Der Irak in Zahlen
geschrieben am 14. September 2007 von Spiegelfechter
Präsident Bush hat endlich festgestellt, dass er ziemlich unbeliebt ist und das Volk ihm keine rosigen Prognosen über die Zukunft des Iraks abnehmen wird. Daher hat er sich ein PR-Spektakel ausgedacht, auf das die linientreuen US-Medien auch prompt hereinfielen. Er schickte den Oberbefehlshaber im Irak, General Petraeus, vor die versammelte Presse – einen Mann, der von Pepe Escobar als IPod-General bezeichnet wird, weil er Bushs Podcast runterdudeln würde, und der von seinem direkten Vorgesetzten, Admiral Fallon, im Vertrautenkreis auch mal “kleiner arschkriechender Hühnerschiss” (“ass-kissing little chickenshit”) genannt wird.
Petraeus durfte dann auch seinen “Vorschlag” für einen stufenweisen Truppenabzug kundtun. Erstaunlicherweise findet allerdings gar kein Abzug statt, da die Zahl amerikanischer Truppen im Irak bis zur Wahl des nächsten Präsidenten auf dem konstant hohem Niveau bleibt, das schon vor Bushs “temporärer Aufstockung” bestand.
Petraeus kam in seinem “kritischen” Resümee – welch Wunder – zu dem Ergebnis, dass er und sein oberster Befehlshaber im Weißen Haus eine prima Arbeit machen würden und ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen sei, was er mit fragwürdigen Zahlenspielen untermauerte. Dies erinnerte in fataler Weise an General Westmoreland, der im Vietnam-Krieg auch dann noch ein Licht am Ende des Tunnels sah (während er der Presse den neusten “Body-Count” präsentierte), als der Vietcong schon kurz vor den Toren Saigons stand.
Kritische Beobachter sind sich einig, dass Petraeus’ Zahlenspiele, so sie nicht auf falschen Zahlen beruhen, handverlesene Werte sind, die die Lage im Irak in keinster Weise widerspiegeln.
Rosinen herauspicken? Das kann nicht nur General Petraeus. Die folgenden Zahlen wurden vom US-Journalisten Tom Engelhardt in seinen drei “Iraq by Numbers” Artikeln publiziert. Die Quellen sind dort zu finden: (1) (2) (3)
Zahl der US-Truppen im Irak am 1. Mai 2003 (der Tag, seit dem laut Bush die Hauptkampfhandlungen beendet sind): 130.000- Zahl der US-Truppen im Irak im Februar 2007 (vor Bushs Aufstockungsplan): 130.000
- Zahl der US-Truppen im September 2008 (Wenn der „große“ Truppenabzug, den Bush angekündigt hat, eingehalten wird): 130.000
- Zahl der US-Truppen im Juli 2007: 162.000
- Zahl der US-Truppen im September 2007: 162.000
- Zahl der US-Truppen im Spätherbst 2007: 172.000
- Zahl der US-Truppen im Irak im August 2003, laut den damaligen Vorhersagen von Paul Wolfowitz und anderen „Beratern“: 30.000 – 40.000
- Anzahl der Nationen aus der Koalition der “Willigen”, die ihre Truppen bereits vollständig abgezogen haben: mindestens 17
- Bis zum Jahresende dürften wohl alle „Willigen“, außer den USA und GB, ihre Truppen vollständig abgezogen haben.
Anzahl der Monate, die es noch dauern wird, bis die irakische Armee unabhängig ihre Aufgaben erfüllen kann:
- mindestens 24 (laut eines aktuellen Kommisionsbericht für den Kongreß)
- weniger als 6 (laut Donald Rumsfeld im Okober 2003)
- 12 (laut General Casey im Oktober 2006)
- Summe, die Bushs “Aufstockungsplan” zusätzlich kosten sollte: 50 Mrd. US$ (hinzu kommen 147 Mrd. US$, die über den Nachtragshaushalt für die Kriege im Irak und in Afghanistan allein für dieses Jahr veranschlagt werden)
- Kosten des Irak-Krieges pro Woche: über 3 Mrd. US$
- Kosten des gesamten Irak-Krieges: zwischen 1.000 Mrd US$ und 1.500 Mrd US$ (je nach Szenario)
- Kosten für das Pentagon, um zwei Unterlegscheiben á 19 Cent in den Irak zu verschiffen: 998.798 US$ (Rechnung eines Vertragsunternehmens, das das Pentagon betrügen wollte, da es wußte, dass finanzielle Details dort kaum überprüft werden)
- Summe, die den britischen Sicherheitsunternehmen Aegis und Erinys bezahlt wurde, um das US-Ingenieur Corps im Südirak zu beschützen: 548 Mio. US$ (200 Mio. über dem Budget). Davon werden 2.000 Söldner bezahlt.
- Prozentanteil der Teammitglieder der, 2 Mrd. US$ teuren, Provincial Reconstruction Teams, die die nötigen Qualifikationen hinsichtlich kultureller und sprachlicher Fähigkeiten mitbringen: 5%
- Anzahl der Söldner im Irak, die von den USA bezahlt werden: über 180.000
- Summe, die die Firma KBR, eine Tochter von Halliburton, seit Kriegsbeginn der US-Regierung in Rechnung gestellt hat: min. 20 Mrd. US$ (3,2 Mrd. davon ohne Beleg und/oder zu unrecht)
Prozentsatz der getöteten US-Sodaten, die 2004 durch IEDs (Sprengfallen) getötet wurden: 33%- Prozentsatz der getöteten US-Sodaten, die 2007 durch IEDs (Sprengfallen) getötet wurden: 80%
- Summe, die das Pentagon in IED-Warntechnik im letzten Jahr investiert hat: 1,6 Mrd. US$ (6 Mrd. seit Kriegsbeginn)
- Herstellungskosten eines IED: „So viel wie eine Pizza“ (lt. Newsweek)
- Kosten 2005, einen Iraker anzuheuern, um einen erfolgreichen IED-Anschlag auszuführen: 100 US$
- Kosten 2007, einen Iraker anzuheuern, um einen erfolgreichen IED-Anschlag auszuführen: 40 US$
- Prozentsatz der West-Point Absolventen, die nach der Mindestdienstzeit von 5 Jahren die Armee verlassen (2007): 46% (dies sind 54% mehr als im Vorjahr)
- Prozentsatz der 1.320 befragten US-Soldaten im Irak, die ihre Moral mit „niedrig“ oder „sehr niedrig“ bewerten: 45% (nur 7% bewerteten ihre Moral mit „hoch“ oder „sehr hoch“)
- Zunahme der Anzahl der Desertationen in der US-Army im Jahr 2006: 27%
- Anzahl der US-Bundesstaaten, in denen die Army National Guard mittlerweile autorisiert ist, auch diejenigen zu rekrutieren, die in den Aufnahmetests sehr schlecht abschnitten: 34
- Prozentsatz der irakischen nationalen Polizei, der schiitisch ist: 85%
- Anzahl der Gefangenen in US-Gefängnissen im Irak: 24.500 (davon 85% sunnitisch)
- Anzahl der ausländischen Jihad-Verdächtigen in diesen Gefängnissen: 280 (davon sind fast die Hälfte Saudis)
- Anzahl der 11-17jährigen in diesen Gefängnissen: 800
- Summe, die in der al-Anbar Provinz für Aufbauprojekte ausgegeben wurde: 363 Mio. US$
- Prozentsatz dieses Geldes, das laut Schätzungen an sunnitische Widerstandskämpfer und Al-Quaida als Schutzgeld bezahlt wurde: 50%
- Geschätzte Anzahl der Al-Quaida Kämpfer im Irak: 850 bzw. 2-5% der sunnitischen Widerstandskämpfer
- Anzahl der Erwähnungen des Wortes „Al-Quaida“ in Bushs Rede zur Lage des Iraks im Juli 2007: 95
Arbeitslosenquote in Falludscha, das von der US-Army 2005 zu ¾ zerstört wurde: über 80%- Zunahme der Alkoholkranken im Irak, die behandelt werden müssen (2007): 34%
- Prozentsatz der Bagdhader Kinder von 3 bis 10, die in den letzten zwei Jahren ein schweres traumatisches Erlebnis hatten: 47%
- Summe, die ein Haushalt in Baghdad durchschnittlich pro Monat für ein paar Stunden Strom pro Tag ausgeben muss: 171 US$ (der Durchschnittslohn beträgt 400 US$)
- Anzahl der Ärzte, die seit Kriegsbeginn Irak verlassen haben oder getötet wurden: 14.000 (von ehemals 34.000)
- Prozentsatz der Wasserbauingenieure, die seit Kriegsbeginn Irak verlassen haben oder getötet wurden: 40%
Anzahl der getöteten irakischen Zivilisten im August 2007: 1.809 laut Associated Press – die höchste Zahl dieses Jahr- Durchschnittliche Zahl der Todesopfer durch politische Gewalt pro Tag (2007): 62
- Durchschnittliche Zahl der Todesopfer durch politische Gewalt pro Tag (2006): 37
- Anzahl der Iraker, die 2007 jeden Monat aus ihrem Heim vertrieben wurden: 100.000
- Anzahl der Flüchtlinge im Irak während der “Aufstockphase”: über 600.000
- Prozentsatz der Flüchtlinge, welche unter 12 Jahren sind: 55%
- Anzahl der Iraker, die im Exil in einem Nachbarland leben: 2,5 Mio.
- Anzahl der Iraker, die 2007 in die USA ausreisen “durften”: rund 1.000
- Anzahl der Iraker, die nach Syrien flohen: 1,5 Mio.
- Anzahl der Iraker, die seit Kriegsbeginn getötet oder vertrieben wurden: über 4 Mio. (übertragen auf Deutschland wären dies rund 10 Mio., also ganz Baden-Württemberg)
- Summe der nachgewiesenen Ölreserven im Irak: 115 Mrd. Barrel
- Wert dieser Ölreserven: 6.900.000.000.000 US$ (bei 60 US$ pro Barrel)
Noch Fragen?
Jens Berger
| Tags: Irak USA | |
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Kommentare
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Nein. ;-)
Hier noch eine beeindruckende Zahl: http://www.simoncolumbus.de/?p=302
Pax
quote Kritische Beobachter sind sich einige, dass Petraeus Zahlenspiele, so sie nicht auf falschen Zahlen beruhen, handverlesene Werte sind, die die Lage im Irak in keinster Weise widerspiegeln. unquote
they don’t call him General BetrayUs for nothing, u know.
Anzahl der Generationen bis zur ersten Stufe einer Versöhnung der Beteiligten: mindestens 3 (würde ich mal schätzen)
Ich würde positiver kalkulieren als amazeman, denn:
Eines Tages werden sie aufwachen und verstehen.
Danke für die Zahlen, aber was sind Irakis? Die Bewohner des Irak nennt man Iraker. Ich bitte die Pingeligkeit zu entschuldigen, es klingt aber einfach zu fürchterlich.
Gruß, Xam
@ Xam
Ganz dünnes Eis, mit der Lektorin ist nicht gut Kirschkernessen. ;-)
Guckst du mal bitte hier:http://www.duden.de/duden-suche/werke/fx/000/080/Iraki.80355.html
Pax
@ #8+#9
Xam: Entschuldige, – ich bin heute leider noch nicht zum Lektorieren gekommen :( Persönlich bervorzuge ich natürlich ebenfalls “Iraker”, auch wenn “Irakis” neuerdings nicht mehr falsch scheint, wie “Corax” freundlicherweise verlinkt hat. Da hat IMHO der Autor aber anzunehmenderweiseeinfach zu viel englischsprachige Quellen studiert, weshalb er die “Iraqis” wohl einfach eingedeutsch hat ;-)
Corax: Danke für den Link. Warum aber ist mit mir “nicht gut Kirschen essen”? Ich bin doch soo ein Seelchen :))
Übrigens: Es heißt bitte “Kirschenessen” oder “Kirschen essen”, niemals aber “Kirschkernessen” :-P
Gruß von der Lektorin, die sich jetzt gleich mal über Jens’ “Irakis” hermachen wird ;-)
P.s.: Im Sinne einer einheitlichen Sprachgestaltung plädiere ich doch für “Iraker”, es spricht ja schließlich auch keiner von “Iranis”!
@ Seelchen
rofl
Das “Kirschkernessen” war Absicht meinerseits, weil ich den Artikel sofort gelesen habe, und offenbar irrtümlich davon ausging er wurde anschließend von dir bearbeitet. Kannst die Zunge also wieder einziehen.
Frag den Cheffe er wird dich sicher aufklären.
Stück Christstollen gefällig?
Pax :-)
@Hanni und Xam
Auch wenn meine Lektorin (wie immer) recht hat – Irakis ist auch im Deutschen korrekt.
btw.: eins meiner Lieblingswörter ist und bleibt “guatemaltekisch” !
@ #12:
Doppelt falsch, Cheffe:
a) hat die Lektorin natürlich nicht “immer recht”, sondern nur gelegentlich… :-P
und
b) habe ich ja bereits konzediert, daß “Iraki” im Neodeutschen lt. “Duden” mittlerweile hoffähig scheint!
Wenn Du mich fragst, – der Begriff ist trotzdem ein Fehlgriff, da:
“Im Sinne einer einheitlichen Sprachgestaltung plädiere ich doch für “Iraker”, es spricht ja schließlich auch keiner von “Iranis”!”
Hannilein :-P
P.s.: “Korrekt”? Sicherlich. “Sinnvoll”? Nein! (Und von Sprachästhetik möchte ich erst gar nicht anfangen…)
“11 corax
Your comment is awaiting moderation.”
Hab ich was verbrochen? :-(
@13 Hanni
Paragraph 1: Die Lektorin hat immer recht
Paragraph 2: Sollte die Lektorin mal im Unrecht sein, gilt Paragraph 1!
Ich beuge mich Eurer grammatikalischen Kenntnisse – Chapeau!
@14 corax
Nö – ich bin selber ratlos?!?
Du musst wohl irgend ein Wort in Deinem Beitrag gehabt haben, das laut meines Spam-Filters “bäh” war. Frag mich bitte nicht, welches und warum? Ich weiß es auch nicht – die IT ist viiiieeeel klüger als ich ;-)
Und das alles wegen 2 abgerissener Bürotürme und 1 vergessenen Evakuierung ?
In einem Land das nichtmal ansatzweise etwas damit zu tun hatte ?
Hmm…
@Martin
Nö, es ging doch um diese verflixten WieÄhmDies, die dieser fiese Saddam nicht rausrücken wollte. Nun gut, er konnte sie nicht rausrücken, weil er keine hatte. Aber wie hätten Bush und Co es denn auch ahnen können, dass sie derart mies von ihren Geheimdiensten hinters Licht geführt wurden ;-)
Die letzte Zahl erklärt alle anderen.
#11, Corax:
Huch, habe Deinen Beitrag erst jetzt gesehen :-O
Den Cheffe zu fragen, halte ich allerdings für nicht sehr vielversprechend, da er das mit den Kirschkernen wohl selber gar nicht bemerkt hat ;-)
(Habe das einfach mal ohne Rücksprache korrigiert *g*)
Tschühüß :))
hannilein
“Prozentsatz der US-Sodaten, die 2007 durch IEDs (Sprengfallen) getötet wurden: 80%”
???
Da erübrigt sich wohl der Truppenrückzug, wenn kaum noch jemand lebt …
@ #23
80% der getöteten us-soldaten wurden durch IEDs getötet..nich 80%
der stationierten kräfte;)
@24: Beruhigend. Naja, nicht wirklich. Nur: so steht es da nicht, und ohne Hintergrundwissen käme man gar nicht auf die Idee, daß es so gelesen werden muß.
@ Peter Krause / 25:
Naja, 80% der Streitkräfte wären schon sehr viel mehr als real – und läge weit über den üblichen Verlustraten in früheren Kriegen, selbst Vietnam hat diese Zahlen bei weitem nicht erreicht.
Ich mein ja nur: man sollte denen, die die Zahlen bestreiten wollen, möglichst wenig Angriffsfläche bieten.
(“Zahl der TRUPPEN: 130.000″ finde ich auch nicht so glücklich formuliert.)
Hallo allerseits!
Is ja prima, vom gemütlichen Sessel aus Zahlenspiele zu betreiben…
aber wie wäre es, wenn hier mal jemand eine Alternative vorschlagen würde?!
Totalabzug? Jetzt? Sofort? Wohl nich ernsthaft…
Ja, es ist richtig, der ganze Krieg war ein völkerrechtlich ein Verbrechen, und militärisch gesehen ein Debakel. Aber das Kind ist jetzt nunmal in den Brunnen gefallen…
Die USA können den Irak jetzt nich ohne weiteres verlassen…
1. Das Land versinkt auf die nächsten 20 Jahre im Chaos…also mehr deutlich mehr als jetzt.
2. Fundamentalistische Bekloppte…egal welcher Art…fühlen sich in ihrem Kampf gegen die westliche Dekadenz und westliche Lebensweise bestätigt. Nun kann man den Kampf auch auf andere westliche Staaten ausdehnen…
so, ich könnte hier bestimmt noch ein paar tolle Folgen ausführen…dafür mir jetzt aber die Lust.
Tatsache ist, dass es keine Alternative zum Verbleib der US – Soldaten im Irak gibt… falls doch, würde ich diese gerne einmal hören.
Und nein, ich bein kein Amerika Freund…
Grüße, schub
In Bosnien mussten die Soldaten
@Peter Krause
Die erste bemängelte Formulierung habe ich geändert – Du hast recht. Die Formulierung “US-Truppen” finde ich allerdings ok ;-)
@Schub
Eine Alternative unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Zielen? Was solle erreicht werden?
Das Maximalziel der USA ist nicht mehr zu erreichen – das ist ausgeschlossen. Also müßen sich die USA auf Nebenziele konzentrieren. Und das ist sehr komplex, da die Faktoren sehr komplex sind. Ohne eine klare Formulierung der einzuhaltenden Bedingungen kann ich Dir pauschal keine Antwort auf diese Frage geben. Nenne mir diese Bedingungen (z.B. Ölexport unter US-Kontrolle, Eindämmung des iranischen Hegemonialstreben, Stabilität in den sunnitischen Nationen, Demokratie und freie Märkte), so gebe ich mir mühe eine Alternative zu formulieren.
(Ich hab keine Ahnung von Militärjargon. Ist ein einzelner SOldat bereits eine Truppe? Müßte es nicht Truppenstärke heißen? Egal, nicht so wichtig.)
Zu den Bedingungen:
Es wurden Befürchtungen geäußert, daß der Irak ohne die US-Truppen im Chaos versinken würde. Also, noch mehr als bisher muß das wohl heißen.
Für mich wäre die Bedingung also ein Mindestmaß an innerer Stabilität.
Zwar kann es in der Beziehung fast nur besser werden, aber wie erreicht man das?
@ Peter Krause
Imho müsste es nicht US-Truppen sondern Truppen heißen.
Der Irak als Ganzes kann nur durch starken Druck stabil gehalten werden, wie von der Baath-partei praktiziert. Meiner Meinung nach ist der Irak als Nationalstaat nicht mehr zu halten. Ruhe kehrt erst ein wenn die Kurden ihr Territorium souverän erhalten bei gleichzeitigem Druck auf die Türkei sich da herauszuhalten. Der sunnitische Nordwesten wird eigenständig eventuell mit Schutzmacht Syrien und der schiitische Südosten unter Iranischem Einfluß auch. Und das Öl muss so aufgeteilt werden, dass man der Bevölkerung glaubhaft machen kann das sie zumindest den größten Teil der Einnahmen erhalten.
Das ist aber so ziemlich das genaue Gegenteil von dem was die Amerikaner wollten, bloß – das hätten sie sich vorher überlegen müssen.
Wenn man zynisch wäre könnte man meinen es sei US Strategie solange auszuhalten, bis die Irakische Bevölkerung soweit geflohen ist, dass Blackwater im Auftrag der Ölmultis das Gebiet eigenständig kontrollieren können. Spiel auf Zeit halt.
Pax
@Peter Krause und corax
Corax hat eigentlich schon alles wesentliche gesagt. Faktum ist, dass ein stabiler Irak (egal, aus wie vielen souveränen oder unsouveränen Staaten er besteht) nur möglich ist, wenn man den Schiiten glaubhaft versichern kann, ihre Interessen zu schützen. Das wiederum wird nicht möglich sein, ohne Iran einzubinden. Diese conditio sine qua non, lehnen die Amerikaner aber grundsätzlich ab – sie sprechen ja nicht einmal mit Teheran. Die Idee eine schiitische “Einheitsregierung” mit einer schiitischen Armee und einer schiitischen Nationalpolizei zu bilden, kann ja als gescheitert gesehen werden. Die Suniten lassen sich dies nicht gefallen – und die “Erfolge” in der Anbar-Provinz sind nichts als PR-Blendwerk. Dazu der lesenswerte aktuelle Artikel von Pepe Escobar: “Behind the Anbar myth”
Wie ich gerade eben lese, ist Sheikh Abu Rish ermordet wurden – das wird neue Unruhen in der Anbar-Provinz unausweichlich machen. Armer Irak.
@Schub und Peter Krause
Über die Exit-Strategie der Amerikaner hatte ich schon mal einen Artikel geschrieben.
Sehr gute Hintergrundinformationen über die Nahost-Politik der USA, vermittelt der Artikel :”Die Neuausrichung” von Seymour Hersh.
Der Ölpreis ist bei 80 US Dollar pro Barrel angelangt. Ich glaub das äündert die letzte Zahl noch einmal “geringfügig”
@ #31, 33 und 34, sprich: für Peter Krause, Corax und den “Cheffe”:
Es gibt zum Thema “Irak befrieden” bereits einige ‘Insider-’Aussagen von IRAKERN, – so IIRC beim “Freitag”, beim “Friedensratschlag” u.a.
Der Tenor scheint immer derselbe: Zuerst müssen die Besatzer raus, danach wird eine interne (sic!) Übereinkunft herbeigeführt!
Selbst, wenn auch dies nur Wunschdenken (oder: Propaganda) sein sollte, – was ist denn die Alternative? Für weitere Jahrzehnte ‘drinbleiben’, Menschen én gros töten, selber unannehmbare Verluste haben und ein – stetig wachsendes – Feindbild für die “Dritte Welt” liefern?
Nee, – dies ist eine “loose-loose”-Situation, die m.E. nur durch einen zügigen Abzug halbwegs beendet werden kann! Vom Schaden, den das (unter vielen Opfern enstandene) internationale Recht durch diese erneute flagrante Verletzung der Souveränität der Staaten, und des Selbstbestimmmungsrechtes der Völker, erlitten hat, möchte ich um diese Uhrzeit nicht mehr anfangen zu sprechen…
Ermüdet!
hanni[k]lein
Den Artikel “Exit-Strategie Bürgerkrieg” habe ich damals gelesen und weiterempfohlen.
Doch er trägt zu meinem Pessimismus bei, daß die Situation sich auch nach Abzug der ausländischen Truppen nicht verbessern wird. Das heißt natürlich nicht, daß sie drinbleiben sollten.
Immer wieder interessant zu lesen, wie man mit Arguementen taktiert, die selbst selbst pure Propaganda sind:
Die These, der Irak versinke im Chaos ist pure Propaganda, die darauf abzielt, die Besatzung im Irak zu rechtfertigen, und so zu tun, als ob die Iraker abstrakt allgemein noch irgendwelche weiteren Segnungen aus der westlichen Rauballianz benötigen würden. Der Iraker als abschlachtbares Kleinkind: so süsse Segnungen verkauft nicht einmal der Spiegel.
Dieser euphemistische Rassismus behält natürlich als Abzugsbedingung den exklusiven Zugriff auf das irakische Öl und eine direkte, verschleierte Truppenpräsenz im Verhandlungs- und Erpressungspaket.
Fakt ist: es gibt genügend national ausgerichtet irakische Widerstandsgruppen, die sich sowohl gegen die Dominanz der westlichen Rauballianz, als auch gegen den Einfluss des Iran durchsetzen werden, mit allen blutigen Konsequenzen, für die westlichen Besatzungstruppen historisch, politisch und juristisch verantworlich sind. Wer sich einbildet, er müsste nach zwei Millionen Toten auf irakischer Seite, nach dem Shake Hands mit Rumsfeld, und den Waffenlieferungen aus Deutschland noch irgendwelches Chaos beschwören zu müssen, wischt seine persönliche Verantwortung zweckgerichtet und zynisch berechend einfach von dannen.
@spiegelfechter
“Faktum ist, dass ein stabiler Irak (egal, aus wie vielen souveränen oder unsouveränen Staaten er besteht) nur möglich ist, wenn man den Schiiten glaubhaft versichern kann, ihre Interessen zu schützen. Das wiederum wird nicht möglich sein, ohne Iran einzubinden. Diese conditio sine qua non, lehnen die Amerikaner aber grundsätzlich ab – sie sprechen ja nicht einmal mit Teheran. Die Idee eine schiitische “Einheitsregierung” mit einer schiitischen Armee und einer schiitischen Nationalpolizei zu bilden, kann ja als gescheitert gesehen werden.”
Diese Bewertung stimmt doch nicht: Al Sadr (als Vertreter der verarmten schiitischen Massen) und seine schiitische Partei, sind in aller erster Linie nationalistische Iraker, denen der Einfluss des Irans genauso supekt ist, wie die Besatzungstruppen aus dem Westen. Sie spielen momentan bei Gruppierungen gegeneinander aus ,was mehr als verständlich unter den dortigen Bedingungen ist. Der nationalistische Aufmarsch im April 2007 mit Huntertausenden in Naschaf und Kufa sprach Bände in Bildern, deren Bedeutung man sich bewusst sein sollte.
Ich denke wir sind uns einig, dass das Kind in den Brunnen gefallen ist. Das ist nicht neu.
Was mir aber fast mehr Angst macht sind da gewisse Lösungsansätze ..
“Sofortiger Abzug” bedeutet doch nur, dass sich die Terroristen, die sich jetzt an den Amis abreiben künftig untereinander ärgern werden. Die irakischen Sicherheitsorgane, wenn man sie so nennen will, sind der Lage doch in keinster Weise gewachsen und niemand weiss, wie loyal sie sein werden sollten die Koalitionstruppen, die derzeit das Lasttier der Aktionen sind, abziehen. Für mich winkt da ein Nachkriegsszenario, in dem unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen Schiiten und Sunniten, unterstützt von gleichgesinnten Gruppierungen aus den Anreinerstaaten, um Vorherrschaften kämpfen – ohne dass international noch eingegriffen werden könnte.
“Aufteilung nach ethnischen Volksgruppen” bedeutet Separation und Umsiedlungen, solange die Ethnien nicht klar getrennt sind. Splittergruppen wie die Kurden im Norden werden in irgend einer form berücksichtigt werden müssen. Und ein rein schiitischer Staat wird sich sehr dem Iran annähern was auch keine Hoffnung wecken mag. Sowieso werden Nachbarstaaten direkt und indirekt natürlich einfluss auf so geschaffene Kleinstaaten nehmen.
“Drinbleiben” klappt aber auch nicht mehr auf Dauer, der Konflikt ist in einem Stadium, in dem er sich allein mit Militärgewalt nicht lösen lässt. Zudem werden notwendige Änderungen unter dem Klima der aufkommenden Wahlen natürlich verlangsamt, durch die penible Berichterstattung stehen Aktionen im Irak eh per se unter Beschuss.
Das Kind ist nicht in den Brunnen gefallen:
Dieses Kind, um in diesen Bildern zu schreiben, wurde nicht einmal brutal in den Brunnen geworfen: Kind ist so schon ein arrogantes westliches Bild, für einen Irak, der bespielhaft entwickelt war ,für den gesamten nahen Osten: das Gesundheits und Bildungssystem, dem jetzt noch obendrein so ein unglückliches Schicksal angedacht werden darf, weil man es Verbrechen nicht nennen will ?
Hier von Unfall schreiben zu müssen ist eine blutige Verharmlosung des tatsächlichen Geschehens, die noch auf die Spitze getrieben wird, wenn man so tut, also ob die eigene “friedliche” Lösung irgendwie neutral dahergelaufen käme, als ob sich nicht nach westlichen Verwertungsmaßstäben determiniert wäre.
Fest steht, die Iraker lehnen eine ausländische Einmischung definitiv an: sowohl die westlichen Besatzungstruppen, als auch den Einfluss des Irans. Dafür sind in den Familien seit fast 30 Jahren zu viele Tote zu beklagen, zuviel Leid geschehen und die säkulären Auswirkungen der Sadam Diktatur noch zu deutlich. Ali as-Sistani als religiöser schiitischer Führer lehnt den Iran in seiner Regierungsform ab, und Abd al-Aziz al-Hakim, als das iranisches Sprachrohr im Irak weiss genau ,dass der Wahlerfolg von SCIRI (Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq) nur vom Aufruf von as-Sistani für die Wahl abhing. Wie stark der nationale Einheitsgedanke immer noch in den Köpfen der Iraker verhaftet ist, bewiesen nicht nur die Demonistrationen Al Sadr.
Wer eine westliche Teilungsvariante im Irak daherschreibt, hat im Hinterkopf nur die Vorstellung, möglichst opitmal die Erdölreserven verwerten zu können. Diese ursprünglich aus neokonservativen Kreisen angedachte “Lösung” entspricht zufällig auch den iranischen Vorstellungen: nur mit denen der Iraker hat sie nichts gemeinsam.
lösungsvorschlag meinerseits: der irak wird offiziell 51. bundestaat der usa und die bevölkerung nach palästina umgesiedelt.
naja vielleicht auch nicht, aber mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein.
@ 19&20: sry, kommt ein wenig spät, aber ich erinnere mich an eine dokumentation in der g.w. bush ungefähr folgendes gesagt hat:
wir wußten von anfang an das der irak keine wmd’s besitzt, aber wie hätten wir sonst eine invasion rechtfertigen können?
ich erinnere mich leider nicht in welcher dokumentation dieser satz gefallen ist bzw. ob die formulierung so richtig ist. ist ja inzwischen eigentlich auch egal… weiß jemand wo man den ausschnitt noch finden kann?
@Name
“Fakt ist: es gibt genügend national ausgerichtet irakische Widerstandsgruppen, die sich sowohl gegen die Dominanz der westlichen Rauballianz, als auch gegen den Einfluss des Iran durchsetzen werden, mit allen blutigen Konsequenzen, für die westlichen Besatzungstruppen historisch, politisch und juristisch verantworlich sind.”
Falls die Fakt ist bleiben ein paar Fragen übrig. Die erste wäre die nach der Methode der “Widerstandsgruppen” (auch so ein westlicher Begriff, der harmlos ausschaut)? Die nächste Frage wäre die nach der Akzeptanz einer tatsächlich unabhängige Regierung (nicht nur von den USA) im Irak, deren Staatsautorität auch beim Thema Gewaltenteilung eindeutig ist von eben jenen “Gruppen”. Wie sieht es damit aus?
Öl klebt, dennoch, rein theoretisch. Angenommen, die westlichen Truppen zögen binnen weniger Wochen komplett ab. Welche, möglicherweise neuen “Gruppen” (Iran?, Syrien?, Türkei?, Genossen aus ‘alter’ Zeit?) träten auf der irakischen Bühne auf, würden die westlichen Truppen das Land relativ spontan einem Machtvakuum überlassen? Wieviel zusätzliche Gewalt und/oder Instabiltiät würde dies zumindest kurzzeitig prodzuieren?
Ich befürchte, es gibt keine einfache Antworten, keine schnelle Lösungen und schon gar keine Konzepte, wie sich die Region in Gänze entweder aus sich selber heraus oder unter Einmischung der restlichen (westlichen) Welt in einen gewaltfreien, stabilen Lebensraum wandelt. Solange man in der Region den Westen dafür verantwortlich macht, das die Herrscher der Region die Zukünfte ihrer jeweilgen Gesellschaften verjubeln. Das spricht den Westen nicht frei, aber die Generalanklage in diese eine Richtung hilft auch nicht.
@misterL
Der Westen war und ist für die Sitituation im Irak absolut und umfassend verantwortlich: seit Carters Sicherheitsdoktrin, die den Nahen Osten mit seinen Erdölreserven als Lebensader für die Vereinigten Staaten “definfiniert” ist der westliche Einfluss , in Form von offenen und verdeckten Kriegen, in dieser Region der entscheidene friedenshemmende Faktor für die gesamte Region.
Die Familie Saud gebe es ohne amerikanischen Einfluss in der Region nicht, genausowenig wie die Regime in Ägypten, in Kuweit oder im Iran.
Fest steht, dass die amerikanischen Eliten (gleichgültig ob in republikanischen oder demokratischen Farben) überhaupt nicht daran interessiert sind, die erwartete Erdölkriegsdevidende von 6.900.000.000.000 US$ aufzugeben. Der Raubzug ist immer noch ein günstiges billiges Geschäft, sieht man sich die nackten Zahlen an, und schiebt die Millionen von Toten im stalinischen Sinne auf die Statistik.
Bush hat sich jetzt erneut festgelegt: man bleibt im Irak und der Krieg geht weiter, obwohl er längst verloren ist: Sie begreifen gar nicht, dass eine Verwertung des Erdöls gegen den Willen der Bevölkerung unmöglich ist, und bilden sich ein, ihre militärische Überlegenheit könnte diese auch langfristig erzwingen.
Ganz Irre aus dem konservativen amerikanischen Lager haben ja schon als Ohnmachtsvariante einen Atomwaffeneinsatz gefordert, damit wenigstens niemand in den Genuss der Erdölbeute kommt.
Schaut man sie die Versuche der irakischen “Regierung” an, so sieht man selbst da die Tendenzen eine nationale Lösung ohne amerikanischen Einfluss finden zu wollen. (Blackwater fliegt vielleicht raus aus dem Irak: was das strategisch für die Vereinigten Staaten bedeutet, kann sich jeder ausmalen, der die Zahlen amerikanischer Söldner und ihre privatisierte Kriegsführungsaufgabe kennt)
Diese Aussage an sich ist schon eine kleine politische Revolution, und vielleicht das Todesurteil für Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki, und zeigt, wie stark der originäre nationale Einfluss momentan.
@Name
Ich gehe mal davon aus, es hätte keine “Doktrin” bedurft, um die die “Erdölreserven als Lebensader für die Vereinigten Staaten” zu sehen. Es ist die normative Kraft des Faktischen.
Man kann es heute leicht und locker auf die gesamte Welt ‘eingrenzen’. Ohne Erdöl geht nicht in dieser Welt der Wirtschaft, so wir sie uns gebastelt haben.
In Verbindung damit steht Macht, Einfluss, die Reichtum.-/Armut-Verteilung und letzlich die bestimende Grösse zu sein, wenn es darum geht die Welt von heute und morgen und wie sich drehen soll. Darin haben die USA, der Westen aber auch Asien und Südamerika und Australien die wesentlichen Karten in der Hand.
Welche Firma im Hintergrund dabei in welchem Land ihren Sitz hat und die Politik wie Politiker (mit-)bestimmt, ist an sich völlig egal. Fakt ist, die Bürger(Innen) der Lieferanten in der arabischen Welt profitieren von diesem ‘Schatz’ am Wenigsten. Die Länder bezahlen ihn mit instabilen Lagen, Folterregimen und mittelalterlichen Fundamentalisten in wichtigen Positionen der Gesellschaft.
Wenn sie auf die Strasse gehen, dann brennen US-Flaggen irgendwelche Puppen oder es geht gegen Isreal und die USA oder gegen des ungläubigen Westen u.s.w.us.f. So berechtigt Aufgehren gegen westliches Verhalten speziell oder generell ist/sein mag, so sehr muss sich die arabische Welt selber fragen, warum bei ihnen Gewalt, Instabilität so viel Platz findet und gleichzeitig mittelalterliche Staatsformen seit an seit mit Diktaturen in ihren Heimatländern zu keiner Zeit Ziel inneren, nachhaltigen Aufbegehrens sind.
@misterL
Also mit Floskel ala “normative Kraft des Faktischen” zu spielen, welche so auch beim alten Nazijuristen Carl Schmitt (“Der Führer schafft Recht”) zu finden ist, zeigt nur, wie ahistorisch ihre gesamte Sichtweise ist, wie obrigkeitsgläubig und demütig sie dahergelaufen kommt.
Wer so im allgemeinen Unsinn schwimmt, braucht sich über falsche Lösungsansätze nicht wundern und schwadroniert ansonsten in der zerrütteten Sonne des Unwissens, der nicht mal einer Erkenntniss bedarf. Tja, ahistorischer Unsinn ist halt in Mode.
“Welche Firma im Hintergrund dabei in welchem Land ihren Sitz hat und die Politik wie Politiker (mit-)bestimmt, ist an sich völlig egal.”
Unsinn : dann erklären sie mal ganz schnell, warum in allen westlichen Industriennationen, die entscheidenen global tätigen, nationalen Konzerne, im Energiesektor, Rüstungssektor, im Bankensektor, im Automobilsektor nach nationalen Kriterien und mit nationalen Vertretern (egal ob Frankreich, Russland, Deutschland, Vereinigten Staaten, GB, Japan usw) in den entscheidenen Funktionen durchsetzt sind, warum überhaupt es überhaupt einer juristischen Zuordnung in Form einer Sitztheorie bedarf, wenn der bürgerliche Nationalstaat, der idelle Gesamtkapitalist keine Bedeutung hat und dann erklären Sie gleich mal dazu, warum die Eigner der Konzerne so sehr um Einfluss auf diesen nationalen Staat oder deren supranationale Gebilde und deren Vertreter einwirken, was Ursache dafür ist, dass sich die privaten Eigner der Konzerne die lobbyistische Interessenvertretung direkt und indirekt Milliarden kosten lassen ?
Ach ja, um es mal knallhart auf den Punkt zu bringen:
ohne die amerikanischen Milliarden an Waffen und Unterstützungshilfe von Dollar jährlich für die Regime im Nahen Osten, gäbe es keines diesen: kein einziges: Ihre gesamte Funktion, ihre industrielle und wirtschaftliche Ausrichtung beruht auf die Aufgabe, die westlichen Staaten mit Öl zu versorgen. Nationale Alleingänge, die dieser Aufgabe entgegenstanden und stehen, werden brutal unterdrückt. Das sind historische Tatsachen und darum darf der Iran auch militärisch nie in der Lage sein, atomare Waffen zu besitzen.
@Name.
Der Unsinn
“Unsinn : dann erklären sie mal ganz schnell, warum in allen westlichen Industriennationen, die entscheidenen global tätigen, nationalen Konzerne, im Energiesektor, Rüstungssektor…”
ist, anzunehmen, dass es sich dabei um “nationale Konzerne” handelt. Es sind international ausgelegte Konzerne, denen es im Prinzip egal ist wo sie ihren Sitz haben. Ob die Herren (seltener Damen) am Regierungstisch in Washington, London, Paris, Tokio, Peking oder Berlin sitzen ist im Ergebnis egal. Die Interessen an einer gesicherten Rohstoff und Energieversorgung durch Öl ist in Europa, den USA oder Asien ist identisch. An Waffenlieferungen verdienen all diese Länder ebenso.
“ohne die amerikanischen Milliarden an Waffen und Unterstützungshilfe von Dollar jährlich für die Regime im Nahen Osten, gäbe es keines…”
Ich denke, Sie meinen es gäbe keines dieser Regime. Das mag vielleicht so sein.
Aber – was ändert das daran, dass sich die (eine noch zu bildende ?) Zivilgesellschaft in der arabischen Welt damit beginnen muss lautstark und wehrhaft die eigene Geschicke gegen ihre Regime selbst in die Hand zu nehmen? Der Punkt ist hier “gegen ihre Regime”. Dazu (Regime) zähle ich übrigens auch den fundmentalen Steigbügelhalter (Glaubensmissbrauch) all dieser Regime.
Jeder Ansatz gegen die internationalen ‘Sponsoren’ der Regime macht es sowohl den ‘Sponsoren’ wie den Regimen leicht zu überstehen. Sie meinen das sei zynisch?!?
Mag so klingen, aber eins gilt dennoch: der nächsteliegende (und wichtigste) Gegner ist das eigene Regime, das einen unterdrückt. Wenn Sie den letzen Satz des vorletzten Absatzes hier noch einmal wirken lassen…
Das dieser(!) Iran keine Atomwaffen haben sollte, sehe ich auch so. Andere Staaten hätten sie besser auch nicht. Dennoch bin ich mir sicher, das ein der Welt zugewandter Iran überhaupt kein Problem hätte sein Öl in Dollar oder Euro an den Westen zu verkaufen. Ein stabiler, gewaltfreier, demokratischer Staat islamischer Prägung wäre wahrscheinlich ein sehr begehrter Handelsparnter weit über das Öl hinaus.
Wenn man sich erinnert wie gerne der Westen Lybien wieder als Partner aufgenommen hat, obwohl Lybien davon meilenweit entfernt ist, so darf man davon ausgehen, das ein vertrauensvoller und stabiler Partner von Interesse für die westliche Welt ist bzw. ihrem Liebsten (Geldscheine) sind.
Für den Irak dürfte dies ebenso gelten.
Der Zauberbegriff ist: stabile, gewaltfreie und demokratische Zivilgesellschaft islamischer Prägung. Daran hapert es. Das macht es den USA, die Sie meinen, unendlich einfach so zu wirken wie sie wirken.
Wieviel US$ für den Support der Regime fliessen von den Regimen (in-)direkt in die Unterstützung von Terror gegen die US$-Lieferanten und Instabilität der gesamten Region? Falls dem so ist, warum gibt es keine funktionierende Aufklärung der islamischen Welt für die islamische Welt mit Konsequenzen innerhalb der islamischen Welt?
Neben der wahrscheinlich desaströsen US-Politik in der Region seit Jahrzehnten gibt es dennoch etwas, das man nie vergessen sollte: Selbstverantwortung. Ich fürchte, die Region hat noch eine Menge unerledigter Hausaufgaben zu erledigen. Werden diese nicht erledigt wird sich nichts zum besseren ändern.
@misterL
Mal wirklich was grundsätzliches:
den transnational agierenden, national strukturierten Konzerne ist es nicht gleichgültig, in welchem Nationalstaat sie ihren Sitz haben, welcher idelle Gesamtkapitalist ihnen zur Seite steht. Schauen sie sich doch irgend einen von diesen transnationalen Konzernen an: sie sind alle in ihrer sozialen Struktur und in den personeller Hinsicht an ihren alten ursprünglichen Nationalstaat gebunden/verbunden. Ob Ford, oder Boing, ob Fina Elf, oder BASF, ob Gasprom, oder die Deutsche Post AG, ob Porsche, oder Toyota: überall herrscht das gleiche kapitalistische Prinzip. Es gibt (noch) keine freischebenden Konzerne, ohne Bindung an deren ursprüngliche nationale Staaten. Momentan ist dieser Zustand immer noch gleich geblieben und die bürgerliche Presse nimmt ja ganz erstaunt diese direkten nationalen Tendenzen auch wahr, und wundert sich darüber, dass dieser Zustand trotz Brüssel immer noch anhält.
Was die Frage des Ölpreises betrifft, wäre es in einer Analyse interessant zu wissen,wie stark der Erdölpreis durch die militärische Flankierung “subventioniert” wird. Wie stark der finanzielle Einfluss der Flugzeugträgergruppen (finanziert durch den Steuerzahler der Vereinigten Staaten) auf den Preis des Erdöl/Erdgases im Nahen Osten ist. Ein Iran, mit einer atomaren Bewaffnung könnte über den Preis seines Öl ganz anders (und überhaupt) verhandeln und verfügen, als einer ohne diese. So schlimm wie das klingt, so ist aber letztlich.
Ein Iran, der die Doktrin amerikanischer Vorherrschaft auf dem Rohstoffsektor, der Lebensader im Nahen Osten auch mit Waffengewalt beantworten, sich verteidigen kann, ermuntert die ganze Region eigenständige Lösungen finden zu können.
Letztlich wird diese Frage auch in Peking mitentschieden werden. Peking wird sich die Frage beantworten, ob und in welchem zeitlichen Rahmen die Sperrung des Nahen Ostens für rohstoffhungerigen chinesische Konzerne, die militärisch nicht so flankiert agieren können wie die amerikanischen Konzerne, entscheidend für Chinas weitere Entwicklung ist.
Zu Libyen ist ja nur folgendes festzustellen:
Libyen hat sich nicht freiwillig geöffnet: das westliche Embargo gegen Libyen hat es finanziell runiert. Libyen hat sich nur den westlichen Staaten (hier vor allem Frankreich und GB)unterworfen, nachdem ihm auch direkt vor Augen geführt wurde, was mit dem Irak zweimal geschah. Das sind die Fakten zu Libyen. Sie haben sich dem westlichen Diktat gebeugt, und liefern nun für den französischen Erdölkonzern Total Fina Elf billiges Erdöl und sollen die alten Träume der französischen Eliten von Frankreichs Nordafrika wahrmachen.
Im übrigen ist Libyen noch eine viel interessantere Geschichte, die im Kern und Hintergrund den Wirtschaftskrieg zwischen Frankreich und Deutschland in Europa symbolisiert. Es war letztliche eine französische Notwehrreaktion gegen die übermächtigen deutschen Konzerne in Europa und deren Sonderbeziehungen zu Russland, die die Eliten Frankreichs zu diesem Schritt gezwungen haben.
Die Zahlen ,wie stark der finanzielle amerikanische Einfluss auf die Regime im Nahen Osten ist, werden immer mal wieder durch den Kongress bekannt. Meist sind es direkte Militärbeihilfen und man muss sich nur die amerikanischen Militärstützpunkte in Katar und auf der saudischen Halbinseln anschauen, um zu verstehen, welche Prininzen in welchem Namen zu welchem Thema etwas von sich geben dürfen.
Jetzt kloppt man sich um Öl, bald um Wasser.Wer den Frieden liebt, muß Krieg führen. Alte Weisheit.
@Name
Ihre Antwort im Bezug auf Lybien werde ich mir zu Gemüte führen. Danke für die Hinweise.
Die Frage nach den Interessen der westelichen Welt und wie egal es ist, wo die Konzerne ihren Sitz haben oder nicht- seis drum. Das Grundinteresse ist das selbe und die prinzipielle Austauschbarkeit bleibt.
Waffenexporte und Abnehmer.
Die USA wollen die Region massiv aufrüsten und dabei jeden nach Gusto bedienen. 40 Milliarden US$. 40 Milliarden US$ an massiem Einfluss in diese Region, die Aufbauhilfe und Demilitarisierung dringen bräuchte.
Allerdings ist das “nur” die eine Seite der Bilanz. Auf der anderen Seite gibt es Besteller und Abnehmer. Warum einigt sich diese islamische Bruderwelt nicht und sagt zu den lieben Freunden in der US-Administration Nein, Danke, aber wir brauchen eure Waffen nicht, wir haben genug “Spielzeug” in falschen Händen?
Das ist die fehlende zweite Seite der trostlosen Bilanz der Irakzahlen. Was wäre das für ein positives Bild in der Welt, käme Frau Rice mit 40 Milliarden US$ in die USA zurück und der Aussage, die wollen unsere Tötungsutensillien nicht.
Das ist in meinen Augen das Zeichen, auf das die Welt wartet. Eine in sich mehrheitlich geschlossene islamische Zivilgesellschaft ist dafür Voraussetzung. Das Manko ist – es gibt sie nicht.