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    geschrieben am 05. Juni 2007 von Spiegelfechter

    Heute, kurz vor High-Noon, hielt Deutschland den Atem an. Über den stets zuverlässigen SPON-Ticker kam die ultimative Terrormeldung. Terroristen im Clownskostüm setzen in ihrem Kampf gegen das ewig Gute chemische Kampfstoffe Flüssigkeiten ein; welch sinistres Treiben – ich war tief erschüttert, hoffentlich findet man bald die WMD Chemiewaffen:

    +++ ?Clown?s Army? sprüht Gift gegen Polizisten +++

    [11:42] Bei der Anti-G-8-Demonstration gestern in Rostock haben militante Demonstranten erneut chemische Flüssigkeiten gegen Polizisten versprüht. ?Acht Polizisten mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden?, sagte Polizeisprecher Axel Falkenberg in Rostock. Dies sei ein in Deutschland bislang unbekanntes Vorgehen der militanten Szene. Verursacher seien Mitglieder einer Gruppe namens ?Clown?s Army?, die aus Spritzpistolen die bisher unbekannte Flüssigkeit versprühten. Bereits am Samstag mussten mehrere Polizisten mit schmerzhaften Hautreizungen medizinisch behandelt werden.?

    Nun ja, daß beim Einsatz von Tränengas am Samstag auch Polizisten etwas abbekommen haben ist logisch – dass die “mehreren” Polizisten laut einer ebenfalls unzuverlässigen DDP-Meldung gerade einmal Acht an der Zahl waren, vernebelt der SPON-Ticker. Dass man bei den gemeldeten Verletzenzahlen bei der Polizei äußerst skeptisch und vorsichtig sein sollte, wird natürlich ebenfalls nicht erwähnt. Dass die “Clown´s Army” natürlich nicht mit Apostroph geschrieben wird und eigentlich “Rebel Clown Army” heisst, ist da doch eher eine Petitesse.

    Diese Revolvermeldung ließ mich nicht ruhig schlafen, obgleich ich meinen Büroschlaf doch so nötig hätte. Aber ich hätte sicher von sinisteren Clowns geträumt, die mich, diabolisch feixend, mit ätzenden Chemikalien besprühen.

    Aber zum Glück ruderte der SPON-Ticker schon eine knappe Stunde später zurück, nachdem der Chef von Dienst dem Praktikanten am Ticker wohl erst einmal die Feinheiten der “indirekten Rede” erklärt hat. Es ist müßig zu erwähnen, dass der Tickereintrag natürlich wieder einmal als plakative Überschrift verwendet wurde und bei den Besucherzahlen von SPON rund 200.000 Leser die erste Tickerversion gelesen haben.

    +++ Polizei wirft ?Clown?s Army? Chemieeinsatz vor +++

    [11:42] Bei der Anti-G-8-Demonstration gestern in Rostock sollen militante Demonstranten chemische Flüssigkeiten gegen Polizisten versprüht haben – das behauptet die Polizei. ?Acht Polizisten mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden?, sagte Sprecher Axel Falkenberg. Dies sei ein in Deutschland bislang unbekanntes Vorgehen der militanten Szene. Verursacher seien Mitglieder einer Gruppe namens ?Clown?s Army?, die aus Spritzpistolen die bisher unbekannte Flüssigkeit versprühten. Schon am Samstag mussten mehrere Polizisten mit schmerzhaften Hautreizungen medizinisch behandelt werden.

    Als ob den SPON-Leuten schon Böses schwante, wurde diese Meldung auch aus der Überschrift verbannt. Derweil legte der NDR nach und verbreitete unter der Überschrift “Chemische Flüssigkeiten gegen Polizisten” (natürlich ohne Fragezeichen) die gleiche Meldung, die auf den Sprecher der Kavala Axel Falkenberg zurückging.

    Auch die Presseagentur ddp lies sich nicht lumpen und berichtete um 15.45 von Clowns, die keinen Spaß verstehen.

    Diesmal wird Polizeisprecher Manfred Lütjhan zitiert, der noch größeres Geschütz gegen die Clowns auffährt:

    Nach seinen Angaben fallen unter den Gewaltbereiten besonders zwei Gruppen auf: der so genannte, sattsam bekannte «Schwarze Block» und eben die «Clown Army». Deren Mitglieder kostümierten sich, um die «Gewalttaten anders aussehen» zu lassen.

    Was für eine ungeheuere Brut, diese Schelme!

    Mehrere Homepages von Clown-Mitgliedern weisen darauf hin, dass es sich bei ihren Protesten um «kreativen Widerstand» handele.

    Und “kreativer Widerstand” ist ja für die Sicherheitsbehörden in der Nähe des Terrorismus zu verorten.

    Auf der englischen Homepage clownarmy.org ist nachzulesen, dass sie dort, wo Bomben ihr Ziel verfehlten, möglicherweise mit spöttischem Gelächter erfolgreich seien.

    Wo die Bomben ihre Ziele verfehlen, zieht die Clownsbrigade auf und zerstört mit – durch histerisches Lachen hervorgerufene – Ultraschallwellen die Ziele? Oder wie haben uns das laut DDP vorzustellen? Ist dies vielleicht eine Neuauflage von Monty Pythons Funniest Joke in the World?

    Möglicherweise. Oder auch anders, wie in Rostock. Mit ihren Wasserpistolen sorgten die Clowns jedenfalls bei der Polizei für Tränen: Acht Beamte mussten sich in ärztliche Behandlung begeben, nachdem sie mit noch unbekannten Flüssigkeiten bespritzt worden waren

    “Möglicherweise”? Oder auch anders, lieber DDP? Nun ja, die DPA hat im Kampf der unzuverlässigsten Nachrichtenagentur vorgelegt, da muß sich der DDP natürlich ins Zeug legen.

    SPON selbst klärt auf – “Das ist kein Spiel, dass sie da veranstalten, sondern eine Provokation der Beamten”, so Axel Falkenberg, Sprecher der Kavala. Und Provokationen lassen sich nicht nur die militantien Autonomen nicht gefallen, sondern auch die Polizei. Anders als die Militanten des Schwarzen Blocks, haben aber die Militanten des Grünen Blocks die Möglichkeit der Pressemanipulation, um sich den Gegner vom Hals zu halten. SPON, NDR und DDP sind darauf reingefallen.

    Aber SPON versucht sich wenigstens an der Aufklärung, der von ihnen selbst in Umlauf gebrachten Ente:

    In den beiden Rostocker Krankenhäusern lässt sich der Verdacht nicht erhärten. Im Südstadt-Klinikum heißt es, dort seien keine Beamten mit Hautreizungen behandelt worden. Ein Sprecher des Uni-Klinikums berichtete von zwei Polizisten, die dort nach dem Kontakt mit einer unbekannten Flüssigkeit untersucht wurden.

    Die Beamten seien ambulant behandelt und anschließend sofort wieder entlassen worden, erklärte der Sprecher SPIEGEL ONLINE unter Berufung auf den behandelnden Arzt. Der Verdacht, sie seien mit einer ätzenden Flüssigkeit bespritzt worden, habe sich nicht bestätigt. Warum die Polizisten über Hautreizungen klagten, wollte der Sprecher lieber nicht konkret kommentieren: “Möglicherweise ist alles ganz harmlos”

    Derweil stellte sich auch heraus, dass das “Säuregift” eine alkalische Lösung ist – Pustefix?

    Welch diabolische Clown-Terroristen! Deutschen Gesetzhütern Seifenblasen ins Gesicht zu pusten ist Landesverrat. Das sollten auch die Spaßmacher endlich einsehen – der deutsche Polizist, in preussischer Tradition, ist für Firlefanz und Albernheiten nicht zu haben.

    Und die Moral von der Geschicht´, dem SPON-Ticker glaube nicht!

    Update: Der NDR hat mittlerweile den Artikel einfach ausgetauscht und der Überschrift ein Fragezeichen verpasst – jetzt wirkt das ganze fürchterlich kritisch. Selbstverständlich findet sich dort kein Hinweis, dass der Artikel vorher so ziemlich das Gegenteil behauptet hat. So kann man es natürlich auch machen.

    Danke an Ralphs für den Tipp!

    Update II: SPON versucht sich in der Kehrtwende vom Verbreiter der Falschmeldung zum Aufklärer und ergänzt seinen “clownfreundlichen” Artikel mit neuen Aussagen eines Polizisten, der offensichtlich nicht so recht weiß, was die offizielle Kommunikationsline seines Chefs ist:

    “Die sind doch total friedich”, sagt ein Polizist aus dem Anti-Konflikt-Team. Diese Beamten laufen immer an der Spitze der Demo-Züge und haben deshalb in den vergangenen Tagen am meisten Kontakt mit den Clowns gehabt. Einer der mobilen Pressesprecher der Polizei sagt: “Ich verstehe nicht, wie er (Kavala-Sprecher Falkenberg, d. Red.) das erklären konnte.”

    Danke an Andiras für den Tipp!

    Update III: Der SPON-Ticker bringt den Irrsinn Polizeitaktik auf den Punkt:

    +++ Möglicherweise Polizist verprügelt +++

    [19:41] Am Sicherheitszaun um Heiligendamm ist die Situation kurzzeitig eskaliert. Am Blockadepunkt Galopprennbahn wurde eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in der Autonomen-Kleidung unter den Blockierern war. Der Mann wurde von Kräften des anwaltlichen Notdienstes der Demonstranten aus der Notlage befreit und zur Linie der Polizisten gebracht, die ihn in ihre Reihen zogen.

    +++ Vorwürfe gegen Polizei +++

    [21:37] Der Anwaltliche Notdienst der Demonstranten erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Demnach sollen während der Blockadeaktion vor dem Zaun in Heiligendamm vermummte Zivilpolizisten in die Demonstrantenmenge eingeschleust worden sein. Augenzeugenberichten zufolge fiel am Abend eine Gruppe von vier bis fünf schwarz gekleideten jungen Männern auf, die sich außergewöhnlich aggressiv gegenüber der Polizei verhielten. Als Protestler die Männer nach ihrer Herkunft und Identität befragt hätten, seien diese geflohen. Einer sei jedoch festgehalten und als Zivilpolizist erkannt worden.

    Da wird wohl wie chaotische Randale ausbleiben, wenn die Anstifter aus “unvorhersehbaren” Gründen ausfällt.

    Sollte sich dies bewahrheiten, haben die Polizeisprecher mal etwas anderes zu tun, als vor sinistren Clowns zu warnen.

    Jens Berger

    Bildnachweis: IMDB, Bild.de, Montage: Spiegelfechter

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    72 Kommentare:

    1. Andiras schrieb am 5. Juni 2007 at 22:02 - Permalink

      Herrlich auch der dräuende Unterton des Schlußsatzes der ddp:

      “Sie wollten die «Leute bespaßen» und dass sie in Heiligendamm Tausende sein würden, hatten die handgreiflichen Humoristen angekündigt. Täglich würden neue Clowns rekrutiert, hieß es.”

      Bei zwei der Rekrutierten scheint es sich um die ddp Autoren Nadine Schimroszik und Peter Leveringhaus zu handeln – anders ist dieser Artikel nicht zu erklären…

    2. corax schrieb am 5. Juni 2007 at 23:53 - Permalink

      Ich bin ja erst seit etwa einem Jahr online, auf der Arbeit etwas länger,
      ich mach mir grad so meine Gedanken dass/ob mich TV und Print wohl mein ganzes Leben lang “verarscht” haben.

      Wie kann es überhaupt sein, dass ab Samstag Abend weitestgehend alle im viel gescholtenem “Bloggersdorf” bescheid wussten, bezüglich des Bello-zitates; sich selbst als so “besser” darstellende, weil klassische Ausbildung und Gegenrecherche und seriöse Quellen und blablabla, Print und TV-Journalisten offenbar vollkommen ahnungslos blieben? Tagelang?

      Seis drum, ich bin froh über diese Seite hier und will mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

      MfG

    3. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 00:03 - Permalink

      @Corax

      Nun ja – ich bei sei 1995 online. Damals war das Netz eher ein Zusatzinformationsquelle, v.a. für sehr spezielle Themen. Das hat sich schnell geändert. Auch die klassischen “Web 1.0″ Angebote haben ein Informationsangbot, daß klassische Medien nicht bieten können – der Vergleich ist auch “unfair”. Klassische Medien sind passiv, man lässt sie auf sich einwirken. Das Netz ist ein aktives Medium, man sucht sich sene Information – das ist immer besser.

      Bei längerer “Webzeit” steigt vor allem die Medienkompetenz, bzgl. der klassischen Medien – man hinterfragt wesentlich mehr und ist auch kompetenter bei der Bewertung, ob die Informationen denn auch plausibel sind. Man wittert schon fast Enten und Manipulationen ;-)

      Was Web 2.0 zusätzlich liefert ist die Vernetzung – eine Art kollektive Intelligenz, wie ein Bienenschwarm. Wenn einer Alarm schlägt, verbreitet sich das in rasender Geschwindigkeit. Guerrila-Journalismus ;-)

    4. corax schrieb am 6. Juni 2007 at 01:23 - Permalink

      @3 Spiegelfechter

      “Damals war das Netz eher ein Zusatzinformationsquelle, v.a. für sehr spezielle Themen.”

      Aber was “Fliegendes Spaghettimonster beschwör” hält die Journalisten und Redakteure konventioneller Medien davon ab, sich ebenfalls im Netz zusätzlich zu informieren oder notfalls per halbwegs begabtem Volontär? Gibt´s irgendeine Vorschrift die das verbietet? Und am Alter kann es auch nicht liegen wie man z. Bsp. an Peter Scholl-Latour *1924 sehen kann (ausgiebiges Hintergrundwissen).

      Anstatt sich beide “Vertriebs- und Beschaffungswege” sinnvoll ergänzen, beharken sie einander und führen nutzlose Grabenkriege wie man auch beim Stefan Niggemeier nachlesen kann.

      Beim ZDF hab ich vor zwei Stunden einen Kommentar geschrieben,
      du weißt wo, ich bin mal gespannt. “Diskussion” haben sie geschrieben, pah. Ich halts eh bloß für ne Abzocke, Content liefern für “neuartige Empfangsgeräte”. Vorgestern stand einer mit nem Computerausdruck (ca 20seitig) vor unserer Haustür und sagte auf Nachfrage, ich hatte ihn vorher schon auf der anderen Strassenseite Klingelschilder lesen gesehen, er sei vom WDR und kontrolliere wer wo wohnt und wollte von mir wissen wer ich sei; nach meiner Antwort “Geht Sie nix an” faselte er was vom “Rundfunkstaatsvertrag” und “Gesetz” .
      Dafür haben sie Geld, ich würde zugern wissen woher dieser Ausdruck war.

      MfG

    5. Ingo schrieb am 6. Juni 2007 at 01:59 - Permalink

      Erfolgsnoten werden nach Konformität vergeben. In der Arbeitswelt, der Schule, der Politik, im Journalismus. Irgendwer ist immer drüber. Er verfolgt Ziele, die mitunter nur bedingt dem eigenen “gesunden Menschenverstand” folgen.

      Warum BILD in Werbespots “Die stärkste Waffe eines Volkes ist seine Stimme” propagiert und eben diese Stimmen denunziert, sobald sie lauter werden, ist mir ebenso bedenklich, wie die Mahlzahns und Broders bei Spiegel Online, die wie auf Kommando ins gleiche Horn stossen. Welche Interessen verfolgen diese Blätter wirklich?

    6. wonko schrieb am 6. Juni 2007 at 02:17 - Permalink

      Womit sich ja die Clown-Truppe in bester Tradition befindet. Jedenfalls, wenn man die Geschichte des Karnevals im Rheinland unter preussischer – bääähhh – Herrschaft betrachtet. Womit ich in keinster Weise die heutigen Auswüchse hier zwischen Aachen und Köln gutheissen möchte :-)

      Ab “Nach den Franzosen kamen die Preußen…”:
      http://www.wdr.de/themen/freizeit/brauchtum/karneval_2007/session/karnevalsforscherin/index.jhtml

    7. otti schrieb am 6. Juni 2007 at 09:43 - Permalink

      Sowas! Bei SPON gibt’s einen Chemieeinsatz. Na, solange daraus kein Chemiewaffeneinsatz wird, können wir ja beruhigt sein.

    8. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 10:22 - Permalink

      Hmmm, jetzt wo es gerade keine “Gewaltorgien” und “Säureattacken” gibt, gehen dem SpOn Ticker auch schon die neuen Nachrichten aus. War die Reihenfolge der Meldungen bisher (von alt nach neu) “Köhler bewertet Bushs Klimainitiative positiv”, “Blair will offene Diskussion mit Putin”, “G-8-Gegner planen 30 Aktionen”, wurde diese nun geändert und die beiden ersten Meldungen sind nun vor die 30 Aktionen gerückt um die Lücke zwischen 8:30 und 9:45 Uhr zu schließen. Wer keine Nachrichten hat, macht sich eben welche…

    9. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 11:00 - Permalink

      @12 Sebi

      Abwarten, gerade eben versucht sich der SPON-Ticker in Wortneuschöpfungen. ;-)

      +++ Polizei veruntersagt NPD-Kundgebung in Rostock +++

    10. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 12:47 - Permalink

      Wenn man die Tickermeldungen verfolgt kann man ja förmlich spüren, wie bei SpOn darauf gewartet wird, dass endlich was passiert. Jetzt gehts so langsam los und vor lauter Aufregung wird dann auch schon mal vergessen einen Satz zu beenden:

      [12:11] Polizeikontrollen und zeitweise Sperrungen auf der Autobahn 19 in Höhe des Flughafens Rostock-Laage sorgen seit dem Morgen für lange Staus in Richtung. [...]

      Und woran erkennt man eigentlich gewaltbereite Demonstranten, wenn noch nicht passiert ist?

      [11:34] [...] Gewaltbereite diskutieren mit friedlichen Demonstranten über das weitere Vorgehen. [...]

    11. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 13:03 - Permalink

      Edit: Jetzt gibts auch eine Artikel dazu, offensichtlich suchen nicht die Gewaltbereiten das Gespräch sondern die Friedlichen. Dann wird das Ganze auch verständlich.

    12. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 13:20 - Permalink

      @Sebi

      Habe gerade einmal die diversen Ticker verfolgt – da das Material ja eh nur von den Nachrichtenagenturen kommt, schreiben alle das gleiche. Welch Wunder ;-)

      Nur SPON schafft es nicht, dies fehlerfrei per Copy&Paste in den Ticker einzustellen.

      Da kommen dann halbe Sätze zustande, die Interpunktion ist fehlerhaft (Unter die Menschen habe sich Vermummte gemischt., sie sammeln Steine. [Welch friedfertiges Hobby - passend für einen Strandläuferurlaub in Heiligendamm ;-)]) und der Praktikant ist sich noch nicht sicher, ob die Bäderbahn “Molly” oder “Molli” heißt, wobei ich diesen Namen als schier unglaubliche Provokation gegenüber den Autonomen empfinde *lol*

    13. P.nut schrieb am 6. Juni 2007 at 14:00 - Permalink

      Der Phoenix-Aussenreporter eben:

      Friedlicher Protest der Clowns, sie sind jetzt etwas eingekesselt, man redet miteinander…
      Danach packte er Geschichte ueber die Saeure-Attacke aus, die – nach seiner Aussage – von Rostocker Krankenhaeusern bestaetigt wurde.

      Tsts, es geht grad so weiter.

    14. Seraja Ten schrieb am 6. Juni 2007 at 14:10 - Permalink

      Also mal ganz im Ernst: Die Herren sollten sich lieber freuen. Von eine “Nichtchemischen Flüssigkeit” benetzt zu werden könnte weitaus schlimmere Folgen haben… Manchmal finde ich die Ahnungslosigkeit der Redaktionen wirklich bedenklich.
      Dabei wäre es kein Beinbruch kurz in ein Buch zu schauen, Recherche nannte man das mal…

    15. ralphs schrieb am 6. Juni 2007 at 14:13 - Permalink

      Der Link zum NDR-Artikel funktioniert nicht mehr. Aber in einem anderen Artikel wird weiterhin verbreitet (immerhin in indirekter Rede, aber unhinterfragt und ohne Angabe der Quelle):

      Die hohe Zahl der überhaupt verletzten Polizisten sei vor allem durch Augenreizungen infolge von Reizstoffen entstanden, die von Demonstranten versprüht worden seien.

    16. ralphs schrieb am 6. Juni 2007 at 14:17 - Permalink

      Nachtrag: Backslash muesste raus, dann wuerde der Link zum NDR-Artikel funktionieren. Mittlerweile lautet die Headline: “Chemische Flüssigkeiten gegen Polizisten?”

    17. alexandra bader schrieb am 6. Juni 2007 at 14:26 - Permalink

      klasse webseite und notwendige gegenöffentlichkeit, ich hab von den ceiberweibern aus mehrere links zum spiegelfechter gelegt (siehe “die diskreditierung der proteste”) und auch bei meinem blog http://alexdailynotes.blogspot.com .

      eigentlich schlimm, dass gegenöffentlichkeit in immer stärkerem ausmass notwendig ist und da auch immer mehr an recherche reingesteckt werden muss, eben weil traditionelle medien eher von ihrem ruf von einst als von realer gegenwärtiger qualität leben.

      ich mache sowas auch regelmässig und bin oft fast die einzige gegenstimme zu medien-unsinn in österreich (wobei die blogs, die sich mit einem medium speziell auseinandersetzen wie in d der spiegelfechter oder der bild-blog, bei uns auch langsam kommen…)

    18. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 15:16 - Permalink

      Hihi, jetzt mal ab vom Thema, aber auch schön: Beim BILDblog gibts gerade einen Artikel darüber, dass BILD die neuen Nationaltrikots eben nicht exklusiv enthüllt.
      Da starten SpOn eine Aktion, bei der Leser ihre eigenen Trikotentwürfe einsenden sollen. Titel: SPIEGEL ONLINE sucht das EM-Trikot 2008. Ausserdem wird folgendes Angekündigt: Die drei beliebtesten Vorschläger leiten wir an den Deutschen Fußball-Bund sowie an dessen Ausrüster Adidas weiter.

      Recherche war gestern. Es geht bergab…

    19. TORNADOEINSATZ schrieb am 6. Juni 2007 at 15:39 - Permalink

      Ich bin ja dafür das die Bundeswehr Tornadoeinsätze über Heiligendamm fliegen sollte. So hat man zuverlässige Luftbilder von den Massen und kann genau lokalisieren. Die Daten kann man dann den Bodentruppen zufunken und die Wissen dann wo sie hinschiessen müssen.

      Gummigeschosse fänd ich auch sehr geil. Mann stelle sich vor da kämen dann anstatt so Gummikugeln, Kondome angeflogen ;)

      Ach ja. Typisch Deutschland. Ist mal wieder was los um die ecke und jeder hat was zum mitreden. Wenn und im August haben wir alles wieder vergessen. Hauptsache es passiert was und wir können uns drüber aufregen. Schade nur das nix passiert.

    20. Andiras schrieb am 6. Juni 2007 at 15:42 - Permalink

      Der Spiegel beginnt zurückzurudern und schlägt Kavalas Sprecher den Ball zu:

      Aktuellere Ergänzung zum Clownsartikel:

      [..]“Die sind doch total friedich”, sagt ein Polizist aus dem Anti-Konflikt-Team. Diese Beamten laufen immer an der Spitze der Demo-Züge und haben deshalb in den vergangenen Tagen am meisten Kontakt mit den Clowns gehabt. Einer der mobilen Pressesprecher der Polizei sagt: “Ich verstehe nicht, wie er (Kavala-Sprecher Falkenberg, d. Red.) das erklären konnte.”[..]

    21. wonko schrieb am 6. Juni 2007 at 15:49 - Permalink

      Wie schön aber, dass die Ticker-Headline das hier ist. “Verletzte Polizisten mit Helikoptern ausgeflogen” und nicht die letzte Meldung “Polizei: Lage um Heiligendamm ist ruhig”.

      Vielleicht könnten die auch mal ein Fass mit den Bildern aufmachen, die gerade im RTL Kurznachrichten-Block liefen. Ich finde als Demokrat und Mensch nicht, daß man einen, von zwei Beamten am Boden fixierten, Demonstranten noch gefühlte 10 Mal von Oben mit der Faust schlagen muss. Diese Bilder würde ich ehrlich gesagt auch nochmal gerne irgendwo heute sehen. Muss allerdings bei RTL ein Fehler gewesen sein, da hatten die wohl das falsche Footage erwischt :-)

      Hat das noch jemand irgendwo mitbekommen?

    22. wonko schrieb am 6. Juni 2007 at 15:51 - Permalink

      HGa schon korrigiert bei SpOn: Laut Polizei keine Verletzten ausgeflogen. Komisch aber auch…

    23. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 15:52 - Permalink

      Na so ganz mag SpOn aber nicht auf reißerische Überschriften verzichten.
      Als kleine Überschrift über dem Artikel zum aktuellen Geschehen dient immer noch Krawalle am Sicherheitszaun. Einzige Hinweise auf Krawalle sind aber zwischenzeitliche vereinzelte Steinwürfe und ein vorrübergehendes Abweichen von der Deeskalationsstrategie durch Wasserwerfereinsatz.
      Die Lage wird von der Polizei als entspannt beschrieben.

    24. wonko schrieb am 6. Juni 2007 at 15:55 - Permalink

      das mit den ‘Krawallen’ habe ich auch gerade erst gelesen. Komisch, dass in keinem Artikel der danach folgt, etwas davon steht. oder meinen die den Wasserwerfer-Einsatz? ;-)

    25. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 16:05 - Permalink

      Ups, SpOn hat wohl selber bemerkt was der Praktikant da macht. Der Artikel steht jetzt nicht mehr ganz oben. Allerdings wurden Teile aus diesem entfernt und zusammen mit neuen Nachrichten zu einem neuen Artikel zusammengebastelt, dieser hat jetzt auch nur noch Heiligendamm als kleine Überschrift. Im älteren Artikel wurde die Behauptung, verletzte Polizisten seien mit Hubschraubern ausgeflogen worden, noch nicht (Stand 16:04 Uhr) korrigiert.

    26. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 16:24 - Permalink

      Und schon wieder darf der Praktikant ran. Lange nach vielen anderen berichtet jetzt auch SpOn über “Die Verwirrung um Verletzten-Zahlen“.
      Die kleine Überschrift lautet: Randalenacht von Rostock. Ein kurzer Blick in den Liveticker vom 02.06. zeigt: bereits ab 20:30 Uhr wird die Lage als weiterhin ruhig beschrieben. Ist es da nachts nochmal rundgegangen und ich habs verpasst?

    27. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 16:56 - Permalink

      @all

      Sehr lustig finde ich bei SPON auch folgenden Satz:

      “Die Demonstranten versuchten in Gesprächen immer wieder, die Autonomen davon zu überzeugen, auf Gewaltaktionen zu verzichten. Aber die Vermummten machten sich dennoch an einer Stacheldrahtabsperrung vor dem eigentlichen Zaun zu schaffen. Mit Zangen zwickten sie den Stacheldraht auf und rollten ihn in Ballen beiseite.”

      Öhm, seit wann sind aufgeschnittene Stachdrahtbahnen eine Gewaltaktion *wunder*

    28. Holger schrieb am 6. Juni 2007 at 17:49 - Permalink

      hmm desto mehr man über die ganze Fehlmeldungen liest desto mehr frag man sich was sonst noch alles so mal schnell falsch berichtet wurde

    29. Sebi schrieb am 6. Juni 2007 at 17:51 - Permalink

      Hmm im Artikel Pannen im Paralleluniversum berichtet SpOn über die Lage im Pressezentrum und auch dieses:
      [...] Irgendetwas passiert immer – selbst wenn nichts passiert. Ein japanisches Kamerateam stellt sich vor dem Sicherheitszelt auf und beginnt, die wartenden Kollegen abzufilmen.
      Ist das nicht selbstreferenziell? Noch besser wäre es natürlich die SpOner würden sich selber beim schreiben des Artikels filmen und das Video verlinken, dann würden sie schon fast mit René gleichziehen.
      Merke: Das Anwenden von Bloggermethoden schadet dem Qualitätsjournalismus nur dann, wenn Blogger sie anwenden!

    30. Andiras schrieb am 6. Juni 2007 at 18:43 - Permalink

      Unbedingt anschauen!
      Als ich die ersten Sekunden dieses SPON Videos sah musste ich herzhaft lachen:

      http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,18839,00.html

      Man sieht wie völlig verwirrte Polizisten von der Clowns Army umtanzt werden. Dazu der Kommentator:

      “Die Lage rund um den G8 Tagungsort in heiligen Damm ist brenzlig und unübersichtlich…”

      Langsam drängt sich der Eindruck auf dass die SPON Redaktion auch clownesk unterwandert ist.

    31. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 20:23 - Permalink

      @40 Andiras

      Köstlich ;-)

      Hampelnde Clowns und total deplatzierte Polizisten – irgendwie können die Jungs einem ja leid tun.

    32. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 20:25 - Permalink

      @39 Sebi

      Den Titel “Pannen im Paralleluniversum” behalte ich mir im Hinterkopf. Das passt auf die SPON-Redaktion ja perfekt.

    33. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 20:33 - Permalink

      @25 alexandra bader

      Danke für das Lob. Aber nur zu Info, der Name “Spiegelfechter” hat mit dem SPIEGEL eigentlich nichts zu tun, obgleich die Doppeldeutigkeit ganz spaßig finde. Wie ich zu dem Namen kam, steht im “About“.

    34. otti schrieb am 6. Juni 2007 at 21:07 - Permalink

      Was is’n da los?
      Gibts jetzt doch keinen linken Gewaltterrorismus, der vom Volk ausgeht?
      Was wird da der Schäuble sagen?

    35. Alex schrieb am 6. Juni 2007 at 22:18 - Permalink

      Auch ganz interessant finde ich die Tickermeldung

      +++ Möglicherweise Polizist verprügelt +++
      Am Sicherheitszaun um Heiligendamm ist die Situation kurzzeitig eskaliert…

      Die Lage ist, laut SPON eskaliert, als vermummte Autonome eine Person angriffen, die möglicherweise ein verkleideter Polizist war.
      Ziemlich schwammig, und sehr seltsame Umstände. Ich frage mich inwiefern man da von “Eskalation” sprechen kann.

    36. Spiegelfechter schrieb am 6. Juni 2007 at 22:25 - Permalink

      @50 Alex

      Interesante Sache – ist im Update III mit einer weiteren Meldung über diesen Zwischenfall

    37. Seraja Ten schrieb am 6. Juni 2007 at 23:54 - Permalink

      Nur mal so als kleine Anmerkung: Ich bemerke seit Jahren einen stetigen Trend in der deutschen Medienlandschaft, Themen tot zu plappern. Das war mit Hartz 4 so, ging weiter mit der Rentenverlängerung und wurde bereits vor Beginn mit dem G8 Gipfel so gemacht.
      Wenn man es mal erreicht hat, die Leute mit einem Thema derart zu übersättigen, dass ihnen nicht mehr auffällt, das Fakten fehlen, (sofern sie je vorhanden waren) dann hat der Bürger schon verloren.

      Irgendwann schaltet man dann einfach auf Durchzug und lässt eventuell wichtige Infos einfach an seinem Kleinhirn vorbei rauschen.

      Wie war das denn diesmal: Zu Anfang der Planungen brachte man die Kritikpunkte der G8-Gegner noch, dann kam die Debatte um gewaltbereite Leute, die den Gipfel sabotieren könnten und seither wartet jeder halbwegs sensationshungrige Medienmacher hier im Land darauf, dass es so richtig ordentlich kracht. Wenn das dann mal doch nicht passiert ist das ja augenscheinlich auch kein großes Manko. Dann wird die Szene eben ausm Ärmel geschüttelt.

      Nur weil hier eine Menge Leute schreiben, die sich informieren sehe ich dennoch keine reele Chance, dass die restlichen 99% der Republik ähnlich gute Hinterfrager sind. Sofern es sie überhaupt noch interessiert.

      Es wird laufen wie immer: Gipfel um, alle schreiben/senden noch ihr trauriges Fazit (nix erreicht, aber alle mögen sich und versprechen sich in die Hand, sich das nächste Mal was in die Hand zu versprechen) und dann wars das. Jeder verstaut sein Mitleid für Afrika und seine Klimaangst (or whatever) wieder im Schrank, damit sie nicht anstauben und gut is.

      Solang sich nichts ändert, wird sich nichts ändern…

    38. Lottoqueen schrieb am 7. Juni 2007 at 17:34 - Permalink

      Dabei gibt es doch vieles was keiner Wissen soll ich sage mal Gipfelgeflüster dazu:
      Berlin wird seine Zusammenarbeit mit den algerischen Repressionsbehörden intensivieren. Dies teilt die deutsche Botschaft in Algier anlässlich der Gespräche der Bundeskanzlerin mit dem Staatspräsidenten Algeriens mit. Die Gespräche sollen am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm geführt werden. Die Kooperation gilt dem sogenannten Anti-Terror-Kampf, bei dem die algerischen Sicherheitskräfte nach Auskunft von Menschenrechtsorganisationen Verdächtige verschleppen und foltern. Offiziell reist Staatspräsident Bouteflika nach Heiligendamm, um eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den afrikanischen Armutsstaaten zu erörtern.
      http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56873

    39. zaphodia schrieb am 8. Juni 2007 at 13:26 - Permalink

      Polizei bestätigt Einsatz des schwarz verkleideten Zivilbeamten:

      http://www.polizei.mvnet.de/index.php?option=content&task=view&id=3941&Itemid=265

    40. Spiegelfechter schrieb am 8. Juni 2007 at 13:47 - Permalink

      @zaphodia

      Danke für den Hinweis – ich habe das als Update in den MedienGAU-Artikel einfliessen lassen.


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