Recherchieren im Schwarm
geschrieben am 03. Dezember 2009 von Spiegelfechter
Das Netzwerk Wikileaks hat die geheimen Toll-Collect-Verträge der rot-grünen Bundesregierung veröffentlicht. Das ärgert die Politik ? und freut den Netzbürger
Gesellschaftlich wichtige Informationen müssen frei sein ? dies ist das Motto der Webseite Wikileaks. Das gerade einmal drei Jahre alte Netzwerk ist mit dem Ziel angetreten, weltweit Korruption, Verbrechen und unethisches Verhalten von Regierungen und Unternehmen zu bekämpfen, und zwar durch die anonyme Veröffentlichung geheimer Dokumente. Über Wikileaks können Whistleblower ? also Insider, die Zugang zu unterdrückten Informationen haben ? diese in anonymisierter Form ins Netz stellen.
Sobald die Informationen online sind, ist es selbst für staatliche Stellen faktisch unmöglich, deren Weiterverbreitung zu stoppen. Dies musste im vergangenen Jahr das Schweizer Bankhaus Julius Bär erfahren. Nachdem Wikileaks interne Dokumente der Schweizer veröffentlichte, die illegale Steuertricks der Bank auf den Cayman Islands beweisen sollten, strengten die Anwälte von Julius Bär gerichtlich eine Sperrung der Domain wikileaks.org an. Ein Eigentor, wie sich bald zeigen sollte – um die Informationsfreiheit zu verteidigen, bildete sich eine breite Allianz aus Bürgerrechtsgruppen und Zeitungen, die unter anderem dafür sorgten, dass die Seiten durch Spiegelung weiterlebten. Elf Tage später wurde die Sperrung vom zuständigen Richter wieder aufgehoben.
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Ich habe diese Seite alleine wegen ihrer Idee schon öfter mit Fasziantion besucht und die Maßnahmen, die seitens mancher Machthaber gegen das Netzwerk unternommen werden, sprechen nur für seine Relevanz.
Aber genau da wird es meiner Meinung nach erst interessant. Wer ist das Expertennetz und wie wird hier einem potentiellen Missbrauch gegen die dem Grunde nach guten Absichten der Seite begegnet. Die Schwarmintelligenz schafft zwar wie bei Wikipedia die Informationen herbei, aber wie soll sie die Qualität individueller Insiderinformationen beurteilen? Der Kreis der Experten dürfte in einzelnen Fällen nur sehr klein sein.
Das nenne ich mal eine gelungene Seite!
Die mögliche Gefahr der Denunziation schätze ich weniger groß ein; der Nutzen, der in einer demokratischen Kontrollinstanz reüssiert, steht für mich im Vordergrund.
Wer sich näher für Wikileaks interessiert dem sei auch der Podcast zum Chaosradio 149 ans Herz gelegt. Hier steht Daniel Schmitt von Wikileaks ca. 2Std. allen möglichen Fragen (Ziele von Wikileaks, wie wird die Anonymität der Qellen gewahrt, Überprüfung der Echtheit von Dokumenten etc. pp.)Rede und Antwort.
Zu finden unter:
http://chaosradio.ccc.de/cr149.html