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  • Bolognese mit studentischem Hackfleisch

    geschrieben am 18. Dezember 2009 von Spiegelfechter

    Früher betrat ein junger Mann im Regelfall im Alter von 21 Jahren zum ersten Mal eine Universität. Heute verlässt eine junge Frau im Regelfall im Alter von 21 Jahren schon wieder die Universität, sie wurde mit fünf Jahren eingeschult, durch das Turbo-Abi geprügelt und dann an einer Bachelor-Schule im Schnellgang mit halbgarem Wissen vollgestopft. Angeblich soll diese Instant-Bildung im Schnelldurchlauf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland steigern. Ein Freund von mir, der stolze 24 Semester an der Uni verbrachte, sie aber dafür gleich mit drei Diplomen verließ, kann darüber nur bitter lachen. Heute leitet der “Bummelstudent” die Entwicklungsabteilung eines großen mittelständischen Maschinenbauers und klagt über immer unqualifiziertere Jungakademiker, die für viel Geld und mit hohem Zeitaufwand erst einmal betriebsintern nachgeschult werden müssen, so das denn überhaupt noch möglich ist.

    Der gute alte Dipl. Ing., um den die ganze Welt das deutsche Bildungssystem beneidete, wurde durch den wohlklingenden Bachelor of Engineering ersetzt. Während der gute alte Hausmeister heute zwar auch Facility-Manager heißt, sonst aber genauso gut oder schlecht ausgebildet ist, sind die jungen Bakkalaurei, die heute die Universitäten verlassen, leicht verdauliches, aber wenig gehaltvolles studentisches Hackfleisch, das durch den universitären Wolf gedreht und zu einer Bolognese verarbeitet wurde, die vor allem den Wirtschaftsverbänden mundet.

    Sündenfall Bologna

    Am 19. Juni 1999 unterschrieb der deutsche SPD-Politiker Wolf-Michael Catenhusen zusammen mit den Vertretern 29 weiterer Staaten die sogenannte Bologna-Erklärung. Die europäische Bildungspolitik sollte im Hochschulbereich harmonisiert werden, um die Beschäftigung von Akademikern im Ausland zu erleichtern. Sicher, so mancher deutsche Personalchef war mit der Beurteilung, was eigentlich so ein litauischer Kandidat Nauk genau ist, überfordert. Dass allerdings ein ausländischer Arbeitgeber nennenswerte Probleme mit einem deutschen Diplom-Ingenieur oder einem Diplom-Volkswirt gehabt hätte, war auch vor Bologna nicht bekannt.

    Mit Bologna haben sich allerdings nicht nur die Abschlüsse verändert, es wurden auch die Regelstudienzeit massiv verkürzt, die Wahlmöglichkeiten noch weiter eingeschränkt, das Studium verschult und die Kommerzialisierung des Studiums vorangetrieben. War früher das Diplom der Standardabschluss, so ist dies heute in der Regel nicht der Master, der dem Diplom in etwa entspricht, sondern der Bachelor, eine Art erweitertes Vordiplom. Während ein Vordiplom aber automatisch zur Teilnahme am Hauptstudium berechtigte, müssen sich die Bakkalaurei von heute um ihre Master-Studiengänge bewerben und nicht jeder Bachelor darf auch Master werden. Wettbewerb heißt das Zauberwort, das heute ja bereits im Kindergarten eingeführt wird.

    Abschaffung der Universitäten

    Verschultes Studium, kürzere Studienzeit, mehr Praxisorientierung und Wirtschaftsnähe ? das gab es aber früher doch auch schon. Richtig, was heute Standard an den Universitäten und Hochschulen ist, galt früher für die Fachhochulen, die ein integraler Bestandteil des deutschen Bildungssystem waren. Der Zusatz FH oder TH hinter dem Titel besagte früher, dass der Absolvent sich zwar besser mit der betrieblichen Praxis auskennen sollte, dafür aber weniger theoretischen Ballast mit sich herumträgt. Für Forschung und Entwicklung waren diese Absolventen zwar weniger geeignet, und der Titelzusatz schlug sich auch negativ auf der ersten Gehaltsabrechnung nieder, aber in der Praxis wird nun einmal ein Großteil der Akademiker eher als besserer Sachbearbeiter eingesetzt und dafür taugten die alten FH-Abschlüsse eher, als die modernen Bachelor-Abschlüsse. Problematisch ist indes, dass man durch die “Verfachhochschulung” der Universitäten sich ohne Not der akademischen Oberschicht entledigt hat. Es ist nun einmal unstrittig, dass ein Jungakademiker mit breitem theoretischen Hintergrund, der weit über sein Spezialfach hinausgeht, nicht nur in der universitären Forschung, sondern auch in relevanten Bereichen der Wirtschaft alternativlos ist.

    Humanismus adé

    Doch Bildung ist mehr als nur die Produktion effizienter Mitglieder für den Wirtschaftsprozess. Eigenständiges, kritisches Denken ist ebenso ein Ideal des Humanismus, wie es die Aufklärung und eine möglichst breite Bildung sind. Wie soll ein junger Mensch aber im Turbo-Schleudergang des Schul- und Hochschulbetriebs überhaupt die Möglichkeit haben, ein kritischer und eigenständiger Denker zu werden? Wer das Bildungssystem an die vermeintlichen wirtschaftlichen Interessen anpasst, erntet genau das, was er sät ? Technokraten und Fachidioten, die nicht über den Tellerrand blicken können.

    Eine weitere Novität des deutschen Bildungssystems ist dessen abnehmende soziale Durchlässigkeit. War es früher noch relativ einfach, auch als Arbeiterkind zu höchsten akademischen Weihen zu kommen, so ist der Zugang zum Akademikerkreis heute eher eine inzestuöse Veranstaltung. Wer hat, dem wird gegeben und ohne potente Eltern im Hintergrund ist ein Studium kaum noch möglich. Nicht nur die hohen Studiengebühren, die keinesfalls zu besseren Lernbedingungen geführt haben, sondern vor allem der massiv gestiegene Zeitdruck ist eine hohe Hürde für Studenten aus weniger vermögenden Familien. 45 Stunden Studium pro Woche, bei sechs Urlaubswochen im Jahr und einer Woche Krankheitsausfall, so sieht es die deutsche Bologna-Implementation vor ? für Nebenjobs ist da kein Raum und auch Studenten mit Nachwuchs oder Erkrankungen werden von Bologna plattgebügelt.

    Widerstand in Warteschleife

    Dem Widerstand der Studenten ist derweil die Luft ausgegangen. Nachdem sich Universitäten, Länder und der Bund anfangs gegenseitig den Schwarzen Peter zuschoben, haben sich die Kultusminister nun auf eine Haltetaktik eingeschworen. Partielle Korrekturen wurden zwar in Aussicht gestellt, ob und wie sie dereinst umgesetzt werden, erleben die momentan streikenden Studenten aber erst nach ihrem Turbo-Studium ? für sie ändert sich nichts. Dafür hat die Politik den unzufriedenen Studenten allerdings den öffentlichen Wind aus den Segeln genommen, ohne ihre Kernforderungen überhaupt anzugehen.

    Wie es mit den Protesten weitergehen soll, wollen die Studenten an diesem Wochenende in Potsdam diskutieren. Lenken sie ein, wird das Problem auf die lange Bank geschoben, wobei die Aussicht auf eine Problemlösung, die den Wünschen der Studenten entspricht, gegen Null geht. Setzen die Studenten ihren Widerstand auch im nächsten Jahr fort, wird ihnen die bislang vorherrschende Sympathie der Medien wohl entzogen werden, schließlich hat die Politik ja ein Angebot gemacht. Auch die Unterstützung der pragmatischen Mitläufer bei den Protestaktionen steht zur Disposition. Dies liegt auch an den diffusen Forderungen der verschiedenen Gruppen. Während die “normalen” Studenten “nur” einen besseren Zugang zum Master-Studium und eine Entschlackung und Entschleunigung ihres Studiums wollen, geht es den Basisgruppen um eine ideologische Revolution des Bildungssystems. Zumindest in diesem Punkt hat sich zwischen “früher” und “heute” nichts geändert.

    P.s.: Den Inhalt der Proteste hat der Leser “janfrie” im Kommentarbereich ausführlich aufgezählt.

    Jens Berger

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    Tags: Bildungssystem Deutschland
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    219 Kommentare:

    1. Vivi schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:02 - Permalink

      Es ist nur treffend, dass sich bei uns an der HU Berlin, ganz den Namensgebern nach, der Widerstand stark manifestiert. Das Kippen der Anwesenheitspflicht im Bachelor ist, wie nach der letzten Vollversammlung verlautet, schon fast sichere Sache. Möge das nicht der einzige Schritt bleiben, und die Studentenschaft nicht so lethargisch wie in großen Teilen Deutschlands werden.

    2. Sandsturm schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:05 - Permalink

      Da ich sowohl Diplom als auch einen Master habe denke ich das ich den Wechsel recht gut beurteilen kann. Und mir ist dabei aufgefallen das sehr viel gemeckert wird (das Lieblingsfach der Deutschen) aber wenig selbst gemacht wird. Ich meine man kann auch bei den neuen Studiengängen soviel lernen man will oder so wenig lernen um durch die Prüfung zu kommen. Es liegt wie schon vorher bei einem selbst.
      Ich find die Dinger insofern gut das diese “Gebildetenhirarchie” zwischen Uni und FH abgeschafft wurde und kann selbst bei näherer Betrachtung keine Probleme feststellen. In dem Fall das jemand 3 Master (in Analogie zu den 3 Diplomen) machen möchte kann sich mich ja einfach noch einmal einschreiben was ich demnächst mit einem MBA auch machen werde. Zugangsbeschränkungen gabs auch “n der “guten alten Zeit” zu genüge. Ach so und nur damit keine Zweifel aufkommen – ich hatte trotz allem ein Privatleben und hab zusätzlich Fächer belegen können die mich interessieren – Organisation ist alles.
      Das einzige was mich stört sind die dämlichen Anglizismen aber damit muss ich wohl leben.

      Dieses ganze Gemeckere ist eine Mischung auch Ärger über verlorene Privilegien zum einem und über eigene fehlende Flexibilität zum anderen – für wen ein Studium zu schwer ist der soll es lassen. Ach ja und neben meinem Master hab ich noch etwa 30 Stunden im Monat nebenbei gearbeitet um ihn mir zu finanzieren – der Master war nicht leicht zu machen aber das soll er auch nicht sein – wer zu faul (oder zu doof) dazu ist der kann ja ne Ausbildung machen – man braucht auch in der Wissensgesellschaft noch Elektriker und Einzelhandelskaufleute.

    3. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:17 - Permalink

      @Sandsturm

      Darf ich fragen, wann und wo (ich meine damit FH/TH oder Uni/TU) Du Dein Diplom gemacht hast?

    4. Sandsturm schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:19 - Permalink

      @Spiegelfechter

      An der FH das Diplom und an der TU den Master.

    5. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:22 - Permalink

      @Sandsturm

      Na, das dachte ich mir. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren ;-)

      Die (alte) FH war ja auch in (fast) jeder Form mit dem neuen System kompatibel, was ich ja auch schreibe.

    6. 166mhz schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:31 - Permalink

      Was am Prostest der Studierenden verwundert, ist meiner Meinung nach, dass die Bologna-Ziele überhaupt nicht wirklich in Frage gestellt werden. Was gefordert wird – und deshalb stößt der Protest bei den Handlangern unserer Wirtschaftseliten die wir Politiker nennen auf offene Ohren – ist, dass man von Staatswegen Bedingungen schafft, um die Bologna-Ziele besser/schneller/angenehmer zu erreichen, weil dies momentan mitunter nicht wirklich oder nur unter hoher Kraftanstrengung möglich ist, was nicht im Sinne der Erfinder war.

      Wenn man Bologna kritisieren will, muss man das System dahinter kritisieren. Und dann landet man beim Staat im Kapitalismus.
      Bologna war der – wie ich als noch-Magister-Student eindrücklich erkennen kann – geglückte Versuch, die Konkurrenz unter den Studierenden zu verschärfen, damit diese schneller zu einem Abschluss kommen und als wichtigste Ressource des Staates diesem und der angeschlossenen Wirtschaft zur Verfügung stehen, zum Standortfaktor werden und Mehrwert produzieren. Gleichzeitig werden dabei natürlich Kosten reduziert und allenfalls dort erhöht, wo die frischen Absolventen – wie richtig festgestellt wurde – in den Unternehmen noch nachgeformt werden müssen, um den Bedarfen zu entsprechen.

      Die mit Bologna verschärfte Konkurrenz wird u.a. auch mit Studiengebühren hergestellt. Diese führen jedoch keineswegs zu sinkenden Studienanfängerzahlen – das wäre ja auch nicht im Interesse des Staates und seiner Volkswirtschaft. Der Druck auf die Arbeitsmarktressource von morgen ist bereits jetzt so groß, dass sich die Kreditinstitute freuen, wie viele Darlehen sie an gerade mal Volljährige verteilen können, die das alles in Kauf nehmen, weil sie sonst ja nichts werden in dieser Welt.

      Mit Humanismus und Humboldt sollte man also nicht zu Felde ziehen. Die passen einfach nicht ins ganz große Gesamtkonzept.

    7. DJ Doena schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:34 - Permalink

      Heute leitet der ?Bummelstudent? die Entwicklungsabteilung eines großen mittelständischen Maschinenbauers und klagt über immer unqualifiziertere Jungakademiker, die für viel Geld und mit hohem Zeitaufwand erst einmal betriebsintern nachgeschult werden müssen, so das denn überhaupt noch möglich ist.

      Auf der anderen Seite klingt das aber auch sehr kapitalistisch. Der Bummelstudent erwartet, dass seine neuen Mitarbeiter von der Uni auf Staatskosten fertig ausgebildet werden und sie ihn bloß keinen Cent mehr als unbedingt nötig kosten sollen.

    8. jan müller schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:42 - Permalink

      @sandsturm

      was hast du studiert?

      ich will nicht nerven, aber ich schreibe gerade meine diplomarbeit in mathe und bekommen mit(als tutor) was bachelor studenten an der uni so alles aufgebürdet wird, das ist wirklich extrem.
      ein großteil der prüfungen ist schriftlich und zur zulassung wird fast immer ein schein verlangt.
      bei manchen profs. sind die übungsaufgaben so heftig das nur 30 prozent den schein überhaupt schaffen.
      das war früher anders da man sich vorallem im hauptstudium(diplom) unangenehme vorlesungen und scheine einfach durch eine andere vertiefungslinie oder fächerwahl vom hals schaffen konnte.

      gruss

    9. Volker Birk schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:51 - Permalink

      Das Abschaffen der Bildung und das Ersetzen durch Ausbildung vollstreckten keinesfalls zufällig Neokonservative z.B. aus dem Seeheimer Kreis.

      Die Gegenaufklärung hat ihren Machtzenit erreicht – dazu passend gibt es die Abschaffung des Sozialstaates, die Umwandlung des freiheitlichen Rechtsstaates in paternalistische Überwachungsorgien sowie die einzigen Grossveranstaltungen, die noch Millionen von Jugendlichen bewegen: die Kirchentage.

      Der einzige Punkt, wo’s ein wenig kriselt, ist in der wohl als gescheitert gelten müssenden Gleichschaltung der Presse zu finden (die sonst jegliche Göbbels’sche Vision übertroffen hätte): das Netz substituiert hier oft besser, als sich jeder Printout-Ersteller der Agenturmeldungen von gestern hat träumen lassen.

      Kann man die Akademia durch Streik an der Hochschule zurückbekommen?

      Viele Grüsse,
      VB.

    10. SubcommandanteMarkus schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:53 - Permalink

      Ich lehne Bologna auch diversen Gründen ab, aber genau wie Sandsturm finde ich es außersonderlich positiv das die alte Trennung zwischen FH und Uni zumindest aufgeweicht wird, und zumindest in Sachen Abschluss nicht mehr existent ist.

      Das ganze ist natürlich völlig falsch umgesetzt in dem man sich tatsächlich hin zu mehr “Output” in kürzerer und weniger Qualität “reformiert” hat , also ganz im neoliberalen Zeitgeist.

      Man hätte von vornherein ihn bestimmten Bereichen(also alles außer BWL, das ist es nicht nötig:-) ) , auf vierjährige Bachelor gehen sollen, die ja durchaus möglich sind, und bei den Curricula einen gewissen Spielraum geben sollen ob man nun mehr in Richtung Forschung oder Praxis tendiert, natürlich soweit das in dem Fachbereich überhaupt sinnvoll ist, den ich behaupte mal das viele Studienanfänger das von erst während des Studiums entscheiden können, weil sie einfach oft mit falschen Vorstellungen hineingehen
      Die Möglichkeit eines Bachelors an der FH und eines MAster an der Uni ist ein Anfang aber eben relativ inkonsequent.

      Das ist jetzt natürlich nur ein Teilaspekt der Reform das allermeiste ist schlicht grundsätzlich anzulehnen.

    11. ppp schrieb am 18. Dezember 2009 um 19:55 - Permalink

      Zitat der Rektorin der Uni-Potsdam zu den Protesten:

      “Was akzeptable Lehrbedingungen sind, entscheide ich.”

      SF schrieb:

      “Dies liegt auch an den diffusen Forderungen der verschiedenen Gruppen.”

      Ohja, war auf der Demo am 17.11 in Berlin überaus idealtypisch zu beobachten….

    12. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:30 - Permalink

      @DJ Doena

      Auf der anderen Seite klingt das aber auch sehr kapitalistisch. Der Bummelstudent erwartet, dass seine neuen Mitarbeiter von der Uni auf Staatskosten fertig ausgebildet werden und sie ihn bloß keinen Cent mehr als unbedingt nötig kosten sollen.

      Er erwartet, dass die Absolventen der steuerlich finanzierten “Bildungsfabriken” ein Mindestmaß an Qualifikation haben … ja. Ist das kapitalistisch?

    13. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:33 - Permalink

      @SubcommandanteMarkus

      Ich lehne Bologna auch diversen Gründen ab, aber genau wie Sandsturm finde ich es außersonderlich positiv das die alte Trennung zwischen FH und Uni zumindest aufgeweicht wird, und zumindest in Sachen Abschluss nicht mehr existent ist.

      Und was soll das bringen? Das ist doch Egalitarismus zulasten der Unis. Warum sollte es denn kein zweigleisiges Hochschulsystem mit verschulten FHs für die Wirtschaft und akademisch anspruchsvollen Unis für den Rest geben?

    14. Hiramas schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:39 - Permalink

      Ich habe selber protestiert.
      Viel erschreckender als die üblichen politischen Allgemeinplätze und Luftsäcke der Politik hat mich die Teilnahmslosigkeit vieler Kommilitonen erschreckt.
      Leute die sich nur darum kümmern mit ihrem Stoff durchzukommen.
      Aber wer kanns ihnen verdenken?

      Die Kommerzialisierung der Bildung und vor allem der Bildungschaffenden ist eine Bedrohung der Freiheit und Vielfalt in unserer Gesellschaft.
      Stichwort hier: “LUBOM” die “Leistungs- und Belastungsorientierte Mittelverteilung”
      Gibts nicht mal n Wiki-EIntrag zu.

      Infos:
      http://www.studierendenrat.de/lubom
      http://www.youtube.com/user/erfurtbrennt#p/a/u/0/xi3M3haYOe8
      http://www1.bpb.de/publikationen/0L31AD,0,Unternehmen_Universit%E4t.html

      Es heißt, das unsere Uni wohl ein zehntel des Budgets verlieren wird mit diesem System.
      12 Lehrstühle stehen auf der Kippe, was den Wegfall mehrere Studiengänge bei uns bedeuten würde.
      Das ist übelster Raubkapitalismus der da eingeführt wird.

      Und wen wundert es denn dann, wenn sich unsere Proteste am Enge gegen das System in unserem Land richten?
      Um jedoch überhaupt was ausrichten zu können bleibt uns nur das Einschwenken auf Forderungen, die sich innerhalb des Systems erreichen lassen.
      Wie halt die Abschaffung der Anwesenheitspflicht und die Verlängerung der meisten Bachlor-Studiengänge um 2 Semester bei gleichbleibender Creditsanforderung.

      Wir hatten schon mit Mitstudenten genug Probleme.
      Weitere Protestaktionen sind nach den Alibi-Beschlüssen der Regierungen wenig populär und aussichtsreich.
      Aber was bleibt uns anderes übrig?
      Es geht uns nicht um primär um mehr Freizeit oder ähnliche Studenten-Vorurteile.
      Es geht darum wieder ein qualitativ hochwertiges Studium zurückzubringen.
      Selbst wenn wir was Erreichen würden uns wird es sowieso nichts mehr bringen.
      Bis die Umstellungen überhaupt angegangen werden, sind wir fertig mit Studieren.
      Auch Punkte die die Öffentlichkeit mal bedenken sollte.

    15. Matze schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:43 - Permalink

      Einerseits:

      Heute leitet der ?Bummelstudent? die Entwicklungsabteilung eines großen mittelständischen Maschinenbauers und klagt über immer unqualifiziertere Jungakademiker, die für viel Geld und mit hohem Zeitaufwand erst einmal betriebsintern nachgeschult werden müssen, so das denn überhaupt noch möglich ist.

      Anderseits:

      …wenig gehaltvolles studentisches Hackfleisch, das durch den universitären Wolf gedreht und zu einer Bolognese verarbeitet wurde, die vor allem den Wirtschaftsverbänden mundet.

      Das verstehe ich nicht ganz. Existiert denn der Abteilungsleiter in einer anderen Wirtschaft als die Wirtschaftsverbände?
      Oder anders ausgedrückt – was erfreut die Wirtschaftsverbände an unqualifizierten Absolventen?

    16. Kapiernix schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:44 - Permalink

      Auch ich studiere an einer TU mit Dipl.-Ing. als Ziel und so bekomme ich das Geschehen momentan mit, oder auch nicht !? Und auch an meiner Uni gibt es ‘Streikende’, die das Audimax besetzen. Mir stellt sich jedoch immer wieder die Frage, was diese Studenten eigentlich genau fordern bzw. ob sie überhaupt selbst wissen, was sie wollen. Mir drängt sich eher der Gedanke auf, dass viele Studenten und gar Studentengruppen, die aktiv am Streik teilnehmen, eher eine Art Trittbrettfahrer sind und (neben den durchaus sinnvollen Forderungen nach mehr Selbstbestimmung im Studium, weniger Prüfungen etc.) versuchen total irrelevante oder fantastische Ziele durchzusetzen. Zudem scheint die Gruppe der Streikenden schlecht organisiert zu sein und sich nicht mit der Materie auseinander gesetzt zu haben. Forderungen nach Dingen die es schon lange gibt oder nach längeren ‘Öffnungszeiten’ der Hörsäle, Bibliotheken und der Cafeteria sorgen bei vielen Außenstehenden für Unverständnis. Zudem wollen die Streikenden den angebotenen Dialog mit der Universitätsleitung nicht annehmen und sorgen im besetzten Hörsaal für Saustall-Feeling und generell für ca. 1000? Kosten täglich, die viel besser für Lehre und Forschung verwendet werden könnten.

      Alles in Allem vermisse ich einige Dinge, die ich normalerweise mit studentischen Forderungen in Verbindung bringe und stelle den Sinn des Streiks zumindest an dieser Uni in Frage.

    17. SubcommandanteMarkus schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:52 - Permalink

      @Spigelfechter

      Was sollte denn im Gegenzug eine institutionelle Trennung bringen ?

      Die Trennung ist auch nicht immer so scharf wie du sie darstellst weder inhaltlich noch institutionell und es gab ja so einige bindende Glieder wie das Diplom1 und Diplom2 , denn es ist doch sinnvoller wenn ein Student sich während des Studiums anhand seiner Kurswahl entscheiden kann in welche Richtung er geht, weil er es dann auch viel besser beurteilen kann, anstatt es nach dem Abi allein von der Wahl der Hochschule abhängig zu machen. Zumal ja auch die ersten Semester sich ohnehin sehr ähneln.

    18. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 20:56 - Permalink

      @Matze

      Auf diesen Widerspruch wollte ich ja eben hinweisen. Vielleicht habe ich das nicht klar genug formuliert.

    19. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 21:01 - Permalink

      @Hiramas

      Auch das war damals als ich studiert habe schon genauso. Auf der einen Seite gab es das große Heer von Angepassten, denen zwar vieles nicht gepasst hat, die sich aber auch nicht kritisch einbringen wollten. Auf der anderen Seite die Basisgruppen, denen es vor allem um den Weltfrieden, die Weltrevolution und die Zapatisten in Mexiko ging und die jeden konstruktiven Widerstand durch endlose basisdemokratische Unfugdebatten verunmöglicht haben. So viel hat sich auch hier offensichtlich nicht geändert.

    20. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 21:03 - Permalink

      @Kapiernix

      Wobei man auch erwähnen sollte, dass viele der “Streikenden” gar keinen Studentenausweis haben ;-)

    21. Spiegelfechter schrieb am 18. Dezember 2009 um 21:07 - Permalink

      @Subcommandante Markus

      Sicher – das gab es aber doch früher auch auf der Uni. Ich konnte da ziemlich frei kombinieren und mich erst in letzter Minute entscheiden, in welchem Fach ich denn nun meinen Abschluss machte. Derlei Flexibilität hat Vor- und Nachteile. Ich kann mir aber kaum vorstellen, wie so etwas in einem verschulten System überhaupt möglich sein soll.

    22. Gebintit schrieb am 18. Dezember 2009 um 21:33 - Permalink

      Ich hatte auch noch das Privileg, mir für das Studium meiner drei Fächer relativ lange Zeit zu lassen. Damals war dies die Regel und das Eintrittsalter in den Beruf war im internationalen Vergleich recht hoch, auch bei mir. Ich denke schon, dass dies volkswirtschaftlich ein Luxus ist, den man sich nicht auf Dauer leisten kann, vor allem nicht vor dem Hintergrund der bekannten demografischen Entwicklung.

      Das Problem der vielen Bildungsreformen der letzten Jahre, die ich vor allem an der Schule hautnah miterleben durfte/musste, war weniger das falsche Ziel, als die überstürzte und mangelhaft unterstützte Umsetzung.

      Richtig spannend wird es, wenn die bevölkerungsstarken Bundesländer ihre Doppeljahrgänge durch das Abitur schleusen. Die werten Politiker sollten wenigstens so fair sein, diese Herausforderung finanziell ausreichend zu unterstützen. Danach sieht es aber nicht aus, mit den üblichen Tricks werden die Bildungsausgaben schön gerechnet (z.B. indem man Ausgaben für die Beamtenpensionen als Bildungsausgaben verbucht etc.). Oft wird sogar in dieser Ausnahmezeit an der Bildung gespart. Unserer Gemeinde, z.B., will, trotz des historischen Schülerpeaks im nächsten Jahr (auf absehbare Zeit werden in BaWü nie wieder so viele Schüler auf den Gymnasien sein, wie in den nächsten beiden Jahren) den Schuletat um 10 % kürzen.

    23. Ex FHler schrieb am 18. Dezember 2009 um 21:36 - Permalink

      Wie auch immer die Forderungen lauten und wie berechtigt sie auch sein moegen – wenn ich lese und sehe (ohne das verallgemeinern zu wollen) was in Frankfurt passiert ist fehlt mir jegliches Verstaendnis und dann interessieren mich die Forderungen ueberhaupt nicht mehr.

    24. DasblauevomHimmel schrieb am 18. Dezember 2009 um 21:49 - Permalink

      Hallo,
      ich bin selbst ein Kind der Reform und habe im diesem Jahr meinen Bachelor nach 7 Semestern abgeschlossen und nun meinen Master begonnen.
      Zu der heiß diskutierten Reform habe ich eine gespaltene Meinung.
      An meiner ersten Universität war ich der erste Jahrgang und das Bild der Versuchskaninchen passt hier sehr gut, da während meiner Studienzeit die Prüfungsordnung gleich mehrmals geändert wurde, Professoren selbst nur unzureichend informiert waren und der Prüfungsdruck oft sehr hoch war. Die Entscheidung meinen Bachelor in sieben Semester abzulegen habe ich bewusst getroffen, um für bestimmte Fächer intensiver lernen zu können und auch mal den Blick auf andere Inhalte “schweifen” zu lassen. Dies wurde mir allerdings erschwert bzw. war oft nicht möglich, da ich nur die geforderten 180 Creditpoints ablegen durfte und keine Prüfung zusätzlich! Auch ein Ausladsaufenthalt war kaum möglich, da die dort abgelegten Prüfungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht angerechnet worden wären. So viel zur Internationalität.

      Was mich wirklich stört ist der stark beschränkte Zugang zum Master. In meinem Studienfach ist es theoretisch noch möglich auch nach dem Bachelor in das Arbeitsleben zu starten, in vielen anderen Fächern ist dies aber kaum möglich, da sonst der theoretissche Unterbau fehlen würde.
      Während meiner Bewerbung zum Master habe ich unzählige Motivationsschreiben in unterschiedlichsten Sprachen verfasst, Bewerbunggespräche geführt und hätte an einer Universität sogar ein Assessment-Center durchlaufen müssen. Geplatzt bin ich bei der Frage wie ich denn mein Masterstudium finanzieren wolle, da man nur Studenten wünsche, die sich komplett auf ihr Studium konzentrieren würden ohne nebenher zu arbeiten.

      Ich habe meinen Wunschstudienplatz bekommen. Ich bin an eine andere Universität gewechselt und habe auch meinen Studienschwerpunkt etwas verschoben, was mir im Diplom nicht ohne weiteres Möglich gewesen wäre. Ich bin froh darüber.

      Zum Abschluss: Auch an meiner Universität wurde und wird protestiert, allerdings schießen die Forderungen weit über das Ziel hinaus (meiner Meinung nach) und ich habe mich entschlossen nicht an den Protesten teilzunehmen. Ich werde mich an meiner Universität engagieren, um den bestehenden Studiengang weiter zu verbessern halte aber nichts von einer grundlegenden Umwälzung.

    25. SubcommandanteMarkus schrieb am 18. Dezember 2009 um 22:33 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Ja da hast du natürlich recht so wie das ganze umgesetzt wurde ist es nicht viel wert.

    26. kenji schrieb am 18. Dezember 2009 um 22:40 - Permalink

      ich kann als student eins sagen:

      ich studiere an der uni karlsruhe und bin froh bald mein Diplom in VWL in Händen halten zu können. Ich weiß von meiner uni, dass man sich gegen die umstellung auf bachelor/master gesträubt hat. die uni karlsruhe war immer sehr stolz auf ihr diplom und das zurecht.
      ich finde auch, dass das studium an sich sehr gut organisiert war und man sehr interdisziplinär aufgestellt ist. ich hoffe, dass sich durch die fusion der uni mit dem forschungszentrum karlsruhe ( nun heißt das ganze werk: KIT-karlsruhe institute of technology ) für die studenten nich allzuviel ändert.

      eins vermisse ich allerdings schon: meine komilitonen sind mir in politischen und wirtschaftlichen fragen viel zu unkritisch. ich habe manchmal den eindruck, dass viele davon träumen, eines tages lobbyarbeit für ein unternehmen machen zu können. :-(

    27. harey schrieb am 18. Dezember 2009 um 22:45 - Permalink

      Ein Einwurf von naturwissenschaftlicher Seite:

      Ich hatte das Glueck mein Physik-Studium kurz vor der grossen Bologna-Reform abzuschliessen. Wir haben damals die ganzen Planungen fuer die neuen Bachelor/Master – Regelungen mitbekommen. Ich kann das fuer andere Fächer und Gebiete nicht bewerten, aber fuer Physik ist ein Bachelor (in etwa das was frueher mal das Vor-Diplom war) völlig nutzlos. In den Naturwissenschaften ist es eben so dass es man sich erst qualvoll in die Grundlagen einarbeiten muss bis man entlich etwas “richtiges” lernen kann. Und nach dem Bachelor hat man sich gerade mal so in die Grundlagen eingearbeitet, das ist eine gute Vorbereitung fuers Physik-Studium, sonst aber völlig nutzlos. Damit kann man nicht Ingineur werden, denn dazu hat man vielzuviel Theorie und viel zuwenig “Praktisches” gelernt (wenn man Glueck hat kann man löten, aber dasist ja auch nicht soo gefragt). Von moderner Physik versteht man auch nichts, denn man hat sich ja gerade erst dazu vorbereitet “richtige” Physik zu lernen. Lehrer könnte man damit vielleicht werden……… aber Lehrer studieren ja auf Lehramt.

      Uebrigens hatte ich noch nie Probleme mit meinem Diplom, es wurde ueberall ohne viele Fragen anerkannt.

      Aber da die meisten Unis ja inzwischen von “Leuten aus der Wirtschaft” und Unternehmensberatern betreut werden hat wohl niemand bei den Professoren oder sonst irgendjemanden der sich in den betreffenden Fächern auskennt nachgefragt.

    28. Kapiernix schrieb am 18. Dezember 2009 um 23:18 - Permalink

      @ harey

      Der Zweck die Leitung der Uni größten Teils in die Hände von ‘Leuten aus der Wirtschaft’ zu legen wird wohl den meißten anderen Menschen verborgen bleiben.
      Meiner Meinung nach wird das dazu führen, dass der Aufgabenschwerpunkt der Unis dadurch von Lehre auf Forschung verschoben wird.
      Und wenn es so läuft, wie bei anderen, einst staatlichen, Unternehmen (DB, Telekomunikation, Post) werden Unis in 5 -10 Jahren komplett privatisiert sein und in 10-20 Jahren könnten Begriffe wie ‘Technische Universität AG’ wohl zum Alltag gehören…

    29. Anna Nym schrieb am 18. Dezember 2009 um 23:28 - Permalink

      Auch als gnädigerweise Noch-Diplomstudent hat mich die Bologna-Reform schon um einiges in meinem Studium gebracht.

      Als die letzten Diplomjahrgänge noch im Grundstudium waren, gab es noch genug Diplomer und Veranstaltungen für sie, aber uns fehlten die Grundlagen, um die Hauptstudiumsveranstaltungen schon sinnvoll und zielführend besuchen zu können.

      Als wir ins Hauptstudium kamen, konzentrierten sich die Anstrengungen schon auf die Bachelor-Einführung, die Diplomveranstaltungen wurden zwar noch angeboten, aber uns schwante allen, dass das nicht mehr von langer Dauer sein würde. So besuchten wir fast zwanghaft alles, was uns nützlich und zielführend erschien, studierten streng nach Prüfungsordnung und rafften gierig die nötigen Scheine zusammen. Ein Studium nach Studienordnung (= ~ doppelte Anzahl Scheine + Forschungsseminar) war in diesem Zeitdruck schon nicht mehr möglich.

      Und tatsächlich: Kaum hatten wir auch nur die nötigen Scheine gesammelt, was durch diverse Curricula-Abfolgen auch bis zu 3 Semester dauerte, brach das Angebot an Veranstaltungen, die auf die Ausbildungs- und Prüfungsinhalte der Diplomer zugeschnitten waren, zusammen. Die letzten Diplomer waren da grade mal im 7. Fachsemester (Regelstudienzeit wie üblich 9 Semester). Den Fachschaftsvertretern wurde bei den Institutssitzungen zwar hoch und heilig versprochen, dass jeder Diplomer innerhalb der Regelstudienzeit + 50% ausreichend Veranstaltungen angeboten bekommen würde, um an seine Scheine zu kommen, aber die Veranstaltungen kann man nur noch als “auch passend” beschreiben, aufgrund der Unterschiede der Bachelor/Master- zur Diplom-Ausbildung bleiben hier wichtige Grundlagen auf der Strecke.

      Nun heißt zwar studieren durchaus auch, die Kompetenz zu erwerben, sich selbst zu bilden, aber ohne die Möglichkeit zur Rückfrage ist das doch ein Spiel ohne Qualität.

      Dass mir mein Traum vom breiten Studium, bei dem ich auch noch Veranstaltungen anderer Fachbereiche besuchen kann, bei der Hektik auf der Strecke geblieben ist, ist meinetwegen persönliches Pech.

      Dass aber die Bachelor als berufsqualifiziert gelten, obwohl ihnen wesentliche Grundlagen fehlen, die dann eben im Master nachgeholt werden (O-Ton Professorin, anhand der Lehrplanung auch nachvollziehbar), ist nicht nur ein Makel, sondern disqualifizierend für das Fast-Food-Studium bologneser Art.

    30. COPOKA schrieb am 18. Dezember 2009 um 23:47 - Permalink

      Was deinen Freund mit drei Diplomen und seine Wahrnehmung von Greenhorns anbetrifft, so ist es nur eine Anwandlung von bekannter Binse: “Früher war alles besser”. Das “Problem” kenne ich seit *zig Jahren – je länger man in einem Fach tätig ist, desto unqualifizierter kommen ihm die Greenhorns vor. Ist also ein reines Wahrnemungsproblem. Schon seltsam, dass er mit seinen Diplomen nicht selber darauf gekommen ist.
      Etwas ernster ist allerdings die Tatsache, dass die Unis auf FH- oder TH-Niveau heruntergezogen werden. Unis dürfen ex Def. keine FACH-Leute, sondern breit gebildete und mehr oder weniger universelle Geister in die Welt setzten. Das “die Wirtschaft” – in der Wahrnehmung der Platzhirsche – sie nicht gebrauchen kann, ist durchaus verständlich.

      ===============
      Noch ‘ne Randnotiz.
      “Kandidat Nauk” ist nicht litauisch, sondern russisch – entspricht in etwa dt. Dr.
      Wissenschaft auf Litauisch heißt Mokslas, auf Russisch – Nauka.
      Kandidat bedeutet in fast allen Sprachen das Gleiche.

    31. firefly schrieb am 19. Dezember 2009 um 01:01 - Permalink

      Was, bitteschön, ist an einem Abitur nach 12 Schuljahren Turbo? Ich hatte nie den Eindruck, dass ich nach 12 Jahren Schule ungebildet gewesen wäre. Ganz im Gegenteil.

    32. janfrie schrieb am 19. Dezember 2009 um 01:25 - Permalink

      @ Artikel Spiegelfechter

      Erstmal danke! Find es wirklich gut, dass du dir die Zeit genommen hast.

      @ 2 sandsturm:

      Zugangsbeschränkungen gabs auch ?n der ?guten alten Zeit? zu genüge

      Was trotzdem kein Argument für NCs ist. Zudem: durch die Stufung gibt es doppelte Zulassungsbeschränkungen: Vor BA und MA. Da ein BA in der Regel auf dem Arbeitsmarkt nicht allzu viel wert ist, braucht es in der Regel auch den MA, damit sich das Studium wirklich ?auszahlt?. Wenn es keine Rechtsgarantie auf einen MA-Platz gibt und sich die NCs womöglich noch während des eigenen BA-Studiums ändern, dann sitzt man erstmal auf dem Trockenen. Mit einem etwas besseren abgebrochenen Studium.

      Ach so und nur damit keine Zweifel aufkommen ? ich hatte trotz allem ein Privatleben und hab zusätzlich Fächer belegen können die mich interessieren ? Organisation ist alles.

      Ach so! Es liegt daran, dass wir einfach nur zu dusselig und unorganisiert sind! Wenn wir das gleich gewusst hätten! Kann man bei dir Kurse in Lebensführung belegen?

      Dieses ganze Gemeckere ist eine Mischung auch Ärger über verlorene Privilegien zum einem und über eigene fehlende Flexibilität zum anderen ? für wen ein Studium zu schwer ist der soll es lassen.

      Bitte! Verlorene Privilegien? Wir demonstrieren doch gerade dafür, dass auch universitäre Bildung kein Privileg einer kleinen Elite sein soll! Bildung ist ein Menschenrecht! Und in der zunehmenden Bewusstseinsverschiebung von ?Menschrecht? zu ?Dienstleistung/Ware? liegt doch genau das Problem. Wir wollen keine Privilegien einer ?Leistungselite?, wir wollen eine privilegienfreie Bildung!

      Wer zu faul ist oder zu doof…

      Elite stinkt! Es ist im interesse der Gesellschaft, gut gebildete, kritische und reflektierte Menschen zu erziehen. Und zwar möglichst viele davon. Es bringt da gar nicht, weite Teile der Gesellschaft einfach mit dem Vorwand auszugrenzen, sie seien zu dumm oder zu faul. Zu faul? Nicht jeder hat reiche Eltern. Manche Leute haben vielleicht sogar schon selbst eine kleine Familie, an die sie denken müssen. Zu dumm? Vielleicht. Unser Bildungssystem, dass Kinder mit 10 Jahren in Kategorien abstempelt tut ja auch sein Bestes, damit das so bleibt.

      @ 10 SubcommandanteMarkus

      aber genau wie Sandsturm finde ich es außersonderlich positiv das die alte Trennung zwischen FH und Uni zumindest aufgeweicht wird

      Finde ich im Prinzip auch richtig. Ich würde mir nur wünschen, dass FHs mehr wie Unis werden und nicht anders herum. Praxis und Theorie schließen sich ja nicht aus. Aber Verschulung und Ökonomisierung sollten weder an Unis noch an FHs stattfinden.

      @ 16 Kapiernix

      Mir stellt sich jedoch immer wieder die Frage, was diese Studenten eigentlich genau fordern bzw. ob sie überhaupt selbst wissen, was sie wollen.

      Die kleine Polemik sei mir verziehen, aber mir stellt sich immer wieder die Frage, ob Leute wie du überhaupt mal ernsthaft nach den Forderungen gefragt haben. Vielleicht solltest du genauer suchen? Ich weiß nicht, von welcher TU du kommst, aber hier an der Ruhr-Uni Bochum und an vielen anderen Unis von denen ich weiß wird nicht aus Jux und Dollerei besetzt, sondern um zu arbeiten. Neben Arbeitskreisen, die sich mit Inhalten beschäftigen, gibt es immer wieder alternative Lehrveranstaltungen und kulturelles Programm. Dazu häufig Podiumsdiskussionen mit MdBs, Schülern, Vertetern sozialer Organisationen und manchmal sogar dem Rektor (wenn er sich erbarmt).

      Wenn du nach den Forderungen fragst, will ich dir antworten: Es gibt vielfach sehr ausgearbeitete, konkrete und strukturierte Forderungskataloge, die von einer großen Zahl an Studenten (bei unseren letzten Vollversammlungen zwischen 1500 und 3500) legitimiert sind.
      In Bochum haben wir uns entschieden unsere Forderungen auf die Ebenen Uni, Land und Bund zu gliedern. Bei ersterem geht es um ganz konkrete Sachen wie Lockerung/Abschaffung der Anwesenheitspflichten und Abschaffung der Studiengebühren – was beides mit einem einfachen Senatsbeschluss machbar wäre – oder eine konsequente Beachtung von Datenschutzaspekten.
      Außerdem fordern wir unser Rektorat und den Senat auf, sich mit uns zu solidarisieren und weitere Aspekte auf Landesebene versuchen durchzusetzen.
      Dazu zählen die Angriffe auf die verfasste Studierendenschaft und studentische Mitbestimmung durch Schaffung von durch Wirtschaftsvertreter dominierten Hochschulräten, die inzwischen in NRW das höchste Gremium an den Unis sind. Dazu zählt die Fixierung auf Drittmittel aus der Wirtschaft und die systematische Ausdünnung ?unwirtschaftlicher? Orchideenfächer.
      Auf Bundesebene fordern wir Änderungen an der BaföG-Regelung, bundesweite Tarifverträge für studentisch Beschäftigte usw, sowie die Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen insbesondere zu Master-Studiengängen.

      @ 19 Spiegelfechter:

      Auf der einen Seite gab es das große Heer von Angepassten, denen zwar vieles nicht gepasst hat, die sich aber auch nicht kritisch einbringen wollten. Auf der anderen Seite die Basisgruppen, denen es vor allem um den Weltfrieden, die Weltrevolution und die Zapatisten in Mexiko ging und die jeden konstruktiven Widerstand durch endlose basisdemokratische Unfugdebatten verunmöglicht haben. So viel hat sich auch hier offensichtlich nicht geändert.

      Doch.

      Gerade das ist das Interessante an dem aktuellen Bildungsstreik. Natürlich gibt es einen harten Kern. Aber die Bewegung ist – vor allem durch das Gefühl der bundesweiten und internationalen Gleichzeitigkeit – breit genug, um nicht von einigen Ideologen zur Durchsetzung ihrer persönlichen Agenda gekidnapt zu werden. Natürlich gibt es die Versuche. Interessanterweise ist es gerade die von dir offenbar wenig geschätzte Basisdemokratie, die genau das bei uns auf der Vollversammlung verhindert hat, indem unter anderem ein Punkt zur Verhinderung von Tierversuchen und Ausbau veganer Speisen in der Mensa (die es schon jetzt gibt!) aus den Hauptforderungen ausgegliedert wurde.

      Oft teile ich diese Punkte ja auch. Auch würde ich mir eine kapitalismuskritische gesellschaftliche Bewegung wünschen. Im Bildungsstreik geht es aber zunächst ums Bildungssystem. Und da gibt es genug gemeinsame Nenner unter den Studis, was sich verändern muss. Zu ideologische Ansätze würden viele nur abschrecken und der Bewegung die Legitimität nehmen.

      @ 24 DasBlauevomHimmel

      Danke für die Ausführungen zu den Master-Beschränkungen. Stimme dir da voll zu.

      Allgemein:
      Der Protest ist zwar breit aber nicht oberflächlich. Es geht um weit mehr als längere Öffnungszeiten und zu volle Seminare. Es geht darum, welche Vorstellung von Bildung wir in unserer Gesellschaft haben wollen und welchen Stellenwert wir ihr beimessen. Es geht darum sich dafür einzusetzen, dass es Dinge geben sollte, die zu wichtig und komplex sind, um sie dem eindimensionalem Wert(e)system des Marktes und der Verwertbarkeit zu unterwerfen. Es geht darum, dass Bildung nicht nur Ausbildung – also Mittel – ist, sondern selbst ein Zweck.

      Und das ist nicht marxistisch oder sozialistisch – sondern humanistisch. Eine freie Gesellschaft setzt mündige Menschen voraus. Dafür braucht es eine demokratische, nicht auf Eliten beschränkte Bildung im wahrsten Sinne des Wortes. Wer sich selbst finden und bilden will, braucht aber auch unverzweckte Freiräume. Wer verantwortungsbewusst und zur Freiheit fähig sein will, der muss zunächst einmal Verantwortung für sich selbst übernehmen, ohne dabei von rigiden Regelungen bevormundet zu werden.

      Es geht darum, dass Bildung wieder in erster Linie mit Neugier, Aufgeschlossenheit und Wissensdurst assoziiert wird und nicht mit Standortfaktor, Ressource und Qualifikation für den Arbeitsmarkt.

      Die aktuellen Entwicklungen im Bildungssystem, von denen Bologna an den Unis ja nur ein kleiner Teil ist, stehen eben genau im neoliberalen Geist für die Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Man muss doch wirklich nicht links sein um dagegen kämpfen zu wollen.

    33. Hiramas schrieb am 19. Dezember 2009 um 01:25 - Permalink

      Turbo ist daran,den stoff von vorher 13 jahren in 12 jahren durchzuhauen zu lassen, aber keinem sagen wie das gehen soll. es gab und gibt i nrw keine lehrpläne, keine bücher und keine strategien damit umzugehen. und das wo in wenigen jahren schon der erste jahrgang fertig ist.
      bin ich froh, das ich zu der zeit keinen Studien/Ausbildunsplatz suchen muss.

      edit
      @janfrie
      schöner text… den comment sollte man im artikel verlinken. er fasst sehr gut zusammen worum es uns geht.
      Der Punkt mit der Breite stimmt aber nur halb.
      Es gibt derart viele Leute die vorbeigehen, sich um ihr zeug kümmern und blind wie sie sind dieses gesellschaftsfeindliche Bildungssystem mittragen….

      Ich würde hier gern nochmal an die in den Schulen eingeschlossenen Schüler erinnern.
      Da wurden ganze Schulen verrammelt, damit auch ja keiner der Schüler zu ner Demo laufen konnte und seine freie Meinung äußern konnte.
      Und wer sich geweigert hat und aus dem Fenster geklettert ist, hat Verweise und Mahnungen bekommen.
      Erinnter euch: Wir sind ein Bildungsstreik, kein Universtätsstreik.
      Unser PRotest geht bis hin zu Kindergärten und Vorschulen.
      Gleiche Bildung, gleiche Chancen für alle.
      DAS IST FREIHEIT!

    34. 166mhz schrieb am 19. Dezember 2009 um 01:31 - Permalink

      @ firefly

      Was ist denn daran erstrebenswert, dass wir alle möglichst wenig Zeit in haushaltsmittelverschlingenden Bildungsinstitutionen verbringen? Wo wir doch alle so viel älter werden und uns nun nicht wirklich sorgen müssen, dass die Zeit auf dem spaßbringenden Arbeitsmarkt unbefriedigend kurz ausfallen wird.

      Vielleicht ist das Problem ja einfach, dass sich Menschen in Bildungsinstutionen dem Zugriff als Ressource durch die Wirtschaft entziehen.

      Der normale Bürger hat kein Problem mit gut ausgebildeten jungen Erwachsenen, die bis sie 27 Jahre alt sind studieren. Der Bürger hat erst dann ein Problem, wenn der Staat ihm erzählt, er sei Steuerzahler und das sei sinnlose Verschwendung von Steuerzahlerknete, weil das alles viel schneller und besser geht und man sowieso nur faule langhaarige Soziologen finanziert.

      Die Krankenschwester und der zukünftige Chefarzt. Jaja.

    35. Sandsturm schrieb am 19. Dezember 2009 um 02:21 - Permalink

      @ jan müller (No. 8)
      Biotechnologie – und ich musste für JEDEN Schein eine Prüfung abreißen.
      Allerdings muss ich sagen fand ich es zu leicht – das Problem dabei wenn es zu leicht ist und jeder Hansel durchkommt ist, dass das Studium am Ende weniger wert ist – so ähnlich wie wenn Geld gedruckt wird ohne irgendeine Art der Deckung. Also sei froh das es nicht jeder geschafft hat.

      @ SubcommandanteMarkus
      Ich denke da ähnlich – in vielen Ländern sind 4 Jahre für den Bachelor vorgesehen – das wär eigentlich die einfachste Lösung.

      @Spiegelfechter

      Und was soll das bringen? Das ist doch Egalitarismus zulasten der Unis. Warum sollte es denn kein zweigleisiges Hochschulsystem mit verschulten FHs für die Wirtschaft und akademisch anspruchsvollen Unis für den Rest geben?

      Weil die Zugangsbedingungen anders sind. Es ist nicht so gewesen das ich es mir aussuchen konnte an die FH für den ersten Abschluss zu gehen. So wie du es darstellst ist es jedesmal eine persönliche Entscheidung – der eine mag das und der andere mag dies. Dies trifft bei einem normalen Abi-Absolventen zu aber nicht jeder hat ein gewöhnliches Abitur gemacht.

      @janfrie

      Ach so! Es liegt daran, dass wir einfach nur zu dusselig und unorganisiert sind! Wenn wir das gleich gewusst hätten! Kann man bei dir Kurse in Lebensführung belegen?

      Ich kann nicht für jeden sprechen aber ich kenne ziemliche viele Uniabolventen bei denen das so war. Es gibt aber auch genügend die es in der Regelstudienzeit schaffen.

      Bitte! Verlorene Privilegien? Wir demonstrieren doch gerade dafür, dass auch universitäre Bildung kein Privileg einer kleinen Elite sein soll! Bildung ist ein Menschenrecht! Und in der zunehmenden Bewusstseinsverschiebung von ?Menschrecht? zu ?Dienstleistung/Ware? liegt doch genau das Problem. Wir wollen keine Privilegien einer ?Leistungselite?, wir wollen eine privilegienfreie Bildung!

      Da hab ich kein Problem mit, Bildung ist Menschenrecht und wenn es darum geht den Master für alle zu öffnen und den Bachelor auf 4 Jahre auszudehnen sehe ich kein Problem drinne. Aber ich stehe dieser “Ständeversammlung” a la “Uni ist besser als FH” negativ gegenüber und wer diese Standdünkel wiedereinführen will der hat zumindest nicht MEINE Sympatie (was immer das wert sein mag).

      Elite stinkt!

      Stimmt – das tut sie. Aber ich bin gar nicht Teil der Elite. Ich hab es OHNE Unterstützung von Mami geschafft – andere nicht.

      Manche Leute haben vielleicht sogar schon selbst eine kleine Familie, an die sie denken müssen.

      Stimmt, die gibt es aber die schaffen es auch wenn sie wollen. Und im allgemeinen schaffen sie es sogar besser als Leute ohne Kinder.

      Ich denke das Problem ist ein anderes aber ich will nicht auf ein anderes Thema jetzt kommen. Fakt ist das man es schaffen kann wenn man will – trotz Schwierigkeiten die auftreten können. Aber das man da bereits um 8 in der Vorlesung sitzen muss und nicht erst um 12 Uhr aufstehen kann versteht sich wohl von selber.

    36. Olaf schrieb am 19. Dezember 2009 um 02:44 - Permalink

      Nach wie vor verstehe ich nicht, was an einem 12-jährigen Abitur so schlimm sein soll. Einige Bundesländer mit diesem Abschluss finden sich in Ranglisten immer wieder auf den vorderen Plätzen und was ich tagtäglich erleben kann, bestätigt meine Sicht. Subjektiv hin oder her, ich erlebe Menschen mit 13-Jährigen Abitur öfter als mir lieb ist als Suppenteller, dessen Rand definitiv zu hoch ist. Was in diesem Zusammenhang aber abgenommen hat, ist schlichtweg das Interesse für den Teil des Lebens, der ein bisschen Anstrengung bedeutet. Wie oft hört man Schüler nörgeln, dass das Lesen eines Buches nervig sei und doch “eh nichts bringe”. Mag es einer verstehen. Und ich denke, man kann das verallgemeinern.

      Ein Prof. ließ neulich den Satz fallen, man wäre als Student doch selbst daran schuld, dass das Studium so überfüllt sei, wenn man unbedingt mehr als nötig lernen wolle. Was soll man dazu noch sagen? Ich verstehe ja, dass ich mich irgendwann für eine bestimmte Richtung entscheiden muss, aber warum soll mir der Rest verborgen bleiben?

      Was am Ende für mich bleibt? Wenn ich meinen Bachelor beendet habe, gehe ich mit so viel Schulden ins Arbeitsleben, dass für einen Master keine Zeit und kein Geld da ist. Was bleibt ist, dass ich Angst davor habe, im Praxisbetrieb jämmerlich zu versagen, da zu sitzen ohne zu wissen, was zu tun ist. Praxis spielt in meinem Studium keinerlei Rolle. Es bleibt ja nicht einmal die Zeit, in einer Vorlesung oder in einem Seminar über das Gelernte zu diskutieren. Ich muss letztendlich wohl noch dankbar sein, dass ich gerade in der Übergangsphase zu studieren begonnen habe und die Lehrinhalte nur unwesentlich gegenüber dem Diplom gekürzt worden sind. Das es dadurch anstrengend ist, kann man sich denken.

      Das für Nebenjobs keine Zeit ist, ist so nicht ganz richtig. Du musst dich nur entscheiden, ob du deine Freunde behalten willst oder eben nicht.

      Und Protest? Die meisten Studenten meiner Uni wissen noch nicht mal, was man hier alles studieren kann und welches Gebäude wo ist. Für eine Demo und konstruktives Arbeiten ist da kein Platz.

    37. jan müller schrieb am 19. Dezember 2009 um 08:59 - Permalink

      @sandsturm

      meingott was für ein stuss.
      wie wenn eine hohe durchfallquote für ein anspruchsvolles studium steht.

      du bist auch einer dieser typen die meinen “jetzt hab ich ein diplom, jetzt bin gott”.
      wach mal auf.

    38. firefly schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:10 - Permalink

      @ 166mhz

      Was ist denn daran erstrebenswert, dass wir alle möglichst wenig Zeit in haushaltsmittelverschlingenden Bildungsinstitutionen verbringen?

      Und was ist daran erstrebenswert, möglichst lange in der Schule rumzuhängen und nicht Sinnvolles zu tun? Die meisten Menschen haben in ihrem Leben Besseres vor, als tote Sprachen zu lernen. Seit Jahrzehnten haben 12 Schuljahre für ein Abitur ausgereicht. Und mit einem Mal soll das alles zu kurz sein.

    39. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:10 - Permalink

      @kenji

      eins vermisse ich allerdings schon: meine komilitonen sind mir in politischen und wirtschaftlichen fragen viel zu unkritisch. ich habe manchmal den eindruck, dass viele davon träumen, eines tages lobbyarbeit für ein unternehmen machen zu können. :-(

      Tröste Dich, das war früher leider auch schon so.

    40. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:20 - Permalink

      @COPOKA

      Noch ?ne Randnotiz.
      ?Kandidat Nauk? ist nicht litauisch, sondern russisch ? entspricht in etwa dt. Dr.
      Wissenschaft auf Litauisch heißt Mokslas, auf Russisch ? Nauka.
      Kandidat bedeutet in fast allen Sprachen das Gleiche.

      Nee nee, da habe ich extra recherchiert ;-)

      Während der GUS-Zeit wurden die akademischen Artikel mit ihrem russischen Namen versehen und werden offiziell auch heute noch so bennant ;-)

    41. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:23 - Permalink

      @firefly

      Ich hatte nie den Eindruck, dass ich nach 12 Jahren Schule ungebildet gewesen wäre. Ganz im Gegenteil

      Da kommt es wohl darauf an, wie man “gebildet” definiert. Ich habe andererseits auch noch nie einen Abiturienten nach 13 Jahren Schule gesehen, den ich als “gebildet” bezeichnen würde. Dass das Selbstbild da anders ist, ist klar. Der Eine entwickelt sich weiter und erkennt, wie ungebildet der damals doch eigentlich war, der Andere bleibt stehen und hält sich immer noch für gebildet – sei es drum ;-)

    42. Sandsturm schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:30 - Permalink

      @ Olaf

      Wie oft hört man Schüler nörgeln, dass das Lesen eines Buches nervig sei und doch ?eh nichts bringe?. Mag es einer verstehen. Und ich denke, man kann das verallgemeinern.

      So ist es. Diese Ansicht hab ich auch bereits gewonnen.

      @ jan müller

      du bist auch einer dieser typen die meinen ?jetzt hab ich ein diplom, jetzt bin gott?.
      wach mal auf.

      Bei weitem nicht – ich geh sogar soweit zu sagen das ein Diplom heutzutage in Deutschland nicht mehr wirklich viel wert ist. Ist heute eigentlich so etwas wie vor 40 Jahren ein IHK-Abschluss – etwas das jeder bekommen kann wenn er ein bisschen was macht.

    43. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:32 - Permalink

      @janfrie

      Erstmal danke! Find es wirklich gut, dass du dir die Zeit genommen hast.

      Gerne, ich habe den Artikel allerdings mit Bedacht allgemein gehalten.

      Bitte! Verlorene Privilegien? Wir demonstrieren doch gerade dafür, dass auch universitäre Bildung kein Privileg einer kleinen Elite sein soll! Bildung ist ein Menschenrecht! Und in der zunehmenden Bewusstseinsverschiebung von ?Menschrecht? zu ?Dienstleistung/Ware? liegt doch genau das Problem. Wir wollen keine Privilegien einer ?Leistungselite?, wir wollen eine privilegienfreie Bildung!

      Sehr richtig! Und diese Erkenntnis muss sich auch als Ergebnis der Proteste gesellschaftlich durchsetzen – ich sehe da aber leider schwarz.

      Finde ich im Prinzip auch richtig. Ich würde mir nur wünschen, dass FHs mehr wie Unis werden und nicht anders herum. Praxis und Theorie schließen sich ja nicht aus. Aber Verschulung und Ökonomisierung sollten weder an Unis noch an FHs stattfinden.

      Da wiederum bin ich ganz anderer Meinung. Einige meiner Freunde haben damals extra die FH/TH gewählt, weil sie praxisorientiert und “verschult” ausgebildet werden wollten und mit dem theoretischen Unterbau und der “Freiheiten” eine Unistudiums nicht so viel am Hut hatten. Das ist vollkommen ok und sehe auch keinen Grund warum man da etwas ändern sollte.

      Oft teile ich diese Punkte ja auch. Auch würde ich mir eine kapitalismuskritische gesellschaftliche Bewegung wünschen. Im Bildungsstreik geht es aber zunächst ums Bildungssystem. Und da gibt es genug gemeinsame Nenner unter den Studis, was sich verändern muss. Zu ideologische Ansätze würden viele nur abschrecken und der Bewegung die Legitimität nehmen.

      Dein Wort in Studiosis Ohr ;-)

      Hoffen wir, dass Du mit Deiner Einschätzung recht hast.

    44. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:40 - Permalink

      @Hiramas

      Turbo ist daran,den stoff von vorher 13 jahren in 12 jahren durchzuhauen zu lassen, aber keinem sagen wie das gehen soll.

      Jein, ich hatte mich erst vor zwei Monaten meinem ehemaligen Tutor unterhalten, der nun mein altes Gymansium als Schulleiter führt. Es ist nicht so, dass der Stoff von damals heute schneller vermittelt wird. Der Stoff von damals wird heute auch vermittelt, aber sämtliche Dinge, die nicht direkt zum Stoff gehören fallen weg. Diskussionen über gesellschaftliche Zusammenhänge, die auch mit dem Stoff zu tun haben, haben beispielsweise keinen Platz mehr, weil man die Sache durchpeitschen muss. Weiterhin hat sich die Schülerzahl massiv erhöht, ohne das das Raumangebot adäqaut mitgewachsen wäre. Der Lehrerkörper hat sich zwar massiv verjüngt, was aber vor allem dazu geführt hat, dass ein Drittel des Lehrkörpers aus Azubis – also Junglehrern ohne Festvertrag – besteht, die in Rekordgeschwindigkeit rotieren. Die Turboabiturienten haben bei den Inhalten der Lehrpläne genau so viel oder so wenig Ahnung wie die “Bummelabiturienten” von früher. Aber alle Inhalte, die vertiefend, zusätzlich oder zur Reflektion vermittelt wurden, sind leider weggefallen.

      schöner text? den comment sollte man im artikel verlinken. er fasst sehr gut zusammen worum es uns geht.

      Kann ich machen ;-)

    45. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:45 - Permalink

      @Sandsturm

      Dies trifft bei einem normalen Abi-Absolventen zu aber nicht jeder hat ein gewöhnliches Abitur gemacht.

      Das ist sicher richtig, aber nicht umsonst gilt nun einmal das Abitur als Hochschulreife und nicht das Fachabitur. Aber m.W. gab es doch auch im alten System besondere Zugangsmöglichkeiten, die auch Nichtabiturienten offenstanden – oder nicht?

    46. Philologe schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:47 - Permalink

      @Sandsturm

      An Deiner Stelle würde ich noch einen Deutschkurs, mit Schwerpunkt Interpunktion, belegen, damit sowohl das Diplom, als auch der Master richtig Sinn machen.

    47. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 10:49 - Permalink

      @Olaf

      Nach wie vor verstehe ich nicht, was an einem 12-jährigen Abitur so schlimm sein soll. Einige Bundesländer mit diesem Abschluss finden sich in Ranglisten immer wieder auf den vorderen Plätzen und was ich tagtäglich erleben kann, bestätigt meine Sicht.

      In was für Ranglisten? Die, die von Bertelsmann erstellt werden, oder die, die reines Wissen abfragen, aber nicht, wie dieses Wissen verarbeitet wurde?

      Das für Nebenjobs keine Zeit ist, ist so nicht ganz richtig. Du musst dich nur entscheiden, ob du deine Freunde behalten willst oder eben nicht.

      OK, das ist klar. Chinesische Arbeiter schaffen auch 80-Stunden-Wochen. Aber kann dies ein Maßstab sein?

    48. Albert schrieb am 19. Dezember 2009 um 11:06 - Permalink

      Noch mal zur Frage des Volkswirtschaftlichen Nutzens früher Uni-Abschlüsse:

      Das konnte mir auch noch niemand erklären. Ich sehe ihn so lange nicht, wie die Menschen im Durchschnitt weit vor dem heute üblichen Rentenalter keine Beschäftigung finden können. Fängt man jetzt noch fünf Jahre früher an, dann werden am anderen Ende die Leute eben auch noch mal fünf Jahre früher auf die Straße gesetzt. Das ist doch volkswirtschaftlich ein Nullsummenspiel? Wer überzeugt mich vom Gegenteil?

      Oder ist dieses Argument ein weiteres Ergebnis der üblichen Verwechslung von Volkswirtschaft mit Betriebswirtschaft? Für den Gewinn der Firmen ist es ja kurz gedacht tatsächlich besser, wenn man jüngere Leute mit geringeren Löhnen beschäftigt. Lang gedacht gibts dann aber immer weniger, die die Produkte auch kaufen können (das ist ja aber schon wieder Volkswirtschaft).

      Gruß Albert

    49. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 11:07 - Permalink

      @firefly

      Und was ist daran erstrebenswert, möglichst lange in der Schule rumzuhängen und nicht Sinnvolles zu tun? Die meisten Menschen haben in ihrem Leben Besseres vor, als tote Sprachen zu lernen

      Dann sollen sie halt zur Realschule oder zu einem dieser Fachgymnasien gehen. Auf einem traditionellen Gymnasium sind sie nun einmal definitiv falsch aufgehoben.

      Seit Jahrzehnten haben 12 Schuljahre für ein Abitur ausgereicht. Und mit einem Mal soll das alles zu kurz sein.

      Hä? Die Schulzeit in Deutschland betrug seit Humboldts Zeiten 13 Jahre, eine Ausnahme war lediglich das DDR-System. Wobei natürlich auch noch anmerken muss, dass es früher auch noch weniger Fächer gab.

    50. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 11:10 - Permalink

      @Albert

      Sehr richtig. Momentan haben wir nur ein demographisches Problem: Wir haben zu viele Menschen im arbeitsfähigen Alter, wie die Arbeitslosenquote (auch bei Akademikern) immer wieder zeigt. Da ist es tatsächlich volkswirtschaftlich nicht so relevant, ob das Studium ein oder zwei Jahre länger dauert.

    51. jan müller schrieb am 19. Dezember 2009 um 11:12 - Permalink

      @Sandsturm

      ein diplom ist vergleichbar mit einer früheren ihk ausbildung?

      warum betragen die realen abbrecherquoten beim physikstudium 50 prozent.
      in chemie 60?
      weil das jeder bekommt der sich ein bisschen anstrengt?

      noch was zur praxisnähe.
      praxisnahe studien sind schwachsinn weil die industrie sich ständig wandelt und dies eine ständige änderung der lehrpläne bedeuten würde.

      wenn jemand umfassend gebildet ist, was er im regelfall in den alten diplomstudiengängen war,
      dann hat er auch keine probleme sich später in die praxis einzuarbeiten.
      umfassende bildung braucht aber zeit und muse, die anscheinend nicht mehr gefördert wird, da leute wie schröder einfach keinen bock darauf hatten noch mehr aus seinem herkunftsmilieu aufsteigen zu sehen.

      gruss

    52. StefanP schrieb am 19. Dezember 2009 um 12:21 - Permalink

      Wenn man so durch die Kommentare blättert, merkt man, dass sich soviel über zwei Jahrzehnte nicht geändert hat. Einige Studenten nörgeln wie versnobte, verzogene Bengel, die Politik sieht das Problem, hat aber kein Geld und über allem thront die ?Persönlichkeitsbildung? mit der Suche nach kapitalismuskritischem Denken. Wie verschroben, wie absurd, ja wie widersprüchlich solches Verhalten ist.

      Die Umstellung von Vordiplom auf Bachelor folgte der Erkenntnis, dass früher Studenten 5, 6 Jahre studieren mussten, um überhaupt einen verwertbaren Abschluss in der Tasche zu haben. Und auch die Verschulung der akademischen Bildung war Ausfluss des Bedürfnisses nach klareren, disziplinierenden Ausbildungen. Zusammen mit der Unterstützung durch die Wirtschaft, die die Umstellung mehr als wohlwollend begleitete, haben wir heute das, was man über lange Zeit als sinnvoll ansah. Was erneut zu dem Schluss verleitet: man darf nicht die Frösche fragen, wenn man einen Sumpf trocken legen will.

      Es sind ausgerechnet die Wohlstandskinder, die wieder mal auf die Strasse gehen und für mehr Privilegien für ihre Klasse demonstrieren. Wer studiert, hat es (fast) geschafft, er gehört zu der Elite, die es erfolgreich durch das leistungsfeindliche, selektive Bildungssystem geschafft hat. Während die Kinder von Arbeitern, Migranten oder generell bildungsfernen Schichten schon schnell in den ersten zwei Schuljahren abgehängt werden, weil sie aufgrund des vernachlässigenden Elternhauses bereits am ersten Schultag keine Chance haben, sind die jung Immatrikulierten die Gewinner.

      Das reicht aber nicht. Während Eltern für das Privileg, ihre Kinder in einem städtischen Kindergarten unterbringen zu dürfen, noch heftig zur Kasse gebeten werden, soll der selektive Zugang zum Studium kostenlos bleiben. Was für eine Doppelzüngigkeit, mit dem Argument, Bildung müsse frei verfügbar sein für diejenigen, die es sich ohnehin leisten können. 34.000 EUR kostet ein akademischer Abschluss im Schnitt und da überfordert es Menschen in ihren Zwanzigern, dazu 5 000 Euro beizusteuern? Dabei hat das DIW herausgefunden, dass sich gute Schüler von Studiengebühren nicht abschrecken lassen, schlechte dagegen sehr wohl. Und: die Akademikerquote ist meist in den Staaten am höchsten, wo das Studium am teuersten ist. Der finanzfreie Zugang zu den Universitäten hat uns ein selektives Bildungswesen sondergleichen beschert.

      Und natürlich darf das Beispiel vom Ewigkeitsstudenten nicht fehlen, der es bis zum Vorstandschef geschafft hat. Die Realität ist jedoch eine andere, solche Bummelanten schaffen es eher seltener überhaupt zu einem Abschluss. Dazu muss man nicht das populäre Beispiel des Nils Annen bemühen, der zwischen Uni und Bundestag pendelt, nur eins nicht tut: mal vernünftig arbeiten und der Gesellschaft einen Teil ihres großzügigen Investments zurückzuzahlen. Wer 15 Semester auf dem Buckel hat, konnte zumindest eins beweisen: dass er ziemlich ziel- und orientierungslos ist. Wie will so jemand einen künftigen Arbeitgeber davon überzeugen, dass er jetzt, Ende 20, aber wirklich weiß, was er will?

      Das geht nicht und das weiß jemand mit Lebenserfahrung. Eine Lebenserfahrung, die man nicht im kuscheligen Studentendasein erwirbt, sondern durch Arbeit erwächst. Die Uni soll fertige Menschen hervorbringen, mit ausgeprägten Charaktereigenschaften? Das zeigt eher, dass derjenige von Lebensbildung keine Ahnung hat. Ein 27jähriger Theoretiker bleibt ein ahnungsloser Naseweis, da kann er noch ein paar Jahre studieren. Nur sollte diese ?Charakterbildung? nicht auf Kosten derjenigen erfolgen, die eben nicht so bevorteilt sind, ein Viertel Jahrhundert nur zu lernen.

      Man kann über 12 oder 13 Jahre Schulzeit debattieren, man kann eine frühe Einschulung als hinderlich für die spätere Entwicklung ansehen. Und man kann ein Schmalspurstudium als nicht der Weisheit letzten Schluss ablehnen. In der Summe ergibt dieses ?Langsam, langsam? aber gar nicht mehr so junge Menschen, die mit Ende 20 in die kurze Rush hour ihres Lebens starten, weil sie zuvor soviel Zeit vergeudet haben. Mit dem Eintritt ins Berufsleben beginnt der Kampf um die Plätze, die den weiteren Lebensweg bestimmen. Die Grundlage für das eigene Vermögen wird gelegt und irgendwann soll ja die Familiengründung erfolgen. Da das als Letztes auf der Agenda steht, kommen Partner und Kinder zu kurz. Erst wenn der Platz gefunden ist, bleibt Zeit für ein Kind. Nur starten viele so spät damit, dass ihre biologische Uhr häufig unwillkürlich abläuft.

      Daran denkt man nicht, wenn man 20 ist. Aber wir leben, um viele Bedürfnisse zu befriedigen: Karriere, Wissen, Familie, Freunde, Hobbys und Glück zusammen. Wenn wir aber die Zeit, wo die Basis gelegt wird, auf wenige Jahre verkürzen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn alles zu kurz kommt.

    53. StefanP schrieb am 19. Dezember 2009 um 12:34 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Momentan haben wir nur ein demographisches Problem: Wir haben zu viele Menschen im arbeitsfähigen Alter, wie die Arbeitslosenquote (auch bei Akademikern) immer wieder zeigt.

      Ja, und Arbeitsplätze werden durch eine Zentralagentur vergeben, die meldet: Shop closed! Dass das falsch ist, erkennen Sie bereits daran, dass Deutschland im internationalen Vergleich eine immer noch niedrige Erwerbslosigkeit bei Akademikern hat. Gibt es überall zu viele Menschen?

      Vor zwanzig Jahren prognostizierte man, dass sich das Problem der Arbeitslosigkeit Anfang diesen Jahrtausends lösen würde, da überproportional viele Erwerbstätige in Rente gehen würden. Der zweite Teil ist eingetreten, doch die Arbeitslosigkeit hat sich nicht deshalb reduziert. Entscheidend ist nicht die Menge der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Marx? Theorie), sondern deren Qualifikationsprofile. Und so konnten wir in der letzten Boomphase bereits nach weniger als zwei Jahren eine Knappheit von Fach- und Führungskräften konstatieren und gleichzeitig eine Arbeitslosigkeit, die immer noch weit über 5% lag. Vier bis fünf Prozent Arbeitslosigkeit gilt gemeinhin als Vollbeschäftigung.

      Aus der Geschichte lernen, heißt siegen lernen. Zumindest aber, nicht immer die gleichen Fehler wieder begehen.

    54. Anna Nym schrieb am 19. Dezember 2009 um 12:46 - Permalink

      @ #52

      “Es sind ausgerechnet die Wohlstandskinder, die wieder mal auf die Strasse gehen und für mehr Privilegien für ihre Klasse demonstrieren. Wer studiert, hat es (fast) geschafft, er gehört zu der Elite, die es erfolgreich durch das leistungsfeindliche, selektive Bildungssystem geschafft hat. Während die Kinder von Arbeitern, Migranten oder generell bildungsfernen Schichten schon schnell in den ersten zwei Schuljahren abgehängt werden, weil sie aufgrund des vernachlässigenden Elternhauses bereits am ersten Schultag keine Chance haben, sind die jung Immatrikulierten die Gewinner.”

      Schon mitbekommen, dass es ein Bildungsstreik ist und kein Studierendenstreik?
      Weiteres wurde schon weiter oben geschrieben, man müsste halt mal mehr tun als blättern.

      Dass Kindergärten kosten, hat von den Gegnern von Studiengebühren auch nie einer befürwortet. Wo es darum geht, eine qualifizierte Gesellschaft heranzuziehen, darf das nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, das geht bei der Kita los und endet beim Universitätsabschluss.

      “Und: die Akademikerquote ist meist in den Staaten am höchsten, wo das Studium am teuersten ist.”
      Konkret?
      In den USA gibt es neben den renommierten Colleges auch die 2-Years-Community-Colleges, die auch nicht unerheblich Studiengebühren kosten, aber in ihrer Ausbildungsqualität in etwa mit dem Abitur vergleichbar sind. Wollen wir auf der Ebene “Akademiker”quoten vergleichen?

      Was soll überhaupt der ausgelaugte Mist schon wieder, das hatte man doch alles schon längt ausdiskutiert …

      “Da das als Letztes auf der Agenda steht, kommen Partner und Kinder zu kurz. Erst wenn der Platz gefunden ist, bleibt Zeit für ein Kind. Nur starten viele so spät damit, dass ihre biologische Uhr häufig unwillkürlich abläuft.”

      Da muss ich jetzt endgültig lachen, denn genau die Diktion deines Kommentars lässt sich 1:1 übertragen auf Kommentare im Stile von “Noch nichts gelernt, noch keine Ahnung vom Leben, aber schon Kinder in die Welt setzen, und wie wollen sie die ernähren?” – Wie man ‘s macht, ist es falsch.

      Generell verkennst Du eins.
      Die Ausbildung folgt schon länger nicht mehr dem Drang, ein Bedürfnis zu befriedigen. Sie folgt nur noch dem eingetrichterten Konkurrenzdenken, bloß die anderen irgendwie entscheidend zu überflügeln. Das beginnt spätestens in der weiterführenden Schule, von Grundschülern hab ich schon ähnliches gehört. Wo Karrierecoaches einen Markt dafür finden, knapp volljährigen 11.-Klässlern eine Karriereoptimierung anzubieten, geht es nicht mehr um Bummel- oder Eilstudenden, um “ich-konnte-ohne-Mami” oder Berufs-Kinder, da geht es um eine Perversion der Gesellschaft, die ohne den Schritt in die Entfernung und den Mut, das System als solches infrage zu stellen, nicht aufzudecken ist.

    55. Anna Nym schrieb am 19. Dezember 2009 um 12:49 - Permalink

      @ #53
      Entscheiden sind weder die Menge der Arbeitskräfte noch deren Qualifikation, entscheidend ist lediglich die Bereitschaft der Arbeitnehmer bzw. der auf sie erzeugbare Druck, für 1?/h und weniger ihre Haut zu Markte zu tragen. Für kostenlose Arbeiter ist ein Markt da, nur ist das Pack genauso undankbar wie Studenten und weigert sich, zum Wohle der Wirtschaft, also doch zum Wohle aller, umsonst in Vollzeit zu arbeiten. DAS ist der eigentliche Skandal und muss mit aller Härte der Moral bestraft werden

    56. name schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:05 - Permalink

      @Anna Nym

      Nimm StefanP hier bloss nicht ernst. Der kapitalanbetende Dauerschreiber hier ist einer von denjenigen, die Faschisten wie Hayek in den Himmel heben, und der sich sonst mit seinem Magister (!) einbildet, er wäre auch noch bebildert. Von Geschichte, Ökonomie, Politik, von der bürgerlichen Rechtswissenschaft , von Literatur und Sprachen hat er zwar Null Ahnung, auch keine bürgerlichen Studienabschlüsse, aber jede Menge bezahlter Zeit.

    57. Kapiernix schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:21 - Permalink

      @ janfrie

      Mir ging es (in 16) nicht darum generell in Frage zustellen, ob der Streik gerechtfertig ist. Ich wollte lediglich aufzeigen, dass scheinbar nicht alle Studentengruppen das gleiche Ziel haben. An meiner Uni (TU Chemnitz) stellen die Protestierenden Forderungen nach Dingen, die es schon gibt (z.B. nach öffentlichen Sitzungen der Universitätsleitung, die schon seit Jahren öffentlich sind). Ich frage mich dabei, ob diese Gruppe wirklich was ändern will, oder ob nur um des Streikes Willen oder aus Sympathie gestreikt wird. Und wenn mir die Leute, die am ehesten die Möglichkeit haben die Forderungen umzusetzen, einen Dialog anbieten, würde ich dieses Angebot sicherlich nicht ausschlagen.

      Und wenn ich etwas ändern wollte, dann würde ich versuchen so viele Leute wie möglich darauf aufmerksam zu machen. Ich würde versuchen den Leuten aufzuzeigen, was da falsch läuft und so ‘Verbündete’ im Kampf gegen die Missstände zu finden. Meine Forderungen würde ich klar und deutlich formulieren und sie öffentlich für jeden Vorbeikommenden gut sichtbar präsentieren und sie nicht in den Tiefen des Internets verstecken.

    58. StefanP schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:24 - Permalink

      @Anna Nym

      Ich ziehe es vor, direkt angesprochen zu werden und nicht als Nummer. Da bin ich egalitär und versnobt.

      Schon mitbekommen, dass es ein Bildungsstreik ist und kein Studierendenstreik?

      Ja, mit solcher Semantik haben wir uns früher auch beschäftigt. Wie kann man eigentlich einen Bildungsstreik machen? So etwas hatte ich zuletzt in der 8. Klasse, man hat einfach nicht mehr gelernt. Gab ja Wichtigeres.

      Dass Kindergärten kosten, hat von den Gegnern von Studiengebühren auch nie einer befürwortet.

      Doch. Natürlich, man ist zu edel, das nicht direkt zu behaupten. Im Ergebnis läuft es jedoch genau darauf hinaus. Wir haben nun mal nicht unbegrenzt Geld, und während das kostenlose Kindergartenjahr allen Eltern und allen Kindern zu Gute kommt, fördert das kostenlose Studium einen kleinen Kreis der oberen Spitze.

      Wo es darum geht, eine qualifizierte Gesellschaft heranzuziehen, darf das nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, das geht bei der Kita los und endet beim Universitätsabschluss.

      Nee, Sie argumentieren genau anders herum. Sonst würden Sie für die kostenlosen Kitas demonstrieren und dann, ganz leise in der Fußnote, ?und übrigens: kostenloses Studium ebenso.? Wir haben es über Jahrzehnte geschafft, mit einem kostenlosen Studium genau diese Beschränkung der ?Bildungsgesellschaft? zu züchten. Zeit zum Umdenken.

      Da muss ich jetzt endgültig lachen, denn genau die Diktion deines Kommentars lässt sich 1:1 übertragen auf Kommentare im Stile von ?Noch nichts gelernt, noch keine Ahnung vom Leben, aber schon Kinder in die Welt setzen, und wie wollen sie die ernähren?? ? Wie man ?s macht, ist es falsch.

      Französinnen bekommen ihre Kinder im Schnitt (mit 29 Jahren) sogar später als Deutsche. Allerdings haben sie da bereits einen weiten Karriereweg zurück gelegt, während die Deutsche verzweifelt versucht, allem gerecht zu werden. Und vor allem haben die Französinnen da schon Karriere gemacht, dagegen bleibt es in Deutschland weit häufiger Bildungsfernen überlassen, für ein paar Kinder zu sorgen. Ich habe mit solchen Frauen aus unserem Nachbarland gearbeitet, die waren mit 23 dort, wo wir mit 27 sind. Sehen Sie?s mal so: Sie können durch eine schnellere und frühere Ausbildung auch Lebenszeit gewinnen. Jeder stellt irgendwann im Laufe seines Lebens fest, dass das sehr viel wert ist.

      Generell verkennst Du eins.

      Danke für die Aufklärung, auf solche Formulierungen reagiere ich immer allergisch.

      Die Ausbildung folgt schon länger nicht mehr dem Drang, ein Bedürfnis zu befriedigen.

      Oh, es bleibt völlig Ihnen überlassen, das ganze Leben über zu lernen und vor allem solche Dinge, die sie materiell nicht weiterbringen, dafür aber neue Einsichten verschaffen. Nur verlangen Sie nicht, dass die von denen zu bezahlen ist, die jeden Morgen früh aufstehen, manchmal einem nervigen Job nachgehen, auf jeden Fall am Ende der Woche gestresst sind, aber das erwirtschaften, von dem alles bezahlt wird.

      Wenn Sie so esoterisch veranlagt sind, gerne. Nur bezahlen Sie bitte Ihre Überzeugungen aus eigener Tasche und langen Sie nicht in andere.

    59. jan müller schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:33 - Permalink

      @StefanP

      “Nur verlangen Sie nicht, dass die von denen zu bezahlen ist, die jeden Morgen früh aufstehen, manchmal einem nervigen Job nachgehen, auf jeden Fall am Ende der Woche gestresst sind, aber das erwirtschaften, von dem alles bezahlt wird.”

      wenn meinen sie mit die?
      also die die, die alles bezahlen?
      konkret?

    60. name schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:38 - Permalink

      Du bildest dir ernsthaft ein StefanP, als Steuerverschieber mit Magisterabschluß, ohne juristische Examina, leistest du irgendwas wertvolles und kannst dir dabei Vernobtheiten leisten?

      Wußtest du eigentlich, daß vor 15 Jahren an den deutschen BAs der Magister als zusätzlicher Abschluß einfach nur nachgereicht wurde, um dem amerikanischen Papierbedürfnis der dortigen Personaler gerecht zu werden?

    61. StefanP schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:45 - Permalink

      @Anna Nym

      Entscheiden sind weder die Menge der Arbeitskräfte noch deren Qualifikation, entscheidend ist lediglich die Bereitschaft der Arbeitnehmer bzw. der auf sie erzeugbare Druck, für 1?/h und weniger ihre Haut zu Markte zu tragen. Für kostenlose Arbeiter ist ein Markt da, nur ist das Pack genauso undankbar wie Studenten und weigert sich, zum Wohle der Wirtschaft, also doch zum Wohle aller, umsonst in Vollzeit zu arbeiten.

      Gehen Sie mal auf Spiegel Online, da werden jeden Tag zig Jobs annonciert, wo der Auftraggeber nur eins will: möglichst viel Geld (ab! 150.000 EUR) für einen Beschäftigten zu bezahlen. Bewerben Sie sich da und testen. Unverständlich nach diesen kruden Theorie auch, warum für Millionen Menschen die Gehälter in den letzten Jahren richtig kräftig gewachsen sind. Wer also nix verdient, ist vielleicht selbst schuld?

    62. Aquila schrieb am 19. Dezember 2009 um 13:51 - Permalink

      Ich habe kurz mal die Kommentare überflogen und muss nun auch mal was dazu schreiben. Ganz knapp zu mir: ich bin heilfroh, dass ich noch das Diplom machen durfte (Biologie). Danach habe ich noch den Dr. rer. nat. drangehängt und bin nun in der universitären Lehre tätig. Ich kann demnach nur meine Meinung und Erfahrungen über Studiengänge der Naturwissenschaften, speziell der Biologie abgeben.

      Erst mal @ Sandsturm:
      entschuldige bitte! Aber offensichtlich hat Dir Dein Bildungsgang nicht viel genutzt, wie man leicht angesichts Deiner Rechtschreibung sehen kann. Auch Deine großmündigen Aussagen a la “wer zu faul (oder zu doof) dazu ist der kann ja ne Ausbildung machen” ist ein Schlag ins Gesicht jedes bedauernswerten Bachelorstudenten von Heute. Und dass Du 30 Std. im Monat nebenbei Arbeiten konntest und dass dies nur eine Sache der Organisation sei, ehrt Dich, ist aber nicht auf naturwissenschaftliche Studiengänge an der Universität übertragbar und damit blanker Hohn. So, genug der Worte zu Dir (eigentlich waren es schon viel zu viele).

      Ich kann hier nur mal mein Studium mit dem, der heutigen Biologiestudenten vergleichen:

      Zugegeben hat unsereins so das eine oder andere Semester studiert und den so ein oder anderen Kurs belegt, den man dann gar nicht brauchte, um zur Diplomprüfung zugelassen zu werden. Aber ist das nicht toll? Ich habe Großpraktika in ganz unterschiedlichen Fächern absolviert. Zum Beispiel habe ich im Hauptstudium Genetik, Mikrobiologie und Humanbiologie intensiv studiert, obwohl ich schon immer wusste, dass ich Tierökologe werden wollte. Naja, im Nachinein hat es sich ausgezahlt, denn nun bin ich Evolutionsbiologe und schätze mich glücklich diese Fächer mitgenommen zu haben, denn ich kann sie bestens gebrauchen.
      So etwas ist heute nicht mehr möglich. Außerdem hatte ich noch die Zeit, durch ein Stipendium ein Auslandsstudium an einer renommierten Uni in den USA einzuschieben. Und da ich mein Studium zum Großteil selbst finanziert habe, hat das ganze dann doch 13 Semester gedauert. Aber ich bin nicht als Fachidiot rausgegangen.

      Leider gehören solche Möglichkeiten des Studiums der Vergangenheit an. Heute prügelt man die Studenten mit einem straffen Zeitplan durchs Studium. Trotzdem sind die Inhalte gekürzt und so mancher Student verliert den Überblick über das große Ganze und erkennt die Zusammenhänge nicht mehr. Zeit zum “Querlesen” bei Prüfungsvorbereitungen bleibt nicht.

      Ich muss sagen, dass meine Bachelorstudenten fast immer sehr gut vorbereitet sind, denn es bleibt ihnen gar keine andere Chance. Aber (!) sie sind “nur” für den jeweilig relevanten Stoff vorbereitet. Sobald man Fragen stellt, die darüber hinausgehen, wird es dunkel. Wann immer mir die Zeit dafür zur Verfügung steht, vermittle ich daher Stoff, der auf dem Prüfungsstoff aufbaut und dann das ganze erst so richtig lebendig und spannend macht. Leider geht das nicht immer…

      Übrigens macht sich die veränderte universitäre Bildung schon bei den Jungprofessoren bemerkbar! Die Koryphäen, die ich noch erleben durfte gibts immer weniger. Zu Ihnen hat man ehrlich aufgeblickt und konnte nur staunen, welch breites Wissen sie angehäuft hatten. Das ist kein Fakt des Alters, sondern des Studiensystems. Die heutigen Jungprofessoren sind in ihrem Fachgebiet top, aber darüber hinaus vermisse ich manchmal dieTiefe.

      Mit dem jetzigen System macht sich Deutschland keinen Gefallen, denn wir werden im internationalen Vergleich weiter zurückfallen. Studium ist keine Schule und Studenten sollten die Möglichkeit bekommen, über den nötigen Stoff hinaus zu lernen, lesen und zu studieren. So sollte sich ein Studium an einer Hochschule definieren und wir dürfen die Studenten nicht entmündigen.

      Als ich damals in die USA kam, hatte ich gerade mal das Vordiplom hinter mir und konnte dort die Lehre für Ph.D.-Studenten an der Graduate School genießen. Ich habe sehr oft anerkennende und fast schon neidische Kommentare der Ph.D.-Studenten und auch der Dozenten ob der guten Deutschen Ausbildung bekommen. Ich bin überzeugt, dass sich dies geändert hat… Schade.

      Studenten protestiert weiter und verbündet Euch mit dem Teil der “alten Hasen”, die auf Euerer Seite sind!

    63. DrNI@AM schrieb am 19. Dezember 2009 um 14:19 - Permalink

      Kurz gefasst wurde eben von Bildung auf Ausbildung umgestellt. Dass Ausbildung in Deutschland bereits bestens geregelt war, das wurde irgendwie vergessen. Als Mitarbeiter einer Universität bleibt mir nur Kopfschütteln. Die meisten jüngeren Profs möchten wirklich gute Lehre bringen und organisieren auch ihr Team entsprechend. Es ist für Außenstehende unvorstellbar, auf wie viele Arten und Weisen man dabei ausgebremst werden kann. Manchmal denke ich, es ist ein Wunder, dass sich die Uni noch nicht in einer Verwaltungsexplosion aufgelöst hat.

      Die Studiengebühren könnten wir schon rein deswegen abschaffen, weil sie am Ende gar nicht mehr existieren: Nur 45% unserer Studenten zahlen überhaupt noch. Die Verwaltung der Ausgaben ist so kompliziert, dass die Unterrichtsvorbereitung leidet. Denn für den Verwaltungsmehraufwand in jedem Lehrstuhl wurden keine Stellen geschaffen. Und außerdem sind 2 Millionen Euro zusätzlich nur zum zentralen Verwalten nötig (Zahlungen, Ausnahmen (die 55%) bewilligen, etc.). Am Ende lohnen sich die Gebühren für die Uni einfach nicht. Leider ist das genau das, was ich als Gegner schon von vornherein gesagt habe: Die Kohle kommt rein und geht wo anders wieder raus. Am Ende haben wir weniger als zuvor.

      Zurück zum Studium Blogonese: Es hat nicht nur Nachteile. Ich habe BA/MA durchstudiert in einem Studiengang, der schon 2003 gleich so konzipiert an den Start ging. Davor hatte ich 2 Semester auf Diplom studiert. Die nahezu völlige Orientierungslosigkeit in einem klassischen Diplomstudiengang war unzumutbar. Doch nun haben wir das genaue Gegenteil: Selbst wann man zu atmen und zu furzen hat ist vorgeschrieben. Ob wir zurück können oder wollen, das wäre dann die andere Frage. In vielen Dingen müssen wir jedenfalls endlich mal den Weg der Mitte finden. So wie es jetzt ist sind alle unglücklich.

      Es gibt immerhin noch die Chance, das klassische Diplom oder den Magister ins Master-Studium zu verlegen, so richtig mit Studenten, die sich selber aussuchen, was sie machen wollen und wie lang das gehen soll. Bachelor und FH-Bachelor sind dann halt redundant ausgelegt. Davon gibt es kein zurück, außer wir schaffen das alles wieder ab.

    64. if schrieb am 19. Dezember 2009 um 14:21 - Permalink

      Hallo!

      Ein Großteil der hier vorgebrachten Argumente wider Bachelor/Master-Studium sind nachvollziehbar und richtig. Eines aber stört mich in diesem Zusammenhang immer wieder.
      Ich selbst bin einer dieser “Bummelstudenten” (19. Hochschulsemester), was letztlich nichts anderes bedeutet, als dass ich früher mal auf Magister und heute auf Bachelor studiere. Und was ist mir da aufgefallen?

      Eigenständiges, kritisches Denken ist ebenso ein Ideal des Humanismus, wie es die Aufklärung und eine möglichst breite Bildung sind. (Hervorhebung von mir)

      Ja, richtig, diese Vorstellung vom Studenten als eigenständigem, kritischem Denker ist ein Ideal. Nun braucht man keinen Magister in Philosophie, um zu ahnen, dass ein Ideal seinem Wesen nach ein unerreichbarer Zustand ist, sonst wäre es kein Ideal. So weit, so klar.
      Dass es nun früher mehr eigenständige, kritische Denker unter den Studenten gegeben hat, lässt sich von mir nicht bestätigen. Auch dass der Aufbau des Studiums bessere Möglichkeiten geboten hätte, sich zumindest in Richtung des genannten Ideals zu entwickeln, ist mehr als fragwürdig. Dieser Vorstellung liegen nämlich gleich mehrere gedankliche Irrtümer zugrunde.
      Erstens unterstellt sie einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Entscheidung zum Studium und dem Willen zum eigenständigen, kritischen Denken. Dieser Zusammenhang aber ist weder folgerichtig, noch bewiesen.
      Zweitens unterstellt sie einen Zusammenhang zwischen Wahlfreiheit und Geistesfreiheit. Falsch! Die “Freiheit” seinen Stundenplan selbst zusammenzubasteln, ist angenehm, hat aber mit kritischem, eigenständigem Denken nichts zu tun.
      Drittens unterstellt sie, man könne “richtiges” (also eigenständiges, kritisches) Denken lehren. Wieder falsch! Man kann Wissen vermitteln, mit ganz unterschiedlichen Methoden, auf ganz unterschiedlichen Wegen; am Ende aber ist und bleibt das Denken jedem selbst überlassen, und ob dieses dann kritisch oder eigenständig oder wie auch immer ist, bleibt unvorhersehbar.
      Der schwerwiegendste Irrtum aber betrifft den Weg zum kritischen, eigenständigen Denken. Dieser vollzieht sich eben nicht in der “Freiheit” zwischen der Vorlesung über Geldtheorie und dem Seminar über Entwicklungsprobleme im Nahen Osten wählen zu können, sondern im inhaltlichen Widerspruch. Kritisches Denken lernt man, indem man kritisch denkt, indem man sich die Freiheit nimmt, egal ob in der Vorlesung oder im Seminar, seine eigene Sicht der Dinge darzulegen. Dass dies im Bachelor nicht möglich sein soll, ist schlichtweg falsch. Was jedoch stimmt (jedenfalls meiner Erfahrung nach), ist, dass die meisten Studenten gar kein Interesse daran haben, sich kritisch mit irgendetwas anderem auseinanderzusetzen als ihren Arbeitsmarktchancen.
      In diesem Zusammenhang verkommt die (in Teilen natürlich berechtigte) Kritik an momentanen Unzulänglichkeiten des Systems und das Rufen nach dem “humanistischen Bildungs-Ideal” schnell zu einer bequemen Ausrede, warum man eben kein kritischer, eigenständiger Denker geworden ist. Man hatte ja gar keine Möglichkeit…, so viele Klausuren…, so viele Studenten…, so wenig Professoren…, so kleine Räume…, etc. pp. Stimmt ja. Gefällt mir auch nicht. Aber lasse ich mir deshalb die Freiheit nehmen, meinen Geist im (inhaltlichen) Widerspruch zu schärfen? Nein.

      Beste Grüße,
      if

    65. Aquila schrieb am 19. Dezember 2009 um 14:39 - Permalink

      @ if

      Ich kann als Dozent den Vergleich zwischen “Vorher und Nachher” ziehen.

      Keiner wollte jemals den heutigen (Bachelor)Studenten die Fähigkeit zu kritischem Denken absprechen. Ich begegne jeden Tag sehr aufgeweckte und kritische Studenten, die beispielsweise tolle Fragen stellen und somit beweisen, dass sie helle Köpfchen sind.

      Dass das frühere Studienystem mehr zu eigenständig denkenden Köpfen erzogen hätte, hat glaube ich auch niemand behauptet. Aber das frühere Studienystem hat jedem, der es wollte die Möglichkeit gegeben, über den fachlichen Tellerrand seiner Fächer hinaus zu studieren.

      Natürlich gab es Leute, die, was weiß ich wie viele Semester studiert haben und am Ende nichts dabei erreicht haben. Genauso sehe ich heute so manche Studenten, bei denen man sich angesichts ihrer Teilnahmslosigkeit und Desinetresses unweigerlich fragen muss, warum er/sie da nun vor einem sitzt.

      Dennoch: ein echtes Studium muss die Möglichkeit, also den Rahmen für Menschen bieten, die mehr als nur den vorgegebenen Stoff lernen wollen. Das war “früher” besser möglich, als heute. Das mag ein Student, der im Bachelor-Masters-Zeitalter studiert hat nicht galuben wollen (vielleicht auch aus verletztem Stolz heraus) ?!. Den Vergleich kann nur jemand ziehen, der beide Seiten kennt…

      PS: ach zuletzt noch zu Deinen beschrieben Irrtümern: Eine Behauptung durch eine falsche These zu untermauern ist zwar geschickt. Die daraus gezogenen Schlüsse bleiben jedoch immer noch falsch.

    66. if schrieb am 19. Dezember 2009 um 15:13 - Permalink

      @ Aquila

      Ich kann als Dozent den Vergleich zwischen ?Vorher und Nachher? ziehen.

      Das kann ich als Student genauso.

      Keiner wollte jemals den heutigen (Bachelor)Studenten die Fähigkeit zu kritischem Denken absprechen.

      Nein, aber die Möglichkeit zu…

      Dass das frühere Studienystem mehr zu eigenständig denkenden Köpfen erzogen hätte, hat glaube ich auch niemand behauptet. Aber das frühere Studienystem hat jedem, der es wollte die Möglichkeit gegeben, über den fachlichen Tellerrand seiner Fächer hinaus zu studieren.

      Diese Möglichkeiten gibt es eben heute auch, weil dies letzten Endes eben nichts mit der Struktur des Studiums zu tun hat, sondern mit dem eigenen Wunsch genau dieses zu tun.

      Dennoch: ein echtes Studium muss die Möglichkeit, also den Rahmen für Menschen bieten, die mehr als nur den vorgegebenen Stoff lernen wollen. Das war ?früher? besser möglich, als heute. Das mag ein Student, der im Bachelor-Masters-Zeitalter studiert hat nicht galuben wollen (vielleicht auch aus verletztem Stolz heraus) ?!. Den Vergleich kann nur jemand ziehen, der beide Seiten kennt?

      Noch einmal, vielleicht ist es ja nicht ganz klar geworden, aber auch ich kenne beide Seiten. Und aus dieser Tatsache heraus, kann ich sagen, dass früher gar nichts besser war. Es war anders, aber nicht besser. (Und was hat das alles mit verletztem Stolz zu tun?)

      Eine Behauptung durch eine falsche These zu untermauern ist zwar geschickt. Die daraus gezogenen Schlüsse bleiben jedoch immer noch falsch.

      Richtig, trifft aber hier nicht zu.

      Beste Grüße,
      if

    67. öfchtzchen schrieb am 19. Dezember 2009 um 15:19 - Permalink

      Der normale Bürger hat kein Problem mit gut ausgebildeten jungen Erwachsenen, die bis sie 27 Jahre alt sind studieren. Der Bürger hat erst dann ein Problem, wenn der Staat ihm erzählt, er sei Steuerzahler und das sei sinnlose Verschwendung von Steuerzahlerknete, weil das alles viel schneller und besser geht und man sowieso nur faule langhaarige Soziologen finanziert.

      Danke für diesen wichtigen Satz.

    68. Herr Knecht schrieb am 19. Dezember 2009 um 15:22 - Permalink

      “Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.” Albert Einstein

      Das Bildungssystem ist sehr wissens- und kapitalintensiv. Das intensive Studium setzt eine Vielzahl von modernen Techniken ein, um die Produktivität der Absolventen zu erhöhen. Hierzu zählen Weiterentwicklungen auf den Gebieten Automatisierung und Zeitmanagement. In den neuen Bildungssystemen sind Studenten in ihrer Freizeit eingeschränkter als in den alten Systemen und häufig werden sie an ihren sozialen Interaktionen gehindert. (Ab)Normale Verhaltensweisen wie Kannibalismus werden anschließend im Berufsleben beobachtet. Dies ist aber vor dem Hintergrund des Wettbewerbs durchaus als positiv zu bewerten!

      Ich weiss garnicht wo das Problem liegen soll, schließlich muss doch oberstes Ziel sein, dass die Schafenten möglichts viel Fleisch und Wolle in möglichst kurzer Zeit abgeben. Meine Stimme hat Bologna, obwohl ich einen weiteren Optimierungsbedarf bei den Produktiviätsprozessen nciht abstreite. Zumindest von diesem Standpunkt aus kann ich die Aufschreie der ganzen Ethikfuzis nciht nachvollziehen. Wir sollten nicht in der Vergangenheit schwelgen, unser Ziel muss es sein den perfekten Studenten zu züchten!

    69. bacho schrieb am 19. Dezember 2009 um 15:30 - Permalink

      @ if – 64

      ich verstehe ja die kritik am zusammenhang zwischen “freiheit” und kritischem denken. dennoch muss ich sagen, dass ich mir bei einem 22-järigem bachelorabsolventen nicht vorstellen kann, dass dieser die “freiheit” hatte sich die zeit zu nehmen, kritisch zu denken.

      ich stehe jetzt vor der abschlußphase meines magisterstudiums und bin auch “bummelstudent”, und wenn ich auch ein paar sachen hätte schneller machen können (besonders zu beginn meines studiums), habe ich ebenso nicht übermäßig viel raum gehabt mehr für die uni zu tun. seit ich die 11. klasse besuchte habe ich immer nebenher gearbeitet. zu beginn meines studiums um die 15 std/woche, mittlerweile eher +/-20, da ich in meinem neuen nebenjob weniger verdiene. wenn ich die wochenarbeitszeit in mein studium hätte stecken können, wäre mein studium mit der regelstudienzeit von 10 semestern wohl schon vor ablauf dieser zeit fertig gewesen, bzw. hätte ich mich mehr mit themen auseinandersetzen können, von denen ich keine ahnung habe.

      die frage nach der “freiheit” seinen stundenplan selber zusammenstellen zu können ist die eine, denn pflichtkurse (und seien es nur obligatorisch abzudeckende themengebiete) gab es auch schon im diplom oder magister.
      die frage nach der “freiheit” auch mal abschweifende themangebiete zu durchforsten (für mich als angehender anglist und kulturwissenschaftler zB einen exkurs in die gender studies – faszinierend) ist die andere. für kritisches denken muss man auch mal aus seinem kleinen dunstkreis austreten und andere luft schnuppern, woher sollen denn sonst die anderen anregungen kommen um mal andere wege zu gehen? und wie zum teufel soll man mal andere wege gehen, wenn das verlassen der plattgetretenen pfade durch straff organisierten studienablauf (mit einer anscheinend minimalen wochenstundenzahl von 40) zu einem waghalsigen unternehmen wird, obgleich man sich immernoch in seiner stadt befindet?

      um abermals in die gleiche kerbe zu schlagen: während ich 20-seitige hausarbeiten schreiben muss, und das auch gut finde, gelten für bachelorstudenten bei gleichem leistungsaufwand innerhalb der kurse 6-8 seiten für den schein, da heißt es dann auch nur noch ausarbeitung. 6 seiten zwingen nicht zur auseinandersetzung mit dem bearbeiteten thema, da reicht eine zusammenfassung.
      mir scheint, dass man die themengebiete, welche ich in meinen 10 semestern machen musste auf 6 zusammengekürzt hat, dafür tiefe sowie breite vernachlässigen musste. aus dem ergebnis kann doch nichts werden.

    70. Gebintit schrieb am 19. Dezember 2009 um 15:47 - Permalink

      Momentan haben wir nur ein demographisches Problem: Wir haben zu viele Menschen im arbeitsfähigen Alter, wie die Arbeitslosenquote (auch bei Akademikern) immer wieder zeigt. Da ist es tatsächlich volkswirtschaftlich nicht so relevant, ob das Studium ein oder zwei Jahre länger dauert.

      Ich will hier nicht den Arbeitgeberinteressensvertreter mimen, deine Sichtweise in diesem Punkt erscheint mir aber zu grob. Es mag ja sein, dass es manchen arbeitslosen Akademiker gibt, Fakt ist aber auch, dass man in einigen Fächern, selbst jetzt in der Wirtschaftskrise, kaum Personal findet. Wenn du z.B. Physiklehrer bist, der sich womöglich noch mit Netzwerkbetreuung auskennt, da kannst du einen sehr mittelmäßigen Abschluss haben und dir die Schule aussuchen.
      Der Mangel begrenzt das Wachstum, ein Überangebot auf anderem Gebiet hilft da nicht, auch für die Wirtschaft gilt letztlich das Minimumgesetz von Liebig. Dass es volkswirtschaftlich nicht relevant ist, ob das Studium ein oder zwei Jahre länger dauert, bezweifle ich (auch) deshalb. Das müsstest du mit Zahlen belegen.

    71. Markus schrieb am 19. Dezember 2009 um 16:04 - Permalink

      Vielleicht kann dieser Artikel zu den Hintergründen des Bildungsstreiks und den Defiziten im deutschen Bildungssystem auch etwas weiterhelfen: http://guardianoftheblind.wordpress.com/2009/11/22/der-bildungsstreik-2009-und-das-deutsche-bildungssystem/

      Die Zusagen der Kultusministerkonferenz sehe ich auch nicht mehr als eine Schaufensterpolitik, an der ein paar Kleinigkeiten an den Bachelor-/atser-Studiengängen verbessert wurden, der Bologna-Prozess an sich und die anderen Probleme an den Unis unverändert belassen wurden und die Defizite des Schulsystems überhaupt nicht angegangen wurden: http://guardianoftheblind.wordpress.com/2009/12/11/die-beschluesse-der-kultusministerkonferenz-nichts-als-ein-paar-beruhigungspillen/

    72. Aquila schrieb am 19. Dezember 2009 um 16:10 - Permalink

      @ if # 66:

      Aquila: Ich kann als Dozent den Vergleich zwischen ?Vorher und Nachher? ziehen.

      If: Das kann ich als Student genauso.

      Woher denn? Haben Sie denn ein Diplomstudium absolviert? Wenn dem nicht so sein sollte, woher wollen Sie denn vergleichen können? Aber wenn Sie meinen…

      Aquila: Dass das frühere Studienystem mehr zu eigenständig denkenden Köpfen erzogen hätte, hat glaube ich auch niemand behauptet. Aber das frühere Studienystem hat jedem, der es wollte die Möglichkeit gegeben, über den fachlichen Tellerrand seiner Fächer hinaus zu studieren.

      If: Diese Möglichkeiten gibt es eben heute auch, weil dies letzten Endes eben nichts mit der Struktur des Studiums zu tun hat, sondern mit dem eigenen Wunsch genau dieses zu tun.

      Ich weiß ja nicht was Sie studiert haben, aber in einem Fach wie Mathematik, Physik, Biologie oder Chemie geht das nicht aufgrund des straffen Zeitplans. Sollte man dennoch so ein Genie wie Sie sein, dann muss man wahrscheinlich kein Geld nebenbei verdienen, um sich das Studium zu finanzieren, sondern bekommt es von seinen Eltern geschenkt. Und deshalb hat das “Über-den-Tellerrand-hinaus-Studieren” sehr wohl etwas mit der Struktur des Studiums zu tun und prioritär erst mal rein gar nichts mit dem Willen des Studenten,… außer vielleicht in Fächern, in denen man ohnehin alles nachgeschmissen bekommt.

      Beste Grüße
      Aquila

    73. Aquila schrieb am 19. Dezember 2009 um 16:13 - Permalink

      ach und noch ein Kommentar zu IF sei mir erlaubt:

      Der Begriff “Über-den-Tellerrand-hinaus-studieren” ist auch relativ. Vielleicht kommen daher unsere unterschiedlichen Meinungen!

      Das was Sie darunter verstehen wollen, ist möglicherweise für mich völlig ungenügend…

      Und nun muss ich mich wichtigeren Dingen zuwenden, denn am Montag muss ich wieder schlauen IFs die banalsten Grundlagen der Biologie beibringen, damit die dann mit ihrer unendlichen Lebenserfahrung behaupten, sie könnten schon alles und würden gleich mal mit ihrem ersten Thesenpapier beginnen… wenn man sie dann aber etwas fragt, kommt nix… gell?!

    74. Albert schrieb am 19. Dezember 2009 um 17:00 - Permalink

      @ Gebintit

      leider habe ich Dein Argument, warum kurze Studiendauer volkswirtschaftlich bei unseren derzeitigen Rahmenbedingungen wichtig ist, nicht verstanden. Bitte noch mal ausführlich erklären.

      Gruß Albert

    75. 1000Sunny schrieb am 19. Dezember 2009 um 17:11 - Permalink

      Humboldt: Theorie der Bildung
      Adorno: Theorie der Halbbildung
      Liessmann: Theorie der Unbildung

      Es ist klar, wo die Reise hingeht. Solange Bildung Zwang und Pflichtveranstaltung ist, fällt die Bildung hinten runter und es bleiben nur Zwang und Pflicht.

    76. COPOKA schrieb am 19. Dezember 2009 um 17:14 - Permalink

      @SF, #40

      Während der GUS-Zeit wurden die akademischen Artikel mit ihrem russischen Namen versehen …

      Selbstverständlich – da wurde alles vereinheitlicht bis weiter geht nichts.
      Wobei du wohl die SU-Zeit meinst, in der GUS waren baltische Staaten nie.

      und werden offiziell auch heute noch so bennant ;-)

      Das kann ich mir bei den nationalistischen Staaten gar nicht vorstellen.
      Gut, jene, die diesen Gard noch aus der SU-Zeiten hatten, behielten ihn wahrscheinlich auch weiterhin. Ansonsten siehe auf S. 42:

      LITAUEN

      Ebene 1
      Auk?tojo mokslo diplomas - Dipl.
      Bakalauras – Bak.

      Ebene 2
      Magistras (männlich) / Magistra (weiblich) . – Mag.

      Ebene 3
      daktaras – Dr.
      Habilituotas daktaras - Hab. dr.

      PS.
      Siehe auch
      http://de.wikipedia.org/wiki/Akademischer_Grad#Litauen

    77. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 17:14 - Permalink

      @StefanP

      Wenn man so durch die Kommentare blättert, merkt man, dass sich soviel über zwei Jahrzehnte nicht geändert hat. Einige Studenten nörgeln wie versnobte, verzogene Benge

      Na wenn das Einfordern von Rechten schon den Fordernden zu einem “versnobten Bengel” macht, dann weiß ich ja nicht, wie Du erst die Stammklientel der FDP bezeichnen würdest, die mit Klauen und Zähnen ihre Privilegien verteidigt.

      Die Umstellung von Vordiplom auf Bachelor folgte der Erkenntnis, dass früher Studenten 5, 6 Jahre studieren mussten, um überhaupt einen verwertbaren Abschluss in der Tasche zu haben

      Dafür hatten sie nach 5 oder 6 Jahren aber auch einen Abschluss, der sie befähigt, in ihrem Fach als echter Akademiker zu gelten.

      Und auch die Verschulung der akademischen Bildung war Ausfluss des Bedürfnisses nach klareren, disziplinierenden Ausbildungen.

      Von wem kommt dieses Bedürfnis? Von den Studenten, von den Dozenten, von den Universitäten? Nein, diese Forderung kam und kommt aus der Wirtschaft.

      Was erneut zu dem Schluss verleitet: man darf nicht die Frösche fragen, wenn man einen Sumpf trocken legen will.

      Wieso? Die Frösche dirigieren doch das Quarkkonzert. Die Frösche der Bertelsmannstiftung, die Frösche der Wirtschaftsverbände ….

      Es sind ausgerechnet die Wohlstandskinder, die wieder mal auf die Strasse gehen und für mehr Privilegien für ihre Klasse demonstrieren.

      Den Eindruck habe ich nicht – die Wohlstandskinder im RCDS distanzieren sich ja von alledem.

      Wer studiert, hat es (fast) geschafft, er gehört zu der Elite

      Ja, zur Elite der Currywurstbudenbesitzer und Taxifahrer.

      Das reicht aber nicht. Während Eltern für das Privileg, ihre Kinder in einem städtischen Kindergarten unterbringen zu dürfen, noch heftig zur Kasse gebeten werden, soll der selektive Zugang zum Studium kostenlos bleiben

      Stimmt, ein Skandal. Kindergärten müssen kostenlos sein.

      Was für eine Doppelzüngigkeit, mit dem Argument, Bildung müsse frei verfügbar sein für diejenigen, die es sich ohnehin leisten können.

      Das sagt ja auch niemand – sie muss aber frei verfügbar sein, für diejenigen, die es sich ohnehin nicht leisten können.

      Dabei hat das DIW herausgefunden

      Wollten wir die Frösche nicht schweigen lassen?

      Wer 15 Semester auf dem Buckel hat, konnte zumindest eins beweisen: dass er ziemlich ziel- und orientierungslos ist. Wie will so jemand einen künftigen Arbeitgeber davon überzeugen, dass er jetzt, Ende 20, aber wirklich weiß, was er will?

      Das ist die persönliche Sache des Bummelanten und Sache des Personalchefs.

      Das geht nicht und das weiß jemand mit Lebenserfahrung.

      Lebenserfahrung, wie die 21jährigen Gören, die heute die Uni verlassen?

      Eine Lebenserfahrung, die man nicht im kuscheligen Studentendasein erwirbt, sondern durch Arbeit erwächst.

      Gelobt sei, was hart macht! Früher gab es wenigstens noch Kriege, um Lebenserfahrung zu sammeln.

      Die Uni soll fertige Menschen hervorbringen, mit ausgeprägten Charaktereigenschaften?

      Bei 21jährigen wird das schwer.

    78. Graf Zahl schrieb am 19. Dezember 2009 um 17:17 - Permalink

      Nummer 46 Philologe:

      @Sandsturm

      An Deiner Stelle würde ich noch einen Deutschkurs, mit Schwerpunkt Interpunktion, belegen, damit sowohl das Diplom, als auch der Master richtig Sinn machen.

      Ich lasse mich ja nur ungerne zu sowas hinreißen, aber wenn jemand schon anfängt auf der Sprache rumzureiten, dann bitte nicht so.
      “Sinn machen” ist nämlich ziemlich direkt aus dem Englischen übersetzt, “to make sense”. Sowas hat mit Deutsch wenig zu tun. Schöner wäre zum Bleistift: “Sinn ergeben”.

      lg, Graf Zahl

      PS: Wenn das hier zusehr am Thema vorbei ist einfach löschen, ich bin da nicht zimperlich.

    79. wollecarlos schrieb am 19. Dezember 2009 um 17:33 - Permalink

      @56 name

      Es ist Dir unbenommen, Deine Meinung zu schreiben! Auch wenn sie noch so dumm sei!
      Auch gegen die Ansichten des Stephan kann man anargumentieren, wenn man denn kann!

      Wenn man dann aber schreibt

      ?Faschisten wie Hayek in den Himmel heben?

      (und gemeint ist doch wohl Friedrich August von Hayek) offenbart man, daß man wenig oder gar nichts gelernt hat, einfach keine Ahnung hat.

      Der Begriff ?Faschist/Faschismus? ist eindeutig (und ganz schlimm) besetzt. Er bezeichnet ganz bestimmte Denk- und Verhaltensweisen aus einer Gott-sei-Dank vergangenen Zeit.

      Zu Hayek kann man stehen, wie man will, ein Faschist ist er jedenfalls nicht. Eher sind Leute, die sowas behaupten, derartige Creaturen!

    80. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 18:29 - Permalink

      @if

      Erstens unterstellt sie einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Entscheidung zum Studium und dem Willen zum eigenständigen, kritischen Denken. Dieser Zusammenhang aber ist weder folgerichtig, noch bewiesen.

      Das muss man nicht beweisen, da die Entwicklung zum kritischen und auch eigenständigen Denken meist kein Vorsatz ist, sondern eine Nebenwirkung des Bildungssystems. So will es zumindest das Ideal.

      Zweitens unterstellt sie einen Zusammenhang zwischen Wahlfreiheit und Geistesfreiheit. Falsch! Die ?Freiheit? seinen Stundenplan selbst zusammenzubasteln, ist angenehm, hat aber mit kritischem, eigenständigem Denken nichts zu tun.

      Selbstverständlich nicht. Nehmen wir mal ein Beispiel aus dem VWL-Studium. Zu meiner Zeit waren Veranstaltung über Wirtschaftsethik, Wohlfahrtsökonomie oder auch Wirtschaftsgeschichte nicht obligatorisch für das Diplom. Wer aber ein Interesse an diesen Themen hatte, konnte sie natürlich dennoch belegen, was auch von einigen Studenten mit Freude wahrgenommen wurde. Für ein effizientes Studium ist so etwas natürlich höchst kontraproduktiv, für die Entwicklung eines kritischen Geistes (in diesem Fachbereich) aber sehr nützlich. Ich habe schon lange nichts mehr mit der Uni am Hut, möchte aber fast wetten, dass es diese Veranstaltung heute entweder nicht mehr gibt, oder dass sie so schlecht besucht sind, dass sie bald eingestellt werden. Dabei kann man den Studenten noch nicht einmal einen Vorwurf machen – wenn man damals unter einem vergleichbaren “Effizienzdruck” gestanden hätte, wäre die Beteiligung wohl ebenfalls miserabel ausgefallen.

      Drittens unterstellt sie, man könne ?richtiges? (also eigenständiges, kritisches) Denken lehren.

      Nein, aber bei einigen Studenten stellt sich diese Fähigkeit von alleine ein.

    81. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 18:39 - Permalink

      @Graf Zahl

      PS: Wenn das hier zusehr am Thema vorbei ist einfach löschen, ich bin da nicht zimperlich.

      Nein, das fällt schon unter das Thema – aber aus einem ganz anderen Grund.

      Die Redewendung “Sinn machen” ist nämlich mitnichten ein Anglizismus. Auch ich, der diese Redewendung häufiger verwendet, musste mich da schon öfters rechtfertigen.

      So schrieb beispielsweise Gotthold Ephraim Lessing schon im Jahr 1760:

      Es hilft Ihnen nichts, wenn Sie zu Ihrer Entschuldigung auch schon das ventos aequante sagitta aus der Äneis anführen wollten. Ein Übersetzer muß sehen, was einen Sinn macht.

      Lessing war da übrigens Wiederholungstäter – 1768 schrieb er:

      Nun ist es wahr, daß dieses eigentlich keinen falschen Sinn macht; aber es erschöpft doch auch den Sinn des Aristoteles hier nicht.

      Die falsche Vermutung, diese Redewendung sei ein Anglizismus, der relativ neu ist, stammt vom SPIEGEL-”Sprachgott” Bastian Sick, der – wie alle Götter – aber auch nicht ohne Fehl und Tadel ist ;-)

    82. Aquila schrieb am 19. Dezember 2009 um 18:50 - Permalink

      In Bezug auf Rechtschreibung an alle:

      Ich stelle immer wieder mit Entsetzen fest, dass selbst viele Akademiker nicht den Unterschied zwischen dass und das kennen…, womit sie sich in meinen Augen sofort einer ernsten Teilnahme an einer akademischen Diskussion disqualifizieren.

      Und nun liebe Leute, liebe Bachelor/etten, liebe Diplomer und Konsorten, schaut mal die Kommentare durch…

      Schönes Wochenende

    83. Sandsturm schrieb am 19. Dezember 2009 um 18:52 - Permalink

      @ Philologe

      An Deiner Stelle würde ich noch einen Deutschkurs, mit Schwerpunkt Interpunktion, belegen, damit sowohl das Diplom, als auch der Master richtig Sinn machen.

      Diese Art von Sprüchen kommt eigentlich immer dann wenn keine Argumente mehr zur Hand sind.

      @ Spiegelfechter

      Das ist sicher richtig, aber nicht umsonst gilt nun einmal das Abitur als Hochschulreife und nicht das Fachabitur. Aber m.W. gab es doch auch im alten System besondere Zugangsmöglichkeiten, die auch Nichtabiturienten offenstanden ? oder nicht?

      Das es andere Möglichkeiten gab, galt nur sehr eingeschränkt. Zu meiner Zeit gab es auch leider noch nicht das 12jährige Abi – sonst wär es für mich leichter gewesen.
      Ich bin daher auch auf jeden Fall froh das dieser Schwachsinn von 13 Jahren bis zum Abi endlich weg ist selbst wenn ich nichts mehr davon habe.

      @ jan müller

      warum betragen die realen abbrecherquoten beim physikstudium 50 prozent.
      in chemie 60?
      weil das jeder bekommt der sich ein bisschen anstrengt?

      Weil die Leute erstens nicht wissen was auf sie zukommt – und zum zweiten weil sie mit einer Mentalität rangehen das man nix machen muss und es trotzdem klappt. Der Betreuer meiner Masterarbeit hat öfter mal den Beisitzer bei Prüfungen gemacht und mir dann davon erzählt – ist schon erstaunlich was man da für Deppen erlebt die Biologie studieren wollen aber nicht die elementarsten Grundlagen der Mikrobiologie beherrschen.
      Studieren ist harte Arbeit – jeder kann es schaffen aber er muss halt auch was dafür machen. Wer sich nicht selbst in den Hintern treten kann der soll es lieber lassen.

      @ Aquila

      entschuldige bitte! Aber offensichtlich hat Dir Dein Bildungsgang nicht viel genutzt, wie man leicht angesichts Deiner Rechtschreibung sehen kann.

      Mensch!!! Toll erkannt. Bist schon der zweite der das schreibt. Schön alle suchen und korregieren sonst träumst du heute Nacht schlecht

      Auch Deine großmündigen Aussagen a la ?wer zu faul (oder zu doof) dazu ist der kann ja ne Ausbildung machen? ist ein Schlag ins Gesicht jedes bedauernswerten Bachelorstudenten von Heute. Und dass Du 30 Std. im Monat nebenbei Arbeiten konntest und dass dies nur eine Sache der Organisation sei, ehrt Dich, ist aber nicht auf naturwissenschaftliche Studiengänge an der Universität übertragbar und damit blanker Hohn.

      Danke – ich hab Biotechnologie studiert und bin oftmals erst nach 22 Uhr aus dem Labor gekommen. Mecker nur weiter wenn es dich befriedigt aber wenn du Mutti brauchst die dir den Po pudert damit du genug Zeit hast zum lernen, dann erwarte kein Verständnis von denen die anders denken.
      Ich gehe sogar so weit zu behaupten das die Reformen noch nicht weit genug gehen – ich finde man sollte auf jeden Fall die Anstellung eines Professors auf Lebenszeit abschaffen. In anderen Staaten ist das auch nicht üblich und die fahren eher besser damit als wir mit unserem Model.

    84. if schrieb am 19. Dezember 2009 um 19:05 - Permalink

      @ Aquila

      ach und noch ein Kommentar zu IF sei mir erlaubt:

      Der Begriff ?Über-den-Tellerrand-hinaus-studieren? ist auch relativ. Vielleicht kommen daher unsere unterschiedlichen Meinungen!

      Das was Sie darunter verstehen wollen, ist möglicherweise für mich völlig ungenügend?

      Und nun muss ich mich wichtigeren Dingen zuwenden, denn am Montag muss ich wieder schlauen IFs die banalsten Grundlagen der Biologie beibringen, damit die dann mit ihrer unendlichen Lebenserfahrung behaupten, sie könnten schon alles und würden gleich mal mit ihrem ersten Thesenpapier beginnen? wenn man sie dann aber etwas fragt, kommt nix? gell?!

      Sollten Sie tatsächlich Dozent sein, tun mir Ihre Studenten wahrlich leid. Könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass man gegenwärtig nicht nur über die Struktur des Studiums diskutieren sollte, sondern auch über Fähigkeiten und Persönlichkeit von Dozenten.

      Beste Grüße,
      if

    85. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 19:09 - Permalink

      @Sandsturm

      Das es andere Möglichkeiten gab, galt nur sehr eingeschränkt. Zu meiner Zeit gab es auch leider noch nicht das 12jährige Abi ? sonst wär es für mich leichter gewesen.

      Leichter? Weshalb? Außerdem gab es (zumindest zu meiner Zeit) auch das 12jährige Abi, es nannte sich Fachabitur und öffnete den Weg zur FH.

      Ich bin daher auch auf jeden Fall froh das dieser Schwachsinn von 13 Jahren bis zum Abi endlich weg ist selbst wenn ich nichts mehr davon habe.

      Um Dir Orthographie beizubringen, hätte man wahrscheinlich 15 Jahre benötigt.

      SCNR ;-)

      Studieren ist harte Arbeit ? jeder kann es schaffen aber er muss halt auch was dafür machen

      Blödsinn, ein Studium ist nicht “nur” harte Arbeit und natürlich kann es auch nicht jeder Student schaffen.

    86. jan müller schrieb am 19. Dezember 2009 um 19:18 - Permalink

      mensch spiegelfechter,wie du(ich darf doch du sagen?) diesen StefanP in 77 weggeputzt hast, das verdient respekt.

      gut, StefanP ist halt ein “leister” der vermutlich während er hier seine ergüsse absondert, noch kurz einen fundamental wichtigen auftrag seines dax konzerns erledigt und sich deswegen nur eingeschränkt auf unser geplänkel hier konzentrieren kann.
      trotzdem großes tennis.

    87. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 19:33 - Permalink

      @jan müller

      Ich bestehe sogar auf das “Du” ;-)

      Leute, die wie StefanP argumentieren, sind meist Parvenüs, die aus kleinen Verhältnissen kommen und durch sehr (sehr) viel Arbeit hochgekommen sind und dabei ihren Sinn für Empathie verloren haben. Sie verachten alle “von unten”, die nicht ihre Energie und Anpassungsfähigkeit hatten und alle “von oben” sowieso, da sie ihre Vorgesetzten sind, ohne je so viel dafür getan zu haben, wie sie selbst. Früher lief ich selbst Gefahr, mich so zu entwickeln, woran das Bildungssystem (relativ versnobtes Gymnasium) nicht unschuldig war. Bei mir war es paradoxerweise die Bundesmarine, die mich geerdet hat. Reine Nebenprodukte des Bildungssystem sind solche Menschen allerdings nicht, wie zahllose historische Romane oder Theaterstücke beweisen, die genau diesen Typ Mensch karikieren.

    88. if schrieb am 19. Dezember 2009 um 19:46 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Nein, aber bei einigen Studenten stellt sich diese Fähigkeit von alleine ein.

      Da bin ich mir nicht ganz so sicher, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Worum es mir geht, ist, dass viele Studenten mitnichten ein Interesse an dieser Fähigkeit haben und sie sich auch nicht mal eben nebenbei einstellt.
      Was die Gründe hierfür sind, nun, da gibt es mit Sicherheit einige Ansätze. Die Struktur des Studiums aber ist nur eine davon. Viele große Denker gerade auch der deutschen Geschichte studierten unter Bedingungen, die unter heutigen Gesichtspunkten schon fast als denk-verachtend beschrieben werden können.
      Wichtiger ist mir die Person des Dozenten. Ich habe so viele von ihnen kennengelernt und doch nur so wenige getroffen, die ein wirkliches Interesse an ihren Studenten hatten. Denn für viele ist die Lehre nur ein notwendiges Übel, Forschung ihr eigentliches Betätigungsfeld. Dass das Studenten weder motiviert, noch zu sonderlich kritischen Geistern macht, sollte klar sein. Dass aber Dozenten sich nicht für das Weiterkommen ihrer Studenten (ja, auch das geistige) interessieren, kann nur bedingt mit dem Aufbau des Studiums erklärt werden. Viel eher wohl mit den seit jeher verkrusteten Strukturen der Hochschulwelt. Denn was befähigt eigentlich Professoren dazu, junge Menschen zu unterrichten? Sie zu lehren und eventuell sogar positiv auf ihren Verstand jenseits des fachlichen einzuwirken? Die einzige Befähigung, die sie hierfür besitzen, ist die Tatsache, dass sie Professoren sind (oder werden wollen, wenn man diesen Punkt auf all die un- oder unterbezahlten Lehrbeauftragten ausweitet). Doch wie werden sie Professoren? Doch nicht, weil sie sich besonders in der Lehre hervorgetan haben.
      Eine Struktur, egal in welcher Ausprägung, also ob BA/MA oder Magister/Diplom, muss mit Leben erfüllt werden. Wenn das nicht der Fall ist, können wir den Aufbau unserer Studiengänge bis zum Ende aller Tage immer wieder ändern, es wird nicht dazu führen, dass einem das Denken abgenommen wird.

      Beste Grüße,
      if

    89. wollecarlos schrieb am 19. Dezember 2009 um 20:04 - Permalink

      Wenn bei Ihnen eine Krähe andauernd ans Fenster klopft, handelt es sich nicht um einen Vogel, der ins Zimmer will, sondern um einen ?SPIEGELFECHTER?.

      Zu diesem eigenartigen Verhalten kommt es aus folgendem Grund: Viele Vogelarten besetzen zur Brutzeit ein Revier. Damit sichern sie sich die Nahrungsgrundlage für die Aufzucht ihrer Jungen. Dringt ein fremder Artgenosse ins Revier ein, wird er bedroht, angegriffen und möglichst vertrieben. (Merkblätter für die Vogelschutzpraxis)

      @ 87Spiegelfechter?
      Willst Du Artgenossen nach Krähenart bedrohen, angreifen und vertreiben?

      Wie sonst sind Deine Worte zu verstehen?

      Wünschen wir uns nicht alle (zumindest für unsere Kinder!) ?Parvenüs? zu sein? Emporkömmlinge. Aufsteiger. Oma sagte immer: ?Ihr sollt es mal besser haben!?

      Und ist diese Schlussfolgerung nicht falsch: ?Sie verachten alle ?von unten?, die nicht ihre Energie und Anpassungsfähigkeit hatten…?

      Woran könnte man diese böse Aussage denn fest machen?

      Wenn Du schon das Wortspiel von der Marine, die Dich geerdet habe, verwendest, nimm bitte einen ordentlichen Festmacher zur Begründung!

    90. Rossi schrieb am 19. Dezember 2009 um 20:15 - Permalink

      @88 – if:

      Ich muss dir an dieser Stelle einfach mal in gewisser Weise zustimmen. Ich selbst habe zwar keinen Abschluss, aber immerhin habe ich auch einige Semester studiert (Physik als Diplomstudiengang) und somit ein wenig von der Universitätswelt mitbekommen. Nebenbei gab es damals (ich meine es wäre 2001 gewesen) auch Studentenproteste gegen Studiengebühren.
      Meine Erfahrung mit anderen Studenten war dabei sehr gemischt. Den Willen zum kritischen Denken habe ich jedenfalls nur sehr selten entdecken können. In aller Regel herrscht doch das Interesse am Fach vor und das durchaus auch mit gewissen Scheuklappen und Desinsteresse gegenüber anderen Themen.
      Damals fand ich es z.B. fast schon erschreckend zu sehen, wie wenige Studenten überhaupt gewillt waren sich mit den Problemen der Studiengebühreneinführung auseinander zu setzen. Da war an Platitüden wirklich alles dabei, teilweise auf bestem Bild-Niveau.

      Davon ab kenne ich auch viele ausgebildete Akademiker, teilweise sehr umfangreich gebildet, denen ich bei bestem Willen keinen kritischen Geist attestieren kann. Ich würde sogar fast soweit gehen zu behaupten, dass das Studium damit eigentlich gar nichts zu tun hat. Sicherlich ist es nicht verkehrt eine gute Bildungsbasis zu haben und ich bin auch 100% dafür, dass man im Studium ausreichend Möglichkeiten haben sollte, sich in anderen Bereichen umschauen zu können, die nicht direkt dem Ziel des eigenen Studienganges entsprechen, aber einen Menschen zu einem offenen/kritischen Geist zu erziehen entscheidet sich IMO wesentlich früher in der Sozialisation eines Menschen.

    91. Aquila schrieb am 19. Dezember 2009 um 20:17 - Permalink

      Ach If und an alle anderen Studi-Gegner,

      aus Eueren Worten spricht doch nur der blanke Neid. Wahrscheinlich bist Du ein Uni-Total-Versager, der es eben nie geschafft hat (gegenüber solchen Leuten, kann ich das ‘Sie’ nicht aufrecht erhalten, sorry). Auf solchen Plattformen, wie hier möchtest Du dann Dein angekratztes Ego aufpolieren, indem Du es den anderen Studis und auch den Dozenten mal so richtig verbal, und dann auch noch ohne Punkt und Komma gibst. Der Spruch “wer zu doof ist zum Studieren, sollte es lassen”, der ursprünglich von Dir kam, trifft wahrscheinlich auf Dich selbst zu. Anders läßt sich Deine verschobene Realitätsebene und nicht vorhandene Orthografie nicht interpretieren.

      Es ist äußerst bedenklich und bedauerlich, dass sich solche Leute jemals Student genannt haben. Anstelle Solidarität mit den heutigen Studis zu zeigen, prügelt ihr auch noch auf diese ein und denkt, ihr hättet zu Euerer Zeit die einzig wahre, königliche Leistung in Euerem Studium hingelegt. Sehr traurig. Das löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Mehr aber auch nicht.

      Und meine Studis brauchen Dir IF nicht leid zu tun, denn Sie bekommen, trotz aller verwaltungstechnischer Zwänge eine sehr gute Lehre. Das kann ich guten Gewissens behaupten, denn die anonymen Umfragebögen, die von den Studis zurückkommen bestätigen dies. Dich hätte ich allerdings gerne mal in einer Prüfung vor mir sitzen. Es wäre mir ein Vergnügen Dich mal so richtig zum Schwitzen zu bringen und Dir Deine grenzenlose Selbstüberschätzung vor Augen zu führen.

      Trotzdem, auch Dir ein frohes Fest.

    92. Herr Knecht schrieb am 19. Dezember 2009 um 21:06 - Permalink

      @wollecarlos

      Wünschen wir uns nicht alle (zumindest für unsere Kinder!) ?Parvenüs? zu sein? Emporkömmlinge. Aufsteiger. Oma sagte immer: ?Ihr sollt es mal besser haben!?

      “Es gibt Menschen, die ein Stück Land “Mein” nennen, und dieses Land nie gesehen und betreten haben. Die Menschen trachten im Leben nicht danach zu tun, was sie für gut halten, sondern danach, möglichst viele Dinge “Mein” zu nennen.” Tolstoi

      Wir sollten unseren Kindern wünschen, dass sie glücklich sind!

      PS: Der Vogelvergleich war lustig. Ein Paradebeispiel für eine Chewbacca-Verteidigung :D.

    93. BastiH schrieb am 19. Dezember 2009 um 21:36 - Permalink

      Der gute alte Dipl. Ing., um den die ganze Welt das deutsche Bildungssystem beneidete, wurde durch den wohlklingenden Bachelor of Engineering ersetzt.

      Ein gern gemachter Fehler. Das Dipl. ist mit dem Master vergleichbar und nicht mit dem Bachelor! Es war auch nie anders gedacht.

    94. aquadraht schrieb am 19. Dezember 2009 um 22:28 - Permalink

      @SF80: Schönes Beispiel. Ich habe vor langer Zeit ein paar Jahre an Ingenieurfakultäten das Fach Sozial-/Rechts-/Wirtschaftswissenschaften (damals eine zweisemestrige Pflichtveranstaltung für Ingenieurstudenten) gegeben. Die meisten haben das so runtergerissen für den Schein – angesichts der Stundenbelastung konnte ich das auch gut verstehen -, obendrein galt es als “Laberfach”, also “nichts Richtiges” für angehende Ingenieure, was kümmern da Gesetze, wie eine Bilanz aufgebaut ist, wie formelle und informelle Betriebsstrukturen zusammenhängen oder gar Technik- und Sozialgeschichte ;). Es gab aber immer ein paar, die an den Themen Freude und Interesse entwickelten und sich in den Lehrveranstaltungen engagierten. Ich denke nicht (und weiss es in einigen Fällen), dass das die berufsuntauglichsten Absolventen wurden. Aber stromlinienförmig waren die wohl weniger. Und das ist eher der “Reformzweck”.

    95. Anna Nym schrieb am 19. Dezember 2009 um 22:34 - Permalink

      @#58
      Sehr geehrter Herr P.,

      als Pseudonym angesprochen fühlen Sie Sich hoffentlich wohler.

      Der Rest Ihrer Argumentation jedenfalls hat sich in dem Schluss erledigt, dass ich eine derer sei, die abzocken, abkassieren, schmarotzen – ich setze mich ja für solche Interessen ein, das kann ja nur für mich sein, nicht wahr?

      Leider muss ich Sie enttäuschen, mein Studium habe ich mir selbst sauer verdient, kenne >50h-Vollzeitarbeitswochen zur Genüge, hatte sogar schon meine leitende Tätigkeit ganz ohne vorher studiert gehabt zu haben.

      Der einzige Vorwurf, den ich mir machen lasse, wäre der, dass sich meine Leistungsethik nicht darauf beschränkt, dass Erwerbsarbeit Heil und Ziel der Menschheit sei, jedoch würde ich solches ohnehin nicht als Vorwurf denn als hohes Kompliment werten.

      Wer sich nichts anderes vorstellen kann, als immerzu zu arbeiten (Vollzeitarbeit, Erwerbsarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Trauerarbeit, Beziehungsarbeit – um einen Wert zu haben, muss jedwede Tätigkeit schon mit “-arbeit” vervollständigt werden, das allein verdeutlicht die Perversion der Gesellschaft schon zur Genüge), soll das gerne tun, erhebe sich jedoch nicht, über die zu richten, denen das Leben mehr zu bieten hat geschweigedenn über die, die sich nicht mehr von der Mär von Vollbeschäftigung und dem Heilsbringer Industrie vergackeiern lassen.

      @#56
      Danke für den Tipp ;-) Manchmal mach ich mir auch gerne eine Spaß mit den Trollen ;-)

    96. StefanP schrieb am 19. Dezember 2009 um 22:43 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Danke für die Psychoanalyse, jetzt weiß ich, wo ich herkomme und wen ich verachte. Nein, ich bin heute (wie jeden Samstag) meinen familiären Verpflichtungen nachgegangen, haben den fürsorglichen Papi gespielt und mir von meiner Tochter bei gepflegtem Sushi und Häagen Dazs-Eis von den Studentenprotesten berichten lassen.

      Irgendwie ist sie für die Proteste überhaupt nicht empfänglich. Zum einen, weil sie nicht weiß, wie es früher war und sich bewusst für einen verschulten Studiengang entschieden hat. Zum anderen, da der Bildungsstreik meist justament dann gerade pausiert, wenn eine wichtige Vorlesung ansteht mit einer gewissen Relevanz für die Klausuren am Semesterende. Und drittens, weil sie das Gehabe mehr als albern findet, wenn sie samstags in einer Apotheke und sonntags im Labor jobbt. Übrigens lernt sie dort das Handling, das ihr ermöglicht als Erstsemester andere Kommilitonen abzuhängen.

      Na wenn das Einfordern von Rechten schon den Fordernden zu einem ?versnobten Bengel? macht, dann weiß ich ja nicht, wie Du erst die Stammklientel der FDP bezeichnen würdest, die mit Klauen und Zähnen ihre Privilegien verteidigt.

      Den Satz verstehe ich überhaupt nicht. Inhaltlich nicht und vom Sinn nicht. Welche Rechte haben bitte die Protestierenden? Sie protestieren doch gerade für neue Rechte. Sonst bräuchten sie nicht zu demonstrieren, sondern könnten sie einfach über dem Rechtswege einklagen. Und welche Stammklientel der FDP ist gemeint? Nach Ansicht der Union haben die Liberalen überhaupt keine, da alles Leihstimmen der Konservativen sind. Die Linken wiederum vertreten die Ansicht, allein reiche Apotheker, Ärzte und Rechtsanwälte würden die Gelben wählen. Danach haben diese Berufsgruppen zuletzt einen starken Zulauf erhalten. Oder meinen Sie die Selbsteinschätzung der FDP, wonach alle Schichten liberal wählen? So sind wir alle irgendwie Klientel.

      Dafür hatten sie nach 5 oder 6 Jahren aber auch einen Abschluss, der sie befähigt, in ihrem Fach als echter Akademiker zu gelten.

      Dafür hatte ein nicht unwesentlicher Teil nach einigen Jahren gar nichts in der Tasche, z.B. ein paar Kommilitonen, mit denen ich studiert hatte.

      ->Und auch die Verschulung der akademischen Bildung war Ausfluss des Bedürfnisses nach klareren, disziplinierenden Ausbildungen.
      Von wem kommt dieses Bedürfnis? Von den Studenten, von den Dozenten, von den Universitäten? Nein, diese Forderung kam und kommt aus der Wirtschaft.

      Nicht allein. Seit den 1990er Jahren wurden die verschulten Studiengänge auf den Fachhochschulen und Berufsakademien immer beliebter, gerade auch bei solchen Studenten, die die Wahl hatten. In der Sache gebe ich Ihnen allerdings Recht, was den Vorteil eines theoretischen Studiums betrifft.

      ->Es sind ausgerechnet die Wohlstandskinder, die wieder mal auf die Strasse gehen und für mehr Privilegien für ihre Klasse demonstrieren.
      Den Eindruck habe ich nicht ? die Wohlstandskinder im RCDS distanzieren sich ja von alledem.

      Wer beklagt noch mal, dass praktisch keine Arbeiterkinder studieren? Bitte Ihre Replik vormerken.

      Ja, zur Elite der Currywurstbudenbesitzer und Taxifahrer.

      Den studierten Currywurstbudenbesitzer, den ich in Frankfurt kenne (?Best Wurscht in Town?), fährt inzwischen Ferrari und steht nicht mehr selber im Wagen. Ansonsten landen nur Luschen auf der Strasse, sonst hätte ich meiner Tochter wohl vom Studium abgeraten?

      ->Das reicht aber nicht. Während Eltern für das Privileg, ihre Kinder in einem städtischen Kindergarten unterbringen zu dürfen, noch heftig zur Kasse gebeten werden, soll der selektive Zugang zum Studium kostenlos bleiben

      Stimmt, ein Skandal. Kindergärten müssen kostenlos sein.

      Nur Prioritäten kennen Sie nicht. Wo bleibt bei Ihnen die Abstufung? Auf meiner Hitliste der dämlichsten Wahlkampfslogans liegt Sigmar Gabriel vom Frühjahr 2004 an der Topposition: ?1 Prozent Vermögensteuer für 100% Bildung.? Der hat mal kurz die Rangfolge sämtlicher Staatsaufgaben auf den Kopf gestellt. Bildung ist eine originäre Staatsaufgabe, anderes nicht. Richtig hätte der Spruch lauten müssen: ?20% an Volkswagen statt 100% Bildung.?

      ->Dabei hat das DIW herausgefunden
      Wollten wir die Frösche nicht schweigen lassen?

      Wenn Sie das DIW nicht anerkennen wollen, dann wird?s schwer. Wieviel Unabhängigkeit verlangen Sie?

      ->Wie will so jemand einen künftigen Arbeitgeber davon überzeugen, dass er jetzt, Ende 20, aber wirklich weiß, was er will?
      Das ist die persönliche Sache des Bummelanten und Sache des Personalchefs.

      Nee, weil zum einen der Dauerstudent nicht mehr in die Verlegenheit kommt, für einen Job mit Potential in Frage zu kommen ? und in Blogs klagt, heute würde niemand Uniabsolventen eine Chance geben. Und zum anderen, weil es eine ziemliche Frechheit ist, die eigene Bequemlichkeit von anderen bezahlen zu lassen. Das passiert bei Privatunis nicht, jeder weiß, dass man eine Verantwortung hat ? den Profs, dem Lehrbetrieb und den Eltern gegenüber. Einem Teil der Studenten mangelt es in jeder Generation an diesem Verantwortungsbewusstsein.

      Lebenserfahrung, wie die 21jährigen Gören, die heute die Uni verlassen?

      Eine der jüngsten Professorinnen war die Lebensgefährtin von Anne Will, Miriam Meckel sowie die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro. 21jährige Gören?

      Gelobt sei, was hart macht! Früher gab es wenigstens noch Kriege, um Lebenserfahrung zu sammeln.

      Es reicht der Bund, aber nicht die heutige Schmalspurversion. ;-)

    97. Rossi schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:21 - Permalink

      @StefanP: OK, jetzt wissen wir immerhin, dass deine Tochter ganz nach dir kommt und offensichtlich schwer erfolgreich andere Kommilitonen abhängt. Geht sie denn auch wenigstens auf eine Privatuni, die von dir offensichtlich ja so sehr ob ihrer Leistungsbezogenheit geschaetzt werden?

      Miriam Meckel ist übrigens mal ein schönes Beispiel, da sie passenderweise ja gerade ihr Burnout Buch promotet. Offensichtlich bleibt bei so manchem Erfolgsmodell doch tatsaechlich hin und wieder der Mensch auf der Strecke, aber ein solcher Faktor passt offensichtlich ja nicht in dein Weltbild. Wer zu schwach ist wird halt ausgemustert….

    98. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:27 - Permalink

      @StefanP

      Danke für die Psychoanalyse, jetzt weiß ich, wo ich herkomme und wen ich verachte.

      Um diese Klippe elegant zu umschiffen, schrieb ich ja “Leute, die wie StefanP argumentieren” – ich will ja niemanden persönlich angreifen; erst recht nicht Kommentatoren, mit denen ich mich gerne streite ;-)

      Nein, ich bin heute (wie jeden Samstag) meinen familiären Verpflichtungen nachgegangen, haben den fürsorglichen Papi gespielt und mir von meiner Tochter bei gepflegtem Sushi und Häagen Dazs-Eis von den Studentenprotesten berichten lassen.

      Hmm, lecker – obgleich ich ja Sashimi bevorzuge ;-)

      -> Na wenn das Einfordern von Rechten schon den Fordernden zu einem ?versnobten Bengel? macht, dann weiß ich ja nicht, wie Du erst die Stammklientel der FDP bezeichnen würdest, die mit Klauen und Zähnen ihre Privilegien verteidigt.

      Den Satz verstehe ich überhaupt nicht. Inhaltlich nicht und vom Sinn nicht. Welche Rechte haben bitte die Protestierenden?

      Das Recht auf Bildung? Seit dem ollen von und zum Stein gibt es das.

      Sie protestieren doch gerade für neue Rechte. Sonst bräuchten sie nicht zu demonstrieren, sondern könnten sie einfach über dem Rechtswege einklagen.

      Das klingt vielversprechend – schlag ihnen das doch mal vor.

      Und welche Stammklientel der FDP ist gemeint?

      Fangen wir doch mal mit den vier As an – den Anwälten, den Ärzten, den Apothekern und den Architekten, für deren Privilegien sich die FDP besonders einsetzt und gegen alle Marktwirtschaft verteidigt.

      -> Dafür hatten sie nach 5 oder 6 Jahren aber auch einen Abschluss, der sie befähigt, in ihrem Fach als echter Akademiker zu gelten.

      Dafür hatte ein nicht unwesentlicher Teil nach einigen Jahren gar nichts in der Tasche, z.B. ein paar Kommilitonen, mit denen ich studiert hatte.

      Dieser Kommilitone hat heute nach vier Jahren nichts – ein epochaler Fortschritt, das muss ich schon eingestehen!

      -> Von wem kommt dieses Bedürfnis? Von den Studenten, von den Dozenten, von den Universitäten? Nein, diese Forderung kam und kommt aus der Wirtschaft.

      Nicht allein. Seit den 1990er Jahren wurden die verschulten Studiengänge auf den Fachhochschulen und Berufsakademien immer beliebter, gerade auch bei solchen Studenten, die die Wahl hatten.

      Das ist doch wunderbar! Warum aber hat man dann die akademisch anspruchsvolleren Universitäten auf das FH-Niveau gesenkt?

      Den studierten Currywurstbudenbesitzer, den ich in Frankfurt kenne (?Best Wurscht in Town?), fährt inzwischen Ferrari und steht nicht mehr selber im Wagen.

      Hach welch Erfolgsgeschichte – der gute Mann hat bestimmt BWL studiert, kauft seine Würste aus Moldawien und hat 1-Euro-Kräfte an der Theke eingestellt. Ein moderner Held, so viel ist klar.

      Ansonsten landen nur Luschen auf der Strasse, sonst hätte ich meiner Tochter wohl vom Studium abgeraten?

      Vollkommen klar! Der Wert eines Menschen leitet sich direkt von dessen beruflicher Stellung – und vor allem von dessen Einkommen – ab. Welch durchdachtes Menschen- und Weltbild. Da ziehe ich meinen Hut!

      Wenn Sie das DIW nicht anerkennen wollen, dann wird?s schwer. Wieviel Unabhängigkeit verlangen Sie?

      Zumindest mehr als beim DIW, aber das ist freilich heute nirgends zu finden.

      Nee, weil zum einen der Dauerstudent nicht mehr in die Verlegenheit kommt, für einen Job mit Potential in Frage zu kommen ? und in Blogs klagt, heute würde niemand Uniabsolventen eine Chance geben.

      Ach was, in mittelständischen Familienbetrieben findet der qualifizierte(!) Bummelstudent auch seinen Job. Dass der Schmalspur-BWLer natürlich eine geradezu panische Angst vor Lebenserfahrung und Fachqualifikation hat, so dass er niemals einen erfahrenen Mann unter oder neben sich dulden würde, der ihn entzaubert, ist klar. Das ist heute nun einmal so, darüber rege ich mich schon lange nicht mehr auf.

      Und zum anderen, weil es eine ziemliche Frechheit ist, die eigene Bequemlichkeit von anderen bezahlen zu lassen.

      So so, und wie ist das mit einem Investor? Ist beispielsweise ein Millionenerbe, der sein Geld “arbeiten” lässt, auch bequem?

      -

      > Lebenserfahrung, wie die 21jährigen Gören, die heute die Uni verlassen?

      Eine der jüngsten Professorinnen war die Lebensgefährtin von Anne Will, Miriam Meckel

      Die ja heute auch – wenn man den Boulevardmedien glauben darf – ausgebrannt ist. Ein tragisches Schicksal, das Mitleid verdient und sicher nicht als Vorbild taugt

    99. wollecarlos schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:30 - Permalink

      Danke, mein Knecht 92, Paraden sind doch immer wieder was Schönes, nicht wahr?

      Aber sage mir doch mal, wie man das Fragezeichen im Avatar mit einem schönen Bildchen von wollecarlos füllt!

      Und: Einen schönen vierten Advent!

    100. wollecarlos schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:42 - Permalink

      @ 98 Spiegelfechter
      .

      Um diese Klippe elegant zu umschiffen, schrieb ich ja ?Leute, die wie StefanP argumentieren? ? ich will ja niemanden persönlich angreifen; erst recht nicht Kommentatoren, mit denen ich mich gerne streite

      Ne, ne, Herr Fiegelspechter, das ist einfach ungezogen und nicht der Stil, der hier ?lt Spiegelfechter himself- herrschen sollte!

      Dann könnte man ja auch schreiben:
      Ich würde sagen, Sie sind ein großes Arschloch! Aber ich sage es nicht!

    101. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:45 - Permalink

      @wollecarlos

      Das würdest Du schreiben – ich schätze das Florett und verabscheue das Breitschwert. Bei Dir reicht es nur zum Flegel, aber sei es drum ;-)

    102. wollecarlos schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:49 - Permalink

      Ja, Fechter, aber das Florett muß man auch beherrschen!
      Und: Tust Du das wirklich?
      Aber sei es drum!

    103. Spiegelfechter schrieb am 19. Dezember 2009 um 23:51 - Permalink

      @wollecarlos

      Und: Tust Du das wirklich?

      Das liegt im Auge des Betrachters.

    104. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:05 - Permalink

      Na, mein lieber Blog-Inhaber,

      wollen wir die letzten Minuten vor Mitternacht noch nutzen!

      Ich glaube, daß Du schon verstanden hast, daß die Art, wie Du hier argumentiert hast nicht so ganz stubenrein ist!

      Man kann eben nicht sagen

      schrieb ich ja ?Leute, die wie StefanP argumentieren? ? ich will ja niemanden persönlich angreifen

      denn dann versteckt man sich hinter semantischem Quatsch!

      Und das ist eben eines Florett-Fechter unwürdig.

      Aber: verziehen, der Eifer des Gefechts hat den Untermaat der Bundesmarine erwischt.
      Soll nicht vorkommen, aber kommt eben vor!

      Kismet!

    105. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:07 - Permalink

      @wolle

      Untermaat?

      Das ist Flegel, sagt das Breitschwert ;-)

    106. Herr Knecht schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:12 - Permalink

      @carlosP

      Danke, mein Knecht 92, Paraden sind doch immer wieder was Schönes, nicht wahr?

      Nur wenn sie nicht 0815 sind ;).

      Aber sage mir doch mal, wie man das Fragezeichen im Avatar mit einem schönen Bildchen von wollecarlos füllt!

      Und: Einen schönen vierten Advent!

      Da fragen sie doch besser mal den Herren P, der ist ganz fortschrittlich glaube ich.

      “Und:” Ich werd das Gefühl nicht los, dass mir das “Und:” hier schon an anderen Stellen begegnet ist, genau wie der sonstige Sprachstil. Einen schönen vierten Advent Dr. Jekyll und Mr. Hyde :D.

    107. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:16 - Permalink

      @Herr Knecht

      ?Und:? Ich werd das Gefühl nicht los, dass mir das ?Und:? schon an anderer Stelle begegnet ist, genau wie der Sprachstil.

      Gute Beobachtung ;-)

      Stimmt aber aller Voraussicht nach nicht.

    108. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:26 - Permalink

      wollecarlos an Knecht:

      Und: Einen schönen vierten Advent!

      Knecht an wollecarlos:

      Einen schönen vierten Advent Dr. Jekyll und Mr. Hyde :D.

      Wie doch die Sitten verlottern…

      Ob das dem Spiegelbreitschwert gefällt????

    109. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:30 - Permalink

      wollecarlos an Knecht:

      Und: Einen schönen vierten Advent!

      Knecht an wollecarlos:

      Einen schönen vierten Advent Dr. Jekyll und Mr. Hyde :D

      Wie doch die Sitten verlottern…

      Ob das dem Spiegelbreitschwert gefällt????

    110. Markus schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:31 - Permalink

      @ 6 166mhz

      Was am Prostest der Studierenden verwundert, ist meiner Meinung nach, dass die Bologna-Ziele überhaupt nicht wirklich in Frage gestellt werden

      Hm, das ist die Art, wie es in den Medien dargestellt wird. Es gibt durchaus viele, die die Bologna-Reform als grundlegend falsch ansehen und nicht nur ?Umsetzungsfehler? beheben wollen. Meine Meinung zu Bachelor/ Master (http://guardianoftheblind.wordpress.com/2009/07/10/bachelor-und-master-%E2%80%93-bildungspolitischer-ausdruck-des-neuen-gesellschaftlichen-leitbildes/) und die anderer Studenten deckt sich glaube ich ganz gut mit deiner.

      @ 19 Spiegelfechter:

      Auf der anderen Seite die Basisgruppen, denen es vor allem um den Weltfrieden, die Weltrevolution und die Zapatisten in Mexiko ging und die jeden konstruktiven Widerstand durch endlose basisdemokratische Unfugdebatten verunmöglicht haben. So viel hat sich auch hier offensichtlich nicht geändert.

      Ja, das kann ich leider bestätigen. Aber es kommt wohl, wie andere Reaktionen zeigen, auf die Uni an. Eigentlich war ich immer ein sehr großer Unterstützer basisdemokratischer Maßnahmen. Aber diese können, wenn sie übertrieben werden, zu ewigen Diskussionen über irgendwelche Abstimmungsmodalitäten o.ä. führen oder dazu, dass man jeden Tag von neuem noch einmal diskutiert, ob man jetzt besetzen will oder nicht.

      @ 80 Spiegelfechter:

      Zu meiner Zeit waren Veranstaltung über Wirtschaftsethik, Wohlfahrtsökonomie oder auch Wirtschaftsgeschichte nicht obligatorisch für das Diplom. (…) Ich habe schon lange nichts mehr mit der Uni am Hut, möchte aber fast wetten, dass es diese Veranstaltung heute entweder nicht mehr gibt, oder dass sie so schlecht besucht sind, dass sie bald eingestellt werden.

      Also ich kann dir mal als Beispiel für meine Uni (Trier) sagen, dass es die nicht gibt. Genauso wie dort wohl keine Keynsianer mehr in der VWL. Leider.

    111. Markus schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:32 - Permalink

      @ 48 Albert:

      Noch mal zur Frage des Volkswirtschaftlichen Nutzens früher Uni-Abschlüsse:
      Das konnte mir auch noch niemand erklären. Ich sehe ihn so lange nicht, wie die Menschen im Durchschnitt weit vor dem heute üblichen Rentenalter keine Beschäftigung finden können. Fängt man jetzt noch fünf Jahre früher an, dann werden am anderen Ende die Leute eben auch noch mal fünf Jahre früher auf die Straße gesetzt. Das ist doch volkswirtschaftlich ein Nullsummenspiel? Wer überzeugt mich vom Gegenteil?
      Oder ist dieses Argument ein weiteres Ergebnis der üblichen Verwechslung von Volkswirtschaft mit Betriebswirtschaft? Für den Gewinn der Firmen ist es ja kurz gedacht tatsächlich besser, wenn man jüngere Leute mit geringeren Löhnen beschäftigt. Lang gedacht gibts dann aber immer weniger, die die Produkte auch kaufen können (das ist ja aber schon wieder Volkswirtschaft).

      Mit dem betriebswirtschaftlich versus volkswirtschaftlich würde ich dir prinzipiell zustimmen, bzw. vielleicht eher kurzsichtig versus weitsichtig. Kurzsichtig bekommt man mehr Studenten mit einer im Vergleich zu Diplom und Magister geringeren Ausbildung (Bachelor als Schmalspurstudium), die man also niedriger bezahlen kann. Zudem wurde ihr Wissen in vielen Studiengängen auf die aktuellen Forderungen der Privatwirtschaft zurechtgeschnitten. Langfristig sind abnehmende Qualifikationen natürlich nachteilig.

      Zudem sind die neuen Studiengänge stark verschult, es gibt Anwesenheitspflichten, mehr Lernkontrollen, eine insgesamt autoritärere Gestaltung des Studiums und eine stärkere Hierarchisierung der Universitäten – die Entdemokratisierung der Hochschulen wird ja auch weiter vorangetrieben. Das hat meiner Meinung nach auch das Ziel im Hintergund, ?disziplinierte?, unkritische Arbeitskräfte für die Privatwirtschaft zu schaffen, Kritikfähigkeit zu mindern und sozialen Zusammenhalt durch ungebremstes Konkurrenzdenken zu ersetzen.
      Ebenso hält man die soziale Selektivität des Studiums aufrecht, um die Struktur der sozialen Unterschiede dadurch zu bewahren und so unser Herrschafts- und Hierarchiesystem der derzeitigen Gesellschaft zu perpetuieren. Man will man eine wissenschaftliche Elite schaffen, die ?leistungsbereit?, aber zugleich unkritisch und entpolitisiert ist. Das Leitbild des neutralen Wissenschaftlers, der frei von jeglichem moralischem Urteil handelt und die Ergebnisse seiner Forschung per Marktmechanismen dem Höchstbietenden verkauft, stellt dabei das Idealbild dar.

    112. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:44 - Permalink

      Und Hallo KNECHT!

      Und: Danke, mein Knecht 92!
      Und: Paraden sind doch immer wieder was Schönes, nicht wahr?
      Und: Aber sage mir doch mal, wie man das Fragezeichen im Avatar mit einem schönen Bildchen von wollecarlos füllt!
      Und: kannst Du das wehnikstenz?
      Und: oder auch das nicht?
      Und:
      trotzdem:
      Einen schönen Sonntag!

      wünscht: Und wollecarlos
      (und: hast Du schon mal was von der “Und-Verschwörung” gehört? Bertelsmann und die INSM stecken da mächtig tief drin!!!)

    113. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 00:55 - Permalink

      Untermaat?

      Das ist Flegel, sagt das Breitschwert ;-)

      Na, denn, das ist Amüsemang!

      Aber Admiral war nicht, oder?

      (wieder so ein Wort, diesmal “oder” statt “und”, hoffentlich nicht verdächtig!)

      Was denn? Glockenputzer? Mit Sidol?

      Und nun zum ernsten Teil des Lebens zurück….

    114. janfrie schrieb am 20. Dezember 2009 um 01:24 - Permalink

      Das würdest Du schreiben ? ich schätze das Florett und verabscheue das Breitschwert. Bei Dir reicht es nur zum Flegel, aber sei es drum ;-)

      Ja, Fechter, aber das Florett muß man auch beherrschen!
      Und: Tust Du das wirklich?
      Aber sei es drum!

      Das liegt im Auge des Betrachters.

      Im Auge des Betrachters? Ich würde sagen in diesem Fall ist nicht unerheblich, ob dieser ein Freund oder ein Feind ist.

    115. Gebintit schrieb am 20. Dezember 2009 um 02:31 - Permalink

      @Albert

      leider habe ich Dein Argument, warum kurze Studiendauer volkswirtschaftlich bei unseren derzeitigen Rahmenbedingungen wichtig ist, nicht verstanden. Bitte noch mal ausführlich erklären.

      Ist schon etwas spät, weil ich es aber hasse, wenn ich angetrunken ins Bett gehe und sich alles dreht, will ich dir noch antworten, so gut es geht.
      Also, in so einer Volkswirtschaft gibt es grob zwei Gruppen: die einen schuften und steigern das Bruttosozialprodukt und die anderen leben von dem, was die erste Gruppe erwirtschaftet. Der Mensch wechselt in der Regel von der zweiten Gruppe zur ersten Gruppe und dann wieder zu der zweiten Gruppe. Je früher er zur Malochgruppe wechselt und um so länger er darin verweilt, auf um so mehr Schultern verteilt sich die Solidarität mit der Kann-noch-nicht, bzw. Kann-nicht-mehr-Gruppe.
      Ich rieche schon dein Argument, das jetzt kommt. Was wenn einer will und kann aber nicht gelassen wird? Z.B. Kunstgeschichte studiert und nun will die deutsche Wirtschaft nicht so viele Kunstgeschichtler, wie auf den Markt drängen. Hätte Student(in) Lackingenieur gelernt, ok, wäre im Moment vielleicht auch nicht so gut. ABER, man sollte die Politik ja nicht alleine an so einer Wirtschaftkrise ausrichten, die ist ja hoffentlich vorübergehend wie die Schweinegrippe. Wenn – kuckst du Statistik – wenn die Abi-Doppeljahrgänge der bevölkerungsreichen Bundesländer durch sind (nach Nordrhein-Westfalen), wird es in einigen Fachbereichen (Physik, einige Ingenieursberufe, …) sehr eng werden. Einige Fakultäten wirst du mangels Studenten dicht machen können. Entsprechend gibt es einen Mangel bei bestimmten (!) Fachkräften. Und was hilft dies einem Personalchef, wenn er einen Lackingenieur sucht und es gibt auf dem Markt tausende arbeitslose Kunsthistoriker. Aber ich weiß, Geld ist nicht alles. Immer Wirtschaft, Wachstum, Wachstum. Aber das ist eine andere Geschichte. Ehrlich gesagt, wäre ich ein Student, wäre mir das, was ich versucht habe zu erklären, auch ziemlich egal. In diesem Sinne, gute Nacht!

    116. Ein Brandenburger schrieb am 20. Dezember 2009 um 09:26 - Permalink

      Nachdem wollecarlos, die nächste Koryhpäe aus dem ehemaligen neoliberalen Metzger-Blog (Oswald Metzger, Focus) hier aufgetaucht und sofort auf den Kriegspfad gegangen ist, hat die Qualität der Kommentare spürbar zugenommen. Doch dafür war er bereits im Metzger-Blog bekannt.

      Die Mitglieder der ?Metzger-Combo? StefanP und FrankS wird’s freuen daß sie Verstärkung bekommen haben.

    117. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 10:10 - Permalink

      hat die Qualität der Kommentare spürbar zugenommen…

      Nett, das zu lesen.

      Aber, wie sagte unser Cheffe?

      das liegt im Auge des Betrachters!

      Und: Recht hat er!
      (schon wieder dieses verräterische “und”)

    118. Albert schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:07 - Permalink

      @ Gebintit

      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Leider hatte ich mich mit den derzeitigen Rahmenbedingungen mißverständlich ausgedrückt. Ich meinte damit nicht den durch die Krise besonders schwierigen Berufseinstieg nach dem Abschluss sondern die Tatsache, dass nur die wenigesten bis zur derzeit noch bei 65 liegenden regulären Rente überhaupt im Job geduldet werden. Aus meiner Sicht werden die Menschen nur noch früher aussortiert, wenn andere früher fertig werden. Das ändert überhaupt nix an der größe der zwei Gruppen in der Gesellschaft und darum verstehe ich den volkswirtschaftlichen Vorteil nicht, der angeblich entsteht, wenn die Leute früher mit der Ausbildung fertig sind.
      Wäre Dir dankbar auch auf diese Frage eine ausführliche Antwort zu bekommen.

      Gruß Albert

    119. Herr Knecht schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:10 - Permalink

      @wollecarlos
      Ok ok ich habe mich wohl getäuscht, obwohl sprachliche Parallelen womöglich dennoch einen ähnlichen Ursprung haben (Und als Satzanfang, Chewbacca-Methode als Argumentationsstütze). Somit entschuldige ich mich bei Dir und beim oft kopierten, aber nie erreichten StefanP für meine ausschweifende Phantasie!

      Da mir einer von deiner Sorte eigentlich reicht, konzentriere ich mich jetzt wieder auf Kommentare, die einen Bezug zum Inhalt des Artikels haben. Da liegt StefanP auch mit Hägen-Eis und Sushi eindeutig vorne.

    120. Enrico schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:12 - Permalink

      @ 79 wollecarlos

      Nur ein klitzekleiner Hinweis: In Deinem Post finde ich eine Aporie, die Dein Argument vollständig entwertet. Zunächst behauptest Du, der “Begriff ‘Faschist/Faschismus’” sei “eindeutig (und ganz schlimm) besetzt. Er bezeichnet ganz bestimmte Denk- und Verhaltensweisen aus einer Gott-sei-Dank vergangenen Zeit.” Das ist – mit Verlaub – Mumpitz. Es gibt Dutzende, wenn nicht Hunderte von Faschismustheorien. Von einer eindeutigen Definition sind die Wissenschaft und alle anderen Akteure in dieser Diskussion meilenweit entfernt. Außerdem sieht ein größerer Teil, so beispielsweise die Vertreter eines generischen Faschismusbegriffes (viele heutige US-Forscher), den Faschismus keineswegs als ein Phänomen der Vergangenheit an, das auf ewig gebannt sei. Das tun bestenfalls rechtskonservative Historiker wie Ernst Nolte (Der Faschismus in seiner Epoche), aber der hat auch den Rassenmord des Holocaust auf den “Klassenmord” der Bolschewisten in der Sowjetunion ursächlich zurückgeführt (kausaler Nexus).

      Am Ende widersprichst Du Dir dann selbst. Der in Deinen Augen eigentlich schon historisch erledigte Begriff des Faschismus bzw. Faschisten könnte dann vielleicht doch auf Deinen Debattengegner Anwendung finden. Du findest nicht einmal etwas dabei, ihn als “Creatur” zu denunzieren. Du weißt hoffentlich, dass die Entmenschlichung des (politischen) Gegners eine oft von Diktaturen angewandte Methode war und ist, um diesen ausschalten zu können?

      Genug gesagt.
      Enrico

    121. StefanP schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:12 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Um diese Klippe elegant zu umschiffen, schrieb ich ja ?Leute, die wie StefanP argumentieren?

      Oh, da sind Sie etwas vorurteilsbeladen. Ich habe Ihr verlinktes Interview gelesen und ich bin weit genug herumgekommen, um Respekt vor vielen Lebenseinstellungen zu haben. Genauso wie es in Ordnung ist (aber vielleicht nicht sinnvoll), alles der Karriere unterzuordnen, so auch, sich dem Permanent-Druck zu entziehen. Soweit das auf eigene Kosten erfolgt und man nicht andere für seinen Lebensstil zahlen lässt.

      Die Argumente der Streikenden sind so widersprüchlich, wie sie nur sein können. Einerseits möchte man an den Universitäten intensivere Betreuung durch Professoren, das Verhältnis Student / Hochschullehrer soll verringert werden. Traumhaft sind Zustände an Privathochschulen, wo auf 10 Studenten manchmal ein Prof kommt. Doch soviel Lehrpersonal zu beschäftigen kostet Geld, an der Havard-Universität 40.000 $ pro Jahr. Es heißt ja nichts anderes, als dass ein gebildeter Mensch sich Zeit nimmt, anderen sein Wissen zu vermitteln.

      So weit, so okay. Und nun kommt das Nächste. Dieser Wissensvermittler möge bitte beliebig verfügbar sein und in jedem Fall sehr viele dieser Personen, damit auch über das entlegenste Themengebiet gelernt werden kann. Und dieses Wissensschlaraffenland soll von denen unterhalten werden, die eben nicht lernen, sondern Wissen anwenden, das wirtschaftlich verwertbar ist. Das passt nicht zusammen. Wir lernen, damit wir damit zusätzlichen Wohlstand schaffen können, ansonsten würde niemand dafür arbeiten. Bei den Privatuniversitäten ist den Studenten der Zusammenhang geläufiger. Für Verzicht der Eltern oder Stipendiaten selbst saugen sie Wissen auf. Gleichzeitig ist ihnen bekannt, dass sie den spendablen Vater nicht unbegrenzt in Anspruch nehmen können, so wie jedes Stipendium mal endet. Und sie wissen um die eigene Verantwortung.

      Ich stimme Ihnen ja soweit zu, dass die Universitäten alter Prägung jungen Menschen lehrten, sich selbst zu organisieren und theoretisches Know-how vermittelten, das weit breiter anzuwenden war als verschulte Lerninhalte. Als Rat habe ich meiner Tochter das auch mit auf den Weg gegeben, allein, sie hat sich anders entschieden. Aus freien Stücken und eigener Erkenntnis. So wie sie Latein statt Französisch gelernt hat.

      Was ich gut finde, müssen nicht andere gut finden. Unsere Kinder müssen sehen, wie sie sich in ihrem Leben organisieren und das wird anders sein, als bei Ihnen oder mir.

      Das Recht auf Bildung? Seit dem ollen von und zum Stein gibt es das.

      Das Recht auf Bildung wird niemanden verwehrt. Und jeder Mensch hat freien Zugang zur Bildung. Ich selbst fahre noch alle paar Monate zur Uni und stöbere in der Bibliothek, völlig kostenlos. Aber wer sagt, dass die Gesellschaft eine beliebige Zahl von Professoren, also Hochgebildeten, beliebig lange und oft jedem zur freien Verfügung stellen muss, wenn der Lernbegierige es möchte?

      Fangen wir doch mal mit den vier As an ? den Anwälten, den Ärzten, den Apothekern und den Architekten, für deren Privilegien sich die FDP besonders einsetzt und gegen alle Marktwirtschaft verteidigt.

      Fragen wir mal umgekehrt: warum ist die FDP mit einem Altersschnitt von 32 Jahren die jüngste Partei Deutschlands, die Linkspartei dagegen mit über 70 Jahren die Älteste? Treten die vielen jungen Neuzugänge bei den Liberalen ein, weil sie Klientelpolitik für wenige Wohlhabende unterstützen wollen? Warum man Mitglied bei der Linkspartei wird, lässt sich dann aus dem Anspruchdenken der Organisation begründen.

      Dieser Kommilitone hat heute nach vier Jahren nichts ? ein epochaler Fortschritt, das muss ich schon eingestehen!

      Nach der Theorie den Bachelor. Ich bin ja soweit mit Ihnen eins, dass eine verschulte akademische Lehre nicht der Weisheit letzter Schluss wäre. Aber 5, 6 Jahre studieren ohne geprüfte Zwischenabschnitte eben auch nicht.

      ->Den studierten Currywurstbudenbesitzer, den ich in Frankfurt kenne (?Best Wurscht in Town?), fährt inzwischen Ferrari und steht nicht mehr selber im Wagen.
      Hach welch Erfolgsgeschichte ? der gute Mann hat bestimmt BWL studiert, kauft seine Würste aus Moldawien und hat 1-Euro-Kräfte an der Theke eingestellt. Ein moderner Held, so viel ist klar.

      Hach, Sie kennen nicht Lars Obendorfer nicht? Das ist tatsächlich eine Bildungslücke. Er ist damit wohlhabend geworden, dass er die beste Currywurst in Frankfurt brät. Und das tat er jahrelang selbst. Sogenannte 1-Euro-Kräfte stehen öffentlichen Unternehmen zu, nicht Privaten.

      ->Ansonsten landen nur Luschen auf der Strasse, sonst hätte ich meiner Tochter wohl vom Studium abgeraten?
      Vollkommen klar! Der Wert eines Menschen leitet sich direkt von dessen beruflicher Stellung ? und vor allem von dessen Einkommen ? ab. Welch durchdachtes Menschen- und Weltbild. Da ziehe ich meinen Hut!

      Sie haben angefangen, wie toll man noch unterkäme, wenn man sich mit 35 langsam in den Arbeitsmarkt bewegt. Da müssen so was schon abkönnen. ;-)

      Ach was, in mittelständischen Familienbetrieben findet der qualifizierte(!) Bummelstudent auch seinen Job.

      Diese Familienbetriebe gibt es immer weniger. Die Bummelstudenten, die ich kennen gelernt habe, sind bildungstechnisch und karrieremäßig Lachnummern. Einer, der sich im hohen Alter von 35 Jahren das erstemal an eine Schule wagte, brach den Versuch nach einer Woche mit einem Nervenzusammenbruch ab, sein Dad musste ihn abholen. Danach wurde er sporadisch engagiert, bevor ein mitleidiger Rektor in seiner letzten Amtshandlung den mittlerweile 47jährigen verbeamtete. Heute fällt derjenige meist durch Stresssymptome und längere Krankheitszeiten auf. Toll für unsere Kinder.

      So so, und wie ist das mit einem Investor? Ist beispielsweise ein Millionenerbe, der sein Geld ?arbeiten? lässt, auch bequem?

      90 Prozent der Reichen haben ihr Vermögen während ihres Erwerbslebens aufgebaut. Das ist der klassische Fall. Für Millionärserben habe ich wenig Mitgefühl, können wir uns darauf einigen?

      ->Eine der jüngsten Professorinnen war die Lebensgefährtin von Anne Will, Miriam Meckel
      Die ja heute auch ? wenn man den Boulevardmedien glauben darf ? ausgebrannt ist.

      Meckel ist meines Wissens schon längst keine Studentin mehr und seit vielen Jahren Professorin, kaum ein Beispiel für gehetzte Studenten. Burn-out ist kein Privileg von armen Akademikern, sondern Resultat eigener Überforderung.

      ich will ja niemanden persönlich angreifen; erst recht nicht Kommentatoren, mit denen ich mich gerne streite ;-)

      Dito ;-)

    122. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:20 - Permalink

      @Ein Brandenburger

      Keine Sorge – wenn der Carlos weiter auf diesem Niveau bleibt, ist er schneller auf der Blacklist, als er denkt.

    123. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:20 - Permalink

      @ 119 Knecht

      Da liegt StefanP auch mit Hägen-Eis und Sushi eindeutig vorne.

      Ist es nicht erfreulich, daß wir schon wieder die gleiche Meinung haben?
      Und: Du brauchst Dich wirklich nicht bei mir zu entschuldigen, Jeder hat mal intellektuelle Ausrutscher…

      Der eine fragt: Was kommt danach?
      Der andre fragt nur: Ist es recht?
      Und also unterscheidet sich
      der Freie von dem Knecht

      (Obwohl auch so ein ominöses “und” am Satzanfang vorkommt: Dieser Reim ist nicht von wollecarlos!)

      Und nun: Schluss mit lustig, für Heute schon genug gelacht! Wenden wir uns anspruchsvolleren Dingen zu. Beispielsweise: Wie kommt ein nettes Bildchen von wollecarlos in das Avatar-Feld?

    124. Herr Knecht schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:25 - Permalink

      @Albert 118:

      Aus meiner Sicht werden die Menschen nur noch früher aussortiert, wenn andere früher fertig werden. Das ändert überhaupt nix an der größe der zwei Gruppen in der Gesellschaft und darum verstehe ich den volkswirtschaftlichen Vorteil nicht, der angeblich entsteht, wenn die Leute früher mit der Ausbildung fertig sind.

      Das kann natürlich in bestimmten (vlt. auch vielen) Berufssparten stimmen, da bräuchte man Zahlen zum Nachprüfen.

      Aber ich denke dieser Sache fällt andererseits auch eine gesellschaftliche Komponente zu. Jüngere Absolventen sind sicherlich noch formbarer bzgl. der Werte, die sie vermittelt bekommen. Wenn dies in konzentrierter Form (6-7 Semester) einen wirtschaftlichen und mitunter sehr leistungsorientierten Ansatz erhält, kann man einen effizienteren und überzeugteren Arbeitnehmer der Malochgruppe produzieren. Das könnte mitunter schon einen volkswirtschaftlichen, aber auch einen politischen Effekt haben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Natürlich muss man hier Ausfälle (Burnout etc.) wiederrum gegenrechnen, um das optimale Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit für den Faktor Arbeit zu ermitteln. Daran wird noch gearbeitet.

    125. wollecarlos schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:54 - Permalink

      Lieber 120 Enrico ,

      Schön und Danke, daß Du das “Faschismus-Thema” aufgegriffen hast.

      Deinem “klitzekleinen Hinweis” ist von der Sache her kaum etwas hinzuzufügen. Aber könnten wir uns nicht darauf einigen, daß in der Umgangssprache ziemlich eindeutig klar ist, was gemeint ist, wenn man Jemanden als Faschisten bezeichnet?

      Sonst müsste man ja immer erläutern, “nach Faschismustheorie Nummero 29″ oder “17″ …

      Hinsichtlich der Verwendung des Wortes “creatur” verweise ich auf den auch von Spiegelfechter gerne verwendeten Kniff der “distanzierenden Umschreibung” (…Um diese Klippe elegant zu umschiffen, schrieb ich ja ?Leute, die wie StefanP argumentieren…”)

    126. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 11:54 - Permalink

      @StefanP

      Die Argumente der Streikenden sind so widersprüchlich, wie sie nur sein können. Einerseits möchte man an den Universitäten intensivere Betreuung durch Professoren, das Verhältnis Student / Hochschullehrer soll verringert werden. Traumhaft sind Zustände an Privathochschulen, wo auf 10 Studenten manchmal ein Prof kommt. Doch soviel Lehrpersonal zu beschäftigen kostet Geld, an der Havard-Universität 40.000 $ pro Jahr. Es heißt ja nichts anderes, als dass ein gebildeter Mensch sich Zeit nimmt, anderen sein Wissen zu vermitteln.

      Ich glaube nicht, dass ein deutscher Student so naiv ist, sich Bildungsverhältniss á la Ivory League realistisch herbeizuwünschen. Das wäre idT zu teuer. Aber zwischen schwarz und weiß gibt es nun einmal viele Grautöne, innerhalb derer man das Bildungssystem verbessern kann.

      Das passt nicht zusammen. Wir lernen, damit wir damit zusätzlichen Wohlstand schaffen können, ansonsten würde niemand dafür arbeiten

      Ach was – natürlich handeln wir alle utilitaristisch, aber doch nicht aus rein monetären Motiven. Für eine großen Teil der Studentenschaft mag dies ja sogar zutreffen, vor allem für jene, die an den wirtschaftswissenschaftlichen oder juristischen Fakultäten eingeschrieben sind. Aber das keineswegs zu verallgemeinern – viele Studenten studieren immer noch primär, um sich Wissen auf einem Feld anzueignen, in dem sie gerne ihr Berufsleben verbringen wollen – der zusätzliche Wohlstand ist da ein Nebeneffekt, aber nicht die Hauptmotivation.

      Bei den Privatuniversitäten ist den Studenten der Zusammenhang geläufiger. Für Verzicht der Eltern oder Stipendiaten selbst saugen sie Wissen auf

      Auch da muss man trennen. Auf den Privatunis wird auch nicht nur Ausbildung, sondern auch Bildung vermittelt. Und vor allem im angloamerikanischen Raum gibt es auch sehr viele Studenten an diesen Universitäten, die diese Unis keinesfalls nur als Karrierestufe sehen.

      Gleichzeitig ist ihnen bekannt, dass sie den spendablen Vater nicht unbegrenzt in Anspruch nehmen können, so wie jedes Stipendium mal endet. Und sie wissen um die eigene Verantwortung.

      *lach*

      So wünschen sich dies die spendablen Väter. In der Realität sieht dies aber meist ganz anders aus.

      Ich stimme Ihnen ja soweit zu, dass die Universitäten alter Prägung jungen Menschen lehrten, sich selbst zu organisieren und theoretisches Know-how vermittelten, das weit breiter anzuwenden war als verschulte Lerninhalte. Als Rat habe ich meiner Tochter das auch mit auf den Weg gegeben, allein, sie hat sich anders entschieden. Aus freien Stücken und eigener Erkenntnis. So wie sie Latein statt Französisch gelernt hat.

      Eine gute Entscheidung ;-)

      Ich verstehe aber immer noch nicht, warum Du es für sinnvoll hältst, die alte Zweigleisigkeit (Uni/FH) aufzugeben und die wissenschaftlicheren Unis zu verschulen. Nicht jeder Uniabsolvent sollte – rein volkswirtschaftlich betrachtet – “nur” ein besserer Sachbearbeiter werden. Wer aber die Selbstorganisation und das theoretische Fundament nicht in seiner Jugend lernt, der lernt es nimmermehr. Im beruflichen Hamsterrad ist es dafür eh zu spät.

      Das Recht auf Bildung wird niemanden verwehrt. Und jeder Mensch hat freien Zugang zur Bildung

      Theoretisch ja, praktisch nein.

      Fragen wir mal umgekehrt: warum ist die FDP mit einem Altersschnitt von 32 Jahren die jüngste Partei Deutschlands, die Linkspartei dagegen mit über 70 Jahren die Älteste?

      Die FDP ist idT die jüngste Partei, der Altersdurchschnitt beträgt jedoch 51 Jahre.

      Treten die vielen jungen Neuzugänge bei den Liberalen ein, weil sie Klientelpolitik für wenige Wohlhabende unterstützen wollen?

      Auch dass – und weil man bei dieser opportunistischen und wirtschaftsnahen Partei natürlich hervorragend Karriere machen kann.

      Nach der Theorie den Bachelor. Ich bin ja soweit mit Ihnen eins, dass eine verschulte akademische Lehre nicht der Weisheit letzter Schluss wäre. Aber 5, 6 Jahre studieren ohne geprüfte Zwischenabschnitte eben auch nicht.

      Nun, das Vordiplom ist doch aber ein geprüfter Zwischenschritt – oder etwa nicht?

      -> Ach was, in mittelständischen Familienbetrieben findet der qualifizierte(!) Bummelstudent auch seinen Job.

      Diese Familienbetriebe gibt es immer weniger.

      Ja leider, eines der ärgsten Probleme im deutschen Wirtschaftsleben. Ich habe es gestern mit einem Freund unterhalten, bei dessen Arbeitgeber nun die McKinseys das Ruder übernommen haben, da die Besitzer-Familie sich zurückzieht. 3.000 Arbeitsplätze stehen da nun zur Disposition und durch eine komplett inkompetente neue Geschäftsführung, die aus einer ganz anderen Branche kommt, verspielt das Unternehmen gerade eben seine Zukunft. Das ist traurig.

      90 Prozent der Reichen haben ihr Vermögen während ihres Erwerbslebens aufgebaut.

      Na holla holla, wo hast Du denn diese Zahl her?

      Das ist der klassische Fall. Für Millionärserben habe ich wenig Mitgefühl, können wir uns darauf einigen?

      Na, wenn wir uns immer so schnell einigen könnten, wäre die Welt ja in Ordnung ;-)

      Meckel ist meines Wissens schon längst keine Studentin mehr und seit vielen Jahren Professorin, kaum ein Beispiel für gehetzte Studenten. Burn-out ist kein Privileg von armen Akademikern, sondern Resultat eigener Überforderung.

      Sicher und einer der Faktoren ist der Umstand, dass man sich in seinem Leben nie eine Pause nimmt. Ich kenne das vom Autofahren. Wenn ich nonstop 800km auf der Autobahn rase, bin ich zwar hochwach, aber bei meiner Ankunft komplett fertig. Fahre ich langsamer und mache Pausen, bin ich zwar nicht so aufmerksam, aber dafür bei der Ankunft noch fit.

    127. noamik schrieb am 20. Dezember 2009 um 12:25 - Permalink

      @sandsturm: Süß, 30 h im Monat. Von meinen Komolitionen arbeitete niemand unter 60, viele 80 h im Monat um sich zu finanzieren. Das trifft auch auf mich zu und ich habe ebenfalls nebenbei auch noch meinen Katastrophenschutz abgeleistet (min. 200h im Jahr, bei mir waren es ca. 50% mehr). Außerdem habe ich in meinem Diplomstudium (TU) ca. doppelt so viele Kurse besucht, wie vorgeschrieben, aus reinem Interesse. Das sind Dinge, die sind mit Bologna schlicht nicht mehr möglich. Genaugenommen hast du auch kein Diplom sondern ein Diplom FH gemacht, das ist kein Dünkel, sondern schlicht ein wesentlicher Unterschied. Den Vergleich den du dir anmaßt, kannst du jedenfalls gar nicht ziehen.

      Mir sind am Ende meines Studiums jedenfalls einige Bacheloren untergekommen, die gerade ihren Master begannen. Die Vorlesung war inhaltlich recht simpel, weil sie nur einen thematischen Überblick bieten sollte. Das Ingenieure mit einem angeblich berufsbefähigenden Abschluss da auftauchten, die die Funktionsweise eines Hall-Sensors nicht nachvollziehen konnte, zeigt mir, dass der Bachelor genau das macht, was man ihm vorwirft: Fachidioten ausbilden, die das gelernte nicht verknüpfen können. Ich glaube jedenfalls nicht, dass die Studenten binnen weniger Jahre so viel dümmer geworden sind, es kann also nur am neuen Curriculum liegen.

    128. Albert schrieb am 20. Dezember 2009 um 12:28 - Permalink

      Hallo Herr Knecht,

      am Ende steht dann eben doch die Frage, ob wir so leben wollen wie es aus Ihrem letzten Satz hervorgeht:

      Natürlich muss man hier aber Ausfälle (Burnout etc.) wiederrum gegenrechnen, um das optimale Verhältnis zwischen Arebitszeit und Freizeit für den Faktor Arbeit zu ermitteln. Daran wird noch gearbeitet.

      Ich stelle mir ein gutes Leben anders vor als auf die Bedürfnisse großer Unternehmen hin optimiert. Aber man könnte ja auch mal Kokain legalisieren, damit die Unternehmen weniger Freizeit springen lassen müssen.

      Jüngere Absolventen sind sicherlich noch formbarer bzgl. der Werte, die sie vermittelt bekommen. Wenn dies in konzentrierter Form (6-7 Semester) einen wirtschaftlichen und mitunter sehr leistungsorientierten Ansatz erhält, kann man einen effizienteren und überzeugteren Arbeitnehmer der Malochgruppe produzieren. Das könnte mitunter schon einen volkswirtschaftlichen, aber auch einen politischen Effekt haben.

      Auch da müsste man dann volkswirtschaftlich noch gegenrechnen, wie es sich auswirkt, wenn die Produktivität besonders schnell steigt und weniger junge Leute eingestellt werden, als ältere rausfliegen.

      Der politische Effekt dürfte wohl vor allem in einer Entpolitisierung bestehen. Auch nix, was ich für erstrebenswert halte.

      Gruß Albert

    129. Herr Knecht schrieb am 20. Dezember 2009 um 13:00 - Permalink

      @Albrecht

      Aber man könnte ja auch mal Kokain legalisieren, damit die Unternehmen weniger Freizeit springen lassen müssen.

      Neuroethik ist da wohl ein Stichwort von zukunftsträchtiger Relevanz. Es wird ja gerade auch im Kontext der Studentenproteste darüber debbatiert, ob und wie die Welle aus Amerika herüberschwappt, mit Pillen effizienter zu studieren.

      Der politische Effekt dürfte wohl vor allem in einer Entpolitisierung bestehen. Auch nix, was ich für erstrebenswert halte.

      Man kann es ja auch keinem verübeln, der ständig unter Druck steht, nicht mehr noch über das große Ganze und den Sinn dahinter nachzudenken. Woher sollte er die Zeit dazu haben. Ich merk an meinem eigenen Studium, dass ich nach durchgearbeiteten Tagen viel Motivation brauche, um das zehnte Buch in die Hand zu nehmen, auch wenn es nicht mit meiner Arbeit zu tun hat. Ob der ideologische Pendel auch wieder in eine andere Richtung schwingt, hängt vom Zeitgeist ab.

    130. Sandsturm schrieb am 20. Dezember 2009 um 13:07 - Permalink

      @ noamik

      Süß, 30 h im Monat. Von meinen Komolitionen arbeitete niemand unter 60, viele 80 h im Monat um sich zu finanzieren. Das trifft auch auf mich zu und ich habe ebenfalls nebenbei auch noch meinen Katastrophenschutz abgeleistet (min. 200h im Jahr, bei mir waren es ca. 50% mehr).

      Oh Verzeihung – mir ist da ein Fehler unterlaufen – 30 Stunden in der Woche war gemeint. 3 mal Nachtschicht in einem Hostel (je 8 Stunden) und dann noch 2 mal die Woche 4 Stunden in einem kleineren Laboratorium.

      Das sind Dinge, die sind mit Bologna schlicht nicht mehr möglich.

      Und warum sollen sie nicht möglich sein? Dann muss man halt mehr Zeit für sein Studium einplanen und 2 Semester länger studieren.

      Im ersten Studium hab ich übrigens nicht gearbeitet und BAFÖG kassiert – aber gerade die Arbeit im 2. Studium hat mir einen Einblick in die Arbeitswelt verpasst der mir mehr gebracht hat als alle theoretische Diskussion über die Verdichtung der Arbeit. In gewisser Weise bedaure ich es daher auch mich im 1. Studium auf der BAFÖG Hängematte ausgeruht zu haben – die zusätzliche Berufserfahrung hat sich in jedem Fall ausgezahlt.

      Genaugenommen hast du auch kein Diplom sondern ein Diplom FH gemacht, das ist kein Dünkel, sondern schlicht ein wesentlicher Unterschied.

      Oh doch, das ist ein Dünkel – zumindest den Aussagen etlicher Uni-Absolventen. Und darum finde ich ja die Bologna Reform gut – endlich ist diese Gelehrtenhierarchie weg. Ob das jemand schlecht findet der sich als Profiteur des alten Systems versteht, ist mir egal. Ich kümmer mich ja schließlich auch nicht um das Wohl der Profiteure wenn ich den Kapitalismus kritisiere.

    131. StefanP schrieb am 20. Dezember 2009 um 13:12 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Ich glaube nicht, dass ein deutscher Student so naiv ist, sich Bildungsverhältniss á la Ivory League realistisch herbeizuwünschen. Das wäre idT zu teuer. Aber zwischen schwarz und weiß gibt es nun einmal viele Grautöne, innerhalb derer man das Bildungssystem verbessern kann.

      Junge Menschen sind sehr naiv, und das ist auch ihr Vorrecht. Während an der Uni noch die weit überwiegende Mehrheit sozialistische und linksextreme Gruppierungen wählt, ändert sich das nach dem Verlassen der Lehranstalt erheblich. Das gilt für jede Generation. Bei 50 Prozent Staatsquote können wir uns nur die Universitäten haben, die wir seit mehreren Dekaden haben. Dagegen können wir noch ein paar Studentengenerationen lang protestieren, die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf dem Wege etwas dramatisch ändert, halte ich persönlich für gering. Schlussfolgerung: wenn wir erheblich bessere Studienbedingungen wollen, wird das nur über mehr private Finanzanstrengungen gehen. Was, so die internationale Erfahrung, nicht zu weniger Studenten oder selektiver Schichtenauswahl führen muss. Es wäre keine Schande, vom Ausland zu lernen.

      viele Studenten studieren immer noch primär, um sich Wissen auf einem Feld anzueignen, in dem sie gerne ihr Berufsleben verbringen wollen ? der zusätzliche Wohlstand ist da ein Nebeneffekt, aber nicht die Hauptmotivation.

      Ä? bisserl Idealismus haben Sie sich noch gerettet, oder? Fakt ist, dass die weit überwiegende Mehrheit der Studenten sogenannte Karrierefächer belegt, nämlich BWL und Ingenieurswissenschaften, obwohl sie zuvor ziemlich wenig Interesse an Wirtschaft gezeigt haben und die Jugend sich immer an kapitalismuskritischen Einstellungen gefällt. Und diese Karrierefakultäten werden von Männern öfter studiert als von Frauen. Die dürfen sich später darüber beklagen, dass sie weniger verdienen.

      So wünschen sich dies die spendablen Väter. In der Realität sieht dies aber meist ganz anders aus.

      Warum sind die Studiendauern an Privatunis dann niedriger als im Schnitt der Hochschulen?

      Ich verstehe aber immer noch nicht, warum Du es für sinnvoll hältst, die alte Zweigleisigkeit (Uni/FH) aufzugeben und die wissenschaftlicheren Unis zu verschulen.

      Wo habe ich das geschrieben? Wenn es nach mir persönlich ginge, bliebe die alte Trennung erhalten. Aber jede staatliche Maßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie erfolgreicher ist als andere. Da hängen wir Deutsche nicht erst seit heute zurück, französische, britische und asiatische Absolventen sind schlichtweg besser. Es spricht wenig von den Fakten dafür, in Deutschland weiterhin einen bildungspolitischen Sonderweg in der akademischen Lehre zu gehen. Vielleicht irren Sie und ich ja, wäre möglich.

      Wer aber die Selbstorganisation und das theoretische Fundament nicht in seiner Jugend lernt, der lernt es nimmermehr. Im beruflichen Hamsterrad ist es dafür eh zu spät.

      Deswegen haben Unternehmen immer lieber Uniabsolventen genommen, wenn es um anspruchsvollere Positionen ging.

      Die FDP ist idT die jüngste Partei, der Altersdurchschnitt beträgt jedoch 51 Jahre.

      Korrekt, ich habe versehentlich auf das Alter der Neumitglieder Bezug genommen.

      Auch dass ? und weil man bei dieser opportunistischen und wirtschaftsnahen Partei natürlich hervorragend Karriere machen kann.

      Während meiner gesamten Karriere wurde ich noch nie in keiner Situation auf eine etwaige Parteimitgliedschaft noch auf politische Grundeinstellungen angesprochen worden, noch hatte es irgendeinen Einfluss auf meine Entwicklung. Das mag in den 60er und 70er Jahren anders gewesen sein, doch die Zeiten sind meistenteils vorbei.

      Nun, das Vordiplom ist doch aber ein geprüfter Zwischenschritt ? oder etwa nicht?

      In der öffentlichen und personalpolitischen Wahrnehmung war es das nie. Nur mit Vordiplom war man ein abgebrochener Student.

      ->Diese Familienbetriebe gibt es immer weniger.
      Ja leider, eines der ärgsten Probleme im deutschen Wirtschaftsleben.

      Nein, es ist eine strategische Notwendigkeit. Und nebenbei üben Sie ohne es zu ahnen Kritik an der eigenen Haltung. Warum gibt es diese Unternehmen immer weniger? Weil es, wie Sie ja auch sagen, an qualifizierten Nachfolgern mangelt. Und warum ist das so? Weil es als Wohlhabender ehrbarer ist, als Mäzen großzügig Geld zu verteilen, als Philanthrop zu glänzen als verantwortungsvoll das elterliche Unternehmen fortzuführen.

      Ich kenne ausschließlich mittelständische Betriebe, denen es außerordentlich gut getan hat, unter professionellere Leitung sowohl im Management als auch in der Eigentümerstruktur zu kommen. Schauen Sie sich doch die populären Fälle an: Acandor (furchtbarer Name) und Schaeffler. Beide Konzerne sind in erhebliche Schieflage durch unprofessionelle Entscheidungen der zumindest teilweise wirtschaftlich desinteressierten Eigentümerfamilien gekommen. Nebenbei haben beide enorme familiäre Vermögenswerte verspielt.

      ->90 Prozent der Reichen haben ihr Vermögen während ihres Erwerbslebens aufgebaut.
      Na holla holla, wo hast Du denn diese Zahl her?

      Ehrlich gesagt habe ich die Quelle nicht mehr, aber so stand es meiner Erinnerung nach 2007 im Manager Magazin. Ein Überschlag durch die Wirtschaft und eigene Erfahrungen legen nahe, dass das nicht völlig unrealistisch ist.

      Sicher und einer der Faktoren ist der Umstand, dass man sich in seinem Leben nie eine Pause nimmt.

      Die Ehe des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann steht nach eigenen Angaben aufgrund seiner Bloggertätigkeit auf der Kippe. Lieber Spiegelfechter, Zeit eine Pause zu machen. ;-)

    132. Kapiernix schrieb am 20. Dezember 2009 um 13:48 - Permalink

      @ Sandsturm

      Und warum sollen sie nicht möglich sein? Dann muss man halt mehr Zeit für sein Studium einplanen und 2 Semester länger studieren.

      Im Endeffekt is das doch dann genauso lange wie ein Diplomstudium nur mit weniger Allgemeinwissen und mehr Fachidiotie. Und der Effekt, den man durch Verkürzen der Studienzeit erreichen will wäre gleich Null.

    133. if schrieb am 20. Dezember 2009 um 13:54 - Permalink

      @ Aquila (#91)

      Ach If und an alle anderen Studi-Gegner,

      aus Eueren Worten spricht doch nur der blanke Neid. Wahrscheinlich bist Du ein Uni-Total-Versager, der es eben nie geschafft hat (gegenüber solchen Leuten, kann ich das ?Sie? nicht aufrecht erhalten, sorry). Auf solchen Plattformen, wie hier möchtest Du dann Dein angekratztes Ego aufpolieren, indem Du es den anderen Studis und auch den Dozenten mal so richtig verbal, und dann auch noch ohne Punkt und Komma gibst. Der Spruch ?wer zu doof ist zum Studieren, sollte es lassen?, der ursprünglich von Dir kam, trifft wahrscheinlich auf Dich selbst zu. Anders läßt sich Deine verschobene Realitätsebene und nicht vorhandene Orthografie nicht interpretieren.

      Ihnen ist schon klar, dass, gesetzt den Fall, Sie meinten tatsächlich mich, der erste Teil des letzten Satzes eine unglaublich gut passende Beschreibung Ihres eigenen Geisteszustands ist, oder? Denn erstens, soviel Selbstgewissheit darf ich mir erlauben, kann es weder an meiner Orthografie, noch an meiner Interpunktion irgendetwas auszusetzen geben. Zweitens stammt der von Ihnen zitierte Spruch nicht von mir (was fast ein bisschen schade ist, gefällt er mir doch immer besser, je häufiger ich ihn lese).

      Es ist äußerst bedenklich und bedauerlich, dass sich solche Leute jemals Student genannt haben. Anstelle Solidarität mit den heutigen Studis zu zeigen, prügelt ihr auch noch auf diese ein und denkt, ihr hättet zu Euerer Zeit die einzig wahre, königliche Leistung in Euerem Studium hingelegt. Sehr traurig. Das löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Mehr aber auch nicht.

      Äußerst bedenklich und bedauerlich ist doch wohl eher Ihre Forderung nach Solidarität mit Leuten, deren Ziele und Vorstellungen nicht die meinen sind. Folgte man dieser Logik, könnte man das Denken gleich einstellen; was, zugegeben, manchen sicherlich nicht eben unrecht käme. (Und dass das alles “nur Kopfschütteln” auslöst, “mehr aber auch nicht”, können Sie zwar gerne behaupten, wahr ist es deshalb noch lange nicht, wie sich an der Art Ihrer Reaktionen ganz gut ablesen lässt.)

      Und meine Studis brauchen Dir IF nicht leid zu tun, denn Sie bekommen, trotz aller verwaltungstechnischer Zwänge eine sehr gute Lehre. Das kann ich guten Gewissens behaupten, denn die anonymen Umfragebögen, die von den Studis zurückkommen bestätigen dies. Dich hätte ich allerdings gerne mal in einer Prüfung vor mir sitzen. Es wäre mir ein Vergnügen Dich mal so richtig zum Schwitzen zu bringen und Dir Deine grenzenlose Selbstüberschätzung vor Augen zu führen.

      Dass Sie eine gute Lehre anbieten, möchte ich Ihnen gerne glauben. Dass es Ihnen aber “ein Vergnügen [wäre, mich in einer Prüfung] mal so richtig zum Schwitzen zu bringen und [mir meine] grenzenlose Selbstüberschätzung vor Augen zu führen”, glaube ich Ihnen unbesehen. Es gelänge Ihnen nur nicht, da ich von Biologie keine Ahnung habe.
      Ich säße also vor Ihnen, Sie würden mir (die banalsten) Fragen stellen und ich würde Sie mit großen Augen anschauen und die ganze Zeit denken: “Was, zum Geier, will er?” Sie würden triumphierend mit der Hand auf den Tisch hauen und rufen: “Hab ich dich!”; und ich würde zurückrufen: “Aber nicht mehr alle Tasten am Klavier!”
      Glauben Sie denn ernsthaft, Sie könnten mir die (von Ihnen unterstellte) “grenzenlose Selbstüberschätzung” austreiben, indem Sie beweisen, dass ich keine (von mir auch niemals behauptete) Ahnung von Biologie habe? Jetzt mal unter uns katholischen Gebetsschwestern: “Hä?”

      Trotzdem, auch Dir ein frohes Fest.

      Das wünsche ich Ihnen selbstverständlich auch.

      Beste Grüße,
      if

    134. name schrieb am 20. Dezember 2009 um 13:55 - Permalink

      Ach Wolle, was ich kann ich denn dafür, wenn so ein oberflächlicher und unwissender Charakter wie Du, den Liebling aller Sozialdarwinsten nicht als einen ebensolchen erkennen will, der gemeinsam mit Onkel Mises, schon immer nur bürgerliche Faschisten waren, deren absolutes Herrschaftsideal sich aus der autoritären Staatsordnung für die Kapialeliten und der Gewalt der kapitalistischen Konkurrenz speist.

      Wie schrieb der Väter aller Neoliberalen Mises so schön schon 1927 : “»Es kann nicht geleugnet werden, daß der Faszismus und alle ähnlichen Diktaturbestrebungen voll von den besten Absichten sind und daß ihr Eingreifen für den Augenblick die europäische Gesittung gerettet hat. Das Verdienst, das sich der Faszismus damit erworben hat, wird in der Geschichte ewig fortleben…”

      Die Freiheit die Hayek meinte, war die Kapitalfreitheit einer Minderheit von Kapitalbesitzern, die mit staatlicher Gewalt zu erhalten sei und während die Gewalt der Konkurrenz und Ausbeutung der Ware Arbeitskraft ein natürliche, naturgegebene und lautlose Gewalt sei.

      Staatsanbetende “Liberale”, die schweigend die Gewalt des Kaptials verherrlichen und sie mit miliärischen Gewalt durchsetzen, sind nichts weiter als bürgerliche Faschisten.

    135. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 14:15 - Permalink

      @StefanP

      Junge Menschen sind sehr naiv, und das ist auch ihr Vorrecht. Während an der Uni noch die weit überwiegende Mehrheit sozialistische und linksextreme Gruppierungen wählt, ändert sich das nach dem Verlassen der Lehranstalt erheblich

      Aber nicht bei allen – einige gleiten von der einen Naivität in die nächste und werden FDP-Wähler, die gänzlich naiv an den Segen freier Märkte glauben. Klar, das ist ein Defizit in der Lehre, aber was soll man da machen?

      Das gilt für jede Generation. Bei 50 Prozent Staatsquote können wir uns nur die Universitäten haben, die wir seit mehreren Dekaden haben.

      Bist Du Franzose? Ich komme aus Deutschland und hier beträgt die Staatsquote rund 43%, was im unteren EU-Durchschnitt ist. Staaten mit sehr hohen Staatsquoten, wie Dänemark, Finnland, Schweden oder Norwegen sind indes für ihr gutes Bildungssystem bekannt. Vielleicht sollten “wir” auch die 50% anpeilen?

      Dagegen können wir noch ein paar Studentengenerationen lang protestieren, die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf dem Wege etwas dramatisch ändert, halte ich persönlich für gering

      Ich halte sie sogar für ausgeschlossen.

      Schlussfolgerung: wenn wir erheblich bessere Studienbedingungen wollen, wird das nur über mehr private Finanzanstrengungen gehen.

      Für BWL-Studiengänge, die direkt nach McKinsey und Co. führen … sicherlich. In allen anderen Bereichen wäre das indes sehr kontraproduktiv.

      Was, so die internationale Erfahrung, nicht zu weniger Studenten oder selektiver Schichtenauswahl führen muss. Es wäre keine Schande, vom Ausland zu lernen.

      Sehr richtig! Von Finnland lernen, heißt siegen lernen!

      Fakt ist, dass die weit überwiegende Mehrheit der Studenten sogenannte Karrierefächer belegt, nämlich BWL und Ingenieurswissenschaften,

      Ja ja, die desillusionierten Racker. Was sollen sie machen, wenn sie in der Schule keine Impulse und kein Verständnis für höhere Bildung mitbekommen? Früher hieß es “wer nix wird, wird Wirt”, heute kann man sagen, “wer nix wird, wird Betriebswirt”.

      Und diese Karrierefakultäten werden von Männern öfter studiert als von Frauen.

      Ideologische Positionen waren schon immer ein Vorrecht der Männer.

      Warum sind die Studiendauern an Privatunis dann niedriger als im Schnitt der Hochschulen?

      Weil dort bessere Studienbedingungen vorherrschen und die Studenten nicht nebenbei arbeiten müssen? Hätten staatliche Unis ein ähnliches Budget und gäbe es ein ausreichendes Bafög für alle Studenten, deren Eltern nicht zu den Besserverdienern gehören, sähe es mit dem Schnitt dort nicht anders aus.

      Wo habe ich das geschrieben? Wenn es nach mir persönlich ginge, bliebe die alte Trennung erhalten.

      Aber du jubilierst doch über Bologna – siehst Du die Zusammenhänge etwa nicht? Das kann ich nun aber nicht glauben.

      Da hängen wir Deutsche nicht erst seit heute zurück, französische, britische und asiatische Absolventen sind schlichtweg besser.

      Ach was! Wo hast Du denn das her? Wahrscheinlich hast Du die dortigen Eliteunis im Kopf und vergleichst sie mit deutschen 0815-Unis. Das geht natürlich nicht. Ein Diplomand der TU Clausthal ist sicher am Arbeitsmarkt chancenreicher als ein Master der Kulna-University, Dhaka,

      Vielleicht irren Sie und ich ja, wäre möglich.

      Es irrt der Mensch, solang er strebt.

      -> Wer aber die Selbstorganisation und das theoretische Fundament nicht in seiner Jugend lernt, der lernt es nimmermehr. Im beruflichen Hamsterrad ist es dafür eh zu spät.

      Deswegen haben Unternehmen immer lieber Uniabsolventen genommen, wenn es um anspruchsvollere Positionen ging.

      Stimmt und nun bekommen sie FHler mit Uniabschluss – dumm gelaufen.

      -> Die FDP ist idT die jüngste Partei, der Altersdurchschnitt beträgt jedoch 51 Jahre.

      Korrekt, ich habe versehentlich auf das Alter der Neumitglieder Bezug genommen.

      Na siehste mal – und bei der Linken hast Du wahrscheinlich das Sterbealter genommen ;-)

      -> Auch dass ? und weil man bei dieser opportunistischen und wirtschaftsnahen Partei natürlich hervorragend Karriere machen kann.

      Während meiner gesamten Karriere wurde ich noch nie in keiner Situation auf eine etwaige Parteimitgliedschaft noch auf politische Grundeinstellungen angesprochen worden, noch hatte es irgendeinen Einfluss auf meine Entwicklung. Das mag in den 60er und 70er Jahren anders gewesen sein, doch die Zeiten sind meistenteils vorbei.

      Darum geht es mir nicht. Wenn ich mir die Situation hier in der Region so anschaue, gibt es zwei Parteien, in die man als halbwegs fähiger Mensch nur eintreten muss und dann schon beste Chancen auf Mandate hat – die FDP und die Linke, beide können ihre Mandate kaum besetzten. Und da Linke ja nur scheintote Geronten sind, bleibt dem aufstrebenden Barbourjackenträger nur die FDP.

      In der öffentlichen und personalpolitischen Wahrnehmung war es das nie. Nur mit Vordiplom war man ein abgebrochener Student.

      Na um die öffentliche und personalpolitische Wahrnehmung geht es hier aber nicht.

      Nein, es ist eine strategische Notwendigkeit. Und nebenbei üben Sie ohne es zu ahnen Kritik an der eigenen Haltung. Warum gibt es diese Unternehmen immer weniger? Weil es, wie Sie ja auch sagen, an qualifizierten Nachfolgern mangelt.

      Keinesfalls – daran haben die Banken die Hauptschuld. Wer Kredite benötigt, muss betriebswirtschaftliche Expertisen vorlegen können. Bei kleineren und mittelgroßen Betrieben müssen die durch Externe erbracht werden. Und wenn man die McKinsey-Brut erst einmal im Haus hat, ist dies meist der Anfang vom Ende.

      Schauen Sie sich doch die populären Fälle an: Acandor (furchtbarer Name) und Schaeffler. Beide Konzerne sind in erhebliche Schieflage durch unprofessionelle Entscheidungen der zumindest teilweise wirtschaftlich desinteressierten Eigentümerfamilien gekommen. Nebenbei haben beide enorme familiäre Vermögenswerte verspielt.

      Richtig – aber vor allem im Falle Arcandor waren daran ja wohl hauptsächlich so strahlende Wirtschaftswunder wie Großmeister Middelhoff verantwortlich. Das meine ich ja.

      Die Ehe des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann steht nach eigenen Angaben aufgrund seiner Bloggertätigkeit auf der Kippe. Lieber Spiegelfechter, Zeit eine Pause zu machen. ;-)

      *lol*

      Ich habe ja zum Glück keine Tageszeitung an der Backe, die ich nebenbei noch führen muss ;-)

    136. Sandsturm schrieb am 20. Dezember 2009 um 14:19 - Permalink

      @ Kapiernix

      Im Endeffekt is das doch dann genauso lange wie ein Diplomstudium nur mit weniger Allgemeinwissen und mehr Fachidiotie. Und der Effekt, den man durch Verkürzen der Studienzeit erreichen will wäre gleich Null.

      Ja und weiter? Ich hab nie geschrieben das die Studienzeit nicht ausgedehnt werden kann wenn man es möchte. Ich hab ja auch länger als die Regelstudien gebraucht. Verwechsel mich nicht mit StefanP – ich bin sowohl für ein kostenloses Studium als auch gegen eine Anwesenheitspflicht – ich finde aber das durch die Reform die Durchlässigkeit für Menschen die von einer FH an eine Uni wollen ganz erheblich verbessert wurde. Und DAS ist für mich ein wirklicher Fortschritt.
      Abgesehen davon bin ich nicht der Meinung das die Charakterbildung an den Hochschulen erfolgen muss – die Hochschulen ist ein Ort an dem man Fachwissen erwirbt, wer glaubt das es notwendig ist seinen Charakter weiter auszubilden kann dies genauso gut in seiner Freizeit machen und dort Diskussiongruppen oder Selbstfindungsseminare besuchen.

    137. StefanP schrieb am 20. Dezember 2009 um 14:48 - Permalink

      @Herr Knecht, @Albert

      Menschen sind in ihrem Denken und geistigen Arbeiten nicht einem Haltbarkeitsdatum unterworfen. Ein Helmut Schmidt litt zeit seines bisherigen Lebens sicher nicht unter Stressarmut, dennoch ist er heute noch begehrter Buchautor, Ratgeber, Interviewpartner und damit alles andere als aussortiert. Nach meiner Erfahrung und Beobachtung werden Menschen aus dem Erwerbsleben aussortiert, wenn sie nicht mehr veränderbar, damit lernfähig sind. Lernen kann man nur, soweit man aufgeschlossen gegenüber Neuem ist, in der Lage, sich mit anderen Entwicklungen auseinander zu setzen. Betrachte ich mir das inzestuöse Lesen und Verlinken einiger Debattanten, steht es damit nicht überall zum Besten.

      Formbar sollten wir immer sein im Sinne von anpassungsfähig. Ein Automobilhersteller hat eine andere Kultur als ein Tabakwarenproduzent. Wer sich nicht mit dem Produkt, den Kunden seines Arbeitgebers identifizieren mag, sollte schleunigst die Branche wechseln. Aber Unternehmen heuern neue Mitarbeiter, weil sie sich von ihnen andere Ansätze versprechen. Keineswegs beschäftigen Boston Consulting und McKinsey vorrangig junge BWLer, der Fokus ungleich weiter gespannt. Vom Historiker bis zum Erziehungswissenschaftler hat man die Chance, an die begehrten Jobs der Beratungsindustrie zu kommen.

      Und so können Unternehmen manche Mitarbeiter gar nicht lange genug halten. Selbst mit dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze werden diese wichtigen Informationsträger abschließend noch mit lukrativen Beraterverträgen ausgestattet, um an ihrem Wissen teilzuhaben.

      Wer das Gefühl hat, aussortiert zu werden, sollte sich fragen, wann er aufgehört hat zu lernen.

    138. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 15:25 - Permalink

      @StefanP

      Keineswegs beschäftigen Boston Consulting und McKinsey vorrangig junge BWLer, der Fokus ungleich weiter gespannt. Vom Historiker bis zum Erziehungswissenschaftler hat man die Chance, an die begehrten Jobs der Beratungsindustrie zu kommen.

      Sicher, man darf sich nur – wie in der Tabakindustrie – nicht all zu sehr mit seinem Produkt identifizieren. Wer den faustischen Pakt eingeht, sollte sein Gewissen schon einmal in Frührente schicken.

    139. StefanP schrieb am 20. Dezember 2009 um 15:50 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Ich komme aus Deutschland und hier beträgt die Staatsquote rund 43%, was im unteren EU-Durchschnitt ist.

      Ja, aber nur aus einem Grund, weil das BIP zwischen 2006 und 2008 kräftig gewachsen ist. 2009, darauf können Sie sich verlassen, steigt der Staatsanteil völlig ohne Krisenauswirkung auf die Staatsfinanzen auf 46 Prozent und damit auf das normale Niveau der letzten Dekade. Und bisher haben wir noch immer ein Mehr in der Staatskasse für ein Mehr an Sozialleistungen verwandt. Das Problem ist also nicht zu wenig Geld, sondern wie wir es verwenden.

      Sehr richtig! Von Finnland lernen, heißt siegen lernen!

      Wieviel Finnen gibt?s auf der Welt? Nochmal: das Problem ist nicht das Geld, sondern seine Verteilung. So hohe Sozialtransfers wie in Skandinavien, soviel öffentliche Bedienstete, soviel öffentliche Investitionen wie im hohen Norden und Steuern wie in der Schweiz, das funktioniert nicht. Um es gleich vorweg zu sagen: wie die meisten Deutschen will ich nicht so viele Abgaben zahlen wie in Skandinavien.

      Was sollen sie machen, wenn sie in der Schule keine Impulse und kein Verständnis für höhere Bildung mitbekommen?

      Wo sind denn Sie zur Schule gegangen? Ich hatte als Lehrer Fans vom real existierenden Sozialismus (unterrichten heute noch) und naturwissenschaftlichen Fachidioten. Geredet wurde von den Vorzügen von Nullwachstum, den Grenzen des Wachstums und ? mein Lieblingsbegriff ? von ?qualitativem Wachstum?. Gefruchtet hat das alles nichts. Man kann aber andersherum sagen, die meisten Pauker wurden von der Wirklichkeit widerlegt (was keinen Einfluss auf ihre Lehrtätigkeit hatte) und durften weitere Schülergenerationen zur Verzweiflung bringen.

      Ideologische Positionen waren schon immer ein Vorrecht der Männer.

      Nee, Frauen bringen sich noch immer mit ihrer Studienwahl in Position als interessante Begleiterin finanzkräftiger Männer.

      ->Warum sind die Studiendauern an Privatunis dann niedriger als im Schnitt der Hochschulen?
      Weil dort bessere Studienbedingungen vorherrschen und die Studenten nicht nebenbei arbeiten müssen?

      Könnte sein, spricht aber gegen das, was hier schon gesagt wurde, dass nämlich so mancher sich aus Angst um seine berufliche Zukunft auf der Uni zwischenparkt. Zudem ist es ein Mythos, Studenten an Privatunis würden nebenbei nicht arbeiten. Drittens gibt es im Gegensatz zu den Angelsachsen sehr lange Semesterferien, wo man das Geld verdienen kann, das man im Zweifel privat benötigt. Wie gesagt, meine Tochter arbeitet sogar im Semester, es sind aber ihre nichtarbeitenden Freundinnen, die einige Vorlesungen fahren lassen. Nebenbei: ich habe mein Studium auch in weiten Teilen selbst finanziert, das ist aus eigener Erfahrung kein Grund für eine längere Studiendauer. Ebenso nicht die Studienbedingungen. Ob man mit 10 oder 100 Kommilitonen im Hauptstudium zusammen sitzt, hat keinen Einfluss, wann man ins Examen kann. Und einen Seminarplatz hat man auch immer in überfüllten Veranstaltungen bekommen.

      Aber du jubilierst doch über Bologna ? siehst Du die Zusammenhänge etwa nicht?

      Wo jubele ich über Bologna? Es ist nur konsequent und eine internationale Anpassung.

      ->Da hängen wir Deutsche nicht erst seit heute zurück, französische, britische und asiatische Absolventen sind schlichtweg besser.
      Ach was! Wo hast Du denn das her? Wahrscheinlich hast Du die dortigen Eliteunis im Kopf und vergleichst sie mit deutschen 0815-Unis.

      Nada. Ich arbeite seit Jahren sehr international, mit Akademikern aus Finnland (;-) ), Italien, UK, USA, China, Indien, Ukraine, Polen, Frankreich, Dänemark, Israel, Norwegen und noch ein paar weitere. In den seltensten Fällen trifft man auf Eliteabsolventen, die machen in der Regel eine Turbokarriere und finden sich in echten Spitzenpositionen.

      Stimmt und nun bekommen sie FHler mit Uniabschluss ? dumm gelaufen.

      Ich habe gleich im ersten Absatz meines ersten Beitrags angedeutet, dass die Wirtschaft wieder mal bekommt, was sie wollte und womit sie am Ende nichts anfangen kann. Auch das sind Frösche.

      Darum geht es mir nicht. Wenn ich mir die Situation hier in der Region so anschaue, gibt es zwei Parteien, in die man als halbwegs fähiger Mensch nur eintreten muss und dann schon beste Chancen auf Mandate hat ? die FDP und die Linke.

      Da beide keine Gewähr auf Regierungsteilhabe bieten, sind das häufig Abstellbahnhöfe für politische Fundamentalisten. Jemand, der etwas aus seinem Leben machen will und karriereorientiert ist (um die ging es), meidet solche Sümpfe.

      Keinesfalls ? daran haben die Banken die Hauptschuld. Wer Kredite benötigt, muss betriebswirtschaftliche Expertisen vorlegen können. Bei kleineren und mittelgroßen Betrieben müssen die durch Externe erbracht werden. Und wenn man die McKinsey-Brut erst einmal im Haus hat, ist dies meist der Anfang vom Ende.

      Da sind Sie aber arg in der Zeit stehen geblieben. Die Finanzierung mittelständischer Unternehmen hat sich in den vergangenen 15 Jahren gravierend verändert, Banken sind oft nicht mehr die Hauptfinanziers, sondern wurden abgelöst durch strategische Investoren, Risikokapitalteilhaber und andere Formen. Gerade einige der führenden Unternehmen in der Ökobranche haben praktisch keine Bankkredite auf der Passivseite. Und was ist dagegen zu sagen, dass ein Unternehmer einen klaren, nachvollziehbaren Geschäftsplan (Business Plan) vorlegen muss, der plausibel in Markteinschätzungen passt? Die Bank hantiert ja auch nicht mit eigenem Geld und ist rechenschaftspflichtig.

      Richtig ? aber vor allem im Falle Arcandor waren daran ja wohl hauptsächlich so strahlende Wirtschaftswunder wie Großmeister Middelhoff verantwortlich.

      Wie ist Frau Schickedanz auf Middelhoff verfallen? Die meisten Konzerne hatten doch bei dem früheren Bertelsmann-Jungstar schon abgewunken, sein Name war verbrannt. Aber die Fürtherin hatte bis zum Ende trotz der negativen Entwicklung volles Vertrauen in den Manager. Als versierte Unternehmerin wäre ihr das nicht passiert.

    140. Herr Knecht schrieb am 20. Dezember 2009 um 15:52 - Permalink

      @StefanP

      Menschen sind in ihrem Denken und geistigen Arbeiten nicht einem Haltbarkeitsdatum unterworfen

      .
      Wo sag ich das?

      Ein Helmut Schmidt litt zeit seines bisherigen Lebens sicher nicht unter Stressarmut, dennoch ist er heute noch begehrter Buchautor, Ratgeber, Interviewpartner und damit alles andere als aussortiert.

      Das ist doch schön, er muss schonmal nicht als Ausfall berechnet werden, falls Du auf meinen Faktor Arbeit Bezug nehmen willst.

      Nach meiner Erfahrung und Beobachtung werden Menschen aus dem Erwerbsleben aussortiert, wenn sie nicht mehr veränderbar, damit lernfähig sind.

      Das macht Sinn, obwohl Statistik wohl weniger zu deinen Stärken zählt, da Du dich oft auf eigene Beobachtungen beziehst. Selektive Wahrnehmung ist etwas herrliches. Man sollte berufliche Flexibilität und Lernfähigkeit nicht mit ideologischer Weltanschauung in einen Topf werfen. Das ist ganz was anderes.

      Lernen kann man nur, soweit man aufgeschlossen gegenüber Neuem ist, in der Lage, sich mit anderen Entwicklungen auseinander zu setzen. Betrachte ich mir das inzestuöse Lesen und Verlinken einiger Debattanten, steht es damit nicht überall zum Besten.

      Ohne Worte, welch verbitterter Ekel gegenüber dem nie begreifbaren linken Gedankengut lässt sich dahinter nur vermuten…

      Formbar sollten wir immer sein im Sinne von anpassungsfähig.

      Ach endlich kommst Du zu dem Begriff, den ich wirklich verwendet habe. Vorher das war ja wiedermal eine halbgare Chewbacca-Verteidigung. Wusstest Du, dass Helmut auf ein paar Fotos sehr schöne Hüte trägt? Dennoch, jetzt wird schon wieder aus dem Begriff “formbar” der Begriff “anpassunsfähig” gemacht. Mit formbar meine ich gerade den Aufbau einer Gesinnung, Werthaltung und Einstellung. Ständig legst Du einem andere Begriffe in den Mund.

      Ein gutes, wenn auch sehr drastisches Beispiel, welches ich keineswegs mit dem Bolognaprozess gleichsetzen will, ist Napola. Wenn man nicht ein absoluter Opportunist ist, zeigt dies nach einer gewissen Zeit eine kaum umkehrbare Wirkung. Ein Schwamm, der schon vollgesaugt ist nimmt kein Wasser mehr auf.

      Ich habe übrigens nichts gegen Rennfahrer, auf bestimmten Gebieten reizt mich auch die Geschwindigkeit. Trotzdem sind Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht nur im Strasssenverkehr sinnvoll, will man Unglücke vermeiden. Schlimm wirds, wenn in die Unfälle (z.B. Finanzkriege) unbeteilitge Dritte involviert sind.
      Manche Dinge nimmt man nur wahr, wenn man langsam an Ihnen vorbeischlendert. Diese Dinge sind genauso wichtig und erstrebenswert im Leben. Ich glaube Du wertest diese Dinge ab, weil Du nicht fähig bist sie zu sehen.
      Ich weiss von diesem Hippy-Gelaber kann man sich nichts kaufen, genau das ist der Punkt ;).

    141. Spiegelfechter schrieb am 20. Dezember 2009 um 16:34 - Permalink

      @StefanP

      Ja, aber nur aus einem Grund, weil das BIP zwischen 2006 und 2008 kräftig gewachsen ist. 2009, darauf können Sie sich verlassen, steigt der Staatsanteil völlig ohne Krisenauswirkung auf die Staatsfinanzen auf 46 Prozent und damit auf das normale Niveau der letzten Dekade.

      Womit wieder einmal der Beweis erbracht ist, dass der Staat konjukturunabhängig wirtschaften kann, was in unserer Zeit ja durchaus von Vorteil ist.

      Wieviel Finnen gibt?s auf der Welt?

      Komisch, dass dieses Argument nie kommt, wenn uns wieder einmal die Niederlande, Dänemark, Irland oder die Schweiz als Vorbilder für einen schlanken Staat dargestellt werden.

      So hohe Sozialtransfers wie in Skandinavien, soviel öffentliche Bedienstete, soviel öffentliche Investitionen wie im hohen Norden und Steuern wie in der Schweiz, das funktioniert nicht

      Stimmt, das wäre der Wolpertinger-Staat.

      Um es gleich vorweg zu sagen: wie die meisten Deutschen will ich nicht so viele Abgaben zahlen wie in Skandinavien.

      Warum überrascht mich das jetzt nicht?

      Wo sind denn Sie zur Schule gegangen?

      Auf ein sehr empfehlenswertes öffentliches(!) humanistisches Gymnasium, dessen Absolventen wesentlich bessere Noten hatten als in den beiden Privatschulen vor Ort. Damals galten Privatschulen nämlich noch als Hort für schwer erziehbare Gören aus “besserem” Hause, während die fitten Besserverdienerkinder wie selbstverständlich auf die qualitativ hochwertigeren staatlichen Gymnasien gingen.

      Ich hatte als Lehrer Fans vom real existierenden Sozialismus (unterrichten heute noch) und naturwissenschaftlichen Fachidioten.

      Dito

      Geredet wurde von den Vorzügen von Nullwachstum, den Grenzen des Wachstums

      Wahrhaft prophetisch! Die Merkelin erzählt ja heute etwas ähnliches ;-)

      Gefruchtet hat das alles nichts.

      Das merkt man (leider).

      Man kann aber andersherum sagen, die meisten Pauker wurden von der Wirklichkeit widerlegt

      Ach was – Du bist nur von der Gegenideologie eingefangen worden.

      Nee, Frauen bringen sich noch immer mit ihrer Studienwahl in Position als interessante Begleiterin finanzkräftiger Männer.

      So so, na Dein Frauenbild möchte ich nicht haben.

      Zudem ist es ein Mythos, Studenten an Privatunis würden nebenbei nicht arbeiten

      Stimmt, einige müssen pro forma als Strohmänner Daddies Schattenfirmen vorstehen ;-)

      Drittens gibt es im Gegensatz zu den Angelsachsen sehr lange Semesterferien, wo man das Geld verdienen kann, das man im Zweifel privat benötigt

      Stimm – sechs Wochen, wie es Bologna vorsieht. Das ist wirklich viel Zeit.

      Nebenbei: ich habe mein Studium auch in weiten Teilen selbst finanziert, das ist aus eigener Erfahrung kein Grund für eine längere Studiendauer

      Ich durfte das Gegenteil erfahren.

      Wo jubele ich über Bologna? Es ist nur konsequent und eine internationale Anpassung.

      Ist das kein Jubelio?

      Jemand, der etwas aus seinem Leben machen will und karriereorientiert ist (um die ging es), meidet solche Sümpfe.

      Dieses mutige Statement solltest Du mal im JuLi-Blog absondern ;-)

      Da sind Sie aber arg in der Zeit stehen geblieben. Die Finanzierung mittelständischer Unternehmen hat sich in den vergangenen 15 Jahren gravierend verändert, Banken sind oft nicht mehr die Hauptfinanziers, sondern wurden abgelöst durch strategische Investoren, Risikokapitalteilhaber und andere Formen.

      Noch schlimmer ;-)

      Welcher vernünftige Familienunternehmer holt denn den Feind persönlich ins Haus?

      Wie ist Frau Schickedanz auf Middelhoff verfallen?

      Ob es an seinem Zahnpasta-Lächeln, seiner schicken Frisur oder seiner großen Klappe lag, kann ich nicht sagen.

      Als versierte Unternehmerin wäre ihr das nicht passiert.

      Eben – meine Worte.

    142. Robert schrieb am 20. Dezember 2009 um 17:54 - Permalink

      @ Kapiernix:

      ich wette da redet jemand von der tu-chemnitz, weil ich genau diese sachen bei uns echt sehr oft zu hören bekomme.

      am schlimmsten sind für mich jedenfalls jene blöckende schafe von studenten, welche es nicht fertigbrngen sich über die ziele des streiks richtig zu informieren! da wird lieber gemeckert warum eine vorlesung in bwl ausfallen muss, anstatt einmal mitzudiskutieren!

    143. Kapiernix schrieb am 20. Dezember 2009 um 18:17 - Permalink

      @ Robert

      Wie ich schon schrieb, sollte man die Forderungen bei einem solchen Protest nicht verstecken, sondern so offensichtlich wie nur möglich präsentieren. Und wenn ich erst mal eine halbe Stunde suchen muss, bis ich finde, was ich wissen will, verliere ich schnell das Interesse und meckere lieber weiter.

    144. StefanP schrieb am 20. Dezember 2009 um 18:18 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Womit wieder einmal der Beweis erbracht ist, dass der Staat konjukturunabhängig wirtschaften kann, was in unserer Zeit ja durchaus von Vorteil ist.

      Leider tut er das keineswegs, meine Berechnung war auf dem Status Quo der Staatsausgaben, nicht gerechnet sind darin die erhöhten Ausgaben für Arbeitsmarkt, Sozialpolitik und andere finanzwirtschaftliche Auswirkungen. Zuletzt hatten wir immer eine prozyklische Politik, das Gegenteil von dem von Ihnen Gesagten.

      Komisch, dass dieses Argument nie kommt, wenn uns wieder einmal die Niederlande, Dänemark, Irland oder die Schweiz als Vorbilder für einen schlanken Staat dargestellt werden.

      Es gibt gut 5 Millionen Finnen, dagegen ist selbst die Schweiz bevölkerungsreich. Sowenig wie Sie das Staatsverständnis der Amerikaner gelten lassen würden, so gilt das für mich in Bezug auf Skandinavien. Das Problem ist, dass wir Deutschen nicht wissen, welchen Staat wir eigentlich wollen. Das mündet immer in einer Überforderung und Unterforderung gleichermaßen. Die Politik ist nur der Depp, der dafür die Prügel bezieht.

      ->Wo sind denn Sie zur Schule gegangen?
      Auf ein sehr empfehlenswertes öffentliches(!) humanistisches Gymnasium, dessen Absolventen wesentlich bessere Noten hatten als in den beiden Privatschulen vor Ort.

      Ob das heute noch gilt? Ich bin mehrere Jahre meiner gymnasialen Karriere auf eine Mustergesamtschule gegangen, ein weiteres Reizwort linker Politik für mich. So miserabel kann keine andere Schulform sein.

      Die Merkelin erzählt ja heute etwas ähnliches ;-)

      Die Kanzlerin erzählt heute dies und morgen das. Kann so jemand als Leumund herhalten?

      ->Nee, Frauen bringen sich noch immer mit ihrer Studienwahl in Position als interessante Begleiterin finanzkräftiger Männer.
      So so, na Dein Frauenbild möchte ich nicht haben.

      Was hat Wirklichkeit mit einem ideologischen Weltbild zu tun? Ich muss Sie enttäuschen: die Aussage stammt von einer Kollegin von Ihnen, getätigt im Sommer 2007 in einem Spiegel-Leitartikel.

      Stimmt, einige müssen pro forma als Strohmänner Daddies Schattenfirmen vorstehen ;-)

      Wer während seines Studiums nie richtig gearbeitet hat, kann den lockeren Berufseinstieg gleich vergessen. Außerdem setzt das voraus, dass nur selbständige Unternehmer ihre Kinder auf Privatschulen schicken ? und wo bleiben die ganzen Manager-, Banker- und Ärztekinder?

      ->Drittens gibt es im Gegensatz zu den Angelsachsen sehr lange Semesterferien, wo man das Geld verdienen kann, das man im Zweifel privat benötigt
      Stimmt ? sechs Wochen, wie es Bologna vorsieht. Das ist wirklich viel Zeit.

      Hey, die Klage, vor lauter Jobben nicht zum Studieren zu kommen, stammt aus der Jetzt-Zeit, wo es gerade mal 5 Monate Semesterferien gibt und wo wir Leute wie Nils Annen produzieren. Haben andere Länder soviel mehr Studentenförderung, dass Deutschland hier bei den Ausbildungszeiten an der Spitze liegt?

      Ist das kein Jubelio?

      Wenn ich zigmal mit einem Konzept scheitere, da es nicht den Erfolg gebiert, den ich mir davon versprochen habe, ist es nicht verwerflich, umzudenken. An dieser konzeptionellen Offenheit mangelt es uns Deutschen im Allgemeinen und den Studenten im Besonderen.

      Dieses mutige Statement solltest Du mal im JuLi-Blog absondern ;-)

      Wo ist der? Da ich konfrontativ angelegt bin, diskutiere ich lieber mit Leuten, die nicht meine Gesinnung haben. Vorausgesetzt, es geschieht höflich und respektvoll.

      Noch schlimmer ;-) Welcher vernünftige Familienunternehmer holt denn den Feind persönlich ins Haus?

      Wieso den Feind? Ich glaube, es ist besser, sich langfristig über einen strategischen Partner oder eigene Kapitalmarktanleihen (Fonds) zu finanzieren, als sich von Banken abhängig zu machen, die in einer Krise die Linien kappen. Wenn damit noch betriebswirtschaftliche Professionalität einzieht, umso mehr Stabilität hat das Unternehmen für die Zukunft. Ich kann leider keine Namen nennen, da ich einer Verschwiegenheitsklausel unterliege, aber schauen Sie mal bei KlimaInvest oder Nawaro rein.

    145. Eike Scholz schrieb am 20. Dezember 2009 um 19:20 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Vielen dank für diesen, wenn ich mir einige Kommentare anschaue, wirklich notwendigen Artikel.
      Nur möchte ich noch einiges Anmerken:
      Die Tendenz das Humanistische Gymnasium auf Sprachen festzulegen finde ich etwas irritierend.
      Dieses gegeneinander ausspielen von Naturwissenschaft gegen Geisteswissenschaft ist schadhaft. Ein Teil unserer Probleme rühren daher, dass sich gewisse Geisteswissenschaftler wohl von den wirtschaftlich relevanteren Naturwissenschaften bedroht fühlen und versuch(t)en diese im Wert klein zu halten. Insbesondere in dem sie das Schulleben, für die dort hauptsächlich begabten Menschen, zu denen ich gehöre, extra schwer machten. Zu meinem Leidwesen bin ich auch noch Legastheniker.

      Das hat natürlich den Erfolg dass man in den Naturwissenschaften viele Leute heran gezüchtet hat, die, quasi als Trotzreaktion, diese Humanistische Bildung ablehnen.
      Da haben also gewisse humanistische Sprachwissenschaftler ihrer Sache aus Eitelkeit unnötig geschadet. Mal abgesehen, dass es von humanistisch philosophischer Seite überhaupt keine Konkurrenz zwischen diesen Gebieten gibt. Ein Mindestmaß an Wissen, ist in beiden Gebieten notwendig um sich mündig in unserer Welt verhalten zu können.

      Was die freie Verfügbarkeit von Bildung angeht, denke ich, wird inzwischen eine wesentliche Komponente häufig vergessen: Für den demokratischen Rechtsstaat ist die wesentliche Komponente von Bildung, das Ausbilden einer gereiften Urteilskraft. Sonst hat man schnell eine Demokratie die kein Rechtsstaat mehr ist. Um das zu erkennen muss man natürlich gebildet genug sein, um zu wissen, dass Demokratien nicht zwingend rechtsstaatlich sein müssen.
      Der Bildungsauftrag des Staats ist einfach kein ausschließlicher Ausbildungsauftrag für Wirtschaftlich relevante Tätigkeiten, sondern wesentlich substantieller und sollte schon deshalb kostenfrei sein.
      Wir haben sogar Schulpflicht d.h. wir beschränken Freiheitsrechte wegen dieses Bildungsauftrages.

      Seit der Finanzkrise halte ich auch jede Behauptung der Unifizierbarkeit einer solchen freien Verfügbarkeit von Bildung für an den Haaren herbei gezogen. Allerdings sind Kosten das einzige Argument für Gebühren, das ich je vernommen habe, welches einer kritischen Prüfung standhält.
      Studiengebühren sind schlicht weg Ausdruck eines Politischen willens oft verbunden mit einer Portion Ignoranz, und nicht durch angebliche Sachzwänge zu rechtfertigen.

    146. Terminator schrieb am 20. Dezember 2009 um 19:32 - Permalink

      Interessant ist vor allem die Haltung vieler Studenten, die nur die neue Art von Universitäten kennen. Die halten Studiengebühren für sinnvoll und notwendig, weil die ja Studium und Lehre verbessern. Dass sie eigentlich ein (grund)gesetzliches Anrecht auf ausreichend Geld ohne Studiengebühren haben sollten, ist denen weder klar noch sehen die das ein. Die verstehen ja nicht mal, dass mit jedem Jahr Studiengebühren das gesetzliche Anrecht auf kostenlose Bildung geschwächt wird.

      Habe mehrere Wirtschaftswissenschaften-Studenten der neuen BA-/MA-Studiengänge getroffen (5. Semester und höher) und deren Glaubenssätze lauten momentan:
      1. Bologna ist eine gute Reform, weil es weniger Abbrecher und mehr Inhalte im Studium gibt, und die alten Magister- und Diplomstudiengänge waren für faule Säcke, die nix getan haben und nix konnten.
      2. Die Gesundheitsreform (Kopfpauschale) ist eine gute Reform, weil es mehr Wahlfreiheit geben muss.
      3. Nein, die Gesundheitsreform macht das Krankenversicherungssystem nicht unsolidarischer und ja, er [Student Wirtschaftswissenschaften] hat von den einkommensunabhängigen Kopfpauschalen gehört, aber das ist nicht unsolidarisch und selbstverständlich muss ein Gesundheitssystem solidarisch sein, ja, das gibt er zu.
      4. Jeder Mensch ist frei und kann frei wählen, was er tut. Raucher, Übergewichtige, Schulversager, Privatinsolvenz-Anmelder usw. sind selbst Schuld an ihrer Misere.

      Insbesondere bei 3. und 4. habe ich mich gefragt, ob mein Gegenüber einen schweren Hirnschaden erlitten hat.

    147. Eike Scholz schrieb am 20. Dezember 2009 um 19:48 - Permalink

      4. Jeder Mensch ist frei und kann frei wählen, was er tut. Raucher, Übergewichtige, Schulversager, Privatinsolvenz-Anmelder usw. sind selbst Schuld an ihrer Misere.

      So und genau hier würde ein wenig Bildung im Bereich Philosophie und ein wenig naturwissenschaftliches ,d.h. hier biologisches und medizinisches, Hintergrundwissen gut tun. Ideologie, egal welche, war noch nie ein ausreichender Ersatz für Bildung … aber dafür müsste man ja jetzt mehr Bezahlen.

    148. Albert schrieb am 20. Dezember 2009 um 22:52 - Permalink

      @ Stephan P:

      … Bologna? Es ist nur konsequent und eine internationale Anpassung

      Eine Anpassung an etwas, dessen Sinn und Wert vor der Anpassung scheinbar nicht geprüft wurde. Damit ist die Anpassung dann ein reichlich dummer Schritt. Wir springen schließlich gewöhnlich auch nicht von der Brücke, nur weil es der neben uns tut.

      Also: besser erst denken, dann handeln.

    149. Diskussionsteilnehmer schrieb am 21. Dezember 2009 um 01:05 - Permalink

      [

      Ich stelle immer wieder mit Entsetzen fest, dass selbst viele Akademiker nicht den Unterschied zwischen dass und das kennen?, womit sie sich in meinen Augen sofort einer ernsten Teilnahme an einer akademischen Diskussion disqualifizieren.

      Ich hoffe wirklich, dass niemand mit so einer Überzeugung versucht auf Lehramt zu studieren. Lehrer mit solch einer Einstellung gibt es noch genug, und mit denen kann man meistens gar nicht Diskutieren. Ob nun “akademisch” oder alltäglich….

    150. Flying Circus schrieb am 21. Dezember 2009 um 09:19 - Permalink

      @StefanP:

      “Wer 15 Semester auf dem Buckel hat, konnte zumindest eins beweisen: dass er ziemlich ziel- und orientierungslos ist. Wie will so jemand einen künftigen Arbeitgeber davon überzeugen, dass er jetzt, Ende 20, aber wirklich weiß, was er will?
      Das geht nicht und das weiß jemand mit Lebenserfahrung.”

      Soso. Ich habe sogar 18 Semester gebraucht – und jetzt?
      Meine Arbeitgeber werden wohl keinerlei Lebenserfahrung gehabt haben, schätze ich. Ich stehe seit meinem Abschluß kontinuierlich in Lohn und Brot. Wiewohl mein Start in eine absolute Dürre auf dem Arbeitsmarkt fiel.

      Vielleicht sollten Sie von solch’ pauschalen Urteilen wie dem oben Abstand nehmen. ;-)

    151. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 09:48 - Permalink

      @Flying Circus

      Soso. Ich habe sogar 18 Semester gebraucht ? und jetzt?
      Meine Arbeitgeber werden wohl keinerlei Lebenserfahrung gehabt haben, schätze ich. Ich stehe seit meinem Abschluß kontinuierlich in Lohn und Brot. Wiewohl mein Start in eine absolute Dürre auf dem Arbeitsmarkt fiel. Vielleicht sollten Sie von solch? pauschalen Urteilen wie dem oben Abstand nehmen. ;-)

      Nun denn, herzlichen Glückwunsch. Wobei die Frage zu stellen ist, ob es wirklich ein Wert an sich ist, neun Jahre zu studieren und dann auf den Status durchgehender Beschäftigung zu verweisen. Allein das hätten Sie vielleicht billiger haben können.

      Nun können wir keine Lebensläufe nebeneinander halten, aber statistisch ist die Wahrscheinlichkeit gering, mit einem solchen zeitlichen Handicap in Toppositionen zu kommen. Wenn man es denn will. Was nicht heißt, dass es nicht möglich ist, wie uns der Autor oben schrieb. Aber fast jedes Wochenende gewinnt auch jemand im Lotto, nur ich war noch nie unter den Gewinnern.

      In der besinnlichen Zeit werde ich über meine grundsätzliche Einstellung nachdenken, versprochen! ;-)

    152. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 10:28 - Permalink

      @StefanP

      Nun können wir keine Lebensläufe nebeneinander halten, aber statistisch ist die Wahrscheinlichkeit gering, mit einem solchen zeitlichen Handicap in Toppositionen zu kommen.

      Da stellt sich die Frage, ob das Erreichen von Toppositionen wirklich ein Wert an sich ist. Diese Frage wirst auch Du Dir noch einmal stellen. Habe ich mein Leben für die Karriere geopfert? Kenne ich meine Kinder überhaupt? Was steckt eigentlich hinter dieser Leere?

      Darauf brauchst Du aber jetzt noch nicht zu antworten.

    153. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 10:33 - Permalink

      @Albert

      Eine Anpassung an etwas, dessen Sinn und Wert vor der Anpassung scheinbar nicht geprüft wurde. Damit ist die Anpassung dann ein reichlich dummer Schritt. Wir springen schließlich gewöhnlich auch nicht von der Brücke, nur weil es der neben uns tut.

      Der Bologna-Prozess wurde vor über 10 Jahren initiiert, Zeit genug zu prüfen und nachzudenken. Unter anderem soll ein zweistufiges System von Studienabschlüssen geschaffen werden, um Transparenz und Vergleichbarkeit innerhalb Europas herzustellen.

      Wir protestieren seit ewigen Zeiten, dass Abschlüsse nicht vergleichbar und/oder nicht anerkannt werden, um dann abzulehnen, dass der Missstand beseitigt wird. Bildungsabschlüsse sind dafür da, dass sie für andere eine bestimmte Qualität verbürgen. Wie soll das möglich sein, wenn niemand leicht ersichtlich weiß, was drin ist? Transparenz lehnen immer die ab, die sie fürchten müssen. Das ist im Bildungsbereich nicht anders als in der Lebensmittelindustrie.

      Kurz: es ist wie immer: erst sagen wir, was sinnvoll ist. Und wenn wir mit den Ergebnissen unseres Wollens konfrontiert werden, wollen wir das alles nicht so gewollt haben.

    154. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 10:44 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Da stellt sich die Frage, ob das Erreichen von Toppositionen wirklich ein Wert an sich ist. Diese Frage wirst auch Du Dir noch einmal stellen.

      Die Zweifel hatte ich bereits gestern mal aufgeworfen und die Frage stellt sich womöglich jeder irgendwann. Das kann man verneinen oder bejahen, das ist eine persönliche Entscheidung. Doch was veranlasst dann junge Menschen nach 13 Jahren Schule, nochmals ein paar Jahre an der Uni dranzuhängen? Ganz oben stehen die drei Ziele Karriere, Einkommen und Arbeitsmarktchancen. Natürlich, zumeist findet man einen Kompromiss mit eigenen Neigungen. Aber bitte: dass ausschließlich wissensdurstige Postmaterialisten den Campus bevölkern, das galt schon zu unseren Zeiten nicht.

      Doch wenn es so wäre, wäre dann nicht erst recht von jenen ein Obolus zu fordern, die im Sinne der Muße wie die griechischen Philosophen dem Schöngeistigen zugetan sind, während andere arbeiten? Anders gefragt: Wer an solch überirdischen Gütern interessiert ist, benötigt keine verbeamteten Hochschullehrer um das zu bekommen, wonach ihn dürstet. Die Universitätsbibliotheken stehen jedem offen, einen Abschluss bedarf es dazu nicht und auch nicht zur Dokumentation des Wissensnachweises.

    155. abc schrieb am 21. Dezember 2009 um 10:54 - Permalink

      @151
      Ja, man hätte auch gleich eine Ausbildung machen können oder sofort als Hilfarbeiter anheuern, das ist am billigsten. Sind sie wirklichso einfach gestrickt dass sie so ‘argumentieren’?

      Zu ihren Toppositionen:
      1. Dort ist die Luft naturgemäss sehr dünn, sprich selbst wenn sie schnell und exzellent abgeschlossen haben, bekommen sie dort nicht automatisch einen Job, da zählen noch ganz andere Faktoren die wichtiger sind.
      2.Nicht jeder will einen “Topposition” erreichen.

    156. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 10:58 - Permalink

      @StefanP

      Die Zweifel hatte ich bereits gestern mal aufgeworfen und die Frage stellt sich womöglich jeder irgendwann. Das kann man verneinen oder bejahen, das ist eine persönliche Entscheidung

      Sehr richtig.

      Doch was veranlasst dann junge Menschen nach 13 Jahren Schule, nochmals ein paar Jahre an der Uni dranzuhängen? Ganz oben stehen die drei Ziele Karriere, Einkommen und Arbeitsmarktchancen.

      Arbeitsmarktchancen, ja – Karriere und Einkommen sicher nicht bei allen. Selbstverständlich ist es erstrebenswert, einen Beruf zu finden, der der eigenen Berufung entspricht und dafür ist oft ein Studium alternativlos. Sicher unterscheiden sich da die Studenten auch von Studiengang zu Studiengang. Während Wirtschaftswissenschaftler – und hier vor allem BWLer – sicherlich karriereorientierter sind, dürfte sich die “Karriergeilheit” bei Geisteswissenschaftlern erfahrungsgemäß in Grenzen halten – und das ist gut so, da sich ein kritischer Geist natürlich vor allem dann entwickeln kann, wenn man auch kritikfähig ist. Wer aber auf die Karriere schielt, neigt zum Opportunismus. Bei BWLern ist da normal, bei Geisteswissenschaftlern wäre dies allerdings äußerst kontraproduktiv.

      Doch wenn es so wäre, wäre dann nicht erst recht von jenen ein Obolus zu fordern, die im Sinne der Muße wie die griechischen Philosophen dem Schöngeistigen zugetan sind, während andere arbeiten?

      Das Gegenteil ist der Fall! Wissen, das nicht materiell verwertbar ist, muss von der opportunistischen Karriereschicht gefördert werden und sei es über die Zwangsumlage Steuern.

      Anders gefragt: Wer an solch überirdischen Gütern interessiert ist, benötigt keine verbeamteten Hochschullehrer um das zu bekommen, wonach ihn dürstet. Die Universitätsbibliotheken stehen jedem offen, einen Abschluss bedarf es dazu nicht und auch nicht zur Dokumentation des Wissensnachweises.

      Auch hier ist wieder das Gegenteil der Fall. Wer nach irdischen Gütern strebt und für ein Unternehmen Mehrwert produzieren soll, hat eigentlich auf einer Universität nichts verloren, sondern sollte dann gleich von einer Berufsakademie, die nicht vom Steuerzahler sondern von der Wirtschaft finanziert wird, ausgebildet werden.

    157. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:02 - Permalink

      @abc

      Nicht jeder will einen ?Topposition? erreichen.

      Klar, deswegen hängt man bis 29, 30 an der Hochschule rum, während die früheren Klassenkameraden noch zu Zeiten der Lehre die eigene Bude bezogen haben. Man lässt sich die Freundin von so einem jungen Überflieger ausspannen, weil die es leid ist, darauf zu warten, dass man endlich beginnt, eine eigene Familie und Zukunft aufzubauen. Und natürlich nimmt man das alles in Kauf, um mit 35 Hiwi irgendeines arroganten Schnösels zu sein, der die Details nicht peilt, aber einen 1a-Werdegang hingelegt hat.

      Ja, so schafft man Zufriedenheit.

    158. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:20 - Permalink

      @StefanP

      Klar, deswegen hängt man bis 29, 30 an der Hochschule rum, während die früheren Klassenkameraden noch zu Zeiten der Lehre die eigene Bude bezogen haben

      Was offensichtlich Deinen Intellekt sprengt, ist die Vorstellung, dass nicht jeder ein Karrierist sein will. Ich kann Dir da mal ein schönes Beispiel mit an die Hand geben:

      Mein Freund M. hat (Abi 1,2) Jura studiert und mit Prädikatsexamen in Rekordzeit abgeschloßen, obwohl er nie auf Karriere aus war. Natürlich wurde er gleich von einer Frankfurter Großkanzlei mit einem sechsstelligen Jahresgehalt geködert und wollte das mal ausprobieren. Nach ersten Mäkelien über seine Frisur ging es dann ans Eingemachte: Er solle sich doch bitte ein adäquates Hobby suchen, bei dem er Kontakt mit den Kunden pflegen kann. M. war und ist ein begeisterter Tischtennisspieler, aber das geht natürlich gar nicht – er solle doch bitte Golf lernen oder mit dem Reitsport anfangen, von der ersten Prämie könne er sich ja mühelos ein ausgebildetes Dressurpferd leisten. M. grollte, schwieg aber noch. Dann kam seine Vorgesetzte auf ihn zu und gab ihm zu bedeuten, dass seine Freundin nicht karriereförderlich sei. Mit einer Lehramtsstudentin mit kritischen Ansichten könne man in der Kanzlei nicht so gut leben. Sie fragte ihn, ob er sich denn vorstellen könne, sich da umzuorientieren. M. konnte und wollte nicht, kündigte fristlos, schlug alle weiteren Angebote von Top-Kanzleien aus, lehnte auch Angebote für ein Richteramt ab und wurde schließlich Staatsanwalt für Wirtschaftskriminalität in einer Großstadt. “Jens, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn Du nur Arschlöcher als Klienten hast – nun sind diese Arschlöcher nicht mehr meine Klienten, sondern meine Gegner” – ihm macht das Spaß. Er “verdient” nun zwar nur einen Bruchteil dessen, was er in Frankfurt bekam, ist aber glücklich und zufrieden … von seiner Freundin trennte er sich dennoch ;-)

      Natürlich ist das für Dich komplett unverständlich – aber sehr viele Menschen – und das sind meist die sympathischen – scheißen auf das große Geld und gestalten ihr Leben lieber nach sinnvollen Mustern. Und – nein! – das sind nicht die Bummelstudenten, sondern auch äußerst qualifizierte Personen, die den faustischen Pakt aus Überzeugng verweigern.

      Man lässt sich die Freundin von so einem jungen Überflieger ausspannen, weil die es leid ist, darauf zu warten, dass man endlich beginnt, eine eigene Familie und Zukunft aufzubauen.

      Da kann man nur froh sein, dass man das geldgeile Luder endlich los ist ;-)

    159. Herr Knecht schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:23 - Permalink

      @StefanP

      @abc

      Nicht jeder will einen ?Topposition? erreichen.

      Klar, deswegen hängt man bis 29, 30 an der Hochschule rum, während die früheren Klassenkameraden noch zu Zeiten der Lehre die eigene Bude bezogen haben. Man lässt sich die Freundin von so einem jungen Überflieger ausspannen, weil die es leid ist, darauf zu warten, dass man endlich beginnt, eine eigene Familie und Zukunft aufzubauen. Und natürlich nimmt man das alles in Kauf, um mit 35 Hiwi irgendeines arroganten Schnösels zu sein, der die Details nicht peilt, aber einen 1a-Werdegang hingelegt hat.

      Ja, so schafft man Zufriedenheit.

      Faszinierend, was Du dir als Alternative zu einer Topposition ausmalst. Ebenso faszinierend ist wieder das Frauenbild. Kommt ganz darauf an, ob man der Frau neben Geld noch etwas anderes bieten kann oder nicht, oder? Z.B. Zeit, ein interessantes Leben, Humor und und und…

    160. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:27 - Permalink

      @Herr Knecht

      Z.B. Zeit, ein interessantes Leben, Humor und und und?

      Wenn man von all dem nichts zu bieten hat, bleibt halt nur das Geld. Traurig irgendwie.

    161. lebowski schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:31 - Permalink

      Wer das Bildungssystem an die vermeintlichen wirtschaftlichen Interessen anpasst, erntet genau das, was er sät ? Technokraten und Fachidioten, die nicht über den Tellerrand blicken können.

      Der “Tellerrand” ist bei Bildungskritikern eine beliebte Metapher. Gefordert ist der Student, der über den Tellerrand des eigenen Faches hinausblickt. Eine echt wohlfeile Forderung, denn der Tellerand kann mitunter ganz schön weit weg sein. Nehmen wir die Physik. Die zerfällt schon im Studium in mehrere Unterdisziplinen, die dann wiederum in Dutzende Unterunterdisziplinen zerfallen.
      Festkörper-, Atom- , Teilchen-, Kern-, Quanten-, Astro- , Geophysik usw. usw.. Es war schon mit einem regulären Diplom-Studium von vier oder fünf Jahren ein echtes Kunststück, dem Tellerrand überhaupt nahe zu kommen, sprich jedes Teilgebiet auch nur zu streifen.
      Man hatte also die Wahl: entweder man konzentrierte sich auf ein Thema und wurde damit zum hier gescholtenen Fachidiot oder man verließ die Uni als Universallaie, der zu jedem Thema seinen Senf dazu geben kann, aber von keinem wirklich Ahnung hat.

    162. Herr Knecht schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:34 - Permalink

      @Sf

      Wenn man von all dem nichts zu bieten hat, bleibt halt nur das Geld. Traurig irgendwie.

      Noch trauriger, wenn man einer ganzen Gesellschaft aufzwängen will, doch bitte auch so zu sein. Naja bei richtigen “Luschen” wie deinem Freund M. klappts zum Glück nicht :).

    163. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:35 - Permalink

      und noch mal @StefanP

      Es gibt gut 5 Millionen Finnen, dagegen ist selbst die Schweiz bevölkerungsreich

      Wenn man die deutschen Wirtschaftsflüchtlinge abzieht nicht mehr ;-)

      Das Problem ist, dass wir Deutschen nicht wissen, welchen Staat wir eigentlich wollen.

      Doch, doch – “wir” Deutschen wissen das in der Mehrheit. Nur ist dies ein ganz anderer Staat, als er Dir und Deinen Vorbildern vorschwebt.

      -> Auf ein sehr empfehlenswertes öffentliches(!) humanistisches Gymnasium, dessen Absolventen wesentlich bessere Noten hatten als in den beiden Privatschulen vor Ort.

      Ob das heute noch gilt?

      In vielen Städten ja! Ich habe erst gestern ein interessantes Radio-Feature über die Gymnasien in Göttingen gehört. Dort sind die Gesamtschulen am beliebesten bei den Akademikerkindern, dann kommen die staatlichen Gymnasien.

      Ich bin mehrere Jahre meiner gymnasialen Karriere auf eine Mustergesamtschule gegangen, ein weiteres Reizwort linker Politik für mich.

      Das muss ein wahrhaft traumatisches Erlebnis gewesen sein ;-)

      -> So so, na Dein Frauenbild möchte ich nicht haben.

      Was hat Wirklichkeit mit einem ideologischen Weltbild zu tun? Ich muss Sie enttäuschen: die Aussage stammt von einer Kollegin von Ihnen, getätigt im Sommer 2007 in einem Spiegel-Leitartikel.

      Na das ist ja nun weiß Gott kein Widerspruch.

      Außerdem setzt das voraus, dass nur selbständige Unternehmer ihre Kinder auf Privatschulen schicken ? und wo bleiben die ganzen Manager-, Banker- und Ärztekinder?

      Stimmt, diese sozialen Randgruppen zeugen ja kleine Einstecktuchträger im Rekordtempo – und dies teilweise schon in dritter Generation!

    164. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:39 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Arbeitsmarktchancen, ja ? Karriere und Einkommen sicher nicht bei allen.

      Dann möchte ich von keinem (!) Akademiker die Klage hören, er würde zu schlecht bezahlt.

      Selbstverständlich ist es erstrebenswert, einen Beruf zu finden, der der eigenen Berufung entspricht und dafür ist oft ein Studium alternativlos.

      Wir haben in Deutschland ca. 13 Prozent Akademiker (incl. Fachhochschulabschluss), 87 Prozent werden wohl nicht nur in ihrem Leben einen Job gemacht haben, der ihrer Berufung nicht entsprach. Es gibt Alternativen zum Studium, das wird Ihnen noch heute mit Verve jeder erzählen, der sich gegen die Extrarunden im Hochschulsystem entschieden hat.

      ? und das ist gut so, da sich ein kritischer Geist natürlich vor allem dann entwickeln kann, wenn man auch kritikfähig ist.

      Danke, was viele unter ?kritischem Denken? verstehen, reicht mir. Wer links denkt, wer ?die bestehenden Verhältnisse hinterfragt?, ist ein kritischer Intellektueller, wer wirtschaftsnah und konservativ ist, ein Opportunist. Dass sich solch kritisches Denken nicht selbst hinterfragt, verstehen wahrscheinlich nur kritische Intellektuelle.

      Aufgeklärt, ein offener Geist ist jemand, der sich selbst (und nicht andere) ständig in Frage stellen kann. Der in der Lage ist, Wissen, Erfahrung und Forschungen anderer in neue Kontexte zu rücken. Der befähigt ist, sich von seinem Weltbild zu lösen, neutral Sachverhalte zu schildern und anderen zu erklären ? zu anspruchsvoll für die meisten.

      Wer aber auf die Karriere schielt, neigt zum Opportunismus.

      Ein so oft missbrauchter Begriff. Mit Anbiedern macht man heute keine Karriere mehr, man muss das Neue, das Innovative bieten, sonst steht sofort die Frage im Raum: wofür brauchen wir den? Die Welt verändert sich heutzutage so rasant, Unternehmen, heute noch profitabel, binnen weniger Monate Verlustbringer, dass man für eine Karriere genau die Fähigkeiten besitzen muss, die ich oben beschrieben habe.

      Management, Eigentümer und damit auch Mitarbeiter sind heute Getriebene der Schnelligkeit unseres Lebens und neuer Erkenntnisse. Sie haben das an anderer Stelle beschrieben, um dies zu verarbeiten, bedarf es ganz anderer Eigenschaften als Opportunismus.

      Wer nach irdischen Gütern strebt und für ein Unternehmen Mehrwert produzieren soll, hat eigentlich auf einer Universität nichts verloren, sondern sollte dann gleich von einer Berufsakademie, die nicht vom Steuerzahler sondern von der Wirtschaft finanziert wird, ausgebildet werden.

      Der Bildungsbereich produziert erst das Wissen, mit dem wir unsere materiellen Werte erreichen. Ohne Hochschule gäbe es keine Autos, keine Solaranlagen, keine Atomenergie, keine Computer und kein Internet. Wie gesagt, warum sollte jemand, der keine Bildung anstrebt, mit der sich materiell etwas anfangen lässt, Abschlüsse anstreben und begnügt sich nicht mit dem Lernen?

      Die Berufsakademien saugen längst die besten der Jahrgänge auf. Die Absolventen erhalten damit einen Abschluss, der ihnen später schlechtere Einkommen verschafft als den Uniabgängern. Mit anderen Worten: Wer an einer Hochschule studiert, kommt auf Kosten des Steuerzahlers zu höheren Einkommen als derjenige, welcher für seine Ausbildung selbst aufkommt. Eigenverantwortung hat in unserer Gesellschaft keinen Wert mehr.

    165. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 11:48 - Permalink

      @StefanP

      Dann möchte ich von keinem (!) Akademiker die Klage hören, er würde zu schlecht bezahlt.

      Na dann fang doch bitte mal bei den Ärzten und Anwälten an, die dieses Lied im Chor trällern.

      Wir haben in Deutschland ca. 13 Prozent Akademiker (incl. Fachhochschulabschluss), 87 Prozent werden wohl nicht nur in ihrem Leben einen Job gemacht haben, der ihrer Berufung nicht entsprach.

      Schließt Du da von Dir auf andere? Oder kann es sein, dass die 87% sich aus Deinen Karrieristen rekrutieren?

      Danke, was viele unter ?kritischem Denken? verstehen, reicht mir. Wer links denkt, wer ?die bestehenden Verhältnisse hinterfragt?, ist ein kritischer Intellektueller, wer wirtschaftsnah und konservativ ist, ein Opportunist. Dass sich solch kritisches Denken nicht selbst hinterfragt, verstehen wahrscheinlich nur kritische Intellektuelle.

      Nun ja, sich mit Dir über “kritisches Denken” zu unterhalten, ist so als wolle man einem Elefanten Balett beibringen.

      Aufgeklärt, ein offener Geist ist jemand, der sich selbst (und nicht andere) ständig in Frage stellen kann. Der in der Lage ist, Wissen, Erfahrung und Forschungen anderer in neue Kontexte zu rücken. Der befähigt ist, sich von seinem Weltbild zu lösen, neutral Sachverhalte zu schildern und anderen zu erklären ? zu anspruchsvoll für die meisten.

      Das sehe ich ähnlich.

      Management, Eigentümer und damit auch Mitarbeiter sind heute Getriebene der Schnelligkeit unseres Lebens und neuer Erkenntnisse. Sie haben das an anderer Stelle beschrieben, um dies zu verarbeiten, bedarf es ganz anderer Eigenschaften als Opportunismus.

      Stimmt, man muss die Geisterfahrer auch noch überholen können ;-)

      Die Berufsakademien saugen längst die besten der Jahrgänge auf.

      Na das halte ich doch mal für ein Gerücht ;-)

      Ich kenne nur BAler, denen der Weg zu hoher Bildung verbaut war.

      Wer an einer Hochschule studiert, kommt auf Kosten des Steuerzahlers zu höheren Einkommen als derjenige, welcher für seine Ausbildung selbst aufkommt.

      Nein, man ist lediglich bereit, mehr Geld für echte Akademiker auszugeben, als für deren Light-Variante.

      Eigenverantwortung hat in unserer Gesellschaft keinen Wert mehr.

      Amen! Freund Guido

    166. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 12:02 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Wer hat die Möglichkeit, Staatsanwalt zu werden? Und natürlich ist Staatsanwalt keine herausgehobene Position in der Justiz, das entspricht ungefähr dem Level einer einfachen Verwaltungsangestellten. Sie setzen Karriere Einkommen gleich, dabei aber ich die Begriffe nebeneinander gestellt. Soweit reicht mein Intellekt.

      Ich komme mit meiner Leidenschaft für Fußball gut durch und die meisten auch. Fußball ist so trendy, dass die häufigsten Kundenevents noch immer in den VIP-Logen in den Stadien stattfinden und nicht auf dem Golfplatz. Wenn meine Klientel aber nunmal eher auf dem Grün anzutreffen ist, muss ich sie dort abholen. Schließlich kämen Sie auch nie auf den Gedanken, einem Sozialarbeiter vorzuwerfen, dass er im Rollpulli ins Bahnhofsviertel geht, statt seine Klientel in ordentlichen Klamotten aufs Amt zu befehligen. Ein solcher Streetworker wäre ein armes Würstchen.

      Wo bekommen eigentlich die Abramowitschs, Schweinsteigers und Anshu Jains dieser Welt nur diese tollen Frauen her? Alles geldgeile Luder? Und warum bekommen so einige hochintellektuelle Frauen keinen geeigneten Partner mehr? Und warum verlieren so viele ostdeutsche Jungmänner in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ihrer Freundinnen, die gen Westen ziehen, und werden aus Verzweiflung rechtsradikal?

      Wahrlich, ein hässliches Frauenbild.

    167. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 12:06 - Permalink

      @Herr Knecht

      Faszinierend, was Du dir als Alternative zu einer Topposition ausmalst.

      Fragt sich nur, warum man in den Spitzenpositionen bis runter in den Mittelstand nur noch Akademiker antrifft. Die sind wohl alle zufällig ohne jedes Streben dahin gespült worden. Wie ungerecht gegenüber den Mitarbeitern mit Lehre!

    168. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 12:15 - Permalink

      @StefanP

      Wer hat die Möglichkeit, Staatsanwalt zu werden?

      Derjenige, der das zweite Staatsexamen ordentlich absolviert hat.

      Und natürlich ist Staatsanwalt keine herausgehobene Position in der Justiz, das entspricht ungefähr dem Level einer einfachen Verwaltungsangestellten.

      Pfuibäh! Was für Loser!

      Ich komme mit meiner Leidenschaft für Fußball gut durch und die meisten auch. Fußball ist so trendy, dass die häufigsten Kundenevents noch immer in den VIP-Logen in den Stadien stattfinden und nicht auf dem Golfplatz

      Ja ja, ich kenne das. Aber zwischen aktivem und passivem Sport gibt es schon einen Unterschied. Oder?

      Wenn meine Klientel aber nunmal eher auf dem Grün anzutreffen ist, muss ich sie dort abholen.

      Oh Gott! Du bist keiner von Ihnen? Wie traurig.

      Wo bekommen eigentlich die Abramowitschs, Schweinsteigers und Anshu Jains dieser Welt nur diese tollen Frauen her? Alles geldgeile Luder?

      Aber na klar doch, geld- und publicitygeil. Ich habe da nur Mitleid.

    169. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 12:20 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Na dann fang doch bitte mal bei den Ärzten und Anwälten an, die dieses Lied im Chor trällern.

      Ach bitte, ich rede von Berufen, wo das Geld am Markt verdient wird und nicht per Verwaltungsanweisung zugeteilt. Durchschnittlich kommt ein Juraabsolvent auf ein Anfangsgehalt von 2.000 EUR p.m., nicht in der Großkanzlei, da kommen jedoch nur die mit Prädikatsexamen, Auslandsstudium und Promotion hin.

      Nun ja, sich mit Dir über ?kritisches Denken? zu unterhalten, ist so als wolle man einem Elefanten Ballett beibringen.

      Anscheinend habe ich einen Nerv und damit den Punkt getroffen.

      ->Die Berufsakademien saugen längst die besten der Jahrgänge auf.
      Na das halte ich doch mal für ein Gerücht ;-) Ich kenne nur BAler, denen der Weg zu hoher Bildung verbaut war.

      Tja, da müsste ich wieder Persönliches erzählen. In meinem direkten familiären Umfeld haben welche BA studiert, als jeweils Klassenbeste. Allerdings haben die sich später selbständig gemacht, weil ihr Bereich outgesourct wurde und wurden so wohlhabend. Glauben Sie ernsthaft, IBM, BASF und Hewlett Packard würden Abiturienten mit Abschlussnote 3 eine teure Ausbildung finanzieren? Im Leben net!

      Nein, man ist lediglich bereit, mehr Geld für echte Akademiker auszugeben, als für deren Light-Variante.

      Ach, und warum? Weil an den Unis mehr Opportunisten gezüchtet werden? Sie haben doch gerade behauptet, die Hochschule alten Typs würde mehr zu eigenständigem Denken erziehen? Wie passt denn das zusammen?

    170. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 12:44 - Permalink

      @Spiegelfechter

      ->Das Problem ist, dass wir Deutschen nicht wissen, welchen Staat wir eigentlich wollen.
      Doch, doch ? ?wir? Deutschen wissen das in der Mehrheit. Nur ist dies ein ganz anderer Staat, als er Dir und Deinen Vorbildern vorschwebt.

      2005 standen ein neoliberales Programm versus Sozialismus. Der Wähler entschied ausgewogen, Kopfpauschale war genauso genehm wie ?Bürgerversicherung?, Flat tax so beliebt wie ein austarierter Einkommensteuertarif nach dem Muster der Mitgliedsgebühren der Linkspartei. Vier Jahre später kam es nur deswegen nicht zum erneuten Patt, weil zahlreiche SPD-Wähler gefrustet waren und zuhause blieben. Die Deutschen wollen einen teuren Sozialstaat mit hohen, staatlich bezahlten Renten, umfangreiche, kostenlose Gesundheitsvorsorge auf dem neusten Stand der Wissenschaft mit kurzen Wartezeiten im Krankenhaus und beim Arzt und niedrigen Beiträgen. Sie wollen ein frei zugängliches Bildungssystem für jedermann von der Grippe bis zur Promotion ohne einen Cent dazu zu bezahlen und großzügige Lohn- und Kinderersatzzeiten. Das Geld dafür sollen die aufbringen, die mehr haben als man selber, während man selbst keine Steuern zahlen kann, sorry.

      Wenn Sie soziale Snäppchenjägerei als Gesellschaftsbild nehmen, dann haben Sie recht, doch das entspricht nicht meiner Vorstellung. Ansonsten gibt es kein Vorbild, weder für Neoliberale noch für Sozialisten.

      ->Ich bin mehrere Jahre meiner gymnasialen Karriere auf eine Mustergesamtschule gegangen, ein weiteres Reizwort linker Politik für mich.
      Das muss ein wahrhaft traumatisches Erlebnis gewesen sein ;-)

      Das war es, keine Frage. Was ich dort an Lernstoff verpasst habe, musste ich später mühselig nachholen. Ein Wunder, dass ich unter solchen Bedingungen das Abitur geschafft habe.

      ->Ich muss Sie enttäuschen: die Aussage stammt von einer Kollegin von Ihnen, getätigt im Sommer 2007 in einem Spiegel-Leitartikel.
      Na das ist ja nun weiß Gott kein Widerspruch.

      Müssen jetzt schon Frauen herhalten, um die scheinheilige feministische Welt zu beschreiben?

    171. Diskussionsteilnehmer schrieb am 21. Dezember 2009 um 12:57 - Permalink

      Wer hat die Möglichkeit, Staatsanwalt zu werden? Und natürlich ist Staatsanwalt keine herausgehobene Position in der Justiz, das entspricht ungefähr dem Level einer einfachen Verwaltungsangestellten.

      HaHa? Es kann sich jeder korrigieren, wenn er Unfug erzählt. Bei dieser Aussage lohnt es sich unbedingt.

    172. Felix Herzbach schrieb am 21. Dezember 2009 um 13:06 - Permalink

      Ich denke Du hast mit diesem Beitrag Recht. Vor allem beschäftigt mich dabei die gesunkene Durchlässigkeit, die ja schon traditionell in Deutschland geringer, als in Amerika oder anderen klassischen Einwanderungsländern ist. Das wird jetzt durch diesen oktroyierten Prozess verschärft. Und ich sehe ehrlich gesagt nicht, wie das sich ändern kann. Zumindest politisch sich ändern kann. Es wirkt alles sehr zerfahren. Die Diskussion und die Proteste sind irgendwie ins Stocken geraten und es hat sich Ratlosigkeit breit gemacht. Mir fehlt einfach ein Paukenschlag von Seiten der Studenten oder von Seiten der politischen Führung. Beides ist nicht passiert und wird nicht passieren. Das Problem ist ja auch, dass diese 17-jährigen nichts anderes als Schule kennen. Meine Cousine fing jetzt in diesem Semester zu studieren an und findet die Verschulung sogar toll… sei ja wie in der Schule. Klar, denn Gleiches wird erstmal bevorzugt vom Menschen aufgenommen. Niemand gewöhnt sich gerne um. Und da liegt ein großes Problem. Denn weil diese 17-Jährigen keine Ahnung von der humboldtschen universitas (Freiheit & Einsamkeit) haben, leckten sie auch nie Blut und wissen nicht, dass es sich lohnt für den von Dir beschriebenen Humanismus und echte Bildungsfreiheit und -gleichheit zu kämpfen.

      VG, ein etwas ratloser Felix.

    173. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 13:29 - Permalink

      @Diskussionsteilnehmer

      ->Wer hat die Möglichkeit, Staatsanwalt zu werden? Und natürlich ist Staatsanwalt keine herausgehobene Position in der Justiz, das entspricht ungefähr dem Level einer einfachen Verwaltungsangestellten.
      HaHa? Es kann sich jeder korrigieren, wenn er Unfug erzählt. Bei dieser Aussage lohnt es sich unbedingt.

      Nach meinem Eindruck hat der Spiegelfechter die tiefe Ironie verstanden. Für Sie als Hinweis: das war Ironie!

    174. name schrieb am 21. Dezember 2009 um 13:46 - Permalink

      Das Magisterabschlußkind StepanP hat mal wieder zugeschlagen, beleidigt dazu noch die Staatsanwälte mit doppelten Examina.

      Staatsanwälte arbeiten im Gegensatz zu Dir StepanP wirklich, und haben keine Zeit dafür Blogs mit Unsinn vollzuschmieren.

      Das BAler wohlhabend geworden wären, kann auch nur jemand wie Du erzählen, der auch von dieser Materie auch überhaupt keine Ahnung.

    175. StefanP schrieb am 21. Dezember 2009 um 14:09 - Permalink

      Noch zu ein paar Fehlern:

      M. konnte und wollte nicht, kündigte fristlos.

      Eine fristlose Kündigung ist unter den geschilderten Umständen nicht möglich. Das sollte ein Jurist wissen.

      Mein Freund M. hat (Abi 1,2) Jura studiert und mit Prädikatsexamen in Rekordzeit abgeschlossen, obwohl er nie auf Karriere aus war.

      versus

      Naja bei richtigen ?Luschen? wie deinem Freund M. klappt?s zum Glück nicht :).

      Merke: Luschen sind keine Schnellstudenten.

      Das Magisterabschlußkind StepanP hat mal wieder zugeschlagen, beleidigt dazu noch die Staatsanwälte mit doppelten Examina.

      Erstens gibt es keinen StepanP (zumindest nicht in diesem Blog), der Blogger wird mit ?f? geschrieben, worauf er seit der ersten Grundschulklasse (das ist die Stufe, auf der so mancher Teilnehmer stehengeblieben ist) außerordentlich Wert legt. Zweitens ist der Blogger kein Kind und erst recht nicht mit Magister. Höchstens Absolvent mit zweifachem Diplom. Der Unterschied sollte in einem Thread mit dem Thema Bildung geläufig sein. Drittens beleidigt der Kritiker höchstens die deutsche Sprache, nicht aber den StefanP.

      Und abschließend sind Staatsanwälte nicht fleißiger als andere Staatsdiener…

    176. aquadraht schrieb am 21. Dezember 2009 um 14:24 - Permalink

      OT: Ich frage mich, wo Step-Fan P die Zeit hernimmt. Rentner, arbeitslos, kein Leben? Und irgendwie dreht sich das doch alles im Kreise. Kaum einer der Leser hier dürfte die Guidomanie ernst nehmen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die INSM dafür Honorar zahlt. Das sind doch Kaufleute. Zur Beurteilung der Bildungsproblematik trägt das alles nicht bei.

      Zur Frage der Privatschulen: So etwas scheint sich über lange Zeiten nicht zu ändern. Die Internate und Privatgymnasien waren schon zu meiner lange verflossenen Schulzeit als Dummenschulen verschrieen.

      a^2

    177. Kroesus2 schrieb am 21. Dezember 2009 um 14:41 - Permalink

      OT: Ich frage mich, wo Step-Fan P die Zeit hernimmt. Rentner, arbeitslos, kein Leben?

      Selbst Rentner und Arbeitslose sollten hier das Recht haben, sich zu aeussern, nicht wahr ?

      Und irgendwie dreht sich das doch alles im Kreise.

      Ich finde dagegen, dass SefanP eine Bereixcherung für den qualifizierten Meiniungsaustausch hier im Forum ist.

    178. Stefan Balker schrieb am 21. Dezember 2009 um 14:45 - Permalink

      Danke, was viele unter ?kritischem Denken? verstehen, reicht mir. Wer links denkt, wer ?die bestehenden Verhältnisse hinterfragt?, ist ein kritischer Intellektueller, wer wirtschaftsnah und konservativ ist, ein Opportunist. Dass sich solch kritisches Denken nicht selbst hinterfragt, verstehen wahrscheinlich nur kritische Intellektuelle.

      Volltreffer. Die selbsternannten “kritischen Denker” gehören erfahrungsgemäß oft zu denjenigen, die ihr eigenes Denken am wenigsten kritisch hinterfragen. Ein pubertäres “Dagegen-sein” wird da schon mit einer kritischen Haltung verwechselt. So erklären sich auch die hier üblichen Verschwörungstheorien. Wer sein eigenes Denken nicht kritisch hinterfragt und nicht die Möglichkeit eines eigenen Irrtums in Betracht zieht, der kann sich andere Meinungen eben anders nicht erklären. Wenn es unzweifelhaft ist, dass man im Recht ist, dann sind alle Andersdenken entweder dumm, gekauft oder durch eine vermeintliche Verschwörung des “Kapitals” manipuliert. So ergibt alles ganz einfach einen Sinn. ;)

    179. Spiegelfechter schrieb am 21. Dezember 2009 um 15:01 - Permalink

      @Stefan Balker

      Na da haben sich die richtigen Koryphäen des Denkens getroffen – da fehlt nur noch mein Freund Lemmy Caution. Da könnte man dem anderen Stefan nur ein Lenin-Zitat mit auf den Weg geben – “Sag mir, wer Dich lobt, und ich sage Dir, was Du falsch gemacht hast” ;-)

    180. memoon schrieb am 21. Dezember 2009 um 15:01 - Permalink

      @aquadraht und @name
      seid mal nicht so unhöflich. Es wird euch ohnehin nicht gelingen, StefanP zu beleidigen. Der tickt halt anders. Anders als ihr mit eurer “sozialen Snäppchenjägerei” sieht er das Leben nicht als Ponyhof oder Selbstbedienungsgaststätte oder so. Es gilt fordern und fordern. Nichtsteuerzahler und andere Underperformer sind nicht zu entschuldigen.

    181. Herr Knecht schrieb am 21. Dezember 2009 um 15:14 - Permalink

      @aquadrat 176:

      Ich glaube er ist ein linker Aktionskünstler, der nur den ultimativen Liberalen mimt, um den Zeitgeist zu karikieren. Er bekämpft Feuer mit Feuer, aber pppssst!

    182. Stefan Balker schrieb am 21. Dezember 2009 um 16:49 - Permalink

      Na da haben sich die richtigen Koryphäen des Denkens getroffen ? da fehlt nur noch mein Freund Lemmy Caution. Da könnte man dem anderen Stefan nur ein Lenin-Zitat mit auf den Weg geben ? ?Sag mir, wer Dich lobt, und ich sage Dir, was Du falsch gemacht hast? ;-)

      Schönes Zitat. Umgekehrt heißt der Mangel an Kritik in diesem Blog dann wohl, dass man nicht sagen kann, was du richtig gemacht hast. Und wenn ich mir so ansehe, wie deine Fans regelmäßig auf abweichende Meinungen reagieren, hast du eine Menge falsch gemacht. ;-)

    183. salvo schrieb am 21. Dezember 2009 um 18:23 - Permalink

      Wenn es unzweifelhaft ist, dass man im Recht ist, dann sind alle Andersdenken entweder dumm, gekauft oder durch eine vermeintliche Verschwörung des ?Kapitals? manipuliert.

      wobei es ja das Prinzip des totalitären Kapitalismus ist, das Leben an sich dem Warencharakter zu unterwerfen. Es ist doch die Maxime des zu Ware verdinglichtes Subjekts sich möglichst ‘teuer’ zu verkaufen, was das Gekauft-Sein impliziert. Eigentlich sollten die Apologeten des totalitären Kapitalismus den Zustand des Gekauft-Seins als notwendige Finalität begrüßen: Man hat sich doch erfolgreich verkauft, hat die Erfordernisse des geliebten totalen Markt. verinnerlicht, ein überaus erfolgreicher Anpassungsprozess.

      Nichtsteuerzahler und andere Underperformer sind nicht zu entschuldigen.

      wie sich die Jargons gleichen: Untermenschen …’Underperformer’

      und da hier die Fähigkeit zur Selbstkritik :-) so sehr vermißt wird, etwas Besinnliches, zum christilichen Fest, aus einem der Besten deutschsprachigen Blogs:

      “wir prassen, verschwenden und vergiften uns und alle anderen zwar, führen ein wahrhaft parasitäres leben nicht nur auf kosten von milliarden heutiger menschen und eigentlich der gesamten ökosphäre, sondern ruinieren gleich auch noch unzählige kommende generationen mit und üben mit all dem bzw. den mitteln zur durchsetzung dieser lebensweise zwar massive gewalt aus – aber das macht uns freude”

      http://autismuskritik.twoday.net/

    184. überalterung = quatsch schrieb am 21. Dezember 2009 um 20:18 - Permalink

      @gebintit: “Ich denke schon, dass dies volkswirtschaftlich ein Luxus ist, den man sich nicht auf Dauer leisten kann, vor allem nicht vor dem Hintergrund der bekannten demografischen Entwicklung.”

      jetzt hört doch mal bitte endlich auf mit dieser miesen reproduktion der demographie-propaganda!

      http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=3286146/zan5l9/index.html

    185. Eike Scholz schrieb am 21. Dezember 2009 um 21:07 - Permalink

      Wenn es unzweifelhaft ist, dass man im Recht ist, dann sind alle Andersdenken entweder dumm, gekauft oder durch eine vermeintliche Verschwörung des ?Kapitals? manipuliert. So ergibt alles ganz einfach einen Sinn.

      Was soll das werden?
      Fröhliches Strohmann-Wett-Abbrennen? Diskursiver Kindergarten nach dem Motto: “Deine Position ist falsch, also ist meine richtig”?

      Zugegeben habe ich die Diskussion nicht zu Ende verfolgt, aber schon in den ersten Postings wurde es unterlassen die Positionen, die sich gegen die des Spiegelfechters, mit irgendwelchen substantiellen Argumenten oder empirisch Daten zu belegen. Nur rhetorische Tricks. Ich hoffe, dass diejenigen die diese gebrauchen selbige nicht mit validen Argumenten verwechseln. Meine Erfahrung sagt mir, wenn jemand in den ersten Post seine Argumente nicht substantiell abgesichert, tut er es auch später nicht. Aber vielleicht irre ich mich ja, und man kann mir ja zeigen wo man Substantiell gegen die Position des Spiegelfechters Argumentiert hätte.
      Das der Spiegelfechter auf Rhetorische Tricks mit Sarkasmus reagiert, kann man ihm wohl kaum verübeln.
      Es gibt starke Argumente für eine Positionierung wie sie der Spiegelfechter hier verteidigt. Als Humanist kann ich auch nicht einfach pauschal ignorieren was von links kommt. Bei einigen Dingen haben sie einfach recht. Das hat überhaupt nichts mit Marx, Lenin oder Anderen zu tun, sondern schlicht weg damit, dass Fakten zusammen mit humanistischen normativen Zielrichtungen für bestimmte Positionen nur einen eingeschränkten Spielraum lassen. Zumindest ist dem so, solange man sich darum bemüht Positionen zu haben die auch in der Realität zum erreichen der eigenen normativen Ziele führen können. Aber um Realität haben sich Ideologen – linke, rechte sowie liberale – noch nie wirklich gekümmert. Das würde ja tatsächlich eine gewisse universelle Bildung benötigen. Aber die Humboldt-Brüder sind schon lange tot – anscheinend auch ideell. Der Spiegelfechter, ich und viele Andere sind anscheinend – im gewissen Sinn – deren Wiedergänger. Da hoffe ich mal das wir ähnlich ansteckend sind, wie die Wiedergänger in den üblichen Fantasy-Geschichten.

      Ja ich höre sie schon klagen: Oh weh, Oh weh, die die Uni wird von Humboldt-Zombies besetzt.

    186. 1000Sunny schrieb am 21. Dezember 2009 um 22:02 - Permalink

      Ich denke der Artikel ist auch optimal geschrieben um jahrelang aneinander vorbeizureden.
      Denn: wie ist denn jetzt die Lösung?

      Studenten entlasten? Auf Vergleichbarkeit verzichten?

      Auf der anderen Seite werden dann die alleinerziehende Mutter ohne “Hochschulreife” belastet, die für einen Hungerlohn an der Kasse arbeitet und mit ihren Steuern (inkl. Mehrwertsteuer) Ärzten, Juristen und BWLern das Studium finanziert. Wie geht das zusammen?

      Alles wegen dem Traum, dass ihr Kind einmal studieren wird und selber mal das große “Unilos” zieht? Oder doch deswegen, weil die Juristen, Ärzte und BWLer eine bessere Welt für sie machen?

      Es wird immer nur die bessere Lösung von oben gefordert… oder habe ich einen Lösungsvorschlag übersehen?

    187. Eike Scholz schrieb am 22. Dezember 2009 um 07:15 - Permalink

      @1000Sunny

      Nun die Lösung ist einfach. Zuerst vergleiche man die Belastungen die, die Mutter ohne Hochschulreife z.B.: zur Rettung von Banken oder Überflüssigen Strukturen im Gesundheitswesen aufbringen muss. Wenn man das in Relation gesetzt hat, überlegt man sich ob die zusätzliche Belastung gerechtfertigt ist, weil sie insbesondere Kindern solcher Mütter eine Verbesserung der Chancen Akademiker zu werden bietet. Ja solche Kinder gibt es. Daraus, dass Akademiker sich in der Mehrzahl sich aus Akademiker-Kindern zusammensetzen folgt nicht, dass man sich um die anderen nicht kümmern bräuchte. Zumal der Psychologische Abschreckungseffekt von Studiengebühren wohl auf Menschen mit nichtakademischen Hintergrund besonders gut Wirkung zeigt.
      Man sollte niemals vergessen warum es Schulpflicht gibt – nicht weil ja eh alle ihre Kinder zur Schule schicken würden.
      Die Lösung ist also Folgende: Man entscheidet sich politisch, dass Bildung ihre Kosten wert ist. Es gibt viele stellen an denen man Sparen kann. Es muss nicht im Bereich Bildung sein, so ein großer Kostenfaktor ist das nun auch nicht.

    188. StefanP schrieb am 22. Dezember 2009 um 09:05 - Permalink

      @Eike Scholz

      Zugegeben habe ich die Diskussion nicht zu Ende verfolgt, aber schon in den ersten Postings wurde es unterlassen die Positionen, die sich gegen die des Spiegelfechters, mit irgendwelchen substantiellen Argumenten oder empirisch Daten zu belegen. Nur rhetorische Tricks.

      Daraus, dass Akademiker sich in der Mehrzahl sich aus Akademiker-Kindern zusammensetzen folgt nicht, dass man sich um die anderen nicht kümmern bräuchte. Zumal der Psychologische Abschreckungseffekt von Studiengebühren wohl auf Menschen mit nichtakademischen Hintergrund besonders gut Wirkung zeigt.

      Die Lösung ist also Folgende: Man entscheidet sich politisch, dass Bildung ihre Kosten wert ist. Es gibt viele stellen an denen man Sparen kann. Es muss nicht im Bereich Bildung sein, so ein großer Kostenfaktor ist das nun auch nicht.

      Empirische Erfahrung? Daten? Argumente, die sich nicht so auf jeden anderen Bereich übertragen lassen? Oft wenden sich die Vorwürfe, die man erhebt, gegen einen selber.

    189. Eike Scholz schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:04 - Permalink

      Empirische Erfahrung? Daten? Argumente, die sich nicht so auf jeden anderen Bereich übertragen lassen? Oft wenden sich die Vorwürfe, die man erhebt, gegen einen selber.

      Nun ja, oft; Das heißt wohl, dass es mindestens einen Fall gibt in dem das nicht so ist …

      Um es noch mal deutlich zu machen: Ich hatte als Empirische Untermauerung die Erfahrungen mit der Schulpflicht angegeben.
      Als Normatives Argument, dass für einen demokratischen Rechtsstaat Bürger erforderlich sind deren Bildung soweit geht, dass sie ein gewisses Mindestmaß an reifer Urteilskraft erworben haben. Sonst ist diese Demokratie bald kein Rechtsstaat und vielleicht bald keine Demokratie mehr. Ich überlasse mal dem Leser sich ein anderes als das Kanonische Beispiel als historischen Beleg zu suchen.

      Mal abgesehen von der angeblichen Existenz einer Freiheit des Menschen, die uns einfach pauschal erlaubt ihnen selbst die schuld, für ihren Erfolg oder Nichterfolg zu geben.
      Eine solche Freiheit existiert in der Realität nicht. Dazu kann ich nur auf die Ergebnisse der Neuro-Psyologie (ja Human-/Naturwissenschaft) verweisen, welche auch regelmäßig z.B. im Strafrecht berücksichtigt werden.

      Richtig ist folgendes: In bestimmten Situationen ist es gerechtfertigt einem Menschen selbst, in einem gewissen Ausmaß, Schuld für sein Versagen oder Erfolg zu geben.
      Die zentrale ethische und politische Frage ist hier: Was machen wir mit den Menschen bei denen das nicht so ist?
      Dann, um diese Frage zu behandeln: Wie viele dieser Menschen gib es?

    190. Diskussionsteilnehmer schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:07 - Permalink

      Nach meinem Eindruck hat der Spiegelfechter die tiefe Ironie verstanden. Für Sie als Hinweis: das war Ironie!

      Achso…. Das hatte ich tatsächlich nicht gemerkt und den Hinweis benötigt. Das war jetzt keine Ironie ^^.

    191. Michael W. schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:28 - Permalink

      @stefan p. und sympatisanten:
      Was den Bologna-Prozess angeht:
      Uns Studenten geht es nicht darum, dass seine Ziele (welche hier ja öfters schon erwähnt wurden) für uns die falschen sind. Dennoch wollen viele Studis und (!) Professoren back to Diplom. Dies scheint widersprüchlich. Erklrärung:
      Die UMSETZUNG des Prozesses hat bisher größtenteils nicht funktioniert.
      1. wer sich ausschließlich auf sein Studium konzentrieren soll, braucht größere finanzielle Unterstützung.
      1a. vollgepackte Stundenpläne von morgens bis abends + Nachbereitung/Vorbereitung lassen wenig Zeit zum arbeiten. Eben sprach ein Überflieger davon, noch 30 Stunden die Woche gearbeitet zu haben. Völliger Quatsch.
      1aa. Ein Student kann nur 20h/Woche arbeiten, wenn er nicht seinen Studentenstatus bei Finanzamt und Krankenkasse verleiren will, was dazu führt, dass er abgabentechnisch wie ein normaler Arbeitnehmer eingestuft wird. Wieviel man brutto mehr verdienen müsste, um das zu kompensieren – lol – das Hotel will ich sehen, was meinen Lohn nahezu verdoppelt^^
      1ab. Es gibt leider nicht für jeden Studi einen Nachtwachenjob, wo er wahrscheinlich größtenteils lernen und/oder pennen kann.

      2. Es gibt zumindest bei meiner Hochschule nicht mehr Lehrpersonal und je nach Prof auch nciht besseres Lehrmaterial. Besonders letzteres führt dazu, dass man bei solchen Profs nach wie vor gewzungen ist, die ganze Zeit mitzuschreiben. Daraus resultiert praktisch Anwesenheitsnotwendigkeit und mehr Nachbereitung, da das Mitschreiben den Geist nicht unerheblich auslastet.

      3….

      Sorry, leider nicht mehr viel Zeit. (Ich würde auch noch gerne zu vielen anderen Punkten ein Statement abgeben :( )
      Meine Schlussfolgerung: Bologna funktioniert so nicht bzw. eigentlich ist das streng genommen gar kein Bologna. Denn enige Ziele wurden/werden nicht verfolgt und vor allem werden zahlreiche für die Umsetzung notwendige Bedingungen nicht erfüllt/berücksichtigt.

    192. StefanP schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:31 - Permalink

      @Eike Scholz

      Um es noch mal deutlich zu machen: Ich hatte als Empirische Untermauerung die Erfahrungen mit der Schulpflicht angegeben.

      Die Erfahrung vor 150 Jahren, ja. Wir haben drei Jahrzehnte Erfahrung mit kostenlosem Studium, die Ergebnisse sind eine schichtenspezifische Selektion, wie sie in keinem Land mit Studiengebühren vorkommt, lange Studiendauern und heruntergekommene Lernanstalten. Wie wenden Sie diese Erfahrungen an, darüber habe ich bis jetzt nichts vernommen, außer der Ideologie, ein Mehr an privaten Kosten würde zu zwangsläufig zu einem Weniger an Bildung führen.

      Als Normatives Argument, dass für einen demokratischen Rechtsstaat Bürger erforderlich sind deren Bildung soweit geht, dass sie ein gewisses Mindestmaß an reifer Urteilskraft erworben haben.

      Das bedeutet, 87 Prozent der Menschen haben keine Urteilskraft? Ich darf Sie erinnern, dass die Parteien, die für ein kostenloses Studium noch heute eintreten, mit Ausnahme der Grünen sich vor allem aus Wählerschichten rekrutieren, die weit unterdurchschnittlich Akademiker in ihren Reihen haben.

      Eine solche Freiheit existiert in der Realität nicht. Dazu kann ich nur auf die Ergebnisse der Neuro-Psyologie (ja Human-/Naturwissenschaft) verweisen, welche auch regelmäßig z.B. im Strafrecht berücksichtigt werden.

      Die Neurowissenschaft sagt uns, dass wir fast gar nicht in der Lage sind, uns zu verändern. Schlechte Aussichten für die Neujahrsvorsätze ? aber ein Grund, auf strafrechtliche Normensetzung zu verzichten?

    193. StefanP schrieb am 22. Dezember 2009 um 10:54 - Permalink

      @Michael W.

      Uns Studenten geht es nicht darum, dass seine Ziele (welche hier ja öfters schon erwähnt wurden) für uns die falschen sind. Dennoch wollen viele Studis und (!) Professoren back to Diplom. Dies scheint widersprüchlich. Erklärung:
      Die Umsetzung des Prozesses hat bisher größtenteils nicht funktioniert.

      Sind damit die Ziele falsch? Denn nur dann wäre eine Kurskorrektur richtig, andernfalls muss man die Maßnahmen verbessern, um die als richtig erkannten Ziele zu erreichen.

      Wer sich ausschließlich auf sein Studium konzentrieren soll, braucht größere finanzielle Unterstützung.

      Ja, kenne ich. Ich habe zwei Studiengänge in einer Zeit absolviert, wo die Kohl-Regierung gerade die studentische Förderung massiv gekappt hatte. Ich gehöre zur Sandwich-Generation: die Jahrgänge vor mir bekamen das BAföG umsonst als Zuschuss, die nach mir hälftig als Zuschuss und Darlehen. Der Punkt ist: alle Gruppen der Gesellschaft brauchen mehr Geld, deswegen gibt?s für alle weniger.

      Vollgepackte Stundenpläne von morgens bis abends + Nachbereitung/Vorbereitung lassen wenig Zeit zum arbeiten.

      Und Sie glauben, das wäre neu? Meine Tochter studiert gerade zum Bachelor, dennoch hat sie immer noch mehr Freizeit als ihr sie unterstützender Vater.

      Es gibt leider nicht für jeden Studi einen Nachtwachenjob, wo er wahrscheinlich größtenteils lernen und/oder pennen kann.

      Wenn Sie sich tatsächlich auf den Nachtwächterjob kaprizieren, ist es kein Wunder, wenn Sie viel arbeiten müssen, um ein Auskommen zu haben. Ein einigermaßen guter Student kommt spätestens nach einigen Semestern an ganz gut bezahlte Nebentätigkeiten heran. Wieder meine Tochter: der hat man noch vor Studienaufnahme zwei Jobs mit gutem Verdienst angeboten, den einen bereits vor ein paar Jahren, weil sie ein gutes Schulpraktikum gemacht und anschließend zuverlässig gearbeitet hat. Heute ist sie für jeweils einen Tag der Woche fest angestellt und bekommt bezahlten Urlaub.

      Bei einigen jungen Leuten ? das ist zu jeder Generation so, deshalb nichts wirklich Neues ? stimmt die Einstellung zum Leben, zu Pflichten und zur Arbeit (noch) nicht.

      Es gibt zumindest bei meiner Hochschule nicht mehr Lehrpersonal und je nach Prof auch nicht besseres Lehrmaterial. Besonders letzteres führt dazu, dass man bei solchen Profs nach wie vor gezwungen ist, die ganze Zeit mitzuschreiben.

      Auch die Klage gibt es seit Jahrzehnten. Es gab schon in den 80er Jahren eine Überzahl an Studenten, die ihre Lehrbücher selbst kaufen mussten. Und zum Mitschreiben: ich hatte Kommilitonen, die konnten Steno. Das ist eine Kurzschreibschrift zum schnellen Mitschreiben, die heute so unbekannt ist, dass selbst meine Word-Autokorrektur es nicht kennt. Aber heute gibt es ja noch gute Diktiergeräte.

    194. Eike Scholz schrieb am 22. Dezember 2009 um 11:37 - Permalink

      Die Erfahrung vor 150 Jahren, ja. Wir haben drei Jahrzehnte Erfahrung mit kostenlosem Studium, die Ergebnisse sind eine schichtenspezifische Selektion, wie sie in keinem Land mit Studiengebühren vorkommt, lange Studiendauern und heruntergekommene Lernanstalten.

      Schön, sie haben eine Zeitliche Korrelation festgestellt. Ich bin mir nicht ganz darüber im klaren was sie hier behaupten wollen. Behaupten sie, dass die schichtenspezifische Selektion, durch ein kostenloses Studium verursacht wird? Dann darf kein Land mit einer Zeitperiode existieren in dem ein Kostenloses Studium nicht zu schichtenspezifischer Selektion geführt hat. Analoges gilt für die Pflege der Lernanstallten.
      Ich suche jetzt nicht extra für sie ein spezifisches Gegenbeispiel. Abgesehen davon: Die Länge des Studiums ist kein Qualitätsmerkmal des selbigen.

      Wie wenden Sie diese Erfahrungen an, darüber habe ich bis jetzt nichts vernommen, außer der Ideologie, ein Mehr an privaten Kosten würde zu zwangsläufig zu einem Weniger an Bildung führen.

      Diese Erfahrung kann ich nicht anwenden, da ich genügend Bildung im Bereich Statistik sowie Urteilskraft besitze nicht jede Korrelation für eine Kausalität zu halten. Zweitens. Nein, ich bin nicht der Meinung, dass ein Mehr an privaten Kosten zwangsläufig zu einem Weniger an Bildung führen wird. Aber es wird, zumindest vorest, in *dieser* Gesellschaft. Das ist aber auch nicht mein Argument gegen die Gebüren, sondern, dass der Staat Bildung fördern sollte, weil er selbige als Substanz benötigt.
      Aber gut, sie scheinen nicht an Steuerungseffekte zu glauben, welche durch finanzielle Anreize ausgehen. Ich schon, aber ich denke die Effekte werden häufig überschätzt.

      Das bedeutet, 87 Prozent der Menschen haben keine Urteilskraft?

      Darf ich, als Naturwissenschaftler, sie bitten Prozentangaben nicht allegorisch zu verwenden? Ich finde das sehr irritierend. Also erstmal habe ich von Mindestmaß reifer Urteilskraft gesprochen. Die Negation davon bedeutet das die Vorhandene Urteilskraft nicht das Mindestmaß erfüllt. Mindestmaß, messe ich als Naturwissenschaftler daran, eine langfristig stabile Gesellschaft zu garantieren, die sich nicht durch Technologie-Missbrauch in die Steinzeit zurückversetzt. Ja und dazu hat momentan die Mehrheit der Leute nicht die benötigte Urteilskraft. Es wird besser, aber nicht in dem gleichen Maße wie unsere Technischen Möglichkeiten wachsen. Ich finde das bedenklich.

      Ich darf Sie erinnern, dass die Parteien, die für ein kostenloses Studium noch heute eintreten, mit Ausnahme der Grünen sich vor allem aus Wählerschichten rekrutieren, die weit unterdurchschnittlich Akademiker in ihren Reihen haben.

      Das ist ja un-glaub-lich! Die vertreten tatsächlich mal die Interessen ihrer Klientel.
      Im übrigen bin ich auch Pirat und wir treten auch für ein kostenloses Studium ein. Wir sind auch überwiegend Akademiker, viele sogar aus dem Naturwissenschaftlich-Technischen Bereich.

      Die Neurowissenschaft sagt uns, dass wir fast gar nicht in der Lage sind, uns zu verändern.

      Das ist so nicht richtig. Es ist dann schon ein wenig Komplizierter. Deshalb ist sollte man auch nicht auf strafrechtliche Normensetzung verzichten. Bitte Bilden sie sich ein wenig weiter, noch ist es kostenfrei.

      So mein letztes Post für eine weile – Ich muss noch ein echtes Paper schreiben.

    195. Michael W. schrieb am 22. Dezember 2009 um 11:44 - Permalink

      @ Stefan P.

      Sind damit die Ziele falsch? Denn nur dann wäre eine Kurskorrektur richtig, andernfalls muss man die Maßnahmen verbessern, um die als richtig erkannten Ziele zu erreichen.

      richtig. Nur frage ich mich, ob diese Maßnahmen größtenteils nicht im Vorhinein schon klar waren. Als Informatiker fällt mir der Vergleich zu diversen Sofwareprodukten ein: Bei deren Release fungiert der Kunde oft de facto als Beta-Tester.

      Ja, kenne ich. Ich habe zwei Studiengänge in einer Zeit absolviert, wo die Kohl-Regierung gerade die studentische Förderung massiv gekappt hatte. Ich gehöre zur Sandwich-Generation: die Jahrgänge vor mir bekamen das BAföG umsonst als Zuschuss, die nach mir hälftig als Zuschuss und Darlehen. Der Punkt ist: alle Gruppen der Gesellschaft brauchen mehr Geld, deswegen gibt?s für alle weniger.

      Lustiges Totschlagargument. Warst Du nicht derjenige, welcher weiter oben mehr Geld für junge Familien bzw. mehr Kindergartenplätze gefordert hat? Egal ob ja oder nein: Die Unternehmen, der Staat etc. wollen mehr qualifiziertes Personal in kürzerer Zeit. Bologna könnte der richtige Weg sein, aber momentan u.a. deswegen nicht, weil zu wenig Geld dafür ausgegeben wird.

      Und Sie glauben, das wäre neu? Meine Tochter studiert gerade zum Bachelor, dennoch hat sie immer noch mehr Freizeit als ihr sie unterstützender Vater.

      Ein Vater, der einen Großteil seiner Arbeitszeit (!) Kommentare schreiben kann? Ok. Da habe ich ein anderes Verständnis von “Zeit haben” ;) Dazu passt das Thema NAchtwache: Wenn ich als Student da nur abhängen muss und währenddessen lernen kann, sehe ich das nicht wirklich als Arbeitszeit.

      Wenn Sie sich tatsächlich auf den Nachtwächterjob kaprizieren, ist es kein Wunder, wenn Sie viel arbeiten müssen, um ein Auskommen zu haben. Ein einigermaßen guter Student kommt spätestens nach einigen Semestern an ganz gut bezahlte Nebentätigkeiten heran. Wieder meine Tochter: der hat man noch vor Studienaufnahme zwei Jobs mit gutem Verdienst angeboten, den einen bereits vor ein paar Jahren, weil sie ein gutes Schulpraktikum gemacht und anschließend zuverlässig gearbeitet hat. Heute ist sie für jeweils einen Tag der Woche fest angestellt und bekommt bezahlten Urlaub.

      Hach ja, wenn man das auf die gesamte Studentenschaft so pauschal anwenden könnte, wäre dieser Artikel meines Erachtens gar nicht entstanden. Leider gibt es davon nicht so viele Jobs wie Studierende. Und da kann sich meintewegen auch jeder Studi bestmöglich im Vorhinein qualifizeiren.

      Bei einigen jungen Leuten ? das ist zu jeder Generation so, deshalb nichts wirklich Neues ? stimmt die Einstellung zum Leben, zu Pflichten und zur Arbeit (noch) nicht.

      Stimmt.

      Auch die Klage gibt es seit Jahrzehnten. Es gab schon in den 80er Jahren eine Überzahl an Studenten, die ihre Lehrbücher selbst kaufen mussten. Und zum Mitschreiben: ich hatte Kommilitonen, die konnten Steno. Das ist eine Kurzschreibschrift zum schnellen Mitschreiben, die heute so unbekannt ist, dass selbst meine Word-Autokorrektur es nicht kennt. Aber heute gibt es ja noch gute Diktiergeräte.

      Welch eine Logik. Also soll man nichts verbessern und alles beim alten lassen?
      Steno? Weil ein Prof sich nciht die Mühe machen will ein vernünftiges Skript anzufertigen?
      Diktiergeräte? Langsam platzt mir echt der Kragen. Sitzen Sie mal bitte mit 600 Kommilitonen im Audimax und versuchen Sie die Vorlesung aufzunehmen! Davon mal abgeshen, dass man dann das Ganze zu Hause immer noch zu Papier bringen muss.

    196. StefanP schrieb am 22. Dezember 2009 um 12:09 - Permalink

      @Eike Scholz

      Behaupten sie, dass die schichtenspezifische Selektion, durch ein kostenloses Studium verursacht wird?

      Das ist eine der Gründe, ja. Was kostenlos ist, so sind die Menschen, ist meist auch nichts wert. Wenn es aber nichts wert ist, geht man anders damit um, als wenn es kostenpflichtig wäre. Als ein Skandal werden die hohen Abbrecherquoten gesehen, verantwortlich wären dafür Politik (natürlich) und Universitäten. Auf den Gedanken, die Studenten selbst dafür haftbar zu machen, weil viele in eine Disziplin einsteigen, die ihnen mal so vom Drüberlesen gefallen hat, der sie sich aber nicht mit Verve widmen können und warten, bis sie vom Prüfungsausschuss vom weiteren Studium ausgeschlossen werden.

      Die Haltung bestimmt den Wert. Ich habe eine Reihe von jungen Leuten kennen gelernt, selbst bildungsmäßig ambitionierte, die spätestens mit Beginn der Lehre die Idee an ein Studium fahren ließen, da es ihnen die Anstrengungen nicht wert erschien.

      Diese Erfahrung kann ich nicht anwenden, da ich genügend Bildung im Bereich Statistik sowie Urteilskraft besitze nicht jede Korrelation für eine Kausalität zu halten.

      Ach ja? Ich sprach aber nicht von einer Unsinnskorrelation.

      Nein, ich bin nicht der Meinung, dass ein Mehr an privaten Kosten zwangsläufig zu einem Weniger an Bildung führen wird. Aber es wird, zumindest vorerst, in *dieser* Gesellschaft.

      Natürlich, unsere Gesellschaft ist verdorben, korrupt, was auch immer.

      Das ist aber auch nicht mein Argument gegen die Gebühren, sondern, dass der Staat Bildung fördern sollte, weil er selbige als Substanz benötigt.

      Das ist auch das Argument für die Steinkohle, die Berufspendler, die Atomenergie (bzw. dagegen), die Hotelliers, die Familien, die Reichen, die Armen, die Philosophen, die Wirtschaftswissenschafler ? leider kann ich die Liste nicht vervollständigen, denn ich habe Hunger.

      Aber gut, sie scheinen nicht an Steuerungseffekte zu glauben, welche durch finanzielle Anreize ausgehen.

      Ich glaube an die Fehlsteuerungen, aber das haben Sie wohl nicht gemeint?

      Also erstmal habe ich von Mindestmaß reifer Urteilskraft gesprochen.

      ? ohne sie zu definieren.

      Mindestmaß, messe ich als Naturwissenschaftler daran, eine langfristig stabile Gesellschaft zu garantieren, die sich nicht durch Technologie-Missbrauch in die Steinzeit zurückversetzt.

      Das sieht die Mehrheit anders. Was veranlasst Sie zu diesem überbordenden Wissen? Sie wenden naturwissenschaftliche Erkenntnisse auf das Verhalten von Menschen an. Doch menschliches Verhalten vollzieht sich nicht so eindeutig und logisch wie der Fall eines Apfels vom Baum. Und es verändert sich im Zeitablauf, der Fall des Apfels jedoch nicht. Die Sozialwissenschaften beziehen das in ihre Theorien ein, weshalb Naturwissenschaftler ungeeignet sind, soziale Phänomene zu erklären und Lösungen anzubieten.

      Ja und dazu hat momentan die Mehrheit der Leute nicht die benötigte Urteilskraft.

      Welchen Bewertungsmaßstab haben Sie da angewendet?

      Im übrigen bin ich auch Pirat

      Früher wurden solche Leute gejagt und in den Kerker geworfen? ;-)

      Bitte Bilden sie sich ein wenig weiter, noch ist es kostenfrei.

      Sie auch. Ich empfehle den Fachbereich Germanistik.

      So mein letztes Post für eine weile ? Ich muss noch ein echtes Paper schreiben.

      Ich auch, ich muss schließlich noch das Geld für die Studenten verdienen.

    197. Michael W. schrieb am 22. Dezember 2009 um 12:16 - Permalink

      ach ja, was auch noch nicht erwähnt wurde:
      Es gibt seit Jahren auch klammheimliche Kostensteigerungen fürs Studium:
      1. Skripte gibts nun oft nur noch zum Selbstausdrucken als pdf-Dokument.
      2. ohne eigenen Rechner dürften Studenten sämtlicher Fachrichtungen nicht mehr auskommen können.
      3. Der Semetserbeitrag (nciht die 500? Studiengebühren!) steigt jedes Semester kontinuierlich um mehrere Euros. Bei uns sind es momentan 200?/Semester zzgl. besagten Studiengebühren.
      4. Studenten können sich wegen niedrigen Einkommens nicht mehr von der GEZ befreien lassen.
      5…

    198. StefanP schrieb am 22. Dezember 2009 um 12:24 - Permalink

      @Michael W.

      Als Informatiker fällt mir der Vergleich zu diversen Sofwareprodukten ein: Bei deren Release fungiert der Kunde oft de facto als Beta-Tester.

      Das ist bei jedem System so. Wir Menschen können auf Anhieb nichts Perfektes erschaffen, das sehen Sie schon an der Zahl Ihrer gescheiterten Beziehungen. ;-)

      Lustiges Totschlagargument.

      Sie haben damit angefangen.

      Warst Du nicht derjenige, welcher weiter oben mehr Geld für junge Familien bzw. mehr Kindergartenplätze gefordert hat?

      Nein, war ich nicht.

      Egal ob ja oder nein: Die Unternehmen, der Staat etc. wollen mehr qualifiziertes Personal in kürzerer Zeit.

      Nein, sie wollen nur weniger Dumpfbacken, das ist etwas völlig anderes.

      Ein Vater, der einen Großteil seiner Arbeitszeit (!) Kommentare schreiben kann?

      Wie kommen Sie denn darauf? Ich bin noch zu einer Zeit aufgewachsen, wo man mit 10-Finger-System gelernt hat. Und auch etwas schneller zu denken. Ich weiß jetzt, wie lange der Spiegelfechter für einen fundierten Artikel benötigt. Das liegt über der Zeit, die ich benötige, bestimmte Informationen zu hinterlegen. By the way: Ich kann beim Schreiben mit einer Sekretärin mithalten.

      Leider gibt es davon nicht so viele Jobs wie Studierende.

      Ja, schlimm. Meine Tochter besetzt schon zwei, sie müsste gerechterweise einen abgeben.

      Also soll man nichts verbessern und alles beim alten lassen?

      Wenn Sie ein paar Sozialleistungen kürzen wollen, die Rentengarantie aufheben, die Steinkohleförderung und das EEG zurückführen, um Geld freizubekommen ? herzlich gerne. Nur demonstrieren Sie dafür und überlassen nicht die Drecksarbeit ausschließlich Politikern, die weit mehr arbeiten als normale Studenten.

      Sitzen Sie mal bitte mit 600 Kommilitonen im Audimax

      Ach, Sie meinen, das hätten Sie exklusiv? Sie glauben auch, alles wäre zum ersten Mal da, wenn Sie die Uni betreten.

    199. Michael W. schrieb am 22. Dezember 2009 um 13:07 - Permalink

      @Stefan P.
      Jetzt reißen Sie auch noch willkürlich Phrasen aus meinem Postings aus dem Konetxt, damit Ihre Argmente/Erklräungen halbwegs Sinn machen?!

      1. Wo bringe ich bitte ein Totschlagargument?

      2. “sie wollen nur weniger Dumpfbacken” –> falsch

      3.

      Wie kommen Sie denn darauf? Ich bin noch zu einer Zeit aufgewachsen, wo man mit 10-Finger-System gelernt hat. Und auch etwas schneller zu denken. Ich weiß jetzt, wie lange der Spiegelfechter für einen fundierten Artikel benötigt. Das liegt über der Zeit, die ich benötige, bestimmte Informationen zu hinterlegen. By the way: Ich kann beim Schreiben mit einer Sekretärin mithalten.

      Sie sind echt nen ganz toller Hecht. Aber selbst wenn Sie auch nur ein 5tel der Zeit eines nicht so begabten, gebildeten und gerlernten Menschen brauchen verbrauchen sie dennoch sehr viel Arbeitszeit.

      4.

      Ja, schlimm. Meine Tochter besetzt schon zwei, sie müsste gerechterweise einen abgeben.

      Da kann sie sich glücklich schätzen. Und sie meinen also wirklich, dass es für jeden Studi solche Jobs gäbe und die Studis sich nur nicht selbst genug dafür qualifizieren?

      5.

      Wenn Sie ein paar Sozialleistungen kürzen wollen, die Rentengarantie aufheben, die Steinkohleförderung und das EEG zurückführen, um Geld freizubekommen ? herzlich gerne. Nur demonstrieren Sie dafür und überlassen nicht die Drecksarbeit ausschließlich Politikern, die weit mehr arbeiten als normale Studenten.

      Wie wäre es stattdessen, Stellen wie Ihre auf 3/4 zu kürzen? Das Geld könnten die Unternehmen dann dem Bildungsetat zukommen lassen.

      6.

      Ach, Sie meinen, das hätten Sie exklusiv? Sie glauben auch, alles wäre zum ersten Mal da, wenn Sie die Uni betreten.

      Kontextfrei mach Ihre Aussage teilweise Sinn. In bezug auf Ihre Idee mit dem Diktiergerät aber wiederum nicht.

    200. Herr Knecht schrieb am 22. Dezember 2009 um 13:12 - Permalink

      Wer mal einen interessanten Beitrag zu radikaler Privatisierung und Bildungskürzungen sehen will, dem sei eine aktuelle Arte Reportage über Kalifornien empfohlen. Ob man in diesem Kontext den deutschen Problemen demütig gegenüberstehen sollte, oder ob es ein abschreckendes Beispiel darstellt, liegt im Auge des Betrachters.

      P.S: Wen Guantanamo nicht interessiert, der skipt circa ein Viertel der Sendung, um zu Kalifornien zu gelangen ;).

    201. StefanP schrieb am 22. Dezember 2009 um 15:17 - Permalink

      @Michael W.

      Wo bringe ich bitte ein Totschlagargument?

      ?wer sich ausschließlich auf sein Studium konzentrieren soll, braucht größere finanzielle Unterstützung, vollgepackte Stundenpläne von morgens bis abends?

      ?sie wollen nur weniger Dumpfbacken? ?> falsch

      Kennen Sie die Unternehmenswirklichkeit? Wissen Sie, wieviele sich auf eine bestimmte Stelle bewerben und wieviel fachlicher Müll dabei ist? Wissen Sie, wieviele Schulabgänger nicht mal einen einfachen Dreisatz berechnen können? Und wussten Sie, dass der Großteil der Hauptschulabgänger keinen größeren Wortschatz besitzt als ein Viertklässler?

      ->Ja, schlimm. Meine Tochter besetzt schon zwei, sie müsste gerechterweise einen abgeben.
      Da kann sie sich glücklich schätzen. Und sie meinen also wirklich, dass es für jeden Studi solche Jobs gäbe und die Studis sich nur nicht selbst genug dafür qualifizieren?

      Was einer 16jährigen Schülerin bzw. einer Erstsemersterin gelingt, sollte doch für einen 22jährigen Studenten mit 4 Semestern auf dem Buckel nicht zu anspruchsvoll sein, oder? Mit Glück hat das gar nichts zu tun.

      Wie wäre es stattdessen, Stellen wie Ihre auf 3/4 zu kürzen? Das Geld könnten die Unternehmen dann dem Bildungsetat zukommen lassen.

      Das würde nichts bringen, da ich nicht nach Stunden, sondern nach Ergebnissen bezahlt werde. Und Steuern zahle ich bzw. mein Unternehmen ohnehin genug. Daran kann?s nicht liegen.

      ->Ach, Sie meinen, das hätten Sie exklusiv? Sie glauben auch, alles wäre zum ersten Mal da, wenn Sie die Uni betreten.
      Kontextfrei mach Ihre Aussage teilweise Sinn. In Bezug auf Ihre Idee mit dem Diktiergerät aber wiederum nicht.

      Ich muss Sie schon wieder enttäuschen. Diktiergeräte gibt es schon seit sehr, sehr vielen Jahren.

    202. aquadraht schrieb am 22. Dezember 2009 um 16:15 - Permalink

      StefanP: Also Dein Unternehmen glaube ich Dir nicht. Bei dem, was Du hier und nicht nur hier von morgens bis abends von Dir gibst, ist es absurd, dass Du noch einen Beruf und eine Familie zu haben behauptest.
      Auch wenn geistige Anstrengung und Rechercheaufwand hinter Deinen Beiträgen nicht gerade überragend sind, geht es hier um gewisse Grundaufwände, hinter die man nicht kann. Ich habe genug im Bereich Arbeitsbewertung gemacht, um Dir die Behauptung einer Vollzeitberufstätigkeit einfach nicht abnehmen zu können. Es sei denn, Dein Unternehmen sabotiert im Auftrage der INSM Blog-Diskussionen. Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass die ihr Geld so zum Fenster rauswerfen.

      a^2

    203. Martin schrieb am 22. Dezember 2009 um 16:23 - Permalink

      Lieber Spiegelfechter,

      dankeschön und weiter viel Erfolg!

      ein Dipl. Ing. von früher

    204. M.Richter schrieb am 22. Dezember 2009 um 18:08 - Permalink

      Guten Tag,

      ich glaube, dass die Bologna-Reformen im Kern richtig sind. Natürlich gibt es Fehler wenn etwas Neues eingeführt wird, aber das liegt in der Natur der Sache. Aus meiner Sicht unglücklich ist die Fixierung auf den “schnellen” Bachelor, 6 Semester sind äußerst sportlich für einen berufsqualifizierenden Abschluss. Aber hier besteht ja Handlungsfreiheit von Seiten der Hochschulen, ein achtsemstriger Bachelor ist kein Problem und würde viele Punkte deutlich entschärfen. Das allgemeine Harmonisieren von Studiengängen und Hochschulen dagegen begrüße ich ausdrücklich! Wer in der alten Diplom/Magisterzeit die Hochschule wechseln wollte, musste sich teilweise mit völlig willkürlichen Anrechnungsverfahren abfinden. Dank Bologna kann jeder, der im Besitz eines akkreditieren Abschlusses ist, einen weiterführenden Masterstudiengang auch an einer anderen Hochschule belegen.
      Ich finde es weiterhin sehr angenehm, dass es völlig schnuppe ist, ob man seinen Abschluss an einer Universität, einer Fachhochschule oder einer sonstigen Einrichtung erworben hat. So kann jeder, der “praktisch” studieren will nach dem Bachelor aufhören, während die “wissenschaftlich” Interessierten den Master dranhängen (Bei mangelnden Platzangebot halt an einer anderen Uni).

      Weiterhin vermute ich, dass die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen ein Grund für viele Beschwerden ist -diese hat aber mit dem Bologna-Prozess ursächlich nichts zu tun!
      Studiengebühren: Ich meine gehört zu haben, dass Studiengebühren mit dem Bafög erstattet werden. Wenn ich hier richtig liege, sollten sie also kein Hindernis für finanziell schwächer Gestellte darstellen.
      Außerdem müssten die Einnahmen, die aus solchen Gebühren resultieren, komplett der Uni zufallen (ohne Anrechnung auf andere Budgets)! Ansonsten gehören solche Gebühren abgeschafft.

      Und last but not least: Veränderungen sind bei der Mehrheit der Menschen äußerst unbeliebt! Jeder hält die Ausbildung, die er selbst genossen hat, tendenziell für besser als das, was danach gekommen ist. Sogar wenn es formal die gleiche Ausbildung ist! (“Wir mussten das damals noch in Heimarbeit aus dem Altgriechischen Übersetzen!” oder “In meiner Zeit wurden die Kräfte in jedem Element selber berechnet, mit den heutigen Computern ist das ja gar keine Herausforderung mehr! usw.)

      Ich behaupte: durch Bologna wird weder der Bildungsstandort Deutschland noch die allgemeine oder weitergehende Bildung von an derselbigen interessierten Individuen Schaden nehmen!

      Viele Grüße

    205. N.k. schrieb am 22. Dezember 2009 um 21:36 - Permalink

      >Studiengebühren: Ich meine gehört zu haben, dass Studiengebühren mit dem Bafög erstattet werden.

      Könnten sie das genauer erläutern? Also ich bekomme Barfög und muss zusätzlich 700? (500 Studien + 200 Semester) bezahlen. Dann kann ich mir hier von manchen Flachpfeifen noch anhören, das es ja möglich sei sich breit und über den Kerninhalt des eigenen Studiums zu bilden. Dafür könne man dann ja ein paar Semester dran hängen. Ich möchte noch mal verdeutlichen, dass dies jedes Jahr kosten von 1400? + Lebensunterhaltskosten – wegfallendes Bafög (das wird nämlich nur in der Regelstudienzeit bezahlt) bedeutet.

      Als Zivildienstleistender habe ich sehr viel besser gelebt als es mir als Student möglich ist. Wenn man grade aus einer Tätigkeit kommt, bei der man wenige Euros pro Stunde bekommt, und dann ins Studium geht und feststellt, dass man sich jetzt noch weniger leisten kann rutschen einem auch schon mal Ausdrücke wie Flachpfeife heraus…

      Ach übrigens: Für Sportverein und Musik fehlen mir seit dem Studium jegliche zeitliche und finanzielle Kapazität. Es geht halt nicht um die Menschen, sondern nur noch um die Wirtschaft von der ja bekanntlich jeder profitiert… *achtung ironie*

      Ach übrigens: Wer sich jetzt über orthographische und grammatische Schwächen amüsieren möchte, der kann das gerne tun. Ich hab gerade Fieber und bin deswegen geistig nur halb anwesend.

    206. Castorp schrieb am 22. Dezember 2009 um 22:15 - Permalink

      Also ich sag’s mal so: kritisch denken konnte ich schon vor der Uni. Da hatte mich einfach das Leben geprägt (wie es mich noch immer prägt), bestimmte Widersprüche, die meinen Verstand immer wieder vors Zweifeln gestellt haben, Ungerechtigkeiten, die “krankmachten” usw.

      Wer als gepudertes und gewindeltes JuLi/RCDS-Muttersöhnchen/-töchterchen großgezogen wurde, hat wahrscheinlich(!) eher nicht so den Hang, kritisch zu denken oder lernt dann eher selektiv wahrzunehmen, auf dem Weg zum Elite-Elfenbeinturm.

      Man muss vielleicht – um das mal übertrieben auf den Punkt zu bringen – desöfteren an der Welt ver-zweifeln (was natürlich nicht automatisch Depressionen bedeutet), um das Zweifeln zu “erlernen”. An der Uni geht das nur bedingt.

    207. N.k. schrieb am 22. Dezember 2009 um 22:31 - Permalink

      Das würde ich zu 100% unterschreiben!!
      Genau so war es bei mir. Das kritische Denken hat sich bei mir schon im vorpubertären Alter entwickelt.
      Ich habe mich regelrecht gefreut endlich aus dieser uniformen Schulbildung rauszukommen und an die Uni zu gehen. Ich war der Überzegung mich da in einen Hort des kritischen Diskurses zu begeben, aber wurde bitter enttäuscht. Kritisch ist da nichts. Mit Professoren wird nicht diskutiert, weil die Komillitonen sich beschweren, dass der Prüfungsstoff sonst nicht behandelt wird.

      Dann kann man sich in VWL Aussagen reinziehen wie die folgende:
      “Man hat eindeutig errechnet, dass beide Seiten [gemeint: Industrie- vs Entwicklungsländer] von freiem Handel profitieren und Protektionismus beiden schadet, da sie dann ihren komperativen Kostenvorteil nicht ausnutzen können”

      Kann mir mal bitte jemand die komperativen Kostenvorteile für Burkina Faso erklären?

      Es geht halt um Noten und Abschlüsse und nicht um wirkliche Bildung.

    208. 1000Sunny schrieb am 23. Dezember 2009 um 00:20 - Permalink

      @Eike Scholz
      Das meine ich. Die Lösung des Artikels ist trivial einfach, da eine Menge Dinge einfach als gegeben vorausgesetzt werden, aber nicht recherchiert, angesprochen oder hinterfragt werden.
      z.B.

      1.) Sie wollen den Kindern solcher Mütter bessere Chancen verschaffen – warum nicht den Müttern?
      2.) Eine höhere Ausbildung(Uni) ist verbunden mit mehr Gesundheit, höherem Einkommen, besserer Konfliktfähigkeit, einer höheren Lebenserwartung und mehr Glück – wieso wird das der Mutter verwehrt?
      3.) Warum muss jeder an einer Universität sitzen um zu studieren – wir leben im Jahr 2009 (siehe z.B. AcademicEarth.org)
      4.) Sie setzen voraus, dass ein demokratischer Staat eine Schulpflicht braucht – stimmt das? Gab und gibt es nicht auch Demokratien ohne Schulpflicht? Wurde die Schulpflicht überhaupt in demokratischen Gebilden eingeführt? Was waren die Absichten der Schulpflichteinführung?
      5.) Sie setzen voraus, dass die Schule ein normatives Element sein muss? Stimmt das? Ist das ethisch?
      6.) Ist dieser präventive Freiheitseingriff überhaupt selber rechtsstaatlich? Gibt es irgendwelche Demokratien, die an einer fehlenden Schulpflicht gescheitert sind?
      7.) Ist die Schule überhaupt ein Ort der Bildung oder ein Ort der Halbbildung?
      8.) Welchen Zwecken dient die Schulbildung – Konzernen, der Demokratie oder dem Individuum?
      9.) Welcher Bevölkerungsgruppe entstehen durch die Schule die meisten finanziellen, strukturellen und sozialen Kosten?

      Ich denke, wenn über all diese Fragen ehrlich recherchiert würde, dann würden wir viel klarer sehen und es käme nicht so ein riesen Positionsstreit heraus.
      Wird aber nicht. Es wird aus einer Position heraus ideologisch begründet, die sich zwar humanistisch, links und sozial liest, auf den zweiten Blick aber keine Tiefe hat und jedem an seiner Triviallösung festhalten lässt.

    209. 1000Sunny schrieb am 23. Dezember 2009 um 00:30 - Permalink

      Ach und
      10.) Die Behauptung, dass Schule einen mündigen Bürger erzeugt hinterfragen Sie ebenfalls nicht.

    210. StefanP schrieb am 23. Dezember 2009 um 10:33 - Permalink

      @N.k.

      Kann mir mal bitte jemand die komparativen Kostenvorteile für Burkina Faso erklären?

      Wie schon der Spiegelfechter feststellte, werden in der Exportindustrie in Deutschland höhere Löhne als im Handel und Dienstleistungssektor gezahlt. Das ist in Entwicklungsländern nicht anders. Und Konzerne, die sich dort ansiedeln und produzieren, zahlen vielleicht nach hiesigen Standards immer noch Hungerlöhne. Diese ?Hungerlöhne? liegen i.d.R. jedoch weit über dem landestypischen Niveau.

    211. Eike Scholz schrieb am 23. Dezember 2009 um 11:31 - Permalink

      @1000Sunny

      Also, zu einen ist es sinnvoll, wenn man mich anspricht auch Positionen anzugreifen die ich vertrete. Auf punkte, die etwas Kritisieren was ich nicht vertrete oder tue gehe ich separat ein.
      Nur um es mal klar zu machen. Das Studium sollte eine möglichst freie Entscheidung für jedem in jedem alter sein – auch Mütter. Ich bin noch nicht derjenige der da schranken aufbauen will.

      3.) Der erste Punkt der was mit meiner Position zu tun hat. Aber dennoch wurde ich nicht richtig verstanden. Mein Argument war nicht, dass sich Demokratie dann schnell auflöst sondern Rechtsstaatlichkeit.
      Das ist eine Folge von populistischer Politik, welche eben nur bei geringen Bildungsgrad gut funktioniert.
      Auch ist meine Behauptung keine einer strengen Kausalität, sondern einer Risikoabschätzung. Abschaffen der Schulpflicht erhöht das Risiko, und führt nicht zwangsläufig zu einer Erosion des Rechtsstaates.

      6.) Ich glaube nicht dass sich ein versagen des Rechtsstaates monokausale Ursachen hat, auch habe ich keine strikte Mondkausalität behauptet, siehe oben. Aber lassen sie doch diese rhetorischen Tricks.
      Können sie zeigen das eine Operation jemals allein daran gescheitert ist, dass sich der Chirurg die Hände nicht desinfiziert hat? Nein? Dann ist es genau so vernünftig Hände nicht zu desinfizieren?
      Die Realität ist nur mal ein wenig kompliziert, als das man sie mit all zu einfachen Modellen ausreichend erfassen könnte.

      7.) Nun ob die schule wirklich ein Ort der Bildung ist, hängt von den Lehrern ab die man dort erwischt. Aber bestimmte Grundkenntnisse wie Lesen, Schreiben, Sexualaufklärung müssen vermittelt werden. Da gibt es zugegeben sehr viel zu verbessern.

      8.) Bildung sollte dem Individuum dienen. Aber das führt jetzt zu weit vom Thema weg.

      9.) Was für kosten? Wie wollen sie das berechnen? Einfach den Prozentsatz den der Staat von seinen Einnahmen für Bildung aufwendet umrechnen auf die Steuerzahler?
      Machen sie mal, dann Posten sie mal die zahlen, wenn sie denn Überzeugt genug sind das gibt ein gutes Argument ergibt.

      Nun ja 5/10 Punkten haben halbwegs Bezug zu meinen Positionen, immerhin.

    212. Herr Knecht schrieb am 23. Dezember 2009 um 11:33 - Permalink

      @1000Sunny:

      1.) Sie wollen den Kindern solcher Mütter bessere Chancen verschaffen ? warum nicht den Müttern?
      2.) Eine höhere Ausbildung(Uni) ist verbunden mit mehr Gesundheit, höherem Einkommen, besserer Konfliktfähigkeit, einer höheren Lebenserwartung und mehr Glück ? wieso wird das der Mutter verwehrt?

      Die Frage ist doch eher, wieso WURDE das der Mutter verwehrt. Dann sind wir wieder bei den Kindern.

      3.) Warum muss jeder an einer Universität sitzen um zu studieren ? wir leben im Jahr 2009 (siehe z.B. AcademicEarth.org)

      Ich denke die Frage ist schon von selbst beantwortet: Wir leben im Jahr 2009. Unzureichende Medienkompetenz und noch verbesserungsdürftige Technologie werden hier wohl zwei Faktoren sein, die diese Form der Bildung als Substitut nur unzureichend erscheinen lässt. Generell aber ein Zukunftsansatz um vlt. Bildungskosten zu senken. Wer weiss..

      4.) Sie setzen voraus, dass ein demokratischer Staat eine Schulpflicht braucht ? stimmt das? Gab und gibt es nicht auch Demokratien ohne Schulpflicht? Wurde die Schulpflicht überhaupt in demokratischen Gebilden eingeführt? Was waren die Absichten der Schulpflichteinführung?

      Ein Beispiel solch einer Demokratie wäre z.B. Afghanistan ;). Auch ohne Schulpflicht funktioniert der Mohnanbau prima!

      5.) Sie setzen voraus, dass die Schule ein normatives Element sein muss? Stimmt das? Ist das ethisch?
      6.) Ist dieser präventive Freiheitseingriff überhaupt selber rechtsstaatlich? Gibt es irgendwelche Demokratien, die an einer fehlenden Schulpflicht gescheitert sind?
      7.) Ist die Schule überhaupt ein Ort der Bildung oder ein Ort der Halbbildung?
      8.) Welchen Zwecken dient die Schulbildung ? Konzernen, der Demokratie oder dem Individuum?

      Die Schule soll
      -Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten vermitteln,
      -zu selbstständigem kritischem Urteil, eigenverantwortlichen Handeln und schöpferischen Tätigkeiten befähigen,
      -zu Freiheit und Demokratie erziehen,
      -zu Toleranz, Achtung vor der Würde des anderen Menschen und Respekt vor anderen Überzeugungen erziehen,
      -friedliche Gesinnung im Geist der Völkerversätndigung wecken,
      -ethische Normen sowie kulturelle und religiöse Werte verständlich machen,
      -die Bereitschaft zu sozialem Handeln und zu politischer Verantwortlichkeit wecken,
      -zur Wahrnehmung von Rechten und Pflichten in der Gesellschaft befähigen,
      -über die Bedingungen der Arbeitswelt orientieren.

      So steht es mehr oder weniger Wortgleich in den einzelnen Landesverfassungen. Die Schulpflicht ist im Grundgesetz in Art.7 GG verankert.

      Konflikte zwischen Grundrechten gibt es immer. Meinungsfreiheit vs. Persönlichkeitsrecht, Kunsfreiheit vs. Jugendschutz, Minarettverbot und und und…Eine angemessene Abwägung macht gerade den Rechtsstaat aus. Ein Minderjähriger hat nunmal noch nicht die Reife, um zu erkennen das Bildung sehr wichtig ist. Mir ist keine rechtsstaatliche Demokratie bekannt, die keine Schulpflicht hat.

      Ich denke die ersten 8 Punkte, was Schule soll, werden in jüngeren Jahren gelehrt, der neunte Punkt findet dann spätestens ab der Oberstufe, und oftmals ausschließlich in den Unis und FHs, oberste Priorität. Genau das ist der Knackpunkt. Natürlich schadet es nicht gerade schon Kindern Werte zu vermitteln. Aber wenn der geistige Horizont über Hanna Montana, DSDS und Germanys Next Top Model hinauswachsen KÖNNTE, fehlen die Anreize in den Institutionen. Meiner Meinung nach wird nicht nur im Bologna-Prozess die Adoleszenzphase dahingehend verkan(n)t.

      Gegenargument: Von geistiger Nahrung wird man nicht satt, es können nicht alle Philosophie studieren! Das stimmt natürlich. Man sollte sich aber Fragen warum nicht-monetären Faktoren auch in anderen Lebensbereichen (z.B. Wirtschaftswissenschaften) so wenig Beachtung geschenkt wird.

    213. noamik schrieb am 23. Dezember 2009 um 16:36 - Permalink

      @Sandsturm: wir können uns da jetzt in ein Ja-Nein-Doch verwickeln, aber das führt zu nichts. Fakt ist: ein Diplom-FH ist eben kein Diplom à la TU und wollte das auch nie sein. Das behauptet auch so gut wie niemand.

      Der Bachelor als solcher ist kein verkehrter Ansatz, denn er ist nichts anderes als alter Wein in neuen Schläuchen, nämlich das, was ein Diplom-FH schon immer war. Verkehrt ist lediglich diesen Ansatz den Universitäten aufzuzwingen. Der Bachelor war da gut aufgehoben, wo er schon immer praktiziert wurde, an den Fachhochschulen. Hätten wir eine Diskussion darüber die Fachhochschulen zu stärken, statt das Bildungssystem Universität zu zerstören, würdest du mich auf der Seite der Befürworter wiederfinden.

      Was wirklich dünkel ist, ist die derzeitige Praxis einiger Universitäten den Bachelor FH nicht zu Masterstudiengängen zuzulassen, sondern diesen erstmal noch 1-2 “Aufholsemester” zuzumuten.

    214. CrisisMaven schrieb am 5. Februar 2010 um 20:49 - Permalink

      Moege es helfen, das VWL- u.a. -Studium so oder so zu bewaeltigen: eine der umfangreichsten Sammlungen gibt es hier.


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