Direkt zum Inhalt
  • Newsletter
  • Über mich
  • Kontakt

  • Jeden Monat wieder! Ein zweiter Klick abonniert den Blog-Flattr.

  • Werbung

    Drucker Preisvergleich

  • Partner

    OA Logo
  • Archiv

  • Kategorien

    • Afghanistan
    • Afrika
    • Allgemein
    • Ausland
    • Bildungssystem
    • Blogintern
    • Blogs
    • Buchvorstellungen
    • Bundespräsident
    • CDU
    • China
    • Deutschland
    • Energie
    • Europa
    • FDP
    • Finanzkrise
    • Frankreich
    • Geopolitik
    • Georgien
    • Gesundheitssystem
    • Glosse
    • Great Game
    • Großbritannien
    • Grundlagen
    • Grüne
    • Irak
    • Iran
    • Israel
    • Kampagnenjournalismus
    • Lesebefehl
    • Linke
    • Medien
    • Menschenrechte
    • Nahostkonflikt
    • Neoliberalismus
    • Panik
    • Podcasts
    • Polen
    • Politclowns
    • Politischer Diskurs
    • Russland
    • Schwarz-Gelb
    • Sicherheitspolitik
    • Sozialpolitik
    • Sparen
    • SPD
    • Spezialdemokraten
    • Südamerika
    • Superwahljahr 09
    • Türkei
    • Unsympathen
    • US-Wahlen 08
    • USA
    • Verschwörungstheorien
    • Volkswirtschaft
    • Wirtschaft
  • Blogroll

    • 7Schläfer
    • Ad Sinistram
    • AllesDrehtSichImKreis
    • Blogsgesang
    • Chefarztfrau
    • Egghat
    • Feynsinn
    • FixMBR
    • Foreign Policy Watch
    • Geschichtsblog
    • Guardian of the Blind
    • Jacob Jung Blog
    • Maiak
    • Maskenfall
    • Michael Schöfer
    • NachDenkSeiten
    • Notizen aus der Unterwelt
    • Oeffinger Freidenker
    • Philibuster
    • Sargnagelschmiede
    • sp!ked
    • Spiegelkritik
    • Spreeblick
    • Tautenhahn
    • TomDispatch
    • Transatlantikblog
    • uiuiuiuiuiuiui
    • Unser globales Dorf
    • Wolfgang Michal
  • Quellen

    • AG Friedensforschung
    • Alternet
    • Asia Times
    • Common Dreams
    • Das Dossier
    • Economist´s View
    • FinanceScout24 Versicherungsvergleich
    • Foreign Policy in Focus
    • Freitag
    • German-foreign-policy
    • journalismus – nachrichten von heute
    • Junge Welt
    • Kontaktlinsen Preisvergleich
    • NachDenkSeiten
    • Net News Global
    • Neue Rheinische Zeitung
    • Open Democracy
    • Ossietzky
    • Project Syndicate
    • Russland-Aktuell
    • Russland.ru
    • Telepolis
    • Vox
  • RSS Nachdenkseiten

    • Hinweise des Tages
    • Gewerkschaftlicher Widerstand gegen die Riester-Rente?
    • Die Lobby der Hochschulräte kämpft um ihre Macht
    • Hinweise des Tages
    • Die Bild-Zeitung und der „Neid auf Super-Deutschland“
  • RSS ad sinistram

    • Der vage Ausdruck
    • Finanzmärkte als Gegner
    • Ridendo dicere verum
    • Hinter die Schalter!
    • Rückschrittlichkeiten
    • Kinderarmut mit Einkommen verrechnet
    • De dicto
    • Nach links?
    • Ein in sich abgeschlossener Mikrokosmos
    • Von wegen Opfer!
  • RSS binsenbrenner.de

    • “Linke” Kanzlerin unter rechtem Beschuss
    • Den Worten ein Gewissen …
    • Amazon und Hungerlohn
    • Ein Volk von Bundestrainern?
    • Sie haben Post! (II)
  • RSS Feynsinn

    • Warnhinweis
    • Mit Schirm, Schmarrn und Millionen
    • Trollokratie
    • ACTA – Sie gehen aufs Ganze
    • Protektorat Südost (Udpates)
  • RSS Oeffinger Freidenker

    • Zur Steinbach-Debatte
    • Der Tick mit den jungen Frauen
    • Die Basics über Auschwitz
    • Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft
    • Eine Tüte Mitleid für den Print-Snob
  • RSS Jacob Jung

    • Erika Steinbach: „Die Nazis waren eine linke Partei“
    • Ansgar Heveling: Das Ende der digitalen Gesellschaft
    • Dobrindt dreht auf: Verbotsverfahren gegen DIE LINKE
    • Jacobs Woche (22.1. – 28.1.2012)
    • Ungerechtigkeit als gesellschaftliches Prinzip
  • Suchen

  • RSS Feeds

    • Artikel
    • Kommentare
    • eMail-Abo
  • Dein Shop für Outdoor Ausrüstung und Bekleidung. Zweimal südlich Münchens, Einmalig im Internet.

    Hier könnte Ihre Werbung stehen

  • Letzte Kommentare

      leslie bei Die Agonie der Demokratie:

      Editieren geht immer nochnicht. :-( Wer USA zum Freund hat,braucht keine...

      Spiegelfechter bei Die Agonie der Demokratie:

      Wie ist es gemeint? Das ist bei “Natalie” sehr...

      GrooveX bei Die Agonie der Demokratie:

      zur klärung eine gegenfrage: was ist die verfassungsmäßige ordnung, an die...

      Spiegelfechter bei Die Agonie der Demokratie:

      Nichts gegen die “frühe” Meinhof, deren Konkret-Artikel...

      schwitzig bei Die Agonie der Demokratie:

      Wann ist ‘andere Abhilfe’ nicht möglich? Das ist so ein klassischer...

      Spiegelfechter bei Die Agonie der Demokratie:

      Eigentlich bin ich ja wesentlich(!) verfassungstreuer als so ziemlich...

      leslie bei Die Agonie der Demokratie:

      Ein Drogenverbot ist einer Demokratie ebenfalls unwürdig. Ich möchte doch...

      Spiegelfechter bei Die Agonie der Demokratie:

      Da zitierst Du einen sehr interessanten Text. Ich habe Rifkins Thesen...

      GrooveX bei Die Agonie der Demokratie:

      oh, sie wurden also nicht gezwungen, sich übers ohr hauen zu lassen? schön,...

      schwitzig bei Die Agonie der Demokratie:

      Die Macht, die die Finanzmärkte haben haben sie aufgrund von...

      schwitzig bei Die Agonie der Demokratie:

      Erwartest Du, dass ein € zurück bezahlt wird? Du hast im Niveaulimbo die...

      Bonsaibaeumchen bei Die Agonie der Demokratie:

      Wiederliches Gedankengut. Wenn du jemanden siehts der dem Abgrund...

      alter Sack bei Die Agonie der Demokratie:

      Schade, dass das Grundgesetz so windelweich formuliert ist: Art 20 (1) Die...

      Bonsaibaeumchen bei Die Agonie der Demokratie:

      Unglaublich seit ihr Verstrahlt. Euch ist doch bewusst das jedes...

      GrooveX bei Die Agonie der Demokratie:

      das meinte ich nicht. weltfremd, naiv, an das gute glaubend, alle diese...

  • Twitter Contact News Spenden Login Anmelden

  • Werbung

    Hier könnte Ihre Werbung stehen

  • Facebook

  • Leseempfehlungen

    An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
  • Der Freitod eines Torwarts und die Ethik

    geschrieben am 11. November 2009 von Spiegelfechter

    Als am gestrigen Abend die Meldung vom Freitod des deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke über die Ticker ging, ließ sich bereits ahnen, welche Vorstellung ab heute im Medienzirkus gegeben wird. Der bedauerliche Freitod eines jungen Mannes, der offensichtlich dem horrendem Druck des Profisports nicht mehr gewachsen war, verkauft sich natürlich gut. Wer in den Medien nun auf einen Funken Selbstkritik wartet, der wartet freilich vergebens. Auch die Verantwortlichen aus dem Umfeld des Fußballs trauern auffällig laut ? auch hier, keine Spur von Selbstkritik. Stattdessen wird der Voyeurismus des Pöbels schamlos bedient.

    Diese Art des Sensationsjournalismus verkauft sich anscheinend so gut, dass die Medien ihre selbst aufgestellten Richtlinien für solche Todesfälle über Bord werfen und schamlos mit einer menschlichen Tragödie Auflage und Reichweite machen. Dabei werden nicht nur nahezu alle Empfehlungen von psychologischen Sachverständigen missachtet, die aktuellen Artikel der ?Qualitätsmedien? gleichen vielmehr 1:1 der Negativliste, wie man es nicht machen sollte. Die mangelnde Ethik der Medien ist dabei nicht nur medientheoretisch anstößig, sie wird ? da sind sich die Fachleute einig ? auch Todesopfer fordern. Der Fall Enke ist nämlich ein Lehrbuchbeispiel für den sogenannten ?Werther-Effekt?.

    Die Leiden des jungen Werther

    Robert Enke war nicht nur ein sensibler Spitzensportler, er war auch ein Sympathieträger, der für viele Fußballanhänger eine Vorbildfunktion hat. Genau dieser Umstand macht aus der Berichterstattung über den Freitod des Sportlers ein Politikum. In dem Fachaufsatz ?Selbstmord als Nachahmungstat? beschreibt Psychologieprofessor Volker Faust die Problematik wie folgt:

    Suizide von Prominenten haben eine ggf. ernstzunehmende Sogwirkung, wenn darüber entsprechend berichtet wird. Dieser Effekt wird umso deutlicher, je bekannter, sympathischer und beliebter die durch eigene Hand verstorbene Person ist.

    Als Johann Wolfgang von Goethe 1774 seinen Roman ?Die Leiden des jungen Werther? veröffentlichte, zog dies eine Reihe von Selbstmorden nach sich, die in ihrer Inszenierung durch Goethes Protagonisten inspiriert waren, der sich im Roman aus Liebeskummer das Leben nimmt. Damals sprach man von einem ?Werther-Fieber?, heute spricht man in den Medienwissenschaften vom ?Werther-Effekt?. Als erster Wissenschaftler stellte der amerikanische Soziologe David Philipps in den 70ern Zusammenhänge zwischen der medialen Berichterstattung über Suizide prominenter Persönlichkeiten und Nachahmungstätern fest. Ob und in welcher Art die Medien eine Mitverantwortung für solche Folgetaten tragen, ist schwer zu beantworten. In Wien gibt es seit über 10 Jahren ein ?Gentlemen´s-Agreement? zwischen den lokalen Medien und den Wiener Verkehrsbetrieben. Seit nicht mehr über Suizide in der Wiener U-Bahn berichtet wird, ist die Zahl der Selbstmorde um rund 50% gesunken. Auch im Pressekodex des deutschen Presserats verpflichten sich die Printmedien zu einer ?zurückhaltenden Berichterstattung? bei Suiziden ? wenn das öffentliche Interesse an einem solchen Fall allerdings auch eine wirtschaftliche Komponente beinhaltet, gelten derlei hochmoralische Schwüre in der modernen Presselandschaft allerdings offensichtlich nicht mehr.

    Das Versagen der ?Qualitätsmedien?

    Ein Blick in die Online-Sektionen deutscher Printmedien offenbart die mediale Ohnmacht. Wo man auch hinschaut ? es wird spekuliert, was das Zeug hält. Die Negativliste aus den Medienempfehlungen der ?Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention? beschreibt die Berichterstattung der ?Qualitätsmedien? wohl am besten:

    - Ein Suizid sollte nicht als Aufmacher auf der Titelseite erscheinen. Geschenkt, bis auf die FTD erschien heute kein einziges Publikumsmedium mit einem anderen Thema als Aufmacher.

    - Es sollten weder Fotos noch Dokumente wie der Abschiedsbrief publiziert werden. Natürlich wäre es naiv, anzunehmen, dass eine Berichterstattung über den Freitod eines Sportstars ohne Foto auskäme. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Abschiedsbrief nicht in den nächsten Tagen 1:1 von der BILD-Zeitung abgedruckt wird, geht derweil allerdings gegen Null.

    - Der Suizid sollte nicht als nachvollziehbare, konsequente oder unausweichliche Reaktion dargestellt werden oder als alternativlos dargestellt werden. Im Falle Enke hatten die lieben Kollegen der schreibenden Zunft bereits am gestrigen Abend nichts Besseres zu tun, als den Freitod als nachvollziehbare Reaktion auf den Tod seiner Tochter darzustellen.

    - Die Suizidmethode und der Ort des Suizids sollten weder detailliert beschrieben, noch abgebildet werden. ?Natürlich? weiß heute ganz Deutschland ganz genau, an welchem Ort sich Robert Enke wie umgebracht hat. Selbst komplett irrelevante Details werden in den Rang einer Sondernachricht gehoben.

    Den ?Qualitätsmedien? geht es nicht um eine pietätsvolle Berichterstattung, die den berechtigten Informationsbedarf der Leser genüge tut, es geht um eine sensationsheischende Berichterstattung, bei der es keine Tabus gibt. Schon gar nicht geht es den Medien um Suizidpräventation. Es wäre nach wissenschaftlichen Erkenntnissen über den ?Werther-Effekt? naiv, anzunehmen, dass die Berichterstattung im Falle Enke keine Nachahmungstäter finden wird. Suizidgefährdete sind oft extrem labil und bereits der kleinste Funke kann ausreichen, um eine verhängnisvolle Reaktion auszulösen. Die Verantwortung der Medien ist allerdings in Zeiten der rückläufigen Auflagen und Werbeerlöse anscheinend zu einem Thema für Sonntagsreden verkommen.

    Spiegel-Online, Welt und die Süddeutsche bieten ihren Lesern sogar die Möglichkeit eines virtuellen ?Kondolenzbuches?. Welche Funktion soll ein solcher ?Klickfänger? haben, außer der Verbesserung der werberelevanten Page-Impressions? Natürlich hat das Volk immer Interesse an pikanten und auch an pietätslosen Details – aber als Journalist muss man auch mal eine Grenze ziehen. Es kann nicht sein, dass alles der Sensationsgier des Pöbels unterworfen wird. Auch die anderen hinlänglich bekannten ?Klickfänger? wurden bei der Berichterstattung über den Freitod Enkes an den Start gebracht ? belang- und endlose Fotostrecken, hilf- und ratlose Kommentare und sinn- und pietätslose Forenbeiträge. Wenn sogar ein großer Teil der ansonsten nicht eben zartbesaiteten SPON- und WELT-Forennutzer lautstark fordert, die Foren zu diesem Thema aus Pietätsgründen zu schließen, sollte dies den Anbietern eigentlich zu denken geben. Auf einen solchen Denkprozess müssen wir allerdings wahrscheinlich noch sehr lange warten.

    Zeit zum Nachdenken

    Dabei gebe es mannigfaltige Ansätze, wie man den Freitod von Robert Enke verantwortungsvoll angehen könnte. Warum findet man in den ?Qualitätsmedien? beispielsweise keinen Beitrag, in dem das Thema ?Depressionen und Suizidgefahr? einmal enttabuisiert wird? Robert Enke war nicht der einzige an Depressionen Erkrankte, der sich scheute, sein Arbeitsumfeld und die Öffentlichkeit einzuweihen. Wie viele Ärzte, Manager oder auch “kleine” Angestellte leiden an Depressionen und haben Angst, im alltäglichen Wettkampf um die berufliche Existenz ausgesondert zu werden, wenn Details über ihre Erkrankung bekannt werden? Es ist unsere Gesellschaft, die psychische Leiden tabuisiert, die in irgendeiner Form signalisieren, dass der Erkrankte im harten Konkurrenzkampf um den Arbeitsplatz nicht mithalten kann. Vor allem im Profi-Fußball, einem Umfeld, in dem bis heute sogar Homosexualität immer noch tabuisiert wird, gelten hier verschärfte Bedingungen. In einer Männergesellschaft, in der jede Regung der Seele als Schwäche ausgelegt wird, gelten auch Depressionen als Tabu, wie der Fall ?Sebastian Deisler? beweist.

    Ich bin vielleicht empfindsam, aber nicht empfindlich, schon gar nicht schwach, wie viele denken. Ich, schwach? Ich war 19, 20, als die Deutschen meinten, ich könnte ihren Fußball retten. Ich allein.
    [?]
    Wenn man sich einige dieser Journalisten genau anschaut, sagt man sich: Das ist ja ein Wahnsinn, dass die alles über mich schreiben dürfen! Diese Oberflächenschwimmer! Einige von denen haben keine Ahnung, kein Gewissen, aber die Macht, für Millionen Menschen ein Bild von mir zu zeichnen. Und wenn man dieses Spiel nicht mitspielt, wenn man ihren Ansprüchen nicht folgt, ist man derjenige, der als nicht normal gilt. Heute frage ich mich, ob das System, das ich verlassen habe, vielleicht kranker ist, als ich es war.
    Sebastian Deisler

    Sebastian Deisler hat die Reißleine ziehen können, als er erkannte, dass er am harten Profifußballgeschäft zerbrach. Deisler war nicht schwach, er war stark. Zu erkennen, dass man an den Anforderungen des Umfelds zerbricht, ist Stärke. Sich hingegen von seinem Umfeld verbiegen zu lassen, ist Schwäche. Enke war anscheinend nicht so stark wie Deisler, er hat den Absprung aus einer seelischen Abwärtsspirale nicht geschafft. Anstatt über die Umstände des Freitods des Torwarts zu spekulieren, sollte dieser tragische Todesfall ein Startsignal dafür sein, Themen wie Depression und das Scheitern an gesellschaftlichen Ansprüchen zu thematisieren.

    The games must go on

    Stattdessen bläst Deutschland zur kollektiven Trauer. Fußballfans, die Robert Enke mit Gegenständen beschmissen hätten, wenn er sportlich versagt hätte, und die ihn von den Rängen als Weichei verhöhnt hätten, wenn er sich aufgrund seiner Depressionen eine Auszeit genommen hätte, fragen sich nun lautstark ?warum??. Ja, liebe ?Fans? ? warum? Journalisten, die jede Schwäche des Torwarts gnadenlos gegen ihn instrumentalisiert hätten, spielen die Unschuld vom Lande und fragen ?warum?? Ja, liebe ?Journalisten? ? warum? Auch Vereinsbosse, die um ihre Millioneninvestition fürchten, Spielerberater, deren Honorar sich an Gehalt und Transfersummen ihrer Spieler orientiert, und Funktionäre, die schon im Fall Deisler demonstrierten, dass sie nicht das geringste Verständnis für die Seele ihrer jungen Spieler haben, geben sich heute komplett ratlos und fragen ?warum?? Sicher, Profifußballer erhalten für die immense seelische Belastung auch ein fürstliches Schmerzensgeld. Aber ?was hülfe es, die ganze Welt zu gewinnen, wenn die Seele daran Schaden nimmt.?

    Lesetipp zum Thema: Dirk Gieselmann – Flickering Lights

    Jens Berger

    192 Kommentare Print This Post
    Als am gestrigen Abend die Meldung vom Freitod des deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke über die Ticker ging, ließ sich bereits ahnen, welche Vorstellung ab heute im Medienzirkus gegeben wird. Der bedauerliche Freitod eines jungen Mannes, der offensichtlich dem horrendem Druck des Profisports nicht mehr gewachsen war, verkauft sich natürlich gut. Wer in den ...
    Tags: Medien
    Werbeblog
    Partnersuche im Internet
    Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
    Wissenschaftlich fundierter Test!
    www.PARSHIP.de

    Trackbacks:

    1. The Tilman Times
    2. Tweets that mention Der Spiegelfechter» Blog Archive » Der Freitod eines Torwarts und die Ethik — Topsy.com
    3. [BLOCKED BY STBV] Mein Politikblog
    4. Nationaltorwart Robert Enke ist tot! – Seite 20 – DIGITAL FERNSEHEN – Forum
    5. R.I.P. Robert Enke – Seite 7 – Fooma Forum
    6. Freitod eines Fussballers « Just my 2 Eurocent
    7. maha (maha) ‘s status on Wednesday, 11-Nov-09 22:38:27 UTC – Identi.ca
    8. daniel (kaimi) ‘s status on Wednesday, 11-Nov-09 22:45:58 UTC – Identi.ca
    9. Einfach nur widerlich at Robin Haseler
    10. Medien und Ethik » BlogHouse
    11. Jürgen Geuter (tante) ‘s status on Thursday, 12-Nov-09 08:24:30 UTC – Identi.ca
    12. Nationaltorwart Robert Enke ist tot – Seite 2 – Supernature-Forum
    13. Lesetipps für den 12. November | Blogpiloten.de – das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0
    14. StefBlog
    15. Prominenz und Masse
    16. links for 2009-11-12 | Du Gehst Niemals Allein
    17. Enke | Hertha BSC Blog
    18. Hohlwelt » Bahn fürchtet den Werther-Effekt
    19. Was ich loswerden will (23) « Duestere-Grenze Blog
    20. links for 2009-11-12 – Niveau ist keine Creme
    21. [BLOCKED BY STBV] Ulf – Mehr oder minder täglich Privatkram
    22. Deutschland-Chile abgesagt – Seite 3 – DIGITAL FERNSEHEN – Forum
    23. Leichenfledderer « Auto-Anthropophag
    24. NachDenkSeiten – Die kritische Website » Hinweise des Tages
    25. Der Tod wird (aus)geschlachtet « ? SPURGO.de
    26. Leseempfehlung zum Tod Robert Enkes » Addliss
    27. Medienkritik: Die Inszenierung eines Todes
    28. “Robert nu’ ruhe in Frieden und denn ist auch wieder gut” >> fuechseblog
    29. Tod von Robert Enke wird vermarktet « Cross Over
    30. Freitod eines Torwarts und die (nicht vorhandene) Medien-Ethik – #enke « r.o.b's Kellerclub
    31. Enke und die Folgen (Prolog) « Der gespaltene Westen
    32. Der Tod Robert Enkes wird vermarktet «
    33. fhu's weblog » Trouvailles in der WeitenWunderWelt aus Selent, Kreis Plön, SH
    34. Brights Marburg » Blog Archiv » Enkes Freitod jenseits familiärer “Tragik”
    35. Juhu! Ein Blog » Blog-Archiv » Was nach 6 Tagen Suizid noch übrig ist
    36. Über Enke und Werther « Stefan Niggemeier
    37. hoos Area » Blog Archiv » Wichtige News aus der RL Welt
    38. Warnung: entfremdete Lebens- und Lernverhältnisse können tödlich sein « Nachdenkseiten der Schulpsychologie
    39. Und keiner hats verstanden…….. « Bittersweetkiss
    40. Friedenstaube im Sturzflug | Rockbär.de MedienBLOG

    192 Kommentare:

    1. Hofnarr Florian schrieb am 11. November 2009 at 16:46 - Permalink

      Ich denke, dass eine nicht unwesentliche Schuld auch die Fußballfans selbst trifft. (Wie du es ja auch schreibst)

      Sie üben doch einen enormen Druck auf die Spieler aus. Jeder Fehler wird in der Öffentlichkeit breit getreten und ein Faux-Pas wird mit einem Pfeifkonzert von tausenden wütender Fans bestraft. Ich kann mir nicht vorstellen, was für ein enormer Druck auf Robert Enke gelastet hat – möchte es aber auch gar nicht.

      Jetzt nach seinem Tod will natürlich niemand wirklich Schuld sein. Die Fans legen Blumen nieder und ändern ihr Studi-VZ-Profil-Bild in eines von Enke – natürlich zum Gedenken und nicht zur öffentlichen eigenen Darstellung. Nach dem nächsten Spieltag ist die Trauer vergessen, das Profilbild wieder geändert und der nächste Torwart wird ausgebuht…

    2. corrrdoba schrieb am 11. November 2009 at 16:46 - Permalink

      Sehr schöner Artikel zu diesem traurigen Thema. Das Deisler- Zitat bringt es im Grunde auf den Punkt.

    3. Ralf schrieb am 11. November 2009 at 16:48 - Permalink

      Niemand, wirklich niemand denkt an die zweite an diesem Freitod beteiligte Person. Einer Person, die damit leben muss, das Leben eines Menschen beendet zu haben. Es war ja nur ein namenloser Lokführer, der möglicherweise seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

    4. Christopher schrieb am 11. November 2009 at 17:01 - Permalink

      Ich möchte mal etwas Kontra geben:
      1. So wie sich Stenger, Zwanziger und Bierhoff auf der DFB-PK gegeben haben, ebenso wie auch Jogi Löw per Mitteilung, kann nicht die Rede von “auffällig lauten Trauern” die Rede sein. Eine Stellungnahme war erforderlich und es gebot auch der Respekt. Dazu kommt, dass es nur allzu spürbar war, dass es sich hier um ehrliche Trauer handelt. Außerdem hat sich von den Spielern noch gar keiner geäußert – was richtig so ist.
      2. War Enkes Freitod durch das Werfen vor einen Zug auf diese Weise unverantwortlich, da es nachgewiesen ist, dass die “verantwortlichen” Zugführer meist lebenslange, nicht heilbare psychische Traumata erleiden.
      3. Nutzt auch der Spiegelfechter durch diesen Artikel den Hype aus. Zwar in erster Linie als Kritik, aber natürlich schärft auch das das Profil des “kritischen Bloggers” und vor allem geschieht es absolut zeitnah.

      Das soll aber nicht über meine Anteilnahme hinwegtäuschen. Enke war ein großartiger Sportler und fairer Sportsmann. Ich wünsche seiner Frau und Familie, die nun nach dem Tod seiner Tochter den nächsten Schicksalsschlag verkraften müssen, viel Kraft.

    5. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 17:17 - Permalink

      @Christopher

      1. So wie sich Stenger, Zwanziger und Bierhoff auf der DFB-PK gegeben haben, ebenso wie auch Jogi Löw per Mitteilung, kann nicht die Rede von ?auffällig lauten Trauern? die Rede sein. Eine Stellungnahme war erforderlich und es gebot auch der Respekt. Dazu kommt, dass es nur allzu spürbar war, dass es sich hier um ehrliche Trauer handelt. Außerdem hat sich von den Spielern noch gar keiner geäußert ? was richtig so ist.

      Na ja – wenn ein Medienprofi wie Bierhoff vor den Kameras in Tränen ausbricht, hege ich da doch so meine Zweifel.

      2. War Enkes Freitod durch das Werfen vor einen Zug auf diese Weise unverantwortlich, da es nachgewiesen ist, dass die ?verantwortlichen? Zugführer meist lebenslange, nicht heilbare psychische Traumata erleiden.

      Das ist richtig, stört aber einen “Selbstmörder” nicht. Bei einer solchen Verzweiflungstat gelten nun einmal andere Regeln.

      3. Nutzt auch der Spiegelfechter durch diesen Artikel den Hype aus. Zwar in erster Linie als Kritik, aber natürlich schärft auch das das Profil des ?kritischen Bloggers? und vor allem geschieht es absolut zeitnah.

      Das mag sein – aber man muss bei einem solchen Thema nun einmal akutell sein. In der schnelllebigen Zeit interessiert das Thema doch in einer Woche keine Sau mehr.

    6. Raymond Walden schrieb am 11. November 2009 at 17:22 - Permalink

      Ich teile die Kritik uneingeschränkt!
      Ist es aber nicht so, dass die Medien einen Spiegel der Gesellschaft darstellen?
      Der einzelne Journalist muss sich dem Druck seiner Vorgesetzten beugen, und das sind zum großen Teile Leute, die durch persönlichen Reichtum ansonsten ungerechtfertigten Einfluss nehmen oder sogar als gewählte Volksvertreter in Aufsichtsgremien sitzen.
      Mir scheint, das Pressewesen ist so krank wie diese Gesellschaft.
      Man mag fragen, wo das Leiden zuerst auftrat, viel wichtiger aber ist die Frage: Wie könnte man heilen?
      Und dann kommt man schnell an den Kern des Problems: Wir haben keine freie Presse.

    7. Netti schrieb am 11. November 2009 at 17:27 - Permalink

      D-A-N-K-E !!!
      Der erste gute und angemessene Text, den ich zum Thema lese!

      Vor Jahren verbrachte ich einige Wochen in der Psychiatrie (Depression)… und sah mit an, wie praktisch alle meine Mitpatienten den größten Teil ihrer (wenigen) Energie darauf verwendeten, ihren Psychiatrie-Aufenthalt vor den Kollegen, Arbeitgebern, Familienangehörigen, Nachbarn etc. zu verbergen. Eine Schande, dass solches Verhalten notwendig ist!

      Meiner persönlichen Erfahrung und Meinung nach befinden sich “drinnen” die “normalen” Menschen, die in einer kranken Gesellschaft krank werden – weil sie eine “normale” empfindsame Seele haben.

      Wer in dieser Gesellschaft hingegen immer cool bleibt, niemals Hilfe braucht, niemals als “Weichei” dasteht – der ist mir seelisch höchst verdächtig!

    8. Feydab schrieb am 11. November 2009 at 17:28 - Permalink

      Vielen Dank für diesen besonderen Artikel Herr Berger, selbst wenn Sie naturgemäß mit dem Thema auch auf der “Enke-Welle” schwimmen, ist es gut zu wissen, dass auch die Stimme der Vernunft irgendwo aus dem Medienrummel schallt…

    9. Christopher schrieb am 11. November 2009 at 17:37 - Permalink

      An dieser Stelle vielleicht auch noch ein Verweis zu 11Freunde, die einen ähnlichen Artikel geschrieben haben. Inklusiver angeregter Diskussion – schließlich ist auch 11Freunde nicht frei von zahlreichen Meldungen zu Enkes Tod.
      http://11freunde.de/bundesligen/125581/flickering_lights

    10. Andreas schrieb am 11. November 2009 at 17:38 - Permalink

      Danke, sehr guter Artikel. Allerdings spekulieren auch Sie direkt im 2. Satz über ein Motiv… trotzdem der beste Artikel heute.

    11. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 17:43 - Permalink

      @Andreas

      Stimmt natürlich, aber ich habe mich bemüht, behutsam zu “spekulieren” und dies auf nötigste zu beschränken.

    12. *ch* schrieb am 11. November 2009 at 17:49 - Permalink

      Danke Mr. Spiegelfechter!

      Als unverschämt emfand ich gestern auch die heute-Sendung. Anstatt die “Regierungserklärung” wurde über zu Beginn der Sendung über Robert Enke berichtet.

    13. Michael Mugge schrieb am 11. November 2009 at 17:50 - Permalink

      Der letzte Absatz ist absolut genial. Überspitzt formuliert, könnte man auch sagen: für die Öffentichkeit war ein lebender Robert Enke weniger wert als ein toter.

    14. R_Winter schrieb am 11. November 2009 at 17:58 - Permalink

      Sicher der beste Artikel der letzten Monate.
      Trotzdem mein Beileid für die Frau von Robert Enke und Verachtung für jene, die diese menschliche Tragödie für ihre Zwecke ausnutzen.

      Robert Enke war nicht der einzige an Depressionen Erkrankte, der sich scheute, sein Arbeitsumfeld und die Öffentlichkeit einzuweihen. Wie viele Ärzte, Manager oder auch ?kleine? Angestellte leiden an Depressionen und haben Angst, im alltäglichen Wettkampf um die berufliche Existenz ausgesondert zu werden, wenn Details über ihre Erkrankung bekannt werden?

      Meine volle Zustimmung

    15. Chris schrieb am 11. November 2009 at 18:07 - Permalink

      @ Ralf

      Es war ja nur ein namenloser Lokführer, der möglicherweise seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

      Und das Wartungspersonal der Bahn, das zur Sicherung und späteren Überprüfung des Abschnitts vor Ort sein muss. Das hat schon den einen oder anderen in den frühzeitigen Ruhestand geschickt.

    16. Zippo schrieb am 11. November 2009 at 18:09 - Permalink

      Ich bin zwar Fan dieses Blogs, aber mir gefällt dieser Artikel nicht sonderlich.

      Gemessen an anderen Fällen finde ich Berichterstattung gar nicht so wahnsinnig pietätlos. Die Witwe, der Psychotherapeut des Vereines und sein behandelnder Arzt sind heute vor die Medien getreten und haben detailiert die Hintergründe geschildert und sogar aus seinem Abschiedsbrief zitiert. Dadurch erübrigt sich sämtliche Spekulation.
      Das hier geschilderte Bild eines Superstars der im harten Fussballgeschäft nicht mehr klarkam ist so nicht korrekt. Die Probleme lagen im privaten Bereich. Gibt es überhaupt Belege dafür, dass die Depressions- und Selbstmordrate unter Profifussballern höher ist als anderswo? Ich kenne jedenfalls nicht viele Fälle.
      Bierhoffs Tränen einfach als Schauspielerei eines eiskalten Medienprofis zu bezeichnen finde ich irgendwie daneben. Die Spieler und Betreuer der Nationalmannschaft haben immerhin urplötzlich einen langjährigen Wegbegleiter verloren. Die Mannschaft hat sich sogar dafür entschieden das geplante Spiel am Samstag abzusagen, da sie nicht in der Lage sind jetzt an Fussball zu denken.
      Es wird den einen oder anderen wundern aber auch Fussballer und Fussballfans sind Menschen.

    17. LeSpocky schrieb am 11. November 2009 at 18:16 - Permalink

      3. Nutzt auch der Spiegelfechter durch diesen Artikel den Hype aus. Zwar in erster Linie als Kritik, aber natürlich schärft auch das das Profil des ?kritischen Bloggers? und vor allem geschieht es absolut zeitnah.

      Auch wenn die Kritik ebenso reflexhaft erscheint, wie das Verhalten der kritisierten Medien, ist es dennoch wichtig jene auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Dass sie in diesem Beitrag primär an ihren eigenen Maßstäben gemessen werden, ist da nur gerecht. Wenn niemand die Stimme der Kritik erhebt, dann wird das Fehlverhalten unwidersprochen hingenommen. Insofern ist eine reflexhafte Medienkritik gerechtfertigt.

    18. MIchael schrieb am 11. November 2009 at 18:21 - Permalink

      Als ich am Dienstag abend gegen 19:25 Uhr die Nachricht zu lesen bekam und ich da schon vermutete, das es sich um eine Suizid handeln könnte, schwante mir böses bezüglich der zu erwartenden Berichterstattung. Als sich im Laufe des Abends dann die Hinweise auf den Suizid verdichteten, kam mir sofort der Nachahmereffekt zurück ins Bewussstsein, mit der Hoffnung, dass sich die Medien in Zurückhaltung üben würden, gerade wegen der Problematik bei der Berichterstattung über Suizide in den Medien.
      Ich betreue selbst ein lokales Nachrichtenmagazin im Netz, bei der zb Suchmeldungen der Polizei nach potenziell suizidal vermissten bei Auffinden der Person entfernt werden. Und nicht ersetzt durch die Meldung des Fundes der Leiche, wie es meine direkte Konkurrenz macht. Leider werden ja die so über die Polizei gesuchten Personen nur in den seltesten Fällen lebend gefunden.

      Es ist richtig, das über den Suizid Robert Enkes sehr offensiv berichtet wurde, und ja, auch über die von ihnen bezeichneten Grenzen hinweg. Trotzdem habe ich in diesem Fall ein anderes Urteil, insbesondere bei der Pressekonferenz in Hannover mit dem Arzt von Robert Enke und seiner Witwe Theresa Enke. Die dort offensiv vorgetragene Depressionsproblematik empfand ich als hilfreich, das Thema Depression in einem gewissen Rahmen aus der Tabuzone zu ziehen. Einige Fernsehmoderatoren/kommentatoren haben es teilweise versucht und geschafft Depression als ernsthafte Krankheit zu thematisieren. Im besonderen ist mir völlig unerhofft einer der DSF-Moderatoren positiv aufgefallen.

      Aber womöglich bin ich selbst auch nur Teil des voyeuristischen Pöbels und habe vielleicht nicht die notwendige Vorstellungskraft, wie ein Berichterstattung über dieses Ereigniss in einen anderen Rahmen stattfinden kann. Ich gebe zu Bedenken, dass die Person Robert Enke eine Person öffentlichen Lebens ist und besonders im Fußball eine besondere Stellung einnahm. Stellen sie sich vor, ein Bundes- oder Landesminister begeht in seiner Amtsperiode Suizid. Ein Nachfragen nach den Gründen für diesen Suizid lässt sich nicht verhindern, genauso wenig wie bei dem Suizid Robert Enkes. Ich muß ausserdem zugeben, dass ich Schlimmeres an Berichterstattung befürchtet habe. Es ist dem starken Auftrit von Theresa Enke zu verdanken, das der Raum für unerträgliche Spekulationen genommen worden ist. Es ist bezeichnend, das bei der Pressekonferenzenz des DFB kein Journalist mehr eine Frage stellen wollte oder konnte. Auch den Journalisten ist eine entsprechende Betroffenheit anzumerken. Sie tun vielen Kollegen und auch Herrn Bierhhoff einfach unrecht. Auch wenn sie es nicht wahr haben wollen, so trauern diese Menschen wirklich. Im Grunde ist es sogar unverschämt über mögliche Beweggründe der Tränen Herr Bierhoffs zu spekulieren. Das ist ja fast Bild-Niveau, welches sie ja im Grunde verteufeln.

      Ich bin bei den üblichen, namenlosen Suizidanten – ohne diese damit in ihrer Bedeutung als Mensch herabwürdigen zu wollen- mit ihnen völlig d’accord, dass eine Suizidberichterstattung nicht notwendig ist und auch nicht förderlich ist und man entsprechend der Presseregelung agieren kann und muss.
      Etwas anders ist es, wenn eine Person öffentlichen Lebens in Erscheinung tritt. Hier kann die Berichterstattung auch zur Öffnung zum Krankheitsbild Depression und ihre Auswirkungen beitragen.

      Ob das auch wirklich passiert, wird sich zeigen müssen.

      Trotzallem viele Grüße, einen schönen Abend und ein erfolgreiches, erfülltes Leben. Meine ich ehrlich, ist keine sarkastische Phrase.

    19. transwarp schrieb am 11. November 2009 at 18:26 - Permalink

      atm… Gedenkhurendienst live auf Bild.de / n24…

    20. Seraphine schrieb am 11. November 2009 at 18:30 - Permalink

      Robert Enke war eine öffentliche Person. Daher ist es nun nicht verwunderlich, wenn auch öffentlich über seinen Freitod berichtet wird. Also ich hätte mich jetzt stark gewundert, wenn man überhaupt nichts darüber gehört/gelesen hätte. Ich fand die Pressekonferenz sehr traurig und ich glaube Herrn Bierhoff, auch wenn ich ihn sonst nicht mag, seine Tränen.

      Ich mag nicht urteilen, über den Menschen Robert Enke, ich kannte ihn nicht persönlich, kann mir nur annährend vorstellen, wie es in ihm aussah. Sein Abschiedsbrief geht niemandem, ausser seiner Familie etwas an, in dem Punkt stimme ich vollkommen überein.

      Ich empfinde tiefes Mitgefühl für seine Frau und Tochter, seinen Eltern und Geschwistern, seinen Freunden und Fussballkollegen und auch für den Lokführer. Mögen viele Hände sie tragen, durch diese schweren Stunden.

    21. HarryHIII schrieb am 11. November 2009 at 18:34 - Permalink

      Hut ab vor diesem Artikel; und Hut ab vor Deiner Einstellung zum Thema insgesamt!

      Und: Hut ab auch vor einem Sebastian Deisler (betrifft u.a. sein Zitat im Artikel).

    22. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 18:51 - Permalink

      @Zippo

      Das hier geschilderte Bild eines Superstars der im harten Fussballgeschäft nicht mehr klarkam ist so nicht korrekt. Die Probleme lagen im privaten Bereich.

      Sorry, ich habe die PK angeschaut – das ist schlichtweg falsch. Immerwieder fielen die Worte “Istanbul” und “Barcelona” als Schlüsselereignisse. Ich will jetzt hier nicht herumspekulieren, aber die Aussagen seiner Frau waren sehr eindeutig.

    23. Hagen schrieb am 11. November 2009 at 18:54 - Permalink

      Mir gefallen große Teile und der in meinen Augen daueranklägerische und selbstgerechte Ton Ihres Aufsatzes auch gar nicht, aus den gleichen Gründen, wie sie die Leser Michael und Zippo schon gut auf den Punkt gebracht haben. Ich finde z.B., Bierhoffs öffentliches Weinen als show abzutun, wirklich ziemlich unsympathisch, das “steht Ihnen nicht zu”. Gerade bei einem solchen Thema wäre meiner Ansicht nach ein weniger polemischer Ton (weniger “gnadenlos”, “das Volk” “Sensationsgier des Pöbels”) angebrachter. Besonders weil ich inhaltlich sonst eher Ihrer Meinung bin. Z.B. was das Thema “nicht schwach sein dürfen in der professionellen Öffentlichkeit” etc. angeht. Auch ich finde Deislers Verhalten hier menschlich sehr nachvollziehbar und eher mutig als schwach. Das Boulevardmedien das Thema wie auch sonst ausschlachten werden, steht außer Frage. Leider.

    24. Üdö schrieb am 11. November 2009 at 18:54 - Permalink

      EIn sehr treffender Artikel. Ich möchte noch hinzufügen, das ich nicht verstehe, wie die Medien, diese Thema zerreißen, jeden gesagten Satz 3 mal wenden, um ihm irgendwelche Bedeutung zu zumessen. Ich finde das Frech. Eine diskrete Trauer wäre angebrachter. Statt dessen alle halbe Stunde eine neue Meldung auf Faz.net und co..
      Das Ganze ist auch nur seiner Popualarität geschuldet. Wie viele Selbstmorde gibt es in Deutschland, von “unbekannten Personen”? Mit Sicherheit nicht nur einen und da kommt auch höhstens ein untergeordneter Beitrag. Es sei den es war ein spektakulärer Selbstsuzid. Das finde ich irgendwie krank.

      Sicherlich bin ich auch bestürzt über den Enkes Tod, aber verstehen kann ich die ganzen Medienrummel nicht.

      Als ich gestern das erste Mal davon erfuhr, habe ich irgendwie auch gleich an Sebastian Deisler gedacht.

    25. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 19:01 - Permalink

      @Michael

      Aber womöglich bin ich selbst auch nur Teil des voyeuristischen Pöbels und habe vielleicht nicht die notwendige Vorstellungskraft, wie ein Berichterstattung über dieses Ereigniss in einen anderen Rahmen stattfinden kann.

      Nein, ich habe das ja ausdrücklich auf die Printmedien bezogen. Hier war heute nachmittag nicht die Spur der Selbstkritik zu vernehmen und die Empfehlungen des Presserates und der Suizidprävention wurde mit Füßen getreten.

      Stellen sie sich vor, ein Bundes- oder Landesminister begeht in seiner Amtsperiode Suizid.

      Ja – beispielweise Uwe Barschel. Nach seinem Suizid (so es denn einer war) schnellte die Zahl der “Badewannensuizdie” in die Höhe. Hätten die Medien behutsamer berichten sollen? Vielleicht, es ist schwer zu sagen. Im Falle Barschel sehe ich hier eine Aufklärungspflicht, da die Umstände relevant waren und ein Fremdverschulden bis heute nicht auszuschließen ist. Das ist im Falle Enke aber ganz anders.

      Es ist dem starken Auftrit von Theresa Enke zu verdanken, das der Raum für unerträgliche Spekulationen genommen worden ist.

      Das sehe ich genau so – aber loben wir den Tag mal nicht vor dem Abend und das ist hier wörtlich gemeint.

      Trotzallem viele Grüße, einen schönen Abend und ein erfolgreiches, erfülltes Leben. Meine ich ehrlich, ist keine sarkastische Phrase.

      Dir auch ;-)

    26. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 19:02 - Permalink

      @Hagen

      Ich finde z.B., Bierhoffs öffentliches Weinen als show abzutun, wirklich ziemlich unsympathisch, das ?steht Ihnen nicht zu?.

      Das mag ja sein – aber das habe ich in den Kommentaren gemacht. Ich trenne hier akribisch.

    27. Schmierwurst schrieb am 11. November 2009 at 19:19 - Permalink

      Hast Du den Abschiedbrief schon gelesen? Hast Du mit der Witwe oder dem Psychotherapeuten von Robert Enke gesprochen? Wenn nein solltest Du aus dem Glashaus klettern, aus dem heraus Du die Qualitätsmedien mit Steinen beschmeisst:

      “…der offensichtlich dem horrendem Druck des Profisports nicht mehr gewachsen war…”

      Dein ganzer Vergleich mit Deisler (natürlich, naheliegend, beide Depressionen, beide Fußballer, das MUSS ja was miteinander zu tun haben) und das große Fußball-Zirkus-Bashing des letzten Absatzes fußen auf der Annahme, daß Robert Enke sich umgebracht hat, weil der mit dem Druck der Öffentlichkeit und seines Umfeldes nicht mehr klar gekommen ist. Da Du das allerdings vermutlich nicht weißt, ist das genau so respekt- und pietätlos, wie das, was Bild und Konsorten veranstalten.

      Ich finde jedenfalls einen direkten Arbeitskollegen (Bierhoff, sei er noch so “mediengewandt”), der vor laufenden Kameras ein paar Tränen verdrückt , deutlich glaubwürdiger, als ein Politblogger, der sich nie auch nur einen Dreck um Fußball oder seine Protagonisten geschert hat, nun aber meint, auch etwas zum Tod eines “bedauernswerten jungen Mannes” schreiben zu können. Widerlich.

      P.S.: Wie sehen denn Deine Klickzahlen für den heutigen Tag aus?

    28. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 19:25 - Permalink

      @Schmierwurst

      Ach werter Schmierwurst, woher weißt Du, dass ich mich nicht für Fußball interessiere? Tut mir ja leid, dass ich Deine “Qualitätsmedien” kritisiere – ich werde es nie wieder tun, versprochen ;-)

      Und zu Deinem Hauptkritikpunkt: Wer die PK gesehen hat, kann von zwei möglichen Varianten ausgehen:
      1. Robert Enke ist am Profifußball zerbrochen.
      2. Seine Witwe und sein Arzt haben schamlos gelogen.
      Ich halte da #1 doch für wahrscheinlicher.

    29. Dierk schrieb am 11. November 2009 at 19:34 - Permalink

      Öffentliche Person hin oder her, der Pressekodex – immerhin ein selbst auferlegtes Instrument der Medien, um sich vor staatlichen Eingriffen zu schützen – sieht eine behutsame Berichterstattung vor. Dazu gehört, das Ereignis nicht auf der Titelseite zu haben, nicht sensationslüstern aufzumachen, Zurückhaltung zu üben, nicht zu spekulieren. Spekulation ist ohnehin von Übel, wird sie doch eingesetzt, um Recherche und Analyse zu vermeiden [und zwar inzwischen standardgemäß].

      Kaum eine Zeitung, kaum ein Magazin bzw. deren Online-Auftritte halten sich an den eigenen Kodex. Das ist nichts sonderlich Neues, siehe Winnenden und jeden anderen Amoklauf oder die Geiselnahme von Gladbek. Und jetzt eben bei Robert Enke. Das Widerliche besteht nicht einmal so sehr darin, dass sein Tod für Schlagzeilen sorgt [egal was der Kodex dazu sagt], sondern die Art und Weise, wie versucht wird, Kohle zu machen.

      Lange Bild-/Klickstrecken sind ohnehin schon ein Graus, werden hier aber zur Perversion. Jedes Fitzelchen Nichtinformation als EILMELDUNG zu verkaufen, wie es SPIEGEL Online tut, ist widerwärtig, albern und hilft weder der Familie und den tatsächlich Betroffenen noch den Lesern. Wer sich über so etwas nicht mehr aufregen kann, sollte überprüfen, ob er noch einen Puls hat. Wer die Aufregung für moralinsauer hält, gibt sich nur selbst als amoralisch zu erkennen – keine ethischen Standards, alles ist erlaubt. Seltsam nur, dass dies nur so lange gilt, wie es einen nicht selbst trifft.

    30. Thaniell schrieb am 11. November 2009 at 19:34 - Permalink

      Es ist allerdings schon schade, dass die Witwe hier Spekulationen ein Ende bereiten muss indem sie alles offenlegt. Im Grunde gehen die seelischen Hintergründe nämlich erstmal niemanden etwas an. Das ist privat, ob er nun in der Öffentlichkeit stand oder nicht.

    31. Bärchen schrieb am 11. November 2009 at 19:35 - Permalink

      Auch von mir vorweg erst einmal vielen dank für den Artikel. Dabei kam mir eine Frage auf die sich an diejenigen richtet die vielleicht Erfahrungen mit Depressionen haben oder ärtzlich versiert sind:
      Tritt ein solcher Depressionsschub so heftig auf das man nicht mehr der Herr seines eigenen handelns ist? Ich meine der Freitod war ja offensichtlich keine Kurzschlußreaktion sondern war ja geplant, was meiner Meinung nach die Anwesenheit eines Abschiedsbriefes beweist. Zwischen dem Schreiben des Briefes und der “Durchführung” des Freitodes liegt ja ein gewisser Zeitraum. Würde mich interessieren ob die Depressionen das eigene Denken derart beeinflussen das er sich der Tragweite des geplanten Selbstmords nicht mehr bewußt war. Denn die Angst, bei bekanntwerden der Depressionen das Sorgerecht für das Kind zu verlieren, trifft ja jetzt nach seinem Tod die Witwe in noch viel größerem Maße.

    32. Zippo schrieb am 11. November 2009 at 19:36 - Permalink

      Immerwieder fielen die Worte ?Istanbul? und ?Barcelona? als Schlüsselereignisse.

      Da ging es aber darum, dass er sich besser fühlte wenn er jeden Tag mit der Mannschaft trainieren konnte, nicht um Druck. In Barcelona war er meist verletzt oder Reservist und es folgten Depressionschübe. Auch in anderen Berufen gibt es mal Zeiten in denen es schlechter läuft. Sportlich lief es doch gut seit er in Hannover spielt, er wurde dort von allen geachtet und verehrt und trotzdem nahm er sich das Leben. Im Gegensatz zum Fall Deisler sehe ich hier keinen direkten Zusammenhang zwischen Depression und Profifussball.

      Das mag ja sein ? aber das habe ich in den Kommentaren gemacht. Ich trenne hier akribisch.

      Fakt ist, dass Du das geschrieben hast. Ob als Kommentar oder Artikel ist dabei egal.

    33. dylps schrieb am 11. November 2009 at 19:55 - Permalink

      Also ehrlich gesagt habe ich von diesem Torwart noch nie was gehört. Ich kenne Kahn, Lehmann und noch ein paar andere, liegt wohl daran dass mich Fussball nicht die Bohne interessiert aber eben doch so einiges mitbekomme, mehr durch Zufall. Wenn ich also von diesem Torwärter bisher nichts gehört habe gehe ich mal davon aus dass er nicht so bekannt war. Das zeigt mir wiederum wie der Fall durch die Presse gepusht wird. Das konnte man auch zeitlich gut beobachten, morgens noch verhaltene Meldungen auch im Radio, jetzt am Abend scheint es kein anderes Thema mehr zu geben.
      Was mich schon beim ersten Bericht auf Spon gewundert hat, dass der Fall dort so auswalzt wurde.
      Vor Jahren gab es noch regelmässig solche Meldungen bis sich die Bahn beschwerte, weil ständig durch die vielen Meldungen der Zugverkehr massiv verzögert wird, danach hatte sich die Presse auch brav daran gehalten, bis jetzt ein Promi vor den Zug springt, da gelten wohl andere Massstäbe. Zum Kotzen.

      Und zu den Gründen: So wie es bis jetzt durch die Presse dargestellt wird, hatte er wohl Probleme mit seiner verstorbenen Tochter, kann aber auch nur Spekulation von der Presse sein. Die haben ja auch gleich ein Photo von ihm mit seiner kleinen reingestellt, Spon ist mittlerweile schlimmer als Bild.

    34. Jens S schrieb am 11. November 2009 at 19:55 - Permalink

      Ich finde das Bezweifeln der Echtheit der Tränen eines Bierhoff irgendwo genau das gleiche wie das was du in dem Beitrag an Medien kritisierst, wie das was Deisler in dem Zitat aussagt. Das sich Leute hinstellen und ein Bild eines Menschen zeichnen dürfen ohne die geringste Ahnung zu haben. Aber Nein, O.B. ist halt ein Medienprofi, und wenn der heult wird Kalkül unterstellt, ihm als harten Fußballkerl und Geschäftsmann wird das Emotionale abgesprochen.
      Auch wenn ich dem Beitrag ansonsten zustimme, das stößt mir doch gewaltig auf. Leiden kann ich den auch nicht wirklich, aber das geht zu weit. Und ob das jetzt im Beitrag selbst oder im Kommentar passiert macht für mich keinen großen Unterschied.

    35. Margitta schrieb am 11. November 2009 at 20:02 - Permalink

      Danke für diesen Artikel und den Link zu Sebastian Deisler

    36. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 20:03 - Permalink

      @Jens S

      OK – Ihr habt recht. Auch ich schreibe manchmal im Affekt Unfug. Der Satz über Bierhoff gehört dazu. Dafür entschuldige ich mich.

    37. Gottfried B schrieb am 11. November 2009 at 20:26 - Permalink

      Volle Zustimmung zu dem Beitrag, das Grundsätzliche wird gesagt!
      Es kommt noch schlimmer : Ich glaub ich träume: Das ERSTE macht mit dem Thema auf und im NDR gibt es eine Programmänderung – Sondersendung! Ich warte nur noch auf die Statments von Bundespräsident und Kanzlerin, würde mich jetzt nicht mehr überraschen.

    38. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 20:29 - Permalink

      @Gottfried B

      Ich warte nur noch auf die Statments von Bundespräsident und Kanzlerin, würde mich jetzt nicht mehr überraschen.

      Von Merkel gab es schon was besinnliches – ebenfalls von Wullf, Westerwelle und Brüderle. Das waren zumindest die Namen, die ich mir im Ticker gemerkt habe – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

    39. Tim schrieb am 11. November 2009 at 20:30 - Permalink

      Interessant, dass Du als Aufmacher für Deinen Beitrag ein Bild von Enke verwendest, Jens.

      Wie schriebst Du noch:
      “Natürlich wäre es naiv, anzunehmen, dass eine Berichterstattung über den Freitod eines Sportstars ohne Foto auskäme.”

    40. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 20:33 - Permalink

      @Tim

      Eben – das fände ich idT naiv. Dieser Passus ist m.E. auch nicht für Personen aus dem öffentlichen Leben gedacht.

    41. schwitzig schrieb am 11. November 2009 at 20:39 - Permalink

      Ich finde es ebenfalls erstaunlich, dass dieser Freitod derartig heuchlerisch ausgeschlachtet wird. Wäre ich ein Paranoiker, würde ich mir die heutigen Beschlüsse und Gesetze jetzt genau ansehen :-).

      Ich habe einen Weg gefunden, der medialen Attacke zu entgehen: Ich schaue nicht hin, lese keine Enke-Artikel und schalte ggf. Radio aus, wenn irgendein Willi anfängt zu enkelisieren.

      Es funktioniert!

    42. hawaklar schrieb am 11. November 2009 at 20:45 - Permalink

      Von Merkel gab es schon was besinnliches ? ebenfalls von Wullf, Westerwelle und Brüderle. Das waren zumindest die Namen, die ich mir im Ticker gemerkt habe ? ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

      Merkel kann ich irgendwie verstehen. Die deutschen Kanzler hatten schon immer ein besonderes Verhältnis zum Fußball. Gibt es nicht sogar die unausgesprochene Regel, dass der amtierende Kanzler in einem Jahr, in dem der DFB Fußballweltmeister wird, automatisch wieder gewählt wird?

      Auch Wullf hat als Landesvater ein Anrecht auf öffentliche Stellungnahme. Bei den anderen Politikern finde ich es schon eher bedenklich.

      Ich bin ja mal gespannt darauf, wie sich Oliver Pocher verhalten wird. Der ist ja bekennender “Hannover 96″-Edelfan (hat wohl auch schon mit der Mannschaft trainiert) und war mit Robert Enke bestimmt persönlich gut bekannt. Eigenlich erwarte ich von ihm, dass er sich öffentlich gar nicht äußert, oder aber in einer der Situation angemessenen ernsten Art und Weise.

      .

    43. Martin S schrieb am 11. November 2009 at 20:48 - Permalink

      Wie könnte denn dem Werther-Effekt in diesem Fall realistisch entgegengewirkt werden? Keine Berichterstattung scheint ja praktisch/realistisch ausgeschlossen. Zur Abschreckung eine drastische Darstellung was das für ein schrecklicher Tod ist und zudem darüber, was man einem Lokführer damit antut?

      Mir schienen die Stellungnahmen vom DFB heute sehr glaubwürdig. Ich bin normalerweise weißgott kein Freund von Bierhoff und Zwanziger, aber ich habe beiden ihre ehrliche Trauer abgenommen. Da schien mir nichts gekünstelt. Das Spiel abzusagen halte ich auch nicht für irgendeinen Öffentlichkeitstrick, sondern um ein echtes Bedürfnis von Leuten wie Michael Ballack, die Enke seit 20 Jahren gekannt haben sollen. In meinem Umfeld hat sich noch niemand das Leben genommen, aber ich denke nicht, dass ich ein paar Tage später ein Spektakel vor zigtausend gröhlenden Zuschauern vollführen könnte. Insofern für mich nachvollziehbar.

      Wie stark der Profifussball bei der Depression im Vordergrund stand ist von aussen schwer zu sagen, wie ich finde auch noch nach der Pressekonferenz seiner Frau. Dass er nichts damit zu tun haben soll (“privaten Bereich”) halte ich allerdings für ausgeschlossen. Arbeit/Studium/Schule ist bei fast allen Menschen ein so großer Teil des Lebens und bei einem Profisportler besonders, bei dem das bis in den Bereich Fitness und Essgewohnheiten wirkt, dass dies unmöglich gar keine Rolle gespielt haben kann. Insofern finde ich die Sätze vom Spiegelfechter dazu jetzt nicht verkehrt oder gar “reisserisch”.

    44. J.Berger schrieb am 11. November 2009 at 20:50 - Permalink

      #12
      ich mag nicht beurteilen, ob der Freitod R. Enkes die erste Schlagzeile bei “heute” sein mußte, die Regierungserklärung hatte sich das auf jeden Fall nicht verdient.

      Danke Spiegelfechter für diesen Artikel, der natürlich auch von der aktuellen Meldung lebt.
      Ich kann bisher solch eine Situation nicht nachvollziehen und auch wenn es pietätlos klingt, darüber bin ich froh. Und ich mache mir neben den Gedanken der Frage, warum unsere Gesellschaft bestimmte Krankheiten tabuisiert, eben auch Gedanken um den Lokführer, der fast überall ausgeklammert bleibt, dessen Fehler und vielleicht sein sozialer Abstieg darin besteht, zur falschen Zeit den falschen Zug gefahren zu haben.

    45. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 21:00 - Permalink

      @Martin S.

      Wie könnte denn dem Werther-Effekt in diesem Fall realistisch entgegengewirkt werden?

      Man könnte beispielsweise viel stärker thematisieren, dass ein Freitod mehr als ein Opfer hat. Ich meine damit nichteinmal die Bahnbediensteten und die Rettungskräfte, sondern die Familie des Opfers. Verbinden müsste man so eine Thematik mit einem Apell, sich zu outen. Nur dann, wird diese Krankheit vielleicht entabuisiert. Und erst wenn dies geschehen ist, könnte(!) das Nachahmungsrisiko auch langfristig sinken.

      Aber ich schreibe jetzt mal was ganz Böses – ein Freitod ist für die Sozialsysteme und Versicherungen günstig. Noch nichteinmal eine Rikisolebensversicherung muss in einem solchen Falle zahlen. Eine Behandlung wegen einer manifestierten Depression kostet hingegen sehr viel Geld. Vielleicht(!) ist auch die Ökonomisierung des Lebens ein Grund für die Tabuisierung?

    46. SK schrieb am 11. November 2009 at 21:25 - Permalink

      Robert Enke ist noch nicht unter der Erde, und das ganze Netz ist voll mit Tratsch.
      Spiegelfechter ist da keine Ausnahme.

    47. kranich05 schrieb am 11. November 2009 at 21:29 - Permalink

      In miesen Zeiten brauchts bekanntlich Brot und Spiele.
      Fußball das Spiel der Spiele vermag ganze Völker zu beglücken. Das “Wunder von Bern” immer wieder erlaubte den Deutschen ihr Nachkriegstrauma endlich wegzustecken. Das Sommermärchen schweißte unser Volk mit seiner Kanzlerin in Siegeszuversicht und Tatendrang zusammen. – “Ja, Wir können’s!” – lange bevor Obama uns diesen Slogan klaute.
      Fußball kann sich nicht genug mit Dramatik, mit Schicksal, mit Tragik aufladen.
      Ein Volk, ein Schmerz, ein Fußball!

    48. khfugger schrieb am 11. November 2009 at 21:33 - Permalink

      Ich teile die Einschätzung! Danke für den fundierten Beitrag.

    49. Phil schrieb am 11. November 2009 at 21:44 - Permalink

      Netti schrieb:

      Meiner persönlichen Erfahrung und Meinung nach befinden sich ?drinnen? die ?normalen? Menschen, die in einer kranken Gesellschaft krank werden ? weil sie eine ?normale? empfindsame Seele haben.

      Ja, da hast Du Recht, wenn Du sagst, die Gesellschaft ist krank. Ständiger Druck, ständiges aufeinanderhetzen von Gruppen auf andere Gruppen, ständiger Überlebenskampf, ständiges unter Strom stehen und vieles mehr. Das kann nicht gut gehen und dagegen helfen auch keine Pillen, selbst die beste Therapie hilft da nichts,wenn die Ursachen nicht in Angriff genommen werden.

      @Jens: Danke für die Verlinkung von Deislers Interview, sagt er doch genau das, was die Menschen kaputt macht.

    50. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 21:54 - Permalink

      @Phil

      Danke für die Verlinkung von Deislers Interview, sagt er doch genau das, was die Menschen kaputt macht.

      Ich finde die analytischen Fähigkeiten dieses jungen Mannes ganz außerordentlich – davon könnte sich so mancher frisch gebackene Hochschulabsolvent eine ganz dicke Scheibe abschneiden!

    51. momen schrieb am 11. November 2009 at 21:56 - Permalink

      Die ganze Tatsache und Drumherum ändert nichts daran wie außerordentlich traurig sein Tod ist.
      Ich bin immernoch sehr schockiert.
      Trotzdem finde ich den Artikel hier sehr gut. Vielen Dank dafür.

    52. value schrieb am 11. November 2009 at 22:00 - Permalink

      Du schreibst, dass das Thema Depression in der Öffentlichkeit enttabuisiert werden sollte, und ich stimme Dir da völlig zu. Ich fang dann mal an:

      Die Ursachen von Depressionen sind niemals direkt äußere Umstände wie z.B. der “Druck im Profisport”, dem Enke, wie Du schreibst, “offensichtlich” nicht mehr gewachsen war. Die Ursachen liegen in unrealistischen Interpretationen des äußeren Geschehens. Wenn ein 32 jähriger körperlich ausgesprochen fitter sehr wohlhabender und welterfahrener junger Mann dem Druck seines Berufes nicht mehr standhalten kann, dann hat er wohl die allerbesten Voraussetzungen, einfach etwas anderes zu machen. 99% der Bevölkerung würden sich die Finger nach solchen Voraussetzungen lecken. Etwas ganz anderes und sicherlich furchtbares ist der Tod seiner Tochter. Ich kann mir vorstellen, dass so ein Verlust einem den Boden unter den Füßen weg reißen kann. Dennoch ist ein Selbstmord (ich mag das Wort Freitod nicht. Es klingt viel zu romantisch) keine angemessene Reaktion. Er kann den Verlust eines anderen Menschen niemals kompensieren, im Gegenteil, er verursacht einfach noch mehr Leid.

      Fazit: die Ursachen liegen im Einzelnen Betroffenen. Schuld sind nicht Uli Hoeneß und ausnahmsweise auch nicht die Blidzeitung. Ich habe selber zwei Menschen gekannt, die sich in ihren 20igern das Leben genommen haben. Selbstmord ist eine Tragödie, die Schuldzuweisungen nicht verdient.

      Mein Eindruck von Robert Enke war der eines sehr guten Sportlers und vorbildlichen Sportsmannes. Ich hoffe, er findet Frieden und wünsche seiner Familie alles Gute.

      v.

    53. Sabine Engelhardt schrieb am 11. November 2009 at 22:11 - Permalink

      Vorab: Guter Artikel, danke dafür.

      Ein Begriff stört mich jedoch: Freitod. Wer auf diese Weise den Tod sucht, ist krank und braucht Hilfe. Von Freiheit kann da nicht mehr die Rede sein.

      (Sagt eine, die vor Jahren schon mal kurz davor stand.)

      Gruß, Frosch

    54. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 22:11 - Permalink

      @value

      Du verfällst dem populären Irrtum, dass Reichtum und Erfolg glücklich (und frei) machen. Das ist aber nachweislich falsch. Suizid kommt m.W. statistisch gehäuft bei “erfolgreichen” und materiell gesättigten Menschen vor – die höchste Suizidrate haben übrigens Ärzte.

      Der Rest ist Spekulation, auf die ich mich nicht einlassen will. Wenn man den Worten der Witwe Glauben schenkt, ist Deine Spekulation jedenfalls unzutreffend. Das war´s von mir allerdings zum Thema “Hintergründe” und “Motive”.

    55. Hagen schrieb am 11. November 2009 at 22:12 - Permalink

      Habe jetzt einiges über Sie und Ihr Weblog gelesen. Kritisches, auch sehr zustimmendes.
      Mein eigenes eher negatives Urteil oben (ich habe Sie nur durch Ihren Artikel über Enke kennen gelernt, bin kein regelmäßiger Blog-Leser) scheint sich nach Zurückkehren zu den Kommentaren zu Enkes Tod und Lesen Ihres letzten Kommentares zu bestätigen:

      “Aber ich schreibe jetzt mal was ganz Böses ? ein Freitod ist für die Sozialsysteme und Versicherungen günstig. Noch nichteinmal eine Rikisolebensversicherung muss in einem solchen Falle zahlen. Eine Behandlung wegen einer manifestierten Depression kostet hingegen sehr viel Geld. Vielleicht(!) ist auch die Ökonomisierung des Lebens ein Grund für die Tabuisierung?”

      Für mich ist der Schreibstil “pseudokritische Demagogie” (Versicherungen mögen Suizid weils wenig kostet?? Hallooo?? Das suggeriert so vieles, u.a. auch, daß sowas “irgendwie” System hat, Verschwörungstheorien lassen schön grüßen). Es wird nicht genau gesagt, was eigentlich gemeint ist, eher angedeutet, und sich dann hinter Ausrufezeichen versteckt. Sollen die andeuten, daß dies nur ins unreine gedacht ist?. Oder soll das zum selber denken anregen? Gar interessant wirken? Ich find’s eher abtörnend, da sehr unklar.

      Mich würde konkret interessieren, wie Sie zu der Anschauung kommen, die Volkskrankheit Depression würde in Deutschland tabuisiert? Ich arbeite als Arzt hier (zwar nicht auf dem Gebiet der Psychiatrie, habe aber selber neben dem im Studium Gelernten auch Erfahrungswissen bzgl. Depression), mir ist das noch nicht so wirklich aufgefallen. Tabuisiert – heißt das nicht, daß “man darüber nicht spricht, sprechen darf”? Dieses Wort finde ich in diesem Zusammenhang sehr übertrieben. Wer wie Sie viel mit Übertreibungen arbeitet, schadet meines Erachtens seiner Glaubwürdigkeit. Wirkt allerdings rebellischer. Soll das so sein?

      Es könnte und sollte bestimmt noch mehr an exponierter Stelle über psychische Störungen im Allgemeinen, deren Zunahme und die Gründe dafür geschrieben werden. Es handelt sich aber um ein weiß Gott sehr komplexes Thema, Hintergrundwissen wäre dafür eher nicht hinderlich. Würde aber garantiert für eine Vervielfachung der Textlänge und der vorangehend erforderlichen Nachdenk- und Recherchierzeit sorgen. Den “rebel-aus-Prinzip” Faktor des Textes erheblich verringern. Sich aber bestimmt lohnen.
      Interessieren Sie sich wirklich für das Thema psychische Störungen und Ihre Ursachen? (=ehrlich gemeinte Frage, keine Ironie).

      Ich wünsche noch einen guten Abend.

    56. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 22:13 - Permalink

      @momen

      Auch wenn mein sachlicher Ton darüber hinwegtäuschen mag – auch ich bin schockiert! Als ich die Meldung gestern auf dem Ticker las, wollte ich es gar nicht wahrhaben.

    57. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 22:26 - Permalink

      @Hagen

      Für mich ist der Schreibstil ?pseudokritische Demagogie? (Versicherungen mögen Suizid weils wenig kostet?? Hallooo??

      Da könnte ich mal flott kontern, dass die unzulässige Verkürzung meines Zitats auf diese abstruse These ihrerseits demagogisch ist.

      Es wird nicht genau gesagt, was eigentlich gemeint ist, eher angedeutet, und sich dann hinter Ausrufezeichen versteckt.

      Du meinst Fragezeichen.

      Mich würde konkret interessieren, wie Sie zu der Anschauung kommen, die Volkskrankheit Depression würde in Deutschland tabuisiert?

      Wird sie das denn nicht? Wieviele Fälle von schwerer Depression werden denn aufgrund von Sorgen um die Karriere oder um das Image unter den Teppich gekehrt? Zumindest hierbei scheint der Fall Enke ja durchaus sympthomatisch zu sein.

      Ich arbeite als Arzt hier (zwar nicht auf dem Gebiet der Psychiatrie, habe aber selber neben dem im Studium Gelernten auch Erfahrungswissen bzgl. Depression), mir ist das noch nicht so wirklich aufgefallen.

      Interessant – bei Ärzten ist die Suizidrate in Deutschland berufsgruppenbezogen am höchsten. Das hat natürlich auch andere Gründe, aber ein offener Zugang und eine Annahme von Hilfsangeboten scheint da nicht allzu verbreitet sein. Aber das ist freilich spekulativ.

      Tabuisiert ? heißt das nicht, daß ?man darüber nicht spricht, sprechen darf?? Dieses Wort finde ich in diesem Zusammenhang sehr übertrieben. Wer wie Sie viel mit Übertreibungen arbeitet, schadet meines Erachtens seiner Glaubwürdigkeit. Wirkt allerdings rebellischer. Soll das so sein?

      Keinesfalls – Betroffenenverbände teilen diese Ansicht, Fachautoren teilen diese Ansicht, auch das Deutsche Ärzteblatt (heute leider offline) teilt diese Ansicht. Da befinde ich mich offenbar in bester “rebellischer” Nachbarschaft.

      Interessieren Sie sich wirklich für das Thema psychische Störungen und Ihre Ursachen? (=ehrlich gemeinte Frage, keine Ironie).

      Aber selbstverständlich – auch völlig ironiefrei

      Ich wünsche noch einen guten Abend.

      Dem schließe ich mich gerne an.

    58. Schmierwurst schrieb am 11. November 2009 at 22:29 - Permalink

      @value Danke, das war das Beste, was ich bislang zu Robert Enkes Selbstmord gelesen habe. Ergänzend möchte ich noch sagen, daß Depressionen letztendlich Stoffwechselerkrankungen im Hirn sind. Botenstoffe werden nicht oder zu viel ausgeschüttet, man hat Angst, wo keine Angst gerechtfertigt ist, man fühlt sich hilflos, obwohl man Hilfe hat, man sieht keinen Ausweg, obwohl der direkt vor der Nase liegt. Auch wenn wir es gerne wollen, wir werden niemals verstehen oder nachvollziehen können, was Robert Enke zu seiner Tat getrieben hat.

      Daß Bild und Spon und die anderen Qualitätsmedien nicht dazu in der Lage sind war schon klar (und es sollten auch niemand die Klickstrecken der weinenden Witwe wundern), aber von Jens ist man i.a.R. eine differenziertere Auseinandersetzung mit Themen gewohnt. Umso enttäuschender, wenn er selber wild rumfabuliert hinsichtlich der Hintergründe der Depression und des Selbstmords Robert Enkes.

    59. Heinz schrieb am 11. November 2009 at 22:31 - Permalink

      Warum haut eigentlich niemand die Käufer der Boulevardzeitungen in die Pfanne?

    60. Gebintit schrieb am 11. November 2009 at 23:06 - Permalink

      Vielen Dank für den Artikel!
      Fan-Kult war mir schon immer ein großes Rätsel. Brot und Spiele, das funktioniert noch immer wie vor 2000 Jahren. Da wird von einem Pharmakonzern (Baxter) ein Virenmix an unwissende Laboratorien ausgeliefert, aus dem sich leicht ein wahrer Killervirus entwickeln hätte können: keine Sau interessiert es. Da schmeißt sich ein Fußballspieler vor einen Zug: Sondersendungen! Da soll man nicht zum Zyniker werden? Die Erde hat Mensch. Aber das geht vorrüber!

    61. egal schrieb am 11. November 2009 at 23:13 - Permalink

      Wenn die Nr. 1 der Nationalmannschaft sich umbringt, ist es DAS Riesenthema. In der öffentlichen Wahrnehmung kommt der Nationaltorhüter doch kurz hinter dem Bundeskanzler, weit vor dem Bundesverkehrsminister oder Intelektuellen wie z. B. Enzensberger, die doch kaum jemand kennt.

      Als ich heute morgen vom Tod Robert Enkes erfuhr, war ich schockiert. Enke. Ausgerechnet. Hätte ich nie erwartet. Dieter Bohlen. Norbert Lammet. OK. Die interessieren mich nicht, die kenn ich nicht. In China fällt ein Sack Reis um. Vor einigen Monaten habe ich erfahren, dass jemand, mit dem ich zur Schule ging, gestorben ist. Pffh. Ich habe ihn seit dem Abi nicht gesehen.
      Aber Robert Enke, den habe ich jede Woche gesehen (im Fernsehen). Den kannte ich wirklich gut. Ich wußte oft schon vorher, was er nach dem Spiel sagt, ich kannte seine typische Mimik, ich hätte seine Stimme unter Tausenden herausgehört. Sein Tod schockiert mich wirklich.
      Heute morgen habe ich alle googel-news Artikel zu Enke gelesen. Stand in den meisten das Gleiche. Egal. Ich wollte alles wissen, jedes Detail, wieviel vor Zugdurchfahrt war er an den Gleisen, wo hat er den Autoschlüssel aufbewahrt, wen hat er vorher noch gesehen.

      Ist das nur Voyeurismus, den die Medien besser nicht bedienen sollten?
      Nun, zunächst ist es einmal menschliche Anteilnahme. Durchs Fernsehen “kannte” ich Enke ja. Durch die Anteilnahme an Enkes Leben habe ich ein Recht darauf in ähnlichem Umfang an seinem Tod teilzunehmen und Details zu erfahren. Die Berichterstattung wäre damit also gerechtfertigt, da sie auf ein berechtigtes Informationsbedürfnis trifft.
      Zum Zweiten möchte ich noch auf die immense Bedetung hinweisen, die Prominente für das moralische und politische Urteil von Indivieduen und der Gesellschaft haben.

      RTL Punkt zwölf hat, wenn ich das richtig verstanden habe, die Witwe am Unfallort gezeigt. Ich wollte das nicht sehen. Andere interessiert es vielleicht. Zeigt man aber die Witwe in diesem Moment, dringt man tief in ihre Privatsphäre ein. Berichterstattung muss Grenzen in den Persönlichkeitsrechten derer haben, über die berichtet wird. Meiner Ansicht nach hat RTL mit dem Filmen der Witwe am Unglücksort diese Grenze überschritten.

      Aber, z. B. den Inhalt des Abschiedsbriefs (ist der schon bekannt? Mein Informationsbedürfniss war irgendwann gesättigt), vielleicht nicht vollständig oder nur in Zusammenfassung der wichtigsten Motive – den will ich kennen. Ich finde, hier muss das (unterstellte) Interesse Enke auf Privatssphäre zurücktreten. Immerhin standen wir, Enke und ich, ja in einer “sozialen Beziehung”. Ich habe ihn ständig “gesehen”, er hat ständig zu mir (der Öffentlichkeit) gesprochen, dann stiehlt er sich aus dem Leben davon. Hallo? Natürlich habe ich ein Recht darauf, zu erfahren, wieso. Enke konnte die “soziale Beziehung” zu mir nur aufbauen, indem er etwas von sich preisgab. Dieses allmähliche sich dem anderen Offenbaren verfestigt Beziehungen erst. Natürlich hat Enke von mir persönlich nichts erfahren, aber er hat auch etwas von mir als Teil der Öffentlichkeit bekommen – Aufmerksamkeit, Geld… Ganz einseitig war die Beziehung nicht.
      Würden die Voyeurismusrufer seiner Frau verbieten, etwas über seinen Tod zu erfahren? Nein? Ich kannte ihn auch. Nicht so gut wie seine Frau, deshalb ist der Umfang meines Informationsanspruches geringer, aber ich habe auch einen. Enke kann sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen, dazu hat er alles Recht, dann ist die Beziehung zu Ende. Er wird nicht mehr bejubelt und kriegt meine Rundfunkgebühr nicht mehr. Aber er hat sich nicht auf anerkannte Weise zurückgezogen, sondern exponiert wie nie. Mit dem Interesse muss er “leben”. Mein Informationsbedürfnis überwiegt sein Persönlichkeitsrecht, so war es stillschweigend vereinbart.

      An der Berichterstattung hat mir vieles auch nicht gefallen. Experten treten auf und profilieren sich auf Kosten eines Toten. Viele schnelle Urteile, viele davon scheinen mir billig. Aber die Kritik des Vulgären, wie sie auch hier in den Kommentaren manchmal durchklingt, ist meistens dünkelhaft elitär. Wie RTL habe ich mir auch ein Bild gemacht. Ich habs nciht rausposaunt, aber ich bin auch kein Fernsehsender. Meines war bestimmt vorsichtiger, weniger bestimmt, intellektuell viel anspruchsvoller – aber ich bin auch (Bildungs)elite und nicht Unterschicht. “Pöbel” hieß es hier irgendwo. Pöbel, das sind die anderen. Auch der SF weiß sehr genau, warum Enke gestorben ist.

      Zu der Bedeutung Prominenter für das öffentliche Urteil nur stichworthaft zwei Beispiele. Sebastian Deisler hat (unfreiwillig) mehr gegen die Stigmatisierung Depressvier getan als alle Informationsbroschüren und Fernsehauftritte engagierter Psychiater. Oder, fällt mir wegen “Wir kaufen uns eine DDR” ein, Wolf Biermanns Ausbürgerung hat mehr zur Diskreditierung der SED beigetragen als tausend totgefolterte in Hohenschönhausen (1000 warns nicht, ich weiß). Gesellschaftliche Konflikte werden nicht abstrakt disskutiert, sie brauchen Gesichter. War es wirklich der Druck, der Enke in den Selbstmord trieb, können viele Arbeitnehmer ihm dankbar sein, sollte dieses wichtige Thema, dessen Bedeutung täglich zunimmt, jetzt dikutiert werden. Dann wird das deutsche Renault kleiner.

    62. Albert schrieb am 11. November 2009 at 23:14 - Permalink

      Ein sehr guter Artikel, dessen Aussagen mir aber allesamt bekannt vorkommen.
      Im Frühjahr 2009, beim Amoklauf von Winnenden war das Verhalten der Medien ganz ähnlich. Die Gier nach Sensationen bestimmte die Berichterstattung fast vollständig. Moral und Ethik wurden komplett über Bord geworfen.
      Offenbar hatte sich das gelohnt. Anders ist die gegenwärtige Berichterstattung nicht zu erklären.
      Doch was kann da gegen gemacht werden?

    63. dirk schrieb am 11. November 2009 at 23:17 - Permalink

      Ich find den Blog hier ansonsten, bei politischen Themen, absolut fantastisch – aber der Kommentar hier ist so was von ober-typisch-deutsch-nörgelig, dass mir fast die Kotze hoch kommt.

      Respekt vor Enkes Frau Teresa, die in solch schwerer Stunde solch eine bewegende Pressekonferenz gegeben hat und damit der ganze Boulevard-Presse von vornherein den Wind aus den Segeln genommen hat!!!

      @schmierwurst

      du hast null ahnung von einer depression! dieses gesülze von wegen eine depression kann einzig und alleine mit Psychopharmaka behandelt werden, ist absolut peinlich!

    64. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 23:20 - Permalink

      @egal

      Vorweg – Dein Beitrag gefällt mir sehr gut, da er empathisch das herüberbringt, was sehr viele denken. Aber jetzt kommt der Einspruch – “Deine” Beziehung zu Enke war eine Einbahnstrasse. Er war für Dich wichtig, Du kanntest ihn – er Dich aber nicht. Und es ging ja nicht nur um Dich. Niemand kann es 82 Millionen Bundestrainern recht machen, niemand kann so stark sein, dass er sich diese immense Verantwortung aufladen kann. So etwas kann eine Belastung sein. Es ist ja nicht nur Enke. Die Liste von “Promis”, in die alles mögliche transportiert wird, und die darunter seelischen Schaden nehmen, ist lang. Vielleicht sollten “wir” auch einmal akzeptieren, dass wir zwar diese Personen kennen, sie uns aber nichts schulden. Aber das ist natürlich schwer, vielleicht unmöglich. Ich möchte kein Promi sein.

    65. Hagen schrieb am 11. November 2009 at 23:23 - Permalink

      Entschuldigung, kann es sein, daß Sie soeben Ihren eigenen Text von der Seite genommen haben (den, auf den ich mich bezogen habe?) Ich finde ihn nämlich nicht mehr (oder liegt das an mir?)?

      Ich meine diesen hier:

      Aber ich schreibe jetzt mal was ganz Böses ? ein Freitod ist für die Sozialsysteme und Versicherungen günstig. Noch nichteinmal eine Rikisolebensversicherung muss in einem solchen Falle zahlen. Eine Behandlung wegen einer manifestierten Depression kostet hingegen sehr viel Geld. Vielleicht(!) ist auch die Ökonomisierung des Lebens ein Grund für die Tabuisierung?

      Was Ihren Kommentar zu meinem Beitrag angeht:
      Ich kann tatsächlich Ausrufezeichen von Fragezeichen unterscheiden, ich meinte das (!) hinter dem Vielleicht (für mich bedeutet das ! durch die Verstärkung von “Vielleicht” eine Relativierung des darauf folgenden Satzes). Ihr von mir kommentierter Forumsbeitrag (der hoffentlich nur durch einen technischen Fehler jetzt nicht mehr in meinem browser erscheint) enthält in meinen Augen eben durchaus diesen abstrusen Gedanken, deutet ihn jedenfalls an.

      Unter Ärzten scheint das Thema Suizid und Depression tatsächlich groß zu sein, hier stimme ich Ihnen nachträglich doch zu: http://www.aerztegesundheit.de/depression.htm
      Es gehört zur Krankheitsbild der Depression fast schon dazu, sich selber dafür zu verachten, es zu unterdrücken, nicht Hilfe annehmen zu wollen. Oder, wie Sie schreiben, zu tabuisieren. Insofern ist Ihr Begriff des Tabus dann doch recht angemessen, hier muß ich mich korrigieren.
      Da ist der allgemeine Widerwillen gegen Ihren Schreibstil mit mir durchgegangen. Sorry!

      Was das Unterschwellige, von mir als demagogisch/verschwörungstheoretische Ihres Schreibstils bezeichnete angeht, so bleibe ich dabei.
      “Ein Freitod ist für die Sozialsysteme und Versicherungen günstig.” haben Sie geschrieben. Ich habe daraus verkürzt und zugespitzt: “Versicherungen mögen Suizid weils wenig kostet” gemacht. Sie selber haben diese von mir verkürzte These “abstrus” genannt – mögen andere entscheiden, inwiefern meine Verkürzung wirklich vollkommen an dem von Ihnen geschriebenen Inhalt vorbei geht.
      Sie haben sogar (daraufhin?) Ihren eigenen Text von der Seite genommen. Was mich echt sprachlos macht. Ist sowas üblich? Es ist zumindest schwer, es nicht als Eingeständnis zu werten, daß an meinem Eindruck nicht vielleicht doch was dran sein könnte. Sie könnten ja zumindest diesen Eindruck widerlegen, indem Sie Ihren eigenen Beitrag wieder einstellen. Der Übersichtlichkeit halber.
      Oder mir erklären, wie das Verschwinden Ihres Beitrages zustande kommt. Danke.

    66. Thaniell schrieb am 11. November 2009 at 23:31 - Permalink

      Nicht ganz so Medienkritisch, aber immerhin hinterfragend ist im übrigen auch die BBC: http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/8354979.stm

    67. Thaniell schrieb am 11. November 2009 at 23:39 - Permalink

      @Hagen: Also bei mir ist der Text noch da. Mal die Textsuche vom Browser bemühen?…
      Im Übrigen vermittelt Ihre Verkürzung wirklich einen deutlich anderen Inhalt. Jens deutet an, dass systematisch strukturell kein großer Bedarf an der Thematisierung von Suiziden besteht, es gibt keine finanzstarke Lobbygruppe, keine Versicherung o.ä. für die es sich ‘lohnte’ etwas dagegen zu unternehmen. Die Kernaussage bezieht sich zudem auf die generelle Ökonomisierung, es ist peinlich, wenn man nicht wie erwartet “Leistung” bringen kann, so wie es peinlich war /z.T. noch ist schwul zu sein – eben drum wird nicht drüber geredet in entsprechenden Gruppen.
      Ihre Kurzfassung dagegen vermittelt den Eindruck die Versicherungen fänden Suizide toll und würden sie am liebsten gezielt fördern (uuh böse Verschwörung), das ist durchaus ein Unterschied!

    68. Manfred schrieb am 11. November 2009 at 23:45 - Permalink

      Hier möchte ich einhaken: Warum ist die Person Robert Enke eigentlich eine ? Er war doch nur ein Fußballer! Ein Fußballer unter etwa 22 in seinem Team, einem von 56 Teams der drei Profiligen – einer von 1232 Profifußballern! Als ich (heute 39) ein Teenager und noch sowas Ähnliches wie ein Fußball-Fan war, da war ich (damals Wiesbadener) Fan von Eintracht Braunschweig, des 1. FC Saarbrücken und des HSV. Tatsächlich war ich damals hauptsächlich Fan dieser Mannschaften, weil mich einzelne Spieler – beim Spielen! – mehr interessierten als andere im Ligabetrieb: Manfred Kaltz (toller Name und super Bananenflanken!), Danilo Popivoda (war schon schwierig zu recherchieren, den Namen hatte ich bereits verdrängt!), und gab’s da nicht noch einen Manfred? – nicht aber Manfred Burgsmüller, weder mit dem 1. FC Nürnberg noch mit Borussia Dortmund. Weiß nicht warum. Jedenfalls wollte ich die Jungs spielen sehen! SPIELEN! Sonst nichts! Sobald sie (und erst recht ihre Kollegen) im Fernsehen den Mund aufmachten, wurden sie uninteressant. Ich hatte nicht den geringsten Bedarf, an deren Leben teilzuhaben. Warum MUSS das heute anders sein? Sind die Fußballer von heute Superstars? Was sind überhaupt “Superstars”? Waren die damals nicht noch eher Superstars als heute? Wenn sie mit Udo Jürgens oder Michael Schanze singenderweise aktiv wurde, konnte man diesen Eindruck schon gewinnen! ;-) Heute machen die sowas gar nicht mehr, spulen nur ihre Kapriolen ab, zoffen sich mit ihrem Verein, den sie nach Belieben jede zweite Saison wechseln. Apropos heute: Ich bin nun Mainzer, der Begriff “Fan” wäre allerdings in jeder Hinsicht übertrieben. Ich schaue mir Spiele des HSV an und ich verfolge leidenschaftslos die Ergebnisse des FSV Mainz 05. Soweit ich mich überhaupt auf dem Laufenden halte, wer da noch mitspielt, vermeide ich es aber in jedem Fall, mir Interviews anzutun. Nichts als inhaltsloses oder zumindest nutzloses Gewäsch! Wie kann denn ein Fußballspieler damit zur “Person des öffentlichen Lebens”, zur “öffentlichen Person” werden???

    69. egghat schrieb am 11. November 2009 at 23:49 - Permalink

      Der Artikel ist allein schon deshlab gut, weil er genau die zwei Artikel verlinkt, die ich auch per Twitter in die Welt gejagt habe. Weil ich zum Thema nichts sagen und erklären kann, was in den beiden Artikeln der Zeit (Erklärung um die Ecke mit Deisler) und dem bei 11Freunde steht.

      Aber ich muss auch sagen, dass ich die Freiheit habe, nichts sagen zu müssen. Diese Freiheit haben die Profis defakto nicht.

    70. SK schrieb am 11. November 2009 at 23:49 - Permalink

      Zitat #65: “Entschuldigung, kann es sein, daß Sie soeben Ihren eigenen Text von der Seite genommen haben (den, auf den ich mich bezogen habe?) Ich finde ihn nämlich nicht mehr (oder liegt das an mir?)?

      Ich meine diesen hier:

      Aber ich schreibe jetzt mal was ganz Böses ?”

      Der steht in #45

    71. aquadraht schrieb am 11. November 2009 at 23:52 - Permalink

      Ohne jetzt auf Hagen rumhauen zu wollen: Das Thema psychische Krankheit und Gesellschaft ist kein rein medizinisches, nicht einmal ein rein sozialmedizinisches. Es ist eine Erkenntnis der Sozialwissenschaften, durch empirische Forschung hinreichend bestätigt, dass Krankheitsklassen Statuswerte zugeschrieben werden, wobei (keine dauernde Behinderung verursachende) Unfallverletzungen und Infektionskrankheiten (ausser Geschlechtskrankheiten) am oberen Ende der Statushierarchie stehen und zum Teil mit sekundärem Krankheitsgewinn einhergehen.

      Ganz unten auf der Statushierarchie befinden sich die psychischen Krankheiten und die Suchterkrankungen, wobei neurotische Störungen eher oberhalb von Psychosen und Suchtkrankheiten rangieren. Auf jeden Fall sind alle diese Kranken in der Fremd- und Selbsteinschätzung stigmatisiert, was zu Verleugnungshaltungen führt. Darüber gibt es eine umfangreiche interdisziplinäre Literatur der Soziologie, Sozialpsychologie, Sozial- und Arbeitsmedizin und Psychiatrie. Insofern verwundert mich, wie man als Arzt die Tabuisierung psychischer Störungen in der Gesellschaft, besonders in der Leistungs- und Arbeitsgesellschaft, in Abrede stellen und als zusätzliche Komplikation und Noxe leugnen kann.

      a²

    72. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 23:53 - Permalink

      @Hagen

      Entschuldigung, kann es sein, daß Sie soeben Ihren eigenen Text von der Seite genommen haben (den, auf den ich mich bezogen habe?) Ich finde ihn nämlich nicht mehr (oder liegt das an mir?)?

      Wahrscheinlich – ich habe sicher nichts “von der Seite genommen”

      Ich meine diesen hier:

      Dann ist er ja doch da – komisch ;-)

      Ich kann tatsächlich Ausrufezeichen von Fragezeichen unterscheiden, ich meinte das (!) hinter dem Vielleicht (für mich bedeutet das ! durch die Verstärkung von ?Vielleicht? eine Relativierung des darauf folgenden Satzes).

      Wo wir gerade bei Psychologie sind. Ein bemerkenswertes Zitat von Freud lautet: “Manchnmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre” Dem kann ich folgen und sagen, manchmal ist ein “vielleicht?” einfach nur ein “vielleicht?”.

      Es gehört zur Krankheitsbild der Depression fast schon dazu, sich selber dafür zu verachten, es zu unterdrücken, nicht Hilfe annehmen zu wollen. Oder, wie Sie schreiben, zu tabuisieren. Insofern ist Ihr Begriff des Tabus dann doch recht angemessen, hier muß ich mich korrigieren.

      Danke – es gehört auch Größe dazu, eigene Fehler einzugestehen. Auch ich habe mich heute schon (Bierhoff-Äußerung) verrant.

      Was das Unterschwellige, von mir als demagogisch/verschwörungstheoretische Ihres Schreibstils bezeichnete angeht, so bleibe ich dabei.

      da kann ich wohl wenig machen – de gustibus non est disputandum

      ?Ein Freitod ist für die Sozialsysteme und Versicherungen günstig.? haben Sie geschrieben. Ich habe daraus verkürzt und zugespitzt: ?Versicherungen mögen Suizid weils wenig kostet? gemacht.

      Richtig – und das ist ganz einfach nicht korrekt. (Kranken)Versicherungen haben auch ein echtes Interesse daran, Prophylaxemassnahmen zu bezahlen, obwohl sie oft für ihre Bilanzen durchaus kontraproduktiv sind. Man mag meine Äußerungen gerne zynisch finden – das sind sie. Aber man muss sie nicht verdrehen, um abstruse Verschwörungstheorien herbeizulesen.

      Sie haben sogar (daraufhin?) Ihren eigenen Text von der Seite genommen. Was mich echt sprachlos macht. Ist sowas üblich?

      Ich habe – da gebe ich Ihnen und den Rest der Leserschaft mein Ehrenwort – sicher nichts “von der Seite genommen”. Wenn überhaupt, dann hätte ich meinen Bierhoff-Kommentar gelöscht, aber das entspricht nicht meinem Stil, da ich als Admin meine technischen Privilegien nicht ausnutzen will, um mir einen Vorteil zu verschaffen.

      Oder mir erklären, wie das Verschwinden Ihres Beitrages zustande kommt. Danke.

      Hmm, erklären Sie mir doch bitte zunächst, welcher “Beitrag” gemeint ist. Was stand darin? Die Richtigkeit meiner Argumentation kann übrigens jeder Kommentator bestätigen, der vor mir kommentiert hat und die Kommentare per Mail abonniert. Versandte Mails kann nämlich noch nicht einmal ich “zurückholen” ;-)

    73. Spiegelfechter schrieb am 11. November 2009 at 23:58 - Permalink

      @manfred

      Wie kann denn ein Fußballspieler damit zur ?Person des öffentlichen Lebens?, zur ?öffentlichen Person? werden???

      Das könnte man durchaus fortsetzen. Gab es früher (so vor 15 Jahren) Köche, die Promis waren? Friseure? Möchtemalgern-Superstars, die nicht singen können? Den Torwart der Nationalmannschaft kennt das Fernsehvolk nun einmal – auch wenn Enke sicherlich nicht so bekannt wie Oliver Kahn ist, der wahrscheinlich bis auf Merkel alle Politiker in der Bekanntheitsliste schlägt. So sind nun einmal die Zeiten, das kann man kritisieren oder nicht, man muss es aber akzeptieren.

    74. slin schrieb am 12. November 2009 at 00:17 - Permalink

      Alle Leute mit Depressionen sollten mal eine Hirn-PET machen. Und schon würde man feststellen, daß bei einem großen Teil statt einer behaupteten psychologischen Störung ein objektiver, organischer Befund vorliegt, dessen Ursache es zu finden und abzustellen bzw. zu behandeln gilt.

      Mit gutem Zureden und symptombekämpfenden Antidepressiva ist es natürlich nicht getan.

      Aber das könnte mal ein eigenes Thema für den Spiegelfechter sein.

    75. Martin S schrieb am 12. November 2009 at 00:25 - Permalink

      So sind nun einmal die Zeiten, das kann man kritisieren oder nicht, man muss es aber akzeptieren.

      Und früher waren die Zeiten so, dass jeder irgendwelche vermeintlichen Kriegs”helden” kannte. Da sind mir ein paar harmlose Sportler allemal lieber. :-)

    76. schwitzig schrieb am 12. November 2009 at 05:41 - Permalink

      @Hagen

      Mich würde konkret interessieren, wie Sie zu der Anschauung kommen, die Volkskrankheit Depression würde in Deutschland tabuisiert?

      Lassen Sie einfach mal ihren Arbeitgeber herausbekommen, dass Sie Depressionen haben.

      Zum Thema “Freitod sollte Selbstmord heissen”:

      Selbstverständlich ist der Begriff Selbst”mord” falsch, irreführend und diskriminierend, da “Mord” per Definition an anderen Menschen zur persönlichen Vorteilsnahme oder Befriedigung und oft aus niederen Beweggründen ausgeführt wird und obendrein strafbar ist. “Selbstttötung” wäre als beschreibender Begriff zulässig, “Freitod” ist keine Romantisierung, sondern eine zutreffende Charakterisierung, da der Betreffende die Freiheit genutzt hat, selbst zu bestimmen, ob er weiterlebt oder nicht. Ich weiss, wovon ich rede, da sich mein Vater selbst getötet hat.
      Interessant finde ich an dieser Stelle das Schweigen der Kirche – wo sich z.B. im Falle meines Vaters so ein Pfaffe es sich nicht nehmen ließ, darauf hinzuweisen, dass ein “Selbstmord” ja eine Todsünde sei (Hölle und ähnlicher Sektenquatsch), halten sich in diesem Fall die Sektenführer erstaunlicherweise recht bedeckt. Vielleicht werden weitere Austritte befürchtet?

    77. Peter Löwenstein schrieb am 12. November 2009 at 05:48 - Permalink

      Interessant. Der Autor verkürzt die Wirklichkeit an ein paar Stellen bis sie passt. Mit Absicht oder aus mangelnder Einsicht in die Wirklichkeit?

      Enke war ein Star. Star zu sein sucht man sich nicht wirklich aus, man wird dazu gemacht.

      Seine Kollegen trauern wirklich. Das ist menschlich, naheliegend und glaubwürdig.

      Anderes zu unterstellen ist mies, weil der Autor das von seiner Warte vorm Fernseher nicht wirklich beurteilen kann. Den Kollegen Enkes zu unterstellen, sie trauern falsch genügt deshalb sogar den eigenen Wertmassstäben des Autors nicht.

      Was hier kritisiert wird ist genau das was im Artikel gemacht wird.

    78. schwitzig schrieb am 12. November 2009 at 05:59 - Permalink

      @SF

      Ich habe ? da gebe ich Ihnen und den Rest der Leserschaft mein Ehrenwort ? sicher nichts ?von der Seite genommen?

      oh, oh … Ehrenwort … seit Kohl hat dieses Wort die gegenteilige Bedeutung des gemeinten :-) – ich konnte nicht widerstehen :-).

      @ slin

      Alle Leute mit Depressionen sollten mal eine Hirn-PET machen. Und schon würde man feststellen, daß bei einem großen Teil statt einer behaupteten psychologischen Störung ein objektiver, organischer Befund vorliegt, dessen Ursache es zu finden und abzustellen bzw. zu behandeln gilt.

      So einfach ist das keineswegs, da das Gehirn ein extrem dynamisches System ist. Dauerhafte organische Implikationen können sich durchaus auch erst nach längeren psychischen Belastungen aufgrund eben dieser manifestieren – es muss aber nicht dazu kommen.
      Und sie können tatsächlich auch von selbst wieder verschwinden.

    79. bernini schrieb am 12. November 2009 at 07:27 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Ein sehr guter Artikel, nur habe ich eine kleine Frage zu folgendem Satz:

      Auch im Pressekodex des deutschen Presserats verpflichten sich die Printmedien zu einer ?zurückhaltenden Berichterstattung? bei Suiziden ? wenn das öffentliche Interesse an einem solchen Fall allerdings auch eine wirtschaftliche Kompetente beinhaltet, gelten derlei hochmoralische Schwüre in der modernen Presselandschaft allerdings offensichtlich nicht mehr.

      Könnte da ein Fehler sein und es sollte “wirtschaftliche Komponente” statt “wirtschaftliche Kompetente” heißen?

      Freundliche Grüße
      bernini

    80. ericA schrieb am 12. November 2009 at 07:36 - Permalink

      Hallo SF,

      leider beleuchtest Du nicht die Person Robert Enke, sondern stellst meiner Meinung nach die Medien in diesem Fall zu Unrecht an den Pranger. Ich habe mir einen Teil der Berichte über ihn angesehen. Der Fussball und die Medien haben keine Schuld in seinem Fall (oder nur weil er nicht so im Rampenlicht gestellt wurde, wie andere). Wenn man die Brüche in seiner Karriere und die Schicksale mit den Aussagen von Teresa Enke vergleicht, liegt für mich das Problem eindeutig in der Person Robert Enke allein.
      Seine angebliche soziale Ader, Öffentlichkeitsvermeidung und sein Understatement sind für mich nur hohle Phrasen, sie stimmen einfach nicht. Bilder der Tochter aus dem Krankenhaus, seine ständigen Blicke in die Kamera, etc. sprechen eine andere Sprache.
      Als junger Bengel mit 8 zum FC CZ Jena gekommen, gab es für Ihn nur einen steilen Aufstieg. Immer wenn er nicht erste Wahl oder er der Meinung war, den Höhepunkt der Karriere nicht zu erreichen, wurde er depressiv bzw. brauchte Aufmerksamkeit. Der Mann ist an seinem eigenen Ego zerbrochen. Die Medien haben selten über ihn berichtet, genauso wie sie selten über Timo Hildebrand oder einen Toni Schuhmacher im Ausland berichteten.

      Die Tatsache, dass Teresa Enke so schnell an die Öffentlichkeit ging, war meines Erachtens auch ein Zeichen für eine Erlösung, denn sie sprach auch von jahrelangen schwierigen Phasen mit ihm. Es war aber auch ein Hinweis darauf, dass sie das Spiel mit den Medien bestens kannte.

      Könnte noch mehr schreiben, möchte es aber bei diesen gewonnenen Eindrücken belassen..

    81. Tim schrieb am 12. November 2009 at 07:58 - Permalink

      @ericA

      Danke, so isses.

    82. grenzdebil schrieb am 12. November 2009 at 09:08 - Permalink

      Der Text läßt auf ein gewisses Maß an Eloquenz und Intelligenz schließen – Respekt dafür! -, zieht aber IMHO falsche Schlüsse. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, die es erlauben würden, das “harte Geschäft des Profifußballs” als “Grund” für den Suizid Enkes heranzuziehen. Im Gegenteil hat die Witwe ausdrücklich betont, daß der Fußball alles für Robert Enke war, sein Halt war, sein Leben war. Es bringt nichts, Depressionen logisch erklären zu wollen – diese folgen keinen Regeln, basieren nicht auf für Außenstehende bzw. Unbetroffene nachvollziehbaren Gründen.

      Ich gehe ziemlich d’accord mit ericA, nur daß ich persönlich durchaus an eine “soziale Ader” Robert Enkes glaube. Ich habe ihn mal persönlich bei einem Benefizspiel in Stötteritz (Stadtviertel im Südosten Leipzigs, meine Heimat) erlebt. Robert Enke hat sich durchaus sozial engagiert, er hat das Ganze nur – typisch für ihn – nie an die große Glocke gehängt. Er war wohl nicht “pressescheu”, aber das ist für einen Nationalspieler oder auch “nur” einen Bundesligaprofi auch einfach nicht möglich. Hat Robert Enke jemals die Öffentlichkeit und die Presse gesucht, um seine Meinung oder sonst irgendwas zu verbreiten? So, wie das vor kurzem erst der Traum aller Schwiegermütter in München getan hat? Ich glaube kaum.

      Es dürfte für Enkes Familie, Mannschaftskameraden und Freunde schwer genug sein, das alles zu verstehen und auf die sich aufdrängenden Fragen Antworten zu finden. Uns als komplett Außenstehenden ist es meiner Meinung nach sogar unmöglich.

      Zu den Medien: Es gibt positive und negative Eindrücke. Als negativ würde ich die Berichterstattung des DSF und die Sendung des Herrn Kerner festhalten, als positiv etwa das Verhalten der Bundesliga, des DFB und aller Erstligisten sowie diverser Sportseiten im Netz, allen voran die unglaublich gelungenen Kommentare von 11Freunde.de. Die Zeitung mit den großen vier Buchstaben wird sich natürlich heute danebenbenehmen, aber das muß ein Anderer überprüfen – ich lese derlei Machwerke aus Prinzip nicht.

    83. value schrieb am 12. November 2009 at 09:15 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Du verfällst dem populären Irrtum, dass Reichtum und Erfolg glücklich (und frei) machen.

      Lies meinen Beitrag noch mal. Du hast ihn nicht verstanden. Hier ist ein lohnender erster Ansatz zu weiter gehenden Nachforschungen.

      Der Rest ist Spekulation, auf die ich mich nicht einlassen will.

      Wohl abgesehen von Deinen eigenen Spekulationen und Schuldzuweisungen im Haupttext. Nichts für ungut. Die meisten Deiner Artikel sind für mich lesenswert. Dieses Bild kann ein schwacher Text nicht trüben.

      Gruß,
      v.

      PS: Ja, Selbstmord ist ebenfalls ein unpassendes Wort. Vielleicht sollten wir wie die englisch sprechende Welt das lateinische Wort verwenden.

    84. Frittenmeister schrieb am 12. November 2009 at 09:42 - Permalink

      Ein sehr guter Text und er trifft uns alle! Wir die Gesellschaft sind mitschuld, schließlich wollen wir ja auch über die Medien alles von unseren Helden erfahren und denken nicht daran was das für den Menschen bedeutet. Für den wird ein Druck aufgebaut, es allen immer Recht zu machen und das kann ihn fertig machen…

    85. Robert schrieb am 12. November 2009 at 09:54 - Permalink

      Ich gebe dem Text vom Spiegelfechter voll und ganz Recht! Leider wird der Tod medial dermaßen ausgeschlachtet, dass eine Aufarbeitung der Ursache niemals ernsthaft stattfinden wird. Anstatt jetzt öffentlich Konsequenzen aus dem traurigen Ereignis zu ziehen, wird ein paar Tage jeder Schnipsel veröffentlicht und wenn das nächste Drama geschieht, werden Enkes Depressionen keierlei Rolle mehr spielen.

      Siehe dazu auch folgenden Text

    86. Spiegelfechter schrieb am 12. November 2009 at 10:22 - Permalink

      @Schwitzig

      oh, oh ? Ehrenwort ? seit Kohl hat dieses Wort die gegenteilige Bedeutung des gemeinten :-) ? ich konnte nicht widerstehen :-).

      Ich hatte – passend zum Thema – eigentlich eher Uwe Barschel im Hinterkopf ;-)

    87. Jonas schrieb am 12. November 2009 at 10:23 - Permalink

      Jemand hat auf dich gehört :)

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,660747,00.html

    88. Spiegelfechter schrieb am 12. November 2009 at 10:27 - Permalink

      @bernini

      Könnte da ein Fehler sein und es sollte ?wirtschaftliche Komponente? statt ?wirtschaftliche Kompetente? heißen?

      Natürlich – war ein Typo. Danke für den Hinweis.

    89. Spiegelfechter schrieb am 12. November 2009 at 10:40 - Permalink

      @Grenzdebil und ericA

      Hat Robert Enke jemals die Öffentlichkeit und die Presse gesucht, um seine Meinung oder sonst irgendwas zu verbreiten? So, wie das vor kurzem erst der Traum aller Schwiegermütter in München getan hat? Ich glaube kaum.

      Nein, denn das war wohl offensichtlich nicht seine Art. Enke hatte sich in das System integriert und hat die Fehler wohl eher bei sich, als beim System gesehen, wie Ihr ja beide auch schreibt. Da unterscheidet er sich natürlich von einem Sebastian Deisler.

      Natürlich ist es von außen schwer bis unmöglich eine Ferndiagnose zu unternehmen – darum beschränke ich mich dabei ja auch auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Ob er am “System Profifußball” zerbrochen ist – so wie ich es schreiben -, oder ob er sich in seinem Drang vom System hat zerbrechen lassen, ist mE kein so großer Unterschied. Ein solches System hat – wie alle anderen System auch – auch eine Verantwortung, Sportler vor sich selbst zu schützen. Mich erinnert das ein wenig an die Doping-Diskussion im Radsport. Kein Radsportler wird persönlich gezwungen, zu dopen, die allermeisten tun dies freiwillig, teilweise sogar gegen den expliziten Willen ihrer Arbeitgeber. Dennoch werdet Ihr mir sicher rechtgeben, wenn ich für die Dopingproblematik das System Profiradsport verantwortlich mache. Hier müssten sogar Bürgerrechte der Sportler außer Kraft gesetzt werden, um die Sportler vor sich selbst zu schützen. Genau so komplex, genau so aussichtlos – anders oder doch ähnlich?

    90. Spiegelfechter schrieb am 12. November 2009 at 10:45 - Permalink

      @Jonas

      Das vernehme ich gerne ;-)

      Auch die Süddeutsche bemüht sich heute mit gleich zwei Artikeln um Schadensbegrenzung.

    91. Benjamin schrieb am 12. November 2009 at 11:35 - Permalink

      Wahnsinn. Jetzt habe ich einen ebenso polemischen Kommentar gelesen, wie er vom Autor den Journalisten der “Qualitätsmedien” vorgeworfen wird.

      Ich finde es zwar ähnlich beschämend, wenn die Medien wie Heuschrecken über solch ein Ereignis herfallen, aber man darf nicht vergessen: Robert Enke war der Nationaltorhüter, eine öffentliche Person, eine Gallionsfigur für abertausende Torwärte in der Bundesrepublik. Da darf man auch ruhig ein wenig offener berichten und im Übrigen: Auch solche Schicksalsschläge helfen das Thema Depression zu enttabuisieren. Sebastian Deisler war ein guter Anfang, Enke war eine unfassbar schreckliche Fortführung.. Hoffentlich melden sich depressive Menschen öfter und schneller zu Wort, als sich den Druck noch viel größer aufzubauen.

      R.I.P. Robert Enke.

      PS: Ja, die bösen Fußballfans. Mein Gott, wie meine Milz platzt, wenn ich sowas lese. Unfassbar.

    92. Jochen schrieb am 12. November 2009 at 11:49 - Permalink

      Gut fand ich den Zeit Artikel:
      http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-11/robert-enke-depression?page=all
      Gar nicht reißerisch, nicht sensationsgeil, frei von Spekulationen und ein weiterführender Link zu einem Artikel über Depressionen.

    93. Jan schrieb am 12. November 2009 at 11:57 - Permalink

      Sogar die Springer-Presse schreibt jetzt beim Spiegelfechter ab. Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? ;)

      http://www.welt.de/sport/fussball/article5182141/Mitgefuehl-das-die-Menschenwuerde-verletzt.html

    94. Spiegelfechter schrieb am 12. November 2009 at 12:29 - Permalink

      @Jan

      Da bin ich ja mal ausnahmsweise positiv überrascht von Kollegen Herzinger. Moral und Ethik scheinen für den erzkonservativen Springer-Haudegen anscheinend fallgebunden doch wichtig zu sein.

    95. Lago schrieb am 12. November 2009 at 12:44 - Permalink

      @Jan

      Wobei sich die Welt die “Erdung” in Richtung jüdisch-christlicher Schuldtradition nicht sparen wollte – entsprechende Kommentare gibt es hier ja auch schon …

      Wer denkt eigentlich an den Lokführer, den Enke nicht nur dazu zwang, ihn zu töten, sondern der zusätzlich zu diesem schweren Trauma auch noch mit dem Bewusstsein weiterleben muss, den Tod eines von unzähligen Menschen, womöglich auch von ihm selbst verehrten Idols herbeigeführt zu haben? Wer denkt auch an die inneren Qualen der Feuerwehrleute und Polizisten, die die körperlichen Reste dieses Idols bergen mussten?

      Ich kann mich an einen Fall erinnern, in welchem im Abschiedsbrief dem Lokführer ein eigenes Blatt gewidmet war. Darin entschuldigte sich der spätere “Selbstmörder” vorsorglich, mit einer wirklich entwaffenden Klarheit legte er dar, dass er wisse, was er diesem Menschen möglicherweise antue …

      Es ist also nicht so, dass alle “Selbstmörder” gewissenloser Abschaum sind – oft ist das Gegenteil der Fall. Viele sterben gerade an ihrer übergroßen Sorge.

      ps. Enke interessiert mich persönlich gar nicht. Ich fühle mich auch nicht traurig, dass er tot ist bzw. sich umgebracht hat*. Als ein Bekannter mich gestern fragte, ob mich der Medien-Hype um Enke nervt, musste ich ehrlich fragen: Was ist denn Enke?
      (* Ersteres nicht, weil ich ihn nicht kenne und daher keine Empathie verspüre und zweiteres nicht, weil ich eine Selbsttötung als solche eigentlich nicht so schlimm finde.)

    96. Flying Circus schrieb am 12. November 2009 at 13:34 - Permalink

      @Lago: zumindest hier hat keiner Leute, die sich das Leben nehmen, als “gewissenlosen Abschaum” bezeichnet.

      In der Tat habe auch ich damit ein Problem, daß Unbeteiligte, wie z.B. eben ein Lokführer, durch die Art der Tatausführung beeinträchtigt werden. Ob sich der, der sich das Leben genommen hat, vorher dazu seine Gedanken gemacht hat, wie von Dir angeführt, dürfte das Trauma des Lokführers eher unwesentlich beeinflussen.

      Was das Thema angeht, stimme ich Jens zu. Warum muß über so etwas berichtet werden? Weil da jemand in einem wie auch immer gearteten Rampenlicht stand, als er noch lebte? Tut mir leid, das halte ich für eine sehr schwache Begründung. Außerdem halte ich es für ziemlich gut belegt, daß dadurch andere beeinflußt werden können. Selbst wenn man also nicht aus Gründen der Pietät darüber schweigt …

    97. Neu hier schrieb am 12. November 2009 at 13:40 - Permalink

      Ich werde doch nicht “Leichenaufbereiter” wenn ich keine toten Menschen sehen kann, genauso wäre Enke kein Profi-Fussballer geworden, wenn er angst vor Leistungsdruck hätte….. warum auch, finanziell hatte er bestimmt schon in seinen jungen Jahren ausgesorgt….
      Wenn der Leistungsdruck wirklich so hoch wäre, dann müsste bereits der gesamte Kader vom VFB Stuttgart von der Brücke gesprungen sein….

      Also wir leben doch alle nunmal in einer Leistungsgesellschaft, trotzdem bringen wir uns alle doch nicht selber um, und unter Druck stehen doch alle, Stress ist sowas wie ein Statussymbol, wenn man keinen hat schafft man sich eben welchen, nur um dann zu erzählen wie viel Stress man doch hat…. komisch wie sich manche Menschen befriedigen……

      Ich bin Student, wenn ich meine Creditpoints nicht erreiche, bekomme ich keinen Studienkredit, ohne Studiencredit keine Wohnung ( 30qm Zimmer ) alleine dafür muss ich jeden Monat 300? ( warm mit Strom und Wasser ) abdrücken, da helfen mir die paar Kröten die ich mir am Wochenende dazu verdiehne nicht viel, die reichen nichtmal für die Miete…. wenn ich aber mein Studium verkacke kann ich nicht einfach neu anfangen, denn dann bekomme ich kein Studienkredit mehr, selbst finanzieren kann ich es auch nicht, sprich habe ich dann verkackt….. der Enke hingegen hat schon genug Geld, nehme ich jetzt man an.. Leistungsmässig stehe ich woll da mehr unter Druck….. da ich für mein Leben noch nicht ausgesorgt habe….

      Er hat es halt einfach nicht verkraftet seine Tochter zu begraben…. aus basta…

      Und schluss endlich ist nicht mehr und nicht weniger als ein weiterer Mensch gestorben……

    98. jay schrieb am 12. November 2009 at 13:53 - Permalink

      Lieber Jens,
      schade finde ich, dass auch Du nicht ohne Bild vom Betroffenen auskommst.

      Aber Dein Bericht ist sehr lesenswert.

      Danke

    99. mo schrieb am 12. November 2009 at 14:57 - Permalink

      @slin (74):

      “Alle Leute mit Depressionen sollten mal eine Hirn-PET machen. Und schon würde man feststellen, daß bei einem großen Teil statt einer behaupteten psychologischen Störung ein objektiver, organischer Befund vorliegt, dessen Ursache es zu finden und abzustellen bzw. zu behandeln gilt.”

      mit der konstruktion eines gegensatzes zwischen behaupteter psychologischer störung einerseits und dem “objektiven” organischen befund andererseits arbeiten Sie direkt weiter an der vertiefung der irregeleiteten öffentlichen wahrnehmung nicht nur bezgl. “psychischer” – treffender ist hier m.m. der begriff psychophysisch – krankheiten/störungen, sondern zementieren auch das zugrundeliegende problem einer falschen anthropologie in sachen körper-geist/seele-dualismus (welche meiner ansicht nach auch für den öffentlichen umgang mit “psychos” hauptsächlich verantwortlich sind).

      letzterer ist einfach nicht haltbar, die “psyche” ist ein – wenn auch spezieller – aspekt des körpers. durch die diversen wechselwirkungen täglich von uns allen selbst erfahrbar.

      und wie oben schon in einem anderen kommentar angemerkt wurde, ist sind die gehirnstrukturen recht plastisch, so dass im wahrsten sinne des wortes einschneidende ereignisse – wie sie bspw. durch traumatische erlebnisse repräsentiert werden – , durchaus in der lage sind, sich handfest materiell zu manifestieren. anders wäre auch bis dato kein wirkungsmechanismus vorstellbar.

      und das gilt prinzipiell für alle “psychologischen störungen” – egal ob depressionen, essstörungen, süchte, die ganze palette der persönlichkeitsstörungen etc.

      das nur als anmerkung, weil ich den erwähnten (falschen) gegensatz als weltsicht mit recht fatalen folgen empfinde.

      *

      zum thema allgemein noch mein eigener senf

    100. Perun schrieb am 12. November 2009 at 15:36 - Permalink

      Hallo Jens,

      ich finde den Begriff “Freitod” etwas problematisch, weil er besagt, dass derjenige dies aus freien Stücken tat. Wenn jemand aber depressiv ist, dann geschieht der Suizid imho nicht aus freien Stücken sondern weil die Krankheit ihn dazu treibt.

    101. Olaf schrieb am 12. November 2009 at 16:56 - Permalink

      @61: Eine sehr guter Kommentar.

      @Artikel: Ein lesenswerter Artikel, vielen Dank dafür! Leider ist es nicht das erste Mal, dass eine solche Tragödie zum Anlass genommen wird, auf das Thema Depressionen hinzuweisen. Hannover 96 überlegt jetzt, einen Psychologen an Bord zu holen. Da ist die Frage, warum erst jetzt? Wenn physisch alles abverlangt wird, ist umso verwunderlicher, dass der seelische Zustand ignoriert wird.

      Das Artikel in den “Leit”-medien nicht ohne Foto auskommen, dürfte nicht weiter dramatisch sein. Enke hat man auf diesen Fotos nicht zum ersten Mal gesehen. Weitaus pietätloser wäre, hätten sie ein Bild seiner bald folgenden Beerdigung genutzt. Wobei ich der BLÖD da Einiges zutraue.

      Ich habe mir im Netz auch das Video seiner Frau angesehen. Eine außergewöhnliche Situation, wenn man bedenkt, dass der Tod erst einen Tag vorher geschah. Außergewöhnlich im negativen Sinne war, welch ungeheures Blitzlichtgewitter auf Frau Enke niederging. Sie rang mit den Tränen und ihrem Schmerz und kein einziger Fotograf hielt inne. Eine Schande!
      Ich fand ihren Auftritt mutig, beeindruckend und auch irgendwie notwendig. Gerade weil Robert Enke eine gewisse Vorbildfunktion inne hatte, war es in diesem Fall nicht verkehrt, zu sagen, warum er den Freitod gewählt hat. Das in jeder Nachricht zu diesem Thema der genaue Ort angegeben war, ist dagegen sehr fragwürdig. Was soll damit bezweckt werden? Werden nun alle Einwohner auf diesen Bahnübergang reduziert? Ist es nun der “Bahnübergang des Todes”? Ich habe heute morgen eine BLÖD beim Bäcker liegen sehen. Wie groß passen Letter denn noch auf eine Seite Papier?

      Wie mit Depressionen umgegangen wird, zeigt das Thema Deisler ja ganz gut. Ich habe seine Biographie leider nicht gelesen und dachte auch lange Zeit, er soll sich mal nicht so haben. Traurig, wenn ich daran denke, wie es mir noch vor einigen Jahren ging. Aber Verdrängung kann man sich anerziehen, wie dummdreist sie auch sein mag.

      Am Ende bleibt, dass die Bundesliga den nächsten Spieltag mit schwarzen Armbinden hinter sich bringen wird und Robert Enke bereits jetzt aus den Köpfen verschwindet. Sein Leiden ebenfalls. Nur hier und da wird sich noch manchmal eine Meldung finden. Über ihn und über die zunehmenden psychosomatischen Erkrankungen in der Arbeitswelt. Man wird sich an ihn kurz erinnern. An sein Leiden definitiv nicht.

    102. inzaghi schrieb am 12. November 2009 at 17:18 - Permalink

      Es sollten weder Fotos noch Dokumente wie der Abschiedsbrief publiziert werden.

      Warum erscheint dann in diesem Artikel eines? xD

      Sonst aber sehr gut geschrieben, wird aber ohnehin im sonstigen Medienrummel um die ganze Geschichte untergehen.
      Traurig aber wahr…

    103. Chapuisat schrieb am 12. November 2009 at 17:48 - Permalink

      Was soll diese Heuchelei? Mindestens ganz Hannover steht unter Schock. Wen wundert es da, dass die Medien das Interesse an Information bedienen?
      Robert Enke war Nationaltorwart, also ein Promi. Für diese Menschen gelten andere rechtliche Regelungen im Medienbereich.
      Diese Studien über den Werther-Effekt sind kurz- bzw mittelfristig angelegt. Mich würde interessieren, was eine öffentliche Debatte über die Folgen für Lokführer, Notärzte, Feuerwehr, Polizei, Bahnkunden LANGFRISTIG bewirken würde.
      Und: Es ist RESPEKTLOS, über das Schicksal eines Selbstmörders mit seiner tragischen Vorgeschichte so einfach hinwegzugehen. Tausende Tragödien sollen hier einfach so unter den Teppich gekehrt werden. Und gerade das zeigt der Fall Enke: Das ist der falsche Weg.

    104. Sina schrieb am 12. November 2009 at 19:25 - Permalink

      VIELEN DANK für diesen artikel.
      er spricht mir aus der seele.
      es ist einfach widerlich und vor allem aber gefährlich, wie die medien mit diesem thema umgehen.

    105. Graf Zahl schrieb am 12. November 2009 at 19:29 - Permalink

      Abend!

      Was auch immer jetzt palavert wird, in spätestens zwei Wochen ist alles wieder beim Alten. Die Bildzeitung veröffentlicht evtl. noch ein paar Tagebuchauszüge und damit ist die Geschichte für die Medien gegessen und den Bürger vergessen.
      http://www.google.com/trends?q=emsdetten%2C+winnenden%2C+enke&ctab=0&geo=all&date=all&sort=0
      Man muss kein Aktienanalyst sein, um den weiteren Verlauf der “Enke”-Kurve vorherzusagen.

      Wie auch immer, ich wünsche einen schönen Abend und noch viel Spaß beim Diskutieren.

      Graf Zahl

      PS: Bis zum nächsten Amoklauf!

    106. gunthers schrieb am 12. November 2009 at 20:05 - Permalink

      Hätte es auch besser gefunden, in diesem Artikel einfach auf die Bebilderung zu verzichten…
      Ansonsten fällt mir gerade auf: telepolis entzieht sich dem Medienrummel angenehemerweise durch Nichtberichterstattung.

    107. wolkenstein schrieb am 12. November 2009 at 20:05 - Permalink

      Danke Jens!

    108. Ein Gast schrieb am 12. November 2009 at 21:05 - Permalink

      Hallo Jens,

      vielen Dank für deinen schönen Artikel! Ich gebe zu, mir kamen gestern die Tränen als ich Enkes Witwe in der Pressekonferenz sah. Sie deutete an, was du auch geschrieben hast: Mehr als alles andere fürchtete Robert Enke, dass seine Krankheit durch die Medien breitgetreten wird. Dass er kein Privatleben mehr hat. Vermutlich damit sich die Medien nicht in wüsten Spekulationen verlieren hat Frau Enke keine 24h nachdem ihr Mann starb die unmenschliche Belastung auf sich genommen und offen über die Krankheit gesprochen. Geradezu herzzerreißend war ihre Bemerkung, dass Enke niemals wollte, dass jemand weiß, dass er depressiv war. Viele Jahre war das ihr Geheimnis. Sie hat sich niemandem anvertraut, sie hat unglaublich viel Kraft darauf verwendet ihrem Mann Halt und Hoffnung zu geben und sein Geheimnis zu wahren. Und dann sagte sie: es (sein Tod) ist doch sinnlos, jetzt weiß es ohnehin jeder…

      Wer das wichtige Buch “Gossenreport” von Gerhard Henschel kennt, der weiß, was Robert Enke widerfahren wäre, hätte er sich als depressiv geoutet. Es ist nachzulesen in dem Kapitel über den “Seewolf” Raimund Harmstorf. Der Schauspieler fürchtete nichts mehr als die Entdeckung, dass er Parkinson hat. Bei einem Klinikaufenthalt hat ihn ein Patient an die Bildzeitung verpetzt, die brachte es groß auf Seite 1, andere Zeitungen griffen die Sensation auf und der Schauspieler konnte mit der Schmach nicht mehr leben und brachte sich um.

      Ein weiterer wichtiger Beitrag kam gestern von Peter Neururer im DSF (das ist das einzige, wo ich dem Flickering Lights Beitrag widersprechen muss): die Medien sollen nicht nach dem WARUM fragen, sondern sich mal an die eigene Nase fassen. Er sagte sinngemäß, dass viele Journalisten aktiv an der derzeitigen Situation mitgearbeitet haben und jetzt nicht die Unschuldslämmer spielen müssen. Ich weiß nicht ob diese Interviewantwort später nicht mehr ausgestrahlt wurde, ich habe sie nur einmal gesehen, während die anderen Betroffenheitskundgebungen in der Endlosschleife liefen.

      Viele Grüße,
      CW

    109. value schrieb am 12. November 2009 at 21:52 - Permalink

      @CW (und auch den Spiegelfechter):

      Wer das wichtige Buch ?Gossenreport? von Gerhard Henschel kennt, der weiß, was Robert Enke widerfahren wäre, hätte er sich als depressiv geoutet. Es ist nachzulesen in dem Kapitel über den ?Seewolf? Raimund Harmstorf. Der Schauspieler fürchtete nichts mehr als die Entdeckung, dass er Parkinson hat. Bei einem Klinikaufenthalt hat ihn ein Patient an die Bildzeitung verpetzt, die brachte es groß auf Seite 1, andere Zeitungen griffen die Sensation auf und der Schauspieler konnte mit der Schmach nicht mehr leben und brachte sich um.

      Zu Harmstorf fällt mir ein anderer prominenter Fall eines “starken Mannes” ein, der an Parkinson leidet: Wo genau liegt die “Schmach” bei Muhammad Ali? Was ist ihm Schlimmes widerfahren, seitdem die Welt weiß, dass er Parkinson hat? Er wird genauso verehrt wie früher, vielleicht sogar noch mehr. Ich bleibe dabei: Die Ursache von Suizid liegt immer in einer katastrophalen Fehleinschätzung der Realität. Ob genetisch begünstigt oder nicht. Enke hätte vielleicht seine Karriere an den Nagel hängen müssen. Na und!? Das wäre für alle Beteiligten immer noch eine weitaus bessere Alternative gewesen. Noch mal: die Ursachen liegen im Einzelnen. Medienschelte ist wohlfeil und wird dem “Werther Effekt” ganz bestimmt nicht entgegen wirken. Ich kann mir vorstellen, dass sich eventuelle Nachahmer so ganz leicht ihre eigenen “Schuldigen” basteln können.

      v.

    110. Acronoys schrieb am 12. November 2009 at 22:13 - Permalink

      Mir tun Lokführer und Bahnmitarbeiter leid, die die “Schweinerei” (Leichenteile) aufwischen mussten. Wenn der Mann sich umbringen musste, dann bitte doch, ohne das Leben anderer zu ruinieren. Der Lokführer kann vielleicht nie wieder einen Zug fahren.

      Schade, dass der Spiegelfechter diesen Aspekt – wie quasi fast jedes Medium – überhaupt nicht thematisiert.

    111. anonym schrieb am 12. November 2009 at 22:18 - Permalink

      Danke für diesen medienkritischen Artikel!
      Ein Grund weshalb ich deinen Blog regelmäßig besuche.

      Vllt könnte man auch noch einen Bezug zum Umgang der Presse mit Michael Jacksons Tod
      herstellen, der gar nicht so lange her ist und bis jetzt noch ausgeschlachtet wird.
      Mal sehen wie es sich in diesem Fall entwickelt…

      ?Fußball ist Emotionsmanagement? hat Oliver Kahn mal zusammengefasst.

    112. Lessing schrieb am 12. November 2009 at 22:20 - Permalink

      Es kommt der Ironie gleich, über die Presse zu schreiben, die über Enke schreiben, und sich aufzuregen, dass die Presse schreibt. Zugegeben, es ist pietätslos, was die Onlinemedien machen, aber es ist auch sehr einfach, sich als Heiliger darzustellen und dann trotzdem über Enke (wenn auch indirekt) zu schreiben.

    113. Gebintit schrieb am 12. November 2009 at 22:23 - Permalink

      @109

      Noch mal: die Ursachen liegen im Einzelnen. Medienschelte ist wohlfeil und wird dem ?Werther Effekt? ganz bestimmt nicht entgegen wirken.

      So leicht können sich die Journalisten nicht aus ihrer Verantwortung stehlen. Das klingt mir nach der Philosophie “Wenn sich jeder um sich selbst sorgt, ist für alle gesorgt”. Freie Fahrt für Dampfwalzen, Rücksicht hält nur auf. “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” ! (GG, §1). Es sollte schon jedem selbst überlassen sein, ob er/sie sich mit etwas outet, was Diskriminierung nach sich ziehen kann.

    114. Ein Gast schrieb am 12. November 2009 at 22:32 - Permalink

      Die Fehleinschätzung bzw. die depressiven Schübe kamen beim Harmstorf vor allem durch die Medikamente, die er wegen seiner Parkinsonerkrankung nehmen musste. Sein Dilemma war, dass sein Name fest verbunden war mit SEINER Rolle (“Der Seewolf”) und jeder, der “Seewolf” hörte, dachte an einen starken Kerl, den nichts umhauen kann. Und für die Person Harmstorf war es ein Alptraum, dass jemand erfahren kann, dass der Schauspieler dahinter schwer krank ist. Für uns mag das alles irrational sein und albern, aber für jemanden, der nicht mehr Herr seiner Sinne ist, weil die Krankheit und die Nebenwirkungen der Medikamente die Steuerung übernommen haben, ist es die Hölle auf Erden.

      Robert Enke wusste ja aus Erfahrung, was passiert, wenn die große Zuneigung, die ihm als Liebling des Publikums sicher war in Hass umschlägt (Istanbul), wenn man öffentlich geschmäht und gehasst wird. Und stellen wir uns einen Moment vor, was die Speerspitze der fairen Berichterstattung mit den 4 großen Buchstaben daraus gemacht hätte, wenn analog wie im Fall Deisler statt eines Bankangestellten z.B. ein Mitarbeiter einer Apotheke der Zeitung ein Rezept gesteckt hätte.

      1. Das Telefon klingelt bei Familie Enke. Es meldet sich ein Journalist, der sagt, was er weiß und wenn Robert Enke nicht kooperiert, dann weiß es am Tag danach ganz Deutschland (vgl. die Geschichte mit Sibel Kekilli)
      2. Am nächsten Tag steht groß auf Seite 1: “Schock-Diagnose: Enke depressiv. Denkt er an Selbstmord?”
      und alle Zeitungen schreiben brav ab
      3. Nach mehr oder weniger bizarren Details, die sich die Zeitung teilweise ausdenkt, die halbwegs stimmen könnten und von denen sie gerüchteweise gehört hat erscheinen immer wieder Artikel mit “Wie schlimm steht es um Deutschlands Nr. 1 wirklich?”
      4. “Enke: auch im Bett läuft es nicht mehr – wie Depressionen die Lust töten”

      Hätte Enke irgendwann gepatzt:
      5. “Depri-Torwart! Ist Enke noch tragbar für unsere DFB Elf?”
      6. “Ehekrise beim Depri-Torwart?” wie aus Spielerkreisen berichtet, kriselt es in der Ehe von Enkes

      Wäre Enke verletzt gewesen:
      7. “Mysteriöse Beinbruchdiagnose – kommt die Depression bei Enke wieder?”

      Und man kann sich sicher sein, dass meine Vorschläge noch gemäßigt wären im Vergleich zu dem, was die Bild daraus gemacht hätte, hätten die Enkes nicht kooperiert. Allein was die Bildzeitung an Flurschaden anrichten kann, sollte niemand unterschätzen. Denn immer noch kaufen viele dieses Schundblatt und glauben auch noch, was darin steht. Gewisse Privatsender tun dann ihr übriges in Ton und Bild und wenn die sich alle ausgelebt haben, ist ungeniert leben keine Option mehr. Dann hat man kein Leben mehr! Spätestens wenn die Allzweckwaffe “Homosexualität” ins Spiel kommt (wie bei Deisler) hat man als betroffener Profifußballer keine Chance mehr auf Rehabilitation. Und dann wäre alles, wofür er sein Leben lang trainiert und Opfer gebracht hat vergebens.

      Seine Frau hatte versucht ihm einen Weg zu einem Leben jenseits des Fußballs aufzuzeigen. Enke war noch nicht soweit, dass er sich von seinem geliebten Sport lösen konnte. Und das hat ihn am Ende das Leben gekostet. Denn die Angst vor einem Leben als “Versager” war offenbar in seinem Zustand schlimmer als seinem Leben ein Ende zu setzen und Frau und Kind zurückzulassen.
      Ich kannte ihn zwar nicht persönlich, aber ich bin mir sicher, wäre er bei klarem Verstand gewesen, er hätte nie und nimmer diesen Schritt getan. Nur können depressive Menschen über ihre Probleme nicht nachdenken. In ihrem Kopf laufen alle Gedanken im Kreis und sie kommen selbst auf naheliegendste Lösungsansätze nicht, selbst wenn ihnen gegenüber sie jemand anspricht.

    115. rosebud schrieb am 12. November 2009 at 22:39 - Permalink

      Robert Enke, RIP!!!

    116. Ein Gast schrieb am 12. November 2009 at 22:49 - Permalink

      @acronoys:

      Glauben Sie im Ernst, dass ein schwer depressiver Mörder noch darüber nachdenken KANN, was er anderen antut, die ihn finden? Da muss er gar nicht vor einen Zug stehen, es reicht auch eine Überdosis Tabletten oder wenn er sich unter die Decke hängt. Irgendeiner findet ihn immer (meistens) und derjenige hat dann einen Schock fürs Leben.

      Im TV kam mal eine Doku über Menschen, die einen Selbstmordversuch überlebt haben. Es ging dabei um Menschen, die von der Golden Gate Bridge gesprungen sind. Von denen überleben einige, weil unter der Brücke Tag und Nacht Boote patroullieren, die diese Menschen dann aus dem Wasser fischen.
      Und die meisten von denen waren schockiert, als sie im Krankenhaus aufwachten und gehört haben, dass sie sich umbringen wollten. Einige wussten gar nicht, warum! Einer konnte sich erinnern, wie er über das Geländer geklettert ist, obwohl noch Passanten ihn retten wollten. Aber als er mit massiven Verletzungen wieder zu sich kam, fand er das ganze sehr sonderbar. Er hatte zwar vorher Probleme gehabt, aber kein Problem war jetzt so schlimm, dass man dafür hätte sterben müssen. Der eine wusste noch, dass er in dem Moment keine Alternative mehr gesehen hat. Nur noch das Geländer und den Sprung von der Brücke. Und hinterher im Rollstuhl fragte er sich, warum ihm nicht gleich aufgefallen ist, dass es eigentlich eine völlig hirnlose Idee ist sich umzubringen, weil man damit halt kein Problem mehr lösen kann. Vorher erschien ihm das als durchaus logische Folgerung.

      Das ist das gemeine und heimtückische an der Depression. Den Kranken erscheint das alles durchaus vernünftig was sie tun. Für die Verwandten, Freunde und Bekannten ist es unverständlich bis verrückt und selbst gutes Zureden nützt nichts und man fragt sich wirklich: WARUM SEHEN SIE DENN NICHT DIE LÖSUNG IHRES PROBLEMS??? Warum wollen sie partout nicht verstehen?

      Antwort: Weil sie es in dem Moment nicht verstehen können.

    117. Acronoys schrieb am 12. November 2009 at 23:12 - Permalink

      Nette Erklärung. Gut, dann ist er halt “schuldunfähig”, trotzdem bleibt es eine Sauerei.

    118. value schrieb am 12. November 2009 at 23:37 - Permalink

      @Gebinit

      So leicht können sich die Journalisten nicht aus ihrer Verantwortung stehlen.

      Ich bin kein Journalist, und ich nehme auch niemanden in Schutz, wenn ich schreibe, dass es nicht hilfreich ist, die Ursachen für einen Selbstmord in den äußeren Umständen zu suchen, erst recht nicht, wenn diese so gelagert sind wie bei den angesprochenen Fällen. Wenn es Dich beruhigt: Ich verachte die Blidzeitung so sehr, dass ich noch nicht mal den Namen richtig schreiben möchte.

      Es sollte schon jedem selbst überlassen sein, ob er/sie sich mit etwas outet, was Diskriminierung nach sich ziehen kann.

      Absolut. Das sollte so sein. Dass es in bestimmten Fällen nicht so ist, ist sehr beklagenswert, aber ich behaupte, es ist objektiv kein Grund sich umzubringen. Und damit nicht die Ursache. Bezüglich meiner “Philosophie” liegst Du völlig daneben.

      v.

    119. value schrieb am 12. November 2009 at 23:44 - Permalink

      @Gast (CW?):

      Ich muss ins Bett. Darum nur kurz:

      Nur können depressive Menschen über ihre Probleme nicht nachdenken. In ihrem Kopf laufen alle Gedanken im Kreis und sie kommen selbst auf naheliegendste Lösungsansätze nicht, selbst wenn ihnen gegenüber sie jemand anspricht.

      Wenn das so wäre, dann hätte die kognitive Verhaltenstherapie nicht seit Jahrzehnten so gute Ergebnisse erzielen können. Natürlich sind akute Schübe etwas anderes, aber niemand ist immer gleich depressiv, und meistens sind Depressionen auf verschiedenste Weisen behandelbar. Aber sie müssen eben behandelt werden.

      Gute Nacht,
      v.

    120. gunthers schrieb am 13. November 2009 at 00:02 - Permalink

      Also… dazu weiß ich jetzt echt nichts mehr zu sagen:

      http://www.stefan-niggemeier.de/blog/lebt-er-noch/

      Leute, falls ihr immer noch nen Fernseher zuhause rumstehn habt: weg damit. Schnell.

    121. Ein Gast schrieb am 13. November 2009 at 02:15 - Permalink

      Zu 116: Mir ist ein böser Fehler unterlaufen: statt Mörder muss es natürlich Selbstmörder heißen…

      Zu 119: Deshalb werden ja auch in vielen Fällen erst Medikamente eingesetzt und dann erst therapiert.

    122. lebowski schrieb am 13. November 2009 at 08:56 - Permalink

      Warum findet man in den ?Qualitätsmedien? beispielsweise keinen Beitrag, in dem das Thema ?Depressionen und Suizidgefahr? einmal enttabuisiert wird?

      Da wird gar nichts tabuisiert! Es liegt nun mal im Wesen von Depressiven, dass sie sich aus ihrer Umwelt zurückziehen oder nichts von ihrer Krankheit nach außen dringen lassen.
      Ansonsten gibt es gerade bei Promis nicht die geringste Hemmschwelle, sogar noch mit dem Kranksein Kohle zu machen. Jeder, der an Krebs erkrankt, schreibt erstmal ein schönes Buch darüber wie er den Krebs überwand. ZB die Handball-Brüder Roth, die gleichzeitig an Hodenkrebs erkrankt waren.
      http://sportbild.bild.de/SPORT/sportmix/handball/2009/10/21/roth-zwillinge/michael-und-uli-roth-geht-es-nach-krebs-erkrankung-gut.html

      Und auch Deisler hat sich ja mit seiner Schwarte wieder vorzüglich in das Voyeurssystem integriert, dass ihn angeblich fertig gemacht hatte.

    123. Raymond Walden schrieb am 13. November 2009 at 09:28 - Permalink

      Unglaublich:
      Ein guter Artikel zur Medienkritik – und dann diese Leser-Reaktionen, die genau den kritisierten Medien entsprechen.
      Ein Lehrstück mehr über ?Pressefreiheit?!

    124. C.K. schrieb am 13. November 2009 at 09:36 - Permalink

      Hallo,

      ich lese hier immer gern mit und finde sonst nicht, dass ich viel zur Diskussion beitragen könnte, aber heute gehts mal nicht anders.

      Der einzige gute Artikel ist der bei den 11 Freunden. Herr Berger, macht genau das Selbe wie der Rest der Medienlandschaft, nur dass bei Ihnen – entschuldigen Sie bitte – noch Bigotterie hinzu kommt.
      Die MEdienanalyse ist völlig stichhaltig, aber eigentlich banal. Aber die Verbindung zum Leistungsdruck und die Ausweitung auf den Rest der Arbeitswelt, ist genau die Instrumentalisierung, die Sie dem Rest der “Qualitätsmedien” vorwerfen.

      Dass der Druck im Profisport enorm ist und auch der Rest der Republik seine Härten hat, ist unbestritten, aber woher wissen Sie, dass das ein entscheidender Faktor war? Weil alle, incl. seiner Witwe, dieses Narrativ benutzen? Mal angenommen der Druck im Profigeschäft wäre weniger groß, hätte das den Tod verhindert? Diesen Faktor, der bei dieser Sache sicher eine Rolle gespielt hat – nur welche, und schön ins Weltbild passt, rauszugreifen und in eine generelle Gesellschafts- und MEdienkritik zu verwursten ist billig. Das als “kritisch” zu bezeichnen ist verlogen.

      Mit freundlichen Grüßen

    125. Farbenseher schrieb am 13. November 2009 at 10:15 - Permalink

      Gestern war dann übrigens auch der Auftragsautor von Deislers Biographie im Morgenmagazin zu sehen. Und es war schon ein bischen widerlich, wie er vor laufender Kamera einknickte und versuchte, das Unverständnis und die Häme, die Deisler laut eigener Aussagen entgegenschlugen, zu relativieren.

      Ja, man hätte versucht ihm zu helfen, wäre aber mit dieser vollkommen einmaligen und hochgradig exotischen Situation überfordert gewesen. Und jaja, größtes Verständnis für den Zustand des Herrn Deisler, aber man hätte dem hiflos gegenüber gestanden usw.

      Das hat Deisler in einem Interview in der Zeit vor einer Weile völlig anders dargestellt, die abfälligen Kommentare irgendwelcher Vorstände, die Schmähungen seiner Mitspieler, die Deisler nach einer Weile nur noch ” die Deislerin” nannten, zeigen recht eindeutig, wie auf dem Fussball-Affenfelsen mit derartigen Problemen umgegangen wird.

      Ich kann Deine Medienkritik in dieser Sache nur unterstützen, die Berichterstattung gibt die Richtung vor und selbst Betroffene scheinen die Deutungshoheit der “Qualitäts”medien immer wieder zu akzeptieren. Mich ekelt es regelmäßig an, wie sich Leute verbiegen und winden, sobald eine Kamera auf sie gerichtet ist.

    126. aboettger schrieb am 13. November 2009 at 10:51 - Permalink

      Danke für diesen Artikel!

    127. Roland schrieb am 13. November 2009 at 11:05 - Permalink

      Mit Leuten, die sich vor einen Zug werfen und denen es offensichtlich egal ist, ob sie dem Lokführer einen Schock fürs Leben verpassen, verspüren in ihrer Ichbezogenheit keine Empathie und verdienen diese auch nicht.

    128. Elkos schrieb am 13. November 2009 at 11:17 - Permalink

      Ich finde hier wird ein Mensch einfach zu hoch gelobt.
      Mitgefühl habe ich nur mit dem Lokführer.
      Auch finde ich es als schlim, für diesen Menschen auch noch
      eine Gedenkminute zu machen.
      Wenn einer stirbt weil er 4 Kindern schützen will, OK
      Aber nicht für einen Selbstmörder.

    129. Karl schrieb am 13. November 2009 at 11:41 - Permalink

      Ich finde diesen Beitrag sehr interessant und zum Nachdenken für viele Menschen geeignet.
      Mich stört allerdings der Begriff Pöbel.Man muss ganz einfach akzeptieren, dass viele Menschen durch gewollte Manipulation einer gewissen Beeinflussung nicht entgehen können oder wollen.
      Vielen Menschen ist bei so einen tragischen Fall bestimmt auch echte Trauer und Anteilnahme nicht abzusprechen und sie denken einfach nicht darüber nach, wie viele gleichgelagerte Fälle von weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Menschen tagtäglich passieren.
      Erst recht nicht wird ein Großteil dieser Menschen Ursachenforschung über das Warum und die Schuldfrage nicht stellen oder betreiben.
      Ich frage mich zum Beispiel immer wieder, warum Arbeitslose, Rentner sozial Benachteiligte bei der letzten Wahl die FDP gewählt haben . Diese Menschen würde ich auch nicht als Pöbel bezeichnen, sondern sehe hier eine vorrangige Aufklärungsarbeit für diese Menschen vordergründig und gerade Ihr Blog hat doch diesbezüglich genügend Beiträge für eine solche Aufklärungsarbeit geliefert.
      Freundliche Grüße und weiter solche guten Beiträge.

    130. Daniel schrieb am 13. November 2009 at 12:38 - Permalink

      Danke für diesen Artikel!
      Gehört mit zu dem Besten, was ich seit Dienstag gelesen habe!

    131. Mada schrieb am 13. November 2009 at 13:50 - Permalink

      Jetzt muß ich mich doch mal einklinken. Ich verstehe einige der Kommentatoren nicht. Vor nicht allzulanger Zeit, als es um Mißbrauchsopfer ging und ich die Frage stellte, wer denn an die Opfer denke, wurde ich als “Gutmensch” und ähnliches tituliert. Und plötzlich ist das alles anders? Woher der Sinneswandel?

      Zu Roland, 127: Dein Beitrag läßt mich grüne Pickel kriegen! Mein Bruder hat sich auch das Leben genommen, mit Mitte 20. Die Verzweiflung, die Menschen zu so einer Tat treibt, läßt sich nicht mit “Ichbezogenheit” titulieren und das Mitgefühl absprechen! Keinem Menschen steht es zu, über den Freitod eines anderen zu urteilen!

      Das weiter oben verlinkte Zeit-Interview mit Hr. Deisler, besonders die Einschübe und Zitate der Fußballoberen, läßt einen übrigens gut hinter die Masken dieses Geschäftsfeldes schauen. Hochgelobt, mit Füßen getreten und dem Menschen keine Chance gelassen…..

      Ansonsten: Guter Beitrag vom Spiegelfechter.

      Gruß
      Mada

    132. againstthewind schrieb am 13. November 2009 at 13:59 - Permalink

      Denke , es sollte mehr der gesellschaftliche Aspekt der Depressionen herausgestellt werden. Die Tatsache, dass Robert Enke jahrelang mit Psychopharmaka behandelt wurde, ist doch der beste Nachweis, dass allein eine medikamentengestützte Theraphie nicht genügt. Ich erinnere mich noch an Zeiten in den 1970er Jahren, als darüber in gewissen Kreisen diskutiert wurde. Stichworte. Antipsychiatrie/ demokratische Psychiatrie, letztere eine Bewegung, die in Italien beachtliche Erfolge erreichen konnte. Wer damls erlebt hat, wie PatientInnen zum ersten Mal ohne Zwangsjacken und in frei von irgendwelchen institutionellen Zwängen auftreten konnten, der wird diese Bilder so leicht nicht vergessen . Auch in der alten BRD gab es eine Bewegung, die unter dem Motto antrat: “aus der Krankheit eine Waffe machen.” Viel wurde damals dagegen polemisiert, aber die Grundannahme des Sozialistischen Patientenkollektivs scheint mir heute noch aktueller zu sein wie damals, nämlich dass gesellschaftliche Bedingungen den einzelnen krank machen, und eine Form des Protestes das öffentlich machen individuellen Leids sein kann.

    133. wes schrieb am 13. November 2009 at 14:18 - Permalink

      Ich weiß, man soll es nicht tun, aber manchmal juckt es einen DOCH: Dummschwätzern wie “Roland”, die offenbar keine Ahnung haben, was das Krankheitsbild Depression inhaltlich bedeutet, wünsche ich wenigstens eine mittelschwere an den Hals. Da jeder fünfte Deutsche einmal im Leben an einer leidet, ist die Chance ja recht groß, dass es ihn mal erwischt.
      Ansonsten ein guter Beitrag a) zum Thema und b) zu den Medien.

    134. Sawo schrieb am 13. November 2009 at 14:57 - Permalink

      In Dresden wird während einer Gerichtsverhandlung die schwangere Ägypterin Marwa El-Sherbini von einem Rassisten mit 16 Messerstichen ermordet. Die Presse berichtet über die Tat ganz nebenbei und in den Lokalspalten. Erst als der Fall im Ausland zu heftigen Protesten führt, informieren die deutschen Medien ausführlicher.
      Die Bewohner Dresdens haben nicht das Bedürfnis, in einer öffentlichen Veranstaltung Mitgefühl und Haltung zu zeigen.

      Ein deutscher Fußball-Torwart wirft sich aufgrund schwerer Depressionen von einen Zug. Die Presse bringt den Fall als Aufmacher, manche Medien haben in einer Ausgabe gleichzeitig bis zu vier Artikel über den Sportler, seine Frau, die vermeintlichen Hintergründe des Freitods und Spekulationen über die Beweggründe.
      Die Bewohner der Stadt Hannover sind “schockiert” und formieren sich zu einem Trauerzug.

      Das ist Deutschland im Jahre 2009. Mir kommt das Kotzen.

    135. ericA schrieb am 13. November 2009 at 20:21 - Permalink

      Frau Enke autorisiert mehrere Bilder für die Bild. Brauch wohl Geld oder Öffentlichkeit.

    136. Acronoys schrieb am 14. November 2009 at 01:46 - Permalink

      @Sawo

      Erzähl bitte keinen Quatsch. Der “Marwa”-Fall, so schrecklich er ist, wurde von Anfang an großflächig thematisiert – zumindest 10x mehr als die immer wieder kehrenden Übergriffe auf Juden und Christen in Deutschland, die sich (wenn überhaupt) nur im Lokalteil kleiner Zeitungen wiederfinden.

    137. Martin Betzwieser schrieb am 14. November 2009 at 11:00 - Permalink

      Tauschen geht wohl nicht mehr – instinkt- und geschmackloser auch nicht.
      http://www.bildblog.de/13741/teresa-enkes-trauer-verraten-und-verkauft/

    138. Michael schrieb am 14. November 2009 at 12:46 - Permalink

      “Medienwissenschaften” existieren nicht! Im Gegensatz zu “Naturwissenschaften” oder “Geisteswissenschaften” ist die Medienwissenschaft nur EINE Wissenschaft und keine Oberkategorie für weitere Wissenschaften.

    139. sule schrieb am 14. November 2009 at 14:40 - Permalink

      moin moin….

      Ich würd sehr gerne auch meinen Senf zu diesem Thema geben, zunächst einmal möchte ich Klar anmerken dass mich der Tod von Robert Enke absolut Schockiert und zutiefst mitgenommen hat aber dennoch möchte ich die Frage in den Raum werfen, ist den das Leben eines Prominenten in unserer Gesellschafft mehr wert als ich bezeichne es mall so die eines “normalen Menschen” ? wieso wird der Tod von Unschuldigen Zivilisten die zum Beispiel in Afghanistan durch Fremdverschulden verschiedener Truppen nicht gleichermassen hochgepusht in den Medien????? Ich kann die Frage auch selber beantworten, weil es den Medien nicht lukrativ genug ist, es vielleicht nicht die Sensationsgeilheit der Menschen oder wie du es bezeichnest des pöbels befriedigt…….. Um nochmal die Formulierungen von Spiegelfechter anzusprechen die ich durchaus zutreffend und gut finde würde ich es dennoch anders Formulieren. Ich finde das verhalten der Medien ist Geschmacklos und in einem gewissen Maße sogar Pervers, wen zum teufel interessieren den jetzt nun die Meinung von einem Herrn Daum oder die eines Peter Neururer der jetzt natürlich behauptet einer von den engen Bekannten des Vestorbenen gewesen zu sein, es fehlte nur noch am Schluss seines Kommentars die Anmerkung: ” hmm yaaa und für einen Trainerjob in der Bundesliga wäre ich mommentan auch noch zu haben” sowas finde ich einfach lächerlich und traurig!!!

    140. egal schrieb am 14. November 2009 at 17:25 - Permalink

      Ratet mal, welches politisch wichtige Titelthema die nächste SPIEGEL-Ausgabe schmückt…
      Dieses VIP-Gehabe erinnert an die Gala-Zeitschrift.

    141. sportinsider schrieb am 14. November 2009 at 18:01 - Permalink

      Sehr nachdenklich stimmender Artikel. In der Flut der geschriebenen Zeilen in dieser Woche ist Dein Beitrag einer der wenigen bemerkenswerten.

    142. Daniel schrieb am 15. November 2009 at 12:29 - Permalink

      Was schlicht nicht stimmt, ist die Behauptung, in den Medien komme es nicht zu einer Enttabuisierung des Themas “Depression”. Von der BILD-Zeitung (natürlich) abgesehen, ist das durchaus der Fall!

    143. Karl-Otto schrieb am 15. November 2009 at 17:52 - Permalink

      Wegen Bammel gelöscht!

    144. Peter schrieb am 15. November 2009 at 18:17 - Permalink

      Als Arzt in einer geschlossenen psychiatrischen Station bin ich sehr dankbar, dass sich die Medien und damit die Öffentlichkeit am Beispiel der Selbsttötung dieses Sportler mit dieser lebensbedrohlichen Krankheit beschäftigen.
      Schlimm genug sind für diese Patienten schon die Symtome der Erkrankung; wenn nun wenigstens die Scham durch die Tabuisierung dieser in unserer Leistungsgesellschaft als Schwäche empfundenen Erkrankung gemildert wird, indem durch diese Berichterstattung depressive Störungen thematisiert werden und gleichzeitig durch den fatalen Krankheitsverlauf zur Behandlung gemahnt wird, können wir hoffen, dass das der Beginn eines gesellschaftlichen Wandels ist.
      Herr Enke hat mit der stationären Behandlung aufgrund dieser Tabuisierung das Ende seiner Karriere verbunden.
      Wäre die Haltung der Gesellschaft zu psychischen Erkrankungen eine, andere, würde er und all die anderen, die sich aufgrund dessen vor einer Behandlung scheuten, vielleicht noch leben.
      Daher hoffe ich auf einen großen Nachhall dieser Tragödie.
      Und hoffe, dass in einigen Jahren psychische Erkrankungen als ein genauso normaler Teil des Lebens gesehen werden wie körperliche Erkrankungen.

      So verstehe ich die Kritik von Jens Berger, denke aber, dass letzlich mehr Menschen geholfen wird durch die Änderung der Haltung gegenüber psychischen Erkrankungen durch vermehrte Berichterstattung wie bei diesem Fall, als durch ein Stillschweigen der Medien, um einem Werthereffekt vorzubeugen. Dies würde eher der weiteren Tabuisierung dienen und letzlich mehr Menschen das leben kosten.

      Zum Schluß eine Kritik, die sich vielleicht spitzfindig anhört:
      das Wort Freitod idealisiert den Suizid.
      So wie das Wort Selbtmord ihn verteufelt.
      Selbsttötung ist dienlicher um möglichst nüchtern und wertfrei darüber zu reden.
      Die Wortwahl ist wichtig; nach Watzlawick ist die Realität Ergebnis unserer Kommunikation.

    145. Jan schrieb am 16. November 2009 at 00:36 - Permalink

      @ 64 Spiegelfechter

      “Ich möchte kein Promi sein.”

      Zu spät.

    146. Flüge schrieb am 18. November 2009 at 17:30 - Permalink

      Ich finde es auch wichtig, nicht länger die Augen vor dieser Krankheit zu verschließen. Es ist schade, dass immer erst irgendwas schlimmes passieren muss, bis sich die Medienmühlen anfangen zu bewegen.
      Problematisch ist jedoch, wie mit dem Thema im Fall Enkes umegangen wird. Natürlich ist das für Zeitungen der perfekte Aufmacher, um eine möglichst hohe Absatzzahl zu finden. Doch man muss gerade die Medien als Sprachrohr für alle Menschen in die Verantwortung nehmen und deren Vorgehen überwachen! Das ist kein Aufruf zur Zensur, sondern nur zum Erhalt von Moralvorstellungen und der Eindämmung von Profitdenken.

    147. F2009 schrieb am 18. November 2009 at 21:42 - Permalink

      Ja, das sehe ich auch so. Das Thema Depression wird für mich viel zu sehr runtergespielt. Also, was macht es denn mit jedem einzelnen, der von dem Fall hört, warum ist es denn so sehr Thema?
      Ich will mal anfangen, Fragen und manchmal auch sehr persönliche Antworten zu geben….

      Meine ersten Gedanken zu der Debatte waren:
      Warum fragt keiner nach der Ursache?! Was heißt es denn wirklich, Leistungssport zu treiben? Wie hoch ist denn der Druck, oft seit früher Kindheit. Schon im Vorschulalter feste Trainingszeiten und der Druck gut sein zu müssen. Und werde “ich” auch akzeptiert, wenn ich mal nicht Leistung bringe?! Fälle, in denen Fußballspieler bis nach Hause von ihren frustrierten “Fans” verfolgt und verwünscht werden ist kein Märchen mehr.
      Und die Gesellschaft? Wie gehen WIR mit dem Nicht-Perfekten um? Wie fehlertolerant ist unser “Leistungs”gesellschaft? Ich habe das Gefühl: kaum! Das geht in der Schule weiter. Der Druck ist auf verschiedenen Ebenen stark und durchzieht alle Lebensphasen.

      Ich kenne genug, die Angst hatten, vor Vorträgen, vorm Versagen, nicht gut genug zu sein. Angst vor Ablehnung, Angst vorm Scheitern. Angst, nicht gewollt und nicht anerkannt zu sein. Wenn der Selbstwert nicht groß genug ist, kann die Folge sein, dass man sich zurückzieht, weil man ja eh das nicht schafft und dann in der Situation nicht so gesehen werden will. Die Sorge vor der ?Blamage? ist zu groß.
      Je weniger ein Mensch von seinen Eltern an Liebe mitbekommen hat, dass Sie dem Kind klar machen, auch wenn du mal einen Fehler machst: es ist ok und wir mögen dich trotzdem, das gehört dazu und je weniger Rückenhalt sie haben, umso mehr sind sie bereits als Kinder angewiesen, die Erwartungen zu erfüllen um ihren Teil der Liebe und Anerkennung zu bekommen.

      Bekommen sie das nicht mit, bekommen sie tagtäglich (zumeist unterschwellig, nonverbal)die Information ?Nur, wenn du gut bist, bist du was wert?, Aber was ist, wenn man nicht so gut sein kann (ich gebe mir Mühe, aber es reicht nicht), wie es erwartet wird?
      Woher nimmt man dann den Wert, wenn man ihn nicht bekommen hat?
      Gelernt ist: Wenn ich nicht gut bin, bin ich nichts wert.
      Depressionen sind dann der Selbsthass, die nach innen gerichtete Aggression/Druck (De-Pression ? innerer Druck))gegen sich selbst.
      Zu sagen, Depression ist rein physisch bedingt und kann mit Medikamenten behandeln werden, treibt mir die Galle hoch. Das ist das gleiche wie: Rauchen ist gesund. Die Pharmaindustrie hat aus meiner Sicht hier zu sehr ihre Finger im Spiel. Denn was wäre denn, wenn es reichen würde, sein Leben aufzuarbeiten um sich und seine Störungen zu erkennen und danach neue Wege zu lernen? Die Medikamentenindustrie hätte sicher ein riesiges Problem. Und: Es geht! Ich stand vor 10 Jahren selbst an diesem Punkt, hatte schon wenige Wochen diese Tabletten genommen und wieder abgesetzt. Denn: Es ist keine Lösung- es ist Chemie! Ich vergleiche das mal: Das ist wie, wenn ich permanent Milch trinke, danach Magenkrämpfe bekomme und aber anstatt die Milch weglassen einfach jeden Tag zusätzlich Medikamente schlucke. Also DAS finde ich krank.
      Jetzt könnte man sich fragen: warum denn raten dann sogar Ärzte dazu?
      Meine Antwort: Auch Ärzte sind Menschen! (((Übrigens: Der Arzt von Robert Enke z.B. wollte sich scheinbar profilieren, denn er hätte nie seine Schweigepflicht als Arzt brechen dürfen, auch nicht über den Tod seines Patienten hinaus. Das hat er aber schon getan, da reicht bereits, dass er sagt, dass er behandelnder Arzt war. Keiner fragt, ob man ihn dafür verklagen sollte?.))

      Raus aus den Tabletten! Nicht nur das Symptom mit Hilfe der Pharmaindustrie ?Pflegen?, sondern die Ursache angehen:
      Der Weg: Psychotherapie statt Psychiatrie! Das heißt: Ich setzt mich mit mir auseinander. Ich gestehe mir Fehler ein. Ich sehe meine Grenzen. Ich lerne mich kennen. Ich sehe genau hin, um zu verstehen, warum ich im Hier und Jetzt wie reagiere. Gehen Sie damit? Trauen Sie sich diesen Weg? Haben Sie den Mut?
      Ich habe mal gehört, dass man das mit einer Situation aus dem Film ?Matrix ? vergleichen kann. Der Held dort merkt, dass was nicht stimmt und dass es ihm nicht gut geht und er steht vor der Wahl, nimmt er die eine Pille, dann sieht er das wahre Leben, in dem er sich befindet, welches zwar nicht immer schön ist, aber in dem er sich nichts mehr vormachen muss und authentisch sein kann oder nimmt er die andere Pille und lebt weiter in seiner Scheinwelt. Er entscheidet sich für den klaren Blick und damit für eine neue Perspektive mit allen schönen als auch negativen Momenten und befreit sich von der Illusion.
      So ist es auch: Die eine Pille heißt Psychotherapie, die eine neue Sicht, das wahre Leben zeigt. Die andere Pille ist auch wirklich eine Pille ?Antidepressiva?, die Emotionen abtötet und den Blick auf die Wirklichkeit nicht zulässt.
      Ich habe mich entschieden. Und ich lebe seit meinem Weg, der kurz vor der Klippe begann heute sehr erfolgreich in einem Job, in dem ich auf Menschen zugehen muss und habe mehr Selbstbewusstsein, das mich auch vor Fehltritten schützt. Manchmal versucht mich das Alte wieder zurückzuzerren und mal hänge ich durch, aber nie mehr so tief und nie mehr so lange. Selbstmord ist kein Thema mehr. Mein guter ?Coach?, wie ich meinen Therapeuten nur noch nenne, ist meine Hilfe zur Selbsthilfe und mehr Luxus kann ich mir im Leben nicht leisten. Ich weiß jetzt, wer ich bin, wo ich herkomme und wo meine Grenzen und meine Stärken sind. Ich stehe aufrecht und kann auch akzeptieren, wenn ich mal durchhänge.
      Ich kann nur jeden ermutigen: es lohnt sich! Ich kenne privat sehr viele, die den Weg begonnen haben und seitdem ein anderes Leben führen mit mehr Wärme, besseren Beziehungen und einfach mehr Zufriedenheit. Noch reden nicht viele drüber. Aber der Weg ist geebnet. Zum Glück. Nur Mut!!!

    148. Phil schrieb am 19. November 2009 at 15:56 - Permalink

      @Peter:

      Wäre die Haltung der Gesellschaft zu psychischen Erkrankungen eine, andere, würde er und all die anderen, die sich aufgrund dessen vor einer Behandlung scheuten, vielleicht noch leben.

      Wie wäre es mal, die Sache von der anderen Seite zu betrachten?

      Seit Jahrzehnten steigen die psychischen Leiden, seit 1995 steigen die Fehltage aufgrund dieser und stehen mitlerweile auf Platz 3 der AU-Tage.
      Was ist jedoch bisher alles geschehen? Den Arbeitern wird unter anderem gesagt, sie wären unnütze Kostenfaktoren, kürzt ihnen den Lohn, Arbeit wird immer weiter verdichtet, Stellen abgebaut so dass noch weitere Belastungen draufkommen, es werden unrealistische Arbeitsvorgaben gemacht, die man in der bereitgestellten Zeit nicht erfüllen kann, wird ihnen mit Arbeitsplatzverlust etc. gedroht und vielem mehr.
      Dito auch beim Volk als ganzes. Der Zusammenhalt wird als etwas verwerfliches abgetan, es wird behauptet, man könne es schaffen während gleichzeitig die Möglichkeiten dazu abgebaut werden. Und das fängt letztlich auch mit der Schule an. Ja, wir brauchen ein anderes Schulsystem, welches einem auch die Chance lässt. Das ist mit unserem jetzigen System jedoch nicht zu machen. Besser wäre ein eingliedriges Schulsystem, wo erst sehr spät die Schüler verteilt werden. Nicht umsonst haben beispielsweise Frankreich 80%, Finnland 93% und Süd-Korea gar 97% Schulabgänger mit dem höchsten Abschluss. Deutschland gerade einmal 43%.

      Dann ist es auch kein Wunder, wenn die psychischen Belastungen zu viel werden.

      Setze ichbeispielsweise ein Tier unter Dauerstress, es wird die gleichen Symptome zeigen, die auch beim Menschen sichtbar sind.
      Ich habe zum Beispiel keine Lust, in der Nähe eines in gefangenschaftlebenden Elephanten zu sein, der von seinen Wärtern ständig getriezt zu werden.
      Und im Gegensatz zu unseren Politikern und anderen haben dies die Menschen erkannt, die professionell mit Tieren arbeiten.

      Im Grunde muss das Volk als solches dringend zum Psychologen und nicht den Menschen, die darunter zu leiden haben, eingeredet werden, sie seien ja “selber schuld”. Das würde uns eine Menge Ärger sparen.

    149. HarryHIII schrieb am 19. November 2009 at 17:04 - Permalink

      @ F2009
      Ganz verdammen würde ich, im Falle von Depressionen, die Antidepressiva und Anxiolytika nicht; Anxiolytika kurz gesagt: dämpfen Angst- und Spannungszustände. Sie sind Mittel der Wahl um den Teufelskreis zu unterbrechen in dem sich diese Patienten (Klienten) zunächst befinden.
      Aber danach: muss eine gut abgesicherte Psychotherapie parallel zu einer weiteren ebenso gut kontrollierten medikamentösen Therapie laufen. (Medikamente: So viel wie nötig, so wenig wie möglich!) Und genau das läuft hier in Deutschland unter der Allmacht der Mediziner falsch. Wobei: Psychiater sind spezialisierte Mediziner.

      Mediziner erwerben ihre Psychologie im Studium beziehungsweise in gesponserten Wochenendseminaren; danach können sie diese Fertigkeiten dann aber immerhin schön mit der Krankenkasse abrechnen. Diplom-Psychologen werden da ganz anders bis zu ihrer Zulassung als niedergelassener Therapeut malträtiert ? dreimal darf man raten weshalb (ein Tipp: Pfründe und Wissenschaftsgeschichte).

      @ Phil
      Konkret zur Depression: Wenn ein Bürger in Deutschland einmal mit der Diagnose Depression (welche Unterform auch immer) belegt ist, bleibt das unauslöschlich in seinen Akten; Personalakten, Versicherungsakten und so weiter sind lebenslang mit diesem Eintrag behaftet, sozusagen stigmatisiert.

      Wie der ?Spiegelfechter?-himself bereits oben in seinen Kommentaren (Nr.45) andeutete: das Sozialsystem und vor allen Dingen Versicherungen, speziell Lebensversicherungen, freuen sich, denn sie brauchen eben aufgrund eines solchen Eintrags praktisch nie zu bezahlen, nie in Leistung zu treten!
      (War so etwas auch eine von Enkes Ängsten?)

    150. againstthewind schrieb am 19. November 2009 at 19:40 - Permalink

      Es gab einmal eine kritische Psychotherapie in einer romantischen Universitätsstadt am Neckar. Dort hatten die Patientinnen praktisch die gleichen Rechte wie die Therapeutinnen, es gab Vollversammlungen und Arbeitskreise u a. über die demokratische Psychiatrie in Italien, über Phänomenologie der Erfahrung von Laing.
      Diese praktizierte Form einer kritischen Öffentlichkeit , in der die PatientInnen die
      therapeutischen Techniken oft hinterfragten , war der Unibürokratie natürlich ein Dorn im Auge, und so wurde diese wohl einzigartige Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerkes Heidelberg Mitte der 1980er Jahre geschlossen.Seither wird eben vor allem indivudualpsychologische Therapie betrieben, schnelle scheinbare Symtombehebung, die Probleme des Einzelnen also isoliert von den gesellschaftlichen Zusammenhängen gesehen.
      Zum Weiterlesen:
      Dieter Spazier , Jörg Bopp: Grenzübergänge. Psychotherapie als kollektive Praxis, Frankfurt am Main 1975 (es 738)

    151. F2009 schrieb am 19. November 2009 at 21:29 - Permalink

      @ HarryHIII. Ja, es kann Sinn machen, zu Beginn Mundmedikamente zu bekommen um erst mal runter von dem Trip zu kommen. Aber ich selbst habe an mir gemerkt, dass es kein Allheilmittel ist. eine Freundin nimmt Medikament, seit längerem. Gut geht es ihr nicht. Sie hat jetzt auch einen Therapeuten. Aber leider kommt sie da auch nicht weiter. Denn es steht und fällt leider auch mit dem Begleiter des Prozesses, meine erste Wahl (ich habe gewechselt) hat leider bei mir zu begrenztem Erfolg geführt. Richtig gut war eine Gruppe Gliechgesinnter, mit der ich mehrere Wochen Gruppentherapie hatte. Das ist letztendlich Gesprächstherapie, die v.a. noch mit Gestaltungtherapie unterlegt wird. Medikamente durften übrigens nicht eingenommen werden und waren auch nicht nötig. Der gegenseitige Halt hat das einfach unnötig gemacht. Jemanden zu haben, der das Ähnliche durchmacht, das hat mir sehr geholfen, zuvor kam ich mir in meiner Einzeltherapie oft so vor, als ob nur ich Probleme im Leben habe. Übrigens kann man fast sagen, dass 1 Woche Gruppe wie ein Jahr Einzelgesprächstherapie ist. Also: sehr effektiv und effizient.
      Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber seitdem sehe ich vieles anders. Der Schritt hat mich allerdings ein Haufen Überwindung gekostet. Denn wer will schon sagen, dass er mal ein paar Wochen weg ist und dass er ne Gruppentherapie gemacht hat. Ich habe das nur engsten Freunden erzählt und bin heuet noch sehr vorsichtig.
      Im Studium viel das zum Glück nicht so auf…. Aber genau das ist dann schon das gesellschaftliche Problem. Denn eigentlich ist so ne Therapie nichts anders, als über sich zu reden, sich mitzuteilen und von früher zu erzählen und vor allem das zu verarbeiten. Manchmal denke ich, dass ist schon so banal, weil ich das nie gedacht hätte, das es so einfach ist und so viel bewegt.
      Da fließen natürlich auch Tränen (das ist die Verarbeitung), wenn die Erinnerungen hochkommen. Aber genau darum geht es auch, das ist es, was sich über Jahre anstaut und mehr und mehr zum Gefühstau führt, bis man nicht mehr kann und zusammenbricht. Ich finde das sehr spannend. Wer ein paar Zusammenhänge für sich klar bekommen will, kann auch klein anfangen und sich die Bücher von Hans-Joachim Maaz zu Gemüte führen (z.B. Lilith-Komplex), obwohl ich gleich dazu sagen muss, lesen ersetzt nicht das handeln, leider, muss ich sagen.

    152. HarryHIII schrieb am 20. November 2009 at 17:43 - Permalink

      @F2009
      Punkt für Punkt:
      Natürlich sind Medikamente kein Allheilmittel: So wenig wie möglich, so viel wie nötig, das sollte immer eine der Maximen sein. Und gerne (später) auch ganz ohne Medikamente; nur muss das wirklich immer kontrolliert ablaufen (in Kooperation: Psychiater, Mediziner und Psychotherapeut) ? z.B.: kein Mensch, am wenigsten die betroffene Person selbst, will, dass der Betroffene ständig wieder in akute Phasen zurückfällt. (Wir reden hier immerhin von Fällen wie der “Enke-Fall” einer war. Wir reden hier von Fällen, die auch schon mal – zum Schutz vor sich selbst und zum Schutz anderer – eine stationäre Aufnahme in eine geschlossene Abteilung notwendig machen.)

      Ja, die freie Wahl eines Psychotherapeuten ist so eine Sache in Deutschland, geht aber eigentlich; man kann ja eben sogar wechseln. Auch hier: Zunächst Einzeltherapie, dann Gruppentherapie ist immer der bewährte Ablauf. Zu Beginn ist der Patient noch nicht stark genug gefestigt für die Erfahrungen einer Gruppentherapie – die sind nicht immer positiv. Eine wichtige Erkenntnis, die sich dem Klienten in der Gruppentherapie eröffnet, ist tatsächlich: Ich bin nicht alleine mit meiner Thematik ? ein großer Fortschritt und eine große Hilfe für den Therapieverlauf.

      Es gibt viele andere sehr gute Möglichkeiten anstelle von Gestalttherapie. Aber auch das bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

      Tränen sind keine Pflicht für die Bewältigung der Vergangenheit; die Gestalttherapie ist aber prädestiniert dafür Tränen und Gefühle von Desorientierung beim Klienten zu generieren, ist meine persönliche Meinung.

      Insgesamt ist es so: So wie man ist und das, was man erlebt hat, kann man nicht leugnen, wegreden oder ?wegmachen?. Ziel einer seriösen Psychotherapie kann es nur sein mit seinen persönlichen ?Beschädigungen? besser umgehen zu können, sie in die eigene Persönlichkeit zu reintegrieren, sie als Bestandteile von sich zu akzeptieren.

      Allgemein:
      Ich gebe hier natürlich keine Tipps und Hinweise für Therapien. Ich gehe hier auch nicht auf genaue Einzelheiten ein. Ich kann und will das Thema hier in diesem Rahmen auch nicht mal annähernd erschöpfend darstellen. Ich bin in dieser Thematik (Depression, Psychotherapie, Verhältnis in Deutschland zur Psychotherapie und zu psychischen Erkrankungen, Medizin u.ä.m.) nur ziemlich involviert und engagiert und wollte hier nur möglichen Missverständnissen, die sonst evtl. in Verbindung mit meinem Kommentar (Nr.149) entstehen hätten können, begegnen.


    Der Spiegelfechter läuft mit WordPress
    und benutzt Icons von DryIcons
    Copyright © Spiegelfechter.com | Impressum
    Wikio - Top Blog - Politik