Ein Gespenst geht um in Berlin
19. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Während die beiden Volksparteien, die sich unisono in der politischen Mitte wähnen, in einer großkoalitionären Sinnkrise verharren, machten sich am Wochenende die polarisierenden Außenflügel des politischen Systems an die Aufgabe ihrer Neuerfindung. Während die libertären Vertreter des Besitzstandes in Stuttgart zur Abschaffung des Sozialstaates bliesen, feierte in Berlin die, aus PDS und den SPD-Rebellen der WASG fusionierte, LINKE ihre Geburt – eine Hybride aus einem altersschwachen Ostbaum und einem jungen Spaltpilz.
„Wir sind gekommen um zu bleiben“ war die Botschaft des Gründungsparteitages und sie verfehlte nicht ihr Ziel. Wenn man nur die hysterischen Kommentare fast aller politischen Gegner hören würde, müsste man denken, in Deutschland habe sich eine semistalinistische Partei gegründet, deren Ziel es ist, aus Deutschland eine Mischung aus Kuba und Nordkorea zu machen.
Der Herr Pofalla von der CDU setzt die LINKE populistisch merkbefreit mit der NPD gleich, Herr Niebel von der FDP pumpt sich auf wie ein hypertonischer Maikäfer und geifert über verfassungsfeindliche Kommunisten und Herr Heil von SPD mäandert über die Deutungshoheit des Begriffes „links“, den er als geistiges Eigentum der SPD verortet. In allen Äußerungen schwingt eine mystische Dämonisierung des linken Volkstribunen Lafontaine mit - gerade so, als sei Demagogie links der Mitte verboten. So unsinnig diese populistischen Kassandrarufe sind, so unklar ist die Zukunft, Programmatik und das Selbstverständnis der neugeborenen LINKEN.
Die LINKE stellt eher ein Sammelbecken diverser linker Strömungen dar als eine homogene Programmpartei. Exemplarisch für das Selbstbildnis der neuen Partei sind die Reden, die in Berlin gehalten wurden. Der neue Vorsitzende Lothar Bisky repräsentiert das pragmatische und besonnene, aber behäbige, PDS-Erbe der Reformsozialisten. Seine Rede – hoch intelligent, aber rhetorisch unausgefeilt, dröge vom Blatt abgelesen und tendenziell sedierend. Das genaue Gegenteil zur Bisky-Rede kam – wie zu erwarten – vom zweiten Vorsitzenden der neuen Partei, Oskar Lafontaine. Furios, rhetorisch einwandfrei und alle Zweige der Partei vereinend, legte er einen Parforceritt ab, der linke Positionen jenseits jeglicher Sachzwänge greifbar machte und in fast allen Punkten überzeugen konnte. Wenn sich die realpolitische Linie der LINKEN als Kompromiss zwischen dem intelligenten Pragmatismus Biskys und der populistischen Utopie eines Lafontaines vereinen wird, so wird die LINKE ihr Wählerpotential von 24% (Forsa) ernst nehmen können – the sky is the limit.
Aber abseits der beiden Positionsbestimmungen der großen alten Herren, gab es – wie bei einer linken Partei nicht anders zu erwarten – das, beinahe schon identitätsstiftende, basisdemokratische Klein-Klein. Ein zur Selbstzerfleischung neigendes Konglomerat aus Seminarmarxisten, politisch Korrekten, naiven Weltverbesserern, Salonsozialisten, zwanghaften Querulanten und Dogmatikern gehört zu einer Partei, die links der Mitte steht, wie die Maß Bier zur CSU. Ob es die LINKE schafft sich zum glaubwürdigen Vertreter der - von Lafontaine beschworenen - betrogenen Mehrheit zu erheben oder in einem chaotisch heterogenen System aufgeht, in dem Splittergrüppchen ihre weltanschaulichen Grabenkämpfe ausmachen und Partikularinteressen durchdrücken wollen, bleibt abzuwarten. Eine Partei, die sich nur auf Allgemeinplätze als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann, braucht niemand.
Zumindest dürfen die Scharfmacher der sogenannten politischen Mitte sich wieder beruhigen können – eine revolutionäre Kraft geht von der LINKEN sicher nicht aus. Auch sie würden – und zwar streng quotiert -, käme es zum Umsturz, erst einmal eine Fahrkarte lösen, bevor sie den Bahnhof stürmten.
Der Gründungsbonus ist vorhanden, die Zeichen der Zeit stehen gut, die SPD ist im großkoalitionären Wahnsinn verfangen und mit Lafontaine und Bisky hat die LINKE ein führungsstarkes Doppel an ihrer Spitze. Bis zur Wahl 2009 sollte dieser Anfangsvorschuss halten, wenn die Sektierer sich halbwegs im Zaum halten. Aber spätestens 2009 muss die LINKE sich zur grundsätzlichen Antwort auf die Frage des Regierungswillens bekennen. In einer rot-roten oder rot-rot-grünen Koalition wird die LINKE nur einen Teil ihrer politischen Forderungen durchsetzen können. Viele Punkte, wie Mindestlohn, Rücknahme einiger Komponenten der Agenda 2010 oder ein gestärkter Ordoliberalismus sind beispielsweise durchaus konsensfähig zum linken Flügel der SPD. Ob die dogmatische Linke und die Sektierer in den Reihen der LINKEN so viel Realpolitik vertragen werden, sei dahingestellt. Die Alternative wäre die Totalopposition. Diese Variante hieße keineswegs, nicht auf die reale Politik einzuwirken. Mit geschickten - auch populistischen - Äußerungen und Positionierungen kann so ein nachhaltiger Druck auf die lahmende SPD und die - ihre Tradition verleugnenden – Grünen aufgebaut werden.
Klar ist – die LINKEN werden einen tief greifenden Einfluss auf die Gesäßgeographie Deutschlands haben. Vor allem die SPD kann es sich nicht leisten, eine fahlrötliche Kopie der CDU zu bleiben. Auch wenn es den ehemals sozialdemokratischen Zweckopportunisten schwer fällt, den gefallenen Engel und Widergänger der Sozialdemokratie als Partner in Betracht zu ziehen, so kann die SPD der LINKEN nicht das komplette traditionell sozialdemokratische Feld überlassen, will sie nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden – denn momentan sind die LINKEN die wahren Sozialdemokraten.
Jens Berger
Bildnachweis: ZEIT, Bundestag, AP, Titanic-Magazin
Posted in Deutschland |
















































































es wird wieder ein kleines bischen spannend in der deutschen politik.
Lach. Ja auch die Linken sind eher Lampenputzer als Revoluzzer. Aber die Sache mit den Fahrkarten lösen bevor sie den Bahnhof stürmen, die macht mir Freude.
Das einzige was mir fehlte waren die Herz-Jesu-Marxisten von der Kommunistischen Plattform.
Ich glaube allerdings das eine linke Partei solch einen Spannungsbogen braucht. Wir hatten ihn ja früher auch mal in der SPD und sind damit gut gefahren.
Moment. Sind das die gleichen sozial-demokratischen Idealisten, die vor ein paar Jahren mit Begriffen wie Meinungsfreiheit und freiem Wahlrecht nichts anzufangen wussten?
Den “richtigen Drive” könnten sie sich ja bei der MLPD holen. Dann hätten wir eine “tatsächlich vereinigte Linke” und jede Menge Spaß. Oder auch nicht. ;-)
Jens, danke für den Artikel.
Hallo,
Zustimmung zu „Eine Partei, die sich nur auf Allgemeinplätze als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann, braucht niemand.“ und „…– denn momentan sind die LINKEN die wahren Sozialdemokraten.“ – und Bemerkungen:
Die Rede von Lafontaine war „Furios“ und „rhetorisch einwandfrei“ – aber voller bewußter Fehler – und nur deshalb teilweise auch „populistisch“ (ich hätte nie gedacht, daß ich diesen Begriff im Zusammenhang mit einer linken Partei mal benutzen werde müssen!).
Z.B.:
Lafontaine:“… die unter den Sozialistengesetzen Bismarcks verfolgt waren und sie stehen in der Tradition derer, die in den Konzentrationslagern Hitlers umgekommen sind…“ – will hier Lafontaine etwa verniedlichen, verharmlosen? Nur „verfolgt“, nur „umgekommen“?
Lafontaine:“… die als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in der DDR eingesperrt waren wie den Kommunistinnen und Kommunisten, die in der Bundesrepublik Deutschland eingesperrt und verfolgt wurden.“ – hier bedient er sehr berechnend sowohl den Zeitgeist aber auch die Forderungen seiner Zuhörer.
Lafontaine: R. Luxemburg – Zitat:“ “Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden” – und vermeidet es darauf zu verweisen, daß R. Luxemburg von „Andersdenkenden“ ermordet wurde.
Lafontaine: K. Liebknecht - etwas makaber (milde gesagt)!
Lafontaine: W. Brandt – “Von deutschem Boden darf niemals wieder Krieg ausgehen!” – da bleibt Lafontaine den Beweis schuldig, daß dieses Zitat wirklich von Brandt erfunden wurde.
Lafontaine:“… die Frage stellen, warum die Gewerkschaften seit Jahren in Deutschland auf dem Rückzug sind?“ – und beantwortet diese Frage:“… wir müssen neue Kampfformen entwickeln…“ – was ja bedeutet: “Ihr Deppen habt nur Schiß zu streiken, aber eure „Gewerkschaftsbosse“ , die machen Euch vor, was richtige Gewerkschafter mit guten Aufsichtsratsposten so alles bewegen können! Wir verarschen Euch schon weiter!“ (kein Zitat – kommt von mir).
Und so zieht es sich durch diese teilweise diffuse Rede weiter.
Also – an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.
Stark bleiben!
Sagen se mal Herr Spiegelfechter, haben Sie dem Oskar auf dem letzten Bild die Rotbäckchen gemacht?
@ralphs
Nö, das waren die genialen Kollegen von der Titanic, wie ich es als ehrliche Haut auch im Bildnachweis vermerkt habe ;-)
Na, für ne “neue” Partei ist Personal und Programm doch schon etwas angestaubt.
Als EvaHermannvariation in bezug auf “klassische” Konzepte, hält man sich aber immerhin Sahra Wagenknecht - das hat zumindest äußerlich auch was gespenstisches (wäre gut für eine Gastrolle bei der Adams Family)
Leider kann man jetzt nicht mehr PDSWASGDieLinkeLinkspartei schreiben - das hatte so schön schwummrig im Kopf gemacht.
Mal sehen was kommt, ich drücke die Daumen.
Oskar, der Malocher mit Vorschlaghammer.
Lustig. Bitte einen Nachschlag!
Wer weiß, ob die Blass-Roten davon einen Schlag bekommen oder ausgehungert werden?
Oskar, gib ihnen Saures! Sie haben es nicht anders verdient.
Dazu hier ein recht passender, wenn auch älterer Artikel:
wsws.org/d...
Ich persönlich halte Oskar Lafontaine für einen populistischen Schwätzer. Es mag einiges von seinen Aussagen stimmen - oder auch nicht. Das spielt keine Rolle, weil er damit nicht das Ziel der politischen Gestaltung verfolgt. Es geht im nur darum die Bürger zu verunsichern, damit Stimmen einzufangen und der SPD eins auszuwischen.
Interessant ist hierbei auch das Echo aus den anderen Parteien. Das Herr Pofalla die LINKE mit der NPD gleichsetzt ist inhaltlich kompletter Blödsinn und kann nur in dem Punkt gelten, das beide Parteien sehr populistisch argumentieren. Die erwähnten Aussagen von den Herren Niebel und Heil sind ebenfalls Unfug.
@13
Wie bewertest du die hysterischen Attacken der anderen Parteien gegen die Linke? Waren das auf einer sachlichen ebene vorgetragene Argumente? Wer gibt stets wudnerbare Versprechen ab, die nicht gehalten werden? Wer macht mit billigem Populismus das Sozialsystem kaputt und drängt auf einen weiteren Abbau mit fadenscheinigen Argumenten, die nur großen Versicherungskonzernen nützen?
Seit mindestens zwei Jahrzehnten werden die Menschen durch die kranke Politik in diesem Land verunsichert. Korrupte Räuberbanden, ideologische Nixkönner, asoziale Monster. Die Linke kommt spät. Aber besser spät als nie.
Zitat: “Die Linke kommt spät. Aber besser spät als nie”
Und jetzt fällt auf einmal Manna vom Himmel, weil der heilige Oskar das befiehlt?
Verstehe in den Bundesländern, in denen die PDS an der Regierungsverantwortung beteiligt ist, sind ja - als Beweis der Überlegenheit tiefroter Ideen - durchgängig blühende Landschaften entstanden.
Ich kann ja die Hoffnungen aufgrund der Frustration ja verstehen. Aber auch DieLinke kocht nur mit Wasser und hat keine Patentrezepte - das was sie hat klingt arg nach SPD in den 70/80ern.
Ihr Wasser verkaufen sie aber gerade mit einer extragroßen kunterbunt angemalten Tüte heißer Luft.
Die Linken sind leider ziemlich die einzigen die das Vertreten was ich haben will.
Die gruenen sind leider immer unwaehlbarer geworden. Ich mag gruena ls Konzept, aber die springen auch ohne Not auf den Terror-Paranoia-Grundrechte-mit-Fuessen-Treten-Zug auf.
Alleine schon zwei Legislaturperioden mit Schilly ohne protest…
Was mich an den Linken voellig zur Verzweiflung bringt, ist das die schon seit Jahren in diesen Belangen genau das vertreten was ich will. Auch schon als PDS.
Aber ich bin verdammt nochmal kein Kommunist!
Und die Linke macht keine Bemeuhungen sich von dieser Ecke zu distanzieren. Fuer mich ist der PDS-Fluegel immer noch der SED-Nachfolger der sie sind.
Ich werde wohl die Piraten waehlen. Obowhl das die totalen Underdogs sind und beileibe kein ganzheitliches Parteiprogramm haben.
Aber in der Oposition ist das ja auch egal.
Woher Tilman Baumann, willst du eigentlich wissen, das du kein Kommunist bist. War das eine Willensentscheidung. Bist du am 3.4. vor ein paar Jahren mitten in der Nacht aufgewacht und hast gesagt: “Ich bin kein Kommunist?” oder war das eine Entscheidung die dein Vater für dich gefällt hat oder deine Mutter.
Hat dich deine Familie oder deine Schule vor dem schrecklichen Schicksal bewahrt ein Kommunist zu werden. Aber vor allem, woher weißt du das es geklappt hat.
Vielleicht bist du ja ein verkappter Kommunist, möglicherweise ohne dein Wissen. Alleine das du das Wort kennst macht dich verdächtig.
Aber mit der Linken hat das nichts zu tun. Wenn du da Kommunisten suchst, dann wird es schwer. Ein paar die diesen Idealen anhängen sind in der kommunistischen Plattform. Aber anhängen und sein, das ist ein großer Unterschied.
Die Alt-Kader aus der SED, die waren die Kommunisten, einige haben es bis zum Sozialismus geschafft, aber davon sind die meisten schon tot. Der Rest war staatstragend, fähnchenschwenkend und parolenwiederholend. Ganz wie bei uns auch.
Also Angst vor Kommunisten musst du da nicht haben, solange du nicht eintrittst. Bei dir bin ich mir da nicht sicher. Aber das hatten wir ja schon.
Apropos Gespenst:
de.rian.ru...
Das war zu befürchten.
Und noch ein Fund für Spiegelfechter:
de.rian.ru...
:)
MfG
COPOKA
@Limited
Die PDS steht ja gerade eben für den realpolitischen Teil der LINKEN. Dazu gehört halt das Schliessen von Kompromissen mit dem (großen) Koalitionspartner - so ist halt Politik. Entweder man beschränkt sich auf Totalopposition und wirkt so auf die Meinungsbildung und schlussendlich auf die Position der “etablierten” Parteien ein oder man beteiligt sich an der Regierungverantwortung und verscherzt es sich in Teilen mit der dogmatischen oder subjektiv partikular-interessierten Basis. Dies ist ein Eiertanz, der nach hinten losgehen kann.
Auf jeden Fall wird die LINKE die “richtigen” Impulse setzen - so oder so, Hauptsache, sie verbiegt sich nicht.
@Tilman Baumann
Das geht mir ähnlich - obgleich ich mit einigen wirtschaftspolitischen Ansätzen nicht einverstanden bin (das ist Lafontaine aber auch nicht), ich die Einstellung der LINKEN zum Rauchverbot absolut unerträglich fand, mit sehr vielen Dingen an der Basis gar nicht einverstanden bin (ich hatte ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, dort einzutreten) und ich die grundpazifistische Linie der LINKEN für überdenkenswert halte. Aber ansonsten gehe ich mit verdammt vielen Punkten d´accord - und das kann ich von keiner anderen Partei sagen.
Ich auch nicht … und die LINKEN erst recht nicht ;-)
Das ist richtig - die LINKE geht damit aber konstruktiv um, was man von den anderen Parteien nicht sagen kann, die ihre Blockflöten assimiliert haben.
Dito - aber mit der Oposition wäre ich mir nicht so sicher.
@COPOKA
-> Chavez
Abwarten - so lange die Petrodollar sprudeln, kann er sein sozialistisches Experiment durchziehen. Ich bin auf die Ergebnisse gespannt.
-> Grimassen
Leider alles Agenturmaterial - aber vielleicht kann ich damit ja doch noch was anfangen ;-)
Es können auch Petroeuro sein und der Chaves führt derzeit Regionalgeld ein - er kennt also die notwendige Theorie dahinter.
Er wurde auch auf diplomatischen Weg von mir bekannten Leute zum Thema informiert!
Die Gemeinsamkeit zur Linken besteht also in dieser Frage nicht, wohl aber kennt sich Oskar Lafontaine darin aus.
Wenn die Linke also ihr antikapitalistisches Konzept weiter auf eine falsche marxistische Theorie aufbaut dann bleibt ihr nur noch der kleine Pazifismusvorsprung.
Sie sollten lange in der Opposition bleiben denn wenn sie ihre Nasen in die Tagespolitik stecken dann braucht sie niemand mehr denn die inneren Kräfte werden die gleichen sein die den Tot der SPD mitgetragen haben. Aber sie werden noch einen Hausse hinlegen und so genau die Leute bekommen!
@Winfried
*lol*
Oh ja, das höchst konspirative “Petro-Euro” Konzept ;-)
Entworfen von Edelmetallbrokern, die sich unbedingt auch so eine schicke Villa in Marbella leisten wollen und Autoren, die erkannt haben, dass sich neben Wasserbelebung, der Heilkraft von magischen Kristallen und Orgonstäbchen auch anderer Unfug prächtig verkauft.
Lass mal ;-)
Die Empfindlichkeit, mit der auf die LINKEN in den (bislang) etablierten Parteien reagiert wird, lässt mich schließen, dass wir es hier tatsächlich mit einer politischen Kraft zu tun haben, mit der in Zukunft gerechnet werden muss, nicht nur im Osten.
Zunächst stellt sich für mich aber die Frage, was die SPD in die Degenation getrieben hat,- sichtbar am Gewicht so merkwürdiger Gestalten wie Frank Steinmeier (ein reiner Politmakler ohne relevente Gestaltungsabsichten) oder Wolfgang Clement (würde weit besser in die FDP passen).
Vordergründig war es - zumal in der Schröderzeit - ein kritikloses Verständnis eines “pragmatischen” Regierens, sichtbar an derlei Katastrophen wie Tollkollekt - wo man sich die Agenda von Lobbyisten setzen ließ - und diese dann “pragmatisch” umsetzte. Der tiefe Wunsch nach äußerlichen Pragmatismus, im Kampf um die politische Mitte, ließ fast alle Werte abbröckeln, erodierte die programmatische Konzeption - und bewirkte sogar, dass sich die Führungsspitze der SPD bevorzugt als Organisationseinheit eines Kanzlerwahlvereins auffasste.
Ich denke, letztlich liegt die Ursache des Niedergangs der Sozialdemokratie in einem falschen Macht- und Staatsverständnis. Man will den Staat seitens der SPD vor allem “mitmachen”, nicht aber wirklich tiefgreifend gestalten,- und dann ein wenig durch Programme und Teilhabeprogrammatik menschlicher gestalten. Das muss - im Vergleich zu anderen deutschen Parteilen - nicht der übelste Ansatz sein, aber es ist zu wenig - denn es verkennt z.B. die Machtproblematiken jeglichen Regierens. Man will dabei sein - und verheddert sich in den Begehrlichkeiten von Fachpolitikern (z.B. Innenpolitikern mit Sicherheitsparanoia - oder “Kultur”politikern, welche nur das Hochkultur-Interessenklüngel vertreten). Man will dabei sein - und weiß im Grunde genommen nicht, was man anrichtet (Bsp. HartzIV-”Reform” mit enttäuschend schlechter Förderung von Langzeitarbeitslosen, stattdessen oft regelrechte Schikane von Hilfsbedürftigen).
Man versteht den Staat nicht, den man regieren will. Eine Mischung aus mangelnder Ambition und mangelnden KnowHow. Im Zweifel lässt sich ein SPD-Politiker seine Gesetzvorlagen direkt von der jeweiligen Verwaltungsspitze diktieren. Der typische SPD-Minister will in seinem Ressort vor allem irgendwie “mehr” Staat, “mehr” Gesetze, mehr Gelder - und weiß doch nicht, wie er in die vermeintlich regierten Verwaltungen hineinwirken kann. Nein, übler noch, er will das nicht einmal. Stattdessen erlässt er (typisch für Sozialdemokraten wie für CDU-Heinis) Erlasse, welche die parlamentarische Kontrolle von Verwaltungen torpedieren - bis hin zu Sprechverbot für Verwaltungsangehörige mit Mitgliedern der Legislative.
Übrigens ein recht übler Skandal - und einer, der dank der Schlafmützigkeit der (zumeist neoliberalisierten) deutschen Medien vollständig vergessen wurde. Dabei berührt er einen Kernpunkt der parlamentarischen Kontrolle der Exekutive. Doch, wie erklärt man Blinden das Sehen? Wie erklärt man blinden “Medien”, welche Themen tatsächlich wichtig sind, wenn diese stattdessen z.B. ausgiebig über Paris Hilton Bericht erstatten können?
Zurück zur deutschen Sozialdemokratie.
Es fehlt, und das halte ich langfristig für noch übler, eine sozial fortschrittliche ordnungspolitische Konzeption, welche tatsächlich geeignet ist, u.a.,
a) Wirtschaftsübermacht im Sinne der Interessen der Bevölkerung zu mäßigen,
b) die subventionistischen Fallstricke des Regierens sowie Klientel- und Partikularpolitik zu vermeiden,
c) einen effiezienten Staat zu rekonstruieren - der im Sinne seiner Bürger effizient ist,
d) Wirtschaftsdynamik zu steuern und sogar zu entfalten, sodass alle Teile der Bevölkerung davon profitieren,
e) den Schutz der Schwachen und Schutzbedürftigen gesamtgesellschaftlich durchzusetzen.
Aus Nähe zur Macht verlieren die Spitzenvertreter der SPD nur allzu gern die Nähe zu den Bürgern, die sie eigentlich vertreten sollen. So besuchen Parlamentarier (Stichwort Uhl) also fröhlich Bumslokale, sozialdemokratische EU-Abgeordnete übrigens beinahe in Fraktionsstärke, finanziert von wirkmächtigen Lobbyisten, Schröder und Clement scharwenzelten um Wirtschafts”führer” herum, und mühten sich ausgiebig, sich deren Aura zu eigen zu machen - statt sich um eine Politik zu bemühen, für die sie gewählt wurden.
Indes: Die gleichen Fallstricke sehe ich, im Umfang sogar noch dicker, im Fall der LINKEN dann kommen, wenn diese Regierungsverantwortung teilen oder übernehmen.
Eigentlich sehe ich die LINKEN (summarisch - Ausnahmen bestätigen die Regel) als rein rhetorische Partei. Es wird nicht tatsächlich eine politische Alternative geboten - Minister der LINKEN werden sich in exakt den gleichen “Sachzwängen” verheddern, sobald sie an der Macht sind.
Das bedeutet aber nicht, dass die LINKEN als Partei unnötig sind. Die vergessene bzw. “betrogene Mehrheit” benötigt Fürsprecher, und die SPD eine Anreiz, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen. Als pragmatisch eingepacktes INSM-Projekt hat die Sozialdemokratie keine Zukunft.
Gäbe es eine personelle und ausreichend vertiefte programmatische Basis, würde ich mir im Sinne der “betrogenen Mehrheit” eher eine radikaldemokratische Partei im Stil der frühen DDP oder der demokratischen Vereinigung wünschen. Hiermit ließe sich sogar ein Teil der politischen Mitte angehen, die FDP zudem an die Seite drängen - und eine politische Mehrheit links des Neoliberalismus organisieren - und all das ohne wirkungslose bis gefährliche Staatsaufblähung.
Leider eine Utopie.
Was ich in einem praegnantem Satz “Ich bin kein Kommunist” ausdrueckte heist zum Beispiel das es mich die unverholenen unrealistischen Wahlversprechen gegenueber Arbeitslosen und Harz empfaengern ankotzen.
Ich meine dieses antikapitalistische Geschwatz das man absolut nicht ernst nehmen kann.
Besonders beliebt im Osten, versprechungen die im wesentlichen bedeuten das sie DDR-Zustaende wieder herstellen wollen. Was sie sicher nich tuen werden/wollen.
@ 23
Du zeigst sehr viel Unwissenheit im Zusammenhang der Deckung von Weltwährungen.
Das die Goldhändler nicht auf einen Zusammenbruch derselben spekulieren sondern auf eine Edelmetallgedeckte Neuwährung scheint dir zu entgehen!
Nun machst du einen Schlenker in die Esoterik - die Aktion ist Rabbulistisch viel zu durchsichtig.
Der Atheismus hat keine Zukunft - keinerlei Zukunft!
Deine Antwort zeigt das Reizreaktionsmuster der Ausgrenzung und der Abwertung wenn Glaubenskonstrukte berührt werden.
Ich zeige wenigstens noch Lösungen auf - du hast keine - du hast nur Antihaltungen! Eben Links!
@26 Winfried
Ach mein lieber Winfried - es ist nicht schlimm, gewisse Wissensdefizite zu haben.
Ich habe VWL studiert und kenne Bretton-Woods, das IWF-System und die meisten Alternativen recht gut. Alle haben Stärken und Schwächen.
Das hat aber alles relativ wenig mit dem “Petro-Dollar” zu tun.
Lies und verstehe: Kriegsgrund Petrodollar
Der Text hat zwar einen anderen Inhalt, streift aber das System “Petrodollar/Petroeuro” an. Es kommt nur darauf an, was der Verkäufer einer Ware mit den Einnahmen macht - die Transaktionswährung ist kaum von Belang, wenn Staaten nicht ihre Reservepolitik ändern.
Aber ich kann mir diesen Beitrag eigentlich sparen - bei Euch Esoterikern zählen Argumente wenig. Ihr “glaubt” und das ist ok für Euch.
Ich will Euch das auch nicht kaputt machen - ein jeder soll nach seiner Facon glücklich werden ;-)
Zitat: “Ich denke, letztlich liegt die Ursache des Niedergangs der Sozialdemokratie in einem falschen Macht- und Staatsverständnis”
Ich möchte hier nicht den Thread kaputtmachen - eigentlich sollte es ja um DieLinke gehen.
Nur zwei Bemerkungen
a) falsches Machtverständnis - das sehe ich auch so.
b) falsches Staatsverständnis - das sehr ich anders.
Aber um diesen Thread beim Thema zu lassen, würde ich es bei diesen beiden Bemerkungen lassen.
Vielleicht ergibt sich ja im Rahmen einer Diskussion über die SPD irgendwo mal die Gelegenheit hierzu.
Studiert na und? Bist du mit deinem wissen sehr Vermögend?
Ich verstehe zu mindestens deine Unfähigkeit andere Thesen zu verstehen! Das ist aber auch Normal.
1991 Traf ich in Bangkok zwei englische Broker aus Hong Kong.
Die machten als Geldhändler in Millionen - Havard und so ist natürlich klar.
Weil ich die netten Jungs aus einer gefährlichen Lage befreit hatte - ich lebte in dem Viertel schon einige Monate - da erzählten sie mir eine super Geschichte.
Ich hatte sie etwas geärgert als ich sie dauernd Spieler nannte - da sagten sie mir das die Meisten auch die Studierten an der Börse nur Spieler sind - aber Einige wissen mehr als die Anderen.
Dann erzählte der Ian mir von einem Deutschen - aus dessen Theorie kann man etwas machen - Silvio Gesell -
Später traf ich einen Menschen der sein Geld in kurzer Zeit verdiente durch Edelmetallhandel und das deswegen, weil er auch Silvio Gesell - kannte - sein Buch ist rechts oben im Link auf meinem Blog kostenlos zu lesen.
Keiner von denen war eine Esoteriker - was soll das denn?
Albert Einstein sagte über dieses Werk: Die Schaffung eines Geldes das sich nicht horten lässt würde zu Bildung von Eigentum in wesendlicher Form führen
John Maynard Keyns: Ich glaube das die Zukunft mehr im Geiste Gesells als von jenen von Marx lernen wird.
H.G. Wells: Gesells Name wird ein führender Name in der Geschichte sein, wenn sie einst entwirrt sein wird.
Alles Esos? Du wirst noch einmal bitter Böse darüber sein das man dich so einfach belügen konnte - auch im Studium!
@29 Winfried
Mein Swimmingpool, geht von Casablanca bis nach Istanbul …
Wie großmütig von Dir - da spricht der wahre Freund der Aufklärung.
Mönsch, wen Du alles so getroffen hast in Deinem Leben - ich erstarre in demütiger Ehrfurcht.
Du hattest sie also mit Deinen Weisheiten genervt und dafür, dass Du sie verschonst, haben sie Dir eine Geschichte erzählt.
Wow! Das ist ja eine vollkommen neue Information. Spieler an der Börse sind also Spieler - was Du so wertvolles aus zwei betrunkenen Engländern rausbekommst.
Du hättest sie auch nicht ärgern sollen - kein Wunder, dass sie sich rächen.
Mönsch, Du kennst aber auch Leute! War er es, der Chavez den goldenen Tipp gab?
Wenn Du einen Esoteriker fragst, ob er Esoteriker sei, wirst Du nie eine bejahende Antwort bekommen - aber wem erzähle ich das *rolleyes*
Ich vermute Einstein hätte “wesentlich” korrekt geschrieben.
QED - gell?
Wells sagte auch: “”Die Erfindungen und die moderne Wissenschaft haben starke Kräfte hervorgebracht, die eine bessere Organisation, ein besseres Funktionieren der Gesellschaft, das heißt den Sozialismus, erstreben.”
Das liegt auch ganz auf Deiner Linie - nicht wahr?
Nun ja - gehab Dich wohl lieber Winfried. Ich habe ja auch meine gewisse Freude an so drolligen Ideen, wie den Deinen ;-)
Ich war eigentlich ziemlich enttäuscht, daß keiner von den üblichen Schreihälsen nach mehr Tornados zur Überwachung von Linksextremen gerufen hat.
Nun sei gesagt das man in der Regierung jetzt ganz plötzlich Altlasten aufarbeitet wie dieses Beispiel zeigt wo ich selbst mehrere Anfragen gestartet habe und keine Antwort bekommen habe.
Der Chaos Computer Club freut sich, daß die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt ist. Die Bundesregierung bekräftigt in ihrer Antwort die zentralen Argumente, die der CCC in den letzten Jahren gegen das Biometrie-Großprojekt vorgebracht hatte und entkräftet somit den Verdacht, biometrische Merkmale würden die Sicherheit von Ausweisdokumenten erhöhen.
kingbalanc...
Sehenswert ist folgender Link G8 Grimassen - thx nach ru
de.rian.ru...
Interessanter Beitrag zum Gründungsparteitag, aber die Montagen im FDP-Post sind ganz besonders gut! Weiter so!
Zum Gründungsparteitag der LINKEN. habe ich auch ein paar Worte verloren: bloeser.bl...
Hallo,
siehe auch freitag.de...
Stark bleiben!