[Update II] Stoppt den Großen Eisenbahnraub!
geschrieben am 31. August 2007 von Spiegelfechter
Die Privatisierung der Bahn wird von einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt. Laut Umfragen von Forsa und Emnid sind rund 2/3 der Deutschen gegen die Privatisierung – und das aus gutem Grund.
Je nach Schätzung ist die Deutsche Bahn AG 100 bis 200 Milliarden Euro wert, die Hälfte davon soll an Investoren verkauft werden – Herr Mehdorn hat die Bahn indes arm gerechnet, um bessere Kapitalrenditen vorzugaukeln und den Börsengang attraktiver zu machen. Er kalkuliert mit 4 bis 8 Milliarden Euro Einnahmen aus der Privatisierung. Das letzte Stück Tafelsilber, das noch im Besitz der Bevölkerung ist, soll also weit unter Wert verscherbelt werden. Und weshalb das Ganze?
Angetrieben vom „think big“ der Finanzmärkte, schwebt es Herrn Mehdorn vor, ein ganz großer Global-Player zu werden. Zukäufe in der Logistiksparte, internationaler Gütertransport, Übernahme von Bahngesellschaften auf der ganzen Welt – das sind die feuchten Träume eines modernen Managers. Die Bahn wurde allerdings vom Bürger und mit dessen Geldern aufgebaut. Nicht um Eigenkapitalrenditen von 25% zu erzielen, sondern um eine flächendeckende Netzinfrastruktur aufzubauen und zu erhalten. So etwas nennt sich Daseinsvorsorge und ist heutzutage ziemlich unpopulär. Das eine private Bahn noch nach Hintertucklingen fährt ist nicht zu erwarten – außer die Länder, also der Steuerzahler, subventioniert das. Schöne Neue Welt! Dem Bürger sein Tafelsilber für einen Spottpreis abzukaufen und ihn später auch noch dafür zur Kasse zu bitten.
Noch ist die Entscheidung seitens der Politik nicht gefallen. Vor allem in der SPD gibt es Widerstand gegen die Privatisierungspläne. Auch wenn es wenig wahrscheinlich ist, dass sich „unsere Genossen“ aufrappeln, dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten, so gibt es doch zumindest die Möglichkeit jedem SPD-Abgeordneten persönlich ins Rampenlicht zu ziehen, so dass er sich zuhause im Wahlkreis nicht mit Fraktionsvorgaben herausreden kann. Angeregt durch Albrecht Müllers Beitrag auf den NachDenkSeiten habe ich eine Faxvorlage erstellt. Wenn möglichst viele Leser diese Vorlage ausgefüllt an den SPD-Abgeordneten ihres Wahlkreises schicken, so könnte man zumindest erreichen, dass die fraktionsinterne Abstimmung namentlich geführt wird, so dass die Abgeordneten sich ihrer Basis stellen und ihren Wählern unbequeme Fragen beantworten müssen. Vielleicht mag dies auch den ein oder anderen noch einmal in sich kehren lassen und zu einem anderen Abstimmverhalten führen.
Den Namen des lokalen SPD-Abgeordneten findet man auf den Seiten des Bundestages und die zugehörige Fax-Nummer auf den Seiten der SPD-Fraktion. Wer keine Faxe versenden kann, der kann über diesen kostenlosen Dienst eine PDF-Datei (z.b. das ausgefüllte Word-Dokument als PDF exportiert) als Fax über das Netz versenden.
Faxvorlage als PDF
Faxvorlage als DOC
Telefax
Herr/Frau
Mitglied des Deutschen Bundestages Straße:
BerlinDatum:
Betreff: Klausursitzung der SPD-Bundestagsfraktion am 7.9.2007
Sehr geehrte(r) Abgeordnete(r) Herr/Frau ,
wie Ihnen sicher bekannt sein dürfte, sind nach einer aktuellen Forsa-Umfrage fast 2/3 aller Bundesbürger gegen eine Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG. Auch in Ihrem Wahlkreis dürfte somit eine signifikante Mehrheit der Wähler diese Teilprivatisierung ablehnen. Es dürfte sicher auch Ihrem Verständnis entsprechen, dass Ihre Wähler doch andere Wünsche an die Bahn stellen, als rein renditeorientierte Investoren. Entspricht es nicht auch Ihren Erfahrungen im Kontakt mit Ihren Wählern, dass die Bahn eine breite, flächendeckende Verkehrsinfrastruktur sicher stellt – und das, soweit möglich, umweltfreundlich und zu annehmbaren Preisen? Dies aber steht naturgemäß im Widerspruch zum Wunsch der Finanzinvestoren, aus der Bahn ein globales Logistikunternehmen zu machen, welches überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet. Die Bahn gehört der Bundesrepublik Deutschland, sprich: dem Volk. Als Mitglied des Bundestages aber sind Sie Vertreter dieses Volkes, nicht an Aufträge und Weisungen gebunden, sondern nur Ihrem Gewissen unterworfen!
Da es auch in Ihrer Fraktion deutliche Stimmen gegen diese Privatisierung gibt, haben ja vielleicht auch Sie zu diesem Thema eine ambivalente, oder gar ablehnende, Einstellung? Sicherlich dürften Sie aber Verständnis haben, dass ein erhebliches öffentliches Interesse daran besteht, wie Sie und Ihre Genossinnen und Genossen bei der Entscheidung abstimmen werden – eine Entscheidung, die für die Deutsche Bahn AG, ihre Mitarbeiter, ihre Kunden und ihre Besitzer, also auch für Ihre Wähler, von großem Gewicht ist. Daher dürfte es auch die Menschen in Ihrem Wahlkreis durchaus interessieren, wie Sie abstimmen.
Sollten vorgenannte Gründe auch Ihrem Demokratieverständnis entsprechen, namentlich hinsichtlich Transparenz und Klarheit, dann bitte ich Sie, am 7. September in der Klausursitzung Ihrer Fraktion von § 8 der Geschäftsordnung Gebrauch zu machen und eine namentliche Abstimmung zu beantragen.
Mit freundlichen Grüßen
Auch wenn sich die Privatisierung nicht mehr verhindern lässt – niemand soll sagen, man habe nicht versucht, den Wahnsinn Einhalt zu gebieten.
Gute Hintergrundinformationen über die Thematik liefert das Memorandum der Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer und Peter Friedrich.
Update: “Wir” können einen Teilerfolg verbuchen. In der SPD-Fraktion gab es heftige Debatten und einer Entscheidung wurde erst einmal vertagt. Laut Albrecht Müller spielte die Aktion, die Abstimmung namentlich zu machen, auch eine Rolle. Chapeau und Danke! Das Formular wurde übrigens laut Webstatistik 2.565mal heruntergeladen.
Update II: Heute (am 27.09) erhielt ich auf das Fax einen Antwortbrief “meines” SPD-Bundestagsabgeordneten, Herrn Dr. Wilhelm Priesmeier. Er schrieb mir, dass er die Einwände gegen die Bahnreform teilt und sich auch weiter dafür einsetzen wird, dass es nicht zu dem momentan diskutierten Modell der Bahnreform kommen wird und man die Bahn “nicht dem Profitstreben des Kapitalmarktes ausliefern dürfe” und einen “flächendeckenden Schienenverkehr” anbieten muss. Chapeau, Herr Dr. Priesmeier – hoffentlich stehen Sie in Ihrer Partei nicht all zu alleine da und hoffentlich folgen den hehren Worten Taten.
Jens Berger
| Tags: Deutschland Neoliberalismus | |
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Der Stern hat einen recht interessanten Artikel der leider nur auszugsweise online ist:
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/596435.html?q=Bahn
Sollte man vielleicht auch auf http://www.abgeordnetenwatch.de die einzelnen Abgeordneten fragen ;)
@Solan
Es macht immer Sinn, die Referenten der Abgeordneten ein wenig zu beschäftigen ;-)
@fabiank22
Ein sehr guter Artikel … darum hatte ich Ihn auch bereits im ersten Absatz verlinkt ;-)
Wer kein kein Faxgerät hat, dem kann geholfen werden:
- Faxvorlage im DOC-Format runterladen.
- Datei mit OpenOffice http://de.openoffice.org/ öffnen, Text nach
Belieben bearbeiten und als PDF exportieren/speichern (Menü: “Datei”).
Funktioniert bestimmt auch mit anderen Office-Programmen ;-)
- Mit diesem nützlichen Angebot kostenlos versenden:
http://www.simple-fax.de/index.php (nur für PDFs)
- ganz Bequeme kopieren die Vorlage einfach in eine E-Mail….
Ach ja: Fax-Nummer und/oder e-Mail-Adressen “unserer” Abgeordneten
finden wir hier: http://www.bundestag.de/mdb/wkmap/index.html
@Likedeeler
Guter Tipp – ich habe den Text dementsprechend ergänzt.
“Das eine private Bahn noch nach Hintertucklingen fährt ist nicht zu erwarten – außer die Länder, also der Steuerzahler, subventioniert das.”
Schon heute fahren vor allem die privaten Bahnen nach Hintertucklingen.
Ein Beispiel: http://www.westfalenbahn.de/index.php?level0=aktuelles&newsID=3
“eine Entscheidung, die für die für die Deutsche Bahn AG”
Versteh ich den Teil des Satzes nicht richtig oder ist hier nicht ein “die für” zuviel?
Rangsi
@Rangsi
Danke für den Hinweis – ich habe es korrigiert.
@Jörg Friedrich
Sicher, nur das sich die Privaten natürlich die Rosinen herauspicken. Dies ist eher auf strategische Fehler der Bahn zurückzuführen. Da die Deutsche Bahn AG sich in den letzten Jahren – neben dem internationalen Logistikgeschäft – auf den profitablen Fernverkehr konzentriert, bleiben natürlich einige Strecken über, die nicht mehr befahren werden oder nur schlecht frequentiert sind. Früher wurden solche Strecken durch den Fernverkehr quersubventioniert – heute werden sie nicht mehr befahren, was in einigen Landstrichen zu Mobilitätsdefiziten der Bevölkerung geführt hat. Das es von den aufgegebenen Strecken der Bahn, auch welche gibt, die rentabel sein können, wenn man sie ordentlich bewirtschaftet, bezweifele ich nicht im geringsten.
Das die private Konkurrenz ihre Sache gut macht, steht für mich außer Zweifel. Aus reiner Neugier bin ich auch einmal mit einem privaten Zug für 15 Euro vom Harz nach Berlin gefahren und war positiv überrascht – eine Servicekraft, die kalten und warme Getränke und Snacks zu günstigen Preisen verkaufte und ein 15minütiger Zwischenstopp in Magdeburg, der das Herz der Raucher erfreute. Was will man mehr? ;-)
Ergänzend dazu auch empfehlenswert:
Die Bilanz der Bahn seit der Bahnreform, auf dem Weg zur Privatisierung:
(die endgültige Privatisierung jetzt ist ja eigentlich nur noch der Höhepunkt um diese Zustände unumkehrbar zu machen, schon lange benimmt sich die Bahn ja wie ein Global Player Konzern)
http://www.freitag.de/2007/11/07110401.php
“Seit der Bahnreform wurden jährlich 500 Kilometer Schienenstrecke stillgelegt. Bahnintern stehen weitere 6.000 Kilometer Netz auf dem Prüfstand. Der Inter Regio wurde trotz seines großen Erfolgs (68 Millionen Fahrgäste pro Jahr) kaputtgefahren und verschrottet, um die Länder fiskalisch zu erpressen und dem wesentlich teureren ICE neue Zwangsfahrgäste zuzuführen. Viele Mittelzentren und inzwischen auch immer mehr Oberzentren haben keinen Anschluss mehr an den Fernverkehr. Zwei Drittel aller Firmengleisanschlüsse wurden vom Netz abgehängt. Damit sind regionale Güterbahnverkehre fast völlig verschwunden, die Güterbahn bedient nur noch die Hauptachsen über die großen Distanzen und überlässt den Rest kampflos der Straße. 6.000 Bahnhöfe wurden schon geschlossen, jetzt sollen noch mal 1.500 Bahnhöfe verkauft werden.
…”
—
P.S.: @Friedrich: Wenn sie als Beweis für ihre Behauptung als Musterbeispiel eine Bahnlinie nehmen müssen, die 1. noch garnicht existiert, sondern nur für Dezember geplant ist und 2. nicht nach Hintertucklingen fährt, sondern zwischen zwei Städten mit 80.000 und 270.000 Einwohnern, kann es wohl nicht allzu gut stehen.
Auch noch nicht zu vergessen:
Das Infrastrukturgebot des Grundgesetzes Artikel 87e Absatz 4.
Hier nachzulesen: http://www.jusline.de/index.php?cpid=f92f99b766343e040d46fcd6b03d3ee8&lawid=5&paid=87e
Den gib es ja nicht umsonst, wie der Spiegelfechter beschreibt. Eine halbwegs deutschlandweite Versorgung mit der Bahn ist sonst nicht zu gewährleisten (sondern nur einige private Rosinen, und die Bahn konzentriert sich auf seine Rolle als Global Player).
Und grade heute, bei dem zunehmenden Handels-Verkehr mit überfüllten Straßen, wäre das doch fatal.
Dass die ländlichen Gebiete mit öffentlichen Verkehrsmitteln versorgt werden, ist zunächst nicht Aufgabe der Bahn, ondern der Länder. Die schreiben die Strecken nähmlich aus (oder tun das auch nicht). Deshalb ist auch nicht richtig, dass die privaten Anbieter sich “die Rosinen herauspicken” Sie machen Angebote, die Bahn macht auch Angebote, die Privaten sind günstiger und erhalten den Auftrag.
Ich zitiere nochmal:
“Seit der Bahnreform wurden jährlich 500 Kilometer Schienenstrecke stillgelegt.”
und “6.000 Bahnhöfe wurden schon geschlossen”.
Das sind nunmal die Fakten (und wenn ein Privater sich nicht die Rosinen rauspicken würde, würden wohl kaum soviel Schienen stillgelegt werden müssen, weil sie nicht mehr benutzt werden) der momentanen Entwicklung.
@Jörg Friedrich
Was soll das?
Es dürfte auch ihnen klar sein das ein privates Unternehmen Gewinn einfahren MUSS, daher werden unrentable Verbindungen gestrichen.
Der Staat und somit auch die Bahn sind verpflichtet eine gewisse Mobilität zu garantieren, dies könnte eine privatisierte Bahn gar nicht.
Ist das wirklich so schwer zu verstehen?!
Jörg Friedrich klärt den Spiegelfechter auf:
“Eine demokratisch gewählte Regierung kann sich nie und konnte sich niemals auf den klaren Willen eines Souveräns, nicht mal auf den klaren Willen einer Gruppe (Klasse o.ä.) stützen. So etwas gelang oder gelingt nur in totalitären Diktaturen mit den Mitteln der Propaganda und Demagogie.”
“Aber selbst wenn es einen Souverän gäbe und wenn dieser klare Wünsche formulieren könnte, dürfte es nie Aufgabe einer demokratisch gewählten Regierung sein, diese Wünsche einfach umzusetzen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie es gar nicht könnte. Nehmen wir einmal an, dass das, was die von Dir zitierten Meinungsumfragen ergeben, der “Wunsch des Souveräns” wäre. Etwas vereinfacht ausgedrückt: “Bei hoher sozialer Sicherheit (Frage 1 und 2), für mehr Geld (Frage 3) auf keinen Fall länger arbeiten (Frage 4)” Das wäre der Wunsch des Souveräns, wenn es ihn gäbe. Das ist aber nicht zu machen, jeder Ökonom, egal welcher Schule, wird heute bestätigen, dass diese Forderungen nicht umsetzbar sind.”
http://www.indal.de/blog/
Mir fehlen die Worte…
Jetzt wundere ich mich auch nicht mehr über ihre Antworten.
Denk ich an Deutschland in der Nacht….
Wenn man ein Monopolunternehmen privatisiert, gibt es Monopolgewinne.
@Besitzstandwahrer
Tja, ein ziemliche krudes Demokratieverständnis. Ich schätze, der Jörg verschickt “mein” Fax nicht ;-)
Siehe auch diese Initiative:
http://www.bahn-unterm-hammer.de/
Die Argumentation des Jörg da ist die typische Rechtfertigung von Diktatoren. Nur die Regierenden haben die Intelligenz zu überblicken, was gut und was schlecht ist – dementsprechend wird regiert, wie man lustig ist, an den Wünschen des Volkes vorbei.
Seit Jahrhunderten schon immer ein- und dieselbe Rechtfertigung für Mord, Totschlag, menschenverachtende Diktaturen…
“Die Bahn” mal anders betrachtet (weil mir das generell zu kurz kommt):
Wer von Euch erinnert sich noch an die Zeiten, als es noch Abteile (und: JA – es gab sogar Raucherabteile *g*) gegeben hat und man seinen Kopf aus dem, zu öffnenden(!), Fenster in den Fahrtwind halten konnte? Damals sind halt auch die Züge etwas langsamer gefahren…
“Nostalgie”? Aber gewiß doch :-P Ich behaupte mal, daß Bahnfahren damals noch eine Art romantischer Qualität hatte, die mittlerweile längst abhanden gekommen ist; wer aber natürlich nur möglichst schnell von A nach B transportiert werden möchte und einen Gedanken an die Umwelt verschwendet, wird sicherlich immer noch akzeptabel bedient ;-)
Moderne Zeiten :(
Hannilein (die einige ihrer schönsten Erfahrungen und interessantesten Bekanntschaften der Bahn verdankt…)
Ich, 1986 mit 17 von Essen(Hbf) nach Berlin(Bhf Zoo) im Reichsbahnwaggon für 8 Personen 2.Klasse Raucher; ich alleine und ein Malergeselle der in Berlin(West) zu einem Vorstellungsgespräch unterwegs war, nette Unterhaltung bis spät mit Dosenbier und Selbstgedrehten, dann auf den Sitzen gepennt. Es gab Vorhänge zum zuziehen.
Auf der Rückfahrt dann ein Teenymädel mit Kassettenrekorder und Liebeskummer, Tränen und Pink Floyd, kullernd und laut, die resolute Zugbegleiterin versuchte zu trösten. Die Anwesenden übten milde Nachsicht.
Dann 1997 von Firenze nach Essen nach einem Bildungsausflug.
Nachts, Abteil voll schlafender Kollegen, auf dem Flur ein Amerikaner auf einem Klappsitz, Unterhaltung begonnen, Amerikaner railte cross Old Europe for some month, mit ihm Dosenbier geteilt, quer durch ganz Austria.
2004 Junggesellenabschied von Düsseldorf nach München, per ICE,
wieder mit dem Rauchen angefangen, Leute unlustig, steril, spaßbremsend, unromantisch. Kein tatat tatat tatat. :(
[...So get up! Go on! Grip that stand!
And press your hand to your heart
Big Mac is asking the questions
And this is only the start...]
Latin Quarter – Modern Times
Pax
doch, das ist zu machen – wenn die gewinne wachsen, sollte man nämlich den leistenden diese auch zukommen lassen. dies kann in form von lohnsteigerung mit gleichzeitiger arbeitszeitkürzung durchaus erfolgen, ohne die soziale sicherheit zu gefährden. logisch, dass dies in einem schneeballsystem wie dem derzeitigen kapitalismus nicht möglich ist da wieder neoliberale floskeln verbreitet werden. hier lässt man nämlich nur bestimmten personen, wie dem herrn ackermann, die gewinne zukommen und wundert sich dann, wieso sich der souverän (das volk) beleidigt von der demokratur abwendet.
Und wenn das unter den ‘herrschenden Verhältnissen’ nicht zu machen ist – wofür das ‘Schneeballsystem’ durchaus Gründe liefert, die über ‘bösen Willen oder ‘falsche Politik’ hinausreichen – dann stimmt eben etwas mit den ‘herrschenden Verhältnissen’ nicht. Denn von einer Wirtschaft, deren Produktivität laufend steigt, und die ohnehin schon Jahr für Jahr gewaltige (Güter-) Überschüsse produziert, kann man natürlich und völlig zu recht erwarten, dass sie sowohl eine bessere materielle Ausstattung als auch Arbeitszeitverkürzung (wobei das eine natürlich immer zu Lasten des jeweils anderen geht, aber dennoch beide möglich sind), vor allem aber umfassende soziale Sicherheit bieten kann. Im Moment widerlegt das System selbst den eigenen Anspruch vom ‘größten Glück der größten Zahl’, indem es bei steigender Produktivität für eben diese ‘größte Zahl’ dennoch den Rückwärtsgang einlegt.
@Hannilein und Corax
Ach, wie recht Ihr doch habt *schnüff*
Ich habe der Bahn viel zu verdanken. Während meiner Jugend habe ich meine Sommerurlaube stets mit Interrail verbracht – ein Ticket für ein paar Hundert Märker und man konnte in ganz Europa und Marokko kostenlos 6 Wochen Zug fahren. Was besseres kann es für die Sozialsation, die Identitätsbildung und auch die fremdsprachliche Schulung eines Heranwachsenden gar nicht geben.
Gespräche (auch beim Dosenbier) mit Menschen aller Herren Länder, die tausend mal mehr über Kultur und Seele der Länder aussagten, als es zig Reiseführer und TV-Dokus könnten. Da war ein alter Schwede, der auf dem Weg durch Frankreich war, um der Fiesta in Pamplona beiwohnen zu können, der mein Herz für Hemingway geöffnet hat, zwei portugisische Zivilpolisten, die eigentlich böse Buben suchen sollte, sich aber lieber mit uns stundenlang über Musik unterhalten haben, die Pyränen, die in musikalischer Begleitung von Jimmy Hendryx und mit der Unterstützung einer kleinen Tüte im Morgennebel ein schon fast spirituelles Erlebnis waren, Bummelzüge in Marokko, neben denen man bei Steigungen hergelaufen ist und die vielen gleichaltrigen Mädchen nicht zu vergessen, die zu einem ganz besonderen “kulturellen” Austausch beigetragen haben … Ach, mein Herz blutet – noch einmal 18 im Jahre 1990 *seufz* Wer dies damals mitgemacht hat ist ein Leben lang vor Xenophobie geiimpft.
Neulich hat sich der 21jährige Sohn einer Freundin bei mir über das miese Essen und die vielen Russen in einem 5-Sterne Hotel in der Türkei beschwert, in dem er mit seiner Freundin eine Woche Urlaub gemacht hat. Oh tempores oh mores.
Hab ihr jemals einen Nachtzug mit 20 rotzevollen Anhängern des SC Freiburg verbracht? Da wird dir Bier angeboten, zwischendrin startet mal wieder einer die ersten paar Zeilen von “Sweet Child O’Mine”, was dann prompt alle mitsingen Ein ausländisch aussehender Mann mit dem Spitznamen “Tank” versucht dir zu erklären warum Stephen Kings “Dark Tower”-Saga eigentlich ein Pflichkauf für alle sein sollte, und der merkwürdige Geruch von Weed steigt auf. Die geballte Absurdität und Freude dieser multikulturellen Truppe hat mich noch für Wochen amüsiert.
@ #22 und #25:
Ah – zwei ‘Connaisseure’ ;-) Interrail und (besonders) das Trampermonatsticket habe ich gerne genutzt!
Wenn ich aber mal so richtig in Erinnerungen schwelgen möchte, erinnere ich mich gerne an eine Nachtfahrt von München nach Paris, anno ‘89. Abends nach 22.00h Abfahrt München HBF, Ankunft am Gare de l’Est war irgendwann zwischen 6.00 und 7.00, IIRC.
Was für eine Fahrt! Genug Bier dabei, “Rääts un Links vum Bahndamm” [1] im Walkman, den Kopf aus dem Fenster und sich den frischen Wind um die Nase wehen lassen… Man glaubt ja gar nicht, wie interessant es riechen/duften kann, wenn man durch das nächtliche/frühmorgentliche Frankreich fährt, dabei die verschlafenen Dörfer und einsamen Gehöfte sieht und sich denkt: “In ein paar Stunden ist der Zauber schon wieder vorbei, – dann stehen alle auf und das gewohnte Tagwerk beginnt aufs neue!”
P.s.: Muß ich hinzufügen, daß ich den Liegewagen umsonst gebucht hatte? *g*
Sorry für meinen kleinen Exkurs, aber – wenn IHR so nette Erinnerungen rauskramt, darf ich das hoffentlich auch :-P
Schlaft gut ;-)
Hannilein
[1] Sorry, ich geb’s ja zu: BAP ist nicht unbedingt guter Geschmack, aber ich habe da sehr persönliche Konnotationen :-D
@bolivar (#14) noch einmal: Die Länder legen die Strecken still, ganz unabhängig von der Privatisierung der Bahn.
Im Übrigen kann es aus ökologischen Gründen nicht wünschenswert sein, dass Züge mit 3-10 Fahrgästen durch die Lande fahren. Da sind Busse sicherlich besser.
Das Thema Demokratie ist da diskutiert worden, wo es Thema war. Ich wiederhole mich hier nicht. Was letztlich demokratisch ist und was zur Diktatur führt, kann in der Geschichte mehrfach geprüft werden.
@Besitzstandwahrer, @spiegelfechter
Also die deutsche Bahn behauptet, dass Strecken unrentabel sind und schließt diese. Dann kommt ein privater Konkurrent, eröffnet diese stillgelegte Strecke wieder, und fährt Profite ein.
Wenn also die deutsche Bahn das sagt, hat sie automatisch Recht, wenn das der kleine private sagt, dann pickt er sich die Rosinen raus und ist Schuld, dass die Bahn Strecken runterwirtschaftet und dann schließt.
Habe ich da euch richtig verstanden? Ich hoffe nicht!
Erkunden Sie doch mal spielerisch
die zu erwartenden Folgen der Bahnprivatisierung:
–> [ http://www.campact.de/bahn/opoly/start ]
@ Spiegelfechter (25)
… Du hast so schön geschrieben: “die Pyränen, die in musikalischer Begleitung von Jimmy Hendryx und mit der Unterstützung einer kleinen Tüte im Morgennebel ein schon fast spirituelles Erlebnis waren”
Das sollten wir aber noch mal üben. Und ich wußte gar nicht, daß man in dem eher kurzen Namen der Rock-Legende Jimi Hendrix gleich so viele Fehler unterbringen kann. Oder liegt etwa immer noch eine glimmende “kleine Tüte” griffbereit neben Deiner Tastatur? *g*
Allerdings sage ich auch: Lieber ein inhaltlich guter Beitrag mit kleinen Schönheitsfehlern als ein schöner Beitrag ohne jeden Inhalt. In diesem Sinne: Niks führ unguhd ;-)
Gruß Ben
@Ben-99
*schäm* ;-)
… hehe, ich kenne das leider auch von mir und würde mich hinterher dann jedesmal am liebsten in den Arsch beißen. Zumal man doch immer so stolz darauf ist, wirklich schwierige, beinahe unaussprechliche Namen wie zum Beispiel des derzeitigen iranischen Präsidenten stets fehlerlos zu schreiben ;-)
Doch auch noch mal was zum Thema: Dein Angebot eines vorgefertigten Protestbriefs, den man an die zuständigen Abgeordneten schicken kann, ist im Prinzip löblich. Ich neige aber eher dazu, Leute wie Mehdorn erbarmungslos auflaufen zu lassen, indem man sie ruhig gewähren läßt. Und wenn er dann den Karren an die Wand gefahren hat wie damals Ron Sommer, der mit der angeblichen “Volks-Aktie” Telekom den Kleinverdienern auch noch die letzten Ersparnisse “geraubt” hat, wacht das Volk vielleicht endlich mal auf und begreift, daß die Forderung zum Beispiel auch von Leuten wie Lafontaine, daß wichtige Großbetriebe, die für die Infrastruktur eines Staates lebensnotwendig sind oder auch Unternehmen, die die Energieversorgung eines Landes gewährleisten nicht in private Hände gehören und erst recht nicht als Spekulationsobjekte am internationalen Aktienmarkt gehandelt werden dürfen.
Und wenn die Leute erstmal begreifen, daß das nichts mit dem “bösen” Kommunismus zu tun hat, sondern lediglich eine Notwendigkeit ist, um die Gier der kapitalistischen Aasgeier in die Schranken zu verweisen, dann werden sie spätesten bei den übernächsten Wahlen ihr Kreuz nicht mehr bei den korrupten angeblichen “Volks-Parteien” machen, sondern Politiker wählen, die zwar heute noch von den Medien als “Linkspopulisten” verhöhnt werden, in Wirklichkeit aber die “Neue Mitte” repräsentieren, weil sie inzwischen längst Sprachrohr der Mehrheit des Volks geworden sind.
Gruß Ben
@Ben
Die Hoffnung stirbt zuletzt?
Meine Hoffnung an die Auffassungsgabe des Volkes ist leider bereits im Siechen. Außerdem sagen mir die hohen Prozentzahlen derer, die gegen die Bahnprivatisierung sind, dass das Volk sehr wohl weiß, dass von den GRÖKOZ “Größten Koalitionären aller Zeiten” nichts gescheites zu erwarten ist. Dennoch lebt das Volk in seiner Traumwelt und “liebt” das Merkel für nichts und wieder nichts. Mir scheint, das Volk will träumen und nur nicht der bitteren Wahrheit ins Auge sehen – die Autosuggestion scheint so stark zu sein, dass kognitive Dissonanzen beiseite gewischt werden.
Im konkreten Fall setze ich eher auf die Verstärkung der kognitiven Dissonanzen, so ich den überhaupt jemand erreiche, der den GRÖKOZ noch etwas glaubt.
@ Ben-99 (#33):
Du bist aber auch ne fiese Möp :-P
a) kann die Lektorin nicht überall gleichzeitig sein…
b) korrigiert sie – gemäß Vereinbarung – NICHT die privaten Texte/Forumsbeiträge des “Spiegelfechters”!
DAS darf (bzw.: will) ich halt nicht ändern, aber:
Ist doch wohl nicht gar so so schlecht, ein Blog zu haben, welches sich wenigstens gelegentlich eine kostenlose Lektorin leistet, oder? :-P
Gruß
Hannibal, der Lektor
jammern, jammern …
ihr seit alle ein teil des problems.
Chris schreibt in #20 “… dementsprechend wird regiert, wie man lustig ist, an den Wünschen des Volkes vorbei.” Dieser Forderung nach dem Wunsch des Volkes zu regieren kann keine Regierung nachkommen. siehe auch Besitzstandwahrer (#16). Das ist das Dilemma jedes Volkes, das die Macht an eine Gruppe überträgt. Egal ob es Diktatur, Monarchie oder Demokratie ist. Auch verschieden Ansätze aus der anarchistischen Welt, wie Panokratie … bieten da keinen zufriedenstellenden Ansatzpunkt. Das Problem besteht im Akt der Machübertragung selbst und weniger in den Modalitäten, nach denen diese Macht dann tatsächlich ausgeübt wird. Diese Systeme unterscheiden sich lediglich in der Größe der “Minderheit”, deren die Meinung der “Mehrheit” aufgezwungen wird. Sorry.
Wollt ihr, dass die Welt nach euren Wünschen aussieht, dann müsst die Macht bei euch behalten. also: 100% Macht über sich selbst, 0% Macht über andere. Jeder, der Gesetze oder Regulierungen – also Beschneidung der persönblichen Freiheit – für andere fordert, wird früher oder später (eher früher) selbst mit diesen konfrontiert werden.
Grad beim fefe gefunden:
Streckenstilllegungen:
http://blog.fefe.de/?ts=b81ffe2b
Tafelsilberverhökerung:
http://blog.fefe.de/?ts=b81f9740
Pax :-(
Update: “Wir” können einen Teilerfolg verbuchen. In der SPD-Fraktion gab es heftige Debatten und einer Entscheidung wurde erst einmal vertagt. Laut Albrecht Müller spielte die Aktion, die Abstimmung namentlich zu machen, auch eine Rolle. Chapeau und Danke! Das Formular wurde übrigens laut Webstatistik 2.565mal heruntergeladen.
Aus dem oben erwähnten Memorandum von Hermann Scheer und Peter Friedrich “Die Bahn: Zukunftsinvestment aller Bürger” möchte ich etwas zitieren:
[ ...
(1) Gütertransport (Seite 8 und 25)
Seite 25:
Die auf der Straße erbrachte Verkehrsleistung ist in den letzten Jahren enorm angestiegen:
1993: 251 Mrd. Tonnenkilometer | 2004: 380 Mrd. Tonnenkilometer
Seite 8:
Der Anteil des Schienenverkehrs an der Güterbeförderungsleistung
stagniert praktisch:
1994: 16,8 Prozent | 2004: 15,9 Prozent
(2) Treibhausgas Kohlendioxid (Seite 27)
Ein Vergleich der Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ergibt folgende Werte (in Gramm je Personenkilometer, Fernverkehr):
Bahn .......... 52
PKW ........... 147
Flugzeug ..... 183
(3) Stickoxide (Seite 28)
Bei den Stickoxiden (mitverantwortlich für Smog) kann die Bahn noch größere Vorteile geltend machen (in Milligramm je Personenkilometer, Fernverkehr):
Bahn .......... 84
PKW ........... 336
Flugzeug ..... 788
Seite 28:
Es ist ein Gebot der volkswirtschaftlichen Vernunft, denjenigen Verkehrsträger zu fördern und zu stärken, der die wenigsten unerwünschten Schäden und damit Zusatzkosten verursacht – und das ist mit weitem Abstand die Bahn.
... ]
——————————–
Erkunden Sie doch mal spielerisch die zu erwartenden Folgen der Bahnprivatisierung mit BAHNOPOLY
Tiefensees Pan-Pläne sind verfassungwidrig
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) muss bei der Bahn-Privatisierung mit erbittertem Widerstand der Länder rechnen. Neue Munition liefert den Landesfürsten ein Gutachten, das sie selbst in Auftrag gegeben haben. Darin heißt es, der Gesetzentwurf zur Bahn-Privatisierung sei verfassungswidrig.
Quelle: http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Deutschland/_pv/_p/200050/_t/ft/_b/1323440/default.aspx/tiefensees-pan-plaene-sind-verfassungwidrig.html
Grad hat sich Frontal 21 oder wie das heißt auf die Bahnprivatisierungspläne eingeschossen. Ist zwar ein Drecksmagazin aber wenn´s der Wahrheitsfindung dient.
Pax
Update II: Heute (am 27.09) erhielt ich auf das Fax einen Antwortbrief “meines” SPD-Bundestagsabgeordneten, Herrn Dr. Wilhelm Priesmeier. Er schrieb mir, dass er die Einwände gegen die Bahnreform teilt und sich auch weiter dafür einsetzen wird, dass es nicht zu dem momentan diskutierten Modell der Bahnreform kommen wird und man die Bahn “nicht dem Profitstreben des Kapitalmarktes ausliefern dürfe” und einen “flächendeckenden Schienenverkehr” anbieten muss. Chapeau, Herr Dr. Priesmeier – hoffentlich stehen Sie in Ihrer Partei nicht all zu alleine da und hoffentlich folgen den hehren Worten Taten.
Neuseeland kauft Bahn zurück.