Gottes Sprachrohr ist verstummt
24. Mai 2007 von Nick Abbe - Drucken
“De mortuis nihil nise bene!”, das war bereits bei den Römern Brauch und gilt auch heute noch als Konsens. Dennoch ist es manchmal unerlässlich, einen kritischen Blick zurück zu werfen, zumal, wenn es sich bei dem Verblichenen um eine einflussreiche Führungspersönlichkeit der christlichen Rechten in den USA, deren Verflechtungen mit Wirtschaft und Politik hierzulande nur wenig bekannt sind, gehandelt hat.
Reverend Jerry Laymon Falwell Sr., der bekannte Fernsehprediger, verstarb letzte Woche in Lynchburg, VA. Der 1933 geborene Falwell gründete 1956 die Thomas Road Baptist Church in Lynchburg, Virginia, nachdem er im selben Jahr seinen Abschluss am Baptist Bible College in Springfield, Missouri, machte (1).
Bereits in den 50er und 60er Jahren legte er den Grundstein für seine spätere, kontroverse Reputation. So befürwortete der dementsprechend erzogene und aufgewachsene Falwell beispielsweise die Rassentrennung (2). Auch bezeichnete er die amerikanische Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) in seinen Predigten als eine falsche Bewegung („Civil Wrongs Movement“) und kritisierte u.a. Martin Luther King auf das schärfste. Politische Befürworter der Rassentrennung, wie z.B. George Wallace, waren in der „Old Time Gospel Hour“ - einer Sendung seiner Kirche - gerne gesehene Gäste (3).
Falwell vertrat in diesen Jahren weit verbreitete rassistische Positionen und nannte die Entscheidung des obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten gegen die Rassentrennung (Brown vs. Board of Education, 1954) falsch. Er begründete diese Position mit der, seiner Meinung nach, unzureichenden Religiosität und Bibel-Kenntnis des obersten Richters Earl Warren, denn „hätten er [Warren] und seine Kollegen den Willen Gottes gekannt, hätten sie diese Entscheidung nicht treffen dürfen. […] Wenn Gott eine Trennlinie gezogen hat, sollten wir diese nicht übertreten.“ Allerdings bedauerte Falwell diese Ansichten in späteren Jahren (4).

Es gibt allerdings auch eine andere, weitaus kritischere Sichtweise dieser Thematik: Chris Hedges, ein ehemaliger Journalist der New York Times und einer der führenden Autoren in den USA zum Thema christlicher Fundamentalismus, sagte in einem Interview: „[…] Jerry Falwell startete [seine Karriere] als rassistischer Demagoge, der darüber sprach, wie die Beendigung der Rassentrennung die weiße Rasse zerstören würde. So machte er sein Geld, so baute er seine Kirche auf. Und dann änderte er seine [persönliche] Geschichte in einer fast Stalin-artigen Säuberungsaktion und zerstörte die meisten Kopien seiner frühen Predigten, weil sie so bösartig und grob waren. Er predigte meiner Meinung nach immer noch Bigotterie und Rassismus. Nur hat er sich jetzt anderen Feindbildern zugewandt, Homosexuellen, Feministinnen und Immigranten beispielsweise. Aber dieser Mann hat das klassische Profil eines Demagogen… […] (5).“
Im Jahr 1971 gründete Jerry Falwell das „Lynchburg Baptist College“, das zwei Jahre später, nach einem Gerichtsverfahren gegen Falwell wegen Betruges (welches Falwell aber gewann), in „Liberty University“ umbenannt wurde (6). Hilfe bei der Reorganisation der „Liberty University“ bekam Falwell unter anderem von Sung Myon Moon, dem Besitzer der rechtskonservativen „Washington Times“ (7), (8). Eine der Kontroversen, die sich um diese Universität ranken, ist ihre Nähe zu kreationistischen Standpunkten bzgl. der Entwicklung der Erde.
Zur Zeit soll die „Liberty University“ nach Dozenten suchen (9), welche die These des so genannten „Young Earth Creationism“ propagieren - eine Theorie also, nach der die Erde nicht älter als mehrere tausend Jahre sein kann und von Gott geschaffen wurde, so dass Menschen und Dinosaurier noch zusammen gelebt haben. Das klingt zunächst vielleicht amüsant, aber man sollte sich vor Augen halten, dass dies als „wissenschaftliche Theorie“ gelehrt wird und im Endeffekt Scharlatanerie mit Wissenschaft gleichsetzt. Ein Dozent an der LU, Prof. Marcus R. Ross, äußerte in einem Interview die Ansicht, die Erde wäre maximal 10.000 Jahre alt, - erwarb aber seinen Ph.D. in Geowissenschaften mit einer Dissertation zum Thema einer bestimmten Reptilienart, die, wie er schrieb, vor ca. 65 Millionen Jahren ausstarb…
Doch zurück zu Jerry Falwells Lebenslauf: Nach der Niederlage des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater im Jahr 1964 realisierte eine Gruppe republikanischer Parteistrategen, dass ihre Parteibasis zu klein war, weshalb sie auf die Idee verfiel, diese auf die von ihnen so genannte „neue Rechte“ auszudehnen, - also vor allem eben auf die, oft konservativen, aber politisch inaktiven Kirchenmitglieder.
Einer jener Parteistrategen war Paul Weyrich, der 1973, mit großzügiger Unterstützung der Coors-Brauerei, die „Heritage-Foundation” gründete, mit dem Ziel, die Vorstellungen der „neuen Rechten” voranzubringen. Weyrich gründete außerdem u.a. das „Committee for the Survival of a Free Congress” (CSFC, ebenfalls mitfinanziert durch Coors), welches direkt und erfolgreich evangelikale und andere Kirchengemeinden erreichte. Dies resultierte 1975 in der Etablierung der „Christian Voice“, einer christlich-fundamentalistischen Interessen- bzw. Lobby-Gruppe, zusammen u.a. mit Robert Grant .
Im Jahr 1977 entstand dann, zusammen mit Jerry Falwell, die Bewegung „Moral Majority” . Dieser Zeitpunkt gilt für viele als die Geburt der „neuen christlichen Rechten“, also der politischen christlich-fundamentalistischen Bewegung, die inzwischen in weiten Teilen der republikanischen Partei Fuß gefasst hat. Die „Moral Majority“ bestand aus politisch-religiösen Aktivisten, die bestimmte Themen besetzten, die für sie zentrale Punkte einer christlichen Moral verkörperten, und die davon überzeugt waren, die Mehrheit der Amerikaner zu repräsentieren. Einige Themen auf der Agenda der „Moral Majority“ waren: die Durchsetzung ihres Familienbildes (der traditionellen Kernfamilie – arbeitstätiger Vater, Mutter als Hausfrau usw.) bei gleichzeitiger Bekämpfung der „Anti-Familien-Agenda“ (Liberalismus, öffentliche Schulen, alternative Lebenskonzepte, Pornographie u.a.) und insbesondere die strikte, dogmatische Ablehnung der Abtreibung.
Nachdem die „Moral Majority“ in der ersten Hälfte der 80er Jahre beachtlichen Einfluss auf die republikanische Partei ausübte (was durch den Reporter Michael Clark in einer Reihe von Artikeln beschrieben wurde und für einige Aufregung sorgte), war es ihr unter anderem gelungen, die Ratifizierung des „Equal Rights Amendment“, eines Gesetzes zur Gleichstellung der Geschlechter zu verhindern (gegen den Widerstand von Frauen- und Bürgerrechtsgruppen). Weiteren Widerstand (allerdings ohne Erfolg) leistete die Organisation u.a. gegen die Ratifizierung der SALT-Verträge zur nuklearen Abrüstung zwischen der UdSSR (10) und den USA. Auch rief Jerry Falwell seine Anhänger auf, das südafrikanische Apartheids-Regime zu unterstützen (11).
Im Jahr 1989 wurde die „Moral Majority“ für aufgelöst erklärt und ging in der „Christian Coalition“ des Reverend Pat Robertson auf. Jerry Falwell leitete weiter seine Kirche und publizierte seit 1995 das „National Liberty Journal“ (12). Im Jahr 1994 veröffentlichte er die so genannten „Clinton Chronicles“. Obwohl keinerlei Beweise vorlagen, propagierte die „Dokumentation“ einen angeblichen Kokain-Deal unter Beteiligung von Bill Clinton und verkaufte sich über 150.000 mal. In diesem, wie in anderen Fällen wurden beteiligte Zeugen bezahlt, während die „Dokumentation“ von einer Organisation finanziert wurde („Citizens for Honest Government“), die wiederum von Falwell Gelder erhielt.
Eine weitere Kontroverse löste Falwell aus, nachdem er die Anschläge am 11. September 2001 unter anderem als das Verschulden von „Heiden“, Abtreibungsbefürwortern, Feministinnen, Schwulen und Lesben, Bürgerrechtlern und allen, die versuchten, die USA zu säkularisieren, bezeichnete (wofür er sich nach heftigen Protesten entschuldigte). Neu war diese Art von Demagogie nicht, schließlich hatte Falwell bereits u.a. die Krankheit AIDS als „Strafe Gottes für Homosexuelle“ bezeichnet. Im Jahr 2004 gründete Falwell die „Moral Majority“ als „Moral Majority Coalition“ neu, obgleich zu diesem Zeitpunkt längst andere Personen grösseren Einfluss unter den christlichen Fundamentalisten inne hatten.
Jerry Laymon Falwell Sr. starb am 15. Mai 2007 an Herzversagen in seinem Büro an der „Liberty University“. Möge Gott seiner Seele gnädig sein.
(2) Marsh, Charles (1997). God’s Long Summer: Stories of Faith and Civil Rights. Princeton, New Jersey: Princeton University Press. ISBN 0691021341.
Der Autor studiert Amerikanistik, Anglistik und Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und arbeitet derzeit an seinem ersten Buch zur Thematik des christlichen Fundamentalismus’ in den Vereinigten Staaten.
Bildnachweis (von oben nach unten): Whitehouse.org, Liberty University, Freewilliamsburg.com, Amazon, The Age, Melbourne Indymedia












































































“Caedite eos! Novit enim Dominus qui sunt eius”
(Abt Arnaud-Amaury)
Für “corax”:
Ist ja ‘nett’, - auch ICH habe ja zumindest ein ‘kleines Latinum’ :-P Dennoch meine ich aber, daß ich, wie auch die nicht-latinischen Leser hier, Dir für die Freundlichkeit einer Übersetzung dankbar wäre ;-)
Mit freundlichem Gruß
Hannibal (der liktor)
@Hannibal
Das Vergnügen, die Übersetzung in Erfahrung zu bringen, hatten die meisten Albigenser wohl auch nicht. ;-) SCNR
Wäre ich Christ, würde ich jetzt sagen: “Eher passt ein Kamel durch Nadelöhr, als ein fundamentalistischer Fernsehprediger in den Himmel.” Was ich persönlich bedauere, möchte ich in meinem “Nachleben” in der Hölle doch solchen Gestallten lieber nicht begegnen.
Drum appelliere ich für Falwell an Petrus “Mach auf das Tor!”
“über die toten nichts, wenn nicht gutes.”
sinngemäß: “wenn nichts gutes über die toten zu sagen ist, sagt man lieber gar nichts ist.”
@corax:
“fällt die seinigen / tötet diese! der herr kennt nämlich (die), die ihm sind.”
sinngemäß: “tötet sie, denn der herr (er)kennt die seinigen.”
Hoffen wir, dass sein Gott nicht so zu ihm ist, wie er ihn sich für andere ausgemalt hat.
@tar : ich habe zwar gar kein Latinum, dafür aber vor kurzem in der Zeit gelesen, dass diese Übersetzung falsch wäre. Es hieße wohl sinngemäß: Man solle nur gut über Tote reden. Wobei sich das Gut hier auf die Rede bezieht. Man soll am Grab also eine gute Rede halten, nicht nur Gutes über den Toten sagen. Eine gute Rede darf aber durchaus kritisch sein …
@noamik
… das erzähle aber nicht Oettl ;-)
SCNR
p.s.: Bildnachweis: Titanic-Magazin
youve forgot:
Falwell, in short, was a creation of the “liberal media.” How many Americans would have ever heard of Falwell had it not been for the massive free publicity that he received over the years? Think about it: if the liberal media—and those powerful and closely connected families and financial groups that control that media—had not promoted Falwell in the first place, how likely is it that Falwell would have come to be the genuine power broker that he emerged to be?
The real reason Falwell got all of this free promotion was precisely because he was working so assiduously to generate support for Israel.
Of course, it’s not irrelevant to mention that Falwell got a nice reward from Israel for his work. For years Falwell sported around the globe on a Lear jet given to him by the government of Israel under then-Prime Minister Menachem Begin: no small token of appreciation. It was the least little kickback Begin could give to Falwell, considering the fact that the U.S. taxpayers have funded Israel—with Falwell’s enthusiastic backing—to the tune of almost $3 trillion. And that Falwell accepted such a gift from Begin is very telling in and of itself. In the late 1940s Begin was a murdering terrorist who killed Christians and Muslims (and even, it is said, more than a few Jews, too) while engaging in a bitter and bloody terrorist campaign against the British occupation of Palestine. Still, Falwell was eager to shake hands with and praise—even worship— the likes of Begin.
Wikiquote
Israel
The Anti-Defamation League, and its leader Abraham Foxman, have expressed strong support for Falwell’s staunch pro-Israel stand, sometimes referred to as “Christian Zionism,” despite repeatedly condemning what they perceive as intolerance in Falwell’s public statements.[19]
en.wikiped...
de.wikiped...
Ab 1942 in Palästina [Bearbeiten]Als er 1942 aus der Armee entlassen wurde, trat er in die radikal-zionistische Untergrundorganisation Irgun (auch als Etzel bekannt) ein und wurde 1943 deren Führer. Die Irgun orientierte sich am faschistischen Italien, verstand sich als Speerspitze des Kampfes gegen das britische Mandat, zunehmend auch gegen die Palästinenser und organisierte Sprengstoffanschläge auf Marktplätze, Restaurants und britische Einrichtungen
Begin war verantwortlich für den Sprengstoffanschlag auf das King David Hotel 1946 in Jerusalem, bei dem 91 Menschen ums Leben kamen (28 britische Staatsangehörige, 41 Araber, 17 Juden und fünf aus anderen Ländern).
Menachem Begin, der auch die Verantwortung für das Massaker vom 9. April 1948 in Deir Yassin an Arabern trug, wurde von den Briten als Terrorist gesucht.
@ transwarp
1. Falwell supported Israel and got that learjet, true. Moreover, he got the Jabotinsky-award, named after a right-wing Zionist leader. Anyway, the support for Israel by Christians in general, and Evengelicals, respective Fundamentalists, in particular has historical and theological roots.
Christian Zionism ist a topic which deserves its own article.
2. To suggest the “liberal” media is to blame, reminds me of some old right-wing conspiracy theory. Falwell got coverage by “liberal” as well as “conservative” media, but he got celebrated by the last. As to how many conservative pundits are around in TV and others, have a look here:
oreilly-su...
3. Fact is that Falwell got not only support by right-wing israeli, he was heavily financed by ultra-conservative american foundations, like Scaife and Bradley. Regarding the latter, there are many more points why Falwell was successful, which have to do with domestic policy in the States, and not only his support for Israel.
The fact that the Christian Right and Israeli right-wingers may have something in common (”no surrender” in the Holy Land, Islam as “eternal enemy”) should not lead us to ignore the fact, that the christian Right views Jews as Christians 2nd class, while many Israeli view the C.R. as dangerous - so what we have is basically some kind of strategic alliance. But *who* uses *whom* in this case, is a different question.
@nick abbe
1.Speaking of theological roots:
publishers...
2. You can put for “liberal” media: “main-stream media”….
if you think FOX news is not strictly PRO Israel as CNN (ABC etc).. You didn’t have watched them properly…
And the Mainstream Media played a BIG PART in it, He was TV Preacher.. Without constantly media coverage he wouldn be famous at all… if they want him “dead”, they would done something like they are now doing to Ron Paul…
If you want to deny the power of the Agenda controlled Media. Just look who’s president of the US
3.
“should not lead us to ignore the fact, that the christian Right views Jews as Christians 2nd class, while many Israeli view the C.R. as dangerous ”
I think the “opposite” way comes closer to the truth!
The Jewish right views Christians as Gentiles second class, while many people view the Jewish right as dangerous…
Not the best source.. , but read That: xymphora.b...
And for the gentile hate thing visit jdate.com ;) Or read the Babylonian Talmud…
@ transwarp
1. Regarding theological roots - interesting article, thanks! Anyway, i won’t argue that there’s no contempt on part of extremist jews, regarding christianity - but what about the other side? Matthew 24:21? Great Tribulation, dispensationalism?
What i’m driving at is that I think you will find extremist, who see the other religion as inferior, on both sides.
2. Ok, if you couch it that way, then it’s ok with me. There’s not much difference, i agree. Quite good summed up in “Peace, Propaganda & Promised land”.
video.goog...
I won’t dispute the power of the mainstream media, too - how could I? I mean, its obvious, isn’t it?
I just got that wrong about “liberal media”, because i can’t see where e.g. FOX is “liberal”…
3. Sure, as I wrote in point 1 of my answer - I won’t dispute the danger of the jewish/ israeli far right. But again, what about the extremists within their “allies”? Let’s take John Hagee as an example.
He wrote: “It was the disobedience and rebellion of the Jews, God’s chosen people, to their covenantal responsibility to serve only the one true God, Jehovah, that gave rise to the opposition and persecution that they experienced beginning in Canaan and continuing to this very day…. [...]” ( “Jerusalem Countdown: A Prelude To War”, paperback edition, pages 92 and 93 )
talk2actio...
So, to sum it up, he says that jews themselves are fully responsible for antisemitism and all that - which is in fact an antisemitic point of view, I think. He furthermore advocates war in the middle east, a war he knows will probably destroy Israel and kill millions of people, and he justifies all that with biblical prophecies. And wasn’t ist the case, that the only ones who will survive, will be jews who convert to christianity? So what seems as judeaophilia, would in fact be a very dubious view on jews in general.
Again, what i’m driving at is that I think there’re extremists, who perceive their own religion as superior, on both sides. But who uses whom? I think both sides try that…
Über die Toten nur Gutes?
Jerry Falwell ist tot.
Gut.