SPON strickt an der Rostock-Legende [Update IX]
02. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken
SPON dreht sich mal wieder seine eigene Wahrheit zurecht. Das es bei der G8-Demo in Rostock zu Krawallen kommen würde, war vorauszusehen. Leider versuchen die Medien mal wieder an einer Legende zu stricken - die Legende von Rostock soll lauten, daß die gewaltätigen Krawalle von den offiziellen G8-Kundgebungen angestachelt wurden.
So meldet SPON bereits in der Überschrift ihres Live-Tickers “Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen”.
Für 18.30 meldet SPON den Tickereintrag “[18:30] Auf der Kundgebungsbühne stachelt ein Redner die militante Szene auf: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.”
Das gleiche Zitat bringt SPON in seinem Artikel über die Kundgebung:
Als die ersten Autos brannten, stachelte ein Redner auf der Kundgebungsbühne die militante Szene noch mit klaren Worten auf: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.”
Für diejenigen, die die Kundgebung live auf Phoenix verfolgt haben, mag dies seltsam klingen - hat dies doch keiner der Redner gesagt. Besinnt man sich indes auf die spiegeltypischen Übersetzungschwierigkeiten, wird einem so einiges klar. SPON meinte die Rede des philippinischen Globalisierungskritiker Walden Bello - Träger des alternativen Nobelpreises. Natürlich hat er nicht die Worte geäußert, die SPON ihm unterschieben will, sondern in einem vernünftigen Ton Kritik an der Vermeidung des Themas Irak-Krieg beim G8-Gipfel geübt:
“We have to bring the war right into this meeting - because without peace there can be no justice”.
Wie man dies mit - “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts” übersetzen kann, ist mir schleierhaft. Honi soit qui mal y pense.
Hier ein Mitschnitt von Phoenix, der das “strittige” Zitat enthält:
Update I: Einen guten Bericht über die Vorkommnisse in Rostock gibt es im Politblog.
Update II: Bellos Worte vom “Spirit of Genua” werden ebenfalls vom SPIEGEL aus dem Zusammenhang gerissen. Er erinnerte an den Geist von Genua als Abgrenzung zum Geist von Glenneagles - vorher kritisierte er die Banalisierung und Vereinnahmung der Anti-G8 Proteste in Glenneagles durch die Popbarden Bono und Geldorf. In diesem Kontext hat der “Spirit of Genua” natürlich nichts mit den Ausschreitungen in Genua zu tun, wie es der SPIEGEL suggeriert. Im Kommentarbereich bringt der User A.N. zusätzliche Informationen, die helfen den Kontext der Rede eindeutig als “nicht aufstachelnd” einzuordnen.
Es ist fast überflüssig, zu erwähnen, dass SPON die gefälschten Zitate nicht korrigiert hat und sie von Teilen der Presse bereits wiedergegeben werden. SPON hat sein sinistres Ziel erreicht - mit rund 2 Millionen Besuchern, die mit dieser gefälschten Meldung gefüttert werden, wird erfolgreich Meinungsmache betrieben - meine rund 2.000 Besucher wissen es jetzt zwar besser, sind aber natürlich in der eindeutigen Minderzahl. Und wer weiß, vielleicht ist diese absichtliche Fälschung nur die Spitze des Eisbergs, bei der SPIEGEL-Berichterstattung über Rostock. Ich kann nur jedermann raten, bei SPON Berichten äußerst kritisch zu sein und im Zweifel lieber nichts zu glauben, was dieses Magazin berichtet.
Update III: Es ist auffällig, dass SPON das gefälschte Zitat über eine Stunde später in den Ticker stellt. Wie man im Phoenix-Video sehen kann, ist das Zitat um 17.17 gefallen, was sich auch mit den bei SPON erwähnten “ersten brennenden Autos” deckt. Im Newsticker wird allerdings erst um 18.30 darauf eingegangen. Wiederum: Honi soit qui mal y pense.
Update IV: Was ein kleiner Blog-Artikel doch erreichen kann - SPON hat sich 23 Stunden nach der Falschmeldung zu einer kommentierten Korrektur hinreißen lassen, in der sie den schwarzen Peter der DPA unterschieben. Nun ist es mit solchen Meldungen leider wie mit der Büchse der Pandora - sind sie erst einmal in Umlauf, ist es unmöglich, sie zurückzuholen. Dennoch - Chapeau für diese “Gegendarstellung”. Der Vorwurf der mangelnden Sorgfältigkeit oder gar Fahrlässigkeit bleibt aber dennoch stehen.
Die “Gegendarstellung” im Volltext:
Ursprünglich hieß die Headline zu diesem Ticker: “Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen”. Das Zitat stammt aus einem Bericht von Helmut Reuter, Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa in Rostock. In seinem Bericht von Samstag, 18.41 Uhr, hieß es:
“Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.” Und dann beschwört er noch den Geist von Genua. Die italienische Hafenstadt ging 2001 mit einem zweifelhaften Eintrag in die G8-Annalen ein, als sich militante Demonstranten zwei Tage lang erbitterte Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten.”
Wie sich später herausstellte, stammt das Zitat aus einer Rede von Walden Bello, philippinischer Soziologieprofessor und Träger des alternativen Nobelpreises. Walden Bello hielt auf der Bühne in Rostock eine engagierte Rede, während um die Versammlung herum bereits die Randale entbrannte. In dieser Rede sagte er: “…we have the spirit of Genoa”. Dann folgte eine Passage über den Irakkrieg, die mit folgendem Aufruf endete: “We have to bring the war right into this meeting - because without peace there can be no justice.”
Teile der dpa-Darstellung hatte Spiegel Online in diesen Ticker übernommen. Die von Spiegel Online nach Rostock entsandten Kollegen waren zu dieser Zeit an anderen Stellen der Demonstration als Beobachter im Einsatz und hatten Bellos Ausspruch nicht persönlich mitbekommen. Heute um 15:59 verbreitete die Agentur dpa folgende Meldung:
“Rostock (dpa) - Der Aufruf zum “Krieg”, mit dem ein Redner während der Krawalle am Samstag in Rostock die militante Szene angestachelt hatte, war nach Darstellung der Protest-Organisatoren ein Übersetzungsfehler. Der zitierte Redner Walden Bello habe in seiner englischsprachigen Rede dazu aufrufen wollen, gegen den Krieg im Irak zu protestieren, teilte die globalisierungskritische Organisation Attac am Sonntag mit. In der deutschen Übersetzung wurde daraus: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.” Die Äußerung sei in diesem Zusammenhang missverständlich gewesen. Sie habe aber nicht auf Krawalle bei der Anti-G8-Demonstration abgezielt, betonte Attac.”
Die Agentur dpa hatte sich zuvor gegenüber Spiegel Online darauf berufen, dass ein Veranstaltungsteilnehmer auf der Bühne Bello übersetzt und wie in der dpa-Meldung vom Samstag wiedergegeben hätte. Spiegel Online bemüht sich derzeit, einen kompletten Mitschnitt der Veranstaltung zu bekommen, um dies zu überprüfen. Spiegel Online bedauert, die fehlerhafte Übersetzung von dpa übernommen zu haben.
Die Redaktion
Update V: Das ZDF-Blog vom G8-Gipfel hat die Geschichte der Falschmeldung aufgeklärt und liefert neben den Phoenix-Fernsehbildern auch den O-Ton des Übersetzers, wobei dem guten jungen Mann bei der entscheidenden Passage ein Hauch von Unsicherheit umweht:
Walden Bello: „Two years ago they said: Do not bring the war into the discussions. Just focus on poverty reduction. Well, we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without peace there can be no justice.”
Der Übersetzer auf der Bühne: “Vor zwei Jahren hat es geheißen: Wir sollen den Krieg nicht in die Diskussion mit reinbringen. Wir sollen uns nur auf Armutsbekämpfung konzentrieren. Aber ich sage: Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen. Denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben.“
Fest steht: Das Zitat von DPA/SPON ist auch in der Übersetzung so nicht gefallen! Der Übersetzer gibt weder den “strittigen” Satz von sich, noch das “abgschwächte” Zitat aus der Gegendarstellung. Auch entsteht keinesfalls der Eindruck, er würde den Bezug “hier mit reinbringen” auf die Demo beziehen.
Zurecht merkt das ZDF daher an:
Für die Medien, die auf diese Ungenauigkeit hereinfielen, ein schwerer Patzer und ein unangenehmes Zurückrudern in Gegendarstellungen. Das ZDF hat frühzeitig die missverständliche Deutung erkannt und den Zusammenhang eben nicht hergestellt.
Was für ein Seitenhieb auf das ehemalige “Sturmgeschütz der Demokratie” *hüstel*, das zur “Spritzpistole Angela Merkels” herabgesunken ist.
Danke an Alexander für den Hinweis.
Update VI: Heute um 12.59 hat DPA endlich einen umfassenden Widerruf, verbunden mit der Entschuldigung an Walden Bello veröffentlicht. Nur zur Erinnerung: Seit der falschen Pressemeldung sind mittlerweile fast 67 Stunden vergangen - eine Ewigkeit in der schnelllebigen Medienwelt. SPON hat reagiert und die Tickermeldung mit einem eindeutigen Kommentar versehen. Ferner bietet jetzt auch SPON das Video auf seinen Seiten an. Das ist zwar ein korrektes und entschiedenes Krisenmanagement, kommt aber viel zu spät.
Danke an Stefan Niggemeier für den Hinweis.
Update VIII: In seinem Blog zeichnet Stefan Niggemeier eine umfassende Chronologie des Falles “Falschmeldung”. Lesetipp!
Update IX: Stefan Niggemeier hat in seinem Blog auch die Reaktion einiger deutschsprachiger Zeitungen dokumentiert. Leider lassen die meisten Zeitungen hier Ehrlichkeit, Transparenz und Selbstkritik vermissen.
Bildnachweis: ZDF
Jens Berger
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Also das ist nun wirklich krass. Nun denn, Menschen machen Fehler … Mehr fällt mir hier auch nicht zu sein.
@Music Jams
Gerne würde ich auch einen “Fehler” glauben - leider passt dieser “Fehler” nur zu gut ins “neue” Bild des Spiegels und es ist ja nicht das erste mal, daß der Spiegel wider besseren Wissens Falschmeldungen verbreitet bzw. nach wohl begründeten Leserbriefen nicht richtigstellt.
Boah! Komme grad von der Großdemo, bin bis 19.00 da gewesen:
So eine verkürzende Darstellung!
Um das ganze noch etwas auszuführen: Bello hatte über die Entwicklung der Anti-G8-Proteste gesprochen. Zuerst sei Krieg als Problem bzw. Frieden als wohlstandsbildende Maßnahme halt nicht thematisiert worden, aus diplomatischen Gründen IIRC, aber jetzt sei klar, dass die Zustände nicht besser würden (im Gegenteil) und deshalb eine Lösung der Problematik eingefordert werden müsse. Und zwar genau so: Man müsse *das Thema* Krieg in die Versammlung hineintragen.
Klingt doch schon ganz anders, nech?
Weitere Punkte, die mir aus dem Ticker auffallen, wo ich da war:
[18:39] “verlassen panikartig den Platz”: Unruhe ja, und zwar wegen des Wasserwerfers, der von hinten in die Menge blies. Panik, nein.
[15:01] “Die Protestzüge gehen offiziell zu Ende. Hunderte Vermummte liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei.”: Huch, das ging aber fix. Ich glaub, ich war da noch im Zug. Schon kompliziert, gab ja zwei. Und da wo ich war ist *nichts* passiert.
Was mir fehlt: [17:05] Polizeitruppe stürmt Kundgebungsplatz (alles friedliche Demonstranten). Siehe auch
politblog....
Mein Fazit: In einer urbanen Umgebung kann es nur 500m weiter unglaublich anders aussehen.
Jaja der Spiegel…
Erinnert mich ein wenig an das Dahinsiechen eines Drogenjunkies. Anfangs regt man sich noch darüber auf, mit der Zeit verschwindet er immer mehr in der Bedeutungslosigigkeit, und am Ende ist er tot und man hat es nicht bemerkt.
Betriebswirtschaftlich kann diese Transformation nicht begründet sein, denn konservative Blätter gibt es bereits zu Hauf - folglich wohl eine politische Entscheidung. Heldenhaft nimmt der Spiegel Umsatzeinbußen in Kauf um dem großen Ganzen dienen, von dem keiner so recht weiß was das sein soll. Da die Verhältnisse in der deutschen Medienlandschaft ähnlich wie in der Energiewirtschaft sind, bezweifle ich dass es in absehbarer Zeit einen Lückenfüller geben wird. Hier also mein Aufruf an Investoren aus China, Iran und Russland: Presseorgan zum herumstochern in westlicher Scheiße gesucht - Wachstumschancen garantiert!
Als Augen- und Ohrenzeuge kann ich wiedergeben, daß die Demonstrationsleitung per Lautsprecher stets versuchte, die Menge zu beruhigen. Allerdings befanden sich hinten im Demonstrationszug Lautsprecherwagen diverser radikalerer Gruppen, die die Anhänger des Schwarzen Blocks aufstachelte. Von oben (wir haben eine Whng. “über den Dächern der Stadt”) war klar eine Zweiteilung der Menge beobachtbar. Die eine Hälfte zur Bühne gewandt, die andere Häflte mit Steinen in der Hand in Richtung Polizei…
Ich habe vom SPIEGEL nichts anderes erwartet…
“Als die ersten Autos brannten” ist auch falsch. Laut Medienbreichten brannte nur ein Auto.
eine beschwerde beim deutschen presserat wäre wohl verschwendete zeit, oder?
@17 Kiesow
Ich werde mich mal schlau machen - wenn das ganze nichts kostet, warum nicht ;-)
es kostet nichts :-)
siehe presserat....
Naja, der Spiegel kann kein Englisch. Das ist peinlich, aber letztlich eher amüsant.
Zu Rostock: Es läßt sich nicht wegdiskutieren, daß die Ursache für die Eskalation das Verhalten der Randalierer war. Schaufensterscheiben sind schon vor Beginn der Abschlußkundgebung zu Bruch gegangen, währed des Demonstrationszuges hat sich die Polizei in für mich bislang ungekannte Weise zurückgehalten, wie ich als Teilnehmer der Demonstration berichten kann.
Ob es am Schluß notwendig war, mit dem Wasserwerfer in die Menge zu fahren, kann ich nicht beurteilen. Zur Chronologie aber: Die Wasserwerfer sind erst dann aufgefahren, als die Feuerwehr anrückte, um die brennenden Barrikaden zu löschen und daran mutmaßlich gehindert wurden.
Der Demonstrationsleitung muß ich hier einen schweren Vorwurf machen: Zu diesem Zeitpunkt war über die Lautsprecher nur die Aufforderung an die Polizei zu hören, Provokationen zu unterlassen. Die Demontranten dürfen sich hingegen “nicht spalten lassen”. Sorry, aber als friedlicher Demonstrant will ich weder zum Schutzschild für die autonomen Vollidioten werden, die Schutz in der Menge suchen (was gestern passiert ist) noch will ich von der Demonstrationsleitung mit diesen Menschen in einen Topf geworfen werden.
Erst später kam dann eine Aufforderung, die Feuerweher ihre Arbeit machen zu lassen und noch später endlich eine klare Distanzierung von der Gewalt und eine Aufforderung auch an die Demonstranten, Provokationen zu unterlassen.
Ich bin wirklich froh, daß die Berichterstattung immer noch den Focus auf die friedlichen Proteste legt und Inhalte transportiert. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn das anders gewesen wäre. Außerdem hoffe ich, daß es nun endlich eine klare Abgrenzung des Organisationsbündnisses gegen Randale gibt. Sonst spielen Ereignisse wie gestern in Rostock nur wieder den Schäubles und Becksteins in die Hände.
@Matthias
Das es sich um eine “Fehlübersetzung” handelt, glaubst doch wohl selbst nicht?
Auch teile ich keinesfalls Deinen Eindruck, die Medien würden den Fokus auf die friedlichen Demonstrationen legen. Die Frontseiten der Publikumsmedien sprechen da eine ganz andere Sprache:
Dem Satz kann ich indes zu 100% zustimmen!
eben hab ich SpOn gelesen und finde allerdings nicht, daß die Veranstalter und die Autonomen in einen Topf geworfen wurden. Der Bericht sagt eher, daß die Situation entgeleist ist und die Polizei und Veranstalter nicht mehr Herr der Lage waren, was ich persönlich auch für durchaus schlüssig halte. Ob die Autonomen wirklich von der “Staatsmacht” gestellt waren kann ich nicht sagen. Nach Vergleich von diversen Quellen: Linksradikal, Rechtsradikal und Massenmedien kann ich nur eines sagen: Ich bin immer noch nicht schlauer, da man nie weiß welche Quelle wie stark die Wahrheit verbiegt- ich denke, die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen.
Daß ein Politiker, der nicht besonders beliebt ist einen Unruhe anzettelt, um zu beweisen “Seht, ich hatte doch recht” kann natürlich möglich sein. Auf eine solche Art haben schon ganze Kriege begonnen.
@Spiegelfechter:
Doch, ich traue dem Spiegel zu, daß er wirklich kein Englisch kann. Es würde mich aber auch nicht wirklich verwundern, wenn es eine bewußte Fehlübersetzung wäre.
Zu den Medien: Ich bin gespannt auf die Zeitungen morgen, aber bei dem, was ich bisher gesehen habe (z.B. Tagesschau), wurde in der Tat sehr deutlich zwischen den Randalierern und den friedlichen Globalisierungskritikern unterschieden. Auch die Berichterstattung von Spiegel und Bild ist zwar reißerisch, sie subsummiert den friedlichen Protest aber keineswegs unter die Randale.
Mir stellst sich immer noch die Frage des Kontexts & der Übersetzung. Bitte helft mir mal da ich nicht in Deutschland lebe & nur aus´m Internet Informationen bekomme. Meine Übersetzung und Kontext ist bisher:
Wir müssen den Krieg (als Thema denke ich mal) in dieses Treffen (ich denke er meint den G8 Gipfel & nicht die Demo) bringen, denn ohne Frieden kann es dort (Irak) keine Gerechtigkeit geben.
Also ich denke mir, jeder der nur “we have to bring the war right into this meeting” liest oder versteht, denkt es geht um Gewalt.
Ich würde gerne mal seine gesamte Ansprache lesen. Gibt es die irgendwo in Ton,Bild oder Schrift?
@27 Matthias
Sicher, in den Hintergrundberichten und ausführlichen Darstellungen wird unterschieden. Aber unterschätze nicht die Macht des ersten Eindrucks und die Macht einer plakativen Überschrift. Und bei nahezu allen großen Online-Medien steht heute und stand gestern der Krawall nahezu isoliert an erster Stelle.
@24 kimi
Du hast es schon ganz richtig dargestellt. Ich würde die Passage der Rede einmal (nach Erinnerung) so übersetzen:
“[Der Irakkrieg] darf nicht aus der Diskussion ausgeblendet werden. Wir müssen den Krieg in die Diskussion bringen - denn ohne Frieden gibt es auch keine Gerechtigkeit.”
Ob es eine Aufzeichnung oder ein Transkript der Rede gibt kann ich Dir nicht sagen - ich habe die Veranstaltung im TV bei Phoenix live verfolgt, aber leider nicht aufgezeichnet.
Das Video von “MyVideo” habe ich eher durch Zufall im Netz entdeckt. Es enthält die Schlüsselszene aber leider nicht die gesamte Rede um den Kontext zu erkennen. Aber auch die Schlüsselszene alleine reicht um zu beurteilen, daß SPON lügt.
dpa meldet gerade, dass das Zitat laut attac ein Übersetzungsfehler war. Die Äußerung sei in dem Zusammenhang missverständlich gewesen, habe aber nicht auf Krawalle bei der Anti-G8-Demonstration abgezielt, teilte Attac mit.
@39 Alexander
Gut das DPA bzw. Attac das richtigstellt. Da kann man ja mal gespannt sein, ob SPON seinen Artikel korrigiert. Das Dumme an so etwas ist natürlich, dass es sich wie wie bei der Büchse der Pandora verhält. Ist die “gefakte” Meldung erst einmal raus, kann man sie schwerlich wieder zurückziehen. Die Leserschaft hat die O-Meldung als Artikelüberschrift zur Kenntnis genommen - wie viele Leser wohl etwas von der Gegendarstellung mitbekommen?
Ferner ist mein Verständnis von “Qualitätsjournalismus” doch ein anderes, zumal gerade das größte deutsche Online-Magazin doch sicher auch jemanden hatte, der die Rede gehört hat und dem ein derart wichtiges Zitat, das von SPON ja sogar als Artikelüberschrift genommen wurde, aufgefallen sein müsste.
Fahrlässigkeit, bewußte Fälschung oder willfähriges Ausnutzen eines Übersetzungsfehlers? Wir werden es wohl nie in Erfahrung bringen.
@Spiegelfechter:
Abschließender Kommentar von mir: Du hast recht, die Krawalle sind der Aufmacher. Aber es gab nun mal Krawalle in einer bislang bei solchen Veranstaltung nicht gekannten Größenordnung. Ich wünsche mir jedenfalls auch keine Berichterstattung, die die Krawalle nur am Rande erwähnt.
Ich wünsche mir, um mein Anliegen auf den Punkt zu treffen, daß Protestierer und Organisierer erkennen, daß gewaltsamer Protest immer kontraproduktiv ist (was sie angesichts der Reaktionen ja auch tun) und Möglichkeiten finden, von sich aus weitere Eskalationen zu verhindern. Das Risiko, bei den an der Organisation beteiligten Autonomen-Organisationen anzuecken, muß man dabei in Kauf nehmen.
@Spiegelfechter
Danke für die schnelle Antwort.
Das spon mit dieser Übersetzung lügt ist offensichtlich, u.a. auch deswegen will ich mich als sagen wir mal relativ interessierter Mensch auch über den richtigen Inhalt informieren.
Bei einem Thema wie z.B. Wahrheitsgehalt von Meldungen in den Medien oder Globalisierung eine allerdings nicht ganz leichte Sache.
SPON kannste dir SPORN (sparen)!
@42 Matthias
100% ACK
Inzwischen bezieht SpOn Stellung zu diesem “Fehler”. Sie machen einen dpa-Korrespondenten dafür verantwortlich, dessen Meldungen sie wohl ungeprüft übernommen haben. spiegel.de...
Noch eine Anmerkung bzgl Absicht oder Fehler: Bei der SpOn-Übersetzung handelt es sich definitiv um eine absichtliche Verdrehung der Tatsachen, die Rede wurde nämlich (von dem Mensch rechts neben Walden Bello) auf der Bühne live und korrekt (!) übersetzt.
Sehr guter Hinweis. Mittlerweile bereits etwas Korrigiert mit recht ausführlicher Darstellung (in kursiv): spiegel.de...
@49
Es geschehen noch Wunder ;-)
Dennoch muss sich SPON den Vorwurf der mangelnden Sorgfältigkeit gefallen lassen - wobei ich auch das Wort “Fahrlässigkeit” verwenden könnte.
Wow, nun hat Siegel-Online nicht nur qualitativ, sondern auch politisch bild.de eingeholt… -_-
spiegel.de...
mal ein nicht unbedingt schlechter kommentar
@52 rotz stock
Der Kommentar ist polemisch, bis in die Haarspitzen - hat aber leider einen wahren Kern.
Aber wenn ich Sätze wie diesen lese …
… kriege ich das Kotzen! Sorry für die harten Worte, aber genau das war gestern meine erste Befürchtung, als die Bilder der Ausschreitungen sah.
@52 Ein typischer Reinhard Mohr Kommentar. Einer dieser Journalisten, die sich von links unten nach rechts oben bewegt haben und offenbar ein Problem mit ihrer Vergangenheit haben.
de.wikiped...
Hier mal ein Text aus seiner Frühphase: conne-isla...
Daß ne Menge Leute zur Gewalt anstacheln, manche offener manche subtiler, wird kaum jemand bestreiten können. Man muß nur die Foren lesen, dann ist man doch im Bilde.
Daß dieser Aufruf erhört wurde, ist ebenfalls deutlich, oder nicht?
Mich würde übrigens mal der gesamte Text ohne Schnitt interessieren, denn das, was im Video zu hören ist, klingt in seiner Eindeutig-Zweideutigkeit und vor allem mit der Kunstpause vor dem Wörtchen “peace” durchaus wie ein Aufruf zur Gewalt.
Ansonsten: daß SPON eine skrupellose Form des politischen Journalismus betreibt, bestreitet wohl kaum noch jemand, egal in welchem politischen Lager.
Naja es gibt immer noch viele Leute, die den Spiegel für das Nonplusultra des Journalismus halten… Aber es werden immer weniger.
Wow, habe ich es sogar in ein Update geschafft. Für den Inhalt stehe ich mit meiner quasi-statischen IP gerade. :)
Hut ab vor der Korrektur auf der SPON-Website. Es ist allerdings trotzdem fahrlässig die Überschrift nicht gegenzuchecken und im Kontext der gesamten Rede war der Satz auch überhaupt nicht falschzuverstehen gewesen.
Denn. Jeder. Einzelne. Satz. Wurde. Nach. Und. Nach. Übersetzt.
Hat das Zuhören anstrengend gemacht, die Rede war aber einprägsam.
Was mich aber wundert, ist, dass ich bis jetzt noch keine Bilder vom Zug “Hamburger Str./Lübecker Str.” gesehen habe. Immer nur der aus Süden, wo die Krawallmacher waren.
@ A.N.
“Lustig” finde ich vor allem die Begründung (O-Text):
“Die von Spiegel Online nach Rostock entsandten Kollegen waren zu dieser Zeit an anderen Stellen der Demonstration als Beobachter im Einsatz und hatten Bellos Ausspruch nicht persönlich mitbekommen.”
Ja wo laufen sie denn? Sehr vielsagend, das die SPIEGEL-Redakteure anscheinend überhaupt nicht an den Inhalten der Kundgebung oder der Kundgebung selbst interessiert sind - man musste wohl die “brutalsten” Attacken hautnah mitbekommen.
So viel zum Thema “Fokus auf Inhalte” :-(
Um nicht in Zukunft häufiger zu formulieren: “SpOn lügt und betrügt” dürfte es wohl an der Zeit sein, den letztlich verantwortlichen Redakteur in der Politredaktion des SPIEGEL in normalen Redakteursrang zurückzustufen, nämlich den ideologisch außerordentlich verbohrten Claus-Christian Malzahn, der dazu beigetragen hat, dass im Politikressort des SPIEGEL die ideologisch passende Denunzation einen höheren Wert errungen hat als Wahrheitsliebe.
Die Behauptung, dass eine “Übersetzung” eines “Teilnehmers” auf der Bühne die Propagandalüge von DPA/SpOn verursacht hätte, ist übrigens:
Eine erneute Lüge.
In dem Artikel wird es immer noch falsch zitiert. Man muss das falsche Zitat anklicken, um herauszufinden, dass es falsch ist…
@65 Dr. Dean:
Leider weiss ich nicht mehr (und wohl auch niemand sonst), was der Übersetzer wörtlich gesagt hat, aber wenn eine Video-/Audiofassung der Rede online kommt und es falsch zitiert wurde (was ich igendwie erwarte :-/ ) gibt’s nochmal richtig Ärger.
@65 und 70
Ich gehe auch davon aus, daß die Übersetzung auf der Bühne korrekt war - ansonsten hätte ich mich daran erinnert. Der junge Mann auf der Bühne hat einiges nicht wörtlich übersetzt, aber mE immer im Kontext korrekt.
Irgendwo wird sich das Video schon auftreiben lassen ;-)