Britische Spiegelfechtereien
geschrieben am 10. April 2007 von Spiegelfechter
Der britische Boulevard hat seine Helden gefunden und waidet sie nach aller Kunst aus. Und das ist gut so und geschieht mit dem Einverständnis von Blair und MOD, können diese doch so auf Nebenkriegsschauplätzen von ihrem Versagen ablenken und echte Helden kreieren, nach denen das Vaterland nur so dürstet. Unsäglich ist da schon das neidische Wadenbeissen des britischen PR-Experten Max Clifford, der dieses Veranstaltung als PR-Maßnahme geißelt, die “dem MOD ganz gut ins Konzept passt” – wahrscheinlich hat ihm die Konkurrenz die Helden vor der Nase weggeschnappt.
Natürlich suchte man sich die niedersten Chargen aus, die in einem Interview auch zig mal “Fuck” sagen, der britische Boulevardleser soll sich ja schließlich identifizieren können. Merke: Soldaten vorführen, das macht nur der Mullah. Diese “tapferen” Bauernopfer auf der Schlachtbank der Öffentlichkeit müssen sich natürlich erst mal artig entschuldigen und (wir Männer kennen das doch) wer kann schon einer weinenden Frau Vorwürfe machen?
BRAVE Navy hostage Faye Turney told yesterday how she burst into tears and APOLOGISED to her family for being a captive in Iran (1) (2)
I thought ?Oh f***. I stood up and pushed on it and said ?F*** off?.
Ein nahezu brillantes Meisterstück ihr übrigens während der Haft gelungen:
?I told them, ?How do I know? I?m just the bloody boat driver?. I tried to play the dumb blonde.?
Mrs “F***” spielte das naive Blondchen, dies muss eine oscarreife Vorstellung gewesen sein – wer käme schon im Traum auf eine solche Idee?
Tränen kamen der verantwortungsvollen Mutter und Heldin auch, als sie in der Gefangenschaft an ihre Familie denken musste. Wie kann dieses “fanatische” iranische Regime einer so verantwortungsvollen Mutter, die hauptberuflich bewaffnet den Irak befreit eigentlich so eine Angst einjagen?
Throughout her time as a prisoner of the fanatical Iranian regime, the thought of her only child growing up without a mother had reduced her to tears.
Auf die Idee, daß Kriegseinsatz und Verantwortung für die Familie nicht so toll zusammenpassen kommt Frau Turney natürlich nicht, sehnt sie sich doch schon das nächste patriotische Abenteuer herbei, das ihre Tochter zu einer Halbwaisen machen könnte:
?I?m proud to be in the Royal Navy and of the girls and lads I serve with. I?m going back to it. They?re not going to break me.?
Der böse Mullah hat auch eine abscheuliche Einstellung, was die Freigabe von Filmmaterial angeht. Durch die Veröffentlichung der Fernsehbilder, hat er der jungen Heldin in ihrem Familienkreis einen vielleicht nicht wieder gut zu machenden Schaden hinzugefügt – wer sonst keine Sorgen hat (das Zitat betrifft die Zeit während der Inhaftierung):
?I saw the footage of me smoking and I was horrified. My mum didn?t know I smoked and I thought she?d be furious with me.
Der britische Boulevard hat jedenfalls eine Ungeheuerlichkeit ausgemacht, die bis dato Menschenrechtsorganisationen entgangen ist. Die Anzüge, in die man die britischen Soldaten steckte, entsprachen nämlich nicht dem bekanntlicher hoch kultivierten Geschmack der SUN-Leserschaft – ein eindeutiger Verstoß gegen die Bottroper Konventionen. Sandalen, hellbeige Hotpants und ein zu enges Shirt mit der Aufschrift “I went to Iran and all I got was this lousy T-Shirt” wären dem kulturellen Sitten der Briten sicher angemessener gewesen.
Make no mistake, Ahmadinejad is as cheap and nasty as the ill-fitting suits he sent the hostages home in.
Der “normale” Brite ist auch mit dem Handwerk eines Schneiders nicht vertraut, so daß der “böse” Iraner ihm da schon mal einen Schrecken einjagen kann:
FREED British hostage Faye Turney told last night how she feared she was being measured for her COFFIN by her evil Iranian captors.
Die Briten haben auch schon ihre Lehren aus dem Vorfall gezogen – der “Giftzwerg” (das ist ja mal originell) aus Teheran darf jedenfalls keine Atombombe haben.
And his behaviour over the past two weeks shows why the world must never allow this poison dwarf to develop a nuclear bomb.
Und wenn er es weiter versucht, wird ihn der britische Boulevard sicher in Steinzeit zurückbomben – wahrscheinlich mit kostenlosen CD-Beilegern mit geschmacklosen Tittenbildchen.
Gerade zu geschmacklos kommt einem da schon die Kritik von den Zurückgebliebenen britischer Todesopfer im Irak und in Afghanistan an dem Geschachere vor, die von “Heldentum” eine gar zu pathetische Vorstellung haben. Der moderne Held ist kein Alec Guiness aus “Bridge on the River Kwai”, der sich foltern lässt und immer nur seine Dienstnummer und seinen Rang sagt und jegliche Kooperation mit dem Feind ablehnt, nein, moderne Helden werden in den Medien gemacht und singende Vögelchen sind besser zu verkaufen als griesgrämige Prinzipienreiter. Und das Deutsche Sprachrohr, die BILD, präsentiert uns gerne harsche Töne ohne sie selbst zu äußern, solange man den Kollegen von der Insel damit einen auswischen kann (3):
Der Militärhistoriker Sir Max Hastings: ?Ich hoffe, niemand kommt auf die Idee, ihnen eine Medaille zu geben. Sie verdienen vielleicht unser Mitleid, aber unser Respekt gebührt ihnen nicht. Ihr Auftreten war armselig!?
In der ?New York Post? ätzte Kolumnist Ralph Peters: ?Schäbige und feige Waschlappen! Im Himmel kotzt Winston Churchill edlen Whisky.?
Das ?Wall Street Journal?: ?Warum haben die Gefangenen … so bereitwillig mit ihren Häschern zusammengearbeitet? Sie sind doch Marinesoldaten, die vermutlich darin ausgebildet sind, Propaganda-Auftritten zu widerstehen.?
Briten-General Sir Michael Gray: ?Zu meiner Zeit hätten die Iraner höchstens den Namen und den Dienstgrad gekriegt und damit basta!?
Jens Berger


Ohne Worte ;oD
Schön zynisch auf den Punkt gebracht: Das schmierentheater, das die “Ex-Geiseln” aus Britannien da abziehen, seit sie in Freiheit sind, ist absolut lächerlich.
Die arme gefolterte und schwer traumatisierte Geisel muss mir erst mal einer vorführen, die am Tage ihrer Befreiung lachend mit der Familie vor laufenden Kameras ne Pulle Champus köpft und dann erstmal nichts besseres zu tun weiß, als mit ihrer unglaublichen Seifenoper von Zeitung zu Zeitung zu tingeln und gegen Bares zum Besten zu geben. Einen solchen Skandal hat es auf militärischer Ebene imho nicht mehr gegeben, seit das von US-Soldaten durchgeführte Massaker an Wehrlosen im Irak 2005 aufgedeckt wurde.
Wirklich amüsanter Artikel, der meinen Tag heute erhellt hat :)
Das Problem ist… was viele sich unter “Soldat” vorstellen… ist meistens das was die Medien -besonders Hollywood- uns darstellt! natürlich alles Helden! stellt euch diese Szene vor… irgendwo in “Barbaren” land unterwegs… -wo kein Zeichen von Zivilisation ist- im Hintergrund sieht man auf einmal eine Explosion… Feuer… unser Held -gut gebaut natürlich- springt richtung Camera… dabei hat er ein einheimisches kind in Armen das schwarz und sehr schmutzig aussieht und weint -vielleicht ist es ein auto mechaniker geschmiert mit Öl, kinder Arbeit ist ja normal bei Barbaren- … unser Held fällt hin… er rettet das Kind und selbst kommt ums Leben… -im hintergrund läuft eine sehr tragische Musik- … die Barbaren kommen an… schreien rum in irgendeiner Sprache… und freuen sich tierisch auf ihre Geisel selbst wenn er jetzt tot ist… sie lachen laut… -dabei ist die Musik im Hintergrund immer noch traurig-… der Film endet!
Die Realität sieht leider anders aus… z.B. wenn man aus Angst auf eigene Kameraden schiesst (hosenscheisser = Held)… wenn man seine Sexuelle fantasien, egal in welcher Art, im Krieg auslebt (Pervers = Held)… ob die Opfer 8 jaher alt, Mann oder junges Mädchen sind… spielt es keine rolle mehr (Vergewaltigen = Held)… und da man nicht fähig dazu war… was zu lernen oder sich weiter zu bilden… natürlich geht man zu militär… viel besser als “Singen” auf der Straße… verdient man halt besser (Dumm = Held)… ausserdem… besonders qualifiziert muss man nicht sein… es reicht nur wenn man “Counter Strike” spielen kann ( http://de.wikipedia.org/wiki/Counter-Strike ) … “Play Station 3″ gehts auch…
wie diese Soldaten reagiert haben… war ganz Normal… ich würde genauso reagieren… wenn ich angst hab… sag ich halt alles. Genauso wie die “Böse”, “Dumme” Deuscthe Soldaten in 2. Weltkrieg die bei der Festnahme von Amerikanern gleich “Scheiss Hilter” gerufen haben… (sieht man in dem Film ” Soldat James Ryan”)
Ein Held (althochdeutsch helido) ist die (meist männliche) Hauptfigur (Protagonist) einer Geschichte, Legende oder Sage, die über Kräfte verfügt, die weit über die eines normalen Menschen hinausgehen, so dass er zu schweren und großen ?Heldentaten? in der Lage ist, die ihm Ruhm bescheren. Dabei ist nicht nur körperliche, sondern auch seelische Kraft gemeint.
nun… was die “Barbaren” Soldaten (Monster Mörder Muslime) von unseren Soldaten (mit High Tech ausgerüstet!) unterscheidet… ist es dass sie macnhmal bereit sind… alles zu geben… selbst ihr Leben! ( ich will hier nicht bewerten, nur eine feststellung der Tatsache!) und solche Menschen kann man leider bei uns nicht kaufen… Egal wieviel man bezahlt! Nicht jeder ist Fähig dazu alles zu geben! Also… wer ist jetzt ein Held…!?
und jetzt mal unter uns… für soviel Geld würde ich auch alles erzählen!
@Schabghard
Mir geht es auch gar nicht darum über die 15 Soldaten zu richten – das maße ich mir nicht an und ich würde sicher ebenso handeln.
Mir geht es darum, die Scheinheiligkeit der Medien offenzulegen und Deine Definition von einem “Helden” lässt einen sehr gewichtigen Punkt außer acht – wer macht Soldaten warum zum Helden?
Kein Mensch ist scharf darauf zu sterben – Reinhard Mey sang mal “Soldaten sind, man glaubt es nicht, aufs Sterben gar nicht so erpicht und auch nicht auf das Feld der Ehre aus. Soldaten woll´n nur eins, sie woll´n nach Haus”. V.a. in den Kriegen der Gegenwart ist auch keinem Soldaten so recht zu vermitteln, für was er eigentlich sterben sollte – für die “Demokratisierung” Iraks? Welcher Brite sollte denn dafür freiwillig sein Leben opfern? Wenn es darum ginge, seine eigene Familie, seine Liebsten zu verteidigen, mag dies anders aussehen, aber für geopolitische Interessen einer abstrakten Machtclique zu sterben, ist sicher keine Handlungsoption für einen normal denkenden Menschen.
Der Soldat ist also zum Söldner degradiert, der für sein Handwerk mit Geld bezahlt wird. Söldner sind keine Helden in klassischer Sicht, ihr Motiv passt nicht zum Heros griechischer Prägung.
Um seine Söhne (und Töchter) zu Söldnern zu machen, muss auch der britische Staat PR betreiben und hier kommt die Helden-PR (Propaganda) ins Spiel. Der moderne Held früherer Tage war ja entweder vom Typus “Rambo” (dumm aber tapfer, ehrlich und patriotisch bis zur Haarspitze) oder eben vom Typ “Alec Guiness” aus “Bridge on the River Kwai” (intelligent, kultiviert, prinzipientreu, mit Rückgrat und ebenfalls patriotisch bis zur Haarspitze). Die Helden-PR ist also im Grunde eher eine Gehirnwäsche für aktive und potentielle Soldaten (und natürlich für die Gesellschaft) Charaktereigenschaften für erstrebenswert zu halten, die der Staat und das Militär für erstrebenswert halten, das normale Individuum aber nicht für erstrebenswert halten kann – wer stimmt schon ernsthaft der alten Weise zu, es sei süß und ehrenhaft für das Vaterland zu sterben? Dann schon lieber Wilfried Owen:
Die britischen Medien konterkarieren das klassische Heldenbild mit ihrer Überhöhung der 15 Soldaten indes auf eine groteske Art. Wir haben hier “normale” Soldaten, die so gehandelt haben, wie es “normale” Menschen tun würden, daran ist nichts heldenhaftes (iS der klassischen Definition). Wenn diese 15 Soldaten Helden sind, was ist dann ein Held? Ganz im übertragenen Sinne Beuys: “Jeder Mensch ist Held”? Die kriegsgeilen Medien als humanistische Wehrkraftzersetzer?
ja… das ist es ja… Wer hat sich gedacht dass die Iraner, britische Soldaten so einfach mitnehmen könnten… und noch dazu… diese Unbesiegbare “Soldaten” einfach so vor der Camera Bloß stellen… wie man die Tiere futtert, ihnen essen geben und sie dabei filmen und durch die Welt veröffentlichen… sie mit “Hacoupian” ( http://www.hacoupian.net/en/index.html ) Anzüge bekleiden… beschenken wie kleine Kinder die wieder zur Mama zurück gehen und so tun als ob sie Gäste wären… huaptsache Bloß stellen… und das Ganze auch auf “Arabisch” (im Iran spricht man Persisch!) auf Satellit senden… so wissen dann die nachbarländer auch wo es lang geht!
und die arme bloß gestellte Ex-kolonial Macht der Welt… nun… wie kann man alles wieder gut machen… natürlich die kleine Kinder die wieder bei Mama sind, zum “Helden” machen! …und erzählen wie es alles da so schrecklich und unmenschlich war… anstatt “Counter Strike” im persischen Golf, Schach zu spielen… oder anstatt “Hunger streik” bei dem Feind, sich mit Persischem Gericht vollstopfen… von Isolationshaften will ich dann garnichts erzählen… mir kommen gerade die tränen… “sorry”… ich muss aufhören… *heul*
Meines Erachtens gehts weniger darum, Helden zu kreieren. Die “bösen Wickelmützen” haben sich tatsächlich nicht als die Barbaren gebährdet, als die sie seit Jahr(zehnt)en medial präsentiert werden. Keine Folterungen, keine öffentlichen “Streiche auf die Fußsohlen” und – shocking – keine Enthauptungen. Nicht mal blaue Flecken oder Kratzer können die 15 vorweisen.
Da muß eben medial nachgeholt werden, was in Teheran versäumt wurde. Blöd nur, daß die “Medienexperten” den Bogen etwas überspannt haben, respektive das nachträgliche Tränendrüsengewürge unglaubwürdig ist und vor allem den Hinterbliebenen der britischen Soldaten, die im Irak gestorben sind, sauer aufstößt, werden diese doch mit weitaus geringeren Summen “entschädigt”, als die nachwievor quicklebendige Soldatin für ihre tränenreichen “Enthüllungen” bezahlt bekommen hat.
Es ist zwar höchst unangenehm, in Gefangenschaft zu geraten, jedoch einen solchen medialen Zirkus zu veranstalten, während gleichzeitig weltweit Leute von der Straße weg entführt werden und im American Gulag auf unabsehbare Zeit verschwinden, ist wirklich die Krönung der Heuchelei. Nur gut, daß die Mehrheit der Leute – zumindest in GB – diesen Hype nicht glauben. Fragt sich allerdings, wie lange das noch so bleibt.
Greets
Der “Oscar” drängte sich auch mir angesichts der Bilder aus Iran auf:
http://www.blogsgesang.de/2007/04/11/oscarreife-royal-navy/
Interessant ist die Diskussion über heutiges Heldentum; man kann da sogar etwas Positives der Geschichte entdecken. Offenbar taugen heute junge Soldaten nicht mehr zu martialischen Helden. Sie sind ganz anders erzogen. Sie wollen ihren Spaß, und für manche ist das der Militärdienst, zumal in der Marine, zumal an fernen Gestaden. Über die Gefahren machen sie sich wenig Gedanken, und wenn es dann doch brenzlich wird, handeln sie nach dem gesunden Menschenverstand: Wie komme ich da am besten wieder raus. Und nicht nach irgendwelchen überholten Heldenmustern. Sie tun, was ihnen nützt, erst beim “Feind” und dann zu Hause. So haben sie es gelernt. Im täglichen Umgang mit solcher Jugend ist das oft ätzend, aber in einem Krieg, in dem sie nichts zu suchen haben, wohl das beste Rezept.
dieser typ von der ny post ist nichts andres als ein ätzender sesselpuper.
egal wieviel wahr oder erfunden ist von den geschichten der turney: keiner der kommentatoren in den redaktionsstuben würde mit ihr getauscht haben. ekelhaft, diese schmieranten.
Im Deutschlandfunk gab es O-Ton der Soldatin, die selbst angibt, sich als “dumb blonde” versucht zu haben. Ich habe ihn zweimal gehört. Beide Male wurde parallel deutsch übersetzt. Beim zweiten Mal fehlte eine Aussage von ihr. Sinngemäß: “Ich habe die Geschichte der Sun verkauft, weil die immer auf der Seite der Army stand und auch immer fair über uns berichtet hat.” – Da wusste ich, was ich von den Aussagen der Dame zu halten habe. Dass beides nicht zusammen geht: immer auf einer Seite stehen und zugleich immer fair berichten – ist nicht in das demokratische Bewusstsein der Freiheitsheldin im Kampf gegen islamische Regime vorgedrungen. Offenbar ist dieser Dummsinn, der das gesamte übrige heroische Gerede konterkariert hat, dann auch einem Redakteur beim Deutschlandfunk aufgefallen, und er wurde herausgeschnitten – wahrscheinlich im Sinne einer fairen Berichterstattung.
Wobei ich nichts generell gegen den DLF gesagt haben will – einer der wenigen verbliebenen soliden Rundfunksender.