Herzlich Willkommen, “grausamer Diktator”
25. September 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Lee Bollinger, Präsident der New Yorker Columbia University, hat eine löbliche Einstellung zum Thema „Redefreiheit“. Entgegen scharfer Proteste im Vorfeld hielt er an der Einladung an den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad fest, an einer Podiumsdiskussion vor Studenten teilzunehmen. Dafür erntete er heftigste Kritik - Neil Cavuto von Fox-News erinnerte zunächst daran, dass Bollinger der US-Army auf dem Campus ein Hausverbot für deren Rekrutierungssoldaten erteilte, und bemerkte dazu vor der gestrigen Veranstaltung: „Die uns töten wollen, dürfen kommen; die unsere Freiheit schützen wollen, nicht. Trotz der Klarstellungen des Präsidenten zeigt das: Auch mit Ivy-League-Examen kann man ein A…loch sein, letzten Endes.“ Vor allem jüdische und proisraelische Verbände und Lobbyisten machten im Vorfeld mobil. Die „New York Daily News” titelte im Vorfeld “Das Böse ist gelandet” – Verleger dieses Blattes ist Mortimer Zuckerman, Vorsitzender des Dachverbandes „Council of Major American Jewish Organizations“.
Die Kritiker konnte Bollinger jedoch bereits in seiner Eröffnungsrede versöhnen. „Man müsse seine Feinde kennen, und sich mit dem Geist des „Bösen“ auseinandersetzen“. Den eingeladenen Gast stellte Bollinger frank und frei als „engstirnigen Diktator“ vor, der entweder „schamlos provokativ“ oder „erstaunlich ungebildet“ sei. Gastfreundschaft, einmal anders herum – das gefiel den ehemaligen Kritikern so gut, dass Bollingers Rede heute als „Lesebefehl“ vom AIPAC per Mail verschickt wurde. Bollinger hat mit seinem verbal beleidigenden Husarenritt die Kurve anscheinend gerade noch so bekommen. Da stellt sich doch die Frage, ob Bollinger Präsident Bush auch mit so „offenen“ Worten begrüßt hätte?
Ein bisschen weniger wäre mehr gewesen, – zwischen durchaus berechtigten Kritikpunkten, wie der Menschenrechtslage in Iran, der Hinrichtung Homosexueller und der Kritik an Ahmadinedschads Eiertanz um den Holocaust, mischte Bollinger altbekannte Lügen, wie die Falschübersetzung „Israel von der Landkarte ausradieren“ und amerikanische Vorkriegspropaganda, wie Irans angebliche Unterstützung schiitischer Aufständischer im Irak und die – internationalen Gesetzen widersprechende – Weigerung, Irans Bestreben, zivile Nukleartechnik zu entwickeln, zu unterstützen.
In der anschließenden Diskussionsrunde – bei IRNA als Transcript auf Englisch -, antwortete Ahmadinedschad auf Fragen aus dem Publikum. Zu den Themen „Atomenergie“, „US-Engagement im Irak“ und „US-Politik gegen Iran“ kann man ihm sicher schwer widersprechen. Bei den Thema “Homosexuellenverfolgung in Iran” und “Frauenrechte” leugnet er brüsk die Basis der Debatte – Frauen ginge es in Iran hervorragend und sie genössen alle Rechte und Homosexualität gäbe es in Iran gar nicht. Zu Recht ernte er bei diesem Ausspruch nur höhnisches Gelächter. Dass im Iran – laut Ahmadinedschad – natürlich nur verurteilte Schwerverbrecher hingerichtet werden, beruht wohl auf dem gleichen Sinn für Realität – Amnesty International ist da anderer Meinung. Auch beim Thema „Holocaustleugnung“ offenbart Ahmadinedschad seinen kranken Geist. Obgleich er den Holocaust nicht leugnet („I am not saying that it didn’t happen at all. This is not that judgment that I am passing here.”) fabuliert er etwas von einer lebendigen Wissenschaft, die ihren eigenen Erkenntnisstand ständig überprüfen müsse. Dabei verurteilt er europäische Staaten, die „Wissenschaftler“(sic!) einsperren, die konträre Meinungen vertreten. Einmal mehr beweist er damit, wie unsinnig und kontraproduktiv die Strafverfolgung der „Holocaustleugnug“ ist und wem sie in die Hände spielt – „wissenschaftliche Märtyrer“ machen sich in europäischen und arabischen/persischen Antisemitenkreisen besser, als frei herumlaufende Spinner.
Interessanter waren da schon Ahmadinedschads Äußerungen zum Existenzrecht Israels. Anstatt „Israel von der Landkarte zu radieren“ schlägt Ahmadinedschad ein Referendum in Palästina vor (Palästina umfasst für ihn Israel und die palästinensischen Gebiete), dessen Ergebnis man umsetzen solle. Dass ein solcher Vorschlag gegen amerikanische Interessen ist, versteht sich von selbst. Aber dies hört sich schon ‘besser’ an als die Drohung, „Israel von der Landkarte zu radieren“, die so auch nie gefallen ist. Die Möglichkeit, dies klar zu stellen und eine gewaltsame Lösung seitens Iran „unmissverständlich“ auszuschließen, vermied er jedoch.
Ahmadinedschad ist definitiv ein Unsympath, der Menschenrechte mit den Füßen tritt und unsäglich um die Themen „Holocaustlüge“ und „Vernichtung Israels“ mäandert, um Beifall aus fundamentalistischen Kreisen zu erheischen. Auch kann einem nur jeder Iraner leid tun, der von ihm regiert wird. Aber ist dies neu? Gab es seit Khomeini einen iranischen „Revolutionsführer“ oder Präsidenten, der Menschenrechte geachtet und Israels Existenzrecht bejaht hätte? Auch der im Westen beliebte moderate Reformer Khatami hatte diesbezüglich kaum andere Ansichten und das iranische Atomprogramm existierte schon zu Zeiten des Schahs.
Ahmadinedschads Äußerungen an der Columbia unterscheiden sich kaum von denen, die er im letzten Jahr gegenüber dem SPIEGEL in einem Interview tätigte; dies ist alles weder neu noch sonderlich bemerkenswert. Die Tatsache, dass aus dem „Columbia-Spektakel“ ein solcher Rummel gemacht wird (SPON: „Fahr zur Hölle“, WELT: „Die große Show des miesen, kleinen Diktators“, BZ: „Das Böse ist gelandet“, NY Daily News „Grinning madman Ahmadinejad squirms at Columbia“) ist wohl der fehlenden Neutralität und dem Kriegshetzerkurs einiger westlicher Medien zu verdanken. Ahmadinedschads Taktik, die umfassende Ablehnung der amerikanischen Bevölkerung gegenüber Bush an einer liberalen Universität in einen PR-Coup umzuwandeln, ist indes gescheitert. Nicht zuletzt das Thema “Homosexualität” hat ihn sogar für das Fernsehpublikum zum Gespött gemacht - und das ist auch gut so.
Auch wenn es wenig wahrscheinlich ist, dass Präsident Bush konkrete Pläne für einen Angriff auf Iran in der Tasche hat, so gibt es rund um Cheney und AIPAC einflussreiche Kreise, die eben dies für die “Lösung” des Nahost-Problems halten. Wie einflussreich diese Kreise, bzw. deren Position, in den US-Medien - und auch in den deutschen Medien - ist, ließ sich anhand des “Columbia-Spektakels” betrachten. Ein Blätterwald voller “Warmongers” und “Hatemongers” … wo bleiben nur die “Peacemongers”?
Jens Berger












































































Ich glaube, ich warte mit einer Beurteilung der Veranstaltung lieber noch, bis das angekündigte Video der Veranstaltung endlich bei der Columbia University hochgeladen wurde.
Obwohl die IRNA entweder einen eigenen Sinn für Humor oder einen schlechten Redakteur mit einer Anfälligkeit für Freudsche Fehler hat:
“There are many Jews in Iran, leaving peacefully, with security.”
Das riesige Spektakel um die Veranstaltung ist mir allerdings auch unverständlich.
Moin Moin Spiegelfechter,
na wenn es um Menschenrechte geht,dann solltest Du auch die USA anprangern,die stehen dem Iran in nix nach. Es wird in den Medien immer die Menschenrechte propagiert,was weder Israel oder Amerika praktiziert. Doch hier muß man mal die Rede von Gysi loben,auch wenn ich ihn nicht mag,doch hier hat er recht.
Zitat: Frauen haben es bei der Nordallianz nicht besser als bei den Taliban
Links-Fraktionschef Gregor Gysi sagte in der Debatte des Bundestages, es sei zu Recht gesagt worden, dass die Taliban in Afghanistan bekämpft und entmachtet werden sollten. Es sei zwar wahr, dass das Talibanregime beseitigt worden sei. “Es wird aber nie dazu gesagt, dass die Nordallianz deutlich an Macht gewonnen hat. Die Stellung der Nordallianz zu Frauen- und zu Menschenrechten ist ähnlich wie die der Taliban.” Das werde verschwiegen, so Gysi.
Es gebe jetzt eine Macht von Drogenbaronen und von Warlords, die einfach nicht hinnehmbar sei, meint der deutsche Politiker. Das Bild, das hier gemalt werde, dass jetzt alle in traumhaften Zuständen dort leben würden, habe mit der Realität nichts zu tun, sagte Gysi.
Unter Verweis auf Aussagen von Malalai Joya, einem weiblichen Mitglied der verfassunggebenden Versammlung Afghanistans sagte Gysi, das Problem sei gewesen, dass die Nordallianz nicht entwaffnet worden sei. Sie sei vielmehr aufgerüstet worden. Joya habe zudem kritisiert, dass die Nordallianz Frauenrechte genauso wenig achte wie die Taliban. Den deutschen Soldaten werfe Joya vor, dass diese sich der US-Strategie unterwerfen würde. Deshalb sei es keine Befreiung, sondern eine Besatzung geworden. “Das sagen nicht wir, das sagt diese afghanische Frau”, so Gysi.
Der Linkspolitiker stellte grundsätzlich in Frage, Kriegseinsätze im Ausland mit Frauen- und Menschenrechten legitimieren zu wollen. “In wie vielen Ländern wollen Sie eigentlich aus diesem Grund intervenieren? Wie ist es um die Frauenrechte in Saudi-Arabien bestellt?”, fragte Gysi. “Dort dürfen die Frauen nicht einmal Auto fahren. Sie dürfen ohne Genehmigung ihres Ehemannes nicht das Land verlassen. Sie werden schlicht und einfach unterdrückt. Aber Herr Bush und seine Familie machen dickste Geschäfte mit der herrschenden Familie in Saudi-Arabien. Deshalb interessieren ihn dort die Menschenrechte nicht.”
Es gebe sehr viele Länder, in denen die Bundeswehr einmarschieren müsste, wenn es tatsächlich um die Menschenrechte ginge, so Gysi. “Selbst die USA müssten Sie wegen Guantánamo angreifen.”
Es werde bezogen auf den Afghanistan-Einsatz immer wieder gefragt, was passiere, “wenn wir das Land verlassen. Als Antwort wird immer die schlimme Herrschaft der Taliban genannt. Das ist völlig falsch”, so Gysi. “Wir müssen die Nordallianz entwaffnen. Sie bewaffnen hingegen die Nordallianz. Das ist die Wahrheit. Sie sehen zu, wie die Nachbarländer eine völlig unterschiedliche Politik betreiben. Ob Russland, Usbekistan, Pakistan oder der Iran: Sie alle bewaffnen entweder die Taliban oder die Nordallianz. Sie aber schauen nur zu. Das ist die Realität; darin liegt das Problem.”
Gysi: Erst als die Verhandlungen der USA mit den Taliban über eine Gaspipeline gescheitert war, ging es um die Menschenrechte
weiterlesen hier:
ngo-online...
Von Ahmadinejad konnte man sich nichts besseres erwarten - obwohl mich einige seiner Äußerungen, die ich gelesen habe, sogar positiv überraschten (”Wir erheben Einspruch gegen die Art, wie die US-Regierung die Welt zu steuern versucht. Wir halten sie für falsch. Wir finden, sie führt zu Krieg, Diskriminierung und Blutvergießen.”) - aber die amerikanischen Medien sollten sich für ihr Verhalten schämen. Jemanden auszubuhen, ohne ihn gehört zu haben, ist ganz, ganz schwach.
Naja, großer Hype - kleinlaute Rede. Und ‘ne Menge schlechte Manieren auf allen Seiten…
@chaolan
Da hast Du sicher recht, aber ich denke mal, ich muß nicht in jedem Artikel ein obligatorisches “Ceterum censeo” hinterlassen ;-)
@chaolan:
Bei aller Berechtigung für Kritik an USA/Israel, der Vergleich mit dem Iran hinkt doch über alle Maßen. Klar gibt es Einschnitte in Menschenrechte auch bei westlichen Demokratien wie den Genannten, da stehen mMn aber noch Welten bis zum Iran dazwischen.
Zu Gysi kann ich fernab des heimischen Rechners so wenig sagen, nur zwei Dinge: Die Nordallianz ist, an den Taliban gemessen der weniger schlimme Verbündete, und ohne geht es momentan noch nicht. Das der Zustand so fest übernommen werden soll halte ich für Unsinn, natürlich wird die Allianz irgendwann entwaffnet wenn Ihre Notwendigkeit entfällt. Vorerst ist Sie aber von Nöten.
Und die Pipeline, angeblich durch Afghanistan geplant, war nie an der Schwelle zu einer realistischen Umsetzung, nur weil so etwas mal angedacht war wird daraus keine ernsthafte Verhandlung.
@Simon Columbus
Es gibt ja das alte Sprichwort “Lächeln ist die eleganteste Art, seinem Gegner die Zähne zu zeigen” - in diesem Sinne hatte Ahmadinedschad (Zitat WELT: “[] mit seinem blinzelnden Schneidezahnlächeln”) sogar mehr Eleganz zu bieten gehabt.
Sehr interessant ist in diesem Fall welch warmen Worte Herr Bollinger vor zwei Jahren für Pakistans Diktator und US-Verbündeten Pervez Musharraf fand:
“President Musharraf is a leader of global importance and his contribution to Pakistan’s economic turnaround and the international fight against terror remain remarkable - it is rare that we have a leader of his stature at campus”
Quelle: presidento...
In der Tat wäre Ahmadinejad - vom reinen Auftritt her - ohne ein, zwei schwachsinnige Bemerkungen bei mir besser weggekommen als sein “Gastgeber”, der wohl vergessen hat, wie man im mindesten mit Gästen umgehen sollte…
Wobei das Zitat von c.sydow nur zu deutlich macht, das politik - geld - viel damit zu tun hat, ob Leute solche unwichtigen Regeln noch erinnern…
@Ralf: Na ich finde hier hinkt gar nix, oder willst Du damit sagen,der eine darf der andere nicht? Ein Land was sich gerne selbst als “MODERN” bezeichnet,aber noch die Todesstrafe praktiziert, oder ein neues Heim für Vertriebene wie “Bushtanamo” erschafft, oder einen gegen das Völkerrecht stehenden Krieg in Afghanistan und Irak beginnt,dazu sich über alles und jeden hinwegsetzt,wohl bewußt das Sozialsystem im eigenen Land sterben läßt(47Mio.ohne Krankenversicherung bspw.),wo immer noch gravierender Rassismus an der Tagesordnung steht, soll ich als DAS GUTE LAND verstehen???
Nöööö danke. Alle Menschen sind gleich,doch manche gleicher oder wie? Der Bush-Administration geht es nur um Geld und Macht! Nur schade,das das amerikanische Volk da noch nicht hinter gekommen ist.
Den ich habe nix gegen die Amis,nur was gegen die Elite.
Über Israel will ich mich lieber nicht auslassen,könnte sonst Ärger mit dem Spiegelfechter geben. Nur soviel,was die dort betreiben ist die größte ethnische Säuberung seit unserer Nachkriegsgeschichte. Es ist eine Schande,wie a) die Medien darüber berichten,und b) wie wenig die Masse darüber weiß. Aber es sind ja immer die PÖSEN PÖSEN Palästinenser. Doch es gibt Millionen Juden,die sich aufs Schärfste von der israelischen Politik distanzieren.
Es gibt bei Verbrechen keine Grauzone, sondern nur RICHTIG oder FALSCH.
@Spiegelfecher: Doch ich finde Du solltest in diesem Artikel ein “Ceterum censeo” hinterlassen,da grade hier ein Vergleich angebracht ist. Es ist nicht der Iraner der alleinige Bösewicht.
Hey übrigens,ich bitte doch von solch schweren Wörtern wie “Ceterum censeo” abzusehen,ich habe nur einen mittleren Bildungsabschluß und muß immer nachschlagen!! :-))
@chaolan
Es ist ja richtig, dass auch die USA und Israel ihre “Macken” haben. Mit dem Finger auf Iran zu zeigen, heißt auch keineswegs die anderen bösen Buben in Schutz zu nehmen. Was mir an einigen amerika-/israelkritischen Kommentaren in Blogs und Foren aber nicht passt, ist ein simples Freund-/Feindschema. “Nur” weil Amerikaner und Israelis Verbrechen begehen, ist dies kein Grund, ihre Antagonisten mit dem Glacéhandschuh anzufassen. Auch sollte man die Voreingenommenheit weglassen. Die ethnischen Säuberungen in den Palästinensergebieten mögen Irans außenpolitische Linie beeinflussen, sind aber keine Begründung für Menschenrechtsverletzungen. Wenn ich in einem Beitrag über Iran und dessen Verfehlungen bei den Menschenrechten nicht erwähne, dass Israel und die USA hier auch gerne mal Fünfe gerade seien lassen, erstere sie sogar systematisch verletzen, so ist dies gewollt, da ansonsten die klare Linie verloren geht. Die impulshafte Argumentationsschiene, “ja Iran verhalte sich wie ein Verbrecher … aber Israel und die USA täten dies auch”, empfinde ich als Relativierung, die hier fehl am Platze ist. Du kennst meine vielen Artikel, in denen ich Israel und der USA eben dies vorwerfe - da hat mich noch kein Kommentar erreicht, der gefordert hätte, ich solle doch bitte auch erwähnen, dass Iran und andere Staaten dies ebenfalls täten ;-)
“Wo bleiben die peacemongers?”
Na, hier zum Beispiel. Das möchte ich doch einmal positiv anmerken bei dieser Gelegenheit.
Die schlechte Nachricht ist: Im publizistischen mainstream kann man so etwas wie Augenmaß und abgewogenes Kommentieren wohl nicht mehr erwarten. (Ausnahmen bestätigen eher die Regel.) Da ist die Degeneration schon zu weit fortgeschritten.
Es gibt aber - und das ist die gute Nachricht - nicht nur den SPIEGEL, es gibt auch den Spiegelfechter.
Dieser Artikel sollte jedem Mietmaul im Medienbordell die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen, weil er zeigt, was Journalismus auch sein könnte …
Ich finde es jedenfalls tröstlich, dass offensichtlich noch nicht alle des Wortes Mächtigen völlig durchgeknallt sind und nur noch die billigsten Reflexe bedienen.
Reflexion und Reflex klingt zwar ähnlich - ist aber doch nicht ganz dasselbe.
@chaolan
Die Aufrechnung nach dem Motto wer unterstützt die schlimmsten Regime und/oder ist selbst Bestandteil der “Achse des Bösen” oder sollte es an sich sein, ist ein “Wettkampf” der systemimanent ist. Damit befördert man die Entschuldigung “eigener” Taten weil “die anderen ja viel schlimmer” sind. Das mag je nach Einzelfall so sein oder exakt andersrum oder einfach unentschieden.
Man sollte nicht nur im Fall Afghanistan / Taleban / Bürgerkrieg / Fundmentalismus / Drogenbaronen vielleicht dazu durchringen, das alle jemals involvierten Weltmächte daran verdientermassen gleich Schuld sind. Man kann diese Zuordnung ggf. ausdehnen auf den Iran, den Irak, Israel/Palestina, etcpp.
Jedesmal wird man einen nicht unwesentlichen Anteil der “Achse des Bösen” auch in den Administrationen von Washington über Moskau bis Peking und Tokio und was so alles auf dem Weg liegt finden (inkl. der Büros dieser oder jener Wirtschaftsverbände) .
Kann man sich auf diese Basisaussage als Grundkonsens einigen? Man müsste es nicht dauernd erwähnen und der zur Ablenkung diende Wettbewerb des Schrecken könnte entfallen.
Na Leute,das ist mir alles klar,doch ich wollte es nur erwähnen,da grad im Massenblätterwald nur gehetzt wird. Ich denke wir sind da alle in einem Boot wenn ich sage, niemand hat das Recht das zu tun was die Oberen uns alltäglich vorführen. Lest euch mal bitte so eine Schlagzeile durch:
Die große Show des miesen, kleinen Diktators
von Von Torsten Krauel
Da kriegt man doch echt das Kotzen.
Link: welt.de/po...
@ chaolan:
Ja, was ist er denn sonst?
Natürlich, das ist kein guter Ton. Und zwar rein sprachlich genauso wenig wie er einen objektiven Artikel vermuten lässt. Das, ganz klar, Gossenniveau - der Ausdruck einfacher “Wahrheiten” in ebenso einfachen Worten, die das dahinterliegende, komplexe Problem verschweigen.
Dennoch: Zum anderen hat der Autor hier recht, Ahmadinedjad ist ein mieser, kleiner Diktator. Ein Verbrecher, Unterdrücker, Menschenschinder.
Natürlich, man darf so nicht schreiben - objektive Betrachtungen statt platter Sprüche sind angebracht. Aber wo’s doch so einfach ist…
@Simon Columbus: Es geht mir ja nicht darum was er ist,sondern rein um die Tatsache,wie Journalismus nicht aussehen darf! Ich möchte mal solch eine Schlagzeile von Bush lesen(Guantánamo bspw),mal sehen was dann los ist. Ich stufe solchen Journalismus als gefährlich ein,da es die Masse liest und glaubt. Ich kann nicht davon ausgehen,dass jeder hier oder in anderen Blogs liest. Leider ist es so,Kriege schürt,rechtfertigt und gewinnt man mit der besten Propaganda,so war es schon immer.Mainstream halt…..
@chaolan / #15
Auch das ist Binsenweisheit. Der Massenblätterwald betreibt stets eine mehr oder weniger deutliche Form von Hetze. Abgeschwächt sind es dann Kampangen oder Meinungsmacher. Wirtschaftlich ausgedrückt Marketmaker halt, die statt Aktien das Wort reden Meinungen verhökern.
Die Kunst besteht darin, dagegen so weit wie möglich imun zu werden.
@ chaolan
Ich verstehe schon, was du meinst. Aber es ist doch verlockend, schnelle, einfache Wahrheiten zu schreiben… Ich stimme vollkommen mit dir überein: So darf Journalismus nicht aussehen. Nur das ich nicht glaube, dass das alles Propaganda ist: In meinen Augen steckt da auch viel Denkfaulheit, Verschlossenheit hinter.
@ MisterL:
Dagegen immun zu werden… Wie soll das der “einfache Bürger” schaffen? Wenn ich nicht irgendwann angefangen hätte Blogs zu lesen, wer hätte mich immun gemacht? Ich glaube, ohne intensive Auseinandersetzung - und einen Anstoß von außen - kann man nicht immun werden.
Auch eine Impfung muss man verpasst bekommen. Das geschieht meistens vom Arzt, Lehrmeinung und gesellschaftliche Akzeptanz stehen hinter der Immunisierung gegen körperliche Krankheiten. Bei geistigen ist das ganz anders - da hilft der Staat noch mit, die Menschen krank zu machen.
@Simon Columbus
Auch wenn die Wahlen in Iran nicht dem Ideal einer Demokratie entsprechen, so ist Ahmadinedschad ein gewählter Präsident, der keine Anstallten macht, diktatorisch zu wirken. Seine Machtfülle ist außerdem extrem beschränkt - eigentlich ist es nur eine Art Handlanger des Wächterrats. “Diktator” ist er also sicher nicht - ob er “klein” und “mies” ist, wag ich nicht zu beurteilen. Er ist ein Populist und eher einer der unsympathischen Sorte. Inwiefern er für “Verbrechen”, “Unterdrückung” und “Menschenschinderei” steht und verantwortlich ist, oder das iranische theokratische System, wag ich ebenfalls nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall ist der ganz sicher nicht der Prototyp eines neuen Hitlers, wie es und SPIEGEL und Springer gerne weismachen wollen - er hat kaum Befugnisse und kann auch kaum eigene Entscheidungen fällen. Aber als Pappkamerad, zum dran abreagieren, ist er natürlich viel besser als der eigentlich mächtige Mann in Iran, der “Revolutionsführer” Chamenei. Früher war dies mal anders - oder kennt jemand aus dem Stehgreif die iranischen Präsidenten, die unter Chomeni “gedient” haben?
@Simon Columbus / #20
Noch eine Binsenweisheit.
Er hat keine Chance, solange er keine Chance haben will. So es überhaupt “eine Wahrheit” gibt, so wird auch diese nicht von selber an die Haustür kommen und bitten lass mich rein.
@6, Ralf
Ja. Und wenn du z.B. US-Verbündete Pakistan oder Indien nimmst, so stehen da noch einmal Welten dazwischen. Das ist die übliche Heuchelei des Westens, die “Menschenrechte” als Casus belli für ihre Raubzüge zu instrumentalisieren.
Treu nach Winston Churchill - sie sind zwar auch Hurensöhne, aber er sind unsere Hurensöhne ;)
Genau dieses Doublethink macht den Westen so “sympatisch” in der Welt, dass wir uns selbst eingraben müssen.
Nett. Wie stellst du denn diese Entwaffnung dir vor?
Dank Russland, wohl gemerkt.
Bei Besatzung des Landes war es noch eine offene Frage, auch wenn die Sache mit strategischer Positionierung damals bereits beschlossen war. Es kam halt anders. Da gibt’s bei SF auch gute Artikel dazu.
MfG
COPOKA
@ Spiegelfechter:
Natürlich ist Ahmadinejad nur ein Handlanger des Wächterrates. Aber eben auch Diktator, wenns nach mir geht. Denn “gewählt” ist so mancher - ob die Wahlen fair waren ist entscheidend. Im Fall Ahmadinejad wurden 3.000 Bewerber für das Parlament ausgeschlossen, insgesamt lag die Wahlbeteiligung nur bei 9 % (iIrc). Damit ist in meinen Augen die Definition eines Diktators erfüllt, wie sie es auch im Fall gefälschter Wahlen wäre.
Und Ahmadinejad ist sicher kein neuer Hitler, nein - aber er ist doch ein Gewaltherrscher, auch wenn die eigentliche Macht beim Wächterrat liegt - der im übrigen seine ganz eigene “SS” hat. Aber auch wenn Ahmadinejad dem Wächterrat gehorchen muss - es gibt dennoch Unterschiede zu Chatami. Denn an der Leine zu hängen besagt noch nicht, ob man zu beißen versucht…
@ MisterL:
Eine Binsenweisheit, aber die Realität. Die wenigsten Menschen streben nach etwas, von dem sie nichts wissen. Also kann man wohl kaum auf diesem Idealfall aufbauen, wenn man allgemeingültige Lösungen will. Und spezifizierte Lösungen bringen wenig - denn jeder Mensch, auch der aufgeklärte, ist von seiner Umwelt abhängig.
@COPOKA
Churchill war ein brillanter Aphoristiker, aber die “Hurensöhne” stammen nicht von ihm. Wahrscheinlich stammt der Ausdruck von Franklin D. Roosevelt, es könnte aber auch sein Außenminister Cordell Hull gewesen sein, dem einige Quellen dieses Zitat zusprechen - gemeint wäre im Falle FDR der nicaraguainische Präsident Somoza, im Falle Hull der Präsident der Dominikanischen Republik Trujillo … recht hätten beide mit dem Ausspruch.
@19, Simon
Nein, das hört sich schon wie eine vorauseilende Kriegshetze an. Das ist das gefährliche an dem Ton.
@copoka / #26
“Nein, das hört sich schon wie eine vorauseilende Kriegshetze an. Das ist das gefährliche an dem Ton.”
So ist es wohl auch gemeint. Die Geduld ist am Ende, wann wird gehandelt? Iran, Irak, ist doch eh alles das selbe. Warum in der Liste im Saudi Arabien fehlt muss nach dem obigen eben nicht hinterfragen. Saudi Arabien verkauft willig, was der Westen meint ist sein. Also ein guter Bösewicht.
Alles eine Frage von Nutzwert.
Das Gefähliche ist an sich nicht der Ton, der sorgt für Klarheit. Das Gefährliche daran sind die Teilwahrheiten darin, die es einfach machen sollen (und vielleicht auch werden) Koalitionäre zu finden und es wieder (wie im Irak) vergessen zu machen, das ein Krieg zu gewinnen und/oder Regime zu zerschlagen noch lange nicht heisst den Frieden zu gewinnen.
Das Gefährliche ist also das wahrscheinlich erneute Fehlen eines Konzeptes für eine Zeit danach.
@24 Simon Columbus
Die ungewöhnlich niedrige Wahlbeiteiligung war laut Spiegelfechter *g* bei den Wahlen zum Teheraner Bürgermeisteramt (19%). Bei den Präsidentenwahlen gab es eine (für iranische Verhältnisse) hohe Wahlbeteiligung mit 63% im ersten und 60% im zweiten Wahlgang.
Das 3.000 Kandidaten ausgeschlossen wurden, ist bei 1.014 Gesamtkandidaten auch schwerlich möglich - unter ihnen wurden 6 vom Wächterrat ausgewählt, womit 1.008 leer ausgingen. Dies ist natürlich kein demokratisches Prozedere. Aber wenn ich an die Präsidentschaftswahlen in den USA denke, so ist die Vorauswahl ähnlich undemokratisch - nur das dort das Geld und nicht der Wächterrat entscheidet.
Was die Unterschiede zu Chatami angehen, so spielen sich diese mE in der “Sprache” und in der “Diplomatie” ab - beide durften und dürfen nichts eigenmächtig entscheiden. Mit dem Wort “SS” wäre ich übrigens vorsichtig - nicht alles, was SPON und Co. so schreiben, widersteht einer ernsthaften Prüfung. Die Pasdaran sind sicher eine elitäre Streitkraft neben den regulären Streitkräften, die skrupellos und treuer sind - aber unter “SS” verstehe ich zu allererst eine paramilitärische Organisation, die man für Verbrechen an der Menschlichkeit abrichtet. Das sind die Pasardan nicht.
81 Minuten Video
wcbstv.com...
gesehen bei nerdcore.d...
@ Spiegelfechter:
Ich hatte die Daten jetzt aus dem Kopf frei nach Nasrin Alavi, “Wir sind der Iran” zitiert, weil ich das gerade nochmal gelesen habe. Anscheinend habe ich da Kommunal- und Parlamentswahlen durcheinander gewirbelt.
Deine “6 Auserwählten” können allerdings auch nicht stimmen, schließlich spreche ich bei den 3000 Ausgeschlossenen von Bewerbern für das Parlament, nicht um das Präsidentenamt. Dazu heißt es in “Wir sind der Iran”:
“sechs Mitglieder einer ungewählten Verfassungskörperschaft [wiesen] 3600 Kandidaten ab, darunter 87 gewählte Parlamentsmitglieder.”
In dem Buch wird u.a. Mostafa Moin, ein Kandidat um das Präsidentenamt, mit einer Aussage zitiert, es hätten 300.000 “islamistische Milizen” an einer Aktion zur Verfälschung des Wahlergebnisses teilgenommen.
Das ist in meinen Augen Grund genug, von einer Diktatur zu sprechen - wenn auch von einer Diktatur des Wächterrats. Dessen Einfluss wird auch in einem Zitat zu Chatamis Reformpolitik deutlich:
“Das reformistische Parlament hat einmütig über 100 progressive Gesetze verabschiedet (…) - doch der Wächterrat legte sein Veto ein.”
Mein SS-Zitat ist gar nicht so auf eine Gruppe, sondern vielmehr auf das bestehende System verschiedener offizieller und inoffizieller polizeilicher, militärischer, paramilitärischer und Sittenpolizei-Organisationen bezogen. Und bei einigen von denen sehe ich eine Abrichtung auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchaus gegeben, insbesondere bei Gruppen der Sittenpolizei.
@Simon Columbus
OK - da habe ich mich anscheinend verlesen. Ich dachte, Du sprachst von den Präsidentschaftswahlen.
Yep, darauf können wir uns einigen. Iran ist eine lupenreine Theokratie mit demokratischem Anstrich. Der allmächtige Wächterrat hat idT diktatorische Macht inne.
Wobei, “Theokratie” ist ja auch ein blöder Begriff - mal aus meinem atheistischen Standpunkt gesehen. Von da aus ist eine Theokratie nämlich eine Anarchie…
Naja, lassen wir das.
@16Simon Columbus
“Fahr zur Hölle”, “listiger, mieser …”
Usw..
Diese Sprache kenne ich! Goebbels hat sie perfekt beherrscht, nur waren die Ziele damals anders und damals waren Kommunisten, Sozialisten, Zigeuner, Homosexuelle, Andersdenkende, Juden, Behinderte und andere tatsächlich größtenteils Opfer von Tätern.
Ich mache übrigens nicht den Fehler, beim Holocaust nur von Juden als Opfern zu sprechen. OK - sie hatten einen großen Anteil daran, aber ist es nicht eine Verharmlosung des Holocaustes, die Millionen anderer Opfer unter den Tisch fallen zu lassen?
Heutzutage haben wir Täter und Täter.
Oder etwa doch nicht? Der Pöbel will unterhalten werden - das war schon im alten Rom bekannt.
Vielleicht sollte 1984 - ein Buch, welches ich früher für eher kindisch hielt - doch zur Pflichtlektüre an Schulen werden. Einstein scheint tatsächlich recht gehabt zu haben.
Gruß
Manchmal sie die Vertreter des Finanzkapitals in ihren Äußerungen direkt und offen. Die deutsche Sektion der FTD lies gestern ganz klar aufblicken, was sie von von einem bürgerlichen Parlament hält ftd.de/mei...
Das Treffen vor der UNO, die dortigen Reden, seien nichts weiter als ein “Quatschbude” . Genauso sahen das schon die deutschen Faschisten, als hinter ihnen die gleichen Vertreter mit den Millionen wedelten. Das man das deutsche Parlament noch nicht direkt als Quatschbude bezeichnet, die Verfassung aber schon vorsorglich medial und öffentlich durch Jung und Schäuble brechen lässt,besagt eigentlich alles. Es bedarf der Verhöhnung des Parlaments keiner großartigen Ankündigungen mehr, wenn man es unter Ankündigung aufkündigt.
Was die Show in den Vereinigten Staaten betrifft, zeigt nur, wie im Zweifel sich selbst liberale Inseln an der Columbia University in Kriegskammern verwandeln können.
Die Medienmacht der Kriegsgeilen Eliten sorgt problemlos dafür, dass sich selbst ein nobler Anspruch der Meinungsfreiheit unter kapitalistischen Bedinungen in das glatte Gegenteil verkehren kann.
Wenn man genau hinschaut, so war vielleicht auch genau das auch so gedacht.
Ein “liberaler” Lee Bollinger der den Geist des Bösen austreiben will, spricht sicher im Duett mit GW Bush mit Gott. Für die vermeintlichen liberarlen politischen Eliten Amerikas haben nicht nur in Bollinger sondern auch in Barack Obama einen Kandidaten gefunden, der Bush noch auf der rechten Kriegsspur problemlos überholt: als Obahma vor vier Wochen mit dem Kriegsdaumen Richtung Pakistan wedelte, gab es auf seine politischen Äußerungen schon die ersten huntert Tote.
Was bleibt, ist ein Kesseltreiben gegen den “Babaren” aus Teheran. Mission complete.
Das bei alledem der Präsident Ahmadinedschad in vielen Punkten politisch angreifbar ist ( Verleugnung und Tötung von Homosexuellen, der Frauenfrage und der Position zu Israel), ist unbestritten, nur können diejenigen, die im gleichem Atemzug mit dem Teufelbilds und ihren eigenen Leichenbergen winken, diese Anklage für sich nicht beantspruchen.
Wenigstens das Finanzkapital spricht noch ökonomisch bewertend Klarheit: wenn das bürgerliche Parlament nicht mehr für imperiale Bestrebungen taugt, gibts ja immer noch den Faschismus als taugliche bürgerliche Herrschaftsform.
Ansonsten Jens: Daumen hoch, den Geist weiter in taugliche Buchstaben, Erkenntnisse und Klarheiten verwandeln ;)
“Das bei alledem der Präsident Ahmadinedschad in vielen Punkten politisch angreifbar ist ( Verleugnung und Tötung von Homosexuellen, der Frauenfrage und der Position zu Israel), ist unbestritten, nur können diejenigen, die im gleichem Atemzug mit dem Teufelbilds und ihren eigenen Leichenbergen winken, diese Anklage für sich nicht beantspruchen. ”
damit ist eigentlich das Wesentliche gesagt - und zur Veranschaulichung dieses Widerspruchs sei der afghanische Wissenschaftler Matin Baraki zitiert:
“Nachdem die Modjahedin die Herrschaft in Kabul übernommen hatten, war eine ihrer ersten Maßnahmen die Verbannung
der Frauen aus dem öffentlichen Leben. Das Oberste Gericht Afghanistans hatte eine Verordnung über Frauenkleidung
“Ordinance on Women’s Veil” erlassen, wonach Frauen gezwungen wurden, ihren ganzen Körper mit einem langen Schleier,
einem ‘Tschaderi’, such ‘Buqrah’ genannt, zu verhüllen. Frauen waren wieder die bevorzugten Zielscheiben für Angriffe
der Islamisten. “Bewaffnete Gruppen haben wehrlose Frauen in ihren Wohnungen brutal ermordet, geschlagen oder
vergewaltigt. Eine große Zahl junger Frauen wurde entführt und anschließend vergewaltigt, von Kommandanten zur Heirat gezwungen
oder als Prostituierte verkauft. Einige begingen Selbstmord, um einem solchen Schicksal zu entgehen.” Besonders häufig
kam dies bei einer Minorität, den Hindus, vor; ihnen wurde in Afghanistan keine Existenzberechtigung mehr eingeräumt.”
bpb.de/fil...
So, man erinnere sich, dass es diese Verbrecher waren, die in den westlichen Massenmedien als ‘Freiheitskämpfer’ gepriesen wurden, die stellvertretend die ‘westlichen Werte’ gegen den ‘freiheitstötenden’ Griff der Kommunisten verteidigten.
Über die offensichtliche Heuchelei des ver-öffentlichten Diskurses, die beängstigende Manipulierbarkeit der öffentlichen Meinung und der widerwärtigen Servilität der gesteurten Massenmedien hinaus wirft das ein Licht auf das Wesen der so genannten ‘westlichen Werte’ und läßt sie erscheinen als das, was sie sind: Privileg einer verbrecherischen Minderheit und Instrument zur moralischen Legitimierung ihrer Verbrechen zugleich.
brauchbare berichterstattung auch bei democracynow.org.
.~.
wie immer ein klasse text - es ist ja wirklich bezeichnend, dass schon wieder eine hitlergleichsetzung erfolgt. zuerst war milosevic gleich hitler, dann saddam und nun ahmadinejad. 1999 gabs erstmals “humanitäre intervention” gegen den “hitler von heute”, und dann ging es erst mit den taliban, dann mit dem irak weiter so.
habe auch zum spiegelfechter mehrfach verlinkt in v wie vergleiche , bezogen auf die “befreiung” des irak, die dem iran ja nun auch blüht, und iran und atomprogramm (und wer den NPT verletzt).
@ salvo:
genau das ist ja der punkt: jene, die am lautesten von wegen das böse und der neue hitler schreien, sollten sich mal die eigene menschenrechtspraxis ansehen. die deutsche regierung zb, warum sie CIA-agenten nicht ausliefern lassen will, die menschenrechtsverletzungen an deutschen begangen haben.
und der verweis auf frauenrechte kommt meist dann, wenns passt. denk an proteste von frauengruppen gegen deals UNOCAL-taliban. ich erinnere mich auch, wie ich mit einem politiker stritt, der das sprengen von buddhastatuen schlimmer fand als menschenrechtsverletzungen an frauen, wenige monate vor 9/11 - und dann wurde er zum grössten aller verfechter von frauenrechten gegenüber den taliban.
so halten es auch die rechtspopulisten gerade in österreich: am montag wurde der islam von wegen frauenrechte angeprangert, sollte von muslime eine bekenntnis zur gleichberechtigung verlangt werden, am mittwoch macht mann gegen gleichberechtigung (zwischen “einheimischen” frauen und männern) stimmung…
ist hier ver**** als “wahres mann-sein” :-)
hi alexandra,
habe den Beitrag auf Deiner Seite soeben gelesen
ceiberweib...
und ja …..
“White man speak with forked tongue”
diese aktivität des “new hitler” wurde von den Medien eher weniger beachtet - passt leider so gar nicht ins konzept.
Ahmadinejad trifft sich mit Rabbis in NY
@PeterR
schönes Bild und ein Beleg dafür, wie sehr die Bilder, die sich die ver-öffentlichten westlichen Medien von Bösem machen, nichts als interessengeleiteten Projektionen sind
@PeterR
Danke für den Link!
Es ist natürlich typisch, dass solche Meldungen westliche Medienkonsumenten nie erreichen.
noch eine Anmerkung zum Thema Homosexualität im Iran. die nicht zu diskutierenden Verstöße gegen Menschenrechte lasse ich mal beiseite.
Ahmadinejad im Wortlaut:
In Iran, we don’t have homosexuals LIKE IN YOUR COUNTRY.
der Kommentar eines Iraner bringt ein wenig kulturellen Background ein.
Aus westlicher Perspektive überraschend ist auch, dass wenngleich im Iran Homosexualität verboten ist, Transsexualität mit dem Islam zu vereinbaren ist - und die Regierung Ahmadinejad Geschlechtsumwandlungen finanziell unterstützt.
Dabei merkt man schnell, wie determenistisch westlich die eigene Sichtweise doch ist… Abgesehen davon sind Schwulenrechte in den USA eine eher neuere Errungenschaft, und der breite Teil der konservativen Evengelisten würden Schwule wohl heute noch am liebsten hängen sehen.
PeterR
nachdem ich ein Gutteil der Kommentare auf der verlinkten Seite gelesen habe, glaube ich mir mehr denn je bewußt zu sein, wie gefährlich die Ignoranz und Dummheit der westlichen Mainstream Öffentlichkeit ist, die unfähig oder unwillens ist, dem iranischen Politiker die Differenz zuzugestehen, die jemand aus einer anderen Lebenswelt notwendig ausdrückt, und lediglich nicht mehr als zu einem Bildersturm fähig bzw willens ist
strukturell sind die selben beschränkten ‘Geister’, die die koloniale Auslöschung der ‘Primitiven’ vollzogen haben
gerade hab ich das reinbekommen, wird morgen auf (u.a.) antideutscher anti-iran-kundgebung in wien verlesen und ist gastkommentar in “der standard”, wo immer wieder auch antideutsche schreiben. der autor war leiter des dokumentationsarchivs des österr. widerstandes und ist historiker, gibt sich aber hier als nuklearphysiker zum iran. atomprogramm.
die gleichsetzung ahmadinejad-hitler, die hier impliziert wird (und per historiker wohl untermauert werden soll), erinnert an:
1999 milosevic-hitler
2001 taliban-hitler
2003 saddam-hitler
der barksdale nuke incident (b 52-bomber mit atomwaffen) war gegen den iran gerichtet, siehe artikel von
*michel chossudovsky
* wayne madsen
die air force weigerte sich, einen nuklearangriff gegen den iran zu fliegen.
allerdings wird eine von 6 cruise missiles vermisst….
siehe “Lost In Translation: Ahmadinejad And The Media”
informatio...
Debra Cagan, außenpolitischen Beraterin des US-Präsidenten, sagte vor vor einer Delegation britischer Abgeordneter nichts Anderes als
“In any case, I hate all Iranians.”
dailymail....
übrigens … wer sich da fragt, was denn da am Hals der ehmm … Dame prangt, das ist ein Orden, verliehen von den ungarischen Waffenbrüdern ….
“On the occasion of the National Day, Ambassador Simonyi presented the Officer’s Cross Order of Merit of the Republic of Hungary upon Ms. Eva Pusta and Mike Haltzel, and the Commander’s Cross Order of Merit to Debra Cagan.”
clipmarks....
Oh my God!
The U.S. election process is heating up, and the mud is spreading! Hillary Rodham Clinton, the leading Democratic candidate for U.S. President, is being sued in the state of California in what may be the largest election fraud in U.S. history. All news of this case has been effectively censored in the U.S. mainstream media.
Hillary may have violated the law by not reporting large contributions to her successful 2000 campaign for the New York Senate. Mr. Peter F. Paul claims that his contributions were omitted from the public reports filed with the Federal Election Commission, and Hillary denies all knowledge of these contributions. See the latest ruling in Paul vs. Clinton.
Hillary even denies knowing Mr. Paul, who made the contributions to her 2000 Senate campaign. A video produced by the Equal Justice Foundation of America has been viewed more than 650,000 times. A case such as this would normally end any politician’s career in the United States.
Jetzt mal ehrlich: Warum sollten Iraner “Israels Existenzrecht bejahen” - außer um des lieben Friedens willen? Irgendwelche handfesten Argumente?
weshalb “der iran” das existenzrecht israels bejahen soll:
weil jeder staat das existenzrecht des iran und jedes anderen staates bejahen soll.
so einfach ist das….
@Alexandra und Me
Interessanterweise ist auch kaum bekannt, dass die iranischen Reformer 2003 Israel anerkennen wollten, um mit den USA wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen zu können. Die USA hatte kein Interesse an dieser Offerte:
Verpasste Gelegenheiten oder gewollte Blockade?