Kommentare 3mal durchlesen muss bevor ich sie auch verstehe. Besonders fiel mir die Neigung zum “technokratischen” beim Thema Sarrazin auf, wo hier in einem linken Blogg die Kommentare von der politischen linken auf die äußerst rechte Seite wechselten.

    55. Webbaer schrieb am 24. Oktober 2009 at 13:48 - Permalink

      BTW, das Resümee “Die jüdischen Gemeinden in Deutschland wären gut beraten, die Lektionen der Vergangenheit zu verinnerlichen und jeglichem Hass den Nährboden zu entziehen, bevor er eine kritische Masse erreicht hat.” beantwortet dann auch recht eindeutig die interessierte Frage des WB.
      PS: Der – weil es bestimmt einige interessiert – kein Jude ist, LOL.

    56. Heinz1965 schrieb am 24. Oktober 2009 at 13:50 - Permalink

      Zur Sache:
      1. Broders Berliner Artikel leitet vom Holocaust zu den chinesischen Menschenrechten über.
      2. Als Exzentriker ist er allemal für einen Testballon gut.

      Zur Interpretation:
      1. deutsche Innenpolitik ist seit dem Krieg immer eine Funktion der sich ändernden amerikanischen Prioritäten.
      2. Seit Obama/Brezezinski heisst der neue Weltfeind China.
      3. Die neue Administration praktiziert Entspannung mit Ex-Bösewichten wie Iran und Russland.
      4. Der China-Gegner Indien bekommt Nuklear-Technologie.
      5. Der China-Verbündete Pakistan wird dagegen nach allen Regeln der Kunst zerlegt.
      6. Durch weniger Druck im deutschen Moral-Dünster (sorry) soll die Bevölkerung wieder fit für die Weltpolitik (=einen richtigen Konflikt) gemacht werden.

      Parallele 1948:
      Mit dem Ausbruch der Ost-West-Konfliktes trat die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland in den Hintergrund.
      Als Deutschland unter Adenauer zu stark und der Ost-West-Konflikt zu anstrengend wurde, kam 1961 die Entspannung auf Camp David.

      Folgen:
      Mauerbau.
      Schmierereien an Kölner Synagogen (inzwischen als KGB-Aktion nachgewiesen).
      Auschwitz-Prozeß.
      68er.

      Wir können Weltpolitik nicht gestalten aber erleben ihre Folgen vorteilhaft oder nachteilig – je nach Standort.

    57. Lago schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:07 - Permalink

      @54

      Stimmt, das Zitat ist, isoliert von den Sätzen unmittelbar davor und danach, wunderbar geeignet als politischer Sprengstoff. Im textlokalen Kontext allerdings ist es sogar nach Broder-Gesichtspunkten harmlos.

      Nun frage ich mich allerdings, über wen ein entstellendes Zitat mehr aussagen würde …

    58. Jörg schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:19 - Permalink

      Mag ja sogar sein, dass der Satz im Kontext anders gelesen werden KÖNNTE: Herr Sarrazin kann ja auch darauf hinweisen, dass seine überall zitierten Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen sind. Tatsächlich steht ja noch vieles andere in dem “Lettre international”-Interview.
      Aber wie dem auch sei: Diesen Blog-Satz würde man zu Recht jedem Politiker oder Journalisten um die Ohren hauen und mit Webbaer fragen, wie antisemetisch der Autor eigentlich ist. Der würde künftig nur noch bei der “Jungen Freiheit” ein Bein auf die Erde kriegen.

    59. Lago schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:26 - Permalink

      @57

      Sorry, aber bei Sarrazin wurde im Kontext eigentlich alles nur noch schlimmer. Der obige Satz ist ein ganz klares Beispiel von bedeutungsumkehrendem Entstellen.

      Es geht dabei explizit um Broders unbestreibaren Hass auf den Islam, nicht um den Hass von irgendwem auf die Juden. Der SF warnt, unnötig paternalistisch, die jüdischen Gemeinden davor, sich Broders Islamhass zu eigen zu machen. Der Vorwurf, die Juden seien selbst Schuld am Antisemitismus lässt sich daraus schlicht nicht stricken.

      Wer mit diesem Satz versucht, Berger Antisemitismus zu unterstellen, ist meines Erachstens selbst nicht mehr satisfaktionsfähig …

      (Oder willst du darauf hinaus, dass sich aus einem Artikel, in welchem irgendetwas mit “Juden” behandelt wird, durch Wortumstellung und Auslassung nichts konstruieren lassen darf, was wiederum in die Nähe von Antisemitismus gestellt werden könne? Sorry, aber das wäre einzig und allein durch Schweigen möglich – eben dieses Schweigen, welches hauptverantwortlich ist für den relativ breiten Antisemitismus in der heutigen deutschen Bevölkerung …)

    60. Drüberleser schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:34 - Permalink

      Diese ewig wiederkehrenden Antisemitismusvorwürfe machen jegliche Diskussion in ihrem weiteren Verlauf kaputt. Nocheinmal die Kurve zum Thema zurückzukriegen wird nahezu unmöglich sein.
      Vielleicht ein Grund warum sich der SF hier noch nicht geäußert hat.

      Und danke Webbaer für deinen super informativen und top recherchierten verlinkten Artikel.

    61. Webbaer schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:34 - Permalink

      @Jörg:
      Ich geh dann gleich mal raus, aber vorher noch:
      Die Verweise auf das “Verinnerlichen der Lektionen der Vergangenheit” und auf den “Hass”, den Juden nicht generieren sollten, zudem die angedeutete und im Raum stehende Gegenreaktion (“kritische Masse”) sind hhinreichend klar.
      Ich sehe da auch gar kein Brodersches Spezifikum, d.h. man braucht Broder nicht für diese klare Aussage und man braucht diese Aussage nicht im Kontext Broder.
      MFG, WB

    62. Lago schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:42 - Permalink

      @60

      Aber lesen kannst du schon, oder?

      Ich hatte dich bisher für einen vielleicht etwas naiv verspielten, aber durchaus vernünftig denkenden Menschen gehalten, aber dass du zwei sehr klar formulierte einfache deutsche Sätze inhaltlich nicht begreifen kannst, hätte ich nicht erwartet und glaube ich dir auch nicht wirklich.

      Ich nehme alles zurück, falls du meinst, die Warnung davor, man solle nicht anfangen, einen Hass auf eine andere Gruppe zu entwickeln, sei antisemitisch.

    63. ppp schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:47 - Permalink

      “Der Antisemitismus der Gegenwart ist die Islamophobie und Broder ist einer der Vordenker dieses neuen Hasses, der leider immer gesellschaftsfähiger wird. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland wären gut beraten, die Lektionen der Vergangenheit zu verinnerlichen und jeglichem Hass den Nährboden zu entziehen [...].”

      Aussage: Die jüdischen Gemeinden sollten den Hass auf Muslime nicht dadurch adeln, indem sie den islamophoben Broder zum Chef wählen, gerade weil die Juden hier in Deutschland selbst Opfer von Hass geworden sind, und daher wissen müssten, wie gefährlich (tödlich) es ist, wenn ein Ressentiment gesellschaftlich kultiviert wird (so wie es im Dritten Reich der Fall war).

      Klar, dass die Möchtegernbroders mit solchen Aussagen nicht umgehen können und daher lieber wieder einmal eine Antisemitismusdiskussion aufziehen, und so den Diskurs zu verlagern.

    64. Drüberleser schrieb am 24. Oktober 2009 at 14:51 - Permalink

      Der Zentralrat der Juden sollte, wie jede andere Institutuion oder Organisation auch, darauf achten offizielle Positionen bedacht und nicht an Personen wie einen Herrn Broder zu vergeben.

      Punkt.
      Das ist damit gemeint.

      Und damit schliesse ich mich auch meinen beiden Vorrednern an.

      Was du – Webbaer – versuchst dabei zu interpretieren ist in meinen Augen schlichtweg falsch.

    65. Patte schrieb am 24. Oktober 2009 at 16:07 - Permalink

      @aquadraht:

      Den Begriff “Antisemitismus” sollten aufgeklärte, kritische Linke jedoch tunlichst vermeiden, da er sehr schwammig ist und eben viele semitische Gruppierungen einschließt (z.B. auch Araber). Nicht nur aus sprachphilosophischer Sicht ist der Begriff “unlogisch”, da er eben nicht konkret genug ausdrückt, was er eigentlich fast immer meint: nämlich “Judenhass” oder “Judophobie”. Und diese Schwammigkeit des “Gegen-Semiten-Seins” lädt dazu ein, diesen Begriff als politische Waffe (siehe Norman G. Finkelsteins Buch) gegen Andersdenkende und Unschuldige beliebig einzusetzen (Ziel: mundtot machen, ohne sachlichen Diskurs), den Begriff somit zu missbrauchen und damit die Verbrechen an den Juden in der Nazizeit zu relativieren (siehe auch Jens’ Anmerkung im Artikel).

    66. OAlexander schrieb am 24. Oktober 2009 at 16:53 - Permalink

      Antisemitismus

      Eben deshalb habe ich (in Post #33) vorgeschlagen den Begriff Antisemitismus in der Schublade zu verrammeln. Zu zwei Dritteln wird der dafür Missbraucht um Leute, die sich kritisch mit jüdischen Angelegenheiten oder Israel auseinandersetzen als quasi Aussätzige zu diffamieren. Ich halte Typen – und auch die Institutionen – die diesen Begriff auf diese Art verwenden für genauso mies wie die Antisemiten selbst. Noch dazu, wenn die einem, wie oft üblich, das Wort im Mund verdrehen

      Es ist ok Antisemitismus im Zusammenhang mit der Nazi-Zeit zu verwenden, da wissen wir einigermaßen was los war. Wer Rassismus meint, soll das auch so nennen – wer Rassismus gegen die Juden meint, soll meinetwegen anti-jüdischen Rassismus verwenden. Das ist lang genug, da kann man noch ein wenig darüber nachdenken ehe man das Gebeiss groß aufreisst und am Ende schlicht und einfach nur dreist beleidigend daherkommt.

    67. Patte schrieb am 24. Oktober 2009 at 16:55 - Permalink

      @Hohwacht:

      “Der politische Islam ist eine totalitäre Ideologie, der sich übrigens viele Menschen aus dem Westen anschließen und vor der sich zu fürchten und sie zu verabscheuen nichts widernatürliches ist, im Gegenteil.”

      Selbiges ist doch aber beim politischen Judentum (im Gegensatz zu den Juden, für die ihre Religion Privatsache ist, z.B. orthodoxe Juden, die die Verwendung des Hebräischen als Nationalsprache Israels für einen Frevel halten) ebenso der Fall und da wagt keiner den Aufschrei, oder? Spar dir deine Bigotterie und Doppelmoral.

      “Broder trennt ausdrücklich zwischen Muslimen, die den Islam als ihre private Andacht sehen und denjenigen, die den Islam weltlich herrschen sehen wollen.”

      Aber er trennt nicht zwischen Christen und Juden, die ihre jeweilige Religion als private Andacht sehen und denjenigen, die Christentum und Judentum (mit einem Davidstern – einem religiösen Symbol – auf der politischen Nationalflagge) weltlich herrschen sehen wollen und das ist Broders Problem.

    68. Gebintit schrieb am 24. Oktober 2009 at 18:27 - Permalink

      Nach dem Durchlesen der Kommentare muss ich mich OAlexander anschließen: die Begriffe Antizionismus und Antisemitismus sollte man lieber durch eine weniger missverständliche Ausdrucksweise ersetzen. Wenn man, z.B., gegen eine rücksichtslose Expansion des israelischen Siedlungsgebietes ist und Verstöße gegen die Menschenrechte auch dann kritisiert, wenn sie von Juden begangen werden, so muss man deshalb kein religiös oder rassistisch motivierter “Judenhasser” sein. Etwas umständlich aber dafür doch unmissverständlich, oder?
      Vermintes Gelände!

    69. Hohwacht schrieb am 25. Oktober 2009 at 00:51 - Permalink

      @Patte
      Wovon sprichst du überhaupt ? In welchem Gemeinwesen herrscht die Inqusition als geltendes Recht ? In welchem christlichen bzw. jüdischen Gottesstaat werden vergewaltigte Mädchen ausgepeitscht und Schwule an Baukränen erhängt, Ehebrecher zu Tode gesteinigt ?

      Broders Punkt ist, dass Leute wie dich so etwas nicht im geringsten kratzt. Die echauffieren sich über Guantanamo und Gasa, bringen aber keinen Mucks raus, wenn es um erhängte “unkeusche” Mädchen in Iran geht und behaupten dann allen Ernstes, die einzige Demokratie des Nahen Ostens sei ein Gottesstaat.
      Einseitiger, irrationaler Hass auf “USrael” wie es in diesen Kreisen heißt, mehr ist das doch nicht.

      Auf der saudi-arabischen Flagge ist übrigens das islamische Glaubensbekenntnis mit symbolträchtigem Schwert darunter abgebildet. Leg dich wieder hin, mein Junge.

    70. Drüberleser schrieb am 25. Oktober 2009 at 05:04 - Permalink

      @ Hohewacht

      Leider sind deine Schlussfolgerungen nichts weiter als reine Interpretationen.
      Und ausser diesen besitzt du nichts was deine Aussagen belegen könnte.

      Über den durchaus korrekten Inhalt deiner Aussagen geht es hier doch gerade gar nicht. Du verfehlst das Thema und unterstellst mir z.B., dass ich auf anderer Flur nicht auch das anprangern würde. Wie soll man damit umgehen, ich weiss es nicht, denn hier gehts doch gar nicht darum.

      Sind also alle Muslime der Welt Sinnbild für das, was du gerechtfertigt anprangerst? Wie passt das in diese Diskussion?
      Wie heisst es so schön – just my 2 cents.

    71. Hohwacht schrieb am 25. Oktober 2009 at 11:44 - Permalink

      @Drüberleser
      Es geht hier um Broders Standpunkt, der unverstanden und nach der Art eines getretenen Hundes weggekläfft wird.

      Wenn die USA oder Israel (“USrael”) irgendwo intervenieren, dauert es keine zwei Stunden und die Straße ist voll mit bunten Regenbogenfahnen und empörten “Friedensaktivisten”, die dann auch mal zusammen mit notorisch flaggenverbrennenden Islamisten demonstrieren gehen.

      Wenn in Darfur Völkerstämme gemetzelt werden oder in Iran der islamische Mullah-Staat auf sein Volk schießt und es in Folterkellern vergewaltigt, hörst du von diesen heuchlerischen “Friedensaktivisten” nicht mal einen Pups. Das spricht Broder an und da hat er recht.
      Du wirfst mir Doppelmoral vor, dabei ist das oben angeführte Doppelmoral par excellence.

      Und was die Muslime angeht: du solltest etwas mehr von Broder lesen bevor du ihn blind verurteilst.
      Er ist der festen Überzeugung dass die säkularen Muslime wie Bassam Tibi und Nasr Abu Hamid, die beide massiven Drohungen ausgesetzt sind, unsere besten Verbündeten sind.

    72. Gebintit schrieb am 25. Oktober 2009 at 12:36 - Permalink

      @ Hohwacht (71)

      Du übersiehst hier eine Kleinigkeit: Deutschland ist ein Bündnispartner der USA und die USA die wichtigste Schutzmacht Israels. Ist doch logisch, dass du leichter Proteste gegen eine falsche Politik eines Bündnispartners mobilisieren kannst, als Proteste gegen Länder wie Iran oder Sudan, die sich durch solche kaum beeindrucken lassen.
      Aber wenn du schon Darfur ansprichst. Warum interveniert denn “der Westen” dort, oder im Kongo, nicht in gleicher Weise wie in Afghanistan? Doppelmoral ist i.d.T. sehr weit verbreitet. Und wenn du glaubst, dass “der Westen” in Afghanistan zur Verteidigung der Menschenrechte militärisch engagiert ist, dann bist du reichlich naiv.
      Wie wäre es damit, Menschenrechtsverletzungen anzuklagen, ganz unabhängig von Rasse, Religion oder sonstiger “Gruppenangehörigkeit” der Täter und Opfer? Das überfordert die meisten Nationalisten und dazu zähle ich auch Herrn Broder.

    73. Hohwacht schrieb am 25. Oktober 2009 at 12:18 - Permalink

      @Gebintit
      Ich bin gegen den Afghanistan-Einsatz, ganz klar.
      In einem “Staat”, in dem auch nach dem Taleban-Sturz noch solche Gesetze erlassen werden, haben westliche Soldaten nichts verloren. Und unerwünscht sind sie auch, das sollte man tatsächlich respektieren. Die muslimische Welt sollte ihre Probleme im allg. selbst zu lösen lernen.

    74. Lance schrieb am 25. Oktober 2009 at 17:37 - Permalink

      Wer Graumann zitiert um Broders Unfähigkeit zu beweisen, der macht einen großen logischen Fehler. Denn Graumann ist doch keinen Deut besser und wittert ebenfalls überall “Antisemitismus” und anti-israelische Verschwörungen.

    75. broderism schrieb am 26. Oktober 2009 at 14:18 - Permalink

      Schaut mal beim DLF in den Podcasts der Sendung “Kontrovers” vorbei,
      dort ist auch eine Sendung mit Broder, Titel der Sendung ist “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold”, zum Thema Sarazin. In der Sendung gehts heiss her, bis zum wilden Gekeife.
      Im Höhepunkt des Gekeifes wird die Sendung wegen Nachrichten unterbrochen mit dem Satz “Sie hören die Sendung Reden ist Silber, Schweigen ist Gold,…” das passt wie Faust aufs Auge.

    76. jj schrieb am 26. Oktober 2009 at 23:55 - Permalink

      Der Antisemitismus der Gegenwart ist die Islamophobie

      Wer so etwas schreibt, scheint sich wenig mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt zu haben.
      Sidenote: mit 18 dachte ich auch einmal ähnlich. Das ist aber lange, lange her, eine Zeit, in der beispielsweise viel Literatur gelesen und nachgedacht wurde.

      Nein, der Antisemitismus der Gegenwart ist der Antisemitismus der Gegenwart.

    77. Dan schrieb am 28. Oktober 2009 at 11:21 - Permalink

      “Die jüdischen Gemeinden in Deutschland wären gut beraten, die Lektionen der Vergangenheit zu verinnerlichen und jeglichem Hass den Nährboden zu entziehen, bevor er eine kritische Masse erreicht hat.”

      Ja, mit dem Jud’ hat es der Deutsche nicht leicht – weshalb er natürlich trotzdem keinesfalls Antisemit sein will. Auffällig ist aber tatsächlich die sonderbare Fixierung auf den Judenstaat Israel im “links-intellektuelle(n) Establishment“, jene konsequente und unkritische Parteinahme gegen Israel, die beim Spiegelfechter dazu führt, dass er die hiesigen Juden belehren möchte, sie mögen doch bitte mit ihren Solidaritätsbekundungen gegenüber Israel vorsichtig sein – gerade wegen ihrer Geschichte.

      Hier wird versucht, eine bizarre historische Parallele zwischen dem Nationalsozialismus und dem heutigen Israel zu ziehen – die man in den jüdischen Gemeinden bitteschön kritisch erkennen möge – mit der Folge, dass das damalige Opfer, der Jud’, heute in der Nähe qualitativ fast gleichwertiger Täter stehe.
      Diese (übrigens alles andere als “intellektuelle“) Haltung ist weit näher am “Rechtspopulismus” als Broder und Sarrazin. Diese “antizionistische Argumentation” finden Sie in gleicher Weise auf den Störtebeker-Seiten. Aber richtig – Antizionismus hat mit Antisemitismus natürlich nichts zu tun.

      Broder hat meines Erachtens nicht unrecht: Wenn 1.500 Tote eines israelischen Militärschlags wochenlang die Diskussion beherrscht, während im Kongo die Opferzahlen unbemerkt die 5 Mio überschritten haben, kann in der Wertung etwas nicht stimmen. Wenn sich die Öffentlichkeit lautstark empört über die Kriegsverbrechen Israels, das Krankenhäuser und Schulen bombardierte, aber schweigt, wenn die Sri Lankische Armee Krankenhäuser und Schulen bombardiert (und nebenbei ein Vielfaches an zivilen Opfern produziert), kann etwas nicht stimmen. Wenn Israel öffentlich unkritisiert “Völkermord” vorgeworfen wird, während im Südsudan Hunderttausende in einem unkommentierten echten Genozid verrecken, dann stimmt etwas nicht. Und wenn eine SZ über das “Münchhausen-by-Proxy-Syndrom” einer israelischen Mutter schon im Poltikteil berichtet, während Putsche und Massaker in Nebenrubriken abgehandelt werden, dann läuft etwas falsch.

      Dann mag es sein, dass es sich hier nicht mehr um eine “berechtigte Kritik” an Israel handelt (also den guten links-intellektuellen Antizionismus), sondern um eine fanatische, hasserfüllte Fixierung auf Israel – der vielleicht doch nur Antisemitismus ist.

    78. FreshD schrieb am 28. Oktober 2009 at 14:52 - Permalink

      Möglicherweise ist der Grund warum Linke oftmals so israelfeindlich sind ja nicht antisemitismus sondern eine starke Antipathie gegen Nationalismus. Dass der Nationalismus in Israel weitaus stärker ausgeprägt ist als in vielen anderen Ländern ist wohl kaum zu leugnen und natürlich in der leidvollen Geschichte begründet und durchaus nachvollziehbar. Aber Nationalismus trägt eben immer faule Früchte und da ist Israel nicht ausgenommen. Das Linke da stärker drauf reagieren, weil Nationalismus für sie ein sehr wunder Punkt ist, versteht sich fast von selbst.

      Möglicherweise stimmt ja auch bei manch einem linken Kritiker der Antisemitismus/anti-jüdischer Rassismus Vorwurf, das ist schwer zu beurteilen. Allerdings finde ich meine Erklärung logischer.

      Zur Bewertung der israelsichen Politik behalte ich selbst mir immer den Satz eines Isralelischen Ex-Premiers (hab vergessen wie er heißt) im Kopf: “Israel ist wie ein vergewaltigtes Kind, das seine eigenen Kinder schlägt”.

    79. Webbaer schrieb am 28. Oktober 2009 at 15:35 - Permalink

      Möglicherweise ist der Grund warum Linke oftmals so israelfeindlich sind ja nicht antisemitismus [1] sondern eine starke Antipathie gegen Nationalismus.

      Das ist der “Israel-Grund” (Israel so zu sagen als imperialistische Kolonie(was natürlich nicht stimmt)), dazu kommt noch die Assoziation “internationales Judentum-Geldgeschäfte-Kapitalismus” und als drittes gewisse ambivalente Gefühle bzgl. einer Über- oder auch Unterlegenheit der Juden (vgl. auch Sarrazins “IQ115″ – ethisch fühlt man sich ganz bemerkenswerterweise aber oft stark überlegen).
      Hoffen wir mal, dass “der Hass keine kritische Masse erreicht”, LOL.
      MFG, WB

      [1] In der Tat, Antisemitismus muss nicht vorliegen, Unverständigkeit liegt aus Sicht des WB oft vor. Mangelnde Empathie für ein Land in widriger Umgebung mit mächtigen Feinden. Zudem gibt es Mentalitätsunterschiede, die bei manchen unüberbrückbar zu sein scheinen.

    80. Dan schrieb am 28. Oktober 2009 at 17:16 - Permalink

      “Möglicherweise ist der Grund warum Linke oftmals so israelfeindlich sind ja nicht antisemitismus sondern eine starke Antipathie gegen Nationalismus.”

      Das passt ja nicht gerade zur vorbehaltlosen Solidarisierung mit ultra-nationalistischen palästinensischen Klerikalfaschisten, die nicht nur gegen Israel, sondern auch innerhalb Ihres Gaza-Streifens einen mörderischen Kampf um politische Privilegien führen. Aber “die Linke” (die sich selbst viel zu unkritisch als homogene Strömung von radikal-links bis gemässigt SPD-nah zusammenfasst) hatte schon viel zu oft wenig Probleme damit, sich ohne Rücksicht auf moralische Verluste mit Jedermann zu solidarisieren, der sich als Feind des eigenen Feindes gebierte.

      Ein sehr interessanter Artikel zum Thema findet sich in der jeglicher Nazi-Nähe unverdächtigen taz (nachdem auch der Spiegelfechter allzu leichtfertig mit dem diffamierenden Rücken politischer Gegner in das “rechte” Lager umgeht):

      “Ebendiese Rede von den eigentlich guten Zwecken des linken Terrorismus ist ein Missverständnis. Umgekehrt kommt man der Wahrheit näher, gerade mit Blick auf das Verhältnis der RAF und ihrer KaderInnen zu Israel und zum Mord an den europäischen Juden: In seinem Antizionismus verwischte der Linksterrorismus der Siebziger- und Achtzigerjahre die Grenzen zur Leitideologie der Vätergeneration – dem Antisemitismus. Um zu begreifen, wie es etwa dazu kam, dass 1976 ein deutsch-palästinensisches Terrorkommando im ugandischen Entebbe die Insassen eines gekidnappten Flugzeugs in Juden und Nichtjuden selektierte, muss man rund zwölf Jahre eher in die Geschichte einsteigen. Ausgerechnet das spätere moralische Gewissen der RAF, Ulrike Meinhof, umriss 1965 in der Zeitschrift Konkret ihre Gedanken über das Ende des Zweiten Weltkriegs, wie man sie heutzutage eher der Neuen Rechten zuordnen würde. Aufbauend auf ein Zitat des inzwischen verurteilten Holocaustleugners David Irving schrieb sie: “In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte: zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt.” Wie kann dieser Satz anders denn als Versuch gelesen werden, den Deutschen (während des und nach dem Nationalsozialismus) mildernde Umstände zuzusprechen? Dass diese Äußerung kein Ausrutscher war, zeigte Meinhof im Jahre 1972, als sie ähnlich argumentierte: “Ohne dass wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen – denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging -, können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren.” Meinhof, Ensslin, Baader und all die anderen: Man sah sich als Täter wie Opfer zugleich. Täter im Sinne des Kampfes gegen Imperialismus, Amerika und Zionismus – und Opfer, denn man solidarisierte sich mit Guerillagruppen in Südamerika, mit dem vietnamesischen Vietcong und antikolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika wie Südostasien. Ein simpler Dualismus charakterisierte die Weltsicht des neuen Antiimperialismus, dem sich auch die RAF angehörig fühlte: Hier die aufständischen Kontinente Afrika, Asien und Lateinamerika, dort die amerikanischen Aggressoren. Mit dem Sechstagekrieg 1967 wurde Israel in dieses Raster integriert. Der Zufluchtsort der Holocaustüberlebenden hatte sich gegen erneute Vernichtungsvisionen – diesmal arabischer Spielart – triumphal zur Wehr gesetzt. Der sich radikalisierenden Linken in Deutschland ging das eindeutig zu weit. In den Jahren zuvor, als der jüdische Staat aufgrund seines zarten Alters noch etwas wackelig auf den Beinen war, etablierte sich zwar das Gefühl moralischer Verantwortung Israel gegenüber. Ein Konsens, der so stabil nicht gewesen sein konnte. Denn in der Sekunde, als Israel seine Muskeln ausgepackt hatte, ohne die Welt um Erlaubnis zu fragen, meinten plötzlich viele Linke, in diesem Land einen Hort imperialistischer Sklavenhalterei erkennen zu können. Die ideologische Neusortierung von Opfern und Tätern, die Diffamierung des deutschen Schuldbewusstseins und die Vorurteilsperspektive Israel und seiner Bevölkerung gegenüber waren allerdings keineswegs alleinige Produkte verschrobener Stadtguerillas. Offensichtlich kamen Israels Kriege auch für RAF und Revolutionäre Zellen einer historischen Entlastung gleich. Im antiimperialistischen Korsett tilgten auch sie Schuldgefühle, indem die Opfer von damals erneut bekämpft wurden. Wie weit einzelne RAF-Mitglieder die zynische Opferumdeutung mit Hilfe einer allseits einsetzbaren NS-Schablone verinnerlicht hatten, brachte Ulrike Meinhof zum Ausdruck, als sie 1972 im Prozess gegen Horst Mahler ihre Haftbedingungen mit Konzentrationslagern verglich: “Jetzt reden wir mal von Köln-Ossendorf, das Lager, dessen Wahrzeichen ein Schornstein ist.” Antwortend auf die Frage nach einer Antisemitismusdefinition verfing sie sich schließlich in einer Teillegitimierung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Die Juden, so Meinhof, seien ermordet worden, “als das, was man sie ausgab – als Geldjuden. Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch.” Und weiter: “In diesem Antisemitismus, der ins Volk reinmanipuliert worden ist, war die Sehnsucht nach dem Kommunismus, die dumpfe Sehnsucht nach der Freiheit von Geld und Banken.” Die Flugzeugentführung von Entebbe 1976 und die Selektion der Passagiere in nationalsozialistischer Manier war letztlich nur praktische Konsequenz dessen, was in der Münchner Analyse Ulrike Meinhofs verewigt wurde. Dass innerhalb des PLFP-Kommandos mit Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann von den Revolutionären Zellen ausgerechnet zwei Deutsche federführend waren und auf der Liste der freizupressenden Terroristen mehrere RAF-Mitglieder zu finden waren, dürfte da kaum überraschen.” (www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/radikal-antijuedisch/)

      “Radikal antijüdisch” – nicht radikal antizionistisch …

      (Broder bezeichnete sich übrigens in einem Interview auf BRalpha als ehemaligen Linken – der mit dieser Linken brach, als man dem Schlächter Idi Amin Solidaritätsbekundungen brachte, gegen die israelische Piraterie, nachdem ein israelisches Kommandounternehmen 1976 in Entebbe eben jene selektierten Juden befreite …)

    81. Dan schrieb am 28. Oktober 2009 at 17:56 - Permalink

      Ein ebendort (taz) sehr lesenswerter Artikel setzt sich ebenfalls mit dem linken Antisemitismus auseinander:

      “Antisemitismus von links

      KOMMENTAR VON MARTIN ALTMEYER

      Dass sich in die Kritik an Israel antisemitische Stimmen mischen, sobald die Spannung im Nahostkonflikt steigt, ist als Befund nicht neu. Der Gazakrieg jedoch hat das gewöhnliche Ressentiment gegen die Juden in ungewohnte Höhen getrieben: Der anschwellende Antisemitismus kommt zunehmend aus der extremen Linken, wo er gerne als Antizionismus auftritt. So riefen zu Protestveranstaltungen gegen den Krieg neben palästinensischen und islamistischen Organisationen auch Gruppierungen aus dem linksradikalen Spektrum auf, die bekanntlich dazu neigen, Israel auf ihrer speziellen “Achse des Bösen” als Statthalter der imperialistischen USA, als Speerspitze des internationalen Finanzkapitals oder als rassistischen Apartheidstaat ins Visier zu nehmen.

      Wer sich immer noch mit dem “palästinensischen Widerstand” gegen die israelische Besatzungsmacht identifizierte, musste freilich die jüngere Geschichte ignorieren: Dass die radikalislamische Hamas Raketen hinterherschoss, als Israel den Gazastreifen räumte. Dass sie dort eine Scharia-Gesellschaft aufzubauen begann und die säkulare Fatah mit Gewalt vertrieb. Dass sie sich als Teil einer islamistischen Internationale begreift, die einen doppelten Feldzug führt: gegen Israel (dessen Existenzrecht sie nicht nur in ihrer Charta – einem einzigartigen Dokument des Judenhasses – bestreitet) und zugleich gegen den ungläubigen, moralisch verderbten, mammonistischen Westen.” (www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/antisemitismus-von-links/)

      Und die rechtsideologischer Umtriebe ebenso unverdächtige Seite nadir.org (www.nadir.org/nadir/periodika/tatblatt/151linkerantisemitismus.htm) verweist lobend auf … na wen, werter Spiegelfechter? – Henryk M. Broder und dessen Buch “Der ewige Antisemit”.

    82. FreshD schrieb am 29. Oktober 2009 at 10:13 - Permalink

      Dan,

      mit dem ersten Artikel den du reingestellt hast, bin ich völlig einverstanden. Deswegen habe ich ja auch ausdrücklich gesagt, dass sich unter den Linken (ohne das näher zu spezifizieren) durchaus auch Antisemiten tummeln können, die Israel sofort aus dem dem deutschen Täterkomplex heraus kritisieren, sobald Israel etwas ihrer Ansicht nach falsches tut. Nach dem Motto “ihr seid aber auch nicht besser” werden dadurch die Taten des WWII relativiert und das ist natürlich antisemitisch und zu verurteilen.

      Allerdings habe ich auch versucht zu differenzieren. Es gibt heute durchaus auch Menschen, die die Israelische Politik bewerten als ob Israel ein Land wie jedes andere auch wäre, ohne besondere Geschichte. Und wer links ist, wird trotzdem zum gleichen Schluss kommen wie antisemitisch motivierte Beobachter. Die Politik die Israel betreibt kann eigentlich von niemandem gut geheißen werden. Den sie ist nationalistisch und in Gaza sind Kriegsverbrechen geschehen. Das ist Fakt und das muss man auch sagen dürfen, ohne sofort als anitsemit dargestellt zu werden.

      Und das ist genau das Problem: Wenn Kritik an Israel geäußert wird, kommt immer dieses schwarz/weiß Denken auf das man im Kommentar von Martin Altmeyer sieht. Er behauptet einfach, dass Antisemitismus=Antizionismus ist. Um im nächsten Absatz zu sagen, dass man dann ja zwangsläufig für die Hamas ist und dass die ja noch viel schlimmer sind. Da kann doch keine sinnvolle Disskusion geführt werden, oder?

      Meiner Meinung nach macht es wenig Sinn im Nahostkonflikt sich grundsätzlich auf eine Seite zu stellen. Da keine von beiden Seiten es auch nur ansatzweise verdient hätte. Radikale Parteien beider Seiten vertreten teilweise Positionen, die berechtigt sind, verbinden das aber mit völlig unannehmbaren Ideologien. Und diese Verbindung von Ideologie mit berechtigter Kritik die zufällig ins Schema der Ideologie passt, hindert die inhaltliche Diskussion massiv. Deswegen halte ich auch so einfache Gleichungen wie Anitzionistisch=Antisemitisch für gefählich und sehr hinderlich. Weil dadurch auch qualifizierte Kritik entwertet wird über die man dringend reden müsste.

    83. FreshD schrieb am 29. Oktober 2009 at 13:29 - Permalink

      Verzeihung – der Verfasser ist “Dan”, nicht “FreshD” an den diese Antwort adressiert war (siehe unten)!

    84. Dan schrieb am 29. Oktober 2009 at 13:29 - Permalink

      @FreshD

      “Meiner Meinung nach macht es wenig Sinn im Nahostkonflikt sich grundsätzlich auf eine Seite zu stellen. Da keine von beiden Seiten es auch nur ansatzweise verdient hätte. Radikale Parteien beider Seiten vertreten teilweise Positionen, die berechtigt sind, verbinden das aber mit völlig unannehmbaren Ideologien.”

      Da stimme ich absolut zu.

      Zudem bin ich selbst mit der Palästinenserpolitik Israels keinesfalls einverstanden.

      Ich bin mir auch nicht sicher, ob Broder seinen Antizionismus = Antisemitismus-Vorwurf wirklich auch an jene adressieren wollte, die den Nahost-Konflikt kritisch, aber gegenüber allen Seiten, beobachten. (Zumal er selbst in seinem Buch “Die Irren von Zion” eine sehr kritische Position einnimmt.)

      Allerdings erleben wir eine differenzierte Berichterstattung viel zu selten. Die Süddeutsche Zeitung tut sich hier besonders negativ hervor, eine einseitige Berichterstattung zu pflegen. Es wäre nichts schlechtes, die Rolle Israels kritisch zu betrachten – sofern man die Rollen aller Beteiligten ebenso kritisch prüft. Der britische Independet berichtete dieser Tage über 4,6 Mio entrechtete Palästinenser in arabischen Staaten, denen nicht nur die direkten Bürgerrechte vorenhalten werden, sondern die z.B. im Libanon nicht einmal Grund erwerben dürfen bzw. früher erworbenen Grund nicht an ihre Kinder vererben dürfen. Warum wird das in deutschen Medien (oder Blogs!) nicht kritisch kommentiert. Die Südgrenze des Gaza-Streifens wird durch Ägypten kontrolliert, d.h. Hilfslieferungen werden auch dort unterbunden. Nichts davon liest man hierzulande. Übrigens ebenso wenig über die entschuldigenden Relativierungen der UN bezüglich der vermeintlichen Bombardierung einer UN-Schule im Gaza-Streifen (www.youtube.com/watch?v=TkQntoYLeQA).

      Meine Meinung ist: wer Israel oder den Juden eine Sonderrolle zuschreibt, indem besonders häufig und auffallend einseitig über Geschehnisse oder Konflikte berichtet, in denen Israel oder Juden eine Rolle spielen, muss sich fragen, ob es lediglich eine Zionismus-Kritik ist. Wer einer Geschichte über eine israelische Mutter mit Münchhausen-by-Proxy-Syndrom eine höhere politische Brisanz zuschreibt, als den fünf Millionen toten Zivilisten des kongolesischen Bürgerkriegs (wie es die SZ wirklich tat!), muss sich fragen, was hierdurch bewirkt werden soll – und ob dies wirklich nur “kritisch” ist. Wer vergleichbare Anschläge, Morde, Militäraktionen ungleich bewertet (Sri Lanka versus Gaza), muss seine Motive prüfen. Wer kritiklos den Ruf nach dem Boykott israelischer Produkte mitträgt, jedoch keinen Gedankengang daran verschwendet, auch Produkte solcher Länder zu boykottieren, die Teile ihrer Bevölkerung wesentlich brutaler und rücksichtsloser unterdrücken, als es Israel vorgeworfen wird, muss sich fragen lassen, um was es denn eigentlich geht. Und: wer durch wohlwollende Berichterstattung sichtlich Partei ergreift für ein inhumanes, aggressives Regime (wie den Iran oder die Hamas), nur weil dessen Gegner Israel ist, muss sich den Fragen nach der Unverrückbarkeit universeller Menschenrechte gefallen lassen.

      Wir erleben in Deutschland und Europa den Zusammenschluss einer unheimlichen Allianz aus Neonazis, Linken und Islamisten, die Israel zum globalen Bösewicht erhoben haben. Eine Bewertung die einer Überprüfung keineswegs standhalten würde – denkt man z.B. allein an die hunderttausende Opfer der russischen Tschetschenien-Politik oder die hunderttausende Opfer des sudanesischen Regimes.

      Es ist doch schierer Wahnsinn, dass die mörderischen, ultra-nationalistischen Klerikal-Faschisten der Hamas, die eine Ausrottung der Juden zum politischen Ziel erhoben haben, mancherorts höhere Sympathiewerte geniessen, als ein Staat, dessen 20% arabischer Bürger volle Rechte geniessen.

      Um den Kreis zu schließen: Wer seinen irrationalen Hass auf den Judenstaat Israel als “kritischen Antizionismus” aufhübscht, muss sich den Vorwurf des leidlich versteckten “Antisemitismus” gefallen lassen.

      PS Die Zeit druckte kürzlich eine höchst polemische “Rezension” eines Godhagen-Buches durch einen beleidigten Professor Welzer. Unter dem Foto Godhagens stand “der jüdische Schriftsteller Daniel Goldhagen“. Die Konfession Welzers blieb unerwähnt.

    85. Kati schrieb am 29. Oktober 2009 at 15:40 - Permalink

      Ist das hier jetzt die Zentrale der deutschen Sektion von AIPAC?

    86. Dan schrieb am 29. Oktober 2009 at 17:06 - Permalink

      @Kati

      was stört Sie? Der Austausch von Standpunkten – auch Diskussion genannt? Die Unverfrorenheit abweichender Meinungen?

      Das ist das Problem öffentlicher Blogs, dass es hier zuweilen widerliche Verstösse gegen kollektiv anerkannte “Gutsprech” und “Gutdenk”-Dogmen gibt.

      Und zum Thema “Antizionismus” das Gutdenk doch eindeutig bestimmt, dass die alleinige und umfassende Schuld an allen Misständen im Nahen Osten bei Israel zu suchen ist. Einzig und allein bei Israel!

      Und wer sich weigert, dieser Meinungsdiktatur blind zu folgen, der ist … äh … die deutsche Sektion von AIPAC! (Der ulkige Versuch einer Beleidigung; sicherlich wäre eine Verortung des Meinungsabweichlers an irgendeinem rechten Rand wünschenswerter gewesen, wenn dieser Meinungsabweichler nicht in seinen vorangegangenen Kommentaren auf die unheilvolle geistige Nähe der linken “kritischen Antizionisten” zu ihren rechten Brüdern im Geiste hingewiesen hätte …)

    87. Kati schrieb am 29. Oktober 2009 at 18:27 - Permalink

      Oooh, jetzt weint er…

      *tätscheltätschel*

      Hier, haste’n Lolli.

    88. Hohwacht schrieb am 29. Oktober 2009 at 19:17 - Permalink

      Wäre Israel kein mehrheitlich jüdischer Staat, würde er unsere linken Lieblinge so wenig interessieren wie Darfur.
      Linker Antisemitismus hat eine lange Tradition, aus dem jüdischen Finanzkapital, dem “Weltjudentum” ist jetzt eben “die Lobby” geworden.

    89. ppp schrieb am 29. Oktober 2009 at 20:04 - Permalink

      “Wäre Israel kein mehrheitlich jüdischer Staat, würde er unsere linken Lieblinge so wenig interessieren wie Darfur.”

      Wäre Israel kein mehrheitlich jüdischer Staat und seine Konfliktgegner keine mehrheitlich muslimischen Staaten würden sich die Leute wie du dafür so wenig interessieren wie für Darfur.

    90. Karl Heinrich schrieb am 29. Oktober 2009 at 21:03 - Permalink

      @Dan #80

      Die Juden, so Meinhof, seien ermordet worden, “als das, was man sie ausgab – als Geldjuden. Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch.” Und weiter: “In diesem Antisemitismus, der ins Volk reinmanipuliert worden ist, war die Sehnsucht nach dem Kommunismus, die dumpfe Sehnsucht nach der Freiheit von Geld und Banken.”

      http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/radikal-antijuedisch/

      Danke für den Hinweis auf diesen Artikel. Erklärt die fixen Ideen über Israel und die Aggressivität auch hier.

    91. Dan schrieb am 30. Oktober 2009 at 08:45 - Permalink

      @Kati

      auch eine – wenn auch ein wenig sonderbare – Art, einen Beitrag zu diesem Thema zu posten. Aber vielleicht liegt es ja an der konsequenten Vermeidung, sich mit der Komplexität des Konflikts angemessen auseinanderzusetzen, dass hierzulande ein solch eindimensionales Bild aufrechterhalten wird.

      Und nu komm. Behalt Dein’ Lolli, bind’ Dir Dein Pali-Tuch um und fühl’ Dich ganz doll solidarisch mit ‘nem echten Aufstand gegen Unterdrückung. Wer gegen Israel den Nationalismus-Vorwurf führt, sollte sich nicht einmal von dem Detail irritieren lassen, dass die Palästinenser einen ethnisch reinen Araber-Staat anstreben. Kein jüdisches Subjekt soll seinen Fuss auf diesen Boden setzen dürfen. Eine Idee, die man eine konsequente Fortführung der Tradition nennen könnte. Der Gründervater der Palästina-Idee war der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, der spätere Mentor Jassir Arafats. In den dreißiger Jahren war al-Husseini ein fanatischer Hitler-Bewunderer und enger Freund Adolf Eichmanns, dessen Idee der “Endlösung” er auch für den Nahen Osten empfahl. Arafat sandte seinem inzwischen verstorbenen Mentor noch 2002 Grußworte. (de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Amin_al-Husseini)

      Die Nachfolgeorganisaton der PLO, die Fatah, wird heute gerne als korrumpierte Marionettenpartei USIsraels geschmäht. Wahrscheinlich weil sie, anders als die iranisch finazierten Konfliktparteien Hisbollah und die Hamas, darauf verzichtet haben, an dieser “Endlösung” als politisches Ziel weiterhin festzuhalten. (www.thejerusalemfund.org/www.thejerusalemfund.org/carryover/documents/charter.html)

      Und hier bietet sich an, einen neuen Bogen zu schlagen – von den bewunderten palästinensischen Freiheitskämpfern der Hamas (wobei “Freiheit” hier sehr relativ zu sehen ist) zu deren Förderer, dem von links bis ultrarechts bejubelten iranischen Führer Mahmud Ahmadinedschad, der den Juden endlich mal so richtig die Meinung geigt.

      Wie verstörend, dass die antizionistische Linke mit Ahmadinedschad ins Bett springt, dem Führer eines klerikalen Landes, dass so überhaupt nichts mit modernem Sozialismus zu tun hat, ebenso wie diese Linke der Hamas zujubelt, die ausser dem Kampf gegen Israel zu frönen, im Gaza-Streifen ein brutales klerikal-faschistisches Unterdrückungsregime führt. Dass die deutschen Nazis mit Ahmadinedschad und der Hamas sympathisieren, das ist ja noch zu verstehen. Aber die Linke …?

      Kati, sie warfen den Kampfbegriff AIPAC in den Ring: Warum drängt es die halbe Nation, sich – ausgestattet mit solchen Kampfbegriffen – immerfort zum Thema “Israel” zu äussern, während sich kaum einer gemüßigt fühlt, über den Genozid im Südsudan auch nur beiläufig ein Wort zu verlieren?
      Es ist eine pathologische antizionistische Inkontinenz – bei der hinten typischer Weise eine braune Soße rauskommt …

    92. FreshD schrieb am 30. Oktober 2009 at 12:13 - Permalink

      Hm, falls jemand lust hat sich meinen Artikel von gestern morgen anzuschauen: Das was danach an “Diskussion” hier stattgefunden hat, ist genau der Bullshit von dem ich weg wollte. War wohl doch nur ein dumpfes Rufen im Walde.

      Dan ist der Arsch von der Pro-Israel Lobby und Kati soll sich n Palituch umbinden. So kommen wir natürlich weiter.

      Keep Debating!

    93. H.H.Schmidt schrieb am 31. Oktober 2009 at 11:29 - Permalink

      Der Politclown gibt kampflos auf und bezichtigt andere, eigentlich wie immer

      Der Publizist Henryk M. Broder verzichtet auf eine Kandidatur für den Vorsitz des Zentralrats der Juden. Seinen Rückzieher begründete er damit, dass Deutschland zwar “Unruhestifter, Querdenker und Seiteneinsteiger” liebe, “aber nur so lange, wie sie darauf achten, dass alles so bleibt, wie es ist”.

      hier die ganze Kapitulationserklärung

    94. Lui schrieb am 31. Oktober 2009 at 12:37 - Permalink

      Der Artikel gibt gut wieder was leider zu häufig in unseren oft oberflächlichen Medien übersehen wird. Wer Embroders Kommentare öfter verfolgt hat wird merken, dass er nichts anderes ist als ein publizistischer Egoshooter. Er schreibt um seiner Selbst willen, publizistische Masturbation wenn man so will. Er ist in der Lage das Fremdwortlexikon sinnvoll anzuwenden und ähnlich wie Bild populistisch zu verwursten – leider nie fundiert begründet oder mit Hintergrund unterlegt.

      Es hat nichts mit Querdenken zu tun. Wer in heißer Luft einen nennenswerten Kaloriengehalt erwartet wird auch Embroders Kommentare aufschlussreich finden. Seine literarischen Karikaturen sind dabei oft so verkrampft und offensichtlich ausschließlich Beifallsheischend das die Aussage die er, bei allem Wohlwollen vielleicht machen möchte, vollkommen auf der Strecke bleibt. Er gewinnt dabei leider nie die Originalität eines Küppersbusch oder ähnlich bildhaft formulierender Kollegen. Die Aufmerksamkeit die er leider dabei in den Medien bekommt, ist dem gleichen Grund zu schulden wie den nackten Frauen bei Bild. Er ist in der Lage zu polarisieren, es gibt eben ne Menge Leute die das Bild/den Artikel zur Selbstbefriedigung brauchen und welche die sich darüber aufregen. Was beiden bleibt ist leider nie etwas Greifbares. Ein in meinen Augen komplett überschätzter Egomane.

    95. Gebintit schrieb am 31. Oktober 2009 at 22:06 - Permalink

      @93

      [..] begründete er damit, dass Deutschland zwar ?Unruhestifter, Querdenker und Seiteneinsteiger? liebe, [..]

      Broder ist eher ein Querschläger, als ein Querdenker. Ein herumirrendes Geschoss.

    96. Centaurium schrieb am 1. November 2009 at 09:19 - Permalink

      So, jetzt habe ich mich zwei Stunden per Internet “weitergebildet” und bin bei Gebintits Quintessenz angekommen, konnte in mich hineinlachen und sehe guter Dinge dem Sonntag entgegen. Danke!!!

    97. Lago schrieb am 1. November 2009 at 09:28 - Permalink

      @Karl Heinrich

      Eine gefährliche Verkürzung! Daraus lässt sich nämlich ganz schnell ein geradezu klassisch-antisemitisches Argument ableiten:

      “Der Antisemitismus ist im Kern Antikapitalismus, das erklärt den Antisemitismus der Linken.”

      1. Indiz für antisemitische Argumentation: Instrumentalisierung des Judenhasses für ein anderes Ziel, hier die “Verteidigung des Kapitalismus”, nach einem deutschen Wirtschaftswissenschaftler: Im dritten Reich waren es die Juden, heute sind es die Banker.

      2. Indiz: Cui bono. Da nach nationalsozialistischer Lesart die Linken Kommunisten – und die Kommunisten wiederum Juden – ist der Antisemitismus also dazu da, den Kapitalismus zu verunglimpfen, um den Kommunismus und damit die jüdische Weltherrschaft zu sichern.

      Bereits das erste Argument legt nahe, dass z.B. die Judenvernichtung der Nazis eigentlich gar nicht gegen die Juden, sondern als politisches Mittel für irgendetwas anderes gedacht werden muss. Klassisch antisemitischer Stoff. In Kombination mit 2 ergibt sich eine klassische antisemitische Verschwörungstheorie.

      ps. Zu dem taz-Artikel sag ich mal nichts, der ist einfach eine Katastrophe. Als sei das Problem des “linken Terrorismus”, dass er antisemitisch war. Das ist ungefähr so, als verurteile man einen Verhörenden, der einem Gefangenen mit bloßen Fäusten die Zähne ausgeschlagen hat, wegen Missachtung hygienischer Bestimmungen (Nicht-Tragen von Handschuhen) …


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