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  • SPON strickt an der Rostock-Legende [Update IX]

    geschrieben am 02. Juni 2007 von Spiegelfechter

    SPON dreht sich mal wieder seine eigene Wahrheit zurecht. Das es bei der G8-Demo in Rostock zu Krawallen kommen würde, war vorauszusehen. Leider versuchen die Medien mal wieder an einer Legende zu stricken – die Legende von Rostock soll lauten, daß die gewaltätigen Krawalle von den offiziellen G8-Kundgebungen angestachelt wurden.

    So meldet SPON bereits in der Überschrift ihres Live-Tickers “Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen”.

    Für 18.30 meldet SPON den Tickereintrag “[18:30] Auf der Kundgebungsbühne stachelt ein Redner die militante Szene auf: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.”

    Das gleiche Zitat bringt SPON in seinem Artikel über die Kundgebung:

    Als die ersten Autos brannten, stachelte ein Redner auf der Kundgebungsbühne die militante Szene noch mit klaren Worten auf: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.”

    Für diejenigen, die die Kundgebung live auf Phoenix verfolgt haben, mag dies seltsam klingen – hat dies doch keiner der Redner gesagt. Besinnt man sich indes auf die spiegeltypischen Übersetzungschwierigkeiten, wird einem so einiges klar. SPON meinte die Rede des philippinischen Globalisierungskritiker Walden Bello – Träger des alternativen Nobelpreises. Natürlich hat er nicht die Worte geäußert, die SPON ihm unterschieben will, sondern in einem vernünftigen Ton Kritik an der Vermeidung des Themas Irak-Krieg beim G8-Gipfel geübt:

    “We have to bring the war right into this meeting – because without peace there can be no justice”.

    Wie man dies mit – “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts” übersetzen kann, ist mir schleierhaft. Honi soit qui mal y pense.

    Hier ein Mitschnitt von Phoenix, der das “strittige” Zitat enthält:

    [myvideo 1597901]

    Update I: Einen guten Bericht über die Vorkommnisse in Rostock gibt es im Politblog.

    Update II: Bellos Worte vom “Spirit of Genua” werden ebenfalls vom SPIEGEL aus dem Zusammenhang gerissen. Er erinnerte an den Geist von Genua als Abgrenzung zum Geist von Glenneagles – vorher kritisierte er die Banalisierung und Vereinnahmung der Anti-G8 Proteste in Glenneagles durch die Popbarden Bono und Geldorf. In diesem Kontext hat der “Spirit of Genua” natürlich nichts mit den Ausschreitungen in Genua zu tun, wie es der SPIEGEL suggeriert. Im Kommentarbereich bringt der User A.N. zusätzliche Informationen, die helfen den Kontext der Rede eindeutig als “nicht aufstachelnd” einzuordnen.

    Es ist fast überflüssig, zu erwähnen, dass SPON die gefälschten Zitate nicht korrigiert hat und sie von Teilen der Presse bereits wiedergegeben werden. SPON hat sein sinistres Ziel erreicht – mit rund 2 Millionen Besuchern, die mit dieser gefälschten Meldung gefüttert werden, wird erfolgreich Meinungsmache betrieben – meine rund 2.000 Besucher wissen es jetzt zwar besser, sind aber natürlich in der eindeutigen Minderzahl. Und wer weiß, vielleicht ist diese absichtliche Fälschung nur die Spitze des Eisbergs, bei der SPIEGEL-Berichterstattung über Rostock. Ich kann nur jedermann raten, bei SPON Berichten äußerst kritisch zu sein und im Zweifel lieber nichts zu glauben, was dieses Magazin berichtet.

    Update III: Es ist auffällig, dass SPON das gefälschte Zitat über eine Stunde später in den Ticker stellt. Wie man im Phoenix-Video sehen kann, ist das Zitat um 17.17 gefallen, was sich auch mit den bei SPON erwähnten “ersten brennenden Autos” deckt. Im Newsticker wird allerdings erst um 18.30 darauf eingegangen. Wiederum: Honi soit qui mal y pense.

    Update IV: Was ein kleiner Blog-Artikel doch erreichen kann – SPON hat sich 23 Stunden nach der Falschmeldung zu einer kommentierten Korrektur hinreißen lassen, in der sie den schwarzen Peter der DPA unterschieben. Nun ist es mit solchen Meldungen leider wie mit der Büchse der Pandora – sind sie erst einmal in Umlauf, ist es unmöglich, sie zurückzuholen. Dennoch – Chapeau für diese “Gegendarstellung”. Der Vorwurf der mangelnden Sorgfältigkeit oder gar Fahrlässigkeit bleibt aber dennoch stehen.

    Die “Gegendarstellung” im Volltext:

    Ursprünglich hieß die Headline zu diesem Ticker: “Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen”. Das Zitat stammt aus einem Bericht von Helmut Reuter, Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa in Rostock. In seinem Bericht von Samstag, 18.41 Uhr, hieß es:

    “Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.” Und dann beschwört er noch den Geist von Genua. Die italienische Hafenstadt ging 2001 mit einem zweifelhaften Eintrag in die G8-Annalen ein, als sich militante Demonstranten zwei Tage lang erbitterte Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten.”

    Wie sich später herausstellte, stammt das Zitat aus einer Rede von Walden Bello, philippinischer Soziologieprofessor und Träger des alternativen Nobelpreises. Walden Bello hielt auf der Bühne in Rostock eine engagierte Rede, während um die Versammlung herum bereits die Randale entbrannte. In dieser Rede sagte er: “…we have the spirit of Genoa”. Dann folgte eine Passage über den Irakkrieg, die mit folgendem Aufruf endete: “We have to bring the war right into this meeting – because without peace there can be no justice.”

    Teile der dpa-Darstellung hatte Spiegel Online in diesen Ticker übernommen. Die von Spiegel Online nach Rostock entsandten Kollegen waren zu dieser Zeit an anderen Stellen der Demonstration als Beobachter im Einsatz und hatten Bellos Ausspruch nicht persönlich mitbekommen. Heute um 15:59 verbreitete die Agentur dpa folgende Meldung:

    “Rostock (dpa) – Der Aufruf zum “Krieg”, mit dem ein Redner während der Krawalle am Samstag in Rostock die militante Szene angestachelt hatte, war nach Darstellung der Protest-Organisatoren ein Übersetzungsfehler. Der zitierte Redner Walden Bello habe in seiner englischsprachigen Rede dazu aufrufen wollen, gegen den Krieg im Irak zu protestieren, teilte die globalisierungskritische Organisation Attac am Sonntag mit. In der deutschen Übersetzung wurde daraus: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.” Die Äußerung sei in diesem Zusammenhang missverständlich gewesen. Sie habe aber nicht auf Krawalle bei der Anti-G8-Demonstration abgezielt, betonte Attac.”

    Die Agentur dpa hatte sich zuvor gegenüber Spiegel Online darauf berufen, dass ein Veranstaltungsteilnehmer auf der Bühne Bello übersetzt und wie in der dpa-Meldung vom Samstag wiedergegeben hätte. Spiegel Online bemüht sich derzeit, einen kompletten Mitschnitt der Veranstaltung zu bekommen, um dies zu überprüfen. Spiegel Online bedauert, die fehlerhafte Übersetzung von dpa übernommen zu haben.

    Die Redaktion

    Update V: Das ZDF-Blog vom G8-Gipfel hat die Geschichte der Falschmeldung aufgeklärt und liefert neben den Phoenix-Fernsehbildern auch den O-Ton des Übersetzers, wobei dem guten jungen Mann bei der entscheidenden Passage ein Hauch von Unsicherheit umweht:

    Walden Bello: ?Two years ago they said: Do not bring the war into the discussions. Just focus on poverty reduction. Well, we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without peace there can be no justice.?

    Der Übersetzer auf der Bühne: ?Vor zwei Jahren hat es geheißen: Wir sollen den Krieg nicht in die Diskussion mit reinbringen. Wir sollen uns nur auf Armutsbekämpfung konzentrieren. Aber ich sage: Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen. Denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben.?

    Fest steht: Das Zitat von DPA/SPON ist auch in der Übersetzung so nicht gefallen! Der Übersetzer gibt weder den “strittigen” Satz von sich, noch das “abgschwächte” Zitat aus der Gegendarstellung. Auch entsteht keinesfalls der Eindruck, er würde den Bezug “hier mit reinbringen” auf die Demo beziehen.

    Zurecht merkt das ZDF daher an:

    Für die Medien, die auf diese Ungenauigkeit hereinfielen, ein schwerer Patzer und ein unangenehmes Zurückrudern in Gegendarstellungen. Das ZDF hat frühzeitig die missverständliche Deutung erkannt und den Zusammenhang eben nicht hergestellt.

    Was für ein Seitenhieb auf das ehemalige “Sturmgeschütz der Demokratie” *hüstel*, das zur “Spritzpistole Angela Merkels” herabgesunken ist.

    Danke an Alexander für den Hinweis.

    Update VI: Heute um 12.59 hat DPA endlich einen umfassenden Widerruf, verbunden mit der Entschuldigung an Walden Bello veröffentlicht. Nur zur Erinnerung: Seit der falschen Pressemeldung sind mittlerweile fast 67 Stunden vergangen – eine Ewigkeit in der schnelllebigen Medienwelt. SPON hat reagiert und die Tickermeldung mit einem eindeutigen Kommentar versehen. Ferner bietet jetzt auch SPON das Video auf seinen Seiten an. Das ist zwar ein korrektes und entschiedenes Krisenmanagement, kommt aber viel zu spät.

    Danke an Stefan Niggemeier für den Hinweis.

    Update VIII: In seinem Blog zeichnet Stefan Niggemeier eine umfassende Chronologie des Falles “Falschmeldung”. Lesetipp!

    Update IX: Stefan Niggemeier hat in seinem Blog auch die Reaktion einiger deutschsprachiger Zeitungen dokumentiert. Leider lassen die meisten Zeitungen hier Ehrlichkeit, Transparenz und Selbstkritik vermissen.

    Bildnachweis: ZDF

    Jens Berger

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    156 Kommentare:

    1. Music Jams schrieb am 3. Juni 2007 at 00:40 - Permalink

      Also das ist nun wirklich krass. Nun denn, Menschen machen Fehler … Mehr fällt mir hier auch nicht zu sein.

    2. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 00:49 - Permalink

      @Music Jams

      Gerne würde ich auch einen “Fehler” glauben – leider passt dieser “Fehler” nur zu gut ins “neue” Bild des Spiegels und es ist ja nicht das erste mal, daß der Spiegel wider besseren Wissens Falschmeldungen verbreitet bzw. nach wohl begründeten Leserbriefen nicht richtigstellt.

    3. A.N. schrieb am 3. Juni 2007 at 03:12 - Permalink

      Boah! Komme grad von der Großdemo, bin bis 19.00 da gewesen:
      So eine verkürzende Darstellung!
      Um das ganze noch etwas auszuführen: Bello hatte über die Entwicklung der Anti-G8-Proteste gesprochen. Zuerst sei Krieg als Problem bzw. Frieden als wohlstandsbildende Maßnahme halt nicht thematisiert worden, aus diplomatischen Gründen IIRC, aber jetzt sei klar, dass die Zustände nicht besser würden (im Gegenteil) und deshalb eine Lösung der Problematik eingefordert werden müsse. Und zwar genau so: Man müsse *das Thema* Krieg in die Versammlung hineintragen.
      Klingt doch schon ganz anders, nech?

      Weitere Punkte, die mir aus dem Ticker auffallen, wo ich da war:
      [18:39] “verlassen panikartig den Platz”: Unruhe ja, und zwar wegen des Wasserwerfers, der von hinten in die Menge blies. Panik, nein.
      [15:01] “Die Protestzüge gehen offiziell zu Ende. Hunderte Vermummte liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei.”: Huch, das ging aber fix. Ich glaub, ich war da noch im Zug. Schon kompliziert, gab ja zwei. Und da wo ich war ist *nichts* passiert.

      Was mir fehlt: [17:05] Polizeitruppe stürmt Kundgebungsplatz (alles friedliche Demonstranten). Siehe auch
      http://politblog.net/krieg-terrorismus/eskalation-polizei-inszeniert-buergerkrieg.htm

      Mein Fazit: In einer urbanen Umgebung kann es nur 500m weiter unglaublich anders aussehen.

    4. soimar schrieb am 3. Juni 2007 at 03:32 - Permalink

      Jaja der Spiegel…
      Erinnert mich ein wenig an das Dahinsiechen eines Drogenjunkies. Anfangs regt man sich noch darüber auf, mit der Zeit verschwindet er immer mehr in der Bedeutungslosigigkeit, und am Ende ist er tot und man hat es nicht bemerkt.
      Betriebswirtschaftlich kann diese Transformation nicht begründet sein, denn konservative Blätter gibt es bereits zu Hauf – folglich wohl eine politische Entscheidung. Heldenhaft nimmt der Spiegel Umsatzeinbußen in Kauf um dem großen Ganzen dienen, von dem keiner so recht weiß was das sein soll. Da die Verhältnisse in der deutschen Medienlandschaft ähnlich wie in der Energiewirtschaft sind, bezweifle ich dass es in absehbarer Zeit einen Lückenfüller geben wird. Hier also mein Aufruf an Investoren aus China, Iran und Russland: Presseorgan zum herumstochern in westlicher Scheiße gesucht – Wachstumschancen garantiert!

    5. Anonymus schrieb am 3. Juni 2007 at 04:44 - Permalink

      Als Augen- und Ohrenzeuge kann ich wiedergeben, daß die Demonstrationsleitung per Lautsprecher stets versuchte, die Menge zu beruhigen. Allerdings befanden sich hinten im Demonstrationszug Lautsprecherwagen diverser radikalerer Gruppen, die die Anhänger des Schwarzen Blocks aufstachelte. Von oben (wir haben eine Whng. “über den Dächern der Stadt”) war klar eine Zweiteilung der Menge beobachtbar. Die eine Hälfte zur Bühne gewandt, die andere Häflte mit Steinen in der Hand in Richtung Polizei…

    6. Timothy schrieb am 3. Juni 2007 at 11:23 - Permalink

      Ich habe vom SPIEGEL nichts anderes erwartet…

    7. Tadeusz Szewczyk schrieb am 3. Juni 2007 at 12:17 - Permalink

      “Als die ersten Autos brannten” ist auch falsch. Laut Medienbreichten brannte nur ein Auto.

    8. kiesow schrieb am 3. Juni 2007 at 12:34 - Permalink

      eine beschwerde beim deutschen presserat wäre wohl verschwendete zeit, oder?

    9. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 12:40 - Permalink

      @17 Kiesow

      Ich werde mich mal schlau machen – wenn das ganze nichts kostet, warum nicht ;-)

    10. kiesow schrieb am 3. Juni 2007 at 12:43 - Permalink

      es kostet nichts :-)
      siehe http://www.presserat.de/Beschwerde.beschwerde.0.html

    11. Matthias schrieb am 3. Juni 2007 at 13:33 - Permalink

      Naja, der Spiegel kann kein Englisch. Das ist peinlich, aber letztlich eher amüsant.

      Zu Rostock: Es läßt sich nicht wegdiskutieren, daß die Ursache für die Eskalation das Verhalten der Randalierer war. Schaufensterscheiben sind schon vor Beginn der Abschlußkundgebung zu Bruch gegangen, währed des Demonstrationszuges hat sich die Polizei in für mich bislang ungekannte Weise zurückgehalten, wie ich als Teilnehmer der Demonstration berichten kann.
      Ob es am Schluß notwendig war, mit dem Wasserwerfer in die Menge zu fahren, kann ich nicht beurteilen. Zur Chronologie aber: Die Wasserwerfer sind erst dann aufgefahren, als die Feuerwehr anrückte, um die brennenden Barrikaden zu löschen und daran mutmaßlich gehindert wurden.
      Der Demonstrationsleitung muß ich hier einen schweren Vorwurf machen: Zu diesem Zeitpunkt war über die Lautsprecher nur die Aufforderung an die Polizei zu hören, Provokationen zu unterlassen. Die Demontranten dürfen sich hingegen “nicht spalten lassen”. Sorry, aber als friedlicher Demonstrant will ich weder zum Schutzschild für die autonomen Vollidioten werden, die Schutz in der Menge suchen (was gestern passiert ist) noch will ich von der Demonstrationsleitung mit diesen Menschen in einen Topf geworfen werden.
      Erst später kam dann eine Aufforderung, die Feuerweher ihre Arbeit machen zu lassen und noch später endlich eine klare Distanzierung von der Gewalt und eine Aufforderung auch an die Demonstranten, Provokationen zu unterlassen.
      Ich bin wirklich froh, daß die Berichterstattung immer noch den Focus auf die friedlichen Proteste legt und Inhalte transportiert. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn das anders gewesen wäre. Außerdem hoffe ich, daß es nun endlich eine klare Abgrenzung des Organisationsbündnisses gegen Randale gibt. Sonst spielen Ereignisse wie gestern in Rostock nur wieder den Schäubles und Becksteins in die Hände.

    12. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 13:45 - Permalink

      @Matthias

      Das es sich um eine “Fehlübersetzung” handelt, glaubst doch wohl selbst nicht?

      Auch teile ich keinesfalls Deinen Eindruck, die Medien würden den Fokus auf die friedlichen Demonstrationen legen. Die Frontseiten der Publikumsmedien sprechen da eine ganz andere Sprache:

      Außerdem hoffe ich, daß es nun endlich eine klare Abgrenzung des Organisationsbündnisses gegen Randale gibt. Sonst spielen Ereignisse wie gestern in Rostock nur wieder den Schäubles und Becksteins in die Hände.

      Dem Satz kann ich indes zu 100% zustimmen!

    13. patrick schrieb am 3. Juni 2007 at 13:55 - Permalink

      eben hab ich SpOn gelesen und finde allerdings nicht, daß die Veranstalter und die Autonomen in einen Topf geworfen wurden. Der Bericht sagt eher, daß die Situation entgeleist ist und die Polizei und Veranstalter nicht mehr Herr der Lage waren, was ich persönlich auch für durchaus schlüssig halte. Ob die Autonomen wirklich von der “Staatsmacht” gestellt waren kann ich nicht sagen. Nach Vergleich von diversen Quellen: Linksradikal, Rechtsradikal und Massenmedien kann ich nur eines sagen: Ich bin immer noch nicht schlauer, da man nie weiß welche Quelle wie stark die Wahrheit verbiegt- ich denke, die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen.
      Daß ein Politiker, der nicht besonders beliebt ist einen Unruhe anzettelt, um zu beweisen “Seht, ich hatte doch recht” kann natürlich möglich sein. Auf eine solche Art haben schon ganze Kriege begonnen.

    14. Matthias schrieb am 3. Juni 2007 at 14:29 - Permalink

      @Spiegelfechter:
      Doch, ich traue dem Spiegel zu, daß er wirklich kein Englisch kann. Es würde mich aber auch nicht wirklich verwundern, wenn es eine bewußte Fehlübersetzung wäre.
      Zu den Medien: Ich bin gespannt auf die Zeitungen morgen, aber bei dem, was ich bisher gesehen habe (z.B. Tagesschau), wurde in der Tat sehr deutlich zwischen den Randalierern und den friedlichen Globalisierungskritikern unterschieden. Auch die Berichterstattung von Spiegel und Bild ist zwar reißerisch, sie subsummiert den friedlichen Protest aber keineswegs unter die Randale.

    15. kimi schrieb am 3. Juni 2007 at 15:42 - Permalink

      Mir stellst sich immer noch die Frage des Kontexts & der Übersetzung. Bitte helft mir mal da ich nicht in Deutschland lebe & nur aus´m Internet Informationen bekomme. Meine Übersetzung und Kontext ist bisher:

      Wir müssen den Krieg (als Thema denke ich mal) in dieses Treffen (ich denke er meint den G8 Gipfel & nicht die Demo) bringen, denn ohne Frieden kann es dort (Irak) keine Gerechtigkeit geben.

      Also ich denke mir, jeder der nur “we have to bring the war right into this meeting” liest oder versteht, denkt es geht um Gewalt.
      Ich würde gerne mal seine gesamte Ansprache lesen. Gibt es die irgendwo in Ton,Bild oder Schrift?

    16. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 15:55 - Permalink

      @27 Matthias

      Sicher, in den Hintergrundberichten und ausführlichen Darstellungen wird unterschieden. Aber unterschätze nicht die Macht des ersten Eindrucks und die Macht einer plakativen Überschrift. Und bei nahezu allen großen Online-Medien steht heute und stand gestern der Krawall nahezu isoliert an erster Stelle.

    17. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 16:02 - Permalink

      @24 kimi

      Du hast es schon ganz richtig dargestellt. Ich würde die Passage der Rede einmal (nach Erinnerung) so übersetzen:

      “[Der Irakkrieg] darf nicht aus der Diskussion ausgeblendet werden. Wir müssen den Krieg in die Diskussion bringen – denn ohne Frieden gibt es auch keine Gerechtigkeit.”

      Ob es eine Aufzeichnung oder ein Transkript der Rede gibt kann ich Dir nicht sagen – ich habe die Veranstaltung im TV bei Phoenix live verfolgt, aber leider nicht aufgezeichnet.

      Das Video von “MyVideo” habe ich eher durch Zufall im Netz entdeckt. Es enthält die Schlüsselszene aber leider nicht die gesamte Rede um den Kontext zu erkennen. Aber auch die Schlüsselszene alleine reicht um zu beurteilen, daß SPON lügt.

    18. Alexander schrieb am 3. Juni 2007 at 16:02 - Permalink

      dpa meldet gerade, dass das Zitat laut attac ein Übersetzungsfehler war. Die Äußerung sei in dem Zusammenhang missverständlich gewesen, habe aber nicht auf Krawalle bei der Anti-G8-Demonstration abgezielt, teilte Attac mit.

    19. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 16:22 - Permalink

      @39 Alexander

      Gut das DPA bzw. Attac das richtigstellt. Da kann man ja mal gespannt sein, ob SPON seinen Artikel korrigiert. Das Dumme an so etwas ist natürlich, dass es sich wie wie bei der Büchse der Pandora verhält. Ist die “gefakte” Meldung erst einmal raus, kann man sie schwerlich wieder zurückziehen. Die Leserschaft hat die O-Meldung als Artikelüberschrift zur Kenntnis genommen – wie viele Leser wohl etwas von der Gegendarstellung mitbekommen?

      Ferner ist mein Verständnis von “Qualitätsjournalismus” doch ein anderes, zumal gerade das größte deutsche Online-Magazin doch sicher auch jemanden hatte, der die Rede gehört hat und dem ein derart wichtiges Zitat, das von SPON ja sogar als Artikelüberschrift genommen wurde, aufgefallen sein müsste.

      Fahrlässigkeit, bewußte Fälschung oder willfähriges Ausnutzen eines Übersetzungsfehlers? Wir werden es wohl nie in Erfahrung bringen.

    20. Matthias schrieb am 3. Juni 2007 at 16:27 - Permalink

      @Spiegelfechter:
      Abschließender Kommentar von mir: Du hast recht, die Krawalle sind der Aufmacher. Aber es gab nun mal Krawalle in einer bislang bei solchen Veranstaltung nicht gekannten Größenordnung. Ich wünsche mir jedenfalls auch keine Berichterstattung, die die Krawalle nur am Rande erwähnt.
      Ich wünsche mir, um mein Anliegen auf den Punkt zu treffen, daß Protestierer und Organisierer erkennen, daß gewaltsamer Protest immer kontraproduktiv ist (was sie angesichts der Reaktionen ja auch tun) und Möglichkeiten finden, von sich aus weitere Eskalationen zu verhindern. Das Risiko, bei den an der Organisation beteiligten Autonomen-Organisationen anzuecken, muß man dabei in Kauf nehmen.

    21. kimi schrieb am 3. Juni 2007 at 16:27 - Permalink

      @Spiegelfechter
      Danke für die schnelle Antwort.
      Das spon mit dieser Übersetzung lügt ist offensichtlich, u.a. auch deswegen will ich mich als sagen wir mal relativ interessierter Mensch auch über den richtigen Inhalt informieren.
      Bei einem Thema wie z.B. Wahrheitsgehalt von Meldungen in den Medien oder Globalisierung eine allerdings nicht ganz leichte Sache.

    22. otti schrieb am 3. Juni 2007 at 16:31 - Permalink

      SPON kannste dir SPORN (sparen)!

    23. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 16:37 - Permalink

      @42 Matthias

      100% ACK

    24. no85 schrieb am 3. Juni 2007 at 17:03 - Permalink

      Inzwischen bezieht SpOn Stellung zu diesem “Fehler”. Sie machen einen dpa-Korrespondenten dafür verantwortlich, dessen Meldungen sie wohl ungeprüft übernommen haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486256,00.html

    25. Tobi schrieb am 3. Juni 2007 at 17:08 - Permalink

      Noch eine Anmerkung bzgl Absicht oder Fehler: Bei der SpOn-Übersetzung handelt es sich definitiv um eine absichtliche Verdrehung der Tatsachen, die Rede wurde nämlich (von dem Mensch rechts neben Walden Bello) auf der Bühne live und korrekt (!) übersetzt.

    26. sizr schrieb am 3. Juni 2007 at 17:11 - Permalink

      Sehr guter Hinweis. Mittlerweile bereits etwas Korrigiert mit recht ausführlicher Darstellung (in kursiv): http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486256,00.html

    27. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 17:16 - Permalink

      @49

      Es geschehen noch Wunder ;-)

      Dennoch muss sich SPON den Vorwurf der mangelnden Sorgfältigkeit gefallen lassen – wobei ich auch das Wort “Fahrlässigkeit” verwenden könnte.

    28. JF schrieb am 3. Juni 2007 at 17:31 - Permalink

      Wow, nun hat Siegel-Online nicht nur qualitativ, sondern auch politisch bild.de eingeholt… -_-

    29. rotz stock schrieb am 3. Juni 2007 at 17:35 - Permalink

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486343,00.html

      mal ein nicht unbedingt schlechter kommentar

    30. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 17:42 - Permalink

      @52 rotz stock

      Der Kommentar ist polemisch, bis in die Haarspitzen – hat aber leider einen wahren Kern.

      Aber wenn ich Sätze wie diesen lese …

      “Nun kann man mit guten Argumenten über Angemessenheit und Rechtsgrundlage jener Razzia der Bundesanwaltschaft streiten [] ganz grundlos war das alles offensichtlich nicht.”

      … kriege ich das Kotzen! Sorry für die harten Worte, aber genau das war gestern meine erste Befürchtung, als die Bilder der Ausschreitungen sah.

    31. no85 schrieb am 3. Juni 2007 at 17:53 - Permalink

      @52 Ein typischer Reinhard Mohr Kommentar. Einer dieser Journalisten, die sich von links unten nach rechts oben bewegt haben und offenbar ein Problem mit ihrer Vergangenheit haben.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Mohr
      Hier mal ein Text aus seiner Frühphase: http://www.conne-island.de/nf/40/18.html

    32. Skandalos schrieb am 3. Juni 2007 at 18:22 - Permalink

      Daß ne Menge Leute zur Gewalt anstacheln, manche offener manche subtiler, wird kaum jemand bestreiten können. Man muß nur die Foren lesen, dann ist man doch im Bilde.

      Daß dieser Aufruf erhört wurde, ist ebenfalls deutlich, oder nicht?

      Mich würde übrigens mal der gesamte Text ohne Schnitt interessieren, denn das, was im Video zu hören ist, klingt in seiner Eindeutig-Zweideutigkeit und vor allem mit der Kunstpause vor dem Wörtchen “peace” durchaus wie ein Aufruf zur Gewalt.

      Ansonsten: daß SPON eine skrupellose Form des politischen Journalismus betreibt, bestreitet wohl kaum noch jemand, egal in welchem politischen Lager.

    33. Unkas schrieb am 3. Juni 2007 at 18:27 - Permalink

      Naja es gibt immer noch viele Leute, die den Spiegel für das Nonplusultra des Journalismus halten… Aber es werden immer weniger.

    34. A.N. schrieb am 3. Juni 2007 at 18:58 - Permalink

      Wow, habe ich es sogar in ein Update geschafft. Für den Inhalt stehe ich mit meiner quasi-statischen IP gerade. :)
      Hut ab vor der Korrektur auf der SPON-Website. Es ist allerdings trotzdem fahrlässig die Überschrift nicht gegenzuchecken und im Kontext der gesamten Rede war der Satz auch überhaupt nicht falschzuverstehen gewesen.
      Denn. Jeder. Einzelne. Satz. Wurde. Nach. Und. Nach. Übersetzt.

      Hat das Zuhören anstrengend gemacht, die Rede war aber einprägsam.

      Was mich aber wundert, ist, dass ich bis jetzt noch keine Bilder vom Zug “Hamburger Str./Lübecker Str.” gesehen habe. Immer nur der aus Süden, wo die Krawallmacher waren.

    35. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 19:05 - Permalink

      @ A.N.

      “Lustig” finde ich vor allem die Begründung (O-Text):

      “Die von Spiegel Online nach Rostock entsandten Kollegen waren zu dieser Zeit an anderen Stellen der Demonstration als Beobachter im Einsatz und hatten Bellos Ausspruch nicht persönlich mitbekommen.”

      Ja wo laufen sie denn? Sehr vielsagend, das die SPIEGEL-Redakteure anscheinend überhaupt nicht an den Inhalten der Kundgebung oder der Kundgebung selbst interessiert sind – man musste wohl die “brutalsten” Attacken hautnah mitbekommen.

      So viel zum Thema “Fokus auf Inhalte” :-(

    36. Dr. Dean schrieb am 3. Juni 2007 at 19:44 - Permalink

      Um nicht in Zukunft häufiger zu formulieren: “SpOn lügt und betrügt” dürfte es wohl an der Zeit sein, den letztlich verantwortlichen Redakteur in der Politredaktion des SPIEGEL in normalen Redakteursrang zurückzustufen, nämlich den ideologisch außerordentlich verbohrten Claus-Christian Malzahn, der dazu beigetragen hat, dass im Politikressort des SPIEGEL die ideologisch passende Denunzation einen höheren Wert errungen hat als Wahrheitsliebe.

      Die Behauptung, dass eine “Übersetzung” eines “Teilnehmers” auf der Bühne die Propagandalüge von DPA/SpOn verursacht hätte, ist übrigens:

      Eine erneute Lüge.

    37. Hufi schrieb am 3. Juni 2007 at 20:52 - Permalink

      In dem Artikel wird es immer noch falsch zitiert. Man muss das falsche Zitat anklicken, um herauszufinden, dass es falsch ist?

    38. A.N. schrieb am 3. Juni 2007 at 21:25 - Permalink

      @65 Dr. Dean:
      Leider weiss ich nicht mehr (und wohl auch niemand sonst), was der Übersetzer wörtlich gesagt hat, aber wenn eine Video-/Audiofassung der Rede online kommt und es falsch zitiert wurde (was ich igendwie erwarte :-/ ) gibt’s nochmal richtig Ärger.

    39. Spiegelfechter schrieb am 3. Juni 2007 at 21:34 - Permalink

      @65 und 70

      Ich gehe auch davon aus, daß die Übersetzung auf der Bühne korrekt war – ansonsten hätte ich mich daran erinnert. Der junge Mann auf der Bühne hat einiges nicht wörtlich übersetzt, aber mE immer im Kontext korrekt.

      Irgendwo wird sich das Video schon auftreiben lassen ;-)

    40. sizr schrieb am 3. Juni 2007 at 23:58 - Permalink

      Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob man eine Wochenzeitung macht, eine Tageszeitung oder ein Online Newsportal betreibt. Schau dir an wie häufig es bei live TV Nachrichten noch in der gleichen Nachrichtensendung zu Korrekturen kommt. Wenn eine Online Zeitung aktuell sein will, steigt automatisch das Fehlerpotential. Das macht die Sache zwar nicht besser, aber zumindest verständlicher. Der SpOn Redaktion zu unterstellen, sie würde einseitig berichten oder gar Meinungsmache betreiben, scheint mir weit hergeholt. Wer nicht akzeptieren will, dass Fehler vorkommen, sollte auf ein Zeit Abo (so richtig mit Papier, christl. Monitor & Leben) zurückgreifen, da dieses mitunter hilfreich ist, jene anderenfalls hoffentlich wertvolle wie produktive Zeit, die beim Ärgern über hektischen Journalismus vergeudet wird, zu minimieren. In Anbetracht der Aktualität von SpOn halte ich die Fehlerrate für tolerierbar, was aber nicht heisst, dass man das nicht noch verbessern könnte! Spiegel bzw. Spiegel Online mit der Bild zu vergleichen ist nicht gerechtfertigt. Solchen, die das anders empfinden, kann ich eigentlich nur empfehlen wenigstens 1mal im Leben ein echtes BILD Druckwerk in die Hand zu nehmen und es auszulesen, sofern denn überhaupt die Möglichkeit besteht, da Analphabetismus als 2. Weg zur Spiegel/Bild Relativierung nicht ausgeschlossen werden sollte…

    41. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2007 at 00:17 - Permalink

      @73 Sizr

      Nobody is perfect – wenn es “nur” eine belanglose Tickermeldung gewesen wäre, hätte ich den Artikel gar nicht geschrieben. Aber diese Meldung war a) von hoher Wichtigkeit, wurde b) von SPON als Überschrift für den Ticker gewählt und c) im gestrigen Top-Artikel an exponierter Stelle erwähnt.

      Auch einem Online-Magazin, das schnell sein muß, darf ein solcher Fehler, so er denn einer war, nicht passieren! Es lag genug Zeit dazwischen – und wenn die SPON-Redaktion schon genug Zeit hat, sämtliche Fast-Food Tempel und Tankstellen-Toiletten abzuklappern um die Demonstranten möglichst dämlich dastehen zu lassen, sollten sie doch bitteschön auch die Muße haben, den Wahrheitsgehalt von Überschriften und Kernthesen zu überprüfen.

    42. bigberta schrieb am 4. Juni 2007 at 00:32 - Permalink

      Hier ist – nicht ganz off topic – ein kleines Beispielchen einer – sagen wir – Verschiebung der Schwerpunkte: http://watchblogislamophobie.wordpress.com/2007/06/03/wem-alles-judenhass-ist-dem-ist-nichts-judenhass/

    43. sizr schrieb am 4. Juni 2007 at 01:01 - Permalink

      Ich bin kein Spiegelfechterfechter. Mein Kommentar bezog sich auf diverse Vorkommentatoren. Das die Sache für SpOn eine Riesenpanne ist, eine Bello und seinem Anliegen unwürdige Unterstellung, und du eine gute Arbeit dabei geleistet hast, die Sache aufzudecken, versteht sich von selbst.

    44. ralphs schrieb am 4. Juni 2007 at 01:15 - Permalink

      Jetzt wäre es noch genial, wenn man die Berichterstattung von Focus.de, Tagesschau, ZDF Heute, Netzeitung unter die Lupe nehmen würde, die ja auch große Reichweiten haben. Käme dabei eine konzertierte Aktion der gewaltgeilen Presse heraus?

    45. kimi schrieb am 4. Juni 2007 at 02:23 - Permalink

      Also leider stelle ich immer wieder fest, daß es anscheinend den Medien nicht wert ist ein paar Minuten die Inhalte der Demonstrationen zu zeigen oder mehr als einmal zu schreiben.
      Heute gesucht auf spiegel.de, focus.de (von denen erwarte ich eh nix) und die Nachrichtensendungen von ard & zdf. Schön es wurde berichtet es war friedlich, noch ein paar belanglose Kurzinterviews von Demonstranten. Es lohnt sich anscheinend nur über Gewalt zu berichten und Ängste zu schüren & somit zusätzlich noch Einschränkungen weiter voranzutreiben.
      Bin immer noch gespannt ob Videomaterial dazu kommt. Hab bei Phoenix gesucht, die haben leider kein Onlinearchiv. Ist eher schwer da etwas zu bekommen.
      Ansonsten ist es unverantwortlich eine Meldung die man nicht überprüft hat und so viel Zündstoff hat als Überschrift zu verwenden. Als ich diese Meldung auf spon zuerst gelesen habe, konnte ich es nicht fassen das ein Redner dazu aufruft obwohl sich gegen Gewalt ausgesprochen wurde. Ich hatte das Glück einen Link in einem Forum zu dieser Seite zu finden und hab mir einiges an Aufregung erspart.

    46. Matthias schrieb am 4. Juni 2007 at 08:36 - Permalink

      @kimi:
      Sorry, aber die Eskalation *war* die Nachricht des Tages. Daran sind nicht die Medien schuld, sondern die Randalierer. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Die Berichterstattung ist weit weniger sensationsheischend als zu befürchten war (und weit weniger als sie vermutlich vor einigen Jahren gewesen wäre).

    47. Stroga schrieb am 4. Juni 2007 at 08:44 - Permalink

      Ist ja so schlecht nicht, etwas Spon Bashing zu betreiben, allerdings sollte auch der spiegelfechter nicht dazu beitragen an einer Legende zu basteln. Die Falschübersetzung kam weder von Spon noch von dpa, sondern sie war ein Fehler des Übersetzers auf der Bühne. An ihm wäre an erster Stelle die Kritik anzusetzen.

      Kritik an Spon und dpa ist insoweit berechtigt, dass sie diese Falschüberstzung in Zusammenhang mit der Eskalation bringen, die war aber bereits erfolgt und die Falschübersetzung wurde auch nicht als Amnfeuerung von denen die sie hörten, zu denen ich auch gehörte, verstanden, die Kombattanden selbst waren mit anderem beschäftigt als sich jetzt mit der Rede Bellos zu beschäftigen. Sie hat sie schlichtweg nicht interessiert.

      Attac hat das übrigens bereits richtig gestellt, allerdings nicht deutlich genug von wem der Übersetzungsfehler ausging. Diejenigen ,die eine andere Übersetzung gehört haben wollen, als “Demonstration” sollten sich mal die Ohren putzen.

    48. Matthias schrieb am 4. Juni 2007 at 11:57 - Permalink

      Hinweis: Auf der Wikipedia-Seite zu Walden Bello tobt ein kleiner Edit-War über seine Rolle in Rostock. Ein anonymer Benutzer versucht, dort die Legende zu verankern, Bello habe zu Gewalt aufzurufen. Vielleicht kann der eine oder andere sich mit dafür einsetzen, in der WP eine sachlich richtige Darstellung zu belassen.

    49. Donald schrieb am 4. Juni 2007 at 12:51 - Permalink

      Hallo,

      verzeiht, dass mein anliegen nicht direkt etwas mit SPON zu tun hat, dafür aber mit dem auslöser der Krawalle.

      Folgendes Video habe ich im Standard gesehen:

      http://www.youtube.com/watch?v=yDqThVpu1AM

      Haltet mich bitte nicht für einen Verschwörungstheoretiker, nichts liegt mir ferner, aber zwei Punkte machen mich stutzig:

      1. Mehr als zwanzig Sekunden schlagen die Krawallbrüder auf den Polizeiwagen ein. Die Polizei tut nichts. Weder kommen andere Polizisten zur Hilfe noch wehrt sich die Polizei oder flücht gar. Hier kann man sagen: “Die haben ihre Köpfe geschützt und konnten deswegen nicht fliehn” oder “Es waren keine Polizisten in der Nähe” Zwar unglaubwürdig, bei dem Polizeiaufgebot aber OK, wollen wir mal so gelten lassen. So kommen wir zum zweiten Punkt.

      2. Als die Randallierer abziehen, fahren die Polizisten in aller Gemütlichkeit davon. Und das passt gar nicht. Wenn jemand Sekunden zuvor unfähig ist vor lauter Angst zu flüchten, so wird er sobald er die Möglichkeit hat, dieses panikartig tun und nicht in aller Seeleruhe. Sind die Polizisten allerdings abgeklärt und ruhig, so fliehen sie schon während des Angriffs.

      Wie gesagt, von Verschwörungstheorien halte ich wenig, aber das Verstehe ich nicht. Vielleicht mache ich auch einen Gedankenfehler oder “sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht”, in dem Fall bitte ich um Korrektur. Mag auch sein, dass ich durch die Bemühungen des Herrn Schäuble, einen Überwachungsstaat zu errichten, paranoid geworden bin, wer weiß das schon.

      Jedoch hat uns Genua gelehrt, dass der Staatsapparat in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass Gewisse Prophezeiungen sich selbst erfüllen. Hat doch auch der deutsche Staat im Vorfeld alles dafür getan die Stimmung anzuheizen und geben die Krawalle ihm doch jetzt jede Legitimation beim Gipfel selbst, hart durchzugreifen.

      MfG

    50. Donald schrieb am 4. Juni 2007 at 12:54 - Permalink

      @ Donald

      Autsch, die vielen Rechtschreibfehler sehe ich jetzt erst. Sorry, dass nächste mal lese ich korrektur bevor ich poste.

    51. ralphs schrieb am 4. Juni 2007 at 13:23 - Permalink

      Ein filmreifes Video. Entweder ist es manipuliert, was ich nicht glaube, oder es zeigt staatlich inszenierte Gewalt. Oder welchen Schluss kann es noch geben? Die Angstthese scheint mir unwahrscheinlich, ausser die beiden Beamten im Wagen wären in der Schockstarre gewesen und hätten so den Zündschlüssel nicht mehr bedienen können.

    52. la deutsche vita schrieb am 4. Juni 2007 at 15:32 - Permalink

      Spiegel-Leser wissen mehr … mehr als ihnen lieb ist.

    53. annarose schrieb am 4. Juni 2007 at 16:25 - Permalink

      “Einer der Redner forderte über die Lautsprecheranlage sogar zum “Krieg” gegen die Polizei auf.”

      heute auf n-tv, unter der fotostrecke “Steine, Gas und Tränen in Rostock”

      danke Spon!! :(

    54. Skandalos schrieb am 4. Juni 2007 at 16:52 - Permalink

      Aber klar! Erstmal ist doch garnix passiert, alles war völlig friedlich, Feuer, Scherben, Steineschmeißer, alles gefakte Fernsehbilder, Schauspieler, kann doch jeder leicht erkennen. Im übrigen sind das alles verkleidete Polizisten, der ganze schwarze Block, die ziehen nur ne Show ab für die Medien, damit Schäuble son Bösewicht sein kann, da hat der nämlich Spaß dran. Und außerdem haben die Bullen uns nur provoziert, hat doch der Stadion… äh Demosprecher selbst ständig gesagt. Und wenn die provozieren, müssen wir schließlich Steine schmeißen, wie soll man denn sonst auf Provokationen reagieren! Und weil die Bullen solche Verbrecher sind und der Staat auf friedlichen Protest nicht reagiert, werden wir beim nächsten mal auch wieder mächtig provoziert werden und jede Menge agents provocateurs Steine schmeißen lassen, jawoll!

    55. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2007 at 17:01 - Permalink

      @Skandalos

      Was für ein geistreicher und differenzierter Kommentar *rolleyes*

    56. Skandalos schrieb am 4. Juni 2007 at 19:25 - Permalink

      @Spiegelfechter
      Du willst einen differenzierten Kommentar? Wenn ich sehe, wie fleißig hier differenziert wird und doch kompletter Schwachsinn dabei herauskommt (siehe z.B. #91 oder #93, deren Geistgehalt Dir ja anscheinend keine Wünsche offen läßt), bleib ich lieber beim guten alten Sarkasmus.

    57. Mirco schrieb am 4. Juni 2007 at 19:27 - Permalink

      Deutschland ein Trümmermärchen…

      Ja, das sind die Schlagzeilen und Bilder die derzeit nicht unerwünscht sind. Auf der einen Seite von ein paar erlebnisorientierten und vermummten Brutalitätspsychos. Auf der anderen Seite von den Überwachungspsychos des militärisch-industriellen Komplexes. Erstere sind für diese nur Handlanger. Ähnliche Denkstrukturen besitzen aber beide Seiten.
      Doch es geht auch vernünftig, wie an dieser Stelle bewiesen wird. Ein Hoch auf unsere weblogkontrollierten Mainstream-Medien!

      ++ snipsnap ++
      Live-Ticker: Auf der Kundgebungsbühne stachelt ein Redner die militante Weblog-Szene auf: “Wir müssen die Wahrheit in den SPIEGEL tragen.”

      Wenn falsch zitiert wird, dann richtig. ;-)

    58. ralphs schrieb am 4. Juni 2007 at 20:17 - Permalink

      @Skandalos: Ich kenne diese Masche, nichts sagen, aber andere Meinungen runtermachen. Anstatt also den Herrn Besserwisser herauszukehren, wäre es doch im Sinne der Diskussion, einfach Deine Interpretation des Videos hier uns mitzuteilen. Was ist denn “kompletter Schwachsinn” und wie kommst Du darauf?

      Und noch etwas: Wenn das “Sarkasmus” ist, was Du hier zum Besten gibst, dann steht es aber schlecht darum. Dein erster Kommentar zeigt diese Art von Reflex, wenn andere den Meinungsmainstream hinterfragen (früher hiess es, geh doch nach drüben), er zeigt zudem diesen typischen Generalverdacht, dass hier ein Haufen Idioten die landesweite Deutung der Gewalt in Rostock einfach so hinterfragt. Natürlich völlig undifferenziert, ist ja klar, wenn man das mit Deinen Argumenten vergleicht.

    59. Mirco schrieb am 4. Juni 2007 at 20:48 - Permalink

      “Kritik an der Einsatzleitung bei Rostocker Krawallen. Dankbar, dass kein Polizist tot ist.” (TAGESSCHAU)
      Nach den schweren Krawallen bei der Demonstration in Rostock ist die Polizei wegen ihrer offenbar widersprüchlichen Einsatzführung in Erklärungsnot gekommen. Nach eigenen Angaben wurde sie vom plötzlichen Ausbruch der Gewalt völlig überrascht.
      [...]
      Kritik gab es auch an der Demonstrationsroute. Ein Beamter der 22. Einsatzhundertschaft beklagte, es sei ein grober taktischer Fehler gewesen, dass die Demoroute an einer Straßenbahnstrecke mit Schotter entlang führte und damit für Randalierer leichten und unerschöpflichen Vorrat an Wurfgeschossen bot. “Die Steine flogen dicht wie Nieselregen.”
      http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6868178_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

      Was heißt das? Die Einsatzleitung der POLIZEI war schon bei der Planung, wie gestern SPON “an anderen Stellen der Demonstration im Einsatz”?
      Weiter zu lesen ist, Herr Klaus Töpfer stellt fest, dass die Gewalt die notwendigen Diskussionen verdrängt… Na, wer könnte alles von einem solchen Agenda-Setting der öffentlichen Meinung profitieren?

    60. Skandalos schrieb am 4. Juni 2007 at 21:37 - Permalink

      @Ralphs
      Solange der Sarkasmus den richtigen Leuten auf den Senkel geht, ist es guter Sarkasmus.

      Weißt Du, ich schenk mir, mit Leuten zu diskutieren, denen nichts zu peinlich ist um nicht irgendeine schwachsinnige Verschwörungstheorie draus zu stricken.

    61. Alexander schrieb am 4. Juni 2007 at 21:54 - Permalink

      Das ZDF hat jetzt einen Mitschnitt, der auch die Übersetzung enthält:
      http://www.zdf.de/ZDFblog/g8/G8/DasLebeneinerFalschmeldung/

      “Aber ich sage: Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen. Denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben.”

    62. ralphs schrieb am 4. Juni 2007 at 21:58 - Permalink

      Das vollständige Zitat ist eindeutiger:

      ?Vor zwei Jahren hat es geheißen: Wir sollen den Krieg nicht in die Diskussion mit reinbringen. Wir sollen uns nur auf Armutsbekämpfung konzentrieren. Aber ich sage: Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen. Denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben.?

    63. Skandalos schrieb am 4. Juni 2007 at 22:04 - Permalink

      Ich habs schonmal gefragt, frags einfach nochmal: gibts wo einen größeren ungeschnittenen Ausschnitt dieser Rede als Video oder Text?

    64. Mirco schrieb am 4. Juni 2007 at 22:08 - Permalink

      Eine Bemerkung am Rande. Die Web-Redaktion von der Tagesschau benötigt offenbar ein wenig Nachhilfe.
      Wenn im Nachhinein der Inhalt einer Webseite geändert wird, sollten die verschiedenen Versionen zugänglich bleiben, ähnlich wie der “Permalink” bei Wikipedia. Insbesondere wenn die identisch gebliebene URL nun auf eine Seite mit einem leicht veränderten Inhalt verweist, als die von mir zitierte Version der Seite.

    65. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2007 at 22:27 - Permalink

      @Alexander

      Danke für den Hinweis – habe den Beitrag aktualisiert.

    66. Spiegelfechter schrieb am 4. Juni 2007 at 22:29 - Permalink

      @109

      Beim ZDF-Blog. Link siehe Alexander (107), das Update im Beitrag oder:

      http://www.zdf.de/ZDFblog/g8/G8/DasLebeneinerFalschmeldung/

    67. Skandalos schrieb am 4. Juni 2007 at 22:52 - Permalink

      Danke. In der Tat keine Spur von Aufruf zur Gewalt.

      Vielleicht hätte er dem Publikum etwas mehr Gewalt bieten sollen, denn er hat es offenbar schwer die Aufmerksamkeit der Teilnehmer von dem im Hintergrund mächtig lodernden und qualmenden Feuer auf sich zu ziehen.

    68. Andiras schrieb am 5. Juni 2007 at 01:12 - Permalink

      ist vielleicht nicht so ein grosses ding wie das falsche zitat, aber das ausgebrannte auto stand auch nicht auf einem behindertenparkplatz wie von SPON (und der taz und vielleicht noch anderen) gemeldet.

      man sieht es hier auf einem foto (da ist es noch nicht abgeflämmt) dass es daneben steht.
      http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=711782

    69. Bastian schrieb am 5. Juni 2007 at 11:00 - Permalink

      In einem Kommentar zu dem ‘Leben einer Falschmeldung’ unter
      http://www.zdf.de/ZDFblog/g8/G8/DasLebeneinerFalschmeldung/
      ist von Selbsbeweihräucherung die rede:

      …das liest sich wie eine selbstbeweihräucherung. hat dass das ZDF nötig?
      wäre schade, wenn

      So ganz unrecht hat der Poster damit auch nicht. Ich frage mich, weil hier ja ein ziemlich differenzierter Blog mit durchaus ebenso differenzierenden Kommentaren seitens des Autors und der Leser besteht, wie viel Absicht man SPON diesbezüglich vorwerfen kann.

      Ich kenne mich mit den genauen Abläufen in Onlineredaktionen nicht aus, und noch weniger Zugang habe ich zu den Abläufen in einer so großen (schätze ich mal) wie bei SPON. Doch frage ich mich, ob die Berichterstattung nicht durch ein ‘in der Hektik’ entstandenes Kommunikationsproblem entstanden ist. Aktualität ist bei Online-Nachrichtenmagazinen ja ein noch größerer Faktor als bei herkömmlichen Nachrichten, der Zeitdruck somit noch größer.

      Der Vorwurf der bewussten Manipulation, der von vielen Seiten scheinbar gemacht wird, scheint mir etwas weit hergeholt. Das bewusste, nach Regieanweisungen ‘Stricken einer Legende’ würde ja von einem redaktionsweiten, gleichgeschalteteten Ethos zeugen, den ich mir nur schwer vorstellen kann.

      Außer Frage steht dennoch, dass die Berichterstattung blamabel für SPON ist, das ‘Zurückrudern’ halbherzig und die KrisenPR unehrlich ist. Der grundsätzliche Anspruch des Neutralen und Kritischen schein vollkommen Hintergründig, und die Sensationsnachricht Hauptziel gewesen zu sein.

    70. Spiegelfechter schrieb am 5. Juni 2007 at 11:46 - Permalink

      @Bastian

      Das ist natürlich eine gute Frage – in wie weit ist grobe Fahrlässigkeit Absicht? Hat SPON dies billigend in Kauf genommen?

      Meine ganz persönliche Meinung ist, daß hier zumindest der Verdacht nahe liegt. Unter den großen Onlineseiten hat SPON mE die kritischste und destruktivste Berichterstattung gegen die Globalisierungskritiker – noch nichtmals WELT.de zielt derart unter die Gürtelline. Das fängt mit den Berichten im Kulturressort an und endet bei Polemiken – vor allem Mohr tritt hier immer wieder in den Vordergrund.

      Hätte SPON ein bedeutende Meldung ungeprüft veröffentlicht, die entgegengesetzter Meinung wäre – beispielsweise eine DPA-Meldung, die etwas von Agents provocateurs sagt? Dies ist ein spekulatives Beispiel.

      Wo fängt die Manipulation an, wo hört die Fahrlässigkeit auf?

    71. Bastian schrieb am 5. Juni 2007 at 13:00 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Der Verdacht liegt nahe, da stimme ich zu.

      Die Grenze zwischen Fahrlässigkeit und Manipulation vermag ich nicht zu ziehen. Ich frage mich lediglich, wie viel Absicht nun dahinter steckt. Nicht, wie viel Absicht hinter der Fahrlässigkeit, sondern wie viel hinter der daraus vielleicht resultierenden Manipulation steckt. Aus welchem Grund sollte SPON diese Legende als bewusste Inszenierung stricken?

      Meine Gedanken bewegen sich zwischen nicht-verstehen und Verständnis. Ich sehe einfach in der Idee, dass SPON Nachrichten gezielt zu einem bestimmten Zweck verändert, weil sie vielleicht von irgendwem gebauchpinselt wurden, etwas kritisch. Vorwerfen würde ich ihnen erstmal nur, dass sie unkritisch und schlicht dumm gehandelt haben.

      Just my 2 cents…

    72. Spiegelfechter schrieb am 5. Juni 2007 at 13:28 - Permalink

      @Bastian

      Ich denke natürlich auch nicht, dass da ein Mann mit schwarzem Anzug hinter dem Volontär saß, ihm seine Marke zeigte, ihm einen Zettel hinreichte und sagte “Tippen Sie! Dies hier ist nie passiert und Sie haben mich nie gesehen!”.

      Ich halte es eher für ein Zeichen mangelnder kognitiver Fähigkeiten, das sich bei SPON zu einer projizierten kognitiven Dissonanz entwickelt hat. Etwas, das ins Weltbild passt, wird als “wahr” angenommen und nicht oder nur unzureichend überprüft.

      Ist dies Manipulation? Muss Manipulation vorsätzlich sein?

      my 2 cents

    73. EpoLA schrieb am 5. Juni 2007 at 13:45 - Permalink

      @ Bastian

      “Doch frage ich mich, ob die Berichterstattung nicht durch ein ?in der Hektik? entstandenes Kommunikationsproblem entstanden ist. Aktualität ist bei Online-Nachrichtenmagazinen ja ein noch größerer Faktor als bei herkömmlichen Nachrichten, der Zeitdruck somit noch größer.”

      Das Zitat ist um 17.17 gefallen (siehe Video von Phoenix), Im Newsticker wird allerdings erst um 18.30 darauf eingegangen. Das steht auch alles ganz oben, bitte lesen und hören. Insgesamt liegen da also 73 Minuten zwischen! Und bei so einer brisanten Meldung, von der man zweifelsohne ausgehen muß, daß sie den Hardlinern bei der Polizei bei den weiteren Entscheidungen Auftrieb geben würde ist Nachlässigkeit (so es denn Nachlässigkeit war) schon eher als böswillig zu bezeichnen. Hier müssen sich die Medien dann ganz einfach ihrer Verantwortung bewußt werden und dürfen keine gefährlichen Stimmungen erzeugen. So eine Meldung muß man anhand des Originals überprüfen und darf sich nicht auf irgendwelche Hintermänner bei Agenturen verlassen.

      73 Minuten sind ein lange Zeit, um auf dummen Gedanken zu kommen.

    74. Bastian schrieb am 5. Juni 2007 at 14:48 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      [...] Ich halte es eher für ein Zeichen mangelnder kognitiver Fähigkeiten, das sich bei SPON zu einer projizierten kognitiven Dissonanz entwickelt hat. Etwas, das ins Weltbild passt, wird als ?wahr? angenommen und nicht oder nur unzureichend überprüft.

      Guter Gedanke, der kam mir bisher nicht.

      Sicher ist das manipulativ, und Manipulation muss nicht vorsätzlich geschehen. Ich wollte mich nur davon distanzieren, dass die Meldung von SPON unter Vorsatz so veröffentlicht wurde.

      @ EpoLA

      Stimmt, die 73 Minuten habe ich nicht bedacht.

      Wenigstens habe ich in den letzten 225 Minuten gute Gedanken lesen können. Und ja:

      Hier müssen sich die Medien dann ganz einfach ihrer Verantwortung bewußt werden und dürfen keine gefährlichen Stimmungen erzeugen. So eine Meldung muß man anhand des Originals überprüfen und darf sich nicht auf irgendwelche Hintermänner bei Agenturen verlassen.

      Danke.

    75. stefan niggemeier schrieb am 5. Juni 2007 at 14:50 - Permalink

      inzwischen rudert auch dpa zurück. diese meldung ist von heute, 14:27 uhr:

      (Extra)
      Kein Aufruf zum «Krieg» in Rostock: dpa bedauert Übermittlungsfehler=

      Rostock (dpa) – Einen Aufruf eines Redners zum «Krieg» bei den Demonstrationen von Rostock am vergangenen Samstag hat es nicht gegeben. Eine Überprüfung des Redetextes hat gezeigt, dass die Ansprache des Redners Walden Bello bei einer Kundgebung in Rostock auch nicht falsch übersetzt worden war, wie die Deutsche Presse-Agentur dpa am Samstag berichtet hatte. dpa bedauert die fehlerhafte Berichterstattung und hat sich bei den Veranstaltern entschuldigt.

      In einem Korrespondentenbericht zu den Ausschreitungen während der Demonstrationen am 2. Juni hatte dpa Bello irrtümlich mit der Aufforderung zitiert, «den Krieg in die Demonstration reinzutragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts». In dem englischsprachigen Text während einer Kundgebung war aber im Hinblick auf die Konflikte in Irak und Afghanistan gefordert worden, den «Krieg in die Diskussion mit reinzubringen. Denn ohne Frieden kann es keine Gerechtigkeit geben.»
      In der deutschen Übersetzung während der Kundgebung hieß es ähnlich: «… den Krieg in die Diskussion mit reinzubringen. Denn ohne Frieden kann es keine Armutsbekämpfung geben.» dpa vo yyzz ki
      051427 Jun 07

    76. stefan niggemeier schrieb am 5. Juni 2007 at 14:52 - Permalink

      (oh, und schon 12.59 uhr folgende dpa-meldung, -entschuldigung und -korrektur:)

      (Achtung) =

      In einem Korrespondentenbericht zu den Ausschreitungen während der Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Rostock am 2. Juni («G8- Randalierer versetzen Rostock in den Ausnahmezustand» – bdt0367/1841 und Aktualisierung bdt0433/1604 am 3. Juni) zitiert dpa einen Redner bei der Kundgebung mit den Worten «Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.». Diese Formulierung ist – wie aus einem TV-Mitschnitt von «Phoenix» ersichtlich ist – weder in der englischen Original-Rede noch in der deutschen Übersetzung des Beitrags so gefallen.
      Die Formulierung des Übersetzers lautete im Sinnzusammenhang korrekt: «Vor zwei Jahren hat es geheißen, wir sollen den Krieg nicht in die Diskussion mit reinbringen, wir sollen uns nur auf Armutbekämpfung konzentrieren. Aber ich sage: Wir müssen den Krieg hier mit reinbringen, denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben.» (Im Original: «Two years ago, they said, do not bring the war into the discussion, just focus on poverty- reduction. Well, we say we have to bring the war right into this meeting, because without peace, there can be no justice.»)
      Die sinnentstellte Fassung des Zitats in den Meldungen der dpa ist auf einen Übermittlungsfehler zurückzuführen, für den dpa allein die Verantwortung trägt. Die dpa hat den Fehler in ihren Archiven entsprechend gekennzeichnet. Wir bitten – auch mit Blick auf den betroffenen Redner Walden Bello – um Entschuldigung. dpa jd ki xxzz ik

    77. Bolivar schrieb am 6. Juni 2007 at 00:46 - Permalink

      Herr Bello hatte übrigens auch sofort Beschwerde eingelegt (er sprach es heute in Rostock kurz an). Er meinte ebenfalls, dass man endlich aus der Defensive gegenüber den Medien heraus und bei sowas offensiv reagieren muss (sonst kommt es noch nicht mal zur Berichtigung).

      Dieser Blog hat also auch nach Meinung von Walden Bello wohl Alles richtig gemacht, Glückwunsch und Danke an den Spiegelfechter :).

      Interessant wäre noch zu wissen, was passiert wäre wenn jemand Anderes auf der Kundgebung so etwas “leicht Manipulierbares” gesagt hätte. Walden Bello ist ja immerhin Professor für Soziologie an der Universität der Philippinen und seine Beschwerde hat da sicherlich größeres Gewicht für die Medien als wenn es um Jemanden der weniger bekannten Redner gehen würde.

    78. Skandalos schrieb am 6. Juni 2007 at 08:16 - Permalink

      Für wie blöde haltet Ihr eigentlich die Leute. Fakt ist: ohne Eure Gewalt würde sich kein einziger Journalist für Euren infantilen Protest interessieren.

      Wer mehr als eine Gehirnzelle hat, durchschaut Euren aufgemalten Heiligenschein und Eure höhnische Opferpose.

      Ihr beschwert Euch hier scheinheilig über die bösen Medien. Darf ich lachen?

      Die Medien sind Eure besten Verbündeten.

      Gewalt ist pures Journalistengold, es gibt keine bessere Garantie für fette Schlagzeilen als massive Gewalt. Auf jeden Steineschmeißer kommen fünf Pressefotographen. “Bitte nochmal und ein bischen in Pose. Am besten vor dem brennenden Auto da. Dankeschön.” Dicke Dollarzeichen in den Augen. Das wissen Eure Organisatoren nur zu gut. Kein Schwein erinnert sich heute noch an Gleneagles. Jeder erinnert sich an Genua und jeder wird sich an Rostock erinnern.

      Soviel zur Gewalt.

      Zu Euren Anliegen.

      Wenn ich sehe, welche Altersgruppe diesen Protest trägt, wundert mich die Naivität der Anliegen nicht. Kurz: werdet mal erwachsen, lernt erstmal die Welt kennen, die Ihr behauptet verbessern zu wollen, und zwar aus erster Hand und nicht aus TV und Zeitung, lernt das Leben kennen!, kriegt erstmal Euer eigenes Leben in den Griff!, dann könnt Ihr mitreden über die Welt und dann werdet Ihr auch für voll genommen! Auch ohne Gewalt!

    79. Frank schrieb am 6. Juni 2007 at 14:33 - Permalink

      @scandalous:

      “Eure Gewalt” – weiss nicht, ob Du *hier* die richtigen Adressaten für Deine Einlassungen findest…

      “Gewalt ist pures Journalistengold” – leider. Darum halten sich derartige Aufmacher – ob wahr oder falsch – so lange. Dass darüber die Proportionen verschoben werden und die Inhalte verloren gehen kann keiner glücklich sein. Es geht nicht darum dass der Einzelne mit nem schönen Bild auf Seite eins erscheint…

      “Altersgruppe” – mach die Augen auf und erzähl nicht so einen Unsinn. Oder schau Dir mal die Geschichte an – es waren immer die Jüngeren, die auf Mißstände hinwiesen, da sie beweglicher sind als wir ollen Köppe. Die aber ebenfalls noch dabei sind, auf die eine oder andere Weise.

    80. Skandalos schrieb am 6. Juni 2007 at 18:31 - Permalink

      @Frank

      “Dass darüber die Proportionen verschoben werden und die Inhalte verloren gehen kann keiner glücklich sein.”

      Aber das Gegenteil ist doch der Fall! Immer, wenn jemand Gewalt ins Spiel bringt, kommen auch seine Inhalte zu Wort, natürlich im Windschatten der Gewalt, aber in jedem Falle bedeutend mehr als ohne Gewalt geschehen wäre.

      Und das ist gerade das Fatale! Daß diese Gleichung “je mehr Gewalt desto mehr Aufmerksamkeit für mein Anliegen” funktioniert! Gerade die von Euch gescholtenen Medien machen es möglich! Medien sind die wichtigsten Geschäftspartner der Gewalttätigen, der Bekloppten und Arschlöcher. Der größte Schwachkopf erhält sein prominentes Plätzchen incl ernsthafter Artikelchen über sein “Anliegen”, wenn er nur hinreichend Gewalt liefert.

      Die Medien sorgen dafür, daß die Beklopptesten völlig überproportional Aufmerksamkeit erhalten, während die Vernunft und die Nüchternheit untergehen.

      Frank, Du sagst, “es waren immer die Jüngeren, die auf Mißstände hinwiesen, da sie beweglicher sind als wir ollen Köppe”. Und ich sage, es waren auch immer die Jüngern, die dem ersten besten Schwätzer auf den Leim gingen, dem ersten Blender nachliefen und sich den übelsten Schlächtern der Geschichte als Kanonenfutter zur Verfügung stellten. Die Jugend hat vor allem einen Nachteil: sie hat einen Hang zum Einfachen, zum simplen Schwarz-Weiß-Weltbild, zum plakativen Feindbild. Und sie sucht ein Ziel für ihre überbordende Kraft. Das ist kein Problem, wenn die Situation in der Tat simpel ist und Kraft erfordert wie z.B. in einer Diktatur oder einer Kriegssituation, und wenn man durch Repression und Unfreiheit daran gehindert ist die eigene individuelle Existenz sinnvoll zu entwickeln. Aber in einer extrem komplexen Situation wie der heutigen mit den unendlich vielen und extrem verschiedenen Interessengruppen und Kräften, die am Weltgeschehen mitwirken, was ja gerade durch die relative weltweite Freiheit der Märkte und Meinungen erst möglich wurde, ist Jugend gut beraten, den Ball schön flachzuhalten und ihre Kraft erst mal ins eigene Leben zu investieren. Um dann später mit mehr Lebenerfahrung und vor allem mit Verantwortungsbewußtsein die Welt wirklich zu beeinflussen, nicht nur ihre Veränderung lautstark, aber tatenlos zu fordern.

      Die allermeisten Jungen tun das übrigens auch. Nur berichtet da keiner drüber. Keine Story. Zuwenig Gewalt drin.

    81. alexandra bader schrieb am 6. Juni 2007 at 22:50 - Permalink

      am 4.6.2007 hatte “österreich” (das in sachen übertreibung, halbwahrheit und co. der bildzeitung konkurrenz macht siehe österreichblog http://oesterreichblog.twoday.net) am titel “deutschland brennt”, samt entsprechendem foto, und als weitere überschriften: “brutal wie im bürgerkrieg” und “horrorbilanz: 1.000 verletzte”. wie üblich wurde nicht korrigiert, dass dies eine falschmeldung ist.

      und selbst wenn: der schaden ist ja schon mal angerichtet, siehe dpa, spon und walden bello, und mehr von der sorte. deshalb bringen auch späte korrekturen und entschuldigungen nichts – wobei sie sicherlich nicht aus reiner einsicht erfolgen würden, sondern auf druck durch alternative medienöffentlichkeit zustande gekommen sind.

      @ kritischer kommentar hier im blog zu schwarzem block und co: es ist sicher schwer, auf anhieb richtig zu liegen mit einer einschätzung, die von unterschiedlichen berichten abhängt. bei genua 2001 war sehr hilfreich, was auf div. indymedia-seiten gebracht wurde bzw wie medien bereits im vorfeld berichteten.

      damals gab es vorher ein treffen in salzburg ähnlich dem world economic forum (sorry, ich erinnere mich nicht genau an den namen), wo es auch proteste gab und die polizei die – friedlichen – leute einkesselte – und dennoch wurde von wegen chaoten, gewaltbereite, randale berichtet. dies konnte man nach genua ein paar wochen später als vorbereitung darauf sehen, wie mit den “globalisierungsgegnern” umgegangen wird.

      in ö (aber auch in d) recherchierte dann kaum jemand, man brachte einfach nachrichten im stil von: die demonstranten sind selber schuld am tod von giulani, und natürlich der böse “schwarze block” (obwohl es längst berichte über dessen unterwanderung gab, längst merkwürdige vorfälle von augenzeugen geschildert wurden).

      aufgrund von demos für österreicherInnen, die mit einer theatergruppe in genua waren und auf der heimreise festgenommen wurden, kippte dann die stimmung in den medien und sie schrieben positiv bzw. differenzierter. auch mit riesenredaktionen und der möglichkeit, jedes thema vor ort zu checken brachten die etablierten medien nur klägliche propaganda zustande – im gegensatz zu kleinen alternativmedien.

    82. tok schrieb am 7. Juni 2007 at 18:01 - Permalink

      na sowas. seit tagen ärgere ich mich über die reißerisch und geflissentlich übernommenen falschmeldungenauf SPON, und was finde ich hier? einen bildblog für den spiegel. wurde ja auch allerhöchste zeit.

    83. kranich05 schrieb am 30. Juni 2007 at 00:20 - Permalink

      Wie hältst Du es mit Medienschelte? – Stefan Niggemeiers Chronologie
      http://opablog.twoday.net/stories/4017954/

    84. Mirco schrieb am 3. August 2007 at 01:35 - Permalink

      de.indymedia.org/2007/06/185734.shtml
      Eine Übersicht der Falschmeldungen zu den G8 dieses Jahr. In seriösen wirtschaftsliberalen Medienunternehmen entstehen solche Medlungen durch deren gehaltsempfangene Journalisten selbstredend immer versehentlich. Gelogen ist es nur, wenn es gelaubt wird. ;-)


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