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  • Tour de Farce [Update]

    geschrieben am 18. Juli 2007 von Spiegelfechter

    Ob die Deutsche Telekom weiterhin Sponsor des Profiradstalls “Team Telekom” sein wird, ist ungewiss. Vertreter des Radsports befürchteten einen negativen Imagetransfer durch eine zu enge Verbindung zu einem Unternehmen, welches gnadenlos Mitarbeiter outsourced und nicht am Unternehmensgewinn teilhaben lassen will.

    So sähe die heutige Sportpolitikmeldung in einer (etwas) besseren Welt aus. Aber nein, auch im Radsport gelten die gleichen Regeln, wie in der Wirtschaft und der Entschluss eines jungen Burschen, von den verbotenen Früchten zu naschen, um auch seinen Teil des großen Kuchens abzubekommen, führte zu einem Empörungsaktionismus der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten. Und wenn diese sich in eigener Sache moralinsauer aufplustern, ist meistens etwas faul an der Sache.

    Man mag trefflich darüber streiten können, ob es zur medialen Grundversorgung der deutschen Öffentlichkeit gehört, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten exklusiv über Sportereignisse berichten, deren Übertragungsrechte mehrere Millionen Euro aus der Tasche der GEZ-Zahler kosten, die an anderen Stellen gestrichen werden müssen. Wer den Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen aus der Tour de France Übertragung aus diesem Grund begrüßt, hat per se gute Argumente und die Unterstützung des Autoren. Dies ist aber nicht der Grund, den ARD und ZDF anführen, sondern sie echauffieren sich in heuchlerischer Manier über die Umstände, die sie selbst mit geschaffen haben und die sie in anderen Bereichen keinesfalls kritisieren.

    Woher kommt diese Scheinheiligkeit? Leistungssport ist ein Spiegel der Gesellschaft und des herrschenden Systems. Es geht in diesem Fall ja nicht um die Jugendkreismeisterschaften des Hochsauerlandkreises. Eine Topveranstaltung, wie die Tour de France, ist aus wirtschaftlicher Sicht ein riesiger Markt ? die ARD nimmt von ihren Werbekunden bis zu 24.000 Euro für einen 30sekündigen Werbespot. Natürlich sind diese Summen, die die Werbetreibenden investieren ? egal, ob sie einen Spot buchen oder eine Mannschaft direkt sponsern ? im Endpreis der angebotenen Produkte enthalten. Da alle Markenanbieter Marketing betreiben und in vielen Fällen (Telekom/Strom) für den Endkunden keine Alternative vorhanden ist, zahlt der Endkunde die komplette Zeche ? ob er will oder nicht.

    ARD und ZDF haben nun in preisverdächtiger investigativer Kleinarbeit herausgefunden, dass im Profiradsport gedopt wird. Potzblitz! Das ist ja was ganz neues! Man sollte abwarten, bis ARD und ZDF auch herausfinden, dass der Michel bei seiner Steuererklärung gerne mal fünfe gerade sein lässt und nicht in jeder 30er-Zone wirklich 30 fährt. Wenn man jungen Männern Gehälter im hohen sechsstelligen Bereich anbietet, wenn sie die außerordentlichen körperlichen Leistungen erbringen, die für eine solche Rundfahrt von Nöten sind, braucht man sich nicht zu wundern, wenn einige Kandidaten zu illegalen und semilegalen Mitteln greifen, um sich am goldenen Manna zu laben. Es wäre naiv, das Gegenteil anzunehmen. Wenn die Mitbewerber mit illegalen und semilegalen Mitteln ihre Leistung steigern, ist es ebenfalls verständlich, dass sich diese Praxis auch bei Fahrern durchsetzt, die eigentlich solche Methoden ablehnen.

    Die ARD war sogar Co-Sponsor des T-Mobile-Teams, das unlängst durch das Outing ehemaliger Aktiver in die Doping-Schlagzeilen geraten ist. Anzunehmen, bei dem Bonner Team handele es sich um eine Insel der Glückseligen in einem Ozean der Verderbtheit ist ebenfalls naiv ? und kein Mensch mag der ARD abnehmen, sie wüsste nichts von den Dopingpraktiken, der Akteure, die sie mit dem Geld der Gebührenzahler beglückt hat.

    Man kann einem jungen Mann schwerlich den Vorwurf machen, er habe sittenwidrig gehandelt, wenn er im Endeffekt nur das nachmacht, was ihm die Gesellschaft vormacht: The Winner takes it all – und jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte seine 15 Minuten Ruhm versilbern. Ein Herr Ackermann, der dem Bürger – der ihn indirekt bezahlt – ein hämisches Victory-Zeichen entgegenstreckt, ist er das Vorbild, Regeln, die dem gesellschaftlichen Mainstream anachronistisch anmuten, nach dem eigenen Vorteil zu dehnen. Brot und Spiele sind es, die das Volk verlangt. Früher haben die Gladiatoren für ihren Ruhm und ihr Einkommen ihr Leben riskiert ? heute ist der Preis nicht ganz so hoch, aber wer glaubt, ohne Schaden an der Gesundheit zu nehmen, im knallharten Kampf um Ruhm und Reichtum im Sport mithalten zu können, wirkt ebenfalls anachronistisch. Ist es nicht das Ideal der Leistungsgesellschaft so erfolgreich zu werden, dass man für den Weg, der das Ziel ist, 60 bis 80 Stunden pro Woche investieren muss? Treibt der Jungmanager nicht Raubbau an seiner Gesundheit? Ist das Nomadenleben auf dem Weg in die Führungsetagen sozial verträglich? Und wie sieht es in anderen Sportarten aus? Macht sich die Gesellschaft Sorgen um die Gesundheit der Jungmillionäre, die mit über 300 km/h im Kreis fahren? Werden ARD und ZDF die Olympia-Übertragung einstellen, wenn der erste Dopingfall publik wird?

    Wenn TV-Anstalten Millionen in “das System” pumpen und hinterher jammern, dass nicht nur Altruisten bei diesem gewinnträchtigen Spiel mitmachen, ist dies bigott. Sich herauszureden, indem man Regeln fordert, deren Einhaltung nur mangelhaft kontrolliert wird, ist heuchlerisch ? das kennt ein jeder Autofahrer. Wenn man weiß, wo Radarfallen stehen, wird man sich in deren Nähe ordnungsgemäß verhalten und ansonsten nach eigenem Gusto verfahren. Denkt man allerdings, dass hinter einem eine zivile Verkehrskontrolle fährt, erwacht in einem der Fahrschüler, der gerade seine Prüfung ablegt. Dies soll im Radsport nicht möglich sein? An finanziellen Mitteln hapert es ja nicht. Eine einfache Lösung wäre es, dass Kontrollsystem zu forcieren und dem Team jedes Sünders eine schmerzhafte Strafe aufzuerlegen. Das würde dazu führen, dass es im Interesse des Arbeitgebers wäre, seine Arbeitnehmer so zu kontrollieren, dass sie die Regeln einhalten. Die Bundesbank überprüft schließlich auch die Taschen ihrer Mitarbeiter und verlässt sich nicht nur auf deren Gesetzestreue und die abschreckende Wirkung des StGBs.

    Wenn man ?den Dopingsumpf? halbwegs trocken legen will, ist weder krawalliger Aktionismus noch Hysterie hilfreich, wie die ARD und ZDF an den Tag legen. Wer bessere Kontrollen fordert und laut aufschreit, wenn diese Kontrollen tatsächlich etwas zu Tage fördern, agiert wie der Dieb der ?Haltet den Dieb!? schreit

    Die Tour ist durch den Dolchstoss der deutschen Medien eben so wenig tot, wie der Sport per se ehrlich und rein ist. Wer seit Jahren Gefallen an den Bildern der Tour findet und den Sport in sein Herz geschlossen hat, der tut dies weiterhin. Wer Sport prinzipiell ablehnt, millionenschwere Sportevents wegen des Kommerzcharakters ablehnt oder Radfahren schlicht und einfach langweilig findet, dem ist die Entscheidung von ARD und ZDF egal. Ehemals interessierte Betrachter, die sich erst jetzt vom Leistungssport abwenden, müssen sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Wenn ARD und ZDF auch in anderen Bereichen so konsequent wären, müssten sie auch die Politikberichterstattung einstellen, da auch dort ?in Einzelfällen? mit illegalen und semilegalen Mitteln gearbeitet wird und der Zuschauer nach Strich und Faden belogen wird und Wirtschaftsnachrichten oder Börsenberichte wären so wie so verboten.

    p.s.: Der Autor verfolgt, sofern es ihm zeitlich möglich ist, seit über 10 Jahren die Tour de France und wird dies weiter tun – es gibt ja noch den Sender “Eurosport”, bei dem man allerdings dümmliche Werbung ertragen muss und der sich standhaft weigert, die Käse- und Weinsorten der gerade durchfahrenen Region vorzustellen. Quel malheur!

    Update: ARD und ZDF haben die Rechte an Pro7/SAT1 abgegeben. SAT1 will schon heute in die Berichterstattung einsteigen. Damit ist der erzieherische Aspekt, den die Öffentlich-Rechtlichen großspurig in den Raum gestellt haben, vollends ad absurdum geführt. Dem Zuschauer wird es egal sein – wer Sportübertragungen von SAT1 kennt, wird Eurosport so wie so den Vorzug geben. Und das SAT1 dem Zuschauer etwas über lokale Käse- und Weinspezialitäten erzählt, ist auch nicht zu erwarten … es sei denn, es handelt sich um Werbekunden.

    Jens Berger

    Bildnachweis: Bildblog, Effort, Titanic-Magazin, dangiles73, Titanic-Magazin

    39 Kommentare Print This Post
    Ob die Deutsche Telekom weiterhin Sponsor des Profiradstalls "Team Telekom" sein wird, ist ungewiss. Vertreter des Radsports befürchteten einen negativen Imagetransfer durch eine zu enge Verbindung zu einem Unternehmen, welches gnadenlos Mitarbeiter outsourced und nicht am Unternehmensgewinn teilhaben lassen will. So sähe die heutige Sportpolitikmeldung in einer (etwas) besseren Welt aus. Aber nein, auch im ...
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    2. sprechblasenblog » Blog Archive » Türlich, türlich — Warum die Leute sich so übers Doping aufregen

    39 Kommentare:

    1. transwarp schrieb am 18. Juli 2007 at 23:48 - Permalink

      Es muesste eigentlich hier einen Poll geben, oder einen Button wo auszuwählen ist bzw draufsteht: Volle Zustimmung! und Danke fuer die ausgezeichnete Formulierung!

    2. Ingo schrieb am 19. Juli 2007 at 00:34 - Permalink

      Tja Jens, so kommst du nie auf viele Kommentare ;-)

    3. Hendric schrieb am 19. Juli 2007 at 01:00 - Permalink

      Wie wäre es mit einem neuen Logo?:

      Le Tour de Farce

    4. D. Krüger schrieb am 19. Juli 2007 at 07:08 - Permalink

      Hallo,
      Zustimmung zum Artikel – aber auch Widerspruch.
      Das Doping nur auf die Fahrradfahrer einer dubiosen Tour zu begrenzen ist recht naiv.
      Es gibt keine Sportart, in der nicht von frühester Jugend an gedopt wird.
      Doping fängt im Sport mit der Einnahme von Hausmitteln an um Schmerzen zu lindern, an Stelle einfach nur mal eine Ruhepause einzulegen.
      Doping ist niemals nur auf eine Person begrenzt – der einzelne wird erwischt – doch wer und was alles im Hintergrund passiert – wird auch jetzt von niemanden an die Öffentlichkeit gezerrt.
      Im übrigen waren auch solche Personen wie Becker und Schumacher gedopt – wie anders ist deren und ihrer Fans dubioser Geisteszustand sonst zu erklären ;)?
      Stark bleiben

    5. bluepill schrieb am 19. Juli 2007 at 08:33 - Permalink

      ob mit oder ohne doping im “team telekom”: das unternehmen telekom war mir noch nie sehr symphatisch, haben sie doch die deutschen verbraucher jahrzehntelang dank ihres monopols beim telefonieren kräftig abkassieren können. habe daher auch gleich bei marktöffnung meinen anbieter gewechselt.

    6. TheIfrit schrieb am 19. Juli 2007 at 09:55 - Permalink

      Krawalliger Aktionismus noch Hysterie sind nunmal aber die Dinge, die beim Volk erstmal Wirkung zeigen (sollen) Machen die Politiker doch auch nicht anders… *schielt zu einem bestimmten Überwachungsstaatbeführworter*

      Doping gabs immer und wird es immer geben und das wird laufen wie mit der Viren- und Trojanerprogrammierung. Wenn eine Entdeckungsmethode gefunden ist, dann wird eben was neues gemacht.

      Irgendein Opferlamm, das zur Schlachtbank geführt wird, um den rest der Herde im Hintergrund zu lassen, muss es immer geben und dieses mal war es eben dieser junge Mann.

      MfG
      Ifrit

      PS: Ich hab die Tour noch nie geschaut, sollen die sich doch mit Steroiden, Testosteron und was weiß ich vollstopfen, bis ihnen Haare auf der Brust wachsen…
      Leid tun mir die, denen das wirklich unwissentlich passiert, aber denen glaubt dann ja keiner… kann ja schließlich jeder sagen.

      PPS: ich kämpfe auch grad mit der Unfähigkeit der Telekom… einfach nur traurig

    7. Fiend_THeyde schrieb am 19. Juli 2007 at 10:38 - Permalink

      Einige Anmerkungen:

      Es ist sicher richtig, daß die deutsche Bank ihre Arbeitnehmer kontrolliert und sich nicht allein auf deren Gesetzestreue oder die abschreckende Wirkung des Stgb verläßt. Allerdings sind die Profiteams im Radsport mitnichten in der Situation des Arbeitgebers DB, denn letztere fordert ihre Mitarbeiter nicht dazu auf, sich regelwidrig zu verhalten.

      Es dürfte klar sein, daß modernes Doping – angesichts verbesserter Kontrollmechanismen – keine Angelegenheit ist, die man als Radsportler mal so eben ohne medizinische Ausbildung betreiben kann, sondern daß die Fahrer stets auf die Mitwirkung von medizinischem Fachpersonal angewiesen sind. Ebenso klar ist, daß sowohl Teamleitung, als auch Sponsoren ein natürliches Interesse daran haben, daß die angestellten Profis erfolgreich sind. Zumal immer wieder darauf hingewiesen werden muß, daß Radsport eine Mannschaftssportart ist.

      Da davon ausgegangen werden kann, daß alle Teams sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, die erfolgversprechend sind, haben die Fahrer überhaupt keine Möglichkeit, sich dem zu entziehen (außer, sie hängen ihren Beruf an den Nagel). Die Fahrer sind das schwächste Glied in der Kette, auf das medial bezeichnenderweise am meisten eingedroschen wird, während die Journaillie gleichzeitig den Sponsoren wohlwollend Naivität unterstellt, sie also zu den “Betrogenen” zählt. Was bezüglich Bigotterie für die Medien gilt, gilt in gleicher Weise für die Sponsoren.

      Zum Doping selbst: kein Mensch wird durch die Einnahme irgendwelcher Substanzen zum Toursieger. Es gibt keinen Automatismus dieser Art. Ohne ganzjähriges Training ist das aufwendigste Doping wirkungslos. Ebensowenig verhindert es Einbrüche, wie den berüchtigten “jour sans”. Auch gedopte Fahrer müssen selbst die Pedale treten und sind Formschwankungen ausgesetzt oder stürzen usw.

      Die berühmtberüchtigte “Chancengleichheit” ginge durch Doping verloren, heißt es, was natürlich Blödsinn ist, denn eine Chancengleichheit im Sinne von “alle hätten die gleichen Chancen” gäbe es nur dann, wenn alle Teams dasselbe Material und die gleichen Trainingsmethoden verwenden würden. Wer über ausreichende Mittel verfügt, wird über besseres Material verfügen, als Teams, die weniger begütert sind.

      Doping schadet der Gesundheit vor allem dann, wenn es ohne medizinisches Wissen durchgeführt wird. Tom Simpson ist gestorben, weil er sich ohne ärztliche Kontrolle gedopt hat (eine Flasche Cognac + Amphetamine hätte ihm selbst damals wohl kein Arzt als Dopingmittel empfohlen).

      Wer – wie die ÖR – aufschreit, wenn bei – zuvor auch von den ÖR geforderten – Kontrollen etwas gefunden wird und die Abwesenheit von Dopingfunden mit der Abwesenheit von Doping gleichsetzt, sollte sich konsequenterweise für die Abschaffung der Kontrollen einsetzen: wer nicht sucht, wird nichts finden.

      Das Verhalten der ÖR ist imübrigen eine Ersatzhandlung für mangelnde Konsequenz in der Berichterstattung, wenn es um wirklich wichtige Themen geht. Es soll journalistische Verantwortung und Entschlossenheit simulieren, die auf Feldern wie Irakkrieg, Korruption, negative Auswirkungen der “Reformen” usw. nahezu völlig fehlt.

      Greets

    8. Athe100 schrieb am 19. Juli 2007 at 10:44 - Permalink

      Mich würde interessieren, wie viel Geld (=Fernsehgebüren) von der ARD/ZDF versenkt wurde für diese absehbare Pleite.

      Es müssen meines Erachtens
      - Lizenz-Gebühren an die Tour überwiesen,
      - anteilige Kosten des franz. Fernsehens für Liveübertragungen erstattet,
      - Werbeeinnahmen rück gezahlt,
      - Entschädigungen an die werbenden Firmen,
      - Logistik für die Fernsehübertragungen weiter bezahlt,
      - Gehälter der Fernsehschaffenden(Reporter, Kamaraleute etc.)
      - Honorare für die Berater
      und
      - Kosten für die Ersatzprogramme am Nachmittag
      angefallen sein.

      Wer badet diese möglicherweise zweistellige Millionen-Verschwendung aus? — wahrscheinlich ausschließlich der Fernsehzuschauer selbst.

      Da müssen wahrscheinlich noch ein paar mehr Wiederholungen von “Pfarrer Braun” bei der ARD und “Wenn die Musi spielt ” beim ZDF im Samstag-Abendprogramm eingebaut werden.

      MfG
      athe100

    9. derrod schrieb am 19. Juli 2007 at 10:54 - Permalink

      Hier noch ne ganz nette Meldung von gestern
      http://de.uncyclopedia.org/wiki/UnNews:%C3%9Cberraschung:_Positiver_Dopingbefund_bei_Tour-Teilnehmer

    10. frank schrieb am 19. Juli 2007 at 11:24 - Permalink

      trotzdem:

      stimmt alles, die scheinheiligkeit, aktionismus, der gesellschaftsspiegel etc. trotzdem muss man irgendwann mal anfangen, zu versuchen, das system zu ändern. deshalb hat jeder versuch meine sympathie. es geht mir nicht um die gesundheit der fahrer, jeder muss selbst wissen, was er sich antut. aber ich will nicht mit rundfunk-gebühren die pharma-industrie sponsern.

      deshalb: die abschaltung war richtig! gut wird es, wenn die tour auch im nächsten jahr erst gar nicht auf sendung geht! dass unkritische heldenverehrer das anders sehen und sich wahrscheinlich über die angeblich typisch deutsche nestbeschmutzung aufregen, ist mir dabei komplett egal.

      ps. beim einkauf versuche ich schon darauf zu achten wen oder was die jeweiligen hersteller sponsern, bevor ich geld hinblättere.

    11. Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2007 at 11:34 - Permalink

      @Fiend_THyde

      Danke für die guten Anmerkungen.

      Doping schadet der Gesundheit vor allem dann, wenn es ohne medizinisches Wissen durchgeführt wird.

      Bei diesem Satz musste ich an die Diskussion über die beiden Freiburger Ärzte denken, die das Team-Telekom betreut haben und die Fahrer mit kontrollierten Doping-Mitteln versorgt haben.

      Der Aufschrei war groß, als dies aufgedeckt wurde. Wie können Mediziner, die sich dem hypokratischen Eid verpflichtet haben, ihre Patienten schädigen? Diese Moralkeule saß … oder auch nicht, wenn man mit etwas mehr Pragmatismus an die Sache heran ging. Einer der Ärzte sagte sinngemäß, man könne es kaum verhindern, dass die Athleten zu Dopingmitteln greifen – wenn sie es schon tun, so sei es besser, dies geschehe unter fachkundiger Aufsicht. Dies erinnerte mich ein wenig an die Abtreibungsdiskussion (Gynäkologe oder Kleiderbügel?)

      Dieser Satz ist nicht falsch, aber auch ein Offenbarungseid der Hilfslosigkeit. Da man “das System” nicht so da hoc ändern kann – zumal dies von den Verantwortlichen aller Lager auch nicht gewollt ist – muss es halt wirkungsvoll kontrolliert und sanktioniert werden. Und zwar da, wo es weh tut. Warum Teams nicht für Dopingfunde bei ihren Athleten kräftig(!) zur Kasse gebeten werden, ist mir immer noch unklar. Nur so, kann bei den Teams sowohl eine Umkehr bewirkt werden, als auch eine von den Teams (aus Eigeninteresse) getragene Selbstüberwachung.

      Wenn ich von der dollen T-Mobile Initiative höre, man überprüfe die Athleten, aber eben nicht auf verbotene Substanzen, so ist dies ein Treppenwitz. Angeblich käme so der Verdacht auf, man “manage” die Blutwerte und zöge Athleten gezielt aus dem Verkehr, die Wert im kritischen Bereich haben. Geht es auch noch dümmer?

    12. Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2007 at 11:46 - Permalink

      @Athe100

      Genaue Summen sind nicht in Erfahrung zu bringen. Rechteinhaber ist die EBU, ein Zusammenschluss aus (meist Öffentlich-Rechtlichen europäischen Sendern). Wie viel ARD und ZDF an die EBU bezahlen, ist nicht bekannt – des dürfte aber eine große Summe sein, so daß Deine Schätzung von einem zweistelligen Millionenbetrag vielleicht sogar zu gering ist.

    13. labatnic schrieb am 19. Juli 2007 at 11:56 - Permalink

      Ich bin mir nicht sicher, meine aber mal gehört zu haben dass das Argument, dass für die TdF GEZ-Gebühren verschleudert werden, nicht stimmt, weil die Öffentlichen ja bis 20Uhr Werbung zeigen dürfen und die TdF sich dadrüber selber finanziert.

      Deswegen ist die Tour ja so eine gute Sache für die Öffentlichen: Ein (ehemals) zuschauerstarkes Programm am Nachmittag.

    14. nolookpass schrieb am 19. Juli 2007 at 12:02 - Permalink

      “Man kann einem jungen Mann schwerlich den Vorwurf machen, er habe sittenwidrig gehandelt, wenn er im Endeffekt nur das nachmacht, was ihm die Gesellschaft vormacht …”

      Damit kann man aber auch wirklich jeden Mist entschuldigen.

      Die böse Gesellschaft …

      … sind auch Menschen, die es seit Jahrzehnten zulassen, dass die ÖR von ihren Gebühren Unsummen für Rechte und Live-Übertragungen für ein Sportereignis hinblättern, bei dem offensichtlich quantitativ und qualitativ intensiver gedopt wurde als bei Olympischen Spielen oder in der Fußball-Bundesliga beispielsweise.

      … zappt jetzt beleidigt zu Eurosport, dort fällt ja auch dieses ganze bigotte Dopingberichterstattung weg. Man kann dort die Bilder der Tour genießen und einen Sport, den man in sein Herz geschlossen hat. Man kann tüchtig auf die Sponsoren schimpfen und den Sport Sport sein lassen. Doping kann einem wieder egal sein.

      … gibt sich nicht mit Gehältern zufrieden, die andere in Jahren nicht verdienen. Sie dopen trotzdem. Warum? Es kann nur das Geld sein. Nie war die Gelegenheit für deutsche Radfahrer günstiger als in diesem Jahr, bei der Tour de France im Mittelfeld oder am Schluss des Pelotons in Paris anzukommen und trotzdem oder gerade deshalb ihren Ruf zu wahren.

      Die Vergleiche mit anderen Sportarten hinken zudem. Es geht nicht um Gesundheit, sondern um Regeln: Die Formel-1-Fahrer dürfen so schnell im Kreis fahren. In diesem Jahr sind einige Marathonläufer wegen Überforderung gestorben – aber sie durften es, die Regeln haben es zugelassen. Radfahrern ist Doping verboten: Aus Gesundheitsgründen, aber auch, weil es die Regeln verletzt. Doch ohne Regeln – kein Sport.

      Und ich bin mir sicher: Sollten (um die Zahlenverhältnisse zu wahren) zwölf oder 15 deutsche Olympiaathleten vor Peking 2008 systematisches Doping gestehen, sollte vor den Spielen ein internationales Doping-System offengelegt werden, sollten während der Spiele weitere drei oder vier deutsche Hoffnungsträger eine positive A-Probe abliefern – dann wird auch bei den ÖR wieder diskutiert werden.

      ARD und ZDF haben in meinen Augen einen großen Fehler begangen: Sie waren zu feige, gleich von Beginn an zu Hause zu bleiben und damit auch einen großen Haufen Gebührengelder zu sparen.

    15. verschwender schrieb am 19. Juli 2007 at 13:10 - Permalink

      @spiegelfechter

      Wir müssen doch froh sein, dass ARD und ZDF soviel Gebühren für die Übertragungsrechte von Sportereignissen hergeben. Stelle Dir einmal vor, was mit den eingesparten Millionen tatsächlich passieren würde, noch mehr Carmen Nebel, Musikantenstadel live vom Mond, Wetten Daß Sommerspezial aus Nepal. Und ohne Tour hätte der Saarländische Rundfunk dann überhaupt keine Daseinsberechtigung mehr;-)

    16. Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2007 at 13:18 - Permalink

      @nolookpass

      ? sind auch Menschen, die es seit Jahrzehnten zulassen, dass die ÖR von ihren Gebühren Unsummen für Rechte und Live-Übertragungen für ein Sportereignis hinblättern, bei dem offensichtlich quantitativ und qualitativ intensiver gedopt wurde als bei Olympischen Spielen oder in der Fußball-Bundesliga beispielsweise.

      Im Fußball macht systematisches Dopen auch wenig Sinn. Ob z.B. nach einer längeren Verletzungspause Fußballer mittels Doping ihren Muskel(wieder)aufbau beschleunigen, werden wir (wohl) nie mitbekommen, da im Fußball nur aktive (d.h. mitspielende) Athleten überprüft werden. Wie tief der Dopingsumpf in anderen olympischen Sportarten ist, wag ich gar nicht zu prognostizieren. Bei Kraft- und Ausdauersportarten wird er ähnlich hoch sein, wie im Radsport. Wenn man bedenkt, dass (je nach Schätzung) 200.000 bis 500.000 Hobbysportler in Deutschland dopen, wäres naiv zu glauben, die besten unter ihnen, würden es anders machen.

      ? zappt jetzt beleidigt zu Eurosport, dort fällt ja auch dieses ganze bigotte Dopingberichterstattung weg. Man kann dort die Bilder der Tour genießen und einen Sport, den man in sein Herz geschlossen hat. Man kann tüchtig auf die Sponsoren schimpfen und den Sport Sport sein lassen. Doping kann einem wieder egal sein.

      Das haben sich ARD und ZDF selbst zuzuschreiben. Sie (die durchaus kritisch berichtet haben) zwingen die Zuschauer ja nun, zu den weniger kritischen Kollegen von Eurosport zu wechseln. Der Dopingdiskussion erfüllen sie damit einen Bärendienst.

      ? gibt sich nicht mit Gehältern zufrieden, die andere in Jahren nicht verdienen. Sie dopen trotzdem. Warum? Es kann nur das Geld sein.

      s.o. – wenn man bedenkt, dass 200.000 – 500.000 Hobbysportler dopen, nur um beim Volkslauf vielleicht 10 Sekunden schneller zu sein, oder 1cm mehr Bizeps zu bekommen, scheidet “Geld” als monokausaler Grund wohl aus.

      Die Vergleiche mit anderen Sportarten hinken zudem. Es geht nicht um Gesundheit, sondern um Regeln: Die Formel-1-Fahrer dürfen so schnell im Kreis fahren. In diesem Jahr sind einige Marathonläufer wegen Überforderung gestorben – aber sie durften es, die Regeln haben es zugelassen. Radfahrern ist Doping verboten: Aus Gesundheitsgründen, aber auch, weil es die Regeln verletzt. Doch ohne Regeln – kein Sport.

      Ich interessiere mich nicht für die Formel 1, habe aber in Erinnerung, dass dort auch gelogen und betrogen wird, dass sich die Balken biegen. Regeln sind sicher wichtig für die Sportarten, nutzen aber nur etwas, wenn sie gut kontrolliert und auch wirkungsvoll sanktioniert werden.

      Und ich bin mir sicher: Sollten (um die Zahlenverhältnisse zu wahren) zwölf oder 15 deutsche Olympiaathleten vor Peking 2008 systematisches Doping gestehen, sollte vor den Spielen ein internationales Doping-System offengelegt werden, sollten während der Spiele weitere drei oder vier deutsche Hoffnungsträger eine positive A-Probe abliefern – dann wird auch bei den ÖR wieder diskutiert werden.

      Wieso “deutsche” Athleten? Als Zuschauer will ich Sport sehen und nicht (nur) “deutsche Athleten”. Alle Athleten, die hart genug gearbeitet haben, um Spitzenleistungen zu bringen, haben es verdient von allen Zuschauern gesehen zu werden – auch von den deutschen. Olympia ist ebensowenig eine deutsche Veranstaltung, wie ARD und ZDF Haussender des Teams Telekom sind – auch wenn v.a. die ARD eben dies glaubt.

      ARD und ZDF haben in meinen Augen einen großen Fehler begangen: Sie waren zu feige, gleich von Beginn an zu Hause zu bleiben und damit auch einen großen Haufen Gebührengelder zu sparen.

      Wenn sie denn diese hohen Ansprüche stellen, so hast Du recht. Ob Feigheit, Naivität oder Kalkül hier die Haupttriebfeder war, wage ich nicht zu beurteilen.

    17. Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2007 at 13:20 - Permalink

      @Verschwender

      *lol*
      Sooo habe ich das noch gar nicht gesehen ;-)

    18. Fiend_THeyde schrieb am 19. Juli 2007 at 14:26 - Permalink

      Selbstverfreilich können die Damen und Herren aus der Politik der Versuchung nicht widerstehen, Saubermann oder Sauberfrau raushängen zu lassen (im Verbund mit SPON/Handelsblatt):

      [...Der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag, Steffen Kampeter, forderte im "Handelsblatt", die Bundesregierung als Miteigentümer der Telekom solle über ihre Aufsichtsratsmitglieder den Ausstieg bei der nächsten Sitzung auf die Tagesordnung setzen. Zudem sollte Innenminister Wolfgang Schäuble überprüfen, die Zuschüsse an die Sportverbände generell zu kürzen. "Es ist fraglich, ob die Zuschüsse unter diesen Umständen noch länger steuerlich absetzbar sein sollen", sagte Kampeter.]

      Welch günstige Gelegenheit, Zuschüsse einzusparen, ohne daß ein Aufschrei durch die Lande gellt. Die Mittel können gleich zur Förderung von PPP oder private equity verwendet werden.

      Die “Zuschüsse” an die Abgeordneten (ebenfalls aus Steuermitteln) stehen natürlich nicht zur Disposition…trotz “Finanzdopings” aus Nebentätigkeiten. Sinnigerweise ist Herr Scharping Vorsitzender des BdR…die Böcke wollen den Gärtnern mal wieder erzählen, wie es laufen soll.

      @ Spiegelfechter:
      Eurosport ist gar nicht so unkritisch. Die machen nur nicht so einen Hype in eigener Sache aus einer Angelegenheit, die bereits seit Jahren bekannt ist.

      Die ÖR sind außerdem nicht wirklich kritisch: sie mögen zwar Forderungen erheben, es solle schärfer kontrolliert werden, schreien jedoch laut “Skandal”, wenn die Kontrollen Ergebnisse zeitigen. Darüberhinaus tun sie so, als wären die Sponsoren nicht Mittäter, sondern Opfer. Man beschränkt sich – wie schon gesagt – darauf, das schwächste Glied der Kette (den Fahrer) anzugreifen. Das ist nicht nur moralinsauer, sondern verlogen hoch zehn.

      Das selbstgerechte (Antidoping)Gerede eines Hagen Boßdorfs mag zwar mittlerweile – aus bekannten Gründen – verstummt sein, doch es sind genügend Moralapostel (aka Pharisäer) vorhanden, die die Lücke problemlos schließen.

      Was die Freiburger Ärzte betrifft, respektive die Kritik an diesen: das erinnert mich außerdem an die Zeit, als XTC noch nicht im BTM stand und vor den Diskotheken Leute mit Bussen standen, die das Zeug testeten, um die Konsumenten vor Schaden zu bewahren. Argument: “Konsumieren werden sie ohnehin, also können wir wenigstens dafür sorgen, daß sie wissen, was sie schlucken”. Großes Gezeter brach darüber aus und flugs wurde dieser Service untersagt.

      Kurz darauf gingen die ersten XTC-Todesmeldungen durch die Presse. Man hätte nun darauf kommen können, sofern die Meldungen den Tatsachen entsprachen, was keineswegs sicher ist, daß das Testverbot die Todesfälle erst möglich machte. Stattdessen wurden sie als Beleg für das Verbot gewertet. Eine selbsterfüllende Prophezeiung also.

      Ähnlich scheint es beim Doping zu laufen: man drückt die Leute (Fahrer) in die Illegalität, entzieht sie der medizinischen Kontrolle und nimmt billigend Schäden in Kauf, die daraufhin als Beleg für die Richtigkeit der Vorgehensweise angeführt werden.

      Die Medien haben einen preiswerten, moralisch “korrekten” Triumph und können sich als Dopinggegner gerieren, während gleichzeitig daran gearbeitet wird, die Dopingproblematik totzuschweigen (nichts anderes ist der sogenannte “Ausstieg” der ÖR). Die Sponsoren werden behandelt, als sei ihr Engagement völlig losgelöst vom System, in den Teams wird so getan, als seien einzelne, schwarze Schafe verantwortlich (vorzugsweise ehemalige Radsportler aka “Dopingsünder”) und die Fahrer, die sich am wenigsten wehren können, haben in jedem Fall die Arschkarte gezogen.

      Widerliche Heuchelei, kann ich da nur (nochmal) sagen.

      Greets

    19. nolookpass schrieb am 19. Juli 2007 at 14:52 - Permalink

      @ Spiegelfechter
      Im Fußball macht systematisches Doping vor allem deshalb weniger Sinn, weil es sehr viel weniger effizient wäre. Selbst beschleunigter Muskelaufbau nach einer Verletzung bringt einer Mannschaft im Endeffekt … kaum etwas.

      Doping in anderen Sportarten: “Wag ich kaum zu prognostizieren”, “wäre naiv zu glauben dass …” usw. Richtigrichtig. Aber im Radsport gibt es eben gerade einen Haufen harte Fakten. Aufgrund von sicherlich berechtigten Vermutungen ändert niemand seine Berichterstattung. Und ich meine auch nicht nachweislich gedopte bulgarische Gewichtheber oder österreichische Skilangläufer – auch die wären kaum ein Grund für irgendeinen Boykott.

      “Der Dopingdiskussion erfüllen sie damit einen Bärendienst.”
      Welcher Dopingdiskussion? Bei Eurosport? Wird die Tour überrtragen und sonst gar nichts. Und wenn der Ausstieg eines ist, und das sieht man u.a. auch hier, dann doch wohl diskutabel. Es wird immerhin darüber diskutiert. Und nicht nur – wie immer – gemütlich Sport gezeigt.

      “scheidet Geld als monokausaler Grund wohl aus.”
      für die Volkssportler, ja. Ich schrieb aber über die Radprofis, denen ihr Körper wohl egal ist – Hauptsache schneller als die anderen, Sieg, Siegprämie, Ruhm, Werbevertrag.

      “Wieso deutsche Athleten?”
      Weil sie naturgemäß für deutsche Fernsehsender interessanter sind. Und ich schätze, die ÖR würden jetzt noch die Tour übertragen, hätten Alejandro Valverde (Spanien) und Martin Rogers (ein Australier vom T-Mobile-Team) öffentlich Doping gestanden. Etwas anderes ist es dagegen wieder, wenn z.B. Jens Voigt (vom dänischen CSC-Team) plötzlich eine positive A-Probe verursacht.

      Aber egal: Für die Spielverderber Struve/Brender springt immerhin der Nachrichtensender Sat 1 in die Bresche.

    20. Fiend_THeyde schrieb am 19. Juli 2007 at 15:44 - Permalink

      Na, das ist natürlich lustig: die ÖR steigen aus (wegen einer Sache, die nicht bei der Tour passiert ist, sondern fast drei Wochen vor Tourstart) und die durch Kritik arg gebeutelte ProSieben/Sat1-Gruppe steigt ein. Aufbauhilfe aus Bayern für ehemalige Angehörige des BR? Haben die Sponsoren sich beklagt (daß ARD/ZDF die bereits empfangenen Werbegelder zurückzahlen, bezweifle ich mal stark)?

      @20 nolookpass:
      Was mich mal interessieren würde ist, weshalb du so furchtbar sauer bist auf Profiradsportler? Ich nehme nicht an, daß sie dir persönlich was getan haben. Wenn sie sich schaden, schaden sie sich selbst.

      Die multimediale Aufregung ist billige Sensationsheische. Weder geht es den Verantwortlichen um “sauberen” Sport, noch um die Gesundheit der Fahrer.

      Die sogenannte Fairneß, die allenthalben wie eine Standarte hochgehalten wird, gilt doch in Wahrheit nicht das Geringste. Siehst du doch im Fußball: foulen tun immer nur die anderen. Wie oft hieß es nach Niederlagen des Nationalteams, es würde den Aktiven angeblich “internationale Härte” fehlen (= hätten zuwenig gefoult).
      Mal abgesehen davon, daß diese Wahrnehmung natürlich reichlich verzerrt ist und deutsche Fußballnationalteams international nicht gerade als Foulfaul angesehen werden.

      Zurück zum Radsport. Ich sags nochmal: die Fahrer sind diejenigen, die am wenigsten Einfluß haben. Wenn sie die Teampraxis nicht umsetzen, fliegen sie raus. Es gibt genügend Profis, die den freigewordenen Platz einnehmen können. Du solltest außerdem bei deinen Vorstellungen von Werbeeinnahmen usw. nicht von den wenigen Prominenten, die eine Menge Geld verdienen auf die Allgemeinheit schließen. Die größte Arbeit verrichten die sog. Wasserträger, deren Namen außerhalb von Fachzeitschriften oder Fernsehübertragungen so gut wie nie genannt werden, die desöfteren eine halbe Stunde nach dem Sieger ins Ziel kommen, wenn die Fernsehkameras längst abgeschaltet sind; die sich völlig verausgabt haben, während des Rennens Dutzende von Getränkeflaschen zu transportieren (gerade auf Bergetappen). Deren Gesichter wirst du in Werbefeldzügen meist vergeblich suchen.

      Trotzdem müssen diese Fahrer mindestens den gleichen Trainingsaufwand betreiben, wie die späteren Sieger, obwohl sie wissen, sie werden niemals die Tour gewinnen und außerhalb des Fachpublikums keinen größeren Bekanntheitsgrad erreichen. Von Millionenverträgen ist bei diesen Fahrern nie die Rede. Die monatlichen Gehälter der Wasserträger sind ebenfalls weitaus geringer, als die Gehälter eines Ullrich, eines Basso oder eines Armstrong.

      Wasserträger können froh sein, wenn sie nach der Tour für drei Wochen harte Arbeit ein paar hundert Euro Prämie mitnehmen können. Teams, die keine Etappensiege vorweisen können, gehen mit sehr viel weniger nach Hause. Siegerteams erhalten entsprechend mehr, doch nicht alle können bekanntlich gewinnen. Aber alle müssen sich in gleicher Weise verausgaben, völlig unabhängig davon, ob sie gewinnen oder nicht. Noch einmal: Radsport ist ein Mannschaftssport und keine Individualsportart.

      Wollte ich nur mal anmerken.

      Greets

    21. Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2007 at 16:05 - Permalink

      @20 nolookpass

      -> Fußball

      Abseits des Dopings hat der Fußball allerdings auch seine Skandale und Skandälchen. Nach Hoyzer und dem Seria A/B Skandal in Italien, hat auch der Fußball seine Unschuld verloren, so er sie denn je besessen hat. Aber verstehe mich nicht falsch – ich möchte dies nicht gleichsetzen mit dem Doping in der Profiradszene, das sicher eine andere Kategorie einnimmt.

      -> “Harte Fakten”

      Werden aber diese “harten Fakten” nicht gerade eben durch “harte Kontrollen” geschaffen? Wer kontrolliert chinesische Schwimmerinnen oder Turnerinnen, die sich momentan für Peking08 vorbereiten?

      -> “Dopingdiskussion”

      OK – der Punkt geht an Dich ;-)

      -> “deutsche Sportler”

      Es ist sicher richtig, dass den deutschen Zuschauer vornehmlich deutsche Sportler interessieren. Aber ARD und ZDF sehen sich ja als universale “Retter” des sauberen Sports. Ich mag Brenders Bedingung (vor der Tour) nicht so recht verstehen, man würde aussteigen, wenn deutsche Teams Dopingfälle hätten. Ist es denn weniger schlimm, wenn die Spanier oder Italiener doppen? Oder ist es nur wahrscheinlicher, dass es bei ihnen herauskommt – dann wäre der Ansatz als solcher schon wieder inkonsequent ;-)

    22. nolookpass schrieb am 19. Juli 2007 at 18:13 - Permalink

      @fiend
      Ich bin auf niemanden sauer. Im Gegenteil, ich finde es gar nicht mal so schlecht, dass die Sinkewitz-Probe positiv war. So kommen einige Sachen endlich einmal auf den Tisch. Natürlich ist die multimediale Aufregung Sensationsheische, aber keine billige. Möchte nicht wissen, was die ÖR ihr Wochenausflug nach Frankreich gekostet hat. Und beim Geld hört der Spaß auf.

      “die Fahrer sind diejenigen, die am wenigsten Einfluß haben”
      Einfluss worauf? Auf das System des Profiradsports? Nun, es gibt viele Komponenten, Sponsoren, Teams, Ärzte, Medien, Zuschauer. Aber ein Fahrer hat immer die Möglichkeit zu sagen: Wenn ich ungedopt aus dem Team fliege, dann fliege ich eben. Wenn meine ungedopten Leistungen nicht ausreichen, dann eben nicht. Niemand muss Profiradsportler werden, wenn er seit frühester Jugend weiß, dass ganz oben, wo für wenige Ruhm und Geld warten, betrogen werden muss. Die Fahrer sind ein Glied in der Kette – aber gleich das Schwächste? Das sind alles keine Kinder. Verstehen kann ich sie, aber verteidigen muss ich sie nicht.

      Was ich gut finde: Bei jedem Dopingfall in jeder Sportart, die künftig mit großem Tamtam übertragen wird, müssen sich die Medien (ÖR, Print: auch die SZ ist quasi ausgestiegen) künftig ganz genau überlegen, ob und wie sie damit umgehen. Ein Zurück in Boßdorfsche Zeiten wird es nicht mehr geben.

    23. sirfa schrieb am 19. Juli 2007 at 20:01 - Permalink

      Wieder ein Artikel, der vieles in richtige Mark trifft.

      Mir fallen bei dieser gesamten Heuchlei nur zwei wichtige Aspekte auf:

      Das alte Zitat von Marx, dass solange der Profit das einzige und entscheidene Kriterium für jede Erscheinung ist und bleibt, an dem alles gemessen wird, so ist jedes Verbrechen möglich.

      Das betrifft den Profisport im Allgemeinen und den Radsport im Besonderen. Da, wo die Werbegelder bunt daher gelaufen kommen, nach Erwartungen hecheln, nach Erfolgen und Aufmerksamkeit, nach dem bürgerlichen weissen Hemd, gibt es keine weissen Westen.

      Diesen Umstand wissen auch alle, jeder einzelne und doch wird versucht, die schon verkaufte bürgerliche Moral verlogen in den Schein der Sonne zu stellen.

      Die ehrlichste Konsequenz daraus wäre “Doping” in jeder Form zu erlauben, gestaffelt nach den jeweilgen Pharmakonzernen, nach den putschenden Mitteln, den dreiäugigen und vierarmigen Banditen. So wäre wenigstens die verlogene Moral ins richtige Licht gerückt.

      Ansonsten wie immer: klasse Artikel.

      Ach ja, der vermeintliche Unterschied zwischen den öffentlichen Medienanstalten und den privaten Medienkonzernen ist für mich kaum noch erkennbar: und was private Stromkonzerne so anrichten können, will ich überhaupt nicht wissen. Dort bestimmen die 200 Millionen Euro, die jährlich so ein atomares Kraftwerk abwirft, die gesamte private Konzernmoral und das Kontrollinteresse der jeweiligen öffentlich Verantwortlichen, so wie das mit Profisport in gleicher Tendenz erkennbar ist.

    24. verschwender schrieb am 19. Juli 2007 at 22:15 - Permalink

      Ich habe gerade mitbekommen, dass Sat1 ab sofort die Tour überträgt. Na, da wird die Doperei ja bald ein Ende haben. Klödi wird von Lenßen & Partner observiert, das K 11 ist auf Valverde angesetzt und die ganzen anderen schmierigen Sportbetrüger übernehmen Niedrig & Kunt. Da werden Salesch und Hold aber bald ne Menge zu tun bekommen. Britt steht schon mit dem Lügendetektor parat.

    25. Peter Krause schrieb am 20. Juli 2007 at 01:02 - Permalink

      @25: aber bitte nur mit “Schattenwand”.

    26. jolly rogers schrieb am 20. Juli 2007 at 09:44 - Permalink

      Statt aus der Tourberichterstattung auszusteigen und sich aufs hohe moralische Ross zu setzen, wie ARD und ZDF das jetzt getan haben, und einem Sender, der nicht einmal eine eigene Sportredaktion unterhält(!) das Feld zu überlassen, hätten sich ARD und ZDF besser feine kleine Gimmicks einfallen lassen sollen. Sie hätten beim Einblenden von Fahrernamen beispielsweise seine Dopingvita aufführen können…

      Ich habe in diesem Jahr noch keine Minute Tour angesehen. Es macht einfach keinen Spaß, sich bei jedem Fahrer, der einen Berg raufastet sofort fragen zu müssen, was der wohl eingepfiffen hat und warum der noch so frisch aussieht im Gegensatz zu seinem Kollegen hinter ihm, der gleich vom Rad zu fallen scheint. Oder sich zu fragen, was der fast vom Rad fallende Kollege wohl im Dopingplan falsch gemacht hat…

      Diese Freakshow ist einfach abstoßend.

      Andererseits wünsche ich mir für ARD und ZDF, die sich die hervorragende Möglichkeit 14 Tage andauernder, intensiver Berichterstattung über Doping durch den Tourausstieg selbst genommen haben, dass Sinkewitz’ B-Probe negativ ist.

    27. Fiend_THeyde schrieb am 20. Juli 2007 at 11:25 - Permalink

      @ 23:
      [...?die Fahrer sind diejenigen, die am wenigsten Einfluß haben?
      Einfluss worauf? Auf das System des Profiradsports? Nun, es gibt viele Komponenten, Sponsoren, Teams, Ärzte, Medien, Zuschauer. Aber ein Fahrer hat immer die Möglichkeit zu sagen: Wenn ich ungedopt aus dem Team fliege, dann fliege ich eben. Wenn meine ungedopten Leistungen nicht ausreichen, dann eben nicht...]

      Entschuldige, aber das ist m.E. ein bißchen zu einfach gedacht. Von den warmen Händedrücken der Moralisten, die einem solchen Fahrer mit (Krokodils)tränen der Rührung eine “saubere” Einstellung attestieren würden, kann dieser nicht leben. Einen Beruf aufzugeben, für den man sich seit frühester Jugend täglich gequält hat, ist nicht so leicht. Erst recht in der heutigen Zeit, wo Arbeitsplätze mehr als knapp sind. Wenn man selbst nicht zu den Betroffenen zählt, geht ein “dann eben nicht” natürlich leicht von den Lippen.

      [...Niemand muss Profiradsportler werden, wenn er seit frühester Jugend weiß, dass ganz oben, wo für wenige Ruhm und Geld warten, betrogen werden muss...]

      Müssen nicht, das ist wahr.

      Was den “Betrug” betrifft: wenn alle dopen (wovon auszugehen ist), entscheiden letztendlich Talent, Trainingsprogramm und Tagesform. Es gibt keinen Automatismus, der es möglich machen würde, durch Doping allein Erfolge zu feiern. Wäre dem so, kämen alle Fahrer gleichzeitig ins Ziel und auf dem Siegertreppchen würde ein hübsches Gedränge herrschen. Selbst mit Doping, treten sich die Pedale nicht von selbst oder ist am Rad ein Motor eingebaut.

      [...Die Fahrer sind ein Glied in der Kette - aber gleich das Schwächste? Das sind alles keine Kinder. Verstehen kann ich sie, aber verteidigen muss ich sie nicht...]

      Es geht nicht um Verteidigung, sondern um die Relationen. Wenn ausgerechnet Politiker – von den Medienhuren unwidersprochen – bei diesem Thema den Moralapostel spielen oder – wie Scharping (!) – den “Dopingbekämpfer” mimen, ist äußerste Vorsicht geboten. Ebenso wenn die Sponsoren behaupten, sie wüßten von nichts und seien selbst am meisten überrascht, daß im Radsport gedopt wird.

      @ 27:
      Wenn es stimmt, was auf SPON verbreitet wird, nämlich daß die Einschaltquoten der ÖR während der Tour 07 nicht so übermäßig gewesen sein sollen, wirft das natürlich ein anderes Licht auf deren plötzliche Bereitschaft, den großen “Bruch” zu simulieren. Sorgt einerseits für Aufmerksamkeit und ist andererseits eine Möglichkeit, sich eines unpopulären Programms zu entledigen. Die Privaten setzen einfach kommentarlos ab…die ÖR sind diesbezüglich noch nicht ganz so weit und benötigen daher Gründe – wie fadenscheinig oder heuchlerisch auch immer.

      Mir ist allerdings nicht ganz klar, wie sich die Einblendung der Dopingvita von Fahrern (aka Pranger) vom hohen moralischen Roß unterscheiden würde, auf dem es sich die Verantwortlichen der ÖR risikolos bequem gemacht haben.

      [...Ich habe in diesem Jahr noch keine Minute Tour angesehen. Es macht einfach keinen Spaß, sich bei jedem Fahrer, der einen Berg raufastet sofort fragen zu müssen, was der wohl eingepfiffen hat und warum der noch so frisch aussieht im Gegensatz zu seinem Kollegen hinter ihm, der gleich vom Rad zu fallen scheint. Oder sich zu fragen, was der fast vom Rad fallende Kollege wohl im Dopingplan falsch gemacht hat?]

      Wenn man meint, daß Doping der einzige Faktor ist, der ein sportliches Ereignis bestimmt, dann mögen solche Fragen aufkommen. Wieso hat dich das in diesem Jahr so gestört, daß du aufs Zuschauen verzichtest, während du in früheren Jahren (das impliziert deine Aussage nämlich) sehr wohl zugesehen hast (obwohl “damals” keineswegs weniger gedopt wurde, eher im Gegenteil). Das ist die Frage, die sich mir automatisch stellt. :-)

      [...Diese Freakshow ist einfach abstoßend...]

      Inwiefern und wer sind die “Freaks”?

      [...Andererseits wünsche ich mir für ARD und ZDF, die sich die hervorragende Möglichkeit 14 Tage andauernder, intensiver Berichterstattung über Doping durch den Tourausstieg selbst genommen haben, dass Sinkewitz? B-Probe negativ ist.]

      Zustimmung. Es ist den Damen und Herren der ÖR nicht daran gelegen, über Doping zu berichten oder dieses zu bekämpfen. Man möchte zwar angeblich “verschärfte” Kontrollen, schreit aber jedesmal Zeter und Mordio, wenn diese Kontrollen etwa zutage fördern und arbeitet außerdem mit Nachdruck daran, die Aussagekraft negativer Kontrollergebnisse zu schmälern; man fordert von Aktiven und Ex-Profis, daß sie “auspacken” sollen, verfällt jedoch jedesmal in Untergangsgeschrei, wenn dies geschieht.

      Das alles ist höchst widersprüchlich und macht keinen Sinn. Es dient erst recht nicht der “Dopingbekämpfung”. Wenn man tatsächlich wirksame Dopingkontrollen möchte, darf man sich eben nicht über jeden Fund derart ereifern, gleichzeitig jedoch negative Ergebnisse als wenig aussagekräftig geißeln. Wenn es nur darum geht, nichts zu finden, dann darf man eben nicht suchen. Wie in den “guten, alten Tagen”, als es noch keine Kontrollen – und somit – auch keine “Dopingfälle” gab. Es wurde zwar ohne medizinische Kontrolle gedopt – mit entsprechenden Auswirkungen -, aber das Thema wurde nicht erörtert. Das kann kaum die Alternative sein.

      Greets

    28. Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2007 at 11:46 - Permalink

      @Fiend_THyde

      Zustimmung. Es ist den Damen und Herren der ÖR nicht daran gelegen, über Doping zu berichten oder dieses zu bekämpfen. Man möchte zwar angeblich ?verschärfte? Kontrollen, schreit aber jedesmal Zeter und Mordio, wenn diese Kontrollen etwa zutage fördern und arbeitet außerdem mit Nachdruck daran, die Aussagekraft negativer Kontrollergebnisse zu schmälern; man fordert von Aktiven und Ex-Profis, daß sie ?auspacken? sollen, verfällt jedoch jedesmal in Untergangsgeschrei, wenn dies geschieht.

      Absolut korrekt. Es grenzt schon an Verlogenheit, wenn man über die “vorbildliche” Anti-Doping Kampagne des T-Mobile Teams berichtet und dann folgendes Schmierentheater abzieht:

      Ein ZDF-Journalist fragt einen T-Moblie Verantwortlichen, warum nicht das Blut der Fahrer auf verbotene Substanzen untersucht wird. Die Antwort des Telekomikers lautet, Blutuntersuchung seien die Aufgabe der nationalen Antidopingbehörden, wenn die Teams dies machen würden, kämen sie in den Verdacht ihre Sportler bei grenzwertigen Ergebnissen aus der Schusslinie zu nehmen. Aha! Ich dachte, T-Mobile wollte gegen das Doping vorgehen? Wenn niemand im Team dopt, müssten die Bonner sich auch nicht dem Verdacht aussetzen, ein kreatives Grenzwertmanagement zu betreiben. Eine solche Antwort ist an Bigotterie kaum zu überbieten. Das der ZDF-Mann anstatt nachzuhaken, zu einer solchen Antwort sein wohlwollendes Placet gibt, ist symptomatisch für die “Anti-Doping Show” die die Öffentlich-Rechtlichen betreiben.

      Von “investigativen” Journalismus, wie Struwe und Brender behaupten, ist dieser oberflächliche Empörungsmoralismus meilenweit entfernt. Sogar die SZ und SPON schaffen es, zwischen viel Mist, systemkritische Artikel zu publizieren, die hinter die oberflächliche Debatte blicken – ich gebe zu, ich hab nicht alle Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen gesehen, aber so ziemlich jeden Online-Artikel gelesen. Und dort suchte man vergebens nach investigativem Journalismus oder gar Selbstkritik.

    29. Alexander schrieb am 20. Juli 2007 at 14:25 - Permalink

      Ich finde Radsport generell ziemlich öde und freue mich, dass er jetzt weniger Sendezeit einnehmen wird. Vielleicht zeigt man stattdessen mehr Tennis oder Leichtathletik?

    30. danielj schrieb am 20. Juli 2007 at 14:42 - Permalink

      Ich finde Tennis und Leichtathletik generell ziemlich öde. Vielleicht zeigt man stattdessen mehr Sackhüpfen oder Eierlaufen?

    31. Fiend_THeyde schrieb am 20. Juli 2007 at 15:35 - Permalink

      @ Spiegelfechter:
      Vollkommen richtig!

      Eine passende Anekdote: vor ein paar Jahren trat Rudi Altig als ARD-Experte auf; auch damals ging es ums Thema Doping. Altig erzählte also eine Geschichte aus seiner Zeit als Aktiver. Ein Kollege von ihm sei damals immer mit seinem Dopingfläschchen im Trikot gefahren. Eines Tages sei er gestürzt und hätte dabei sein Fläschchen verloren. Während er hektisch die Straße absuchte, rief er den Fahrerkollegen zu: “Passt auf, daß ihr nicht über mein Dopingfläschchen fahrt. Ohne mein Dopingfläschchen kann ich nicht fahren”.

      Diese durchaus nicht unlustige Geschichte, die zudem aufzeigte, daß auch in der seligen Vergangenheit gedopt wurde, reizte einen gewissen Herrn Boßdorf (genau den!) dazu, Herrn Altig einen Vortrag darüber zu halten, daß es wenig sinnvoll sei, das Thema Doping mit solchen Geschichten zu verharmlosen.

      Ganz abgesehen davon, daß Rudi Altig gewiß keine Vorträge über Moral von Hagen Boßdorf benötigt, zumal Altig den Radsport nicht nur von außen kennt: als man multimedial entschied, Ullrich fallenzulassen und zur persona non grata zu erklären, stürzte Boßdorf mit. Seine “moralisch korrekten” Lippenbekenntnisse gegen Doping nützten ihm nichts.

      Daß Boßdorf bezgl. der Verträge mit Ullrich quasi in Eigenregie und ohne Kenntnisse der ARD-Oberen gehandelt hätte, ist ähnlich glaubwürdig, wie die Beteuerungen der Teamchefs, sie hätten vom Fahrerdoping nichts bemerkt, respektive seien vielmehr selbst Opfer der dopenden Fahrer geworden.

      Das Einzige, was ich bei der Berichterstattung auf Eurosport vermisse, sind die Beschreibung von Käse- und Weinsorten, d.h. der regionalen Spezialitäten. Mein wife und ich schlossen intern Wetten ab, ob und wann wohl das erste Mal Nahrungs- oder Rauschmittel (aka Wein) erwähnt werden würden. Uns gehts also ähnlich wie dir, was das angeht. :-)

      @ 30 und 31:
      Man könnte natürlich auch eine DVD/ein Video einlegen oder den “Power Off”-Knopf drücken. :-)

      Greets

    32. Ringo schrieb am 20. Juli 2007 at 21:59 - Permalink

      “Man sollte abwarten, bis ARD und ZDF auch herausfinden, dass der Michel bei seiner Steuererklärung gerne mal fünfe gerade sein lässt
      und nicht in jeder 30er-Zone wirklich 30 fährt.”

      Ich finde es ziemlich daneben, solche Bagatellen mit dem Doping zu vergleichen. Die ganze Problematik, der ganze Rattenschwanz, u.a. bestehend aus der Doppelmoral der meisten Beteiligten, der Sensationsgier der Medien und der sich darüber echauffierenden Journalisten hat seinen Anfang bei dem Sportler, der die Möglichkeit hat, Ja oder Nein zu sagen.
      Niemand hält diesem die Pistole auf die Brust und sagt “Dope oder stirb!”
      Wenn ich _wirklich_ der Meinung bin, dass Doping falsch ist, so darf ich es _nicht_ tun, egal ob ich dadurch meinen Job verliere oder nicht.
      Wenn ich des Geldes wegen meine Gesundheit auf’s Spiel setze, wenn ich aus einer Sportveranstaltung eine Farce mache (genau hier entsteht sie bereits), wenn ich also meine eigene Liebe (des Profis Sport) verarsche, so muss ich zu Recht fürchten, dass ich dafür gescholten werde.

      Ich finde es nicht naiv, wenn man den Glauben oder die Forderung an das Gute im Menschen hat.

      Wenn man dem Einzelnen sein falsches Handeln nicht vorwerfen darf, nur weil er das tut, was ihm die Gesellschaft vorlebt, so darf man den Medien auch nicht ihre Sensationsgier und Doppelmoral vorwerfen – schliesslich senden sie ja nur, was die Gesellschaft sehen will.

      Nochmal, das unrechte, unmoralische Handeln beginnt in jedem Einzelnen und nur dort ist die Möglichkeit zu sehen es auszumerzen.
      Natürlich fördert das kapitalistische System die Neigung der Menschen, egoistisch zu sein. Doch ändern oder verbessern kann man das System nur, wenn man “Nein!” sagt, auch wenn einem dadurch (kurzfristig) Nachteile entstehen.

      Bestätige ich das Schlechte am System, indem ich systemkonform handle – d.h. bestätige ich das Profitdenken, indem ich dope – so mache ich mich schuldig.

    33. rio schrieb am 20. Juli 2007 at 22:31 - Permalink

      finde die ganze debatte scheinheilig! (abgesehen davon, dass ich sie als unwichtig betrachte – es ist immerhin nur sport…)

      wir wollen immer bessere Leistungen sehen, gleichzeitig verurteilen wir es wenn es (natürlich) leute gibt, die der versuchung erliegen sich epo zu spritzen – dabei ist es doch auch letzlich egal ob ich höhentraining mache bzw. training in der höhenkammer oder erythropoetin spritze – die uaws (nebenwirkungen) bleiben dieselben…

      hier auch ein interessanter artikel:

      http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,439300,00.html

    34. jolly rogers schrieb am 21. Juli 2007 at 00:20 - Permalink

      Wenn es stimmt, was auf SPON verbreitet wird, nämlich daß die Einschaltquoten der ÖR während der Tour 07 nicht so übermäßig gewesen sein sollen, wirft das natürlich ein anderes Licht auf deren plötzliche Bereitschaft, den großen ?Bruch? zu simulieren. Sorgt einerseits für Aufmerksamkeit und ist andererseits eine Möglichkeit, sich eines unpopulären Programms zu entledigen. Die Privaten setzen einfach kommentarlos ab?die ÖR sind diesbezüglich noch nicht ganz so weit und benötigen daher Gründe – wie fadenscheinig oder heuchlerisch auch immer. Es ist meines Wissens ein Kennzeichen der Privaten, sich zu vertschüssen, wenn die Quote nicht stimmt, nicht der Öffentlich-Rechtlichen. Daher ist Dein Gedanke ungewöhnlich bis abstrus.

      Mir ist allerdings nicht ganz klar, wie sich die Einblendung der Dopingvita von Fahrern (aka Pranger) vom hohen moralischen Roß unterscheiden würde, auf dem es sich die Verantwortlichen der ÖR risikolos bequem gemacht haben.>
      Der Pranger könnte auch ein roter Punkt auf dem Trikot sein. Hauptsache, man erkennt die Betrüger.

      Wenn man meint, daß Doping der einzige Faktor ist, der ein sportliches Ereignis bestimmt, dann mögen solche Fragen aufkommen. Doping IST der einzige Faktor, der diese Freakshow entscheidet.

    35. antonym schrieb am 21. Juli 2007 at 02:42 - Permalink

      Letztlich zeigt sich im Leistungssport wieder mal das kapitalistische ‘race to the bottom’: auf der Jagd nach immer höheren, aber fetischisierten Leistungen wie Sekundendenbruchteilen auf der Stoppuhr unterliegen die Teilnehmer an der Veranstaltung genau der umgekehrten Dynamik, nämlich einem Rennen in die Barbarei.

    36. Fiend_THeyde schrieb am 21. Juli 2007 at 12:19 - Permalink

      @ 35:
      [...Es ist meines Wissens ein Kennzeichen der Privaten, sich zu vertschüssen, wenn die Quote nicht stimmt, nicht der Öffentlich-Rechtlichen. Daher ist Dein Gedanke ungewöhnlich bis abstrus...]

      “Ungewöhnlich und abstrus” ist eher der Gedanke, die ÖR würden sich um Einschaltquoten nicht kümmern.

      [...Der Pranger könnte auch ein roter Punkt auf dem Trikot sein. Hauptsache, man erkennt die Betrüger...]

      ironie>Trikots kann man ausziehen, rote Punkte auf diesen entfernen/übermalen/abdecken. Wieso nicht ein Brandzeichen auf der Stirn, wie es Falschspielern in dunkler Vergangenheit aufgebrannt wurde? Wenn schon Mittelalter, dann richtig. /ironie>

      Wenn du allen, die im Dopinggeschäft mitmischen, einen roten Punkt aufpappen willst, hättest du viel zu tun. Oder soll deine “Maßnahme” nur für die “Freaks” auf dem Rad gelten?

      Übrigens hat rio direkt über deinem Beitrag einen sehr guten Artikel auf SPON verlinkt (die drei Pünktchen sind der Link). Bedauerlicherweise beherzigt SPON nicht das, was in diesem Artikel sehr schön dargestellt wird, sondern beteiligt sich – wie üblich – an der moralinsauren Erregung öffentlichen Ärgernisses. Nichtsdestotrotz solltest du dir diesen Artikel mal durchlesen. Ist aufschlußreich.

      [...Doping IST der einzige Faktor, der diese Freakshow entscheidet...]

      Mal abgesehen davon, daß es nicht stimmt, daß Doping der einzige Faktor ist, der ein Radrennen entscheidet, hast du meine Frage nicht beantwortet:

      Wieso stört dich das Doping in diesem Jahr so sehr, daß du aufs Zuschauen verzichtest, während du in früheren Jahren (das impliziert deine Aussage nämlich) sehr wohl zugesehen hast (obwohl ?damals? keineswegs weniger gedopt wurde, eher im Gegenteil).

      Was ist also in diesem Jahr anders? Ist es die multimediale Aufregung? Sind es die Äußerungen von “Sportexperten” aus der Politik? Angela Merkels neuer Haarschnitt? Was also?

      Oder ist es möglich, daß dich Radsport ohnehin nur periphär interessiert? Dann verstehe ich jedoch nicht, weshalb du dich so über die Fahrer echauffierst (“Freaks”, “Betrüger”), als hätten sie dich höchstpersönlich beleidigt, respektive dir Schaden zugefügt.

      Greets

    37. roman libbertz schrieb am 22. Juli 2007 at 17:46 - Permalink

      ich pflichte dir bei, wer ein radsportfan ist, der wird weiter schauen, egal wo
      gruss r.l


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