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    geschrieben am 08. Juni 2007 von Spiegelfechter

    Nachdem in den letzten Tagen bereits einige Fälle von staatlichen Lügen und medialem Versagen herausgekommen sind, wird der Fall ?Agent Provocateur” die Medien und die Politik hoffentlich noch länger beschäftigen. Mittlerweile steht fest, dass es sich bei dem von Demonstranten enttarnten ?Autonomen” um einen Bremer Polizisten der Beweis-und-Festnahme-Einheit (BFE) handelte.

    Eine treffende Einschätzung dieses Falles lieferte der KAVALA- Sprecher Ulf Claasen:

    So etwas [Zivil-Polizisten im Undercovereinsatz bei den demonstrierenden Autonomen] gehöre seiner Meinung nach auch “nicht in einen Rechtsstaat, das wäre inakzeptabel und unverhältnismäßig”.

    Damit hat Herr Claasen natürlich absolut recht. Ob er vorsätzlich gelogen hat oder nur uninformiert über die inakzeptablen, unverhältnismäßigen und rechtsstaatswidrigen Operationen seiner Einheit war, ist nicht bekannt. Im gleichen Interview sagte er nämlich folgendes:

    Tatsache ist, dass wir keinen Beamten vermissen, es handelt sich also um keinen Kavala-Polizisten.

    ?Gestern war gestern – und heute ist heute” ? schwadroniert er, angesprochen auf die Zivilpolizisten und sein beherztes Dementi ? wo bleiben die Stimmen, die fordern, einen solchen Lügner und Manipulator vom Dienst zu suspendieren?

    In der heutigen Abschluss-PK räumt der KAVALA-Sprecher Knut Abramowski – ebenfalls gänzlich unverdächtig, ein Freund der Wahrheit zu sein – ein, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Bremer Polizisten handele, der als verdeckter Ermittler Informationen beschaffen sollte ? von einem Aufwiegeln der Demonstranten wollte Abramowski natürlich nichts wissen. Der Schweiß auf seiner Stirn perlte dabei in Strömen ? aber die Nase wurde nicht länger. Er stellte den Zivilpolizisten in seiner verbalen Groteske nicht als Tatverdächtigen sondern als bedauernswertes Opfer dar, das nur dank beherzter ?friedlicher Demonstranten” vor den ihn verprügelnden Demonstranten ?gerettet” wurde. Nebenbei bewies er seine Unkenntnis über die deutsche Polizeigeschichte, indem er behauptete verdeckt arbeitende Agents Provocateurs der staatlichen Behörden habe es nie gegeben. Entweder der gute Knut kennt den Fall Peter Urbach nicht, oder er lügt ? was bei ihm keineswegs überraschend wäre.

    Das ganze wird wahrscheinlich auch ein gerichtliches Nachspiel haben, da laut ddp die Staatsanwaltschaft Rostock erwägt, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Anstiftung zu einer Straftat einzuleiten.

    Dazu hat sie sicher ihre Gründe, wenn es sich bewahrheiten sollte, was diverse Quellen heute melden::

    Henning Kleine von Block G 8 berichtet etwas anderes. Er war einer der Organisatoren, der den Beamten mit seinem Körper schützte, zum Zaun zerrte und seinen Kollegen übergab. ?Mehrere Augenzeugen haben mir davon berichtet, dass der Beamte vorher dazu angestachelt hatte, Steine aus dem Kiesbett der Molli-Bahn zu sammeln.” Unter den Augenzeugen sei ein Mitglied der grünen Jugend. Ein anderer Augenzeuge gehöre einer Gruppe tschechischer Demonstranten an. ?Wir reden mit diesen Leuten, damit sie ihre Aussagen mit ihrem Namen zu Protokoll geben.” Bisher hätten sie nur zugesagt, vor Gericht namentlich auszusagen.

    Ein 25-jähriger Augenzeuge aus Hamburg schildert die Situation, die sich am Zaun abspielte, folgendermaßen: Am frühen Abend sei ihm eine Gruppe von vier schwarz gekleideten Männern aufgefallen, einer von ihnen habe ein Tuch bis auf Mundhöhe hochgezogen und einen schwarzen Kapuzenpulli mit der roten Aufschrift ?Slipknot” getragen [] Wenig später hatte sich die Situation verschärft, auf dem Kornfeld gab es Rangeleien. ?Ich erkannte den Mann an der großen roten Aufschrift auf seinem Pullover wieder”, berichtet der Augenzeuge, ?er schleuderte einen Stein in Richtung Zaun und rief: ?Rauf auf die Bullen!”

    Hans Christian Ströbele ist (wieder einmal) einer der wenigen Politiker, die diesen Fall offen kritisieren.

    “Das würde ja bedeuten, dass dieser Polizist zur Gewalt gegen die eigenen Kollegen aufgerufen hätte.”

    “Wenn das stimmt, würde natürlich die Bewertung vieler Dinge aus den letzten Tagen einen ganz anderen Hintergrund bekommen.”

    Da hat Herr Ströbele recht. Wenn die Polizei Agents Provocateurs eingesetzt hat, müssen die Rostocker Krawalle neu bewertet werden. Auslöser der Krawalle war eine Attacke einiger schwarzgekleideter Demonstranten auf einen Polizeiwagen:

    [myvideo 1623941]

    Polizeiliche Agents Provocateurs hatten bei den Unruhen zum G8-Gipfel 2001 in Genua eine auslösende Schlüsselrolle gespielt. Es ist nicht auszuschließen, dass auch in Rostock ähnliche Taktiken gefahren wurden. Wenn man bedenkt, dass die Rostocker Krawalle eigentlich nur einen Nutznießer haben, nämlich diejenigen Politiker und Beamten, die immer neue ?Sicherheitskataloge” fordern, bleibt hier ein sehr schaler Nachgeschmack.

    Über die Vorkommnisse in Genua berichtet die Hervorragende WDR-Reportage “Gipfelstürmer“.

    Jens Berger

    Bildnachweis: Indymedia

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    50 Kommentare:

    1. G schrieb am 8. Juni 2007 at 20:18 - Permalink

      Super Text! Danke! :)

      Würde mir jetzt nur noch wünschen, dass mehr Menschen hier lesen!

    2. maloXP schrieb am 8. Juni 2007 at 21:08 - Permalink

      @ G: Ich nehme an, es werden immer mehr. Ich habe jedenfalls eben Jens von den deutschen Blogcharts geschrieben, dass er den Spiegelfechter doch bitte in den Index aufnehmen möge. ;)

    3. people in motion schrieb am 8. Juni 2007 at 21:16 - Permalink

      Also mir scheinen die Krawalle auch einigen durchgeknallten Jugendlichen als Möglichkeit gedient zu haben, mal so richtig abzugehen. Was einige dubiose Politiker da gerne hätten, erscheint mir in Anbetracht der Bilder aus Rostock eher zweitrangig. Natürlich müssen Fälle, in denen Polizisten sich verdeckt unter die Menge mischen und zur Gewalt anstiften, genauestens untersucht werden. Und nach Klärung der Sachlage können die Konsequenzen, falls sich derartiges bewahrheiten sollte, für die Verantwortlichen kaum hart genug ausfallen. Denn es ist ja nicht nur eine Straftat, sondern auch ein Umkehrung der eigentlichen Aufgabe zur Deeskalation.

      Dein Artikel enthält, meiner Meinung nach, allerdings eindeutig verfrüht eine Wertung dieser viel zu unklaren Umstände. Es kommt bei mir ein wenig der Verdacht auf, als suchtest du voreingenommen nach der Interpretation die in dein Bild passt. Jetzt werde ich hier wahrscheinlich wieder kollektiv zusammengestaucht, aber was soll ich machen? Ich mag deinen Blog und deine Art Vorgänge kritisch zu durchleuchten, doch drängt es mich hier immer wieder in die Rolle des Verteidigers der Angeklagten.

    4. G schrieb am 8. Juni 2007 at 22:02 - Permalink

      @maloXP

      Ich bin gespannt. :)

      @people in motion

      Ich finde nicht, dass Jens zu früh eine Wertung abgibt. Im Gegenteil er hält sich immer sehr nah an die bekannten Fakten ohne wilde Theorien aufzustellen. Eben dadurch gehören für ihn, bis vor ein paar Tagen, die APs doch noch eher zu den Verschwörungstheorien.

    5. ehle schrieb am 8. Juni 2007 at 22:12 - Permalink

      wohin soll das alles führen?

      welchen sinn würde eine verhandlung ergeben? natürlich, diesen einzelnen bremer polizisten würde man schon genügend zurechtweisen. um zu glauben das dieser aus eigener motivation gehandelt hat bin ich allerdings nicht naiv genug. und um zu glauben das die ganze geschichte irgendwelche konsequenzen für die tatsächlichen drahtzieher haben würde schon gar nicht.

      naja, solange es noch leute gibt die seiten wie den spiegelfechter&co regelmäßig besuchen kann ja noch nicht alles verloren sein…

    6. irgendwer schrieb am 8. Juni 2007 at 22:30 - Permalink

      hmm .. ich war damals noch recht jung, als in Genua der junge Man erschossen wurde. Ich habe es so in Erinnerung, dass ein Manschaftswagen bzw. Jeep der Carabinerie in die Ecke gedrängt wurde, von einer größeren Gruppe des schwarzen Blocks, und derjenige, der die Polizisten von hinten, wo der Jeep offen war, mit einem Feuerlöscher attackieren wollte, dann in Notwehr erschossen wurde.

      In der Doku sieht es komplett anders aus, als die Bilder, an die ich mich von damals erinnere .. hast du da eventuell noch Links zu Websites mit Fotos von damals, die in den Zeitungen gedruckt wurden ?

    7. maloXP schrieb am 8. Juni 2007 at 22:34 - Permalink

      OffTopic, sorry. Jens (Popkulturjunkie) schrieb eben, dass Jens (Spiegelfechter) auf jeden Fall in der nachsten Woche in den dbc dabei ist.

    8. kiesow schrieb am 8. Juni 2007 at 22:41 - Permalink

      es gibt auch mindestens ein video, das den überfall auf den polizeiwagen von der anderen seite zeigt.
      darauf erkennt man ziemlich gut, das die scheiben relativ schnell kaputt sind, aber die polizisten erst eine ganze weile später losfahren. warum sie so lange warten – k.a. – aber es ist definitiv etwas seltsam. normalerweise würde man doch erwarten, das die sofort losdüsen, wenn die scheiben zu bruch gehen, immerhin sind sie anschliessend von jedem weiteren stein direkt bedroht.

    9. Nülls schrieb am 8. Juni 2007 at 23:17 - Permalink

      Naja aber die Frage stellt sich auch bei dem Video was hier gezeigt wird. Warum steht ein einzelnes Polizeifahrzeug da rum? Und warum fahren die nicht sofort weg, sondern lassen die Demonstranten erstmal die Scheiben zertöppern?

    10. Spiegelfechter schrieb am 9. Juni 2007 at 02:23 - Permalink

      @3 People in motion

      Ich ziehe nur in Betracht und gebe keine Wertung ab – und meine Gedanken scheinen so unplausibel nicht zu sein, wenn die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht sieht.

      Die Augenzeugenberichte erscheinen mir sehr plausibel und wenn man die Informationspolitik der Polizei während des kompletten Gipfels denkt, so ist diese vollends als unseriös zu werten. Im Endeffekt steht erst einmal Aussage gegen Aussage. Verzeih mir bitte, daß ich die Aussagen der Augenzeugen (aus diversen Gründen) für glaubwürdiger halte als die Aussagen der stetig lügenden(!) Sprecher der KAVALA.

      Wie G in @4 anmerkt, bin ich bis dato auch davon ausgegangen, daß die “Gerüchte” sich nicht bestätigen, was den “Vorwurf” der Autosuggestion mE ausräumen sollte – aber die nach und nach eintrudelnden Indizen haben mich zum Umdenken gebracht. Und darüber bin ich alles andere als froh. Das mag ein wenig naiv klingen, aber mein Vertauen in die exekutiven Organe des Staates ist mittlerweile schwer gestört.

    11. Spiegelfechter schrieb am 9. Juni 2007 at 02:25 - Permalink

      @Malo XP

      Ich dachte diese Blogcharts werden nach irgendwelchen Zahlen ermittelt – oder täusche ich mich da?

    12. AC schrieb am 9. Juni 2007 at 03:32 - Permalink

      Der Zivilpolizist hier: http://media.de.indymedia.org/images/2007/06/180189.jpg

      sieht dem hier:
      http://media.de.indymedia.org/images/2007/06/183127.jpg

      schon ein bisschen aehnlich, oder?

    13. Hannibal Lektor schrieb am 9. Juni 2007 at 03:45 - Permalink

      Ein Wort vom Säzzer an den Chefredakteur:

      Wie wär’s noch mit “Kavala und Hiebe”, oder auch “Kavalaria Rusticana” gewesen? *LOL* Meinungsmäßig halt ich mich HIER ja weitgehend raus, aber ‘Spielchen’ müssen schon sein… ;-)

      Es grüßt
      Die Säzzerin

    14. Torsten schrieb am 9. Juni 2007 at 08:01 - Permalink

      Zwei Ungenauigkeiten.

      So etwas [Zivil-Polizisten im Undercovereinsatz bei den demonstrierenden Autonomen]

      Mit “so etwas” meinte er einen polizeilichen Provokateur, keinen bloßen Undercover-Einsatz.

      Nebenbei bewies er seine Unkenntnis über die deutsche Polizeigeschichte, indem er behauptete verdeckt arbeitende Agents Provocateurs der staatlichen Behörden habe es nie gegeben.

      Ich glaube, der Pressesprecher sprach da wieder von der Polizei, zu der der Verfassungsschutz nicht gehört. Schon Herr Claasen hat da sehr fein differenziert.

      Bleibt festzustellen, dass die Polizei den Verfassungsschutz anscheinend für ein Rudel verfassungsloser Gesellen hält.

    15. G8 schrieb am 9. Juni 2007 at 10:51 - Permalink

      Wenn man sich die WDR-Reportage zu Genua anschaut mit den prügelnden italienischen Fascho-Polizisten empfindet man die Fehler der deutschen Polizei und Journalisten in Heiligendamm nur noch als “Kavaliersdelikte”. Aber wer weiss, was noch alles ans Tageslicht kommt …

    16. revoluziver schrieb am 9. Juni 2007 at 12:37 - Permalink

      Ich fordere:
      1.Zuerst muss dem Volk echte Information zugeführt werden.
      A) Medien müssen der Wahrheit verpflichtet werden und nicht der Marktwirtschaftlichen günstigen Suggestion Namens WERBUNG.
      Bsp.: 99% echte ungelogene Information, gegen 1% WERBUNG die in einem Block auch als solche Erkennbar ist.
      Die dauer WERBUNG in den Fernsehstudios ist eh KONTRAproduktiv, das Volk verdummt, wird träge & verarmt – so wie eben JETZT.

      nach dem das Volk selber Informationsbesitzer ist…

      2. Volksentscheide
      Da wir im InformationsZeitalter leben, sollten Entscheidungen nicht so TEUER wie uns mittels negativer WERBUNG suggeriert wurde sein…

      Das Volk muss in den Kreislauf der Infromation mit einbezogen werden als Informationsempfänger & Informationsgeber !

      Das ist die Zukunft…

      3. Immunität
      Sachlich: könnte mir jemand Sachlich die Notwendigkeit einer Immunität von Politikern erklären ?
      [quote]Abgeordnete müssen immun sein, um die Funktionsfähigkeit des Parlaments zu gewährleisten. [/quote]
      um:
      - Verstoß gegen Art. 26 GG durch den Kampfeinsatz in Afghanistan
      - Online-Durchsuchungen & programmierte Represalien der G8 Demo

      Nicht mehr Rechte & Immunität den Regierenden sondern WENIGER als die “‘VolksPlebiszite” fordern wir…
      1. Ist dadurch OBJEKTIV Sichergestellt, das sie ihre Machtbefugnisse @Regierungsvorschläge nicht übertreten.
      2. Werden nur Ehrlich meinende Regierige und nicht etwa Materialisten Geldgierige etc antreten…
      3. Gehört ihnen für diese angetretene “Durststrecke” dann tatsächlich die Bewunderung der Bevölkerung.
      4. Volksnähe @Hungerlohn ist sichergestellt… aber kein mächtiger mit MACHT&Geld darf diese dann mehr abschaffen dürfen – für kein Geld der Welt… eine Art [b]ThinkThank[/b] in dem nur Kontrolliert das NOTWENDIGSTE rein & raus geht —> Hauptsächlich Informationen!
      Nach der Regierungszeit der einzelnen Personen fangen sie in der Demokratie mit praktisch NULL an.

      Klartext:
      Wie kann man so Blöd sein und die Befugnisse einer RegierungsElite auch noch sichergestellt Materialistisch-Geistlos erweitern ?
      Wo bleibt denn hier euere viel gepriesene WAHRHEIT der Marktwirtschaftlichen Selbstregulierung von “Nachfrage & Preis” @Politiker & Lohn

      Wenn es derart viele Menschen gibt die sich um den Job Politiker schon fast kloppen…
      Warum sinkt ihr materialistischer Lohn selbstregulierend dann nicht nach unten zu fast Null ?

      Sind euere “tollen” Fiktiv-Theorien der [b]Marktwirtschaftlichen Selbstregulierung[/b] nur lehre Worthülsen an denen sich jeder den Arsch abwischen darf ?
      Wenn sich JETZT schon OFFENSICHTLICH das ganze Volk am Regieren beteiligen möchte, müsste man für’s Regieren doch eigentlich GELD zahlen !!!
      Da aber dann sofort Reiche kommen … und wie gesagt die komplette REGIERUNG kaufen muss man [b]nur[/b] die REGIERUNG [b]nur[/b] der materiellen Macht entkoppeln…

      [b]nur[/b] Mehr nicht…

    17. ralphs schrieb am 9. Juni 2007 at 14:17 - Permalink

      Passend zum Thema “Nutzniesser” der Krawalle Spiegel online: “Konsequenzen aus der G8-Randale”: Regierung will Autonome stärker überwachen.

    18. Freigeist666 schrieb am 9. Juni 2007 at 15:06 - Permalink

      “Wie G in @4 anmerkt, bin ich bis dato auch davon ausgegangen, daß die ?Gerüchte? sich nicht bestätigen, was den ?Vorwurf? der Autosuggestion mE ausräumen sollte – aber die nach und nach eintrudelnden Indizen haben mich zum Umdenken gebracht. Und darüber bin ich alles andere als froh. Das mag ein wenig naiv klingen, aber mein Vertauen in die exekutiven Organe des Staates ist mittlerweile schwer gestört.”

      Ich hab schon im Vorfeld der Demonstrationen zu mehr Aufmerksamkeit in Bezug auf eingeschleuste APs aufgefordert.
      Es wundert mich nur dass dein Vertrauen in die exekutive erst jetzt erschüttert ist.

      Siehe:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch

      http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12751294&forum_id=117267

      http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12751862&forum_id=117267

      http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12751920&forum_id=117267

      Hier zeigt sich bloss Kontinuität. Erstaunt wäre ich gewesen wenn die Demonstrationen tatsächlich friedlich verlaufen wären und den Medien nichts anderes übrig geblieben wäre, als sich mit den Inhalten der Globalisierungskritiker auseinanderzustzen.

    19. Spiegelfechter schrieb am 9. Juni 2007 at 15:28 - Permalink

      @freigeist666

      Nun ja – das es in der Vergangenheit mehrfach solche Dinge gab, war mir bekannt. Das der Staatsschutz V-Männer auch in linken Gruppen hat, war mir auch klar.

      Was mich überrascht hat, ist die Chuzpe, vor den Augen der Weltöffentlichkeit und hunderten Kameras diese APs einzusetzen – es ist klar, daß so etwas nicht verborgen bleiben kann. Die Dummheit des Staates überrascht mich daher mehr, als dessen Umtriebigkeit.

    20. otti schrieb am 9. Juni 2007 at 17:34 - Permalink

      Was die Glaubwürdigkeit von Legislative und Exekutive angeht, sei an den Verbotsantrag der ‘demokratischen Parteien’ bezüglich der NPD beim Bundesverfassungsgericht erinnert, der gerade wegen der ‘freiheitlich demokratischen Unterwanderung’ dieser Partei durch den Staatsapparat vom Gericht nicht weiter verfolgt wurde.

      Unser Land krankt an der Verlogenheit und Doppelmoral, um nicht zu sagen Unmoral, der politischen Kaste, die mit ihrem verwerflichen Verhalten bereits das gesamte Gemeinwesen infiziert hat.

      Nicht der Mensch, der Staatsbürger steht bei diesen Leuten im Mittelpunkt ihres Handelns, sondern einzig und alleine der Götze Macht.

    21. Dirk schrieb am 9. Juni 2007 at 18:20 - Permalink

      mag ja sein, das provokateure aus den Reihen der Polizei versucht haben, eine Eskalation herbeizuführen.
      Fakt bleibt aber auch, das es beim “Schwarzen Block” nicht um 2-3000 vermummte Polizisten handelte, die Rostocks Innenstadt verwüsteten.
      Den WDR als glaubwürdige Instanz darzustellen, wäre ebenso blöd, wie einem Nazi Judenfreundlichkeit zu unterstellen, oder dem linken Mob einen Hang zur Globalisierung zu unterstellen.
      Der Artikel suggeriert unterschwellig eine latente Unschuld bei den Gewalttätern.
      Ursache und Wirkung kann man nicht getrennt betrachten.
      Die Demonstranten waren so zahlreich gewaltbereit, weil die Polizei massiv präsent war.
      Die massive Polizeipräsenz ist das Ergebnis von gewalttätigen Ausschreitungen in der Vergangenheit bei anderen G8-Gipfeln.
      Der WDR (Rotfunk) sieht die Dinge naturgemäß anders.
      Diese Position macht den WDR bei bestimmten politischen Präferenzen durchaus interessant.
      Für den neutralen Beobachter ohne politisch gefärbte Brille allerdings nicht…
      So, und nun fahre ich in meinem japanischen Auto mit eingebautem deutschem Autoradio, unterhalten von einem beliebten britischen Radiosender, im Blick immer meine schweizer Armbanduhr-damit ich heute Abend nicht einen interessanten französischen Spielfilm verpasse, zum Feindbild aller Globalisierungskritiker, Mc-Donalds, und haue mir einen Salat aus heimische ökologischem Anbau in den Hals.
      Hoch lebe die Globalisierung.

    22. snutrat schrieb am 9. Juni 2007 at 19:35 - Permalink

      Lieber Dirk,

      deinen etwas verqueren Ausführungen nach hast du sehr wohl stark gefärbte Gläser inner Brille. Dem Ekel vor dem “linken Mob”, Rotfunk WDR usw wohl eher dunkelschwarze, um mal in deinem Farbcode zu bleiben.

      *Zitat*
      mag ja sein, das provokateure aus den Reihen der Polizei versucht haben, eine Eskalation herbeizuführen.
      *Zitat*

      Dass mag also ja sein, ist aber nicht weiter schlimm, weil es sowieso viele Gewalttäter gab?
      Natürlich wurden die Ausschreitungen in Rostock nicht allesamt von der Polizei veranstaltet – aber das hat auch niemand behauptet. Mit diesem “Fakt” die Bedeutung von staatlich bezahlten Unruhestiftern hinwegzuwischen, verkennt die politische Brisanz des Vorgangs. Ich jedenfalls bin zutiefst entsetzt.
      Ich war eigentlich überzeugt, so etwas wäre eine linke Verschwörungstheorie und im deutschen Rechtstaat (au weia) nicht denkbar.

      Die von der Polizei genannten Zahlen der Gewalttäter würde ich auch mal kritischer sehen, nicht jeder mit Kapuzenpulli schmeisst auch Steine (ich z.b auch nich). Die Kavala-Pressemeldungen über die OstgateBlockade (50 Mollys, Vermummte, Nägelkartoffeln, aggressive Stimmung) kann ich als Augenzeuge als völlig frei erfunden bestätigen. Das Gegenteil war der Fall.
      Auch die Meldung von Säure-Attacken der Clowns gibt mir stark zu denken. Das wurde sicherlich von einer PR-Agentur ausgeheckt, um dem starken Bild Clown/Robocop mit dem Bild freundlicher Clown/hinterhältige, feige Attacke zu kontern. Auch hier: eine glatte Lüge.

      All das liegt mir schwer im Magen. Ich finde das hat auch nichts mit politischer Einstellung zu tun. Auch ohne Brille sind das bedenkliche Vorgänge.

      Deine Darstellung von Ursache und Wirkung verstehe ich nicht. Nach deiner (etwas platten, wie ich finde) Sichtweise eine Spirale ohne Ausweg. Was jetzt? Lösungsvorschläge kann ich keine erkennen.

      Von den Protesten gegen den G8-Gipfel hast Du anscheinen auch nicht viel verstanden. Nazis sind vielleicht Globalisierungskritiker im Sinne von “Gegner”. Die breite Masse der Kritiker lehnt die Globalisierung an sich nicht ab, sondern wendet sich gegen die Schattenseiten der momentanen kapitalistische Ausgestaltung im globalen Maßstab. Wenn du davon noch nichts gehört hast – putzt dir mal die Brille.

    23. winfried aus chemnitz schrieb am 9. Juni 2007 at 19:56 - Permalink

      Die Extremen Linken und die Rechten werden vom VS gesteuert – was übrigens die NPD Unverbietbar macht – nun denkt mal was passiert wenn man diese Gruppen synchron laufen lässt?

      Ein Staatsmacht außer Kontrolle?

    24. Dirk schrieb am 9. Juni 2007 at 20:21 - Permalink

      @snutrat
      es ging mir nicht um die Frage, ob der Olan, mittels Provokateuren Eskalationen zu verursachen, richtig ist oder nicht.
      Provokationen gehörten immer schon zu probaten Mitteln in der Auseinandersetzung zwischen Konfliktparteien.
      Ich finde diesen Stil mies und daran wird sich nichts ändern, egal, welche Seite sich dieser Taktik bedient.
      Die entscheidende Frage ist für mich, warum man diesen Fakt separat herausstellt und nun so tut, als ob man zu neuen Erkenntnissen gelangt wäre!!
      Ich bin der Auffassung, den G8-Gipfel als Beweis anzusehen, das man auch ohne Eskalation etwas Inhaltliches transportieren kann.
      Die Polizei hat den “schwarzen Block” zu Gewaltaktionen provoziert um ihn dann in der öffentlichen Warnehmung derart schlecht da stehen zu lassen, das polizeiliches Vorgehen gegen diese Leute nicht kritisch beäugt wird.
      Aus meiner Sicht war die Polizeitaktik durchaus perfide, allerdings hat im Ergebnis eben diese Taktik dazu geführt, das weitere Gewaltausbrüche verhindert werden konnten.
      Ich gehe sogar so weit zu behaupten, das die friedlichen Demonstranten erst durch diese “Selektion” von gutem und schlechtem Demonstranten eine gerechte mediale Präsenz ermöglicht wurde.
      Demonstranten hört man zu, wenn man reden kann.
      Ich weiss, das die Journalisten gehörig die Hose voll hatten, als sie sahen, was in Rostock los war.
      Danach wurde zunehmend offen und stressfrei über die Ziele der Demonstranten berichtet.
      Noch was zu den Nazis: Die inhaltliche Auseinandersetzung und Differenzierung überlasse ich den Beteiligten.
      Alles in Allem kann ich den Planern und PR-Abteilungen der Demo-Veranstalter nur gratulieren.
      Gute Arbeit!!
      Beide Seiten haben sich gut verkauft. Die Mittel waren nicht immer die Löblichsten. Dabei sollte man es bewenden lassen.
      Jeder war Sieger. Allein das ist aus meiner Sicht schon ein enormer Fortschritt im Vergleich zu anderen G8-Demos vergangener Jahr.
      Selten wurde in der Öffentlichkeit so ausführlich über die Inhalte der Veranstaltung diskutiert.
      Alles, was jetzt öffentlich diskutiert wird, ist Nachlese, für die sich in ein paar Tagen kein Schwein mehr interessiert.
      P.S. Der Salat war mies…:-)

    25. ralphs schrieb am 9. Juni 2007 at 22:42 - Permalink

      Zum Thema Glaubwürdigkeit der Polizei drei Videos: Dokumentierte Polizeigewalt II. In nächster werden auf G8-TV.org wohl noch weitere dieser Art folgen, wenn erst alle wieder zu Hause sind.

    26. zaphodia schrieb am 10. Juni 2007 at 05:54 - Permalink

      @17Torsten

      “Nebenbei bewies er seine Unkenntnis über die deutsche Polizeigeschichte, indem er behauptete verdeckt arbeitende Agents Provocateurs der staatlichen Behörden habe es nie gegeben.”

      ‘Ich glaube, der Pressesprecher sprach da wieder von der Polizei, zu der der Verfassungsschutz nicht gehört. Schon Herr Claasen hat da sehr fein differenziert.’

      Verfassungsschutzfälle sind einige aufgeflogen, so neben Urbach auch Troeber und Scheffer, dazu das berühmte Celler Loch. Und wenn jemand mal in alten Wackersdorfarchiven kramen könnte, findet sich dort vielleicht näheres zu folgendem Fall bei der Polizei:

      “Erstaunt waren auch Bauern im Landkreis Schwandorf, als sich dort 1986 bei einer Protestaktion gegen die im Bau befindliche atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf ein Trupp schwarz gekleideter und gewalttätiger Revoluzzer als eine Einheit der bayerischen Bereitschaftspolizei entpuppte.”
      TAZ Nr. 2561 Seite 9 vom 19.07.1988
      http://www.trend.infopartisan.net/trd0601/t010601.html

      Andere Frage:
      Waren eigentlich auch Thüringer Einheiten im Einsatz?
      Oder wurde die Regelung wieder aufgehoben?

      “Und noch eine Konsequenz hat Trautvetter [Ex-Innenminister von Thüringen] aus dem Prozess gezogen: Hilfeersuchen nach Polizeikräften aus anderen Bundesländern wird nur noch nachgekommen, wenn gesichert ist, dass bei solchen Einsätzen keine verdeckten Ermittler aus anderen Ländern im Einsatz sind.”

      Quelle und Hintergründe
      http://www.rewi.hu-berlin.de/AKJ/zeitung/03-2/vorab/depeschen.pdf

    27. D. Krüger schrieb am 10. Juni 2007 at 18:05 - Permalink

      Hallo,
      zum Nach- und Weiterdenken habe ich folgenden Artikel gefunden
      http://www.freitag.de/2007/23/07230101.php
      Stark bleiben!

    28. geroyche schrieb am 10. Juni 2007 at 22:00 - Permalink

      beckstein spricht bei christiansen immernoch von über 400 verletzten polizisten und tränengasgranaten
      ( http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/deutschland/artikel/160/116044 ) gg. die polizei.

      ich hab das gefühl das wird in der runde unwidersprochen bleiben.
      mal sehen ob das wort agent provocateur fällt.

    29. geroyche schrieb am 10. Juni 2007 at 22:03 - Permalink

      ha. da war es!
      die arme frau anwältin.

    30. Dennis schrieb am 11. Juni 2007 at 15:19 - Permalink

      Klasse Zusammenfassung. Habe gehört ein gewisser Bundestags-MdB (Gebt das Hanf frei!) sucht gerade zeugen für belastbare Aussagen….

    31. Sebastian schrieb am 11. Juni 2007 at 22:57 - Permalink

      “Wenn man bedenkt, dass die Rostocker Krawalle eigentlich nur einen Nutznießer haben, nämlich diejenigen Politiker und Beamten, die immer neue ?Sicherheitskataloge? fordern, …”

      Das stimmt leider nicht, die politische Nützlichkeit der Kämpfe geht viel weiter und tiefer: Es geht um die Diskreditierung, Kriminalisierung und Verdrängung des Nachdenkens über politische Alternativen schlechthin. In Rostock waren eben nicht nur Kommunisten und Anarchisten beteiligt, sondern auch Kirchen und andere christliche Organisationen mit direktem Draht in die Mitte des Bürgertums. Die Gipfelgegnerschaft und deren Botschaft hätte massentauglich werden können – nicht auszudenken für unsere Neolib-Eliten! Nachdem Südamerika vernehmlich an der neoliberalen Hegemonie knabbert, kann man davon ausgehen, daß diese mit Argusaugen darüber wachen, daß im Westen ja keine größere Bewegung zustande kommt. Auch wenn das meiste, was über Samstag den 2. verbreitet wurde, erstunken und erlogen war, verzeichnet die Herrschaft einen Punktsieg; die Bilder eines brennenden und qualmenden Autos und der Steinewerfer sitzen tiefer als die einige Tage später ans Licht kommenden Informationen.

      Noch ein paar Beobachtungen zum Thema gezielte Provokation:

      - die größte und langlebigste Blockade, die an der Rennbahn, befand sich wenige Schritte von Mollis Gleisbett entfernt, das ein unerschöpfliches Reservoir von handlichen Steinen bot, ohne daß es einen Versuch gegeben hätte, dieses Reservoir zu schützen
      - die Lage an der Rennbahn-Blockade war am Mittwoch Nachmittag angespannt; ihr standen direkt Face-to-Face zwei Wasserwerfer und eine Horde Polizisten gegenüber, die völlig darauf verzichtet haben, vielleicht mal per Megaphon-Durchsage zu verkünden, was sie vorhaben (obwohl das doch deeskalierend gewesen wäre, nicht wahr?). Zu dem Glück, daß es trotz Provokateuren hier nicht zu einer Schlacht kam, mag auch Katja Kipping (Linkspartei) beigetragen haben, die ganz vorne stand, vermittelte und der Polizei mit einem parlamentarischen Nachspiel drohte.
      - von der anderen Blockade bei Hinter Bollhagen hat mir ein Teilnehmer berichtet, daß die Polizei sich absolut defensiv und friedlich verhalten und jede ihrer Bewegungen, sogar einen Schichtwechsel, per Megaphon angekündigt hatte, um die Blockierer nicht zu beunruhigen. Solches Verhalten der Polizei war eine seltene Ausnahme; normalerweise ließ sie Blockierer und Demonstranten über ihre Pläne im Ungewissen und sprach nicht.

    32. snutrat schrieb am 12. Juni 2007 at 01:16 - Permalink

      @ Sebastian, Beobachtungen zum Thema gezielte Provokation

      dass die blockade an der Rennbahn neben einem Gleisbett stattfand, kann man der Polizei kaum als Provokation vorwerfen. Da die Mollibahn parallel zur Strasse (=Blockade) verlief und aus dieser Richtung die Leute über die Felder kamen, gab es auch keine reale Möglichkeit, das Gleisbett abzuschirmen (abgeschnittener Rückzugsraum, totale Eskalation). Allerdings versuchte die Polizei am Abend durch sinnlos durch die Blockade rennenden Trupps, WaWes, angetäuschte HeliLandungen usw. Unruhe zu stiften. Die Tatsache, dass trotz handlichem Vorrat der einzige Stein von nem Zivi geschmissen wurde, ist doch aber auch schon viel wert.

      Ansonsten volle Zustimmung meinerseits.

    33. Sebastian schrieb am 12. Juni 2007 at 13:06 - Permalink

      Das Gleisbett abzuriegeln wäre ziemlich unmöglich gewesen, das muß ich zugeben. Aber wenn die Polizei sich irgendwo um Deeskalation hätte bemühen müssen, dann hier, und davon war eben nicht viel zu bemerken. Darauf kam es mir im wesentlichen an.

    34. Igel schrieb am 28. Juni 2007 at 19:09 - Permalink

      Knut Abramowski ist nicht Sprecher sondern Leiter der BAO Kavala gewesen.

    35. Andy schrieb am 12. September 2007 at 00:45 - Permalink

      Wurde diese Sache mit dem enttarnten Polizisten eigentlich weiter verfolgt?

      Ich habe leider versäumt, das im Auge zu behalten.

    36. Sebastian schrieb am 12. September 2007 at 01:53 - Permalink

      Laut Polizei war der nur da, um Informationen zu sammeln. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs, er habe zum Steinewerfen aufgerufen, wurde wieder eingestellt, weil sich keine Zeugen gemeldet haben.


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