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    geschrieben am 27. September 2007 von Spiegelfechter

    Bushs Job, die UN auf einen Konfrontationskurs mit Iran vorzubereiten, durften dieses Jahr seine neuen europäischen Pudel, Merkel und Sar-ko-zee, übernehmen. “His Madness himself” nahm sich der Menschenrechtslage und der Demokratie in Myanmar an. Und wenn der Fürst der Dunkelheit die Worte “Freiheit” und “Demokratie” in den Mund nimmt, muss die Welt zittern … im Falle Myanmars ist dies nicht nötig, da der Westen es bei Schaumschlägereien belassen wird.

    Wenn USA und EU Myanmar mit Sanktionen drohen, so ist dies für die dortige Militärjunta in etwa so bedrohlich, wie ein Strafzoll auf burmesische Exporte, verhängt von der zentralafrikanischen Union. Myanmar hat fast keine Wirtschaftsbeziehungen zum Westen und wird seit 2003 von den USA massiv sanktioniert. Seitens der EU bestehen seit 1996 weitreichende Sanktionen, die zuletzt 2004 verschärft wurden. Mit was will der Westen eigentlich drohen?

    Wichtige Partner für Myanmar sind Thailand, Indien und Malaysia (Petronas wünscht Zugang zu den burmesischen Erdgasvorkommen) und vor allem China. Myanmar hat 283 Mrd. Kubikmeter nachgewiesene Erdgasvorkommen – das ist in etwa so viel, wie Deutschland.

    Den kostspieligen Umzug der Hauptstadt ins gesicherte Pyinmana Naypyidaw hat China nahezu komplett aus eigener Tasche bezahlt – eine Tatsache, die den westlichen Medien unbekannt ist, SPON nennt beispielsweise Rangun immer noch “Hauptstadt”. Auch, dass Rangun eigentlich Yangon heißt, wird vom SPIEGEL geflissentlich ignoriert. Dafür verwendet der SPIEGEL seit heute anstatt des offiziellen Landesnamens “Myanmar” den alten Kolonialnamen “Burma” (das CIA-World Factbook benutzt ebenfalls diesen Namen) – es bleibt abzuwarten, wann Zimbabwe wieder Rhodesien genannt und Thabo Mbeki als “Hottentotte” bezeichnet wird.

    Myanmar ist ein wichtiger Handelspartner für Holz und ein idealer Standort für einen Hafen, der über Pipelines die chinesische Provinz Yunnan mit dem Saft des Lebens versorgen kann. Das komplette Grenzgebiet zu China soll mittlerweile abgerodet sein – alleine 2005 betrugen die Holzexporte 350 Mio. US$ (und dies sind nur die offiziellen Exporte, ein gigantischer Raubbau mit illegalen Exporten kommt noch hinzu). Offizielle Zahlen über Myanmars Hauptexportgut – Drogen – sind freilich nicht zu bekommen. Myanmar ist der größte Opiumproduzent des “Goldenen Dreiecks” und wird international nur vom Weltmarktführer Afghanistan getoppt.

    Wenn Bush und Merkel wirklich etwas für die unterdrückten Menschen in Myanmar tuen wollten, so würden sie China auffordern, die Unterstützung für die burmesische Militärjunta einzustellen. Als Druckmittel käme beispielsweise die Drohung, amerikanische und deutsche Sportler nicht bei den Olympischen Spielen in Peking starten zu lassen, in Frage. Würden Bush und Merkel das tun? Nein, ganz sicher nicht – daher ist das Geheuchel über die unterdrückten Burmesen auch nur schwer zu ertragen.

    Man kann den unterdrückten Menschen in Myanmar nur die Daumen drücken, dass sie es schaffen, die blutige Militärjunta zu vertreiben. Auf Unterstützung dürfen sie allerdings nicht zählen – der Westen ist ein zahnloser Papiertiger, die Nachbarn haben ein ökonomisch-strategisches Interesse an der Fortführung der Militärdiktatur und für China wäre ein buddhistischer Staat an der Südflanke, der sich von seinem oppressiven Regime befreit hat, eine Katastrophe, so daß China sicherlich keine Probleme mit einem gigantischen “neuen Tiananmen” hätte. Armes Myanmar.

    Hintergrundinformationen:
    Harald Neuber: Blasse Farbrevolution in Myanmar
    Brian McCartan: Monks in the vanguard for regime change
    Richard Ehrlich and Shawn W Crispin: The man behind the madness
    Economics at the root of protests
    Brian McCartan: Moment of truth for Myanmar’s military
    Pepe Escobar: Buddha vs. the barrel of a gun

    Die geeigneten Informationsportale zum Konflikt in Myanmar hat BloggingTom zusammengestellt. (via)

    Jens Berger

    Bildnachweis: Ko-Htike, The Irrawaddy

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    25 Kommentare:

    1. Simon Columbus schrieb am 27. September 2007 at 15:51 - Permalink

      Ja, das werden die Burmesen wohl alleine Regeln müssen – zumal China auf jeden Fall blockieren wird (ein weiteres Beispiel, warum Vetorechte – nicht nur im UN-Sicherheitsrat – gefährlich sind). Ein eigenes Tian-an-men haben sie wohl schon.

      Was die Namensfrage angeht ist Wikipedia ganz interessant:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Myanmar#Landesname_-_Birma.2C_Burma_oder_Myanmar.3F

    2. david schrieb am 27. September 2007 at 17:34 - Permalink

      die schwächung chinas ist doch im interesse der eu und usa.

      die drohung mit nichtteilnahme bei der olympiade wäre doch eigentlich eine geniale idee um der pro-westlichen opposition in “myanburmar” zum durchbruch zu verhelfen und den chinesen das gas und das holz wegzunehmen. das entspricht genau der sog. eindämmungspolitik, die china kleinhalten soll.

      das schreckgespenst wird an die wand gemalt: giftige puppen, Spionage und ein abgesagtes frühstück, nur weil man sich mit dem dalai lama trifft (allerdings im Kanzleramt!!). und nun auch noch die unterstützung von gewalt gegen mönche. die medien verweisen schon sehr stark auf den zusammenhang china-myanmar.

      auch ohne eine nicht-teilnahme drohung ist das bild vom bösen china nun schon sehr verbreitet- und die chinesen tappen in eine falle, wenn die proteste in myanmar niedergeschlagen werden.

      ps: sar- ko -zee, that’s a cool name.

    3. azorro schrieb am 27. September 2007 at 18:00 - Permalink

      Bevor wir die Olympischen Spiele boykottieren, sollten wir lieber erst die Ölkonzerne boykottieren die dort in Land blutige Geschäfte machen:

      TOTAL aus Frankreich und UNOCAL und CHEVRON aus USA!

    4. david schrieb am 27. September 2007 at 18:32 - Permalink

      Zum Thema Schwächungsstrategie gegen China ein Link:
      http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57017?PHPSESSID=r78ffaoqkh4ojk7j7h3unumgt2

      da passt der aufstand in myanmar sehr gut rein.

    5. derhans schrieb am 27. September 2007 at 19:55 - Permalink

      Großartiger Artikel!

      Tatsache ist, der EU und den USA ist es ziemlich schnuppe was in Myanmar/Burma/Birma passiert, solange es für die hiesige Wirtschaft oder diversen geostrategischen Interessen (die meistens auf die Interessen der hiesigen Wirtschaft hinauslaufen) nicht schadet.

      Um seine Pflicht und Schuldigkeit gegenüber der sogenannten Öffentlichtkeit (lies “weitestdgehend gleichgeschaltene Medien und stumpfdummes Wahlvieh) zu leisten, werden nette Apelle verfasst und mit wirkungslosen Sanktionen gedroht.

      Das erinnert in etwa an die Bemühungen China zur Einhaltungen von Menschenrechten zu bewegen, ein paar nette Worte von Frau Merkel, gefeiert von der Presse, gefressen vom Volk, interessieren aber letztendlich keinen was.

      Wenn wir nächste Woche ähnliche Bilder aus dem Iran sehen würden, wäre die Reaktion vermutlich sehr viel weniger zurückhaltend,

    6. hannilein schrieb am 28. September 2007 at 02:50 - Permalink

      “Sar-ko-zee”, Cheffe?

      Darf sich die Setzerin dann künftig auch in “Sarko-Phag” umbenennen? *LOL*

      hannilein

    7. hannilein schrieb am 28. September 2007 at 03:02 - Permalink

      Und noch was für den “Cheffe”:

      das ist in etwa so viel, wie Deutschland. Dieser Satz kein Verb :-P
      Der Sinn ist somit völlig unklar :(
      - “wie Deutschland BESITZT”?
      - “wie Deutschland BENÖTIGT”?

      Ratlos…
      die Setzerin

      P.s.: Das Komma gehört da übrigens auch nicht rein :-P

    8. Frank Hermann schrieb am 28. September 2007 at 07:21 - Permalink

      Na, sind wir hier beim Duden- oder beim Spiegelfechter?
      ;)

      Super Artikel, muss ich sagen. Zeigt [zum hundertsten mal] sehr schön die Verlogenheit und Zahnlosigkeit westlicher Politik auf…

    9. K.I.W. schrieb am 28. September 2007 at 11:15 - Permalink

      Als Zusatzmeldung:

      In Burma/Myanmar wurde die Leitungen zum Internet gekappt. Offiziell ist es natürlich nur die Beschädigung eines Kabels… aber es manche Zufälle sind einfach zu seltsam.
      Anbei (als Quelle) die heise-Meldung dazu:

      http://www.heise.de/newsticker/meldung/96696

      K.I.W.

    10. Spiegelfechter schrieb am 28. September 2007 at 11:18 - Permalink

      @10 Hannilein

      Ja, das hat seinen Grund!

    11. Meike schrieb am 28. September 2007 at 11:20 - Permalink

      Ein kurzer Nachtrag zum Namen: Ich war 2004 für einen Monat in Burma. Die Burmesen, mit denen ich mich unterhalten habe, sagen alle Burma und haben den Namen Myanmar nicht verwendet, da er vom Regime bestimmt wurde.

      Um Wikipedia zu zitieren: “Auch Aung San Suu Kyi sprach sich 1996 für die Beibehaltung von Burma aus, zum einen wegen der fehlenden Mitwirkung des Volkes, zum anderen, da der Begriff Myanmar eben nicht die Vielfalt der Volksgruppen im Lande widerspiegele.”

    12. Simon Columbus schrieb am 28. September 2007 at 11:32 - Permalink

      Es sieht aus, als würde es grade zu Auseinandersetzungen innerhalb der Armee kommen. Außerdem scheint das Internet nicht überall unerreichbar zu sein. Es kann sein, dass das Regime gerade die Kontrolle über Mandalay verliert (ich habe ein wenig dazu geschrieben):

      http://www.simoncolumbus.de/?p=336

    13. Boje schrieb am 28. September 2007 at 13:00 - Permalink

      Wie heißt es denn nun? Burma, Birma ? Dachte immer Myanmar ist die Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe…

      “Bushs Job, die UN auf einen Konfrontationskurs mit Iran vorzubereiten, durften dieses Jahr seine neuen europäischen Pudel, Merkel und Sar-ko-zee, übernehmen.”

      Sehr schön formuliert – mir blieb das Lachen im Halse stecken.

    14. Spiegelfechter schrieb am 28. September 2007 at 13:41 - Permalink

      @Boje

      Wie das Land nun “richtig” heißt, ist nicht zu beantworten. “Burma” ist der Kolonialname, der auch von Oppositionellen, dem SPIEGEL und den USA verwendet wird. “Myanmar” ist der Landesname, den die Junta offiziell eingeführt hat, um das koloniale Erbe abzustreifen. Diese Bezeichnung wird von der UNO, dem deutschen Auswärtigen Amt und der Asia-Times verwendet (weshalb ich ihn auch benutze). “Birma” ist die “eingedeutschte” Version von “Burma”. Diese Bezeichnung wird z.B. von der SZ und der ARD verwendet.

      Chaos pur!

      Etymologische und sprachwissenschaftliche Hintergründe kannst Du dem WIKI-Artikel entnehmen.

    15. Spiegelfechter schrieb am 28. September 2007 at 13:45 - Permalink

      @Boje

      Nachtrag:

      Die SZ scheint sich da aber auch nicht soooo sicher zu sein:


      Screenshot SZ-Online

    16. Wolfgang schrieb am 28. September 2007 at 19:28 - Permalink

      Zur Namensfrage Burma oder Myanmar:

      Ich war in den letzten Jahren mehrere Monate in Myanmar und praktisch jeder Bewohner dort sagt “Myanmar”. Ganz selten erlebt man, dass aus Höflichkeit gegenüber dem Ausländer “Burma” gesagt wird, weil man vermutet, dass der richtige Name nicht bekannt ist.

      Der Name Myanmar wurde mitnichten von der Militärregierung erfunden oder durchgepeitscht, sondern wurde schon im 12. Jahrhundert verwendet.

      Erst die Engländer führten offiziell “Burma” als Bezeichnung ein. Wer heute noch auf “Burma” insistiert, kennt entweder die Geschichte nicht oder will die Verbrechen des englischen Kolonialregimes verniedlichen.

      @Spiegelfechter: Danke für den ausgewogenen Beitrag. Leider ist sowas in der deutschen Presselandschaft eine Seltenheit. Gerade lese ich im Spiegel, dass deutsches Fussball im Fernsehen verboten sei. Im Gegenteil: Läuft in jeder Kneipe und die Leute gehen begeistert mit. Wer soviel Unsinn erfindet, dessen Berichterstattung ist mehr als zweifelhaft.

    17. Thieme, Jörg schrieb am 22. Oktober 2007 at 09:54 - Permalink

      Spendet für Burma!:
      http://www.avaaz.org/en/end_the_burmese_blackout/


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