Für was steht eigentlich das “S” in CSU?
22. April 2007 von Spiegelfechter - Drucken
„Es muss wieder gelten, dass derjenige, der arbeitet, mehr Geld hat als der, der nicht arbeitet.“
Diese Worte stammen von CSU-Generalsekretär Söder und sind seit Stoibers „Marsch auf Berlin“ das arbeitspolitische Mantra der CSU. Eigentlich könnte dieser Satz auf Flyern des DGB stehen, in denen für den Mindestlohn geworben wird, aber Söder bezeichnet den Ruf nach Mindestlöhnen als „Bankrotterklärung des DGB“ und dieser „ökonomische Unsinn“ käme einer „Arbeitsplatzvernichtung“ gleich. Söder findet es nämlich „absurd, dass die Politik jetzt die Arbeit der Gewerkschaften erledigen soll“ – auf eine solche Äußerung, bezogen auf Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände, werden wir wohl lange warten müssen. Es ist schon mehr als bedenklich, wenn ein Volksvertreter (wie war das mit dem Zitronenfalter?) einer sogenannten Volkspartei sich so offen zu einer Exklusivvertretung von Partikularinteressen bekennt. Nachdem kirchliche Kreise den C-Parteien das „C“ aus ihrem Namen streichen wollten, wird es wohl langsam auch Zeit das „S“ in Frage zu stellen.
Söders Konzentration auf die Gewerkschaften als Makler im Niedriglohnsektor und der Wettbewerbsfähigkeit als Ablehnungsgrund für den Mindestlohn entbehrt auch nicht einer fortgeschrittenen Realitätsflucht. Die ständige Soufflage seitens der Lobbyisten hat bei ihm wahrscheinlich schon autosuggestive Züge angenommen, dies würde auch die sich stets wiederholenden inneren Sprechgesänge erklären. Wenn man den Niedriglohnsektor näher betrachtet, wird man feststellen, dass hier die exportierende Industrie so gut wie gar nicht vertreten ist. Auch andere Wirtschaftszweige, die im internationalen Wettbewerb stehen, sind von der Mindestlohndebatte kaum betroffen. Söders Argument der Wettbewerbsfähigkeit greift also zu kurz.
Zum Niedriglohnsektor, der in Deutschland rund 6 Millionen Arbeitskräfte zählt, gehört beispielsweise der Einzelhandel. Vor allem bei den Discountern wird hier massiv gegen die gewerkschaftliche Mitbestimmung gearbeitet. Schaut man sich die Unternehmen an, die in diesem Sektor tätig sind, so hat man nicht den Eindruck, hier kämpften marode Klitschen mit dem wirtschaftlichen Druck, der wegen zu hoher Löhne auf ihnen lastet. Netto (gehört zur A.P. Møller - Mærsk A/S) hat im letzen Jahr rund 420 Mio. US$ Gewinn erwirtschaftet (62% Gewinnsteigerung 2006). Schlecker veröffentlich keine Gewinnzahlen und hält ebenfalls nicht viel von Gewerkschaften – laut Forbes-Liste stieg das Vermögen des Schlecker-Besitzers Anton Schlecker im letzten Jahr um 27% auf 3,8 Mrd. US$. Aldi veröffentlicht ebenfalls keine Gewinnzahlen, Experten gehen aber von einem Gewinn von rund 820 Mil. € pro Jahr aus. Branchenprimus ist die METRO-Gruppe, sie erzielte im letzten Jahr einen operativen Gewinn von 3,2 Mrd € (+10%). Wer bei diesen Zahlen nicht in das INSM-Geplärr „wir müssen den Gürtel enger schnallen“ mit einstimmt, wird wohl des Denkens fähig sein und Söder kein Wort glauben. Auch andere Branchen, die Minilöhne zahlen, wie Call-Center, der Sicherheitssektor oder das Hotel- und Gaststättengewerbe sind nicht dafür bekannt, ihre Löhne über gewerkschaftliche Tarifverhandlungen auszutarieren. Wenn Söder die Aufgabe der Politik nicht darin sieht, den Schwachen auf dem Arbeitsmarkt unter die Arme zu greifen und dort einzuspringen, wo die Gewerkschaften vom Markt gedrängt wurden, so ist sein Denken schäbig.
Betrachtet man den Ausgabenkorb eines Arbeitnehmers im Niedriglohnsektor, so entdeckt man einen gewichtigen Faktor, der den Abstand zu Hartz-IV verringert, die Mietnebenkosten. Kaum ein Gut ist den letzten Jahren im Preis derart gestiegen, wie Strom und Gas.

Jedem, der einen Hauch Ahnung von Volkswirtschaftslehre hat, ist klar, dass die Mehrkosten für diese existenziell notwenigen Produkte, die für Angehörige des Niedriglohnsektors fast nicht substituierbar sind (welcher Wachmann mit 5 € pro Stunde kann sich neue enegieeffiziente Kühlschränke oder Solarpanels leisten), mit Konsumverzicht in anderen Bereichen bezahlt werden und somit der Binnennachfrage entzogen werden. Betrachtet man nur die vier Strommonpolisten, so konnten diese im letzten Jahr einen Gewinn nach Steuern von sagenhaften 12,3 Mrd. € verbuchen - E.ON (5,1 Mrd. €), Vattenfall Deutschland (2,8 Mrd. €), RWE (3,85 Mrd. €) und ENBW (0,5 Mrd. €), dies sind rund 315 € pro Haushalt , was nur etwas weniger ist, als der Hartz-IV Regelsatz.
Das Söder zur Schließung der vermeintlichen Lücke zwischen Hartz-IV und Niedriglohn eine Senkung der Bezüge der Hartz-IV Empfänger fordert, ist ebenso schäbig wie billig, hat in der CSU aber schon traurige Tradition. Wenn die „soziale“ Komponente der CSU daraus besteht, denen die haben zu geben und denen die unten stehen zu nehmen, so ist dies nicht sozial sondern asozial. Das lässt Söder aber wohl nicht gelten, schließlich “will er auch keine sittenwidrigen Löhne” - da er mit 3,82 pro Stunde anscheinend keine Probleme hat, sollte er doch mal sagen, wo für ihn die Sittenwidrigkeit anfängt.
Jens Berger
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Tatsächlich haben wir doch bereits einen Mindestlohn in Deutschland, dieser nennt sich Hartz IV und liegt bei einem Regelsatz von 345€ plus 360€ Bruttowarmmiete bei einer alleinstehenden Person bei 705€, die man dann auf 35-40 Stunden verteilen kann. Da kommt dann irgendwas um 5 Euro bei raus die bei Bedarf noch um einen Euro mit den marketingtechnisch katastrophal benannten “Ein Euro Jobs” erhöhen kann. Eigentlich sollten diese Jobs “6 Euro Jobs heißen”…
Und da es in Deutschland nunmal sehr viele Jobs gibt, die nicht allzuweit über 6 Euro liegen, oder oftmals sogar unter 5 Euro, ist es ein Problem das der Anreiz zu arbeiten bzw die Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit eine Arbeit aufzunehmen gar nicht gegeben ist. Dafür muß man nicht VWL studiert haben.
Was kann man nun tun? Man kann einen Mindestlohn einführen, zB bei sagen wir mal großzügig 10 Euro um das Problem zu verdeutlichen, was dann dazu führt, daß zwar alle motiviert sein sollten Arbeit anzunehmen, aber der gesamte Niedriglohnsektor, und das sind ja nicht wenige wie du richtigerweise geschrieben hast, unrentabel für die Arbeitgeben wird und niemand mehr beschäftigt werden kann. Die andere Möglichkeit ist natürlich die für den einzelnen unangenehmere, weil er für wenig Geld arbeiten muß weil Hartz 4 noch weniger wäre. Damit wäre die Motivation wieder gegeben zu arbeiten, allerdings nur, um noch größerer Armut zu umgehen.
Für den Betroffenen gibt es so oder so nichts zu gewinnen, außer vielleicht bei einem dieser Kombilohmodelle, damit habe ich mich aber noch nicht wirklich befasst, von daher halte ich die Klappe. Worum es geht sind volkswirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen, diese sind für die Betroffenen wie gesagt nicht sozial, allerdings für die Volkswirtschaft gut und mehren den allgemeinen Reichtum den man dann ggf wieder etwas großzügiger verteilen kann.
War übrigens der erste Eintrag mit dem ich größtenteils nicht so wirklich einverstanden war. Grüße Timothy
Achja und wo ich einmal so in Fahrt bin mitm Schreiben… Natürlich sind die Gewinne zahlreicher Firmen höchst unanständig, aber deren Verhalten ist ohne (echte) Alternative.
Schau dir die Telekom an, wo die MA (auch wg. politischen Gründen) 50% über Tarif bekommen (haben). Alles was dieser Laden bietet ist zu teuer, was es nicht ist, wie eines dieser neuen Paketangebote, dient nur dazu nicht noch größere Verluste einzufahren. Stichwort Deckungsbeitrag der Fixkosten. Ich finde es toll das die T-Kom hohe Löhne zahlt, aber ich honoriere das nicht indem ich dort einen Anschluß bestelle. Auch würde es mich als Aktionär der Telekom ärgern, daß diese Angestellten da in Saus und Braus leben, während mein Erspartes mir nur Verluste einbringt.
Schlecker oder Aldi zahlen eben Löhne knapp oberhalb der Sklavenarbeit, aber der Markt (du, ich, jeder andere Mitleser hier) honoriert das eben…
Natürlich kann man diese Entwicklung an Herr Schlecker oder Herr Albrecht festmachen, aber das Problem sind nicht sie, es sind wir!
Nun wenn alle in der Branche ja die Mindestlöhne zahlen müssen, dann haben ja alle gleiche Voraussetzungen. Gut die Produkte werden dann wohl etwas teurer, aber auch überall. Es gibt auch in anderen Ländern Mindestlöhne und da frag ich mich warum die nicht im Nachteil zu uns sind, sondern denen es in den letzten Jahren deutlich besser ging.
Ich finde Kombielohn eigentlich unsozialer. Denn dann bezahlt die Gmeinschaft dafür dass ein Unternehmer Hungerlöhne bezahlen kann. Eigentlich eine mehr oder minder versteckte Subvention. Das kann es nicht sein.
Die beiden ALDI.brüder sind mit Sicherheit keine Wohltäter und hassen die Gewerkschaften und Betriebsräte, ausserdem Verlangen sie Einsatz, aber sie zahlen auch ÜBER Tarif bei einigermaßen akzeptablen Arbeitsbedingungen, im Gegensatz zu Schlecker da gibts wohl teilweise Sklavenähnliche Zustände. Die anderen kenne ich nicht.
Und zu den 6,- oder meinetwegen 10,- Euro Jobs für Hartz-IV-ler,
die muss es doch erst einmal geben, unter menschenwürdigen Bedingungen. Und nicht wie in Leipzig der Stadt “geschenkten”
(Entsorgungskosten gesparte) Erdaushub der einen Stadtstrand abgeben soll von Hand zu harken und wenn man durch ist wieder von vorne. Das ist keine Beschäftigung das ist Arbeitsdienst.
Herr Söder geht es ja nicht um die Regelsätze. Er möchte “nur” den Wust von Zusatzleistungen durchforsten, bzw. ist ihm der Zuschlag von Arbeitslosengeld I zum ALG II ein Dorn im Auge.
Wo er da sparen will??? Kann man mal auf meinem Blog nachlesen.
zerrspiege...
Ich hoffe die “Werbung” sei mir mal erlaubt.
Werde auch auf diesen sehr profunden Artikel verweisen.
Gruß
Söder will Hartz IV kürzen auf zerrspiegel
[...]Einen lesenswerten Artikel dazu, kann man auch beim Spiegelfechter finden.[...]
@timothy
Wie kommst Du darauf, daß ein Mindestlohn zu einer Unrentabilität führt?
Das Beispiel mit dem Einzelhandel war nicht umsonst gewählt. Ein großer Teil der Unternehmen, die im Niedriglohnsektor Arbeitskräfte beschäftigen sind hoch rentabel - die haben halt nur das fragwürdige Privileg Arbeitskräfte einstellen zu können, deren Qualifikation kein Alleinstellungsmerkmal ist. Angebot und Nachfrage - es gibt genügend Arbeitskräfte die zu Minilöhnen arbeiten wollen/müßen, also ist es betriebswirtschatflich sinnvoll, die Löhne zu drücken. Nichts anderes machen die Handelsriesen.
Was Kombilohnmodelle angeht - mit welchem Recht soll der Staat indirekt die teils horrenden Gewinne der Unternehmen bezahlen, die Niedriglohnkräfte beschäftigen?
Deine Einschätzung, das der Kunde (also wir!) für die Misstände in hohem Maße mitverantwortlich ist, teile ich zu 100%
@ “brezelbuh”
Jou, Sch***e! Von was für Zusatzleistungen ist denn hier und wo anders ständig die Rede? Ich bin ein ‘Hartzie’ der ersten Stunde (durchgereicht aus der Sozialhilfe), und bekomme derlei nicht! Auch bekomme ich nicht mal den vollen Regelsatz, da ich wieder bei meiner pflegebedürftigen Mutter lebe und angeblich somit weniger Kosten habe :(
Für’s Protokoll möchte ich da mal nur anmerken, daß es Menschen wie mir langsam reicht und *wir* ab einem gewissen Punkt keinerlei ‘Haftung’ mehr übernehmen werden…
Zu einer eigenen Webpräsenz habe ich es ja - zu meiner Überraschung - bereits wohl gebracht:
heise.de/t...
Gute Nacht wünscht
Hannibal
@ Spiegelfechter:
Wofür das “S” steht, fragst Du? Nun, - natürlich für ‘Sowjet’ :-P
*SCNR*
der ziemlich faule Lektor, welcher sich gerade wieder das ‘Kuckucksnest’ gibt
@Hannibal #11: Es geht um die Leistungen nach §§21,28 und 23 SGB II. Das die nicht jeder bekommt ist mir auch klar. Und das die sowieso nicht üppig sind ebenfalls. Umso mieser, dass Söder die “ausmisten” will.
Wo Söder steht, sieht man schon an solchen Aussagen von ihm wie:
“Es darf auf keinen Fall einen Linksruck in der Union geben. Den links ist immer falsch.”
»Mit ehrlicher Arbeit ist noch niemand reich geworden.« - diesen Satz hielt ich lange für eine Plattitüde. Mittlerweile denke ich, daß das eine Tatsache ist, die unabhängig von (Aus)Bildung für den Großteil der Bevölkerung gilt. Bewiesen wird uns das auch öfter mal von Politikern der christlichen Partei(en), also ausgerechnet von der Seite, die Normen und Werte hochhält. Auf den Punkt gebracht ist das wohl mit dem S im Namen, wie im Artikel schon angemerkt.
Hallo,
Die gegenwärtige Diskussion um einem „Mindestlohn“ oder auch um das „bedingungslose Grundeinkommen“ ist notwendig und für den Augenblick verführerisch – geht aber an der Beseitigung der wahren Ursachen in dieser Gesellschaft vorbei.
Mindestlohn hat nichts – aber auch gar nichts mit gerechtem Lohn zu tun.
Wo soll Mindestlohn liegen – bei 6 € oder bei 8 € oder 800 € oder 8.000 €? Warum nicht bei 800 € in der Stunde?
Roland Berger aus München „verdiente“ 2006 7.004 € in der Stunde (siebentausend) meudalismu... .
Und der liegt damit auf Platz 300 in der Liste der „Stundenlöhne der 300 reichsten Deutschen“.
Auf welchem Platz liegt dann einer mit einem Stundenlohn von 6 €? Und der erhält dann einen Gerechten Lohn und soll „Spaß an der Arbeit“ haben, wie “Linke aus der WASG Ch. Ullmann ernsthaft fordern – welcher Zynismus!
siehe auch: rotfuchs-f... - Offener Brief -)
Stark bleiben!
@D. Krüger
Nun ja, wie soll man denn bitte einen “gerechten” Lohn austarieren?
Jemand, der bei einem profitablen Unternehmen arbeitet, könnte (theoretisch) seinen Anteil am Profit dieses Unternehmens fordern - was soll denn jemand machen, der bei einer gemeinnützigen Organisation arbeitet?
Ob Herr Berger einen so hohen Lohn “verdient” ist irrelevant - er ist Unternehmer und hat anscheinend gut “gewirtschaftet”. Problematisch ist weniger sein “Lohn”, sondern mehr seine Profession, andere Menschen aus Lohn und Brot zu drängen bzw. ihnen Lohn und Brot zu kürzen. Solch Löhne von Angestellten, wie z.B. bei den Vorständen von Aktiengesellschaften, sind hingegen unanständig und zeugen von Schamlosigkiet.
Prinzipiell ist die Lohnfindung über Angebot/Nachfrage mit gewerkschaftlichen Einflüssen bei der Tarifbildung nicht die schlechteste. Sie hat bis in die späten 80er gut funktioniert, dann setzte Gier ein und mit der Gier wurde sie soziale Marktwirtschaft ausgehöhlt. Dazu hatte ich aber schon mal geschrieben.
@Spiegelfechter
Hallo,
und da sind wir beim Hauptproblem der Diskussion - was versteht wer, wie…
Gerechter Lohn heist für mich einen Lohn zu erhalten, um meine Arbeitskraft regenerieren zu können, meine Nachkommen zu ernähren, zu kleiden, zu bilden, wohnen zu können und für mein Alter Vorsorge zu treffen. Das bildet eine Einheit. (Kommt nicht von mir - kommt von F. Engels)
Davon kann aber unter den gegenwärtigen Aneignungs- und Verteilungsbedingungen keine Rede mehr sein.
Und es spielt dabei keine Rolle, ob ein Unternehmen “rentabel” ist oder nicht.
Wenn der Kapitalist nicht in der Lage ist, sein Unternehmen rentabel zu führen, hat er es in dieser Gesellschaft nicht anders verdient als “Unterzugehen” (Eigentum verpflichtet).
Jetzt habe ich am Wochenende wieder den tollen Satz vernommen: “Gewinne werden privatisiert - Verluste dagegen sozialisiert”. Das ist das Hauptproblem dieser Gesellschaft: Kommt an Donau und Rhein ein Hochwasser, rufen alle Gastwirte nach Entschädigung. Haben sie gagegen 200 Tage Sonnenschein und tolles Wetter geht keiner zum Staat und bietet freiwillig höhere Steuern an. Das Gleiche bei den Feiertagen - in Jahren mit vielen Feiertagen: Ruf nach einer Gesetzesänderung. Fällt 1. Mai und Himmelfahrt zusammen - Schweigen!
Was die Gewerkschaften angeht: Davon sollte sich Otto Normali verabschieden - Gewerkschaften sind käuflich - alle! Da fällt mir doch gleich der Ruf nach sog. “Unabhängigen Gewerkschaften” von 1980/81 in Polen ein. Welcher Gewerkschaftsboss sitzt in Germanien nicht in einem Aufsichtsrat oder Firmenvorstand? Meistens sogar in mehreren.
Also - nach meiner Meinung geht es um eine Änderung der Stellung der Menschen zur Arbeit, der Aneignung des Gewinns und dessen gerechter Verteilung.
Stark bleiben!
Um als “Arbeitgeber” mal einen kleinen Satz beizusteuern - auf der anderen Seite des Tellers ist es heute egal ob man 6,7 oder 11 Euro die Stunde zu zahlen bereit ist - trotzdem durchläuft man einen langen und steinigen Weg einen Mitarbeiter zu finden, der für das Unternehmen tragbar ist. Auch für 12 Euro die Stunde gibt es noch Personen die sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern können (!) was Sie den Tag zuvor gemacht haben.
Auf Taschenvollstopfer zu schimpfen ist sicherlich der einfachste Weg (und in vielen vielen Fällen auch gerechtfertigt), aber Tatsache ist auch, dass es viele Unternehmen gibt die nicht gerade glücklich darüber sind, dass es teilweise 15 Anläufe (und somit eine Menge Kapital) benötigt, bis endlich ein Arbeitnehmer gefunden ist, der sich langfristig für das Unternehmen trägt.
Gut, in diesem Artikel ging es ja primär um Beispiele aus der Kassentätigkeit (Aldi, Schlecker…), ein Vergleich bei anspruchsvolleren Tätigkeiten wo beide Seiten einmal beleuchtet würden, ergäben wohl ein etwas anderes Bild.
Auch wenn es mit Sicherheit viele Menschen gibt, die Leistung erbringen wollen - es ist nicht immer einfach diese auch zu finden.
Ich hoffe ich werde für diesen Beitrag nicht zerfleicht, aber auch dem Arbeitgeber geht gelegentlich einiges gegen den Strich und verursacht Kosten die dann (vielleicht) an anderer Stelle auch bei einem künftigen Arbeitnehmer eingespart werden (müssen)
CSU = Heißt: Christliche Spiegelfechter Union
Die sind dafür da die Einheit der Christen zu verraten.
Die SPD - soll die Soziale Wirtschaft verraten und die Arbeiterschaft.
Die Grünen - verraten die Pazifisten und die Ökologische Bewegung.
So hat jeder seinen Job - seine Klientel zu verraten.
@D. Krüger
Wenn der Besitzer eines unrentablen Unternehmen es verdient hat “unterzugehen”, was hat dann im Umkehrschluss der Besitzer eines rentablen Unternehmens verdient?
Nein, so einfach kann man es sich nicht machen. Der schöne Satz im GG “Eigentum verpflichtet” sollte nur wieder ernst genommen werden. Da Du ja selbst auf “Dr. Wo” verlinkt hast, wirst Du ja das Verteilungsproblem von der Spitze her kennen. Da der Unternehmer nicht zu gerechten Handeln verpflichtet ist (das wäre auch unrealistisch, ich als Privatperson bin auch nicht immer gerecht) muss man das alte Bild vom Staat als Schäfer heranziehen, der seine Herde schützt und darunter vor allem die Schwachen, die sonst als erstes vom Wolf gerissen werden. Früher (Rheinischer Kapitalismus der Nachkriegszeit) war auch nicht alles gerecht und toll, aber es gab einen gesellschaftlichen Pakt (auch Dank der Gewerkschaften), der Extreme verhindert hat. Der Unternehmer hat im weitesten Sinne seine Angestellten am Unternehmenserfolg partizipieren lassen. Dieser Pakt wurde von oben gekündigt unter der, nicht weg zu diskutierenden Globalisierung. Aufgabe des Staates muss(!) es sein, dieses gesellschaftliche Versagen zu erkennen und Abhilfe zu bieten. Wenn dies nicht freiwillig geht, was offensichtlich ist, dann halt über Zwang. Und als Umverteilungsmechanismus kommen natürlich zu allererst die Steuern in Frage.
p.s.: Den Satz mit dem Vergesellschaften hast Du ja vielleicht bei mir gelesen? ;-)
@Sven
Ich will um Himmels willen keinen Rundumschlag gegen Unternehmer machen. Mir sind die Probleme der Unternehmen durchaus bewußt, qualifiziertes Personal zu finden und ich bin sicher nicht der Meinung, jeder Arbeitslose wäre ein wertvoller Mitarbeiter. Nur leider ist der Umkehrschluss auch nicht gültig. Es gibt verdammt viele gute Arbeitnehmer, die aufgrund der falschen Qualifikation keine Aufstiegsmöglichkeiten oder Ausstiegsmöglichkeiten aus Branchen haben, die teils unredlich wenig bezahlen. Und ich spreche hier nicht vom kleinen Wirt, der seiner Bedienung einfach nicht mehr bezahlen kann. Ich spreche von großen Kapitalgesellschaften. Ich habe jetzt keine Zahlen im Kopf, möchte aber wetten, daß mittlerweile große Teile des Niedriglohnsektors von sehr profitablen Kapitalgesellschaften bestimmt werden. Das ist nicht nur der Einzelhandel, das sind auch die Raumpflege- und Reinigungsdienstleister, Sicherheitsdienstleister usw.
Die Argumentation seitens dieser Unternehmen, sie könnten keine höheren Löhne zahlen ist offensichtlich falsch - man muß sich nur die Zahlen anschauen. Da diese Unternehmen keine Gewerkschaften dulden muß(!) mE der Staat für eine angemessene Entlohnung sorgen. Ein Lohn für den, wie die CSU zu sagen pflegt ;-), es sich wieder lohnt zu arbeiten. Die Mindestlohninitiative des DGBs ist mE ein Schritt in die richtige Richtung.
@Winfried
Das mit der “Spiegelfechter Union” gefällt mir natürlich besonders gut ;-)
@Spiegelfechter
@Sven
@Winfried
Hallo, so daneben liegen wir alle nicht.
Die Erkenntnis lautet: Es ist was falsch im Staate Germanien (und nicht nur dort).
Das permanente Vorwerfen der gegenwärtig Herrschenden an die Anderen Alternativlos zu sein und keine modernen Konzepte zu besitzen ist doch blanke Lüge.
Eben - die CSU hat keine modernen Konzepte und holt aus dem hinteren Mittelalter ihre Wirtschaftskompetenz - kürzen, schneiden, ausgrenzen. Aber bitte nicht die “Leistungsträger”.
Wer aber sind diese?
Mein Sohn ist gelernter Kunststoffformgeber und arbeitet in einer Firma zur Herstellung von Spritzgußwerkzeugen als Schichtleiter und Einrichter im drei-Schicht System (Rollende Woche). Alter 27 Jahre. Netto-Gehalt mit allen Zuschlägen ca. 830,00€ (achthundert). Tägliche Fahrstrecke: 84 km mit dem PKW.
Der Inhaber der Leiharbeiterfirma für die er arbeitet ist der Chef des Unternehmens, an das er “Ausgeliehen” ist. Das ist ein „erfolgreicher“ Unternehmer. Ein „Leistungsträger“.
Wie soll der Bengel eine Familie gründen? (alle Welt brüllt nach “Mehr Kinder - wer erarbeitet die Rente”)
Was bleibt dem Menschen zum Leben (Miete, Benzin, Durchsicht, Sommer- und Winterreifen, Strom, Heizung).
Was ist unter diesen Verhältnissen “Leben”? Ausnahme?
Hier in der Nähe soll ein staatlich gefördertes Unternehmen - ausgezeichnet mit dem Bayrischen Förderpreis – Solaranlagen produzieren. Der höchste Arbeitslohn der festangestellten Ingenieure soll 1.500,00 €/Brutto bei 50 Arbeitsstunden in der Woche betragen. Überstunden sollen nicht bezahlt werden. Übernachtungskosten sollen höchstens 20€ betragen (Mehraufwendungen müssen selbst getragen werden. Verpflegungskosten werden nicht getragen – natürlich üble Gerüchte). Der Chef des Unternehmens fliegt in der Regel mit dem Hubschrauber ein – ein extra Landeplatz soll eingerichtet sein. Das ist auch ein „Leistungsträger“. Auch ein „Erfolgreicher“ Unternehmer.
Die Mitarbeiter sind natürlich alles „Sozialschmarotzer“ die sich nur an den fetten Töpfen der Bosse die Bäuche voll schlagen und ausgeschlafen nach Hause gehen.
Natürlich soll ich darüber nicht sprechen dürfen, von wegen Betriebsgeheimnis – das hat was mit „Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“ zu tun.
Stark bleiben!
@Spiegelfechter
Tschuldigung,
da Du Dr Wo angsprochen hast - habe bei dem einen tollen Spruch gefunden:
Reicher Mann und armer Mann,
standen adund sah’n sich an.
Und der arme sagte bleich:
“Wär ich nicht arm wärst du nicht reich” (Bert Brecht).
meudalismu...
Stark bleiben!
@24 D. Krüger
Das ist idT ein großes Manko - es ist was faul im Staate
DänemarkDeutschland!Ich glaube Geschichten, wie Deine, kann jeder hier aus dem Freundes-/Bekanntenkreis erzählen. Ein guter Freund von mir ist “gelernter” Journalist und wurde Jahr für Jahr mit Minigehältern von unter 1.000 Brutto von einem Praktikum/Probejahr zum nächsten gejagt. Tariflohn? *pfff*
Ein anderer Freund ist Ingenieur und Projektleiter im hochrentablen KFZ-Zulieferbereich - für seine min. 60 Wochenstunden bekommt er unter 1.500 Netto und das trotz internationaler Erfahrung, lückenlosen Lebenslaufes etc. pp.
Ich selbst gleite auch von einen Zeitvertrag in den nächsten … werde aber zum Glück gut bezahlt, aber Sicherheit ist auch etwas anderes.
Ich lese Winfreds Kommentare schon seit sehr langer Zeit auf verschiedenen Blogs, aber daß war m. E. der beste. Glückwunsch Winne =)
Um mal nicht um den heißen Brei herum zu brabbeln.
1. Es ist eine irrige Meinung das Arbeitslosengeld II Empfänger nicht arbeiten, weil es sich für sie nicht lohnt. Die meisten arbeiten nicht, weil es für sie keine Arbeit gibt, warum auch immer. Es ist schon erstaunlich mit welch einer Arroganz über Mitmenschen geurteilt wird. Dabei kann man selber schneller in diese Notlage geraten als einem lieb ist. Krankheit, Insolvenz etc..
2. Im Einzelhandel werden mittlerweile Löhne von unter 5 Euro bezahlt, 80 Stunden für 375 Euro sind keine Seltenheit. Natürlich ohne Anspruch auf bezahlten Urlaub und ohne Anspruch auf Bezahlung von Überstunden. Das man für solche Löhne nur Personal bekommt, dass am nächsten Tag vergessen hat, wo es arbeitet liegt auf der Hand. Das man für so einen Sklavenlohn schon gar kein Personal bekommt, dass auch verkaufen kann liegt auch auf der Hand. Das Personal, dass ordentlich am Gewinn des Unternehmens beteiligt wird (soll heißen vernünftig entlohnt wird und sich nicht ausgenutzt vorkommt), auch bessere Arbeit leistet, scheint nicht jedem Unternehmer klar zu sein.
3. Das die Discounter die Sklavenlöhne bezahlen ist eine volkstümliche Mär, die zahlen eigentlich alle mindestens Tariflohn. Hier richtet sich die Kritik mehr an die Arbeitsbedingungen. Das die Discounter an einer allgemeinen Einkommenssteigerung nicht interessiert sind, ist schon überlegenswert, sie könnten sich ja die eigene Kundschaft abgraben.
Wie neueste Entwicklungen anzeigen, wird der ehemalige ‘Verfassungsminister’ S. seinen Helm noch benötigen, den Stock sollte man ihm schleunigst abnehmen.
Zu dem Mann aus Bayern mit seiner roten Grütze erübrigt sich jeglicher Kommentar.
Mit was haben wir solche Leute verdient?
>> Für was steht eigentlich das “S” in CSU?
Cretin Söders Unternehmen - aber wie lange noch?