“Das andere Russland” [Update]
15. April 2007 von Spiegelfechter - Drucken
An diesem Wochenende konnten die deutschen Medien mal wieder ihre Russlandkritik zelebrieren und die Grünen konnten mit wohlklingenden Klagen über die Inhaftierung von Oppositionellen in Moskau und St. Petersburg ihr längst verlorenes Rechtschaffenheitsmäntelchen umhängen. Es wird einvernehmlich von protestierenden Putin-Gegnern gesprochen, aber wer sind diese Putin-Gegner? Organisiert wurden die Demonstrationen vom Oppositionsbündnis „Das andere Russland“. Doch was ist eigentlich dieses “Das andere Russland”?
Sprecher des „anderen Russlands“ ist Garri Kasparow, ehemaliger Schachweltmeister und lt. westlichen Medien ein liberaler Demokrat. Gefördert wird er von Boris Beresowski, einem zwielichtigen Oligarchen, der mit der Mafia und Tschetschenien zum reichsten Mann Russlands wurde und in Putin seinen Feind gefunden hat. Putin ging nach seiner Inthronisierung, an der Beresowski, der auch die Graue Eminenz der Regierung Jelzin genannt wurde, in entscheidender Art und Weise mitgearbeitet hat, gegen den Strippenzieher des Räuberkapitalismus russischer Art vor, so daß dieser schließlich seinem Geld hinterher nach London emigrieren musste, wo er seitdem politisches Asyl genießt. Er gilt auch als einer der Top-Verdächtigen im Mordfall Litwinenko, der einst auf seiner Payroll stand und später in Ungnade fiel.
Dieser Boris Beresowski gilt als der Hintermann und Finanzier für putinkritische Bewegungen in Russland und den GUS-Staaten. Er rief bereits mehrfach zum gewaltsamen Umsturz auf und gibt stolz zu, diese Aktivitäten mit seinem Vermögen zu bezahlen.
“Für einen Regierungswechsel müssen wir Gewalt anwenden. Es ist nicht möglich, dies mit demokratischen Mitteln zu erreichen”
Im Westen arbeiten Beresowskis Medienprofis an seinem Image als verfolgter Dissident, dem Demokratie und Menschenrechte am Herzen liegen – woran es ihm eigentlich liegt, lässt er allerdings häufiger verlautbaren.
„It isn´t possible to change this regime to democratic means“
“I´m trying to destroy the positive image of Putin”
“We had to name the one who would be the next Russian President, that is - to find a person possessing the adequate qualities (…) the new president had to be able to provide the continuity of Yeltsin’s power, as well as to fix positions of the new elite in politics, economy, mass media, in the regions» Le Temps, Feb. 2002
“President Putin violates the Constitution, and today any violent actions of the opposition will be justified. This concerns violent seizure of power as well. And it is exactly on this that I am working on now (…). For the past one and a half year we are getting ready to seize the power in Russia by force”
“Majority and crowd had never interested me. They are always conservative. All changes will be carried out by the active minority, as it happened in Ukraine”
Dieser “wahre” Demokrat sagte auch, 1000 Demonstranten seien schon für wenige Tausend Dollar zu haben. Ein feiner Finanzier, für die „oppositionellen“ Demonstrationen für Bürgerrechte.
Neben dem illustren und demokratisch orientierten ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow, sitzt ein ebenfalls illustrer aber weit weniger demokratischer Mitstreiter im Boot des “anderen Russlands”. Eduard Limorow - ein ehemaliger Avantgarde-Schriftsteller, der in den 90er Jahren zum Neofaschisten mutierte. Als designierter Innenminister saß er im Schattenkabinett des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski und gründete später die Nationalbolschewistische Partei Russlands (NBP), die 2005 verboten wurde. Ideologisch steht diese Partei in einer Tradition mit Elementen des europäischen Faschismus und russisch-nationalistischer und neoimperialistischer Ideen, die sich in der Zielvorstellung eines geeinten Eurasiens gegen den Hauptfeind USA manifestiert. Ideologische Schützenhilfe erhält diese Gruppierung von der westeuropäischen Neuen Rechten. Zu diesen rechtsextremistischen Ideologien mischen sich bei Limorow indes auch linke Positionen, so daß es schwer ist, diese Gruppierung anhand der klassischen Gesäßgeographie einzuordnen. Hier gibt es durchaus Parallelen zur jungen NSDAP, in der es um Strasser auch einen linksextremistischen Flügel gab und zur Querfrontbewegung. Kernthese der NBP ist neben dem einigenden Antisemitismus ein extremer Nationalismus, der ein russisches völkisches Imperium vorsieht. Bruderpartei der NBP ist der Kampfbund Deutscher Sozialisten, eine Querfrontgruppierung aus dem nationalsozialitischen Umfeld.
Nach dem Machtantritt baut die NBP einen totalen Staat auf, die Menschenrechte stehen dann hinter den Rechten der Nation zurück. Innerhalb des Landes wird eine eiserne russische Ordnung aus Disziplin, Kämpfertum und Fleiß errichtet
Auszug aus dem Parteiprogramm der NBP von 1994 (1)
Im Jahre 2004 verabschiedete die NBP ein neues Parteiprogramm, in dem an viele Stellen extremistische Positionen abgeschliffen wurden ohne jedoch das alte Programm außer Kraft zu setzen. Seitdem versucht die NBP eine Volkspartei zu werden und biedert sich auch bei liberalen Kräften an.
Das dies nur eine Tarnung ist, ist vielen Bürgerrechtlern der liberalen Kräfte klar. So hat im August 2006 das Moskauer Büro für Menschenrechte die Rechtschutzorgane aufgerufen, die Äußerungen Limorows auf den Tatbestand der Anstiftung zum Fremdenhass zu überprüfen.
“Bei dem täglichen Monitoring von Erscheinungen der Xenophobie und des ethnischen Extremismus in der Russischen Föderation haben wir festgestellt, dass die NBP auch weiterhin radikale nationalistische Gedanken verkündet”
Erklärung des Moskauer Büros für Menschenrechte
2005 wurde die Partei vom Obersten Gerichtshof verboten und arbeitet seitdem erfolgreich im Untergrund weiter.
In dem Bündnis „Das andere Russland“ fand die NBP eine neue Gelegenheit sich offiziell zu betätigen. Was liberale Politiker, wie Kasparow sich gedacht haben, einen durch und durch faschistischen Partner in ihr Bündnis aufzunehmen, ist unklar.
Die äußerst aktive Jugendgruppe der NBP sorgt auf jeden Fall für eine große Medienreichweite und ihre Fähigkeit national Straßendemonstrationen zu organisieren, ist sicher auch ein Zugewinn für Kasparows Partei, die eher die gehobene Klientel vertritt. In diesem Kontext sind auch die jüngsten Demonstrationen in Russland zu werten. Bei der „Großdemonstration“ in St. Petersburg sprach z.B. Limorow als einziger Oppositionspolitiker. Unter den 100 Gefangengenommenen sind neben Limorow etliche Nationalbolschweisten, so auch der Petersburger Parteichef. (2).
Die neoliberal geprägte Jabloko-Partei um den Vorsitzenden Jawlinski, ein in Russland mit der 5% Hürde kämpfende Randerscheinung, die allerdings das Lieblingskind des Westens ist, hat sich übrigens wegen der Beteiligung der NBP von Kasparows „Das andere Russland“ distanziert. Anlässlich der Kräfteverhältnisse in Kasparows Bündnis, muss man sich auch fragen, ob hier nicht der Schwanz mit dem Hund wedelt und Kasparow nur ein nützlicher Idiot ist, der westliche Gelder, westliche Publicity (er wird ja bereits der Oppositionsführer genannt) und einen legalen Mantel liefert.
Beresowskis Blutgeld und eine neofasischtische Partei, die aktiv die Demonstrationen mitorganisiert. Wäre es nicht Russland, um das er hier ginge, die westlichen Medien würden andere Töne anklingen lassen.
Update: Einen erfreulich neutralen Bericht über die Demonstrationen des Wochenendes habe ich heute in der Internetzeitung “Russland.ru” gelesen.
Daraus:
Ein deutscher Beobachter der sich die Demonstration in Moskau aus „sicherer“ Entfernung ansah sagte zu russland.RU, „Ich war als Aktivist bei vielen Demonstrationen in den 60er und 70er Jahren in Deutschland und Europa dabei. Gemessen daran, dass es sich hier in Moskau immerhin um eine nicht genehmigte Demonstration handelte, ist es für meine Verhältnisse doch ziemlich glimpflich abgegangen.
Das es bei verbotenen Demonstrationen Keile gibt, ist erstes Demonstranten A B C. Wer das nicht weiss, sollte nicht auf ungenehmigte Demonstrationen gehen.
Wir wurden damals in Deutschland selbst bei angemeldeten und erlaubten Demonstrationen brutaler zusammengeschlagen. Wasserwerfer und Tränengasgranaten waren an der Tagesordnung es gab immerhin sogar Tote. Willkürliche Verhaftungen mit Verurteilungen zu Gefängnis von mehr als einem Jahr ohne Bewährung waren üblich. Eine Strafe von 1000 Rubel gegen Garri Kasparow, immerhin ein „Aufrührer“, ist dann doch eher lächerlich.
Das soll nicht heißen, dass ich das hier in Moskau gutheiße. Ich bin gegen jede Form von Polizeiterror.
Überrascht bin ich, dass im Gegensatz zu unseren Demonstrationen in Deutschland, wo wir pressetechnisch gesehen immer die Bösen waren, nun ausgerechnet die Demonstranten, die sich wie hier in Moskau nicht an das Gesetz halten, die Guten sind und die Polizei, die das Demonstrationsverbot durchsetzt, die Bösen sind.
Auch, dass die russischen Neofaschisten mitdemonstrierten, wurde von den Medien mal eben unter den Tisch fallen lassen. Kameraschwenks hörten immer da auf, wo deren eindeutige Fahnen anfingen.
Da reibt man sich dann doch, wenn man die deutschen Nachrichten sieht und liest, verwundert die Augen. So hätten wir die Presse gerne bei der Schahdemo in Berlin und bei den vielen Demos gegen Atomkraftwerke in den 70er Jahren in Deutschland gehabt. Da wird dann wohl mit unterschiedlicher Elle gemessen, oder die Damen und Herren Journalisten sind noch zu jung um das miterlebt zu haben.“
Update II: Auch Garri Kasparow ist wohl nicht der altruistische Menschenrechtsfreund, wie die Medien uns Glauben machen wollen. Im Artikel “Washingtons Fünfte Kolonne in Russland” aus der Berliner Umschau wird Kasparow als eine Art Trojanisches Pferd der NeoCons aus Washington dargestellt.
Daraus:
„However, if you attack Iraq, the potential to go after Iran and Syria must also be on the table.“
Garri Kasparow
Kurz vor dem G8-Gipfel organisierten Kasparow und Kasjanow in Moskau unter dem Namen „Drugaja Rossija“ (Anderes Rußland) eine Anti-Putin-Konferenz, an der auch westliche Diplomaten und Vertreter einschlägig bekannter westlicher Organisationen (Council on Foreign Relations, National Endowment for Democracy, Project on Transitional Democracies, Heinrich-Böll-Stiftung, Carnegie-Stiftung usw.) teinahmen. [] Gesponsort wurde die Konferenz von National Endowment for Democracy (NED, eine aus dem Washingtoner Staatshaushalt finanzierte „private“ Organisation, die von der US-Regierung so unabhängig ist wie die Komintern von der Sowjetunion) und der Stiftung des Währungsspekulanten George Soros. Beide Einrichtungen gehörten zu den Drahtziehen der „Revolutionen“ in Belgrad, Tiflis und Kiew
Update III: Die morgige Junge Welt setzt sich ebenfalls mit dem Thema “Kapsarow” auseinander, zitiert aber weitesgehend aus dem o.g. Artikel der Berliner Umschau.
Update IV: Auch Kai Ehlers, hat (wie von ihm gewohnt) mittlerweile einen sehr unaufgeregten Artikel verfasst: “Sturm im Wasserglas oder Russland in Aufruhr“.
Jens Berger





























































Nach dem Machtantritt baut die NBP einen totalen Staat auf, die Menschenrechte stehen dann hinter den Rechten der Nation zurück. Innerhalb des Landes wird eine eiserne russische Ordnung aus Disziplin, Kämpfertum und Fleiß errichtet
“Bei dem täglichen Monitoring von Erscheinungen der Xenophobie und des ethnischen Extremismus in der Russischen Föderation haben wir festgestellt, dass die NBP auch weiterhin radikale nationalistische Gedanken verkündet”















Da tun sich ja Abgründe auf, hätte ich nicht gedacht. Für mich war Kasparow immer eine Lichtgestalt. Seine gewonnenen Schachkämpfe gegen Anatoli Karpow waren damals immerhin ein Symbol für den demokratischen Aufbruch Russlands.
Wobei man nicht vergessen sollte, dass auch das Putin-Regime ordentlich Dreck am Stecken hat. Die Art, wie in Russland am Wahlsystem zugunsten Putins gefeilt wird, hat hierzulande relativ wenig Widerhall gefunden. Dazu politische Morde (Anna Politkovskaja), die dubiose Inhaftierung Chodorkovskis und anschließende Deprivatisierung des Jukos-Konzerns, die Konflikte mit Georgien und der Ukraine, der ewige Tschetschenien-Konflikt… Ich befürchte, das Russland insgesamt marode ist. :(
Lieber “Spiegelfechter”!
Langsam bin ich richtig fasziniert von den Volten, die Du hier teilweise schlägst… :-P
Erst scheint das Rußland Putinscher Prägung quasi die Rettung des europäischen Abendlandes (bzw. ein notwendiges Gegengewicht zur Globalisierung/Monopolisierung ‘amerikanischer Art’); wenn dann hochrangige (Ex-) Militärs und Putin-konforme Medien vor einem Angriff auf den Iran warnen, sind die Putin-Jungs und -Mädels plötzlich unglaubwürdig bzw. gar - wie Iwaschow - einfach auf ‘Antisemitismus’ und ‘Nationalismus’ reduzierbar, und im aktuellen Artikel sind Putin und Co. bereits wieder ‘die Guten’ [tm]?
Tut mir leid, aber MEINE Einschätzung der Sachlage habe ich Dir bereits mitgeteilt: Putin war zwar für den Erhalt Rußlands vermutlich wichtig, aber ansonsten ist er IMO eine ähnliche ‘Schweinebacke’ wie Bush & Co.!
Da jetzt Kasparow und die - derzeit eh marginale - Bürgerrechtsbewegung in Rußland diskreditieren zu wollen, nur weil ein B. Beresowski vermeint, diese Leute zu instrumentalisieren zu können, greift m.E. zu kurz. Es gibt IMO wachsenden Bedarf für Demokratie in Rußland (so wie bei *uns*), und damit meine ich nicht ‘Ausverkauf’, - im Gegenteil ;-)
Ausnahmsweise: Tertium datur!
Nächtlichen Gruß vom
Lektor
P.s.: Vielleicht ist ja erst die - vom Westen anscheinend angestrebte - Aufspaltung und Assimilation Rußlands die ‘wahre Lösung des Problems’? Remember das trojanische Pferd… :-))
laut meinen russischen Freunden waren die Demonstranten für die orangene revolution in der Ukraine auch bezahlte Statisten.
warum nicht, wenn das Geld stimmt fressen die klitchkos auch tonnenweise Milchschnitte
ach ja, moechte mal tierisch gerne die meinung des Spiegelfechters ueber die Aktuelle SpieglRufmord Kampagne gegen Oettinger lesen.
Ich kenne zwar kaum Fakten über Filbinger, aber alleine die Aufmachung der Artikel sind klar auf ein Ziel aus, Öttinger zu stürtzen……
Aha, Aktuelle Google News Headline: (1069 ähnliche Artikel) : Muss Öttinger zurücktreten?
@Lektor
Tertium datur - Du sagst es. Die Welt besteht halt aus Grautönen. Putin war mE ein Glücksfall für Russland, seit seiner zweiten Amtsperiode gibt es allerdings sehr viel an seiner Regierungsart zu kritisieren. Das es in Russland einen Bedarf an einem “Mehr an Demokratie” gibt, würde ich nie in Frage stellen und wenn Du zwischen den Zeilen liesst, wirst Du feststellen, daß Kasparow bei mir gar nicht so schlecht wegkommt.
Aber wie ist Deine Einordnung für einen Demokraten, der mit Faschisten ins Bett geht? Die Augen davor zu schliessen und (wie die Medien) von *der* Opposition zu sprechen, die Demokratie bringen kann, ist naiv.
Deinen Einwand, ich würde je nach werten ist ebenso falsch. Es gibt halt mehr als schwarz/weiß und wie Du auf die Einschätzung kommst, in diesem Artikel seien Putin und Co die Guten(TM) ist mir ein Rätsel. Wenn Du die Sachlage darauf reduzierst, alles außer den Faschisten der NBP und Beresowski sei “Putin”, so liegst Du natürlich falsch …. die Grautöne halt.
@MaloXP
Putin einen Persilschein auszustellen, liegt mir fern. Gerade die riesigen Defizite bei einer demokratischen Gesellschaft, die Gängelung der Presse etc. sind scharf zu kritisieren - ein lupenreiner Demokrat ist er sicher nicht.
ABER:
Die Punkte, die Du noch anführst sind sehr komplex - zu komplex um sie Putin alleine in die Schuhe zu schieben.
- Politovskaya: Hatte viele Feinde. Von der Mafia, über korrupte Militärs, Oligarchen, FSB bis hin zu einigen tschechenischen Elementen. Hier Putin die Schuld zuzuschieben, ist wenig zielführend.
- Chodorkovsky: Ch. war ein Raubritter, der russischen Bodenschätze an den Westen ausverkaufen wollte. Putin hat ein Exempel statuiert. Über den Stil lässt sich streiten, aber prinzipiell war dies guter Schachzugs Putins.
- Farbrevolutionen: Diese waren und sind ein knallhartes geopolitisches “Spiel” zwischen dem Westen und Russland, in dem beide Seiten mit allen Mitteln agieren. Das die Farbigen für Demokratie stünden und die russlandfreundliche Seite jeweils antidemokratisch wäre, trifft so nicht zu. Aber ich denke das ist so komplex, daß ich darüber einen kompletten Artikel verfassen sollte.
“Bruderpartei der NBP ist der deutsche Kampfbund Deutscher Sozialisten, eine deutsche Querfrontgruppierung”
Das war ein wirklich sehr deutscher Satz :-)
@Anonymus
*g*
Ja, da hat mich wohl das Deutschtum überrumpelt … habe den Satz jetzt mal ein wenig entdeutscht ;-)
Dass “Das andere Russland” vom Oligarchen Beresowski unterstützt wird, haben bis heute nur die staatlichen (!) russischen Medien behauptet. Es gibt keinen einzigen Beweis dafür. Im Gegenteil: Beresowski schadet dem Bündnis “Das andere Russland” massiv mit seinen “Revolutionsphantasien”.
Dass der umstrittene Limonow im Bündnis “Das andere Russland” mitmachen darf, hat wiederum durchaus verständliche Gründe, die im sehr komplexen russischen Parteigefüge zu suchen sind. Dieses kann man beim besten oder auch schlechtesten Willen nicht mit unseren demokratischen Parteiensystemen vergleichen.
Und wenn Du schreibst, dass die Jabloko-Partei mit 4,3 bis 7,3 Prozent der Wählerstimmen (Duma-Wahlen 1993-2003) eine Randerscheinung ist, hast Du grosszügig übersehen, dass dies rund 4 Millionen russische Wähler sind. Randerscheinung?!?
Alles in allem: Man kann und muss die russische Opposition durchaus wie ein Pathologie kritisch “sezieren”. Aber dazu sollte man auch wissen, wie der “Organismus” funktioniert - und das ist in der hochkomplexen russischen Politik gar nicht so einfach.
Hier findest Du mehr zum Bündnis “Das andere Russland”.
@Krusenstern
-> Finanzierung: Nun ja, daß Beresowski keiner der am Bündnis beteiligten Kräfte Geld hat zukommen lassen, ist doch sehr unwahrscheinlich.
Kasparow streitet natürlich ab, direkt von BB Geld bekommen zu haben, räumt aber ein, er sei von wohlhabenden Individuen und Stiftungen finanziert wurden - ob unter denen nun BB oder einer seiner Strohmänner war, ist schwer zu beweisen zumal BB seine Aktivitäten ja meist nicht offenlegt.
-> Jabloko: 2003 lagen sie unter der 5% Hürde und mW sehen die Prognosen für die Zukunft eher düster aus.
-> Russischer “Sonderweg”: Ich denke, wenn man die deutsche Geschichte betrachtet, sollte man gewarnt sein, als bürgerliche Gruppierung mit Faschisten ins Bett zu gehen. All zu schnell kann es passieren, daß solche Taktiken gehörig schief gehen. Eigentlich bin ich Kasparow durchaus positiv gesonnen - aber die “Breite” seines Bündnisses hat es in meinen Augen unglaubwürdig gemacht, russische Verhältnisse hin, russische Verhältnisse her. Was wäre eigentlich, wenn das “andere Russland” in die Duma einzieht? Was will Kasparow eigentlich und v.a. kann er das gegen die anderen Kräfte des “anderen Russlands” durchsetzen?
Hallo,
da hat mir mal wieder einer aus der Seele gesprochen (aber nicht ganz) – jedenfalls weit ab vom allgemeinen Zeitgeist entfernt.
Da ich mich seit Jahrzehnten sowohl mit der Kultur, Literatur und somit auch der Geschichte Russlands, der SU und der Region der ehemaligen Unionsrepubliken beschäftige, kann ich Jens Berger nur Hochachtung aussprechen.
Im Wesentlichen ist dem Artikel zuzustimmen.
Eine Hervorhebung der faschistischen Bewegung gerade in den Nordischen und Östlichen Ländern Europas ist sicher nötig doch immer auch notwendig? J.B. hat sich in seinem Artikel zwar explizit auf die verbotenen Demos am vergangenen Wochenende in Russland reduziert und auch auf die Teilname von Faschisten hingewiesen, jedoch wird aus teutonischer Sicht diese bedrückende Entwicklung gern so behandelt, wie es eben in den Kram passt – und dieses Mal brauchte man keine russischen Faschisten in den bürgerlichen Massenmedien, um einen „aggressiven, brutalen, menschenrechtsverletzenden“ Popanz aufzubauen – die Berichte über die „aggressiven, brutalen, menschenrechtsverletzenden“ „Prügelorgien“ der russischen Polizei reichten aus, um den teutonischen Michel via ARD, ZDF, RTL, Sat1, N-TV, N-24, Bild, Focus, Stern, DLF… natürlich umfassend und allseitig und unabhängig und gleichgeschaltet zu informieren. Und J. B. hat recht – die Demos waren nun mal verboten.
Jedes Jahr nehme ich an der größten genehmigten Demo in dieser „rechtsstaatlichen, freiheitlichen und demokratischen“ BRD teil – an der LLL – Demo in Berlin.
Und in jedem Jahr erlebe ich die regelmäßigen Prügelorgien auf die Demonstranten durch die „freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche“ Polizei. Da wird hemmungslos auf Demonstranten aber auch auf Rentner, umherstehende Passanten, Frauen, Männer eingedroschen, Misshandlungen gegen jugendliche Demoteilnehmer, willkürliche Festnahmen, entwürdigende Untersuchungen – alle Jahre wieder.
Man stelle sich vor – am kommenden Wochenende versammeln sich unangemeldet 1.000 Personen in Berlin und…………….
@maloXP
nenne er mir ein System auf dieser Erde, welches nach deinem Verständnis von „Dreck“ diesen nicht am Stecken hat (ich bin kein Freund von Putin)
@H. Lektor und Krusenstern
Aus einem Artikel:“ Nach Putins Machtübernahme wurden die neuen Bojaren, die in der Disziplin Bereicherung einen Geschwindigkeitsweltrekord nach dem anderen aufgestellt hatten, aus der aktiven Politik verdrängt. Beresowski, der nicht nur in Rußland, sondern auch in Brasilien, Israel und der Schweiz per Haftbefehl verfolgt wird, floh nach Großbritannien. Michail Chodorkowski, der das über die Oligarchen verhängte politische Betätigungsverbot mißachtet hatte, verschwand hinter Gefängnismauern. Der russische Staat bemächtigte sich wieder der strategisch wichtigsten Wirtschaftszweige.“
Vollständig unter: jungewelt....
Stark bleiben!
Hallo,
man sollte eben doch noch die “junge welt” von Morgen schon heute lesen.
Zu Garri Kasparow: jungewelt....
Stark bleiben!
an D. Krüger
“Man stelle sich vor – am kommenden Wochenende versammeln sich unangemeldet 1.000 Personen in Berlin und…………….
@maloXP
nenne er mir ein System auf dieser Erde……)”
- z.B. Georgien oder Ukreine. (Die Demos letzter 2-3 Wochen auf “Maidan” in Kiew sind SEHR SELTEN angemeldet.)
oder glaubt jemand wirklich, dass auch hier im Lande unangemeldete “1.000 Personen in Berlin” am Brandenburger Tor von “OMON” niedergeschlagen werden?!
ciao
eMisia
Der Artikel von “Russland.ru”(zumindest o.a. Auszug) und was “Ein deutscher Beobachter” (anscheinend nicht namentlich genannt :-) erzählt ist m.E. völlig realitätsfern.
Habe ich tlw. schon in meinem vorherigen Kommentar an D. Krüger
erläutert.
(falls nötig, kann ich auch auf Details eingehen.)
von daher war der Artikel nicht “Update_würdig”, da es nicht zur Wertsteigerung der Berichterstatung beigetragen hat.
ciao
eMisia
@eMisia
Die Demos auf dem Maidan sind ja wohl eher mit Putins Jubelperserdemos vergleichbar, die auch nicht zusammengeknüppelt werden. In Kiew ist die “orangene” Einstellung in den Stadtbehörden weit verbreitet. Würden in Kiew die “Blauen” oder die “Orangenen” in Donezk unangemledet demonstrieren, sehe dies auch anders aus.
Das Update ist mE nicht überflüssig, da es zwar eine persönliche Einschätzung enthält, die aber in einigen Punkten (z.B. das Wegschwenken der Kameras, wenn die Faschisten kamen) auch durch die Bilder von NTV (russisch) bestätigt werden kann.
Alles schön und gut - und auch gut rechachiert, nur mein Problem ist: Ist ja schön und gut, dass Prügeln auf verbotenen Demos normal ist - aber laut Menschenrecht ist schon alleine das verbieten der Demos eine Einschränkung der Demonstrationsfreiheit…. In Deutschland kann keine Demo verboten werden, sie muss nur angemeldet werden. Da liegt doch auch der Hund begraben, zumindestens die Füße des Hundes liegen da.
@das_sascha
Es geht weniger um das Verhalten der Sicherheitskräfte. Dieses ist mE nicht gerechtfertigt und alleine schon aus PR-Gründen extrem unklug.
Es geht um die Berichterstattung in den deutschen Medien, die Kasparow und seine NeoCon/Oligarchen/Faschisten Verbindung als die weißen Ritter der Demokratie darstellt und eine schwammige Mischung aus Halbwahrheiten verbreitet.
In Deutschland werden selbstverständlich auch Demonstrationen verboten und die Nichtgenehmigung einer Demonstration ist zwar nicht juristisch aber dennoch faktisch das gleiche wie ein Verbot.
Die Kundgebungen in Petersburg und Moskau waren mW auch erlaubt. Verboten (nicht genehmigt) war indes der Marsch. Warum die “Oppositionellen” sich nicht mit der Kundgebung begnügt haben?
Honi soit qui mal y pense … die westliche Presse als eigentlicher Adressat stand ja bereits Gewehr bei Fuß.
Ich glaube, die politische Situation in Russland ist ziemich trostlos. Was wir als Demokraten empfinden, ist dort einfach nicht mehrheitsfähig bzw. nicht durchsetzungsfähig.
Vielleicht erklärt das ja auch dieses merkwürdige Bündnis von Kasparow, das man “gelbbraun” nennen könnte. Man darf nicht vergessen, dass Putin ein sehr starker politischer Gegner ist. Ich kann zwar nicht im Mindesten verstehen, dass es Linksliberale (z.B. eine recht starke russische Jugendorganisation) mit Neofaschos überhaupt gemeinsam aushalten, aber vielleicht hat das auch damit zu tun, dass in Osteuropa insgesamt der Neofaschismus (sehr ausgeprägt z.B. in Ungarn) Zulauf hat. Ich meine, ein Stück weit ist dieser osteuropäische Rechtsdrall ein Reflex auf die für “links” gehaltene Putinregierung bzw. den übel gescheiterten Realsozialismus.
@Spiegelfechter
(1)
Ich meinte wohl die “blau”_en aktuell auf Maidan in Kiew.
(2)
Ich habe eigentlich nicht den Artikel auf “Russland.ru”, sondern den Kommentar hier zum Update “kritisiert”.
Jeder, auch “Ein deutscher Beobachter” :-) kann eigene Meinung haben, aber Dies als “erfreulich neutral” zu bezeichnen?!…..
“So schlecht” sind deutsche Medien und Journalisten auch net. :-)
ciao
eMisia
Okee. Überzeugt. Ich geb’ mich geschlagen. :-)
Nein, mal ehrlich, ich seh’s ein, wenigstens einer der sich auskennt und nicht nur ein gefährliches Halbwissen hat wie ich… hoff’ ich doch zumindest.
Update IV: Auch Kai Ehlers, hat (wie von ihm gewohnt) mittlerweile einen sehr unaufgeregten Artikel verfasst: “Sturm im Wasserglas oder Russland in Aufruhr“.
@ Dr. Dean
Man sollte nicht so pessimistisch sein. Politisch ist die Situation in Russland heute tatsächlich trostlos, aber nur heute. Unglaublich, dass angesichts der gewaltigen Veränderungen im Land in den letzten 20 Jahren, immer noch langweilige Vorhersagen gemacht werden, die eine lineare Entwicklung des heutigen Ist-Zustands voraussetzen.
Unter Jelzin gab es viele Freiheiten, die aber nur für die Weingen von Nutzen waren, denn die Mehrheit wurde ins Elend gestürzt. Es war, objektiv gesehen, nicht mal die alleinige Schuld Jelzins: so war einfach seine Zeit. Umbruch. Schmerzlicher Abgang der Sowjetzeit. Zerfall der Bindungen, wirtschaftlichen und sozialen, infolge des Zerfalls der UdSSR. Reformen. Niedriger Ölpreis.
Putin? Weniger Freiheiten, gewiss, aber die verbleibenden nützen plötzlich vielen Bürgern. Dumpfe patriotische Rhetorik? Ja… Dafür aber können sich plötzlich Millionen von Russen Urlaub im Ausland leisten und niemand bedenkt die Reisefreiheit zu begrenzen. Zynische Unterwerfung der Medien? Leider ja, aber wenigstens über die wirtschaftlichen Wege und nicht über nächtliche Verhaftungen und Folter der unliebsamen Journalisten. Außerdem: es gibt keine Zensur im Internet, keine Kontrolle über den Emfang der ausländischen Fernsehkanäle, die zumindest in Großstädten überall im Angebot der lokalen Kabelprovider sind. Mit einem Tag Verspätung kauft man in Moskau den “Spiegel”. Klingt alles vielleicht albern, aber was ich sagen will: man sollte wirklich nicht die Rückkehr der sowjetischen Verhältnisse an die Wand malen.
Vielleicht wird Putin eines Tages in den Geschichtsbüchern stehen - als Wegbereiter für die wirkliche Demokratie in Russland, die nach ihm kommt. Nüchterner Technokrat, Zyniker, vulgärer Apologet des starken Staats. Aber gleichzeitig: waren es nicht ähnliche Politiker, die in manchen asiatischen Transformationsländern vor 15-20 den Boden für die demokratischen Veränderungen bereiteten? Vielleicht kommen der Wohlstand und die wirtschaftliche Stabilität doch zuerst?
Denn die heutigen Russen, und das kann ich mit Gewissheit sagen, lassen sich nicht wie ein Vieh in eine ihnen nicht genehme Zukunft führen. Die sind durchaus emanzipiert. Wenige mögen Putin ganz gerne, viele mögen ihn nicht, aber dulden ihn weil sein Regime die Entwicklung doch nicht versagt.
Shit. Nun stehe ich da wie ein Putin-Propagandist. Dabei mag ich persönlich den Typen gar nicht…
@Dr. Dean
“Ich kann zwar nicht im Mindesten verstehen, dass es Linksliberale (…) mit Neofaschos überhaupt gemeinsam aushalten…”
Mir geht es genauso.
Die Kooperation zwischen einzelnen Lager wird wirklich auf kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert.
“Kleinsten” - im warste Sinne des Wortes.
Was zum bestimmten Zeitpunkt auch sein mag.
Daraus kann man nur einen Schluss ziehen, daß das Land politisch alles andere als “stabil” ist.
Es fehlen gemeinsame Orientierungspunkte(oder Werte, wenn man so sagen will).
Vielleicht ist es mit Einzigartigkeit von Russland(geographisch, geschichtlich… etc.) zu erklären. Da es kaum brauchare Beispiele für gesellschaftliches Dasein auf der Erde gibt, die “einfach so” kopiert werden können.
Von Sozialismus bis Demokratie, Alles muss “maßgeschneidert” sein.
Perfekt “gebügelt” und neu “strapaziert”.
So, daß zum Schluß Keiner mehr versteht, worum es geht.
Bis es sich irgendwann zusammensturzt und dann Alles wieder von vorne anfängt.
“manchmal” scheitert es halt, wenn man experimentiert.
Eigentlich war es aber doch “immer” so in Russland oder? :-)
ciao
eMisia
@Neuraum: Soso, die Rückkehr zu den sowjetischen “Verhältnissen” willst du also nicht… vielleicht aber die Mehrheit der Russen, die, 95 müsste es gewesen sein, zu über 50% die Kommunistische Partei gewählt haben (das Endergebnis lag aber dann dank Jelzin Wahlfälschung doch unter 50%, sehr zur Freude der westlichen “Demokraten” übrigens). Wo war da deine Demokratie? Wer hatte da die Macht in Russland? Das Volk? Lächerlich.
“Weniger Freiheiten, gewiss, aber die verbleibenden nützen plötzlich vielen Bürgern. ”
Welche Freiheiten meinst du konkret? Das Recht auf eine Wohnung, auf Schulbildung, auf Essen, auf medizinische Versorgung? Alles Freiheiten, die es im ja so entsetzlich totalitären Sowjet-Russland gab und die im heutigen, demokratisch-befreiten fehlen.
“Dafür aber können sich plötzlich Millionen von Russen Urlaub im Ausland leisten und niemand bedenkt die Reisefreiheit zu begrenzen.”
Frag` nach den Millionen Russen, die sich nicht mal ihre Medikamente, geschweige denn deinen beschissenen Urlaub leisten können. Moralisch bewegst du dich auf dem Level von Menschenrechtsaktivisten, die in den `80ern Freiheit und Menschenrechte für die Menschen im Ostblock forderten - und die sich heute einen Scheißdreck für die Opfer des Kapitalismus interessieren!
“aber wenigstens über die wirtschaftlichen Wege und nicht über nächtliche Verhaftungen und Folter der unliebsamen Journalisten.”
Über Folter in der entstalinisierten Sowjetunion erbitte ich Quellen und weiterführende Informationen.
“waren es nicht ähnliche Politiker, die in manchen asiatischen Transformationsländern vor 15-20 den Boden für die demokratischen Veränderungen bereiteten? Vielleicht kommen der Wohlstand und die wirtschaftliche Stabilität doch zuerst?”
“Asiatische Transformationsländer”? Du meinst China, das kapitalistische Terrorregime schlechthin? In dem vielleicht 5% der Bevölkerung etwas vom “Aufschwung” haben und der Rest als billige Sklavenarmee mißbraucht wird? Wo zu Zeiten Maos dank guter Gesundheitsversorgung jedes Jahr 4 Millionen Menschen weniger gestorben sind als im “demokratisch-marktwirtschaftlichen” Indien (bei praktisch gleichen Ausgangsbedingungen) - und seit dem Einsetzen der Marktreformen wieder so viel, wenn nicht mehr, sterben? Capitalism kills…
“Wohlstand” und “wirtschaftliche Stabilität”… hört sich an wie aus einem CDU-Prospekt. Dein blinder Glaube an den Markt ist erschreckend, denn dieser erzeugt unglaubliches Elend, gerade in den ärmeren Ländern. Daß in den “kommunistischen”, also den staatssozialistischen Systemen des 20. Jahrunderts, ebenso nicht alles wunderbar lief, Unterdrückung stattfand und sogar Verbrechen ausgeübt wurden - keine Frage. Aber verglichen mit dem Leid, die der Kapitalismus über die Welt bringt, waren sie vergleichsweise harmlos.
Achja - wirtschaftlich war der Sozialismus übrigens keineswegs ein Fehlschlag: Die Sowjetunion entwickelte sich durch ihn zur Weltmacht, während China wesentlich höhere Wachstumszahlen als Indien vorweisen konnte (siehe oben). Soviel zum “übel gescheiterten Realsozialismus”. Zahlreichen Ländern in Asien verhalf er zur Befreiung von kolonialer bzw. militärischer Unterdrückung (China von Japan, Vietnam von Frankreich etc.).
Im Übrigen: Ein echter Bourgeois wie Kasparow faselt was von Demokratie - welche Demokratie soll das sein? Die des Volkes? Oder seine Demokratie, die Demokratie, die auch bei uns herrscht - die Demokratie einer Klasse, eine Klassenherrschaft der Bourgeoisie, der Kapitalisten also?
Nein, die westliche Demokratie ist kein gutes Geschäft. Man wählt immer nur die gleichen Phrasendrescher, die dann, wenn sie im Amt sind, ihren Herren folgen. Diese Art der Demokratie ist immer eine Klassenherrschaft, eine Herrschaft weniger über viele. Dies gilt es umzukehren.
Naja… gut` Nacht dann.
Solidarische Grüße
commie
Ein schwacher Artikel, der es versäumt, die Hauptanklagethesen gegen das “Andere Russland”, die in der Form schon unzählige Male von der Putin-Administration kolportiert worden sind, auch nur mit einem Beweis zu untermauern.
Auch der neofaschistische Charakter der NBP erschliesst sich wohl nur dem Autor in dieser eindeutigen Klarheit. Dass Limonow Anfang der 90er Jahre radikal-nationalistischen Strömungen (LDPR) anhing, mit denen er übrigens lange gebrochen hat, ist ein offenes Geheimnis und von ihm nie verheimlicht worden.
Dass ein 13 Jahre altes Parteiprogramm der NBP als stellvertretend für ihre aktuelle politische Haltung zitiert wird, ist wohl ebenfalls dem Mangel an handfesten Beweisen für die Stoßrichtung des Artikels geschuldet und ist nur ein Beispiel, wie in diesem Beitrag ominöse Gerüchte und später dementierte Wortmeldungen Beresowkis (Finanzierung der DR) zu Fakten hochstilisiert werden.
Diese Partei stellt den einzigen Leuchturm des Protests und der Bürgercourage im Kampf mit dem repressiven und autoritären Putin-Regime in einer weitgehend gleichgeschalteten (von Regierung kontrollierte Pseudo-Oppositionsparteien) und anteilslosen politischen Landschaft dar. Auf sie aus dem sicheren Westen einzuprügeln (Wie kann man in einem Hammer- und Sichel Logo faschistische Symbolik erkennen, schizophren?) mit den Argumenten und den Darstellungsmitteln der offizielen Putin-Propoganda mag einfach sein, wenn man ein paar Fakten unteschlägt, wie die Tatsache, dass die im HJ Stil organisierten, tendenziell faschistischen Kreml-Jugendorganisationen die NBP seit Jahren aufs Schärfste bekämpfen, bis hin zu äußerst brutaler Gewaltanwendung, gedeckt von den Sicherheitsorganen. Richtiger wird es dadurch nicht.
Mal ehrlich, wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich schon fast annehmen, dieser Artikel ist von einem Putin-treuen publizistischen Mietmaul zur Untermauerung der Putin-Position bestellt worden. Der Stil spricht für sich. Allen, die des Russischen nicht mächtig sind, rate ich, sich weder von den Berichten der Mainstream-Medien als auch von solchen Beiträgen vereinnahmen zu lassen, die autonome Gegenstimmen zum Mainstream sein wollen, anstelle dessen aber nur willfährig in die Fussstapfen offizieller Kreml-Propoganda treten.
@ Sergej
Gut, dass Du Deine Position so faktenreich mit Beweisen untermauerst.
Das sieht zum Beispiel die in Moskau lebende Journalistin Ute Weinmann diametral anders:
sopos.org/...
*hüstel*
Das ist jetzt nicht Dein Ernst?
Tja, wie kann man nur?
Da habe ich den Rohrschachtest wohl nicht bestanden ;-)
Ist dies ein Artikel über „das andere Russland“ oder über die Putin-Jugend? Das dies ein ziemlich mieser Verein ist, steht außen vor und wird von mir gar nicht bestritten.
Könnte man das?
Mit der gleichen „Logik“ könnte ich über Deinen Kommentar schreiben:
Mal ehrlich, wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich schon fast annehmen, dieser Kommentar ist von einem Kasparow-treuen publizistischen Mietmaul zur Untermauerung der amerikanischen Position bestellt worden.
Tue ich das? Nein.
Hüstel zurück! Hüstel wenn einem nichts mehr einfällt? Was ein Rohrschachtest ist, weiss ich nicht, dafür aber, dass dir Links mit russischen Adressen wohl nicht so viel bringen, wenn du aber willst, bitte!
nbp-info.c...
politzeki....
grani.ru/o...
Jedem Muttersprachler, der sich mit der russischen Politik befasst, sind die erwähnten nationalistischen und großrussischen Parolen längst geläufig, derer sich die NBP bedient. Sie stehen in Russland traditionell hoch im Kurs.
Wo aber in der Schaffung eines starken Russlands, was so ziemlich jede russische Partei verkündet, der faschistische Hund begraben sein soll, weiss nur der Fechter. Im Übrigen gilt in Russland für Parteiprogramme und ihre reale Umsetzung das Gleiche wie für Programme deutscher Parteien, nämlich dass sie das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind.
Wer bei Kenntnis der jetzigen Sachlage in Russland die NBP für eine Keimzelle des Faschismus hält, glaubt wohl auch, dass G.W II die MWF’s im Irak doch noch findet. Im Gegenzug ist es die Partei, deren Anführer Eduard Limonow den staatlich sanktionierten Faschismus
in seiner Kolumne auf “www.Grani.ru” mehrfach verdammt hat und die von keiner einzigen wirklichen russischen rechtsradikalen Partei (Rogosin und co.) für Ihresgleichen gehalten werden. Von der Gesamtbevölkerung und der Parteienlandschaft werden sie als linke Opposition gesehen. Der Wahrnehmungsvektor ist in Russland eben ein ganz anderer, und auch wenn es klar, dass westliche Erbsensucher und Korinthenkacker der NBP nationalistische (russischer Mainstream) Positionen nachweisen können, um sie als faschistisch diffamieren zu können, sind doch die wirklichen Faschisten ganz andere, zahlreichere und vom Kreml unterstütuze Organisationen, die im Gegensatz zu NBP auch eine breite gesellschaftliche Toleranz erfahren. Der Faschismusvorwurf erklang bislang meist nur aus nichtrussischen Quellen, die im Falle Russlands wie immer meinen, besser Bescheid zu wissen als das ganze riesige Land und aus Putins Umgebung, die wohl als Ideengeber für den Autor dieses Beitrags über jeden Vorwurf der Subjektivität erhaben ist.
Noch einmal: Bis auf die vermeintliche Verbindung Kasparows mit den Neocons, die im Wesentlichen aus einer einzigen Reise von ihm in die USA abgeleitet wird, besteht dein Artikel aus diffamierenden und die offizielle Position Kremls wiedergebenden Behauptungen, die im Falle Beresowkis (Finanzierung der DR) sogar Stunden später von demselbigen dementiert wurden.
Kein Grund, das dann nicht doch mal in deinen Beitrag aufzunehmen was?! Macht sich schon ganz gut, wenn es erstmal da steht……
Worum es mir hier geht, ist nicht die Diskreditierung des Autors und seines Beitrags. Was ich armselig finde, ist die stumpfe Übernahme von offizielen Kreml-Positionen und Diffamierungen, zum Zwecke der Selbstprofilierung als autonome Gegenstimme zum westlichen Medienmainstream, auf Kosten der einzigen demokratischen Oppostion in Russland.
Darüber hinaus möchte ich dem Autor mal empfehlen, sich in die Köpfe einen der Jugendaktivisten der NBP zu versetzen, der aus einem hochmoralischen Gefühl der Entrüstung über eine verlogene autoritäre Gesellschaft ein Zeichen des Protests setzen möchte, das Porträt des Präsidenten aus dessen Sekretariat schmeisst, dann dafür zu 3 Jahren Lagerhaft in Sibirien verurteil wird, freikommt und vielleicht deinen Beitrag liest, in dem er sich als Faschisten beschimpfen lassen muss. Es ist mir klar, dass es als Nicht-Muttersprachler schwer ist, die Spreu von Weizen zu trennen, aber die Propogandascheisse von Nachrichten zu unterscheiden, soviel darf dann doch schon verlangt sein.
Im Übrigen haben die Gewalaktionen der Naschi gegen die NBP sehr wohl eine Relevanz für diesen Beitrag, nämlich die, dass der Autor sie bewusst unterschlägt, um sein einseitiges Bild von der extremistisch vereinnahmten russischen Opposition zu zeichnen, das so höchstens in seiner verzerrten Wahrnehmung vorhanden ist (Hammer+Sichel = Hakenkreuz)…..
Ich bin tief beeindruckt! Die Seite der NBP, der Blog eines NBP-Symapthisanten, der sich für „politisch Inhaftierte“ stark macht und eine Sammlung der Text von Limonov.
Da könnte ich Die auch die Seite vom Sachsen-Apfel, den PI-Blog und die Schriften von Schönhuber verlinken, um zu „beweisen“, dass NPD und Republikaner eigentlich ganz liebe Kerlchen sind.
Ja ja – die wollen nur spielen … das sollte man nur nicht alles wörtlich nehmen.
Andere Muttersprachler sehen dies übrigens diametral anders:
xs4all.nl/...
Aber lassen wir doch den Chef persönlich zu Wort kommen:
Limonow:
“Natürlich sind wir Revolutionäre. Wir vereinigen Kommunismus und Nationalismus, die untrennbar zusammengehören. Das Ziel unserer Organisation ist es, die herrschende politische und ökonomische Klasse zu beseitigen. Hierzu werden tiefe Einschnitte erforderlich sein. Die alte Nomenklatur, die die ökonomische Macht an sich gerissen hat, liegt wie ein Schimmelpilz über dem Land”
“Wir wollen an die Macht. Danach werden wir den Reichtum der Kapitalisten auf das notleidende Volk umverteilen. Das Elend außerhalb der großen Städte ist unvorstellbar. Desweiteren müssen die Grenzen Rußlands neu gezogen werden. Russisch besiedelte Gebiete, wie Ost-Estland oder Nordkasachstan, müssen zurückgeholt werden”.
“Nur eines ist gewiß: Der Westen wird früher oder später kollabieren, und wir werden unsere Revolution verwirklichen. Denn unsere Bewegung hat die Jugend. Und wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft”.
Aber man sollte so etwas nicht all zu ernst nehmen … Hitlers wirre Schmiererei aus Landsberg hat ja auch niemand ernst genommen, der wollte auch nur spielen.
Du vergisst Putin Lohnschreiberlinge.
Das Moskauer Büro für Menschenrechte sieht Limonow übrigens ebenfalls ein wenig anders als Du und hat letztes Jahr gefordert, die Äußerungen Limonows, auf den Tatbestand einer Anstiftung zum Fremdenhass zu überprüfen.
Zitat: “Bei dem täglichen Monitoring von Erscheinungen der Xenophobie und des ethnischen Extremismus in der Russischen Föderation haben wir festgestellt, dass die NBP auch weiterhin radikale nationalistische Gedanken verkündet.“
Zitat aus dem Parteiprogramm, welches immer noch gültig ist:”Nach der Machtergreifung wird die NBP weitgehende revolutionäre Veränderungen in Russland durchführen. Sie wird einen totalitären Staat errichten. Menschenrechte müssen den Rechten von Nationen den Vorrang lassen. Im Lande wird eine eiserne russische Ordnung hergestellt, ein Klima der Disziplin, der Unversöhnlichkeit und der Arbeitsliebe geschaffen”
“Außerdem sollten einige Massenmedien öffentlich verurteilt werden, die dem Chef der NBP eine Tribüne für die Propagierung seiner radikalen Ideen bieten, Ideen, die Gewalt, Fremdenhass und Feindschaft in der Gesellschaft provozieren”
Es ist sehr einfach, alle negativen Berichte über die NBP auf die Putin-Presse zu schieben. Ein Wunder, dass die NBP von so ziemlich jedem seriösen Journalisten kritisch bewertet wird – und dies in einem äußerst putinkritischem Umfeld in der deutschen Medienlandschaft. Das Problem ist vielmehr, dass die Zugehörigkeit der NBP zum “anderen Russland” verschwiegen wird oder bagatellisiert wird. Auf die NBP direkt angesprochen, kenne zumindest ich keine einzige positive Äußerung.
Ich möchte hiermit schliessen:
“Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht,
aber ich würde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie äußern dürfen.”
Voltaire
EOD!
Passt schon. Werden wir zu gegebener Stelle fortführen. Es sind noch viele Missverständisse im Spiel, aber rechte Zeit rechter Ort heißt da die Devise. Sonst aber echt eine gute Seite, besonders der “Farsiartikel” war spannend und aufschlussreich. Coole Gänsefüßchen, wie macht man die?
Danke für den möglichen Einsatz des Lebens wenn es so gemeint war, gilt natürlich ebenso für mich in Bezug auf deine Meinung.
Und bitte auf Zeitungsenten achten, die der Kreml in der westlichen Presse plaziert, zum Teil sehr geschickt, unterscheidet man kaum von einer normalen Meldung. Mietmäuler wie den Briloni-Kanzler findet man überall.
Die deutsche Medienlandschaft zeichnet sich bei NBP-Beiträgen übrigens durch fehlende Sachkenntnis und kleinbürgerliche antisozialistische und antikommunistische Abwehrreflexe aus.
P.S.
Wo in den “Mutterprachler”-Links der Bezug zur NBP ist, vermag ich nicht festzustellen. Im Gegenzug ist immer von RNE die Rede, die mit Ihren rechten “Russischen Märschen” die Bewegung des russischen Faschistmus repräsentieren.
Diesen Russlandbeitrag ausgenommen weiter so……
EOD!