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  • Blonde Sächsinnen und merkbefreite Schwaben

    geschrieben am 01. September 2007 von Spiegelfechter

    Der Sachse an sich ist ja schon eine recht lustige Gestalt ? sein Problem ist es nur, dass er es nicht mag, wenn die Welt denkt, er sei ein provinzialer Kleinbürger, bei dem die Uhren anders gehen. Um der Welt zu beweisen, wie fortschrittlich und mondän er doch ist, haut er dann auch gerne mal auf den Putz. Was eigentlich nicht weiter schlimm ist, und der Welt meist ein wohlwollend vergebendes Lächeln abringt, kann problematisch werden, wenn ein Sachse mal wieder so kräftig auf den Putz haut, dass das Donnern in der ganzen Welt vernommen wird.

    Die Sachsen-LB ist die Skandalnudel unter den Landesbanken. Ihre Freundin aus Düsseldorf, die West-LB, gibt sich zwar redlich Mühe mithalten zu können, aber an die Sächsin kommt sie nicht heran. Wäre es nicht der Steuerzahler, der für die Eskapaden aufkommen muss, so könnte man sich über die Paris Hilton und die Britney Spears der deutschen Bankenszene ja auch prächtig amüsieren. Und was ist schon mondäner als hochkarätige Skandalnudeln? ?Oops!… I did it again? hieß es in den letzen Wochen immer wieder aus Leipzig. Kreditrisiken, die rund fünfzigmal so hoch sind, wie das Eigenkapital, sollen da auf einmal bedient werden. Aber wer kann dieser drolligen Bank schon böse sein, wenn die bösen und launischen Finanzmärkte mal wieder nicht so wollen, wie unser sächsisches Blondchen dachte.

    Genau so wie beim echten Blondchen der Papi hilft, wenn das güldene Kärtchen mal wieder überzogen ist, so gibt es beim sächsischen Blondchen den ollen Freistaat, der über seine spießigen Sparkassen die verplemperte Kreditlinie mal fix übernimmt. Sächsische Politiker, die wohl einen Clown gefrühstückt haben, beruhigen den Sachsen dann auch gerne damit, dass es ja nicht der Sachse ist, der als Steuerzahler für dieses Geld aufkommen muss. Nein, dass sind nur die sächsischen Kommunen, denen die Sparkassen gehören ? also ganz bestimmt nicht der Steuerzahler. Dass die erste Kreditlinie der Sparkassen ungefähr die Höhe des sächsischen Landeshaushalt hat, kann einem Finanzminister ja auch egal sein ? zahlt er das Geld? Nein ? und die Kommunen kommen auch ohne das Geld der Sparkassen aus. Wofür gibt es schließlich den Soli?

    Sächsische Kommunalpolitiker sind bekanntlich auch nicht gerade eben mit Weisheit gepudert. Von einem Landrat kann man natürlich nicht erwarten, dass er komplexe Finanzkonstrukte wirklich versteht, aber wenn 2/3 des Engagements der Bank, in dessen Verwaltungsrat er sitzt, in so seltsamen irischen Finanzvehikeln stecken, dann gehört schon eine Menge Dämlichkeit dazu, dies ?normal? zu finden. Aber so ist er halt, der Sachse ? man muß nicht wissen, was irische Conduits sind (schmecken die eigentlich?), so lange ihm gesagt wird, so etwas ist fortschrittlich und mondän, ist das gut für Sachsen und somit gut für den Landrat.

    Zum Glück gibt es in Deutschland ja noch den Schwaben, der bekanntlich alles kann, außer Hochdeutsch und ? anders als der Sachse ? auf sein Hinterwäldlertum auch noch stolz ist. Als solider Häuslebauer lässt er sich nimmernicht auf so windige Geschäfte ein wie der Sachse. Und da der Sachse ja nicht wirtschaften kann, springt da der Schwabe gerne in die Bresche. Aber freilich nur, wenn man damit ein gutes ?G´schäftle? machen kann. Und da auch der Schwabe das Prinzip des kommunalen Besitzes der Sparkassen und Landesbanken nicht so wirklich versteht, sieht er im Kauf der Sächsischen Skandalnudel ein gutes ?G´schäftle?.

    Ein Mann, der von sich behauptet, schwäbischer Finanzminister zu sein, also der Prototyp des Schwaben in Person, und der den Namen Stratthaus trägt, beschwichtigte unlängst in einem Interview im Deutschlandfunk seine schwäbischen Mitmenschen. Ein Risiko sehe er nicht, wenn es neben den 17 Milliarden, die der Sachse schon selbst übernommen hat, noch weitere Risiken gäbe ? es ist von immerhin 68 Milliarden die Rede -, man könne den Kauf doch rückgängig machen, – als handele es sich bei einer Landesbank um eine formschöne, aber gänzlich unnütze, Dekoration, bei der man erst einmal die Frau fragen muss, ob die wirklich passt.

    Das der Schwabe dann aber von den 250 Millionen, die man als Sofortleistung in das schwarze Loch Sachsen-LB geschmissen hat, nichts wiederbekommt, dass weiß der Chef-Schwabe anscheinend nicht ? oder es interessiert ihn schlichtweg nicht. Denn, so palavert Stratthaus in einem schulmeisterlichen Ton, aber dennoch von einer gerade zu herzergreifenden Ahnungslosigkeit geküsst, weiter, ?der Steuerzahler muss auf keinen Fall Geld zuschießen [], es könnte höchstens sein, dass die Bank dann weniger verdienen?. Das ?weniger verdienen? auch ?Verlust? genannt wird, die Besitzer der LBBW Kommunen und Sparkassen, im Besitz von Kommunen, sind ? also letztendlich der Steuerzahler – ist dem Chef-Schwaben anscheinend unbekannt. Nett vom Schwaben, dass er freiwillig für das Geld gerade stehen will, das der Sachse verzockt hat. Wenn also auch schwäbische Kommunen in näherer Zukunft kein Geld für kommunale Investitionen mehr haben, wird ganz sicher der Herr Stratthaus ein paar Milliönchen aus dem Landessäckel herüberreichen … oder etwa nicht?

    Scotty, beam me up ? there is no intelligent life on this planet

    p.s.: Das dritte Bild von oben ist keine(!) Montage von mir, sondern ein Original der sächsischen FDP.

    Jens Berger

    25 Kommentare Print This Post
    Der Sachse an sich ist ja schon eine recht lustige Gestalt ? sein Problem ist es nur, dass er es nicht mag, wenn die Welt denkt, er sei ein provinzialer Kleinbürger, bei dem die Uhren anders gehen. Um der Welt zu beweisen, wie fortschrittlich und mondän er doch ist, haut er dann auch gerne ...
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    25 Kommentare:

    1. Jochen Hoff schrieb am 1. September 2007 at 16:52 - Permalink

      Herr schmeiß Hirn vom Himmel, aber das würden die Politiker als einziges bestimmt nicht annehmen.

    2. Marc schrieb am 1. September 2007 at 20:13 - Permalink

      Der Beitrag steht zwar unter Glosse, aber er erscheint mir dennoch ein bisschen übertrieben. Momentan handelt es sich um eine Liquiditätskrise, nicht um Ausfälle in nennenswerter Höhe. Die ganzen Deals sind Asset Backed Securities und die weitaus meisten der Assets sind erstklassig, der Rest zweitklasig.

      Der subprime-Hypotheken-Markt in den USA ist zusammengebrochen, die housing bubble wird aber nicht mit einem Knall dazu führen, dass plötzlich 100%, 60% oder auch nur 10% der US-Immobilienbesitzer ihre Raten nicht mehr zahlen können. Statt dessen geht da einem Marktsegment langsam die Luft aus, was vermutlich die Konsummöglichkeiten vieler Amerikaner reduzieren wird.

      Wirklich ausfallen werden ein paar wenige Prozent der Hypotheken, die Risiken sind durch die vielfältigen zwischengeschalteten Finanzinstrumente so breit gestreut, dass sie nicht alle bei einem oder auch nur bei einer bestimmten Gruppe von Gläubigern zusammenfallen werden.

      Die Branche braucht also “nur” die Zeit, um abzuwarten wie der US-Immobilienmarkt reagiert, das sollte in einem halben Jahr absehbar sein. Dieser Zeitraum muss überbrückt werden, weil solange die realen Werte der Anlageformen nicht sinnvoll bestimmt werden können.

      Es wird gemunkelt, dass Banken mit genügend liquidem Kapital bereits in größerem Stil einsteigen, weil die Preise derzeit im Keller sind. Die LBBW geht einen Schritt weiter und übernimmt gleich eine ganze illiquide Bank zu einem unschlagbaren Preis.

      Sollten einige der Anlageformen doch überproportional mit Ausfällen geplagt werden, können immer noch Schadensersatzforderungen gegen die Ratingagenturen in Erwägung gezogen werden, die diesen Finanzinstrumenten erstklassige Bonitäten bescheinigt haben.

      Also: Keine Panik, einfach abwarten und die Welle ausreiten.

    3. Boeser Blick schrieb am 1. September 2007 at 21:43 - Permalink

      zu marc

      Nun hallen einen die Worte von Bundes-Finanzminister Peer Steinbrück (28.8.2007) noch in den Ohren der sich in den Skandal um die Landesbank eingeschaltet hat.
      Er begrüßte die Übernahme der SachsenLB durch die LBBW gestern als Stärkung für den deutschen Bankensektor.

      Nun verwundern allerdings folgende Schlagzeilen..
      Sachsens Finanzminister Horst Metz zieht die Konsequenz aus dem Dresdner Landesbank-Desaster – und erklärt seinen Rücktritt.

      Nach dem Notverkauf der SachsenLB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) muss der Vorstand komplett seine Posten räumen. Die Anteilseigner-Versammlung berief gestern Yvette Bellavite-Hövermann und Werner Eckert mit sofortiger Wirkung ab. Nach Auskunft der SachsenLB erhalten sie keine Abfindung. Vorstandschef Herbert Süß geht ? nach offizieller Darstellung ? auf eigenen Wunsch zum 15. September. Vor einer Woche war Vorstand Stefan Leusder abberufen worden.

      Desweiteren gibt es noch folgendes zu beachten:

      13 Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz (Dublin II)
      Das gesamte Volumen der mittlerweile 13 festgestellten außerbilanziellen Zweckgesellschaften in Dublin und Leipzig habe bis zu 46 Milliarden Euro betragen und damit den Löwenanteil des gesamten Engagements von 65 Milliarden Euro ausgemacht, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus dem Finanzausschuss des sächsischen Landtages. Welche neue Risiken sich daraus für den neuen Eigentümer LBBW ergeben, ist bislang offen.

      Nun gebe ich doch eher spiegelfechter recht, hier gibt es keine Welle zum ausreiten.

    4. Marc schrieb am 2. September 2007 at 10:17 - Permalink

      @Boeser Blick:
      Du erwartest doch nicht von einem Bundesminister in öffentlichen Äußerungen irgendwelche inhaltlich oder auch nur fachlich hilfreiche Statements?

      Der Spiegelfechter ist großartig darin, komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen, ich habe versucht, das bei meiner Interpretation oben auch zu tun, bin aber nicht so gut darin wie JB. Mein kleiner Text da oben dauert gelesen 1:45 mins und das ist ein sinnloser Versuch, weil er erkennbar nicht als gesprochener Text angelegt ist. Es dürfte unmöglich sein, meine Darstellung in weniger als 3 mins gesprochen rüberzubringen.

      Der Bundesfinanzminister hat aber keine 3 mins. Er hat nicht mal mehr die 1:30, die vor zehn Jahren noch üblich waren. Ein heutiges soundbite dauert 0:20 bis 0:30. Und nichts anderes findet in den Massenmedien noch Platz.

    5. Jochen Hoff schrieb am 2. September 2007 at 11:04 - Permalink

      @Marc

      Nein mein lieber Marc, sie haben nicht versucht, irgendetwas zu interpretieren, sie wollen etwas schönreden.

      Es mag sein, das sie keine Hypothek auf ihr Haus haben, und keine mittelständische Firma besitzen. Wenn aber doch sollten sie schleunigst mit ihrer Bank reden. Die muss nämlich die Verluste wieder reinholen. Und auch die Verluste die noch durch Zusatzkredite der Nationalbanken aufgefangen werden.

      Sie werden die Spekulation die in Deutschland vor allem von der Deutschen Bank profitreich angeheizt wurde, bezahlen müssen. Wenn Sie Pech haben kostet es genau ihren Arbeitsplatz. Sogar wenn sie solchen Dreck als Bankangestellter bisher erfolgreich unter die Leute gebracht haben. Man wird sie opfern.

      Aber bitte sagen Sie dann nicht, sie wären nicht gewarnt worden.

      Übrigens die nächste Blase platzt in China. Kluge Leute warnen seit Jahren davor. Wer legt gerade neue Chinesische Fonds auf. Es sind die gleichen die uns diesen Mist eingebrockt haben.

      Der von Deutschland zu tragende Verlust, liegt zur Zeit übrigen bei run 74 Mrd. Euro. Aber das scheint sie ja nicht zu stören.

    6. Spiegelfechter schrieb am 2. September 2007 at 11:32 - Permalink

      @Marc

      So einfach ist es leider nicht. Die Zweckgesellschaften haben (vereinfacht gesagt) vom Unterschied zwischen dem Zinssatz langfristiger Kredite (auch Hypotheken) und kurzfristiger Papiere gelebt. Das ganze lohnt sich freilich nur, wenn ein Hebel dazwischengesetzt wird. Daher sind diese Papiere extrem anfällig – wenn nur 5% der Kredite nicht bedient werden kann, wird durch den Hebel daraus u.U. ein Totalverlust. Wie viele der Papiere nicht bedient werden können, ist freilich unbekannt. Daher steckt auch ein immenses Risiko in diesen Positionen.

    7. Spiegelfechter schrieb am 2. September 2007 at 11:38 - Permalink

      @Jochen Hoff

      Der von Deutschland zu tragende Verlust, liegt zur Zeit übrigen bei run 74 Mrd. Euro.

      Das wäre der maximal anzunehmende Verlust – so arg wird es aber nicht kommen. Wie hoch die wirklichen Ausfälle (bis jetzt) sind, wird sich erst zeigen, wenn die Banken ihre Quartalsergebnisse vorlegen. Gerade die Deutsche Bank “verdient” allerdings auch an den Ausfällen. Da das Geld nicht weg ist, sondern (in den meisten Fällen) nur den Besitzer wechselt, gehören auch große deutsche Institute zu den “Gewinnern”. Der Verlierer ist freilich der Steuerzahler, da kommunale Institute nicht zu den”Gewinnern” zählen, sondern ausnahmslos draufzahlen.

    8. wehemm schrieb am 2. September 2007 at 14:57 - Permalink

      @ Jochen Hoff:

      Ich kann Dir mit deiner Befürchtung, dass die richtig dicke Blase bald in China platzt nur Recht geben.
      Die Inflationsrate ist auf einem Rekordhoch, sodass jetzt sogar die chinesische Zentralbank von alarmierenden Zeichen spricht, trotzdem gibt es wie in Indien Kredite ohne Bonitätsprüfung und die Wirtschaft überhitzt weiter.
      Interessant sind auch Schätzungen, wonach die Umweltzerstörungen teurer sind als durch das Wirtschaftswachstum ausgeglichen werden könnte.
      Es gab auch eine staatliche Untersuchung über die “Umweltsünden”-kurz vor dem geplanten Erscheinen wurde sie zur Verschlussache erklärt.
      Zweifelsohne türmt sich da eine Menge auf und ich bin gespannt aber auch ein wenig ängtlich, wenn ich darüber nachdenke-vielleicht schreibt ja der Herr Spiegelfechter etwas darüber; ich wäre sehr erfreut.

    9. bernd schrieb am 2. September 2007 at 15:05 - Permalink

      in der tat man kann die hauskrise aussitzen, denn die häuser bleiben. dieser wert geht also nicht verloren, höchstens sind es einige prozente, die häuser an wert verlieren.
      nur, der finanzmarkt handelt anders. er bietet produkte an, die einen hebel haben.
      wenn z.b. der dax um 5% steigt kann man denken man hätte 5% verdient, bei einen entsprechenden kauf eines indexscheins. solange der schein keinen hebel hat und der indexschein den dax 1 zu 1 abbildet, ist das auch der fall.

      viele papiere auf den finanzmarkt haben heute einen hebel. nehmen wir an der hebel ist 10. man verdient also nicht nur die 5% die der dax gestiegen ist sondern 50%. der haken dabei ist, das der hebel nach unten auch ein risiko hat. das papier mit dem hebel wird wertlos, wenn der dax, bevor er um 5% steigt, gefallen ist. das papier mit dem hebel hat eine knock-out schwelle, an der es wertlos wird.

      die zinspapiere, die sich die banken in fall der häuserkredite hin- und her verkauft haben haben auch einen hebel und sobald ein bestimmter wert unterschritten ist, sind die nichts mehr wert. es geht bei den geschäft nicht nur die paar prozent zinsen, dafür sorgt der hebel. in den papieren sind noch andere faktoren wie z.b. zeit eingearbeitet und noch einiges mehr. selbst die banken sollen nicht mehr ganz genau durchblicken, um was es eigentlich genau geht. die papiere werden immer komplizierter oder sagen wir sie sind so erstellt, das der käufer am ende der kette auf keinen fall mehr durchblicken kann.

    10. otti schrieb am 2. September 2007 at 18:41 - Permalink

      Was das Musterländle betrifft: Die können alles, und sie machen es auch – außer Recht und Gesetz.
      Da macht der Staat selbst, nicht eine Hinterhofklitsche, schon mal ein G’schäftle mit G’schmäckle, dass man den Eindrck gewinnen könnte, es handele sich um Lug und Trug.
      Aber keine Bange! Wegsehen ist die oberste Politiker- und Beamtenpflicht, wie der Sachsen-Sumpf gezeigt hat.

    11. Hans P. schrieb am 2. September 2007 at 22:53 - Permalink

      Wieviele der Anlagemanger spielen wohl auch Lotto?

      Warum sollten Sie also nicht auch Finanzkonstrukten aufsitzen, die wie beim Lotto konstruiert sind und beworben werden. Garantierte Gewinnchance! Diese Millionen warten schon auf Sie!(*) Schon X Gewinner – warum sind Sie nicht dabei?

      Man stelle sich hier eine 4-Punkt-Schrift vor: (*) Sofern Sie Glück haben. Alle Angaben aufgrund von tehoretisch ermittelten Erfahrungswert und ohne prognostischen Wert.

    12. salvo schrieb am 3. September 2007 at 12:50 - Permalink

      @spiegelfechter

      mich würde interessieren, was du von der neuen Stellungnahmen auf der LEAP hälst. Kurzes Zitat:

      “Aber bevor wir im Einzelnen die vier bestimmenden Tendenzen des folgenden Quartals beschreiben, möchte die LEAP/E2020-Forschungsgruppe noch eingehender die soziale und politische Dimension der aktuellen schweren Krise in den USA beleuchten . Wie in den hervorragenden Forschungen von Thomas Piketty und Emmanuel Saez über die Entwicklung der hohen Einkommen kürzlich herausgearbeitet, ist die Schere der Einkommensunterschiede heute wieder so weit aufgegangen wie zuletzt am Vorabend der Great Depression Ende der zwanziger Jahre. Während der Faktor des Einkommens der 0,01% Reichsten zu dem des Durchschnitts der 90% Ärmsten im Laufe der Jahre 1950 bis 1980 zwischen 170 bis 180 schwankte, sprang er bis zum Jahr 2005 auf einen Faktor von 880, erreichte also ungefähr das Größenverhältnis von 1928 (891).

      ….

      Über eine rein wirtschaftliche Analyse und Bewertung hinausgehend, bestätigt diese extreme Einkommensdiskrepanz der LEAP/E2020-Forschungsgruppe, dass der Beginn der “Very Great Depression” das Ereignis sein wird, das die Geschichte mit dem Jahr 2007 verbinden wird, denn damit sind soziale und politischen Spannungen quasi unausweichlich: Der starke Anstieg an Räumungen der unter Zwangsvollstreckung fallenden Häuser führt das vor Augen – und die Depression wird die Zahl der Räumungen vervielfältigen. Die US-Gesellschaft ist dabei, sich in zwei Klassen aufzuspalten: Eine sehr arm, die andere sehr reich. Und wer im Jahr 2007 noch zur Mittelschicht gehörte, wird in die Unterschicht abrutschen.”

      http://www.leap2020.eu/Die-US-Gesellschaft-bricht-zusammen-Die-US-Mittelklasse-wird-im-wegbrechenden-Immobilienmarkt-und-in-der-gewaltigen_a894.html

    13. Spiegelfechter schrieb am 3. September 2007 at 15:44 - Permalink

      @salvo

      Grundsätzlich ist die von LEAP geschilderte Schere die ganz normale Folge einer Politik, die “liberal” agiert, sprich nur im geringen Maße reglementiert und die Einkommen und Vermögen oberhalb des Durchschnitts nur gering besteuert.

      Über dieses Problem hatte ich schon einmal einen ausführlichen Artikel geschrieben.

      Die Schlussfolgerungen, die LEAP zieht, kann ich nicht in Gänze nachvollziehen. Vor allem das sehr populistische “Zwischenfazit” finde ich wenig überzeugend:

      -> Die US-Gesellschaft ist dabei, sich in zwei Klassen aufzuspalten: Eine sehr arm, die andere sehr reich. Und wer im Jahr 2007 noch zur Mittelschicht gehörte, wird in die Unterschicht abrutschen.

      Hier begehen die LEAP-Forscher den Fehler, sich nur auf die Ränder zu konzentrieren und die Mitte auszublenden. Ingenieure, mittlere und höhere Angestellte im kaufmännischen Bereich, im Bildungssystem, im Finanzsystem oder im Handel sind mE in den USA nicht “akut” vom Abstieg bedroht. Die Unterschicht wird größer, das ist wohl richtig. Aber ich finde es wenig zweckmäßig Verkäufer(innen) einer Handelskette, die schlechter bezahlt werden sollen, als typisches Mitglied der Mittelschicht zu betrachten. Das sind sie nicht – in den USA zählen “einfache” Angestellte schon lange nicht mehr zur Mittelschicht.

      Von der Immobilienkrise sind auch alle Schichten betroffen. Die Unterschicht ist direkt als Subprime-Kreditnehmer betroffen und die Oberschicht gehört tendenziell zu den Besitzern spekulativer Papiere und Anteilen von Hedge-Fonds, denen es demnächst “ans Futter” geht. Die Mittelschicht kommt noch am besten weg, da sie wohl nur in geringerem Maße direkt von den Hypothekenkrediten betroffen ist und “konservativere” Wertanlagen besitzt, als die Oberschicht. Wie gesagt – ich kann LEAP nicht wirklich folgen.

      Der Vergleich mit 1928 ist auch irreführend, da die 28er Blase iwS eine nationale Blase war, die heutigen Blasen akkumulieren allerdings den kompletten Weltfinanzmarkt. Die USA mögen immer noch der wichtigste Finanzmarkt sein, durch die Verbindungen zu anderen Märkten sind sie aber internationalisiert – auch was das Risiko angeht.

    14. tar schrieb am 4. September 2007 at 08:49 - Permalink

      Bayern LB legt Milliardenrisiken offen

      Die zweitgrößte deutsche Landesbank, die Bayern LB, ist mit Milliardenbeträgen im Krisengeschäft mit Krediten bonitätsschwacher Schuldner (“Subprime”) engagiert. Als eine der letzten deutschen Großbanken bezifferte die Bayern LB am Samstag auf Anfrage ihre Positionen im Subprime-Segment, die sich nach Angaben eines Sprechers auf 1,9 Milliarden Euro belaufen. Bei der Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen in der vorletzten Woche hatte Bayern-LB-Chef Werner Schmidt dagegen das Volumen noch nicht nennen wollen. Es entfällt zu 80 Prozent auf die höchste Rating-Klasse AAA und zu 20 Prozent auf die Klasse AA. Allerdings wird die Validität solcher Einschätzungen der Rating-Agenturen mittlerweile in Zweifel gezogen. Ihr Engagement im SubprimeGeschäft am amerikanischen Hypothekenmarkt ist jüngst unter anderem der IKB und der Sachsen LB zum Verhängnis geworden. Beide Geldhäuser brauchten milliardenschwere Notkredite.

      => http://www.faz.net/s/Rub5CAECB7768E046A3976500B4D416A560/Doc~E994DDB0A59FB4125B323A5E1394D9488~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    15. D. Krüger schrieb am 6. September 2007 at 08:46 - Permalink

      Hallo,
      auch wenn ich Kollektivdresche beziehe – doch richtige Sachsen haben diesen Sch*** nicht angerichtet – es waren und sind hauptverantwortliche Bürger aus den gebrauchten Ländern mit drittklassiger Ausbildung und viertklassiger Karriere, die in den neuen Ländern zu Ruhm und Ehre kommen wollten (oder von noch karrieregeileren Gebrauchtländerkumpeln abgeschoben – weggelobt wurden). Sie handelten nach dem ihnen anerzogenem Grundgesetz “Raffe, Raffe Häusle baue, und nur in die eigene Tasche klaue”.
      Sonst ist diesem tollen Spiegelfechter Bericht nichts schlimmes anzulasten.
      Stark bleiben!

    16. Spiegelfechter schrieb am 6. September 2007 at 09:56 - Permalink

      @D.Krüger

      Keine Angst – Dresche gibts nicht ;-)

      Aber nach Deiner Argumentation waren es vielleicht doch “richtige” Sachsen. Die “richtigen” Sachsen leben aus ethnologischer Sicht im heutgien Niedersachsen – der Freistaat Sachsen hat seinen Namen nämlich historischen Namensverschiebungen zu verdanken und weniger seinen Einwohnern, die auf Franken und Sorben zurückgehen.

      Beste Grüße von einem “richtigen” Sachsen ;-)

    17. D. Krüger schrieb am 6. September 2007 at 10:18 - Permalink

      Hallo,
      @Spiegelfechter – angekommen und angenommen ;-)
      Stark bleiben!

    18. Christian Giesecke schrieb am 26. September 2007 at 15:55 - Permalink

      Hallo Herr Berger,

      ich finde es ganz wunderbar, was Sie in diesem Blog so kundtun, so ganz wunschlos glücklich bin ich aber dennoch nicht.
      Ihre Montagen sind z.T. sehr schön, da wäre es wünschenswert, wenn da noch eine hoch aufgelöste Variante mit dranhängen würde.

      Ansonsten, weiter so, und vor allem: Öfter!

      Mit ehrlichen Grüßen,

    19. Spiegelfechter schrieb am 26. September 2007 at 16:04 - Permalink

      @Christian Giesecke

      Ich würde gerne “größere” Versionen der Montagen anbieten – nur leider kaufe ich die Rohmaterialien nicht in 300dpi ein, sondern bediene ich in frei verfügbaren Quellen, deren Auflösung leider meist keine größeren Endversionen erlaubt.

      “Öfter” würde ich ja gerne schreiben, wenn der Job und das Privatleben nicht wären ;-)


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