Ein satanischer Vorschlag
geschrieben am 13. Juli 2007 von Spiegelfechter
Lange Zeit war es ruhig um Günther Wallraff. Aber einer wie Günther Wallraff weiß sich zu inszenieren. Wenn er aus dem medialen Nichts zurückkommt, dann muß es mit einem Paukenschlag sein. Salman Rushdies “Satanische Verse” sollen es sein, die er im umstrittenen Moscheeneubau in Köln Ehrenfeld vorlesen will. So etwas polarisiert und bringt Presse, Wallraff kennt die Medien gut.
Eine ernsthafte Bewertung dieser Idee ist indes schwieriger, als es die lauten “Pros” und “Contras” aus den Medien vermuten lassen – oder gerade eben deshalb. Wallraff trifft nämlich einen wunden Punkt. Sein satanischer Vorschlag erinnert stark an den Karrikaturenstreit – Meinungsfreiheit ist ein Wert, über den man eigentlich nicht streiten muß. Meinungsfreiheit ist ein Bürgerrecht, dennoch gelten zwei Einschränkungen. Die geäußerte Meinung darf nicht strafbar sein und sie sollte nicht über Gebühr beleidigend sein. Aber wer ist der Richter? Was ist beleidigend und entscheidet dies der Beleidigte?
Im Rahmen der Integrationsdiskussion wird argumentiert, dass Muslime die gleiche Beleidigungsschwelle aufbringen sollten, wie nichtmuslimishe Mitteleuropäer. Das ist per se nicht falsch, nur verwechselt der nichtmuslimische Mitteleuropäer hier etwas. Was für den Muslim beleidigend ist, muss für den Nichtmuslim noch lange nicht beleidigend sein. Unsere Gesellschaft ist, Papstrummel zum Trotz, eher säkulär und nicht sonderlich religös. Auf religöser Ebene kann man den normalen Michel schwerlich beleidigen, dennoch ist es scheinheilig über Meinungsfreiheit zu diskutieren, wenn in Deutschland die Leugnung des Holocausts strafrechtlich verfolgt wird. Meinungsfreiheit gilt für alle – auch für Vollidioten.
So lange im deutschen Boulevard englische Fußballfans es mit ihren “Ten German Bombers” auf eine schwer empörte Titelseite schaffen oder ein englischer Prinz, der zu einer Kostümparty in Wehrmachtsuniform erscheint, “ganz Deutschland” (laut BILD) beleidigt, sollte gerade der deutsche Boulevard zum Thema Beledigtsein schweigen – auch BILDs “Beleidigte Leberwurst-Kampagne” gegen Polen wirkt in diesem Zusammenhang peinlich.
Sicher – BILD spricht keine Fatwa aus und Prinz Harry muß keine Angst haben, von deutschen Touristen vor dem Buckingham-Palace gelyncht zu werden. Aber die viel zitierten Fatwas wurden – bis auf die Rushdie-Fatwa, welche längst widerrufen wurde- meist von radikalen Vollidioten in Pakistan ausgerufen, die weder die religiöse Instanz haben, dies zu tun, noch sonderlich ernst genommen werden sollten. Das eine Kombination von sensationsgeiler Presse und radikalen Extremisten sich gegenseitig zum Skandal aufputscht, ist verwerflich und für die Integration höchst kontraproduktiv. Broder hat einmal die Frage aufgeworfen, wo die ganzen dänischen Flaggen herkamen, die in Gaza und Islamabad verbrannt wurden – dies ist eine gute Frage, man könnte allerdings auch fragen, wo die AP- und Reuters-Fotografen herkamen – Inszenierung, eine Win-Win-Loose Situation. Verlierer sind die Migranten.
Auch bei Wallraffs kalkulierter Provokation sind die Migranten die Verlierer. Dem Jupp aus Kölle wird medial mal wieder das Bild des bärtigen, reaktionären und frauenschlagenden Ali vermittelt, der bei Mohammed-Karrikaturen oder Rushdie-Lesungen in einen Blutrausch verfällt (Wallraff: Zur Not mit Polizeischutz) und der türkischstämmige Muslim wird es noch schwerer haben, sich bei seinen deutschen Arbeitskollegen für seine Religion zu rechtfertigen – ist dies eigentlich nötig? Wallraff agiert eskalierend und nicht deeskalierend – aber dies ist auch sein Ziel. Er sagt zwar, er suche den Dialog. Das ist ehrwürdig, aber wieso verbindet er dies mit einer Beleidigung?
Will Wallraff einen ernsthaften Dialog mit Christen erreichen, indem er im Petersdom einen Schwulenporno aufführt? Einen ernsthaften Dialog mit dem Judentum, indem er die (widerlichen) Protokolle der Weisen von Zion vorliest? Wird er die Hindus mit einem blutigen Rumpsteak in einem Hindu-Tempel beglücken wollen? Pro-Familia mit Kinderpornos? Das Innenministerium mit einer Lesung aus dem Grundgesetz? Wallraff sagt, Muslime regten sich über das Buch auf, ohne darin gelesen zu haben. Wie viele Deutsche haben Hitlers “Mein Kampf” gelesen?
So weit ist die deutsche Gesellschaft selbst noch nicht, warum sollte man dies von Muslimen in Deutschland erwarten? Es ist schade, dass Wallraff seine an sich lobenswerte Idee dermaßen überzogen hat, dass sie nicht mehr wirklich ernst zu nehmen ist. Der Islam muß sich reformieren und so etwas geschieht selten von innen. Druck von außen ist richtig und zu begrüßen. Aber gerade bei diesem heiklem Thema sollte man doch besonnener vorgehen, will man sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, Provokation als Selbstzweck zu betreiben und damit genau das zu erreichen, was man nicht will: Wasser auf die Mühlen der Extremisten beider Lager zu gießen und die integrationswilligen Muslime zu den Verliern zu machen.
p.s.: Die Vergleiche zwischen Rushdies Buch und den anderen Provokationen sind nicht inhaltlich oder wertend sondern nur auf das Beleidigungspotential beim Rezepienten bezogen. Natürlich ist ein literarisches Werk etwas anderes als eine antisemitische Hetzschrift.
Jens Berger
Bildnachweis: 2x Titanic-Magazin, extremecatholic.blogspot.com, KiWi
| Tags: Deutschland | |
![]() |
Partnersuche im Internet Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1 Wissenschaftlich fundierter Test www.PARSHIP.de |










Kommentieren
Artikel
Kommentare
eMail-Abo
Hallo,
Wallraff will provozieren – und muß Geld verdienen.
Ein Degenhardt oder Kittners kritisches Kabarett oder Martin Buchholz bringen es wesentlich mehr auf den Punkt.
Hut ab vor Wallraff – doch irgendwie ist er angekommen.
Wer bei Kerner Gast ist, ist eigentlich schon tot.
Ruhe sanft.
Die Zähne liegen im Wasser Günter
Stark bleiben!
Nett gedacht, aber das sehe ich anders. Wie ich bereits in einem eigenen Blogeintrag schrieb, bin ich durchaus für die Freiheit von Holocaustleugnern, und halte den “Respekt” vor Religionen für falsch und überzogen.
Anders gesagt: Wenn jemand im Vatikan einen Schwulenporno aufführen möchte – und die Genehmigung kriegt –, dann bitte sehr. Und wenn sich eine Moschee findet, bei der das Buch vorgelesen wird, dann finde ich das sehr richtig. Das ist nämlich dann ein Zeichen, dass es durchaus auch Muslime gibt, die auf diese Kritik nicht mit Drohungen reagieren. I.Ü. ist m.W. die Fatwa gegen Salman Rushdie nicht aufgehoben worden.
Natürlich können wir uns an die eigene Nase fassen, wenn es um Popetown o.ä. geht. Und natürlich ist es nicht unbedingt klug, im Iran aus den Satansichen Versen lesen zu wollen (zumindest öffentlich). Und natürlich ist das eine publikumswirksame Geste.
Na und? Gleichzeitig ist es m.E. eine Geste, die Farbe bekennt. Dialog ist für mich – egal, mit wem – nur unter der Maßgabe unserer grundsätzlichen Gesellschaftsordnung möglich. Und dazu gehört die Meinungs- und die Religionsfreiheit (i.S. der Satanischen Verse) und auch die Versammlungsfreiheit (i.S. Schäuble). So, wie man auch bei Herrn Schäuble eine Linie ziehen sollte, hinter der er sich seinen Allmachtsphantasien hergibt, vor der aber damit Schluss ist, so sollte das auch in diesem Fall getan werden. Es geht einfach nicht, dass z.B. Frauen in Deutschland immer noch mehr oder weniger entrechtet werden, diesmal unter der Maßgabe eines fehlerfreien Korans.
Ich weiß, dass nicht alle Muslime so drauf sind – aber ich kenne genug muslimische Familien, die so drauf sind, bei denen z.B. die Mutter nicht alleine vor die Tür darf (außer zum Einkaufen), nicht mal ins Kino oder so, und wo diese Frau nach dreißig Jahren Deutschland gerade mal zehn deutsche Worte kennt. An der Uni Essen wurde ein Vortrag über den Islam mit wütenden Beschimpfungen und Drohungen unterbrochen, weil sich die Rednerin da Unerhörtes herausnahm.
Und das geht nicht. So funktioniert unser Land nicht. In der Türkei z.B. funktioniert es auch nicht so (wenn man in der Großstadt ist). Diesen Fakt kann man klar machen, und im Moment würde ich sogar sagen, dass man das muss. Denn hinter dem Respekt vor Religion verbirgt sich nicht nur der Islam, sondern auch christliche Fundamentalisten wie z.B. Kreationisten. Andere, wie Herr Schäuble, habe ich schon erwähnt.
Das Recht der persönlichen Ehre, dass in unserem Grundgesetz verankert ist (leider?), sehe ich dadurch nicht betroffen. Mit einer Kritik oder auch einer Beleidigung eines Glaubens beleidige ich nur in speziellen Fällen auch die Gläubigen direkt (beispielsweise “Das ist eine Religion, an die nur Idioten glauben”), ansonsten trifft der Vorwurf nur zu, wenn man sich nur über diese Religion definiert – und wer das tut, bei dem kann man gar nicht verhindern, dass man ihn irgendwie beleidigt. Der Rest muss eben drüber stehen, wie ich auch drüber stehen muss, wenn jemand meine Schreibe oder mein Aussehen kritisiert.
Der Presseeffekt für Wallraff ist toll, die BILD wird sicher auch schön stänkern – aber man sollte sich seine Meinungen nicht danach aussuchen, wer zufällig mal mit im Boot ist. Ich finds trotzdem richtig. Nicht wegen. Aber richtig.
Aus gegebenem Anlass zitiere ich mal aus dem Heise-TP-Forum:
“fein – und danach Deschner im Katholen-Dom vorlesen
Postosuchus (166 Beiträge seit 27.02.07)
aber da ist die Rushdie-Lesung in der Moschee wohl wahrscheinlicher”
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=13112671&forum_id=120331
“Das ist ausbaufähig …
Peter Brockfeld, Peter Brockfeld, Peter.Brockfeld@web.de (264 Beiträge seit 18.07.00)
- Russ-Meyer-Filme in der EMMA-Redaktion
- “White men’s burden” bei attac
- Grundgesetz im Innenministerium
- Knigge im heise-Forum
- Reinhard Mey bei AC/DC
Ehrlich gesagt würde mir die Verwirklichung all dieser Vorschläge
durchaus gefallen.
Tolerante Grüße”
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=13112891&forum_id=120331
Achja, nicht jedem hier wird wohl der Name Karlheinz Deschner geläufig sein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner
Wie Herr Maltzahn vom Spiegel einen Helden und Denker entdeckt hat:
http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,494268,00.html . Toll.
Na ja, ich WÜRDE ja gerne mal “Mein Kampf” lesen wenn ich es denn wirklich mal KAUFEN KÖNNTE und nicht ständig in Bibliotheken meinen Ausweis vorlegen müsste damit die sehen, dass ich nun nichts wirklich schwerwiegendes vorhabe…
Geht aber nicht. Also nicht über Wege, die ich nun nicht einschlagen möchte.
Ad Astra
en.wikipedia.org wer dem krampf lesen möchte kann es da tun bzw sich runterladen.
@prospero
[EDIT: LINK ENTFERNT]
lohnt sich aber ned wirklich zu lesen… (oder war das nen Meinungsfreiheits-test;)?
Zum Thema, Spot ON Spiegelfechter!
Jetzt hat Wallraff ja erreicht, was er wollte: jeder hat registriert, daß er wieder da ist. Sowas nennt man medial “eindruckvoll zurückgemeldet”, oder so. Der Hype um ihn und der Bild-Reklame von Schwarzer zeigt doch eigentlich nur, daß man diese Leute immer noch ernst nimmt. Die haben “kalkuliert provoziert”, gezeigt, dass sie “verstehen, wie Medien funktionieren”. Das heisst, sie haben gezeigt, daß sie wissen, wie man seine Leser vera-lbert und manipuliert. Das zeigt aber auch, dass sie in das, was sie zu transportieren haven, selber kein Zutrauen mehr haben.
PS: warum funktionieren meine Trackbacks nicht?
@bigberta
-> PS: warum funktionieren meine Trackbacks nicht?
Die sind von WP als Spam eingestuft wurden … frag´mich nicht warum ;-)
“Aber die viel zitierten Fatwas wurden – bis auf die Rushdie-Fatwa, welche längst widerrufen wurde- meist von radikalen Vollidioten in Pakistan ausgerufen, die weder die religiöse Instanz haben, dies zu tun, noch sonderlich ernst genommen werden sollten”
Es gab zwar 1998 eien Distanzierung der iranischen Regierung, welche allerdings nicht mit einer Widerrufung gleichzusetzen ist. Es wäre auch etwas kompliziert in einem von Khomenei durchgeführten Rechtsgutachten Fehler nachzuweisen.
“The Islamic Republic’s government formally distanced itself in 1998 from the original fatwa against Rushdie, issued in 1989 by Khomeini who said the book committed blasphemy against Islam.
But shortly after it disavowed the death edict under a deal with Britain, Iranian media said three Iranian clerics called on their followers to kill Rushdie, saying the fatwa was irrevocable.
A senior Iranian cleric said in a sermon at prayers on Friday that the fatwa was “still alive” in the Islamic Republic”.”
Allerdingswird diese Fatwa sowohl die in Deuschland lebenden Schiiten, von denen nur eine Minderheit Khomenei-Anhänger sind noch Sunniten aller Art, denen das Gefasel von Khomeini am Arsch vorbeigeht , zu irgendeiner gar immer gearteten Handlung bewegen.
Den integrierten Zuwanderern wird auch nicht dadurch das Leben schwerer oder leichter gemacht, dafür sorgen weitaus mehr die überaus hilfsbeflissenen Berufsintegrierer, die Migranten für hilfsbedürftige Idioten halten.
Wichtig ist lediglich in diesem Zusammenhang, dass derjenige der Interesse hat, dieses Buch jederzeit kaufen, ausleihen und lesen kann.
http://www.reuters.com/article/topNews/idUSBLA45426020070624
Das ist allerdings unabhängig von Wallraffs Posing zu sehen, er kann meinetwegen auf Lesetournee mit den Satanischen Versen gehen, wenn ihm danach ist, aber ich vermute, dass es dann doch das neue Call Center Buch sein wird.
Och, kenne ich. Unser watchblog hatte mich auch schon mal im Spam-Ordner :-)
Nein, Wallraffs Vorhaben ist nicht mit dem Vorlesen der “Weisen von Zion” in einer Synagoge oder den anderen Vergleichen gleichzusetzen.
Zugegeben der Unterschied ist subtil. Aber er eröffnet sich, wenn man bedenkt wer entlarvt wird. Der Vorleser oder eine totalitäre Ideologie, oder beides?
Ich würde die genannten Beispiele nicht vorlesen wollen, weil ich dadurch wie ein kompletter Idiot aussehen würde. Meine Gegner hätten Argumente! Ihre Beleidigtsein wäre berechtigt ob meiner ideologischen Verblendung.
Beim Islamismus ist das anders. Er hat keine Argumente und benutzt das Beleidigtsein als Ersatz dafür. Empörung als taktisches Kampfmittel.
Walraff hat die Vernunft auf seiner Seite und setzt sie GEGEN ideologische Verblendung ein.
Er riskiert nicht als Idiot dazustehen, er riskiert sein Leben.
Und das sagt eine Menge aus.
Wer sagt, daß er “sein Leben riskiert”? Das ist doch Teil der Inszenierung. Hat hier – übrigens darin “Idomeneo” sehr ählich – ein “Islamist” schon was gesagt? Bekir Alboga hat sich positiv geäussert. Wie ärgerlich. Aber es wird sich doch noch irgendein Depp finden lassen, der droht, sonst fühlt sich W. bestimmt “totgeschwiegen”…
… nun könnte ich provozierend sagen, daß Deine Meinung über Wallraff nicht zwangsläufig falsch sein muß, nur weil sie sich mit dem aktuellen “Brief” des großen Gossen-Philosophen F.J. Wagner deckt ;-)
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/standards/post-von-wagner/2007/07/13/wagner.html
Wallraff ist auch nicht mit der Ankündigung, die “Satanischen Verse” in einer Moschee lesen zu wollen, “mit einem Paukenschlag aus dem medialen Nichts” zurückgekehrt, sondern sorgte schon vorher durch seine Undercover-Recherche im “Callcenter”-Bereich erneut für Aufsehen. Man sollte auch nicht unerwähnt lassen, daß er seit vielen Jahren eng mit Salman Rushdie befreundet ist, dem er zeitweise auch in seiner Wohnung “Asyl” gewährte.
Außerdem war Günter Wallraff auch nie wirklich weg vom Fenster, denn man konnte ihn in den letzten Jahren in vielen, zum Teil sehr interessanten Diskussionen erleben. Höhepunkt war für mich das Gespräch bzw. die Aussöhnung mit Peter Boenisch, dem legendären “Bild”-Chefredakteur, der sich noch vor seinem Tod zumindest für die schlimmsten seiner damaligen Hetz-Kommentare entschuldigt hat.
Vielleicht denken manche auch, daß sich Wallraff mit den Millionen, die er durch seine Bestseller verdient hat, ein schönes Leben gemacht hat. In Wirklichkeit hat er damit mehr als die meisten anderen Autoren lobenswerte Projekte unterstützt. Auf seiner Homepage heißt es dazu: “Um Ausländern wirksam helfen zu können, richtete Günter Wallraff den Hilfsfonds ‘Ausländersolidarität’ ein. Für ein in Duisburg geplantes Wohnmodell, in dem Ausländer und Deutsche zusammen leben werden, stiftete er den Großteil seiner Honorare.”
http://www.guenter-wallraff.com/biographie.html
Ansonsten: Seine auch diesmal wieder gezielte Provokation unterstütze ich, und vielleicht kommt es dadurch tatsächlich zu einem längst überfälligen Dialog zwischen toleranten Christen und fortschrittlichen Muslimen, die es nämlich auch gibt. Im übrigen bin ich der Meinung, daß kein Buch auf der Welt verboten werden darf, schon weil die abschreckende Wirkung manchmal noch viel effizienter sein kann. Das gilt auch und gerade für Hitlers “Mein Kampf”.
Gruß Ben
Aber, aber, das siehst Du völlig falsch. FJ Wagner geht davon aus, daß W. zwar durchgeknallt ist, aber das Anliegen echt ist. Das tue ich nicht: ich sage es nochmal: er hat keines, sieht man mal vom pushen seines Buches ab.
Laß es mich so sagen: das “Mittel” ist ähnlich denen, daß z.B. Sonya Kraus (talk talk) wählt, wenn Du verstehst, was ich meine. Und nochwas: es geht eben nicht um Dialog. Das kann man noch so oft behaupten, davon wird es nicht wahrer.
Sagst du. Ich sage, Wallraff lebt den Sponti-Spruch: “Stellt euch vor, es ist Krieg, und keiner geht hin”.
Stell dir vor, Wallraff liest aus den satanischen Versen, und keiner regt sich auf. DAS wäre ein Zeichen, wie man mit so was umzugehen hat. Das könnten sich die Hetz-Imame aus Pakistan (oder sonstwo) mal schön in den Bart schmieren.
Stell dir vor, da hören Leute zu, und danach applaudieren die noch, weil denen das Buch gefiel. Oder danach zucken sie mit den Schultern, weil es sie kalt gelassen hat. Das wäre perfekt, so sollte es sein.
So, wie Frau Merkel auf die polnische Muttermilch-Karikatur reagierte: Ist halt Pressefreiheit, bitte sehr.
Aber nein, hier wird gleich wieder der Wallraff niedergemacht, weil er damit Presse kriegt. Und Gott bewahre, wenn jemand auch nur ansatzweise von etwas profitiert, was er tut. Wo kämen wir da hin?
I bewahre, er wird doch nicht “niedergemacht”. Gemeinerweise hat sich ja – genau wie bei Idomeneo noch keiner aufgeregt. Ich denke bloß, man sollte es in die richtige Kiste tun, und da hast Du mit der Muttermilchkarikatur schon recht. Genau in die Schiene gehört es. Oder in die Schiene, wenn irgendeinem Starlet die Bluse platzt. Wenn man es da reinsortiert, ist es doch kein “Niedermachen”. Und Du hast recht: alle gehen hin und keiner regt sich auf. Das fände Wallraff bestimmt ganz entsetzlich.
Bekir Alboga ist ein kluger Mann. ich würde allerdings nicht auf die Kölner Moschee warten. Marxloh ist eher.
@Patrick Pricken
Ja und nein ;-)
Natürlich wäre es optimal, wenn niemand sich über solche Aktionen aufregen würde. 100% d´accord!
Aber “wir” sollten uns dabei doch zunächst einmal selbst an die Nase fassen. Inszenierte Provokation und inszenierte Entrüstung ist doch keinesfalls ein Monopol von “Hetz-Imamen” aus Pakistan. Die inszenierten Provokationen von Ahmadinedschad und die inszenierte Entrüstung aus dem Westen ist doch ein hervorragendes Beispiel dafür. Ich erinnere hier einmal an sein berühmtes SPIEGEL-Interview. Ahmadinedschad spielte mit dem Feuer und lavierte um die Frage des Holocausts herum. Warum kann Herr Aust da nicht den Voltaire machen und sagen “„Ich verabscheue, was Sie sagen, aber ich werde Ihr Recht, es zu sagen, bis zum Tode verteidigen”?. Das wäre doch mal eine Lehre für Herrn Ahmadinedschad. Aber nein – Herr Aust “spielt” den Empörten und die Politkammerilla empört sich ebenfalls wie auf Knopfdruck.
Es gäbe noch zig weitere Beispiele.
Ja bigberta, da sind wohl unsere Prämissen schon verschieden.
Ich sehe den Islamismus als ernste Gefahr an. Und seit ich den Koran gelesen habe macht sich bei mir auch eine gewisse Islamophobie breit.
Natürlich kenne ich die Motive Walraffs sowenig wie du. Aber dass er Rushdie vor der Fatwa versteckt hat, ist zumindest ein Indiz das gegen deinen Verdacht spricht.
Natürlich bringt er die deutschen Muslime in eine (nicht ganz faire) Zwickmühle. Aber ich glaube, dass er eine Erlaubnis zur Vorlesung bevorzugen würde. Ich sehe sein Motiv nicht in der Inszenierung sondern in der Subversion.
Dass man damit gegenüber dem Islamismus sein Leben riskiert, hat Theo van Gogh allerdings schon bewiesen.
Und weil Herr Aust sich aufregt, regt man sich hier über Herrn Wallraff auf? Oder: Weil Herr Aust sich aufregt, darf niemand mehr was über den Islam sagen? Ich verstehe die Zusammenhänge nicht, außer das beide Reaktionen übertrieben sind.
Die BILD macht ja regelmäßig unerträgliche Hetzkampagnen gegen alles und jeden. Darum muss ich nicht erst warten, bis die BILD das nicht mehr tut, bevor ich das beim Nächsten bemängele. Ich kann mehr als einen kritisieren, und ganz einfach sowohl die Tom-Cruise-Schelte seitens einiger aufgeregter Bundestagspersonen als auch die Rushdie-Schelte seitens Pakistan bemängeln.
@Papa Schlumpf: Ich sehe das ähnlich; allerdings fürchte ich mich vor allen Dogmata, explizit allen Religionen, wenn die zur primären Grundlage von Lebensweisen erkoren werden. Da ist der Islam nur eine von vielen – allerdings zweifellos augenblicklich die (weltweit) gefährlichste.
@Patrick Pricken
So hart kritisiere ich Herrn Wallraff doch gar nicht ;-)
Was für mich als Fazit steht: Wenn er ernsthaft Dialog haben will, kann er nicht die provokatorische Maximalforderung stellen. Ich kritisiere nicht seine “Aktion”, sondern seine mE scheinheilige Begründung. Wenn er á la Schlingensief argumentieren würde (Provokation als Kunstform, die zum Nachdenken zwingt), hätte er sicher meine Zustimmung.
p.s.: Weitere Antworten erst ab morgen, “muß” noch den schönen Abend geniessen ;-)
… tja, so ist das, Clowns wie Schlingensief bekommen Applaus und man gönnt ihnen die Kohle, während sich ein Günter Wallraff, der in seinem Leben ganz sicher mehr bewegt hat, für jede Handlung und für jedes Wort rechtfertigen muß
Natürlich kann man über seine aktuell geplante Aktion geteilter Meinung sein. Mich stört nur, daß Wallraff von einigen pauschal verurteilt wird und man ihm unterstellt, er hätte jahrzehntelang das alles nur gemacht, um reich und berühmt zu werden. Mediengeilheit als Motiv könnte man dann auch jedem Politiker unterstellen, egal was er sagt und wie er handelt. Es gibt nun mal Jobs, die ohne Öffentlichkeit sinnlos wären. Nur muß man sich normalerweise dabei nicht die Hände schmutzig machen, wozu Wallraff jedoch stets bereit war, und zwar sogar im wahrsten Sinn des Wortes
Denn angenehm war es sicherlich nicht für ihn, sich jeden Morgen als Türke zu verkleiden inklusive Perücke und dunkler Kontaktlinsen, so daß ihn wochenlang nicht mal seine damals noch kleinen Kinder erkannten, was nach seiner eigenen Aussage zu beträchtlichen familiären Spannungen führte. Ganz zu schweigen von seiner Aktion 1974, als er sich in der damaligen Militär-Diktatur Griechenland in Athen an einen Laternenmast kettete und vorher als einzige “Schutzmaßnahme” Schmerztabletten eingenommen hatte. In Wiki heißt es dazu: “Er wurde bei dieser Gelegenheit von Geheimpolizisten zu Boden geschlagen und schwer verletzt. (…) Ein griechisches Sondergericht verurteilte Günter Wallraff zu 14 Monaten Haft. Durch eine Amnestie wurde Günter Wallraff am 26. Juli 1974 aus dem Gefängnis entlassen.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Günter_Wallraff
Ich vermute, daß Wallraff manchen Leuten unsympathisch ist, weil er den Mut dazu hat, Dinge zu tun, die wir sesselpupsenden Salon-Sozialisten uns nie trauen würden. Ich hatte jedenfalls schon immer großen Respekt vor ihm. Daher würde ich gern mal von den hier anwesenden Wallraff-Kritikern erfahren, was sie ihm denn nun konkret vorwerfen.
Gruß Ben
Moment, es geht nicht um das, was er früher gemacht hat, es geht um das, was aktuell macht.
@ bigberta
… Du schreibst: “Moment, es geht nicht um das, was er früher gemacht hat, es geht um das, was aktuell macht.”
Ach ja, wirklichß Und warum drückst Du Dich denn die ganze Zeit so allgemein aus?
_____________
“Wallraff will provozieren – und muß Geld verdienen.”
“Wie Herr Maltzahn vom Spiegel einen Helden und Denker entdeckt hat: … . Toll.”
“Jetzt hat Wallraff ja erreicht, was er wollte: jeder hat registriert, daß er wieder da ist. (…) Die haben “kalkuliert provoziert”, gezeigt, dass sie “verstehen, wie Medien funktionieren”. Das heisst, sie haben gezeigt, daß sie wissen, wie man seine Leser vera-lbert und manipuliert.”
“Aber es wird sich doch noch irgendein Depp finden lassen, der droht, sonst fühlt sich W. bestimmt “totgeschwiegen”…”
____________
Die Art Deiner ständigen Häme klingt nicht danach, als würde es Dir nur um die geplante Lesung der “Satanischen Verse” gehen. Der von Dir Kritisierte hat immer Mut bewiesen. Nun solltest auch Du Dich ruhig mal trauen, meine Frage zu beantworten, was Du denn so schrecklich an Günter Wallraff findest.
Gruß Ben
“Moment, es geht nicht um das, was er früher gemacht hat …”
Nicht wirklich, nein. Aber es hilft seine Motivation zu verstehen.
Sich von einer Diktatur verprügeln lassen, einem Vogelfreien Schutz gewähren. Sowas tun Opportunisten nicht. Idealisten schon.
Folglich unterstelle ich ihm auch hier idealistische Motive.
Nicht dass gegenüber radikalen Aktionen kein Misstrauen angebracht wäre. Nur sollten politische Reflexe nicht die Meinungsbildung ersetzen (im eigenen Interesse). Und genau auf diesen Punkt versucht Ben dich gerade festzunageln. Ich teile seinen Verdacht.
Erstmal: “festnageln” lasse ich mich nicht. Was ist das denn für eine Sprache? Etwas in eine Frau reinrammen…Naja.
Euch trieft ja die Aggression sonstwo raus. Und es sind keine “politischen Refexe”, nö. Ich finde auch nichts “schrecklich, sondern ich finde, er promotet sich. Genau wie ein Sternchen, dem der BH-Träger platzt. Das finde ich auch nicht schrecklich, sondern das, was es ist: PR.
Und jetzt lasse ich Euch mal mit Euren Phantasien vom “nageln” alleine…
Danke für’s Gespräch.
… ich genieße es, wenn sich Leute in ihrer Aufregung auf unfreiwillig komische Art outen. Da wollte wohl jemand nur ein bissi ablästern und nicht wirklich ernsthaft diskutieren. Somit habe zumindest ich keine weiteren Fragen mehr an “bigberta” ;-)
Gruß Ben
Walraffs Ideee ist aber sowas von schräääääääg!
Dass man daran in den Leitmedien (Maltzahn), und sicherlich bei Schäuble, Zustimmung finden könnte, verwundert allerdings nicht.
oh schade , was eine interessante Dikussion hätte werden können , ist nun platt
muß man denn IMMER den Geschlechterkampf ins Spiel bringen ?
bahh ..
Nö. Wenn sich einer “geoutet” hat, seid Ihr das: Wenn einer *nicht* diskutieren wollte, wart ihr das. Nochmal die Wortwahl: “nageln”, gelle? Wenn Ihr das für Diskussion haltet, bitte sehr. Aber dann ohne mich.
Sehr geehrte bigberta,
das ist jetzt nicht Ihr ernst oder?
Ich hielt das bis gerade für einen Scherz Ihrerseits.
Kennen Sie die Redensart etwa nicht?
Das hat Papa Schlumpf doch nie im Leben sexistisch gemeint.
Gugelsuche ” jemanden festnageln” erster treffer: http://www.google.de/search?client=firefox-a&rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&channel=s&hl=de&q=jemanden+festnageln&meta=&btnG=Google-Suche
Bleiben wir doch bitte alle sachlich.
Pax
PS: Ich bin ganz nah bei Ihrer Meinung.
… bigberta sollte mal versuchen, nicht immer nur an Sex zu denken. Zur Grundausstattung eines Fakirs gehört zwar auch ein “Nagelbett”, aber auch dieser Begriff hat herzlich wenig mit den Freuden des Pimperns zu tun. Schon lustig, wie ein politischer Thread in solche schlüpfrigen Niederungen abgleiten kann ;-)
Gruß Ben
@ben-99
Es steht mir natürlich nicht zu für bigberta zu antworten, doch ich möchte zumindest meine Antwort zu Deiner Frage:”Der von Dir Kritisierte hat immer Mut bewiesen. Nun solltest auch Du Dich ruhig mal trauen, meine Frage zu beantworten, was Du denn so schrecklich an Günter Wallraff findest.” darlegen.
Viele Jahre lang habe ich G.W. für einen hervorragenden Schriftsteller gehalten, der vor allem mit seinen verdeckten Ermittlungen Sachen aufgedeckt hat, die sonst nicht ans Tageslicht gekommen wären.
Als ich allerdings vor einiger Zeit irgendwo auf seiner Webseite lesen musste, dass er dem 1976 an der Wiedereinreise in die DDR lt. Wikipedia Dichter und Liedermacher Wolf Biermann Unterschlupf gewährt hat und seitdem mit ihm befreundet ist, gingen meine Sympathiewerte schlagartig gegen Null. Dichter? Liedermacher, na ja. War das Mut, den man im Internet präsentieren muss? Kennt jemand die Werke von Dichter und Liedermacher Wolf Bierman? Häufig Fäkalsprache. Die geistigen Qualitäten des gealterten W.B. haben sich offensichtlich auf G.W. übertragen. Jede PR nutzen, die man noch bekommt.
@Ben-99
Das war unter Niveau. Bei unbekannten ‘Blogteilnehmern’ muss mensch auf seine Worte eben Rücksicht nehmen, wenn sie zweideutig sein können. Auch wenn es hier um politische Dinge geht. Wir stehen halt nicht in gemütlicher um einen Tisch herum, wo einer den anderen kennt.
@ Markus
… über Wolf Biermann und seine manchmal erstaunlichen Wandlungen würde ich mich gern in Ruhe unterhalten, aber nicht in diesem Thread, der nun schon genug geschreddert worden ist.
Daher vorerst nur so viel: Ich halte Wolf Biermann nach wie vor für einen der größten deutschsprachigen Liedermacher und Dichter. Mal ganz abgesehen, daß seine Ausbürgerung heute historisch als Anfang vom Ende des Spitzel- und Denunzianten-Staats DDR gewürdigt werden muß. Damals, in den ersten Jahren danach, als er sich bei uns quasi im Niemandsland befand, ging es ihm erbärmlich, gerade weil er sich jahrelang nicht für unsere “westlichen” Interessen mißbrauchen lassen wollte.
Doch dann kam er irgendwann zu sich und schrieb zum Beispiel hervorragende Aufsätze im “Spiegel”, mit denen er erneut bewies, wie originell und wortgewaltig er schreiben kann. Zum Beispiel nach Einsicht seiner Stasi-Akten, als er nicht wußte, ob er lachen oder weinen sollte. Aber immerhin konnte er auf diese Weise zum Beispiel nachlesen, an welchem Tag er wo mit wem wie viele Minute lang Sex hatte. Und ihm wurde allein durch den gigantischen Umfang des Materials klar, daß er von der Stasi jahrelang groteskerweise als Staatsfeind Nr. 1 gehandelt wurde.
“Chaussestraße 131″ (1968), sein erstes heimlich in den Westen geschmuggeltes Album, haben wir 14-16jährigen Kiddies damals zwischen Led Zeppelin, Jimi Hendrix, John Mayall und den Yardbirds gehört. Und auch später haben wir durch ihn gelernt, daß nicht alles was links ist, grundsätzlich auch lobenswert sein muß. Aber wer macht sich schon die Mühe, auch zwischen den Zeilen seiner meist superben Texte zu lesen?
Über den gealterten Biermann, der schon beim vorletzten Irak-Krieg 1991 zum Bellizisten wurde, plötzlich auch immer wieder seine jüdische Abstammung betont, was er früher für nebensächlich hielt, habe ich mir natürlich auch den Kopf zerbrochen. Und doch ist er meilenweit von den Menschen entfernt, die man als “Wendehals” bezeichnen könnte. Überhaupt kann man immer nur das Gesamtwerk eines Künstlers beurteilen, und deshalb hat er, der seinerzeit den umgekehrten Weg ging und freiwillig aus meiner Heimatstadt Hamburg nach Ost-Berlin “rüber machte” als einer der wichtigsten noch lebenden Berliner die Ehrenbürgerschaft auch verdient.
Aber jetzt habe ich an dieser Stelle doch schon wieder viel zu viel über ihn geschwafelt. Wolf Biermann hat es nicht verdient, in irgendeinem Thema irgendwo am Rande erwähnt zu werden. Obwohl sein Leben, zumindest als junger Mann, oft auch erotisch so ausschweifend war, daß auch bigberta wieder ihre Freude daran haben könnte ;-)
Gruß Ben
Sorry bigberta, das war ehrlich nicht chauvinistisch gemeint. Bitte nicht sauer sein.
Spulen wir einfach zu deinem letzten Argument zurück.
Wie lautete das nochmal ?
@38
Tja das ist immer grundsätzlich schwierig mit der Zweideutigkeit, Sprache ist ganz allgemein vieldeutig. Bekanntlich gibt es auch häufig Schwierigkeiten, Ironie in Beiträgen zu erkennen.
Um auf das Problembeispiel zu kommen:
Nageln, Bez. für das Auftreten von harten Verbrennungsgeräuschen bei Dieselmotoren; v. a. bei kaltem Motor durch den hohen Zündverzug des Kraftstoffs.
Meyers Lexikon
Nur so als weiteres Bedeutungsbeispiel.
Hingegen festnageln:
umgangssprachlich auch für jmdn. auf etwas festlegen
Duden
Nun hätte man ja statt festnageln auch festlegen schreiben können, aber auch da gibt es die gleiche Fehldeutungsmöglichkeit von flachlegen, umlegen herkommend.
Wobei der ganze Satz
“Und genau auf diesen Punkt versucht Ben dich gerade festzunageln.”
im Kontext eigentlich ziemlich eindeutig und eher nicht mißzuverstehen sein sollte. Und wenn wie in diesem Fall doch, dann kann man das immer noch in weiteren Beiträgen klarstellen.
Und als Hinweis darauf, welche Begriffe noch mit ähnlichen Schwierigkeiten behaftet sein könnten, noch ein Link auf eine Leseprobe von Christoph Gutknecht: Ich mach´s dir mexikanisch
Und wer hier würde die Luthersche Umschreibung: Ein Weib erkennen, auch so verstehen?
Moment mal. Wird hier jetzt ernsthaft gefordert, sich wegen der Wortwahl “festnageln” zu entschuldigen?
Das passt komischerweise hervorragend zu dem Thema dieses Beitrags: “Was ist beleidigend und entscheidet dies der Beleidigte?”
Wir sehen, wo man hinkommen kann, wenn der – in diesem Falle die – Beleidigte die letzte richterliche Instanz ist. Dann kann es passieren, dass jemand sich wegen Nonsens oder Nichtigkeiten beleidigt fühlt, oder dass jemand eine mutmaßliche Beleidigung anführt, um sich aus der Diskussion zu schleichen. “Das lasse ich mir von Ihnen nicht sagen, so nicht.” Und basta?
Ich kann leider nicht feststellen, welche Option hier auf bigberta zutrifft. Aber wegen eines im Christentum verwurzelten Ausdrucks (Jesus wurde festgenagelt) oder wegen Unwissens über deutsche Rechtschreibung (festnageln ≠ fest nageln) feministische Entrüstung zu zeigen, ist entweder Fassade oder lächerlich. Und da muss man sich auch nicht entschuldigen.
Ansonsten möchte ich darauf hinweisen, dass ich jedes kleine “p” als Herabsetzung meines Namens und damit meiner Selbst betrachte. Mit kleinen “p”s diskutiere ich nicht.
Wenn es nur ums Prinzip geht, dann fände ich es ‘aufklärender’, Wallraff würde zunächst ‘Des Mauren letzter Seufzer’ (auch von Rushdie) in einem beliebigen hinduistischen Tempel in Deutschland öffentlich vorlesen. Der Text ist zwar hierzulande ziemlich unbekannt, hat ihm bei den indischen Hindus aber ähnlichen Ärger eingebrockt wie die ‘Verse’ bei den Muslims. Letztlich geht es doch immer nur um die Bekloppten jeder Couleur, die sich selbst für das Gesetz und die Moral halten, ob die nun ‘Wahhabiten’, ‘Hindu Tiger’, ‘christliche Kreationisten’, ‘Nationalsozialisten’ oder ‘Neoliberale’ heißen …
Nö, Herr Pricken, hier muß sich keiner für irgendwas “entschuldigen”: übrigens sprach ich keinesfalls über Sex, sondern über Gewalt in der Sprache. Könnt Ihr ja mal bei Schwarzer , und da bin ich ausnahmsweise mal ganz bei ihr.
Wie gesagt, der Autor muß sich für seine Gewaltphantasien keinesfalls “entschuldigen”, genausowenig, wie ich mich entschuldigen muss, sie benannt zu haben
Aber es gibt den nächsten Aufreger: http://watchblogislamophobie.wordpress.com/2007/07/15/emporung-uber-brennende-bibel/
Ärgerlicherweise weit und breit kein Muslim in Sicht.
Sorry, da hat mir das Programm was verschluckt. Es sollte natürlich heissen: “bei Schwarzer nachlesen”.
Gut, wie gesagt habe ich die Gewalt meiner Argumentation völlig unterschätzt.
“Aber es gibt den nächsten Aufreger: …
Ärgerlicherweise weit und breit kein Muslim in Sicht.”
Ja, in der tat. Verhält sich ähnlich wie mit Gegenargumenten Ihrerseits.
Beides wäre wünschenswert.
Also, lassen Sie sich bitte nicht durch meine sprachlichen Defizite abhalten.
@Chat Atkins
Walraff geht aber wohl nicht nur um’s Prinzip. Ich bin sicher Sie ahnen, dass der Adressat hier von erheblicher Bedeutung ist.
Mein Gott, was für eine Wichtigtuerei, Wallraffs dümmlich-polemischen Versuch, Moslems zu zwingen, in einem ihrer Gotteshäuser etwas vorlesen zu lassen, was viele von ihnen als Gotteslästerung betrachten, als ehrlichen Versuch der Initiierung eines Dialogs zu verkaufen. Geht’s noch????
Es reduziert sich doch eigentlich auf die Frage, was denn eigentlich dieser so anmaßend als “Lackmus-Test” bezeichnete Akt beweisen soll. Wenn einige Moslems sich zwingen lassen, das zu tun, hören die ständigen Anklagen gegen den Islam auf? Man mag mich für pessimistisch halten, aber angesichts dessen, was die peinlicherweise immer wieder geforderten Distanzierungen der Moslems von den Taten irgendwelcher Leute, mit denen sie nicht mehr gemein haben, als die Religion, bin ich mir fast sicher, dass auch eine solche Lesung nichts ändern wird an der rassistischen Einstellung selbsternannter Beschützer des Abendlandes vor den vor Wien stehenden Moslems. Es ist auch nicht nötig, hier scheinheilig so zu tun, als ginge es allein gegen Islamisten oder “pakistanische Hetz-Mullahs”. Wallraffs PR-Maßnahme – die ich weniger als Promo für sein Buch und viel mehr als Promo für die aktuell in Ex-Intellektuellen-Kreisen grassierende Moslem-Feindlichkeit sehe – richtet sich nicht an Pakistanis oder fanatische Islamisten, sondern richtet sich an hier lebende Menschen, die moslemischen Glaubens sind.
Auch das immer wieder aufgewärmte “Argument”, der mutige Mensch riskiere mit dem Aussprechen der angeblich unaussprechlichen Inkorrektheiten sein Leben, wird zwar immer wieder gerne verwendet (der n-tv-Forist Ulrich Sahm ist da auch ganz groß), aber wenn man mal genau hinsieht, bleibt von diesem “Mut” nicht viel übrig. Er macht einen dämlichen Vorschlag, genau wissend, dass die angesprochenen Moslems nur verlieren können. Lehnen sie ab, in ihrem Gotteshaus etwas von den Gläubigen als Blasphemie betrachtetes vorlesen zu lassen, stehen sie – und wie inzwischen üblich und durchaus salonfähig – mit ihnen alle Moslems auf einer Stufe mit pakistanischen oder von/in “sonst wo” predigenden “Hetz-Imamen”. Nehmen sie an, ist das nur eine weitere Demütigung, die die hier lebenden Moslems über sich ergehen lassen müssen, um nicht pauschal mit irgendwelchen Terroristen, die sich gerade mal auf den Islam beziehen, in eine Schublade gesteckt zu werden, nur um kurz danach wieder in genau der gleichen Schublade zu landen. Also wozu sich derart vorführen lassen?
Ich weiß nicht, ob die Verse wirklich blasphemisch sind – ich bin nicht religiös, aber bevor Mitglieder dieser “christlich-jüdischen” “Leitkultur” sich hinstellen und verlangen, Moslems sollten doch erfreut die großzügig gewährte Gelegenheit ergreifen und einen Lackmus-Test ablegen, der aufschlussreiche Rückschlüsse auf etwas sonst nicht sichtbares zuließe (denn das ist ein Lackmus-Test), sollten wir doch erst mal vorführen, dass das hier überhaupt üblich ist. Also: Ich erwarte von den Christen, dass sie im Kölner Dom ein gekreuzigtes Schwein auf den Altar stellen, der Bischof soll als Schweinepriester verkleidet den Gläubigen statt der Oblate eine stilisierte Kröte zu schlucken geben und anschließend wird – ganz unaufgeregt über eines der Deschner-Bücher diskutiert. Na? Hört sich das gut an für euch? Das wäre doch fair, oder nicht? Gut, das blasphemische Schwein und die Kröte können wir auch weglassen, aber Deschner sollte schon eingeladen werden. Er hält ja sicher sowieso regelmäßig Vorträge vor Kirchengemeinden, schließlich ist es hier üblich, so was zu tun… Und wo wir schon dabei sind: Die Juden dürfen den Test ebenfalls ablegen, soll ja keiner behaupten, dass da eine Sonderrolle zugeteilt wird. Hm, ich kenne keine jüdische blasphemische Literatur, als Ersatz schlage ich vor, Norman Finkelstein wird aus der Holocaust-Industrie vorlesen und anschließend wird die Hexenjagd diskutiert, die auf Finkelstein veranstaltet wurde unter besonderer Berücksichtigung der inzwischen bekannt gewordenen “Unsauberkeiten” im Finanzgebaren des ehemaligen Generalsekretärs des World Jewish Congress, Israel Singer. Aber ich bin sicher: Christen und Juden werden begeistert auf derartige Vorschläge eingehen, schließlich leben wir hier ja in einer offenen, aufgeklärten und toleranten Gesellschaft, da wird man sowas ja wohl aushalten…
Nur, was soll das ganze eigentlich bezwecken? Was für ein verborgenes, nicht sichtbares Element, will Wallraff mit diesem Test den feststellen können? Und ist dieser Test in irgendeiner Weise geeignet, Rückschlüsse in der Art zuzulassen, wie es suggeriert wird?
Das andere “Argument”, dass hier ein Dialog angestoßen werden soll… – äh, mangelndes Palaver ist das letzte, was mir einfällt, wenn ich an das Theater um die Moschee denke oder an die Islam-Debatte allgemein. Meine Güte, der Broder arbeitet sich gemeinsam mit anderen seit Jahren am Islam ab, der Feuilleton ist voll davon, die islamischen Verbände distanzieren sich, geben Stellungnahmen ab, schicken Vertreter zu dem lächerlichen Show-Talk mit Schäuble, der offenbar nur als Ablenkung inszeniert wird, während gleichzeitig jedem Dialog widersprechende Gesetze durchgedrückt werden und und und. Der Dialog ist in vollem Gange – da braucht es keinen Wallraff oder eine Schwarzer mehr. Der Dialog ist zwar weitgehend nutzlos, weil ja ohnehin weitergemacht wird wie bisher – also an den Muslimen vorbei, aber er findet statt. Auch ohne Wallraffs bisher wertlose Beiträge dazu.
PS: Ich kann BigBerta schon verstehen, : Die Art und Weise, mit der das grooooße Doppel-Pe, Ben99 und der Schlumpf versuchen, Wallraffs blödsinnigen Vorschlag zu verteidigen und BB in die Defensive zu drängen, ist eigentlich recht offensichtlich. Festnageln ist hier sicher nicht sexistisch gemeint, aber tut doch mal nicht so, als hättet ihr nicht versucht, mit billigen rhetorischen Tricks zu provozieren und anzugreifen. Allein der Versuch, BB unterzuschieben, sie hätte über Wallraffs ehemals respekteinflößendes Leben gesprochen, ist dermaßen billig, dass ich die hier zur Schau gestellte Selbstgefälligkeit über das vermeintliche Festnageln von BB wirklich nur lächerlich finde. Das Thema im Artikel vom Spiegelfechter ist nicht Wallraffs Aufklärungsarbeit über die Blöd-Zeitung oder McDoof oder Wallraffs jugendlicher Idealismus, der offensichtlich in der Versenkung verschwunden ist, sondern Wallraffs peinlicher Vorschlag, in einem islamischen Gotteshaus die satanischen Verse vorzulesen. So, wie ich es sehe, hat nicht BigBerta sich hier geoutet, sondern die Islamophoben, die auch noch stolz drauf sind… An welches Hassblog im Internet erinnert mich das bloß…? Ist sicher nur Zufall, oder?
@ Lara
… öhm, was sind denn “Ex-Intellektuelle”?
Gruß Ben
Walraff offensichtliche Ankündigung, den bürgerlichen Rassismus der deutschen Eliten jetzt direkt in die Moscheen dieses Landes zu tragen zu wollen und nebenbei ganz grossartig sein neustes Buch über die tägliche Ausbeutung in den Ruf mich mal an Centern anzupreisen, beweisst nur, wie verkommen und einfältigt die gesamte politisch kulturelle Schickeria geworden ist.
Während die Neoliberalen einen Flugzeugträger nach dem anderen vor die iranische Küste verlegen, spielen die ach so wichtigen Künstler das kriegerische Musikkonzert dazu: der bärtige Moslem als Untermensch und Zukunftsverweigerer. Yeah Baby , Yeah.
Rassistische Demütigungen über Springer, Spiegel und Bertelsmann als intellektuelle Leistung zu verkaufen, hat tatsächlich eine neu Qualität der Kultur, eine die so bunt und debil vor sich hingrinst, sich für wichtig hält und nichts weiter als bürgerlicher Rassismus ist.
@ Lara
Ein sehr schöner Beitrag, dessen Aussage ich mich anschließen möchte.
Darüberhinaus: Ein Punkt, der in dem allgemeinen Integrationsgedöns regelmäßig vernachlässigt wird, ist der Umstand, daß deutsche Bundesregierungen seit Jahrzehnten Mittel zur Verfügung stellen, mit denen die Pflege, respektive Ausübung deutscher Kultur im Ausland gefördert wird.
Deutsche Auswanderer und Minderheiten werden ermutigt (und finanziell unterstützt), ihre kulturellen Wurzeln öffentlich auszuüben, bzw. ihr Recht auf kulturelle Eigenständigkeit offensiv einzufordern (z.B. in Russland oder Südamerika). Den jeweiligen Regierungen wird dagegen abverlangt, diese Eigenständigkeit nicht anzugreifen, sondern zu tolerieren, wohingegen die Herkunftsländer der hiesigen Einwanderer angehalten werden, die Integrationswilligkeit ihrer Bürger zu fördern, sobald diese nach D kommen.
Den Einwanderern hierzulande wird “Integration” (= Assimilation) abverlangt, während anderswo das Gegenteil betrieben wird. Wie so oft wird Wein gesoffen und Wasser gepredigt.
Besonders drollig (oder widerwärtig) ist die Forderung, daß Einwanderer sich einer angeblichen deutschen Leitkultur anzupassen hätten; als sei eine solche Kultur, die sich ohne überregionale Einflüsse entwickelt hat, überhaupt jemals vorhanden oder auch nur möglich gewesen.
Solange die Definition, woraus diese angebliche Leitkultur besteht, schön schwammig gehalten wird (wie es derzeit üblich ist) und die Anforderungen – je nach Gusto oder tagespolitischen Erfordernissen – erhöht werden können, haben unsere selbsternannten “Eliten” ein Instrument in der Hand, mit dem man Bevölkerungsgruppen beliebig ein oder ausgrenzen kann. Benötigt man billige Arbeitskräfte, ist der Burnus Ok. Will man sie wieder loswerden, ist er Ausdruck einer feindlichen Gesinnung, die bekämpft werden muß.
Dagegen werden Krokodilstränen der Rührung vergossen, wenn irgendwo in der Welt deutsche Trachtengruppen vor deutschen Auswanderern, bzw. Minderheiten auftreten. Unvergessen das Engagement der CSU-Oberen, sich für die Verbreitung deutscher Sitten im Apartheidssystem Südafrika einzusetzen und dies als Kampf gegen kommunistische Tendenzen darzustellen (mit Heino als antikommunistischem Marschflugkörper).
Ist Angela Merkel eigentlich ein Vorbild für deutsche Kultur? Eine Kanzlerin, die sich problemlos den Mächtigen in Moskau, Oggersheim oder Washington als Enddarmreinigungskraft angedient hat und Opportunismus offensichtlich als Tugend begreift. Oder die Herren Koch und Merz, die Selbstbereicherung für völlig normal halten, selbst wenn sie mit Gesetzen kollidiert.
Selbst diese Untugenden sind noch nicht mal ausschließlich oder typisch deutsch.
Greets
Nur wenige haben “Die satanischen Verse” gelesen und sind gleichzeitig profunde Kenner des Islam um die Idee Wallraffs wirklich einschätzen zu können.
Im Moment ist das Ganze ein gedankenspiel, ein Gedanken-Experiment wie die aus der theoretischen Physik.
Für die Idee zu diesem Experiment kann man nur dankbar sein. Ich selbst habe mir vorgenommen, nun erstmaldas Buch zu lesen. werde ich es überhaupt verstehen, werde ich die Gründe, die zur Fathwa geführt haben, überhaupt herauslesen können?
Wer den “Veranstaltungsplan” in einer Moschee bestimmt, weiß ich auch nicht. In katholischen Kirchen sind eine ganze Reihe von Veranstaltungen sicherlich grundsätzlich nicht möglich, andere hängen vom Pfarrgemeinderat oder vom örtliche Pfarrer ab.
Es gibt eine Menge interessanter Gedankenketten, die man an diese Idee anknüpfen kann. Das ist das Gute an provokanten Ideen.
Lara: “PS: Ich kann BigBerta schon verstehen: Die Art und Weise, mit der das grooooße Doppel-Pe, Ben99 und der Schlumpf versuchen, Wallraffs blödsinnigen Vorschlag zu verteidigen und BB in die Defensive zu drängen, ist eigentlich recht offensichtlich. Festnageln ist hier sicher nicht sexistisch gemeint, aber tut doch mal nicht so, als hättet ihr nicht versucht, mit billigen rhetorischen Tricks zu provozieren und anzugreifen.”
Ich tue jetzt trotzdem mal so, bis man mir den billigen Trick zeigt. Ich kaufe meine rhetorischen Tricks nämlich nur im (teuren) Fachhandel. Billig ist der Trick, sich bei einer Frage an einer Wortwahl aufzuhängen (aufhängen!) und aufgrund dieser Wortwahl dann abrupt nicht zu antworten, sei es nun sexistisch verstanden oder als Anzeichen von Gewaltphantasien. Dass Gewalt und Kriegssprache in unserer Metaphorik vorkommen, ist unbestritten – dass dies aber nicht das Thema war und es nur gerne aufgegriffen wurde, wirkt für mich genauso klar.
Man kann Wallraffs Ansinnen “dümmlich-billig” finden und mich gerne auch als islamophob bezeichnen – aber dann hätte ich dazu gerne einen Beleg. Auch dafür, mich implizit mit dem Vorwurf zu belegen, ich mäße mit zweierlei Maß, aus der Sicherheit meiner christlichen Leitkultur. Also, quasi eine Begründung, die sich in mehr als einem Bauchgefühl und Empörung äußert. Klar klingt das alles toll und rechtschaffen, und das ist ja gut, dass einem so ein Thema nahegeht. Aber mit konträren Meinungen sollte man doch etwas rationaler umgehen.
… auch ich kaufe meine billigen rhetorischen Tricks stets bei ausgesuchten Fachhändlern und fürchte, daß “Lara” nur die Luxusversion der dicken Berta ist. Können “Ex-Intellektuelle” sowieso nur gegen Aufpreis beziehen ;-)
Gruß Ben
… aber zurück zum Thema. Was haltet Ihr denn von dem Kommentar von Alan Posener, der erst kürzlich vom “Welt”-Chefredakteur zensiert worden ist? Link:
http://debatte.welt.de/weblogs/148/apocalypso/28274/bravo+guenter+wallraff
Zitat:
“Es gibt viele gute Gründe, Günter Wallraff für einen sehr problematischen Zeitgenossen zu halten. Aber wenn er etwas richtig macht, soll man es auch laut sagen.
Wallraff will in der zu bauenden neuen Kölner Moschee aus dem Roman “Die satanischen Verse” von Salman Rushdie vorlesen. Hier das Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger. Wie es der Zufall will, hatte ich in einem Leitartikel vergangenen Sonntag gefordert, als Antwort auf die Einschücherungsversuche der Islamobolschewisten Rushdies Roman zur Pflichtlektüre in den Schulen zu machen: hier. Wallraff beweist hier Zivilcourage; mehr Zivilcourage als die damalige West-Berliner Akademie der Künste, die auf dem Höhepunkt der Affäre 1989 die von ihrem Präsidenten Günter Grass vorgeschlagene Solidaritäts-Adresse mit Rushdie nicht verabschieden wollte, weshalb Grass aus der Akademie ausschied: völlig zu Recht. (Auch Grass muss man loben, wenn er etwas Richtiges macht.) Es ist zu hoffen, dass die türkische Seite nicht im letzen Augenblick kneift.”
Gruß Ben
Von Posener halte ich gar nichts, von Günter Gra(jetzt mit ss) auch nichts mehr.
Link: http://schieflage.blogspot.com/2007/05/die-durch-die-hlle-gehen-sind.html
Und wenn Du dich schon bemüßigst fühlst, darauf hinzuweisen, dass Posener zensiert wurde, solltest Du auch erwähnen weswegen, oder soll hier etwa ein bestimmter Eindruck erweckt werden?
“Islamobolschewisten” “Gefährder” “Illegale Kombattanten” “Verschwörer” “Unterbindungsgewahrsam” “Grundgesetzerweiterungen” …
Soll´s bald wieder losgehen?
Pax
@ Lara
Unter Pepe’s Aussagen setze ich hiermit meine Unterschrift. Das bloße Benennen der eigenen Meinung garniert mit Schmähungen der Meinungsgegener hat mit einer rationalen Debatte rein garnichts zu tun.
Trotzdem gibt es einige interessante Passagen in Ihrem Text, z.B..
“Nur, was soll das ganze eigentlich bezwecken? Was für ein verborgenes, nicht sichtbares Element, will Wallraff mit diesem Test den feststellen können?”
Da Sie den Rückgriff auf Wallraff’s Biographie für unzulässig halten, können wir bei diesen Fragen natürlich nur mutmaßen.
Ich denke Wallraff will einen Keil zwischen Muslime und Islamisten treiben. Durch aufgeklärte Debatten der Irrationalität der islamistischen Menschenverachtung den Boden entziehen.
Und wenn diese rationale Debatte davon handelt weshalb die Verse blasphemisch sind und folglich in einem Gotteshaus nicht vorgetragen werden dürfen, dann ist mir das recht.
Es geht um die Debatte selbst, der Weg ist das Ziel.
“Und ist dieser Test in irgendeiner Weise geeignet, Rückschlüsse in der Art zuzulassen, wie es suggeriert wird?”
Ja, wobei meines Erachtens die deutschen Muslime (im Gegensatz zu den britischen) kaum ernsthafte Schwierigkeiten mit derartigen Tests haben werden.
Die Frage lautet: “Seid ihr fähig jene Teile eurer althergebrachten Kultur hinter euch zu lassen, bei denen wir keine Kompromisse machen können ?”
Viele haben diesen Integrationsschritt schon längst vollzogen. Aber eben noch nicht alle.
Was hat eigentlich eine Lesung der Satanischen Verse in einer Kölner Moschee mit Integration zu tun?
Zu Wallraff:
“Laßt den andern glauben, was er will, aber fordert dafür auch von ihm, daß er dich nicht glauben läßt, was er glaubt. Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich, verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den andern ohne Unterschied verlangt, daß sie zwar nicht so glauben, aber so denken, so frei und gescheut sein sollen, wie er selbst. Man muß auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein.”
Ludwig Feuerbach
Pax
@corax
Chapeau!! Trefflicher kann man es nicht ausdrücken.
@Papa Schlumpf
“Die Frage lautet: “Seid ihr fähig jene Teile eurer althergebrachten Kultur hinter euch zu lassen, bei denen wir keine Kompromisse machen können ?””
Die berechtigte Gegenfrage wird sein:”Bei welchen Teilen unserer althergebrachten Kultur könnt Ihr denn keine Kompromisse machen?”
Wer das Problem in den von unseren Rüstungskonzernen ausgebildeten und ausgerüsteten,auf dem Balkan verfrachteten , von unseren Nachrichtendiensten überwachten, gezielt eingesetzten militanten Islamisten sieht, wer von den Rohstoffsicherungskriegen im Nahen Osten, vom Krieg um Wasser und im Wirtschaftskrieg gegen China nichts lesen will, wer von den dritte Weltzuständen in den Metropolen der ersten Welt nicht hören will, und wer dann noch Wallrafs Idee, seinen Gedanken hochleben lässt, und das ganz ganz toll und kulturell künstlerisch schick findet, der hat wirklich einen Kühlschrank voller leerer Tassen, Tassen, die schon lange zerschlagen sind.
zu 56:
Das war mir bis jetzt begrifflich neu:
“Islamobolschewisten” – erinnert an “Jüdische Bolschewisten”, da wurde nur die Religion ausgetauscht.
Nun gegen Zuspruch von Leuten mit denen man nichts am Hut hat, kann man sich direkt schlecht wehren (siehe NPD und Lafontaine), aber eine klare Stellungnahme von Wallraff zur Hetze gegen den Islam wäre doch sehr wünschenswert.
Um Meinungsfreiheit kann es bei der Lesung nicht gehen, schließlich steht es den Betreibern der Moschee zu über dortige Veranstaltungen zu entscheiden. Und sollte der Vorschlag abgelehnt werden, dann hoffe ich doch, daß Wallraff zwar durchaus seine Enttäuschung äußert, aber gleichzeitig das Recht auf eine solche Entscheidung auch gegenüber den Hetzern verteidigt.
Das Hauptproblem bleibt trotzdem die absehbare öffentliche Reaktion auf seine Ankündigung, denn wie üblich wird über und nicht mit den islamischen Gläubigen geredet.
Wallraff hätte das im kleinen Kreis mit Ditib-VertreterInnen besprechen können ohne das gleich an die große Glocke zu hängen. So setzt er seine “DialogpartnerInnen” unter Druck. Persönlich würde ich als BetroffeneR in so einem Fall abblocken, denn wer läßt sich schon gerne unter Druck setzen. Mit der Glaubwürdigkeit eines Dialogversuchs ist es dann auch vorbei.
Mal davon abgesehen wie aussichtsreich das anhand der “Satanischen Verse” sein soll. Oder anders gefragt: Wieviele Katholiken würden sich für eine Lesung eines der von mir aus aktuelleren Bücher auf dem Index Librorum Prohibitorum z.B. in der katholischen St. Georg-Kirche in Istanbul durch einen Moslem interessieren und mit ihm über christliche Glaubensfragen diskutieren wollen?
OT: Interessanterweise lenkt die Konstruktion des neuen Feindbilds Islam ziemlich von der Entwicklung im Zusammenhang mit dem alten Feindbild Russland ab, dabei ist die Auflösung der Abrüstungsordnung der 1970-90er Jahre viel beunruhigender als die aufgeblasene Gefahr durch z.T. dilettantische islamistische AttentäterInnen.
KSE- und ABM-Vertrag sind nun aufgekündigt und ein neues Wettrüsten ist absehbar bzw. hat schon begonnen. Der NPT wird ignoriert und nur gegen die “Achse des Bösen” Iran und Nordkorea in Anschlag gebracht.
Sind die also mit den “Islamobolschewisten” gemeint?
@ Verschwender
“Was hat eigentlich eine Lesung der Satanischen Verse in einer Kölner Moschee mit Integration zu tun?”
Nur indirekt. Es geht mehr um die Debatte über ein möglichst streitträchtiges Thema. Bei Debatten müssen Fundamentalisten nämlich leider passen (=> “Lackmustest”). Es zeichnet einen Fundamentalisten ja gerade aus, dass ihm das Konzept der Gleichberechtigung verschiedener Meinungen fremd ist.
>> Die berechtigte Gegenfrage wird sein:”Bei welchen Teilen unserer althergebrachten Kultur könnt Ihr denn keine Kompromisse machen?”
Huch, da fehlt ja die Hälfte. Also weiter:
Alles was die Würde des Menschen betrifft. Aus dieser Würde folgende Rechtsgüter sind z.B. das Recht auf Leben (Rushdie, Ehrenmorde), Frauenrechte, etc..
Speziell bei muslimischen Immigranten lautet die Frage also: “Seid ihr bereit euch aktiv, gemeinsam mit uns Ungläubigen gegen eure fundamentalistischen Glaubensbrüder zu stellen ?”
@Papa Schlumpf
Aber ist nicht gerade so eine Provokation, wie Wallraff sie nun vorgeschlagen hat der falsche Weg? Sind “Ehrenmorde”, Frauenrechte, Patriachentum und Zwangsehen nicht eher ein soziologisches als religiöses Problem? Dienen diese Unsitten und Verbrechen nicht eher dazu, althergebrachte Machtstrukturen innerhalb der Familien aufrecht zu erhalten? Wenn ich bedenke wie viele christliche Frauen in Deutschland täglich misshandelt, verprügelt und unterdrückt werden. Keiner wird diesen Misstand jedoch auf das Christentum zurückführen, obwohl von der selbsternannten höchsten christlichen Instanz auf Erden, der Frau immer noch Rechte wie das verkünden von Gottes Wort, die Geburtenkontrolle und noch so einiges mehr abgesprochen wird.
Es geht nicht darum, dass Wallraff aus den Satanischen Versen lesen möchte, alleine der Ort ist unangebracht. Ich glaube er würde mehr erreichen, wenn er eine Tournee durch Deutschlands Kültür Vereine veranstalten würde. Dort zwischen Tee, Back Gammon und TRT findet er die Menschen, die etwas in den Familien verändern könnten.
@zaphodia: interessanter Denkanstoß im off-topic. Danke.
@sirfa: schön alles zusammengelumpt, damit aus dem Morast keiner mehr rauskommt.
@PapaSchlumpf: da war ich gestern auch schon kurz vor. Zuerst wollte ich die Menschenrechte als Grundlage nehmen, aber das erschien mir dann zu einfach. Die sind schließlich universal und sollten, egal wo, selbstverständlich sein. Also, in unserer Gesellschaft sehe ich es als unerlässlich an:
(1) die Trennung von Staat und Kirche zu akzeptieren
(2) die Freiheit von Meinung und Presse zu akzeptieren
(3) die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, In- und Ausländern, Homo- und Heterosexuellen (usw.) zu akzeptieren
(4) die Tatsache zu akzeptieren, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben
(5) den Rechtsstaat zu akzeptieren
(6) Kritik ertragen zu können
(7) die Basis der Gesellschaft im Wissen, nicht im Glauben zu sehen
Vor allem bei (7) habe ich mich etwas schwer getan, aber da sollte was rein, womit ich sofort erklären kann, warum ich gegen Intelligent Design im Bio-Unterricht bin; das Diktat der Wissenschaft sozusagen. Das soll sich ausdrücklich nicht auf persönliche Entscheidungen beziehen.
Nun wird man merken, dass nicht alle diese Punkte wirklich auf dieses Thema zutreffen, und es ist auch wirklich nicht einfach, runterzubrechen, was m. E. die grundlegenden Tatsachen unserer Gesellschaft sind (auch wenn wir uns bei einigen Punkten selbst noch schwertun). Wenn jemand in diese Gesellschaft kommt (sei es aus dem arabischen Raum, aus der Schweiz oder aus dem Muttermund), dann sind das Dinge, nach denen er oder sie sich richten sollte.
Ich bin auch nicht völlig sicher, ob dies wirklich alles trifft und alles zutreffend ist, was wieder einmal die alte Regel bestätigt, dass Selbstverständlichkeiten schwer auszuformulieren sind (über ein “das ist doch klar!” hinaus).
@corax bzw. @Feuerbach:
Leider kann ich dem nicht zustimmen. Warum sollen wir Toleranz gegenüber Dummheit zeigen? Mitgefühl vielleicht, Rücksicht auch, Verständnis – aber Toleranz würde ja bedeuten, die Dummheit in Ruhe zu lassen, damit sie… Dummheiten anstellen kann. Wenn Dummheit oder Ignoranz Maßstab des Handelns sind, dann ist das nur in den seltensten Fällen ein gutes Zeichen. Und es heißt so schön, Unkenntnis schütze nicht vor Strafe.
Ich verstehe mich als Humanisten, sogar als Idealisten, und ich halte (Menschen-)Bildung dabei für unerlässlich. Und mit Bildung bekämpft man nunmal Dummheit. Da wird man bei mir wenig Toleranz finden.
diese provo ist albern
gruss r.l
@68
Toleranz im sozialen Kontext ist nicht mit Akzeptanz zu verwechseln. Aber dies musste ich auch erst gerade nachlesen und schon habe ich wieder etwas dazu gelernt;-)
Wenn Du Dir einbildest Patrick, dein Unsinn wäre humanitär, wäre aufgeklärt, wer irgendwie wichtig, hätte inhaltlichen Gehalt, würde sich mit neuesten Interpretationen des Maunz Düring (Stichwort: Mit der Menschenwürde lässt sich schnell ableben) irgendwo im idellen Himmel treffen, dann beweisst dein Unsinn nur, wie abgehoben und unwissend Du bist: mehr aber auch , kein Fünkchen und keinen Funken, der irgendwie wichtig wäre.
Diejenigen , die sich zur Mission berufen fühlen, die “Dummen” zu verdammen, gehören selbst in eben jede Kategorie und fühlen sich in dem von Ihnen nicht mehr wahrgenommenen Dreck und Morast sehr selbstgefällig wohl.
Wenn Du Patrick nicht einmal mehr, eine öffentliche Demütigung im Springer, Bertelsmann, Holzbrinck, WAZ Konzert erkennst, nicht mal erkennst, warum man Wallraf so einen breiten Raum für Spiele einräumt, dann tut mir deine idealistische Sichtweise nicht mal mehr leid.
Wallraf hat versagt, genadenlos und das schon viel früher, weil er mit statt mit den Schwachen, mit den bunten Wölfen heult.
@ sirfa
… Du hast bei dem ach so demütigenden “Concert for Wallraff” noch die anderen Verlage vergessen, darunter den ZEIT-Verlag, SPIEGEL-Verlag, Gruner + Jahr (“Stern”), usw. Sie alle sind Teil einer Verschwörung böser bunter Wölfe. Das hast Du gut erkannt.
Ich verstehe ja auch nicht, warum Wallraff mit seinen Büchern nicht einfach von Haus zu Haus zieht, um sie den “Schwachen” anzubieten. Okay, er würde damit zwar nur ein paar von ihnen erreichen, und die restlichen Millionen würden nicht mal seinen Namen kennen. Aber immerhin könnte er dann stolz darauf sein, von Dir nicht mehr als “Versager” eingestuft zu werden.
Gelten Deine sonderbaren Kriterien, was den “breiten Raum für Spiele” betrifft, eigentlich auch für alle anderen Schriftsteller, die großen Zeitungen Interviews geben und “erlauben”, daß man über sie berichtet?
Gruß Ben
@ Patrick (68)
Ja, es ist sauschwer auszuformulieren, will man nicht gleich ein Buch drüber schreiben. Der Einfachheit halber hab’ ich dann das GG als Grundlage genommen. Aber wir meinen das Gleiche.
Meinetwegen soll eine Frau die Burka anziehen wenn sie will. Mit den Typen die Frauen dazu zwingen wollen hab’ ich ein Problem.
Ben,gehört die “Die Zeit” nicht dem Holzbrinck Verlag, der Familie von Holzbrinck und der Gruner + Jahr Verlag, wo der Stern erscheint, der Bertelmann Stiftung, also der Familie Mohn , hmm kleines kluges Kind ?
Und wäre der Aufruf von Wallraf auch erfolgt, wenn er öffentlich gefordert hätte, für jede Frau in diesem Land, egal ob blau, grün, rot, Türkin, Deutsche oder was auch immer, ein monatliches Unabhängigkeitgehalt von 1500 Euro zu zahlen, damit die bestimmenden und entscheidenen ökonomischen Abhängigkeiten zerschlagen werden, hätte Ben, du kluges Kerlchen, die Familie Mohn, oder Springer, oder Holzbrinck auch so bunt geklatscht, wenn Wallraf seine Finger in die entscheidene Wunde gelegt hätte, hmm ??
Hätten sie jubbelt, wenn er öffentliche Lesungen in den Paralellgesellschaft der Berliner Republik im Kanzleramt angekündigt hätte, hm Ben ?
Schwierig, schwierig, Du bist einfach zu klug, Benchen :)
… in welche Wunden soll Wallraff denn noch seine Finger legen? Daß Du viel klüger als ich sein mußt, erkennt man schon daran, daß mir auch diesmal nicht einleuchten mag, was die Forderung nach einem “monatlichen Unabhängigkeitgehalt von 1500 Euro” für Frauen mit der angekündigten “Verse”-Lesung in einer Moschee zu tun haben soll.
Das mit dem Kanzleramt verstehe ich auch nicht. Und sogar den “Brief” an Wallraff von “Bild”-Wagner muß ich völlig falsch interpretiert haben. Ich dachte in meiner Einfalt zuerst, daß es eine hämische Abrechnung war. Aber jetzt hast Du mir ja erklärt, daß es sich in Wirklichkeit um Applaus gehandelt haben muß, da ja auch der Springer-Verlag Wallraffs Vorhaben “bejubelt”.
Es ist nun mal leider so, daß ich vieles erst begreife, wenn es mir von einer so klugen Frauen wie Dir erklärt wird. Und jetzt machst Du mich auch noch vor allen Leuten runter. Das finde ich total unfair von Dir, und es beweist erneut, wie grausam Frauen oft mit Männern umgehen.
Gruß Ben
Wenn ich in ein religiöses Land reise, dann verhalte ich mich dementsprechend, gehe also nicht mit Schuhen in eine Moschee oder (wenn ich eine Frau wäre) trage in der Öffentlichkeit kein Kopftuch.
Wenn ich in ein solches Land auswandern würde, dann würde ich mich natürlich noch genauer damit auseinandersetzen um auch alle “Regeln” einzuhalten (würde in Indien nicht eine Kuh von der Straße schlagen).
In Deutschland ist man nicht besonders religiös und die Deutschen sind recht tolerant, mit wenigen Ausnahmen wird keine Frau dazu gezwungen kein Kopftuch zu tragen, Arbeitgeber haben die Pflicht den Gläubigen zu erlauben ihre Arbeit für ihre regalmäßigen Gebete zu unterbrechen (wenn ich mich nicht irre) und noch so einiges mehr…
Wenn nun Menschen nach Deutschland einwandern, dann kann man doch erwarten, dass sie sich mit der deutschen Mentalität vertraut machen und z.B. ihre Beleidigungstoleranz etwas weiter stecken, genauso wie eine Frau, die in den Iran auswandert ihre Freizügigkeit aufgibt. Und wenn dies für einen selbst inakzeptabel ist, dann wandert man eben nicht in dieses Land aus.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Gläubigen, die sich z.B. von den Mohammed-Karikaturen zu tiefst beleidigt gefühlt haben, keine andere Möglichkeit hatten als nach Deutschland auszuwandern (für einige mag dies der Fall sein).
Ich selbst bin absolut nicht gläubig, bzw. glaube an die Wissenschaft und meinen gesunden Menschenverstand, das ist wohl der Grund, weshalb ich für die oben erwähnten kein Verständnis aufbringen kann.
Ben, Frage dich einfach mal, was Ursache für den Zwang zur so engen Familienbindung in migarantischen Strukturen, (aber auch wieder in deutschen Familienstrukturen) samt deren idelle Folgen ist.
Du wirst dann genau feststellen, dass nicht irgend eine Lesung mit von und über Rushdie, die Religion an sich, das Problem darstellt, sondern einfach nur die ökonomischen Abhängigkeiten innerhalb und von der Familie den Zwang zur Religion begründen.
Wer nicht in der Lange ist, von seiner Arbeitskraft, von dem Geld, was er verdient, seine Miete, seine Unabhängigkeit zu finanzieren, wer gezwungen ist, diese materiellen Umstände mit der “Familie” zu teilen, die Wohnung, das Haus, die Umgebung, der gerät eben auch in diese idellen Abhängigkeiten, wie sie die Religion darstellt.
Und diesen Umstand nicht zu benennen, diese soziale Ursache zu verschweigen, ist das Versagen von Wallraf.
Er spielt auf dem gleichen Klavier ,wie es Springer, Bertelsmann und Holzbrinck spielen und erkennt überhaupt mehr, wer mit ihm wie überhaupt spielt und mit wem er spielt.
Es geht nicht um Reisende, es geht nicht um Auswanderer, es geht um die Kinder der Auswanderer, die hier schon in der zweiten oder dritten Generation zwischen den Kulturen aufwachsen. Die irgendwie keinen Halt in unserer Gesellschaft finden, da sie sich ihrer Familie in Tradition und Kultur verbunden fühlen und auch von ihr abhängig sind (da kann ich sirfa nur beipflichten), jedoch gerne so leben möchten wie der Rest in der freiheitlichen westlichen Welt. Es sind nicht nur die Frauen, die unter den patriachieschen Familiensystemen leiden, auch Männer haben sich diesem unterzuordnen und können sich diesem System kaum entziehen. Es geht hier nur vordergründig um das Kopftuch und Religionsausübung, vielmehr geht es darum ein soziales System zu durchbrechen. Das wiederum wird nur funktionieren wenn man autark ist. So fremd scheinen mir die Probleme jedoch nicht zu sein, jeder wird die urdeutscheste Drohung “So lange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst…” aus eigener Erfahrung kennen. Und genau aus diesem Grund stößt mir die Art und Weise, in der zur Zeit über Integration, Muslime und Migranten in Deutschland diskutiert wird sauer auf. Dieser besserwisserische erhobene Zeigefinger, der muss einfach weg. Wir dürfen nicht so tun, als ob hinter christlichen, jüdischen oder atheistischen Türen alles palletti wäre. Wir dürfen schon gar nicht so tun, als ob “Ehrenmorde”, Zwangsehen, Kopftuchzwang, religiöser Fanatismus und terroristische Attentate in muslimischen Familien an der Tagesordnung wären. Dies wird jedoch leider auch von Günther Wallraff durch seine Idee und den Kommentaren in der Presse suggeriert, auch wenn er dies vielleicht nicht beabsichtigt hat.
@ Verschwender (67)
“Sind “Ehrenmorde”, Frauenrechte, Patriachentum und Zwangsehen nicht eher ein soziologisches als religiöses Problem?”
Ginge es nur um irgendwelche ost-anatolischen Bräuche, wäre das der Fall. Aber unser Problem, der politische Islamismus geht ja weit darüber hinaus
Ob eine Moschee der richtige Ort für die Verse ist, wird sich zeigen. Wenn nicht, dann nicht. Wobei diese Entscheidung allein den Muslimen zusteht.
Walraff zwingt sie aber, darüber nachzudenken und zu debattieren.
Sind die Verse blasphemisch ?
Ist die Fatwa gegen Rushdie berechtigt ?
Diese Debatte innerhalb der muslimischen Gemeinschaft ist wichtig, da sie auch zu allgemeineren Themen führen wird.
Haben wir einen Feind in den eigenen Reihen ?
Können wir noch länger eine quasi-neutrale Position einnehmen ?
Es ist diese Debatte um die es geht. Die kann man nicht mal eben in der Eckkneipe anstossen. Und wenn’s klemmt, muss der Schubser der sie in Gang bringt auch mal etwas heftiger sein.
Nicht ganz fair aber allemal besser als Schäuble und seine Kriegs-Verfasssung.
“… jeder wird die urdeutscheste Drohung “So lange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst…” aus eigener Erfahrung kennen. Und genau aus diesem Grund stößt mir die Art und Weise, in der zur Zeit über Integration, Muslime und Migranten in Deutschland diskutiert wird sauer auf.”
Das ist allerdings wahr. Aber ich denke, dass Walraff da weiter gedacht hat.
Es werden unsere Muslime sein, die uns diesen Ball eines Tages vor die Füsse spielen werden. Sobald sie begreifen, dass es auch IHR Tisch ist. Dass Deutsch auch IHRE Sprache ist. Und schliesslich, dass die Islamisten auch IHRE Feinde sind.
Zum Teil geschieht das ja schon.
Schlümpfe sind wirklich was für Kinder, die ihre Debatte bei Bahamas, Springer und Holzbrinck weiter führen sollten:
Das Problem ist nicht irgendwie eines des aufgebauschten politischen Islams: es ist eindeutig ein soziales Problem.
Wenn man wirklich was für die Frauen, für die Männer tun würden wollen, dann hat man dafür zu sorgen, dass die Mehrheit von Ihnen nicht weiterhin wie in 70ziger Jahren die unterbezahlte Drecksarbeit machen muss.
Nur so bricht man die ökonomischen Abhängigkeiten auf, und nicht anders: was interessiert eine Familie Rushdie, die gezwungen ist, für ein Dreckgeld weiterhin zusammen zu arbeiten (Döner Döner, Blumen Blumen) und zu leben ?
Eine Moschee Schlümpfchen, ist hier in aller erster Linie ein Ort der Vertrautheit, wo Geschäfte gemacht werden.
Diese ganze Frage der Zwangsehen ist nur eines : ein Zeichen für feudalistische Bräuche, die sich hier nur erhalten können ,weil es politisch genau so gewollt ist und nichts anderes.
Das ist die gesamte Heuchelei des bürgerlichen Lagers: auf der einen Seite die Ausbeutung geniessen und auf der anderen Seite mit den dicken Fingern wedeln. Widerlich, dieser oberflächliche Dreck!
@sirfa: Okay. Wallraff spielt das böse Spiel der Presse mit, die komplett an einem Strang ziehen und alle nur die bösen Muslimen darstellen wollen. Die Zwangsehe und andere hier erwähnte Dinge liegen darin begründet, dass Frauen nicht alle 1500 Euro Grundeinkommen bekommen, und darin, dass “der Staat” diese Verhältnisse haben will. Kein Muslim ist wirklich religiös, es ist ausschließlich eine Gemeinschaft der sozial Schwachen, ein Weg, seinem Elend zu entkommen, Glauben tut das keiner.
Und jetzt? Was ändert das?
(1) Wie garantierst du, dass die Zwangsfamilien den Frauen die 1500 Euro nicht einfach wegnehmen, sie praktisch zur Übergabe zwingen? Wo nimmst du das Geld her? Und warum löst allein dieses Geld die sozio-ökonomischen Probleme von Migranten oder dem geschönfärbten Prekariat?
(2) Wie kann jemand angesichts dieser Medienverschwörung und Staatsmacht wirkungsvoll etwas ändern oder Dialog schaffen? Wenn man weder mit der Presse zusammenarbeiten kann und gleichzeitig dem Staat dessen Pläne durchkreuzen muss?
(3)Wie kriege ich die 1500 Euro Grundgehalt zu den Frauen im Iran, in Pakistan, Indien, Nordkorea, und ganz Afrika?
Ich meine, so wie du schreibst, hast du die Antworten ja.
Oder vielleicht ziehst du dir deine Beiträge auch aus der Nase und einer ebenso einseitigen, wenn auch andersseitigen Presse, wie du sie hier postulierst?
Ich meine, all deine Beleidigungen und standfest geäußerten Allgemeinheiten könnten den ein oder anderen Beleg schon vertragen. Wie kommst du darauf, dass “der Staat” die Zwangsehe erhalten will? Wer ist der Staat überhaupt, und was hat er davon? Warum hat aus der Presseverschwörung keiner geplaudert, warum gibt es nicht einen Journalisten, Redakteur o.ä. der darüber bloggt, wie man ihn dazu zwingt, Wallraffs Machenschaften zu unterstützen? Warum meldet sich keiner von Wallraffs ehemaligen Weggefährten, wie sich der Günther dem Mainstream verkauft hat? Warum geht der dm-Chef durch alle Medien und darf von seinem Grundeinkommen reden, der Wallraff dürfte das aber nicht? Und woher weißt du so viel mehr als wir?
Anders gesagt: Wenn du etwas geschrieben hast, über das man diskutieren kann (anstatt sich nur vor den Splittern ducken zu müssen), rede ich gerne mit dir. Ansonsten danke für die Mühe.
@ sirfa
Du hast recht. Hier, nimm dir ‘nen Keks.
*plonk*
Ich finde es immer interessant, wie einige ganz schlaue Zeitgenossen, deren Mission die Verdammung der Dummheit ist, schon das Schreiben als illusorisches Reden begreifen. Soviel Illusion verdient sogar Respekt.
Ansonsten halte ich dich Patrick für so klug, dass du selbst die reine rechtstechnische Abwicklung (Rechtsanspruch samit Anspruch auf Kontoführung) eines ökonomischen politisch gewollten Anspruches begreifen könntest. Auf so dumme Floskeln der angeblichen Finanzierungsunmöglichkeit gehe ich für gar nicht erst ein: das würde für Dich und Deinen idealistischen Verstand zu sehr in die Nähe und Ferne führen.
Schwieriger wird es bei der Erfassung von der tatsächlichen Medienlandschaft, bei der Du nicht einmal begriffen hast, dass sich die bunte Presselandschaft letztlich auf eine Handvoll von Familien beschränkt, die nur ihre bürgerliche Meinung und Sichtweise verkaufen.
Ja ja Patrick, die Illusion von veröffentlicher Meinung und Öffentlichkeit, verhält sich wie die Dein Verhältnis vom Reden zum Schreiben, und wie deine billige Illusion, dass Blogs irgendwelche internen Betriebsgeheimnisse billig von dannen geben würden.
Der Verkauf und Kauf von Nachrichten ist ein Geschäft Patrick, eines, welches den Kern der bürgerlichen Pressefreiheit (gesetzlich normiert in Art. 5 I GG usw usw.) in der bürgerlichen Gesellschaft ausmacht, ein Geschäft, was für welches teuer bezahlt wird und keines, wo irgendwer, ein Redakteur oder Journalist auf die Idee käme, dieses umsonst von dannen zu schreiben.
Du scheinst noch niemals das berühmte Zitat: “Wir haben Demokratie und ich bin die Reaktion vernommen zu haben”.
Es ist alles geschrieben und ein Wallraf, der sich für wichtig hält, und sich nicht einmal bemüht, die wirklichen Ursachen ansatzweise aufzuzeigen, versteht das Spiel als Verkäufer seines neuen Buches, taugt aber für aufklärerische Gedanken, für Erhellungen und Zusammenhänge keineswegs.
… wie gut, daß wir in unseren Reihen auch eine Richterin haben, die stets kompetent entscheidet, welche Kommentare als “klug” zu bewerten sind *g*.
@ sirfa
Mit Verlaub, aber Du mischt wieder mal alles in einen Topf, wenn Du schreibst: “was für Kinder, die ihre Debatte bei Bahamas, Springer und Holzbrinck weiter führen sollten”.
Springer und Holzbrinck sind Großverlage, während “Bahamas” das Forum für Mitglieder einer ulkigen Mini-Polit-Sekte darstellt, die sich “Antideutsche” nennen, den Kriegsverbrecher und Guantanamo-KZ-Oberaufseher George W. Bush als Helden verehren und für die Israel der Mittelpunkt der Welt darstellt.
Dagegen schmeckt sogar jedes Apfel-Birne-Kompott köstlich ;-)
Gruß Ben
@sirfa
Vielleicht wäre es angebrachter die Diskussion ein wenig gemässigter zu führen, aber Papa Schlumpf scheint ja nichts gegen etwas heftigere Schubser zu haben;-)
@Papa Schlumpf
Ich weiß gar nicht warum immer die Islamisten im Zusammenhang mit unserer muslimischen Bevölkerung in Verbindung gebracht werden. Natürlich gibt es auch in Deutschland Islamisten, genauso wie Rechtsradikale, Linksradikale, Scientology, Kreationisten, Zeugen Jehovas, Neuapostolen, Fiat Lux Anhänger und was weiß ich noch.
Man stelle sich einmal vor in der Berliner Synagoge würde Michael Moore Günther Grass lesen, damit die hier in Deutschland lebenden Juden mal über das Verhalten orthodoxer Juden in illegalen Siedlungsgebieten nachdenken.
Irgendwie stinkt es hier verdammt nach versteckter Kamera…(Ne, jetzt nicht der Schäuble, sondern dieser komische schweizer Spaßvogel mit seiner Paola;-))
Sagt mal…..habt ihr nichts besseres zu tun?
Tut ja fast weh beim lesen…..
@ Jens: Gute Sache das! Keep on keeping on….
“Ich weiß gar nicht warum immer die Islamisten im Zusammenhang mit unserer muslimischen Bevölkerung in Verbindung gebracht werden.”
Sie sind ein Teil von ihr. Beide sind ein Teil der Umma.
Die Antwort gibt umma.net, die Gemeinschaft friedliebender Gläubiger
(Neuigkeiten vom 24.6.)
Unter der Überschrift >>”Heiliger Krieg” von Christen … http://www.umma.info/dailytafsir/comments.php?vers=120&sure=2%20(AL-BAQARA)
Das (AL-BAQARA) gehört an den Link dran, sonst funktioniert er nicht.
Die radikal-fundamentalistischen Strömungen im Islam sind nicht irgenwelche wirren Sekten oder Ideologien. Sie sind fester Bestandteil der islamischen Gemeinschaft.
“Man stelle sich einmal vor in der Berliner Synagoge würde Michael Moore Günther Grass lesen, damit die hier in Deutschland lebenden Juden mal über das Verhalten orthodoxer Juden in illegalen Siedlungsgebieten nachdenken.”
Das wäre natürlich in D schon aus einem anderen Grund unpassend. Aber ich weiß wie Sie es meinen.
Der Vergleich hinkt aber an mehreren Stellen.
Zum einen der Umgang der jüdischen Gemeinschaft mit derartigen kontroversen Themen. Ich muss nicht erst irgendwelche Thesen an die Tür der Synagoge schlagen, damit man das endlich diskutiert und Stellung bezieht.
Zum anderen steht das Konzept der jüdischen Gemeinschaft nicht im Widerspruch zum europäischen Konzept einer Nation. Auch steht keine Entscheidung an ob die Loyalität einer Verfassung oder dem eigenen Glauben gilt. Juden, Hindus, Christen etc. können problemlos auf beiden Hochzeiten tanzen.
Für Muslime ist die Sache nicht so einfach. Und eine (teils nur vorgeblich) neutrale Position ist zu wenig.
Unter http://www.schlumpfterror.com finden erhellende Einträge zur Herrenrasse der Schlümpfe, die dort von “meine, unser, deine” und von ihrem ganz privaten Rassimus in schönster paneuropäischer Tradition schwadronieren:
der Jude sei ein Mensch, ein Europäer , der Moslem ist das natürlich nicht, also Mensch und Europäer, und der Schlumpf versteht sich als Führungseuropäer.
An große und kleine rassistische Schlümpfe verteilt man keine Bücher “Wer hat Angst von schwarzen Mann”, sondern “Wer hat Angst Bärtigen” vom und folgt damit der neuesten bürgerlichen strategia della tensione.
Das die Mehrheit militanten Islamisten auf der Gehaltsliste des Verfassungschutz stehen dürften interessiert natürlich niemanden, ausser militante Führungsschlümpfe mit christlichem Mantel.
Ach ja: aktuelles Zitat zu den gefährlichen Islamisten vom BMI
In Deutschland leben rund 3,2 Millionen Muslime. Der weitaus größte Teil aller Muslime verhält sich gesetzestreu; lediglich eine Minderheit (etwa 1%) hat sich islamistischen Organisationen angeschlossen. Etwa 32.150 Personen waren Ende 2006 Mitglieder oder Anhänger islamistischer Gruppierungen in Deutschland.
Das Mitglieder- oder Anhängerpotenzial im Bundesgebiet vertretener extremistischer Organisationen – islamistische und säkulare Zusammenschlüsse – beschränkt sich auf weniger als 1 % der hier lebenden Ausländer. ‘(!!!!!)
Zurücklehnen Kaffee trinken ;)
@ Papa Schlumpf
Ich gehe jetzt erstmal zu Tisch. Dönerteller ist angesagt, und während Deryat mir mein Fleisch vom Spieß schneidet, lachen wir uns gemeinsam über Wallraff kaputt, haben wir am Freitag auch schon gemacht. Seine Schwester macht übrigens gerade Führerschein, da sie ab Oktober in Dortmund Wirtschaftswissenschaften studieren möchte und erst einmal täglich zur Uni fahren wird. Wohnung ist ja nicht so leicht finanzierbar. Ich glaube, ich frage Deryat mal was er von umma.info so hält. Ich glaube aber, er wird mich fragen was das überhaupt ist. Wer Wallraff ist, musste ich ihm auch erst erklären…
ja ja, was wären wir ohne die türkische küche… (örgs)
das es auch gebildete und tollerante türken – oder allgemein muslime – gibt, muss man wohl nicht betonen. trotzdem gibt es gerade unter diesen gläubigen bedenkliche strömungen… und ein großer teil der hier lebenden ausländern hat keinen besonderen bildungsgrad und ist somit umso anfälliger für die diversen hassprediger…
Ich meine, mit diesem Interview erklärt Günter Wallraff genauer und nachvollziehbarer, warum er diese Lesung will.
Wallraff geht es, so verstehe ich ihn, um die Freiheit in einer Gesellschaft – so auch die Freiheit z.B. für provokante Literatur. Er möchte aber im Zusammenhang mit dem Kölner Moscheebau zeigen (und damit die Öffentlichkeit überraschen), dass Ditib eben nicht fundamentalistisch ist. Ich nehme es Wallraff durchaus ab, wenn er beschreibt, dass bei ihm der Vorschlag von Herrn Alboga ein Schlüsselerlebnis war:
Wallraff sagt an einer anderen Stelle des Interviews, dass er etwas nachweisen will, nämlich, dass die Mehrheit der hier lebenden Muslime vom Islamistengeschrei und den Fatwas gegen “Ungläubige” oder Rushdi nichts wissen will:
Nun, das ist die eine Seite.
Die andere Seite, vielleicht fast genauso stark, ist sein Streben nach Selbstvermarktung. Wallraff ist zurück, und darauf, sowie auf seine Aktivitäten will er aufmerksam machen. Das kommt in dem Interview m.E. recht schön raus, nämlich dadurch, dass Wallraff unbedingt über sein aktuelles Projekt und Buch reden möchte.
Ist das bereits unredlich? Ich denke, nein. Es steckt im Lesungsplan Wallraffs m.E. eine erhebliche Dosis des Wunsches, aufklären zu wollen. Dazu kommt, dass Wallraff Rushdie kennt – und sich vermutlich verpflichtet fühlt, das Tabu um Rushdie zu brechen bzw. zu verkleinern. Wallraff will aber vor allem aufklären.
Aufklären darüber, dass eine Moschee keine Gefahr bedeutet, dass normale Muslime keine Gefahr bedeuten – und auch keineswegs Extremisten sind, welche nach Mord und Totschlag schreien, wenn jemand ihre religiösen Gefühle verletzt. Daher diese Literaturlesung.
Und ich denke weiterhin, dass diese angestrebte Lesung zwiespältig oder sogar fahrlässig ist, auch deshalb, weil sie Extremisten als Projektionsfläche dienen wird. Sowohl den Islamophoben als auch den Islamisten. Das halte ich für keine kleine Gefahr.
Vermutlich wird dieser Effekt überkompensiert, wenn die Veranstaltung reibungslos abgelaufen ist.
Wenn.
P.S.
Ich bin voreingenommen. Ich freue mich, dass Wallraff zurück ist. Und ich finde, dass er sich die richtigen Themen vorgeknöpft hat. Ich hätte die Lesung nicht gemacht – aber wenn es klappt, wie er sich das vorstellt, ist es am Ende vielleicht eine gute Sache.
Ich kannte Herrn Wallraff bis dato gar nicht. Für mich ist der Mann allerdings jetzt schon ein Held.
In einem Land in dem die Kritik an Streubomben zum “Antisemitismus” Vorwurf führt,…
“Freiheit” wie ein Pop-Up = Kauf dass Produkt