Wir riestern uns arm

geschrieben am 19. November 2009 von Spiegelfechter

Deutschland ist das Land der künftigen Riester-Rentner! Mit fast dreizehn Millionen abgeschlossenen Verträgen ist die private Zusatzrente mit staatlichen Zuschüssen – vulgo Riester-Rente – rein quantitativ ein Erfolgsmodell. Qualitativ ist es um die Riester-Rente jedoch nicht so gut bestellt. Nicht nur, dass außer den Anbietern niemand von ihr profitiert, der nicht zu den Gesegneten gehört, die ein gar biblisches Alter erreichen werden – die Riester-Rente ist zudem Gift für die Konjunktur und ein Arbeitsplatzkiller, wie nun eine Untersuchung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) herausfand.

A penny saved is not a penny earned

Eigentlich sind die Ergebnisse des IMK nicht sonderlich überraschend, sondern gar offensichtlich. Wenn Millionen Bundesbürger für 4% ihres Bruttolohns Finanzprodukte kaufen, deren Kapitalstock erst in zig Jahren verrentet ausgezahlt wird, so sinkt die Konsum-, und steigt die Sparquote. Und da ein Euro, der in ein riesterfähiges Finanzprodukt investiert wird, einen wesentlich schwächeren Impuls auf die heimische Konjunktur ausübt, als ein Euro der ausgegeben wird, hat das Riestern negative Folgen für die Konjunktur. Diesen Zusammenhang bestreiten eigentlich nur noch überzeugte Marktfundamentalisten und „Experten“, die auf der Payroll der Finanzinstitute stehen. Neu an den Untersuchungen des IMK ist jedoch, dass die Ökonomen mittels eines Rechenmodells erstmals die negativen Folgen beziffern können.

Für die Simulation betrachteten die Forscher zwei Szenarien. Das erste Szenario beschreibt dabei die Realität mit Riester-Rente. Im zweiten Szenario wurde hingegen unterstellt, dass das alte Modell der Umlagerentenversicherung erhalten bleibt und die steigenden Beiträge paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern übernommen werden. Vor allem die deutlich höhere Sparquote und der damit verbundene Konsumrückgang durch Riester haben – so ergaben die Untersuchungen – massive Auswirkungen auf andere Faktoren. Die Zahl der Arbeitsplätze nimmt beispielsweise durch Riester um eine halben Prozentpunkt ab, während die Bruttolohn und –gehaltssumme sogar um einen ganzen Prozentpunkt fällt. Kombiniert mit dem schwächeren Konsum ergibt dies einen Rückgang von 0,8 Prozentpunkten beim Bruttoinlandsprodukt.

Wir rechnen uns schön

Viel wurde gerechnet, geschönt und verbogen, bis man die private Zusatzrente als Alternative zur gesetzlichen Rente aufgeplustert hatte. Die Rürup-Kommission kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass das Bruttorentenniveau der gesetzlichen Rente bei einzuhaltender Zielvorgabe des Versicherungssatzes bis 2030 um bis zu 6,4% sinken wird. Diese Lücke sollte die Riester-Rente füllen und unter realitätsfern optimistischen Annahmen tut sie dies auch. Für den Rentner springt allerdings dennoch nichts dabei heraus, da diese Lückenfüllung durch die eingeführte nachgelagerte Versteuerung der Renten nahezu komplett wieder in den Steuersäckel geht. Selbst unter optimistischsten Bedingungen hat der Rentner also inklusive Riester-Rente genauso viel oder wenig wie nach dem alten Umverteilungsmodell. Dafür zahlt er aber zeitlebens wesentlich höhere Beiträge. Nach den Prognosen der Wirtschaftsweisen müsste ein Umlagesystem bis zum Jahre 2030 mit einem Versicherungsbeitrag von 25% finanziert werden – bei paritätischer Finanzierung müsste die jüngere Generation demnach 12,5% ihres Gehalts abführen. Für das Riester-Modell ist ein Höchstsatz von 22% bis zum Jahre 2030 vorgesehen – davon 11% für den Arbeitnehmer. Zusätzlich „muss“ er jedoch 4% seines Lohns für die Riester-Rente abführen, also insgesamt 15%. Wer also behauptet, das „alte“ System würde die Beitragszahler – also die Jungen – stärker belasten, der spricht ganz offensichtlich die Unwahrheit aus.

Halbwegs einnahmenneutral ist die Riester-Rente hingegen nur unter besonderen Prämissen. Die Rürup-Kommission geht beispielsweise von einer Durchschnittsrendite von stolzen 4% pro Jahr aus. Weiterhin wird ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 1,7%, eine Inflationsrate von 1,5%, Lohnsteigerungen von nominal 2,9% und eine Produktivitätssteigerung von 1,8% unterstellt. Dies ist eine rosarote Welt des nimmer endenden Wachstums ohne Krisen und ohne besondere Vorkommnisse. Seriös ist diese Modellrechnung keinesfalls. Die Deutsche Bank geht beispielsweise von einem erzielbaren Kapitalmarktzins von 2,25% für private Rentenprodukte aus. Allein diese Differenz ließe bei der privaten Altersvorsorge eine Nettolücke von 10 bis 15% entstehen. Es ist immer schwer, so weit in die Zukunft zu schauen – aber allzu optimistische Rechenmodelle machen aus dem hässlichen Entlein Riester-Rente noch lange keinen schönen Schwan. Denn für die Riester-Rentner ist die Rendite selbst unter den optimistischsten Bedingungen mehr als enttäuschend.

Alt wie ein Baum

Wenn ein normaler Aktienfonds 13% der Einnahmen als Verwaltungsgebühren anrechnen würde, so wäre er binnen kürzester Zeit pleite, da niemand dieses überteuerte Produkt kaufen würde. Ganz anders sieht dies bei fondsgebundenen Riester-Produkten aus. Verwaltungsgebühren im zweistelligen Prozentbereich sind dort keinesfalls die Ausnahme. Wenn ein treuherziger Bürger also Monat für Monat 100 Euro überweist, werden bei bestimmten Produkten nur für 87 Euro Finanzanlagen gekauft, von deren Rendite später einmal die Rente ausbezahlt werden soll. Da sich die vertraglich garantierte Mindestauszahlung aber nicht auf die Gebühren erstreckt, kann es dem Riester-Rentner bei einem solchen Vertrag durchaus passieren, dass er selbst unter ansonsten besten Bedingungen später weniger ausbezahlt bekommt, als er eingezahlt hat. Ein garantiertes Minusgeschäft wird die Riester-Rente zudem für alle, deren Lebenserwartung „normal“ oder gar „gering“ ist.

Mit Ablauf der Einzahlungen errechnet sich bei Riester-Produkten nämlich ein virtuelles Vertragsvermögen, das im Normalfall verrentet (also Monat für Monat) ausbezahlt wird. Verstirbt der Rentner, fällt dieses virtuelle Vermögen an den Anbieter. Bei der Höhe der monatlichen Auszahlung ist daher die Lebenserwartung der Rentner von ganz besonderer Bedeutung – für die Konzerne aber auch für die Rentner. Bei der Riester-Rente gehen die Anbieter jedoch von einer geradezu biblischen Lebenserwartung von stolzen 98 Jahren aus! Die versprochene Rendite bezieht sich also auf die kumulierte Auszahlung bis ins 98. Lebensjahr. Die horrende Differenz zu den Sterbetafeln des Statistischen Bundesamts erklärt die Versicherungswirtschaft übrigens mit dem Umstand, dass Riester-Renter gesünder, wohlhabender und damit langlebiger als „Normalbürger“ seien – was für ein Hohn. Jeder Riester-Rentner, der keine 98 Jahre alt wird, erhält somit weniger als die versprochene Rendite. Risikogruppen, wie Männer, Raucher oder Übergewichtige, die rein statistisch nur in den allerseltensten Fällen 98 Jahre alt werden, haben von vorn herein verloren. Sie können sich bereits darauf einstellen, dass sie bei einer Riester-Rente mehr einzahlen, als sie ausbezahlt bekommen.

Selbst unter optimalen Bedingungen rechnet sich die Riester-Rente – verglichen mit anderen Altersvorsorgemaßnahmen – aufgrund der staatliche Zuschüße nur für Geringverdiener mit möglichst vielen Kindern. Wenn sie dann noch weibliche, schlanke Nichtraucher sind, könnte sich der Riester-Vertrag als Glücksgriff entpuppen. Doch halt – auch hier steckt der Teufel im Detail. Die private Zusatzrente wird nämlich als Einkommen gezählt, das gegen eine mögliche Grundsicherung verrechnet wird. Die Grundsicherung droht derweil nicht nur Hartz IV-Empfängern. Eine Modellrechnung der Deutschen Rentenversicherung hat ergeben, dass auch ein Durchschnittsverdiener, der im Jahre 2030 in Rente geht und nicht mehr als 32 Jahre lang voll in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, in die Grundsicherung fallen wird. Die gesunde Geringverdienerfrau mit den vielen Kindern wird demnach zwar eine rentable Riester-Rente bekommen – diese Leistungen werden ihr allerdings 1:1 von der Grundsicherung abgezogen, so dass sie in toto genauso viel oder wenig Rente bekommen wird wie ohne Riester-Vertrag. Bei der Riester-Rente gibt es nur einen Gewinner und dies sind die Anbieter, für Kunden ist dieses Modell in nahezu jedem denkbaren Fall unattraktiv. Das alleine wäre schon ärgerlich – skandalös ist allerdings, dass die Anbieter auch noch mit Steuergeldern subventioniert werden und die gesetzliche Umlageversicherung für die Riester-Rente ruiniert wurde.

Der systemisch falsche Ansatz

Die kapitalgedeckte Altersvorsorge hat jedoch auch einen systemischen Fehler, der weit über die Ungerechtigkeiten der Riester-Rente hinausgeht. Wenn alle Bürger in den OECD-Staaten privat für ihr Alter vorsorgen würden, wäre eine so immense Summe auf den Kapitalmärkten, dass dies die größte aller je vorstellbaren Finanzblasen wäre. Es gibt schlichtweg nicht soviel Möglichkeiten, Geld vernünftig anzulegen, als dass man diese Ozeane an Kapital sinnvoll einbetten könnte. Systemisch betrachtet, kann die Rendite in einem geschlossenen System nie höher sein als die Lohnsteigerungen, der Produktivitätszuwachs oder das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Daher ist es an der Zeit, umzudenken. Wenn man denn die Beitragssätze für die Umlageversicherung niedrig halten will, so kann man die Differenzen ohne weitere Probleme aus Steuermitteln decken – freilich müsste man dann die Steuern erhöhen und nicht senken. Die Steuereinnahmen orientieren sich à la longue an der wirtschaftlichen Entwicklung und wären damit der perfekte Gradmesser für die Rentenfinanzierung. Aber bei einem solchen System müssten Besserverdiener mehr zahlen als Geringverdiener und die Finanzindustrie könnte keine Profite machen – beides sind heutzutage leider Ausschlusskriterien.

Jens Berger

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  3. [...] dem Titel „wir riestern uns arm“ findet sich hier ein interessanter Beitrag, welcher Inhaltsreich verschiedene Zusammenhänge und sachliche Argumente [...]

  4. [...] Jens Berger: Wir riestern uns arm Deutschland ist das Land der künftigen Riester-Rentner! Mit fast dreizehn Millionen abgeschlossenen Verträgen ist die private Zusatzrente mit staatlichen Zuschüssen – vulgo Riester-Rente – rein quantitativ ein Erfolgsmodell. Qualitativ ist es um die Riester-Rente jedoch nicht so gut bestellt. Nicht nur, dass außer den Anbietern niemand von ihr profitiert, der nicht zu den Gesegneten gehört, die ein gar biblisches Alter erreichen werden – die Riester-Rente ist zudem Gift für die Konjunktur und ein Arbeitsplatzkiller, wie nun eine Untersuchung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) herausfand. Quelle: Spiegelfechter [...]

  5. [...] der Spiegelfechter hat sich hierzu noch einige Gedanken gemacht. Das könnte Dich auch interessieren:90 Prozent gegen [...]

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  7. 7 · Was ich loswerden will (25) « Duestere-Grenze Blog am 24. November 2009 um 09:15·

    [...] Wir riestern uns arm [...]

  8. [...] staatlich geförderte private Vorsorge (Riester-Rente) gemeinsam genutzt werden, bietet die umlagefinanzierte gesetzliche Rente ein starkes, zukunftsfestes [...]

291 Kommentare

  1. R_Winter am 19. November 2009 um 18:49 - - Permalink

    Der Artikel ist fundiert, doch wird die Mehrzahl der SP-Blogger das Thema nicht aufnehmen, das sie entweder
    1. zu jung sind (was in 30 Jahren sein wird….) oder
    2. zu den 4,1 Mill. Selbstständigen oder den 1,9 Mill. Beamten gehören, die nicht betroffen sind oder
    3. zu den Hartz lV-Empfänger gehören, die sowieso beschissen werden.

    Nach meinen Kenntnissen betragen die Overheadkosten + Gewinn

    - gesetzliche Rentenversicherung 4%
    - private Versicherungen zur Rentenabsicherung 12 – 14% + 4% Gewinn = 16% – 18%
    und nicht wie SF geschrieben hat, 13%.

    Riester-Rente ist ein staatlicher Betrug und die meisten halten (können nicht einhalten) die Laufzeit der Verträge nicht ein. Dieses haben die Versicherungen mit einem Versicherungsalter von 98 Jahren bereits eingerechnet. Die Abbruchquote wird noch höher als bei Lebensversicherungen sein.

  2. schwitzig am 19. November 2009 um 19:57 - - Permalink

    @SF

    Gab es dazu nicht vor einem Jahr oder längerer Zeit einen Monitorbericht, der zu ähnlichen Ergebnissen kam? Dein Artikel ist in meinen Augen wichtig – es bleibt zu hoffen, dass ihn viele lesen (nein, ich habe mich nicht verriestern lassen :-).

    Als ich vor ein paar Monaten noch schrieb, dass ich die Umlagefinanzierung in jedem Falle für besser als die private Vorsorge z.B. mit Aktien hielte, wurde ich hier noch kräftig abgewatscht – schön, dass sich die Ansichten annähern :-).

  3. Spiegelfechter am 19. November 2009 um 20:00 - - Permalink

    @Schwitzig

    Als ich vor ein paar Monaten noch schrieb, dass ich die Umlagefinanzierung in jedem Falle für besser als die private Vorsorge z.B. mit Aktien hielte, wurde ich hier noch kräftig abgewatscht

    Von mir? Nie und nimmer nicht! Da wäre ich ja mal für einen Link dankbar ;-)

  4. Philipp Stern am 19. November 2009 um 20:08 - - Permalink

    Ist es nicht ein Gegenargument zu den Betrachtungen zur Sparquote, dass viele Anlagen in Aktien erfolgen? Aktienkäufe führen ja nicht unbedingt zum Bunkern von Geld, sondern im zur Verfügung stellen des Geldes für Investitionen. Oder sehe ich das falsch?

    Ein paar Betrachtungen zum Thema habe ich vor kurzem an einen Vertreter für Finanzanlageprodukte geschrieben, der mir u.a. auch eine Riester-Rente verkaufen wollte. Ich denke, meine Argumentation in dieser eMail zeigt ganz gut, wodran die “Rentenlücke” wirklich liegt:

    Zuerst möchte ich noch einmal mein Argument zur volkswirtschaftlichen
    Sinnhaftigkeit der privaten Altervorsorge darlegen: Es wird ja stets
    und überall (leider auch von Ihnen) behauptet, dass die
    umlagefinanziert Rente am Ende sei, da die Deutschen immer weniger
    Kinder bekommen. Dies ist allerdings ein Trugschluß, wie ich bereits
    bei unserem Treffen darzulegen versucht habe. Evtl. war dies aber nicht
    klar genug.

    Sie stimmen mir doch sicherlich zu, dass man von Geld allein nicht
    leben kann. Es ist vielmehr wichtig, dass man mit dem Geld etwas kaufen
    kann. Es kommt also im Endeffekt darauf an, wieviele Güter insgesamt
    vorhanden sind und wie diese verteilt werden. Wenn wir nicht wollen,
    dass unsere Rentner verhungern, müssen wir es also schaffen, unsere
    Produktivität in dem Maße zu steigern wie der Anteil der Rentner
    steigt. Nehmen wir einmal an, wir schaffen dies, denn wenn nicht,
    bringt auch alles private Sparen nichts, es werden dann auf jeden Fall
    einige Rentner verhungern. Ich nehme im Folgenden einfach einmal ein
    paar Zahlen an um das Problem zu verdeutlichen:

    Angenommen, die Bevölkerung Deutschlands bestand 1950 aus genau 100
    Menschen, von denen 70 Rentenzahler und 10 Rentenempfänger waren. Hinzu
    kommen 20 Unternehmensbesitzer, die keine Rentenumlage zahlen. Nehmen
    wir nun an, dass jeder Rentenzahler 1000 EUR verdient und 10% Rente
    zahlt, so kommen wir auf 60*1000*0,1 = 7000 EUR Gesamteinnahmen für die
    Rentenumlage (jeder Rentner kann also 700 EUR bekommen). Die
    Unternehmensbesitzer verdienen jeweils 2000 EUR, so dass insgesamt
    110.000 EUR für die Volkswirtschaft zur Verfügung stehen.

    Im Jahre 2009 nehmen wir jetzt nur noch 40 Rentenzahler, weiterhin 20
    Unternehmensinhaber und 40 Rentenempfänger an. Die Rentner haben sich
    vervierfact, also nehmen wir auch an, dass sich die Produktivität
    vervierfacht hat. Nun ist es aber so, dass die Einkommen der
    Arbeitnehmer nicht im gleichen Maße gestiegen sind wie die Einkommen der
    Unternehmensinhaber (sogenannte Einkommensschere, die wie Sie sicher
    wissen immer weiter auseinander klafft), wir nehmen also der
    Einfachheit halber ein Einkommen von 3000 EUR pro Arbeitnehmer und ein
    Einkommen von 16.000 EUR pro Unternehmensinhaber an. Wir kommen dann auf
    Rentenzahlungen von 3000 * 40 * 0,1 = 12.000 EUR, was pro Rentner nur
    noch 300 EUR ergibt. Insgesamt kommen wir aber auf ein vervierfachtes
    Volkseinkommen von 440.000 EUR, was eigentlich also für jeden Rentner
    reichen müsste (440000 EUR * 0,1 / 40 = 1100 EUR). Es reicht aber
    deswegen nicht, da der Anteil der Unternehmensbesitzer am
    Gesamteinkommen angestiegen ist und diese eben keine Rentenbeiträge
    zahlen.

    Die Zahlen dieser Beispiele sind natürlich frei erfunden, aber darauf
    kommt es auch nicht an, denn die prinzipiellen Zusammenhänge treten
    auch in der Realität auf. Das Problem sind also nicht die abnehmenden
    Kinder, sondern die größer werdende Einkommensschere. Eine Lösung wäre
    z.B. eine echte Umlage, d.h. eine Zwangsrentenabgabe für jedes
    Enkommen. Ich halte es für einen ziemlichen Skandal, dass dieser
    Zusammenhang quasi nirgendwo aufgezeigt wird und kann mir dieses nur
    durch Meinungsmache der Kapitalbesitzer erklären (Stichwort INSM,
    Bertelsmann Stiftung, etc).

  5. R_Winter am 19. November 2009 um 20:47 - - Permalink

    @Philipp Stern #3

    Sie stimmen mir doch sicherlich zu, dass man von Geld allein nicht
    leben kann. Es ist vielmehr wichtig, dass man mit dem Geld etwas kaufen
    kann. Es kommt also im Endeffekt darauf an, wie viele Güter insgesamt
    vorhanden sind und wie diese verteilt werden. Wenn wir nicht wollen,
    dass unsere Rentner verhungern, müssen wir es also schaffen, unsere
    Produktivität in dem Maße zu steigern wie der Anteil der Rentner
    steigt.

    Deine Frage beinhaltet eine Behauptung und die ist falsch.
    Keine Rentner wird verhungern mit einer solidarischen Rente.
    Es könnte aber eintreten, wenn das Rentensystem auf private Versicherungen umgestellt würden.
    Ein staatlich Unterstützung für wenige im Rahmen der Riester-Verträge ist nicht nur unsozial, sondern verstößt gegen das GG.

    Die Milchmädchenrechnung hat zwei Fehler:
    1. Gehst Du von einem festen Einkommen aus.
    2. Gehst Du von einem konstanten Beitragssatz in Prozenten aus.
    Schon heute zahlt ein Beruftstätiger nicht 19,4%, sondern mit Riester fast 24%.
    Auch ist das gegenwärtige System falsch, da weder Selbstständige, noch Beamte, noch Einkommen über der Bemessungsgrenze nicht in die solidarische Rentenklasse einzahlen.
    Hätten wir ein System. wie in der Schweiz, könnte bei 19,4% erheblich ( bis 400€ p.m.) mehr Rente gezahlt werden. Wem dieses nicht ausreicht, kann ohne staatlich Hilfe weiter aufstocken.
    Statt 1,9% Rendite am Markt erhält er so fast 3,5% Rente bei der Rentenkasse.

    Nein, wir haben genug dümmlich Lobbyisten.

  6. Christian am 19. November 2009 um 20:48 - - Permalink

    Da ich mich gerade selber mit der Altersvorsorge beschäftige, hab ich mal einen Riester-Vertrag einer großen Versicherung unter die Lupe genommen.
    In den ersten 5 Jahre gehen ca. 40% des Kapitals komplett an die Versicherung. Danach weiterhin jedes Jahr 170 EUR an Gebühren. Föderung bekommt der Single ohne Kinder 154 EUR “vom Staat”.

    D.h. die Förderung, die ich unbedingt mitnehmen muss, weil ist ja geschenkt, wie mir aller Orten angetragen wird, wird komplett von der Versicherung eingestrichen!

    Ich dachte ich seh nicht recht. Ich nehme also an, die 13 Mrd. Förderung pro Jahr werden direkt in die Versicherung weitergeleitet, oder?
    Als Altersvorsorge schlage ich daher Aktien der Versicherungsunternehmen vor. :)

  7. harey am 19. November 2009 um 20:50 - - Permalink

    Sehr guter Artikel! Vielen Dank!

    Was passiert eigentlich mit solchen Riester-Renten im Falle einen Börsencrashs oder wenn der Versicherer pleite geht?

  8. Philipp Stern am 19. November 2009 um 21:15 - - Permalink

    @R_Winter: Ich verstehe Deine Antwort nicht so ganz.

    1. Natürlich würden auch bei einer solidarischen Rente Rentner verhungern, wenn denn die Produtivität zu niedrig ist. Wenn kein Brot produziert wird, kriegt auch keiner was zu essen.

    Zu Deiner Kritik an meiner Rechnung: Hast Du meinen Beitrag überhaupt komplett gelesen? Ich will auf den gleichen Punkt hinaus wie Du. Sicherlich sind meine Werte alle nicht korrekt, aber für den Punkt, den ich zeigen will, spielt das doch keine Rolle. Im Endeffekt will ich nur sagen, dass die umlagefinanzierte Rente deswegen nicht mehr reichen wird, da der Anteil am Gesamtvolkseinkommen, der keine Beiträge zahlt immer niedriger wird, was wiederum an der größer werdenden Einkommensschere liegt. Der Grund ist eben nicht der geringer werdende Anteil der Kinder.

  9. Besorgte Bürgerin am 19. November 2009 um 21:21 - - Permalink

    Die staatliche Rente ist sicher, nur läßt sich damit nicht so viel verdienen

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/1752348

    Für Selbständige gibt es Rürup zum Steuern sparen. Aber ob das was bringt….

  10. StefanP am 19. November 2009 um 22:59 - - Permalink

    @R_Winter

    Hätten wir ein System. wie in der Schweiz, könnte bei 19,4% erheblich mehr Rente gezahlt werden.

    Sie wollen nicht wirklich das Schweizer System. Bei unseren Nachbarn zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam jeweils 5 Prozent in die allgemeine Rentenkasse, aus der jeder die gleiche Grundrente erhält. Das wäre für fast jeden Steuerpflichtigen, erst recht für die Besserverdienenden, eine enorme finanzielle Erleichterung. On Top kommen Einzahlungen in eine Pensionskasse, wo das Geld angelegt und genau nach den Beiträgen ausgezahlt wird. Ein Solidarausgleich findet nicht statt, erst recht nicht bei der dritten, rein kapitalgedeckten Säule.

    Denken Sie bitte noch mal nach, ob Sie das wirklich wünschen oder ob Sie nicht Milchmädchengerechnet haben.

  11. Naraniosolus am 19. November 2009 um 23:55 - - Permalink

    Guter Artikel, aber dafür Bedarf es, langfristig Denken zu können, welches ein mittleres Alter vorraussetzt und die jüngere Generation kann sich eben so vieles nicht vorstellen. Ich halte weiterhin die Familie für die beste Versicherung. Die Rentner bekommen sowieso mind. 8 Prozent weniger und das nennt sich alles “Abweichungen” keine Kürzungen. In dem Link wurde das auch ein wenig beschrieben: http://www.dergeopolitiker.net/aktuell/artikel/renten-werden-drastisch-sinken.html

  12. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 00:04 - - Permalink

    @Philipp Stern

    Ist es nicht ein Gegenargument zu den Betrachtungen zur Sparquote, dass viele Anlagen in Aktien erfolgen? Aktienkäufe führen ja nicht unbedingt zum Bunkern von Geld, sondern im zur Verfügung stellen des Geldes für Investitionen. Oder sehe ich das falsch?

    Grundsätzlich siehst Du das nicht falsch, aber hier muss man sehr differenzieren. Wenn das gesparte Geld denn wirklich in ein IPO oder einer Kapitalerhöhung gehen würde, wäre Deine Annahme richtig. Bei 95% aller Aktienkäufe wird allerdings ein Papier von einem anderen Aktionär abgekauft – die Summe für Investitionen steigert sich dadurch um kein Jota.

    Aber ein Großteil der Riester-Rente geht ja auch nicht Aktien, die dafür viel zu riskant sind. Dafür werden allerdings im ganz großen Stil Anleihen und Pfandbriefe gekauft. Für die Volkswirtschaft ist hier aber relevant, dass das Geld in einem großen Maß ins Ausland geht und dort Wachstum schafft.

    Dein Brief ist übrigens korrekt ;-)

  13. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 00:09 - - Permalink

    @harey

    Was passiert eigentlich mit solchen Riester-Renten im Falle einen Börsencrashs oder wenn der Versicherer pleite geht?

    Zum Glück haben Riester-Verträge strenge Vorgaben, so dass nur ein Teil in Aktien investiert werden darf. Von Börsencrashs sind sie zwar betroffen, aber nicht so dramatisch. Aber die Finanzkrise hat uns ja gelehrt, dass vermeintlich sichere Anlagen auch unsicher werden können. Ein Zusammenbruch der HRE hätte beispielsweise den Pfandbriefmarkt kollabieren lassen und das(!) hätte katastrophale Auswirkungen auf die Riester-Rente.

    Aber – und da sind wir bei Deinem zweiten Punkt – dafür haftet natürlich der Steuerzahler.

  14. blubb am 20. November 2009 um 01:11 - - Permalink

    Es sollte mich tangieren.. tuts aber nicht..
    Da es, sollte ich das Rentenalter erreichen, keine Rente mehr geben wird.. sofern der Deutsche Staat dann überhaupt noch existiert…

  15. Gekis am 20. November 2009 um 01:30 - - Permalink

    „Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein “Sparen” im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand.“

    Gerhard Mackenroth: Die Reform der Sozialpolitik durch einen deutschen Sozialplan.
    Schriften des Vereins für Socialpolitik NF, Band 4, Berlin 1952

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Mackenroth

    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/071128_mackenroth.pdf

  16. COPOKA am 20. November 2009 um 01:33 - - Permalink

    Darüber, dass die s.g. Riester-Rente wie auch dazugehörige hanebüchenen Modellrechnungen lediglich ein breit angelegter Betrug der Versicherungs- und Finanzmafia ist, müssen wir uns nicht lange unterhalten – dazu ist schon genug gesagt und geschrieben. Da stimmen wir wohl weitgehend überein.

    Aber auch die Modellrechnung des IMKs ist nicht wesentlich besser – es ist eben nur ein anderes Modell, und jedes Modell ist so gut oder schlecht, wie seine Prämissen/Annahmen und betrachtete Mechanismen in deren beschränkter Gesamtheit, die mir auch nicht so ganz plausibel erscheint. Egal wie, was und wofür eingespart wird, die künftige Generation und darunter Rentner können nur davon leben, was künftig erwirtschaftet wird. Die ggw. Ersparnisse können höchstens auf die Struktur und Verteilung des künftigen Konsums auswirken, aber kaum auf den Wohlstand der Nation. Es sei denn, das Ersparte wird für oder gegen künftige Produktivitätssteigerung eingesetzt.

    Wenn Millionen Bundesbürger für 4% ihres Bruttolohns Finanzprodukte kaufen und so die Sparquote in Republik steigen lassen, so sinkt der Konsum höchstens in der Republik, aber woanders wird “das Eingesparte” doch verkonsumiert, möglicherweise jedoch in einem anderen Konsumbereich. Und diese Republik hatte schon vor Riester und seinen schlauen Amigos einen Bilanzüberschuss im Außenhandel. Wo das ganze verkonsumiert wurde/wird, wissen wir schon längst. Am Schluss sind aber alle verarscht – jene, die mehr produziert als konsumiert haben, und jene, die mehr konsumiert als produziert haben. Außer derjenigen, die die ganze Umverteilung (viel mehr ist es ja nicht), eingefädelt und verwaltet haben.

    Im Übrigen denke ich, wenn die braven Sparbürger all ihre Ersparnisse in Konsum stecken würde, so käme dabei nicht (oder zumindest nicht nur) die höhere Beschäftigungsquote heraus, sondern auch höhere Inflation. So gesehen tun sogar die Riestler gut daran, dass sie ihre Gelder/Konsumansprüche, auf die sie offensichtlich verzichten können, an andere verschenken. So wird die Inflation in Schach gehalten und kommt jenen zu Gute, die auf Teil ihres Konsums gar nicht verzichten können.

  17. Thomas am 20. November 2009 um 02:27 - - Permalink

    So siehts aus. Neben der Privatisierung der Energiewirtschaft ist die Riesterrente für mich das Glanzstück neoliberaler Verflechtung von Politik, Experten, Finanzwirtschaft und Medien. Siehe auch: http://www.swr.de/odysso/-/id=3444502/property=download/nid=1046894/xzllmc/Odysso_080424.pdf

  18. Phil am 20. November 2009 um 03:10 - - Permalink

    @R_Winter:

    Nach meinen Kenntnissen betragen die Overheadkosten + Gewinn

    - gesetzliche Rentenversicherung 4%
    - private Versicherungen zur Rentenabsicherung 12 – 14% + 4% Gewinn = 16% – 18%
    und nicht wie SF geschrieben hat, 13%.

    Auf den Nachdenkseiten ist von rund 10 – 20%* Kosten die Rede, In England sogar bis 40%.

    So müsste letztlich ein solcher Fond mindestens 13 – 14% (bei höheren Kosten entsprechend mehr) jährlich erwirtschaften, um nur dem Umlageverfahren das Wasser reichen zu können, da die DRV momentan rund 3 – 4 % Rendite gibt und nach Berechnungen auch in Zukunft in etwa da bleiben wird.

    Und diese Rendite ist in einer Wirtschaft, die nur um rund 2 % wächst, nicht machbar. Alleine nur deshalb ist eine kapitalgedeckte Altersvorsorge schon nicht realisierbar.

    Auch die Engländer können ein Lied davon singen, da einige dieser Anbieter pleite gingen und sie somit um ihr Gespartes gebracht wurden.

    Und Jens, es ist richtig, wenn Du fragst, wohin mit all dem gesparten Geld? Denn für die Zinsen muss es jemand leihen. Aber ich und auch andere – auch ein Staat – können letztlich nur soviel Geld aufnehmen, wie ich imstande bin, dieses Geld auch zurück zu zahlen.

    *Wobei es letztlich egal ist, da der private Anleger letztlich Gewinn machen muss, während der Staat – sprich das Volk – im Idealfall mit plusminus Null oder gar einem kleinen Plus schon zufrieden ist, was woanders dann investiert werden kann.

  19. Alexander Dill am 20. November 2009 um 06:58 - - Permalink

    Herr Winter, Sie haben offenbar mein Buch “Der grosse Raubzug” gelesen? In der Tat wird nie erwähnt, dass Selbständige und Beamte von der Rentenversicherungspflicht ausgenommen bleiben – auch und gerade unter Schwarz-Gelb. Dies führt zu einem jährlichen Verlust der Rentenversicherung von 78,3 Mrd. Euro (2008), der vollständig vom Bund ausgeglichen wird. Dies ist der größte Etatposten des Bundeshaushaltes. (26,7%)
    Was Riester angeht, so sind die Hintergründe noch viel abenteuerlicher:
    1) Durch die Finanzkrise konnte sich der Bund an Commerzbank, Dresdner Bank beteiligen. An der Postbank ist er bereits beteiligt. Diese sind die Hauptvertriebssysteme von Riester-Renten.
    2) Als im Frühjahr 2009 große Tranchen neuer Staatsanleihen aufgelegt wurden, war die Commerzbank Konsortialführer. Sie verschiebt diese Staatsanleihen dann an die Riester-Rentner als “mündelsichere Anlage” weiter.

    Oder so formuliert: Um neue Finanzmittel für die Subvention der “Marktfreien” zu bekommen, wird die Riester-Rente faktisch als Sondersteuer für Arme eingeführt, deren Beiträge zum Kauf deutscher Staatsanleihen verwendet werden. Auch in den USA und Frankreich herrscht ein Zwangsvertriebssystem für Staatsanleihen, ohne das die Blase längst geplatzt wäre.
    Durch die gar nicht so unerwünschten Aktien-Crashs werden Staatsanleihen wertvoller. Die sogenannte “Finanzkrise” könnte deshalb auch eine geniale Bärenfalle gewesen sein. Um das Ganze abzurunden: Bei einem Leitzins von 1% können die Staatsbanken Hartz IV-Empfänger und Kleinverdiener dazu zwingen, 17% Zins für ihre Überziehung zu bezahlen. Ich würde empfehlen, diese Rendite auf die Kapitalkosten einmal in Prozent auszurechnen, wenn man das nicht glaubt.

    Fazit: Nicht gierige Bonusbanker werden in der Krise gerettet – zumindest nicht in Deutschland – sondern eine doch sehr große Gruppe von Marktfreien, die davon profitiert, keine Sozialabgaben, weniger bis keine Steuern und geringe Zinsen zahlen zu müssen, kurz, die auch in und nach der Krise ihren Privatbesitz vergrößern kann.
    Wir müssen ehrlicherweise einräumen, dass faktisch vorbei an der falschen Statistik, die ja nur versteuerte Einkommen umfasst, nicht aber Vermögenszuwächse und Entnahmen aus unversteurten Vermögen und Hypotheken, dass etwa 12 Mio Bundesbürger in Haushalten leben, die ein Haushaltsnettoeinkommen von 10.000 Euro und mehr haben. Dies beweist übrigens der Fahrzeugbestand auf jeder beliebigen Autobahn. Das ist keine Minderheit. Fast alle Abgeordneten – gerade auch der Grünen – gehören dieser Klientel an.
    Und welches Printmedium, welcher verbeamtete ARD/ZDF-Redakteur möchte schon auf Anzeigen der Commerzbank und Gebührenerhöhung verzichten?
    Deshalb braucht eine freie Gesellschaft Jens Berger, Freitag und heise.de

  20. Marktzyniker am 20. November 2009 um 09:48 - - Permalink

    Eine interessanter Artikel, hoffentlich findet die Studie die hohe Aufmerksamkeit, die sie verdient.

    Spannend wäre auch zu untersuchen, wie sich der Staat in seiner Konjunkturpolitik dadurch bindet, dass er zukünftig auf die Pensionfonds auf dem Kapitalmarkt Rücksicht nehmen muss.

    Politisch für gefährlich halte ich allerdings, dass durch den Riester-Kram Spekulation ein quasi soziales Gesicht bekommt. Ich höre schon die Sprüche der Spekulanten: “Hören Sie es geht hier um die Renten von Millionen, gut ist was Rendite schafft, denn von dieser lebt auch ihre Oma”

    “Riester” wird auch nicht unsere Kinder entlasten, die Manager der Fonds werden schon darauf achten, dass die Löhne unserer Nachkommen nicht in die Bäume wachsen, denn Rendite müsse sein, denkt an unsere Rentner !

  21. StefanP am 20. November 2009 um 09:49 - - Permalink

    Es ist ein Unikum: alles, was im Beitrag geschrieben wurde ist richtig und kommt dennoch zu dem falschen Ergebnis. Beklagt wird, es würde zuviel gespart, was zu Lasten der Konsumquote gehe. Interessanterweise sparen wir Deutschen sehr viel (im Vergleich zu anderen Ländern) und gleichzeitig zu wenig (bei Berücksichtigung der aufgehäuften zukünftigen Ansprüche). Ein Paradoxon, das sich durch Unterschlagung eines wichtigen, des zentralen Fakts erklärt.

    Beginnen wir so: Eine Gesellschaft, in der jeder Mann, jede Frau zwei Kinder im Laufe des Lebens aufzieht, ist völlig im Lot. Der Altersaufbau dieser Gesellschaft sieht im Zeitablauf immer gleich aus: in den mittleren Jahren gibt es ganz viele Menschen und oberhalb des Alters, wo ein Mensch nach körperlichem oder sozialen Empfinden nicht mehr arbeiten kann, nimmt linear ab, bis in der höchsten jeweiligen Altersklasse sehr wenige vorhanden sind. Für die Rentenzahlungen, wo auch immer die herkommen, bedeutet das immer, dass sehr viele Arbeitende eine gleichbleibende Zahl an Rentnern versorgen.

    Jeder weiß: so sieht die Altersstruktur der bundesrepublikanischen Gesellschaft nicht aus, und zwar nicht, weil die Menschen vorrangig nicht mehr sterben wollen und deswegen es ganz viele Alte gibt. Nach wie vor gibt es viele, die früher und wenige, die später sterben. Nein, im Mittelbau und Unterbau fehlt es, im Vergleich haben wir etwas weniger Kinder als über 60jährige und nur wenig mehr Erwerbstätige als Rentner. Die Alterspyramide ist in Wahrheit ein Fass mit dickem Bauch.

    Deutschland gibt im Jahre 2009 soviel als öffentlichen Mitteln (Steuern, Abgaben) für die Altersversorgung aus wie noch nie in der Geschichte. Dies gilt absolut, mehr noch aber in Relation zu den Arbeitnehmereinkommen und dem BIP, obwohl die Lohnquote tendenziell fällt. Gleichzeitig ist die Zahl der armutsgefährdeten Rentner in den letzten 15 Jahren gefallen. Soweit die guten Nachrichten.

    Aufgrund des Fasses gibt es Ängste zunehmender Altersarmut, Überforderung Jüngerer und Überlegungen zur Vermeidung. Am Kern kommt man aber nicht vorbei: irgendwann Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre haben wir aufgehört es schön zu finden, viele Kinder zu haben. Im Vergleich zu der oben dargestellten gesunden Gesellschaft sparen wir uns und jede Generation ein Drittel der notwendigen Kinder. Nun wissen wir, dass Kinder Kosten bedeuten und was machen wir mit dem gesparten Geld, dass wir nicht in die Kinderaufzucht stecken? Das ist unterschiedlich. Die die es sich leisten können, horten Vermögen, andere bessern damit ihren Lebensstandard und konsumieren. Aber tatsächlich ist dieses Geld mal für die Altersvorsorge gedacht, in Zahlen ausgedrückt spart sich jeder Deutsche im Laufe seines Lebens 100.000 EUR Kinderaufzuchtkosten. Die meisten haben dieses Geld jedoch nicht zusätzlich auf der hohen Kante.

    Es gibt zwei prinzipielle Möglichkeiten, aus diesem Dilemma zu finden: wir sparen mehr von unserem Geld und machen daraus Kapital, wobei unter das Kopfkissenlegen die sicherste, aber auch die am wenigsten rentable Alternative bedeutet. Die andere Möglichkeit ist, wie gehabt die Versorgung der Alten allein über das Umlageverfahren des Rein-Raus zu finanzieren. Wegen des Fasses bedeutet das aber, dass wir einen zunehmenden Teil des Erwirtschafteten über den Staat einziehen und umverteilen müssen. Da dies aber nicht wir als die hier in mittleren Jahren Lesenden das tatsächlich bezahlen, sondern unsere Kinder aus dem ihnen dann zur Verfügung stehenden finanzieren, machen wir die Rechnung zu Lasten eben unserer Kinder. Wenn wir heute 13 Prozent des BIP zahlen, sollen unsere Kinder vielleicht 20 Prozent übernehmen.

    Ist das fair, wenn wir uns das Kinderkriegen gespart haben?

  22. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 10:03 - - Permalink

    @Phil

    Auf den Nachdenkseiten ist von rund 10 – 20%* Kosten die Rede, In England sogar bis 40%.

    40% sehe ich als hanebüchen, hast Du da einen Link?

    So müsste letztlich ein solcher Fond mindestens 13 – 14% (bei höheren Kosten entsprechend mehr) jährlich erwirtschaften, um nur dem Umlageverfahren das Wasser reichen zu können, da die DRV momentan rund 3 – 4 % Rendite gibt und nach Berechnungen auch in Zukunft in etwa da bleiben wird.

    Mitnichten – er startet lediglich mit einem Rückstand von 13 – 14%. Das hat aber erst einmal nichts mit der Rendite pro Jahr zu tun. Eine private RV müsste also auf die gesamte Laufzeit 13 – 14% mehr als die Umlageversicherung erwirtschaften, die übrigens sicher keine 3 oder gar 4% Rendite erwirtschaftet, da sie ihre Auszahlungen an die Bruttolöhne anpasst, die auch auf lange Sicht nicht um 3 oder gar 4% p.a. steigen.

    Und Jens, es ist richtig, wenn Du fragst, wohin mit all dem gesparten Geld? Denn für die Zinsen muss es jemand leihen. Aber ich und auch andere – auch ein Staat – können letztlich nur soviel Geld aufnehmen, wie ich imstande bin, dieses Geld auch zurück zu zahlen.

    Richtig – nur dass nicht jeder Cent “verliehen” werden muss. Aber das geht – denke ich mal – zu sehr ins Detail.

  23. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 10:14 - - Permalink

    @Alexander Dill

    Herr Winter, Sie haben offenbar mein Buch “Der grosse Raubzug” gelesen? In der Tat wird nie erwähnt, dass Selbständige und Beamte von der Rentenversicherungspflicht ausgenommen bleiben – auch und gerade unter Schwarz-Gelb. Dies führt zu einem jährlichen Verlust der Rentenversicherung von 78,3 Mrd. Euro (2008), der vollständig vom Bund ausgeglichen wird. Dies ist der größte Etatposten des Bundeshaushaltes. (26,7%)

    Wie kommst Du auf diese Zahl? Sie erscheint mir “zu” hoch. Ist darin die Beitragsbemessungsgrenze eingerechnet? Sind darin potentielle Leistungen für Selbstständige mit einbezogen? Und schließlich – sind darin auch die notwendigen Zusatzkosten für den Staat einbezogen, die anfallen würden, wenn er für Beamte sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil zur RV zahlen müsste? Die Gehälter der Beamten sind nämlich Nettogehälter, die bei einer Teilnahme an der RV deutlich erhöht werden müssten.

    Oder so formuliert: Um neue Finanzmittel für die Subvention der “Marktfreien” zu bekommen, wird die Riester-Rente faktisch als Sondersteuer für Arme eingeführt, deren Beiträge zum Kauf deutscher Staatsanleihen verwendet werden.

    Das kann man so nicht sagen, das die “Armen” nicht riestern (können). Wenn überhaupt, dann ist dies eine “Sondersteuer” für das Kleinbürgertum.

    Durch die gar nicht so unerwünschten Aktien-Crashs werden Staatsanleihen wertvoller.

    Im Gegenteil! Da sie “ein sicherer Hafen” sind, werden sie billiger. Für den Staat wird damit die Refinanzierung günstiger, aber für diejenigen, die Staatsanleihen halten, ist dies kein Renditevorteil – im Gegenteil.

  24. schwitzig am 20. November 2009 um 10:17 - - Permalink

    @StefanP

    Gleichzeitig ist die Zahl der armutsgefährdeten Rentner in den letzten 15 Jahren gefallen.

    … hier habe ich aufgehört zu lesen, denn wenn jemand mit einer sogar offiziell nachweislich falschen Behauptung eine Argumentationskette startet, ist sie schon von der Basis her ungültig.
    Versuche es doch bitte noch mal und wenn nicht wieder so ein Lapsus drinsteckt, werde ich den Artikel auch zuende lesen.

  25. R_Winter am 20. November 2009 um 10:19 - - Permalink

    @StefanP #10

    Sie wollen nicht wirklich das Schweizer System. Bei unseren Nachbarn zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam jeweils 5 Prozent in die allgemeine Rentenkasse, aus der jeder die gleiche Grundrente erhält.

    Ich meine mit dem System Schweiz nicht die Höhe der Einzahlungen, sondern, daß alle in das System einzahlen. Der Satz muß realistisch bei 15 – 17% liegen. Dann würden alle eine lebenswerte Rente erhalten.
    Der Betrag für Sozialfälle muß kräftig angehoben werden, daß mindestens eine Rente um 1000€ p.m. herauskommt.
    Die anderweitig bis dato erworbene Ansprüche müssen in voller Höhe übernommen werden und sind von den jetzigen Trägern später zu zahlen.

  26. StefanP am 20. November 2009 um 10:21 - - Permalink

    @schwitzig
    Sie haben keine Wahl: wenn Sie von der Richtigkeit zunehmender Einkommensunterschiede und gewachsener relativer Armut ausgehen, so müssen Sie auch die Zahl über den Rückgang der Altersarmut glauben. Alles kommt aus der gleichen Quelle. Wenn Sie also meinem Beitrag an der Stelle nicht mehr folgen, können Sie anders nicht behaupten.

  27. StefanP am 20. November 2009 um 10:30 - - Permalink

    @R_Winter
    Sie betreiben Rosinenpickerei. Ein System gibt es immer nur als Ganzes, sonst funktioniert es nicht. Und was sollte Menschen dazu veranlassen, einen hohen Anteil ihres Einkommens in ein System einzubezahlen, wo sie nicht mehr als ein Minimum herausbekommen?

    Es sollte eigentlich zu denken geben, wenn ein durchschnittlicher Lohnempfänger heute nur ein erwartbaren Rentenanspruch von wenig über dem Sozialhilfesatz erzielt, obwohl bereits der Steuerzahler fast jeden dritten Euro zuschießt und der Beitragssatz umgerechnet unter Berücksichtigung des Steuereinflusses bei 25 Prozent liegt. Es benötigt nicht viel Phantasie sich vorzustellen, wo dieser Abzug vom Lohn liegen müsste, um die von Ihnen vorgeschlagene Mindestrente zu erreichen.

  28. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 10:36 - - Permalink

    @StefanP

    Beklagt wird, es würde zuviel gespart, was zu Lasten der Konsumquote gehe. Interessanterweise sparen wir Deutschen sehr viel (im Vergleich zu anderen Ländern) und gleichzeitig zu wenig (bei Berücksichtigung der aufgehäuften zukünftigen Ansprüche). Ein Paradoxon, das sich durch Unterschlagung eines wichtigen, des zentralen Fakts erklärt.

    Diese Fehleinschätzung kommt dann zustande, wenn man dem Irrtum verfällt, Ansprüche als Generationenfrage zu sehen. A la longue entsprechen die Verbindlichkeiten des Staates den Forderungen der Privatpersonen gegen den Staat. Die Staatsanleihen muss ja schließlich auch jemand kaufen und das sind – nicht zuletzt auch dank Riester – immer breitere Schichten der Bevölkerung. Warum sollte man – als Volkswirtschaft – also mehr sparen? Die Forderungen kommen ja nicht aus dem luftleeren Raum, sondern von uns selbst. Mit Generationen hat das auch nichts zu tun, da die Forderungen – so sie denn nicht in einem Riester-Produkt stecken, auch vererbt werden.

    Beginnen wir so: Eine Gesellschaft, in der jeder Mann, jede Frau zwei Kinder im Laufe des Lebens aufzieht, ist völlig im Lot. Der Altersaufbau dieser Gesellschaft sieht im Zeitablauf immer gleich aus: in den mittleren Jahren gibt es ganz viele Menschen und oberhalb des Alters, wo ein Mensch nach körperlichem oder sozialen Empfinden nicht mehr arbeiten kann, nimmt linear ab, bis in der höchsten jeweiligen Altersklasse sehr wenige vorhanden sind. Für die Rentenzahlungen, wo auch immer die herkommen, bedeutet das immer, dass sehr viele Arbeitende eine gleichbleibende Zahl an Rentnern versorgen.

    Und bei einer steigenden Lebenserwartung würde das bedeuten, dass die Fertilität mit der Lebenserwartung steigen müsste, da ansonsten dieses Verhältnis aus dem Lot gerät. Nun ist es aber so, dass Fertilität auch etwas mit dem Bildungsniveau einer Gesellschaft zu tun hat. Je gebildeter eine Gesellschaft, desto geringer ihr Nachwuchs. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.

    Deutschland gibt im Jahre 2009 soviel als öffentlichen Mitteln (Steuern, Abgaben) für die Altersversorgung aus wie noch nie in der Geschichte.

    Alles andere wäre auch fürchterlich.

    Nun wissen wir, dass Kinder Kosten bedeuten und was machen wir mit dem gesparten Geld, dass wir nicht in die Kinderaufzucht stecken? Das ist unterschiedlich. Die die es sich leisten können, horten Vermögen, andere bessern damit ihren Lebensstandard und konsumieren.

    Richtig – wobei angemerkt werden muss, dass die Sparquote mit dem Einkommen steigt. Je mehr eine Person verdient, desto mehr (relativ und absolut) spart sie.

    Aber tatsächlich ist dieses Geld mal für die Altersvorsorge gedacht,

    Und hier steckt der Denkfehler. Wer konsumiert, steckt sein Geld in den Wirtschaftskreislauf. Damit werden Löhne bezahlt und damit werden letztendlich auch die Rentenbeiträge bezahlt, die auf der anderen Seite des Umlagesystems als Renten ausbezahlt werden. Wer konsumiert, zahlt also in das Altersvorsorgesystem ein.

    Es ist ein weiterer Denkfehler, das Ganze auf eine Person runter zu brechen. Ich zahle nicht meine Rente, sondern die Rente der jetzigen Rentner, während meine Rente später einmal von den Konsumausgaben (und Einkommen) der nachfolgenden Generation bezahlt wird.

    in Zahlen ausgedrückt spart sich jeder Deutsche im Laufe seines Lebens 100.000 EUR Kinderaufzuchtkosten. Die meisten haben dieses Geld jedoch nicht zusätzlich auf der hohen Kante.

    Zum Glück – ansonsten wäre nicht nur das Rentensystem, sondern auch die Volkswirtschaft schon zusammengebrochen.

    Es gibt zwei prinzipielle Möglichkeiten, aus diesem Dilemma zu finden: wir sparen mehr von unserem Geld und machen daraus Kapital, wobei unter das Kopfkissenlegen die sicherste, aber auch die am wenigsten rentable Alternative bedeutet.

    Das “Kopfkissenlegen” ist aus mehreren Gründen volkswirtschaftlich unsinnig. Zu einem entsteht dabei ein inflationsbedingter Wertverlust, zum anderen verschwindet dieses Geld aus der Geldmengenberechnung der EZB, da es nicht mehr im Umlauf ist.

    Wegen des Fasses bedeutet das aber, dass wir einen zunehmenden Teil des Erwirtschafteten über den Staat einziehen und umverteilen müssen.

    Ja, 25% anstatt 22% plus 4% im Jahre 2030. Das ist kein Argument für die private Rentenvorsorge, sondern ein Argument dagegen.

    Ist das fair, wenn wir uns das Kinderkriegen gespart haben?

    Es ist anachronistisch, in einer hoch arbeitsteiligen und hoch produktiven Gesellschaft das Heil in “mehr Kindern” zu suchen. Was sollen diese Kinder (außer Konsumieren) in einer künftigen Gesellschaftsordnung denn machen? Etwas überspitzt: Je mehr Kinder wir zeugen, desto mehr Hartz IV-Empfänger werden wir in einigen Jahen haben.

  29. schwitzig am 20. November 2009 um 10:39 - - Permalink

    @schwitzig
    Sie haben keine Wahl: wenn Sie von der Richtigkeit zunehmender Einkommensunterschiede und gewachsener relativer Armut ausgehen, so müssen Sie auch die Zahl über den Rückgang der Altersarmut glauben. Alles kommt aus der gleichen Quelle. Wenn Sie also meinem Beitrag an der Stelle nicht mehr folgen, können Sie anders nicht behaupten.

    Nur, dass ich das richtig verstanden habe: Du meinst also, dass Rentner gar nicht arm sind, weil durch die auseinanderdriftende Arm/Reich-Schere immer mehr Einzahler kontinuierlich ärmer werden und Rentner im relativen Verhältnis dazu weniger arm sind? Das ist aber eine interessante Definition von Armut.
    Übrigens sprechen die Zahlen zu den “Aufstockern” unter den Rentnern, die überdies eine steigende Tendenz haben, eine ganz andere Sprache.

  30. StefanP am 20. November 2009 um 11:18 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    A la longue entsprechen die Verbindlichkeiten des Staates den Forderungen der Privatpersonen gegen den Staat.

    Das betrifft die reine Staatsverschuldung und auch nur in einem relativ geschlossenen System. Das trifft weitgehend auf Deutschland, nicht jedoch z.B. auf die USA zu. Aber was ist mit den in den Sozialversicherungssystemen schlummernden Verpflichtungen in die Zukunft? Ganz voran die Rentenversicherung: wie Sie an anderer Stelle richtig schreiben, sind unsere Rentenansprüche von der nachfolgenden Generation zu tragen. Hier steht folglich der Verschuldung von uns ein bilanzieller Posten an unseren Kindern gegenüber und nicht gegenüber dem Staat.

    Wir empfinden doch eine Belastung nur als gerecht, wenn sie von allen gleichermaßen getragen wird und maßvoll bleibt. Wer neben allen anderen allgemeinen Belastungen jeden vierten Euro allein dafür an die Allgemeinheit abtreten muss, dass eine ausreichende Altersabsicherung gewährleistet ist ohne dafür sich besser zu stellen, wird das kaum akzeptieren. Erst recht nicht, wenn die eine Generation relativ weniger zahlen muss als die andere. Das ist schlichtweg unfair.

    Und bei einer steigenden Lebenserwartung würde das bedeuten, dass die Fertilität mit der Lebenserwartung steigen müsste, da ansonsten dieses Verhältnis aus dem Lot gerät.

    Nein, es bedeutet nur, dass das Renteneintrittsalter mit steigender Lebenserwartung nach oben verschoben werden müsste. Wir werden ja nicht dafür älter, um länger gebrechlich zu sein, sondern um unser aktives Leben zu verlängern.

    Deutschland gibt im Jahre 2009 soviel als öffentlichen Mitteln (Steuern, Abgaben) für die Altersversorgung aus wie noch nie in der Geschichte. Alles andere wäre auch fürchterlich.

    Das wäre ja nur so, wenn wir einen gleichbleibenden relativen Anteil verwenden würden. Das ist nicht der Fall und nicht gemeint. Reichten früher 8 Prozent allen Erwirtschafteten aus, um Eltern und Großeltern zu versorgen, sind es inzwischen 13-15 Prozent. Logischerweise bleiben dann lediglich 85 Prozent statt zuvor 92 Prozent für die eigenen Bedürfnisse. Das erscheint mir nicht vorteilhaft.

    Wer konsumiert, steckt sein Geld in den Wirtschaftskreislauf. Damit werden Löhne bezahlt und damit werden letztendlich auch die Rentenbeiträge bezahlt, die auf der anderen Seite des Umlagesystems als Renten ausbezahlt werden. Wer konsumiert, zahlt also in das Altersvorsorgesystem ein.

    Auch das ist eine alte Annahme der Nationalökonomie. Wir haben aber keinen geschlossenen Wirtschaftskreislauf mehr. Nehmen wir ein Beispiel, antworten Sie spontan, welche Konsumgüterbranche hier in Deutschland produziert. Noch jeder, dem ich diese Frage gestellt hatte, musste tief Luft holen. Die in Deutschland produzierenden Konsumguthersteller heißen Escada, Porsche, Pelikan, Merck. Daneben viele Dienstleistungsunternehmen, die aber vom normalen Bürger häufig nicht in Anspruch genommen werden und sehr viele Handelsunternehmen. Vervollständigt wird die Liste durch Unternehmen im Umweltsektor. Eins fehlt, der wichtigste Zweig: die Branche, die für die Produktion Maschinen herstellt. Am Ende haben Sie größtenteils Wirtschaftsbereiche, die durch eine Anregung des Konsums nicht stimuliert werden, weil sie von anderen Bedingungen abhängig sind: die Luxusgüterindustrie, das es den Reichen gut geht, der Handel, das weltweit günstig produziert wird, den Umweltunternehmen, das die Standards hoch sind und die Subventionen ebenso.

    Mit anderen Worten: der deutsche Arbeitsmarkt hat nichts davon, wenn die Leute Geld ausgeben um Handys, Fernseher und neue Computer zu kaufen. Und die Rentenkasse genauso wenig.

    Weil aber die Betrachtung nicht mehr national sein kann, ist die Kapitalbildung die einzige Möglichkeit, unser demographisches Problem mit wachsenden Regionen zu teilen und damit zu kompensieren. Denn tatsächlich funktioniert ja jede Altersversorgung dadurch, dass alte Menschen an der Arbeitsleistung der anderen teilhaben. Wenn dazu die Deutschen als Gesellschaft nicht ausreichen, dann eben durch Kapitalbeteiligung in jungen ausländischen Unternehmen.

    Ich sprach nicht von mehr Kindern, sondern nur von Substanzerhalt. Es kann nicht verwerflich sein, die eigene Familie, die eigene Gesellschaft, die eigene Nation erhalten zu wissen. Es ist auch nicht richtig, dass dadurch mehr Sozialhilfebezieher entstehen, das hängt von vielen Faktoren ab (die ich mir hier spare). Höchstens wäre anzunehmen, dass der Anteil in Bezug auf die übrige Bevölkerung gleich bleibt.

  31. StefanP am 20. November 2009 um 11:24 - - Permalink

    @schwitzig

    Nur, dass ich das richtig verstanden habe: Du meinst also, dass Rentner gar nicht arm sind, weil durch die auseinanderdriftende Arm/Reich-Schere immer mehr Einzahler kontinuierlich ärmer werden und Rentner im relativen Verhältnis dazu weniger arm sind?

    Nein, das meine ich nicht. Armut wird ausschließlich relativ definiert, also in Bezug auf die Gesamtheit oder das Medianeinkommens. Hier haben die Rentner ihre Position in den letzten 15 Jahren verbessert, während z.B. die Alleinerziehenden und die Jungen ihre Stellung verschlechtert haben. Es bedeutet auch nicht, dass es keine armen Rentner gibt (genauso, wie es arme Aktienbesitzer gibt). Das ist alles und nicht mehr gesagt.

  32. Rossi am 20. November 2009 um 11:39 - - Permalink

    @SF: Das ist zwar off topic, aber ich denke, dass du es hier am schnellsten liesst: Kann es sein, dass die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus zur Zeit sehr träge ist? Teilweise habe ich sogar Timeouts. Ist dein Leseraufkommen so sehr angestiegen oder passt da mit dem neuen Server noch was nicht?

    Hinter wordpress steht doch ne mysql Datenbank oder? Habt ihr die schon mal auf deine Beduerfnisse hin optimiert?

  33. schwitzig am 20. November 2009 um 11:39 - - Permalink

    @StefanP

    Nein, das meine ich nicht. Armut wird ausschließlich relativ definiert,

    Dann wäre die Antwort aber: Ja, so meine ich das.

  34. salvo am 20. November 2009 um 11:48 - - Permalink

    @StefanP

    also ich bin kein ‘Ökonom’, es fehlt mir im Moment auch die Zeit, näher darauf einzugehen, da ich arbeiten muss (btw sind Sie ein professioneller Meinungsmacher? :-)), aber

    Weil aber die Betrachtung nicht mehr national sein kann, ist die Kapitalbildung die einzige Möglichkeit, unser demographisches Problem mit wachsenden Regionen zu teilen und damit zu kompensieren.

    es ist mir entgangen, dass die Wirtschaft in diesem Lande sozusagen chronisch nicht mehr wächst (ungeachtetet der tiefer greifenden Frage, was denn Wachstum wirklich ist, ob er auch qualitativ gut und erwünscht ist usw) und das wir deshalb unsere Altersvorsorge sozusagen von chinesichen Wanderarbeiter erarbeiten lassen müssen?

  35. StefanP am 20. November 2009 um 11:53 - - Permalink

    Noch ein Wort zu einer anderen These, der Blasenbildung durch zusätzliches Kapital. Wie meistens hat diese Annahme einen wahren Kern und beliebt ist dann der Verweis auf den Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Die Verbalökonomie vernachlässigt aber wichtige Faktoren: Blasen werden zumeist durch eine Anheizung der Geldmenge (dem Druck von Papiergeld), nicht vordringlich durch die Umleitung von Geld aus dem Konsum- in den Investitionsbereich erzeugt.

    In den letzten 15 Jahren gelangten über die so kritisierten Hedgefonds und Private-Equity-Firmen beträchtliche Mengen frischen Kapitals auf den deutschen Markt. Gleichzeitig flossen größere Mengen ab. Wie ist das zu erklären? Die ausländischen Kapitalgeber investierten ihr Kapital in deutsche mittelständische Firmen und verbesserten deren Eigenkapitalstruktur. Im Gegenzug wurden Banken als Kapitalgeber zurückgedrängt oder verabschiedeten sich freiwillig aus der früher üblichen industriepolitischen Rolle. Auch wenn die Kritik an dieser Form der Eigenfinanzierung groß ist, bleibt unbestreitbar, dass sich seit der Wiedervereinigung die Eigenkapitalausstattung gerade im Mittelstand deutlich erhöht hat. Die Geschäftsbanken haben die freiwerdenden Mittel zum Kapitalexport genutzt.

    So kann auch eine stärkere Kapitalisierung der Altersvorsorge funktionieren, indem die Menschen am Produktivvermögen und damit künftigen Wertsteigerungen im wirtschaftlichen Bereich beteiligt werden. Übrigens hat die Linkspartei im Verbund mit der Gewerkschaft IG Metall ähnliches zuletzt vorgeschlagen: die Beschäftigten sollten bei Lohnverzicht durch Beteiligungskonzepte Unternehmensanteile erwerben. Das ist ökonomisch nichts anders als zusätzliches Sparen und Kapitalbildung. Nur möchten die Genannten dies in Fonds eingebracht wissen, auf den der einzelne Beschäftigte keinen unmittelbaren Zugriff hat. Mit anderen Worten: die Gelder der Lohnempfänger sollen von Funktionären verwaltet werden.

  36. PitPudel am 20. November 2009 um 12:12 - - Permalink

    zu Nr. 31: Wie war das gleich noch mal: statistisch gesehen haben ein Millionär und ein Mittelloser jeweils 500000 Euro? Hat der Millionär nun 2 Millionen, dann haben er und 3 Mittellose im Schnitt 500000? Dann ist ja alles prima.

    und dann gleich noch zu Nr. 35:

    Wenn Beschäftigte an dem Unternehmen beteiligt sind, in dem sie arbeiten, dann werden sie wohl kaum absurde Renditen erwarten. Beteiligt man sich als Aktionär an einem Unternehmen, dessen Innenleben man nicht kennt, so fällt es leichter, jede Renditehöhe zu erwarten.

    Wenn sie schreiben, dass das “Geld von Funktionären verwaltet” werden soll, so riecht das für mich nach Neoliberalem Neusprech. “Funktionäre”, das klingt nach staatlichem Einfluss, nach miefigen Beamtenstuben, kurz: nach den Dingen, die ja neuerdings dringend abgeschafft gehören. Den Geruch mag ich nicht. Sie dürfen mich aber gerne korrigieren, falls ich mich irre.

  37. R_Winter am 20. November 2009 um 12:13 - - Permalink

    @StefanP #27

    Sie betreiben Rosinenpickerei. Ein System gibt es immer nur als Ganzes, sonst funktioniert es nicht. Und was sollte Menschen dazu veranlassen, einen hohen Anteil ihres Einkommens in ein System einzubezahlen, wo sie nicht mehr als ein Minimum herausbekommen?

    Keinesfalls betreibe ich “Rosinenpickerei”. Die Rendite der GRV ist um fast 100% höher als die Rendite der privaten Rentenversicherung. Auch jetzt schon zahlen die Bürger (mit Ausnahme der Beamten) 19,4 + 4 = 23,4% ein.
    Du behauptest, mein Systemvorschlag funktioniert nicht – es kann funktionieren, wird aber von der Versicherungswirtschaft und den 60% im Bundestag sitzenen Beamten blockiert (wer sägt schon an den Ast, auf dem er sitzt?
    (z.B Jens Spahn, 29 Jahre, gundheitspolitischer Sprecher der CDU hat jetzt schon einen Anspruch von über 2500 Rente – warum sollte er es ändern?).
    Die Schweiz hat bewiesen, daß ein System verändert werden kann.

  38. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 13:03 - - Permalink

    @StefanP

    -> A la longue entsprechen die Verbindlichkeiten des Staates den Forderungen der Privatpersonen gegen den Staat.

    Das betrifft die reine Staatsverschuldung und auch nur in einem relativ geschlossenen System. Das trifft weitgehend auf Deutschland, nicht jedoch z.B. auf die USA zu.

    Das ist richtig, aber wir diskutieren hier auch über das deutsche Rentensystem und nicht das amerikanische.

    Ganz voran die Rentenversicherung: wie Sie an anderer Stelle richtig schreiben, sind unsere Rentenansprüche von der nachfolgenden Generation zu tragen. Hier steht folglich der Verschuldung von uns ein bilanzieller Posten an unseren Kindern gegenüber und nicht gegenüber dem Staat.

    Auch das ist schlicht und einfach falsch. So funktioniert das Umlagesystem nun einmal nicht. Die Anwartschaften werden erst in Zukunft in Ansprüche aus den zukünftigen Umlagesystem umgewandelt. Es sind aber keine bilanziellen Posten! Denn dann müsste eine Gegenbuchung durchgeführt werden, auf der i.d.T. Schulden auftauchen müssten. Das ist aber nicht der Fall.

    Wer neben allen anderen allgemeinen Belastungen jeden vierten Euro allein dafür an die Allgemeinheit abtreten muss, dass eine ausreichende Altersabsicherung gewährleistet ist ohne dafür sich besser zu stellen, wird das kaum akzeptieren.

    Oh, natürlich hat er das zu akzeptieren. Das ist nun einmal der Generationenvertag und das ist nun einmal der Sozialstaat. Beides wird akzpetiert!

    Erst recht nicht, wenn die eine Generation relativ weniger zahlen muss als die andere. Das ist schlichtweg unfair.

    Das ist auch schlichtweg falsch, wenn man es auf das Individuum bezieht. Es ist wenig hilfreich, hier die Genrationenkarte spielen zu wollen. Da können wir auch die Geschlechterkarte spielen – es ist nachweislich so, dass Männer in jedem Rentensystem, bei dem die Beiträge in Unisex-Tarifen aufgestellt sind, schlechter gestellt sind, da sie die geringere Lebenserwartung haben. Ist es denn nicht auch schlichtweg unfair, dass Männer relativ weniger Leistungen bekommen und daher relativ höhere Beiträge bezahlen als Frauen? Auch Besserverdiener zahlen realtiv mehr, auch das ist schlichtweg unfair, wenn man bei Deiner Dikition bleiben will.

    -> Und bei einer steigenden Lebenserwartung würde das bedeuten, dass die Fertilität mit der Lebenserwartung steigen müsste, da ansonsten dieses Verhältnis aus dem Lot gerät.

    Nein, es bedeutet nur, dass das Renteneintrittsalter mit steigender Lebenserwartung nach oben verschoben werden müsste. Wir werden ja nicht dafür älter, um länger gebrechlich zu sein, sondern um unser aktives Leben zu verlängern.

    Das hat nun aber gar nichts mit der Fertilität zu tun. Bitte nicht auf Nebenkriegsschauplätze ausweichen.

    Das wäre ja nur so, wenn wir einen gleichbleibenden relativen Anteil verwenden würden. Das ist nicht der Fall und nicht gemeint. Reichten früher 8 Prozent allen Erwirtschafteten aus, um Eltern und Großeltern zu versorgen, sind es inzwischen 13-15 Prozent. Logischerweise bleiben dann lediglich 85 Prozent statt zuvor 92 Prozent für die eigenen Bedürfnisse. Das erscheint mir nicht vorteilhaft.

    Das ist nun einmal die Konzession an die längere Lebenserwartung. Vorteilhaft muss das auch nicht sein. Es gibt nun einmal Rahmenbedingungen, die nicht verrückbar sind. Es hilft auch nichts, an diesen Rahmenbedingungen zu rütteln, man muss sich lediglich auf sie einstellen. Es ist nun einmal Fakt, dass das Volk älter wird, die Geburtenrate auf niedrigem Niveau bleibt und es eine naturgegebene Grenze für die maximale Lebensarbeitszeit gibt. Eine ordentliche Rente muss auf diese Rahmenbedingungen volkswirtschaftlich sinnvoll reagieren. Das kann das Umlagesystem, aber nicht die private Zusatzrente.

    -> Wer konsumiert, steckt sein Geld in den Wirtschaftskreislauf. Damit werden Löhne bezahlt und damit werden letztendlich auch die Rentenbeiträge bezahlt, die auf der anderen Seite des Umlagesystems als Renten ausbezahlt werden. Wer konsumiert, zahlt also in das Altersvorsorgesystem ein.

    Auch das ist eine alte Annahme der Nationalökonomie.

    Bitte? Das ist Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung für Anfänger.

    Wir haben aber keinen geschlossenen Wirtschaftskreislauf mehr

    Natürlich nicht, aber bei einem in Deutschland ausgegebenen Euro landet nun einmal ein wesentlicher größerer Teil sowohl im deutschen Steuersystem, das für die Umverteilung sorgt, im deutschen Rentensystem und allgemein in der deutschen Volkswirtschaft, als in einem Euro, der in einem Finanzprodukt angelegt wird.

    Im großen Ganzen ist dies freilich ein Nullsummenspiel. Sparen ist bekanntlich auch gar nicht möglich, wenn man als Basis die Weltwirtschaft und nicht die deutsche Volkswirtschaft nimmt. Wenn wir über das deutsche Rentensystem sprechen, sind derlei Betrachtungen allerdings nebensächlich.

    . Nehmen wir ein Beispiel, antworten Sie spontan, welche Konsumgüterbranche hier in Deutschland produziert.

    Das ist auch nur leidlich interessant, da es um die Wertschöpfungskette geht. Ein T-Shirt für 10 Euro mag zwar in Kambodscha hergestellt worden sein, aber der absolute Gros der Wertschöpfung findet in Deutschland statt. Bei diesem T-Shirt fallen erst einmal 1,90 Euro Mehrwertsteuer an. Ich würde mal schätzen, dass der Anteil für die Distribution (Mieten für das Ladengeschäft, Lohnkosten für die Verkäufer, Transport vom Seehafen bis zur Verkausstelle, Marketing etc. pp.) rund 60% also 6 Euro ausmachen. 1 Euro – also 10% – dürfte zusätzlich als Gewinn anfallen, der in D versteuert wird und an Shareholder in D ausgezahlt wird. Nach meiner Rechnung bleiben dann 11% also 1,10 übrig, die ins Ausland gehen – in die Herstellung der Rohstoffe, in die Produktion und in die Distribution bis zum deutschen Seehafen. Es ist daher relativ uninteressant, ob dieser Artikel in D hergestellt wurde. Einzig und allein für die Arbeitsplatzfrage ist das interessant, da der Anteil der Arbeitsstunden in diesem Kreislauf ungleich der Wertschöpfung verteilt ist. Aber das ist auch nicht weiter tragisch – dafür leben wir nun einmal in einem hochproduktiven Land.

    Noch jeder, dem ich diese Frage gestellt hatte, musste tief Luft holen. Die in Deutschland produzierenden Konsumguthersteller heißen Escada, Porsche, Pelikan, Merck.

    Und ein Großteil der Wertschöpfung wird von Aldi, Media-Markt, Edeka, DHL, Hapag-Lloyd, Springer und Jacoby, der Süddeutschen Zeitung etc. pp. erbracht. Und damit wird (auch) die Rente finanziert.

    Eins fehlt, der wichtigste Zweig: die Branche, die für die Produktion Maschinen herstellt

    Das ist mitnichten(!) der wichtigste Zweig! Wenn immer wieder kolportiert wird, dass jeder vierte Arbeitsplatz in D vom Export abhängt, heißt dies im Umkehrschluß, dass drei Vierteil aller Arbeitsplätze direkt an der Binnenwirtschaft (und am Import) hängen. Der Handel ist wesentlich wichtiger als der Export. Der Gedanke, dass wir nur so gut leben können, weil wir so viel mehr exportieren, als wir importieren, ist grundfalsch.

    Mit anderen Worten: der deutsche Arbeitsmarkt hat nichts davon, wenn die Leute Geld ausgeben um Handys, Fernseher und neue Computer zu kaufen. Und die Rentenkasse genauso wenig.

    Das ist nachgewiesen falsch und das bestreitet noch nicht einmal Professor Sinn.

    Weil aber die Betrachtung nicht mehr national sein kann, ist die Kapitalbildung die einzige Möglichkeit, unser demographisches Problem mit wachsenden Regionen zu teilen und damit zu kompensieren.

    Was nichts anderes heißt, als das wir unsere Renten im Ausland erwirtschaften lassen sollen. Das wiederrum kann nicht gut gehen, da a) auch die Emerging Markets gar nicht so viel erwirtschaften können und b) derlei Ungleichgewichte zu so großen Schieflagen führen, dass das System unweigerlich aus dem Ruder läuft.

    Denn tatsächlich funktioniert ja jede Altersversorgung dadurch, dass alte Menschen an der Arbeitsleistung der anderen teilhaben. Wenn dazu die Deutschen als Gesellschaft nicht ausreichen, dann eben durch Kapitalbeteiligung in jungen ausländischen Unternehmen.

    Und an wen sollen diese jungen ausländischen ihre Waren verkaufen? An die chronisch klamme Bevölkerung der eigenen Länder, die ihren Wettbewerbsvorteil aufgeben, wenn sie vor Ort die Binnennachfrage steigern?

    Außerdem bedenkst Du einen wichtigen Faktor gar nicht. Wie viele “junge ausländische Unternehmen” soll es denn geben, die die Billionen aufnehmen könnten, die in kapitalgedeckten Rentensystemen stecken müssten?

    Ich überschlage das mal kurz nur für Deutschland. Das Volkseinkommen beträgt rund 1.800 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn man davon einmal 15% zur Finanzierung eines kapitalgedeckten Rentensystems abzweigen würde, käme man auf stolze 270 Mrd. Euro – Jahr für Jahr! So viele Wachstumsmärkte kann es gar nicht geben, als dass man diese Summe renditeträchtig investieren könnte. Außerdem sind die Chinesen und andere “Konkurrenten” im Investitionsbereich auch nicht eben knapp an Kapital. Was für die private Altersvorsorge eines einzelnen Individuums sinnvoll ist (auch ich investiere in Wachstumsmärkte, um einen Kapitalstock fürs Alter aufzubauen), ist für ein Gesamtsystem tödlich.

  39. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 13:06 - - Permalink

    @Rossi

    Ist dein Leseraufkommen so sehr angestiegen oder passt da mit dem neuen Server noch was nicht?

    Letzteres will ich nicht ausschließen.

    Hinter wordpress steht doch ne mysql Datenbank oder? Habt ihr die schon mal auf deine Beduerfnisse hin optimiert?

    Wenn Du da Ahnung hast, kannst Du mich gerne mal per Mail kontaktieren.

  40. StefanP am 20. November 2009 um 13:07 - - Permalink

    @R_Winter

    Wie haben Sie die Renditen gerechnet? Das ist allein schon deswegen außerordentlich schwer, weil je nach Einzahlung und Rentenhöhe unterschiedliche Verzinsungen gelten. Der Grund heißt „Solidarausgleich“ zwischen höheren und niedrigeren Renten. Und bei der kapitalgedeckten Vorsorge gilt es zu unterscheiden zwischen Betriebsrenten, Fondsanlagen und Kapitallebensversicherungen. Und wie ist eigentlich die Verzinsung des Eigenheims von Ihnen gerechnet?

    Außerdem ist die Verzinsung derzeit in der Umlagerente nur deswegen noch ziemlich hoch, weil durch höhere Beiträge (in %) und Steuerzuschüsse nachjustiert wird. Das ist so, als würden Sie 100.000 EUR auf 20 Jahre zu einem Zins von 5% p.a. anlegen. Kurz vor der Auszahlung leisten Sie eine außerordentliche Einlage von zusätzlichen 100.000 EUR und freuen sich, dass Sie 365.000 EUR ausbezahlt bekommen, was Sie flugs zu einer Rendite von 6,7% umrechnen.

  41. Stefan am 20. November 2009 um 13:16 - - Permalink

    Der Artikel zeigt mE sehr gut auf wie man eine eine ansonsten messerscharfe Analyse mit Allgemeinplätzen kaputt machen kann. Dieses fast schon rituelle Anführen der Beamten und Selbstständigen als potentielle Einzahler ist meiner Meinung nach vollkommener Blödsinn, damit wird ja nicht nur die Einzahlerbasis ausgeweitet sondern auch die Anzahl der Empfangsberechtigten.

    Wie soll das denn gehen? Der Beamte bekommt Besoldung ( Brutto-Einkommenssteuer= Netto), soll er nun noch Renten- und Krankenversicherung bezahlen dann müsste sein Brutto dementsprechend ansteigen ebenso wie unter dem aktuellen Steuersystem seine Einkommenssteuer stark steigen. Schließlich ist die Bemessungsgrundlage ja das Bruttojahreseinkommen oder liege ich da falsch. Ebenso ist das Rentenniveau vom Brutto abhängig. Am Ende würde ich also nur Geld von A nach B verschieben und niemand hätte etwas davon. Im Gegenteil, bestimmte Beamtengruppen würden noch benachteiligt, hier vor allem Berufsunteroffiziere und Polizisten im mittleren Dienst, diese profitieren aktuell von Sonderregelungen weil ihr Dienst körperlich anspruchsvoll ist.
    Schert man nun alle über einen Kamm sind diese Sonderregelungen hinfällig. Aber ich denke nicht das es im Sinne der Gesellschaft ist einen 60jährigen Feldwebel im Afghanistan-Einsatz zu sehen oder einen Wachtmeister bei der Verfolgung eines Täters.

    Aber das nur am Rande primär geht es mir darum das vor allem bei Menschen die eine ihrer Überzeugung widersprechenden Argumentation dekonstruieren ihre eigene Argumentationsbasis nicht wirklich hinterfragen, so zweifelhaft sie auch sein mag.

  42. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 13:20 - - Permalink

    @Stefan P

    In den letzten 15 Jahren gelangten über die so kritisierten Hedgefonds und Private-Equity-Firmen beträchtliche Mengen frischen Kapitals auf den deutschen Markt. Gleichzeitig flossen größere Mengen ab. Wie ist das zu erklären?

    Ganz einfach, die “Investitionen” der PE-Fonds bestanden nur zu einem Bruchteil aus vorhandenem Geld, der Rest wurde als Kredit aufgenommen, womit die Geldmenge erhöht wurde. Dadruch fließt “Buchgeld” ins Land. Um die “Investitionen” zu refinanziern, sprich die Kredite zurückzuzahlen, wurden dann die Reserven der übernommenen Unternehmen abzwackt – dadurch floß dann das Geld ab, da die Kredite getilgt wurden.

    Die ausländischen Kapitalgeber investierten ihr Kapital in deutsche mittelständische Firmen und verbesserten deren Eigenkapitalstruktur.

    Wie bitte? Das kann nicht Dein Ernst sein? Der Spruch “buy it, strip it, flip it” sollte Dir ja bekannt sein.

  43. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 13:21 - - Permalink

    @Stefan

    Der Artikel zeigt mE sehr gut auf wie man eine eine ansonsten messerscharfe Analyse mit Allgemeinplätzen kaputt machen kann. Dieses fast schon rituelle Anführen der Beamten und Selbstständigen als potentielle Einzahler ist meiner Meinung nach vollkommener Blödsinn, damit wird ja nicht nur die Einzahlerbasis ausgeweitet sondern auch die Anzahl der Empfangsberechtigten.

    Du hast den Artikel auch gelesen? Das steht da nämlich gar nicht drin.

  44. Daniel am 20. November 2009 um 14:21 - - Permalink

    Dafür zahlt er aber zeitlebens wesentlich höhere Beiträge. Nach den Prognosen der Wirtschaftsweisen müsste ein Umlagesystem bis zum Jahre 2030 mit einem Versicherungsbeitrag von 25% finanziert werden – bei paritätischer Finanzierung müsste die jüngere Generation demnach 12,5% ihres Gehalts abführen.

    Hört der Quatsch mit der “paritätischer Finanzierung” nie auf? Das ist doch reine Zahlenspielerei, in Wirklichkeit werden natürlich die 25% aus der Produktivität des Arbeitnehmers finanziert …

  45. StefanP am 20. November 2009 um 14:29 - - Permalink

    @Spiegelfechter
    Die Verschuldung innerhalb eines Staates wurde von mir nicht ins Spiel gebracht, nur die Verschuldung der Gesellschaft in die Zukunft.

    So funktioniert das Umlagesystem nun einmal nicht. Die Anwartschaften werden erst in Zukunft in Ansprüche aus den zukünftigen Umlagesystem umgewandelt.

    Ja, das ist technisch richtig, nicht aber von der wirtschaftlichen Betrachtung. Extrapolieren wir mal die Situation gegen unendlich, dass heißt es gibt keinen Nachwuchs mehr bzw. alle Erwerbstätigen suchen sich ein anderes Land. Was bleibt dann? Eine hohe Zahl an Rentnern ohne Einkommen, denn von wem soll umgelegt werden? Der Haken beim Umlagesystem ist, dass es auf der Willfähigkeit und Leistungsfähigkeit von Menschen aufbaut, die gar nicht gefragt werden. In einer freien Gesellschaft steht diesen aber immer die Möglichkeit offen, in einem anderen Land unter anderen rechtlichen Bedingungen ihr Glück zu versuchen. Das passiert in zunehmender Weise.

    Das ist nun einmal der Generationenvertag und das ist nun einmal der Sozialstaat. Beides wird akzeptiert!

    Nein, eben nicht. Sonst würden nicht so viele auswandern, schwarzarbeiten oder sich auf andere Weise dem Sozialstaat entziehen. Das hat heute ein Niveau durch alle Gesellschaftsschichten erlangt, das früher undenkbar war.

    Wir können uns gerne über die Unfairness von Unisex-Tarifen und die geschlechtliche Diskriminierung von Männern unterhalten. Ich möchte es aber enger halten.

    Es gibt nun einmal Rahmenbedingungen, die nicht verrückbar sind.

    Welche Rahmenbedingungen sind bitte unverrückbar? Etwa, wann jemand aus körperlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann? Kommen denn die heute 60jährigen sofort nach Ausscheiden aus dem Beruf auf die Matte? Und was machen die vielen Alten an der Uni? Wer heute bei Renteneintritt noch 30 Jahre lebt, ist höchst selten beim Ausscheiden aus dem Beruf in einer Verfassung, die es ihm unmöglich macht, nicht mehr zu arbeiten. Ich habe viele Alte in den USA, in Japan und der Schweiz gesehen, die noch im Erwerbsleben stehen. Und ich habe mit 68jährigen gearbeitet, die so ihre ohnehin hohe Rente aufgebessert haben, in dem sie sie später in Anspruch nehmen. Natürlich, es gibt die Lageristen, die häufig schon mit 40, 45 Jahren kaputt sind. Aber das ist nicht die Normalität.

    Die Amerikaner haben eine Geburtenrate von 2,0, die Franzosen von 2,1 und die Skandinavier von 1,7. Wo ist da die unverrückbare Rahmenbedingung? Umgekehrt, es ist nicht normal, dass wir Deutschen so wenige Kinder haben. Die dadurch verursachten Kosten dann noch ausschließlich bei den wenigen Nachkommen abzuladen, hat mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun.

    Handel, den Sie hervorheben, weil Deutschland sonst produktiv immer weniger zu bieten hat, setzt zahlungskräftige Konsumenten voraus. Für den Handel sind insoweit Rentner nur interessant, als sie Geld haben. Fällt dieses weg, weil das Umlageverfahren nichts mehr hergibt (siehe Exploration oben), verschwinden die Händler und damit die Arbeitsplätze. Zudem stellt sich doch sehr die Frage, ob das das Geschäftsmodell der Zukunft ist. Schließlich sind die Margen im Handel deutlich niedriger als im Produzierenden Gewerbe und die Arbeit schlechter bezahlt.

    Und an wen sollen diese jungen ausländischen ihre Waren verkaufen? An die chronisch klamme Bevölkerung der eigenen Länder..

    Es ist kein Naturgesetz, dass bestimmte Völker arm bleiben, im Gegenteil. Durch den wirtschaftlichen Aufstieg von Indien und China hat sich die Zahl der Armen laut UN-Zählung binnen zweier Dekaden deutlich verringert.

    Das BIP liegt in Deutschland bei 2,5 Billionen Euro, bei einem zusätzlichen Anlagebedarf von 4 Prozent (schließlich will niemand das Umlagesystem generell abschaffen) wären das 100 Milliarden EUR Investitionssumme. Hört sich viel an, nur sind das gerade ein Fünftel der heute schon in Deutschland getätigten Investitionen, auf die Investitionen weltweit bezogen ein Schnaps. Und daneben gibt es schließlich weit beliebtere Anlageformen. Deutschland hat traditionell eine ziemlich desaströse Eigenheimquote, es wäre nicht das Schlechteste, dieses in die Schaffung von Wohneigentum umzuleiten. Nur mal so eine Rechnung: allein die Wohnbauten haben einen Bruttoanlagenwert von 6,3 Billionen Euro. Was sind dagegen 100 Milliarden Euro Investitionssumme?

  46. StefanP am 20. November 2009 um 14:39 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Ich kann die Eigenkapitalquote nicht mit Buchgeld verbessern, dazu gehört Knete auf dem Konto oder eine Sacheinlage. Ich will die Leser nicht mit Rechnungslegungsdetails überfordern, aber so einfach wie dargestellt funktioniert die Welt nicht.

    Wahr ist, solche Investoren handeln selbst zum Teil nur mit eigenem Geld, grundsätzlich benötigen sie jedoch eigene Gelder als Anlagebedarf. Die Rückführung der Bankkredite in den Bilanzen kommt ja nicht von irgendwoher und Handelspartner wollen eben auch nicht mit Spielgeld bezahlt werden.

    Solche Firmen haben bestimmte Interessen und das Interesse ist nicht, Firmen kaputt zu machen, dann gibt’s nämlich nix mehr. Das wichtige ist, den Unternehmenswert zu steigern und das gelingt nicht bei einer überschuldeten Bruchbude oder einer zerlegten Tiefgarage.

  47. StefanP am 20. November 2009 um 14:48 - - Permalink

    Ach so, die Idee, dass möglichst hohe Investitionen einhergehend mit einer ebenso hohen Sparquote (VWL erstes Semester: I=S) den Wohlstand eines Landes am schnellsten steigern, ist eine zutiefst sozialistische, propagiert von Marx, vollzogen von den real existenten Sozialisten im ehemaligen Ostblock. Allerdings hat das nicht zur Systemüberlegenheit geführt, da der Faktor Zins vernachlässigt wurde.

  48. Stefan am 20. November 2009 um 14:58 - - Permalink

    @ Spiegelfechter
    Naja verklausuliert schon wenn das Umlagesystem als das einzig wahre angepriesen wird. Und das ich nicht alleine auf den Zug aufgesprungen bin zeigen die dementsprechenden Kommentare.

    @ StefanP Danke das ich nicht alleine damit stehe, dass man nicht nur national denken kann in einer Welt in der sich Kapital und Waren global austauschen.
    Hier kann man wieder Bastiat zitieren:

    “Der Staat ist die große Fiktion, nach der sich jedermann bemüht, auf Kosten jedermanns zu leben”

  49. Burnair am 20. November 2009 um 15:03 - - Permalink

    @ 45-47 StefanP

    Da kommt man mit seiner Verblüffung ja kaum noch hinterher – wirst Du eigentlich nach Zeilen bezahlt?

    Für mich sind die Grenzen zur Realsatire damit überschritten (insbesondere @ 46) – das KANN einfach nicht ernst gemeint sein. Gib es doch wenigstens zu!

  50. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 15:12 - - Permalink

    @StefanP

    Die Verschuldung innerhalb eines Staates wurde von mir nicht ins Spiel gebracht, nur die Verschuldung der Gesellschaft in die Zukunft.

    Sicher – aber ist das zu trennen?

    Extrapolieren wir mal die Situation gegen unendlich, dass heißt es gibt keinen Nachwuchs mehr bzw. alle Erwerbstätigen suchen sich ein anderes Land. Was bleibt dann?

    Der Gedanken an eine komplett unsinnige Extrapolation. Sorry, Du erwartest doch wohl nicht, dass ich darauf ernsthaft eingehe.

    Der Haken beim Umlagesystem ist, dass es auf der Willfähigkeit und Leistungsfähigkeit von Menschen aufbaut, die gar nicht gefragt werden

    Willfährigkeit nicht – da man bei gesetzlichen Systemen zum Glück im Normalfall nicht ausscheiden kann. Leistungsfähig ja – aber darauf baut auch jede langfristige Finanzanlage auf, da Renditen nur dann erwirtschaftet werden können, wenn genügend Leistungsfähigkeit vorhanden ist.

    In einer freien Gesellschaft steht diesen aber immer die Möglichkeit offen, in einem anderen Land unter anderen rechtlichen Bedingungen ihr Glück zu versuchen.

    Bitte – kein Problem. Das ist jedem selbst überlassen und ich fände es auch nicht so fürcherlich schlimm, wenn Bürger, die sich nicht dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, in ein anderes Land ausreisen.

    Das passiert in zunehmender Weise.

    Das passiert meist allerdings eher deshalb, weil der deutsche Arbeitsmarkt nicht funktioniert und beispielsweise die Gehälter für Ärzte schlichtweg zu niedrig sind. Wegen ein, zwei oder gar drei Prozent mehr Lohnnebenkosten verlassen wohl lediglich erzlibertäre Überzeugungstäter das Land.

    Nein, eben nicht. Sonst würden nicht so viele auswandern, schwarzarbeiten oder sich auf andere Weise dem Sozialstaat entziehen.

    So so, wie viele Deutsche wandern denn aus? Die Netto(!)auswanderung von Deutschen liegt m.W. im sehr niedrigen fünfstelligen Bereich pro Jahr – das ist nicht “so viel”.

    Das hat heute ein Niveau durch alle Gesellschaftsschichten erlangt, das früher undenkbar war.

    Tatsächlich? Worauf gründen Deine Vermutungen? Die Auswanderung war früher geringer? Das halte ich für ein Gerücht. Früher wurde weniger schwarz gearbeitet? Auch das ist falsch! Du kannst ja mal einen Handwerksmeister fragen. Alleine die Geldwäschegesetzte und die konsequente Ausserkraftsetzung des Bankgeheimnisses haben hier Wunder gewirkt.

    Welche Rahmenbedingungen sind bitte unverrückbar? Etwa, wann jemand aus körperlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann? Kommen denn die heute 60jährigen sofort nach Ausscheiden aus dem Beruf auf die Matte? Und was machen die vielen Alten an der Uni? Wer heute bei Renteneintritt noch 30 Jahre lebt, ist höchst selten beim Ausscheiden aus dem Beruf in einer Verfassung, die es ihm unmöglich macht, nicht mehr zu arbeiten

    Bei Schreibtischhengsten mag dies so sein, bei beinahe allen anderen Tätigkeiten ist das aber nicht so.

    Ich habe viele Alte in den USA, in Japan und der Schweiz gesehen, die noch im Erwerbsleben stehen

    Klar, ich kenne auch die Alten von Hong Kong und Singapur, die für eine magere Prämie ihre noch magere Rente als Strasssenkehrer aufbessern. Ist dies etwa Deine Vorstellung einer wünschenswerten Gesellschaft?

    Und ich habe mit 68jährigen gearbeitet, die so ihre ohnehin hohe Rente aufgebessert haben, in dem sie sie später in Anspruch nehmen.

    Wahnsinn! Jopi Heesters steht auch noch mit 104 Jahren auf der Bühne. Aber was soll uns das sagen?

    Die Amerikaner haben eine Geburtenrate von 2,0, die Franzosen von 2,1 und die Skandinavier von 1,7

    In den USA sorgen vor allem die Latinos (und Latinas ;-)) für die relativ hohe Geburtenrate, in Frankreich sind es die Maghrebiner. Klar könnten wir in D die Geburtenrate pushen, indem wir mehr Einwanderer ins Land lassen. Aber unsere politische Elite möchte ja kleine blonde Teutonen und keine Kopftuchmädchen haben – dumm gelaufen.

    Umgekehrt, es ist nicht normal, dass wir Deutschen so wenige Kinder haben. Die dadurch verursachten Kosten dann noch ausschließlich bei den wenigen Nachkommen abzuladen, hat mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun.

    Noch einmal vorne: “Wir” vererben nicht nur die Verbindlichkeiten, sondern auch die Forderungen. Daher hinterlassen wir den kleinen Scheißern auch keine Schulden. Was wir ihnen hinterlassen, ist die Aussicht, später einmal zwei, drei oder gar vier Prozentpunkte mehr für die Umlagerente zu zahlen. Mit diesem Vermächnis kann ich gut leben. Irgendwann einmal ist jedoch der Altersbauch natürlich durchgereicht worden und auch die Zahl der Alten geht absolut und relativ zurück, da schließlich von Jahr zu Jahr auch weniger Menschen das Rentenalter erreichen. Hier zu extrapolieren ist also unsinnig.

    Handel, den Sie hervorheben, weil Deutschland sonst produktiv immer weniger zu bieten hat, setzt zahlungskräftige Konsumenten voraus.

    Bingo!

    Für den Handel sind insoweit Rentner nur interessant, als sie Geld haben.

    Und das haben sie – rein statistisch gesehen. Ich bin zu faul, jetzt den Mikrozensus herauszukramen, aber ich meine mich daran erinnern zu können, dass die 65 – 80jährigen hinter den 50 – 65jährigen über das höchste frei verfügbare Einkommen verfügen. Von den Vermögenspositionen wollen wir gar nicht anfangen, da sind die Rentner die goldene Generation. Wenn die Rentner nun mehr konsumieren und weniger sparen würden und wir das Rentensystem mehr über die Steuern finanzieren, hätten wir schon das Ziel erreicht – Dann würden sie sich (als Alterkohohrte) beinahe selbst finanzieren.

    Fällt dieses weg, weil das Umlageverfahren nichts mehr hergibt (siehe Exploration oben), verschwinden die Händler und damit die Arbeitsplätze.

    (siehe oben) – mit derart abwegigen Prämissen kommt sonst nur Meinhard Miegel daher. Das ist schlichtweg absturs.

    Zudem stellt sich doch sehr die Frage, ob das das Geschäftsmodell der Zukunft ist.

    Na aber was denn sonst? Die Chinesen können bald die tollen Maschinen selbst bauen, die sie dafür benötigen, Konsumprodukte für die nachfragestarken europäischen und amerikanischen Märkte zu produzieren.

    Es ist kein Naturgesetz, dass bestimmte Völker arm bleiben, im Gegenteil. Durch den wirtschaftlichen Aufstieg von Indien und China hat sich die Zahl der Armen laut UN-Zählung binnen zweier Dekaden deutlich verringert.

    Sicher – und zwar nicht nur relativ, sondern auch absolut. Je stärker die Löhne steigen, desto mehr Wettbewerbsvorteil verlieren sie jedoch gg.über den OECD-Staaten.

    Das BIP liegt in Deutschland bei 2,5 Billionen Euro, bei einem zusätzlichen Anlagebedarf von 4 Prozent (schließlich will niemand das Umlagesystem generell abschaffen) wären das 100 Milliarden EUR Investitionssumme. Hört sich viel an, nur sind das gerade ein Fünftel der heute schon in Deutschland getätigten Investitionen, auf die Investitionen weltweit bezogen ein Schnaps.

    Aber die 4% haben wir “dank” Riester doch schon jetzt. Und schon jetzt ist es schwer, diese Gelder rentabel anzulegen, schließlich sind die Deutschen nicht die einzigen Investoren. Ich wage mal die kühne Prognose, dass es ohne amerikanische Pensionsfonds nie eine Finanzkrise gegeben hätte, da Angebot und Nachfrage von rentablen Investments noch im Lot wären. Auch wenn die Riester-Verträge nur in relativ risikoarme Bereiche investieren, so nehmen sie dieses Investmentangebot doch vom Markt und andere Investoren sind gezwungen, in risikoreichere (und chancenträchtigere) Bereiche zu investieren. Das setzt sich “bottom to top” fort.

    Und daneben gibt es schließlich weit beliebtere Anlageformen. Deutschland hat traditionell eine ziemlich desaströse Eigenheimquote, es wäre nicht das Schlechteste, dieses in die Schaffung von Wohneigentum umzuleiten

    Das Wohneigentum ist ja vorhanden – mir ist zumindest nicht bekannt, dass die Deutschen in Wellblechhütten hausen. Es geht also eher um eine Überführung der Besitzverhältnisse, die kreditfinanziert stattfindet. Dadurch wird allerdings noch mehr frei verfügbares Einkommen entzogen – die Folgen für die Volkswirtschaft könnten katastrophal sein.

    Nur mal so eine Rechnung: allein die Wohnbauten haben einen Bruttoanlagenwert von 6,3 Billionen Euro. Was sind dagegen 100 Milliarden Euro Investitionssumme?

    Und was haben die Riester-Rentner davon, wenn sie künftig ihre Miete nicht mehr an Herrn Mustermann, sondern an die Allianz bezahlen müssen?

  51. StefanP am 20. November 2009 um 15:13 - - Permalink

    @ Burnair
    Der Bloginhaber kann anhand meiner E-Mail-Adresse, die meinen vollständigen Namen beinhaltet, überprüfen, ob ich bezahlt bin oder nicht. Nur weil Sie möglicherweise nicht das 10-Finger-System beherrschen oder nicht so viele Informationen im Kopf abgespeichert haben, heißt das nicht, dass andere nicht binnen Minuten solche Passagen kreieren können. So, das war’s dazu. Ansonsten: wenn man mich zu oft anpammt, bin ich schnell wieder weg. Ich mach‘ so was zum Spaß wie andere Musik hören.

    @Stefan
    Gerne. Was so schwer zu akzeptieren ist: fast überall wird das Einkommen heute international erwirtschaftet, die Sozialstaatsregelungen bleiben fast zwangsläufig national. Aus diesem Widerspruch entsteht das Unverständnis.

  52. R_Winter am 20. November 2009 um 15:18 - - Permalink

    @Stefan #41

    Der Beamte bekommt Besoldung ( Brutto-Einkommenssteuer= Netto), soll er nun noch Renten- und Krankenversicherung bezahlen dann müsste sein Brutto dementsprechend ansteigen ebenso wie unter dem aktuellen Steuersystem seine Einkommenssteuer stark steigen.

    Wieso muß das Einkommen steigen? Es müssen endlich die Selbstbedienungsmentalität und die überholten gesetzlich Grundlagen verändert werden.
    Beamte sind ganz normale Arbeitnehmer, auch wenn dieses bei etlichen Beamten noch nicht angekommen ist.
    Du hast noch nicht registriert, dass Beamte im Durchschnitt 2200€ Pension und Rentner 986 € (West) bekommen.
    Komme mir bloß nicht mit “höher qualifiziert” – die Pensionen fangen bei 1300€ an, dort wo 90% der
    Rentner nie hinkommen – dank des Diebstahls von 700 Mrd. € aus der Rentenkasse. seit 1954.

  53. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 15:18 - - Permalink

    @StefanP

    Ich kann die Eigenkapitalquote nicht mit Buchgeld verbessern, dazu gehört Knete auf dem Konto oder eine Sacheinlage

    Natürlich nicht – mir wäre auch neu, dass Leveraged Buyouts die Eigenkapitalquote des zu übernehmenden Unternehmens erhöhen.

    Die Rückführung der Bankkredite in den Bilanzen kommt ja nicht von irgendwoher und Handelspartner wollen eben auch nicht mit Spielgeld bezahlt werden.

    Nein, die Rückführung der Kredite findet bei solchen Übernahmen idR aus dem Cashflow statt.

    Solche Firmen haben bestimmte Interessen und das Interesse ist nicht, Firmen kaputt zu machen, dann gibt’s nämlich nix mehr

    Das Interesse der PE-Fonds ist es, eine möglichst hohe Eigenkapitalrendite zu erzielen. Wenn bei einem LBO die Übernahme des Unternehmens aus dessen Reserven oder dem Cash-Flow refinanziert wurde, ist der PE-Fonds schon auf dem besten Weg. Dass als dies für das Unternehmen keinesfalls von Vorteil ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

    Das wichtige ist, den Unternehmenswert zu steigern

    Nein, eben nicht. Ziel ist es, auf das eingesetzte Eigenkapital eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.

  54. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 15:22 - - Permalink

    @Daniel

    Hört der Quatsch mit der “paritätischer Finanzierung” nie auf? Das ist doch reine Zahlenspielerei, in Wirklichkeit werden natürlich die 25% aus der Produktivität des Arbeitnehmers finanziert …

    Sie werden aus der Produktivität finanziert, na klar. Aber was hat das mit dem frei verfügbaren Einkommen des Arbeitnehmers, der Spar- und der Konsumquote zu tun? Nichts? Richtig

  55. Niki am 20. November 2009 um 15:23 - - Permalink

    Liebe Leute, lieber SF,
    zwei Fragen dazu:

    1. Kann man sich die Anlage nicht im Ganzen bei Rentenantritt auszahlen lassen? Wie hoch wäre der durchschnittliche Gewinn/Verlust?

    2. Die Aussage, dass man mehr einzahlt als man erhält, gilt die inklusive der staatlichen Zuschüsse? Wenn ja, dann würde ja der prozentuale Wertverlust über den prozentualen Zuschüssen durch den Staat liegen, was mir eher unwahrscheinlich vorkommt.

    Bitte verzeiht, meine Unbedarftheit, aber irgendwann muss man ja anfangen über später nachzudenken.

  56. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 15:24 - - Permalink

    @Stefan

    Naja verklausuliert schon wenn das Umlagesystem als das einzig wahre angepriesen wird

    Das verstehe ich nun aber gar nicht. Für Dich impliziert das Umlagesystem also eine Ausweitung des selben auf Beamte und Selbstständige? Du machst mich also für Deine Phantasie verantwortlich? Das ist freilich auch eine Möglichkeit der Diskussionsführung ;-)

    Und das ich nicht alleine auf den Zug aufgesprungen bin zeigen die dementsprechenden Kommentare.

    Denen ich scharf widersprochen habe – ja.

  57. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 15:40 - - Permalink

    @Niki

    1. Kann man sich die Anlage nicht im Ganzen bei Rentenantritt auszahlen lassen? Wie hoch wäre der durchschnittliche Gewinn/Verlust?

    Meines Wissen kann man sich aber 30% auszahlen lassen, muss dies aber versteuern. Mann kann sich auch die Einlagen zu 100% auszahlen lassen, muss dann aber alle staatlichen Zuschüsse und Steuerbefreiungen im Nachhinein nachschießen. Ob da überhaupt etwas überbleibt?

    2. Die Aussage, dass man mehr einzahlt als man erhält, gilt die inklusive der staatlichen Zuschüsse? Wenn ja, dann würde ja der prozentuale Wertverlust über den prozentualen Zuschüssen durch den Staat liegen, was mir eher unwahrscheinlich vorkommt.

    Nein – das bezieht sich auf die selbst erbrachten Leistungen und nicht auf die Staatszuschüsse.

  58. PitPudel am 20. November 2009 um 15:49 - - Permalink

    Man kann es drehen und wenden, wie man will, es bleibt ein Streit über Ideologien, dem mit Fakten nicht beizukommen ist.

    Wer sagt denn bitte, dass man die Gesellschaft wirtschaftlich betrachten muss? Ich betrachte die Gesellschaft gern gesellschaftlich.

    Ich habe kein Problem damit, niemals gefragt worden zu sein, ob, wie viel und an wen ich augenblicklich und unmittelbar (denn so geschieht es) aus meinen Renten-/Krankenversicherungsbeiträgen bezahle. Ich bin sogar glücklich darüber, dass meine Beiträge nicht in den Untiefen der Finanzwirtschaft verschwinden, und vielleicht morgen schon in der Art zu mir zurückkommt, dass sie Teil der Kaufsumme sind, mit der die Firma, an deren Wertschöpfung ich beteiligt bin, aufgekauft wird.

    All die Zahlen, Fakten und Formeln, die ein Studium in VWL/BWL mit sich bringen, können mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Finanzwirtschaft hysteriegesteuert ist. Und auf Hysterie will ich meine Zukunft nicht verwetten.

  59. StefanP am 20. November 2009 um 15:54 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Die Verschuldung innerhalb eines Staates wurde von mir nicht ins Spiel gebracht, nur die Verschuldung der Gesellschaft in die Zukunft.
    Sicher – aber ist das zu trennen?

    Ja. Wie Sie richtig gesagt haben, ist die ausgewiesene Staatsverschuldung eine Frage der bilanziellen Betrachtung, den Schulden des Staates stehen Wertbriefe der privaten Haushalte gegenüber. Per Saldo ergibt das Null (ohne Berücksichtigung Ausland). Die Betrachtung funktioniert nicht bei den Ansprüchen gegenüber zukünftigen Generationen: während wir als Aktive Rentenbasispunkte aufbauen, die einen Wert verbürgen sollen, fehlt die Gegenposition. Bei wem steigen die Schulden? Bei unseren geborenen und nicht geborenen Kindern. Das ist das Worldcom-Prinzip.

    Es ist ja nicht so, dass sich Auswanderer nicht dem Solidargedanken verpflichtet sehen, nur nicht dem deutschen. Ein anderer Blogger hatte dies am Beispiel der Schweiz dargestellt, nur wollte er die immer vorhandene Grenze der Solidarität aufgehoben wissen für Deutschland. Das ist die Frage: Gilt Solidarität immer unbegrenzt, ist jeder immer und zu allen Zeiten verpflichtet unter Aufopferung seiner selbst mit seinem Einkommen für andere einzustehen?

    Die Netto(!)auswanderung von Deutschen liegt m.W. im sehr niedrigen fünfstelligen Bereich pro Jahr – das ist nicht “so viel”.

    Stellt sich die Frage, ob die Betrachtung der Nettoauswanderung so sinnvoll ist. Volkswirtschaftlich ist es nämlich nicht vorteilhaft, einen für 40.000 EUR Studienkosten ausgebildeten Biotechniker an die USA zu verlieren und dafür einen Landwirt aus der hinteren Türkei mit einfachem Bildungsabschluss zu integrieren. Das ist die Situation: wir haben einen Abfluss von deutschen Auswanderern in Höhe von 180.000 in das westliche, hoch entwickelte Ausland und Immigration aus Osteuropa und Ländern mit deutlich niedrigerem Entwicklungsgrad. Der Saldo in den USA und Kanada sieht anders aus.

    Daneben ist die Zahl der Auswanderer tendenziell zu niedrig angegeben, da es zwar eine formale Pflicht zur Abmeldung gibt, diese aber nicht hinreichend durchgesetzt werden kann. So verschwinden viele ohne Rückmeldung an die Behörden. Zur Auswanderungsstatistik brauchen Sie sich nur die Daten auf destatis anzusehen.

    Bei Schreibtischhengsten mag dies so sein, bei beinahe allen anderen Tätigkeiten ist das aber nicht so.

    Schreibtischhengste? Was soll das sein? Der angesprochene Biotechniker, Laborant, Lehrer, Ingenieur, Web-Designer, Blogmaster?

    Ja, das Bild von den Alten in den USA ist oft ein Klischee. Wir halten es für ausgeschlossen, dass Menschen jenseits der 60 arbeiten wollen. Aber Sie brauchen nur mal im Urlaub nach Übersee zu reisen, dann sollen Sie alte Damen als Hotel- und Restaurantangestellte, die z.B. als Platzanweiserinnen oder Leiterinnen fungieren. Mit geringerem Arbeitstempo, aber das wird von den jüngeren aufgefangen. Dort ist fast zwangsläufig das Verhältnis von Jung und Alt ein anderes. Die arbeiten sich nicht tot, sondern mit.

    Die hohe Geburtenrate in den USA ist vor allem auf die christlich ausgerichteten Familien zurück zu führen. Der Punkt ist, dass eine bestimmte Geburtenrate nicht Naturgesetz ist, oder ist es selbstverständlich, hier ganz am Ende der UNO-Liste zu rangieren? Allein die Geburtenrate der Skandinavier würde das deutsche Umlagesystem enorm entlasten oder gibt’s da Einwände?

    Das Wohneigentum ist ja vorhanden – mir ist zumindest nicht bekannt, dass die Deutschen in Wellblechhütten hausen. Es geht also eher um eine Überführung der Besitzverhältnisse, die kreditfinanziert stattfindet.

    Im übertragenen Sinne schon. Würden wir alle in Neubauten wohnen wollen, ergäbe das rechnerisch einen Investitionsbedarf von 2,5 Billionen Euro. Da kann man doch mit 100 Mrd. EUR zusätzlicher Ersparnis einiges anfangen. Wir beklagen allenthalben die ungleiche Vermögensverteilung, die resultiert aber zu einem wesentlichen Teil aus der Konzentration von Wohneigentum. Es ist daher doch wohl sinnvoll, durch zusätzliches Sparen die Übertragung von solchem Vermögen zu befördern, wodurch den Menschen im Alter zudem enorme Ersparnisse winken, weil keine Mietzahlungen anfallen.

    … aber ich meine mich daran erinnern zu können, dass die 65 – 80jährigen hinter den 50 – 65jährigen über das höchste frei verfügbare Einkommen verfügen. Von den Vermögenspositionen wollen wir gar nicht anfangen, da sind die Rentner die goldene Generation.

    !!! Das hätten Sie doch bitte mal dem Blogger schwitzig sagen können, der mich in dem Punkt als unglaubwürdig dargestellt hat.

  60. schwitzig am 20. November 2009 um 16:03 - - Permalink

    @SF

    Das Wohneigentum ist ja vorhanden – mir ist zumindest nicht bekannt, dass die Deutschen in Wellblechhütten hausen. Es geht also eher um eine Überführung der Besitzverhältnisse, die kreditfinanziert stattfindet. Dadurch wird allerdings noch mehr frei verfügbares Einkommen entzogen – die Folgen für die Volkswirtschaft könnten katastrophal sein.

    Mal ganz abgesehen davon, dass durch die negative Lohnentwicklung der letzten 30 Jahre immer weniger Leute in der Lage sind, sich die notwendigen Kredite zum Erwerb von Wohneigentum zu leisten. Darüber hinaus schwächt die Lohnentwicklung im Vergleich zur Vermögensentwicklung auch noch das Umlagefinanzierte Rentensystem.

    OT: Es ist übrigens angenehm, mal ein Forum zu lesen, in dem auch Gegenantworten zu der INSM-Ideologie nicht wegzensiert werden :-).

  61. StefanP am 20. November 2009 um 16:05 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Nein, die Rückführung der Kredite findet bei solchen Übernahmen idR aus dem Cashflow statt.

    Dazu reicht der nicht, zumindest nicht im engeren Sinne und in der kurzen Zeit. Was ist denn der Cash-Flow? Neben dem Gewinn die Abschreibungen, die Rückführung der Aktiva (also vor allem die Warenbestände und Ansprüche gegen Dritte, kurz Geldeintreiben) sowie Erhöhung der Schulden. Banken geben auf Bruchbuden kein Geld ohne Substanz und wollen ihr Geld zurück, also ein Null-Summen-Spiel.

    Ziel ist es, auf das eingesetzte Eigenkapital eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.

    Und wie mach‘ ich das? Private Equity-Unternehmen halten ihre Beteiligungen nur 3-5 Jahre, die Rendite wird durch den Verkauf erzielt. Wenn’s aber nichts zu verkaufen gibt, hätte der Eigentümer mit Zitronen gehandelt.

  62. schwitzig am 20. November 2009 um 16:07 - - Permalink

    @51 StefanP

    Hmm – mir – und ich denke, so geht es den meisten anderen hier wohl auch – ist es völlig wurscht, ob Du von der INSM oder der großen WÖLTVERSCHWÖRUNG bezahlt wirst – Du eckst hier mit Deinen Theorien an und jedesmal, wenn sie in eine erkennbar unschöne Richtung erkannt werden, duckst Du Dich weg: Siehe 31, 33

  63. Burnair am 20. November 2009 um 16:09 - - Permalink

    @51 StefanP

    Der Bloginhaber kann anhand meiner E-Mail-Adresse, die meinen vollständigen Namen beinhaltet, überprüfen, ob ich bezahlt bin oder nicht.

    Na wenn es so einfach ist – das muss einen ja überzeugen… Die inhaltliche Gegenkommentierung durch SF finde ich dennoch lohnender (bis zu einem gewissen Punkt)!

  64. schwitzig am 20. November 2009 um 16:13 - - Permalink

    @StefanP

    !!! Das hätten Sie doch bitte mal dem Blogger schwitzig sagen können, der mich in dem Punkt als unglaubwürdig dargestellt hat.

    Du kannst aber schon zwischen Rentnern unterscheiden, die größtenteils nach den alten Berechnungsgrundlagen und in der Phase der ausgleichenden und teilweise steigernden Lohnentwicklung ihren Rentenanspruch erwirtschaftet haben und denen, die erst in 20 bis 30 Jahren Rente bekommen werden? Du hast begriffen, dass wir hier über Rentenentwicklung und nicht den (im übrigen immer mehr wegbröckelnden) status quo reden?

  65. StefanP am 20. November 2009 um 16:18 - - Permalink

    @schwitzig

    Ich denke ich habe sehr deutlich von der heutigen Situation geschrieben. Wo die Einkommensposition der Rentner in 30 Jahren liegt, kann noch keiner vorhersagen. Sie haben auf meine Ist-Schilderung Bezug genommen und der Einwand war falsch.

  66. Stefan am 20. November 2009 um 16:26 - - Permalink

    Und was haben die Riester-Rentner davon, wenn sie künftig ihre Miete nicht mehr an Herrn Mustermann, sondern an die Allianz bezahlen müssen?

    Es geht doch gar nicht um die Riester-Rentner, sondern darum was man mit dem Geld macht wenn man es nicht zwangsweise an jmd anders abgeben muss. Alles was ich jemandem gebe, auch durch ein Umlagesystem muss doch vorher jemandem anders weggenommen werden. Sei das nun der abhängig Beschäftigte in Deutschland oder sonstwo auf der Welt dem dadurch das ein Deutscher weniger Geld für den Konsum hat.

    Und wenn ich auf mein Haus sparen kann bzw. entscheiden kann welchen Teil des Einkommens ich für Alterssicherung und welchen für Eigentum ausgebe dann bin ich doch wenigstens frei in meiner Wahl und dann ist es auch automatisch gerecht. Schließlich ist dann sichergestellt das die Bedürfnisse jedes Einzelnen erfüllt werden, er sorgt damit ja selber dafür.

    Eine wie auch immer geartete staatliche Zwangsversicherung zwingt mich aber zu einem Verhalten das nicht unbedingt wirtschaftlich und für mich sinvoll sein muss. Daraus ergibt sich automatisch ein Wohlfahrtsverlust für alle Menschen. Den kann ich auch nie durch Umverteilung ausgleichen, denn dadurch verteile ich ja nur weniger Wohlstand auf mehr Menschen.
    Am Ende steht dann Folgendes: Derjenige der mehr leistet muss mehr abgeben, warum soll ich dann noch mehr leisten? Jemand der wenig leistet wird aber bevorzugt, unabhängig davon ob er nur wenig kann oder wenig will.

    Wo ist denn da die Gerechtigkeit am Ende wenn ich mit 3800€ Brutto 39€ mehr Netto habe als mit 1900€ Brutto? (Die Zahlen sind aus Österreich aber ich denke durchaus vergleichbar.)

    @schwitzig
    Jemanden beleidigen und ihm unlautere Absichten zu unterstellen ist typisches Argumentationsmuster totalitärer Regime. Nur weil jemand eine andere Meinung hat und diese argumentativ vertreten kann heißt das noch nicht das man ihn dann persönlich angreifen darf. Kindergarten!

  67. schwitzig am 20. November 2009 um 16:26 - - Permalink

    @StefanP

    StefanP am 20. November 2009 um 16:18 – - Permalink

    @schwitzig

    Ich denke ich habe sehr deutlich von der heutigen Situation geschrieben. Wo die Einkommensposition der Rentner in 30 Jahren liegt, kann noch keiner vorhersagen. Sie haben auf meine Ist-Schilderung Bezug genommen und der Einwand war falsch.

    Genau DARUM geht es aber bei der Riesterrente und anderem im Vergleich zum Umlagefinanzierten System. Ausserdem hast Du überhaupt nichts “deutlich” skizziert, und gehst auf Aspekte wie Lohnentwicklung etc. nicht ein.

  68. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 16:33 - - Permalink

    @StefanP

    Ja. Wie Sie richtig gesagt haben, ist die ausgewiesene Staatsverschuldung eine Frage der bilanziellen Betrachtung, den Schulden des Staates stehen Wertbriefe der privaten Haushalte gegenüber. Per Saldo ergibt das Null (ohne Berücksichtigung Ausland).

    Bis hierhin korrekt – nur dass sich dies freilich nicht auf das Rentensystem bezieht.

    Die Betrachtung funktioniert nicht bei den Ansprüchen gegenüber zukünftigen Generationen: während wir als Aktive Rentenbasispunkte aufbauen, die einen Wert verbürgen sollen, fehlt die Gegenposition.

    Das ist aber nun einmal eine grundsätzliche Eigenschaft jedes Umlagesystems. Wenn man denn eine Gegenposition haben will, so kann man ja die künftig zu erwartende Rentenversicherungsabgabe aller sozialversicherungspflichtigen Angestellten nehmen.

    Bei wem steigen die Schulden? Bei unseren geborenen und nicht geborenen Kindern. Das ist das Worldcom-Prinzip.

    Nein – ist es nicht. Hier geht es darum, einen vorrübergehenden Überhang von Alten zu finanzieren. Wenn die Geburtenrate nicht noch weiter abnimmt – was niemand prognostiziert – ist langfristig wieder eine Verbesserung der Relation jung-alt zwingend gegeben. Das ist ja gerade eben der große Fehler von Miegel und Co. – sie extrapolieren und kommen dabei zu aberwitzigen Ergebnissen. Bald haben wir wohlmöglich noch eine negative Fertilität ;-)

    Es ist ja nicht so, dass sich Auswanderer nicht dem Solidargedanken verpflichtet sehen, nur nicht dem deutschen.

    Wenn sie denn aus just diesem Grund auswandern, wage ich das doch mal zu bezweifeln.

    Ein anderer Blogger hatte dies am Beispiel der Schweiz dargestellt, nur wollte er die immer vorhandene Grenze der Solidarität aufgehoben wissen für Deutschland. Das ist die Frage: Gilt Solidarität immer unbegrenzt, ist jeder immer und zu allen Zeiten verpflichtet unter Aufopferung seiner selbst mit seinem Einkommen für andere einzustehen?

    Das steht so im Grundgesetz. Wer damit Probleme hat, sollte wohl idT auswandern und sein Glück in einem andern Land suchen.

    Stellt sich die Frage, ob die Betrachtung der Nettoauswanderung so sinnvoll ist.

    Was denn sonst? Ein Großteil der Auswanderer wandert nun einmal nicht permanent aus. Nur die Abgänge und nicht die Zugänge zu beobachten ist da wenig hilfreich.

    Volkswirtschaftlich ist es nämlich nicht vorteilhaft, einen für 40.000 EUR Studienkosten ausgebildeten Biotechniker an die USA zu verlieren und dafür einen Landwirt aus der hinteren Türkei mit einfachem Bildungsabschluss zu integrieren.

    Darum sprach ich ja auch von der Nettoauswanderung der Deutschen – der Landwirt aus Anatolien ist nun einmal kein Deutscher. Wen der “teure” Biotechniker aber erfahrungsgeladen aus der “neuen Welt” zurückkommt, so ist dies sicher auch volkswirtschaftlich kein Nachteil.

    Was mir an dieser Argumentation gar nicht schmeckt, ist die implizite Unterstellung, dass der Biotechniker wegen der Lohnnebenkosten aus D flieht. Hand aufs Herz – wer wandert wegen ein paar Prozent Lohnnebenkosten aus? Die Gründe für die Auswanderung liegen meist ganz wo anders. Für den Biotechniker gibt es in den USA nun einmal bessere Berufschancen, da diese Branche dort einen anderen Stellenwert hat als hier. Es ist absolut verständlich, dass er unter diesen Bedingungen in die USA geht. Mit den Lohnnebenkosten oder gar dem Rentensystem hat das aber nichts zu tun.

    Das ist die Situation: wir haben einen Abfluss von deutschen Auswanderern in Höhe von 180.000 in das westliche, hoch entwickelte Ausland

    … vor allem nach Österreich und in die Schweiz, klar. Es sind auch nicht 180.00, sondern 161.000 und die müssen nun einmal mit der Zahl der Rückkehrer im gleichen Jahr verrechnet werden, die bei grob 147.000 liegt. Und die Rückkehrer kommen nun einmal naturbedingt aus den Ländern zurück, in die sie ausgewandert sind.

    Daneben ist die Zahl der Auswanderer tendenziell zu niedrig angegeben, da es zwar eine formale Pflicht zur Abmeldung gibt, diese aber nicht hinreichend durchgesetzt werden kann.

    Aha ;-)

    Schreibtischhengste? Was soll das sein? Der angesprochene Biotechniker, Laborant, Lehrer, Ingenieur, Web-Designer, Blogmaster?

    Sicher

    Ja, das Bild von den Alten in den USA ist oft ein Klischee. Wir halten es für ausgeschlossen, dass Menschen jenseits der 60 arbeiten wollen. Aber Sie brauchen nur mal im Urlaub nach Übersee zu reisen, dann sollen Sie alte Damen als Hotel- und Restaurantangestellte, die z.B. als Platzanweiserinnen oder Leiterinnen fungieren

    Und alle komplett freiwillig und mit Spaß an der Freude? Es ist nun einmal so, dass die Altersarbeitsrate in den Ländern am höchsten ist, in denen das Renten- und Sozialsystem nicht viel taugt. Die USA sind da freilich Vorreiter.

    Die hohe Geburtenrate in den USA ist vor allem auf die christlich ausgerichteten Familien zurück zu führen.

    Ja, die Katholiken aus Lateinamerika sind auch Christen.

    Der Punkt ist, dass eine bestimmte Geburtenrate nicht Naturgesetz ist, oder ist es selbstverständlich, hier ganz am Ende der UNO-Liste zu rangieren?

    Das tun wir nicht und das weißt Du auch.

    Im übertragenen Sinne schon. Würden wir alle in Neubauten wohnen wollen, ergäbe das rechnerisch einen Investitionsbedarf von 2,5 Billionen Euro.

    Und die schönen Altstädte würden verschwinden. Außerdem gibt es jede menge qualitativ hochwertigen Wohnraum. Das Letzte, was dieses Land braucht, sind Millionen neuer Häuser. Und da wir Deutschen ja eh immer weniger werden, wird der gegebene Wohnraum sogar noch besser genutzt werden können.

  69. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 17:16 - - Permalink

    @Stefan

    Es geht doch gar nicht um die Riester-Rentner, sondern darum was man mit dem Geld macht wenn man es nicht zwangsweise an jmd anders abgeben muss.

    Wobei allerdings die Frage gestattet sein muss, in wie weit die private Altersvorsorge überhaupt freiwillig ist, wenn die Bereitschaft zu ihr mit dem Mittel des Abbaus der Umlageversicherung erreicht wird.

    Und wenn ich auf mein Haus sparen kann bzw. entscheiden kann welchen Teil des Einkommens ich für Alterssicherung und welchen für Eigentum ausgebe dann bin ich doch wenigstens frei in meiner Wahl und dann ist es auch automatisch gerecht.

    Natürlich – aber das ist ja nun keine volkswirtschaftliche Betrachtung. Was passiert mit dem Geld, das der Altbesitzer für dieses Haus bekommt? Wo kommen die Kredite eigentlich her und wo gehen sie hin? Und vor allem – wie geht die Volkswirtschaft damit um, wenn ihr durch Hauskäufe massenhaft Konsumausgaben entzogen werden?

    Wir führen hier eine Diskussion um das Rentensystem und nich um das Individuum, das sich fürs Alter absichern will.

    Eine wie auch immer geartete staatliche Zwangsversicherung zwingt mich aber zu einem Verhalten das nicht unbedingt wirtschaftlich und für mich sinvoll sein muss.

    So funktioniert “Staat” – das Individuum dazu anregen (oder auch zwingen), Dinge zu tun, die für die Allgemeinheit sinnvoll sind und nicht für das Individuum selbst.

    Daraus ergibt sich automatisch ein Wohlfahrtsverlust für alle Menschen.

    Humbug! Die Wohlfahrt ist nicht die Summe aller einzelnen Begehrlichkeiten und daraus zu schließen, dass es der Allgemeinheit schlechter ginge, wenn ein Individuum weniger in die Kassen einzahlt, ist nicht nur vermessen, sondern sogar absurd.

    Den kann ich auch nie durch Umverteilung ausgleichen, denn dadurch verteile ich ja nur weniger Wohlstand auf mehr Menschen.

    Diesen Satz muss ich mir merken, der fehlt noch in meinem Skurilitätenkabinett ;-)

    Am Ende steht dann Folgendes: Derjenige der mehr leistet muss mehr abgeben, warum soll ich dann noch mehr leisten?

    Dann lass es doch ;-)
    Ich kenne jedenfalls keinen Chefarzt, der wegen der Sozialabgaben lieber Hartz IV bezieht.

    Wo ist denn da die Gerechtigkeit am Ende wenn ich mit 3800€ Brutto 39€ mehr Netto habe als mit 1900€ Brutto? (Die Zahlen sind aus Österreich aber ich denke durchaus vergleichbar.)

    Nö – ich finde diese Zahlen reichlich wirr.

  70. Peleo am 20. November 2009 um 17:54 - - Permalink

    @ Spiegelfechter

    Kein Kommentar, sondern eine Frage: Folgt Ihre Aussage

    “Systemisch betrachtet, kann die Rendite in einem geschlossenen System nie höher sein als die Lohnsteigerungen, der Produktivitätszuwachs oder das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts”

    aus dem sogenannten Mackenroth-Theorem?

  71. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 18:00 - - Permalink

    @Peleo

    Nein, es ist simple Logik ;-)

  72. HELLMOOD am 20. November 2009 um 18:01 - - Permalink

    “Weil aber die Betrachtung nicht mehr national sein , ist die Kapitalbildung die
    einzige Möglichkeit, unser demographisches Problem, mit wachsenden
    Regionen zu teilen und damit zu kompensieren.”

    Auch eine Argumentations-Kette ist eben nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Da freuen sich die Chinesen und Inder ganz sicher, dass sie neuerdings nicht mehr als Reis mampfende Rikscha-
    Fahrer in der Vorstellung unserer Ökonomen herumgeistern sondern ihnen endlich eine sinn-
    volle Aufgabe zugedacht ist: Unsere Altersvorsorge, falsch Altersversorgung. Übergangsweise und zur Absicherung der Pensionen und Altersbezüge unserer Politiker und Leistungsträger können wir ja erstmal Russland in die EU aufnehmen – unser Aussenminister flicht bereits erste zarte Anbiederungen. Doch:

    ” Das ist die Frage: gilt Solidarität immer unbegrenzt…?”

    Fraglos befinden wir uns in einem Dilemma, wie bei einem Hochhausbrand. Nicht jede Tür führt ins Freie und wenn es die Balkontür ist, sollte man die Fallhöhe berücksichtigen.

  73. Stefan am 20. November 2009 um 18:04 - - Permalink

    Humbug! Die Wohlfahrt ist nicht die Summe aller einzelnen Begehrlichkeiten und daraus zu schließen, dass es der Allgemeinheit schlechter ginge, wenn ein Individuum weniger in die Kassen einzahlt, ist nicht nur vermessen, sondern sogar absurd.

    Den kann ich auch nie durch Umverteilung ausgleichen, denn dadurch verteile ich ja nur weniger Wohlstand auf mehr Menschen.

    Diesen Satz muss ich mir merken, der fehlt noch in meinem Skurilitätenkabinett ;-)

    Man sollte die Sätze auch mal in Gänze betrachten anstatt versuchen sie gegeneinander auszuspielen.

    Gehen wir mal von folgender Theorie aus: Geld ist ein Wertaufbewahrungsmittel, das zahle ich einem anderen Menschen für eine Ware bzw. Dienstleistung. Wenn ich nun weniger für die einzelne Ware zahle dann kann ich mehr Waren konsumieren d.h. ich verteile mein Geld einfach nur anders. Es kann gar nicht weg sein.
    Wenn ich nun gezwungen bin einen höheren Preis für etwas zu bezahlen weil angeblich der Allgemeinheit damit gedient wird dann kann ich weniger konsumieren. Ergo verliert derjenige dem ich das Geld gegeben hätte seinen Gewinn, die Früchte seiner Arbeit. Er kann weniger Steuern zahlen und selber weniger konsumieren.

    Daraus ergibt sich ein erneuter Handlungsbedarf für den Staat, schließlich muss derjenige der jetzt nichts mehr hat ebenso unterstützt werden. Ich denke der Rest ist nachvollziehbar.

    Also verliere ich am Ende Wohlstand wenn ich umverteile. Kein Mechanismus der nicht mindestens die Komplexität der Interaktion von 6 Mrd. Menschen erfasst, kann hinreichend genau und gerecht umverteilen.

    Nö – ich finde diese Zahlen reichlich wirr.

    Kann ich hier direkt nen anderen Beitrag verlinken?

    http://eppinger.wordpress.com/2009/10/09/wozu-arbeiten/

    darin findet sich ein Link zu einer Studie die genau die Frage staatlicher Transferleistungen und Leistungsbelohnung untersucht.

  74. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 18:20 - - Permalink

    ehen wir mal von folgender Theorie aus: Geld ist ein Wertaufbewahrungsmittel, das zahle ich einem anderen Menschen für eine Ware bzw. Dienstleistung. Wenn ich nun weniger für die einzelne Ware zahle dann kann ich mehr Waren konsumieren d.h. ich verteile mein Geld einfach nur anders. Es kann gar nicht weg sein.

    Korrekt

    Wenn ich nun gezwungen bin einen höheren Preis für etwas zu bezahlen weil angeblich der Allgemeinheit damit gedient wird dann kann ich weniger konsumieren. Ergo verliert derjenige dem ich das Geld gegeben hätte seinen Gewinn, die Früchte seiner Arbeit. Er kann weniger Steuern zahlen und selber weniger konsumieren.

    Korrekt – das ist die Passage mit der Spar- und der Konsumquote im Artikel.

    Daraus ergibt sich ein erneuter Handlungsbedarf für den Staat, schließlich muss derjenige der jetzt nichts mehr hat ebenso unterstützt werden. Ich denke der Rest ist nachvollziehbar.

    OK – nun weiß ich, was Du meinst. Die umverteilten Gelder verschwinden ja nicht, sondern landen bei einem anderen Wirtschaftssubjekt. Da die Sparquote mit steigendem Einkommen steil einsteigt, erhöht eine Umverteilung von “reich” nach “arm” die Konsumquote einer Volkswirtschaft und da der Konsum größere Auswirkungen auf das BIP hat als das Sparen, steigt dadurch das BIP. Steht aber alles auch im Artikel.

    Also verliere ich am Ende Wohlstand wenn ich umverteile.

    Wenn ich von “arm” nach “reich” umverteile ja – wenn ich von “reich” nach “arm” umverteile nein.

    Kann ich hier direkt nen anderen Beitrag verlinken?

    Da kann ich nur sagen: Felix Austria! In D bekommt eine Familie mit 1.900 Bruttoeinkomen keine 1.603 Euro Transferleistungen obendrauf ;-)

  75. PitPudel am 20. November 2009 um 18:29 - - Permalink

    Gehen wir mal von folgender Theorie aus: Geld ist ein Wertaufbewahrungsmittel, das zahle ich einem anderen Menschen für eine Ware bzw. Dienstleistung. Wenn ich nun weniger für die einzelne Ware zahle dann kann ich mehr Waren konsumieren d.h. ich verteile mein Geld einfach nur anders.

    Das stimmt nur sehr bedingt. Ausgehend von einem Einkommen, dass mir meine Existenzgrundlage sichert (so sollte es ja eigentlich immer sein), habe ich genügend Geld zur Verfügung, um meinen Konsum zu befriedigen. Ich kaufe mir beim Bäcker nicht zwei Brote, weil sie billiger sind, wenn ich gerade einmal eines davon essen werde. Ebenso wenig würde ich mir ein zweites Auto kaufen, an dem ich keinen Bedarf habe (Luxus ist etwas anderes), oder 5 Fernseher in die Wohnung stellen. Das nennt man -glaube ich- “Vernunft”, ist leider aus der Mode gekommen.

    Die Umlagefinanzierung steht neben der rein finanziellen Sicht auch für nichtmonetäre Werte, die ihnen so selbstverständlich sind, dass sie sie gar nicht bemerken. Und es hat einen Wert für sie selbst, wenn sie einmal das entsprechende Alter erreicht haben, was allerdings ausserhalb ihres Horizontes liegt, sowie auch ausserhalb meines Eigenen (m.a.W.: das sollte keine beleidigende Anspielung sein).

    Aber das genau ist ja der Streit der Ideologien, dem mit Fakten nicht beizukommen ist: hier haben wir einerseits die Vertreter eines Restes an Sozialgemeinschaft gegen die “Wenn-jeder-an-sich-denkt-ist-an-alle-gedacht”-Fraktion.

    Ich lese diesen Blog schon länger mit, und spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich dem Autor meinen Respekt für sein Durchhaltevermögen, selbst der abgedrehtesten Argumentation zu begegnen, ausdrücken muss. Manche würden mich schon als harten Knochen bezeichnen, aber hier kann ich noch viel dazu lernen ;)

  76. StefanP am 20. November 2009 um 18:35 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Da die Sparquote mit steigendem Einkommen steil einsteigt, erhöht eine Umverteilung von “reich” nach “arm” die Konsumquote einer Volkswirtschaft und da der Konsum größere Auswirkungen auf das BIP hat als das Sparen, steigt dadurch das BIP.

    Das ist volkswirtschaftlich nicht richtig, auf jeden Fall nicht vollständig. Wenn Sparen nachrangig sein soll, dann bleibt der Kapitalstock einer Nationalökonomie immer gleich, das Volkseinkommen kann nicht wachsen. Erst Sparen und die Umleitung in Investieren erhöhen das Produktivvermögen einer Gesellschaft und schaffen damit Wachstum. Neue, bessere, leistungsfähigere Maschinen müssen bezahlt werden, die Ausbildung von Spezialisten verlangt ebenfalls Kapital.

    In einer offenen Volkswirtschaft gilt das erst recht, die Erhöhung des Kapitalstocks schlägt sich in einem höheren Pro-Kopf-Einkommen und damit Wohlstandsgewinnen nieder.

    Es ist richtig, dass durch Umverteilung die Konsumquote erhöht wird, ob das jedoch zu mehr Wohlstand führt, ist sehr zweifelhaft. Außerdem fallen bei der Umverteilung in jedem Fall Verwaltungs- und Transaktionskosten an, wenn der eine 100 EUR abgeben muss, kommen damit nicht 100 EUR beim anderen an. Die Verwaltungskosten gehen an den unproduktiven Teil, das Spar- und Investitionspotential schmilzt weiter.

  77. PitPudel am 20. November 2009 um 18:40 - - Permalink

    Es ist richtig, dass durch Umverteilung die Konsumquote erhöht wird, ob das jedoch zu mehr Wohlstand führt, ist sehr zweifelhaft. Außerdem fallen bei der Umverteilung in jedem Fall Verwaltungs- und Transaktionskosten an, wenn der eine 100 EUR abgeben muss, kommen damit nicht 100 EUR beim anderen an. Die Verwaltungskosten gehen an den unproduktiven Teil, das Spar- und Investitionspotential schmilzt weiter.

    Wow, eben noch hat ihr Verwandter im Geiste propagiert, dass eine erhöhte Konsumquote zu mehr Wohlstand führt, und sie behaupten jetzt, dass eine erhöhte Konsumquote nicht zu mehr Wohlstand führt, wenn das Kapital dafür durch Umverteilung zustande kommt.

    Die Verwaltungskosten verschwinden auch nicht einfach so im Nichts, auch davon werden wieder Arbeitende bezahlt, die ihrerseits damit konsumieren.

  78. Stefan am 20. November 2009 um 18:45 - - Permalink

    OK – nun weiß ich, was Du meinst. Die umverteilten Gelder verschwinden ja nicht, sondern landen bei einem anderen Wirtschaftssubjekt. Da die Sparquote mit steigendem Einkommen steil einsteigt, erhöht eine Umverteilung von “reich” nach “arm” die Konsumquote einer Volkswirtschaft und da der Konsum größere Auswirkungen auf das BIP hat als das Sparen, steigt dadurch das BIP. Steht aber alles auch im Artikel.

    Naja die Frage die StefanP dazu schon aufgeworfen hat ist ja eine andere: Was ist denn wenn ich das global betrachte? Also der Konsum nicht in Deutschland stattfindet sondern in Übersee? Dann habe ich zwar umverteilt und den Konsum gesteigert aber das hat ja noch nicht zwangsläufig einen Effekt auf das deutsche Alterssicherungssystem.
    Da liegt doch das Problem: Wir betrachten die Alterssicherung national, die dazu notwendigen Kapitalmittel werden doch international erwirtschaftet, wenn wir also bestimmte Eingriffe zulassen dann haben wir am Ende nur einen Wettbewerbsnachteil denn wir verlieren Freiheit im wirtschaftlichen Handeln

    Also verliere ich am Ende Wohlstand wenn ich umverteile.

    Wenn ich von “arm” nach “reich” umverteile ja – wenn ich von “reich” nach “arm” umverteile nein.

    Den Wohlstand habe ich trotzdem verloren, jede Umverteilung geht mit Reibungsverlusten, Verwaltungskosten usw. einher. Der Markteingriff des Staates sorgt erst für den Bedarf der Umverteilung.

    Um das ganze abzukürzen: Die gleiche Diskussion wurde zwischen Proudhon und Bastiat bereits Ende des 19. Jahrhunderts geführt. Ich glaube also nicht das wir hier einen Nenner finden werden.

    Da kann ich nur sagen: Felix Austria! In D bekommt eine Familie mit 1.900 Bruttoeinkomen keine 1.603 Euro Transferleistungen obendrauf ;-)

    Und da zeigt es sich eben wieder! Dieses Geld muss doch erwirtschaftet werden. Und außerdem kann man dann doch die Frage stellen warum noch mehr arbeiten um von 1.900 auf 2.500 zu kommen. Das einzige was ich davon habe ist weniger Zeit mit meiner Familie.
    Und der Chefarzt zählt nicht, es geht um diejenigen die bereit und willens sind mit ihrem Einkommen und ihrer Ausbildung eine eigene Familie zu ernähren nicht um abstrakte Chefärzte oder Manager.

    Die bezahlen nämlich die Zeche für die Umverteilung.

    Aktuell heißt doch nicht von ‘reich” nach “arm” sondern eher von “könnte von der eigenen Arbeit leben” zu “hat nichts und wird auch nie wieder was haben”. Und von daher kann ich mich nur immer wieder über diese ganzen Ideen der Umverteilung aufregen. Es bezahlen doch am Ende nur die die sich nicht wehren können.
    Und das waren auch im real existierenden Sozialismus nicht die “Reichen”. Denn die gibt es dann ja nicht mehr, also wer soll das bezahlen in einer Umverteilung?

    OT: Hätte schon fast wieder für nen eigenen Post gereicht. ;-)

    Das stimmt nur sehr bedingt. Ausgehend von einem Einkommen, dass mir meine Existenzgrundlage sichert (so sollte es ja eigentlich immer sein), habe ich genügend Geld zur Verfügung, um meinen Konsum zu befriedigen. Ich kaufe mir beim Bäcker nicht zwei Brote, weil sie billiger sind, wenn ich gerade einmal eines davon essen werde. Ebenso wenig würde ich mir ein zweites Auto kaufen, an dem ich keinen Bedarf habe (Luxus ist etwas anderes), oder 5 Fernseher in die Wohnung stellen. Das nennt man -glaube ich- “Vernunft”, ist leider aus der Mode gekommen.

    Ich kaufe mir vielleicht nicht 2 Brote, aber vielleicht 1 Brot und ein neues Paar Schuhe oder ne Zeitung, schon mal darüber nachgedacht?
    Luxus ist ja das Ziel jeden wirtschaftlichen Handelns, wenn ich auf reine Bedürfniserfüllung reduziert werde dann verkenne ich doch den Menschen.

    Die Verwaltungskosten verschwinden auch nicht einfach so im Nichts, auch davon werden wieder Arbeitende bezahlt, die ihrerseits damit konsumieren.

    Der Verwalter konsumiert, das ist richtig. Dieses Geld hätte aber derjenige dem es weggenommen wurde uU zu etwas viel sinnvollerem einsetzen können. Also verliere ich wieder etwas Wohlstand, nicht viel im Moment aber auf Dauer schon!

  79. StefanP am 20. November 2009 um 20:01 - - Permalink

    Wenn man das richtig versteht, schafft die völlige Umverteilung von allem Erwirtschafteten den höchstmöglichen Wohlstand. Die Geschichte bietet dafür keine Anhaltspunkte. Die deutsche Volkswirtschaft wuchs in den 1950er und 1960er Jahren am schnellsten prozentual betrachtet. Zur gleichen Zeit betrug die Investitionsquote zwischen 26 und 28 Prozent. Seit den 1970 Jahren bewegte sie sich nur noch um die 23 Prozent, ebenso hatte sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt auf 3-5 Prozent jährlich. Mit der Jahrtausendwende ist eine neue Phase erreicht und bewegt sich nur noch um die 17 Prozent (im Boomjahr 2008 19%). Das jährliche Wirtschaftswachstum ist seit dem ebenfalls noch mal zurück gegangen.

    Die beliebte These von der Anregung des Wirtschaftswachstums durch Erhöhung der Konsumquote steht ohne empirisches Fundament da. Was bleibt sind „logische“ Überlegungen, die sich aber stets an der Realität messen lassen müssen. Es spricht folglich viel dazu, unseren Wohlstand durch Spar- und Investitionsanstrengungen zu erhöhen.

  80. PitPudel am 20. November 2009 um 20:33 - - Permalink

    Ich kaufe mir vielleicht nicht 2 Brote, aber vielleicht 1 Brot und ein neues Paar Schuhe oder ne Zeitung, schon mal darüber nachgedacht?

    Das ist richtig, aber doch wohl kein Problem? Ich kaufe mir nicht jedes Mal gleichzeitig Brot und ein Paar neue Schuhe. Und ganz ehrlich, wenn Sie zu den Menschen gehören, die zwischen einem Brot oder einer Zeitung wählen müssen, dann würden Sie doch wohl in der vordersten Reihe der Umverteilungsbefürworter zu finden sein müssen. Oder Sie sollten dringend mit Ihrem Arbeitgeber über Ihre Entlohnung sprechen. Meine Unterstützung dafür hätten Sie.

    Luxus ist ja das Ziel jeden wirtschaftlichen Handelns, wenn ich auf reine Bedürfniserfüllung reduziert werde dann verkenne ich doch den Menschen.

    Sie vermischen hier zwei Dinge: Wirtschaft und Mensch-Sein. Ich reduziere den Menschen beileibe nicht auf die reine Bedürfniserfüllung, erkenne aber die Wirtschaft nicht als suffizientes Instrument der Selbstverwirklichung an. Genausowenig ist die Rente ein solches Instrument.

    Dieses Geld hätte aber derjenige dem es weggenommen wurde uU zu etwas viel sinnvollerem einsetzen können.

    “Wenn jeder an sich denkt…”. Was für Sie selbst sinnvoll ist, ist höchst subjektiv.

    Also verliere ich wieder etwas Wohlstand, nicht viel im Moment aber auf Dauer schon!

    Selbstverständlich, dass stellt niemand in Frage. Es geht hier allerdings um eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wie ich schon weiter oben schrieb, weiß ich auch nicht, _wem_ genau meine derzeitigen Rentenbeiträge die Rente sichern. Es könnte jemand sein, der mir selbst in höchstem Maße unsympathisch ist, aber das interessiert mich nicht im Geringsten. Mein Beitrag zum Thema “Leben und leben lassen”.

    Wenn man das richtig versteht, schafft die völlige Umverteilung von allem Erwirtschafteten den höchstmöglichen Wohlstand.

    Ich fürchte, dass haben Sie nicht richtig verstanden. Zwischen schwarz und weiß liegen viele Graustufen.

    Die beliebte These von der Erhöhung des Wirtschaftswachstums durch die völlige Befreiung des Marktes von regulierenden Eingriffen steht ebenso ohne empirisches Fundament da. Allerdings zeigt die eben erst geplatzte Spekulationsblase und das daraus resultierende laute Rufen nach dem schützenden Eingriff des Staates durchaus in eine Richtung. Eine andere, als Sie gerne hätten…

  81. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 20:39 - - Permalink

    @StefanP

    Wenn man das richtig versteht, schafft die völlige Umverteilung von allem Erwirtschafteten den höchstmöglichen Wohlstand.

    Nein, natürlich nicht. Es sind die Grautöne, die die Welt bestimmen und nicht das Weiß und auch nicht das Schwarz ;-)

    Die deutsche Volkswirtschaft wuchs in den 1950er und 1960er Jahren am schnellsten prozentual betrachtet. Zur gleichen Zeit betrug die Investitionsquote zwischen 26 und 28 Prozent. Seit den 1970 Jahren bewegte sie sich nur noch um die 23 Prozent, ebenso hatte sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt auf 3-5 Prozent jährlich.

    Ja, das waren auch die “goldenen Zeiten” der Sozialen Marktwirtschaft.

    - der absolute Großteil der Investitionen wurde in produktive Fazilitäten im Lande investiert, die regulär bezahlte Arbeitsplätze schufen
    - die Spreizung in Vermögen und Einkommen war historisch niedrig
    - die Kosten des Sozialsystems waren umstandsbedingt niedrig
    - Deutschland war noch kein “Export(überschuss)weltmeister”, d.h. die Löhne waren so gut, dass viele Waren aus dem Ausland nachgefragt worden
    - die Banken kamen ihrem eigentlichem Geschäft nach und pumpten Geld in die Realwirtschaft und nicht in abstrakte virtuelle Finanzinovationen

    Natürlich kann man die Zeit nicht mit der heutigen vergleichen. Ich kann (und will) hier auch gar keine simplen Formeln aufstellen, die immer gültig sind. Die Rahmenbedingungen sind ganz einfach nicht vergleichbar.

    Die beliebte These von der Anregung des Wirtschaftswachstums durch Erhöhung der Konsumquote steht ohne empirisches Fundament da.

    Es gibt zwar empirische Befunde, aber er ist natürlich nicht immer klar, ob hier die Korrelation auch tatsächlich ursächlich bedingt ist. Das Problem bei diesen Betrachtungen ist ja, dass die Sparquote bei steigendem Einkommen und steigendem Wohlstand sinkt. Dennoch ist der Zusammenhang wissenschaftlich unstrittig – bei den Keynesianern sowieso nicht. Auch scheinen so ziemlich alle Wirtschaftsnobelpreisträger der letzen Jahre da eine eindeutige Meinung zu haben, wie man an der Diskussion über die Möglichkeiten des Staates zur Abwehr der Rezession ja erkennen konnte.

    Was bleibt sind „logische“ Überlegungen, die sich aber stets an der Realität messen lassen müssen. Es spricht folglich viel dazu, unseren Wohlstand durch Spar- und Investitionsanstrengungen zu erhöhen.

    Stellt sich nur die Frage, wer mit “uns” gemeint ist? Gesamtwirtschaftlich läuft dies zumindest in Leere.

  82. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 20:51 - - Permalink

    @Stefan

    Naja die Frage die StefanP dazu schon aufgeworfen hat ist ja eine andere: Was ist denn wenn ich das global betrachte? Also der Konsum nicht in Deutschland stattfindet sondern in Übersee? Dann habe ich zwar umverteilt und den Konsum gesteigert aber das hat ja noch nicht zwangsläufig einen Effekt auf das deutsche Alterssicherungssystem.

    Das ist ja ein sehr gutes Argument für das Umlagesystem. Konsum erzeigt es nämlich hierzulande, da die meisten Rentner ihr Geld ja im Inland ausgeben. Hier gibt es ja einen großen Unterschied zum “Sparen”. Das gesparte Geld schafft idT Konsum im Ausland, da dort ja auch ein signifikanter Teil der Investments landet, die dort auch als Löhne und Gewinne ausgezahlt werden und den Konsum stärken.

    Da liegt doch das Problem: Wir betrachten die Alterssicherung national, die dazu notwendigen Kapitalmittel werden doch international erwirtschaftet,

    Nein nein – wir (zumindest ich) betrachten das schon international.

    Den Wohlstand habe ich trotzdem verloren, jede Umverteilung geht mit Reibungsverlusten, Verwaltungskosten usw. einher. Der Markteingriff des Staates sorgt erst für den Bedarf der Umverteilung.

    Das ist schon wieder betriebswirtschaftlich gedacht und nicht gesamtwirtschaftlich. Reibungsverluste verschwinden nicht im luftleeren Raum und verlassen auch nicht die nationale Volkswirtschaft. Verwaltungskosten sind z.B. die Einkommen der Beamten, die a) zum Volkseinkommen beitragen und die b) dieses Einkommen auch wieder verkonsumieren und sparen. Systemisch betrachtet gibt es beim Umlagesystem keine (oder besser kaum) Verluste. Beim bei der Riester-Rente ist dies ganz anders. Dort sind die – im Vergleich zum Umlagesystem wesentlich(!) höheren – Verwaltungskosten auch Gewinne, die als Dividende an Aktionäre ausgezahlt werden. Aktionäre der Versicherer sind auch amerikanische Pensionsfonds. Somit dienen die Reibungsverluste des Riester-Systems indirekt auch der Stabilisierung der amerikanischen Pensionen. Für den deutschen Rentner ist dies unerfreulich.

  83. aquadraht am 20. November 2009 um 20:56 - - Permalink

    @Stefanp: Der Trick “ich backe mir meine Wirtschaftsgeschichte” ist ja ganz niedlich. Tatsache ist, dass die Gleichung mit I=S eben nicht aufgeht oder ex post passend gemacht wird (man schiebt und definiert solange Konsum, Investition und Ersparnis durcheinander, bis es passt. Das sind Operationen einer Nationalökonomie, in deren Modellen Krisen nicht vorkommen können).

    Die Ursache des lang anhaltenden Nachkriegsaufschwungs war eine gewaltige aufgestaute Nachfrage, beginnend mit der Rekonstruktionskonjunktur und gefolgt von einer Weltmarktexpansion. Wäre Smax=Imax, so hätten wir keine Weltwirtschaftskrise. Tatsächlich hat die Kannibalisierung der Nachfrage in den Austeritystaaten und ihre Scheinblüte auf Pump in den Defizitländern, in denen die arbeitenden Klassen auf der Lohn- und Gehaltsebene genauso ausgehungert, aber durch Kreditangebote flüssig gehalten wurden, zum derzeitigen Kollaps geführt.

    Die einzigen einigermassen rational geführten Ökonomien im weltwirtschaftlichen Irrenhaus waren und sind die der Schwellenländer, allen voran China (auch wenn dessen Exportüberschüsse seit 2004 nicht nachhaltig waren, was chinesische Ökonomen auch nie behauptet haben). In diesen Ökonomien steigt die Nachfrage, auch die der weniger Begüterten, und es wird nicht einseitig in eine Schicht von Geldbesitzern und -operateuren umverteilt, bei Abkopplung der Finanz- von der Realwirtschaft, was die Verpflichtungen angeht. Und ja, dort wird kräftig investiert (in China liegt die Quote bei 43%), was zum Teil aber auch zur Schwäche der Konsumnachfrage führt und mit Export nicht lösbar ist.

    Um auf Deine Argumentation zurückzukommen: Umverteilt wird immer. In den letzten dreissig Jahren wurde im Westen, besonders radikal in Deutschland, von den arbeitenden Schichten auf die Oberschichten und Finanzoperateure (das deckt sich grossenteils, aber nicht völlig, da die Finanzoperateure auch Fonds – siehe das Thema dieser Plauderei – aus allen Gesellschaftsschichten aufsaugen). Diese schwachsinnige Umverteilung ist nicht nur teuer, sondern mörderisch, sie sollte aufhören. Das sage ich als Besserverdiener.

    a^2

  84. StefanP am 20. November 2009 um 21:22 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Ja, das waren auch die “goldenen Zeiten” der Sozialen Marktwirtschaft. – der absolute Großteil der Investitionen wurde in produktive Fazilitäten im Lande investiert, die regulär bezahlte Arbeitsplätze schufen.

    Mitnichten. In den Bruttoanlageinvestitionen sind keine Finanzprodukte enthalten. Bei den Investitionen handelt es sich fast ausschließlich um Ausrüstungen und Bauten, also das, was sich in den Bilanzen als Sachanlagevermögen findet. Wir vergleichen also Gleiches mit Gleichem.

    die Spreizung in Vermögen und Einkommen war historisch niedrig.

    Was hat das mit der Investitionsquote bzw. der Konsumquote (als Residualwert) zu tun?

    die Kosten des Sozialsystems waren umstandsbedingt niedrig

    Das ist richtig, aber vielleicht auch ein Grund für das hohe Wirtschaftswachstum.

    Deutschland war noch kein “Export(überschuss)weltmeister”, d.h. die Löhne waren so gut, dass viele Waren aus dem Ausland nachgefragt worden

    Nee, Deutschland schwang sich bereits Anfang der 1960er Jahre zur Exportnation auf, blieb das bis zur Wiedervereinigung, nach der Wiedervereinigung. Und während wir heute ob unserer tollen Maschinen so gefragt sind, waren es damals die niedrigen Löhne, die gegenüber den USA einen Wettbewerbsvorteil verschafften und die Amerikaner grummeln ließen. Vielleicht ist es doch von Vorteil, nicht immer die höchsten Löhne zu haben?

    die Banken kamen ihrem eigentlichem Geschäft nach und pumpten Geld in die Realwirtschaft und nicht in abstrakte virtuelle Finanzinnovationen.

    Sie waren damals vor allem an Unternehmen beteiligt, was man Industriepolitik nannte und damals auch nicht immer gern gesehen war – vor allem nicht von Gewerkschaftern. Daneben habe ich nicht einfach die Nachkriegszeit, sondern einen Zeitraum von immerhin 60 Jahren betrachtet und die langfristigen Trends aufgezeigt. Das ist schon etwas mehr.

    Deutschland liegt mit seiner Investitionsquote durchaus im EU-Mittel, nur zeigt sich eben auch, wenn sich in einem Land die Investitionsquote im langfristigen Trend erhöht (wie z.B. Spanien) dann steigt eben auch das BIP schneller als anderswo. Kippt später der Trend, reduziert sich mit leichter Verzögerung auch das Wirtschaftswachstum. All das indiziert eher, dass die Investitionen (und damit das Sparen) die wirklich relevanten Größen sind, die unsere Wohlstandsentwicklung prägen.

    Keynes beschäftigte sich aufgrund der Erfahrungen mit der Weltwirtschaftskrise vorrangig damit, inwieweit der Staat in Krisenzeiten den privaten Sektor als Investor ersetzen könne, nicht als Konsument. Klassisch ist sein Beispiel, wo er das Ausheben und Wieder-Zuschaufeln von Erdlöchern als sinnvolle Investitionsmaßnahme gegen die Krise empfahl. Die Regierungen haben sich der Lehren besonnen, für dauerhafte Politik taugen seine Thesen jedoch nicht. Nicht etwa, weil sie theoretisch schlecht sind, sondern weil demokratisch gewählte Politiker nie die Konzepte vollständig umsetzen konnten, mithin im Aufschwung staatliche Investitions- und Konsumausgaben drastisch reduzieren und Steuern erhöhen.

  85. Phil am 20. November 2009 um 21:51 - - Permalink

    @Jens:

    40% sehe ich als hanebüchen, hast Du da einen Link?

    Manche Privatvorsorge-Systeme in Großbritannien verbrauchen hierfür 40% der Prämien.

    Politik, Wissenschaft und Publizistik als Werbeträger der Versicherungswirtschaft

    Jedoch habe ich bisher auch keine Quelle dafür gefunden

    die übrigens sicher keine 3 oder gar 4% Rendite erwirtschaftet

    Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund zur Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung – Fragen und Antworten:

    Die Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung kann als eine Finanzinvestition angesehen werden: Man zahlt Beiträge ein und erhält dafür einen Rechtsanspruch auf künftige Auszahlungen, deren genaue Höhe aber vorab nicht festgelegt ist. Ein anerkanntes Verfahren zur Beurteilung der Rentabilität einer solchen Investition ist die Ermittlung der „internen Rendite“. Dabei wird die Summe der Einzahlungen für diese Investition der Summe der zu erwartenden Auszahlungen gegenüber gestellt, wobei zu berücksichtigen ist, dass einerseits die in der Vergangenheit getätigten Einzahlungen bis zum Auszahlungsbeginn „auf“gezinst und andererseits die erst in Zukunft zu zahlenden Renten auf den gleichen Zeitpunkt „ab“gezinst werden müssen. Als „interne Rendite“ wird dann jener Zinssatz bezeichnet, bei dessen Verwendung die Summe der eingezahlten und bis zum Rentenbeginn aufgezinsten Beiträge genau der Summe der auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns abgezinsten Rentenzahlungen entspricht.
    Diese in der Finanz- und Versicherungsmathematik zur Beurteilung der Rentabilität von Investitionen übliche Methode wurde von der Rentenversicherung auch bei der Ermittlung der Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung verwendet.

    Säulengraphik Rentenredite in Prozent

    Die anhängende Datei enthält eine Säulengraphik. Diese zeigt Ihnen die Rentenredite in Prozent bei Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre für die Jahre, 2006,2010, 2020, 2030 und 2040.

    Rendite für Männer mit Rentenbeginn:
    2006: 3,5 %
    2010: 3,2 %
    2020: 2,6 %
    2030: 2,6 %
    2040: 2,7 %

    Rendite für Frauen mit Rentenbeginn:
    2006: 4,1 %
    2010: 3,8 %
    2020: 3,2 %
    2030: 3,1 %
    2040: 3,2 %

  86. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 21:54 - - Permalink

    @StefanP

    Mitnichten. In den Bruttoanlageinvestitionen sind keine Finanzprodukte enthalten. Bei den Investitionen handelt es sich fast ausschließlich um Ausrüstungen und Bauten, also das, was sich in den Bilanzen als Sachanlagevermögen findet. Wir vergleichen also Gleiches mit Gleichem.

    Bedingt – denn wenn wir die Investitionsquote als Gradmesser nehmen, so beinhaltet dies wesentlich mehr als die Bruttoanlageinvestitionen.

    Was hat das mit der Investitionsquote bzw. der Konsumquote (als Residualwert) zu tun?

    Direkt nichts – indirekt schon, da Quoten sich immer auf die gesamten Investitionen beziehen. Ab einem bestimmten Einkommen/Vermögen nimmt nun einmal zwangsläufig die Konsumquote ab. Nur darum ging es mir.

    Das ist richtig, aber vielleicht auch ein Grund für das hohe Wirtschaftswachstum.

    Kaum vorstellbar, da auch bei Sozialausgaben die Gelder ja wieder 1:1 in den Kreislauf zurückfließen.

    Nee, Deutschland schwang sich bereits Anfang der 1960er Jahre zur Exportnation auf, blieb das bis zur Wiedervereinigung, nach der Wiedervereinigung.

    Ja klar – die Entwicklung nahm damals ihren Anfang, aber sie hatte noch lange nicht diese Ausmaße.

    Und während wir heute ob unserer tollen Maschinen so gefragt sind, waren es damals die niedrigen Löhne, die gegenüber den USA einen Wettbewerbsvorteil verschafften und die Amerikaner grummeln ließen. Vielleicht ist es doch von Vorteil, nicht immer die höchsten Löhne zu haben

    Ach so niedrig waren die Löhne spätestens ab den 60ern gar nicht. Schon Ende der 50er lagen die deutschen Löhne in Europa (Ausnahme war m.W. nur Schweden als Spitzenreiter) ganz vorne in Europa. Die Löhne in den USA waren damals zwar idT höher, aber das wurde über den Wechselkurs weitestgehend ausgeglichen. Damals war der Dollar noch richtig was wert ;-)

    Deutschland liegt mit seiner Investitionsquote durchaus im EU-Mittel, nur zeigt sich eben auch, wenn sich in einem Land die Investitionsquote im langfristigen Trend erhöht (wie z.B. Spanien) dann steigt eben auch das BIP schneller als anderswo.

    Das ist mir viel zu allgemein – in Spanien war eine rege (und unsinnige) Bautätigkeit für die hohe Investitionsquote verantwortlich. Dass dies Auswirkungen aufs BIP hat ist klar. Wenn ein deutscher Versicherer sich aber amerikanische Staatsschulden ins Depot legt, hat dies nahezu keine Auswirkung auf das deutsche BIP.

    Keynes beschäftigte sich aufgrund der Erfahrungen mit der Weltwirtschaftskrise vorrangig damit, inwieweit der Staat in Krisenzeiten den privaten Sektor als Investor ersetzen könne, nicht als Konsument.

    Keynes untersuchte beide Varianten und er sah den Staat auch nicht als Ersatzinvestor, sondern als Nachfrager in Krisenzeiten! Das ist ein Unterschied.

  87. Spiegelfechter am 20. November 2009 um 22:06 - - Permalink

    @Phil

    Jedoch habe ich bisher auch keine Quelle dafür gefunden

    Keine Ahnung, was Müller damit meint. Ich halte diese Zahl zumindest für mehr als fraglich.

    Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund zur Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung – Fragen und Antworten:

    Ich muss gestehen, dass ich mit dieser Rechnung nicht viel anfangen kann. Der Rentenschlüssel ist ja an andere Faktoren gebunden, wie beispielsweise die Lohnsteigerung. Aber eine Lohnsteigerung in dieser Höhe halte ich für den angegebenen Zeitraum für ausgeschlossen – da bin ich ausnahmsweise sogar einmal mit den fünf Weisen einer Meinung ;-)

  88. Phil am 20. November 2009 um 22:51 - - Permalink

    @Jens:

    Schau auch Positive Rendite – auch langfristig:

    Die Deutsche Rentenversicherung berechnet seit etwa 10 Jahren regelmäßig die Rendite der gesetzlichen Rente.

    Dabei zeigt sich, dass die Rendite für künftige Rentenzugänge zwar im Schnitt geringer ausfällt als für die Rentenzugänge in den zurückliegenden Jahren, aber auch langfristig deutlich positiv bleibt. Unsere Renditeberechungen werden von unabhängigen Institutionen bestätigt, wie etwa vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung oder der Stiftung Warentest.

    Zitat der Stiftung Warentest:
    „Immer im Plus. Die Versicherten bekommen auch zukünftig mehr Rente als sie an Beiträgen geleistet haben.“

  89. StefanP am 20. November 2009 um 22:53 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Die Löhne in den USA waren damals zwar idT höher, aber das wurde über den Wechselkurs weitestgehend ausgeglichen. Damals war der Dollar noch richtig was wert ;-)

    Hm, wenn der Dollar einen deutlich höheren Wert als die DM besitzt, dann sind die deutschen Löhne noch günstiger im Außenverhältnis als sie es bei Währungsparität wären. Es ist allerdings richtig, dass die deutschen Löhne sich Anfang der 1970er Jahre innerhalb Europas stark angenähert hatten und die Bundesrepublik eine Führungsrolle übernahm. Danach stiegen die deutschen Lohneinkommen bis Ende der 1980er Jahre stärker als die in den Wettbewerbsländern.

    Keynes untersuchte beide Varianten und er sah den Staat auch nicht als Ersatzinvestor, sondern als Nachfrager in Krisenzeiten!

    Das ist nicht richtig. Nach der klassischen Theorie befindet sich eine Volkswirtschaft dann im Gleichgewicht und auf dem Wachstumspfad („steady state“), wenn die Investitionen gleich den Sparneigungen sind. In einer Wirtschaftskrise steigen die Sparanstrengungen weiter an, während die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zurück geht. Dieses Ungleichgewicht führt zu einer Abwärtsspirale. Die Idee von Keynes war, dass der Staat als Investor für die Unternehmen einspringt. Dazu muss man berücksichtigen, dass zu Zeiten Keynes der Staat als große Umverteilungsmaschine unbekannt war, das ist eine Entwicklung der Nachkriegszeit und der christlichen Soziallehre.

  90. Sukram71 am 20. November 2009 um 23:18 - - Permalink

    Das Beste wird sein, wenn man ne Riester-Rente hat, diese erstmal ruhen zu lassen?

    Viele Gruesse aus Paraguaçu Paulista, Brasil. :)

  91. salvo am 21. November 2009 um 09:21 - - Permalink

    die selbe Auseinandersetzung gibt es eben auch anderswo, zB in Canada. Die Auseinandersetzung um die Reform der Altersvorsorge ähnelt der um die Reform der Gesundheitssysteme. Es geht grundsätzlich darum, dass auf der einen Seite es politische Bestreben gibt, Systeme der Daseinsvorsorge umzusetzen, die den existentiellen Interesssen der Bevölkerungsmehrheit entsprechen, während auf der anderen Seite es mächtige ökonomische Machtzentren gibt, die diese Bereiche ihren Profitinteressen unterwerfen möchten. Gerade gegen diese Widerstände scheiterten bislang alle Versuche in den USA das Gesundheitssystem zu reformieren. In Canada verlaufen die Fronten derzeit bei der Auseinanderstzung um eine Reform der Altersvorsorge ebenso: eine leider viel zu mächtige private Versicherungsindustrie versucht, durch ihre Lobbyarbeit die politische Entscheidungsfindung zu ihren Gunsten zu beeinflussen und gegen die Interessen der Bevölkerung:

    ” Like health care, pensions cry out for public programs. Our public pensions – Old Age Security and Canada Pension Plan – have helped keep seniors out of poverty. But the amounts provided under these programs are low and need to be topped up. Yet less than 40 per cent of Canadians have private pensions to supplement their retirement incomes.

    The best way to ensure better pension coverage for all Canadians would be to put more money into our public programs.

    Another promising idea, promoted by some provincial governments, involves government setting up multi-employer “super pension funds” that would operate on a non-profit basis.

    Jack Mintz doesn’t like this idea. In an op-ed piece in the National Post last May, he attacked it as “dangerous.”

    Just why is it dangerous? Well, it seems it’s dangerous to the interests of banks and insurance companies because, as Mintz explained, they would have trouble competing with the non-profit pension funds.

    Interestingly, this is the same argument American conservatives use against Obama’s public health-care plan – that private insurers would have trouble competing with it.

    Which raises the question: whose interests come first? If we have to choose between leaving elderly Canadians at risk of slipping into poverty or making it harder for banks and insurance companies to compete in the pension market, is that really a tough choice – except perhaps for Jack Mintz, Stephen Harper and others on the Canadian right?”

    http://www.nakedcapitalism.com/2009/08/guest-post-insurance-industrys-pension.html

    Wenn man dieser Problematik angemessen beikommen will, kommt man wohl nicht umhin, diese privaten ökonomischen Machtzentren zu entmachten, auf welcher Weise auch immer.

  92. Beate am 21. November 2009 um 10:09 - - Permalink

    Individueller Luxuskonsum ist teuer und hat mörderische Folgen.
    Beispiel Auto.
    Städtische Abgaben oder Steuern für die Reichen zu senken ermöglicht diesen mehr Luxuskonsum. Würden alle Autos genossenschaftlich genutzt wären 90% der Autos und die von den Autos verursachten Umweltbelastungen einzusparen. Alle 6 Minuten wird ein Kind angefahren, weil die innerstädtische Höchstgeschwindigkeit nicht auf 30 km/h reduziert wird. Nein lieber werden weiter Kinder ermordet.

    Die Riesterrente ist nicht notwendig.

    Es gibt riesige ungenutzte Produktivitätsreserven in unserer Gesellschaft durch genossenschaftliche Nutzungsweisen.
    Überlegt einmal wenn in Deutschland wie in den USA jeder in einem Eigenheim wohnen würde.

    Übrigens Hitler war es der in Bezug auf das Auto sagte: Man muss den Menschen die Illusion der Freiheit lassen.
    Dafür wird alles andere verdrängt.

    Scheint nicht so einfach zu sein, dass Ding mit der Freiheit.

  93. Peinhard am 21. November 2009 um 10:24 - - Permalink

    Typisch für den Hauptstrang der Diskussion bis hier: die Probleme bzw inneren Widersprüche der Kapitalverwertung lassen sich eben auf der Ebene der Zirkulation, also mit Umverteilung von wo auch immer nach wo auch immer weder lösen noch erklären, da sie bereits auf der Produktionsebene angesiedelt sind. Alles, was dann ‘weiter oben’ aufscheint, sind nur Spiegelungen bzw ‘Symptome’ der Produktionsweise selbst. Irrig ist auch die Annahme eines ’steady state’ oder eines ‘Gleichgewichts’ – die ‘funktionierende Kapitalverwertung’ ist immer ein dynamischer Prozess, der, sozusagen ‘vorwärtsstürzend’, seine inneren Widersprüche durch ständiges Wachstum ausgleicht bzw ausgleichen muss.

    Ein zentraler Punkt dabei ist die Kompensation von Produktivitätsfortschritt durch Produktionsausweitung, und dieser Mechanismus stösst mittlerweile an innere (ökonomische) wie äußere (ökologische) Schranken. Die zunehmende ‘Verwissenschaftlichung’ und Rationalisierung der Produktion ist dabei nichts anderes als eine zunehmende ‘Kapitalisierung’ derselben, die durch die Verschiebung des Verhältnisses von festem zu variablem Kapital Druck auf die ‘Mehrwertrate’, den Profit, ausübt. Und diese zunehmende ‘Verwertungsschwäche’ der sogenannten ‘Realwirtschaft’ hat zur Folge – und nicht etwa umgekehrt! – dass Geldkapital in die ‘Finanzsphäre’ wandert, statt investiert, also in produktives Sachkapital umgewandelt zu werden. Der ‘reale’ Mehrwert wird so zunehmend durch ‘fiktiven’ Mehrwert, in erster Linie durch keditiven Zugriff auf (aber eben gar nicht mehr wirklich zu erwartende) zukünftige reale Wertschöpfung ersetzt.

    Umverteilung von ‘oben’ (wo es eben diese fiktiven Werte generiert) nach ‘unten’ oder auch eine ‘Regulierung’ sprich Restriktion der Finanzmärkte kann in diesen Prozess nur insofern eingreifen, als es im Endeffekt die Profitrate auf das ‘real’ noch erreichbare zurückstutzt – was aber notwendigerweise in der Konkurrenz, hier der sog. ‘Standortkonkurrenz’ zu ‘Wettbewerbsnachteilen’ führen muss. Und folglich – Geldkapital ist ja ein besonders scheues Reh – von den sogenannten ‘Lenkern’ der ‘Nationalökonomien’ tunlichst vermieden wird. Stattdessen befinden sie sich in einem stetigen Wettlauf um die Generierung eben dieses ‘fiktiven’ Kapitals bzw Kapitalzuwachses, dessen immer kompliziertere und immer längere Kreditketten dann eben immer wieder und in immer kürzeren Abständen ‘reissen’, also auch keinen oder einen immer nur zeitweiligen ‘Ausweg’ aus der Verwertungsschwäche der ‘realen’ Produktion bieten.

    Das könnte wie gesagt nur durch eine Produktionsausweitung, als durch ‘reales’ Wachstum geschehen – ‘Güterklassen’ aber, die mehr Beschäftigung generieren als gleichzeitig durch Rationalisierung weiter abgebaut wird, sind nicht in Sicht. Im Gegenteil sind alle neuen ‘Technologien’ schon von vornherein durch ein extreme ‘Kapitallastigkeit’ gekennzeichnet, b das nun Biotechnik, Nanotechnik oder eben auch erneuerbare Energien sind (weshalb auch ein ‘Green New Deal’ nur durch neue Subventionierung=Verschuldung möglich wäre). Keynes hat diese Entwicklung übrigens mit seiner Erwartung (bzw sogar Hoffung) eines ‘allmählichen Tod des Rentiers’ zumindest geahnt und sich auch grundsätzliche Gedanken dazu gemacht – nur dabei halt irgendwie ‘übersehen’, dass ein Kapitalismus mit Profitrate Null eben gar kein Kapitalismus mehr sein könnte…

  94. Alexander Dill am 21. November 2009 um 10:51 - - Permalink

    @Jens Berger

    Wie kommst Du auf diese Zahl? Sie erscheint mir “zu” hoch. Ist darin die Beitragsbemessungsgrenze eingerechnet? Sind darin potentielle Leistungen für Selbstständige mit einbezogen? Und schließlich – sind darin auch die notwendigen Zusatzkosten für den Staat einbezogen, die anfallen würden, wenn er für Beamte sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil zur RV zahlen müsste? Die Gehälter der Beamten sind nämlich Nettogehälter, die bei einer Teilnahme an der RV deutlich erhöht werden müssten.

    Diese 78,3 Mrd. sind die offizielle Zahl, die sogar in der Regierungserklärung von 2009 steht. Sie ist in der Tat viel, viel zu hoch :-) Seit Jahrzehnten wird eine Reform der Rentenversicherung mit genau diesen beiden Argumenten (Mehrkosten Beamte, Leistungen Selbständige) verhindert. Die von mir errechnete und öfters zitierte Reform
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30607/1.html geschieht aber nach Schweizer Vorbild, d.h., es gibt fast eine Einheitsrente, die der Durchschnittsrente in der gesetzlichen RV entspricht. Bei einem Beitragssatz von 9,5% für Selbständige und bei AG und AN-Anteil bei Beamten steigen zwar in der Tat die Gesamtkosten der Beamten um 20%, durch die Abführung des AN-Anteils und die Einheitspension jedoch werden trotzdem insgesamt 45,03 Mrd. Euro pro Jahr eingespart. Auch gibt es in der Schweiz keine Beitragsbemessungsgrenze. All das habe ich berechnet.
    Wieso die Beamtengehälter erhöht werden müssen, wenn diese Beiträge abführen müssen, bleibt ein Rätsel. Interessant: Auch Albrecht Müller von den Nachdenkseiten hat sich mit mir in diesem Punkt völlig zerstritten und deshalb eine Kooperation abgelehnt. Kein Wunder: Er ist selbst gut ausgestatter Regierungspensionär wie Lafontaine, Geissler und andere Senior Fellows, die im Alter zu Regierugnskritikern mutieren.
    Ich darf also sagen: Eine Reform der Rentenversicherung mit Einbeziehung der Beamten wird nicht nur von allen Wirtschaftsinstituten und Verbänden, sondern auch von Nachdenkseiten und Spiegelfechter abgelehnt. Warum, weiß ich zwar nicht.
    Herr Berger, ich kann Ihnen gerne einmal die Berechnung mailen. Privilegienabbau ist immer schmerzhaft.

    Das kann man so nicht sagen, das die “Armen” nicht riestern (können). Wenn überhaupt, dann ist dies eine “Sondersteuer” für das Kleinbürgertum.

    Durch die gar nicht so unerwünschten Aktien-Crashs werden Staatsanleihen wertvoller.

    Im Gegenteil! Da sie “ein sicherer Hafen” sind, werden sie billiger. Für den Staat wird damit die Refinanzierung günstiger, aber für diejenigen, die Staatsanleihen halten, ist dies kein Renditevorteil – im Gegenteil.

    Herr Berger, Sie sollten mich als Wirtschaftsredakteur einstellen: Die Kurse der Staatsanleihen sind stark gestiegen, nicht die Zinsen. Durch Zinsen wird auch nichts wertvoller, sondern durch Kurssteigerung bzw. durch die Flucht von Aktien in Anleihen, erst recht, wenn die neuen Staatsbanken über Riester die Zwangsabnahme von Anleihen organisieren.

  95. Karl Heinrich am 21. November 2009 um 11:59 - - Permalink

    @StefanP #79

    Die deutsche Volkswirtschaft wuchs in den 1950er und 1960er Jahren am schnellsten prozentual betrachtet. Zur gleichen Zeit betrug die Investitionsquote zwischen 26 und 28 Prozent. Seit den 1970 Jahren bewegte sie sich nur noch um die 23 Prozent, ebenso hatte sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt auf 3-5 Prozent jährlich. Mit der Jahrtausendwende ist eine neue Phase erreicht und bewegt sich nur noch um die 17 Prozent (im Boomjahr 2008 19%). Das jährliche Wirtschaftswachstum ist seit dem ebenfalls noch mal zurück gegangen.

    Fairerweise muss man sagen, dass es im Falle Nachkriegs-Deutschlands einen Catching up-Effekt gab. Es gilt das Gesetz der fallenden Grenznutzens, und das drückt immer auf die Investitionsbereitschaft, sofern es nicht anderweitige Anreize in der Wirtschaft gibt, etwa neue Erfindungen.

    Gleichzeitig stimmt es natürlich, dass die Investitionen von den Abschreibungen umso später eingeholt werden, je höher die Investitionsrate ist. Nachweislich vollzieht sich das Wachstum, abhängig von dieser Rate, auf einem höheren Niveau. Damit sind die Sparbemühungen im Spiel, deren segensreiche Wirkung uns ja in diesen Jahren China vor Augen führt.

    Staatliche Sparförderung macht also durchaus Sinn. Und deshalb fördern ja auch alle Industriestaaten die Alterssicherung. Dagegen zu argumentieren, ist eigentlich haltlos. (Konsumieren ist dagegen ein grundlegender ökonomischer Impuls, der keiner Förderung bedarf.)

    Dessen ungeachtet hat die Riesterrente eine Flut schlechter Angebote ausgelöst. Wie das in anderen Bereichen auch geschah, sind sie auf eine vergleichsweise finanzunmündige Bevölkerung gestoßen.

  96. HELLMOOD am 21. November 2009 um 12:09 - - Permalink

    Wenn man sich bis hierher durchgearbeitet hat, als Nicht-Fachmann zumal, bleibt einem kaum mehr als eine Respekts- Bekundung vor Jens Bergers unermüdlicher Geduldsleistung. Anerkennung zumindest für Stefan P’s virtuose Beherrschung einer in sich schlüssigen Theorie, die in der aseptischen Schwerelosigkeit eines Weltraumlabors durchaus funktionieren könnte; aber eben nur völlig losgelöst von der Erde. Allerdings ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem man damit rechnen muss, die Frage danach wie dick die Scheibe denn eigentlich sei, von ihm mit der exakten Angabe des Erd-Durchmessers beantwortet zu bekommen. Er möge doch daher nicht so tun, als ob er es nicht besser wüsste. Dafür ist er doch wohl zu intelligent.

  97. Karl Heinrich am 21. November 2009 um 12:21 - - Permalink

    @salvo #91

    Die Auseinandersetzung um die Reform der Altersvorsorge ähnelt der um die Reform der Gesundheitssysteme. Es geht grundsätzlich darum, dass auf der einen Seite es politische Bestreben gibt, Systeme der Daseinsvorsorge umzusetzen, die den existentiellen Interesssen der Bevölkerungsmehrheit entsprechen, während auf der anderen Seite es mächtige ökonomische Machtzentren gibt, die diese Bereiche ihren Profitinteressen unterwerfen möchten.

    Die Bevölkerungsmehrheit hat auch Profitinteressen. Sie möchte mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Annehmlichkeiten haben, verständlicherweise.

    Deshalb spielt das staatliche Rentensystem eine wesentliche Rolle im System der Wählerbestechung. Hin und wieder überkommt die Politiker die Einsicht, sich ehrlich machen zu müssen. Aber dann knicken sie angesichts der schlechten Aussichten an der Wahlurne wieder ein.

    Beispiel: Erst wurde 2003 der Riester-Faktor eingeführt, der in den Rentenerhöhungen die privaten Sparanstrengungen der Beschäftigten berücksichtigt. Dann wurde er für 2008 und 2009 wieder ausgesetzt, weil man Rentner-Ärger befürchtete.

    Dann wurde 2004 der Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt, der das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern einarbeitet. Anschließend wurde er für 2005 und 2006 durch eine “Schutzklausel” gleich wieder ausgesetzt.

    Naja, und die “Rentengarantie” haben ja alle noch in frischer Erinnerung.

    Die dahinter stehende politische Dynamik ist in einer älter werdenden Gesellschaft besonders wirksam.

  98. Karl Heinrich am 21. November 2009 um 12:27 - - Permalink

    @Phil #85

    Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund zur Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung – Fragen und Antworten:

    Aus dem Blick gerät dabei natürlich leicht, dass 28 Prozent der Rentenausgaben aus Steuermitteln kommen.

  99. name am 21. November 2009 um 12:36 - - Permalink

    Danke Peinhard! Immer wieder erfrischend, diese ökonomischen Klarheiten lesen zu dürfen. Der heutige kapitalistische Konkurrenzkampf nationaler Staaten zwingt bei einer tatsächlich objektiven Unmöglichkeit einer internationalen Mehrwertproduktion auf realwirtschaftlicher Ebene, den idellen nationalen Gesamtkapitalisten, sprich den Staat, sämtliche nationale Reserven (Renten, Krankenversicherungen) zahlungsfähiger nationaler Nachfrager, in eine spekulative Mehrwertproduktion, um als zweite Säule, neben der, noch (!) lokal begrenzten keynsianischen Kriegökonomien, eine künstliche Nachfragesituation im eigenen nationalen Staatsgebiet zu erschaffen.

    Die geografische Ausdehung der ersten Säule verspricht in diesem Sinne, wie schon mit AFPAK geschehen, eine kurzfristige oder absolute weitere “Lösungsvariante” der innersystematischen Widersprüche.

  100. R_Winter am 21. November 2009 um 14:22 - - Permalink

    @Karl Heinrich

    Dann wurde 2004 der Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt, der das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern einarbeitet. Anschließend wurde er für 2005 und 2006 durch eine “Schutzklausel” gleich wieder ausgesetzt.

    Stimmt, der Riester-Faktor wurde 2004 eingeführt. Es wurden die Erhöhungen der Pensionen davon nicht betroffen. Die Erhöhungen der Pensionen richten sich nach der Erhöhung der Beamtengehälter.
    Im übrigen wurde der Faktor nur vordergründig der angeblichen Generationengerechtigkeit wegen eingefüht. In Wirklichkeit aber zur Unterstützung der so genannten RIESTER-Versicherung. Mir diesem Faktor solte allen klar gemacht werden: “Liefert euer Geld ab – die Versicherungen warten schon”.

  101. StefanP am 21. November 2009 um 14:40 - - Permalink

    @Karl-Heinrich
    Alles richtig. Der Blick auf die Historie sollte verdeutlichen, dass Investitionen und Sparen die Treiber von Fortschritt und Wohlstandsentwicklung sind und nicht wie oft verklärt die Konsumentennachfrage. Auch der real existierende Sozialismus wollte dieses heute verschüttete Wissen sich zu eigen machen, weshalb zu Zeiten Stalins ein Grossteil des volkswirtschaftlichen Vermögens in den Kapitalstock gesteckt wurde. Die sozialistische „Investitionsquote“ der UdSSR war in den 1960er Jahren so hoch, dass Kennedy befürchtete, die Sowjets würden innerhalb kurzer Zeit die USA einholen und überholen.

    Was die Sozialisten übersehen hatten war die Bedeutung des Zinses als Aquirierungs- und Steuerungsinstrument und am Ende stand eine Mangelwirtschaft, die neben dem Existenziellen nicht genügend Mittel hervorbrachte, um den Kapitalstock zu erhöhen und zu erneuern – der Konkurs einer ganzen Doktrin.

    Die heute Alten leiden kaum unter Altersarmut, weil sie während ihres aktiven Lebens große Vermögenswerte gebildet haben, von denen sie zehren. Häuser, Betriebsrenten, Lebensversicherungen, Aktien bilden das Fundament, im Alter nicht verzichten zu müssen. Das ist in jeder Gesellschaft gleich und dennoch versuchen manche das Gegenteil zu verkaufen. Am Ende steht der Neid, denn der, dem es besser geht, hat dies ungerechtfertigt erworben.

    Es ist schon erstaunlich: da wird die angebliche Überlegenheit der Umlagerendite hervorgehoben, aber jeder, der kann, entzieht sich dem System. Keiner käme auf die Idee, eine Sonderzahlung, einen Gewinn zusätzlich an die Rentenkasse zu überweisen in der Erwartung, dafür im Alter eine höhere Auszahlung zu erhalten. Von Jung bis Alt ist man statt dessen stolz, auf das Bankkonto zu verweisen oder den Wertpapierkauf, wo man solche Beträge zurückgelegt hat. Vielleicht ist der Großteil der Bevölkerung nur schlauer als die Sozialtheoretiker, die die Überlegenheit eines Systems propagieren, was zu Recht in den meisten anderen Staaten eben nur eine Basisversorgung sichert.

  102. R_Winter am 21. November 2009 um 15:01 - - Permalink

    @StefanP

    Die heute Alten leiden kaum unter Altersarmut, weil sie während ihres aktiven Lebens große Vermögenswerte gebildet haben, von denen sie zehren. Häuser, Betriebsrenten, Lebensversicherungen, Aktien bilden das Fundament, im Alter nicht verzichten zu müssen.

    Von wem schreibst Du eigentlich?

    Von den Rentnerinnen, die im Durchschnitt 648€ oder den Rentnern, die im Durchschnitt wenige als 1000€ haben oder von Pensionären, die nie etwas eingezahlt , aber sehr gut verdient hatten und heute zwischen 2500 – 7000 € Pension mit kostenfreier Chefarzt-Behandlung haben?
    Doch nicht von den Bundestagsabgeordneten, die ihre überzogenen Renten um 9% erhöht hatten?

    Die angeblichen Vermögenswerte sind nicht vorhanden oder in dem Haus investiert, welches im Alter eher eine Belastung bedeutet und durch staatliche Auflagen und Abschöpfungen fast untragbar werden?

    Du versuchst anderen Neid zu unterstellen, um Dein eigenes, jämmerliches Fell zu sichern.

  103. StefanP am 21. November 2009 um 15:35 - - Permalink

    @R_Winter

    Bei den knapp 20 Millionen Rentnern handelt es sich nur zu einem äußerst geringen Teil um Pensionäre und Politiker. Zudem ist die Durchschnittsrente verfälscht, da es zwar 18 Millionen Rentenbezieher, aber 24 Millionen Renten gibt.

    Aber das ist nicht das wirklich Entscheidende. Gemessen an der Durchschnittsrente und der Zahl derjenigen, die nur eine Rente bis 800 EUR beziehen, müsste ein zweistelliger Prozentsatz von Alten armutsgefährdet leben. Tatsächlich sind es gerade mal 3-4 Prozent, verschwindend niedrig im Vergleich zu allen sonstigen gesellschaftlichen Gruppen. Dafür gibt die Deutsche Rentenversicherung keine Erklärung her, wohl aber die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und genau das SOEP, welches zuständig ist für die Messung der Einkommensentwicklung.

    Vielleicht konnten unsere Eltern und Großeltern größere Sparanstrengungen leisten, weil ihre Abzüge vom Lohn niedriger waren als heute? Denn das ist die relevante Größe, wie viel behält jemand relativ zur eigenen Verwendung übrig. Das zu sagen ist nicht jämmerlich, es nicht zur Kenntnis zu nehmen dagegen ignorant.

  104. R_Winter am 21. November 2009 um 16:53 - - Permalink

    @StefanP

    20 Mill Rentner (16 Mrd. € Auszahlung p.m. = 800 € Rente pro Rentner !!! ) ohne Abgeordnete , ohne Pensionäre.

    Wenn Frauen für die Erziehung von vier Kindern ca. 90€ Rente heute erhalten, ist dieses ein Skandal.
    Die versteckte Armut ist gewaltig. Die Umstellung von DM auf €, die Preissteigerungen, die vielen Nullrunden haben bei vielen Rentnern den Restwohlstand aufgefressen.
    Hier brauchen wir über den Sozialbetrug der Riester-Versicherung nicht schreiben.
    Die großmäuligen neoliberale Aussagen von der Marktregulierung können gerade die Rentner nicht mehr hören und der angeblichen Wohlstand der jetzigen Rentnergeration ist ein Lüge.
    Ich kenne viele Ruheständler und davon sind die Rentner in der Regel arm (wir sprechen hier nicht von Ostrentnern) und den Pensionären geht es gut.

  105. PitPudel am 21. November 2009 um 17:58 - - Permalink

    Es ist schon erstaunlich: da wird die angebliche Überlegenheit der Umlagerendite hervorgehoben, aber jeder, der kann, entzieht sich dem System. Keiner käme auf die Idee, eine Sonderzahlung, einen Gewinn zusätzlich an die Rentenkasse zu überweisen in der Erwartung, dafür im Alter eine höhere Auszahlung zu erhalten. Von Jung bis Alt ist man statt dessen stolz, auf das Bankkonto zu verweisen oder den Wertpapierkauf, wo man solche Beträge zurückgelegt hat. Vielleicht ist der Großteil der Bevölkerung nur schlauer als die Sozialtheoretiker, die die Überlegenheit eines Systems propagieren, was zu Recht in den meisten anderen Staaten eben nur eine Basisversorgung sichert.

    Bei der derzeitigen Rentenversicherung handelt es sich um eine Umlagefinanzierung, keine Rendite. Ich zahle meine Beiträge nicht für mich selbst ein. Ich zahle sie in eine Kasse, die im gleichen Moment an die Rentner ausgeschüttet wird. Und für den Fall, dass diese Form der Rentenversicherung auch noch besteht, wenn ich dereinst in Rente gehe, so beziehe ich meine Zahlungen aus den Mitteln, die einen Augenblick vorher der arbeitende Teil der Bevölkerung dort eingezahlt hat. Insofern wäre es wenig Sinngebend, eine Sonderzahlung dorthin zu überweisen, mein Auto fährt ja beispielsweise auch nicht schneller, wenn ich mehr Benzin in den Tank schütte. Sie wollen weiterhin das Thema Rente rein betriebswirtschaftlich sehen, so ist das System aber nicht gedacht.

    Der Großteil der Bevölkerung hat das gute Recht, mit seinem freien Einkommen zu machen, was immer ihm beliebt. Ich kann daraus keine Argumentation ableiten, die eine Erhöhung des freien Einkommens auf Kosten der augenblicklichen Rentner rechtfertigt, und Ihr Gedankensprung dahingehend ist mir auch nicht nachvollziehbar.

    Zudem ist jeder Mensch in einer gewissen Anonymität gierig, dass trifft auch -völlig uneitel festgestellt- auf mich zu. Was Ihnen Ihre Finanzwirtschaft nicht verrät, ist, dass jeder Mensch gleichzeitig “autonom und interdependent” ist, und fortlaufend den Kampf um die Relationen dieser beiden Zustände führt. Und so ist auch in jedem Versuch einer Verbesserung der eigenen Lebensqualität immer die Aufgabe enthalten, sich über Andere auf Kosten dieser Anderen zu erheben. Das tun wir alle, jeden Tag in jedem Lebensbereich. Innerhalb gewisser Grenzen stellt das kein Problem dar, aber eine Entfesselung der Wirtschaft würde diese Grenzen in ein, für einen signifikanten Bevölkerungsanteil unerträgliches, Extrem führen.

    Ein Bild: die derzeitige Rentenversicherung könnte auch ein Essen mit Freunden sein, wo jeder einen Teil dazu mitbringt. Diese Anteile haben einen unterschiedlichen Wert, und schliesslich wird sich auch jeder unterschiedlich an jedem Anteil bedienen. Beim Riester-Abend bringt jeder seinen Anteil, der von einem Verwalter bewertet wird (im stillen Kämmerchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit), und der dann jedem Teilnehmer ein Essen zurückgibt, unterschiedlich groß. Natürlich findet das Essen dann auch in abgetrennten Räumen statt, es soll ja schliesslich keiner neidisch werden. Welche Version ziehen sie vor? Und essen und trinken Sie an solchen Abenden immer so viel wie möglich?

  106. Spiegelfechter am 21. November 2009 um 18:09 - - Permalink

    @StefanP

    Hm, wenn der Dollar einen deutlich höheren Wert als die DM besitzt, dann sind die deutschen Löhne noch günstiger im Außenverhältnis als sie es bei Währungsparität wären.

    Da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt – ich meinte vielmehr, dass die Löhne in den USA durch den hohen Dollarkurs real höher waren als in D.

    Es ist allerdings richtig, dass die deutschen Löhne sich Anfang der 1970er Jahre innerhalb Europas stark angenähert hatten und die Bundesrepublik eine Führungsrolle übernahm.

    Nicht erst Anfang der 70er. Schon Ende der 50er waren die deutschen Lohnkosten auf obersten Niveau in Europa – nur Schweden war (weit) oberhalb Ds.

  107. StefanP am 21. November 2009 um 18:12 - - Permalink

    @R_Winter

    Bei Ihren Zahlen haben Sie wesentliches unterschlagen, womit die Situation dramatischer aussehen soll als sie ist. Im September zahlte die DRV 16,8 Mrd. EUR wegen Alters aus, hinzu kommen aber noch 5,2 Mrd. EUR wegen Todes, das sind die sogenannten Hinterbliebenen- und Witwenrenten. Bezogen auf besagte Rentenbezieher (ohne verminderte Erwerbsfähigkeit) ergibt das eine monatliche Durchschnittsrente von 1.230 EUR statt der von Ihnen genannten 800 EUR. Oder erhalten in Ihren Augen Witwen keine Hinterbliebenenversorgung mehr?
    http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_45504/DRV/de/Navigation/Deutsche__RV/Finanzen/Rechnungsergebnisse/Laufende__Renten__Rentenausgaben__node.html__nnn=true

    Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung führt aus: „Altersarmut ist kein aktuelles Problem – zusätzliche Altersvorsorge gewinnt an Bedeutung Das Armutsrisiko Älterer hat trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht zugenommen. Ende 2006 bezogen nur 2,6% der Frauen und 1,8% der Männer und damit insgesamt 2,3% der Menschen im Alter ab 65 Jahren Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.“

  108. StefanP am 21. November 2009 um 18:30 - - Permalink

    @PitPudel

    Ich störe mich an der „Entweder-Oder“-Konstruktion. Eine Finanzierung der Altersbezüge über ein Umlagesystem ist sinnvoll, allerdings auf der Basis einer Mindestsicherung. Und eine Mindestsicherung bewegt sich nun mal auf dem Niveau des Existenzminimums und nicht mehr. Mancher missversteht den Sozialstaatsgedanken des Grundgesetzes dahingehend, dass über den Umweg des Demokratieprinzips ein beliebiges Level für die staatlich garantierte Rente festgelegt wird. Sie verwechseln dabei Sozial- und Wohlfahrtstaat, das ist ein Irrtum. Der Sozialstaat in der Tradition der Sozialgesetzgebung verfolgt das Ziel, dem Menschen in (insbesondere unverschuldeten) Notlagen, denen er aus eigener Kraft nicht mehr gewachsen ist, zur Seite zu stehen. Schon Emanuel Kant hat dagegen vor dem paternalistischen Wohlfahrtstaat gewarnt.

    In seinem Beitrag „Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis“ erklärt er 1793 mit geradezu paradoxer Schärfe: „Eine Regierung, die auf dem Prinzip des Wohlwollens gegen das Volk als eines Vaters gegen seine Kinder errichtet wäre, d. i. eine väterliche Regierung (imperium paternale), wo also die Untertanen als unmündige Kinder, die nicht unterscheiden können, was ihnen wahrhaftig nützlich oder schädlich ist, sich bloß passiv zu verhalten genötigt sind, um, wie sie glücklich sein sollen, bloß von dem Urteile des Staatsoberhaupts, und, daß dieser es auch wolle, bloß von seiner Gütigkeit zu erwarten: ist der größte denkbare Despotismus“ (A 236). „Der Souverän will das Volk nach seinen Begriffen glücklich machen, und wird Despot; das Volk will sich den allgemeinen menschlichen Anspruch auf eigene Glückseligkeit nicht nehmen lassen, und wird Rebell“ (A 261).

    Dieses paternalistische Denken kommt hier in manchen Beiträgen durch, der einzelne weiß nicht, was wirklich gut für ihn ist, der Staat weiß es besser. Als Individuen streben wir nach Individualität, es ist natürlich, sich abgrenzen zu wollen. Darin ist nichts Schlechtes zu sehen, schließlich hat die Gemeinschaft dem Einzelnen zu dienen und nicht umgekehrt. Menschen streben in soziale Gemeinschaften, weil sie sich davon Vorteile erwarten, man bleibt aber ein individualistisches Wesen.

  109. StefanP am 21. November 2009 um 18:33 - - Permalink

    @Spiegelfechter

    Entschuldigung, eigentlich war mir natürlich klar, dass Sie rechnen können. Im Inhalt verstanden.

  110. R_Winter am 21. November 2009 um 18:35 - - Permalink

    @StefanP

    Der Durchschnittspensionär erhält 2300 Euro monatlich, der Standardrentner 1176 Euro. Das hat auch damit zu tun, dass die Beamtenschaft sich anders zusammensetzt als die Rentnerschaft: Der Anteil des gehobenen und höheren Dienstes, der gut Ausgebildeten also, ist bei den Beamten ziemlich hoch. Das erklärt die Kluft zwischen Renten und Pensionen aber nur zum Teil. Bei den Beamten liegt schon die Mindestpension mit 1300 Euro viel höher als die Durchschnittsrente eines Arbeitnehmers; ein Beamter hat ja auch mit Arbeitslosigkeit nicht zu kämpfen.

    Heribert Prandel 13.5.08 in SZ

    Bei Ihren Zahlen haben Sie wesentliches unterschlagen, womit die Situation dramatischer aussehen soll als sie ist. Im September zahlte die DRV 16,8 Mrd. EUR wegen Alters aus, hinzu kommen aber noch 5,2 Mrd. EUR wegen Todes, das sind die sogenannten Hinterbliebenen- und Witwenrenten. Bezogen auf besagte Rentenbezieher (ohne verminderte Erwerbsfähigkeit) ergibt das eine monatliche Durchschnittsrente von 1.230 EUR statt der von Ihnen genannten 800 EUR. Oder erhalten in Ihren Augen Witwen keine Hinterbliebenenversorgung mehr?

    Deine Angaben sind falsch und werden nirgends bestätigt. Du machst einen Denkfehler, wenn Du annimmst, das jede Frau eine eigenen Rente in Höhe der Durchschnittsrente hat und zusätzlich gegf. Hinterbliebenerente erhält.

    Es bleibt dabei

    Die Duchschnittsrente Deutschland (gesamt)
    Männer 1048 €
    Frauen 668 €

    Wer etwas anderen angibt, hat dafür Gründe.

  111. Spiegelfechter am 21. November 2009 um 18:41 - - Permalink

    @Alexander Dill

    All das habe ich berechnet. Wieso die Beamtengehälter erhöht werden müssen, wenn diese Beiträge abführen müssen, bleibt ein Rätsel.

    Das schreibst Du doch weiter oben selbst. Der AG-Anteil und der AN-Anteil müssten auf die jetzigen Gehälter aufgeschlagen werden. Wenn wir mal die Beitragsbemessungsgrenzen außer Acht lassen, würden also die staatlichen Personalkosten mittelfristig um 22% steigen.

    Interessant: Auch Albrecht Müller von den Nachdenkseiten hat sich mit mir in diesem Punkt völlig zerstritten und deshalb eine Kooperation abgelehnt. Kein Wunder: Er ist selbst gut ausgestatter Regierungspensionär wie Lafontaine, Geissler und andere Senior Fellows, die im Alter zu Regierugnskritikern mutieren.

    Na na, das ist nun aber unfair. Müller hat sich sehr gute Ideen über die RV gemacht, die in sich konsistent sind.

    Herr Berger, ich kann Ihnen gerne einmal die Berechnung mailen. Privilegienabbau ist immer schmerzhaft.

    Gerne (mailen) – mir ist der Privilegienabbau allerdings wurscht.

    Herr Berger, Sie sollten mich als Wirtschaftsredakteur einstellen

    Vorsicht – ich zahle lausig ;-)

    Die Kurse der Staatsanleihen sind stark gestiegen, nicht die Zinsen.

    Q.e.d.? Wenn ich mir die “Kurse” von Bundesobligationen so anschaue, so sind diese (ähnlich wie fast alle Staatsanleihen solider Staaten) zum Höhepunkt der Krise massiv gesunken und sind nun (wie eigentlich alle Finanzwerte) wieder in einem langsamen Anstieg. Heute sind sie aber immer noch weniger Wert als “vor Lehman”. Nehmen wir mal die 94/24er Bundesanleihe als Beispiel – die war mal (2006) 135 wert, während der Turbulenzen stand sie bei 115, heute steht sie auf 127. Bei Kurzläufern sieht es ähnlich aus. Auch andere Euroland-Staatsanleihen bewegen sich ähnlich. Die 97/29er aus Frankreich notierte vor der Krise bei 131, während der Turbulenzen bei 106 und steht heute bei 119.

  112. StefanP am 21. November 2009 um 19:08 - - Permalink

    @R_Winter

    Die Berechnung einer Durchschnittsrente ist doch einfache Mathematik: Summe der Zahlungen geteilt durch Zahl der Empfänger, schließlich haben Sie das selber schon vorgeführt. Nur blieben dabei ein paar Milliarden unberücksichtigt, die verschwinden aber nicht im Nirwana, sondern werden ebenfalls ausbezahlt. Wie sich das letztendlich verteilt, darüber sagen weder Ihre noch meine Werte etwas. Das können Sie beim SOEP nachlesen, mit dem Sie sich beschäftigen müssen, wenn Sie wissen wollen, wie die Armutssituation allgemein und speziell auf Altersgruppen in Deutschland aussieht.

    Der Streit um die Pensionen ist eine Diskussion um des Kaisers Bart. Der Staat zahlt seinen Staatsdienern keine Marktlöhne, sondern gemessen am jeweiligen Ausbildungsgrad deutlich weniger. Da niemand für Bananen arbeitet („wer mit Bananen bezahlt, bekommt Affen“), muss der Arbeitgeber mit anderen Komponenten ausgleichen. Das sind eben die Alterszusage, Arbeitsplatzsicherheit und Gesundheitsversorgung. Ein 35jähriger Richter am Amtsgericht erhält maximal 4.300 EUR p.m., während er in einer Rechtsanwaltskanzlei leicht 6.000 – 6.500 EUR verdienen kann. Das weiß ein junger Juraabsolvent selbstverständlich auch, zumal für das Richteramt ein Prädikatsexamen erforderlich ist. Die sonstigen Leistungen müssen also den Unterschied ausgleichen. Nehmen Sie da 1.200 – 1.400 EUR als fiktive Rentenzahlung, erklärt dies so manches.

    Sicher, das ist spekulativ eben weil wir keinen Markt haben. Und ich hätte auch nichts gegen eine Änderung des Systems, wo man dann sehen müsste, wieweit die Besoldung anzuheben wäre, um als Staat konkurrenzfähig zu bleiben. Machen wir uns nichts vor: der Öffentliche Sektor bekommt von den Absolventen normalerweise weder die erste noch die zweite Garde. Und entsprechend ist die Leistung.

    Ebenso ist die Debatte über den Einbezug von Selbständigen fern den Gegebenheiten. Längst sind die im EStG aufgeführten Berufsgruppen zwangsweise in eigene Versorgungswerke eingegliedert, wo sie analog zur Rentenversicherung Beiträge entrichten müssen und Renten erhalten.

  113. Spiegelfechter am 21. November 2009 um 19:30 - - Permalink

    @Peinhard

    Ein zentraler Punkt dabei ist die Kompensation von Produktivitätsfortschritt durch Produktionsausweitung, und dieser Mechanismus stösst mittlerweile an innere (ökonomische) wie äußere (ökologische) Schranken

    Warum sollte der Produktivitätsfortschritt durch -ausweitung kompensiert werden? Im Normfall werden die ausgeweiteten Produktionskapazitäten auch mit der Produktivität, die up-to-date ist betrieben. Wenn mehr Menschen sich weltweit die bunte Produktwelt leisten können, so muss nun einmal die Produktionszahl erhöht werden. Die Position, nun, wo es “uns” an den Kragen geht, müssen “wir alle” umdenken und da soll der Inder und der Chinese doch bitte vernünftig sein, ist anmaßend. Wo die ökonomischen Schranken sind, ist mir auch nicht so wirklich bewusst, aber Du wirst da schon eine Erklärung haben ;-)

    Und diese zunehmende ‘Verwertungsschwäche’ der sogenannten ‘Realwirtschaft’ hat zur Folge – und nicht etwa umgekehrt! – dass Geldkapital in die ‘Finanzsphäre’ wandert, statt investiert, also in produktives Sachkapital umgewandelt zu werden. Der ‘reale’ Mehrwert wird so zunehmend durch ‘fiktiven’ Mehrwert, in erster Linie durch keditiven Zugriff auf (aber eben gar nicht mehr wirklich zu erwartende) zukünftige reale Wertschöpfung ersetzt.

    Man sollte also “unprofitabler” produzieren – da könnte an beispielsweise die Lohnnebenkosten künstlich erhöhen. Aber das wäre ja auch nur eine Umverteilung, die Du so kritisierst ;-)

    Umverteilung von ‘oben’ (wo es eben diese fiktiven Werte generiert) nach ‘unten’ oder auch eine ‘Regulierung’ sprich Restriktion der Finanzmärkte kann in diesen Prozess nur insofern eingreifen, als es im Endeffekt die Profitrate auf das ‘real’ noch erreichbare zurückstutzt – was aber notwendigerweise in der Konkurrenz, hier der sog. ‘Standortkonkurrenz’ zu ‘Wettbewerbsnachteilen’ führen muss. Und folglich – Geldkapital ist ja ein besonders scheues Reh – von den sogenannten ‘Lenkern’ der ‘Nationalökonomien’ tunlichst vermieden wird. Stattdessen befinden sie sich in einem stetigen Wettlauf um die Generierung eben dieses ‘fiktiven’ Kapitals bzw Kapitalzuwachses, dessen immer kompliziertere und immer längere Kreditketten dann eben immer wieder und in immer kürzeren Abständen ‘reissen’, also auch keinen oder einen immer nur zeitweiligen ‘Ausweg’ aus der Verwertungsschwäche der ‘realen’ Produktion bieten.

    Ja – das nennt man Kapitalismus und damit lebt es sich recht gut, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das lehrt uns die Geschichte. Ich kann Deine Aufregung nicht wirklich nachvollziehen. Das mag aber an meiner fehlenden Abstraktionsfähigkeit und intellektuellen Defiziten liegen ;-)

  114. gerhardq am 21. November 2009 um 20:18 - - Permalink

    Die umlagefinanzierte Altersvorsorge ist im Grunde ein Erfolgsmodell. Sie hat 2 Weltkriege, Währungsreformen und Depressionen überstanden. Ich keine keine kapitalbasierte Form der Altersvorsorge, die da mithalten kann.
    Allein aus Gründen der Sicherheit sollten wir an diesem bewährtem System festhalten. Vielleicht ist es erforderlich, die Beitragszahler weiter oder anders zu fassen, das Grundprinzip sollte aber nicht angetastet werden – die Umlagefinanzierung. Wir bewegen uns in einer Volkswirtschaft, die durch den technischen Fortschritt getrieben wird und die immer weniger menschliche Arbeitskräfte bei gleicher oder größerer Produktivität braucht. Daher kann es erforderlich sein, die Produktivität als Beitragsbemessung zu wählen. In diesem Fall fällt die Bindung an die Arbeitnehmer weg und eine gesetzliche Altersvorsorge muß dann für jeden oder gar keinen gelten – mir wäre es lieber, sie gelte für jeden. Das würde bedeuten, jeder Deutsche hat den Anspruch auf eine Grundsicherung im Alter.

    Die Riesterrente in derzeitigen Form ist nichts weiter als legaler Betrug. Die Anbieter haben alle Vorteile auf ihrer Seite, sie können extreme Kosten vom Beitragszahler zahlen lassen. Die Rendite ist im Grunde nicht garantiert. Und gleichzeitig wird diese Form der Altersvorsorge von Steuerzahlern subventioniert, was vor allem die Kosten der Anbieter absichert.

    Unser Staat braucht aber die Riester- und Rürupp-Altersvorsorgen (R+R) in ihrer kapitalgedeckten Form. Und worin legen diese R+R-Versicherungen ihr Geld an? – Vor allem in mündelsicheren Wertpapieren und das sind nach § 1807 BGB nur:
    * inländische Hypotheken, Grund- und Rentenschulden
    * Bundesschatzbriefe, Bundesanleihen
    * Länderanleihen
    * Pfandbriefe, Kommunalobligationen
    * Tagesgeldkonten bei Banken mit entsprechendem Einlagensicherungsfonds
    * klassische Sparbücher bei Sparkassen

    Irgend jemand muß ja die ganzen Papiere aufkaufen, mit denen unser Staat seine Schulden finanziert. Und das sind die gleichen Institutionen, die dem Staat das Geld leihen! Und damit wir muter weiter Schulden machen können, z.B. um insolvente systemische Banken zu retten, braucht dieser Staat u.a. die R+R-Produkte. China und andere Länder werden über kurz oder lang in ihrer Bereitschaft nachlassen, deutsche Schulden zu finanzieren. Spätestens, wenn die nächste Finanzblase platzt, werden auch Staaten wie Deutschland oder sogar Europa nicht mehr in der Lage sein, diese Finanzkrise zu bewältigen. Das bedeutet aber auch, daß die o.g. Papiere dann weitgehend wertlos werden. Und in der Situation kann im Grunde nur eine umlagefinanzierte Form der Vorsorge helfen.

  115. name am 21. November 2009 um 21:15 - - Permalink

    @114

    Richtig, genau so ist es. Der Zweck der “Riester Rente” ist und war als völlig Anderer gedacht, als es die Bezeichnung hergibt. Die Verbriefung der R&R Papiere sollte nur spekulativen Nachfragezwecken dienen.

    “Der Irrsinn” an der aktuellen Diskussion über den globalen Kapitalismus ist noch wahnwitziger : Josef Ackermann fordert weiterhin als primäre Nachfragemethode die globale Spekulation (die China im Immobilenbereich eben auch den Rücken bricht), indem er systemrelevante Banken durch Staat abgesichert sehen will, während die Volksbanker Europas eher auf eine geografisch beschränkte, militärisch abgesicherte, autarke Nachfragemethode zu setzen scheinen, die übersetzt nichts weiter als die Verlagerung von der Nachfrage durch Spekulation auf die reale Produktion bedeutet, und das bei gleichzeitigem Vorhandensein extremer Überproduktionskapazitäten der Konkurrenz (die Werkbank der Produktion der Welt steht in China). Was diese Methode im Kern bedeutet dürfte jedem klar sein.

    Vielleicht hängt ja irgendwer Josef Ackermann für seinen Vorschlag zumindest später den innerkapitalistischen Friedensnobelpreis um, weil er zumindest erkannt hat, daß ohne die Rettung spekulativer Banken und deren Nachfragemethode über Spekulation, ein globaler Krieg der innerkapitalistischen Konkurrenz als Nachfragemethode absolut zwingend ist.

  116. Bernd am 21. November 2009 um 21:59 - - Permalink

    Mir hat die Idee der Rieserrente von Anfang an nicht gefallen. Die Überlegung, dass der private Kapitalmarkt alles besser kann als der Staat war mir sowieso suspekt – vor allem war klar ,dass da vor allem erst einmal die Versicherungsgesellschaften profitieren.
    Ich hatte aber bisher immer das Gefühl, dassein kleiner Vorteil eben ist, dass die Leute etwas sparen fürs Alter – auch wenn man dann nur mit Glück wirklich “positiv” aussteigt (also wirklich über 100 Jahre alt wird).
    Dass aber die Riester Rente auch derart negative Folgen für die Konjunktur hat ist nun wirklich überraschend für mich.
    Die enorme Kommentarflut hier zeigt, dass hier ein Thema angesprochen wurde das anscheinend wirklich etliche interssiert.
    Was ich da aus den vielen Baiträgen nicht ganz herausfinden konnte: Ist die Riester Rente für das System Staat effektiv gefährlich – oder ist sie nur für den “kleinen Mann” der sich davon eine Altersvorsorge verspricht, gefährlich bzw. unrentabel?
    Irgendwie bleibt in mir eben das Gefühl, dass die ganze damalige Riester Diskussion ja wenigstens dazu geführt hat, dass private Vorsorge zumindest mehr ins Gespräch kam – und da ich nun auch schon langsam Richtung 60 gehe denke ich eben daran, dass im Alter eben selbst wenn nur 50% meiner privaten Vorsorge wieder rückgezahlt werden, dies allemal noch besser ist als eben NIX zu haben. Wie oben gesagt, gilt das natürlich eben nicht für den Fall, dass eine rein umlageorientierte Rente, die mich eben ein paar Prozent mehr gekostet hätte, ingesamt wirtschaftlich für den Staat besser gewesen wäre – und damit eben auch mir eine höherer Rente ausgezahlt werden würde.
    Bin nun echt verwirrt.

  117. Sprotte am 21. November 2009 um 22:14 - - Permalink

    Vielen Dank für den guten Artikel.

    An Riester verdienen hauptsächlich die Inititiatoren aus der Versicherungsbranche, Riester Rürup & Co. Rürup der jetzt seinen Judaslohn beim AWD bekommt.

    Völlig vergessen werden die versicherungsfremden Leistungen, die seit 1957 etwa 700 Milliarden ausmachen. Der jährliche Bundeszuschuss deckt bei weitem nicht ab was aus der Rentenversicherung entwendet wird:
    http://www.rentenreform-alternative.de/milliardenschwere%20fremdleist.pdf

    Die Publikationen der Deutschen Rentenversicherung im Internet wie im Magazin “Zukunft Jetzt”, sind mittlerweile zur Propagandamaschninerie der Finanz- und Versicherungsbranche mutiert.
    Fleißig werden die Seminare “Vorsorge macht Schule” vermarktet, indem systematisch die Akzeptanz der GRV zerstört wird. Daran beteiligen sich auch die Gewerkschaften.
    Kritische Fragen im Forum der DR werden gelöscht:
    http://www.nachdenkerforum.de/ndf/index.php?option=com_content&view=article&id=98:zensur-unangenehmer-beitraege-rente-riester&catid=1:aktuelle-nachrichten&Itemid=50

    Keine einzige Zeile, die Alternativen aufzeigt, wie man die einzig, sichere, weil solidarisch und umlagefinanzierte, nicht gewinnorientierte Rente auf breitere Füße stellt.
    Das Prinzip ist einfach: Die Kartoffeln die ich heute ernte und verteile, kann mir morgen keiner klauen.
    Deshalb wurde das Umlagesystem gewählt. Es ist eine reine Frage der Verteilung des Erwirtschaftetem und daran hapert es.
    Die Altersversorgung der Menschen wieder zunehmend dem Casinobetrieb des Finanzmarktes zu überlassen, mit unüberschaubaren Finanzprodukten, ist ein Rückfall in den Feudalismus.

    Mit welchem Recht hält die Politik bei der Altersvorsorge in Deutschland an einem Zwei-Klassenrecht fest, das es so in keinem demokratischen Rechtsstaat Europas gibt?
    Dabei meinen ich nicht die unterschiedlichen Systeme, obwohl das schon ungerecht genug ist, noch schlimmer ist, dass für berufsständische Systeme und Beamtenversorgung selbstverständlich die Normen des Rechtsstaats und des Grundgesetzes gelten und für uns Arbeitnehmer und Rentner die politische Beliebigkeit seit 30 Jahren zum Rechtsprinzip geworden ist. Für uns gelten weder Gleichheitsgrundsatz, noch Vertragsrecht, noch Zweckbindung der Beiträge, noch Rückwirkungsverbot von gesetzlichen Maßnahmen, von den Rechten, die sich Politiker selbst geschaffen haben, ganz zu schweigen. Und wenn sich auf die Unterschiede der Systeme berufen wird, ist zu sagen, dass es Union und FDP waren, die die unterschiedlichen Systeme in der heutigen Ausprägung geschaffen haben, Unterschiede, die den Feudalstaat des 19. Jahrhunderts abbilden aber nicht den demokratischen Rechtsstaat des 20. bzw. 21. Jahrhunderts. Und was die Vergleichbarkeit angeht: Vor der Rentenreform 1957 war die Angestelltenversicherung praktisch eine berufsständische Versorgung, die sich ohne die politischen Eingriffe mit Sicherheit vergleichbar entwickelt hätte wie andere berufsständische Systeme. Bei der Enteignung der Rentenkassen wurde im Bundestag darauf hingewiesen, dass die Rentenversicherung die Rücklagen nicht benötigt, weil bei Defiziten automatisch der Bundeshaushalt einspringen müsse. Das kann in der Bundestagsdrucksache Nr. 1659 vom 08.09.1955 auf Seite 67 nachgelesen werden. Dieser Verpflichtung sind weder Unions- noch SPD-Regierungen bisher nachgekommen, denn die fälschlicherweise als Zuschüsse deklarierten Bundesmittel sind zur Deckung der versicherungsfremden Leistungen gedacht, und haben nicht in einem einzigen Jahr seit 1957 dafür ausgereicht. Warum macht die Politik denn diese Leistungen nicht Jahr für Jahr transparent, wie sich das für ordentliche Sachwalter gehören würde?

    Mehr Hintergrundinformationen und Daten sind u.a. hier zu finden: http://www.adg-ev.de/
    http://www.rentenreform-alternative.de/index2.htm

  118. Moritz am 21. November 2009 um 23:59 - - Permalink

    YouTube Videos zum Thema:
    http://www.youtube.com/watch?
    v=Tj0cbc9hX8U
    v=3FgZGZVBTuI
    v=9u7lZHNVbEk
    v=jwgn3ADFssw

  119. carlo am 22. November 2009 um 08:27 - - Permalink

    Wie kommt es nur, daß sich im Umfeld der wirtschaftsliberalen Beweihräucherungen derart überaus “geile Mädels” als Überbringer sinnloser Botschaften finden? Ich denke dabei an die Börsennachrichten, welche niemanden interessiert haben, bevor Schröder und Fischer jenes wohl als “Ultimo Ratio” verkündeten.
    Mein Vorschlag für die “Mädels” : Geht Putzen! Das ist eine anständige Tätigkeit!!!

  120. StefanP am 22. November 2009 um 09:55 - - Permalink

    @Sprotte

    Völlig vergessen werden die versicherungsfremden Leistungen, die seit 1957 etwa 700 Milliarden ausmachen. Der jährliche Bundeszuschuss deckt bei weitem nicht ab was aus der Rentenversicherung entwendet wird.

    Es sollte eigentlich klar sein, dass das Unsinn ist. Dazu braucht man nicht Finanzmathematik studiert zu haben, sondern einfache Plausibilitätsüberlegungen.

    (1) Trotz hohem Beitragssatz von 20% betragen die Beitragseinnahmen der Versicherten gerade 14,5 Milliarden Euro pro Monat. Ohne Berücksichtigung von Witwen und Waisen kommt man auf 20,3 Millionen Rentner, was zu einer monatlichen Rente von gut 700 EUR führen würde. Tatsächlich werden unter Berücksichtigung von Mehrfachrenten 1.250 EUR gezahlt.

    (2) Der gemeinschaftliche Lastenausgleich an die Vertriebenen belief sich in den 1960er Jahren auf knapp 20% der Auszahlungen und wurde dann sukzessive zurück genommen. Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, dass die Leistungen zu normalen Zeiten höher sein sollen als in der Ausnahmesituation der Beseitigung von Kriegsfolgen.

    (3) Die Zahlungen des Bundes an die Rentenversicherungen belaufen sich auf jeden dritten Euro aus Steuereinnahmen der obersten Gebietsebene, da passen die Relationen zwischen Leistungsversprechen und Beiträgen zum Gemeinwohl nicht.

    (4) Die Anerkennung von Erziehungszeiten ist weder eine staatliche noch eine Aufgabe der Solidargemeinschaft. Das Aufziehen von Kindern und das Einstehen für die dadurch verursachten Kosten ist zuerst eine Aufgabe jeden Bürgers. Im zweiten Teil lässt sich fragen, ob dies eine sozialpolitische Maßnahme zur Entlastung von Familien sein kann. Wir müssen Sozialpolitik mal wieder vom Kopf auf die Füße stellen.

  121. StefanP am 22. November 2009 um 10:07 - - Permalink

    @Bernd

    Was ich da aus den vielen Beiträgen nicht ganz herausfinden konnte: Ist die Riester Rente für das System Staat effektiv gefährlich – oder ist sie nur für den “kleinen Mann” der sich davon eine Altersvorsorge verspricht, gefährlich bzw. unrentabel?

    Die wirklich zentrale Frage. Weder noch, wie fast immer zielen sozialpolitische Maßnahmen – und als solche ist die Riesterrente zu sehen – nicht auf die Bedürftigen, sondern die breite Mitte der Gesellschaft. Die unteren 20 Prozent der Einkommenspyramide, die am ehesten ihre erwartbare Rente durch zusätzliche Sparanstrengungen aufbessern müsste (und dies aufgrund ihrer geringen Einkommen nicht können), wird nicht erreicht. Interessant ist das Riestersparen für Einkommen bis so 50.000 EUR Haushaltseinkommen, da sie vom Steuerabzug und den Zuzahlungen profitieren können und dies spürbar ihre Vermögenslage verbessert.

    Nur geht das eben am Ziel vorbei, in 20 Jahren steigende Altersarmut zu verhindern. Und man muss schon fragen, ob der Staat wirklich den durchschnittlichen Bürger noch zum Sparen anhalten muss durch Steuerrabatte und Zulagen.

    Man braucht sich doch im Ernst nicht zu wundern, wenn der Staat für das geförderte Sparen enge Vorgaben macht aus Angst, die Bürger könnten das Geld verprassen und so das geförderte Kapital in so enge Kanäle der Anlage treibt, dass die Anbieter von solchen Versicherungsmaßnahmen höhere Preise verrechnen. Wenn es in Deutschland nur einen einzigen Grenzübergang gäbe, der eine Ausreisegebühr erheben dürfte, würde der Preis exorbitant hoch liegen. Gibt es unendlich viele kleine Zollhäuschen, ist die Ausreisegebühr gleich null.

  122. name am 22. November 2009 um 10:14 - - Permalink

    @120

    Danke für diesen dauerdämlichen Quatsch,den Du hier verkaufen willst. Prima Unsinn, in blauen Tüten, die historisch vermischt und vermengt werden, ohne die besonderen Ursachen für eine bestimmte Wirtschaftspolitik zu einer bestimmten historischen Zeit aufzuzeigen, dessen Vergehen deutlich zu machen und dazu die Unterschiede kenntlich zu machen.

    Dass die Erziehung von Kindern, von Staatsbürgern, keine staatliche Aufgabe sein soll, kann zusätzlich nur jemand behaupten, dessen Staatsbild ohne Staatsbürger auszukommen scheint, und das unter den heutigen Zuständen, bei dem das globale und nationale Verhältnis von zahlungsfähiger Nachfrage und allgemeiner Nachfrage immer mehr in das Verhungern im Überfluß kippt.

  123. R_Winter am 22. November 2009 um 10:57 - - Permalink

    @StefanP #

    Es sollte eigentlich klar sein, dass das Unsinn ist. Dazu braucht man nicht Finanzmathematik studiert zu haben, sondern einfache Plausibilitätsüberlegungen.

    Es stimmt, seit 1954 sind über 700 Mrd. € für Renten fremde Leistungen aus der Rentenkasse entnommen.
    Details pro Jahr sind in der Tabelle enthalten:

    http://www.bohrwurm.net/Rentenklautabelle.htm

    Jährlich werden z.Z. 25 Mrd. € gen Ost-Rentner gezahlt.

    Deine neoliberale Machenschaften sind unerträglich.

  124. PitPudel am 22. November 2009 um 11:16 - - Permalink

    @StefanP

    Wenn es in Deutschland nur einen einzigen Grenzübergang gäbe, der eine Ausreisegebühr erheben dürfte, würde der Preis exorbitant hoch liegen. Gibt es unendlich viele kleine Zollhäuschen, ist die Ausreisegebühr gleich null.

    Würde das Zollhäuschen von einem Betriebswirtschaftler betrieben, dann wäre das wohl so. Laut Ihrer Logik gäbe es wahrscheinlich auch deutlich mehr Krebskranke, wenn die Kosten für eine adäquate Chemotherapie um 90 Prozent fallen würden. Und Sie glauben wahrscheinlich auch, dass die längeren Ladenöffnungszeiten tatsächlich mehr Umsatz erzeugen, oder das die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelbetriebe zu mehr Übernachtungen führt.

    Weiter zu Beitrag Nr. 108:

    Ich störe mich an der „Entweder-Oder“-Konstruktion.

    Da gibt es doch gar keine “Entweder-Oder”-Konstruktion. Es macht Ihnen doch niemand eine Vorschrift darüber, wie sie mit ihrem freien Einkommen verfahren. Es heißt doch bei der Umlagefinanzierung lediglich: “einen Teil Deines Einkommens wirst Du der Allgemeinheit zur Verfügung stellen”.

    Würde Kant heute noch leben, und hätte er dieses Neoliberalistentum kennengelernt, ich bin mir ziemlich sicher, dass er dieses mit ähnlichen Argumentationen angegriffen hätte. Und ich stimme ihm sehr gerne zu: ich will keinen Staat, der mir weismachen will, dass es meiner Sicherheit dient, wenn er mich ständig überwacht, oder er die Bundeswehr im Inneren einsetzt, der mir erzählt, dass er KiPo effektiv bekämpft, wenn er ein Stopp-Schild vor eine Internet-Seite blendet, der sämtliche öffentlichen Institutionen privatisiert, und mir dabei weismachen will, dass das zu meinem Vorteil geschieht, und, und, und…

    Darin ist nichts Schlechtes zu sehen, schließlich hat die Gemeinschaft dem Einzelnen zu dienen und nicht umgekehrt.

    Es scheint einige “Entweder-Oder”-Konstruktionen zu geben, an denen Sie sich überhaupt nicht stören.

    Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, dass der Staat alles besser weiß, auch nicht in Bezug auf das Rentensystem.

  125. StefanP am 22. November 2009 um 11:31 - - Permalink

    @R_Winter

    Sehr überzeugend. Weder wird auf geprüfte Jahresberichte der Deutschen Rentenversicherung, des Bundesfinanzministeriums oder eines anerkannten Forschungsinstitut Rückgriff genommen. Die Autoren lassen für sich weder wissenschaftliche und prüfungsrelevante Kriterien gelten und die Berechnung ist in keiner der Quellen aufgeschlüsselt. Glauben oder Nichtglauben. In den Kalkulationen, so vermute ich, sind hypothetische Beitragszahlungen von Frauen und anderen beitragsfreien Mitgliedern eingerechnet.

    Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung bezieht sich auf Berechnungen des DIW und kommt dabei bei weiter Auslegung des Begriffs versicherungsfremder Leistungen auf 39 Milliarden Euro, bei engerer auf 17 Milliarden Euro. Das Gros entfällt dabei auf die Witwen- und Waisenrenten. Der Bund überweist jedoch 73 Milliarden Euro, so dass ein großer Saldo zugunsten des Steuerzahlers klafft.
    http://www.boeckler.de/32014_34866.html

    Andere Plausibilitätsprüfung: West- und Ostdeutschland hatten im Zeitpunkt der Wiedervereinigung ungefähr die gleiche Altersstruktur, 64 Millionen Westdeutschen standen 16 Millionen DDR-Bürgern gegenüber. Das entspricht einem Verhältnis von 20:80. Selbst wenn Ost-Deutsche keine Beiträge zur Rentenversicherung leisten würden, würden die versicherungsfremden Leistungen hieraus unter Berücksichtigung dieses Verhältnisses 45 Milliarden Euro ausmachen. Nur um mal eine Hausnummer zu haben: Die versicherungsfremden Leistungen sollen fast doppelt soviel ausmachen wie die Beitrags- und Steuerzahler insgesamt für ostdeutsche Rentner aufbringen? Im Leben nicht!

  126. PitPudel am 22. November 2009 um 11:36 - - Permalink

    @ Bernd

    Was ich da aus den vielen Baiträgen nicht ganz herausfinden konnte: Ist die Riester Rente für das System Staat effektiv gefährlich – oder ist sie nur für den “kleinen Mann” der sich davon eine Altersvorsorge verspricht, gefährlich bzw. unrentabel?

    Beides ist zutreffend.

  127. Momo am 22. November 2009 um 11:57 - - Permalink

    @ 98 – Karl Heinrich

    Sie schreiben:

    “Aus dem Blick gerät dabei natürlich leicht, dass 28 Prozent der Rentenausgaben aus Steuermitteln kommen.”

    Das gerät nicht “aus dem Blick”, sondern wird zu Unrecht von den Neoliberalen immer wieder in den Blick gebracht!

    Denn der Staat belastet die Rentenkasse mit „versicherungsfremden Leistungen”. Prof. Peter Bofinger hat in seinem Buch „Wir sind besser als wir glauben” diesen Negativsaldo unter Bezugnahme auf die Zahlen der Bundesregierung mit -19,8 Mrd. Euro beziffert. In der Konsequenz heisst das: Eigentlich müsste der Staat der Rentenkasse aus dem Bundeshaushalt weitere 19,8 Mrd. Euro jährlich zuführen, um diesen Negaitvsaldo bei den versicherungsfremden Leistungen auszugleichen!

    Bei diesen versicherungsfremden Leistungen handelt es sich beispielsweise um Rentenzahlungen an Russland- oder Rumäniendeutsche, denen in der Vergangenheit keine Beitragsleistungen dieser Personengruppen gegenüberstanden (CDU/CSU freuten sich in den vergangenen Jahrzehnten über den Zuzug Russland- und Rumäniendeutschen, da diese ein beinahe sicheres Wählerpotenzial der Schwarzen sind). Auch seit der Wiedervereinigung werden Rentenzahlungen an ostdeutsche Mitbürger geleistet, denen in den vorausgegangenen Jahren und Jahrzehnten keine Beitragsleistungen in die damals westdeutschen Rentenkassen gegenüberstanden. Gleiches gilt für Witwenrenten und Rentenleistungen aus Anrechnungsjahren aus der Kindererziehung. Zu den versicherungsfremden Leistungen gehören sogar Rentenzahlungen an ehemalige ausländische “Hilfskräfte” der SS (z.B. im Baltikum).

    Obwohl die Fakten zu den versicherungsfremden Leistungen hinlänglich bekannt sind, versuchen rechtskonservative und neoliberale Politiker und Medien immer wieder, bei der Bevölkerung den unzutreffenden Eindruck zu erwecken, die gesetzliche “Rentenkasse” sei ohne die Zuzahungen aus dem Bundeshaushalt längst Pleite. Aus dem politischen Spektrum gehört beispielsweise Hüftgelenk-Mißfelder (CDU) zu diesen Privatisierungs-Propagandisten.

  128. StefanP am 22. November 2009 um 12:09 - - Permalink

    @PitPudel

    Zu meinem Beispiel: nach dem Muster funktionieren die Tunnel zwischen Gaza und Ägypten. Die Palästinenser haben neben Kalaschnikows anscheinend auch ein paar BWLer akquiriert. :-)

    “Da gibt es doch gar keine “Entweder-Oder”-Konstruktion. Es macht Ihnen doch niemand eine Vorschrift darüber, wie sie mit ihrem freien Einkommen verfahren. Es heißt doch bei der Umlagefinanzierung lediglich: “einen Teil Deines Einkommens wirst Du der Allgemeinheit zur Verfügung stellen”.

    Tja, hätte ich auch gar nichts dagegen, wenn wir im Rahmen der Generationengerechtigkeit in jeder Dekade den gleichen prozentualen Beitrag vom BIP aus öffentlichen Mitteln aufwenden. Das ist jedoch nicht der Fall. Bis 2005 stiegen die öffentlichen Rentenausgaben ständig bis auf 13,3%. Zum Vergleich: In der EU der alten 15 Mitgliedsstaaten waren es zum gleichen Zeitpunkt 12%. In den beiden Folgejahren ist der Anteil gefallen, dank der Sozialreformen, dieses Jahr wird wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen sein. Also, mit den 12%, die wir in den 1980er Jahren hatten, kann ich sehr gut leben. Und damals war Deutschland ja auch kein Hort neoliberaler Privatisierer.

    Tatsächlich nehmen sich die über 60jährigen mehr raus als der Gesellschaft insgesamt gut tut. Nicht nur müssen die Erwerbstätigen immer mehr zahlen. Sie sind die einzige Gruppe, deren Armutsrisiko in den vergangenen 15 Jahren deutlich gesunken ist und das weit unter dem Schnitt aller Bürger rangiert. Das ist schön, aber es wird zum Teil aus öffentlichen Mitteln bezahlt.

  129. starship trooper am 22. November 2009 um 12:45 - - Permalink

    Wir riestern uns arm …

    - und sichern damit den Pensionären deren Pensionen, denn zusammen mit der nachgelagerten Besteuerung der Riester Renten wurde ja auch die Steuerpflicht auf alle Renten eingeführt.

    Denn wer an die Überalterung der Gesellschaft glaubt, der erwartet auch sinkende Steuereinnahmen aus der arbeitenden Bevölkerung!

  130. Momo am 22. November 2009 um 13:55 - - Permalink

    @ 128 – StefanP

    Sie schreiben:

    “Die Palästinenser haben neben Kalaschnikows anscheinend auch ein paar BWLer akquiriert.”

    Daß Sie Ihren im INSM-Stil vorgetragenen Kampf für die Interessen der privaten Versicherungskonzerne nun auch noch mit einseitigen Attacken gegen die Palästinenser garnieren, zeigt, um einen Terminus unseres Altkanzlers Kohl zu gebrauchen, “wessen Geistes Kind Sie sind”!

    Die Israelis praktizieren seit Jahrzehnten ein brutales und völkerrechtswidriges Besatzungsregime in den palästinensischen Gebieten. Unsere bis ins Kanzleramt reichende Israellobby behauptet stets, die Palästinenser würden das Existenzrecht Israels nicht anerkennen. Selbst wenn dem so wäre: Erkennt ‘Israel denn das Existenzrecht eines unabhängigen Palästina an? Die neuesten Siedlungsbauten erwecken einmal mehr den Eindruck, daß Israel dies nicht tut und stattdessen ständig versucht, gegen die Interessen des palästinensischen Volkes gerichtete Fakten zu schaffen.

    Wie sagte schon der erste israelische Ministerpräsident Ben Gurion: Das Beste sei, man würde alle Palästinenser ins Rote Meer treiben. Das ist nun allerdings eine sehr aparte Form von “friedlicher Koexistenz”!

  131. Bernd am 22. November 2009 um 14:06 - - Permalink

    Also da ist ja wirklich eine Kommentarflut eingetreten – das Thema ist aber auch sehr schwierig.
    Im letzten Beitrag finde ich den Satz “Tatsächlich nehmen sich die über 60jährigen mehr raus als der Gesellschaft insgesamt gut tut” prinzipiell richtig – die Frage ist aber welche Alternativen werden denn ernsthaft durchsetzbar sein.
    Der Versuch die Rente ab 67 einzuführen hat ja zu einer massiven politischen Abstrafung geführt – dabei wäre es vom Ansatz her eigentlich die einzig richtige Reaktion auf eine immer älter werdende Bevölkerung. “Wäre” mus man sagen – denn was nicht berücksichtigt wurde war, dass viele Arbeitssplätze noch immer genügend anstrengend sind und man daher wahrscheinlich viel Arbeitnehmen im Alter zwischen 65 und 67 überfordert werden. Da käme man aber in das Thema, ob die derzeitige Arbeitssituation nicht schon so auf Effizienz hochgezüchtet wurdem dass viele damit nicht mehr klar kommen und frühzeitig “ausgepowert” sind (das Thema find ich interessant will es aber hier nicht verbreitern).
    Der Generationenvertrag ist eben in eine Zwangslage gekommen da er auf konstantes Wirtschaftswachstum UND genügend Nachwuchs mit entsprechend hohem Einkommen, das die Versorgung der anfallenden Rentenzahlungen sichert, beruht. Beides sind Vorausstzungen die eben nicht mehr stimmen.
    Wenn aber das Rentenalter nicht deutlich hochgesetzt werden kann muss die Rentenleistung gekürzt werden um da auf einen grünen Zweig zu kommen. Und das will aber auch niemand. Woher soll also das Geld kommen? Riester ist ein Ansatz, der zu einer zusätzlichen Sparleistung führt, die aber auch nicht unendlich Geld vermehren kann sondern eben, wie oben oft dargestellt auch stark den Versicherungen nützt und daher kann Riester Rente in Bezug auf Effektivität wirklich angegriffen werden.
    Eigentlich bleibt dem Staat wirklich nur eine deutlich reduzierte Rentenauszahlung übrig – ein Thema dass aber keine Partei ernsthaft angehen wird wenn sie nicht “Selbstmord” machen will.
    Möglicherweise bleibt hier wirklich nur der Weg in ein Schweizer System mit wenig staatlicher Pension und alles andere ist Selbstvorsorge. Aber so was umzubaun ist enorm schwierig, die Übergangszeiten sind voraussichtlich extrem problematisch und ob es wirklich das optimele System ist bleibt fraglich.
    Manchmal glaube ich fast, dass bei der Riester Rente auch bewusst ein Kollabieren miteinbezogen wird. Wie ich schon im ersten Beitrag geschrieben hab, geh ich davon aus dass man einfach nicht mehr alles zurückkriegt. Und die Politik kann alle Verantwortung von sich schieben. Wenn ich 100 000 Euro Eigenvorsorge einzahle und dann auf Grund irgend einer schlechten Wirtschaftslage nur 50 000 in Form von Rentanzahlungen zurückkriege kann sich die Regierung schön zurücklehnen und die Verantwortung auf “die Privatwirtschaft” abschieben.
    War doch auch bei der Telekomaktie direkt vergleichbar zu sehen. Erst bewerben – wenn es dann nix wird werden die Hände in Unschuld gewaschen – und der “kleine Mann” kann sein Geld abschreiben.
    Ist den politisch Verantwortlichen sicher deutlich lieber, wenn eben beim Beispiel der Renten dann x-Millionen Bürger je x-tausend Euro definitiv verlieren – bei staatliche Renten müsste das als neues Budgetdefizit von der Regierung verantwortet werden.
    Von den Summen her glaube ich an keinen Unterschied – wir werden das was wir eingezahlt haben nicht mehr zurückkriegen – dazu wird einfach die Anzahl der Rentenbezieher zu groß sein und irgendeine Umverteilung der immer geringer werdenden Summen wird stattfinden.

  132. StefanP am 22. November 2009 um 14:18 - - Permalink

    @Momo

    Ich hoffe Sie sind nicht beispielgebend für die Humorresistenz einer bestimmten Klientel. Einen Satz, garniert mit einem Smily, der Bezug nimmt auf eine Analogie, die Sie in den falschen Hals bekommen haben. Okay, Blogger belehren wollen, wie sie andere anzureden haben, aber die Bedeutung von Smilies im Netz nicht verstehen – Bildungsnotstand, wo führst Du hin?

    Sie müssen nicht mit mir diskutieren, lesen Sie drüber und gut ist. Ansonsten möchte ich mich nur mit Argumenten beschäftigen, egal ob sie mir passen oder ich sie für falsch halte. Viel Spaß noch!

  133. StefanP am 22. November 2009 um 14:37 - - Permalink

    @Bernd

    Die Anhänger eines grenzenlosen Umlagesystems sind für die Schwächen des Modells ebenso blind wie sie es den Anhängern einer vollständig kapitalgedeckten Altersvorsorge unterstellen. Jedes System fußt auf bestimmten Parametern. Während Kapital von den Wertschwankungen der Anlage und den Gewinnpotentialen von Unternehmen abhängig ist, hängt jedes Umlageverfahren an der wirtschaftlichen Potenz der Erwerbstätigen und der Zahl der Einzahler. Wie ein Schneeballsystem funktioniert es dann am besten, wenn vielen Zahlern wenig Empfänger gegenüberstehen.

    Beide Restriktionen wurden über Jahrzehnte vernachlässigt. Wirtschaftlich leistungsfähig ist eine Gesellschaft nur, wenn sie an Spitze des Wissens steht, wissensneugierig und erfindungsreich ist. Mit unserer Technologiefeindlichkeit, die gerade das internationale Nachrichtenmagazin Newsweek wieder thematisiert hat, ist das schwer zu machen, noch weniger mit der Skepsis gegenüber Lerneifer („Streber“) und Leistungsbereitschaft.

    Ausgerechnet der Begründer der dynamischen Rente begann bei der Einführung – wahrscheinlich ob seines Alters – den entscheidenden Denkfehler: „Kinder bekommen die Leute immer.“ Das war so zu seiner Zeit, doch schon die Architekten des Systems wiesen auf die Schwachstelle hin. Und so kam es, dass kurz nach dem Wiederaufbau des Umlageverfahrens die Bürger begriffen, dass sie auch dann eine Rente bekommen, wenn sie gar keine Kinder haben. Und dass ihre Ansprüche umso höher sind, je mehr sie aufs Kinderkriegen verzichten und statt dessen einer Erwerbsarbeit nachgehen. Das Ergebnis dieses ökonomisierten Versorgungsdenkens können wir seit den 1970er Jahren bewundern – nur merken tut man es erst langsam. Bevor wir spüren, wie sehr wir als Gesellschaft an dem Ast gesägt haben, auf dem wir saßen, krachen wir schon zu Boden.

    Während dem Fallen möchte natürlich niemand mit seinem so schädlichen Verhalten konfrontiert werden, weshalb die heute über 60jährigen so darauf beharren, von den Folgen ihrer eigenen Kinderarmut möglichst verschont zu bleiben. Ausbaden sollen das diejenigen, die am wenigsten dafür können: die heute unter 25jährigen.

    Mir hat noch keiner erklärt, warum jemand bis zu seinem 64. Lebensjahr und 364 Tage arbeiten kann, nicht jedoch mit 65 Jahren und 2 Tagen. Die Grenze ist insgesamt willkürlich, wie alles, was normiert werden muss. Tatsächlich arbeiten wir im Schnitt bis 60 Jahre. Ist es da wirklich so absurd, das effektive Eintrittsalter auf 62 Jahre zu schieben, was im Grunde die gleichen Abschläge zur Folge hätte wie heute mit 60 Jahren?

  134. Sprotte am 22. November 2009 um 14:53 - - Permalink

    stimmt, die Materie ist sehr umfangreich, aber es gibt noch alte Fachleute der BfA, Versichertenälteste, die noch über die gesamten Unterlagen verfügen. Allerdings braucht es seine Zeit, aber anders geht es nicht. Man kann ja einfach mal die aufgeführten Quellen nachrecherchieren.

    Das der Umgang und Zweckentfremdung mit den Beitragsgeldern der Versicherten nicht publik werden soll und die Politik alles daran setzt, dies zu verhindern, wird klar, wenn man die tatsächlichen Vorgänge kennt. Es gibt ja Insider.

    Hier ein paar Nachweise:

    Quellenangaben:
    1.Rentenausgaben: DRV (VDR) Rentenversicherung in Zeitreihen 2007, S. 197 u.a.
    2.Bundesmittel für versicherungsfremde Leistungen: DRV (VDR) Rentenversicherung in Zeitreihen 2007, S. 195, und
    Bundesministerium für Finanzen, Monatsbericht März 2008, S. 47 u.a.
    3.Versicherungsfremde Leistungen:
    Die Deutsche Rentenversicherung vormals Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) hat leider nur für wenige Jahre Berechnungen über den Umfang der versicherungsfremden Leistungen in den Rentenausgaben der Arbeiter- und Angestelltenrentenversicherung durchgeführt und veröffentlicht:
    1985: 35,4 %
    1993 32,4 %
    1995 34,6 %
    2003 29,1 %
    1985: Die versicherungsfremden Leistungen der Rentenversicherung, VDR Deutsche Rentenversicherung Heft 1-2/1989, ab S. 42 (s. Anmerkung unten).
    1993: Die versicherungsfremden Leistungen der Rentenversicherung, Sozialpolitische Korrespondenz der SPD vom 12.04.1996 mit Verweis auf den VDR
    1995: VDR Fakten und Argumente Heft 5 – Versicherungsfremde Leistungen – sachgerecht finanzieren Ausgabe 01.1997
    2003: VDR Deutsche Rentenversicherung Heft 10/2004 – Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung der nicht beitragsgedeckten Leistungen und der Bundesleistungen an die Rentenversicherung vom 13.08.2004.
    4.Transferleistungen: VDR – Jahresbericht 2000, und
    BfA, Die Angestelltenversicherung, Heft 4/2003 u.a., und
    VDR Deutsche Rentenversicherung Heft 10/2004 – Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung der nicht beitragsgedeckten Leistungen und der Bundesleistungen an die Rentenversicherung vom 13.08.2004.

    Anmerkung: Als der VDR für das Jahr 1985 zum ersten Mal eine Bestimmung des Umfangs der versicherungsfremden Leistungen in der Arbeiter- und Angestelltenrentenversicherung durchführte, kam er auf einen Anteil von 35,4 Prozent. Dazu machte der VDR unter anderen noch folgende Anmerkungen:
    „Die Höhe dieses Anteils der versicherungsfremden Leistungen ist beeindruckend, zumal sich die Schätzungen auf den ersten Januar 1986 beziehen und Kindererziehungszeiten somit noch nicht zu berücksichtigen waren.“
    „Wegen eines verhältnismäßig hohen Aufwandes bei der manuellen Aufbereitung mussten einige Fallgruppen unberücksichtigt bleiben. Es ist zu vermuten, dass die ausgeklammerten Fälle tendenziell die Anteile und Beträge an versicherungsfremden Leistungen noch erhöht hätten.“
    Nach dieser Erhebung enthalten im Januar 1986 noch mehr als 70 Prozent der Renten (Männer) Ersatzzeiten (Krieg, Kriegsgefangenschaft u.a.) und fast 84 Prozent aller Renten noch pauschale Ausfallzeiten ((beitragslose Zeiten vor 1957 ohne entsprechende Nachweise).
    Um auf einen Gesamtwert der nicht durch Bundesmittel gedeckten versicherungsfremden Leistungen seit 1957 zu kommen, wurde für die Jahre, für die kein Wert vom VDR vorliegt, der Umfang der versicherungsfremden Leistungen sehr vorsichtig auf 30 Prozent der Rentenausgaben geschätzt.

    Versicherungsfremde Leistungen in der Angestellten- und Arbeiterversicherung
    Nach der Definition des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR)
    „sind alle Leistungen der Rentenversicherung als versicherungsfremd anzusehen, die nicht oder nicht in vollem Umfange durch Beiträge der Versicherten gedeckt sind.“
    Fremdleistungen nach der Gründung der Angestelltenversicherung im Jahr 1911:
    1.Zwangsweise Enteignung des Versicherten-Vermögens und der Rücklagen der Rentenversicherungsträger im 1. und 2. Weltkrieg zugunsten der Kriegskassen.
    2.Endgültige Enteignung der Rentenversicherungsträger zugunsten der Staatskasse 1955 (Kriegsfolgenschlussgesetz). Begründung: „Den Rentenversicherungen ist in Artikel 120 GG die Garantie gewährt worden, dass ihre Leistungsfähigkeit notfalls durch den Einsatz von Bundesmitteln sichergestellt wird. Damit besteht keine finanzielle Notwendigkeit, die verbrieften Forderungen dieser Träger der Sozialversicherung, die sich auf rund 14,5 Milliarden Mark belaufen, in die Ablösungsberechtigung einzubeziehen.“ Das entsprach dem halben Bundeshaushalt!
    3.Kriegsfolgelasten (Renten für Millionen Kriegsteilnehmer, Millionen Kriegerwitwen, Heimatvertriebene, Aussiedler). Dazu kommen seit 1992 zusätzlich die Transferleistungen in die neuen Bundesländer.
    4.Ab 1960 Abschöpfung der Überschüsse in den Versicherungskassen durch den Staat. (Von 1957 bis 2002 wurden umgerechnet rund 700 Milliarden Euro! incl. Verzinsung den  Rentenversicherungskassen nicht wieder erstattet).
    5.Ab 1974 haftet die Angestelltenversicherung für die Defizite der Arbeiterrentenversicherung. Bis einschließlich 2002 hat die Angestelltenversicherung insgesamt rund 195 Milliarden DM in die Arbeiterrentenversicherung überwiesen.
    6.1990: Überführung der Rentenversicherung der DDR, einschl. Zusatz- und Sonderversorgungssystemen in die gesetzliche Rentenversicherung. Die gesetzliche Rentenversicherung muss damit auch für die Renten aller Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes der DDR (Regierung, Ministerien, aller Behörden, Volkspolizei, nationale Volksarmee, Staatssicherheit, Schulen, Hochschulen, wissenschaftliche Institute usw.) aufkommen, deren Nachfolger als Beamte selbstverständlich keine Beiträge mehr zahlen, die aber auf Grund der Zusatz- und Sonderversorgungssysteme hohe Rentenansprüche haben bzw. Renten beziehen.
    7.Deutsch-Polnisches Sonderabkommen zur Sozialversicherung vom 9.10.75 galt bis 1990: Jeder Pole, der in der Bundesrepublik einen Wohnsitz nimmt, wird rentenrechtlich so behandelt wie ein vergleichbarer deutscher Kollege, dh. entsprechend dem Fremdrentengesetz. Dazu reichte es, einen Wohnsitz in der BRD anzumelden.
    8.Entschädigung für Opfer des Nationalsozialismus im Beitrittsgebiet v. 22.4.1992.
    9.2. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz v. 1994 zum Ausgleich beruflicher Benachteiligung politisch Verfolgter, u.a. in der gesetzlichen Rentenversicherung.
    10.Gesetz über den Ausgleich beruflicher Benachteiligung für Opfer politischer  Verfolgung im Beitrittsgebiet vom 1.7.1997.
    11.Neuregelung für Rentenzahlungen aus einer Beschäftigung in einem Ghetto während des Krieges v. 20.6.2002.
    1994 hat das Institut der Deutschen Wirtschaft bereits darauf hingewiesen, dass Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung für die versicherungsfremden Leistungen pro Jahr mehr als 170 Milliarden DM aufwenden müssen. Der Bund als Verursacher beteilige sich daran nur mit 70 Milliarden DM; auf den restlichen 100 Milliarden blieben die Beitragszahler sitzen.
    Die SPD-Fraktion ist in einem internen Arbeitspapier vom 28.2.1996 sogar auf jährlich etwa 110 Milliarden DM an versicherungsfremden Leistungen gekommen, die nicht durch Bundeszuschuss gedeckt sind.
    Da diese Zusammenhänge also den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bekannt sind, stellt sich die Frage nach deren wahren Intentionen, wenn sie den weiteren Abbau sozialer Leistungen fordern, ohne zuerst diese Ungerechtigkeiten zu bereinigen.
     Auszug aus der „Informationsschrift für Arbeitnehmer zur Rentenpolitik – versicherungsfremde Leistungen in der Angestelltenversicherung“ (Mai 2004)
    Verfasser: Otto W. Teufel, Aktion Demokratische Gemeinschaft (ADG) e.V. 82223 Eichenau, Starenweg 4
    Quellen: Bundestagsdrucksache 1659 vom 8.9.1955; Unterlagen der BfA, VDR u.a.

  135. Sprotte am 22. November 2009 um 15:14 - - Permalink

    diese Spendenliste spricht für sich,
    für die “Landschaftspflege” der Parteien, da propagiert man doch gern für die private, kapitalgedeckte, rein auf Gewinn orientierte, dem Finanzmarkt ausgesetzte Altersvorsorge. Mit Solidarität kann man keinen Profit machen. Es geht nur um’s Geld verdienen. Und wenn dann noch der Steuerzahler mit Milliarden das Geschäft der Versicherer und Finanzgaukler fördert, na dann muss das Ziel doch bald erreicht sein:
    Die Demontage der eben nicht gewinnorientierten, aber friedenssichernde gesetzliche Rentenversicherung.
    Und wer kennt schon die gesamten Hintergründe und Nachweise aus früheren Jahren?

    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/081204_Spenden_fuer_Privatvorsorge.pdf

  136. PitPudel am 22. November 2009 um 15:38 - - Permalink

    @StefanP

    Zu meinem Beispiel: nach dem Muster funktionieren die Tunnel zwischen Gaza und Ägypten. Die Palästinenser haben neben Kalaschnikows anscheinend auch ein paar BWLer akquiriert. :-)

    Man könnte es auch umgekehrt betrachten: es ist erschreckend, aus welchen Kanälen die BWL ihre Lehren bezieht :P

    Tja, hätte ich auch gar nichts dagegen, wenn wir im Rahmen der Generationengerechtigkeit in jeder Dekade den gleichen prozentualen Beitrag vom BIP aus öffentlichen Mitteln aufwenden. Das ist jedoch nicht der Fall.

    Wie soll das auch gehen, wenn die Zahl der Rentner im Verhältnis zur Zahl der rentenversicherungspflichtigen Erwerbstätigen gestiegen ist? Diese Tatsache lässt sich wirklich problemlos unter anderem aus der Alterspyramide herauslesen.

    Bis 2005 stiegen die öffentlichen Rentenausgaben ständig bis auf 13,3%. Zum Vergleich: In der EU der alten 15 Mitgliedsstaaten waren es zum gleichen Zeitpunkt 12%. In den beiden Folgejahren ist der Anteil gefallen, dank der Sozialreformen, dieses Jahr wird wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen sein. Also, mit den 12%, die wir in den 1980er Jahren hatten, kann ich sehr gut leben. Und damals war Deutschland ja auch kein Hort neoliberaler Privatisierer.

    Der Zustand der Rentenversicherungskassen wird ja nicht alleine durch die Anzahl der Rentner bestimmt. In der Wichtigkeit absolut gleichstehend ist die Anzahl der Einzahler und die Menge des Geldes, die sie einzahlen. Die Menge des Geldes alleine ist auch wieder irreführend, es kommt auch auf die augenblickliche Kaufkraft dieses Geldes an. Indem seit den 80ern die Zahl der Erwerbstätigen gesunken ist -zunehmende Automatisierung der Produktion, steigende Arbeitslosigkeit, und, und, und-, und die Löhne (nach Kaufkraft betrachtet) sinken, während andererseits die Zahl der Rentner zugenommen hat, muss der Geldfluss natürlich angepasst werden. Hätte man die Last gleichmässiger verteilen wollen, dann hätte man wohl am Besten die Beitragsbemessungsgrenze abgeschafft, die Löhne entlang der Kaufkraft orientiert und möglichst alle Arbeitssuchenden in Arbeit gebracht. Wenn man allerdings partielle Renditen von 15 und mehr Prozent erwirtschaften will, was durch Produktivitätssteigerung einfach nicht herauszuholen ist, dann muss man zwangsläufig kurzfristige Kahlschläge betreiben, die eben in der längeren Entwicklung wieder zurückschlagen.

    Die Alterspyramide ist übrigens in ihrer jetzigen Form kein in Stein gehauenes Dogma, wie Hr. Berger bereits in dem Artikel anmerkte, das Zahlenverhältnis von Rentner zu Erwerbstätigen wird sich in den nächsten Jahrzehnten wieder ausgleichen.

  137. Sprotte am 22. November 2009 um 15:43 - - Permalink

    Immer wieder kommt die Behauptung, wir hätten zu wenig Kinder, die als Einzahler für die GRV fehlen. Schon jetzt hätten wir genug Einzahler, wenn die auch anständig bezahlte Arbeit hätten, es mangelt an guter Bildung, an entsprechenden Arbeitsplätzen und dem Willen, die GRV auf eine breitere Basis zu sellen und nicht an Kinder. Immer weniger Menschen versorgen, dank der gestiegenen Produktivität, mehr, die nicht erwerbstätigen Menschen. Es fehlt schlicht an der gerechten Verteilung dessen was erwirtschaftet wird. Der Geburtenrückgang ist eher ein Glücksfall in einem dicht besiedeltem Land wie Deutschland und wenn sich die Geburtenrate auf einen niedrigen Level einpegelt. Arbeitsplätze werden weiter abgebaut. Und von weniger Kindern können unmöglich immer mehr Alte kommen. Im Moment sterben mehr Menschen als geboren werden, der einzige Weg, dass die Alten weniger werden.

    Ein Beispiel noch etwas zu den Witwenrenten,
    die aufgeführten versicherungsfremden Leistungen beinhalten wohlweißlich nicht die Witwenrenten, weil es keine sind.
    Partner- oder Witwen-(r)renten werden aus der Leistung des Ehepartners versorgt, sind also eindeutig keine versicherungsfremden Leistungen.
    Dass die Rürups das gerne so hätten, ist offen willkürlich und sachfremd in die Welt gesetzt, dass man unterstellen muss, dass weiter über die Abschaffung der Partnerrente, auf die Witwen abzielend, diese zu nötigen beabsichtigt, eine private Witwenrentenvorsorge abzuschließen (unseriös zielgerichtetes Gewinnstreben Einzelner).
    .
    Dieses widerspricht der gesamten sozialen Rechts- und Wirtschaftslogik, da der überlebende Partner aus der Quelle welcher er versorgt wird, ihm bisher über seinen Partner gemeinsam rechtlich zustand. So z.B. bei Scheidungen, Beitragsausgleich bezw. gegenseitiger Rentenanspruchausgleich.

    Schon aus bürgerlich- und grundrechtlichen Gründen haben sich Ehepartner gegenseitig zu unterhalten. Die soziale Fürsorgepflicht füreinander ist fundamentale Grundlage unseres Staates.
    Die Sicherung von Ehe, Familie und Kindern unterliegt dem besonderen Schutz, gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes. Wer an diesen Grundfesten rüttelt hat nicht den Schutz der Familie im Sinn sondern allein private Profitinteressen. Dass gerade ein sogenannter Wirtschaftsweiser wie Herr Rürup gegen die Witwenrente agiert, ist um so besser zu verstehen, nachdem Herr Rürup zum Finanzdienstleister AWD gewechselt ist.

    Das Absichern von Lebensrisiken durch einen starken Gemeinschaftsverband, macht das Lebensrisiko des Einzelnen, aus dem sozialen, wirtschaftlichen Leben und der Menschenwürde ausgeschlossen zu sein, um so kleiner, je größer dieser ist.

  138. Gebintit am 22. November 2009 um 17:11 - - Permalink

    @Sprotte

    Schon jetzt hätten wir genug Einzahler, wenn die auch anständig bezahlte Arbeit hätten, es mangelt an guter Bildung, an entsprechenden Arbeitsplätzen und dem Willen, die GRV auf eine breitere Basis zu sellen und nicht an Kinder.

    Gute Kommentare! Ich habe mir in der Rentenfrage auch zu lange den Kopf vernebeln lassen. Entscheidend für die Renten sollte das Nationaleinkommen sein und nicht die Anzahl der Erwerbstätigen, da ja die Produktivität extrem zugenommen hat, d.h. immer mehr mit immer weniger Arbeitern produziert wird. Das Kinderargument ist deshalb nicht mehr zeitgemäß, seit wir so effektive maschinelle Sklaven entwickelt haben. Wie Sie ganz richtig feststellen, letztlich fehlt es …

    schlicht an der gerechten Verteilung dessen was erwirtschaftet wird.

    Auch mit ihrer Bildungskritik haben sie leider recht! Letztlich fehlt es weniger an Kindern als an guten Ideen und wirklichem “Fair-Trade”.

  139. Erich Gengerke am 22. November 2009 um 18:42 - - Permalink

    “Ganz einfach, die “Investitionen” der PE-Fonds bestanden nur zu einem Bruchteil aus vorhandenem Geld, der Rest wurde als Kredit aufgenommen, womit die Geldmenge erhöht wurde. Dadruch fließt “Buchgeld” ins Land. Um die “Investitionen” zu refinanziern, sprich die Kredite zurückzuzahlen, wurden dann die Reserven der übernommenen Unternehmen abzwackt – dadurch floß dann das Geld ab, da die Kredite getilgt wurden.”

    Hier wird gewiss nicht mehr geriestert.

    http://www.auda.net/globalpresence.aspx

    Ein Unternehmen unter dem Dach der Harald Quandt Holding.

    Die Erben des Stiefsohnes des Reichspropagandaministers Josef Goebbels Harald Quandt, verstehen das Geschäft mit dem Geld fremder Leute.

    Der Vermögensstock der Harald Quandt Holding wurde während des NS-Regimes nicht unwesentlich durch die Ausbeutung von KZ-Häftlingen erwirtschaftet.

    http://video.google.de/videoplay?docid=-363409574704299677#

    Aber diese Zusammenhänge sind sicher ein Thema für sich.

  140. Momo am 22. November 2009 um 18:43 - - Permalink

    @ 132 – StefanP

    Sie kommen sich wohl reichlich schlau vor mit Ihrer INSM-Propagandasülze! Was Sie in diesem Blog mit Ihren Kommentaren betreiben, ist über weite Stecken nichts anderes als volksverdummende Propaganda zu Gunsten der privaten Versicherungskonzerne. Man kann bei Ihnen den Eindruck gewinnen, daß Sie als Auftragsschreiber (für welchen Auftraggeber aus dem neoliberalen Lager auch immer) tätig sind.

  141. Sprotte am 22. November 2009 um 21:22 - - Permalink

    Hier die

    Versicherungsfremden Leistungen 2008:

    Rentenausgaben 2008 insgesamt rd. € 237,0 Mrd.

    Bundesregierung am 13.08.2004:
    29,1% der RV-Ausgaben sind versicherungsfremd*)

    Versicherungsfremde Leistungen nach VDR rd. € 69,0 Mrd.
    Transferleistungen (RV-Bericht 2008) rd. € 14,0 Mrd.

    Summe Versicherungfremde Leistungen 2008 rd. € 83,0 Mrd.

    Bundeszuschuss zur Finanzierung der
    versicherungsfremden Leistungen:

    Bundeszuschuss € 38,2 Mrd.
    Zusätzlicher Bundeszuschuss (u. a. aus Ökosteuer) € 18,2 Mrd.

    Summe Bundeszuschüsse € 56,4 Mrd.
    Defizit zu Lasten der
    Gesetzlichen Rentenversicherung: rd.
    26,6 Mrd.

    *) Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung der nicht beitragsgedeckten Leistungen und der Bundesleistungen an die Rentenversicherung
    Aktion Demokratische
    Gemeinschaft e. V.

    Internet: http://www.adg-ev.de

    Lesen und nachrecherchieren muss man schon selbst. Die Quellen die man braucht sind alle da.
    Also, die Arbeit muss sich schon jeder selbst machen. Informationen gibt es zuhauf, wenn man sie denn zur Kenntnis nehmen will. Aber das hat auch bei mir Jahre gedauert, bis ich das alles beisammen hatte, und letztendlich nicht glaube sondern weiß!
    Die Schwächen der GRV sind zu lösen, allerdings nicht im Sinne der profitorientierten Versicherungsbranche.

  142. Karl Heinrich am 22. November 2009 um 21:27 - - Permalink

    @Momo #127

    Denn der Staat belastet die Rentenkasse mit „versicherungsfremden Leistungen”. Prof. Peter Bofinger hat in seinem Buch „Wir sind besser als wir glauben” diesen Negativsaldo unter Bezugnahme auf die Zahlen der Bundesregierung mit -19,8 Mrd. Euro beziffert. In der Konsequenz heisst das: Eigentlich müsste der Staat der Rentenkasse aus dem Bundeshaushalt weitere 19,8 Mrd. Euro jährlich zuführen, um diesen Negaitvsaldo bei den versicherungsfremden Leistungen auszugleichen!

    Da kann ich auf StefanP’s Kommentare 120 und 125 verweisen. Darüberhinaus ist auch nie ganz klar geworden, warum die geographische Ausweitung – in Gestalt der Wiedervereinigung – dermaßen problematisch für das Rentenumlagesystem gewesen sein soll. (Das wäre es natürlich für ein kapitalbasiertes System.) – Alles in allem, mit dem Begriff “versicherungsfremde Leistungen” wird viel Schindluder getrieben.

  143. StefanP am 22. November 2009 um 21:43 - - Permalink

    @Sprotte

    Ich bin ja durchaus lernbereit, aber Ihre aufgeführten Zahlen enthalten eben auch keine Aufgliederung (zumindest im Groben) wie aus welchen Leistungen sich der Betrag zusammen setzt. Auch nicht im Link. Das ist ein so immenser Betrag, dass jeder, der das neu in die Runde wirft, genau das in sagen wir 5-6 Bullet-Points aufschlüsseln können müsste. Warum tut das keiner der Links, auf die verwiesen wird? Wissenschaftler arbeiten so wie geschildert.

    Außerdem ist Ihr Bundeszuschuss falsch. Die Rentenversicherung erhält nicht 38,2 Mrd. EUR vom Bund überwiesen, sondern rund 73 Mrd. EUR. Wie die Haushälter nun den einen Teil nennen, ist völlig egal. Und die Ökosteuer fließt nicht zur Abdeckung der versicherungsfremden Leistungen, sondern explizit zur Entlastung der Beitragszahler. Soviel Genauigkeit sollte schon sein. Die Zahlen finden Sie übrigens auf beiden Seiten des Tisches, im allgemeinen Haushaltsplan des Bundesfinanzministers und im Rechenschaftsbericht der Deutschen Rentenversicherung. Ordnung muss sein.

    Und wenn Sie sich schon so lange mit dem Thema beschäftigt haben, müsste es Ihnen auch ein Leichtes sein, die Fehler in den Plausibilitätsüberlegungen aufzudecken. Wie gesagt, die versicherungsfremden Leistungen sollen soviel ausmachen wie zweimal die gesamte Versorgung aller ost-deutschen Rentner? Im Leben nicht.

  144. StefanP am 22. November 2009 um 22:20 - - Permalink

    @Sprotte

    Schon jetzt hätten wir genug Einzahler, wenn die auch anständig bezahlte Arbeit hätten, es mangelt an guter Bildung, an entsprechenden Arbeitsplätzen und dem Willen, die GRV auf eine breitere Basis zu stellen und nicht an Kinder.

    Deutschland gibt bei moderatem, in den letzten drei Jahren überdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum in Prozent zur Wirtschaftsleistung mehr für die Altersversorgung aus als Anfang der 1990er Jahre. Die Schlussfolgerung aus Ihrer Behauptung ist, das Wirtschaftswachstum müsste seit dem noch deutlich höher gewesen sein. Um Ihnen ein Gefühl zu geben, wie wir durch ein höheres Volkseinkommen das Niveau nach der Wiedervereinigung erreichen könnten: das BIP hätte seit 2005 um 7,3% wachsen müssen um das zu erreichen. Und die „gerechte“ Verteilung erhöht ja nicht das BIP.

    Die Witwen- und Waisenrenten gehören aus guten Gründen zu den versicherungsfremden Leistungen. Jede private Rentenversicherung beendet ihre Zahlung mit dem Ableben des Versicherungsnehmers (trotz Artikel 6 GG), die gesetzliche Rentenversicherung zahlt weiter. Damit sind diese Zahlungen nicht durch den Versicherten gedeckt.

    Zwar wird sich der demographische Effekt irgendwann mal abflachen, solange wir jedoch weniger Kinder in die Welt setzen als zum Substanzerhalt notwendig ist, wird es eine Schieflage geben. Dies wird sich aber in einer sehr langen Zeitreihe vollziehen, wir stehen schließlich erst am Anfang (und unsere Systeme knirschen schon jetzt). Die gravierende Verschiebung wird in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts eintreten, wenn die Babyboomer pensioniert werden, danach leben sie noch rund 30 Jahre. Die Wissenschaftler des Statistischen Bundesamtes gehen davon aus, dass die angesprochenen Nivellierung in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts eintreten wird. Ich weiß nicht, ob das noch irgendeinen der Leser dieses Forums besonders berühren wird.

  145. Gebintit am 22. November 2009 um 23:06 - - Permalink

    Zwar wird sich der demographische Effekt irgendwann mal abflachen, solange wir jedoch weniger Kinder in die Welt setzen als zum Substanzerhalt notwendig ist, wird es eine Schieflage geben.

    Was meinen mit Substanzerhalt? Und was nutzen uns Kinder, wenn sie später arbeitslos sind?
    Damit unser nachwachsendes Humankapital schneller Ertrag abwirft, haben wir ja schon Schul- und Studienzeit verkürzt (G8, Bachelor/Master). Dumm nur, wenn die Armen, nachdem sie den Stress überlebt haben, keine adäquaten Arbeitsplätze vorfinden. Gute Nacht!

  146. PitPudel am 22. November 2009 um 23:21 - - Permalink

    Die Schlussfolgerung aus Ihrer Behauptung ist, das Wirtschaftswachstum müsste seit dem noch deutlich höher gewesen sein. Um Ihnen ein Gefühl zu geben, wie wir durch ein höheres Volkseinkommen das Niveau nach der Wiedervereinigung erreichen könnten: das BIP hätte seit 2005 um 7,3% wachsen müssen um das zu erreichen. Und die „gerechte“ Verteilung erhöht ja nicht das BIP.

    Dies wäre eine oberflächliche Schlussfolgerung. Effektiv zahlt in die Rentenversicherung nur ein Teil der Bevölkerung: diejenigen, deren Gehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze, aber oberhalb des Mindestbeitrags liegt. Dieser Korridor wurde und wird ausgedünnt, man könnte auch sagen: die Schere geht auseinander. Die Umverteilung von unten nach oben erzeugt eine Lücke, und wie durch ein Wunder werden dadurch die Sozialversicherungssysteme auseinandergenommen. Und das Einzige, was den grandiosen Vordenkern einfällt, ist genau diesen Zustand herzunehmen, um eine weitere Demontage als sinnvoll zu empfehlen.

  147. Karl Heinrich am 23. November 2009 um 00:07 - - Permalink

    @PitPudel #146

    Effektiv zahlt in die Rentenversicherung nur ein Teil der Bevölkerung: diejenigen, deren Gehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze, aber oberhalb des Mindestbeitrags liegt.

    Das verwechselst du mit der Krankenversicherung. Bis zur Beitragsbemessungsgrenze müssen alle Arbeitnehmer bzw. ihre Arbeitgeber in die RV einzahlen. Die BBG beträgt in diesem Jahr 5.400 Euro.

    Und einen “Mindestbeitrag” gibt es insofern nicht, als auch bei den Minijobs (bis 400 Euro) die Arbeitgeber einen Beitrag an die RV abführen müssen, und zwar 15 Prozent .

  148. StefanP am 23. November 2009 um 11:01 - - Permalink

    @PitPudel

    Dies wäre eine oberflächliche Schlussfolgerung. Effektiv zahlt in die Rentenversicherung nur ein Teil der Bevölkerung: diejenigen, deren Gehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze, aber oberhalb des Mindestbeitrags liegt.

    Das ist für die Behauptung, die Sie aufgeworfen haben („Schon jetzt hätten wir genug Einzahler, wenn die auch anständig bezahlte Arbeit hätten“), nicht relevant. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, glauben Sie, hätten wir nur eine anständige Bezahlung, wäre das mit der Altersversorgung kein Problem.

    Nochmal: Heute zahlen wir gut 13% unserer Wirtschaftsleistung für die staatliche Alimentierung der älteren Jahrgänge. Im Schnitt der EU-15 sind es 12%, so wie bei uns Anfang der 1990er Jahre. Um von 13% auf 12% zu kommen, benötigten wir bei unveränderten Rentenzahlungen ein um 24% höheres BIP als wir es 2005 hatten. Ergo: in den vergangenen drei Jahren hätten wir ein Wirtschaftswachstum von 7,3% benötigt um in die gewünschte Lage zu kommen.

    Natürlich wäre es schön, wenn daran mehr Menschen mitwirken würden. Nur: werden die Löhne erhöht, sinken die Kapitaleinkommen, das BIP bleibt aber gleich. Auf diesem Weg hätten Sie nichts gewonnen. Sie sehen, das ist kein Lösungsweg.

    Wie Karl Heinrich bereits ausgeführt hat, wird Gros der abhängigen Einkommen den Rentenbeiträgen unterworfen. Wer oberhalb von 5.500 EUR verdient, muss dennoch bis zu diesem Betrag Rentenbeiträge zahlen. Die überschießenden Gehälter sind für die Finanzierung der Rentenversicherung nicht wirklich relevant. Zum einen verdient nur eine ganz dünne Schicht darüber, zum anderen ist das Volumen gering.

    Die Beitragsbemessungsgrenze hat zwei Gründe: einmal sollen die abhängig Beschäftigten ab einem Punkt nicht weiter in ein Solidarsystem gezwungen werden. Wer 5.500 EUR verdient, führt im Jahr 13.200 EUR allein an die Rentenversicherung ab. Der zweite Aspekt betrifft die Auszahlung, wer möchte schon die Schlagzeile lesen: „Ackermann erhält eine halbe Million Euro Rente von den Beitragszahlern!“ Auch exorbitante Renten müssten bei Aufhebung der Bemessungsgrenze gezahlt werden, da der Eigentumsschutz des Grundgesetzes gilt.

  149. StefanP am 23. November 2009 um 12:25 - - Permalink

    @Gebintit

    Was meinen Sie mit Substanzerhalt? Und was nutzen uns Kinder, wenn sie später arbeitslos sind?

    Mit Substanzerhalt wird eine Geburtenrate von 2,06 Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter beschrieben. Tatsächlich nehmen wir von Generation zu Generation ab: weil wir seit den 1970er Jahren mit einer Geburtenrate von 1,3 auskommen, ist jede Generation um ein Drittel geringer als die vorherige. Gegen unendlich geschrieben würde das zu einer Entvölkerung der Bundesrepublik führen.

    Um das an einem Zahlenbeispiel zu verdeutlichen: in diesem Jahrzehnt werden jährlich knapp 700.000 Kinder pro Jahr geboren, die Mütter zählen zu dem Jahrgängen von Anfang der 1970er Jahren, wo noch um die 1.000.000 Kinder geboren wurden. Schreiben wir das fort, dann werden die Mädchen des Jahrgangs 2005 noch 470.000 Kinder zur Welt bringen. Aufgrund der abnehmenden absoluten Zahl werden jedoch statt heute 310.000 Kindern „nur noch“ 220.000 Kinder fehlen. Das Problem der demographischen Lücke verringert sich, verschwindet aber nicht. Da wir aber von 2015-2050 gerade die besonders geburtenstarken Jahrgänge als Rentner zu versorgen haben, stehen wir vor großen Herausforderungen.

    Arbeitslose nutzen aus ökonomischer und Versorgungssicht nichts, da haben Sie recht. Allerdings sind wir ja als Gesellschaft verantwortlich, dass nicht nur Kinder geboren, sondern diese früh gefördert, Intelligenz herausgebildet und Bildung vermittelt wird. Von der Qualität kommender Jahrgänge hängt ab, ob wir unser Wohlstandsniveau halten können oder mit sinkenden Pro-Kopf-Einkommen Vorlieb nehmen müssen. Je besser ausgebildet ein Mensch ist, desto eher wird er selbständig tätig, schafft Arbeit für andere und verdient hohe Realeinkommen.

  150. name am 23. November 2009 um 12:37 - - Permalink

    @ 149 “StefanP”

    Nur mal etwas ganz einfaches für deinen neoliberalen Quatsch:

    Die Arbeit , die kapitalistische Verwertung der menschen Ware Arbeitskraft stirbt durch die Entwicklung der Produktivkräfte weltweit aus, sie stirbt im Bereich der Wissenverwertung genau so aus, wie das heute in der unmittelbaren Automatisierung der Produktion der Fall ist.

    Die angewandte Robotertechnik wird, und das ohne den noch folgenden bahnbrechenden technologischen Durchbruch in der Biotechnologie, in spätestens fünf – zehn Jahren soweit, dass in der gesamten Dienstleistungsbranche keine menschliche Ware Arbeitskraft mehr benötigt wird. Da kannst im Dreieck springen will du willst, daran ändert sich gar nichts, und wenn Du hier ernst genommen werden willst, dann lass den Unsinn von Selbstständigkeit, welcher sich in renationalen Pharsen einbettet, die in der Verwertung von von Kindern ihr Seelenheil zu finden hofft.

    Die “Alten” sollen malochen bis sie 1000 Jahre alt sind, und die Babys schleppt man mit 3 Monaten in kapitalistische Verwertungsmaschiniere, um ein unsinniges und überholtes Produktionssystem in den kapitalistischen Kernzentren am Leben zu erhalten. Diese “Lösung” nenne ich wirklich mal eine denkmeisterische Erkenntnisleistung von ganz Bescheuerten.

    Im übrigen lässt sich dein eignes Dilemma der Argumentation an deinen oberflächlichen und mangelnenden Grundkenntnissen über diese kaptialistische Gesellschaft, und dem daraus folgenden, schon erkennbaren sozialdarwistischen Sonnenschein sehr gut erkennen.

  151. aquadraht am 23. November 2009 um 12:51 - - Permalink

    @StefanP: Sie sind einmal mehr unwahrhaftig. Es ist Demagogie, dass wir 2015-50 die geburtenstarken Jahrgänge als Rentner zu versorgen haben. Die demographische Welle in der BRD betraf im wesentlichen die Jahrgänge 1950-1970, die im Mittel eine Kohortenstärke der Neugeborenen von 1,2 Millionen hatten. Das sind etwa 400.000 mehr als der Durchschnitt 1985-2005, der bei ca. 800.000 liegt. Eine extreme Sonderbelastung ist das nicht, zumal im Zeitraum 1985-2005 der Wanderungsgewinn den Geburtenrückgang mehr als überkompensiert hat. Und selbst wenn wir davon ausgehen, dass das Durchschnittsalter weiter steigt, werden wir spätestens ab 2030 weit mehr natürliche Abgänge von Rentnern haben als Zugänge, wobei diese Entlastung durch Abgänge um 2040 ihren Höhepunkt erreicht, dann sterben die Peakjahrgänge des Babybooms. Wenn wir von 20 Bezugsjahren ausgehen (was viel ist), werden in der Peak-Zeit ca. 24 Mill. Altersrentner zu versorgen sein. Die Zahl wird dann in Richtung 15-18 Mill. sinken, falls die Lebenserwartung nicht dramatisch zugenommen hat.

    Die deutsche Geburtenrate ist seit den siebziger Jahren unter Reproduktionsniveau, dennoch ist die deutsche Bevölkerung seither um über 15 Millionen Menschen gewachsen. Bis wir zu einem globalen Bevölkerungsrückgang kommen, ist noch viel Zeit.

  152. StefanP am 23. November 2009 um 12:59 - - Permalink

    @Name #150

    Die ersten Schritte um ernst genommen zu werden, sind Höflichkeit und das Argumentieren anhand von Fakten.

    Die Arbeit , die kapitalistische Verwertung der menschen Ware Arbeitskraft stirbt durch die Entwicklung der Produktivkräfte weltweit aus.

    Zum Glück hat die Welt davon noch nichts mitbekommen. Von 1994 bis 2005 sind die Beschäftigungsquoten in der OECD durch die Bank deutlich gestiegen, ebenso die Summe der geleisteten Arbeitsstunden.
    http://www.oecd.org/dataoecd/56/8/36914925.pdf
    Seite 7

    Was Sie nicht berücksichtigen: selbst wenn alle Güter irgendwann mal durch Maschinen erzeugt werden, bedarf es immer noch Menschen, die diese aufstellen, warten, umrüsten etc. Daneben bildet die reine Erzeugung von Produkten längst nicht mehr den wesentlichen Teil der Wertschöpfungskette. Wir benötigen heute viel mehr Arbeitskraft und Wissen in der Forschung und Entwicklung, dem Einkauf, der Logistik, dem Vertrieb und der Organisation der Produktionserzeugung als dass in früheren Jahren der Fall war. Das können keine Maschinen und Computer übernehmen, als vielfältigen und einleuchtenden Gründen. Woher sollen diese die sich ständig verändernden Bedürfnisse von Menschen wahrnehmen und darauf reagieren?

    Also, ein bisschen mehr Qualität bitte.

  153. name am 23. November 2009 um 13:03 - - Permalink

    Und noch etwas “StefanP”, weil du doch so gern Newsweek und die dortigen Ergebnisse zitierst:

    das branchenübergreifend weltweit entscheidene Hemmnis für wissenschaftliche Erkenntnisse für die Prozeße in der Natur sind die weltweiten Konzernmonopolstrukturen, deren patentierte Geschäftsgeheimnisse, die einseitige Verwertungsstruktur und der einseitige Verwertungsinhalt dieser Erkenntnisse. Diese sinnlose Verschwendung von menschlichem Potential hemmt in der Wissenschaft heute jegliche Erkenntnisse und deren sinnvolle Anwendung.

    Was, wir brauchen heute mehr Menschen, als vorher? Wo lebst du mit deinem Unsinn, und wer verkauft dir diesen Quatsch? Dir ist angewahnte Robotertechnik auf neurologischer Basis, wie diese in Japan zur Produktionreife gelangt ist, doch völlig unbekannt,sonst würdest du so einen Unsinn niemals von geben.

    Und Qualität “StefanP” misst sich am Inhalt, und bei Dir sind da nur schon längst widerlegte neoliberale Pharsen ohne wissenschaftliches Basiswissen erkennbar. Die Qualität deiner Textchen hier bewegen sich weit unter Null, schon soweit, dass du Dir die Welt zurechtlügen musst.

  154. R_Winter am 23. November 2009 um 13:04 - - Permalink

    @name. @ aquadraht

    habt Ihr nicht erkannt, dass StefanP im wesentlich nur Gesülze, Verdrehungen und angebliche wissenschaftlich Erkenntnisse von sich gibt, um das solidarische Alterssicherungssystem sturmreif zu schießen? Es scheint mir einer der bezahlten Handlanger der Versicherungswirtschaft zu sein, der sein neoliberalen Blödsinn unter das Volk bringen will.

  155. name am 23. November 2009 um 13:22 - - Permalink

    Ja, Herr Winter sind haben Recht.

  156. HELLMOOD am 23. November 2009 um 13:53 - - Permalink

    @ R-Winter

    Hätte nicht seine Fakten-Resistenz eine so deutlich neurotische Komponente, würde ich zumindest daran zweifeln, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Jedenfalls läuft seine gesamte Argumentation darauf hinaus, dass erkennbar die überdurchschnittliche Vergütung kontraproduktiver, dysfunktionaler Branchen über die Unschädlichkeitsgrenze, sprich Pensionseintritt hinaus gewährleistet werden soll. Zur Not mit den unverhältnismässig hohen Provisionen möglichst breit verriesterter privater Altersvorsorge.

  157. Stephan Schulze am 23. November 2009 um 13:53 - - Permalink

    @stefanP, #35:

    “Blasen werden zumeist durch eine Anheizung der Geldmenge (dem Druck von Papiergeld) .. erzeugt”.

    Nach dieser erschütternden Behauptung kann ich Sie nicht mehr ernst nehmen.

    Papiergeld stellt nur einen verschwindend geringen Teil der “Geldmenge” (für die es verschiedene Definitionen gibt) dar – und die Blasen der jüngeren Zeit haben mit Papiergeld praktisch nichts zu tun!

    ..Was jemand mit Ihrem Anspruch (den ich aus Ihren Postings hier impliziere) wissen sollte..

  158. StefanP am 23. November 2009 um 13:56 - - Permalink

    @aquadraht

    Laut der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der unter 20jährigen von 16,5 Millionen im Jahre 2005 auf 10,4 Millionen im Jahre 2050 abnehmen. Dagegen wird von einem Anstieg der über 60jährigen von 20,5 Millionen im Basisjahr auf 27,8 Millionen in 2050. Der Altenquotient – das Verhältnis der Menschen über 60 Jahren zu denen im erwerbsfähigen Alter (20-60) – verdoppelt sich von 45,2 auf 90,8. Wenn das nicht dramatisch ist, weiß ich nicht, wie man Situationen noch mehr dramatisieren kann.
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung.psml

    Demagogie? Nüchterne Fakten. Noch etwas: Binnen dreier Jahre (2005-2008) stieg die Zahl der über 65jährigen um 1 Millionen von 15,9 Mio. auf 16,7 Mio. bei rückläufiger Bevölkerungsentwicklung. Nicht dramatisch?!

  159. StefanP am 23. November 2009 um 14:00 - - Permalink

    In einem Punkt hat Herr Hartmann in jedem Fall recht: Linke können die Wirklichkeit nur ertragen, solange sie die Realität ausblenden. Und über die Interpretation der Traumwelt zerstreiten sie sich.

  160. salvo am 23. November 2009 um 14:03 - - Permalink

    Heute zahlen wir gut 13% unserer Wirtschaftsleistung für die staatliche Alimentierung der älteren Jahrgänge. Im Schnitt der EU-15 sind es 12%, so wie bei uns Anfang der 1990er Jahre.

    nach dieser Quelle wird der Anteil am BIP 2010 bei 10,5% liegen (2004 11,4%), im OECD Vergleich nichts Dramatisches

    http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/71F6B5EA64B500CFE04400144FAFBA7C

    den eigentlichen Skandal, für Deutschland, sagt aber diese Statistik über die Rentenansprüche gemessen am durchschnittlichen Einkommen aus – Deutschland an drittletzter Stelle, und da arbeiten manche offensichtlich eifrig daran, dass sich das noch verschlechtert

    http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/DICE_Content/SOCIAL_POLICY/PENSIONS/Benefits/ch-Sum-pen-ove-ent04.pdf

    p.s. abgesehen davon, dass derlei Jargon – Alimentierung der älteren Jahrgänge – entlarvend genug ist

  161. StefanP am 23. November 2009 um 14:17 - - Permalink

    @aquadraht

    “Das sind etwa 400.000 mehr als der Durchschnitt 1985-2005, der bei ca. 800.000 liegt. Eine extreme Sonderbelastung ist das nicht.”

    In den 1960er Jahren hatten wir im Schnitt 1,3 Millionen Geburten, während Sie die Zahlen für dieses Jahrzehnt aufgerundet haben. Das sind fast 40 Prozent weniger. Anders ausgedrückt, auf 10 Jahre (eine Dekade) fehlen 5 Millionen Neugeborene. Und da Mädchen, die nicht geboren werden, auch keine Kinder bekommen können, vergrößert sich die Lücke mit jeder Generation weiter.

  162. Lago am 23. November 2009 um 14:24 - - Permalink

    Und da Mädchen, die nicht geboren werden, auch keine Kinder bekommen können, vergrößert sich die Lücke mit jeder Generation weiter.

    Allerdings haben nichtexistente Kinder von ungeborenen Mädchen auch keine Eltern, die Rente beziehen …

  163. StefanP am 23. November 2009 um 14:28 - - Permalink

    Das ist die offizielle Statistik der EU, die ihre Daten von den Statistischen Ämtern beziehen. Darin sind sämtliche Altersrenten, also auch Hinterbliebenen und Invalidität, enthalten:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=de&pcode=tps00103&plugin=1

    Entscheidend ist, wie ist die historische Entwicklung und wie der Vergleich zu anderen Staaten. Von Mitte der 1990er bis 2005 hatten wir einen dauernden Anstieg, während die Ausgaben der Eurozone sich vermindert haben. Darin sind Länder wie die Skandinavier, die alle hinter den Quoten in Deutschland zurück bleiben. Überdurchschnittlich schneiden nicht gerade Vorzeigestaaten wie Frankreich, Italien und auch die Niederlande ab. Unsere Nachbarn in Benelux haben übrigens auch die Rente mit 67 beschlossen.

  164. R_Winter am 23. November 2009 um 14:33 - - Permalink

    Ich kann nur ALLEN empfehlen, das Buch “Machtwahn” von Albrecht Müller (NachDenkSeiten) zu lesen.
    Er die “StefanP`s” beschrieben, die inhaltslosen Phrasen und Lügen wieder legt und die Vernetzung u.a. von ISNM (Arbeitsgeberverband Metall), Bertelsmann, Versicherunskonzerne und den “Experten” im Lohn dieser Gruppen (Sinn, Miegel, Zimmermann, Raffelhüschen, Rürup) ausführlich beschrieben – dieses bereits im Jahre 2006.
    Erkennt endlich die “StefanP´s” unter uns.

  165. StefanP am 23. November 2009 um 14:34 - - Permalink

    @Lago

    Allerdings haben nichtexistente Kinder von ungeborenen Mädchen auch keine Eltern, die Rente beziehen …

    Was zeigt, in der dritten Generation ist das Problem erledigt. Was ist aber mit den Eltern der ungeborenen Mädchen? Die wollen doch auch eine Rente haben. Das ist der Status quo.

  166. StefanP am 23. November 2009 um 14:40 - - Permalink

    @R_Winter

    Glauben Sie, dass das Statistische Bundesamt die Geburten falsch zählt? Glauben Sie, das die Statistiker ausgehend vom Bevölkerungsbestand falsch hochrechnen? Glauben Sie, dass die OECD die Erwerbsquoten falsch erfasst? Denn nur dann ist das von mir Geschriebene falsch. Nur darauf habe ich Bezug genommen, keine Vereine oder Meinungsmacher, wie Sie und bestimmte Blogger das hier tun.

    Sind Sie von Albrecht Müller gekauft? Wissen Sie nicht, dass der mit jedem verkauften Buch ordentlich Rendite macht? Ist Ihnen nicht klar, dass der nur schreibt, was Sie hören wollen, egal wie die Fakten sind, nur damit sie sein Buch kaufen und seine Altersversorgung sichern?

    Na gut, aber behaupten Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

  167. salvo am 23. November 2009 um 14:50 - - Permalink

    nach der, wohl nicht aktuellen, Quelle lag 2007 der Anteil am BIP bei 12,4%

    in der Eurozone bei 12,3%

    Von Mitte der 1990er bis 2005 hatten wir einen dauernden Anstieg

    aus der Quelle geht doch hervor, dass der Anteil seit 2004 wieder sinkt

  168. StefanP am 23. November 2009 um 14:55 - - Permalink

    @salvo

    Nur haben wir in 2009 den größten Wachstumseinbruch in der Eurozone mit fast minus 7 Prozent bei ausgeweiteten Altersgeldzahlungen, was den Quotienten wieder auf deutlich über 13 Prozent schnallen lassen wird. Der deutliche Rückgang in den vorangegangenen beiden Jahren ist daneben auch einem kräftigen Wirtschaftswachstum geschuldet.

    Insgesamt lohnt es sich daher immer, lange Zeiträume von einer Dekade zu betrachten.

  169. Momo am 23. November 2009 um 15:04 - - Permalink

    @ 164 – R_Winter

    Die überwiegende Mehrzahl unserer Med