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  • Türkei – der starke Mann am Bosporus?

    geschrieben am 17. Januar 2010 von Spiegelfechter

    Die Türkei emanzipiert sich vom Westen und entwickelt eine eigenständige außenpolitische Doktrin
    Während Guido Westerwelle sich bei seinem Besuch in Ankara einmal mehr in Hinhaltetaktik übte, wetterte CSU-Generalsekretär Dobrindt aus der bayerischen Provinz einmal mehr gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Doch die bayerischen Christsozialen sind mit ihrer kategorischen Ablehnung nicht alleine – auch die französische Regierung und die britischen Tories, die aller Voraussicht nach in diesem Jahr die Regierungsgeschäfte übernehmen werden, lehnen einen EU-Beitritt der Türkei ab. In der Türkei hat sich derweil Ernüchterung breit gemacht. Auch wenn die Regierung Erdo?an nach wie vor auf eine Vollmitgliedschaft drängt, konstruiert Außenminister Davuto?lu bereits mit Hochdruck eine neue außenpolitische Doktrin. Bilaterale Verträge mit Russland, dem Libanon und den Kaukasusstaaten Aserbaidschan und Turkmenistan, die in den ersten Wochen des neuen Jahres geschlossen wurden, umreißen die neuen Ziele der Türkei – zum einen will das Land der weltgrößte Energiehub und -Transitstaat werden, zum anderen strebt die Türkei eine aktive Rolle als muslimische Schutzmacht im Nahen Osten an. Israel, den USA und der EU dürfte diese Wende gar nicht gefallen. Noch ist es aber nicht zu spät – sollte sich die EU eines Besseren besinnen, kann sie sogar massiv von der neuen Stärke der Türkei profitieren.

    Energiesicherheit ist ohne die Türkei nicht möglich

    Europa wird noch viele Jahrzehnte von fossilen Brennstoffen abhängig sein. Deutschland bezieht nicht nur den Großteil seiner Gasimporte aus Russland, sondern auch bei den Ölimporten hat sich Russland über die Jahre hinweg zum Lieferanten Nummer Eins entwickelt. Die russischen Energielieferungen haben jedoch einen strategischen Nachteil – je größer der Anteil der Importe aus Russland ist, desto abhängiger ist Deutschland von Moskau. Da die deutsche Politik eine transatlantische Ausrichtung bevorzugt, ist dies natürlich nicht unproblematisch. Vor allem im Gassektor hat die EU die “Kaspische Ellipse” als Alternative zu Russland gewählt. Über die geplante Nabucco-Pipeline sollte Erdgas aus den Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres über die Türkei und den Balkan ins Herz Europas gepumpt werden. Dieser Plan scheiterte zunächst an der erfolgreichen Blockadepolitik Russlands, das sich die verfügbaren Liefermengen der ehemaligen Sowjetrepubliken an seiner Südflanke über Jahre hinweg sicherte. Nur Aserbaidschan liefert über die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline Erdöl an Europa, das nicht über russisches Staatsgebiet transportiert werden muss.

    Durch das verstärkte Engagement Chinas in der kaspischen Region sind die ursprünglichen Nabucco-Pläne endgültig gestorben. Noch könnte Nabucco jedoch eine Chance haben – man müsste die Pipeline lediglich mit iranischem Gas füllen. Wie man es dreht und wendet – am Transitland Türkei führt jedenfalls kein Weg vorbei, wenn Europa Alternativen zu russischen Lieferungen sucht.

    Transitland und Energiehub

    Geht es der EU “nur” um Energiesicherheit und Alternativrouten, so hat die Türkei selbst wesentlich ambitioniertere Pläne. Die Türkei will künftig zum größten Energiehub der Welt werden. Dies geht natürlich nur, wenn man mit Iran und vor allem mit Russland kooperiert. Um die türkisch-russischen Energiepläne zu umreißen, reiste Staatschef Erdo?an am Dienstag nach Moskau – was er mitbrachte, dürfte den Nabucco-Planern gar nicht gefallen. Erdo?an und Medwedjew unterschrieben ein gemeinsames Abkommen, das Russland den Bau der Nabucco-Alternative South Stream schon im Herbst dieses Jahres gestattet. Das russisch-italienische Projekt South Stream soll Erdgas durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort aus in zwei Trassen über den Balkan nach Österreich und durch die Adria nach Italien transportieren.

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    Die Türkei emanzipiert sich vom Westen und entwickelt eine eigenständige außenpolitische Doktrin Während Guido Westerwelle sich bei seinem Besuch in Ankara einmal mehr in Hinhaltetaktik übte, wetterte CSU-Generalsekretär Dobrindt aus der bayerischen Provinz einmal mehr gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Doch die bayerischen Christsozialen sind mit ihrer kategorischen Ablehnung nicht alleine - auch die französische ...
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    72 Kommentare:

    1. scgplr schrieb am 17. Januar 2010 at 02:08 - Permalink

      Gut erkannt

    2. Albert schrieb am 17. Januar 2010 at 04:25 - Permalink

      Die Beobachtungen in diesem Artikel sind nicht neu, aber recht zutreffend. Dennoch ist die Schlussfolgerung unpassend. Auch weil viele Aspekte unberücksichtigt bleiben.

      Zwar ist die Türkei als Engergietransitland wichtig.
      Denn Europa wird insgesamt von russischen Energielieferungen abhängiger. Das ist ein Problem weil:

      …die deutsche Politik eine transatlantische Ausrichtung bevorzugt…

      Doch kann eine Nabucco-Pipeline die Abhängigkeit abschaffen?
      Wohl kaum. Selbst wenn die Pipeline maximal ausgelastet wäre, würde sich die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen nur um einige Prozentpunkte senken lassen.

      Um die Nabucco-Pipeline überhaupt angemessen auszulasten, müsste ein Großteil der Lieferung aus Iran kommen. Und ob das den transatlantischen Beziehungen gut täte, ist mehr als zweifelhaft.

      Der zweite wichtige Grund, der für eine Einbindung der Türkei in die westliche Staatengemeinschaft spricht, ist

      Die Rolle als Vermittler, der westliche Interessen im Nahost-Konflikt

      Bei näherem Hinsehen ergeben sich aber auch hierbei Widersprüche.

      Seit der Machtübernahme von Recep Erdogan im Mai 2003 haben sich diese Beziehungen weiter verbessert. Erdogan gilt nicht nur als “guter” Muslim, er weiß auch immer wieder die Ressentiments der Araber gegen Israel zu bedienen.

      Wäre die Türkei für die Araber auch glaubhaft, wenn sie in der EU wäre und dann nicht mehr ganz so muslimisch (oder sollten wir alle vielleicht muslimischer werden)? Wenn die Türkei sich vielleicht sogar die antiisraelische Propaganda verkneifen müsste?

      Auch ist nicht klar, was die Türken im Nahen Osten konkret bewirken können. Soll etwa Osama Bin Laden bekehrt werden?

      Fazit:
      Allein wenn man sich die Gründe anschaut, die für eine EU-Aufnahme der Türkei sprechen sollen, muss nüchtern festgehalten werden, dass vieles davon widersprüchlich ist oder nur aus heißer Luft besteht.
      Die möglichen Nachteile eines Beitritts der Türkei zur EU sind dabei noch gar nicht berücksichtigt worden. Davon gibt?s aber weit mehr…

    3. Fragender schrieb am 17. Januar 2010 at 06:45 - Permalink

      Geschäft ist Geschäft, Politik ist Politik.
      Alles andere sind Spekulationen.
      Grossprojekte werden nicht gebaut damit sie brachliegen.

    4. StefanP schrieb am 17. Januar 2010 at 11:03 - Permalink

      Informativer Artikel, der eine seltsame Stoßrichtung hat. Soll die EU die Türkei in ihr Staatenbündnis aufnehmen aus Energieversorgungsgründen? Die Europäische Union ist, was viele außerhalb nicht verstehen wollen, mehr als eine Wirtschaftsvereinigung. Sie ist ein Zusammenschluss von Ländern mit ähnlichen Werten, kulturellen Wurzeln und Weltanschauungen. Weil sie das nicht verstehen, beißen sich die Amerikaner die Zähne aus, das Land am Bosporus von Brüssel aufnehmen zu lassen.

      Auch linke Internationalisten haben dieses Grundprinzip akzeptiert. Sie wollen die Türken ja nicht aus wirtschaftlichen, sondern zur kulturellen Erweiterung und aus humanitären Gründen aufnehmen. Natürlich befindet sich das ehemalige Osmanische Reich in einer strategisch wichtigen Position. Die Erkenntnis ist so alt wie der Gründervater Atatürk alt ist. Nur gibt es eben für das muslimisch geprägte Land ebenfalls nicht so verlockende Alternativen. Weder ist die Hinwendung zu den umliegenden islamischen Regionen aus historischen Gründen verlockend, noch ein Zusammenschluss mit den Russen perspektivisch. Allein die Europäer können in die Waagschale werfen, was sonst niemand den Türken anzubieten weiß: wirtschaftliche und außenpolitische Stabilität, Prosperität, gemeinschaftliche Anerkennung und Auffangnetz.

      Das weiß die Türkei, weshalb es für Politikergenerationen jeglicher Couleur immer ein Erstreben war, zur Europäischen Union dazuzugehören.

    5. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 11:34 - Permalink

      @StefanP

      Informativer Artikel, der eine seltsame Stoßrichtung hat. Soll die EU die Türkei in ihr Staatenbündnis aufnehmen aus Energieversorgungsgründen?

      Warum denn nicht? Die EU ist seit kein Bündnis mehr …

      Die Europäische Union ist, was viele außerhalb nicht verstehen wollen, mehr als eine Wirtschaftsvereinigung.

      … ,das über “gemeinsame” Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen hinausgeht. Außenpolitisch haben Deutschland, Polen, Großbritannien und Bulgarien kaum einen gemeinsamen Nenner. Finanzpolitisch sieht die Sache kaum anders aus. Und von kulturellen Werten wollen wir lieber gar nicht reden – welche kulturellen Werte teilen sich die katholisch-konservativen Polen und Irland mit liberalen laizistischen Staaten wie Dänemark oder Schweden? Mehr als ein kleinster gemeinsamer Nenner, der so auf jedes abendländische Land zutreffen muss, gibt es da nicht. Da kann man auch die morgenländische und laizistische Türkei mit ins Wirtschaftsboot holen, wo sie aufgrund zahlreicher Abkommen ja eh schon ist.

      Die Idee einer Kern-EU, die mehr als nur Wirtschaftspolitik betreibt, gab es mal zu Schröders Zeiten. Benelux, Deutschland und Frankreich sollten da den Weg bereiten – das Ganze ist im Ansatz gescheitert – vor allem deshalb, weil sich niemand einem Hegemon Deutschland vollends unterwerfen will, der auch in der Wirtschafts-EU fast alleine den Ton angibt.

      Ich stehe selbst sehr kritisch zu einem EU-Beitritt der Türkei. Aber da bin ich letztendlich Pragmatiker – wenn man die Türkei draußen behalten wollte, so hätte man diesen Entschluss vor 20 Jahren treffen müssen. Nach all den Versprechungen kann man keinen Rückzieher machen, ohne sich selbst der Doppelzüngigkeit und des Verrats schuldig zu machen. Der außenpolitische Schaden wäre übrigens enorm – wenn die EU “no” sagt, wird sie in der arabischen Welt massiv an Einfluss verlieren, da dies ein Affront gegen den gesamten Kulturraum wäre.

      Auch linke Internationalisten haben dieses Grundprinzip akzeptiert. Sie wollen die Türken ja nicht aus wirtschaftlichen, sondern zur kulturellen Erweiterung und aus humanitären Gründen aufnehmen.

      Mag sein – aber ist natürlich Humbug.

      Allein die Europäer können in die Waagschale werfen, was sonst niemand den Türken anzubieten weiß: wirtschaftliche und außenpolitische Stabilität, Prosperität, gemeinschaftliche Anerkennung und Auffangnetz.

      Sehr scheeeen, mich dünkt, Du hast das letzte Jahrzehnt verschlafen ;-)

      Stabilität kann die EU kaum gewährleisten, weder außenpolitisch, noch wirtschaftlich. Für ersteres gibt es die NATO, für letzteres die Eurozone. Im der NATO ist die Türkei, in die Eurozone wird sie nie kommen. Momentan zofft man sich am Bosporus mit dem IWF – mal schauen, Putins Schatullen waren für “Freunde” schon immer weit offen und auch die Saudis sind manchmal sehr großzügig – ob es für die EU klug wäre, die Türkei auch noch durch solche Kredite an Russland und den arabischen Raum auszuliefern, mag ich allerdings bezweifeln.

      Und wenn Du schon von Prosperität phantasierst, kannst Du ja gerne mal die prosperierenden Rumänen, Bulgaren, Ungarn oder Letten fragen.

    6. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 11:38 - Permalink

      @Albert

      Wäre die Türkei für die Araber auch glaubhaft, wenn sie in der EU wäre und dann nicht mehr ganz so muslimisch (oder sollten wir alle vielleicht muslimischer werden)?

      Paradoxerweise sehen das die Araber so (zumindest behauptet dies die im Artikel verlinkte Umfrage (SWR2-Forum)). Man verspricht sich wohl vor allem eine Anwaltschaft für arabische Interessen gegen die israelische Meinungshoheit in der der EU.

      Auch ist nicht klar, was die Türken im Nahen Osten konkret bewirken können. Soll etwa Osama Bin Laden bekehrt werden?

      Die Türken könnten dafür sorgen, dass die EU ihren Hebel auf Israel auch benutzt und den Staat dadurch zähmt.

    7. Herr Knecht schrieb am 17. Januar 2010 at 12:04 - Permalink

      @SF und StefanP:

      Ich bin in Aussenpolitik und “Geostrategie” zwar nicht so bewandert, aber ich teile StefanPs Ansicht, dass Energieversorgungsgründe alleine nicht ausreichen können. Die ganzen EU-Richtlinien, die auch eine Umsetzung von Europarecht in türkisches Landesrecht erforderlich machen würden, gehen doch weit über Geostrategie hinaus.

      Soviele Augen könnte die EU momentan in vielerlei Hinsicht garnicht zudrücken, sollen die “gemeinsamen Werte” nicht als Farce entlarvt werden. Trotzdem bin ich für einen Beitritt der Türkei, aber den erforderlichen Schritt (die Schritte) müssen eben die Türken noch gehen.

    8. Obelix schrieb am 17. Januar 2010 at 12:14 - Permalink

      Wäre schön, wenn die transatlantische Verbindung weniger wichtig, die Verbindungen nach Asien und Eurasien von der deutschen und europäischen Politik wichtiger genommen würden.

      Irgendwann wurde die EU als Werte- und Kulturunion gesehen, Wirtschafts-, Währungsunion etc. war sie schon immer.

      Vielleicht sollte man die EU nicht mehr als Werte- und Kulturunion sehen, um Wertekonflikten mit Türkei etc. aus dem Weg zu gehen, sondern prinzipiell knallhart sagen, dass die EU eine Wirtschaftsunion ist und mehr nicht. Werte kann dann jedes Land selber festlegen und wenn eine Bevölkerung Menschenrechte etc. will, soll sie selber dafür kämpfen.
      Dann würde die EU nur DIN- und Wirtschaftsnormen, Buchhaltungsnormen und Wirtschaftsgesetze festlegen, aber wenn sie nur das wenigstens erfolgreich täte, also solche Vorkommnisse wie die Abwanderung von Nokia aus Deutschland auch noch über die EU-Fördertöpfe von Deutschland bezahlt wird oder Lohndumping durch zugereiste Arbeitskräfte verhindert würde (ortsüblichen Lohn und immer mindestens einen Mindestlohn), wäre schon viel gewonnen.
      Auch sollte die EU dann Wirtschaftswettbewerb in grundlegenden Zügen steuern, z.B. schlicht festlegen, dass jedes EU-Land einen Mindestlohn angeben muss und dass dieser so berechnet werden muss, dass man damit bei Vollzeitarbeit überleben kann.

      Das, was alle EU-Länder und Anwärter gemeinsam haben, ist mehr oder wenig hoch industriealisierte Wirtschaft, auf diesen Gemeinsamkeiten sollte man aufbauen.

      Was die Türkei angeht: warum nicht erstmal priviligierte Partnerschaft, um zu testen, wie es beiden Seiten gefällt und dann evtl. später Vollmitgliedschaft?

      Oder sehe ich das falsch und man kann eine Wirtschaftsunion nicht von Werten und kulturellen Normen trennen?

    9. StefanP schrieb am 17. Januar 2010 at 12:21 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Polen besteht aber nicht weitgehend aus konservativ-engstirnigen Katholiken. Sowenig wie Ost-Deutschland aus Post-Kommunisten. Irland und insbesondere Dublin sind internationaler als die Uckermark. Viele Polen fühlen sich in Berlin sehr wohl und viele Deutsche in Irland, ohne von großem Heimweh geplagt zu werden. Istanbul orientiert sich nach dem westlichen Lebensgefühl, aber gilt das für das Gros der Türken? Meine eigenen Erfahrungen sind da ambivalent, genauso wie die Erfahrungen mit der osmanischen Rechtskultur.

      Ich habe eben sehr bewusst und dezidiert nicht von politischen und wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten gesprochen.

      Ja, die Angst vor dem Hegemon Deutschland gibt es, wie ein unausrottbares Vorurteil. Tatsächlich hat sich Deutschland in der Nachkriegsgeschichte gemessen an seinem wirtschaftlichen Gewicht und seiner Bevölkerungsgröße immer zurück genommen, gezeigt, dass es die Gemeinschaft über das nationale Interesse stellt. Letztes Beispiel ist gerade der Konflikt mit Polen über die Besetzung des Stiftungsrates.

      Ich stehe selbst sehr kritisch zu einem EU-Beitritt der Türkei.

      Das Seltsame ist: ich bin da äußerst ambivalent und unentschieden. Die heutige Türkei, so große Fortschritte sie auf dem Feld der Rechtsstaatlichkeit gemacht hat (in Punkto Demokratie und Laizismus war man immer schon weit), würde immer noch bei einer Aufnahme größere Probleme verursachen als z.B. Griechenland. Aber wie das Denken und Staat und Gesellschaft bei vielen, sogar im Ausland ansässigen Türken ist, zeigte sich bei dem Auftritt von Erdokan in Köln. Kaum vorstellbar, dass eine Rede des polnischen Präsidenten in Berlin solche Begeisterung hervorgerufen hätte.

      Sehr scheeeen, mich dünkt, Du hast das letzte Jahrzehnt verschlafen ;-)

      Vielleicht war ich nur zu oft im Ausland, um einen anderen Blick zu haben. ;-) Die Iren haben sich im Rahmen der Finanzmarktkrise umbesonnen und dem EU-Verfassungsvertrag zugestimmt, nachdem sie gemerkt haben, welche Vorteile so eine Gemeinschaft bietet. Griechenland stände längst nicht mehr vor dem Staatsbankrott, wenn die EU-Mitgliedschaft und Teilnahme am Euro nicht wäre. Die Nato als Militärbündnis hat doch längst an dem Gewicht verloren, das man zu Zeiten des Kalten Krieges hatte. Zwar finden internationale Militäreinsätze meist unter dem Dach des transatlantischen Bündnisses statt, tatsächlich findet aber zuvor eine Abstimmung über gemeinsame Positionen beim Treffen der Regierungschefs und im Ministerrat statt. Natürlich führt das nicht zwangsläufig zu gemeinsamen Positionen, aber zu Allianzen außerhalb der Nato. Deutschland hätte sein No zum Irakkrieg niemals halten können, hätten sie nicht die Franzosen an der Seite gehabt.

      Und wenn Du schon von Prosperität phantasierst, kannst Du ja gerne mal die prosperierenden Rumänen, Bulgaren, Ungarn oder Letten fragen.

      Das Wirtschaftswachstum ist innerhalb des gemeinsamen Marktes größer als außerhalb.

    10. Outlook schrieb am 17. Januar 2010 at 12:22 - Permalink

      Auch die Türken haben bemerkt, dass die wirtschaftliche Sonne im Osten aufgeht.
      Der Dollar hat sich zu einem Auslaufmodell entwickelt und die EU selbst steht vor fatalen politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Entscheidungen.
      Auch in dieser Merkel-Rede vom 13.1.2010 wird der Zustand der EU relativ deutlich beschrieben : http://www.wirtschaftsfacts.de/index.php?option=com_content&view=article&id=150:januar-2010-1-monatshaelfte&catid=17:wirtschaftsblog-2010&Itemid=26#Nachtrag_zur_Rede_von_Merkel_zum_Euro
      Lesenswert!!!!!!
      Erdogan wird sie auch kennen.

      Das NATO-Mitglied Türkei war für den Westen immer Mittel zu Zweck.
      Speziell in Zeiten des Kalten Krieges.
      Heute hat die Türkei mit Russland über 60 Verträge abgeschlossen.
      Putin und Erdogan haben durch ihre Kontakte dazu die Basis geschaffen.
      Immer wieder der ?verhasste? KGB-Putin, der dem Westen in die Suppe spuckt.
      Die Anti-Performance die man im Westen zu Putin aufbauen wollte, hat man in Eurasien ins Leere laufen lassen.

      ?Frankreich und Deutschland verkündeten im vergangenen Jahr sogar, das Land mit seinen 60 Millionen Einwohnern (dazu noch Muslime) nicht in die Union aufnehmen zu wollen. Damit hat die Türkei so gut wie keine Chance, in den kommenden zehn Jahren EU-Mitglied zu werden, weshalb sie nach Alternativen sucht. Aus der Sicht Ankaras geht es dabei in erster Linie um die Festigung des eigenen politischen und wirtschaftlichen Status in der Region. Ohne Moskau ist so etwas aber kaum möglich.?
      http://de.rian.ru/analysis/20100113/124685293.html

      Ob sich zwischen Russland und der Türkei eine Pipeline-Partnerschaft oder eine echte Freundschaft entwickelt, wird die Zukunft zeigen.

      Russland hat aber nun eine weite Vertriebs-Dislozierung seiner Rohstoffe erreicht:
      Nord-Europa: Nordstream, Ukraine und Polen
      Südeuropa: Südstream, Blue Stream
      Südasien: Pipeline Iran, Pakistan, Indien, noch vieles unklar
      Ostasien: Ölpipeline nach China und fernen Osten
      http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1582/das-great-game-ist-entschieden
      Verschiffung von Öl und LNG-Gas über drei Häfen.

      Warum liest man im Mainstream solche Analysen nicht?

      Das war am 13. Juli 2009:
      http://derstandard.at/1246542046610/Gas-fuer-Europa-ab-2014-Nabucco-Vertrag-ist-besiegelt

      Die Angst des weißen Mannes hat begonnen.

      Angst ist aber in Regel kein guter Ratgeber, denn Angst entwickelt Disresonanzen und Polarisiert.

      Der aufrechte Gang mußte erlernt werden. Und ohne Aufrichtung gibt es keine Aufrichtigkeit.
      Brauchen die Europäer ein neues Ereignis, um neu geboren zu werden?

    11. maerchenwelt schrieb am 17. Januar 2010 at 12:26 - Permalink

      Die Nachteile einer EU Mitgliedschaft der Türkei überwiegen die Vorteile deutlich. Welche oft beschworene “Brückenfunktion” zu islamischen Staaten denn die Türkei für Deutschland einnehmen soll, ist mir unklar. Das Verhältnis Deutschlands zu den meisten Golfstaaten ist sehr gut, selbst mit dem Iran, der traditionell eher gute Beziehungen zu Deutschland hatte, werden gute Geschäfte gemacht.
      Einen “Vermittler Türkei” braucht gerade Deutschland am allerwenigsten, im Gegenteil ist das historische Verhältnis der Türkei zu anderen arabischen Ländern viel eher belastet (Stichwort Osmanisches Reich).
      Die EU hat genug Probleme mit sich selbst, ein für heutige europäische Verhältnisse relativ nationalistischer Staat wie die Türkei (man lasse sich mal von einem Bekannten original türkische Geschichtsbücher für den Schulunterricht zeigen) mit jetzt auch noch wachsendem Einfluss fundamentaler religiöser Gruppen unter Erdogan würde die EU noch mehr belasten.
      EU-Bürger genießen Freizügigkeit, eine massive Einwanderung verarmter, eher wenig gebildeter türkischer Bürger aus dem Ostteil des Landes bei einer Wirtschaftskrise wäre durchaus möglich und auch menschlich verständlich, aber mit entsprechender Belastung nicht nur für die Sozialsysteme in Deutschland verbunden.
      Enge Beziehungen unterhalb einer EU-Mitgliedschaft sind sowohl für Deutschland wie auch die Türkei von Vorteil, allerdings sind die Handelbeziehungen beider Staaten da wesentlich wichtiger als das “Enregietransitland” Türkei. Deutschland wird auch in Zukunft aus vielen Regionen fossile Rohstoffe beziehen können, Lieferungen aus Mittelasien sind da nur ein Mosaikstein von vielen.
      Die größten fossillen Ressourcen befinden sich übrigens auf der arabischen Halbinsel (Öl), in Russland (Gas) und in den USA (Kohle).
      Dass nicht-fossile Energieträger einen immer größeren Anteil an der deutschen Energieversorgung einnehmen sollten, ist sowieso Gemeingut.

    12. Jens schrieb am 17. Januar 2010 at 12:41 - Permalink

      Informativer Artikel mit seltsamer Stoßrichtung. Dem kann ich mich anschließen.

      Meiner Meinung nach gibt es tatsächlich politische Gründe die Türkei nicht in die EU aufzunehmen. Die Menschenrechtslage ist doch eher mit dem Iran oder Syrien vergleichbar als mit derjenigen in der EU (auch wenn in der EU nicht alles Gold ist). Eine Aufnahme in die EU würde erhebliche innenpolitische Belastungen bringen. Dann bedenke man den Kurden/PKK Konflikt, soll sich die EU wirklich so einen ungelösten Brandherd ans Bein binden, bei dem es außer blutigen Fernsehbildern nichts zu holen gibt?
      Antiisraelische Rhetorik und panarabische Rhetorik sind natürlich jetzt auch nicht gerade Sachen, die in der EU gut ankommen, egal ob man Mitglied ist oder nicht.

      Mein Eindruck ist eher, dass Erdogan langsam Muffengang bekommt. Schon das kategorische Nein der Türkei zum Irakkrieg 2003 zeigt die deutliche Stoßrichtung. Sollte sich die amerikanische Stoßrichtung im Mittleren Osten verfestigen bzw. sogar der Iran in einen Konflikt geraten, könnte das politische System im Mittleren Osten endgültig kollabieren. Bei einem zusammengeklappten syrischen/iranischen (beide sind ja verbündet) Staatswesen wäre wohl eine Gründung des Kurdenstaates nicht mehr zu verhindern. Die Kurden sind immerhin Verbündete der USA.
      Aus Angst vor diesem Szenario sucht Erdogan Verbündete, die eigentlich seine Feinde waren. Welche Schatullen Putin dabei genau öffnen soll, ist mir ein Rätsel. Bekanntlich hat die Finanzkrise die russischen Staatsreserven fast vernichtet. Die Türkei hat auch ohne Pipelines viel zu verlieren, denn deren Wirtschaft boomte in den letzten Jahren erheblich. Die Wirtschaftsleistung ist dabei relativ gesehen zur russischen sehr ähnlich. Bei Nabucco sollte man immerhin Rechnung tragen, dass Turkemistan sich überraschend scheinbar doch auf die Seite des Westens geschlagen hat. Der Staat steht immerhin an Platz 5 der Erdgasreserven. Diese plötzliche Wandlung zeigt, dass im Hintergrund Dinge laufen, die nicht zu übersehen sind.

    13. Rossi schrieb am 17. Januar 2010 at 12:50 - Permalink

      @maerchenwelt:
      “EU-Bürger genießen Freizügigkeit, eine massive Einwanderung verarmter, eher wenig gebildeter türkischer Bürger aus dem Ostteil des Landes bei einer Wirtschaftskrise wäre durchaus möglich und auch menschlich verständlich, aber mit entsprechender Belastung nicht nur für die Sozialsysteme in Deutschland verbunden.”

      Das wäre mir aber neu. Soweit mir bekannt bedarf es dafür immer noch der Aufnahme einer wirtschaftlichen Tätigkeit oder des Nachweises ausreichender finanzieller Mittel. Andersfalls ist der dauerhafte Aufenthalt über drei Monate nur durch eine Aufenthaltserlaubnis möglich, die man wohl keineswegs wie oben angedeutet nachgeschmissen bekommt.
      Das hier gezeichnete Szenario einer massenweisen Migration der Türken in die reichen Staaten der EU mit dem Ziel Sozialleistungen abgreifen zu wollen, ist völlig unrealistisch.
      Weiterhin steht es der EU frei eine stufenweise Aufnahme durchzuführen. Bei der Aufnahme der baltischen Staaten hat man das Niederlassungsrecht etc. auch zunächst eingeschränkt.

    14. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 14:14 - Permalink

      @Herr Knecht

      Soviele Augen könnte die EU momentan in vielerlei Hinsicht garnicht zudrücken, sollen die ?gemeinsamen Werte? nicht als Farce entlarvt werden. Trotzdem bin ich für einen Beitritt der Türkei, aber den erforderlichen Schritt (die Schritte) müssen eben die Türken noch gehen.

      Natürlich – das ist eine conditio sine qua non! Aber sie sind ja auf dem besten Weg dorthin.

    15. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 14:23 - Permalink

      @Obelix

      Wäre schön, wenn die transatlantische Verbindung weniger wichtig, die Verbindungen nach Asien und Eurasien von der deutschen und europäischen Politik wichtiger genommen würden.

      Das sehe ich ganz genau so.

      Irgendwann wurde die EU als Werte- und Kulturunion gesehen, Wirtschafts-, Währungsunion etc. war sie schon immer.

      Generell ist dies eher ein PR-Trick – oder glaubt irgendwer ernsthaft, dass die Tschechen Kinderarbeit einführen würden, die Italiener die Glaubensfreiheit verbieten würden oder die Spanier die Gleichberechtigung einstellen würden, wenn es keine EU gäbe? Der gemeinsame Kulturraum, zu dem nicht die Türkei und Russland zählen(!), ist in Werte- und Kulturfragen sehr eng verbunden – mit Ausnahmen in Detailfragen, versteht sich.

      Vielleicht sollte man die EU nicht mehr als Werte- und Kulturunion sehen, um Wertekonflikten mit Türkei etc. aus dem Weg zu gehen, sondern prinzipiell knallhart sagen, dass die EU eine Wirtschaftsunion ist und mehr nicht.

      Das ganze Werte-Bimbamborium kam mit dem Zusammenbruch des Kommunismus. Aus Angst, die ehemaligen Satellitenstaaten würden den Sozialismus neu erfinden wollen und nicht unser Handelspartner werden, konzentrierte man sich auf die Werte. Heute kramt man dieses Argument wieder hervor,um die Türkei auszusperren.

    16. maerchenwelt schrieb am 17. Januar 2010 at 14:26 - Permalink

      @Rossi:

      Auch eine befristete, gering qualifizierte Tätigkeit erlaubt den Umzug eines Bürgers innerhalb der EU. Wieviele Bürger der Türkei bei einem EU Beitritt zuziehen würden, ist natürlich unklar. Eine deutliche Steigerung des Zuzuges ist aber denkbar.
      Jetzige Regelungen wie ein Sprachtest für zuziehende künftige Ehepartner oder gar ein immer wieder diskutiertes Punktesystem wären dann aber nicht möglich.
      Es ist darüberhinaus fraglich, ob die Türkei dauerhaften Einschränkungen der Freizügigkeit (wie jüngst allerdings befristet gegenüber z.B. Polen ) zustimmen würde.

    17. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 14:36 - Permalink

      @StefanP

      Polen besteht aber nicht weitgehend aus konservativ-engstirnigen Katholiken. Sowenig wie Ost-Deutschland aus Post-Kommunisten

      Natürlich – genauso wenig besteht die Türkei allerdings aus konservativ-engstirnigen Muslimen.

      Irland und insbesondere Dublin sind internationaler als die Uckermark

      Genau so, wie Istanbul internationaler als Dingolfing ist.

      Viele Polen fühlen sich in Berlin sehr wohl und viele Deutsche in Irland, ohne von großem Heimweh geplagt zu werden.

      Sicher – viele Türken fühlen sich auch in Berlin sehr wohl und die Deutschen in Antalya haben höchstens Heimweh nach dem Regen- und Winterwetter.

      Ja, die Angst vor dem Hegemon Deutschland gibt es, wie ein unausrottbares Vorurteil.

      …. das sich immer wieder bestätigt.

      Tatsächlich hat sich Deutschland in der Nachkriegsgeschichte gemessen an seinem wirtschaftlichen Gewicht und seiner Bevölkerungsgröße immer zurück genommen, gezeigt, dass es die Gemeinschaft über das nationale Interesse stellt.

      Natürlich – denn schließlich war Deutschland als Exportland, dessen Ausfuhren vor allem ins europäische Ausland gingen, auch darauf angewiesen, nicht als Hegemon wahrgenommen zu werden. Heute geht es Deutschland jedoch außenpolitisch zuallererst um die Erschließung und Verteidigung neuer Märkte.

      Das Seltsame ist: ich bin da äußerst ambivalent und unentschieden. Die heutige Türkei, so große Fortschritte sie auf dem Feld der Rechtsstaatlichkeit gemacht hat (in Punkto Demokratie und Laizismus war man immer schon weit), würde immer noch bei einer Aufnahme größere Probleme verursachen als z.B. Griechenland

      Das ist sicher richtig.

      Aber wie das Denken und Staat und Gesellschaft bei vielen, sogar im Ausland ansässigen Türken ist, zeigte sich bei dem Auftritt von Erdokan in Köln. Kaum vorstellbar, dass eine Rede des polnischen Präsidenten in Berlin solche Begeisterung hervorgerufen hätte.

      Auch das ist richtig und befremdlich.Als Deutscher hat man – zurecht! – ein flaues Gefühl im Magen, wenn man auf derlei Nationalismus trifft.

      Griechenland stände längst nicht mehr vor dem Staatsbankrott, wenn die EU-Mitgliedschaft und Teilnahme am Euro nicht wäre

      Stimmt – ohne Euro hätte Griechenland derlei Probleme gar nicht ;-)

      Aber das hatten wir ja schon ausführlich.

      Die Nato als Militärbündnis hat doch längst an dem Gewicht verloren, das man zu Zeiten des Kalten Krieges hatte. Zwar finden internationale Militäreinsätze meist unter dem Dach des transatlantischen Bündnisses statt, tatsächlich findet aber zuvor eine Abstimmung über gemeinsame Positionen beim Treffen der Regierungschefs und im Ministerrat statt.

      Das stimmt – aber als Rüstungsplanungskomittee ist die NATO nach wie vor von Vorteil.

      Natürlich führt das nicht zwangsläufig zu gemeinsamen Positionen, aber zu Allianzen außerhalb der Nato.

      Dem ist aber nicht so, wie man immer wieder sieht.

      Deutschland hätte sein No zum Irakkrieg niemals halten können, hätten sie nicht die Franzosen an der Seite gehabt.

      klar – das hat aber nichts mit der EU zu tun.

    18. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 14:46 - Permalink

      @maerchenwelt

      Einen ?Vermittler Türkei? braucht gerade Deutschland am allerwenigsten, im Gegenteil ist das historische Verhältnis der Türkei zu anderen arabischen Ländern viel eher belastet (Stichwort Osmanisches Reich).

      Da sind die Araber aber ein wenig aktueller. Für sie steht der Nahost-Konflikt an oberster Stelle in der Prioritätenskala. Und da Deutschland sich der Staatsraison unterworfen hat, bedingungslos(!) solidarisch mit Israel zu sein, hat es seine Stimme in der arabischen Welt schon längst verloren. Man macht zwar gerne Geschäfte mit uns und schätzt unsere “Primärtugenden”, das war´s dann aber auch. Paradoxerweise zieht Deutschland aus seiner Vergangenheit noch so einige Sympathien bei Unsympathen in der arabischen Welt. Toll ist das sicher nicht.

    19. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 14:55 - Permalink

      @Jens

      Meiner Meinung nach gibt es tatsächlich politische Gründe die Türkei nicht in die EU aufzunehmen. Die Menschenrechtslage ist doch eher mit dem Iran oder Syrien vergleichbar als mit derjenigen in der EU (auch wenn in der EU nicht alles Gold ist).

      Die Menschenrechtslage in der Türkei ist – obgleich hier massive Fortschritte stattfanden, sicher nicht das Gelbe vom Ei, aber mit Syrien oder gar Iran lässt sich das auf keinen Fall vergleichen.

      Dann bedenke man den Kurden/PKK Konflikt, soll sich die EU wirklich so einen ungelösten Brandherd ans Bein binden, bei dem es außer blutigen Fernsehbildern nichts zu holen gibt?

      Gerade die Regierung Erdogan hat hier Fortschritten gemacht und wurde – paradoxerweise – ausgerechnet von der Armee massiv behindert, die weder Erdogan, noch die Kurden ausstehen kann.

      Antiisraelische Rhetorik und panarabische Rhetorik sind natürlich jetzt auch nicht gerade Sachen, die in der EU gut ankommen, egal ob man Mitglied ist oder nicht.

      Das ist klar.

      Schon das kategorische Nein der Türkei zum Irakkrieg 2003 zeigt die deutliche Stoßrichtung

      Man stelle sich nur einmal vor, die Türkei hätte mitgebombt. Was wäre die Folge? Islamistische Terroristen in der Türkei, Bombenanschläge, Destabilisierung eines NATO-Staates … nein, die Entscheidung war alternativlos.

    20. maerchenwelt schrieb am 17. Januar 2010 at 14:58 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Naja, immerhin ist Deutschland so glaubwürdig, dass der BND immer wieder als Vermittler zwischen Israel und z.B. Hisbullah auch von arabischer Seite geschätzt wird.

    21. Wolf Doleys schrieb am 17. Januar 2010 at 15:15 - Permalink

      Europa und europäische Wissenschaftskultur: Ich bin stolz, ein Türke zu sein. So beginnt jeder Schüleralltag in der nationalistischen Türkei. Das gehört nicht zu den konstruktiven Ideen Europas. Dafür steht eher ein Name wie Kopernikus aus der Hansestadt Thorn, der in Krakau, Bologna und Ferrara studierte und das heliozentrisches Weltbild in Frauenburg entwickelte, das schon der antike Grieche Aristarchos von Samos angedacht hatte und gegen das islamische “Gelehrte” heute noch in der Türkei und überall in islamischen Ländern anschreiben.
      Vgl. auch die türkische Fernsehserie ?Tal der Wölfe?: “Doch auch in der Türkei fiel es vielen Kommentatoren unangenehm auf, dass zur Premiere vom ?Tal der Wölfe ? Irak? die halbe politische Prominenz des Landes erschienen war und sich Spitzenpolitiker der ?Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung? (AKP) des Ministerpräsidenten Erdogan in Lobeshymnen über das Machwerk ergingen. Selbst die Ehefrau des Ministerpräsidenten sei angetan gewesen, wurde nach der Premiere berichtet. ?Sehr schön?, soll Emine Erdogan über das Gemetzel auf der Leinwand gesagt haben.” FAZ 15.1.10

    22. Gebintit schrieb am 17. Januar 2010 at 15:30 - Permalink

      Auf Telepolis steht da immer “Erdo?an(s)”. Ist das ein Anspielung, die ich nicht verstehe?

      Zum Inhalt: Ob man die Türkei aufnehmen soll oder nicht, kann man nur ambivalent betrachten. Der Staat ist mit seiner rasant wachsenden Bevölkerung schlicht zu groß, um ihn mal so schnell aufzunehmen. Wäre die EU in sich demokratischer und nicht so ein bürokratielastiger Koloss, der vorwiegend wirtschaftlichen Interessen dient, würden es sich Länder wie die Türkei mit ihren Demokratiedefiziten von alleine dreimal überlegen, beizutreten. Dann hätte man diesen Eiertanz wegen Aufnahme oder Ablehnung gar nicht. Die EU muss sich weiter reformieren und die Türkei auch. Dann kann man weitersehen.

    23. Spiegelfechter schrieb am 17. Januar 2010 at 15:57 - Permalink

      @Gebintit

      Ich hatte den Text der korrekten Schreibweise “Erdo?an” eingereicht, aber anscheinend versteht das Heise-Frontend kein UFT-8 ;-)

    24. kenji schrieb am 17. Januar 2010 at 16:00 - Permalink

      @stefanP:

      “Das weiß die Türkei, weshalb es für Politikergenerationen jeglicher Couleur immer ein Erstreben war, zur Europäischen Union dazuzugehören.”

      ———–

      sag mal, wo hast du das denn her? das ist ja mal sowas von aus der luft gegriffen. seit mitte/ende der 90er Jahfre gibt es wirklich kein ernsthaftes Interesse mehr an einem EU-Beitritt seitens türkischer Regierungen. Selbst die AKP-Regierung benutzte ihr angebliches Engagement in dieser Sache, um nach innen dem türkischen Volk zu beweisen, dass es nicht radikal-islamisch ist, sondern durchaus für Modernisierungen nach westlichem Vorbild, wie es Atatürk vorgelebt hat, offen ist.

      Also, deine Behauptung ist auf keinen Fall zu halten. Das muss ich deutlich und entschieden zurückweisen.

    25. kenji schrieb am 17. Januar 2010 at 16:07 - Permalink

      @wolfdoleys:

      du kritisierst zustände, die in der türkei bei weitem nicht so sehr ausgeprägt sind wie beim wichtigsten Partner Deutschlands – den USA!

      Warum die Türken so stolz auf ihre Fahne und ihre Nationalität sind, kann man nicht mit 2-3 Sätzen erörtern. Diese Tendenzen sind tief verwurzelt mit dem Niedergang des Osmansichen Reiches und des Freiheitskampfes, den Atatürk gegen die imperialistischen Mächte geführt hat, die die Türkei besetzten.

      So viel mal dazu!

    26. Unwissender schrieb am 17. Januar 2010 at 16:17 - Permalink

      Tach auch!

      Eigentlich wollte ich diesen Blog nicht so oft mit meinen unqualifizierten Kommentaren belästigen, zumal ich dieses Thema (EU, EU-Erweiterung, Türkei) nicht so sexy finde, aber nachdem ich einige Kommentare anderer Teilnehmer gelesen habe, die darauf schließen lassen, dass es doch noch … äm … “Aufklärungsbedarf” besteht ;) , greife ich nun doch in die Tasten!

      Die Europäische Union sei eine Wertegemeinschaft.

      Wää? Die EU ist eine FREIHANDELSZONE mit einer einzigen (Monopoly)Währung (gut, nicht alle Länder haben sie), die sich als “Wertegemeinschaft” versteht – schließlich verfolgen alle Neoliberale nach außen hin “moralische” Ziele. Oder habt ihr mal davon gehört, dass ein US-Präsident mal gesagt hat, er kämpfe global für die Freiheit des Dollars? Wohl nicht.

      Deshalb beißen sich die Amerikaner an der EU die Zähne aus?

      Verständlich. Wer will denn in Amerika eine weitere – selbstständige – Weltmacht haben? Die auch noch von den Deutschen geführt wird (besser gesagt: die Deutschen wollen sie führen und arbeiten auch darauf hinaus). Aber die Amis haben vorgesorgt: an der US-Hundeleine; Polen, Tschechien, Rumänen… deshalb soll auch die Türkei mit ins (EU)Boot.
      Na, nicht missverstehen; die Türken sind nicht die Hunde der Amerikaner. Sie sind viel zu eigensinnig. Darum geht es den Amis aber auch gar nicht! Die Stimmenanteile, Leute!! Wenn die Türkei in die EU aufgenommen werden würde, würde sie erhebliches Gewicht bei allen Entscheidungen der EU bekommen – das kann doch das auf Hegemonie ausgerichtete Deutschland nicht zulassen!! (Gut, die Franzosen wollen sie auch nicht, auch aus anderen Gründen) Das Gleiche gillt für die Ukraine.
      Das Gewicht würde sich zu sehr auf die “Pro-Nordatlantische” Seite verschieben!! Deswegen werde diese Länder nie aufgenommen werden (es sei denn die EU-Erweiterungsskeptiker werden weich geklopft!)!

      Katholisch-Konservative Polen?

      Häää? Leute, ihr guckt zuviel Nachrichtenticker (Tagesschau, Heute) und zuviel Bertelsmann-Propaganda (N-TV, RTL-Aktuell)! Das Sexy-Aussehen der Kaczynski-Zwillinge hat euch so sehr verrückt gemacht, wa? Kann ich verstehen! ;) (Achtung Ironie!)
      Ausserdem, wenn die EU tatsächlich eine Wertegemeinschaft w-ä-r-e, warum wurden die katholisch-konservativen Kaczynskis so sehr von der “Wertegemeinschaft” verprügelt?
      Ihr solltet nicht zu sehr auf die “Verpackung” eines Staates achten

      Ä, kann sein, das während des Schreibvorgangs ich einige Sachen vergessen habe – werden dann gegebenenfalls – leider – nachgeliefert! ;)

      Grüße

      Unwissender

      P.S.: “Post Awaiting Approval by Forum Administrator” <- könnten Sie das ändern Herr Spiegelfechter? :)

    27. Unwissender schrieb am 17. Januar 2010 at 16:25 - Permalink

      Ach, ja, die EU würde dann an solche Länder wie Iran, Irak, Syrien angrenzen! :D
      Uiuiuiui!!
      Die EU-Europäier wollen zwar gerne wirtschaftlich-kolonialistisch expandieren, aber in militärische Konflikte hineingezogen werden? Neee!!! Das wollen die EUianer lieber den Amis überlassen! :)
      (Image – ihr wißt schon!)

      Grüße

      Unwissender

    28. Astra schrieb am 17. Januar 2010 at 16:26 - Permalink

      Gute Idee ! Dann könnten wir auch vll weitere 3-4 oder evtl. 10 Millionen Türken aufnehmen als Geste der Völkerverständigung, wär doch super !
      Und die sich re-osmanisierende Türkei sagt sich, was für ein Quatsch damals mit den Janitscharen vor Wien, die braucht es doch garnicht.
      Geht doch auch so.

    29. Kalle schrieb am 17. Januar 2010 at 16:38 - Permalink

      Mal eine andere Perspektive!

      Also ganz ehrlich! Ich hätte viel mehr Angst das die Türkei bei einem Beitritt in die EU nicht mehr handlungsfähig wäre. Wenn ich mir vorstelle das man dann mit Ländern wie Deutschland, die sich in einem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt, zwischen Israelis und Paläsinensern, selbst Handschellen anlegen, in dem man bedingungslos zum Kolonialstaat Israel hält, eine Außenpolitik formulieren muss, dann graust es mir eher! Politisch gesehen wäre der Beitritt für die Türkei wie Knast! Deswegen bi ich eher erfreut das es zur Zeit nicht so aussieht das die Türkei Mitglied der EU wird. Wirtschaftlich spricht auch NIX für einen Beitritt, denn die Wirtschaft in der Türkei boomt und man ist kein Mitglied. Des Weiteren passt es kulturell auch nicht. Wir Orientalen sind anders und die Abendländler sind anders. Ich würde auch nicht wollen das auf einmal Millionen Christen in die Türkei einwandern. Die Türkei ist ein muslimischegeprägtes Land und das passt nicht mit der freizügigkeit des Westens zusammen! Ich hoffe eher im Gegenteil das sich die Türkei seinen muslimischen Nachbarn, Russland, Zentralasien, Nordafrika und China zuwendet! Das muss ja nicht heißen das wir jetzt Feinde sind. Im Gegenteil, ich finde das viel ehrlicher. Jeder wahrt seine eigene Identität! Und man ist respektvoll gegenüber einander!

    30. Karl Heinrich schrieb am 17. Januar 2010 at 16:52 - Permalink

      @Sf #17

      Da sind die Araber aber ein wenig aktueller. Für sie steht der Nahost-Konflikt an oberster Stelle in der Prioritätenskala.

      Es ändert die Lage der Menschen in Kairo oder Damaskus kein bisschen, wenn die Israelis aus dem Gaza-Streifen abziehen, wenn sie anschließend von dort bombardiert werden, wenn sie dann wieder einrücken.

      Es ist für die Araber 1000 Meilen weg egal, ob religiöse Juden eine Krume fruchtbar machen, auf denen Araber jahrhunderte nichts zustande gebracht haben. Und ebenso, ob Palästinenser für Selbstmordattentate nach Israel schleichen, und Israelis das mit einem Zaun eindämmen.

      Das alles ist völlig wurst für die Entwicklung der arabischen Bevölkerungen. Sich müssen sich selber helfen und dürfen sich nicht an dem Fetisch Antisemitismus festklammern.

      Wenn Erdogan diesen Unsinn – die populistische Versuchung des islamischen Bruderschaft-Selbstmitleids – fördern möchte, dann ist er auf dem völlig falschen Weg.

      Dass im Übrigen die Türkei sich jetzt nicht mehr als östlichen Außenposten der NATO definieren möchte, das ist völlig klar, und letztendlich auch für uns von Vorteil

      Paradoxerweise zieht Deutschland aus seiner Vergangenheit noch so einige Sympathien bei Unsympathen in der arabischen Welt. Toll ist das sicher nicht.

      Und deswegen wollen wir es auch dabei belassen. Und jedem islamischem und sozialistischen Antisemitismus die Stirn bieten.

    31. Truvor schrieb am 17. Januar 2010 at 17:29 - Permalink

      Wenn die Türkei der EU irgendwann “beitreten” würde.
      Ich frage mich, wie soll das Ganze aussehen.
      Treten wir ihnen (der Türkei) bei, oder sie uns (der EU) ?
      Die Türkei ist eine Welt (mit eigener Mentalität) in sich, mit Politikern, die immer noch ein Imperiales Denken und Träume haben, insbesondere nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist die Idee vom Osmanischen Reich wieder populär geworden.
      Und mit ihrer Diaspora sind sie schon längst in der EU.

    32. Maestro schrieb am 17. Januar 2010 at 18:09 - Permalink

      Auch wir wollen nicht in die EU!

      Wir werden aber trotzdem darauf pochen um zu sehen ob “pacta sunt servanda” eingehalten werden. Bei nicht einhaltung werden wir für die Zukunft immer eine gute Karte gegen euch haben.
      Wir werden solange auf EU-Aufnahme fordern bis wir unsere Reformen durchzogen haben.

      Wir entwickeln uns zur einer regionalen Supermacht, sowohl ökonomisch, politisch und militärisch. Unsere junge Bevölkerung mit einer hohen Geburtenrate werdet Ihr in einigen Jahrzehnten mit grosses demograpisches Problem antworten. Während wir auf dem Weg zur Transitsupermacht und global Player sind werdet Ihr noch euren Wertegemeinschaft diskutiert. Wir wünschen euch jetzt schon viel Spaß in euren Wertegemeinschaft. Prost!!!!!!

    33. Outlook schrieb am 17. Januar 2010 at 18:16 - Permalink

      Es ist richtig, dass die Türkei zum Stamm und ihren Ursprüngen zurückkehrt.

      Die EU ist ein künstliches Gebilde.
      Die kurzfristigen Interessenlagen zerstören zunehmend die Langfristigen.

      Die EU hat die Türkei zu lange unter EU-Euthanasie gehalten.
      Die Schaukelpolitik der EU lässt keine EU- Stärke entwickeln. Zumindest aus meiner Sicht.

      Das Minarettverbot in der Schweiz war sicherlich für viele Türken eine Bestätigung des Erdogankurses.

      Das Land nimmt selbstbewusster seine eigenen Chancen in der Region wahr.
      Die Türkei wird nicht mehr als EU-Bettler auftreten.
      Auf der anderen Seite würden die Kompromisse zu einer weiteren Polarisierung innerhalb der EU führen.

      Das Kurdenproblem könnte sich für die USA noch zum Bumerang entwickeln.

      Russland ist an einem Ausgleich zwischen der Türkei und Armenien interessiert.
      Man nimmt auch einen zweiten Anlauf für den gemeinsamen Bau von Atomreaktoren.
      Siemens könnte indirekt davon partizipieren.

    34. Limited schrieb am 17. Januar 2010 at 18:35 - Permalink

      Die Türkei ist ein Land, das von sehr heterogenen Interessengruppen durchzogen ist.

      Da gibt es Gruppen in der AKP und ausserhalb, die durchaus eine Reislamisierung anstreben. In der AKP gibt es allerdings auch auf Modernisierung und Hinwendung zur EU ausgerichtete Kräfte.

      Dann diverse nationalistische Gruppen. Teilweise mit Sympathien für die USA und die NATO und ebenso gibt es die übliche Kryptofaschisten. Dann existieren eine ganze Bandbreite zivilgesellschaftlicher Interessengruppen und Wirtschaftsunternehmen mit sehr unterschiedlichen Ausrichtungen, mal pro Iran, mal pro Aserbaidschan, mal pro Europa, mal pro Israel. Es gibt das Militär, die sozialdemokratische Variante der Türkei, Schwulen- und Lesbenverbände, Derwische, Aleviten u.v.m.

      Eigentlich ein faszinierendes Land, das in einem schnellen Modernisierungsprozess mit allen Friktionen begriffen ist.

      Wohin die Reise geht kann man auch bei reichweitenstarker Kristallkugel kaum abschätzen. Aber dass die Türkei mehr Einfluss gewinnen wird, erscheint auch mir sicher.

      BTW – bis die Türkei die Chance hat in die EU aufgenommen zu werden, vergehen wohl noch 10-15 Jahre. Vorerst ist man dort noch damit beschäftigt die diversen Aufnahmekapitel abzuarbeiten. Ich würde vorschlagen, man beschäftigt sich mit dieser Frage, wenn sie aktuell wird.

    35. Outlook schrieb am 17. Januar 2010 at 20:34 - Permalink

      Ein Nachtrag.
      Die Deutschen und die Europäer sollten darüber nachdenken, wie sie ihr Verhältnis zu Eurasien auf eine neue, vertrauensvolle Beziehung stellen.
      Das ist die beste Liefergarantie für Energie.
      Die Russen haben auch unter widrigsten Bedingungen geliefert.
      Eine aktuelle Umfrage der Sunday Times in Großbritannien hat ergeben, dass das 23% der Beteiligten in Blair einen Kriegsverbrecher sehen und 52%, dass sie von Blair über den Irakkrieg getäuscht wurden.
      http://www.op-online.de/nachrichten/politik/britische-umfrageist-blairein-kriegsverbrecher-594257.html
      Kein Ruhmesblatt für die EU.

      Warum soll die Türkei unter solchen Zumutungen westliche Interessen vertreten?
      Blair wurde noch kürzlich für einen hohen EU-Posten gehandelt.

    36. name schrieb am 17. Januar 2010 at 20:40 - Permalink

      Es ist wirklich lustig zu lesen, wie und nach welchen Kriterien die deutsche europäischen Imperialisten hier die Türkei taxieren. Da wird von “Europa” und “Wir” und “Uns” gefaselt, als ob es darauf ankäme, im Ausbeutungswettlauf ganz vorn dabei zu sein.

      Und Ihr, haltet euch noch für aufgeklärt. ;) Ich sehe die kleinen Fischerbombenkrieger, wie sie mit Haushofer tanzen.

    37. Schweigsam schrieb am 18. Januar 2010 at 00:28 - Permalink

      Ich verstehe auch nicht warum die EU so viel schwierigkeiten hat die Türkei aufzunehmen.
      Lieber nimmt man Rumänien oder Bulgarien auf. Absolute Demokratien.

    38. Chris W. schrieb am 18. Januar 2010 at 02:41 - Permalink

      Irgendwie ist das ganze lächerlich: europäische Union nennt sich doch dieses Monster und die Türkei ist ein europäisches Land? Genauso wie Marokko ( nichts gegen die Bevölkerung all dieser Länder)? Aber selbst Erdogan hat eingesehen dass die EU seinem Land nichts bringt und Israel noch weniger…das müssen die Zionisten erstmals aufarbeiten. Vllt ist die Türkei ja politisch besser positioniert als dieses Monster der EU…

    39. Hive schrieb am 18. Januar 2010 at 05:46 - Permalink

      Eines ist klar: Wird die Türkei tatsächlich Vollmitglied in der EU, wird Deutschland eine türkische Masseneinwanderung erleben. Das hält weder die Gesellschaft aus (weitere soziale Spannungen, stark beschleunigte Islamisierung), noch die Staatskasse (Anspruch auf Transferleistungen für EU-Bürger).

      Wer einen EU-Beitritt der Türkei aus reiner “Multikulti”-Ideologie oder wegen der wagen Aussicht auf okönomische Vorteile befürwortet, zerstört mittelfristig die Zukunft dieses Landes und seiner (einheimischen) Bürger.

      Bin mal gespannt, ob dieser Kommentar stehen bleibt, oder wegen angeblichen “fremdenfeindlichen Tendenzen” gelöscht wird – haha.

    40. Limited schrieb am 18. Januar 2010 at 06:50 - Permalink

      Eines ist klar: Wird die Türkei tatsächlich Vollmitglied in der EU, wird Deutschland eine türkische Masseneinwanderung erleben. Das hält weder die Gesellschaft aus (weitere soziale Spannungen, stark beschleunigte Islamisierung), noch die Staatskasse (Anspruch auf Transferleistungen für EU-Bürger).

      Gestern hieß es: “Hilfe, die Russen kommen”
      Heute heißt es: “Hilfe, die Türken kommen”

      Klar ist mir allenfalls, dass sich Vorurteile auch im 21. Jahrhundert finden lassen.

    41. lebowski schrieb am 18. Januar 2010 at 08:22 - Permalink

      In dem Beitrag kommt es so rüber, als ob die Neuausrichtung der türkischen Außenpolitik etwas mit der langsamen Aufnahmeverfahren der EU zu tun. Weil die uns nicht wollen, sehen wir uns mal anderweitig um. Wohl kaum! Die Türkei hätte sich auch unabhängig von dem Aufnahmeverfahren politisch neu orientiert.
      Man kann wohl nicht davon ausgehen, dass die Türkei sich aus lauter Anhänglichkeit an den Westen irgendwelche außenpolitischen Optionen verbaut.
      Außerdem nehmen an diesem Spiel weit mehr Teilnehmer teil als hier dargestellt wurde und es geht auch nicht ausschließlich um Energie.
      Die Türkei betreibt nebenbei auch noch eine großtürkische Politk und ob das den Chinesen so passt, bei denen die Zentralregierung Probleme mit den Uiguren hat, ist fraglich. Das wird noch spannend und der Kurs der Türkei ist nicht ohne Risiko.
      Und wenn die Türkei nicht in die EU kommt wird sie dadurch nicht automatisch zu unserem Feind.
      Die Geschäftsbeziehungen werden weiter bestehen bleiben und auch die europäischen Touristen werden die Türken wohl nicht wegjagen.

    42. kenji schrieb am 18. Januar 2010 at 10:26 - Permalink

      @hive:

      deutschland wird dann eine masseneinwanderung erleben?

      erspar uns bitte deine geistigen ergüsse.
      dir ist schon klar, welche gruppe von türken nach deutschland ausgewandert sind oder? das sind nicht die super gebildeten ärzte, sondern anatolische bauern, die nicht mal lesen und schreiben konnten.
      wenn die türkei in die EU aufgenommen sein wird, dann muss sie zu diesem Zeitpunkt schon so entwickelt sein, dass die gruppe dieser leute, auf ein minimum beschränkt ist. und glaub mir…kein gut verdienender intelligenter mensch verlässt seine heimat, um sich im ausland von solchen leuten wie dir erniedrigen lassen zu müssen.
      was ich hier teilweise auf einem alternativem blog für kommentare lesen muss, ist erschreckend. wenn ihr schon solche vorurteile habt, dann möchte ich gar nicht wissen, wie pi-news leser wirklich ticken!

      es ist beschämend: wer von euch kennt sich in der türkei so gut aus, dass er über menschenrechte und die gesetzeslage dort philosophieren kann? dass man im türkischen tv viel schärfer gegen die regierung etc. schießen kann, als man sich das hier vorstellen kann, ist für deutsche kaum vorstellbar. demokratie hat auch mit solchen dingen zu tun. ihr kennt nicht mal die entstehungsgeschichte der türkischen republik genau und einige von euch vergleichen atatürk wahrscheinlich sogar mit einem diktator.
      wenn ihr von den hier lebenden türken auf die türken in der türkei schließen wollt, dann liegt ihr sowas von falsch.

      und ich sag euch mal was: das sage ich als alevite. und wir leben ja schon mit einer gespaltenen meinung zum türkischen staat. die neoliberale-fascho-politik, in der jedwede linke meinung klein geredet und ins lächerliche gezogen wird in diesem land, wird von den meisten deutschen bundesbürgern gar nicht gesehen.

    43. name schrieb am 18. Januar 2010 at 11:16 - Permalink

      @42

      Beschämend ist ein harmloser Ausdruck für geistigen Horizont vieler Charaktere, die urteilen, ohne irgendwas auch nur in Ansätzen historisch, sprachlich, geografisch und menschenlich über diese Region und die Länder wissen .

      Damit meine ich nicht solche Hassprediger und Rassisten wie Hive, die sich einbilden, irgendwas auf diesem Planeten Erde, würde nur ihnen gehören.

    44. Jens schrieb am 18. Januar 2010 at 11:28 - Permalink

      @ 19 Spiegelfechter

      Egal wie man die Menschenrechtslage in der Türkei genau beurteilt, das Problem wöllte sich die EU auf jeden Fall nicht ans Bein binden. Es würde die EU in erhebliche politische Nöte bringen.

      Ich denke die Kurdenfrage hat sich vermutlich deswegen “entschärft”, weil die Kurden auf das nordirakische Terrain ausweichen können. Letztlich bleibt eine endgültige Lösung aus, durch die quasiAnerkennung der Kurden durch die USA hat sich im Gegenteil das Problem politisch verschärft. Bezeichnenderweise hat die Türkei den Truppen der USA 2003 die Stationierung versagt, ist aber mehrfach auf nordirakisches Terrain vorgedrungen um die Kurden zu bekämpfen. Das heißt der Konflikt hat sich eher Richtung Nordirak verlegt. Die Unterstützung der Supermacht USA hat die Kurden schlagartig wieder sehr aufgewertet.

      Hier nochmal ein recht treffliches Wikipediazitat zur Lage:

      “Im Februar 2008 startete die türkische Armee die 25. Bodenoffensive seit 1983 in den Nordirak, an der schätzungsweise 10.000 Soldaten beteiligt sind. Bei den Zusammenstößen mit der PKK kam es zu heftigen Widerständen. Nach Angaben der Türkei, wird das Nachbarland als Rückzugsgebiet für Extremisten genutzt. Die PKK, die unter anderem auch seitens der EU als Terrororganisation eingestuft wird, steuert von Nordirak aus Angriffe und Anschläge in der Türkei. Dabei sterben ebenfalls immer wieder türkische Soldaten, Polizisten, kurdische Dorfschützer und Unbeteiligte. Der US-Staatssekretär bewertete den Einmarsch mit den Worten “Dieser Angriff ist nicht die beste Nachricht”.”

      Ich denke das Erdogan befürchten muss, dass wenn die USA (und Israel) weiter eine derartige Politik im Nahen/Mittleren Osten betreiben, kann es passieren, dass die Osttürkei aus den Fugen gerät. Ein möglicher Schlag/Krieg gegen den Iran wäre dabei ein großer Katalysator, insbesondere natürlich, wenn die USA dort analog zum Irak die iranischen Kurden als Verbündete entwickeln. Ich vermute, dahinter die Grundrichtung der türkischen Politik.

    45. boschwa schrieb am 18. Januar 2010 at 11:39 - Permalink

      @ kenji
      Mein Türkenbild hat zwei Seiten: Türkische Ingenieure die zu Schulungen in meiner Firma zu Besuch sind und die auf der Strasse.

      kein gut verdienender intelligenter mensch verlässt seine heimat, um sich im ausland von solchen leuten wie dir erniedrigen lassen zu müssen

      Umgekehrt aber auch: sprich Türkische Ingenieure, Ärzte, Handwerker ziehen in die Türkei. Übrig bleibt..

      dir ist schon klar, welche gruppe von türken nach deutschland ausgewandert sind oder?

      Und bleiben tut leider der Teil Ihrer Nachkommen die Cem Gülay als “Kinder der Generation Ganz Unten” bezeichnet.

      Was damit sagen möchte ist das dies ein sich verselbstständigter Teufelskreis ist. Man urteilt nach dem was man kennt und das sind die Türken die hier leben. Schon aufgrund der demographischen Entwicklung sind die Türken in den Städten sehr dominant. Der “typische” deutsche Bürger erlebt das beim schoppen oder Ausgehen und projiziert auf alle Türken. Dies ist Ungerecht aber menschlich. der gut ausgebildete Türke wandert aus und freut sich wie ein Schneekönig auf seinen Jahresurlaub in seiner geistigen Heimat und Geburtsland Deutschland. Was für ein tragischer Paradox.

      Es ist eine berechtigte Angst das ausgerechnet die Menschen von der Personenfreizügigkeit Gebrauch machen würden die die von mir genannten Effekte verstärken würde. Und je wohlhabender die Türkei umso mehr Türken wandern aufgrund der tagtäglichen Diskriminierung im zwischenmenschlichen aus. Übrig bleiben…

      P.S. der prozentuale Anteil an Scheissleuten ist in jeder Nation gleich hoch. Aber wie die Amis sagen: He is a son of a.. but he is my son of a..

    46. Eatofid schrieb am 18. Januar 2010 at 11:40 - Permalink

      Schwer zu sagen, ob es Sinn macht, dass die Türkei zur EU soll.

      Das ist einfach ein anderes Land die Türkei, im Vergleich zu den anderen EU Ländern.

      Aber wirtschaftlich betrachtet, ist die Türkei wohl schon stärker als Deutschland. :-)

    47. Frank Schenk schrieb am 18. Januar 2010 at 11:52 - Permalink

      Deutsche, britische und französische Politik sind doch nur Demonstrationen, wie man sich möglichst selbst viele Hölzer in die Beine schmeißt um dann effektvoll mit der Fresse im Gulli zu landen (alternativ im A…. der USA). Scheinbar haben die mächtigen Interessengruppen Angst vor der Türkei, als wäre eine selbstbewusste Türkei unser größtes Problem.

      Wer kann aber von der Türkei die Einhaltung der Menschenrechte, wenn er selbst foltert oder die Folterung von Staatsangehörigen in Guantanamo oder sonstigen Lagern duldet? Immer diese Doppelmoral. Von daher scheint ein Anschluß der Türkei an die EU eigentlich unvermeidlich, sie wäre nicht das erste, unterschätzte Land, das aus einer vermeintlichen Niederlage als Sieger hervorgeht. Und die türkische, durchaus selbstbewußte Seele will doch gestreichelt und nicht verhöhnt werden.

      gruß

    48. Outlook schrieb am 18. Januar 2010 at 12:16 - Permalink

      Regnum : Deutscher Experte – Russland hat Nabucco durchkreuzt

      http://www.regnum.ru/go/?64080:%2Fnews%2F1243397.html

      Hier kann es sich nur um Spiegelfechter handeln. SF international.

      Telepolis wird sehr aufmerksam in Russland gelesen.
      Der Speigelfechter nun auch.
      Die Türken werden auch bald Interesse anmelden.

      Mein Glückwunsch, Spiegelfechter!!!!!!!

      Der “Spiegel” wird bald seinen Degen ziehen.

    49. name schrieb am 18. Januar 2010 at 13:33 - Permalink

      @47

      Genau so ist es: die folternden Heuchler aus Europa, die deutschen Heuchler mit ihrem 60 Millionen toten Menschen, die Massenmörder, die den Irakkrieg über deutsche Militärbasen und Flughäfen möglich gemacht haben und das finstere Europa der Inquistion, trauen sich wirklich, mit dem Finger auf die Türkei zu zeigen, obwohl der friedliche Mystos von Europa eine dreckige Lüge ist.

    50. Franka schrieb am 18. Januar 2010 at 14:57 - Permalink

      Hmm, wie war das gleich mit dem Massenmord der Türken an den…? Ach, da war gar nichts? Na, dann ist’s ja gut!

      name, warum verlassen Sie als Deutschland- und Europa-Feind nicht einfach den Kontinent? Offenbar sind “wir” hier alles ja nur Mörder und Verbrecher. Viel Spaß unterm Mullah-Regime Ihrer Wahl.

    51. Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2010 at 15:13 - Permalink

      @Truvor

      Treten wir ihnen (der Türkei) bei, oder sie uns (der EU) ?
      Die Türkei ist eine Welt (mit eigener Mentalität) in sich, mit Politikern, die immer noch ein Imperiales Denken und Träume haben, insbesondere nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist die Idee vom Osmanischen Reich wieder populär geworden.

      Nun ja *hüstel*

      Dann sollten “wir” zunächst einmal den Briten ihr “Empire” und den Franzosen die “Grand Nation” ausreden – Imperialismus ist kein türkisches Alleinstellungsmerkmal.

    52. Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2010 at 15:18 - Permalink

      @Limited

      Die Türkei ist ein Land, das von sehr heterogenen Interessengruppen durchzogen ist.

      Ja sind wir das denn nicht alle?

      Da gibt es Gruppen in der AKP und ausserhalb, die durchaus eine Reislamisierung anstreben. In der AKP gibt es allerdings auch auf Modernisierung und Hinwendung zur EU ausgerichtete Kräfte.

      Genauso wie in der CDU/CSU. Wäre Ede Stoiber Kanzler geworden, wäre das Erdogan in schwarz. Auch in der CDU/CSU gibt es Modernisierer und religiöse Wertkonservative.

      Dann existieren eine ganze Bandbreite zivilgesellschaftlicher Interessengruppen und Wirtschaftsunternehmen mit sehr unterschiedlichen Ausrichtungen, mal pro Iran, mal pro Aserbaidschan, mal pro Europa, mal pro Israel.

      Wie in D ;-)

    53. Spiegelfechter schrieb am 18. Januar 2010 at 15:22 - Permalink

      @Lebowski

      Wohl kaum! Die Türkei hätte sich auch unabhängig von dem Aufnahmeverfahren politisch neu orientiert.

      Das ist rein zeitlich gar nicht möglich – die Neuorientierung ist eine eher junge Entwicklung und die Aufnahmeverhandlungen ziehen sich schon über 20 Jahre. Natürlich spielt die Hinhaltetaktik da eine Rolle.

    54. name schrieb am 18. Januar 2010 at 15:53 - Permalink

      Schon schlimm Franka, wenn die Realität die neuen deutschen Heuchler erreicht, und sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, und dabei anfangen zu jammern, weil die Geschichte sich anders zugetragen hat, und heute von den deutschen Eliten mit verlogenen Mythen überlagert werden muss, was?

      In Lettland begründen deutsche SS Männer die neuen Mythen, in Europa tanzt auf dem gleichen verlogenen Ball mit anderen Lügen vom friedlichen Europa, und in Rußland gibt es ein neues Zarentum zur Rückbesinnung als ideellen Mythenkitt. Jedes kalte Staatenmonster hat seine eigenen Lügen.

      Du willst wohl die Wahrheiten nicht mehr hören, was Franka?

      Im übrigen Franka, die Supermullahs und Dikaturen in Saudi Arabien und Ägyten, die reinen Militärstaaten Pakistan und Israel finanzieren und rüsten wir, der freie kriegerische Westen aus, und verdienen uns daran dumm und dämlich.

      Und Dir Franka, gehört kein Stückchen dieses Planeten, der sich Erde nennt, kein kleinstes Stückchen.

    55. Truvor schrieb am 18. Januar 2010 at 16:07 - Permalink

      @ SF #51

      “….. – Imperialismus ist kein türkisches Alleinstellungsmerkmal”.

      Das weiß ich auch.
      Wir können so wieso nichts dagegen tun, wenn sie (Türken) es versuchen würden, ihr Imperium wieder aufzubauen.
      Wenn sie es auf dem friedlichen Wege (was ich bezweifle) tun würden, dann von mir aus.
      Ich weiß aber auch, daß die türkische Nation unsere westliche Werte nie im Leben übernehmen wird.
      Diese Behauptung (oder Träumereien), daß die Türkei zum Westen gehören könnte, ist ebenso trügerisch, wie die Behauptung, daß in China oder Russland jemals die (im westlichen Verständnis) westliche Demokratie Fuß fassen könnte.
      Die Türken haben eine andere Kultur, auch ein anderes Verständnis zum Leben oder der Politik etc. als Europäer, deshalb paßt die Kompatibilität nicht zur EU.

    56. Truvor schrieb am 18. Januar 2010 at 16:21 - Permalink

      @ Outlook #48

      In der Tat, es handelt sich offensichtlich bei “regnum.ru”, um diesen Artikel, denn wir gerade kommentieren.

      Übrigens, auf “spiegelfechter.com” bin ich über ein russisches Portal gekommen (ich glaube, es war “warandpeace.ru”).

    57. Lago schrieb am 18. Januar 2010 at 16:22 - Permalink

      Die Türken haben eine andere Kultur, auch ein anderes Verständnis zum Leben oder der Politik etc. als Europäer, deshalb paßt die Kompatibilität nicht zur EU.

      Hmm, also ich hab eine andere Kultur, Verständnis zum Leben und Politik als “die Italiener”. Oder “die Schweden”. Müssen die jetzt aus der EU raus oder ich?

      Ich bin ja überhaupt der Meinung, die EU sollte nur Griechenland und die Türkei beinhalten – und kein anderes dieser Trittbrettländer, die da jetzt mit ihren pervertiertem Europaverständnis Zwietracht sähen …

    58. Truvor schrieb am 18. Januar 2010 at 17:15 - Permalink

      @ Lago #57

      Ach, so groß ist dieser Unterschied nicht, ich bitte Dich.
      Italiener, Schweden, Deutsche – ach !

      Ich bin letzte Zeit der Meinung, daß die Türkei schon bald in die EU (obwohl einige Europäer dagegen sind) aufgenommen wird, auch deswegen, weil die Türkei ziemlich eindeutig von Russland umworben wird.
      An der Abneigung gegenüber der Türkei bzw. Türken sind auch unsere Mainstreammedien- und Politiker schuld.
      Diese Angstmacherei gegenüber dem Islam ist inzwischen nicht mehr komisch.
      Die erste Hälfte meines Lebens habe ich zum Teil mit und unter den Muslimen verbracht.
      Es waren sogar “oh, so schrecklichen” Tschetschenen darunter.
      Und, ich lebe immer noch, und es ist noch alles da an mir – die Beine, die Arme, der Rumpf mit den Glocken :-), und der Kopf mit ein bißchen Gehirn :-).
      Also, keine Bange, das überleben wir.

    59. Outlook schrieb am 18. Januar 2010 at 18:05 - Permalink

      Der Energiekoloss Eurasien wird neben seinen enormen Öl-und Gasressourcen ein gewaltiges Potential an Kernenergie aufbauen.
      Russland plant eine massive Ausweitung seines Kernenergieprogramms in der eurasischen Landmasse.
      Über die Türkei, Iran, Pakistan, China bis Indien ist ein gigantisches Projekt zur Entwicklung von Atomkraftwerken in der Diskussion und teilweise schon vertraglich fixiert.

      Indien hat sich jetzt endgültig für die Entwicklung von Kernenergie entschieden.
      Indien braucht für seine Entwicklung weitaus mehr Energie.
      Dazu hat es Russland als Partner ins Boot geholt.
      Hier entsteht ein Circulus vitiosus mit einer beispiellosen Wachstumsdynamik.

      Die Weiterentwicklung der russischen Nukleartechnologie soll in enger Zusammenarbeit mit Indien und den anderen Nuklearexportpartnern erfolgen.
      Eine enge Zusammenarbeit für den Einsatz der Technologie des Schnellen Brüters, einschließlich
      des vollen Brennstoffzykluses sind geplant.
      Russland arbeitet mit China seit den bilateralen Abkommen vom Oktober 2009 daran.

      Russland hat früher als andere Nationen die Renaissance der Kernenergie erkannt.
      In den nächsten zwei Jahrzehnten sollen rund 220 Atomreaktoren weltweit entstehen

      Ob die weltweit (mit)führende Nukleartechnologie aus Deutschland eine Rolle spielt, wird sich zeigen. Russland hatte dazu Siemens eine Einladung unterbreitet.
      Die Franzosen mit Unterstützung der USA hintertreiben diese Zusammenarbeit.
      Mehr unter:

      http://www.regnum.ru/news/1242946.html
      http://www.regnum.ru/news/economy/1243006.html

      http://www.welt.de/wirtschaft/article3139635/Siemens-Chef-will-Atomkooperation-mit-Russen.html Lesenswert!!!!

    60. salvo schrieb am 18. Januar 2010 at 19:44 - Permalink

      apropos Völkermord

      “Truppenspieler – Über die merkwürdige Liebe der Herero zu den Deutschen”

      http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14663

    61. Franka schrieb am 18. Januar 2010 at 21:53 - Permalink

      name, Deine “Beiträge” sind völlig absurd und offenbar nur auf Provokation aus. Ich gehe daher nicht weiter darauf sein.

      Interessant übrigens: Laut diversen Umfragen lehnt eine große Mehrheit der Deutschen einen EU-Beitritt der Türkei ab. Ob man die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen bereits ahnt? Ich glaube, der Michel ist doch schlauer, als man manchmal vermuten möchte.

    62. Mustafa Durmaz schrieb am 18. Januar 2010 at 22:52 - Permalink

      Habe mit spannung bis zum letzten kommentar durchgelesen und muss ich paar kommentatoren recht geben:
      ob ein TR aufnahme in die EU stattfinden wird bin ich überhaupt nicht sicher insbesonders nachdem der betritts bedingungen ergebnis offen geführt werden und nach der blockade der zwanzig beitritts artikeln aus diesen und jenen gründen von diversen Laendern und schliessendlich auch der Torpedierungsversuche von diversen Politikern.
      Nachdem ich die Kanzlerin die ja eigentlich ‘eine privilegierte partnerschaft’ predigt ohne darauf einzugehen wie es den konkret aussehen könnte, bei ihren letzten presse gespraech der Klausurtagung zugehört habe wo Sie ganz besonders die ‘ Konservativen werte ‘ gepriesen hat wobei der widerspruch darin besteht dass die gegenwaertige TR regierung auch aus konservativen besteht.

      Da müsste ja gerechtigkeitshalber auch ausgesprochen werden dass es bereits eine ‘privilegierte partnerschaft’ ja schon besteht ,allerding zugunsten der EU insbesondere BRD durch die zollunion der freie verkehr der waren und kapital zu den bedingungen der EU ohne mitspracherecht,
      dies ist soweit ich mich erinnern kann hat gegenüber der anderen kandidaten in einer spaeteren phase stattgefunden wobei einer benachteiligung der TR schon vorhanden ist

      Es gibt zwei gründe die in den augen von einigen laendern der EU gegen eine aufnahme der TR sprechen das erste ist: Bevölkerungsgrösse das zweite ist die religion
      weil das erste unmittelbare machtverlust in diversen EU institutionen von einigen laendern mit sich bringen wird und das zweite noch immer mit gehörigen portion vorurteilen belastet ist
      möchte gerne wissen ob jemand weiss: das in ?slam die verantwortung und verpflichtung des reichen und wohlhabenden gegenüber der armen schwachen so konkret vorgeschrieben ist naemlich ein ein vierzigstel seines gesamt vermögens und das jahr für jahr die er denen abgeben müsste.

      Die meisten der kommentatoren haben gewisse bedenken hinsichtlich der TR beitritt denen könnte ich versichern falls in TR ein volksbefragung geben wird die meisten gegen den beitritt stimmen werden schon allein der scheinheiligkeit und der heuchelei bei den sogenannten werten die sie gerne sooft in mund nehmen aber in der globalen praxis kaum bzw rudimentaer vorhanden ist,sei es grundlegenden menschenrechte oder auch der prinzip der gleichheit.
      Demokratie und Menschenrechte wenn es den interessen dient.

      Deutschland und Türkei hatten historisch verwurzelte vergangenheit die aber in den letzten zwanzig jahren immer mehr und mehr erodiert ist ,es mag damit erklaert werden dass die in BRD lebenden türkischen bewohner ein grund darstellen andererseits wird in den sogenannten mainstream medien die negativen beispiele so oft und gern berichtet ohne auf den grossteil der Türken einzugehen die rechtschaffen und fleissig arbeiten und ihren beitrag zu den sogennanten wohlstand leisten.
      Da ist genauso engstirnig als würde man BRD nach oliver geissen show beurteilen.

      Der demokratisierungs prozess in der TR ist ein langwierige geschichte weil durch Kemal Atatürk demokratie von oben nach unten dirigiert wurde erschwerend kommt noch hinzu das es in der nahen vergangenheit zweimal mit den militaerischen interventionen unterbrochen worden ist das gesamte politische klima wurde zusaetzlich durch den kalten krieg vergiftet schlussendlich kommt noch der missbrauch des wahlsysystems aufgrund der unmöglichen wahlversprechen der parteien auf der jagd der wahlstimmen was immer mehrparteien regierungen und sich daraus ergebende politische instabiliaet die das land jahrelang gebeutelt haben.
      im moment befindet sich das land in ein transformationsprozess die jahrelang geltenden strukturen weichen zu neuen entwicklungen und ein neue offenheit insbesondere zur nachbarn.
      Wirtschaftlich findet ein neue orientierung statt natürlich möchte man ein energie koridor schaffen
      das entscheidende ist aber inzwischen realpolitik Nabucco ist dabei nur ein option es muss dazu auch betont werden das in der vergangenheit Russlands verhaeltnis zur TR kontiniuerlicher stabiler und am meisten harmloser war als die beziehung zu einigen bündnispartnern.

      Turkmenistan hat letzten dezember ein gaspipeline nach China und anfang januar eine nach ?ran in betrieb genommen zusaetzlich zu ihren vertraegen zu Russland wobei China derzeit mit 40 milliarden m3 der grösste abnehmer ist derzeit hat sie auch grosse probleme mehr zu fördern aufgrund der veralteten technik, dessen erneuerung auch ein teil der vereinbarung mit China ist,
      iran hat aufgrund der US embargo probleme mit der finanzierung ihren ausbau.
      Es darf dabei nicht übersehen werden das die TR mit den potenziellen quellenlaendern historisch und kulturell tiefere verbindungen hat.
      Grundsaetzlich ist festzuhalten das derzeit ein neuer welt sich bildet und da ist die grosse frage wo steht die EU überhaupt? oder quo vadis EU?

      Das Visionaere vorstellungskraft der gründungvaeter von der ursprunglichen kohle-stahl union zum gegenwaertigen zustand ist gewaltig nur in der jetzigen lage sieht man kein funzelchen davon.

    63. Outlook schrieb am 19. Januar 2010 at 10:40 - Permalink

      @Mustafa Durmaz 61

      Ein lesenswerter Aufsatz.

    64. salvo schrieb am 20. Januar 2010 at 09:35 - Permalink

      ach ja, das wollte ich noch loswerden, aus einem Gespräch mit Noam Chomsky eine bemerkenswerte Aussage. Er hält wohl viel von der Türkei

      “Wie gesagt, es gibt Ausnahmen, und es ist interessant, sich mit ihnen zu beschäftigen. Nehmen Sie zum Beispiel Ihr Land, oder nehmen Sie den Westen allgemein. Es gibt nur ein einziges Land – wenigstens meines Wissens -, mit einer Kultur des Widerstandes. In diesem Land stehen führende Persönlichkeiten – die berühmtesten Autoren, Journalisten, Akademiker usw. – der staatlichen Politik nicht nur kritisch gegenüber sondern praktizieren unaufhörlich zivilen Ungehorsam. Sie riskieren Gefängnis und werden häufig auch tatsächlich eingesperrt, weil sie für die Rechte der Menschen eintreten. Ich spreche von der Türkei.

      In Westeuropa wird die Türkei als unzivilisiert angesehen. Man will sie erst in die Europäische Union aufnehmen, wenn sie zivilisierter geworden sei. Ich meine, es ist genau umgekehrt. Wenn wir das hohe zivilisatorische Niveau – sagen wir der türkischen Intellektuellen – erreichen, wäre das ein wirklicher Erfolg.”

      http://www.zmag.de/artikel/direkte-partizipation-durch-kreativitaet

    65. Outlook schrieb am 21. Januar 2010 at 23:18 - Permalink

      Partnerschaft mit Russland ausbauen!!!!

      “Versorgungssicherheit beginnt an der Quelle” – Lesenswert!!!!

      “China und Indien haben das verstanden und sichern sich weltweit mit Milliardensummen Rohstoffvorkommen.

      Sorge bei der Erdgasversorgung Europas bereitet dem Wintershall-Vorstand daher die Passivität der EU.

      “Wir in Europa können nicht demütig zuschauen, wenn Russland und China sich annähern, wir müssen stattdessen selbst aktiv in eine europäisch-russische Partnerschaft investieren – wirtschaftlich, finanziell und politisch”, sagte Seele: “Noch sind wir in der glücklichen Situation, durch langfristige Lieferverträge von Versorgungssicherheit für Deutschland und für Europa sprechen zu können.?
      “Mit der Nord Stream-Pipeline werden elementare Energieimporte von Russland nach Europa gesichert. Die 55 Milliarden Kubikmeter, die durch die Leitung strömen, entsprechen der Leistung von 55 Kohlekraftwerken oder 20 neuen Atommeilern”.
      mehr unter:
      http://www.rohstoff-welt.de/news/artikel.php?sid=17089#Wintershall-Holding-AG-Mehr-Erdgas-fuer-ein-besseres-Klima

      Eine klare Aufforderung an Merkel und die EU, politisch aktiver zu werden!!
      Merkel müsste als Physikerin die Histologie des Gases kennen.

    66. Outlook schrieb am 22. Januar 2010 at 17:21 - Permalink

      Sie brauchen es zum Überleben:
      Janukowitsch will von Russland garantiertes Transitvolumen an Gas
      http://de.rian.ru/world/20100122/124801278.html

      Mit der dualen Timoschenko wird es eine solche Zusage durch Russland wohl kaum so geben.

      Mit der Inbetriebnahme von Nord-und Südstream wird die polare Profilierung der UIkraine immer enger.

    67. Türkei schrieb am 21. Februar 2010 at 10:59 - Permalink

      Wer braucht eigentlich noch die EU?

      Die Türkei mit Sicherheit nicht mehr!

    68. Outlook schrieb am 31. Mai 2010 at 17:07 - Permalink

      Israel geht auf Frontalkurs gegen Türkei

      Der Angriff auf den Hilfskonvoi bewege die islamischen Staaten im Nahen und Mittleren Osten zu einem Schulterschluss. Die Türkei werde nun eine Position einnehmen, die der syrischen nahe sei. ?Wir können von einer Front gegen Israel, gegen dessen Frechheit und Aggressivität sprechen?, sagte der General.

      Nach seiner Schätzung geht Israel ?unbesonnen und frech? vor, weil es eine starke Rückendeckung aus den USA spüre.

      http://de.rian.ru/world/20100531/126516218.html

      Moskau verurteilt israelischen Angriff auf Schiffskonvoi
      http://de.rian.ru/world/20100531/126514505.html

      Nach diesem Massaker wird es kaum noch möglich sein, gegen den Iran Sanktionen durchzusetzen.

      Jeder wird nun begreifen, dass das Regime in Israel unberechenbar ist.
      Und es soll Atomwaffen haben.

    69. Outlook schrieb am 31. Mai 2010 at 19:16 - Permalink

      Erdogan wirft Israel Staatsterrorismus vor – UN-Sicherheitsrat tritt zu Sondersitzung zusammen

      Der deutsche Bundespräsident tritt zurück.
      Die deutsche Bundeskanzlerin schweigt.
      Der deutsche Außenminister larviert.

      Totale Entropie.

      http://de.rian.ru/world/20100531/126517168.html

    70. Outlook schrieb am 8. Juni 2010 at 09:41 - Permalink

      Putin in Istanbul eingetroffen ? danach besucht er eine ganze Reihe weiterer eurasischer Staaten
      http://de.rian.ru/world/20100608/126615681.html

      Hier geht es um mehr. Hier geht um ein Zurückdrängen der US-Amerikaner in Eurasien.
      In wenigen Monaten läuft auch in Manas der Pachtvertrag für den US-Luftwaffenstützpunkt aus.
      Was wird man fordern?
      Die NATO-Truppen haben heute schwere Verluste in Afghanistan hinnehmen müssen.
      Für die US-Amerikaner steht mit Eurasien alles auf dem Spiel.
      Die SCO gewinnt immer mehr an Einfluss im Wirtschaftsraum Eurasien.
      Die Russen nehmen ihre Chancen wahr.
      Die Chinesen setzen ihre wirtschaftlichen Pflöcke. Speziell auch in Afghanistan.

      Für den Westen schließt sich langsam das Fenster in Eurasien


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