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  • Ein Bloggerschicksal

    geschrieben am 03. November 2009 von Spiegelfechter

    Es gehört nicht viel Mut dazu, Gott und die Welt zu kritisieren, wenn man am warmen, sicheren Schreibtisch in Deutschland sitzt. Während wir hier offen über Ideologien diskutieren und jede Aussage der Mächtigen kritisch begleiten, sitzen Freunde des freien Meinungsaustausches anderenorts in Haft und müssen Folter und Erniedrigungen über sich ergehen lassen. Hossein Derakhshan, der unter seinem Pseudonym Hoder zu einem der bekanntesten iranischen Blogger wurde, ist einer von ihnen. Vor genau einem Jahr wurde er von Sicherheitskräften im Hause seiner Eltern festgenommen. Was ihm eigentlich genau vorgeworfen wird, weiß er immer noch nicht ? immer wieder ist die Rede von Spionagetätigkeit für die USA oder Israel. Ein Vorwurf, der an Absurdität kaum zu überbieten ist. Nichtsdestotrotz wurde seine Untersuchungshaft mehrfach verlängert. Seitdem sitzt er ? meist in Einzelhaft ? im berüchtigten Evin-Gefängnis, in dem das Teheraner Regime seine Kritiker einkerkert, und in dem auch Hinrichtungen vorgenommen werden. Menschenrechtsorganisationen und Hosseins Familie berichten von Folter, Schlägen, abgepressten Geständnissen und Demütigungen. Ein Jahr in der Hölle ? vom warmen Schreibtisch in Deutschland aus ist die Tragweite eines solchen Schicksals kaum zu erfassen.

    Hintergrund und Vorgeschichte:
    Wer Regimekritiker ist, bestimmen wir!
    Der Fall Derakhshan
    Der Blogvater muss schweigen

    Hossein Derakhshans Geschichte ist gleich mehrfach tragisch. Als er vor einem Jahr nach achtjährigem Exil in seine alte Heimat zurückkehrte, glaubte er fest daran, man könne dem real-existierenden System Irans ein menschlicheres Antlitz verpassen. Doch nicht nur das ? Hossein dachte sogar, man könne diese Reformen unter der Präsidentschaft Ahmadinedschads erreichen. Mehr noch, er nahm Ahmadinedschad sogar explizit vor den Anfeindungen exiliranischer Kritiker in Schutz und steht seitdem auch auf deren ?Abschussliste? ganz oben.

    Ich hatte mich mehrfach mit Hossein unterhalten. Auch wenn wir fast niemals 100% einer Meinung waren, so hat mich sein tatkräftiger Idealismus doch sehr beeindruckt. Anders als wir deutschen Blogger, war Hossein davon überzeugt, durch seine Arbeit wirklich etwas verändern zu können. Als wir uns das letzte Mal unterhielten, wünschte ich ihm viel Glück, drückte aber meine Zweifel aus, dass er im Iran Ahmadinedschads mit seinen idealistischen Hoffnungen viel Erfolg haben dürfte.

    Im Nachhinein muss ich leider feststellen, dass die Entwicklung mir recht gab und Hossein geradezu dramatisch falsch lag ? ich würde mir jedoch von Herzen wünschen, dass ich unrecht behalten hätte. Die Situation in Teheran hat sich innerhalb des letzten Jahres komplett geändert. Ein kleines bisschen Hoffnung wurde brutal erstickt, und heute glaubt niemand mehr an die Möglichkeit, dass sich das iranische System von innen heraus und ohne den Druck von der Strasse reformieren könnte ? schon gar nicht unter den Machthabern Khamenei und Ahmadinedschad. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Hossein in diesem Sommer auf den Strassen Teherans demonstriert hätte. Dazu allerdings hatte er noch nicht einmal die Möglichkeit.

    Doch sein Vertrauen in Ahmadinedschad war nicht sein einziger Fehler – Hossein dachte vor seiner Einreise auch, sein kanadischer Pass und die guten Verbindungen seiner Familie zur Führungsspitze in Teheran würden ihn vor eventuellen Repressionen schützen. Auch hier lag er dramatisch daneben. Iran erkennt doppelte Staatsbürgerschaften grundsätzlich nicht an und das kanadische Außenministerium scheint sich ? freundlich formuliert ? nicht eben ein Bein auszureißen, um seinen Staatsbürger aus dem Evin-Gefängnis zu holen. Anfragen bei der kanadischen Botschaft werden lediglich lapidar mit dem Hinweis beantwortet, man würde ja alles tun, was möglich sei, könne aber über Details natürlich keine Auskunft geben ? dies ist zwar verständlich, aber da diese Standardantwort seit nahezu neun Monaten in Form und Vortrag dieselbe ist, kann man schon berechtigte Zweifel daran hegen, dass es den Kanadiern wirklich ernst ist.

    Wann Hossein Derakhshan wieder auf freiem Fuß sein wird, ist unmöglich zu sagen. Die Situation wird jedoch von Monat zu Monat verzweifelter. Die letzte Information war, dass er nun in einen Hungerstreik getreten ist. Während Hosseins Familie, die ihn seit seiner Verhaftung erst zweimal sehen durfte, monatelang jeden Kontakt zu den Medien gescheut hat, um die Lage ihres Sohnes nicht unnötig zu erschweren, hat sich nun Hosseins Vater Hassan Derakhshan in einem offenen Brief an den Obersten Richter des Landes, Ajatollah Sadeq Amoli Larijani, gewandt.

    Ein Jahr ist nunmehr vergangen, seitdem mein Sohn verhaftet wurde.
    In all diesen Monaten, Tagen und Stunden haben meine Familie, meine Frau und ich immer gehofft, dass Hosseins Verfahren im Schoss des islamischen Rechts und der Gnade der islamischen Rechtsprechung in der Form behandelt wird, die ihm zusteht.
    Ich muss an dieser Stelle sicher nicht erwähnen, dass wir immer wieder die zahlreichen Anfragen ausländischer Medien abgewiesen haben, die uns baten, Hosseins Lage zu beschreiben.
    Sogar, als wir die übelsten Gerüchte über seine Behandlung aus halbstaatlichen Medien vernahmen, blieben wir ruhig, und in der Tat hat bis heute keine staatliche Stelle diese beängstigenden Meldungen dementiert ? nicht nur, um unsere besorgten Herzen zu beruhigen, sondern vor allem, um die Unabhängigkeit der Justiz in diesem Fall zu wahren.
    Während der gesamten Zeit durften wir unseren Sohn nur zweimal für wenige Minuten sehen. Stellen Sie sich das bitte einmal vor ? alle sechs Monate, nur ein paar Minuten. Wir haben auch keine Informationen über seine rechtliche Situation.
    Bisher wurde kein Gerichtsverfahren eingeleitet und wir wissen noch nicht einmal, welche Institution oder welcher Sicherheitsdienst Hossein überhaupt anklagt. Oft und über verschiedene Wege haben wir versucht, nähere Informationen über seine Lage zu erhalten ? ohne Erfolg. Hat ein Häftling, der sich stets ehrenhaft verhalten hat, eine solche Behandlung verdient?
    Oft hat mein Sohn in seinen Artikeln und in Gesprächen erwähnt, dass er sehr gerne seinem Land dienen würde. Er kam zurück nach Iran, um selbst Antworten auf die Anschuldigungen zu geben, die gegen ihn erhoben wurden. Hat ein Mensch, der aus Überzeugung in sein Land zurückkehrt, eine solche Behandlung verdient?
    Wir beschweren uns nicht, weil Sie das Gesetz anwenden, sondern genau im Gegenteil – weil das Gesetz außer Kraft gesetzt wurde, weil Informationen vorenthalten werden und die bestehenden Gesetze nicht respektiert werden. Angeklagte haben Rechte, die Familien von Angeklagten haben Rechte ? und wir wissen auch, dass diejenigen, die die Macht innehaben, auch dem Gesetz unterstehen und das Regeln und deren Befolgung wichtig sind.
    Wir sind uns sicher, dass auch Sie der Überzeugung sind, dass ein Jahr brutale Haft keine angemessene Begrüßung für einen Menschen ist, der freiwillig und aus eigenem Antrieb in den Schoss Irans und des Islam zurückgekommen ist.
    Meine Frau, meine Familie und ich hoffen immer noch auf eine gerechte Behandlung.

    Hochachtungsvoll,

    Hassan Derakhshan

    Es bleibt zu hoffen, dass das iranische Regime noch einen Hauch von Anstand hat und Hossein Derakhshan Gnade gewährt. Doch Hossein ist nicht der einzige Blogger, Journalist oder Aktivist, der zu Zeit sein Dasein in einem iranischen Kerker fristet. Ebenfalls in Haft sind Keyvan Samimi, Bahman Ahmadi Amoie, Abdollah Momeni, Mohammad Maleki, Ahmad Zeidabadi, Hangameh Shahid, Mohammad Ghoochani, Saeed Leylaz, Azar Mansouri, Shapour Kazemi, Issa Saharkhiz, Mohammad Reza Moghiseh, Fariba Pezhuh, Mostafa Tajzadeh, Abdollah Ramezanzadeh, Behzad Nabavi, Mohsen Mirdamadi, Feyzollah Arabsorkhi, Mohsen Aminzadeh – und diese Liste ließe sich mühelos verlängern.

    Was können wir tun, um Hossein und all den anderen eingekerkerten Bloggern und Bürgerrechtlern zu helfen? Nichts, wir können nur hoffen. Hoffen, dass die Welt eines Tages gerechter wird ? in Iran aber ebenfalls in Deutschland, auch wenn wir uns hier am warmen Schreibtischsessel immer noch in einer relativ komfortablen Lage befinden.

    Jens Berger

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    Tags: Blogs Iran Medien Menschenrechte
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    34 Kommentare:

    1. Truvor schrieb am 3. November 2009 um 19:45 - Permalink

      @ SF

      “Was ihm eigentlich genau vorgeworfen wird, weiß er immer noch nicht…..”

      Dieser Satz erinnert mich an die Erzählungen meiner Großeltern, als ich sie das erste Mal fragte: weshalb sie deportiert wurden ?
      Sie wußten auch nicht, wofür sie nach Sibirien (Väterlicherseits) und Kasachstan (Mütterlicherseits) in Viehwaggons wie Tiere deportiert wurden.

      “…so hat mich sein tatkräftiger, Idealismus doch sehr beeindruckt.”

      Vielleicht ist das der Grund für seine Verhaftung und den Aufenthalt im Gefängnis.
      Die Diktatoren bzw. Diktaturen haben nämlich höllische Angst vor Idealisten, die an ihre Sache glauben.

      Ein guter Artikel, Jens !

    2. Patte schrieb am 3. November 2009 um 22:28 - Permalink

      ?Was ihm eigentlich genau vorgeworfen wird, weiß er immer noch nicht?..?

      Kafka-esk. :-(

      Ich wünsch dem Mann alles Gute.

    3. Momen schrieb am 4. November 2009 um 00:31 - Permalink

      Der Mann tut mir Leid.
      Aber ich glaube er hätte es vorher wissen müssen, dass es soweit kommt.
      Er hat sich einfach zu weit aus dem Fenster gelehnt würde ich sagen.
      Wer in so einem System nicht nach den Regeln spielt wird schnell Probleme kriegen.
      Und das ist nicht nur im Iran so.

      Aber Menschenrechte kennt man ja nur in Europa. LOL

    4. Neu hier schrieb am 4. November 2009 um 00:49 - Permalink

      @Spiegelfechter

      “Es gehört nicht viel Mut dazu, Gott und die Welt zu kritisieren, wenn man am warmen, sicheren Schreibtisch in Deutschland sitzt”

      naja so einfach ist es aber auch nicht, auch hier gibt es Geschichten die unglaublich klingen unglaublich für uns und vor allem auch unglaublich für den rest der Welt, Iran mit eingeschlossen, man kann auch in Deutschland schnell mal in die “Kacke” treten, es kommt halt immer darauf an welchen Polizisten man vor sich hat.

      Nehmen wir mal an Herr Berger sie würden an ihrem Auto rumschrauben, und um ein bisschen mehr Leistung aus ihrem Auto zu holen, würden sie ihren Katalysator wegschrauben, und mit dem Auto ganz normal weiterfahren….. nun werden sie von der Polizei erwischt, für den einen Polizisten ist das halt…. mach das Ding wieder hin, fahr morgen bei uns vorbei und gut ist…. für den anderen ist das ein nicht eingetragenes Teil ergo 3 Punkte in Flensburg und für einen ganz gemeinen Polizisten ist ein fahren ohne Katalysator in einem Auto was normal einen ein hat und auch so angemeldet ist, STEUERHINTERZIEHUNG, sie mögen vielelicht darüber lachen, aber es gibt solche Fälle in den Knast ist dafür noch keiner gekommen, meineswissens nach, aber möglich wäre es, und darum geht es….
      In Deutschlang ist es möglich das man in den Knast kommt, wenn man seinen Kataysator wegschraubt und dann mit dem Auto fährt, würde man im Iran dafür auch ins Gefängnis kommen?????

    5. antonym schrieb am 4. November 2009 um 01:05 - Permalink

      Warum den Iran aussondern?

      Wenn in Usbekistan mal eben 500 Demonstranten auf der Strasse erschossen werden, macht “der Westen” trotzdem Geschäfte mit denen und hat da Militärbasen.

      Und was glaubst Du, wieviele aufrechte Idealisten bei den über 1000000 ermordeten Irakern dabei waren, die “der Westen” auf dem Gewissen hat.

    6. momen schrieb am 4. November 2009 um 01:33 - Permalink

      @ antonym

      Naja. Weil der Westen die Antwort auf die Frage ob ein Regime gut für die Menschen ist, nicht bei den Menschen sucht. :)

    7. Spiegelfechter schrieb am 4. November 2009 um 09:33 - Permalink

      @Antonym

      Sicher, aber warum sollte man Iran mit Glacéhandschuhen anfassen? Nicht nur die Freunde des Westens morden, folten und inhaftieren – das machen auch die “Feinde”.

    8. Spiegelfechter schrieb am 4. November 2009 um 10:02 - Permalink

      @Neu hier

      Ich weiß – mir ist auch schon mal Knast wegen Falschparkens angedroht worden ;-)

      Aber dies jetzt mit den iranischen Verhältnissen zu vergleichen – ja ich weiß, nicht gleichzusetzen – , ist doch arg daneben.

    9. Blixten schrieb am 4. November 2009 um 11:21 - Permalink

      Sehr traurig.
      Ich hoffe, der Mann bekommt die Chance auf einen baldigen, fairen Prozess, in dem er sich zu den Vorwuerfen gegen ihn frei zu æussern kann. Und ich hoffe, seine Eltern erhalten schnell Antworten auf ihre Fragen.

    10. Carsten schrieb am 4. November 2009 um 11:59 - Permalink

      Hab einen kleinen Rechtschreibfehler bemerkt . :)
      In der letzten Zeile müsste es “komfortabel” heissen.

      Grüße

    11. Vince schrieb am 4. November 2009 um 13:57 - Permalink

      hier wird eine Volksgruppe gegen die andere ausgespielt, eine Glaubensrichtung gegen eine andere in Position gebracht. Das ist in der Tat eine Art Schachspiel. Auch ein Herr Berger kann sich seiner Rhetorik auf Dauer nicht versichern, auch er ist nur ein Bauer in diesem Spiel. Da macht es keinen großen Unterschied wo auf diesem Globus man sich aufhält. Der Fall McKinnon zeigt dies sehr deutlich. Es ist gleichgültig ob man etwas heute als Schwachsinn bezeichnet oder ob einen die Realität ein paar Jahre später einholt, entscheidend ist das Ergebnis. Selbst wenn diese Leute nur Strohmänner sind und von den Tatsachen ablenken sollen, es ist leicht sich seiner Erkenntnis sicher zu sein wenn man sich damit sicher fühlt, das ist jedoch subjektiv und spielt für die Mehrheit der Menschen keine wichtige Rolle, sofern es keine positive Perspektive für sie eröffnet. Die geistige Entwicklung ist rückleufig, Hochleistungsrechner und aktuelle Prozessortechnologien und der Fortschritt im Bereich AI und deren Potenz ist schon lange über dem Zenith. Der Mensch macht sich jetzt auch noch in seinen letzten Instanzen überflüssig, die Bereiche Ethik, Moral, Kreativität existieren nur noch auf dem Papier.
      Alles wird nun diesen materiellen, kapitalistischen Prozessen unterworfen. Ich bin nicht bereit einfach kampflos das Feld diesen Interessen einiger weniger Psychophaten zu überlassen die jetzt auch planmäßig im großen Stil anfangen die Meere zu verseuchen und den Urspruch allen Lebens, das Wasser unbrauchbar zu machen. Viel reden bringt nicht viel, dass ist mir spätestens jetzt klar geworden. Meinen Sinn auch dafür zu sterben woran ich fest glaube bzw. was ich als Klarheit und Wahrheit tief in mir spüre wird jeden Tag mehr ausgehölt, bin ich etwa Te..orist weil ich diese Zeilen schreibe ? Da ich nur meine Wahrheit wiedergebe, die es so gar nicht geben dürfte ? Möge euch das Wissen um euren Platz in der Welt euch eure Wahrheit finden lassen und euch Kraft geben das zu tun woran Ihr glaubt oder was Ihr seid.

    12. Spiegelfechter schrieb am 4. November 2009 um 14:27 - Permalink

      @Vince

      Aber verwirrt bist Du nicht?

    13. blubb schrieb am 4. November 2009 um 16:33 - Permalink

      Was können wir tun, um Hossein und all den anderen eingekerkerten Bloggern und Bürgerrechtlern zu helfen? Nichts, wir können nur hoffen.

      Richtig, aber..

      Hoffen, dass die Welt eines Tages gerechter wird[..]

      nicht solange der Mensch noch auf Erden wandelt…

    14. Toiletman schrieb am 4. November 2009 um 18:18 - Permalink

      Du bist, wie leider die meisten Medien, in die Falle getappt die Machtstrukturen des Irans wie in einem sekulären Staat zu sehen und Ahmadinejad als Präsidenten des Irans als den Schuldigen zu sehen. Dies ist aber nicht der Fall. Ahmadinejad ist sogar selbst trotz allem islamischen Konservatismus mit den realen Machthabern in Konflikt geraten. Diese sind im Iran der Klerus und der Revolutionsrat/Wächterrat, die sich über Entscheidungen des weltlichen Präsidenten hinwegsetzen können.

    15. AmorFati schrieb am 4. November 2009 um 20:23 - Permalink

      Auch wenn Vinces Eintrag recht konfus war, hat er doch einen wichtigen Punkt angesprochen. McKinnon ist nur eines von vielen Beispielen für unrechtmäßige Inhaftierungen in Europa, von unrechtmäßigen Todesurteilen in den USA ganz zu schweigen.
      Keineswegs möchte ich hier gegen die Notwendigkeit das Augenmerk auch auf den Fall Hossein Derakhshan zu legen sprechen. Dennoch meine ich sollte Dir auch klar sein, dass Hossein Derakhshan, auch aufgrund der politischen Interessen der so genannten westlichen Welt, weit mehr mediale Aufmerksamkeit zu Teil wird als den unzähligen anderen politisch Gefangenen weltweit. Aufgrund dessen scheint es – auch angesichts der derzeitigen medialen Stigmatisierung des Iran – verständlich, dass hier viele die Inhaftierung Hossein Derakhshans zu relativieren suchen.
      Was im Übrigen nicht mein Anliegen ist.
      Prost :)

    16. Michael Schöfer schrieb am 4. November 2009 um 20:34 - Permalink

      Frage von Jens Berger: Was können wir tun, um Hossein und all den anderen eingekerkerten Bloggern und Bürgerrechtlern zu helfen?

      Zum Beispiel Geschäfte mit dem Iran anprangern. So soll sich etwa die Nabucco-Pipeline nur rentieren, wenn der Iran Erdgas einspeist. Das heißt, hierzulande immer wieder den Vorrang der Menschenrechte einfordern. Übrigens: Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer ist als politischer Berater an dem Projekt beteiligt.

      Oder: Der Iran muss 40 Prozent seines Benzinbedarfs importieren. Zum Boykott aufrufen, solange dort noch Menschen ohne fairen Prozess inhaftiert sind und in den Gefängnissen gefoltert werden. Die Adressaten sind: BP, Esso, Shell etc. und natürlich die Regierungen des Westens.

    17. Spiegelfechter schrieb am 4. November 2009 um 20:45 - Permalink

      @AmorFati

      Auch wenn Vinces Eintrag recht konfus war, hat er doch einen wichtigen Punkt angesprochen. McKinnon ist nur eines von vielen Beispielen für unrechtmäßige Inhaftierungen in Europa, von unrechtmäßigen Todesurteilen in den USA ganz zu schweigen.

      Aber natürlich – wir sollten uns sowieso von dieser Schwarz-Weiß-Denke verabschieden.

      Keineswegs möchte ich hier gegen die Notwendigkeit das Augenmerk auch auf den Fall Hossein Derakhshan zu legen sprechen. Dennoch meine ich, sollte Dir auch klar sein, dass Hossein Derakhshan, auch aufgrund der politischen Interessen der so genannten westlichen Welt, weit mehr mediale Aufmerksamkeit zu Teil wird als den unzähligen anderen politisch Gefangenen weltweit.

      Das sehe ich keinesfalls so. Die von Dir verlinkten Artikel sind ja schon ein paar Jahre alt. Da galt Hoder noch als “guter Iraner” und wurde dementsprechend instrumentalisiert. Das ist längst vergangen – vor seiner Verhaftung galt er eher als “Verwirrter”. Dazu sollte mein im Artikel verlinkter Artikel aber recht gut Aufschluss geben.

      In dem letzten Jahr haben eigentlich nur (von den Größeren) der Guardian (für den er schrieb), der Blog “The Ledge” und einige kanadische Zeitungen über den Fall berichtet. In D war ich so ziemlich der Einzige, der sich dem Thema gewidmet hat und TP und Freitag sind ja nun nicht eben groß ;-)

      Aufgrund dessen scheint es ? auch angesichts der derzeitigen medialen Stigmatisierung des Iran ? verständlich, dass hier viele die Inhaftierung Hossein Derakhshans zu relativieren suchen.

      Ja und nein – “Einige” versuchen jede Kritik an Iran zu relatvieren und teilweise sogar zu unterbinden, da sie der Denke “der Feind meines Feindes ist mein Freund” fröhnen. Diese “Einige” sind eine bunte Mischung aus radikalen Anti-Amerikanern und Anti-Israelis einerseits und Anti-Deutsche andererseits, was eine sehr spaßige Mischung ist ;-) Ich halte von derlei gedanklichen Kurzschlüssen bekannterweise gar nichts.

      Dennoch ist es natürlich auffällig, dass die Zahl der Kommentare bei Artikeln, die Iran kritisieren, eher niedrig ist. Hieße Hossein Mosche und wäre nicht in Iran, sondern in Israel eingekerkert, würde das Publikum begeistert über den gleichen Artikel applaudieren. So ist das nun einmal, ich kümmere mich aber nicht darum.

    18. Spiegelfechter schrieb am 4. November 2009 um 20:57 - Permalink

      @Michael Schöfer

      Nein, das wäre der falsche Weg. Die Opposition in Iran warnt sogar ganz eindringlich vor wirtschaftlichen Sanktionen, da diese letztendlich nur das Volk treffen würden und die Regierung stärken und nich schwächen würden.

    19. antonym schrieb am 4. November 2009 um 21:23 - Permalink

      Spiegelfechter focht folgendes:

      Sicher, aber warum sollte man Iran mit Glacéhandschuhen anfassen? Nicht nur die Freunde des Westens morden, folten und inhaftieren ? das machen auch die ?Feinde?.

      Weil der Iran immer noch wesentlich freier und demokratischer ist als z.B. die Tunesier, die in ihrem Urlaubsparadies nur einen Sprung über das Mittelmeer von uns entfernt sind.

      Und weil z.B. auch das Massaker in Usbekistan die Ereignisse im Iran weit übertrifft.

      Deshalb sollte man da auch mal die Boxhandschuhe anziehen.

    20. Truvor schrieb am 4. November 2009 um 21:35 - Permalink

      @ Michael Schöfer

      Ich hoffe, Du glaubst nicht an das, was Du da schreibst.
      Ich werde eher glauben, daß die Außerirdischen unter uns leben als daß die Geldsäcke von BP & Co auf ihre fette Gewinne und Geschäfte verzichten.
      Und die Regierungen des Westens tun sowieso das, was ihnen BP & Co. “empfiehlt”.

    21. Michael Schöfer schrieb am 4. November 2009 um 23:24 - Permalink

      @Truvor

      Wir wären noch in der Steinzeit, wenn es keine Veränderungen gäbe. Und wenn ich nicht an Veränderungen glauben würde, bekäme ich keine Zeile zustande und würde mich wohl dem Alkohol, dem Kabelfernsehen und/oder der Playstation hingeben.

    22. Truvor schrieb am 5. November 2009 um 00:19 - Permalink

      @ Michael Schöfer

      “Wir wären noch in der Steinzeit, wenn es keine Veränderungen gäbe”.

      Bin auch Deiner Meinung.

      “….. dem Alkohol, dem Kabelfernsehen und/oder der Playstation hingeben”.

      Du hast die schlimmsten Laster unserer Zivilisation aufgezählt.
      Das gönne ich Dir (und anderen auch) nicht, ehrlich.
      Halt durch Bruder !!!!!!!!!

      Gruß Truvor !

    23. Chris W. schrieb am 5. November 2009 um 02:20 - Permalink

      Jetzt wie “alle” (bekannten Interessierten) auf dem iranischen Mullah-Regime (nach nun jetzt 30 Jahren) so massiv herumzuhacken – und wie hier mit einem natürlich sehr persönlichen und bedauernswerten Schicksal auf die Mitleidsschiene zu setzen – versteh ich nicht so wirklich, ich weiß nicht…die Menschenrechtsverletzungen in Guantánamo + in all diesen versteckten Foltergefängnissen oder gar in Israel (Goldstone-Report) gehen mir da zumindest genau so auf den Magen.

      Wie war das heute? ein Schiff unter deutscher Flagge transportiert angeblich von Iran nach Libanon (für die Hisbollah natürlich) Waffen, die in spanischen Containern stecken und bei Zypern aufgebracht wurden – Science Fiction? – wer soll denn das alles noch glauben…und der arme Hossein Derakhshan mitten drin

      salu2 Chris W.

    24. Spiegelfechter schrieb am 5. November 2009 um 09:35 - Permalink

      @Chris W.

      Guantanamo macht Evin um kein Jota “besser” oder “schlechter” – und umgekehrt macht Evin Guantanamo auch kein Jota “besser” oder “schlechter”. Ist das so schwer zu verstehen?

    25. value schrieb am 5. November 2009 um 13:32 - Permalink

      Ich denke auch, dass Deine Berichterstattung vollkommen gerechtfertigt ist, umso mehr als Du persönliche Eindrücke damit verbindest.
      Trotzdem eine kleine Verbesserung:

      Nicht nur die Freunde des Westens morden, folten und inhaftieren ? das machen auch die ?Feinde?.

      Nicht nur die Freunde des Westens morden, foltern und inhaftieren – das macht auch der “Westen” selbst.

      Ja, liebe Disputanten, das Gesetz gilt in den USA ganz offiziell nicht für Vertreter der Exekutive. Ganz vehement vertritt diese Linie – man könnte sie Bush/Cheney Doktrin nennen – übrigens unser allseits beliebter Mr. Change.

      Dass ich dies hier erwähne, hat nichts damit zu tun, dass ich “Antiamerikaner” wäre oder Menschenrechtsverstöße im Iran rechtfertigen wollte. Um Himmels Willen! Ich bin ganz allgemein gegen Mord und Folter. Vielleicht stört mich das Morden und Foltern des Westens mehr als das im Iran, ganz einfach, weil die westlichen Mörder und Folterer vorgeben, meine Werte zu vertreten. Und weil über Fälle wie Arar vs. Ashcroft hier ebenso wenig berichtet wird, wie über Derakhshan. Und weil Frau Merkel sich, obwohl ich sie (selbstverständlich) nicht gewählt habe, in meinem Namen bei den Mördern und Folterern einschleimt.

      Und darum kann ich auch andere verstehen, die eine verstärkte Berichterstattung über westliche Morde und Folter für dringlicher halten.

      Naja, hoffen wir das Beste für Derakhshan und für alle anderen von moralisch degenerierten Menschen irgendwo auf der Welt zu Unrecht gefangen gehaltenen Menschen.

    26. name schrieb am 5. November 2009 um 21:22 - Permalink

      Jens, Danke für diesen Artikel, und er zeigt gerade, dass dir der zeitversetzte Journalismus nach Bedarf, völlig fremd ist. Respekt, auch wenn unser Einfluß sich oftmals nur auf das hoffen beschränkt ist und gegenseitige informieren reduzieren wird. Der Anspruch wenigstens in Ansätzen den Teil der Wahrheit der Zeit zu spiegeln, der sonst verschüttet geht, ist sehr viel wert.

      Grüße auch an Dich Truvor ;)

    27. Avantgarde schrieb am 7. November 2009 um 22:26 - Permalink

      Kubas bekannteste Bloggerin Yoani Sánchez wurde gerade kurzfristig festgenommen und körperlich misshandelt.

      http://www.desdecuba.com/generaciony/

    28. Nic schrieb am 11. November 2009 um 19:00 - Permalink

      Hallo Jens,

      habe Danke für diesen Text (überhaupt für all Deine Informationen über Hoder) – ich hab ihn leider erst heut gesehen.

      Wenn Du das Buch “Wir sind der Iran” von Asreen Alavi kennst … als ich es vor längerer Zeit las, wurde mir klar – und das war vor der gefälschten Wahl – dass es beim Blog-Schreiben um mehr gehen kann als darum, sein Ego zu befriedigen. Ich habe versucht, und versuche noch, einen Teil dazu beizutragen, dass sich in Iran etwas ändert. Und wenn ich mit meinen Artikeln und Fotos nur einen einzigen Menschen damit erreiche, habe ich etwas erreicht.

      Gerad heute, da Ehsan Fattahian hingerichtet wurde (und was mich persönlich weit mehr berührt als der Tod eines Fussballers), habe ich mir wieder geschworen, nicht aufzuhören und weiterzumachen und weiterzukämpfen und von Rückschlägen wie heute nicht entmutigen zu lassen.

      An Hoder – auch an Hoder, weil das ein bekannter Name und ein Gesicht ist – erinnern wir weiter jeden Freitag auf der Mahnwache. (siehe auch hier: http://bit.ly/2z242s)

      Nic

    29. Hans schrieb am 12. Januar 2010 um 18:25 - Permalink

      sehr guter blog..
      ich schaue hier imma öfter mal rein..
      dass musste jetzt mal hier gesagt werden..
      Grüßee euer Hans


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