Wie die FED die Kontrolle über die Geldmenge verloren hat
13. Februar 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Die Welt ist mit Geld überflutet. Dieses Geld ist in alle Anlagenarten von Aktien über Immobilien bis hin zum Warenterminmarkt geflossen. Nachdem die New-Economy Blase im Jahre 2000 platze, haben die Entscheider in den USA und Asien eine Bewegung in Gang gesetzt, über die sie mittlerweile keine Kontrolle mehr haben.
Das Gegenteil von “gut” ist “gut gemeint”
Um die Ausgaben der Privathaushalte zu sichern und somit eine Rezession zu verhindern, hatte die FED die Zinssätze gesenkt, und die Bush-Administration senkte die Steuern. Gleichzeitig hielten die asiatischen Staaten ihre Währungen künstlich niedrig, um die Exporte in die USA zu subventionieren und sich so Wettbewerbsvorteile zu sichern. Diese Politik hat zu einem langanhaltenden Anstieg der Ausgaben der Privathaushalte geführt - erkauft wurde dieser Aufschwung jedoch nicht durch eine vergrößerte Kaufkraft, sondern durch Kredite.
Bis vor ungefähr einem Jahr nutzten Verbraucher anomal niedrige Zinssätze aus, um ihr eigenes Geld zu drucken, indem sie z.B. Hypotheken auf ihre Häusern aufnahmen. Nachdem der Immobilienmarkt aber mittlerweile schwindelerregende Höhen erreicht hatte, ist diese Quelle der Geldzufuhr nun aber erst einmal gestoppt, die Immobilienpreise fallen und die ersten Kreditoren haben bereits ernste Probleme Der Subprime-Markt (diejenigen, die Darlehen kapitalschwachen Verbrauchern zur Verfügung stellen) steht Schwierigkeiten gegenüber, die sogar zu einem Desaster führen könnten (1). Vernünftigere Häuslebauer sind davon übrigens nicht betroffen, da sie sich mittels längerfristigen Zinssätze finanzierten, die bis Ende letzten Jahres anomal niedrig waren. In letzter Zeit sind die Zinssätze aber rasant angestiegen. Dies alles könnte eine weitreichende Privatinsolvenzwelle nach sich ziehen, die auch viele Banken treffen wird. Es wird nicht nur der Immobilenmarkt sein, der davon betroffen sein wird. Wer kein Geld mehr hat, der kauft sich auch keine schönen TV-Geräte oder SUVs mehr. Diese Geldvernichtung wird in letzter Konsequenz alle Märkte treffen.
Die Dollarpresse ist nicht die FED
Eine massive Quelle des Geldmengenwachstums waren aber nicht die Privatkredite, sondern eine Folge finanzwirtschaftlicher Vorgänge. Die Volatilität oder, besser gesagt, deren Mangel, hat zu einer beispiellosen Vermehrung des Geldes geführt. Mit einer niedrigen Volatilität sinken die Risikoprämien, da das Risiko in vielen Anlageformen lt. der angewandten Finanzmathematik sehr niedrig ist, wenn die Märkte nicht volatil sind. Diese Möglichkeit, günstig an Fremdkapital zu kommen, hat Investoren dazu animiert, sich massiv mit billigen Geld einzudecken, ohne dabei - finanzmathematisch gesehen - ihr Risiko zu steigern. Dieser finanzmathematische Effekt hat die Märkte in ungeahnte Höhen getrieben. Zwei Gruppen von Investoren haben dies am aggressivsten betrieben - die Hedge-Fonds und die Aussteller von Kredit-Derivaten. Nimmt man die Citadel Investment Group als Beispiel, so kommen dort auf Einlagen von 13 Mrd. US$ jährliche Zinsen in Höhe von 5,5 Mrd. US$ (2). Diese Hedge-Fondsgruppe hat schätzungsweise 100 Mrd. US$ an Außenständen, und sie ist nur eine von vielen.
Kreditderivate sind zu einem Instrument geworden, das die Zentralbanken nicht nur in ihrer Macht einschränkt, sondern auch ein Risiko für die Finanzmärkte darstellt. Davor warnte auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (3). Er sagte, das der Markt seine eigene Risiken viel zu gering einschätzt. Mit Risikoprämien nahe der Nullgrenze können sich Aussteller von Kreditderivaten das zu vergebene Geld nahe an den Leitzinsen der Zentralbanken leihen. Dies stellt de facto eine Notenpresse dar. Die Zentralbanken können die Geldmenge nicht mehr limitieren, und die Kreditoren vergeben Kredite, deren Risiko kaum noch rational bewertbar ist.
Gegenmaßnahmen?
Vor einem Jahr stoppte die FED die Veröffentlichung des M3, also des umfassendsten Geldmengenindex. Sie können ihn nicht mehr kontrollieren, also beobachten sie ihn auch nicht mehr - eine Taktik, die an die berühmten drei Affen erinnert. Von den großen Zentralbanken hat lediglich die EZB noch ein aktives Interesse an der Ermittlung der Geldmenge M3.
Warum gelingt es der FED nicht diese Exzesse der Kreditindustrie einzudämmen?
Eine Erhöhung der Zinsen würde sehr schnell den Verbraucher treffen. Normalerweise sollte eine Rezession die FED nicht sonderlich interessieren, aber im Nexus der Globalisierung und des Außenhandelsdefizit hat Bernanke sprichwörtlich Panik vor einer Deflation, die schnell die Immobilienblase - und damit die Haushaltsausgaben - zum platzen bringen würde. Die Panik Bernankes betrifft natürlich auch den US-Dollar. Kapitalexporte in Höhe von 2 Mrd. US$ müssen jeden Tag! von ausländischen Investoren ausgeglichen werden, um den Dollar stabil zu halten. Die USA sind zum Erfolg verdammt. Eine Rezession am US-Markt würde unweigerlich ausländische Investoren in andere Märkte treiben. Ein Dollarcrash wäre die Folge. Der stetig steigende Goldpreis ist ein Indikator für das mangelnde Vertrauen des Marktes in eine ernsthafte Stabilitätspolitik der FED.
Über kurz oder lang wird dieses Kartenhaus zusammenbrechen; der Markt wird regulierend eingreifen. Die Hedge-Fonds dürften die ersten sein, die zu den großen Verlieren gehören, und von ihnen wird ein Domino-Effekt ausgehen, der so ziemlich alle Bereiche der Wirtschaft treffen wird, wenn die Party vorbei ist. Damit wird allerdings auch die Volatilität zurückkehren, die das Heilmittel für die angeschlagenen Märkte sein wird. Die Investoren werden ihren Fremdkapitalanteil zurückfahren müssen, die Geldmenge wird sich auch wieder in “gesunde” Bereiche bewegen. Selbstverständlich wird die FED in einer solchen Rezession wieder die Zinsen senken müssen und spätestens dann wird die Dollarhegemonie zu Ende sein.
Jens Berger
p.s. (27.02.07): Wer diesen Artikel auf russisch lesen will, der kann dies dank der Übersetzung von COPOKA hier tun
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Posted in Wirtschaft |
















































































Hallo Jens,
super interessanter Beitrag !
Was denkst Du wird passieren, wenn der Dollar zusammenbricht?
Das wird ja den Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit in fast gleichem Masse stärken. Siehst Du ein gleichzeitiges Einbrechen der wichtigen US, ASIA und EUR Börsen?
Und: Glaubst du nicht, dass der FED die Gefahren bekannt sind, und entsprechende Gegenmassnamen bereits in der Vorbereitung sind? Welche könnten das sein?
Noch was: Welchen Hintergrund hast Du? Ich bin echt ziemlich beeindruckt von Deinem Sachverstand in den verschiedensten Themengebieten …
Viele Grüsse,
Schorsch
USA: Red Kite, Global Alpha, Immobilien-Crash, Fed-Chef
berlinerum...
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besonders interessant sind dabei die auswirkungen des zinssystems auf die gesamte ökonomie. dabei wäre dieses forum empfehlenswert, welches alternativen anbietet, die bereits umgesetzt werden:
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