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  • 20 Jahre Mauerfall – wir kaufen uns eine DDR

    geschrieben am 09. November 2009 von Spiegelfechter

    Auf den Tag genau vor zwanzig Jahren fiel die Mauer und ganz Deutschland war wie besoffen vor Freude. Zu recht ? schließlich war es eine äußerst glückliche Wendung der Geschichte, dass die kollabierende Sowjetunion sich friedlich von ihren Satellitenstaaten in Osteuropa trennte und deren Völkern die Entscheidung über ihre Zukunft selbst überließ. Noch ein halbes Jahr vor dem Mauerfall hätte kein ernst zu nehmender Historiker und Politologe diese Entwicklung auch nur erahnt. Der real existierende Sozialismus hatte sich selbst abgewirtschaftet und war ökonomisch und vor allem moralisch am Ende. Auch die Ostdeutschen wollten ihre Geschichte selbst in die Hand nehmen und ihr System reformieren. Diese Gelegenheit wurde ihnen vom Westen aber nicht gegeben. In einem politischen Parforceritt ohne Gleichen wurde die DDR angegliedert und dann Stück für Stück abgewirtschaftet. Heute stehen die osteuropäischen Länder Slowenien und Tschechien ökonomisch sogar schon besser da als Ostdeutschland, obgleich die DDR zu Comecon-Zeiten weitaus konkurrenzfähiger war als ihre sozialistischen Bruderländer. Schlimmer noch, Ostdeutschland stagniert und auch Ungarn, Polen und die Slowakei werden aller Voraussicht nach den deutschen Osten bald ökonomisch überholen.

    Willkommen im deutschen Mezzogiorno

    Gesamtdeutschland im Jahre 20 ? aus den blühenden Landschaften ist nichts geworden und im Osten ist ein deutscher Mezzogiorno entstanden. Dabei hätte sich die Geschichte auch anders entwickeln können. Schuld an der Fehlentwicklung ist zu einem die nationale Besoffenheit, die zu einem übereilten politischen Beitritt Ostdeutschlands zum gesamtdeutschen Staat geführt hat, und zum anderen ein volkswirtschaftlicher Radikalkurs, der letztendlich nur den westdeutschen Unternehmen geholfen hat. Aber zu welchem Preis?

    Der erste Fehler war die übereilte Währungsunion mit einem nur noch absurd zu nennenden Umtauschverhältnis von 1:1. Die mageren Ersparnisse der Ostdeutschen waren plötzlich auch etwas in einer harten Währung wert, unter den Spätfolgen dieses süßen Gifts leidet das Land aber noch heute. Plötzlich mussten ostdeutsche Unternehmen ihre Waren auch in einer harten Währung auf den internationalen Märkten verkaufen. Gegen die eigentlich unproduktiveren Konkurrenten aus Polen und Tschechien hatte man dabei kaum eine Chance, schließlich hatten sie alle Vorteile einer lokalen Währung, die butterweich und massiv unterbewertet war. Da mag es kaum wundern, dass internationale Unternehmen lieber Joint-Ventures in diesen Ländern gründeten und preiswert für den ost-, aber auch den westeuropäischen Markt produzierten.

    Gleiche Löhne für ungleiche Produktivität

    Noch schlimmer als die Währungsunion war jedoch die rasch beschlossene Lohnanpassung auf Westniveau. Innerhalb von nur fünf Jahren sollten die Löhne der Ostdeutschen vom Niveau eines Entwicklungslandes an das Niveau des damals vielleicht produktivsten Landes der Welt angepasst werden. Dies konnte natürlich nicht gutgehen, schließlich hatte damals kein einziges Ost-Unternehmen eine Produktivität, die auch nur im Ansatz mit der westlicher Firmen vergleichbar war. Wenn nun aber die Kosten der Ost-Unternehmen im Schweinsgallop zu denen der westlichen Konkurrenz aufschließen, ohne dass die Produktivität im gleichen Maße gesteigert wird, droht diesen ? im Kern gesunden ? Unternehmen in Windeseile das Aus. Dies alles ist Volkswirtschaft für Anfänger und noch nicht einmal die arbeitgebernahen Wirtschaftsinstitute plädierten zu diesen Zeiten für eine schnelle Anpassung der Löhne oder eine 1:1 Währungsunion.

    Doch kurz nach der Einheit galten andere Regeln. Beinahe die gesamte Wirtschaftslandschaft der DDR war staatlich und blieb dies auch nach der Wende, nur dass der neue Besitzer nun Gesamtdeutschland war, das nicht das geringste Interesse an diesem neuen Besitz hatte. Die Abwicklung ? oder wie es damals hieß, Privatisierung ? der Ostwirtschaft sollte über die Treuhand erfolgen. Als die verhängnisvollen Verhandlungen zur Anpassung der Ostlöhne an Westniveau stattfanden, saß der Staat am Verhandlungstisch der Arbeitgeber. Auf der anderen Seite saßen die West-Gewerkschaften, die ihren westdeutschen Genossen mit der Anpassung bestenfalls einen Bärendienst erwiesen. Aber welche Gewerkschaft ist schon auf Abschlüsse aus, die weit unter den Möglichkeiten liegen? Kaum waren die Abschlüsse unterschrieben, knallten bei den westdeutschen Unternehmerverbänden die Champagner-Korken. Dies war wohl das erste und einzige Mal, dass Arbeitgeber zu hohe Tarifverträge feiern konnten. Ihnen war schließlich ein lukrativer ? und staatlich alimentierter ? Absatzmarkt geschenkt worden und mit demselben Handschlag wurde die ostdeutsche Konkurrenz vernichtet.

    Abgehalftert, abgewirtschaftet, abgewickelt?

    Was sollten die ostdeutschen Betriebe auch machen? Ihre traditionellen Märkte in Osteuropa konnten sie aufgrund der hohen Kosten und der harten Währung nicht mehr konkurrenzfähig bedienen, während sie aus den gleichen Gründen weder in West- noch in Ostdeutschland Märkte verteidigen oder gar erobern konnten. Das unfreiwillige Geschenk der Geschichte war für den gesamtdeutschen Staat plötzlich nichts mehr wert. Darum wurde es mit aller Härte abgewickelt.

    Westdeutsche Unternehmen konnten nun ihre Ostkonkurrenz übernehmen und liquidieren. Nun konnten sie nicht nur den ostdeutschen Markt ? steuerlich subventioniert ? übernehmen, sie konnten auch ungestört im osteuropäischen Markt kannibalisieren. Als die Mauer fiel, hatten west- und ostdeutsche Unternehmen noch ungefähr den gleichen Marktanteil in Osteuropa. Als man 1996 aufhörte, getrennte Statistiken für West- und Ostdeutschland zu erheben, hatte der Westen seine Umsätze in Osteuropa jährlich mit zweistelligen Prozentzahlen ausbauen können, während der ostdeutsche Anteil sogar Jahr für Jahr zurückging. Der osteuropäische Markt ist der Ostwirtschaft nicht weggebrochen, er wurde ihr vom Westen weggenommen.

    Der Aufbau Ost war ? und ist ? hauptsächlich eine gigantische Umverteilung von Steuergeldern an die westdeutsche Wirtschaft. Solange eine Wirtschaftszone nicht die Möglichkeit hat, ihre eigene Währung abzuwerten, und weit weniger produktiv ist als die Konkurrenz, entsteht automatisch ein Bilanzdefizit. Das gigantische Leistungsbilanzdefizit Ostdeutschlands wurde und wird mit Steuergeldern ausgeglichen. Ostdeutsche bezahlten vor allem in den ersten Jahren nach der Wende westdeutsche Produkte mit Steuergeldern aus westdeutschen Kassen. Dieses Geld blieb freilich nicht im Osten, sondern floss als Umsatz und Gewinn in den Westen zurück.

    Verpasste Gelegenheiten

    Was hätte alles aus Ostdeutschland werden können, wenn man politisch umsichtiger agiert und bei volkswirtschaftlichen Fragen nicht auf die Unternehmerverbände gehört hätte? Was wäre passiert, wenn man die DDR als autonome Sonderwirtschaftszone hätte weiterexistieren lassen ? so lange, bis ein Anschluss an Westdeutschland ökonomisch vertretbar gewesen wäre? Dann hätte man die Ostmark als frei konvertierbare und vor allem niedriger bewertete Währung weiterleben lassen können und bei einer maßvollen Lohnentwicklung, die sich an der Produktivitätssteigerung orientiert hätte, hätten ostdeutsche Betriebe eine aussichtsreiche Startposition in der neuen freien Marktwirtschaft gehabt. Strukturhilfen aus westdeutschen Steuermitteln hätten die Anpassung sogar noch beschleunigt. Ostdeutschland hätte weit eher als Slowenien oder Tschechien auf ein ökonomisches Niveau kommen können, das sich mit dem westdeutschen im Ansatz hätte messen können. Die Startbedingungen für die ostdeutsche Wirtschaft waren eigentlich gut ? viel besser als in Slowenien oder Tschechien. Im Westen wollte man einen solchen Sonderweg aber nicht gehen, da vor allem die westdeutsche Industrie keine schlagkräftige Konkurrenz mitten vor der Haustür wollte. Auch die Gewerkschaften waren sicherlich nicht eben begeistert von der Idee, eine Sonderwirtschaftszone mit niedrigen Löhnen vor die Nase gesetzt zu bekommen.

    Die Geschichte verlief bekanntlich anders und heute steht der deutsche Mezzogiorno vor unlösbaren Aufgaben. Um langfristig auf Westniveau zu kommen, müsste Ostdeutschland über Jahrzehnte hinweg höhere Wachstumsraten haben als der Westen. Das Gegenteil ist der Fall ? Ostdeutschland holt nicht auf, sondern fällt Jahr für Jahr weiter hinter den Westen zurück. Sicher ? hätte man direkt nach der Wende beispielsweise aus den ostdeutschen Unis mit sehr viel Geld echte Leuchttürme der Wissenschaft und der Forschung gemacht, wären die Arbeitsplätze von selbst ins Land gekommen. Das ? und viele andere gute Ideen ? wurde aber nicht umgesetzt. Die Solidarität des Westens ging immer nur soweit, bis im Osten Konkurrenz hätte entstehen können.

    Aufbau Ost

    Was könnte man strukturpolitisch ändern, um diese Entwicklung umzukehren? Geld, Geld und nochmals Geld, aber nicht für den Konsum, sondern für Investitionen. Hier unterscheidet sich Ostdeutschland diametral vom Westen. Während im Westen die Binnenwirtschaft lahmt und sowohl der industrielle Unterbau, als auch der Unterbau im Dienstleistungssektor, im Kern gesund sind, fehlt es im Osten an allen Ecken und Enden. Sollte man den Osten mit einer simplen Erhöhung der Transfers helfen wollen, so landet dieses Geld im Endeffekt wieder im Westen.

    Das horrende Leistungsbilanzdefizit lässt sich nur dann abbauen, wenn der Osten selbst wieder mehr erwirtschaftet. Westdeutsche und internationale Unternehmen müssten massive Subventionen bekommen, wenn sie in Ostdeutschland investieren. Natürlich geht dies auch zu Lasten westdeutscher und westeuropäischer Arbeitsplätze. Aber das ist der Preis, den wir zu zahlen haben. Die Alternative wäre ein permanentes ökonomisches Gefälle im Lande, das auch fortwährend über Steuergelder finanziert werden muss ? diese Alternative ist streng genommen also gar keine. Dank der begangenen Fehler liegen die eigentlichen Kosten der Einheit also noch vor uns.

    Die Geschichte der ?Wiedervereinigung? ist eine Geschichte des übereilten Abwirtschaftens der DDR und eine Geschichte der verpassten Gelegenheiten. Natürlich bleibt der 9.November 1989 als einer der glücklichsten Tage der deutschen Geschichte in unser aller Erinnerung. Das Volk der DDR hatte sich gegen ein abgehalftertes System gewehrt. Nicht dank der Westverbündeten, sondern dank der Sowjetunion blieb diese Revolution unblutig. Schade, dass diese historische Sternstunde heute dank der Interessenpolitik einiger Weniger ein wenig verblasst ist.

    Jens Berger

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    Tags: Deutschland Neoliberalismus Volkswirtschaft Wirtschaft
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    141 Kommentare:

    1. gano schrieb am 9. November 2009 um 17:44 - Permalink

      War damals eigentlich jemand für einen “behutsamen” Wandel der EX-DDR, außer dem ollen Lafontaine?

    2. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 17:47 - Permalink

      @gano

      Aus dem Westen? Nur sehr wenige – aber im Osten wollten vor allem diejenigen, die auf der Strasse gegen SED und Stasi demonstriert haben einen “behutsamen” Wandel. Daraus wurde natürlich nichts.

    3. Westberliner schrieb am 9. November 2009 um 17:47 - Permalink

      Diesen Artikel sollte die Merkel heute am Brandenburger Tor vorlesen, anstatt die “bühenden Landschaften” zu wiederholen (wie sie es tatsächlich tat).
      Und in die Geschichtsbücher gehörte der Artikel sowieso, wenn alles normal liefe, in dieser Welt…

      PS: Stimmt, ich erinnere mich noch an den Wahlkampf damals: Lafontaine sagte die Wahrheit, … Kohl log und die Leute wählten ihn.

    4. W. Buck schrieb am 9. November 2009 um 18:14 - Permalink

      Bei aller Nabelschau seit Tagen … wer die englisch sprachige Version von GOOGLE heute öffnet sieht, dass der Mauerfall (09.11.89) nicht alles ist.

      Dort wird heute 40 Jahre Sesamstrasse gefeiert. Irgendwie passend …. ;-)

      PS: übrigens auch ein guter Tag um wieder mal Kristallnaach von BAP zu hören.

    5. genova schrieb am 9. November 2009 um 18:23 - Permalink

      Die Fehler sind schon gut erkannt, aber die Alternative “autonome Sonderwirtschaftszone” klingt doch ein wenig abenteuerlich. Du sagt ja selbst, dass die Löhne dort deutlich niedriger gewesen wären. Die Abwanderungswelle gen Westen hätte also auch so eingesetzt, und der Osten hatte schon 1990 das Problem, dass viele Facharbeiter weg waren.

    6. aquadraht schrieb am 9. November 2009 um 18:23 - Permalink

      Ein paar Korrekturen zum Komplex Währungsunion: Die Ersparnisse der DDR-Bürger in MDN waren so mager nicht. Obwohl die DDR-Löhne bescheiden waren, war der Grundbedarf in einem Masse gesichert, das die Leute sparen liess: auf grosse Ziele wie den Wagen (Trabant oder gar Wartburg), teilweise sogar das Haus im Grünen. Die Leute hatten durchweg respektable Beträge auf der hohen Kante. Ok, in DM wäre das zum Kurs 1:4 oder 1:5 nicht mehr soviel gewesen.

      Schlimm war aber, was ausgerechnet den produktivsten DDR-Betrieben widerfuhr, auch wenn deren Umstellung nicht 1:1, sondern 2:1 geschah. Denn die DDR-Spitzenbetriebe hatten sämtlich mit Valutakrediten westliche Ausrüstungen gekauft, wo das nötig war. Sie hatten für eine Maschine, die im Westen eine Million DM kostete, 4-5 Millionen MDN(der Kurs der Valutakonten schwankte um diese Werte) hinlegen müssen. Nach der “Währungsreform” wurde bei der Bundesbank der Kredit von 4 Millionen MDN auf 2Millionen DM gestellt- die Kosten der Investition verdoppelten sich.

      Die Währungsunion ist auch sonst ein faszinierendes Kapitel. Die DM für die 1:1-Umstellung wurden nicht aus dem Bundesetat genommen, was bei ca. 68Mrd. DM auch etwas viel auf einmal gewesen wäre. Die Währungsunion war Kohl, doch kam es da noch Köhler – so hiess der Finanzstaatssekretär der Kohlregierung, der heute ein anderes Amt im Staate einnimmt.

      Was da gemacht wurde, von einem professionellen Banker, kann man als einen der grössten, wenn nicht den grössten Fall von Unterschleif in der Finanzgeschichte betrachten. Man hatte ja mit der Währungsunion Zugriff auf die Staatsbank der DDR. Diese war nun keineswegs bloss normale Zentralbank, sie war auch nie weisungsfrei gewesen wie etwa die Bundesbank. Vielmehr war sie ein Kernstück der sozialistischen Wirtschaftsplanung und eine Quelle für Schattenfinanzierungen von Staatsaufgaben. Bei ihr standen Volkseigene Betriebe und Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gleichermassen in der Kreide wie Kommunen und Bezirke.
      Und die Entscheidungen über solche Verschuldungen fielen in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen, nicht in den Chefetagen der Kombinate, den Buchhaltungen der LPG oder in den Rathäusern der Gemeinden. Zu grossen Teilen wurden sie im Rahmen der Wirtschaftsplanung beschlossen und den Wirtschaftssubjekten auferlegt. Nicht geringe Summen waren aus dem Staatsetat verlagerte Aufgaben.

      Normalerweise hätte man bei einer Abwicklung der Staatsbank der DDR die Aktivsalden gegen die Forderungen gegen die Bank verrechnen und den – durchaus vorhandenen – Überschuss verwerten können. Köhler wusste aber, dass er nicht diese paar Milliarden brauchte. Er kam daher auf die ausgesprochen kreative Idee, die Forderungen der Staatsbank gegen einen Abschlag von über der Hälfte für Bares an die deutschen Banken zu verticken. Die dadurch natürlich offenbleibenden Schuldenpositionen der VEB, LPG, Kommunen und Gebietskörperschaften bekamen nun einen Namen: “DDR-Altschulden”. Dadurch war die DDR auf einen Schlag mit über 130 Mrd. DM (nicht MDN) in der Kreide.

      Gegen Köhler ist Madoff ein Weisenknabe – und Aussichten, Präsident zu werden, hat er nicht.

    7. HELLMOOD schrieb am 9. November 2009 um 18:43 - Permalink

      Nicht Absurd, nicht Unterschleif sind die richtigen Bezeichnungen für den 1:1 Umtausch. Wahlbestechung wäre wohl der richtige Name für dieses Kind. Dass es “bankert” war, ist Geschichte.

    8. Dierk schrieb am 9. November 2009 um 18:47 - Permalink

      Ich bezweifle – als jemand, der damals schon reichlich alt genug war, sich Gedanken zu machen und zu freuen -, dass außer dem saarländer Fabulierer irgendjemand wirklich fundiert für einen behutsamen Wandel war. Im zweiten Blick: auch Lafontaine war wohl eher dafür, weil er sich damit gegen alle anderen stellte. Wie immer ist es im Nachhinein einfacher, die Fehler zu erkennen, denn als Prophet im Vorwege zu sagen, wie’s ausgeht.

      Der Mauerfall kam relativ überraschend, die meisten Politiker hatten sicher nicht damit gerechnet, nur wenige dürften überhaupt der Meinung gewesen sein, die DDR würde in einem absehbaren Zeitraum verschwinden. Meine persönliche Meinung spielte damals keine Rolle und ist heute nicht mehr beweisbar [hätten Twitter, Blogs, Online-Anwendungen doch bloß früher ... Google, wo warst du?]; ab 1986 war ich überzeugt, das sozialistische Deutschland würde das Jahr 2000 nicht erleben. Wie die Vereinigung der “beiden deutschen Staaten” sich im Detail darstellen würde, war mir egal.

      Als es dann soweit war, ganz plötzlich, spätabends, in den Tagesthemen, dürfte vielen klar gewesen sein: Das war’s, tschüß DDR, hallo Deutschland! Ich weiß auch noch sehr genau, wie langsam der weiter Verlauf erschien. Wann endlich konnten wir reichen Brüder und Schwestern einfach so mal rüber? Wie lange würde sich der Schein-Staat noch halten? Warum sind wir nicht schon eins? Bis Weihnachten schien alles Schlag auf Schlag zu gehen, danach zog es sich.

      Die Wochen, nachdem wir hin und her reisen durften, waren geprägt von armen Schweinen aus dem Osten – für Westdeutsche damals wie heute oft Terra Incognita -, die viele Wünsche und wenig Mittel hatten. Berechtigte Wünsche, meine ich. Und für die älteren, die den Kalten Krieg durchlebt hatten, die vielleicht schon den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, die in den wesentlichen Jahren 1945, 1949 oder 1961 zufällig auf der “richtigen” Seite der Trennlinie standen, galt die Teilung Deutschlands ohnehin nur als Stachel im Fleisch.

      Kurz gesagt: Wir wollten die Einheit.

      Politisch, moralisch und emotional wäre es wohl kaum durchsetzbar gewesen, die Teilung teilweise aufrecht zu erhalten. Das hätte bedeutet, mehrere Jahre, möglicherweise mehr als eine Dekade, offiziell Erster-Klasse- und Holzbank-Deutsche zu haben. Man soll sich ja nicht als Hellseher versuchen, ich schätze aber, dass diese Situation weder vom [dann auch zahlenden] Westen noch vom [auch dann empfangenden] Osten besser aufgenommen worden wäre als die jetzige.

    9. aeroween schrieb am 9. November 2009 um 18:52 - Permalink

      Lieber Jörg,
      als jemand, der mal Geschichte studiert hat, weiss ich, das die Frage: “was wäre wenn” rückblickend gestellt eigentlich obsolet ist. Dabei läßt sich doch über dieses Thema trefflich streiten. Es ist, wie es ist.
      Als damals Lafontaine die Kosten der Einheit ziemlich genau beziffert hat – und deshalb nicht gewählt wurde, war und ist klar: nicht die Realität war gefragt, sondern die glorreiche Vision (der blühenden Landschaften…).
      Du behauptest strukturpolitisch würde Geld und nochmals Geld helfen – das würde sicherlich auch der Mafiosi im Süden Italiens behaupten. Auch er würde damit richtig liegen.
      Und denoch denke ich, es lohnt nicht den verpassten Gelegenheiten hinter herzutrauern.
      Ich hatte vor und nach der Wende mit vielen Menschen in der DDR gesprochen. Was ist aus Ihren Vorstellungen geworden? Was würde mir Bärbel Bohley heute sagen? Ich weiss es nicht.
      Eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtung greift hier zu kurz.

    10. Alex schrieb am 9. November 2009 um 19:08 - Permalink

      @ aquadraht

      lange Rede kurzer Sinn: Die BRD hat Schulden der DDR aufgenommen, die im Grunde keine waren und diese an die Banken verkauft, gegen billiges Geld. Diese Banken haben nun Zinsforderungen der ex DDR, die sie gegen die BRD geltend machen können. Habe ich das so richtig verstanden?

      Die Schätzungen gehen dabei ja von bis zu 400 Mrd. DM aus, obwohl die Auslandsschulden der DDR (im nicht sowejetischen Bereich) deutlich niedriger gewesen sein sollen. Je nach Quelle 19 -50 Mrd. DM. Da müsste man genauer nachforschen.

      Man halte also fest. Währungsreform 1:1, Aufnahme von Schulden und die Lohnangleichung. Das alles war ein totsicheres Ding für die Banken. Die Jungs haben sich die Taschen voll gemacht.

      Selbstverständlich sind blühenden Landschaften entstanden…in den Banken.

    11. Heiko schrieb am 9. November 2009 um 19:09 - Permalink

      Was war das gleich noch mal mit den Stalin-Noten? Hmmm, also der Mauerbau wird ja immer nur emotional und nicht historisch betrachtet. Warum wohl? ^^ Man müßte ja glatt eine Mitschuld eingestehen.

    12. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 19:10 - Permalink

      @Dierk

      Im zweiten Blick: auch Lafontaine war wohl eher dafür, weil er sich damit gegen alle anderen stellte. Wie immer ist es im Nachhinein einfacher, die Fehler zu erkennen, denn als Prophet im Vorwege zu sagen, wie?s ausgeht.

      Jein – ich nehme ja nur ungerne das DIW und andere Institute als Argumentationsbeihilfe. Aber damals waren eigentlich fast alle Ökonomen auf Seiten Lafontaines – sogar Professor Unsinn. Da Lafontaine – egal was man von ihm hält – zweifelsohne etwas von Volkswirtschaft versteht (viele andere Politiker verstehen viel von Wirtschaft, aber nicht von Volkswirtschaft) , kann man ihm hier wohl kaum Zwangnonkonformismus unterstellen.

      Der Mauerfall kam relativ überraschend, die meisten Politiker hatten sicher nicht damit gerechnet, nur wenige dürften überhaupt der Meinung gewesen sein, die DDR würde in einem absehbaren Zeitraum verschwinden.

      Ja – aber die “Wiedervereinigung” hätte durchaus ohne diesen Aktionismus stattfinden können. Sooo eilig war es sicher nicht.

      Als es dann soweit war, ganz plötzlich, spätabends, in den Tagesthemen, dürfte vielen klar gewesen sein: Das war?s, tschüß DDR, hallo Deutschland! Ich weiß auch noch sehr genau, wie langsam der weiter Verlauf erschien. Wann endlich konnten wir reichen Brüder und Schwestern einfach so mal rüber? Wie lange würde sich der Schein-Staat noch halten? Warum sind wir nicht schon eins? Bis Weihnachten schien alles Schlag auf Schlag zu gehen, danach zog es sich.

      Richtig, so dachte ich auch. Und “Nestbeschmutzer” wie Lafontaine folgte ich damals argumentativ auch nicht. Ich war noch jung und glaubte der Politik. Was für ein Fehler.

      Die Wochen, nachdem wir hin und her reisen durften, waren geprägt von armen Schweinen aus dem Osten ? für Westdeutsche damals wie heute oft Terra Incognita -, die viele Wünsche und wenig Mittel hatten

      Sicherlich war das so. Leider hat man damals fast nie Polen, Tschechen oder Ungarn hier gesehen. Ihnen fehlte meist das “harte Geld”, um überhaupt rüber zu kommen. Unseren ostdeutschen “Brüdern” haben wir mit den Geldgeschenken aber einen Bärendienst erwiesen.

      Politisch, moralisch und emotional wäre es wohl kaum durchsetzbar gewesen, die Teilung teilweise aufrecht zu erhalten. Das hätte bedeutet, mehrere Jahre, möglicherweise mehr als eine Dekade, offiziell Erster-Klasse- und Holzbank-Deutsche zu haben.

      Das ist wohl richtig. Hier hätte es einer starken Führung bedurft.

    13. MNB schrieb am 9. November 2009 um 19:13 - Permalink

      Die Analyse des engagierten Gesamttextes mag ich nicht vornehmen. Der Grundtenor ist korrekt. Aber ein paar Details:
      1. “Der erste Fehler war die übereilte Währungsunion mit einem nur noch absurd zu nennenden Umtauschverhältnis von 1:1.” – Zum einen war der Umtauschkurs nicht komplett 1:1, zum anderen war der Umtauschkurs quasi der Startschuß. Den erachte ich für irrelevant. 2:1, 1:1, 1:2 – so what? Das war der gesetzte Punkt und fertig. Interessant ist alles auf der Zeitschiene danach.
      2. “Noch schlimmer als die Währungsunion war jedoch die rasch beschlossene Lohnanpassung auf Westniveau.” – Noch viel schlimmer war, daß aus den Gewinnabführungen/Bilanzierungen der Staatsunternehmen Kredite gebastelt wurden, die ursprünglich gar keinen waren. Bevor die Unternehmen an zu hohen Löhnen untergehen konnten, scheiterten sie an den aus dem Hut gezauberten Altschulden.
      3. “Solange eine Wirtschaftszone nicht die Möglichkeit hat, ihre eigene Währung abzuwerten, und weit weniger produktiv ist als die Konkurrenz, entsteht automatisch ein Bilanzdefizit.” – Full ack! Schöne Begründung, warum der ? abgeschafft gehört. Nur heißen die NBL hier Italien, Spanien etc.
      4 “Strukturhilfen aus westdeutschen Steuermitteln hätten die Anpassung sogar noch beschleunigt.” – Warum? Die ostdeutschen betriebe hätten konsequent an nichtdeutsche Unternehmen, zumindest nicht an den direkten Wettbewerber im Westen verscherbelt werden dürfen. Kann ich Beispiele ohne Ende bringen. Der Osten war sicherlich unproduktiver, aber es gab einen Markt und eingeführte Unternehmen. Internationale Unternehmen hätten da viel pushen können. Aber das wäre dann freie Marktwirtschaft geworden. Und die gibt es bekanntlich nur in Sonntagsreden.
      5. “Geld, Geld und nochmals Geld, aber nicht für den Konsum, sondern für Investitionen.” – Nein. Glaube ich nicht. Das Geld fließt dann doch wieder nur in Unternehmen, die als Werkbänke Tochterunternehmen von Westunternehmen sind. Das sind nur Taschenspielereien. – Die Lösung heißt: Marktwirtschaft! Ich kenne viele Unternehmer im Osten. Die wollen sich selber aus dem Sumpf ziehen und kaufen z.T. wenn irgend möglich Vorprodukte im Osten. – Sorry, aber der Zug ist im großen und ganzen abgefahren. Siehe Finanzkrise. Noch nicht einmal die westdeutsche Realwirtschaft kommt an der Lobby der Finanzwirtschaft in Richtung Regierung durch. Damit ist alles gesagt. Entweder regionalisiert der Osten seine Wirtschaftsstrukturen, oder es plätschert weiter so dahin.
      6. “Westdeutsche und internationale Unternehmen müssten massive Subventionen bekommen, wenn sie in Ostdeutschland investieren.” – Subventionen sind immer Mist. Die werden abgegriffen und fertig. (Wer keine abgreift hat ein Problem. Das löst einen Run auf die Kohle aus, die irgendwie verbraten werden muß. Schau dich in Brandenburg um. Gibbet schöne Subventionsruinen.) Nein, dort müssen Unternehmenskredite hin, mit denen regionale Unternehmen gefördert werden und expandieren/investieren können trotz kleinerem Eigenkapitalstock. Wieso prosperieren denn Städte wie Hamburg, München etc? Wegen dem höheren Lohnniveau, vom dem das “Drumherum” besser leben kann. Nicht am Fließband. Sondern in den dortigen Unternehmenszentralen. Geschäftsleitung, Marketing, Forschung, Planungsabteilungen. Um diese gruppieren sich dann die Angebote zur Lebensqualität. Unternehmenszentralen mit Zentralfunktionen müssen in den Osten. Denn die werden nicht wie eine Werkbank auf und zu geklappt. Die kämpfen um die Erhaltung des Standorts. Nie werden Siemens oder BMW auch nur 1 Sekunde über die Verlagerung der Zentrale nach China nachdenken.

      Sorry, wenn ich deinen Artikel gefleddert habe. Den Grundtenor deines Artikel unterstütze ich. Aber der Rest schrammt an den Problemen mitunter vorbei. Gruß

    14. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 19:24 - Permalink

      @MNB

      1. ?Der erste Fehler war die übereilte Währungsunion mit einem nur noch absurd zu nennenden Umtauschverhältnis von 1:1.? ? Zum einen war der Umtauschkurs nicht komplett 1:1, zum anderen war der Umtauschkurs quasi der Startschuß. Den erachte ich für irrelevant. 2:1, 1:1, 1:2 ? so what? Das war der gesetzte Punkt und fertig. Interessant ist alles auf der Zeitschiene danach.

      So what ist gut ;-) Auch die von Dir exponiert dargestellten Schulden wurden nach diesem Schlüssel umgestellt. Aber nicht nur das – kein Mensch war der Meinung, Ost- und Westmark wären gleich viel wert. Der letzte Schwarzmarktkurs lag m.W. bei 1:6 – und die Schwarzmärkte lügen nie ;-)

      2. ?Noch schlimmer als die Währungsunion war jedoch die rasch beschlossene Lohnanpassung auf Westniveau.? ? Noch viel schlimmer war, daß aus den Gewinnabführungen/Bilanzierungen der Staatsunternehmen Kredite gebastelt wurden, die ursprünglich gar keinen waren. Bevor die Unternehmen an zu hohen Löhnen untergehen konnten, scheiterten sie an den aus dem Hut gezauberten Altschulden.

      Auch das war ein Problem. Aber bei den meisten ostdeutschen Betrieben waren die Lohnkosten um ein vielfaches(!) höher als die Kredittilgungen.

      3. ?Solange eine Wirtschaftszone nicht die Möglichkeit hat, ihre eigene Währung abzuwerten, und weit weniger produktiv ist als die Konkurrenz, entsteht automatisch ein Bilanzdefizit.? ? Full ack! Schöne Begründung, warum der ? abgeschafft gehört. Nur heißen die NBL hier Italien, Spanien etc.

      Richtig! Aber mit der D-Mark wären die deutschen Exportgüter um einiges teurer. Das kann unsere liebe Bundesregierung doch nicht wollen ;-)

      4 ?Strukturhilfen aus westdeutschen Steuermitteln hätten die Anpassung sogar noch beschleunigt.? ? Warum? Die ostdeutschen betriebe hätten konsequent an nichtdeutsche Unternehmen, zumindest nicht an den direkten Wettbewerber im Westen verscherbelt werden dürfen.

      Sicher – das war unter dem Vorsatz einer Sonderwirtschaftszone. Danach schrieb ich auch etwas von Joint-Ventures. Ich meine das schon so, wie Du es schreibst.

      5. ?Geld, Geld und nochmals Geld, aber nicht für den Konsum, sondern für Investitionen.? ? Nein. Glaube ich nicht. Das Geld fließt dann doch wieder nur in Unternehmen, die als Werkbänke Tochterunternehmen von Westunternehmen sind. Das sind nur Taschenspielereien.

      Aber die löhne bleiben vor Ort. Darauf kommt es an.

      Die Lösung heißt: Marktwirtschaft! Ich kenne viele Unternehmer im Osten. Die wollen sich selber aus dem Sumpf ziehen und kaufen z.T. wenn irgend möglich Vorprodukte im Osten. ? Sorry, aber der Zug ist im großen und ganzen abgafahren. Siehe Finanzkrise. Noch nicht einmal die westdeutsche Realwirtschaft kommt an der Lobby der Finanzwirtschaft in Richtung Regierung durch. Damit ist alles gesagt. Entweder regionalisiert der Osten seine Wirtschaftsstrukturen, oder es plätschert weiter so dahin.

      ACK

      6. ?Westdeutsche und internationale Unternehmen müssten massive Subventionen bekommen, wenn sie in Ostdeutschland investieren.? ? Subventionen sind immer Mist. Die werden abgegriffen und fertig

      Klar – aber erst wenn im Osten eine echte Binnennachfrage entsteht, kann der nachhaltige “Aufschwung” kommen. Und diese Binnennachfrage entsteht zuerst über Löhne und Gehälter. Und – anders als bei Transfers – ziehen Investitionen auch andere Unternehmen an oder lassen kleinere Unternehmen im Umfeld entstehen.

    15. Vince schrieb am 9. November 2009 um 19:34 - Permalink

      Hallo Jens Berger, endlich ein wirklich gelungener Beitrag zum Thema Mauerfall, danke dafür. Spontan fällt mir da meine Reise nach Leipzig zur Games Convention ein, ich war fasziniert und überrascht von der Infrastruktur auf dem Weg dorthin. Von den Straßen und ich spreche nicht nur von der Autobahn, nein auch kleinste “Käffer” Sträßchen von denen man hätte essen können so frisch, sauber, knackig und gesund sahen die aus, ein wahrer Augenschmaus. Das Fahren war eine wahre Freude auf den verhältnismäßig leeren chausseen, Alleen um nicht zu sagen Schienen. Sie waren leider nur eins nicht – annähernd ausgelastet. Man hätte vermuten können eine Paradies für Besserwessis geschaffen zu haben, in dem sie ihrer Lust am Autofahren fröhnen können, die herrliche Landschaft tut ja ein Übriges. Bis heute habe ich keine befriedigende Antwort auf dieses Phänomen gefunden (Sinnlos?). Irgendeine sinnvolle Erklärung dafür, erleuchtet mich ;-)

      Gruß

      Vince

    16. R_Winter schrieb am 9. November 2009 um 19:36 - Permalink

      @ aquadraht

      Ihre Ausführungen stimmen, aber es war gewollt seitens der Finanzindustrie, den Arbeitgeberverbände und umgesetzt von der Treuhand als verlängerter Arm der Politik.

      Abgesehen von den verbrannten Milliarden war aber keine Erfahrung mit diesen Umständen vorhanden.

      Eine langsame Anpassung wäre noch viel teurer gewesen, wenn man die jetzige Systemkrise mit einrechnet (bei Betrachtung mit dem heutigen Wissen).

      Das Problem im gesamten Ostblock sind die Erwartungen der Menschen und es dauert bestimmt zwei Generationen die Einstellungen der Menschen zu ändern. Dieses Problem ist größer als jede Modernisierung – was dieses auch immer sei. Der gesamte Ostblock war seitens der Infrastruktur und industriell verrottet. Die Produktivität lag bei ca. 35% und die tägliche Abwesenheitsquote ebenfalls.
      Ich bin mir klar, das bestimmte Kreise jetzt mit großer Empörung starten, aber ich habe diese Erfahrungen vor dem Zusammenbruch und 20 Jahre nach den Zusammenbruch erlebt und dieses in verschiedenen Ostblockländern.

      Es geht sehr vielen Menschen in allen Ostblockländern heute materiell schlechter als 1993. In vielen Ostblockstaaten würden ohne Eigenanbau Menschen verhungern, da Produkte nicht konkurrenzfähig sind (trotz langsamer Anpassung in diesen Ländern) und seitens der westlichen Banken die Binnennachfage künstlich abgewürgt wird.

      Dank der Systemkrise, Dank den Banken und extrem unfähigen Politikern in West und Ost. und
      Dank der Korruption, die durch die EU immer noch gedeckt wird.

    17. volkmar schrieb am 9. November 2009 um 19:57 - Permalink

      Schlimmer noch, Ostdeutschland stagniert und auch Ungarn, Polen und die Slowakei werden aller Voraussicht nach den deutschen Osten bald ökonomisch überholen.

      Mit Verlaub, aber wann hast du das letzte Mal Polen, Ungarn oder die Slowakei besucht? Diese Aussage ist blanker Unsinn, denn fahr doch bitte mal mit dem Auto aus deinem schönen Westdeutschland via Ostdeutschland durch besagte Länder. Ich glaube kaum (auch angesichts der Wirtschaftskrise, der diesen Staaten massiv zusetzt), dass diese Staaten auch nur ansatzweise in der Lage sind, in den nächsten Jahren hier an irgendwem vorbeizuziehen.

      Vom Schreibtisch aus sehen Statistiken freilich immer spannend aus, aber abgesehen von einigen Zentren, wo es ganz gut läuft, ist die Provinz in Polen, Tschechien und Ungarn komplett heruntergewirtschaftet und liegt brach. Ich meine hier jetzt nicht die paar schönen Ecken, die die Teutonen hin und wieder im Urlaub heimsuchen. Meine zahlreichen Freunde, die dort wohnen, verdienen im Schnitt zwischen 300 und 600 EUR pro Monat… das ist selbst für ostdeutsche Verhältnisse hier ein Hungerlohn. Verfallene Häuser, tote Industrieanlagen… das ist die Realität im ehemaligen Warschauer Pakt. Alles was dort erwirtschaftet wird (und dann in Statistiken auftaucht) ist nur Zustande gekommen, weil Multinationale Konzerne dort tätig sind. Aber das Geld fließt zurück dahin, wo es hergekommen ist.

    18. name schrieb am 9. November 2009 um 19:59 - Permalink

      @6 aqudraht @10 Alex @16 R.Winter

      Genau das war die Übernahme der Staatsbank der DDR: einer der größten Bankräubereien in der Weltgeschichte der Menschheit, organisiert von Köhler und Sarrazin, für das westliche Bankkapital, wobei wie Herr Winter schon richtig festgestellt hat, die Bevölkerung der DDR im Vergleich zu den Reststaaten des Warschauer Vertrages damals wirklich noch “Glück” gehabt hat und nicht verhungern, sondern nur zur temporären Dauerarbeitsflucht greifen musste. Die kapitalistische Strukturkrise, deren Auswirkungen damals schon sichtbar wurden, wurde damals nur noch einmal künstlich um 20 Jahre bis in das Heute verlängert.

      http://www.neues-deutschland.de/artikel/157990.sarrazin-k-ein-dachschaden.html

      Es war im übrigen in den letzen Wochen bezeichnend, wie man die drei körperlich Kranken und eher Halbtoten Bush, Kohl und Gorbi zur Einheitsshow in die TV Sender gezerrt hat, und dabei die geschichtliche Bedeutung der Charaktere mit Kohl völlig entstellt hat.

    19. MNB schrieb am 9. November 2009 um 20:08 - Permalink

      @SF/14

      Danke für deine Antwort auf meinen Beitrag. Noch kurz nachgereicht:

      Nein, die Schulden wurden nicht 1:1 umgestellt. Es gab gar keine Schulden. Nicht eine müde Ostmark. Es gab Gewinnabführung und Bilanzierung. Die sogenannten Altschulden wurden von Westbeamten in Unkenntnis/Desinteresse/$WeitererGrund fehlinterpretiert und damit aus der Luft kreiert.
      Nächstes Mißverständis: der Startkurs ist in meinen Augen irrelevant. Ob eine Familie mit 1000 oder 5000 DM in die Freiheit startet ist für alle nachgelagerten Betrachtungen völlig obsolet. Diese Startpunkte kann man willkürlich setzen.
      Zu 5.: Es bleiben aber nur die “putzigen” Löhne vor Ort. Prosperierende Wirtaschaftszonen pulsieren nicht durch die Löhne des Prakariats, zugespitzt formuliert.
      Und zu 6: Der Osten braucht aber auch mal ein paar Große. Und eine eigene Manager-Kaste. Solange im Osten das Werkbank-Syndrom herrscht, geht es nie nennenswert voran.

      Gruß

    20. derkiesi schrieb am 9. November 2009 um 20:11 - Permalink

      Danke für den Artikel! Ich als Ostdeutscher des 80′er-Jahrgangs konnte diesen Teil der Geschichte leider nicht politisch bewusst verfolgen. Eine solche Zusammenfassung hilft mir sehr, die Denkweise der “älteren” Generation (Ost wie West) zu verstehen.
      Im Licht dieses Artikels muss ich wirklich über eine mir gegenüber getätigte Äußerung einer schwäbischen Frau schmunzeln. Als sie hörte, dass ich aus Ostdeutschland stamme, sagte sie reflexartig, dass es uns ja wohl gut gehen müsse wegen all des Begrüßungsgeldes, das wir geschenkt bekommen haben. :-D

    21. martin schrieb am 9. November 2009 um 20:32 - Permalink

      Die mageren Ersparnisse der Ostdeutschen waren plötzlich auch etwas in einer harten Währung wert

      Das stimmt insofern, dass Privatvermögen nur bis zu einer bestimmten Grenze 1:1 umgetauscht wurden, darüber hinaus wurde aber abgewertet. Zumindest wurde mir das so berichtet.
      Dass es trotzdem überwertet war, will ich ja gar nicht in Frage stellen, aber jede DDR-Mark 1:1 umzutauschen, wäre ja wirklich verrückt. Gibts dafür ne Quelle? Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden.

    22. karotte3000 schrieb am 9. November 2009 um 20:34 - Permalink

      hätte hätte hätte… es ist doch super das alles geklappt hat, im nachhinein kann man immer etwas besser machen, aber es ist doch die hauptsache das deutschland nicht mehr geteilt ist, daher kann man doch glücklich sein wie supermegatoll alles ist heutzutage!

    23. MNB schrieb am 9. November 2009 um 20:35 - Permalink

      @derkiesi ? Noch mehr Lesestoff zum Verständnis der Problematik:

      http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1024/194919892009/0004/index.html

      http://www.ftd.de/politik/deutschland/:einfuehrung-der-d-mark-kohls-grosser-fehler/50032842.html

      http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/art141,1883768

      @karotte3000

      “hätte hätte hätte?” :o) Nur begründet man mit den Kosten der Einheit, die EBEN NICHT so hoch sein müßten und zu einem Gutteil auf Bereicherung und Inkompetenz fußen, die Einschnitte ins Sozialsystem. Und diese krude Pseudo-Kausalität gehört schon entzaubert. Wichtiges Problem der Demokratie: die organisierbare Verantwortungslosigkeit.

      Gruß

    24. name schrieb am 9. November 2009 um 20:42 - Permalink

      @22

      Es gibt kein “gemeinsames” Deutschland. Die sozialen Unterschiede, die Klassenstrukturen, sind so extrem, dass es nirgendwo Gemeinsamkeiten gibt. Huntertausende plendeln verkauftend ihre Arbeitskraft hin und her, um wenigstens der Restbestand, was man “Familie” nennt, finanzieren zu können.

      Der Mythos, der heute in Berlin gefeiert wird, ist zynisch, mehr aber auch nicht, und dieser falsche Zynismus wird als ideologisches Band mehr denn je benötigt, um die folgenden politischen und ökonomischen Verwerfungen steuern und in eine bestimmte Richtung weisen zu können.

    25. Shitop schrieb am 9. November 2009 um 20:48 - Permalink

      @22 Super!

      Gar nichts hat geklappt. 20 Jahre lang wurde der Bevölkerung Sand in die Augen gestreut. Die Deutschen werden sich noch die Augen reiben, wenn sie sehen, was sie angerichtet haben. Die Kosten der Einheit sind noch lange nicht bezahlt. Bislang wurden nur die Provisionen und Boni verteilt. Die Rechnung kommt erst noch und dann muss bezahlt werden.

    26. Bernd schrieb am 9. November 2009 um 21:06 - Permalink

      Wie beschrieben war alles eitel Freude als die Wiedervereinigung endlich erfolgen konnte. Und wenn ich mich richtig erinnere war damals auch die Wirtschaft geblendet – allein von der Vorstellung 16 Millionen neue Kunden zu haben und jede Menge an Aufbauarbeit zu haben.
      Nun 20 Jahr danach ist die Freude nicht mehr so groß, weil erstens die Kunden “leider” nicht nur konsumieren könenn sondern auch selber produzieren und Geld verdienen möchten und weil sich die Aufbauarbeit fast als Faß ohne Boden erweist. Ein Land in der Größenordnung auf das extrem hohe Niveau des westdeutschen Standards zu bringen ist eben doch aufwendig.
      Die Frage was alles hätte besser gemacht werden können (und welche Fehler gemacht wurden) ist hier zwar sehr ausführlich beschrieben – ich fände aber die Frage “Würden wir nochmals eine Wiedervereinigung anstreben wenn das Ergebnis so ist wie es sich derzeit darstellt” entscheidender.
      Und ich glaube dass hier die überwiegende Antwort ein klares JA ist.
      Und aus dieser Einschätzung heraus kann ich die ganze Wiedervereinigung also nur als Erfolgsgeschichte werten.
      Sie ist nicht abgeschlossen – die Probleme sind da und müssen mit weiterem Aufwand angegangen werden – aber ich glaube dass viele Probleme auch ohne Wiedervereinigung in vielleicht etwas schwächerer Form da wären. Die Arbeitslosigkeit im Osten ist hoch – aber auch nicht so enorm dass sie das gesamte wiedervereinigte Deutschland in den Abgrund reißen würde. Und neue Ideen und Industrie braucht ganz Deutschland wenn es weiter auf diesen hohen Niveau leben will.
      Was oben nur kurz beschrieben wurde und mir aufgefallen ist, ist dass vieles Gute auch verlorengegangen ist. Im wissenschaftlichen Bereich waren die Arbeiten des Ostens damals immer exzellent , die Lahrbücher waren eigentlich fast unglaublich gut und dass dies nicht mehr existiert ist empfinde ich als echten Verlust.
      Und ich glaube auch das viele Produkte sicher hochwertig waren – aber da hatt eben die “westdeutsche Konkurrenz” sofort zugeschlagen und diese Konkurrenz ausgeschaltet aber das ist ja oben im Artikel auch ausführlich genug gesagt worden.

    27. AausP schrieb am 9. November 2009 um 21:09 - Permalink

      @17:

      “abgesehen von einigen Zentren, wo es ganz gut läuft, ist die Provinz in Polen, Tschechien und Ungarn komplett heruntergewirtschaftet und liegt brach”

      Von einem Extrem ins andere….und dann noch fein alles in einem Aufwasch. Wann warst du denn das letzte mal in der Tschechischen Republik? Vor 15 Jahren?
      Ich wohne in Sachsen,unmittelbar an der tschechischen Grenze. Glaubt mir, die Entwicklung die unser südlicher Nachbar in den letzten 20 Jahren gemacht hat ist beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, daß dies alles weitestgehend ohne reiche Westonkels geschah. Als ein Beispiel möchte ich mal auf die üppige kommunale Infrastruktur verweisen. Unsere beiden tschechischen Nachbarkreisstädte verfügen z.B. beide über moderne Sporthallen, Eisstadien, Museen, Schlösser und Zoologische Gärten. Auch wenn diese teilweise noch aus der Vorwendezeit stammen, so wurden sie seitdem sichtbar erweitert und modernisiert (meine Kreisstadt verfügt über fast nichts davon). Nicht so großkotzig wie bei uns manchmal, eher nach dem Motto außen pfui, innen hui. Auch der ÖPNV ist bestens ausgebaut, die Bahninfrastruktur (im Gegensatz zu unseren verlotterten Bahnhöfen) gut gepflegt.
      Das alles kommt natürlich nicht von ungefähr. Die örtlich Gewerbegebiete sind auch alle gut gefüllt.
      Die EU veröffentlicht ja immer so schöne statistische Karten. Demnach liegt das pro Kopf BSP in Mittelböhmen und Prag über dem Sachsens, das nordböhmische etwas darunter (aber davon verstehe ich nicht wirklich etwas).
      Eh ich es vergesse, auch die Sozialleistungen bewegen sich in einem vergleichbaren Rahmen (unter Berücksichtigung der Einkommensunterschiede).
      Über Polen und Ungarn kann ich nicht so viel sagen, aus persönlicher Anschauung (kenne kaum mehr als das polnisch- tschechische Grenzgebiet) glaube ich, daß es da doch gewaltig Unterschiede gibt. Straßen und Städte (nicht so sehr die Dörfer) sind in einem großteils trostlosem Zustand (der Randlage geschuldet?). Das alte Habelschwerdt im Glatzer Bergland habe ich z.B. als einen, selbst an einem sonnigen Sommertag, extrem traurigen Ort in Erinnerung. Diese Trostlosigkeit ist doch bestimmt auch ursächlich für die Neigung der Polen, ihr Glück in Massen im Ausland zu suchen. Tschechen machen das nicht. Die basteln am Wochenende lieber auf ihrer Datsche.
      Hm, es wurde ja noch Slowenien erwähnt. Das Land ist mir in der Vergangenheit stets dadurch aufgefallen, daß die sonst im Osten verbreitete Verseuchung durch westliche Banken und Handelsketten kaum erkennbar war. Hat sich etwas geändert, aber immer noch sind Aldi und Co. dort in der Unterzahl. Da wurde offenbar bei der Transformation ein (erfolgreicher) Sonderweg eingeschlagen.

    28. bambi schrieb am 9. November 2009 um 21:14 - Permalink

      Die Aussage, dass die DDR-Bürger kein oder nur geringes Geld auf dem Konto hatten stimmt nicht. Die Lebenserhaltungskosten waren verglichen mit heute unvorstellbar gering (z.b. 40 Mark Miete bei 1400 Mark Monatseinkommen). Das Problem der DDR-Bürger war nicht fehlendes Geld, sondern fehlende Konsummöglichkeiten. Es herrschte außerhalb der Grundversorgung einfach Mangelwirtschaft. Die Leute haben einfach ihren Arbeitsplatz verlassen, wenn sie das Gerücht hörten es könnte irgendwo gute Jeans, Möbell o.ä. zukaufen geben. Das Problem der DDR-Wirtschaft war die einseitige Ausrichtung auf den Export unter Vernachlässigung des Binnenkonsums. Wobei ihr aufgrund Devisenmangels vielleicht auch gar nicht anderes übrig blieb. Auf die Ungleichen Startbedingungen BRD/DDR möchte ich nicht eingehen auch wenn sie wichtig sind.

      Ich kann dir diese Arbeit empfehlen: http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m2706b.pdf

      Übrigens finde ich die reißerischen Formulierungen wie “abgewirtschaftet” und “moralisch am Ende” sehr belastend.

      In diesem Jahr wird so viel über die DDR und die Ostdeutschen geschrieben. Immer im Besserwisser(-wessi)stil. Und meistens ist offensichtlich, dass der Schreiber über die Lebenswirklichkeit in der DDR keine Ahnung hatte. Vielleicht ist das auch ein schweres Thema für Westdeutsche. Aber warum müssen sie sich ständig daran versuchen?

      In der U-bahn musste ich heute lesen, dass die Ossis ja alle viel ungesünder damals gelebt haben und eher gestorben sind. Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst. Aber mich kotzt das einfach an.

      Ich erkenne an, dass du in dem für dich üblichen Stil versucht hast einen kritischen Artikel zum aktuellen Thema zu schreiben. Auch wenn es mir lieber gewesen wäre, ich hätte was anderes lesen dürfen.

    29. R_Winter schrieb am 9. November 2009 um 21:32 - Permalink

      Es gibt im ganzen Ostblock nichts vergleichbars: Lettland: Riga – und der Rest des Landes.
      Rigas Innenstadt ist total restauriert (eine der schönste Städte Europas), mit Wagen ab 100.000? vor den Kneipen, abgeschirmte Häusern von Regierungsmitgliedern + Co mit Wachhhäuser von 100m² und mehr.
      Außerhalb Rigas : Verarmung von unvorstellbaren Masse.
      Echte Arbeitslosigkeit über 25%
      Das Land ist total pleite. Die Rentner halten keine 100? p.m. bei Preisen die Aldi, Lidl nie fordern würden.
      Was sagt dieses: Außen hui, innen pfui und Korruption von man hinsieht. Wer Riga sieht, kennt nichts und ähnlich sieht es überall im Ostblock aus.
      Aus dem Auto erkennt man selten das echte Leid.

    30. Markus schrieb am 9. November 2009 um 21:45 - Permalink

      Noch schlimmer als die Währungsunion war jedoch die rasch beschlossene Lohnanpassung auf Westniveau. Innerhalb von nur fünf Jahren sollten die Löhne der Ostdeutschen vom Niveau eines Entwicklungslandes an das Niveau des damals vielleicht produktivsten Landes der Welt angepasst werden.

      Ich habe irgendwie in Erinnerung, dass das BIP/ Kopf der DDR etwa 50% des bundesdeutschen betrug …

      @ 17 volkmar:
      Argumentiere doch bitte nachvollziehbar und nicht mit einzelnen subjektiven Erlebnissen.

    31. name schrieb am 9. November 2009 um 21:47 - Permalink

      @27

      Ich war vor ein paar Wochen selbst wieder einmal in Riga..Einfach nur erschreckend, wenn man genau hinschaut, und nachfragt, und seinen Kopf einschaltet. Die Finanzblase hatte doch zeitweilig Quadratmeterpreise vom zwei bis dreifachen wie in Berlin erreicht, ohne wirklich eigene ökonomische Basis im Hintergrund. Die Letten verfügen ja wie fast alle osteuropäischen Staaten nicht mehr über eine eigene nationale Bankenstruktur, die eine Teilsteuerung der eigenen Wirtschaft erst möglich macht. Dieser Bereich gehört dort seit 1990 den schwedischen Banken, die arg mit den Auswirkungen der eigenen Ausfälle zu kämpfen haben. Riga sieht wie riesige Investruine des Kapitals aus, selbst die Innenstadt ist nachts bis auf ein paar Clubs, dunkel, unbewohnt, kalt und tot. Die Armut erkennt am Zustand der Zähne der normalen Bevölkerung, weil ein Gesundheitswesen nicht mehr existent ist.

    32. Fyyff schrieb am 9. November 2009 um 21:53 - Permalink

      Das Problem der DDR-Wirtschaft war die einseitige Ausrichtung auf den Export unter Vernachlässigung des Binnenkonsums.

      Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Nicht vorsagen, ich habs gleich…

      Zum Thema. Eigentlich wurde schon alles gesagt. Keine Vereinigung nur Anschluss (danke Schäuble), falsche Umtauschkurse, keine Sonderwirtschaftszone, Verramschen von allem was nicht niet und nagelfest war an die westdeutsche Konkurrenz…all das ist im Grunde bekannt. Und das Oskar damals schon recht hatte, werden ihm viele vermutlich nie verzeihen.
      Und doch…was bringt die gesamtdeutsche Nabelschau? Außer das man sich aufregt? Die Hoffnung das sich groß was ändert, auch und gerade im Rückblick auf die Wiedervereinigung, ist eher utopisch, oder?

      Im übrigen: die Angleichung der Löhne mag zwar lustig klingen, aber außer im öffentlichen Dienst dürfte das auch heute noch kaum irgendwo im Osten stattgefunden haben. Ist die Produktivät immer noch so erbärmlich, das sagen wir ein Ingenieur auch 20 Jahre nach dem Mauerfall immer noch nur max. 75% des Westniveaus verdient darf? (Wer jetzt als erster Tarif-Vertrag sagt, verliert. Danach wird hier nämlich kaum einer bezahlt.)

    33. AausP schrieb am 9. November 2009 um 22:00 - Permalink

      Ha, da habe ich doch mal rein subjektiv aus dem Bauch heraus das tschechische Sozialsystem gelobt (na gut hab da auch Verwandtschaft).
      Aber der subjektive Anschein ist anderweitig wohl durch Zahlen und Fakten belegt worden:

      http://www.career-contact.de/news/I_08/tschechien_hat_effektivstes_sozialsystem.php

      und @ R_Winter:
      natürlich, man darf nicht von Riga auf Lettland schließen, aber ebenso wenig von Lettland auf den ganzen ehemaligen Ostblock!

    34. Noone schrieb am 9. November 2009 um 22:22 - Permalink

      Nur ein paar Anmerkungen zu diversen Kommentaren:

      Der Schwarzmarktkurs D-Mark zu DDR-Mark war vor dem Mauerfall zwischen 1:4 und 1:6.
      Nach dem Mauerfall schnellte er hoch, bis zu 1:22 (ja, da gabs dann rund 4,50 DM für 100 DDR).
      Da verging mir die Lust auf Umtausch gründlich. Als dann durchsickerte, dass 1:2 oder gar 1:1 umgetauscht werden würde, ging der Kurs auf ca. 1:12 zurück, je näher der 1.7.1990 rückte umso mehr näherte sich der Schwarzmarktkurs an 1:2 an.

      Die Mieten in der DDR lagen je nach Größe und Ausstattung zwischen 30 und 120 DDR-Mark.
      Die Löhne würde ich bei 600-2000 DDR-Mark verorten, für “normale” Angestellte bei 800-1400.
      (Ich hab in einem großen Betrieb mit 6000 Angestellten im Rechenzentrum gearbeitet und habe mir natürlich die dort gedruckten Lohnstreifen angesehen. 2000 DDR-Mark bekam der Kombinatsdirektor, manchmal mit ner Prämie warens dann auch 2400 – das war noch eine gesunde “Schere”).

      Der Blick knapp über die Grenze nach Tschechien oder Polen hilft nicht viel. Das ist wie Speckgürtel. Je tiefer man ins Land kommt (abseits von Ballungsräumen), umso düsterer wird es.
      Wer mal in der Ostslowakei oder in Ostungarn war, weiß, was ich meine. Da gibt es Regionen mit 40% Arbeitslosigkeit (nicht blenden lassen von offiziellen Zahlen, die z.B. Polen oder Slowakei bei 12% beziffern, die sind mindestens genauso gefälscht, wie unsere, in Wahrheit dürften beide Länder bei 20-25% liegen).

      Die Produktivität in der DDR war nicht so niedrig, wie hier in einem Kommentar mit 35% zur BRD beschrieben. Je nach Branche lag sie bei 30-60%. Da aber gerade in wichtigen Wirtschaftsbereichen, – wie im Maschinenbau – die Produktivität am höchsten war, kann man wohl ungefähr von einer Produktivität von 50% ausgehen. (Ändert am grundlegenden Problem aber nichts)
      Dennoch war die DDR in der Weltstatistik die 10.größte Volkswirtschaft (nach BIP) (Anfang bis Mitte der 70er, später dann immer noch unter den Top15-20). Das Absacken lag vor allem daran, dass der Bankensektor in kapitalistischen Ländern spätestens seit Thatcher und Reagan aufblähte und somit künstlich das BIP überdurchschnittlich vergrößerte.

      —————-

      Zum Artikel selbst muss ich auch noch was loswerden. Er hat einen Tenor, eine Richtung und ist etwas einseitig. Man kann nicht genug betonen, dass wenn die Löhne nicht 1:1 umgestellt worden wären, es einen Massenexodus gegeben hätte. Warum hätte man im Osten für 400-700 DM den Buckel krumm machen sollen, wenn man im Westen dafür 1500-2500 DM bekommen hätte?
      Das hätte zu noch mehr Lohnverwerfungen im Westen geführt und zu noch mehr verwaisten Gegenden im Osten. Letztlich wäre die Spaltung des Landes dann noch tiefer gewesen.
      Sicher hat das zu den wirtschaftlichen Problemen geführt, die noch heute nachwirken. Aber die beiden Optionen, die damals bestanden, waren beide “vergiftet”.

    35. name schrieb am 9. November 2009 um 22:22 - Permalink

      @31

      Die tschechische Republik stellt eine absolute Ausnahme, ähnlich Sloweniens, in den Ländern des ehemaligen Ostblocks dar, weil die dortige Regierung von 1990 an eine absolute nationalistische Politik ohne den Dauerverkauf fahren konnte. Diese Phase nährt sich aber jetzt auch dem Ende.

      Riga und Lettland ist sowas von bankrott, und das gilt für alle baltischen Staaten. Rumänien und Bulgarien: am Arsch, Ungarn, bis auf die Metropole Budapest: am Ende, und hängt am IWF Tropf. Polen, bis auf die Randregionen und einige die Reste der Automobilexpansion: am Arsch. Das wird sich dort alles in den nächsten Monaten noch zuspitzen. Von den Staaten Kroatien, Serbien, Bosnien und dem Kosovo brauchen wir gar nicht erst anfangen. Das einzige, was in diesen Regionen massive Aufstände noch verhindert, ist der eigene “Garten” zur Selbstversorgung, und die kriminelle Ökonomie, die Transitrouten für Drogen, Menschen und “Mädchen” für die Kapitalmetropolen der ersten Welt.

    36. Dicker schrieb am 9. November 2009 um 22:28 - Permalink

      Ich denke, Lebensqualität läßt sich nicht so einfach in Euro ausdrücken oder am BIP ablesen…

      Wir waren im Sommer in Tschechien mit dem Rad unterwegs und haben uns mit Leuten von dort unterhalten. Die haben auch ihre Sorgen, aber die Kultur und das Miteinander funktionieren selbst auf dem Dorfe noch besser als hier in der ostdeutschen Provinz. Was auffällt, sind die vielen jungen Leute, die die Möglichkeiten genutzt und sich selbständig gemacht haben und daß trotz offener Grenzen die Abwanderung nicht so auffällig ist wie hier. Im Zug unterhielten wir uns mit einem tschechischen Studenten, der in Brünn und Regensburg studiert, aber noch nicht sicher ist, wo er mal arbeiten wird. In D ist das Gehalt zwar höher, in Brünn hat er aber seine Freunde…

      Ich meine, es ist die ungewisse Zukunft, das Hoffen auf erneute Verlängerung der Zeitarbeit, das Auseinanderreißen der Familien, die ständigen stereotypen Phrasen in den Medien, die die Menschen zermürben und den inneren Rückzug antreten lassen.

      Wirtschaftlich bringt der Millardentransfer Ostdeutschland wenig, außer Abhängigkeit. Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, daß 2019 damit Schluß ist. Man wird das Ganze anders verpacken. Sonst müßten ALDI, Kaufland, Mediamarkt, Opel,VW und wie sie alle heißen auf 5% Umsatz verzichten. Die Kunst wird sein, der westdeutschen Mittelschicht, die den Hauptanteil an Steuern aufbringt, den Kuchen schmackhaft zu machen. So gesehen sind die Transfer-Milliarden eine zusätzliche Arbeitslosenversicherung West, die jetzt in Krisenzeiten den Binnen-Absatz sichern ?!

    37. Anonymer Leser schrieb am 9. November 2009 um 22:49 - Permalink

      Meine Meinung zur hier befürwortenden Sonderwirtschaftsszone ist eine eher weniger positive. Zumindest für Westdeutschland. Die billigen (und gut afaik ausgebildeten) Facharbeiter hätten die westdeutsche Wirtschaft massivst gefährdet, zumindest die Arbeitsplätze. Je nach Umrechnungskurs hätten die Facharbeiter dann 200-500 DM verdient und zu solch billigen Preisen wären viele Betriebe in die DDR/Sonderwirtschafstzone abgewandert, noch dazu, wenn die Transportwege so kurz sind. Und viele Aufträge, auch und vor allem im Bauhandwerk wären dann an entsprechende Betriebe in Thüringen, oder Sachsen-Anhalt gegangen. Auch hätte es weniger Verständigungsschwierigkeiten gegeben wie mit Polen, Rumänen oder Chinesen. Aufgrund der hohen Produktivität stand man praktisch nur vor der Frage, ob man ost- oder westdeutsche Arbeitsplätze abbauen wird. In dieser Hinsicht haben die Ostdeutschen mal wieder die A…-Karte gekriegt.

      Wobei meine Analyse durch keinerlei Fachwissen getrübt ist, muß ich gestehen. (Qualifiziert mich das als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Herrn “Professor” Sinn?) Mein Wirtschaftswissenschaftliches Fachwissen habe ich mir als relativ erfolgloser WiSimspieler erworben, also beim Einprügeln bitte Sanft vorgehen.

      Wenn man die DDR als Billiglohnland hätte weiterexistieren lassen, würden heute vermutlich Jugendliche aus dem Ostgrenzgegbiet der ehemaligen BRD Parteien wählen, die die Slogans vertreten, “Die Scheißzonis nehmen uns die Arbeitsplätze weg” und Leute klitschen, die dialektfreies Sächsisch sprechen.

      edit @ Noone
      Warum soll ich für 1000 DM/Monat mehr Lohn zur Arbeit pendeln, wenn ich in der Sonderwirtschaftsszone meinen sicheren Arbeitsplatz habe und der Mehrverdienst zum größten Teil für meinen Zweitwohnsitz und Pendelgebühren draufgeht, während in der DDR meine Familie und mein Freundeskreis sitzt. Bei einer Sonderwirtschaftsszone DDR wären vermutlich weniger Leute abgewandert ,das es ja sichere Arbeitsplätze geben würde und entsprechende Fluchtgründe (schlechtes Warenangebot) nicht mehr existieren würden. Entsprechendes Pendeln würde sich auf höchstens 50 km westlich der Grenze bemerkbar machen.

    38. Zippo schrieb am 9. November 2009 um 22:54 - Permalink

      @17 und AausP

      Ich bin vor ein paar Wochen durch Rumänien gereist. Dort liegt das Durschnittsgehalt umgerechnet bei ca. 400?, die Preise im Supermarkt lagen bei (von mir geschätzten) 60% verglichen mit unseren. Elektronikartikel sind etwa gleich teuer, Agrarprodukte dafür spottbillig. Daraus erkennt man, dass sich Rumänen weit weniger kaufen können, als Westeuropäer und Reisen ins Ausland für sie fast unbezahlbar sind.
      Außerdem fiel mir auf, dass es kaum größere rumänische Betriebe gibt, sondern viel mehr große Produktionsstätten westeuropäischer Großkonzerne. Viele zieht es arbeitstechnisch ins Ausland, wobei sich fast alle mit denen ich mich unterhielt besonders darüber aufgeregt haben, dass Deutschland und Frankreich ihren Arbeitsmarkt noch nicht geöffnet haben.
      Bezogen auf das Szenario einer separaten postkommunistischen DDR:
      1990 war der globale Industriekuchen schon verteilt und es war schlicht zu spät um im großen Stil neu auf den Markt zu drängen. Mir fällt jedenfalls auf Anhieb kein osteuropäischer oder ostdeutscher aktueller Global Player ein. Die einzige Chance war, die Westeuropäer mit Billiglöhnen zu locken. Dies bliebe dann aber bis heute ein inakzeptabler Dauerzustand (siehe Rumänien u.a.). Die Folge wäre dass die gut Ausgebildeten sich entweder Westfirmen anschlößen oder gar gen Westen auswandern würden. Dabei hätte man sie für einen behutsamen Aufbau einer eigenen Wirtschaft gebraucht.

      Natürlich sind Fehler nach dem Mauerfall und bei der Wiedervereinigung gemacht worden, aber insgesamt war es m.E. fast unmöglich das ganze für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten.

    39. AausP schrieb am 9. November 2009 um 22:57 - Permalink

      @noone
      Da du das tschechische und polnische Grenzgebiet erwähnt hast, gehe ich davon aus, daß sich deine Bemerkungen auf meinen Beitrag beziehen. Ich kann dich beruhigen. Ich kenne die gesamte Tschechische Republik bestens (alle Ecken und Winkel dieses schönen Landes). Und auch den fernen Osten der Slowakei und Ungarns einschließlich des angrenzenden Rumäniens.
      Aber der von dir erwähnte Speckgürtel ist eine reine Erfindung. Nirgendwo in der Tschechischen Republik liegt die Arbeitslosenrate höher als in Nordböhmen (Bezirk Aussig). Nix mit Speckgürtel (den gibt es in Prag). Die Region hat sehr mit den Hinterlassenschaften der soz. Schwerindustrie (Bergbau und Chemie) zu kämpfen. Aber trotzdem ist sie noch niedriger als in Sachsen.

    40. superguppi schrieb am 9. November 2009 um 23:01 - Permalink

      Knn man den DNS vieleicht auch so umbiegen. dass die Anfragen auf Spiegelfechter.com landen? Welches Content Management System hier verwendet wird, interessiert die Leser, glaube ich, eher weniger.

    41. superguppi schrieb am 9. November 2009 um 23:03 - Permalink

      Wer unterhalb von 40 Jahren intersssiert sich heute für den Mauerfall?

    42. bambi schrieb am 9. November 2009 um 23:11 - Permalink

      Ich bin 21. Wobei ich das was vor dem Fall der Mauer war interessanter finde. Was nicht bedeuten soll, dass ich die fehlenden Bürgerrechte in der DDR nicht scharf kritisieren würde.

    43. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:16 - Permalink

      @Volkmar

      Mit Verlaub, aber wann hast du das letzte Mal Polen, Ungarn oder die Slowakei besucht?

      Das ist idT schon her, aber in Tschechien war ich in den letzten Jahren das eine oder andere Mal. Und da finde ich es schon faszinierend – vor der sächsisch-tschechischen Grenze sind die Strassen top, aber die Häuser sind heruntergekommen. Kaum passiert man die Grenzen, sind die Strassen heruntergekommen, aber die Häuser (zumindest optisch) top. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

      Ich glaube kaum (auch angesichts der Wirtschaftskrise, der diesen Staaten massiv zusetzt), dass diese Staaten auch nur ansatzweise in der Lage sind, in den nächsten Jahren hier an irgendwem vorbeizuziehen.

      Vorbeiziehen in was? In der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung werden sie es wahrscheinlich, wenn die Krise sich dort nicht manifestieren sollte. Wenn doch ist Osteuropa idT verloren.

      Meine zahlreichen Freunde, die dort wohnen, verdienen im Schnitt zwischen 300 und 600 EUR pro Monat?

      Arbeiten die im Bildungssektor. Ein Freund von mir aus Polen verdient rund 1.000 Euro (als einfacher Angestellter), ein Bekannter aus Tschechien rund das doppelte als Facharbeiter in einer Fabrik, die einem deutschen Besitzer gehört. Die Unterschiede zu Ostdeutschland sind – wenn überhaupt – marginal.

    44. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:20 - Permalink

      @Martin

      Dass es trotzdem überwertet war, will ich ja gar nicht in Frage stellen, aber jede DDR-Mark 1:1 umzutauschen, wäre ja wirklich verrückt. Gibts dafür ne Quelle? Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden.

      Nein, da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich meinte ja als positive Seite die “Kleinsparer”, also die normalen Menschen. Das spielt aber idT keine Rolle, da die negativen Auswirkungen der Übernahme der D-Mark im wirtschaftlichen Bereich alles übertreffen. Und hier wurde nun einmal 1:1 umgerechnet. Wer vorher seinem Angestellten 1.500 Ostmark bezahlte, musste nun – Lohnanpassung hin oder her – 1.500 DM bezahlen.

    45. Phil schrieb am 9. November 2009 um 23:26 - Permalink

      Was bisher noch nicht angesprochen wurde:

      Im Jahr 1992 wurde der Basisdiscountsatz angehoben bei gerade einmal etwas über 2% Wachstum. Die Folge war, dass 1993 die Wirtschaft um fast ein Prozent sank.

    46. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:31 - Permalink

      @bambi

      Das Problem der DDR-Wirtschaft war die einseitige Ausrichtung auf den Export unter Vernachlässigung des Binnenkonsums

      Willkommen im Klub, da findet zusammen, was zusammen passt ;-)

      Übrigens finde ich die reißerischen Formulierungen wie ?abgewirtschaftet? und ?moralisch am Ende? sehr belastend.

      Nun ja – ich bin nun einmal kein Freund des real existierenden Sozialismus und viele (sehr viele) Freunde und Bekannte aus der ehemaligen DDR, die ich mal als moderne Linke bezeichnen würde, sehen das ganz genau so.

      In diesem Jahr wird so viel über die DDR und die Ostdeutschen geschrieben. Immer im Besserwisser(-wessi)stil.

      Ach Quark – ließ Dir mal durch, was die Bürgerrechtler á la Schorlemmer und Co. so schreiben. Das ist keine “Besserwessikritik”.

      Und meistens ist offensichtlich, dass der Schreiber über die Lebenswirklichkeit in der DDR keine Ahnung hatte. Vielleicht ist das auch ein schweres Thema für Westdeutsche. Aber warum müssen sie sich ständig daran versuchen?

      Warum denn nicht – ich lebe mitten am ehemaligen “Zonenrand” und habe intensiven Kontakt zu ehemaligen DDRlern. Ich kann mir da schon ein Bild machen.

      In der U-bahn musste ich heute lesen, dass die Ossis ja alle viel ungesünder damals gelebt haben und eher gestorben sind. Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst. Aber mich kotzt das einfach an.

      Ungesünder, glaube ich nicht. Aber die Lebenserwartung ist idT massiv gestiegen – aber nicht nur in Ostdeutschland, sondern im gesamten Osteuropa.

    47. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:41 - Permalink

      @Noone

      Zum Artikel selbst muss ich auch noch was loswerden. Er hat einen Tenor, eine Richtung und ist etwas einseitig. Man kann nicht genug betonen, dass wenn die Löhne nicht 1:1 umgestellt worden wären, es einen Massenexodus gegeben hätte. Warum hätte man im Osten für 400-700 DM den Buckel krumm machen sollen, wenn man im Westen dafür 1500-2500 DM bekommen hätte?

      Aus dem einfachen Grund, warum trotz Reise- und Niederlassungsfreiheit der Westen auch heute nicht von Bulgaren, Rumänen oder auch Polen überschwemmt wird. Auch der Arbeitsmarkt ist nur begrenzt aufnahmefähig und damals herrschte im Westen eine relativ geringe Arbeitslosigkeit. Die schnellte erst “wieder” nach oben, als die DDR “verfühstückt” war. 700 Mark im Osten mit dementsprechend niedrigen Lebenshaltungskosten wären immer noch besser als 900 Mark Sozialhilfe (ich glaube, dass war ungefähr der Satz 89) im Westen mit westlichen Lebenshaltungskosten.

      Das hätte zu noch mehr Lohnverwerfungen im Westen geführt und zu noch mehr verwaisten Gegenden im Osten. Letztlich wäre die Spaltung des Landes dann noch tiefer gewesen.

      Alles das haben wir heute! Hätten (ja ja hätten) die Gewerkschaften aufgepasst, wäre es nie zu Lohnverwerfungen gekommen. Aber das ist natürlich spekulativ, die Geschichte verlief anders.

    48. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:48 - Permalink

      @Anonymer Leser

      Je nach Umrechnungskurs hätten die Facharbeiter dann 200-500 DM verdient und zu solch billigen Preisen wären viele Betriebe in die DDR/Sonderwirtschafstzone abgewandert, noch dazu, wenn die Transportwege so kurz sind

      Richtig – und mit den “Betrieben” wäre die Produktivität eingezogen, was die Löhne massiv nach oben gezogen hätte. So etwas können wir ja am Beispiel Tschechien recht gut beobachten. Alles pendelt sich ein ;-)

    49. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:53 - Permalink

      @Zippo

      Mir fällt jedenfalls auf Anhieb kein osteuropäischer oder ostdeutscher aktueller Global Player ein.

      Oh! Wie wäre es mit Gazprom, Lukoil, Norilsk Nickel und einigen anderen russischen Global Playern im Rohstoffsektor? Aber Du hast natürlich ansonsten recht – natürlich konnte das “mittelständische” Osteuropa nicht mit den Großkonzernen und ihren Kreditmilliarden mithalten. Die Ausnahmen, die ich nannte, konnten alle in einem geschützten Marktumfeld reifen. Eine branchenspezifische Sonderzone, wenn man so will.

    50. Spiegelfechter schrieb am 9. November 2009 um 23:54 - Permalink

      @Phil

      m Jahr 1992 wurde der Basisdiscountsatz angehoben bei gerade einmal etwas über 2% Wachstum. Die Folge war, dass 1993 die Wirtschaft um fast ein Prozent sank.

      Ja ja, das war lustig. Tietmeyer wollte eine Überhitzung der westdeutschen Wirtschaft verhindern ;-)
      Das waren noch Zeiten.

    51. Dexter schrieb am 9. November 2009 um 23:55 - Permalink

      @superguppi (39):
      Ich!
      @aquadraht (6):
      Danke für den Abriss. Wenn ich den “netten” Onkel Köhler sehe, wird mir immer schlecht. Es ist weithin viel zu unbekannt, wie die Umwandlung des “Volkseigentums” (gehörte allen Deutschen!) ruckizucki in Bankeneigentum (Schulden) realisiert wurde. Ein unglaublicher Betrug, an Ost-, wie Westdeutschen! Im Grunde bekamen die Banken das komplette Sachvermögen der DDR quasi geschenkt.

      @bambi (26)

      Das Problem der DDR-Wirtschaft war die einseitige Ausrichtung auf den Export unter Vernachlässigung des Binnenkonsums.

      Also ein Problem war das ganz sicher. Die DDR war ja praktisch Billiglohnland für den Westen (der halbe Quellekatalog kam aus der Zone, Werkzeug und Druckmaschinen hatten ziemlichen Weltmarktanteil, “Pentacon” hatte einen Marktanteil wie “Olympus” heute, usw… ).
      Die Kombinate haben also schon einen ziemlichen Anteil Ihrer Erlöse in Valuta gemacht, auf der Ausgabeseite stand dabei ein stets größerer Anteil an Kosten in DDR-Binnen-Alugeld (man wollte ja Valuta verdienen!). Der sich daraus quasi ergebende Umrechnungskurs (Valuta:Alugeld) wurde gegen Ende dabei planungstechnisch immer irrelevanter und lag wohl sicher mind. bei 1:4-1:10. Das war das irre Prinzip der DDR-Wirtschaft, die isoliert, autark und boykottiert funktionieren musste.

      Die Währungsunion bedeutete in dieser Situation nichts anderes, als das die Einnahmeseite (idealerweise) etwa gleich blieb (man verkaufte weiter an Quelle etc. gegen DM), die Kostenseite jedoch plötzlich explodierte (statt Alugeld plötzlich gleiche Löhne in DM, also real 4-10x so hoch). Es ist leicht nachvollziehbar, dass das kein Unternehmen aushielt.

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass das den Leuten die am Einigungsvertrag mitarbeiteten (Schäuble, Köhler für BRD, Merkel(!) auf DDR-Seite) nicht vorher klar war. Entweder waren die strunzdumm (glaub ich außer bei der “jungen” Merkel nicht), oder die schissen in Wirklichkeit aufs Volk (und dachten vor allem an sich selber)?

    52. carlo schrieb am 10. November 2009 um 00:24 - Permalink

      @sf

      Diese Gelegenheit wurde ihnen vom Westen aber nicht gegeben. In einem politischen Parforceritt ohne Gleichen wurde die DDR angegliedert und dann Stück für Stück abgewirtschaftet.

      Als es spannend wurde für einen Neuanfang in der DDR und Hoffnungen keimten, wurde mit Brachialgewalt abgewürgt. Keine Chance gab es für die sogenannten “friedlichen Revolutionäre”, wenn man von dem einen oder anderen Versorgungsposten für zuweilen zwielichtige Gestalten, mal absieht.
      Lieber sf, eins hättest Du aber einflechten können. Oskar hatte damals, kurz danach, die Bundestagswahlen verloren, weil er nüchtern und sachlich, die unvermeidlichen Weiterungen dieser “Volksbesoffenheit” schon erkannte und verweigerte.
      Sonst O.K.

    53. knt schrieb am 10. November 2009 um 00:25 - Permalink

      Der Artikel ist ein wilder Mix. Teilweise sehr kluge und wahre Analyse. Teilweise absurdes Gebrabbel wie es entsteht wenn man Planwirtschaft durch die Brille der Marktwirtschaft betrachtet. Teilweise ist er auch einfach falsch.

      Was redet ihr von einem Umtausch 1:1? Erwachsene durften 4.000 Mark 1:1, Kinder bis 14 Jahren 2000 Mark umtauschen. Alles darüber gehende persönliche Vermögen wurde halbiert.

      Löhne, Renten und Mieten wurden zwar zum Kurs von 1:1 umgestellt, lagen aber aufgrund des unvergleichbaren Wirtschaftssystems auf einem GANZ anderem Niveu. Noch heute 20 Jahre nach der “Annektion” – den Vereinigung wage ich es nicht zu nennen – liegen die Löhne und Renten in Ostdeutschland deutlich niedriger. Von einer im Artikel beschriebenen Anpassung auf “West Niveu” keine Rede – und das obwohl der Westarbeiter sich ja seid 1990 darum bemüht hat sich nach unten an den Osten anzupassen.

      Mit einem Schlag wurde ein ganzes Volk enteignet – nicht nur was persönliches, sondern insbesondere was kollektives Eigentum angeht. Ja, der 9.November 1989 war ein glücklicher Tag – doch es war besoffenes Glück, vergifteter Taumel auf der Mauerkante und der Kater folgte Gewehr bei Fuß.

    54. RobotroniX schrieb am 10. November 2009 um 00:28 - Permalink

      @SF
      Danke für den Artikel. Er ist etwas gemässigt und nicht so jubelperserhaft wie die letzte Zeit in der offiziellen Propagandamaschinerie.

      Zum Umtausch:
      Privatvermögen wurden bis zu 4.000 Mark 1:1, bei mehr Vermögen, 1:2 nach DM umgetauscht.
      Das Begrüßungsgeld betrug einmalig 100 DM pro Kopf.

      Zur Wirtschaft:
      Alle Unternehmen mit Schwerpunkt “Export RGW” wurden konsequent und sofort von ihren Märkten abgeschnitten.
      Unternehmen mit NSW Anteilen verloren ihren Preisvorteil und bekamen wieder Probleme mit ihren westdeutschen “Spiegel-Betrieben” z.Bsp. Carl Zeiss Jena mit Carl Zeiss Oberkochem. Den Rest vom Dreckjob hat dann ein Politiker namens “Cleverle” erledigt…
      Die Unternehmen Quelle-Schickedanz und Neckermann mussten sich schlagartig neue Lieferanten organisieren. Vorher waren die 1,99583 DM Jobber hinter einer Mauer verborgen.

      Der Mauerfall hat die westdeutsche “kleine” Krise, die 1988 heraufzog, erstmal bis so etwa 1995 verschoben. Aber sie war sichtbar. (siehe ÖRR – Tagesschau vor 20 Jahren)

      Und für die Löhne gilt, dass ziemlich schnell das bundesdeutsche Abgabensystem eingeführt wurde.
      Das relativiert zusätzlich nochmal die Lohnumstellung bei 1:1.
      Es floss ja unmittelbar auch wieder Geld zurück.

      Zum “Beitritt, Anschluss oder sonstwie”.
      Die Wende, so wie ich sie erlebt habe, war zwischen August und Dezember 1989.
      Es war nicht unser Wunsch “Deutschland einig Vaterland”. Der kam irgendwie zu uns rüber.
      Wir waren uns klar darüber, dass das so, wie es gestaltet wurde, nur schiefgehen kann.

      Und, die “Genossen” wussten rechtzeitig Bescheid.
      O-Ton im Februar 1989 der Verwaltung 2000 (MfS Abteilung in der NVA): “Die Leute rennen gegen den Zaun…” Somit glaube ich weniger an irgendwelche Versprecher oder Unplanmässigkeit.

      Und jetzt seid Ihr hier dran… (Für ABL Einwohner: Achtung Ironie, da doppeldeutig)

      PS: Wo ist mein Anteil am DDR-Vermögen, genannt “Volkseigentum”???
      108000 Quadratkilometer Land und 55.000 Quadratkilometer Seen und Teiche müssen doch einen Verkehrswert als Immobilie gehabt haben?

    55. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 00:31 - Permalink

      @knt

      Was redet ihr von einem Umtausch 1:1? Erwachsene durften 4.000 Mark 1:1, Kinder bis 14 Jahren 2000 Mark umtauschen. Alles darüber gehende persönliche Vermögen wurde halbiert.

      Mir ging es ja auch um die …

      Löhne, Renten und Mieten wurden zwar zum Kurs von 1:1 umgestellt,

      … Löhne und die anderen Kostenfaktoren, Herrgottsakkra ;-)

      lagen aber aufgrund des unvergleichbaren Wirtschaftssystems auf einem GANZ anderem Niveu.

      Stimmt – bei ca. der Hälfte an Nominalwert Ostmark in D-Mark. Und das ist großzügig geschätzt.

    56. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 00:35 - Permalink

      @RobotroniX

      Und für die Löhne gilt, dass ziemlich schnell das bundesdeutsche Abgabensystem eingeführt wurde.
      Das relativiert zusätzlich nochmal die Lohnumstellung bei 1:1.
      Es floss ja unmittelbar auch wieder Geld zurück.

      Sicher, in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bzw. den Steuerbilanzen. Ich hatte mich hier aber auf die Kosten der Ost-Unternehmen kapriziert und die waren durch das Abgabensystem sogar noch höher als die Bruttolöhne. Darum ging es mir, ansonsten hast Du natürlich recht.

    57. Noone schrieb am 10. November 2009 um 00:41 - Permalink

      @37 ich meinte umsiedeln, nicht pendeln.
      So wie 1989/1990 die Familien mit Mann und Maus rüber sind.

      @39 ich kann natürlich nicht für die ganze Grenzregion sprechen, aber mir sind einige Gegenden bekannt, die schon nach Speckgürtel aussehen (Loucna, Bozi Dar/Oberwiesenthal, Zgorzelec/Görlitz, Gubin/Guben und Slubice/FfO, Swinemünde) und eher besser als die entsprechende ostdeutsche Seite.
      “Die Region hat sehr mit den Hinterlassenschaften der soz. Schwerindustrie (Bergbau und Chemie) zu kämpfen.” Das sieht auf der Gegenseite nicht anders aus, gerade im Erzgebirge siehts finster aus, hat eher mit der Struktur ehemaliger Bergbaugegenden zu tun.
      Ich war zwar zuletzt vor 10 Jahren in Ostungarn/Ostslowakei (Eger, Miskolc, Kosice – die gehen, aber die Gegend drum herum ..), aber ein Freund aus Ungarn meint, da sei nicht viel passiert.
      Und damals sah das so aus: Man fuhr mit dem Auto abends gegen 20 Uhr auf einer “Europastraße”, auf dem sich 2 Autos mit Mühe aus dem Weg fahren konnten, alte schwarzgekleidete Frauen wankten auf völlig finsteren Straßen durch den Abend (vermutlich von der Kirche kommend), 5 Kilometer bis zum nächsten Dorf. In den Orten maximal in 2 Häusern Licht, vermutlich Kerzen.
      Aber was gutes hatte es auch. Wir hielten dann mal, wo keinerlei Lichtschein bis zum Horizont störte und sahen einen Sternenhimmel, wie man ihn in D wohl nie sehen kann.

      @47 “warum trotz Reise- und Niederlassungsfreiheit der Westen auch heute nicht von Bulgaren, Rumänen oder auch Polen überschwemmt wird.”
      Sprachbarriere? Ressentiments wegen des 2. Weltkriegs? Ausländerfeindlichkeit hier? Sollte man nicht außer Acht lassen. Hauptgrund aber: die brauchen noch eine Arbeitserlaubnis und dürfen z.B. als Saisonarbeiter max. 90 Tage im Jahr hier arbeiten. Die Öffnung des Arbeitsmarkts wurde meines Wissens in D auf 2011 verschoben. Die Polen “überschwemmen” dafür nun andere Länder. Und der Rumäne arbeitet ja sowieso nicht gern (sagt Herr Rütgers zumindest) ;-)

      700 DM wären bei DDR-Lebenshaltungskosten 1:1 ok gewesen, aber viele hätten auch nur 400 DM gehabt, damit hätte man nicht leben können, die Preise wären ja trotzdem 1:1 umgestellt worden.
      Auch die staatlichen Subventionen für Lebensmittel und Wohnungen hätte (und hat) es nicht mehr gegeben, und somit hätten auch 700DM alsbald nicht mehr zum Leben gereicht.
      Köhler und Sarrazin hätten – wie geschehen – mittels Treuhand den großteils betrügerischen Ausverkauf trotzdem durchgezogen, das Kind wäre genauso in den Brunnen gefallen, nur das die Menschen im Osten aus 50% der Ausgangslage heraus gestartet wären.
      Ist natürlich hypothetisch, aber warum hätte es anders laufen sollen.

    58. Truvor schrieb am 10. November 2009 um 01:27 - Permalink

      Die beiden Hälften Deutschlands hatten vor 20 Jahren ihr gemeinsames Ziel (die Wiedervereinigung) erreicht.
      Deutschland war wieder vereinigt.
      Danach aber, hat kein einziger Politiker (oder ein Anderer) ein neues, gesamtnationales Ziel gestellt.
      Wir leben schon seit über 20 Jahren ohne ein Ziel.
      Die Menschen bewegen sich wie winzige, chaotische Atome durch das Leben, jeder tut das seine, aber wir tun überhaupt nichts gemeinsam.
      China hat ein Ziel.
      Indien hat ein Ziel.
      Was und wo ist unser Ziel ?

      @ name #35

      Ich stimme Deinem Kommentar in allen Punkten zu.
      Die Ukraine gehört übrigens auch zu Deinem Verzeichnis, sie steht kurz vor einer schrecklichen Katastrophe.
      Ich kann nur ein Wort dazu sagen: BARDAK

    59. Hobeditzn schrieb am 10. November 2009 um 06:30 - Permalink

      Moin Spiegelfechter,

      Westdeutsche Unternehmen konnten nun ihre Ostkonkurrenz übernehmen und liquidieren. Nun konnten sie nicht nur den ostdeutschen Markt ? steuerlich subventioniert ? übernehmen, sie konnten auch ungestört im osteuropäischen Markt kannibalisieren.

      Das stimmt so nicht ganz. Es gab einige Firmen (Minderheit) in Westdeutschland, die ostdeutsche Firmen gekauft hatten und diese sanieren und die meisten Arbeitsplätze erhalten wollten. Der Grund war einfach: sie waren in osteuropäischen Märkten bekannt und boten die Produkte an, die von Osteuropäern gewünscht wurden.
      Diese Firmen wurden von Managern (Alter > 55) geleitet, die nicht den Maximalprofit im Auge hatten, sondern wirklich etwas positives zur Wiedervereinigung betragen wollten.
      Leider wurden/werden sie in einem Topf mit den Schmarotzern und Dreckskerlen geworfen, die nur das schnelle Geld machen wollten. Hier wäre die Politik gefordert gewesen, diesem Treiben ein Ende zu setzen und nicht einfach nur das Problem auszusitzen (“Der Markt regelt alles”).

      Bis demnächst

    60. Alex schrieb am 10. November 2009 um 10:13 - Permalink

      @ 58

      Die Ukraine gehört übrigens auch zu Deinem Verzeichnis, sie steht kurz vor einer schrecklichen Katastrophe.
      Ich kann nur ein Wort dazu sagen: BARDAK

      Wenn ich mir die Entwicklung der Ukraine so anschaue und mich etwas in die Maßnahmen der dortigen Regierung einlese, so frage ich mich manchmal, ob es dort nicht zu einem Krieg kommen wird.
      Vielleicht wäre ein Krieg die einzige vernünftige Lösung, auch wenn das pervers und barbarisch klingt, aber manchmal heilligt der Zweck die Mittel.

      Durch die Regierung wird ja ein richtiger Keil zwischen den Osten und den Westen getrieben. Der Osten, in dem ja viele Russen leben, hat sicher irgendwann die Schnauze voll. Neulich wurden ja selbst alle russischen Schulen verboten.

      Wo wir hier eine schöne und friedliche Wiedervereinigung feiern, bin ich mir nicht sicher, wie lange es in der Ukraine friedlich bleiben wird, wo nun auch das Land praktisch Pleite ist und die Menschen zum Teil wieder hungern müssen, weil die Regierung nur an sich denkt.

      Einzig die Leidensfähigkeit der dortigen Menschen verhindert momentan Schlimmeres. Die Franzosen wären hier schon durchgedreht, mit Recht.

    61. Otulook schrieb am 10. November 2009 um 10:31 - Permalink

      US-Irritationen zum Jahrestag des Mauerfalls und wie Merkel auf die Opelschmach zum Jubiläum reagiert:

      http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57666?PHPSESSID=03k2opf78kogitfs7b6fso0oc1
      http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57667?PHPSESSID=03k2opf78kogitfs7b6fso0oc1

      Zwei interessante Artikel.
      Ich bleibe dabei, man sollte Merkel außenpolitisch nicht unterschätzen.
      Die Neuordnung der Welt liegt auf der Hand.
      Dass der Weltmachtanspruch der USA kippt, hatte auch schon Schröder erkannt.
      Er hat es nur offener gezeigt. Schröder ist eben ein diplomatischer Rambo.
      Weitere massive Konflikte sind mit den USA vorprogrammiert.
      Eine ?Ehe? für bankrott zu erklären braucht einen bestimmten Reifegrad.
      Und hier bedarf es moralischer Antagonisten.

      Die Zurückhaltung der Linken und Co. in einigen Fragen muss doch Gründe haben.

      ?Die Klugheit besteht darin, die Art eines Übelstandes zu erkennen und das kleinere Übel als etwas Gutes hinzunehmen.?
      Machiavelli

      Zm Artikel selbst:
      Die Menschen werden von der Gegenwart viel stärker bestimmt als von der Vergangenheit.

      Das war z.B. am 8.5.1945, am 9.11.1989 und heute am 10.11.2009 so.

      Kauf und Verkauf sind die Pole gesellschaftlicher Polarisation.
      Der Grad der Resonanz entscheidet über die Qualität.

      Und darüber lässt sich immer schreiben.

    62. Klaus Wallmann sen. schrieb am 10. November 2009 um 11:50 - Permalink

      In den meisten Fällen lese ich Ihre Artikel gern, verlinke hin und wieder auch auf einen. Ein Satz wie dieser: “Der real existierende Sozialismus hatte sich selbst abgewirtschaftet und war ökonomisch und vor allem moralisch am Ende.” löst bei mir jedoch immer wieder Verwunderung aus. Das ist eine vollkommen regierungstreue und systemkonforme Formulierung. Unsere Herrschenden haben natürlich ein immenses Interesse an der Legende vom gestürzten Sozialismus. Deshalb kann man von denen auch keine Untersuchung darüber erwarten, ob denn die DDR 1989 überhaupt noch sozialistisch war. Die Verpackung aber für den Inhalt zu nehmen, kann schon beim Einkauf im Supermarkt falsch sein.

    63. schwitzig schrieb am 10. November 2009 um 12:23 - Permalink

      @62

      Ein Satz wie dieser: ?Der real existierende Sozialismus hatte sich selbst abgewirtschaftet und war ökonomisch und vor allem moralisch am Ende.? löst bei mir jedoch immer wieder Verwunderung aus.

      Ja, das ging mir genauso. Das ist dasselbe, wie wenn man China als “kommunistisches” Land bezeichnet. Etikettenschwindel als Theoriebasis ist schon immer eine zweifelhafte Methode gewesen.

      Abgesehen davon widert mich diese immanente Ökonomisierung generell ziemlich an. Wenn ein Merkel in Berlin skandiert, dass “die soziale Marktwirtschaft gewonnen” hätte, kommt mir die Galle hoch.
      Ich bin mir sicher, dass > 90% der Ostdeutschen nicht den “Siegeszug der sozialen Marktwirtschaft” im Auge hatten, als sie sich gegen die DDR-Regierung aufgelehnt haben.

    64. Besorgte Bürgerin schrieb am 10. November 2009 um 12:34 - Permalink

      Im Zusammenhang mit der Treuhand vermisse ich den Namen Rohwedder. In seiner Funktion als Leiter der Treuhandanstalt wollte er eine langsamere und schonendere “Abwicklung” der DDR. Leider hat er dies nicht überlebt. Die einen sagen, er wurde von der RAF (2. Generation) ermordet. Die anderen, zu denen ich gehöre, vermuten andere Täter.

      Über Egon Krenz kann man denken was man will. Ich denke, dass er zum “DDR-Buhmann” schlechthin erklärt wurde. Seine Rede zum 20jährigen “Jubiläum” (Teil I- Teil III) ist sehr aufschlussreich:

      http://www.jungewelt.de/2009/11-07/008.php

      Mir wird übel beim Begriffen wie Unrechtsstaat oder Schießbefehl. Die DDR und das sozialistische System überhaupt muss mit allen Mitteln deklassiert werden. Andernfalls käme gerade in Zeiten wie diesen Bürger auf die äußerst sinnvolle Idee, dass es Alternativen zum Kapitalismus geben könnte.

      Ich war 14 als die Grenze geöffnet wurde und lebe seit 1993 im Westen unseres Landes. Mir wird immer bewußter, was 1989 eigentlich vor sich gegangen ist. Der Untergang des Sozialismus war von langer Hand geplant. Die Demonstranten waren nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

      Das geteilte Deutschland stand der EU im Weg, die bereits Anfang der 50er Jahre geplant worden ist. Die DDR musste weichen, um Großmachtpläne voranzutreiben und der Globalisierung Tür und Tor zu öffnen. Deshalb stellt der 9. November für mich keinen Feiertag dar.

      Viele gute Errungenschaften der DDR vermisse ich heute schmerzlich – in Bezug auf mein Leben und das meiner Eltern (die in Mecklenburg-Vorpommern leben und mit Mitte 50 keine halbwegs angemessen bezahlte Arbeit mehr finden). Armes (Ost)Deutschland!

    65. name schrieb am 10. November 2009 um 12:51 - Permalink

      @63

      Ökonomisch war der real existierende Sozialismus insofern “am Ende”, als er der millionenfachen Ausbeutung des westlichen Kapitalismusmodells auf Kosten des Trikont, und der Millionen Tote nichts entgegensetzte. Hätte der Warschauer Vertrag den gleichen ökonomischen Imperialismus wie ihn die Nato all die Jahrzehnte politisch gefahren hat und fährt, ebenso als politisch Opition für sich genutzt, wäre es nie zu einem ökonomischen Zusammenbruch gekommen. Der Reichtum der “ersten” kapitalistischen Welt beruht nur auf Raub und Mord, und diesen Raub hat der real existierende Sozialismus so natürlich nicht mitgestaltet, und so auch nicht mitgestalten können.

      Die sozialen Leistungen es real existierenden Sozialismus saßen bei jedem Tarifabschluß, bei jedem gewerkschaftlichen Klassenkampf in der BRD als unsicherbarer Dritter mit am Tisch, und es blieb wenigsens 60 Jahre lang friedlich in Europa.

    66. name schrieb am 10. November 2009 um 13:11 - Permalink

      Frau Merkel hat ja mit der Losung nach einer neuen Weltordnung, die politische Leitlinie und Richtung Deutschlands für mehr “Lebensraum” wiedergegeben, die die Bedürfnisse und Begehrlichkeiten der deutschen Kapitaleliten für Europa und die Welt spiegeln. Der dritte Expansionsversuch der deutschen Eliten in der Geschichte der Menschheit mit Mein Kampf Zwei wurde ganz offen und deutlich ausformuliert. Das bedeutet am Ende nur Krieg gegen die innerkapitalistischen Zentren und die außerkapitalistischen Rivalen.

    67. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 13:30 - Permalink

      @Klaus Wallmann

      Ein Satz wie dieser: ?Der real existierende Sozialismus hatte sich selbst abgewirtschaftet und war ökonomisch und vor allem moralisch am Ende.? löst bei mir jedoch immer wieder Verwunderung aus. Das ist eine vollkommen regierungstreue und systemkonforme Formulierung.

      Systemkonform oder nicht – spielt für mich keine Rolle. Ich kann in dem real existierenden Sozialismus nach Prägung der SED nun einmal nichts erkennen, dass meine Formulierung auch nur im Ansatz in Frage stellen würde. Da sind und bleiben wir wohl verschiedener Meinung.

      Deshalb kann man von denen auch keine Untersuchung darüber erwarten, ob denn die DDR 1989 überhaupt noch sozialistisch war.

      War ist m.E. schon lange vor 89 nicht – darum schrieb ich ja auch vom “real existierenden”(!) Sozialismus der Jahres 89. In dieser Formulierung steckt der Zweifel, dass es sich dabei um Sozialismus handeln könnte bereits drin.

    68. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 13:34 - Permalink

      @Schwitzig

      Ich bin mir sicher, dass > 90% der Ostdeutschen nicht den ?Siegeszug der sozialen Marktwirtschaft? im Auge hatten, als sie sich gegen die DDR-Regierung aufgelehnt haben

      Da bin ich mir auch sicher. Wenn Du (oder irgendein Mitleser) einen guten Quelltext kennst, der eine Erklärung dafür gibt, warum bereits im März 90 bei den Volkskammerwahlen die Anführer des Widerstandes beinahe keine Stimme mehr bekamen und das DDR-Volk die Blockpartei CDU wählte, kannst Du ihn mir mal geben. Wie es soweit kommen konnte, ist mir nämlich selbst nicht wirklich klar.

    69. knt schrieb am 10. November 2009 um 13:38 - Permalink

      Indem man aber behauptet, die DDR sei pleite gewesen, kann man verdecken, daß sich der wirkliche Kollaps der DDR-Industrie erst nach 1990 ereignete. Welches Ausmaß das hatte, geht aus folgendem Vergleich hervor: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde gegenüber dem Vorkriegsstand von 1913 noch 57 Prozent produziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 im Verhältnis zum Vorkriegsstand von 1938 noch 42 Prozent, 1994 gegenüber 1989 nur noch 39 Prozent.

      (Quelle:http://www.jungewelt.de/2009/11-07/008.php)

      Soviel zu dem “Abgehalftert” und “abgewirtschaftet”

      Der Reichtum der ?ersten? kapitalistischen Welt beruht nur auf Raub und Mord, und diesen Raub hat der real existierende Sozialismus so natürlich nicht mitgestaltet, und so auch nicht mitgestalten können.

      Exakt in diesem Licht muss man die niedrigere Produktivität auch sehen. Der hier verwendete Produktivitäts-Begriff ist ein durch und durch kapitalistischer, der sich nicht ohne weiteres auf die DDR-Wirtschaft anwenden lässt.

    70. R_Winter schrieb am 10. November 2009 um 14:18 - Permalink

      @knt #69

      Exakt in diesem Licht muss man die niedrigere Produktivität auch sehen. Der hier verwendete Produktivitäts-Begriff ist ein durch und durch kapitalistischer, der sich nicht ohne weiteres auf die DDR-Wirtschaft anwenden lässt.

      Es stimmt. Jeder Vergleich ist fragwürdig, aber……

      Leistungsgrad bezieht sich auf anwesende und tätige Mitarbeiter in der Produktion

      Wirkungsgrad bezieht sich auf alle in einem Unternehmen in der Produktion registrierten Mitarbeiter mit ihrer Soll-Arbeitszeiten,

      Abwesenheit bezieht sich auf alle Mitarbeiter und Abwesende.

      Bezogenen auf BRD, Dänemark, England bei fast gleichen Betriebsmitteln und Produkte betrug nach meiner Erfahrung in der DDR:

      Leistungsgrad 80% – 90%, statt 105% – 115%
      Wirkungsgrad 35% – 40% je nach Jahreszeit, statt 100%
      Abwesenheit 25%-35% je nach Jahreszeit, statt 6% – 8%

    71. Lago schrieb am 10. November 2009 um 14:31 - Permalink

      @SF

      Da bin ich mir auch sicher. Wenn Du (oder irgendein Mitleser) einen guten Quelltext kennst, der eine Erklärung dafür gibt, warum bereits im März 90 bei den Volkskammerwahlen die Anführer des Widerstandes beinahe keine Stimme mehr bekamen und das DDR-Volk die Blockpartei CDU wählte, kannst Du ihn mir mal geben. Wie es soweit kommen konnte, ist mir nämlich selbst nicht wirklich klar.

      Ja, das war in der Tat eine sehr beeindruckende “Wende”. Einen Quellentext kann ich dir leider nicht geben (aus im Folgenden zu erläuternden Gründen) – lediglich eine persönliche Beobachtung: Praktisch mit dem Fall der Mauer zerbröselte die bereits vorher weitgehend gespaltene DDR-Opposition. In dem Moment des Zusammenbruchs des “Systems” im Oktober, der fehlenden Reaktion und der dadurch völlig aufbrechenden Strukturen – deren Höhepunkt aus Berliner Sicht sicherlich der “Fall der Mauer” darstellt, die aber schon viel früher und viel fundamentaler von statten ging – zerbrach das ohnehin völlig heterogene Bündnis “Gegen …” und “Für Mehr …”.

      Es gab einfach keine Opposition, anders als etwa in China ein paar Monate vorher, die vernetzt und organisiert war. Die Kirche etwa, die als einzige Organisation ein bisschen Narrenfreiheit zu gewähren schien, war von der mittleren Ebene aufwerts bis 1990 linientreuer als die SED selbst und agierte gegen die innerkirchliche Opposition rigider als die Stasi selbst (wobei die “gegenseitige” Durchdringung und Koordination mit der SED eine solche Trennung natürlich nicht zulässt). (Im Oktober ’89 kam es zu der absurden Situation, dass die evang. Kirche ein hartes Vorgehen gegen “konterrevolutionäre” SED-Mitglieder forderte – übrigens u.a. in Persona von Horst Kasner, Vater von Angela Merkel, Wolfgang Schnur, der Merkel in die Politik holte, und Lothar de Maiziere, Cousin ihres heutigen Innenministers.)

      Dieser Mangel an Organisation wurde massiv ausgenutzt von ganz unterschiedlichen Seiten.
      Zahlreiche Karrieristen koppelten sich vom sterbenden System ab, behielten aber zum Teil ihre Netzwerke, was sie praktisch überall in Entscheidungspositionen spülte. Ähnlich wie etwa Fischer bei den Grünen ist eine orientierungslose und zerstrittene Basis für ein knallhartes, machtbesessenes Netzwerk eine wehrlose Beute. Ein paar dieser “Agenten” wurden im Laufe der Jahrzehnte “entdeckt”.
      Es gab massive “äußere” Interessen einerseits und eine grandiose Verunsicherung andererseits. Die von vielen empfundene unvergleichliche Freiheit einerseits war kombiniert mit einem Empfinden an Unsicherheit, die in dieser Kombination leider allzu leicht zu kurzsichtigen, aber endgültigen Entscheidungen führt.

      In dem Maße, wie die Macht in der DDR neu organisiert – und dem Volk wieder entzogen – wurde, gab es binnen weniger Wochen eine vollständige Entpolitisierung der Opposition. Bei vielen, weil ihre Ziele erreicht waren, bei anderen, weil ihnen klar wurde, dass ihre Ziele nicht erreichbar sind.

    72. Phil schrieb am 10. November 2009 um 14:36 - Permalink

      @Jens:

      War ist m.E. schon lange vor 89 nicht ? darum schrieb ich ja auch vom ?real existierenden?(!) Sozialismus der Jahres 89. In dieser Formulierung steckt der Zweifel, dass es sich dabei um Sozialismus handeln könnte bereits drin.

      Dann drück Deinen Zweifel auch aus, der Begriff “real existierender Sozialismus” gibt Deinen Zweifel jedenfalls nicht her.
      Die DDR war ein totalitärer Staat, der lediglich einen roten Anstrich hatte.

    73. knt schrieb am 10. November 2009 um 14:45 - Permalink

      @R_Winter:

      Gut, und nun denke einmal über die Auswirkung von Vollbeschäftigung vs Arbeitslosigkeit und Zielsetzung Versorgung vs Zielsetzung Profit deiner Kennziffern nach. Sinkt die Produktivität, wenn man aus sozialen Gründen die vorhandene Arbeit auf mehr Schultern verteilt als eigendlich notwendig? Natürlich!

      Darum sage ich der Produktivitätsbegriff Output/Input lässt sich so nicht sinnvoll auf die DDR anwenden, den er fasst zu kurz – lässt Faktoren die in der DDR eine Bedeutung hatten aussen vor. Darum wehre ich mich dagegen, das ihr kapitalistische Kennzahlen auf ein planwirtschaftliches System anwendet. Es ist doch naheliegend, das man sich dadurch NICHT der Wahrheit annähern kann. Oder?

      Ich will ja garnicht behaubten, das die “Wirtschaftsleistung” der DDR ausreichend war. Die Versorgung der Bevölkerung war mangelhaft. Der einschränkende Produktionsfaktor war aber nicht Arbeit – eure “niedrige Produktivität” sagt ja gerade aus, das die DDR “Arbeit verschwendet hat”. Die einschränkenden Faktoren waren Kapital, Boden und Technologie. Dazu kam eine enorme Schwäche in den dispositive Faktoren.

      Die 16mio DDR-Bürger hätten mehr produzieren können, wenn das System in der Lage gewesen wäre mehr Ressourcen (Rohstoffe, Kapital) zur Verfügung zu stellen.

      Es war ein elementarer Fehler der DDR Wirtschaft, an der 8-Stündigen Arbeit festzuhalten. Es wäre möglich die nominale Arbeitszeit auf das nötige Maß zu reduzieren. (Ich schätze 4-6 Stunden). Dadurch hätte man eure ach so böse “niedrige Produktivität” direkt in eine “Steigerung der Lebensqualität” umwandeln können.

    74. name schrieb am 10. November 2009 um 14:50 - Permalink

      Die DDR war so totalitär, wie die BRD, unter der ständigen Gefahr eines atomaren Weltkrieges und einer bürgerlich rechten Oppostion mit FdJ Hemd und revolutionären Kirchen, dessen Eigentum an Grund und Boden von den Kommuninsten nicht einmal enteignet wurden.

    75. Dexter schrieb am 10. November 2009 um 14:55 - Permalink

      @68 SF: Also einen Quelltext dazu hab ich nicht. Aber erklären kann man sich das recht einfach. Der gemeine DDR-Bürger war (obwohl er im Leseland schlechthin lebte) intellektuell nicht gerade auf der Höhe. Vielleicht sogar weniger noch als der gemeine BRD-Bürger. Die DDR-Opposition bestand zumeist aus Leuten mit einem gewissen intellektuellen Anspruch – von daher hatte der Durchschnittsbürger mit deren komplexen Vorstellungen sicher größere Probleme als mit dem Anspruch des “Allianz für Deutschland”-Programmes (“Keine Experimente”, “SPD=SED” …). 100 DM Begrüßungsgeld (unglaublich viel für den Zoni damals) und das Versprechen von “blühenden Landschaften” und vorallem die in Aussicht gestellte Wähungsunion mit 1:2 Umtausch haben gute Überzeugungsarbeit geleistet. Man konnte ja bei den Ossis bei alle dem auch auf ein solides Fundament aus heiler (Privat-)Westfernsehrealität bauen.

      Zusammengefasst: Die Ostdeutschen waren schlicht genauso blöd wie die Westdeutschen und haben halt CDU gewählt. Der interessante Punkt bei der ersten freien Volkskammerwahl ist aber eigentlich der Stimmenanteil, der an die PDS ging. Der Umstand hat mich jedenfalls einigermaßen beschäftigt. Es gab ja (vor allem in Berlin) wohl auch Wahllokale, da haben die die meisten Stimmen bekommen …
      Die aufrichtigen Leute von der DDR-APO waren halt nur der Kondensationspunkt für den (ausreisewilligen oder wenigstens unzufriedenen) Pöpel, der sich dadurch legitimiert und in der Lage sah, seinen Unmut auf der Strasse zu artikulieren. Das ganze war ja auch erstmal nur eine Dekonstruktion (Stasi muss weg, SED muss weg …). Das entstehende (ideele) Loch füllte dann die CDU mit Ihren Wahlkampfmillionen.
      Dazu empfehle ich:
      http://societe-electronique.org/articles/2009/10/3/autoritaerer-charakter-und-deutsche-freiheit
      http://societe-electronique.org/articles/2009/9/17/20-jahre-ehemalige-ddr-linke-stasi-cdu

      Ach ja: Der “real-existierende Sozialismus in den Farben der DDR” war ökonomisch, vor allem aber moralisch tatsächlich am Ende. Da hätte 89 wohl auch eine neue “Tapete” nichts mehr gebracht.

    76. Rob schrieb am 10. November 2009 um 14:56 - Permalink

      Ein sehr interessanter Artikel. Im Abschnitt “Verpasste Gelegenheiten” wird auf Alternativen eingegangen. Dahingestellt ob gut oder schlecht, sind noch ganz andere “Alternativen” denkbar – zugegeben, man begibt sich dabei auf das Gebiet von Hypothesen und Mutmaßungen, aber interessant wäre eine solche “phantastische Reise” allemal.

    77. schwitzig schrieb am 10. November 2009 um 15:01 - Permalink

      @SF

      Da bin ich mir auch sicher. Wenn Du (oder irgendein Mitleser) einen guten Quelltext kennst, der eine Erklärung dafür gibt, warum bereits im März 90 bei den Volkskammerwahlen die Anführer des Widerstandes beinahe keine Stimme mehr bekamen und das DDR-Volk die Blockpartei CDU wählte, kannst Du ihn mir mal geben. Wie es soweit kommen konnte, ist mir nämlich selbst nicht wirklich klar.

      Ich habe mir da nie wirklich Gedanken drum gemacht, sondern bin einfach aus dem Bauchgefühl heraus davon ausgegangen, dass die Wahlen durch den Nimbus des “Einheitskanzlers” beeinflusst wurden – nach dem Motto: Der Dicke hat uns gerettet, dem vertrauen wir.

      Aber es ist eine interessante Frage, denn ich weiss nicht, ob meine Nimbusannahme das Wahlverhalten wirklich erklären kann.

    78. Dexter schrieb am 10. November 2009 um 15:11 - Permalink

      @Phil 72:
      In der DDR gab es hinsichtlich der Gestaltung der Gesellschaft (offiziell) immer auch einen Anspruch auf Fortentwicklung. Das erscheint aus dem Kontext der heutigen Selbstzufriedenheit, mit der vermeintlichen Gewissheit, die beste und ewigste aller Gesellschaftsformen erreicht zu haben vielleicht schwer zu fassen, war aber so.
      Der “real existierende Sozialismus” ist ein Terminus, der von der letzten DDR-Führung eingeführt wurde, mit der Absicht, das tatsächlich vorhandene System eben gerade von der (zu verwirklichenden) Idee des Sozialismus/Kommunismus abzugrenzen.
      Während Ulbricht den Sozialismus noch als (provisorische) Übergangsgesellschaft zum Kommunismus hinstellte (“Wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben”), hat sich Honecker wohl viel stärker mit dem Status Quo abgefunden (daher auch seine aussenpolitischen Ambitionen, “Einheit von Wirtschafts und Sozialpolitik” etc…). Während Honecker (in seiner Demenz) stolz war auf seinen “real-existierenden Sozialismus” wurde der Terminus von Oppositionellen und im Westen eher zynisch gebraucht. Von daher ist das schon OK, wenn der SF den hier auch gebraucht.

    79. name schrieb am 10. November 2009 um 15:15 - Permalink

      In der DDR wurde mehr gelesen, als in der Bundesrepublik Deutschland, und der gemeine Arbeiter und Prolet hatte ein umfangerreiches Wissen, als sein Widerpart in der BRD. Die “DDR – Opposition” war weder intellektuell, noch haben diese Teile jemals etwas produktives geleistet: sie waren vor allem bürgerliche Rechte, die Fahnen der bürgerlich rechten Westverwandschaft mit Dollarzeichen ergriffen haben. Diese Kriegsgewinnlerriege brüllt ja heute nur noch “Deutschland” für das Kapital, und der Rest, der im Postwahn der BRD nicht so angekommen ist, wie erwünscht, taummelt ein wenig hin und her, und verwendet dann solche Begrifflichkeiten wie “Pöpel”.

    80. Dexter schrieb am 10. November 2009 um 15:22 - Permalink

      @79 (name): Du scherzt? Du musst (wenigstens 20 Jahre später) begreifen, dass auswendig gelernte und unter Druck wiederholt vorgetragene Phrasen aus Politschulungen nichts mit Bildung und “Bewusstsein” gemein haben.
      Die Oppositionellen der DDR waren keinesfalls bürgerliche Rechte, sondern vor allem kommunistische Linke. Das würde dir spätestens dann auffallen, wenn du die Schriften dieser Menschen gelesen hättest. Aber das hat dir dein Führungsoffizier wahrscheinlich verboten …

    81. name schrieb am 10. November 2009 um 15:37 - Permalink

      Reg dich mal nicht so auf Dexter, auch wenn du so billig mit deinen Pharsen zu durchschauen bist. Ich kann nichts dafür, wenn du hier den kleinen sozialdarwinistisch bürgerlichen Rechten im Pöpelbegrifflichkeitswahn selbst spiegelst. Diese Legende, sie wären “kommunistische Linke” gewesen kann man ja mal als Identitätschildchen hin- und hertragen, nur ist an dieser Legende überhaupt nichts dran. Die personellen Strukturen der “Opposition”, wie sie in der ehemaligen SU als auch in der DDR unter dem ökonomischen Druck am Anfang der 80 ziger Jahre auch entstanden, stammten vor allem auch aus den begünstigten Kaderfamilien (keine Arbeiter oder Bauern, und “Kommunisten” waren diese nirgendwo), denen der bürgerliche Reichtum am Ende einfach näher erschien. That´s it, und nicht mehr.

    82. Dexter schrieb am 10. November 2009 um 15:46 - Permalink

      Dann belege doch deine irre These mal bitte mit irgendeiner Quelle oder Biografie.
      Nur mal so nebenbei: Biermann und Havemann (beides Leuchtfeuer der Opposition), gern und viel gelesen in unzensierten Kreisen, bekannten sich deutlich zum Kommunismus.
      Keine Ahnung wie das bei Titten-Vera war, aber solche Kleinkaliber wirst du hoffentlich nicht auffahren?!

    83. name schrieb am 10. November 2009 um 16:01 - Permalink

      Aber Dexter, Biermann, der Superrevolutionär, mit finanziellem Künstlersonderbonus, war nicht nur Margot Honeckers bester Freund, aber das Dexter, ist ja wohl mehr als bekannt. Das Biermännchen war so kommunistisch, dass es heute lustige Sing a Songwritertexte für die CSU schreibt, für Deutschland und so, und den Euro. Der ist so ein ähnlicher Kommunist wie Supergorbi. Was Havemann betrifft, da kann man hin- und herstreiten, aber du weisst ja selbst, welchen Draht er, trotz Hausarest, zu wem immer noch hatte. Der gemeine DDR Prolet hatte andere Lebensumstände, als diese Begünstigten. Titten-Vera stammt aus der gleichen Kaderliga mit Westreisen und Valutabonus, und die kannste ja auch bei Bedarf als “kommunistischen Widerstand” verkaufen, nur Kommunisten werden die dadurch noch lange nicht.

    84. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 16:31 - Permalink

      @name

      Ich befürchte eher, du reitest dich mit deiner Extremaussage ins Abseits. Was ist mit Pflugbeil, Reich, Schorlemmer und vielen anderen? Natürlich waren das keine Kommunisten, aber sie standen für den “dritten Weg” einer eigenständigen DDR mit einem modernen(!) Sozialismus. Das unter den Bürgerrechtlern keine Betonkommunisten nach deinem Geschmack waren, ist selbstverständlich – die saßen schließlich in den Ämtern und verteidigten mit Elan ihre Pfründe, Jagdhäuser, Datschen und Volvos.

    85. Dr. Valentin schrieb am 10. November 2009 um 16:36 - Permalink

      @6: MDN hieß es in der DDR schon ab 1. Januar 1968 nicht mehr.
      @alle: Leider sind sowohl der Artikel als auch fast die gesamte Diskussion von diesem Format. Es reicht einfach nicht, wenn man es sich einfach macht und die bekannten offiziellen Plattheiten von Breuel, Köhler und Kohl nachquatscht. Es gibt inzwischen umfangreiche Literatur zu wirtschaftlichen Situation der DDR 1989 und warum die so war. Aber na ja. Da müsste man von liebgewordenen Vorurteilen Abschied nehmen und das mussten ja nur die Ostler. Bei denen wurde das ja als selbstverständlich vorausgesetzt.

      ich staune, dass hier noch niemand von den 1kommazig Billiarden schwätzt, die die armen Wessis für die gierigen Ossis aufwenden mussten…

    86. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 16:41 - Permalink

      @Lago, Dexter und Schwitzig

      Erst mal Danke für Eure Ansichten. Ich denke auch, dass die inneren Zerwürfnisse der Opposition und die gigantische Medien- und Kampagnenmacht der Westparteien der entscheidende Faktor für diese überraschende Wende waren. Bürgerrechtsgruppen wurden von Nationalisten und Karriersten übernommen und dem dicken Onkel aus dem Westen, der große Geschenke versprach, traute man noch. Dennoch finde ich es außergewöhnlich, dass eine integre Gruppe wie das Bündnis 90 bei den Volkskammerwahlen gerade einmal 2,9% der Stimmen bekam – gerade einmal ein halbes Jahr nach den großen Demonstrationen, bei denen man das Gefühl hatte, die Bürgerrechtler sprechen für einen erheblichen Anteil des Volkes.

    87. Anonymer Leser schrieb am 10. November 2009 um 16:42 - Permalink

      @Anonymer Leser

      Je nach Umrechnungskurs hätten die Facharbeiter dann 200-500 DM verdient und zu solch billigen Preisen wären viele Betriebe in die DDR/Sonderwirtschafstzone abgewandert, noch dazu, wenn die Transportwege so kurz sind

      Richtig ? und mit den ?Betrieben? wäre die Produktivität eingezogen, was die Löhne massiv nach oben gezogen hätte. So etwas können wir ja am Beispiel Tschechien recht gut beobachten. Alles pendelt sich ein ;-)

      Jepp und dann wären die Unternehmen weitergezogen, nach Rumänien, China, Vietnam, Indien….
      Selbst China fängt an, die Produktion in Billiglohnländer auszulagern.

      Und die Westdeutschen Arbeitsplätze wären noch eher abgebaut worden als so.

      @ Noone
      Ich weiß nicht, wieviele Leute 89/90 rübergemacht sind, die Leute die ich kenne, die in den 90ern und Nullern nach Westdeutschland, Österreich und die Schweiz gezogen sind, würden gerne Wiederkommen, wenn es denn einigermaßen bezahlte Arbeit (oder Ausbildung) gäbe. Bzw sie wären gar nicht erst gegangen. Vielleicht wären 89/90 mehr Leute abgewandert, dafür wären dann aber ab 1991 ff mehr Leute geblieben, vor allem die Jüngeren.

    88. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 16:44 - Permalink

      @Dr. Valentin

      ich staune, dass hier noch niemand von den 1kommazig Billiarden schwätzt, die die armen Wessis für die gierigen Ossis aufwenden mussten?

      Hmm, meinst Du Strauß´ Milliarden um die DDR zu stabilisieren oder die Billionen, die die “Wiederverinigung” gekostet haben soll? Billiarden sind ein wenig too much ;-)

    89. R_Winter schrieb am 10. November 2009 um 17:00 - Permalink

      @ktn # 73

      Die 16mio DDR-Bürger hätten mehr produzieren können, wenn das System in der Lage gewesen wäre mehr Ressourcen (Rohstoffe, Kapital) zur Verfügung zu stellen.

      Die Behauptung ist falsch. Ich war in mehreren Betrieben und die Lagerhäuser waren mit Rohware voll.
      Die Ursache lag wo anders.

      Betrieb an Kreis – 100
      Kreis an Bezirk – 95
      Bezirk an Ministerium – 90
      5-Jahresplan an Betrieb – 85

      Da aber der Betrieb leicht 115 produzieren konnte, aber nur – 85 – als Planvorgabe erhielt, wurden 30 verschenkt.

      Außerdem war fast keiner in den Köpfen bereit – zumindestens in den letzten zwei Jahren – mehr zu leisten.

      Übrigens: Fehlende Teile wurden “anders besorgt”…..

      Das Programm, dem Westen gleich zu ziehen mit Maschinen und Know How erfolgte auf Anweisung aus Moskau im ganzen Ostblock viel zu spät und hat – wie üblich – nur die Korruption hoch sprudeln lassen.

    90. Lago schrieb am 10. November 2009 um 17:21 - Permalink

      @name und Dexter:

      Ihr habt vermutlich beide Unrecht. “Die Opposition” gab es einfach gar nicht. Bei “Betonkopf” name wundern mich solche Einlassungen mittlerweile zwar nicht mehr – obwohl sich mir dabei immer noch der Magen umdreht.

      Natürlich waren Kommunisten in der DDR in der extremen Opposition, saßen üblicherweise als Politische im Knast, aber das war eine Handvoll. Die “bürgerliche Rechte” andererseits kam weitestgehend ziemlich gut mit dem System klar, bis auf den eben liberalen Flügel, die machten entsprechend “rüber”.

      Gerade weil die Opposition keinerlei Richtung und Kohäsion hatte, zerbrach sie, sobald der als übermächtig imaginierte Gegner sich als Luftnummer herausszutellen schien.

      Das Neue Forum selbst war eine unheimlich kleine Bewegung, deren relativ hartnäckiges Bestehen auf Opposition es zu einem Symbol machte, aber inhaltlich gab es da kaum Anknüpfungspunkte mit der breiten Bevölkerung. Zumal auch innerhalb des NF kein Konsens herrschte. Alle wollten Freiheit, aber die einen verstanden darunter atembare Luft und andere Schweizer Schokolade – diese Widersprüche wurden allerdings nicht wirklich bemerkt, solange das System “mauerte”.

      Sobald es greifbar wurde, dass es Möglichkeiten gab, also so ab September/Oktober, da brachen plötzlich gewaltige Gräben auf. Selbst die engagierte oberste Ebene des Neuen Forums lag sich plötzlich in den Haaren …

      Den Laden zu übernehmen wäre für jedes halbwegs organisierte Netzwerk ein Klacks gewesen. Der Moor hatte allerdings seine Schuldigkeit getan, als die West-CDU die “Wiedervereinigung” als Wahlkampfthema beschloss, noch im Oktober 1989! Das war krass: Praktisch von einem Tag zum nächsten rollte eine Propagandawelle an, die LVZ wurde vom SED- zum Transatlantik-Hetzblatt. Zu Weihnachten 89 war “Runder Tisch” bereits zu einem zynischen Running-Gag geworden.

      Aber zur Opposition: Da gab es halt alles, von Protest-Faschisten, die einen ziemlich großen Teil der Jugendkultur ausmachten, über die paar Kommunisten, fundamentalistische Christen, Liberale, Umweltschützer, und natürlich das “überzeugte Bürgertum”. Aber das waren winzige Randgruppen. Die breite Masse waren Angepasste – und die kamen zunächst mit der “Wende” hervorragend klar. Sehr viele hatten sich Privilegien erarbeitet, die sie nun versuchten, vorwärtszuverteidigen. Das ging allerdings gründlich schief. Die Elitearbeiter etwa – die oft heute noch FDP wählen, weil ihnen der “Leistung muss sich wieder lohnen”-Spruch so gut gefällt – fielen in die unproduktive Unterschicht ab.

    91. knt schrieb am 10. November 2009 um 17:32 - Permalink

      @R_Winter: Zunächst einmal: Vielen Dank für deine sachliche Diskusion.

      Die Behauptung ist falsch. Ich war in mehreren Betrieben und die Lagerhäuser waren mit Rohware voll. Die Ursache lag wo anders.

      Ja, und nicht nur Rohstoffe: Ich kann mich an Lagerhallen voll mit Raufaser Tapete und Schrankwänden erinnern – die im offiziellen Handel schwer zu bekommen war. Die Schattenwirtschaft in der DDR hatte gigantische Ausmaße. Als Schlaglicht empfehle ich diesen Artikel: http://www.freitag.de/kultur/0945-ddr-mauerfall-oekonomie-spreewald-planwirtschaft

      Ich denke trotzdem das du hier zwischen den Industriezweigen differenzieren must. Insbesondere im Bereich moderner Konsumgüter und moderner Werkzeuge fehlte es auch an Rohstoffen, Halbzeugen und vorallem Technologie – generell an Investition.

    92. name schrieb am 10. November 2009 um 18:10 - Permalink

      Ihr könnt ja über “Betonköpfe” hin und her schwadronieren, nur bleibt ihre Anaylse der Unmöglichkeit dritten Weges richtig. Diejenigen, die aus der Ecke der Pfarrer und Halbkünstler stammen und stammten, haben weder damals noch heute begreifen wollen, wie eiskalt der Kapitalismus eben ist.
      Und natürlich Lago, gab diesen Kreis aus Kirche und “Boheme”, die sich selbst als Oppostion verstanden, mit den besten Kontakten zur Partei. Diese Leute haben in der Mehrheit prima vom Sozialsystem der DDR gelebt, dort studiert, für 100 Mark Miete im Prenzlauer Berg oder in Leipzig für 100 Quadratmeter und mehr wohnen können, sich nebenbei als “Opposition” noch Westmark für den Intershop besorgt, und sich als Superrevolutionäre gefühlt. Auch Vera Wollenberger zählt dann natürlich in die Liga deiner verfolgten “kommunistischen” Minderheit Lago.

      “Politisch stand Biermann stets in der Naehe einer Fernsehkamera” (Wiglaf Droste)

      @85

      Die Billionen, die für den “Osten” aufgewendet wurden, flossen wohl in welche Taschen, welcher benennbarer privater Kapitaleigentümer, und woher stammten diese privaten Eigentümer in der Mehrheit?

      @91

      Richtig, in der unmittelbaren Industrieproduktion der Kombinate (Baustoffe, bei der Reichsbahn, in den chemischen Kombinante, im Maschinenbau) fehlte es an Allem, aber absolut an Allem, und da konnte auch niemand mehr etwas “organisieren”. Das betraf sogar die als lebensnotwenig eingestuften Sonderbezirke der DDR, und diese Entwicklung traf Anfang der achtziger Jahre massiv zu, zu dem Zeitpunkt, als die Erdöllieferungen des SU wegen dem Preiskrieg auf dem Weltmarkt für die DDR fast unbezahlbar wurden.

      Die Spreewaldbauern spielten insgesamt eine Sonderolle in der DDR. Diese hatten nichts durch Enteignungen oder Krieg verloren, und konnten über den Anbau von Obst und Gemüse schon zu DDR Zeiten Millionäre über den Verkauf und Tausch werden.

    93. Daniel B. schrieb am 10. November 2009 um 19:53 - Permalink

      Schade, vielleicht einer der schwächsten Spiegelfechter-Artikel überhaupt. Die zutage tretende Ignoranz gegenüber der damaligen politischen Dynamik – welche keineswegs nur von “wenigen Interessierten” ausging – ist einfach nicht zu entschuldigen. Natürlich kann man im nachhinein bessere Lösungen postulieren, nur waren diese nicht realisierbar. Die DDR als wie auch immer gesondertes Gebilde war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr haltbar. Da helfen auch keine Illusionen von “starker Führung” – so diktatorisch war die alte BRD mit Sicherheit nicht. Hätte man vielleicht den Todesstreifen beibehalten oder den Ostdeutschen die Einreise verweigern sollen? Eine andere Sache sind freilich Debakel wie Köhlers Generalsanierung der westdeutschen Banken. Aber das rettet diesen Artikel auch nicht mehr…

    94. hans wurst schrieb am 10. November 2009 um 20:20 - Permalink

      Spiegelfechter, vielen Dank für diese Wortmeldung; es ist erfrischend, wenigstens ab und zu eine Stimme zu hören, die versucht, die Dinge realistischer als die Mainstreammedien zu sehen.

      Um so mehr schade, daß auch du mal “glättend” über einzelne Fakten hinweggehst.

      1. Der Umtauschkurs war nur für eine bestimmte Summe 1:1, nämlich für 4000 MDN pro Erwachsenem und 1000 MDN pro Kind. Alles weitere wurde bereits 2:1 umgetauscht.

      2. Daß die ostdeutschen Unternehmen bei einer Umstellung auf DM nicht konkurrenzfähig sein würden, war allen klar, die bis 3 zählen konnten.
      Zumal die (in der DDR vom Planungssystem zugewiesenen, also systemimmanenten, sogenannten) Staatsbank-Kredite der Betriebe komplett 1:1 umgestellt wurden und sofort mit Zins und Tilgung bedient werden mußten.
      Mehr dazu in: “50 Jahre im Auftrag des Kapitals” von Edgar Most

      3. Wie die (Verun-)Treuhandanstalt NACH der (bis heute nicht ganz aufgeklärten, da seinerzeit die RAF aus eigener Kraft bereits nicht mehr zu solchen Attentaten in der Lage war) mysteriösen Ermordung von Detlef Rohwedder weit über 90% der Betriebe zum Nulltarif an “Westler” verscherbelte, kann in verschiedenen Büchern nachgelesen werden, zum Beispiel: “Was war die DDR wert?” von Siegfried Wenzel oder “Raubzug Ost” von Klaus Huhn.

      Die Grenzöffnung war zu 100% den Bürgerbewegten der DDR zu verdanken; keiner der Politiker, die sich heute in diesen Ereignissen sonnen, hatte daran einen wie auch immer gearteten maßgeblichen Anteil.

      Zum Thema “Dritter Weg” empfehle ich “Die blinden Flecken der Ökonomie” von Bernd Senf.

    95. hans wurst schrieb am 10. November 2009 um 20:29 - Permalink

      Ach ja, fast vergessen:
      die Auslandsverschuldung der USA betrug vor der Krise ca. 35% (ca. 3,5 Bio Dollar bei einem BIP von ca. 10 Bio Dollar); die der DDR im Oktober 1989 betrug 16% (49 Mrd Valutamark). (siehe “Geld ohne Zinsen und Inflation” von Margrit Kennedy)
      Wie war das mit der “bankrotten Wirtschaft”?

    96. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 20:30 - Permalink

      @hans wurst

      1. Der Umtauschkurs war nur für eine bestimmte Summe 1:1, nämlich für 4000 MDN pro Erwachsenem und 1000 MDN pro Kind. Alles weitere wurde bereits 2:1 umgetauscht.

      Yep – habe ich bereits mehrfach angemerkt. Ich hatte den Fokus auf die Betriebskosten gelegt und da war die 1:1 relevant.

      Die Grenzöffnung war zu 100% den Bürgerbewegten der DDR zu verdanken; keiner der Politiker, die sich heute in diesen Ereignissen sonnen, hatte daran einen wie auch immer gearteten maßgeblichen Anteil.

      *hüstel*

      Da vergißt Du aber die Reformer aus Moskau, die – in meinen Augen – den mit Abstand größten Anteil am Fall der Mauer hatten.

    97. Spiegelfechter schrieb am 10. November 2009 um 20:32 - Permalink

      @hans wurst

      Wie war das mit der ?bankrotten Wirtschaft??

      Oh, der Vergleich hinkt aber ganz gewaltig. Die USA können relativ problemlos (auch heute noch) ihre Kredite zurückzahlen. Die späte DDR hatte damit indes Probleme. Ohne den bayerischen Sozialistenfreund Strauß hätten sie schon Anfang der 80er ernste Probleme bekommen.

    98. egal schrieb am 10. November 2009 um 21:27 - Permalink

      @ all
      1. Ich bin immer wieder erstaunt über die hohe Osteuropa/Rußlandkompetenz hier.
      2. Kann mir jemand ein populärwissenschaftliches, nicht zu detailiertes, leicht runterzulesendes Buch über die realsozialistische Wirtschaft empfehlen? Ich würde gerne mal die andere Seite hören. Hat nicht irgendein SED-Altkader den Nachgeborenen eine Apologie hinterlassen? Ich möchte kein Buch von einem rechten oder linken Kritiker aus dem Westen.

    99. Dicker schrieb am 10. November 2009 um 21:31 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Ich bin mir sicher, dass > 90% der Ostdeutschen nicht den ?Siegeszug der sozialen Marktwirtschaft? im Auge hatten, als sie sich gegen die DDR-Regierung aufgelehnt haben.

      Ich habe zwar im Moment keine Quelle, war aber selbst dabei, in Jena. Bei den Montagsdemos im Oktober und den anschließenden Friedensgebeten ging es hauptsächlich um die geistige Öffnung und Mitbestimmung sowie die Abschaffung des Machtmonopols der SED.

      Als nach der Maueröffnung im November die ersten Spruchbänder und Rufe nach der Deutschen Einheit auftauchten, wurden diese Leute ausgepfiffen und fast verprügelt.

      Überhaupt fingen sich die Demos langsam an totzulaufen, das Wichtigste war gesagt worden, man wußte nun gegen wen und was man war, nur nicht wofür .

      Dieses Vakuum nutzten dann mehr und mehr seltsame Leute zur Selbstdarstellung, Betrunkene und Rechte Redner traten auf. Die Demos verloren an Bedeutung und wurden von den Veranstaltern abgesagt. Die Bewegung zur Wiedervereinigung wurde meiner Meinung nach aus Westdeutschland angeheizt, die schwarz-rot-goldenen Fahnen und Aufkleber, die plötzlich überall auftauchten, gab es in der DDR gar nicht zu kaufen.

      Widerstand mit illegalen Demos gab es in Jena schon seit Anfang der 80er Jahre, meist von Leuten, die ihre beantragte Ausreise beschleunigen wollten sowie von in Kirchenkreisen Aktiven der Umweltleute. In der Bevölkerung hatten diese Gruppen aber keine nennenswerte Resonanz. Selbst im Oktober 89 war ich gerade mal mit 3 anderen von 16 Kollegen aus meiner Abteilung zur Demo. Soviel zu den “mutigen Helden” von damals. Dabei galt Jena wie Leipzig und Berlin schon als aufmüpfig.

      Bei meinen Eltern auf dem Dorfe gab es gar keine Demos, jeder ging ordentlich seiner Arbeit nach:
      “Na ja, ich weiß nich…..” Erst als die Gefahr vorbei war, erinnerte man sich plötzlich, daß man die ganze Zeit über Opfer gewesen ist: “Die Schweine da oben, die machen’s aber auch mit uns !!”

      Die Orientierungslosigkeit nach dem Mauerfall lag wohl einfach daran, daß im Schatten von Honecker&Co keine Elitengeneration nachgewachsen ist, die breite Unterstützung bekommen hätte, wie z.B. Walesa in Polen und Havel in CZ. Modrow hatte gewisse Integrität, aber das falsche Parteibuch. Helmut Kohl mit seiner väterlichen Art konnte da besser punkten, besonders bei der älteren Generation, die “endlich den gerechten Lohn ihrer Arbeit” bekommen sollten: ordentliche Renten, und das schon morgen statt in 10 Jahren wie bei Lafontaine.

      Und schon fiel den Rentnern auf: “Stimmd, mir sinn 40 Jahre beschissn word`n !!” — Der Wahlkampf im März wurde immer mehr zur antikommunistischen Schlammschlacht, hat mich dann einfach nicht mehr interessiert, es war eine Zeit der Bilderstürmerei angebrochen, Parteien wie die “Deutsche Biertrinker-Union” stellten zur Wahl. Diejenigen, die vor den Folgen der schnellen Mark warnten, wurden ausgelacht: “Wer wirklich arbeiten will, der findet auch Arbeiteit !” , “Der Westen ist so reich, die können hier sämtliche Gullideckel vergolden…” klingt mir heute noch in den Ohren. Da hatten ARD und ZDF wohl jahrzehntelang ordentliche Arbeit geleistet.

      Als weitere Ursache für schlechte Abschneiden der Bürgerrechtler kommt noch hinzu, daß von Westseite Druck aufgebaut wurde, das Zeitfenster zur Einheit könnte sich schnell schließen, wenn die Stimmung in Moskau kippt. Hier zeigt sich deutlich die zwiespältige Haltung des Westens: Anerkennung der Bürgerrechtler, den “Stein ins Rollen” gebracht zu haben, dann ihnen aber die Revolution aus der Hand zu nehmen, wie man kleinen Kinder die Streichhölzer wegnimmt.

      Rückblickend kann ich heute sagen: Eine richtige Revolution war das bestimmt nicht, manche nennen es “Bananenrevolte” :o))

      Wirtschaftlich war die DDR damals vergleichbar mit dem hinteren Plätzen der EU wie Spanien, Portugal und Griechenland. Das würde ich heute, nachdem ich dutzende Länder dieser Welt bereist habe als realistisch sehen.Platz 10 der Industrienationen halte ich für übertrieben. Ob ein eigenständiger Weg damals möglich gewesen wäre, ist schwer zu sagen, dafür spricht, daß die ärmsten RGW-Länder Polen und Rumänien immer noch existieren, dagegen, daß es keine wirkliche Identifikation der DDR-Bürger über eine eigene Nation oder Religion oder anderes gab.

      Schaun wir mal … :o))

    100. bambi schrieb am 10. November 2009 um 22:17 - Permalink

      @egal

      kannst dir in der Zwischenzeit ja mal dsa durchlesen. Ist sehr interessant und aufschlußreich.

      http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m2706b.pdf

    101. bambi schrieb am 10. November 2009 um 22:21 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Unsinn die DDR hatte Ende der 80er keine Liquiditätsprobleme. Vielleicht wären sie nach ein paar Jahren gekommen, das wäre schon möglich. Kannst du bitte mal eine seriöse Quelle für diese Behauptung nennen?

    102. knt schrieb am 10. November 2009 um 22:22 - Permalink

      @egal: Das hier ist ganz gut: “Erfahrungen und Probleme der Planung und der wirtschaftlichen Entwicklung in der DDR” – http://www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Papers_Workshop_Soz.pdf

    103. Kris schrieb am 10. November 2009 um 22:33 - Permalink

      Ich denke, der Westen wollte die Einheit, um – neben Profit für die Wirtschaft – die künftige Entwicklung der DDR/Ostdeutschlands kontrollieren zu können – denn als die Mauer fiel, standen ja zumindest theoretisch eine Vielzahl an Möglichkeiten offen und es war nicht gesagt, dass die DDR ein kapitalistisches Land werden würde. Sicherlich, theoretisch…

      Übrigens, jemand hat mir mal davon erzählt, wie Ende der 80er immer mehr Leute aus dem Freundeskreis nach Westen gingen: “Ich bin nicht in den Westen gegangen und jetzt bin ich trotzdem hier gelandet.” Und das war eine, die in der DDR durchaus mit der Staatsmacht in Konflikt gekommen ist – richtig fies wurde das Leben allerdings erst im Westen.

      Ich denke, viele von denen, die ’89 auf der Mauer getanzt haben, haben sich das anders vorgestellt. Leider sind sie von einer Fremdbestimmtheit in die andere gerutscht…

    104. Noone schrieb am 10. November 2009 um 22:54 - Permalink

      Warum die ersten Wahlen so enttäuschend liefen (da sie zur BRD sehr ähnliche Ergebnisse erbrachte), hatte aus meiner Sicht mehrere Ursachen:

      - Es ging alles sehr schnell. Vor 20 Jahren ging die Zeit noch nicht so schnell (auch im “Westen”)
      Es gab 5-Jahrespläne, Veränderungen kamen langsam. DIe Opposition dachte, sie hat noch jede Menge Zeit.
      - Die Opposition war nicht eins, sondern extrem vielschichtig. (von extrem Rechten, über DSU über Tierschützer, unabhängigem Frauenverband bis zu Trotzkisten) So wie die Einigkeit stark gegen die SED machte, so uneins war man sich natürlich darüber, was danach käme.
      - Das Neue Forum war in aller Munde, aber nur, weil man damit provozieren wollte. Wofür das Neue Forum stand (außer freien Wahlen und Reisefreiheit) wußte kaum einer. Die bekamen ja nichtmal Papier zugeteilt, um sich mitzuteilen.
      - Die kath. Kirche fuhr zweigleisig. Während z.B. Kardinal Sterzinsky sagte, jetzt sei die Zeit zu beten und man solle doch demokratische Parteien wählen… machten die Pfarrer in den Gemeinden überwiegend Stimmung pro CDU.
      - Die Ossis vertrauten den Westmedien noch, was die über den Osten sagte stimmte, oder man wollte es glauben. Schnitzler (Der schwarze Kanal) log ja erkennbar viel über den Osten, also war auch alles gelogen, was er über den Westen sagte. Das Erwachen wie es im Westen wirklich ist und werden würde, kam erst nach der Wahl. Der Westen war eben nicht nur golden, nichtmal überwiegend. Aber damit hätte man ja Schnitzler zumindest in dem Punkt recht geben müssen … NIEMALS!!
      - FDP und CDU schluckten die Blockparteien und hatten damit Strukturen übernommen. Die Bürgerbewegungen standen da und konnten in den paar Monaten nicht viel auf die Beine stellen und hatten auch kein Geld für einen Wahlkampf. (War von Schwarz/Gelb in der BRD auch nicht anders gewollt), die SDP – später SPD fing auch bei 0 an, bekam aber Unterstützung aus dem Westen.
      - Die Masse der Leute in der DDR ging ja erst auf die Straße, als es nicht mehr sonderlich gefährlich war. Und diese (dumme) Masse wars eben auch, die eigentlich doch nur Ruhe haben wollte und ohne Aufwand das meiste rausholen. Also hieß es alsbald “Wir sind ein Volk” und “Wenn die D-Mark nicht zu uns kommt, kommen wir zu Ihr”. Wie wir heute wissen, waren die Demos zunehmend vom Westen gestaltet (Parolen, Fahnen, Parteiinfos).
      Besonders bitter ist mir die Erinnerung, als irgendein, in jeder Hinsicht unterdurchschnittlicher, Abgeordneter der DSU zum Neuen Forum meinte: “Sie können mit dem Tempo der Revolution nicht mehr mithalten.”, womit die Verramschung der DDR und deren Anschluss an die BRD gemeint war.

    105. knt schrieb am 10. November 2009 um 22:55 - Permalink

      @egal: das hier kann ich dir nur empfehlen – Autorin ist Prof. Christa Luft – letzte Wirtschaftsministerin der DDR.

      http://www.amazon.de/Wendeland-Fakten-Legenden-Christa-Luft/dp/3746670497/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1257890055&sr=8-1

    106. name schrieb am 10. November 2009 um 23:57 - Permalink

      Irgendwann, in 100 Jahren, wird es auch noch einmal zu einer Neuwertung dieser historischen Geschichte kommen, wenn auch der Umfang und die Akten in Moskau zur der von ???????? ??????? geleiteten Operation Lutsch freigegeben werden, die mit der Machtübernahme Gorbatschows in der SU begann und welche gegen die Interessen der DDR und dessen Kader, für die Interessen der neuen Eliten in Moskau gerichtet war. .

    107. Dexter schrieb am 11. November 2009 um 00:01 - Permalink

      @ lago, Spiegelfechter:
      Im Grunde hätte ich statt “Oppositionelle” wohl eher “Dissidenten” schreiben sollen. In einem krustigem System wie der DDR war ja im Grunde schon jeder in einer oppositionellen Position, der sich auch nur ein wenig persönliche Freiheit nahm (z.B. auf der Saale floßfahren :P).
      “Oppositionelle” die sich auch öffentlich Gehör verschafften (z.B. über Samisdat oder auch Publikationen im Westen), also Menschen, welche die “sozialistische” Kultur aktiv (um)gestalten wollten und die dafür Repressalien hinnahmen (also Dissidenten), waren zum überwiegenden Teil einem linken Spektrum zuzuordnen. Und das sind diese Leute auch heute noch. Jedenfalls alle die ich je getroffen habe. Dieser Umstand erklärt vielleicht auch das nur geringe Interesse der “bürgerlichen” Medien an diesen Leuten, obwohl diese ja sicher alle interessante Ansichten zum Innenleben der DDR haben.

      Und ja, es gab auch sehr viele Faschisten, Hooligans und andere Schwachsinnige, die außerhalb des Systems standen. Nur hatten die wohl weniger zu sagen, auch wenn sie gerne die Fäuste sprechen liessen.

      @name (92):
      Oh Mann, es ist kaum zu glauben, dass du das wohl ernst meinst. Es war wirklich ein sehr komfortables Leben, wenn man von der Stasi rund um die Uhr persönlich “beschützt” für ‘n paar Mark Miete in einer riesigen Bruchbude mit Ofenheizung auf dem Prenzelberg leben durfte, während die Kinder die gute und teure (Wehr)Ausbildung in der POS geniesen konnten. EOS und alles weitere ist ja dann leider für diese Kinder ausgefallen. Aber eine anständige Facharbeiterausbildung in einer museumsreifen Fabrik war ja an sich auch nicht zu verachten. Danach durften die Kids dann noch zur “Fahne”, mit ein bisschen Glück den Ehrendienst sogar am antifaschistischen Schutzwall leisten. Was für ein schönes, sozialistisches Leben, da kam Freude auf!
      Ach ja: Zwei, drei Namen “bürgerlicher” Dissidenten würden deine Argumentation sicher deutlicher untermauern als dein bloses Geschimpfe über Biermann.

      @Dicker: Danke.

    108. Lago schrieb am 11. November 2009 um 01:20 - Permalink

      @Dicker

      Hier zeigt sich deutlich die zwiespältige Haltung des Westens: Anerkennung der Bürgerrechtler, den ?Stein ins Rollen? gebracht zu haben, dann ihnen aber die Revolution aus der Hand zu nehmen, wie man kleinen Kinder die Streichhölzer wegnimmt.

      Danke für dieses Bild, welches ich bis nie sprachlich prägnant fassen konnte. Das trifft es meines Erachtens auf den Punkt.

    109. name schrieb am 11. November 2009 um 01:33 - Permalink

      Ach dexter, du hast keinen Funken Wissen über diese Zeit, aber Stasi brüllst du dafür genauso laut wie Springer. Junge, setzt dich bloss hin, und bilde Dich, aber schleunigst. Ist ja schlimm, daß du überhaupt null weisst.

      Kannst dich ja bei Gelegenheit selbst auf einen “kommunstischen” Biermännchenwiderstandskämpfer im Eletrostyle trimmen, und vielleicht verkauft sich diese Marke ja irgendwie besonders toll. ;)

    110. tech-o-matic schrieb am 11. November 2009 um 01:38 - Permalink

      Ich möchte euch zwei momentan noch online verfügbare Sendungen an Herz legen, die bei mir für Erhellung und Erinnerung kombiniert mit Gänsehaut gesorgt haben:

      Zum einen das Radiofeature “Wo sind wir bloß hingekommen?” von Elke Kimmel und Marcus Heumann, welches Original Tonmitschnitte des MfS aus der Zeit der Wende zur Aufführung bringt, die die gesellschaftlichen Umwälzungen aus einer interessanten Perspektive aufzuzeigen vermögen. Prima zum im Bett hören *g*

      Zum anderen den Dokumentarfilm “Material” von Thomas Heise, der mit seinen weitgehend unkommentierten Aufnahmen ein starkes Bild der Turbolenzen der Zeit um/nach ’89 aufzeigt. Sehr heftig z.B. die Live-Aufnahme der Filmpremiere mit den eingeladenen Nazis, die dann überfallen wird, oder auch Schabowski nur einen Schnitt entfernt von Heiner Müller oder, oder, oder …

    111. Dexter schrieb am 11. November 2009 um 01:53 - Permalink

      @name:
      Selten so gelacht. Argumentativ scheint bei dir ein bisschen die Luft raus, oder? Solltest du irgendwann doch noch relevante Fakten in diese Kommentare einbringen, kann ich dir vielleicht wieder Aufmerksamkeit schenken. Bis dahin musst du dich wohl weiter mit dir selbst und deiner eigenartig verzerrten Erinnerung beschäftigen.

    112. Ralf schrieb am 11. November 2009 um 03:34 - Permalink

      @SF,

      leider kann ich auch keinen vernünftigen Quelltext angeben, der die Ursachen des Wahlergebnisses vom März ’90 einigermaßen solide benennt.

      Aber eine Begebenheit aus meinem persönlichen Umfeld kann ich dazu bringen, die vielleicht ein Licht auf damalige Befindlichkeiten werfen mag:
      Wie in vielen Familien, so gab es damals auch in meiner diverse politische Diskussionen. Dass ein Mensch seine jahrzehntelang zur Schau gestellte politische “Überzeugung” quasi über Nacht in die Tonne klopfen kann, habe ich dabei erlebt. Aber geschenkt, denn der gemeine Ossi lechzte nach dem ganzen Müll aus Bananen, brauner Brause und Westkaffee.

      Völlig hasserfüllt schleuderte mir mein Vater damals ins Gesicht: “Wenn IHR die Roten wählt, bekommen WIR die Westmark nie!!!”

      Meiner Meinung nach war auch der gemeine DDR-Bürger nichts anderes als ein kleines egoistisches materialistisches Individuum. Ich war erschüttert, dass es so einfach gelang, quasi ein ganzes Volk mit billigem Konsum-Schund zu ködern.

    113. Maitol Krczstovczc schrieb am 11. November 2009 um 04:20 - Permalink

      Über den Status der wirtschaftlichen Situation zur Wendezeit wurde ja schon vieles gesagt. Was ein bißchen außenvor blieb, ist meines Erachtens, die kurze Zeit der absoluten gesellschaftlichen Freiheit die es für ein paar Monate gab. Ich war damals 17/18. Ich habe niewieder eine ähnliche Diskussionskultur erlebt wie zu diesem Zeitpunkt. Leider kamen einem da die Bundestagswahlen 1990 und damit Helmut Kohl dazwischen. Wenn man sich datierte Fotos und Videos aus diesem Zeitrahmen anschaut, kann man quasi 1:1 sehen wann der Wahlkampf in der BRD begann; “als die ersten Schwarzrotgold Wir sind ein Volk “Claquere bei den Demos auftauchten. Alternativere Bewegungen als die “WirsindeinVolk” – Fraktion haben sich entweder zerstritten oder gekauft. DVU von CSU, CDU von CDU-West, NDPD und LDPD von der FDP, Demokratischer Aufbruch von der CDU, einzig die DSP/SPD, SED-PDS und Bündnis 90waren nicht von Westparteien infiltriert bzw. gekauft. Dadurch konnten die mit massiver finanzieller und personeller Unterstützung arbeitenden “bürgerlichen” Parteien einen immensen Wahlkampf pro Einheit führen. Bündnis 90 und DSP/SPD konnte da nicht mithalten, SED-PDS hatte sich damals aus naheliegenden Gründen nun nicht unbedingt als Alternative angeboten. Letztendlich entschied das Geld und die Medienmacht der BRD über das Gesellschaftssystem der DDR.

      Über meine Erinnerung an diese Zeit habe ich hier was geschrieben

    114. Manni schrieb am 11. November 2009 um 05:17 - Permalink

      @Dexter(107):
      Ach ja: Zwei, drei Namen ?bürgerlicher? Dissidenten würden deine Argumentation sicher deutlicher untermauern als dein bloses Geschimpfe über Biermann.

      Bitte schön:
      Heinz Eggert, Bärbel Bohley, Freya Klier, Stephan Krawczyk, Rainer Eppelmann, Günter Nooke, Marianne Birthler, Joachim Gauck, …

    115. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 um 09:38 - Permalink

      @101 bambi

      Kannst du bitte mal eine seriöse Quelle für diese Behauptung nennen?

      Ja, dass kann ich.

    116. Dennis schrieb am 11. November 2009 um 09:47 - Permalink

      Meine Fakten:

      Ein paar Jahrzehnte wurde ein Volk eingesperrt, in ein überdimensionales Gefängnis. Dieses Gefängnis ist 1989 aufgelöst worden. Die Insassen dürfen sich heute frei in der Welt bewegen. Das ist positiv und zwar ohne Einschränkung. Meine Meinung.

      Die wirtschaftliche Entwicklung des Ostens spielt keine Rolle. Natürlich hätte man die Einigung besser machen können, aber wie so oft gibt es keine zweite Chance. Aus den Fehlern der Vergangenheit kann jeder einzelne für sich lernen – aus seinen eigenen Fehlern. Die Fehler die andere gemacht haben…davon kann man nicht lernen. Man kann sich nur sein Bild machen (was immer unvollständig ist, egal wie viel man liest und weiß) und sich sagen: So will ich’s machen oder so lieber nicht.

      Keiner kennt hier die absolute Wahrheit und leider bringt die Diskussion um die verschüttete Milch nicht viel. Anstatt auf der Vergangenheit herumzureiten und irgendwelche obskuren Mechanismen, Menschen und Lobbys für eine Entwicklung zu geißeln sollte das Hirnschmalz eher für die Zukunft eingesetzt werden.

      Die DDR als Gefängnis war schlecht, die Maueröffnung eine Befreiung. Lasst uns im kleinen anfangen und uns gegenseitig respektieren. Lasst uns Verständnis haben für die, die Ängste und Sorgen haben im Zusammenhang mit dem Mauerfall und der Auflösung der DDR.

      Wir Menschen, die hier diskutieren, sind dafür verantwortlich, dass die Einigung gelingt. Dass sich Ostdeutsche und Westdeutsche verstehen und jeder sein persönliches Trauma überwinden kann. Dass die Stärken der Menschen gebündelt werden und nicht die Schwächen.

      Nehmt Euch gedanklich in die Arme, freut Euch, dass es dieses Gefängnis nicht mehr gibt, sprecht miteinander offen über Eure Ängste und Sorgen und begreift, dass Euer Leben etwas wunderbares ist, dass wir die unmenschliche Mauer nicht mehr ertragen müssen.

    117. Mr. Captcha schrieb am 11. November 2009 um 10:29 - Permalink

      und heutzutage gibt es die Privatisierung der Mauern. Je mehr Dreck am Stecken jemand hat, desto größer plant er die Mauer drumrum. Egal ob Hühner-KZ, Chemie-Bude oder Atom-Kraftwerk. Da lob ich doch die Leute, die noch soviel Mut haben, solche Mauern zu übersteigen.

      Besonders die Banken haben eine besondere Form von Mauer: Sie wohnen gleich darin in Form ihrer Hochhäuser.

    118. peson schrieb am 11. November 2009 um 10:53 - Permalink

      @116 SF

      Leider stimmt deine Quelle der eigentlichen Behauptung @101 Bambi’s

      “Unsinn die DDR hatte Ende der 80er keine Liquiditätsprobleme.”

      direkt zu.

      Prof. Mai (den ich auch sehr schätze) schreibt nähmlich auf Seite 2:

      “Ab 1982 erreichte die DDR wieder einen Exportüberschuss, der den weiteren Anstieg der Netto-
      Verschuldung im NSW abbremste und zunächst umkehrte. Später erreichte die NSW-
      Nettoverschuldung der DDR nicht wieder diese Höhe ? und die Kreditkrise galt einige Jahre lang
      als überwunden.

      und folgend Seite 3/4:

      Die Bundesbank kommentierte die Sachlage dann wie folgt:
      ?…dass es den Verantwortlichen in der DDR nach dem Beginn der achtziger Jahre relativ schnell
      gelungen ist, ein respektables Liquiditätspolster aufzubauen. Ende 1981 betrugen die Forderungen
      (Guthaben) gegenüber dem NSW noch 3,2 Mrd. VM, bis Ende 1985 waren sie auf 30,2 Mrd. VM
      abgewachsen. Sie setzten sich zum großen Teil aus Guthaben der DDR-Banken, daneben aus Handelskrediten der Unternehmen sowie in relativ geringem Umfang aus Regierungskrediten
      zusammen … Aber Ende 1989 lagen sie immerhin noch bei 29 Mrd. VM und deckten 59,3 % der
      Verschuldung ab. Das Verhältnis der Auslandsaktiva zu den Importen belief sich auf 158 %, das
      heißt sie entsprachen den Einfuhren 1 ½ Jahren.? (Bundesbank, Sonderbericht, 58)
      Damit entdramatisiert die Bundesbank manche politisch motivierten Aussagen zur DDR-
      Verschuldung.

      Abgesehen von diesem kleinen Lapsus ist Dein Artikel aber wohltuend sachlich und objektiv.
      Es ist schon ein Armutszeugnis für unsere Leitmedien, nichts Vergleichbares hervorgebracht zu haben.

    119. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 um 11:13 - Permalink

      @peson

      Ach so – ich dachte “bambi” wollte eine Quelle für die Liquiditätsprobleme der frühen 80er. Da habe ich wohl nicht richtig gelesen. Über dramatische Liquiditätsprobleme Ende der 80er ist mir auch nichts bekannt. Das hat aber mE keine Auswirkungen auf die Behauptung, die DDR stand Ende der 80er vor einem wirtschaftlichen Kollaps.

    120. hoeschler schrieb am 11. November 2009 um 13:22 - Permalink

      Ähem, ich bin da nicht so bewandert, aber wann ist ein wirtschaftlicher Kollaps erreicht?

      Ich meine mit reiner Nettoverschuldung kann das ja nicht erklärt sein, zumal die ja wie man jetzt an den USA sieht wohl kaum Auswirkungen auf die Bonität eines Landes hat.

      Also wo muss ich da jetzt den Vergleich zwischen einer Volkswirtschaft der DDR und einer beliebig anderen Marktwirtschaft ziehen, die im Prinzip auch nur effektiv dadurch funktioniert, dass der Staat in Schuldnerposition gegenüber seiner Unternehmen, Banken und privaten Haushalte steht? (Ergänzung: Und natürlich anderer Länder)

    121. name schrieb am 11. November 2009 um 15:17 - Permalink

      Dich selbst soll man wohl als flußfahrenden Dissidenten auf der Saale im kommunistischen Widerstand selbst ernst und wahrnehmen, was Dexter?

      Funny van Dannen hat vor langer Zeit über solche Charaktere ein passendes Liedchen hervorgezaubert:

      Am liebsten wäre mir ein chinesischer Dissident oder einer von der Saale :)

    122. Dexter schrieb am 11. November 2009 um 16:39 - Permalink

      @manni (114):
      Danke für die Bemühungen. Man nehme deine Liste “bürgerlicher” Oppositioneller und stelle diesen Menschen mal das Bild gegenüber, welches der alte Betonkopf-Stalinist “name” von diesen zeichnet – das spricht für sich selbst:

      Die ?DDR ? Opposition? war weder intellektuell, noch haben diese Teile jemals etwas produktives geleistet: sie waren vor allem bürgerliche Rechte, die Fahnen der bürgerlich rechten Westverwandschaft mit Dollarzeichen ergriffen haben. Diese Kriegsgewinnlerriege brüllt ja heute nur noch ?Deutschland? für das Kapital, und der Rest, der im Postwahn der BRD nicht so angekommen ist, wie erwünscht, taummelt ein wenig hin und her, und verwendet dann solche Begrifflichkeiten wie ?Pöpel?.

      Sein Unverständnis einfachster rechtsstaatlicher Grundprinzipien drückt sich auch ganz typisch in folgendem Auswurf aus:

      Diese Leute haben in der Mehrheit prima vom Sozialsystem der DDR gelebt, dort studiert, für 100 Mark Miete im Prenzlauer Berg oder in Leipzig für 100 Quadratmeter und mehr wohnen können, sich nebenbei als ?Opposition? noch Westmark für den Intershop besorgt, und sich als Superrevolutionäre gefühlt.

      “name” findet es also bemerkenswert und positiv hervorzuheben, dass Andersdenkende (angeblich!) nicht vom sozialen Leben ausgeschlossen wurden. Am liebsten wären Ihm anscheinend ständige Lager-/Haftaufenthalte für solch “feindlich-negative Subjekte” gewesen.
      “Genossen” wie “name” waren es auch, bei denen man sich in Gesprächen unter 6 Augen bei Gelegenheit mit einer 3-Jahre-NVA- oder mit einer “ich arbeite als IM”-Verpflichtung dafür “bedanken” durfte, dass man ja teilhaben durfte, an der schönen sozialistischen Welt (als hätte man eine andere Wahl gehabt!). Vielleicht war er auch einfach nur ein Stabü-Lehrer, der versuchte Kindern (damals genau so plump wie heute), den Sozialismus zu vergrätzen einzubleuen.

      Opportunisten wie “name” waren typische Träger des DDR-Systems. Und genau dieser Menschenschlag hat das System letztlich unerträglich gemacht und die zugrunde liegende Idee wahrlich grandios verraten. Das darf niemals vergessen werden!

    123. Phil schrieb am 11. November 2009 um 17:23 - Permalink

      @Dennis:

      Die Fehler die andere gemacht haben?davon kann man nicht lernen.

      Doch, kann man. Doch dazu ist es nötig, diese Situation so ausgiebig wie möglich zu dokumentieren und so weit wie möglich objektiv zu analysieren. Dann können die Fehler anderer vermieden werden.

      Diese Methode setzt jedoch auch den Willen und die Übung vorraus, mit solch einem System umzugehen. Teilweise wurde ein solches System schon realisiert:

      Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

    124. name schrieb am 11. November 2009 um 17:45 - Permalink

      Aber Dexter, von deinen Flokeln, dessen juristischer Inhalt dir als Laie auf diesem Gebiet auch völlig unbekannt ist (ich könnte dir ja jetzt ein paar gebundene Ausgaben der NJW auf die Fingerchen legen, und dann mit denen der NVwZ fortsetzen, um dir ein paar Takte des allgemein bürgerlichen Verwaltungsrechts zu hörbar werden zu lassen, und dir den von bürgerlich rechten Juristen entstellten Gustav Radbruch um die Augen knallen, nur du würdest auch da nichts begreifen), einmal abgesehen, merkst du eigentlich, daß du nur plapperst, ohne ein Fünkchen Basiswissen über Strukturen, über Personen und dessen Handlungen plapperst?

      Dir Superwiderstandskämpfer war ja nicht einmal die, sogar als ultralinksradikal bewertete, “Kommunistin” Vera Wollenberger und deren Thesen in der DDR ein Begriff, aber hier etwas vom Sein und Schein der Dissidenten erzählen wollen, und sich als der kommunistische Widerstand an der Saale dazu aufspielen.

      Du unterliegst, wie das gesamte Milieu der Vorstellung, dieses wäre irgendwie bedeutsam oder wichtig gewesen, und begreifst gar nicht, daß die wirklichen Entscheidungen ganz wo anderes, aus anderen Gründen getroffen worden sind. Lebenslügen nennt man sowas auch, und du verkaufst diese auch noch billig weiter. :)

      Dazu kommt, du begreifst gar nicht, wie prima die “Dissidenten” eigentlich in der DDR gelebt haben, nur heute sind diese völlig unwichtig.

    125. name schrieb am 11. November 2009 um 18:13 - Permalink

      Jens hatte oben seine Verwunderung darüber ausgedrückt, warum die Wahlergebnisse der “Bürgerrechtler” so unbedeutend am Ende gewesen sind, und als allgemeine Erklärung muss immer die finanzelle Materialschlacht aus dem Westen als Begründung herhalten. Das ist ein Teil der Wahrheit, der andere ist die völlig fehlende Verankerung dieses Milieus bei den normalen Arbeiter und Bauern, die mit den Halbkünstlern, die nie auf dem Bau gearbeitet oder im Tagebau den Strom für die Wohnungen in Leipzig oder Berlin erarbeitet haben, überhaupt nichts anfangen konnten. Sie wussten ganz genau, daß diese “Dissidenten” in der Mehrheit selbst die Privilegien der DDR genossen haben, Vorrechte hatten, die Ihnen vorenthalten wurden.

      Deren Überheblichkeit und Fremdheit hast du hier mit deiner Formulierung vom “Pöpel” oben besonderes gut gespiegelt Dexter.

    126. Dexter schrieb am 11. November 2009 um 18:45 - Permalink

      @name:
      Du bist rhetorisch so ungelenk und du kommst zudem noch so dumm daher, dass deine Kommentare so bizarr sind, dass sie im Grunde schon wieder witzig sind.
      Wenn das mir falsch zugerechnete “Widerstandskämpfer” nicht von dir käme, würde es mich ein wenig verlegen machen: Denn ich habe dem System damals nichts entgegengesetzt. Wie kommst du Fantast eigentlich darauf?
      Schreib mehr, wir brauchen was zu lachen!

    127. name schrieb am 11. November 2009 um 19:02 - Permalink

      Dexterchen, nicht jammern, es hilft ja nichts, wenn dir noch niemand klar und deutlich geschrieben hat, daß es bei dir an allen Fähigkeiten mangelt: an Stil, Form, Inhalt und Basiswissen. Du hast einfach kein Talent zum Schreiben. Plappern aber, kannst du prima, mit societe und Sternchen.

      Ach ja, ganz am Rande, deine Logik in deinem Kompliment, Satz 1, erster Halbsatz, ergibt keinen folgenden und schlüssigen Sinn, und Paddelrevolutionär in der Saale wolltest du doch sein. Üben i ????????? dexter ;)

    128. Dexter schrieb am 11. November 2009 um 19:10 - Permalink

      @name: Du kannst dir wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie grausam deine Einschätzung trifft. Die societe fühlt sich schon total zersetzt. *uargh*

    129. name schrieb am 11. November 2009 um 19:52 - Permalink

      Dexterchen, eine Frage am Rande, so ganz unzersetzend fürs Klischee, verwendest du als “Sozialist” eigentlich immer Thesen und Ansichten aus der extremen Rechten und übernimmst diese für deine Schreibübungen bei societe?

    130. Centaurium schrieb am 11. November 2009 um 20:03 - Permalink

      Ein paar Jahrzehnte wurde ein Volk eingesperrt, in ein überdimensionales Gefängnis. Dieses Gefängnis ist 1989 aufgelöst worden. Die Insassen dürfen sich heute frei in der Welt bewegen. Das ist positiv und zwar ohne Einschränkung. Meine Meinung.

      Ja, ich bin auch froh, dass der “antifaschistische Schutzwall” weg ist.
      Mit dem Freibewegen stimmt so aber nicht ganz, denn wenn man H4-Bezieher ist, muss man bei Ortsabwesenheit vorab das Einverständnis (kenne jemanden, dem ists schon mehrmals nicht erlaubt worden, kein Krimineller, reine Schikane) des persönlichen Sachbearbeiters einholen.
      Das ist kein Witz , das steht u.a. in der Eingliederungsvereinbarung, die mit dem Hilfebedürftigen und dessen Partner abgeschlossen werden muss. Man muss es zwar seit Dezember 2008 nicht mehr unterschreiben (was die wenigsten aber wissen und 2000 Fälle von Sanktionen hat es bisher trotzdem gegeben), dafür greift dann der Verwaltungsakt.

      https://epetitionen.bundestag.de/index.php?topic=3255.0

      Das kam u.a. im August aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales:
      (von wegen frei bewegen)

      “Im Rahmen der Freizügigkeit gemäß Art. 11 GG darf niemand daran gehindert werden, innerhalb des jeweiligen Staatsgebietes den Aufenthaltsort und Wohnsitz frei zu wählen. Die Regelungen der Erreichbarkeitsanordnung hindern den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen nicht unmittelbar an der Wahl eines anderen Wohn- oder Aufenthaltsortes. Es knüpft an eine solche Wahl nur u.U. eine sozialrechtliche nachteilige Rechtsfolge.
      Soweit hierin eine Beeinträchtigung des Grundrechts aus Art. 11 Abs. 1GG gesehen wird, ist diese dennoch verfassungsgemäß, da sie den Anforderungen an eine gesetzliche
      Beschränkung der Freizügigkeit in Art. 11 Abs. 2 GG genügt. Der Gesetzgeber konnte eine solche Beschränkung für erwerbsfähige Hilfebedürftige vornehmen, weil diese über eine ausreichende Lebensgrundlage nicht verfügen und der Allgemeinheit bei unbeschränkter Freizügigkeit daraus besondere Lasten entstehen.”
      ___________________________________________________________________

      Ein langsames Angliedern/Anschließen/Verschmelzen/usw hätte ich mir nicht gewünscht und wünsche es mir auch nicht im Nachhinein. Ich glaube, es gibt Situationen, da muss beherzt und schnell gehandelt werden, gar nicht mal immer aus materiellen Erwägungen (die bestümmt auch eine Rolle gespielt haben). Irgendwas läuft da, das ist fast so als würde sich das Verselbständigen. Zum Glück lässt sich nicht alles kontrollieren und planen, so etwas wie Inspiration gibts schließlich auch noch!

      Mein Schwager aus Bollencalbe (auch an der Saale) hat für Überlegungen zu >hätte< stets den Spruch parat:
      “Hätte der Onkel nicht … dann wärs die Tante geworden.”

      Im Sinne des Augenblicks aber doch reflexionsfreudig
      das Centaurium

    131. name schrieb am 11. November 2009 um 22:13 - Permalink

      @130

      Das deutsche Grundgesetz stellt in Art. 11 II GG, die Einschränkungsmöglichkeiten des Deutschengrundrechts auf Freizügigkeit in den Grenzen der Bundesrepublik aus Art. 11 I GG ausdrücklich dar.

      Aus Art. 11 II 1. Var. GG ist ersichtlich, daß die Freizügigkeit dann versagt werden kann, wenn eine ausreichende Lebensgrundlage nicht vorhanden ist und der Allgemeinheit daraus besondere Lasten entstehen würden.

      Die bürgerlich kapitalistischen Staaten haben schon immer das Recht auf freie Fortbewegung innerhalb ihres Geltungsbereichs beschränkt und bestimmten Bedingungen unterworfen. Anfänglich war dies nur aus Gründen des direkten Schutzes des Bestands des bürgerlichen Staates möglich, und wurde dann auf weitere Aspekte ausgedehnt.

      Schon früher das BVerfG hat in seinen Entscheidungen immer daraufhin gewiesen, daß auch die Ausreisefreiheit (als Gegenstück zur innerstaatlichen Fortbewegungsfreiheit bzw. Freizügigkeit ) kein unverbrüchliches individuelles Menschenrecht ist, und unter dem Vorbehalt der Interessenwahrung des bürgerlichen Staates steht. Diese bürgerlich rechtliche Auffassung ist auch in Art. 12 IPBPR so kodifiziert.

      Diese Rechtslage bürgerlicher kapitalistischer Staaten ist absolute “Normalität”.

      (Diese Residenzpflicht für Asylsuchende und Ausländer ist seit Jahrzehnten ein rechtlicher und sozialer Dauerbrennpunkt. Neu ist nur, daß diese Pflicht und die Versagung des Rechts auf Freizügigkeit durch den bürgerlichen Staat, auf Grund von Verarmung, immer mehr Deutsche selbst trifft)

    132. knt schrieb am 11. November 2009 um 22:42 - Permalink

      @egal: Das hier soll auch interessant sein: “Was war die DDR wert?” von Siegfried Wenzel, bis 1989 Plankommissar der DDR: http://www.amazon.de/Was-war-die-wert-Abschlu%C3%9Fbilanz/dp/3360009401/ref=pd_cp_b_1

    133. Centaurium schrieb am 12. November 2009 um 07:56 - Permalink

      (Diese Residenzpflicht für Asylsuchende und Ausländer ist seit Jahrzehnten ein rechtlicher und sozialer Dauerbrennpunkt. Neu ist nur, daß diese Pflicht und die Versagung des Rechts auf Freizügigkeit durch den bürgerlichen Staat, auf Grund von Verarmung, immer mehr Deutsche selbst trifft)

      Und diese Verarmung ist die logische Folge falscher Sozialpolitik.

      “Ich bin aus allen Wolken gefallen” als ich die Zusammenstellung einiger vorweggenommener Punkte
      zum Gutachten des Hartz IV-Klägers vor dem Bundesverfassungsgericht 1 BvL 1/09
      auf
      http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2009/Ermittlung_Regelleistungen_Stellungnahme.aspx
      las.

      Kurze Anmerkung von Harald Thomé, der die Seite betreibt,dazu:

      “Die Stellungnahme ist vielfältig brisant, darin wird offenbar und ist hervorragend rausgearbeitet, dass die rot/grüne Bundesregierung von vorneherein die Höhe der Regelleistungen in den Leistungssystem SGB II/SGB XII auf 345 ? politisch festgelegt hat und sich diese Festlegung hinterher pseudowissenschaftlich hat belegen lassen.

      Ebenso brisant ist, dass diese Festlegung von allen im Gesetzgebungsverfahren Beteiligten Wohlfahrts- und Sozialverbänden, Gewerkschaften, Deutscher Verein durchgewunken wurde und vielmehr vom Letzteren sogar mit Verweis auf ?Bedarfsdeckung durch die Regelleistungen? noch im Okt. 2008 die Empfehlungen zur Krankenkost noch drastisch (durch Empfehlung) gekürzt wurden.

      Noch brisanter ist, dass dadurch offensichtlich wird, dass die Bundesregierung die bewusste Unterfinanzierung von fast 8 Mio. SGB II / SGB XII ? Beziehern geplant hat und diesen Menschen ihre Würde, ein Teil ihres Lebens und ihrer Lebenszeit und für die Kinder ihre Zukunftsaussichten beraubt hat.

      Diese Unterfinanzierung soll nun auch noch fortgesetzt werden, in dem medial und als Essenz von dem Erörterungstermin am 20. Okt. bei Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in weiten Teilen der Berichterstattung weiterhin nur von den zu niedrigen Kinderregelleistungen gesprochen wird, die Erwachsenenregelleistungen gerne unter den Tisch fallen…”
      _________________________________________________________________________

      Mit den Zeitungen ists schon wie in der DDR. Was wirklich wichtig ist, findet sich nicht darin.

    134. name schrieb am 12. November 2009 um 11:11 - Permalink

      @133 Ja, genau so ist es. Es gibt fast keine Sozialpolitik im progressiven, integrierenden Sinne mehr.

      Schaut man selbst auf die noch ärmen sozialen Gruppen und Verhältnisse, wie Gefängnisse und den diesen Verhältnissen unterworfenen, dann wird einem klar, diese Politik ist kein Zufall mehr. Die Gefängnisprivatsierungen an private Konzerne sind überall in Deutschland in vollem Gange, und werden aktutell nur noch aus der konservativen Ecke des Berufsbeamtentums “gebremst”.

      Das die eigenlichen sozialen Vereinigungen diese Spiel überhaupt so abgenickt haben, spricht solche Bände. Ich frage mich, ob da aus purer Dummheit geschlafen wurde, ob die Staatsgläubigkeit des Kaisertums neueste Blüten treibt.

    135. Dr. Valentin schrieb am 12. November 2009 um 11:33 - Permalink

      @88. Wo ist hier der Kippschalter für Ironie ? 1komma zig Billiarden klingt doch an sich schon ironisch, oder ? Warum also wieder diese krümelk… Belehrung ?

    136. Ein Brandenburger schrieb am 12. November 2009 um 20:13 - Permalink

      Ich möchte auf einige interessante Dokumente verweisen, die die Bestrebungen für ein schnelles Ende und die Ausplünderung der DDR belegen.

      Wie aus der Losung ?Wir sind das Volk? auf wundersame Weise ?Wir sind ein Volk? wurde.

      Das Trio Infernale

      Horst Köhler, Thilo Sarrazin und Gert Haller

      Der Milliardenbetrug mit den ?Altschulden?.

    137. Thomas schrieb am 14. November 2009 um 22:26 - Permalink

      Das stimmt so nicht ganz. Es gab einige Firmen (Minderheit) in Westdeutschland, die ostdeutsche Firmen gekauft hatten und diese sanieren und die meisten Arbeitsplätze erhalten wollten. Der Grund war einfach: sie waren in osteuropäischen Märkten bekannt und boten die Produkte an, die von Osteuropäern gewünscht wurden.

      Kleines Problem dabei: Der osteuropäische “RGW”-Markt war von einem Tag auf den anderen weggebrochen. Das konnte jeder mäßig interessierte Unternehmer wissen. Auch einer der wenigen engagierten Aufbauhelfer. Die gab es ja tatsächlich, wenn auch nahezu 100% der “Investoren aus dem Westen” nur Absahner und Abwracker waren.

      Das Hauptproblem der Währungsunion (die übrigens von Kohl/Waigel/Gentscher “angeboten” wurde, bevor im Osten irgendwer nach der D-Mark “rief”, wie die Legende bis heute lautet) lag in der enormen Aufwertung der DDR-Währung. Über Nacht um 400-500%. Wenn man sich mal anschaut, wie heute Währungsturbulenzen um die 20% binnen Monaten das wirtschaftliche Gleichgewicht voll konkurrenzfähiger Staaten untereinander stören, kann man sich ausmalen, wie groß die Chance für die wirtschaftlich angeschlagene DDR war.

      Zu diesen Bedingungen, also einer Verfünffachung der Preise, die noch dazu nicht in transferablen Rubeln (dem Zahlungsmittel im RGW), sondern in D-Mark zu zahlen waren, konnte kein osteuropäischer Markt für DDR-Produkte bestehen bleiben. Und auch kein westeuropäischer, auf dem DDR-Produkte nur zu den Bedingungen eines vielfach günstigeren Preises verkauft werden konnten, womit ebenfalls am Tag der Währungsunion Schluß war. Eine Marktwirtschaft ohne Markt kann halt nicht funktionieren.

      Und noch etwas ist für den Niedergang der ostdeutschen Wirtschaft (die erst 2004 wieder das Niveau von 1989 erreichte!!!) von großer Bedeutung: Die Besitzverhältnisse. Ein Land, dessen Bevölkerung nur 5% der eigenen Wirtschaft gehören (Ergebnis der Treuhand-Privatisierungen und Abwicklungen), kann keinen “selbsttragenden Aufschwung” erreichen.

    138. hans wurst schrieb am 15. November 2009 um 22:42 - Permalink

      @ egal:

      Hier noch eine Buchempfehlung dazu, vom ehemaligen Vorstand (genannt Vizepräsident) der DDR-Staatsbank:

      Edgar Most – “50 Jahre im Dienste des Kapitals”


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