Kriegsgrund Petrodollar?
06. April 2007 von Spiegelfechter - Drucken
In Blogs, Foren und alternativen Newsseiten taucht immer wieder der Petro-Dollar als „wahrer“ Grund für einen möglichen Waffengang seitens der USA gegen Iran auf. Diese Argumentation hat gewissermaßen eine Tradition und wurde bereits als „wahrer“ Grund für den Überfall des Iraks genannt. Was damals falsch war ist heute nicht richtiger.
Der Petrodollar
The point was not that the US dollar became a “petro” currency. The point was that the reserve status of the dollar, now a paper currency, was bolstered by the 400% increase in world demand for dollars to buy oil.
F.W. Engdahl
Seit Jahrzehnten wurde Öl traditionell in Dollar gehandelt - dies hatte seine guten Gründe und war für die USA und auch für die ölimportierenden Länder durchaus von Vorteil. Ein Staat, der wichtige Ausgaben in einer Währung tätigt, muss seine Landeswährung nur gegen diese eine Währung gegen Kursschwankungen absichern, was wesentlich effektiver ist, als sich gegen mehrere Währungen absichern zu müssen. Auch Kredite der Weltbank und des IWF werden in Dollar ausgestellt und zurückbezahlt wodurch besonders ärmere Länder gezwungen werden, sich gegen Währungsschwankungen zum Dollar abzusichern. Das wichtige Importe auch in Dollar verrechnet werden macht da Sinn. Durch die Globalisierung und das exorbitante Handelsdefizit der USA hat sich die Bedeutung des Petrodollar als Stütze des Dollars allerdings marginalisiert. Die großen Ölimporteure haben mehr Dollar in ihren Reserven als es ihnen lieb sein kann und haben eher Sorgen davor, daß der Dollar noch mehr an Wert verliert.
Angebot und Nachfrage - eine simplifizierte Erklärung
Devisenkurse werden, wie alles, das auf Märkten gehandelt wird, durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ein Geschäft in Dollar, das von zwei Staaten durchgeführt wird, kann unabhängig von der Transaktionswährung Dollar den Dollarkurs stärken, schwächen oder gar nicht beeinflussen. Tauscht z.B. Ungarn eine gewissen Menge Forint in Dollar um in Algerien Öl zu kaufen, so wird der Dollarkurs zunächst steigen (Nachfrage nach Dollar). Wenn Algerien diese Dollar in der USA anlegt, bleibt es auch dabei, wenn Algerien allerdings die Dollar in die eigene Landeswährung umtauscht oder im Euroraum investiert, werden diese Dollar wieder auf den Markt geschmissen (Angebot an Dollar steigt) und die Transaktion hatte keine Auswirkungen auf den Dollarkurs.
Warum ein Ölhandel in Dollar den Dollarkurs schwächen kann
As anyone familiar with the Organization of Petroleum Exporting Countries will know, the denomination of oil sales in currencies other than the dollar is not a new subject, and as anyone familiar with economics will tell you, the denomination of oil sales is merely a transactional issue: what matters is in what assets (or, in the case of the United States, liabilities ) these proceeds are then invested.
Chris Cook
Wenn Iran China Öl verkauft, so nimmt China das Geld dafür aus einem Devisenkorb, der dank der exorbitanten Exporte in den Dollar- und Euroraum prall gefüllt ist - zu prall, wie viele meinen. Dieses Geld “lagert” in Chinas Reservebanken und ist dem Markt entzogen. Wenn China nun 1 Mrd. US$ an Iran bezahlt und dieser das Geld in seiner Reservebank lagert, so hat sich am Angebot-/Nachfrageverhältnis nichts geändert. Entscheidend ist vielmehr was der Verkäufer mit dem Geld macht. Wenn Iran die 1 Mrd. US$ in Euro umrubelt, so wird de facto der Euro gestärkt (Nachfrage nach Euro steigt/Angebot an Dollar steigt). Ein Dollarhandel, bei dem ein Staat seine Reserven abbaut (China, Taiwan, Südkorea, Japan, der Euroraum) und der Verkäufer die Dollar in eine andere Währung umtauscht, schwächt also den Dollar. Wenn Iran jetzt nur Euro akzeptieren würde und diese Euro nicht umrubeln würde, so bliebe dies ein Nullsummenspiel ohne Auswirkungen auf die Währungen. Ein Staat wie Iran, der von den USA sanktioniert wird, tut natürlich gut daran keinen Dollar zu akzeptieren sondern Euro. Das ist auch der Grund warum “Feinde” der USA keinen Dollar wollen und nicht der Auslöser, warum die USA diese Staaten überfallen oder sanktionieren, so wie es Clark und Co postulieren. Hier wird eine Ursache-Wirkung Kausalität konstruiert, die nicht haltbar ist.
Ausnahmen
Länder, die die Devisen für Energieimporte nicht besitzen, also deren Handelsüberschuss zum Euro-/Dollarraum kleiner ist, als die Summe, die dieser Staat für Energieimporte aufbringen muss, müssen sich diese Devisen auf den Finanzmärkten besorgen, was zu einem Nachfrageplus führt und die betreffende Währung stärkt. Dies trifft aber eher auf kleine Staaten zu, die großen Energieimporteure haben allesamt genug Reserven und Überschüsse aus denen sie die Energieimporte bezahlen können, so Irans Top-Handelspartner China, Südkorea, Japan, Taiwan und Italien. Und letztendlich entscheidet auch hier der Exporteur über die Auswirkung auf die Transaktionswährung.
Was den Dollar gefährden kann
So today, at least for the present, there are no signs of Japanese, EU or other dollar holders engaging in dollar-asset liquidation. Even China, unhappy as it is with Washington’s bully politics, seems reluctant to rouse the American dragon to fury.
F.W. Engdahl
Eine echte Gefährdung für den Dollar bestünde natürlich, wenn die Ölexporteure ihre Öleinnahmen (gleich in welcher Währung) nicht mehr in den USA anlegen würden. Wallstreet ist natürlich ein Magnet für saudische Ölmilliarden und nicht nur für diese. Wenn z.B. durch einen Crash, der durch die Immobilienblase ausgelöst wurde, der amerikanische Finanzmarkt an Attraktivität verlieren würde und Geld in signifikanten Maße in andere Währungsräume fliessen würde, so hätte dies starke Auswirkungen auf den Dollarkurs. Das US-Handelsdefizit wird eigentlich nur noch durch Kapitalimporte halbwegs ausgeglichen, wenn diese wegfielen, hätten die USA ein echtes Problem.
Die grüne Atombombe
Die zweite Gefährdung ist eher abstrakt. Natürlich könnte China mit nur 4 Worten die USA in ihren Grundfesten zerstören “Sell all Dollars now!”. Aber die Chinesen wären ziemlich dumm, wenn sie dies täten, würden sie damit doch den dukatenscheissenden Esel schlachten. China lebt von seinen Exporten und legt großen Wert darauf, daß sich dies nicht ändert. Außerdem wäre ein großangelegter Dollarverkauf der chinesischen Reservebanken schlichtweg eine Kriegserkärung gegen die USA. So sind die chinesischen Dollarreserven eine grüne Atombombe. Sie einzusetzen wäre verheerend, aber der Einsatz würde die eigene Nation zerstören. So bleibt die grüne Atombombe in den Panzerschränken der chinesischen Reservebanken - als Abschreckung, die die USA von irgendwelchen Dummheiten gegenüber China abhalten wird.
Iranische Ölbörsen und der IOB-Hoax
Vor rund einem Jahr tauchten inflationär Meldungen in Foren und Blogs auf, die die geplante Iranische Ölbörse als „ultimative“ Bedrohung für die Stabilität des Dollars ausgemacht haben wollten. Diese Meldungen kann man als Hoax einstufen, der willfährig von Edelmetallspekulanten und ihren Newslettern weiterverbreitet wurde und in vielen alternativen Medien aufgegriffen wurde. Mit Erstaunen mußte ich jüngst feststellen, daß dieser Hoax immer noch nicht tot ist sondern wieder aufgefrischt wird. Daher greife ich im folgenden einen alten Beitrag von mir aus dem TP-Forum auf:
Die IOB
Die IOB als solche ist/war eine sehr gute Idee, die auf den Ideen von Chris Cook (dem ehemaligen Chef der Londoner Ölbörse IPE) basiert, eine Handelsplattform zu entwickeln, die den Produzenten und Kunden gehört und an der Preisfindungsmechnismen und Handelsformen eingeführt werden, die den Produzenten und Kunden Vorteile verschaffen, da Spekulanten und Investmentbanken keine Profite über die Handelsmechanismen “erwirtschaften” können. (1)
Auch war die IOB nicht als iranische Börse geplant, sondern als Handelsplattform für die ganze Region. Die IOB war keinesfalls angelegt, um den Dollar als Öltransaktionswährung in Frage zu stellen, zumal die direkten Effekte der Markerwährung auch irrelevant sind. (2)
Das Iran, sich wesentlich später auf den Euro als Markerwährung entschied (was nicht wirklich verifizierbar ist) ist vor allem im Sinne Irans und durch die bestehenden Sanktionen der USA gegen Iran bedingt. Die Hauptabnehmer Irans sind China, Taiwan, Japan und Südkorea - Länder die Dollarreserven en masse haben und teilweise (China hat dies angekündigt) in Zukunft die Währungsreserven weg vom Dollar hin zum Euro umschichten wollen. Für dieses Anliegen ist eine Transaktionswährung Euro eher kontraproduktiv.(3) Für einen Erfolg der IOB wäre es unerlässlich, daß andere Produzenten ebenfalls über die IOB handeln, dies ist momentan unwahrscheinlicher denn je, da sowohl Norwegen als auch Dubai an Konkurrenzbörsen arbeiten und diese beiden Länder für Verkäufer und Käufer sicherer und attraktiver als Iran sind. Während Norwegen anscheinend den Ideen von Chris Cook Spielraum gewährt, ist die DME eine 50% Tochter der New Yorker NYMEX, also sind sowohl ein Dollarmarker als auch altbewährte Handelsmechanismen wahrscheinlich. (4)
Ob die IOB jemals realisiert wird ist momentan eher unwahrscheinlich - eine Börse ohne Händler und Kunden ist keine Börse. Keine Ölhandelsfirmen sind an dieser Börse akkreditiert und Iran ist ein unsicherer Finanzplatz - zudem ist die reale Mengen, die gehandelt werden kann zu gering um Liefergarantien zu gewährleisten, die über Erfolg und Misserfolg einer solchen Börse entscheiden. (5)
Der Mythos IOB
Die mythischen Geschichten der IOB basieren im wesentlichen auf einem Bericht von William Clark, der (nach dem Irakkrieg) einen Aufsatz und mehrere Bücher veröffentlichte, die den Euro als “neue” Ölexportwährung Iraks als “wahres” Kriegsziel der USA erklärte. Eine These, die ein keinster Weise haltbar ist, sich aber in den alternativen Medien toll verkauft hat; das Buch scheint auch recht erfolgreich zu sein. Nun wollte er wohl den Erfolg steigern und ergänzte sein falsche ex-post Analyse des Irakkriegs mit einer falschen ex-ante Theorie über einen spekulativen Irankrieg. (6) (7)
It is therefore with wry amusement that I have seen a myth being widely propagated on the Internet that the genesis of this “Iran bourse” project is a wish to subvert the US dollar by denominating oil pricing in euros.
Chris Cook - Initiator der IOB
Der Auflage wird es geholfen haben. Zwei Autoren (Straka und Petrov), die beide keine Fachleute für Währungsfragen und Ölhandel sind, griffen diese Theorie auf und schon war das Lauffeuer nicht mehr zu stoppen. Aus dem bulgarischen Hiwi Petrov, der sich eigentlich mit dem europäischen Milchmarkt beschäftigt wurde schon mal ein russischer Öl-Experte. Über Blogs und Medien, die sich mit Gold und Goldanlagen beschäftigen, wurden diese Geschichten weiter publiziert. Klar - wer kein Vertrauen zum Dollar hat, weicht auf Goldanlagen aus. Die Goldhändler haben sich die Hände gerieben.
Jens Berger
Posted in Ausland, Grundlagen, Iran, USA, Wirtschaft |






































































The point was not that the US dollar became a “petro” currency. The point was that the reserve status of the dollar, now a paper currency, was bolstered by the 400% increase in world demand for dollars to buy oil.














Eine kleine Anmerkung hätte ich da: Du hast imho sehr schön erklärt, wie und inwieweit die Abwicklung von Ölgeschäften in Dollars den Dollar (und somit die US-Wirtschaft) schwächen KANN (aber nicht muss, denn sicherlich würde Öl schon lange nicht mehr in Dollar verkauft werden, wenn das den Dollar definitiv schwächen würde). Um das Ölgeschäft als Kriegsgrund aber definitiv ausschließen zu können, müsstest du vielleicht auch erklären, weshalb ein Handel in Euro oder einer anderen Währung den Dollarkurs weniger oder gar nicht schwächen sollte (und somit den Amis tatsächlich weitestgehend sonstwo vorbeigehen könnte). Denn allein die Tatsache, dass der Handel in Dollar den Kurs AUCH schwächen KANN, sagt ja noch nichts darüber aus, ob und inwiefern ein Handel in einer anderen Währung diesem eventuell mehr schaden könnte.
Österliche Grüße und einen schönen Urlaub wünscht - das lily.
Man sollte diese Betrachtung nicht nur unter diesen schmalen Focus sehen. Es geht dem Dollar überall an den Kragen und da müssen die Schäfchen schön beieinander gehalten werden. Allein ausschlaggebend war das Ausscheren des Iraks aus dem Dollar sicherlich nicht. Aber es war ein Mitgrund. Auch das Geheimhalten der M3 Geldmenge seit März letzten Jahres birgt Sprengstoff.
Man beachte auch die Aussagen von Ron Paul (Republikaner aus Texas) in seiner Rede vor dem US-Repräsentantenhaus am 15.2.2006. Man beachte auch seine Anmerkungen zum Petrodollar:
wertpapier...
Ich bitte die Bedenken des Posters zum Übersetzer zu beachten.
Ebenfalls österliche Grüsse ins Blog sendet Bolli
PS das ist doch Wordpress - gibt es denn keine Formatierungsmöglichkeiten im Reply aka BB-Codes? Noch schöner wäre eine Previewmöglichkeit.
@lily
Sicher trifft es nur einige Ölgeschäfte zu, daß deren Transaktion in Dollar, dem Dollarkurs eher schaden als nutzen. Aber dies alles ist mE auch eher nebensächlich, da man den Fokus wirklich auf den entscheidenden Punkt legen sollte und das ist der Umstand was der Ölverkäufer mit den Deviseneinnahmen macht. Dies war bei Saddam und auch bei Iran sicher nicht das direkte Investment bei der Chase-Manhattan ;-)
Wir sprechen hier bei Iran über “Petitessen”. Iran hat lt. CIA-Worldbook Währungsreserven iHv 58 Mrd $ von denen lt. Eigenangaben jetzt schon unter 20% in US$ notiert sind und es wird angestrebt diesen Anteil noch weiter abzubauen. Die Handelspartner Irans sind ferner vornehmlich Länder mit großen Dollarüberschüssen und bezahlen bereits jetzt größtenteils in Euro.
Einen Casus Belli sehe ich hier also auf keinen Fall.
@bolli
-> Irak: Man sollte Iraks Aussenhandelsgeschäfte ganz sicher nicht überschätzen. Das Land stand seit Jahren unter Sanktionen und durfte sein Öl eh nur gegen Vouchers verkaufen und da es wie gesagt viel wichtiger ist, was der Verkäufer mit dem Geld anstellt und die Transaktionswährung eher irrelevant ist, spielt der Petrodollar in diesem Falle gar keine Rollen. Saddam wird seine Öleinnahmen ganz sicher nicht bei amerikanischen Banken in Dollar angelegt haben sondern andere Währungen und Finanzplätze bevorzugt haben.
-> M3: M3 wird von der FED zwar nicht veröffentlicht aber auch keinesfalls geheimgehalten. Mit den offiziell publizierten Zahlen, kann sich jedermann M3 selbst zusammenrechnen.
-> Ron Paul: Paul vertritt v.a. in Währungsfragen recht “ungewöhnliche” Ansichten. Seine Analysen zum Petrodollar/-euro stehen im (teilweise krassen) Widerspruch zu den Aussagen und Analysen von Spezialisten auf diesem Gebiet, wie z.B. F.W. Engdahl.
-> BB-Code: HTML-Tags werden unterstützt, als Formatierung sollte das reichen, eine Preview wäre allerdings idT sehr sinnvoll. Ich werde mal schauen was sich da machen lässt - irgendwelche passenden Plugins wird es sicherlich geben.
@ Spiegelfechter:
Dafür, dass das alles so nebensächlich sein soll, hast du doch ziemlich viel Mühe und Zeit aufgewendet, um darüber zu berichten ;o)
Nein, ich halte das Thema Öl in Bezug auf die Konflikte im Nahen Osten keineswegs für nebensächlich. Sicher ist es platt, zu sagen, die USA führten dort “des Öls wegen” Krieg. Aber Tatsache ist nun mal, dass am Öl die Weltwirtschaft und somit auch der Wohlstand der Industriemächte hängt - und je mehr die Ölvorräte weltweit schrumpfen, desto abhängiger werden mächtige Nationen von einigen wenigen anderen und das möchte kaum eine Großmacht dauerhaft so belassen.
Man darf beim Thema Öl nicht vergessen, dass dieses bei Weitem nicht nur einen wirtschaftlichen Faktor parat hält, sondern ebenso einen machtpolitischen, strategischen, ja sogar psychologischen. Und genau diesen Punkt blendest du aus, wenn du meinst, da “auf keinen Fall” einen Casus Belli zu sehen. Meine Meinung.
@lily
Um Himmels Willen! ;-)
Natürlich ist Öl extrem wichtig und die Triebfeder hinter der Nahostpolitik der USA und auch anderer Staaten, wie Russland, China oder der EU.
Nur mit Währungskursen hat es weniger zu tun, als “allgemein” gedacht wird. Ein Casus Belli ist und war Öl auf jeden Fall!
Huch? Da muss ich aber gründlich was missinterpretiert haben - wahrscheinlich deshalb, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass jemand, der an Öl als Krieggrund denkt und das auch sagt, nur allein den Petrodollar im Blick haben könnte. Gibts da Links zu diesen Blogs? Also wenn ich Öl als Kriegsgrund favorisiere, dann sicherlich nicht bloß wegen dem Petrodollar, sondern vor allem wegen seines Stellenwertes in Sachen Industrie und Vormachtstreben. Wobei ich aber dennoch denke, dass es auch nicht unbedingt von VORTEIL für die USA wäre, würde Öl in Euro oder irgendeiner anderen Währung gehandelt.
Casus Belli sehe ich hier eigentlich mehr darin, dass der Iran irgendwann - gerade im Zuge der jüngsten Konflikte mit dem Westen um die Politik Israels und das Atomprogramm des Iran - seine Ölpolitik überdenken könnte. Vielleicht nicht DER Kriegsgrund, aber doch schon ein positiver Nebeneffekt, den so ein Krieg mit sich bringen könnte. Gerade ein Wechsel bei einem so wichtigen Wirtschaftzweig wie der Ölbranche könnte durchaus eine Initialzündung in Sachen Weltleitwährung auslösen - und eine Weltleitwährung Euro würde den USA in der Tat ´mehr schaden als nützen. Der Dollar ist hauptsächlich deshalb Weltleitwährung WEIL der weltweit wichtigste Industrierohstoff Öl in Dollar gehandelt wird. Die Schuldenwirtschaft der USA finanzierte sich in den vergangenen 20-30 Jahren doch hauptsächlich aus der langfristigen Annahme, dass der Dollar unanfechtbar sei (eben Weil Öl darüber gehandelt wurde) - das in Erscheinungtreten des Euro hat diese Annahme doch maßgeblich ins Wanken gebracht. Also ich sehe da durchaus einige Gründe, weshalb die USA Öl doch zukünftig lieber in Dollar als in Euro gehandelt sehen sollten.
@lily
Oh ja, diese Mähr ist sogar sehr populär in gewissen Kreisen. Da wären zunächst die “Freigeldler” (Sytemkritik) und die “Antisemiten” (Die “Großfinanz” steckt dahinter) und natürlich vor allem die Edelmetallbroker und -investoren.
Google mal nach “Petrodollar”, “Straka + Dollar” und “Petrov + Dollar” - Du wirst feststellen, daß die Mähr sehr viel Anklang findet und u.a. sogar in der Wiki weiterverbreitet wird.
Was die Implikationen aus der Währung Dollar im Weltölmarkt angeht, so empfehle ich Dir den verlinkten Artikel von Engdahl, der die Bedeutung des Ölhandels auf die Stärke des Dollars doch arg relativiert.
Das es für die USA prinzipiell nicht von Nachteil ist, daß Öl in Dollar gehandelt wird, steht sicher außer Frage obgleich es natürlich handfeste Nachteile gibt, so ist man nicht mehr Herr seiner eigenen Währung und ist arg in den finanzpolitischen Schritten der FED beschnitten. Die USA wollen es mit ihrer Harakiri-Währungspolitik auch nicht anders. Für die EU wäre eine Weltreservewährung Euro jedenfalls eher Nachteil als Vorteil.
re Spiegelfechter:
Engdahl geht imho überhaupt nicht auf die Problematik der unintendierten Handlungswirkungen ein, die die jahrzehntelange Maßlosigkeit, das Leben auf Pump auf der Basis der Annahme der Unanfechtbarkeit des Dollar heute nach sich ziehen. Die hohe Schuldenlast der USA, die sich im Grunde nur deshalb irgendwie tragen lässt, weil der Dollar Weltleitwährung ist, wird unterschätzt. Der Euro gewinnt international ohnehin zunehmend an Bedeutung, es ist Tatsache, dass die Bedeutung des Euro als Reservewährung gegenüber dem Dollar stark zugenommen hat. Und wirft man mal einen Blick auf die Statistik, so lässt sich erkennen, dass der Afghanistankrieg und besonders der Irakkrieg zu einem sprunghaften Wiederanstieg der Bedeutung des Dollar als Reservewährung geführt haben und zwar um 18,5% vom 1. Quartal zum 4. 2003 (zum Vergleich: zwischen 1. und 4. Quartal 2002 betrug der Anstieg lediglich noch magere 6%, in 2001 sogar nur 3%).
imf.org/ex... .
Die Kriegsaktivitäten haben also schon dazu geführt, dass der Dollar seinen Bedeutungsverlust als Weltleitwährung gegenüber dem Euro zumindest drastisch vermindern konnte. Also einen Zufall würde ich nicht nennen wollen.
@lily
Weltleitwährung ist der Dollar primär wegen des Quasi-Monopols der US-Finanzmärkte. Die USA importieren Unmengen an Kapital auf diesen Weg. Ca. jeder zweite Euro, den Du bei Deiner Bank anlegst landet im Dollarraum. Das ist ihre “Deckung” - das Vertauen in das amerikanische Finanzsystem, nicht mehr aber auch nicht weniger.
Die Bedeutung des Dollars seit 2002 ist mE kaum mit den Kriegen in Verbindung zu bringen. Sicher, Geld das ins Militär gepumpt wird und das auf Kredit finanziert ist, hat andere volkswirtschaftliche Implikationen als z.B. eine strenge Fiskalpolitik. Aber es sind ja nicht nur die Kriege. Die USA produzieren Jahr für Jahr weniger, importieren mehr und verdienen(!) blendend - das dies nicht die untern 60% betrifft ist klar. Zynisch oder nicht, so ist das US-System halt. Für die Schräglage sind jedenfalls die Kriege lediglich mitverantwortlich aber keinesfalls ein signifikanter Grund.
Deine Folgerungen aus der genannten Statistik korrelieren zwar mit dem Krieg sind aber nicht kausal erklärbar. Sonst müsstest Du mir schon Zahlen nennen, wer 2003 verstärkt in Dollar angelegt haben sollte.
Es ist eher erstaunlich, daß bei M3-Zuwachsraten von über 10% die Weltdollarreserven 2002 so stark zurückgingen. Aber andere Faktoren, wie das explodierende Handelsbilanzdefizit, eine boomende Weltwirtschaft und nicht zuletzt steigende Ölpreise (mehr durch China/Indien als durch den Irakkrieg) sind handfeste Gründe für eine Steigerung im Jahr 2003. Die Euroreserven sind 2003 übrigens auch um über 13% gestiegen - die 5% Defizit zur USA haben viele Gründe.
Aber ich sehe schon - ich sollte mehr Artikel dieser Art verfassen, das gibt immer interessante Diskussionen ;-)
Iranische Ölbörsen und der IOB-Hoax
Das glaube ich gar nicht. Wie berechnet sich der Wert des Dollars?
Warum braucht die Welt die Dollars?
Was wäre wenn der Petrorubel kommt?
Wer dies verstehen will muss wohl oder übel die Freiwirtschaft verstehen wollen.
freigeldpr...
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Der Wert jeder Währung beruht auf Glauben und Vertrauen.
So lange man Vertrauen in die Wertstabilität einer Währung hat, wird es jemanden geben, der einem dafür etwas materielles gibt.
Und “dank” F-16, x-Trägergruppen, der Wallstreet, IMF etc hat die Welt halt (noch) Vertrauen in den Dollar. Das wird sich mittel- bid langfristig ändern … was sich aber dramatischer anhört, als es ist.
Nun,hier wird irgendwie nicht beachtet,daß der Dollar nicht sofort umgetauscht wird umittelbar nachdem man ihn eingenommen hat.Wäre das der Fall,hätte die Tatsache,daß Rohstoffe in Dollar gehandelt wären tatsächlich keine großen Auswirkungen auf den Dollarkurs.Da er aber deswegen auch eben als Reserve dient,ein Land also immer einen gewissen Vorrat an Dollars anlegt(oft weit mehr,als für Transaktionen benötigt werden),hat eben doch eine nachfragesteigernde Wirkung.Und die geht verloren,wenn der Euro zunehmend als Alternative an Bedeutung gewinnt und künftig auch Rohstoffe in dieser Währung gehandelt werden,werden auch die Devisenreserven entsprechend umgeschichtet werden.
Und der Irakrieg war deswegen möglicherweise auch als Warnung an die anderen Golfstaaten gedacht,genau das zu unterlassen.