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  • Liebe Nachbarn, wir zählen auf Euch!

    geschrieben am 25. März 2010 von Spiegelfechter

    Die zwanghafte Fixierung auf den Export hat eine hohen Preis. Lohndumping made in Germany gefährdet die Gemeinschaftswährung. Schmeißt Deutschland aus der Eurozone!

    Ist Wirtschaftswachstum ein Selbstzweck? Wenn man die jüngere Vergangenheit der deutschen Politik betrachtet, könnte man diesen Eindruck gewinnen. Im letzten Jahrzehnt feierte die hiesige Wirtschaft einen Rekord nach dem anderen, während davon beim normalen Bürger so gut wie gar nichts ankam. Das “Gürtel enger schnallen” wurde über die Jahre zum alles bestimmenden Dogma und wir schluckten eine Kröte nach der anderen.

    Sag mir wer Dich lobt und ich sage Dir, was Du falsch machst ? natürlich priesen die so genannten Wirtschaftsexperten die “maßvolle Zurückhaltung” der Arbeitnehmer über den grünen Klee, und der ehemals politische Arm der Gewerkschaften forcierte die zwanghafte Fixierung auf den Export in nie gekannten Dimensionen. Deutschlands Außenhandel ist konkurrenzfähig wie nie zuvor. Doch zu welchem Preis? Die Reallöhne deutscher Arbeitnehmer dümpeln seit 1995 auf einer Nulllinie, während der Niedriglohnsektor förmlich explodiert und Millionen Deutsche in die Armut abgleiten. Sieht so das erfolgreichste Land Europas aus? Kann Europa am deutschen Wesen genesen?

    Weiter auf freitag.de

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    Die zwanghafte Fixierung auf den Export hat eine hohen Preis. Lohndumping made in Germany gefährdet die Gemeinschaftswährung. Schmeißt Deutschland aus der Eurozone! Ist Wirtschaftswachstum ein Selbstzweck? Wenn man die jüngere Vergangenheit der deutschen Politik betrachtet, könnte man diesen Eindruck gewinnen. Im letzten Jahrzehnt feierte die hiesige Wirtschaft einen Rekord nach dem anderen, während davon beim ...
    Tags: Deutschland Europa Finanzkrise Wirtschaft
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    1. Tweets that mention Der Spiegelfechter» Blog Archive » Liebe Nachbarn, wir zählen auf Euch! — Topsy.com

    65 Kommentare:

    1. firefly schrieb am 25. März 2010 at 11:19 - Permalink

      Ja ja, Schuld an allem sind allein nur die Deutschen. Warum soll man sie eigentlich nur aus dem Euro werfen? Treibt sie doch gleich ins Meer, damit sie nie wieder die Welt mit ihren Industriegüter überschwemmen können. Diese Unmenschen.

    2. kapiernix schrieb am 25. März 2010 at 11:33 - Permalink

      Wieder einmal die Wahrheit gesprochen.

      Während die Wirtschaft boomt lebt die breite Masse in einer Rezession.
      Und die oberen 10000 predigen Wasser und stoßen mit Schampus auf die Dummheit der Gläubigen an.
      Wenn was kaput geht schiebt jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe und zum Schluss trägt wieder niemand die Verantwortung.

      Das ist Alltag in Deutschland und wird sich auch so schnell sicher nicht ändern.

    3. HAL9002 schrieb am 25. März 2010 at 11:53 - Permalink

      Kann Europa am deutschen Wesen genesen?

      Mein Antwort : Ja
      Aber nur wenn D zum Teilen bereit ist. Innerhalb D’s und innerhalb der EU. Was nicht geht, ist von den “anderen” zu leben, um sie dann als Faulenzer zu beschimpfen, so wie HartzIV’ler, Griechen usw.

      D versteckt sich im Euro so wie China hinter dem Dollar. Der Konsum wird in D abgewürgt, um noch billiger zu sein mit den bekannten Folgen (Armut in D) – ok. Die Frage der sog. Liberalen ist aber auch ein bißchen richtig: Wenn nicht wir, dann macht’s ein anderer – freier Handel und so. Das Ergebnis ist imho auf jeden Fall *cheiße für die Menschen.
      Alernativen: Mehr Konsum? Mehr Schulden? So wie in den USA? Oder wollten wir denn nicht sparen, der Umwelt zu liebe? Oder kann man sparen, um stärker zu wachsen?

      Ich würde mir eine Diskussion wünschen, wie wir mit technischer/wirtschaftlicher Stagnation umgehen können.

    4. Vogel schrieb am 25. März 2010 at 12:00 - Permalink

      @Jens
      Hervorragend!

      Wenn unsere Nachbarn den Euro beibehalten und uns unsere heiß geliebte D-Mark wiedergeben, [...]. Deutsche Exporte würden sich drastisch verteuern, während Importe hierzulande billiger würden. So wäre das Ungleichgewicht entschärft und der deutsche Arbeitnehmer könnte ohne die “Großzügigkeit” seines Arbeitgebers plötzlich wieder mehr konsumieren [!!]. Ein Ausschluss Deutschlands hätte somit viele Gewinner. Liebe Nachbarn, wir zählen auf Euch!

      Vllt. noch bessere Lösung: Ein teutscher Euro (mit “t”)? Die von Dir, lieber Jens, beschriebenen positiven Effekte würden eintreten – gleichzeitig könnten wir uns an: “teutsch” (Wir…) in Verbindung mit “Euro” (…beherschen Euch) berauschen.

      Hatten alle, die sich vor dem wiedervereinigten Deutschland fürchteten und fürchten (Schröder: “… keine deutschen Steuergelder in Brüssel verbraten …” –> Merkel!) am Ende doch recht? Steht er wieder auf, der häßliche, der dominante Deutsche?

      Am teutschen Wesen …! Jaja, Kolonien (Südeuropa) bedeuten auch Verantwortung!

      Beste Grüße

    5. salvo schrieb am 25. März 2010 at 12:13 - Permalink

      ich habe vor Kurzem einen Artikel auf dem Blog von Yves Smith gelesen, der Stratfor über die Implikationen der neuen Obama Export-Strategie foldendermaßen zitiert,

      “One of the leading reasons the world has been so stable is because the traditional merchant powers have had a deep market to sell into: the United States. Part of the peace accords and reconstruction of Japan included granting it full access to the U.S. market as well as full American protection of Japanese trade lines. Part of the peace accords and reconstruction of Germany included a similar arrangement. These arrangements proved so successful in containing Japanese and German imperial ambitions, revitalizing and enriching their economies, and giving them a powerful incentive to be part of the U.S. alliance structure that the pattern was repeated throughout Western Europe, in Taiwan and Korea, and to a lesser degree in Indonesia and elsewhere.

      By granting these states privileged access to the American market ? and not necessarily demanding American access to their markets in return ? the United States created conditions extremely favorable for its allies? economic development and prosperity. ?All? it asked for in return was the right to determine military strategy, ultimately creating a global alliance network that served American interests. The United States traded some market share to turn adversaries into allies, both reducing the number of foes and intimidating the remainder by the sheer size of the U.S. alliance structure. As a result, some of the world?s most aggressive mercantile powers became placid. They no longer had to go to war for access to resources or markets.

      This entire arrangement, however, rested on the basis that the United States generally did not use the full force of its state power in pursuit of its singular economic ends. The United States was content to buy others? goods and run trade deficits to command the loyalty of its allies in security matters. The question with the Obama administration?s export strategy is whether it marks a change from this mode. To increase exports, one has to increase penetration into foreign economies, and a number of countries? economies and social systems only work the way they do because they have taken shape with minimal outside pressure ? i.e., minimal competition from the United States. This is not to say that many countries do not already perceive the U.S. presence as overbearing, but rather that the United States simply has not spent much energy in competing for foreign market share over the past half century. If it suddenly exerts itself in opening up the doors of trade around the world ? and doubling U.S. exports would mean finding buyers for an additional $1.5 trillion dollars worth of goods ? it will disrupt a lot of places.

      We are not saying that the Obama administration?s export strategy is good, bad, wise, unwise, feasible, unfeasible or anything else. It simply raises the question of whether it is a coincidence that when the dominant global power did not use state power to seek foreign markets, the degree of competition and ultimately violence among players on the international stage was markedly lower than in previous periods. If not a coincidence, then the full weight of the American nation behind a strategy of maximizing exports could have massive unintended consequences.”

      http://www.nakedcapitalism.com/2010/03/entering-a-new-mercantilist-era.html

    6. Thomas schrieb am 25. März 2010 at 12:30 - Permalink

      Ist alles zutreffend. Zur Zeit geht es aber auch darum, einen Länderfinanzausgleich auf Europaebene abzuwenden, oder möchten Sie dafür aufkommen, Jens Berger? Anyway, jetzt bekommen wir so oder so wieder die DM-Debatte.

    7. Spiegelfechter schrieb am 25. März 2010 at 12:37 - Permalink

      @Thomas

      “Ich” – als Person – komme für diesen “Länderfinanzausgleich” natürlich schon jetzt auf. The Games must go on, kaum auszudenken, was passieren würde, wenn Deutschland seine besten Märkte wegbrechen.

    8. elwu schrieb am 25. März 2010 at 13:09 - Permalink

      @ Spiegelfechter: wieso? Dann wäre mal Zwang da, den Binnenkonsum zu stärken. Dazu müsste allerdings nach Jahrzehnten des politisch und gewerkschaftlich forcierten Kaufkraftverlustes der Mittelschicht endlich mal diese bedacht werden mit Erleichterungen, statt ihr immer noch mehr Lasten aufzuhalsen an Umverteilung nach unten, oben, zu den Beamten, in andere Länder…

    9. Westerwellenreiter [Jan Müller] schrieb am 25. März 2010 at 13:11 - Permalink

      Die Löhne in der exportorientierten Industrie Deutschlands sind mit die höchsten in Europa, glaube ich.

    10. Karl Heinrich schrieb am 25. März 2010 at 14:09 - Permalink

      @Westerwellenreiter [Jan Müller] #8

      Die Löhne in der exportorientierten Industrie Deutschlands sind mit die höchsten in Europa, glaube ich.

      Jedenfalls profitieren die Arbeitnehmer vom Exporterfolg:
      Zum einen: Hinter den Lohnstückkosten steht auch der Produktivitätsforschritt ? dank guter Technologie und Arbeitsorganisation stieg hierzulande die Produktion je Arbeitnehmer stärker als bei vielen Nachbarn.

      Zum anderen: Die Löhne der deutschen Industrie sind in den vergangenen Jahren zwar nicht exorbitant gestiegen ? aber immerhin eilten sie allen anderen inländischen Tarifbereichen davon: In der Metallindustrie legten die Tariflöhne seit 2000 um 27 Prozent zu, die Chemieindustrie stand mit 26 Prozent kaum nach.

      Würden jedoch die Löhne noch stärker steigen, wäre damit niemandem gedient:
      Eine selbst herbeigeführte Schwächung deutscher Wettbewerbsfähigkeit mag kurzfristig die französische Handelsbilanz verbessern, indem sie weniger Waren aus Deutschland kaufen. Handelsströme würden größtenteils nur umgelenkt: Statt aus Deutschland kommen Maschinen dann aus China, Japan und den USA nach Frankreich. Vom Verlust deutscher Wettbewerbsfähigkeit profitieren in erster Linie Wettbewerber in Übersee.

      Damit ist die These vom Lohndumping-Export hinfällig. Sie beruht auf der Vermischung unterschiedlicher Wirtschaftssektoren.

    11. harey schrieb am 25. März 2010 at 14:20 - Permalink

      Ein sehr guter Artikel, danke!

      Was mich dabei etwas wundert ist dass solche Probleme doch eigentlich zu erwarten waren. Wurde vor der Einfuehrung des Euro eigentlich von Wirtschaftwissenschaftlern vor solchen Folgen gewarnt? Sollten nicht auch ein paar Politiker Wirtschaftswissenschaft studiert haben? Ich kann mich nur noch an das Geschrei der Deutschen ueber den Verlust der guten alten “starken D-Mark” erinnern.

    12. Lemmy Caution schrieb am 25. März 2010 at 14:30 - Permalink

      Seh das voll anders.
      In den Exportsektoren werden ja keine niedrigen Löhne gezahlt! Niedrige Löhne werden im Handel oder beim Friseur bezahlt, wobei Friseure von mir weltweit (d.h. Deutschland und Chile) 30% Trinkgeld erhalten.
      Deutschland scheint eins der wenigen EU Länder zu sein, das in China Exporterfolge feiert… hauptsächlich mit Autos, Maschinen und Autoteilen… und mir kann keiner erzählen, dass die Beschäftigten dieser Branchen Niedriglöhne erhalten.
      Im Gegenteil übernehmen etwa im IT-Bereich osteuropäische ex-Commi-Länder einen Teil der Arbeit. Eben weil dort niedrigere Löhne bezahlt werden. Und ich gönns den kroatischen, rumänischen, slowakischen, russischen, tschechischen und polnischen Kollegen, mit denen ich in den letzten Jahren zusammenarbeiten durfte.

      In Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, etc. gibts halt zu wenig Produktivitätszuwächse.
      Im VW Konzern hat Skoda sehr großen Erfolg, während SEAT nach wie vor so hindümpelt. Kann mir kaum vorstellen, dass dies daran liegt, dass SEAT netterweise besonders hohe Löhne zahlt…
      Die Ursachen für die geringen Zuwächse in den Lohnstückkosten in jenen Ländern dürften äußerst vielschichtig sein.

      @Salvo: Das mit den Handelsbilanzdefiziten der USA begann erst Ende der 70er. Da war der Wiederaufbau der Bundesrepublik schon Geschichte. Im übrigen besassen UK und Frankreich einen ähnlich offenen Marktzugang zu den US of A wie Deutschland, Südkorea und Japan… und deren Volkswirtschaften entwickelten sich nicht so gut.
      Und die Legende, dass die “US of A nicht ihre völlige Wirtschaftsmacht für Exportmärkte genutzt hätte… Unsinn… deren Waren sind in vielen Bereichen eben nicht so konkurrenzfähig. Kannst du etwa in Chile beobachten. In Sachen Autos, Weiße Ware, etc. siehst du kaum US Produkte. Alles Europa oder Asien. Aus den USA kommen die Äpfel im Südwinter… viele Filme .. die meisten DVDs sind pirateados. Und les mal über die “Handelskriege” mit Japan in den 80ern. Die haben alles mögliche versucht, um ihr Handelsbilanzdefizit zu verringern…

      Ich arbeite in Deutschland und bin von dessen Entwicklung also stark betroffen. Wir – d.h. die Arbeitnehmer und Steuerzahler – sind bislang sehr gut durch diese Krise. Ich bin für die EU, den Subventionierung der Infrastruktur in den meisten ärmeren Regionen unserer Gemeinschaft. Aber bitte kein Geld verschenken an Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, usw.
      Oder gehen die Spananier etwa besonders freundlich mit den magrebinischen und osteuropäischen Gastarbeitern um? Oder erstmal deren erfolgreichen Banken. Ich hab in Chile Kreditverträge der Banco Santander gesehen, in dem ich mit allen Gebühren, Abzügen und sonstigen “Spezialitäten” auf einen effektiven Zins von 20% ausgerechnet hab. IM MONAT. Und eine Quelle im Inneren einer solchen Santander-Zweigstelle in der Provinz meinte, dass dies bei Krediten für ärmere Leute genau so ist. Die besser verdienenden erhalten wesentlich bessere Kredite…. Banking ist eines der wenigen Erfolgsbranchen Spaniens.

    13. manni schrieb am 25. März 2010 at 14:45 - Permalink

      also ich muss sagen, mich interessiert das alles immer weniger. warum: weil mein intellekt, so wie bei sicherlich mehr als 99% der menschen auch, nicht ausreicht, um die einzelnen lösungsansätze objektiv beurteilen zu können. es klingt logisch, daß ein exportüberschuss in diesem maße nicht zu stande gekommen wäre, wenn deutsche arbeitnehmer sich nicht mit einem reallohnschwund “zufrieden gegeben” hätten. das von karl heinrich zitierte, klingt aber nicht weniger logisch. also: was tun? im rahmen des möglichen sein eigenes süppchen kochen und einem politiker mit dem knüppel nachstellen, sobald man ihn auf der straße sieht ?! hm ich weiss nicht ich weiss nicht.

      ich hoffe mal, daß mich der niedergang nicht einholt und ich wohlmöglich im alter als hilfsbedürftiger mensch dahinsieche. und nach mir sowieso die sintflut. ich kann’s nicht ändern

    14. Omom schrieb am 25. März 2010 at 15:01 - Permalink

      @9 Karl Heinrich

      Sie schreiben:

      “In der Metallindustrie legten die Tariflöhne seit 2000 um 27 Prozent zu, die Chemieindustrie stand mit 26 Prozent kaum nach.”

      In diesem Zitat möchte ich die Betonung auf das Wort “Tariflöhne” legen! Denn: Die Tarifbindung der deutschen Unternehmen hat sich in den vergangenen 10 Jahren deutlich reduziert. Das IAB schreibt hierzu unter der Überschrift “Tarifbindung nimmt weiter ab”:
      http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen-2007/140607.aspx

      “Die Zahl der tarifgebundenen Betriebe ist in den letzten zehn Jahren erheblich zurückgegangen. Das zeigen die Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Befragung von 16.000 Betrieben und Verwaltungen durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten wird von Flächentarifverträgen erfasst.
      1996 arbeiteten in Westdeutschland 69 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, in denen ein Flächentarifvertrag galt. Im Jahr 2006 waren es nur noch 57 Prozent. In Ostdeutschland sank der entsprechende Anteil der Beschäftigten von 56 auf 41 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um zwei Prozentpunkte im Westen bzw. um einen Prozentpunkt im Osten. Die Erosion der Flächentarifverträge ist zumindest im Westen bislang nicht gestoppt. In Ostdeutschland deuten die Zahlen der letzten Jahre dagegen eher auf eine Stabilisierung hin ? allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.
      Die ganze Bedeutung des Flächentarifs wird jedoch erst deutlich, wenn man berücksichtigt, dass zudem fast jeder fünfte Arbeitnehmer davon indirekt profitiert. 18 Prozent der westdeutschen und 22 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiten nämlich in Betrieben, die sich an einem Flächentarifvertrag orientieren.”

      Das heißt: Unter Einschluß der Unternehmen, die sich zumindest an Tarifverträgen orientieren, sind lediglich noch ca. 77 Prozent der Betriebe tarifgebunden.

      Und: Der Anteil der Unternehmen, für die ein “betriebliches Bündnis zur Wettbewerbs- und Standortsicherung” greift, beträgt mittlerweile 12 Prozent (bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sogar 20 Prozent). Diese “Bündnisse” laufen in den allermeisten Fällen für den Fall schlechter Beschäftigungslage auf Lohnkürzungen und damit auf ein Aushebeln der Tarifverträge hinaus.

      Des weiteren ist zu berücksichtigen, daß in den Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze in schlechtbezahlte Leiharbeitsplätze und in 400-Euro-Jobs umgewandelt wurden.

      FAZIT:

      Die Lohnsteigerungen in den von Ihnen ausgewählten Branchen (andere Branchen haben sich schlechter entwickelt) sind für viele der dort Beschäftigten von rein theoretischer Natur, d.h. sie haben auf dem “Lohnzettel” in dieser Höhe überhaupt nicht stattgefunden. Dies gilt erst recht für die Dienstleistungsbranchen, die als Vorleistung auch in die exportorientierten Branchen einfließen und somit indrekt zum Lohndumping der Exportbranchen beitragen.

      Die deutsche Wirtschaft, unterstützt von neoliberalen Politikkonzepten (“Agenda 2010″, Hartz IV etc.) gehört, neben der unsoliden Politik früherer griechischer Regierungen, zu den Hauptkrisenverantwortlichen innerhalb der Euro-Zone. Neben Griechenland sind hiervon auch Spanien, Portugal und Italien betroffen.

      Ich verweise hierzu auf den lesenswerten Beitrag in Telepolis:

      ” Ist Deutschlands Sparsamkeit schuld an den Problemen?”
      http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32198/1.html

    15. DJ Doena schrieb am 25. März 2010 at 15:14 - Permalink

      Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. Mitte der Neunziger waren wir noch “der kranke Mann Europas” und wurden von Resteuropa belächelt. Jetzt sind wir wieder obenauf und machen’s auch keinem recht…

    16. Frank Schenk schrieb am 25. März 2010 at 15:22 - Permalink

      Ich frag mich, was für Drogen man nehmen muss, um solchen Senf wie der Westerwellenreiter zu verzapfen? Es reicht doch, ins eigene Portemonnaie zu schauen. Oder bei der Eisdiele nebenan. Die hat gerade die Preise erhöht. 1 Euro pro Kugel! Früher (also vor 5 Monaten) gabs dafür eine große Kugel. Natürlich wird mir jetzt irgendwer erzählen, daß die Milch soviel teurer geworden ist – oder die Löhne – oder der arme Unternehmer neben seiner S-Klasse auch mal einen Ferrari fahren will – aber inwiefern ficht mich das an? Vor 10 Jahren gabs für 2 DM die doppelte Menge an Eis sprich in 10 Jahren haben sich – nicht zuletzt dank des Euro – fast alle Kosten verdoppelt. Kostete damals eine 60qm Wohnung 500-600 DM, kostet sie heute 500-600 Euro. Kostete damals ein Brötchen 30-50PF, kosten diese heute 30-50Cent beim Bäcker.

      Nur die Lohntüte – die ist nicht doppelt so dick geworden. Im Gegenteil. Man (also Arbeitgeber) muss sparen, wo es nur geht. Nullrunden ohne Ende, Entlassungen etc. und dank Modernisierung die selbe oder höhere Produktivität wie vor 10 Jahren. Nur die Fachkräfte werden – trotz allem “Fachkräftemangels” – nicht mit dem doppelten Lohn abgegolten, denn Politik + Arbeitgeberverbände haben den Wettbewerb um die besten Fachkräfte umgekehrt. Es geht nur noch drum, wer für am wenigsten Geld am Meisten arbeitet.

      Übrigens glaube ich, ist diese Euroschwäche gewollt von einigen der “Eliten”. Macht Exporte deutscher Waren ins Ausland viel attraktiver. Nur wird die Lebenshaltung dadurch teurer.

      gruß

    17. Anonymus schrieb am 25. März 2010 at 15:46 - Permalink

      Tja, warum waren wir wohl Mitte der 90er der “kranke Mann” (und das waren eher weniger die europäischen Nachbarn als die eigenen Arbeitgeberverbände, die das postulierten). Mitte der 90er hatten wir noch unsere gute alte DEM, das EWS flog kurz davor auseinander, u. a. das GBP und die ITL waren zur Abwertung gezwungen, die ITL sank quasi über nacht von ca. 700 : 1 auf 1000 : 1. Folglich wurden deutsche Waren im Ausland teurer und Importe billiger und zur gleichen Zeit begann man verstärkt über die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit zu lamentieren, man brachte sie jedoch nicht mit den Wechselkursschwankungen in Verbindung, nein, schuld daran war der Sozialstaat, der zu fett und zu teuer geworden war, so war es und diese Diskussion hätten wir heute wieder, wenn wir noch eine eigene Währung hätten und m. E. auch wenn die anderen Länder nun in die interne Abwertung einstiegen und wir darüber dann an “Wettbewerbsfähigkeit” verlören!

    18. Unbequemer schrieb am 25. März 2010 at 15:47 - Permalink

      @ Frank Schenk

      Keinen Drogen – Geld – es gibt nun einmal im Internet bezahlte “Jubelperser”, die sich für die Interessen derer einsetzen, die das Geld geben.

      Aber, nüchtern betrachtert ist Geld ja die gefährlichste Droge. Die Dosis muss immer größer werden. Siehe die Milliardäre.

      ;-)

      Ich bin auch schon bei meiner 5. Million. Mit den ersten vier Millionen hat es nicht geklappt.

      ;-)

    19. abc schrieb am 25. März 2010 at 16:12 - Permalink

      @9 Karl Heinrich:
      “In der Metallindustrie legten die Tariflöhne seit 2000 um 27 Prozent zu”
      Nehmen wir den Zeitraum von Anfang der 90er siehts wieder ganz anders aus. Naja was will man von der Quelle “Handelsblatt” auch anderes erwarten, das ist das Sprachrohr der Arbeitgeber.
      Zudem kam vor wenigen Jahren das tolle ERA, mit dem viele einst gut Bezahlte Lohnkürzungen hinnehmen mussten. Die Gewerkschaften haben es mal wieder nicht bzw zu spät kapiert und sich über den Tisch ziehen lassen.
      Von der ausufernden Zeitarbeit und befristeten Jobs gerade im Metallbereich haben sie anscheinend auch noch nichts mitbekommen. Selbst in Grossbetrieben wie VW/Audi die wirklich Spitzenlöhne
      zahlten sind die goldenen Zeiten für jeden Neueinsteiger vorbei. Die Altmannschaft wird nach und nach in Frührente geschickt, weil die noch sehr gut bezahlt wird und nach den alten Verträgen praktisch unkündbar ist, so ne Art Fliessbandbeamte sind das. Jeder der dort aber neu anfängt erhält ein Spassgehalt bei immer grösseren Anforderungen. Der Blödsinn vom gut bezahlten Facharbeiter der Exportindustrie wird deshalb nicht richtiger wenn man ihn immer wieder wiederholt. Die Rekordgewinne kamen all die Jahre beim Arbeiter nie an. Lohnsteigerungen knapp unter der Inflationsrate (und das noch gestaffelt in Etapen) plus ständigen Nullrunden ‘weils ja mal wieder dramatisch schlecht läuft’ ergeben eine Reallohn der seit den frühen 90ern stagniert.

    20. lupo schrieb am 25. März 2010 at 16:40 - Permalink

      Das Problem ist doch, das die Exporte u.a. von Panzern- U-Boote auch noch KfW finanziert sind, wo dann wie im Falle Griechenlands, die Kredite nicht bedient werden. Dann muss der Steuerzahler nochmal bezahlen, das er überhaupt arbeitet und Waren produziert, weil er diese Bestechungs Kredite auch nochmal bezahlen muss.

    21. HAL9002 schrieb am 25. März 2010 at 16:50 - Permalink

      Fundierter Ausblick – und beantwortet alle o.g. offenen Punkte:

      http://www.manager-magazin.de/unternehmen/amendedestages/0,2828,685617,00.html

    22. Dieter Schenk schrieb am 25. März 2010 at 17:11 - Permalink

      Wir haben alle unverantwortlich über unsere Verhältnisse gelebt!

      Dieser Satz wird wie eine fundamental neue Wissenschaft aus den führenden Instituten fluten und jeder kann wie immer seinen Beitrag leisten, indem er es glaubt. Und es am besten im Voraus und auch rückwirkend ebenfalls so sieht.

    23. King Balance schrieb am 25. März 2010 at 18:57 - Permalink

      [Satire on] (Witz über den sich Juristen nicht aufregen sollten, bei der hohen Anzahl schwarzer Schafe die ihr Unwesen treiben in der Republik des(r) Rechts.)

      Gehirn kaufen..
      Ein Mann kommt in einen Hirn-Laden um sich Hirn fürs Nächtliche Date mit seiner neuen Rothaarigen Super intelligenten Flamme zu kaufen. Er sieht auf einem Schild, dass Hirn von verschiedenen Berufsgruppen erhältlich ist.
      Er fragt den Metzgermeister:
      “Wie viel kostet Politiker Hirn?
      0 Euro kann frei an die Bevölkerung verteilt werden. (wenn kein Bedarf kann es den Tierfutter als Sättigungsbeilage zu(bei)gemischt werden)
      Wie viel kostet Ingenieur-Hirn?”
      “8 Euro für 100 Gramm.”
      “Wie viel kostet Arzt-Hirn?”
      “12 Euro für 100 Gramm.”
      “Wie viel kostet Juristen-Hirn?”
      “500 Euro für 1 Gramm.”
      “500 Euro für 1 Gramm! Was macht denn Juristen-Hirn so teuer?”
      “Was glauben Sie denn, wie viele Juristen man schlachten muss, um 1 Gramm Hirn zu erhalten?”
      [Satire off]

      Empfehlung: Nachrichten – Was lässt man den Bürger wissen?

    24. My 0,02 Euro schrieb am 25. März 2010 at 23:39 - Permalink

      @ Omom +13

      Zusätzlich zur immer schwächeren Tarifbindung kommt hinzu, daß die IG Metall auch noch das ERA-Lohngruppensystem durchgesetzt hat. Während früher Ingenieure mit einer vergleichsweisen ERA-Tariflohngruppe 12 starteten, werden heutige Jung-Ingenieure mit der Lohngruppe 10 abgespeist.

      Das hat den netten Effekt innerhalb einer Abteilung, daß ausgebildete Ex-Azubis im früheren System munter Karriere machen konnten – und nach der ERA-Umstellung in die 12 oder sogar 13 gesteckt wurden. Denn niemandem sollte durch die Umstellung des Lohnsystems das Grundgehalt gekürzt werden.

      Und Lohngruppe 12 oder 13 erreicht ein Ingenieur mit Fachhochschulabschluss heutzutage erst nach 10-15 Jahren Tätigkeit im Betrieb. Dann sind diese Leute rund 40 Jahre alt. Dieselbe Lohngruppe haben die ausgelernten Ex-Azubis durch die ganz normale Karriereleiter erreicht. Im Alter von 35 Jahren.

      Soviel zum angeblichen hohen Lohnzuwachs in der Metallindustrie!

    25. Omom schrieb am 25. März 2010 at 23:47 - Permalink

      @20 – HAL9002

      Zu dem von Ihnen verlinkten Beitrag aus dem Manager Magazin schreiben Sie:

      “Fundierter Ausblick ? und beantwortet alle o.g. offenen Punkte:”

      Wirklich? Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Sie diese Aussage ernst meinen oder ironisch. Genauso wenig bin ich mir unsicher, ob der Manager Magazin-Beitrag ernst oder ironisch gemeint ist.

      In diesem Manager Magazin-Beitrag heißt es beispielsweise:

      “Die Südländer können mit einem Schlag wieder auf dem Weltmarkt konkurrieren, genauso plötzlich verliert Deutschland die mit jahrelanger Lohnzurückhaltung erkaufte Wettbewerbsfähigkeit. Was soll’s? Dafür bekommen wir irre viel Kaufkraft.”

      So einfach liegen die Verhältnisse nicht. Zwar würde Deutschland durch die Wahrungsaufwertung einerseits viel Kaufkraft gewinnen. Andererseits würde Deutschland jedoch viel Produktionspotenzial einbüßen und damit Arbeitsplätze und Kaufkraft einbüßen:

      – Durch die Währungsaufwertung würden Exporte in andere Länder deutlich verteuert werden, was zu Wettbewerbsproblemen führen würde.

      – Außerdem würde die Währungsaufwertung Importe verbilligen, wodurch zusätzlicher Druck auf die hiesige Produktonsbasis, die Arbeitsplätze und die Kaufkraft aufgebaut würde.

      FAZIT:

      Vorbehaltlich der Frage, ob der Manager Magazin-Beitrag ernst gemeint ist, darf stark bezweifelt werden, ob dieses Manager Magazin-”Szenario” für Deutschland tatsächlich erfolgversprechend wäre.

    26. Cornelius schrieb am 26. März 2010 at 00:46 - Permalink

      Unsere “Volksvertreter” sind ja nun wirklich genug damit beschäftigt, der Industrie und Hochfinanz das Leben zu erleichtern. Die bezahlen ja schließlich auch – mit Partei-Spenden. Für Binnenmarkt und Steuermichel ist da keine Kraft mehr. Die (wir) bleiben auf der Strecke.

      Möchte nicht wissen, wieviele Politiker – jedes Jahr – von Lobbyisten (im Fahrstuhl oder beim Golfen) kleine Zettel mit Nummernkonten zugesteckt bekommen. Das müssen Unsummen sein, weil es schlicht unbegreiflich ist, dass selbst durchschnittlich intelligente Regierungsvertreter ein Land so schlecht bestellen können.

    27. egal schrieb am 26. März 2010 at 02:21 - Permalink

      Zu den Kommentaren zu allen Artikeln zum Thema

      1. An, die, die heulen, warum soll D weniger exportieren: ihr habt das Problem nicht verstanden. D soll seinen Export nur in so weit einschränken, wie er auf Lohndumping beruht; ansonsten ist der Außenhandelsüberschuss durch mehr Importe auszugleichen (dazu muss Einkommen und Vermögen nachfragegünstiger verteilt werden, so dass merh konsumiert wird.

      2. An alle, die behaupten, die exportierenden Branchen würden schon hohe Löhne zahlen: Der Weltmarktführer in Hochdruckreinigern zahlt effektiv LANs unter 5 Euro, VW zahlt Bandarbeitern der hauseigenen Zeitarbeitsfirma irgendwas über 7,50 Einstiegsgehalt. Wenn das einzelfälle sein sollten, wären politische Maßnahmen wie mehr Hartz IV, ein Mindestlohn oder equal pay für Leiarbeiter, die auf Lohnerhöhung zielen, wirkungslos. Sie wären aber nicht schädlich. Für Unternehmen, deren Exporterfolg nicht auf Lohndumping beruht, würde etwa durch einen Mindestlohn nichts ändern. Neben dem deutschen Außenhandelsüberschuss sprechen aber noch weitere gewichtige Gründe für politische Maßnahmen, die zu Lohnerhöhungen führen, also wo ist das Problem?

      Das AMD-Beispiel verkennt, dass die AMD-Arbeiter ihren Lohn auf jeden Fall am Wohnort ausgeben müssen (wenn sie ihn denn ausgeben und sächsischer Außenhandel nur über AMD stattfindet). Ob der AMD-Arbeiter der Frisörin und dem Fleischer je 5 Euro gibt, oder nur dem Fleischer 10, der sich für 5 die Haare schneiden läßt, ist nur für den AMD-Arbeiter relevant (wieviel er konsumieren kann). Ich lese aber aus dem AMD-Beispiel eine leichte Sympathie für dem AMD-Arbeiter gegenüber der Frisörin heraus, weil ja nur der AMD-Arbeiter “richtig” arbeitet, während die unqualifizierte Frisörin nur von den Exportfrüchten der AMDler lebt. Das ist aber Merkantilismus.

      Nur nebenbei: wenn der deutsche Exporterfolg allein auf Innovation und gutem Management beruhen soll, muss in deutschen Unternehmen in den letzten 10 Jahren aber eine Innovationsexplosion stattgefunden haben.

      3. Vereinzelt wurde (im Ergebnis) behauptet, ein höhere inländischer Konsum würde zu mehr Importen aus China, nicht jedoch aus I, F, Esp… führen.
      Wurde das nicht durch Eurostat beantwortet? Wieso höre ich das Argument dann immer noch. Es geht erstmal um jetzt, die innereuropäischen Ungleichgewixhte jetzt abzubauen, nicht darum, was in zehn Jahren ist.

      Leute, ihr seid sturer als die Bundeskanzlerin.

    28. gerhardq schrieb am 26. März 2010 at 09:03 - Permalink

      Bei aller Restsympathie für unsere regierende Hausfrau, aber weder Deutschland noch Griechenland sind unabhängige Inseln. Wenn wir also den Griechen nicht helfen, dann schaden wir uns im Grunde selbst. Zum einen schaden wir unserer Wirtschaft – allein die Rüstungsexporte an Griechenland sind Milliardengeschäfte – zum anderen schaden wir unseren Steuerzahlern. Denn man darf nicht vergessen, die Milliardengeschäfte die die drittgrößte Rüstungsexportnation mit Griechenland machte und macht, werden oft über die KfW finanziert. Wir finanzieren unsere Rüstungsexporte mit unseren Steuergeldern.

      Was passiert nun, wenn Griechenland (oder ein x-beliebiges Land) nicht mehr zahlen kann?
      Das Geld, daß wir durch unseren Exportüberschuß verdient haben, haben wir als Kredite an unsere Kunden vergeben. Helfen wir unseren Kunden nicht, werden diese Kredite notleidend und vielleicht niemals zurückgezahlt. Wer hat dann den Schaden? Griechenland hat seine Probleme, mit Korruption, Bestechung, etc.. Aber das hat uns nicht gehindert gute Geschäfte zu machen und das Land so in eine Schuldenfalle zu treiben.

      Wenn eine Frau Merkel ohne mit der Wimper zu zucken, fast 500 Milliarden an korrupte Zockerbanken vergeben kann, sei es als Geld, sei es als Bürgschaften – dann habe ich überhaupt kein Verständnis dafür, wenn sie unsere europäischen Partner, von denen vor allem wir selbst profitieren, im Stich läßt. Aber so lange Goldman-Sachs-Berater im Kanzleramt sitzen, werden die us-amerikanischen Großbanken selbstverständlich vor den Folgen ihres Handelns geschützt, man weiß ja, wem man verpflichtet ist.

    29. Tera?/Frank schrieb am 26. März 2010 at 10:19 - Permalink

      Moin Leute,

      und erstmal das obligatorische Danke an den lieben Jens für seinen Artikel.
      Gut informiert und gut geschrieben, also quasi “wie immer”.

      @salvo

      nur eine kleine Richtigstellung und dazu eine Anekdote.

      Die von Dir dankenswerterweise zitierte YVES SMITH ist eine SIE !!!
      In IHREM lesenswerten financial/political blog trägt sie jeden Tag Berge interessanter links zusammen und schreibt selber (unterstützt von Gastautoren) häufig lesenswerte Analysen. Allein der Titel ist Programm

      “naked capitalism”

      quasi “Der Blick auf den Kapitalismus ohne seine Kleider” (was auch Jens gefallen dürfte).

      Eine kleine “Angewohnheit/Tick” hat sie seit Ewigkeiten beibehalten:

      JEDEN Tag am Ende (also notfalls scrollen) ihrer langen kommentierten Linksliste zu “financial and political news” postet sie ihren “Antidote du Jour”: sozusagen “Gegengift/mittel des Tages (bessere Übersetzung needed).

      Meist ein einfaches mehr oder weniger niedliches Tierfoto, manchmal eine kleine Fotoserie und manchmal eine mini story dazu. Mein täglicher Start in den BLOG-Alltag, bevor ich als zweites danach hier beim SF reinschaue.

      Zur Nachahmung empfohlen! (s.a blogroll bei mir: Antidote du jour ( for Yves )

      Zurück zu dem Artikel hier!
      Genauso so spannend wie des Meisters Text, dann die bisherigen Kommentare hier.
      Fangen wir mit einer kleinen Prognose an:

      Die Diskussion hier entwickelt sich- wenn auch auf intellektuell höherem und sprachlichem
      Niveau – ähnlich wie in allen anderen Foren.

      Zu diesem Thema hab ich schon an anderer Stelle “Forschungsarbeiten” durchgeführt
      (Selbstversuche rulez) und hier die vorläfigen Ergebnisse:

      Ansatz im SPON-Forum (übrigens der einzig entschuldbare Grund, dort nen account zu haben:

      Irgendeinen halbwegs gut formulierten und plausibel klingenden bullshit posten
      ( aka der konventionelle “Prof.-Un-Sinn-school Ansatz”)
      3 Tage abwarten, Antworten auswerten und sich freuen (alternativ weinen),
      und nach 7 Tagen dann die Nachzügler einsammeln.

      Vorläufige Ergebnisse bzw. an anderer Stelle (Mitte des gelinkten Textes) hab ich die 4 prognostizierten und inzwischen empirisch bestätigten “Argumentationslinien” schonmal aufgeführt und kurz analysiert:

      Etwas vereinfacht finden sich

      4 “diskussionswürdige” [Ironie off] (Pseudo-)Varianten:

      1.) Lasst sie pleite gehen….

      2.) Mist, unschön,aber letztendlich zahlen wir doch….(geben es aber noch nicht zu)

      3.) Soll der IWF das machen …

      4.) D-Mark, D-Mark über alles …

      Das Ganze entstand zwar zum Thema “PIIGS und Griechenland bailout”, aber der Artikel hier passt wie die Faust aufs Auge zu Variante 4.

      Warten wir mal ab, was die heutige und dann weiterhin zu erwartende
      Kommentar-Ausbeute hier dann als statistische Auswertung ergibt.

      [HINWEIS: bullshit mode on

      Genaueres zum Forschungsansatz findet sich in dem Papier
      "German SPON / Focus Forums"
      working title:
      Writing intentional "bullshit postings" in mainstream media forums as a new tool
      A - cost efficient - methological approach fur conducting mass surveys
      Further research on appropiate statistics analysis software needed
      First Results and next steps.
      © by Tera?
      accepted by @ "American Sociological Review" for peer review 02/2010
      available on request.

      bullshit off]

      @ Jens :

      ich hab mir mal erlaubt, diesen Kommentar zuerst als Beitrag bei mir zu posten
      ( für weitere Verweise und Überlegungen )
      und dann erst hier einzustellen. Die Suche nach permalinks in Kommentaren,
      wenn man sie nicht direkt copy/pasted ist manchmal mühsam ,
      lG Tera?/Frank ;-)

      PS: Idee:
      wenn mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt, gibts bei wordpress doch sone nette Umfrageaktion, kannst du die 4 Unfugsvarianten mal zur Abstimmung hier einstellen?
      Deshalb der Titel bei mir :
      Umfrage bei SF wanted !
      und das Foto zu deinem Artikel würde wunderbar zu meiner “D-Mark, D-Mark über alles…”-Variante passen, Quelle?

      nochmal lG

      edit: link zu “naked capitalism” ist irgendwie untergegangen :-(

    30. aloa5 schrieb am 26. März 2010 at 10:21 - Permalink

      Ich lese aber aus dem AMD-Beispiel eine leichte Sympathie für dem AMD-Arbeiter gegenüber der Frisörin heraus, weil ja nur der AMD-Arbeiter ?richtig? arbeitet, während die unqualifizierte Frisörin nur von den Exportfrüchten der AMDler lebt.

      Ich habe mich zwar hier vom Blog verabschiedet, aber meine AMD-Analogie erkläre (“verteidige”) ich hier trotzdem noch einmal gegen Missverständnisse.

      Es geht nicht um den Lohn oder die Arbeit des AMDlers.

      Ohne diesen hat die Friseurin aber weder den Stahl für ihre Schere, das Gas/Öl für die Heizung des Friseurstuhles, noch den Bezug für den Friseurstuhl, Glas in den Fenstern und auch einige weitere Sachen (alles, was aus Plastik ist z.B.) zu Verfügung. Denn der Exporteur sorgt m.E. dafür, das man (als Volkswirtschaft) das importieren kann was man benötigt. Gelingt das (auf Dauer) nicht mehr sitzt man wie Griechenland (oder die USA) da und ist de facto pleite.

      Von dieser Warte aus gesehen ist es in der Tat nicht nur so, das die Friseurin davon lebt, sondern das trifft m.E. auf uns alle zu. Export ist unabdingbarer Bestandteil für uns, vor allem da wir ein rohstoffarmes Land sind.

      Wir könnten also nur in dem Maße darauf verzichten(!) ODER profitieren, wie wir eben aus dem Ausland importieren.

      Das gleiche gilt für Europa. Wir haben aktuell eine rote Null an Außenhandels-Bilanz in der Euro-Zone. D.H. – inklusive den blöden Deutschen Exporten nach China, Indien (und wohin außerhalb der EU-Zone sonst noch) leben wir in der Euro-Zone gerade so pari, verkaufen also so viel nach außen wie wir importieren. Werden wir teurer, dann ist ggfs. ein Japanischer Hersteller billiger (weniger Exporte) und versorgt nicht nur China mit mehr Autos/Maschinen sondern u.U. auch den Franzosen und den Griechen (mehr Import). Es würde also mit (absoluter) Sicherheit ein Importüberschuss, ein negatives Außenhandelssaldo für die Euro-Zone geben.

      Wir (also Euro-Länder) würden uns (praktisch zwingend) im Ausland verschulden.

      Also:
      A) warum ist dem so?
      B) was kann man machen?

      Zu A)
      Dem ist so weil der Import von Rohstoffen zwingend ist und Fertigprodukte im Ausland billiger gefertigt werden können. Mit den Lohnstückkosten dort kann mancher in Europa nicht konkurrieren.

      zu B)
      Sicher nicht das, was Lagarde sagt, nämlich die Lohnsstückkosten der Exportgüter erhöhen. Lagarde hat Europa “verpasst”. Was im Innenverhältnis europäischer Länder mit eigenen Währungen noch adäquat erscheinen könnte ist für Länder der Euro-Zone so einfach nicht mehr.

      Man könnte den Import Deutschlands ankurbeln indem der Friseur mehr erhält. Das ist die Schiene Frankreichs welche zu einem Defizit der Außenhandelsbilanz dort geführt hat. Danach müssten wir uns bei China beklagen das dort Dumping-Löhne gefahren werden oder deren “yuan falsch bewertet wird” (USA q.e.d.).

      Man kann es aber auch so machen wie ich es vorgeschlagen habe: man erhöht zwar die Kosten bei AMD aber das nicht über den Lohn des Friseurs. Die Kosten AMDs werden in die Krankenkasse gezahlt oder in die Rentenkasse gezahlt. Das führt beim Friseur-Arbeitnehmer zu mehr Nettolohn und beim Friseur-Arbeitgeber zu geringeren Kosten. Und das bei gleichbleibenden Löhnen dort. Das ermöglicht auch ein günstigeres (eigenes) Produzieren und gleicht damit das Defizit wieder etwas aus. Das Minus an Export würde durch einen Zuwachs an Arbeitsplätzen im Inland und damit weniger Importbedarf zumindest teilweise kompensiert.

      So erhält man unter dem Strich ein Wohlfahrts-Plus, während ein anhaltendes Außenhandels-Defizit mittelfristig zu einem Wohlfahrts-Minus führen würde.

      Denn – und da schließt sich der Kreis – man (auch der Franzose) kann eben nur so viele T-shirts und Kinderspielzeug aus China einführen wie man auch Maschinen dorthin exportiert. Wir haben derzeit für die Euro-Zone gesehen die Stellung von AMD in meinem Beispiel…. und wenn, dann geben wir an den Rest der Zone lediglich zu wenig von dem Überschuss ab. Davon das wir weniger Überschuss erwirtschaften, also das die Euro-Zone ein Defizit hätte, hätte niemand wirklich etwas.

      Hauptsache:
      Auch dann nicht(!) wenn die Konkurrenzfähigkeit auf dem int. Markt dazu führt, das man innerhalb der Euro-Zone ebenso anderen Ländern Gelder entzieht. Letztlich ist es besser das Geld bleibt in der Zone und kann theoretisch noch verteilt werden. Dafür bedarf es wenn, dann eines funktionierenden(!) Mechanismus. Wie kommt also das Geld von AMD zum Friseur und von Deutschland nach Griechenland.

      Das die Methode: “Friseur erhöht Löhne” nicht funktioniert sieht man schon daran wie es denn in der (realen) Analogie aussieht: “Griechenland erhöht Produktpreise/Löhne”. Das kann man mit dem Friseur vielleicht noch machen weil er System-Notwendig (unverzichtbar) ist und nicht ausgelagert werden kann. Griechenland ist jedoch wie Frankreich auch eben kein Friseurladen. Sie (F, Gr) können ja offenbar nirgends billiger einkaufen als bei uns. Wer sagt denn ob der zweit-teuerste im Euro-Land sitzt? Man entfernt sich damit zunehmend von der Eigenversorgung und wird Export-Abhängig.

      Im Idealfall sitzt also der AMDler da und kauft viel mehr im eigenen Land. Der Friseur verdient (vereinfacht dargestellt) z.B. wie der Zulieferer womöglich 6 Euro Brutto=Netto (macht 173*6= 1038 Euro Netto) weil der AMDler für alle anderen Kosten aufkommt. Man verkauft damit vielleicht im Export nicht mehr so viel, aber importieren muss man dann ebenfalls weniger, eben “nur noch” Rohstoffe.

      ALOA

    31. aloa5 schrieb am 26. März 2010 at 11:17 - Permalink

      Nachtrag:
      http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/6-18032010-AP/EN/6-18032010-AP-EN.PDF
      Außenhandelsbilanz Euro-Zone und EU27

      Die Außenhandelsbilanz Frankreichs der EU27 liegt bei einem Defizit von -54,5 Mrd Euro, Spanien -49,5Mrd, Griechenland -28,5Mrd, Portugal -19Mrd.

      Das sind die Werte welche 2009 von außerhalb der EU27 in diese Länder geflossen sind.

      Die Frage wäre damit: wie würden diese Werte aussehen wenn Deutschland teurer produzieren würde? Man kann wohl ausschließen das sich für jedes Produkt welches Deutschland nicht verkauft ein anderer EU-Lieferant findet der den nächstbesten Preis anzubieten hat.

      Bliebe höchstens der Weg den Import anzukurbeln. Das geht jedoch nicht über eine Verteuerung des Exportes sondern nur über das anheizen des Konsumes.

    32. Kaffee ole schrieb am 26. März 2010 at 13:49 - Permalink

      Bin selber ein Freund makroökonomischer Betrachtungen, aber die Mikroebene kann man damit eben nicht immer so gut erklären – weil man dann Äpfel und Birnen verwechselt.

      Egal, ich fordere: Macht High-Tech und Industriegüter aus Deutschland endlich teurer, damit die Griechen mehr Schafskäse und Olivenöl verkaufen – und Oliven natürlich nicht zu vergessen.

      Oder wie???

    33. Bernd schrieb am 26. März 2010 at 20:53 - Permalink

      Dass Deutschland in der Eurozone durch maßvolle Gehaltsforderungen sein teilweise hohes Lohniveau etwas senken sollte, habe ich vor 10 jahren durchaus eingesehen, da kann ich dem Kommentar von aloa durchaus zustimmen.
      Aber in den letzten Tagen (Wochen) habe ich eine richtige Wut auf Schröder und Konsorten gekriegt.
      Was uns hier mit der Agenda 2010 angetan wurde, halte ich für absolut unverantwortungslos für eine damals sozialistisch dominierte Regierung.
      Dass die Möglichkeit 1 Euro Jobs und Aufstockung die Gehälter zu erlaube von den Unternehmen und Organisationen dazu genutzt wird um “normale” sozialversicherungspflichtige Arbeit durch Billiglohn zu ersetzten hätte doch jedem klar sein müssen.
      Die Grundlagen für Zeitarbeitsvermittler wurden so gelegt, dass natürlich vor allem die Unternehmen und die Zeitarbeitsvermittler profitieren.
      Und in den letzten Tagen hört man wenigstens öfter, dass die Riester Rente eigentlich nur dazu dient um für die Versicherungen mal wieder ein Füllhorn zu öffnen.
      Ja war denn das nicht von Anfang an klar? Sind Schröder etc. davon ausgegangen dass die Versicherungen (bzw. der Markt) nur darauf wartet den Rentnern später Geschenke zu machen?

      Also in meinen Augen hat rot grün unter Schröder die Bedingungen und Wurzeln für die Verelendung von Deutschland gelegt. Das hätte schwarz-gelb nicht besser machen können !

    34. Leynad schrieb am 26. März 2010 at 21:03 - Permalink

      Mir gefällt zwar die Theorie, dass sich Deutschland als Export-(Ex-)Weltmeister quasi ins eigene Fleisch schneidet, aber der Gedanke geht mir längst nicht weit genug.

      Was völlig richtig herausgestellt wurde ist, dass zusätzliche Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft zu Lasten von Arbeitsplätzen in der Binnenwirtschaft drauf gehen und der Anteil nicht ausgeglichen ist. Arbeitsplätze in der Binnenwirtschaft sind viel stärker betroffen, sei es durch Arbeitsplatzabbau oder Lohnkürzungen, während die Exportüberschüsse wohl eher zum Großteil in die Taschen derjenigen wandert, deren Konto eh schon reichhaltig gefüllt ist, wo auch immer. Die Statistiken beweisen das.

      Aber volkswirtschaftlich gesehen sind diese Export-Überschüsse noch viel unvernünftiger, weil wir für die Güter lediglich Geld erhalten. Wenn sich die Geldmenge eines Landes erhöht ohne dass dabei auch die Gütermenge in gleicherweise wächst, bedeutet das nichts anderes als Inflation. Auch in einem europäischen Binnenmarkt.

      Dank Billig-Importen und Dumping-Löhnen gibt es zwar immer noch einen Markt, der von dieser Inflation nicht direkt betroffen ist. Die Lebensmittelpreise in Deutschland sind immer noch sehr niedrig im europäischen Vergleich, aber diejenigen, die von dem Export-Boom am ehesten profitiert haben, werden das Geld während der Finanzkrise verbrannt haben oder durch inflationäre Preise für Güter, die für diese Gesellschaftsklicke gemacht sind. Wenn der Staat das nicht abgreift, ist es weg.

      Mit die einzigen Gewinner momentan sind volkswirtschaftlich gesehen doch die USA. Die sind immer noch Import-Weltmeister, Öl-Verbrennen-Weltmeister usw. und zahlen dafür mit Dollars ohne Mehrwert, wobei der Euro eine zu 80%-dollargedeckte Währung darstellt. Also wenn der Dollar sich abwertet, tut es der Euro fast genau so. Der Euro ist keine echte Währung.

      Die USA und der Rest von Europa lebt also quasi auf unsere Kosten und wir schauen doof dabei zu und verarmen. Die Chinesen machen das zwar oberflächlich gesehen ähnlich wie wir, aber aus klügeren Motiven. China ist ein unterentwickeltes Land und denen geht es um den Import von Technologie, die dann hinterher auch zum eigenen Wohle kopiert oder gar annektiert werden kann. Wer in China eine Fabrik baut, muss unterschreiben, dass diese Fabrik China gehört und die KP sie jederzeit in Volkseigentum wandeln kann. Kein Scheiß! Nur deshalb ist China offiziell noch kommunistisch. Aber die machen das natürlich (noch) nicht. Erst wenn der Dollar zusammenbricht. Und dann haben die Chinesen nicht nur unsere Chip-Fabriken.

      Ein hochtechnologisch entwickeltes Land wie Deutschland schießt sich mit dem Titel Exportweltmeister aber nur ins eigene Knie, weil sie für ihre Produkte bloß Geld bekommen, was vielleicht in 10 oder 20 Jahren oder gar morgen schon nichts mehr wert sein könnte oder sofort in der Inflation verbrennt. Aber alle dürfen unsere Autos fahren, von denen wir auch deutlich zu viele produzieren. Aber wenn schon, dann sollten wir im Gegenwert dafür genug Apple-Produkte, französischen Käse und Wein, holländischen Kiff usw. bekommen, aber bloß kein Geld!

      Wenn es um Geld ginge, würde die USA doch keine Kriege führen. Die waren NIE profitabel in monetärer Hinsicht. Es geht nur um Rohstoffe, Technologie und KnowHow. Arbeitskräfte gibt es eh genug und alles andere ist blanker Hohn.

    35. Leynad schrieb am 26. März 2010 at 21:31 - Permalink

      PS: Geld ist nur noch was wert, weil wir daran glauben und im Gegensatz zu anderen nicht genug haben. Die Geldmenge hat sich im Vergleich zum Wirtschaftswachstum seit den 80ern ver16-facht.

      Natürlich alles nur Schuldgeld, was von irgendwas mit Zins und Zinseszins zurückbezahlt werden soll, was niemals da war, aber eine Politik, die lieber dieses watteweiche Geld haben will, was sie selber produzieren könnte, anstatt Waren und Dienstleistungen als Gegenwert zu importieren, muss schon abgrundtief doof oder gekauft sein. Es ist wohl eine Mischung aus beidem.

    36. Omom schrieb am 27. März 2010 at 01:02 - Permalink

      @ 32 – Bernd

      Sie schreiben:

      “Dass Deutschland in der Eurozone durch maßvolle Gehaltsforderungen sein teilweise hohes Lohniveau etwas senken sollte, habe ich vor 10 jahren durchaus eingesehen,”

      Das ist heutzutage die Standardausrede unserer neoliberalen Glaubensgemeinde, um das seit 15 Jahren betriebene deutsche Lohndumping zu rechtfertigen.

      So antwortet Professor Rürup in einem aktuellen Interview mit der Frankfurter Rundschau auf die Frage, ob auch die deutsche Lohnpolitik Verantwortung für die gravierenden ökonomischen Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone trage:

      “Sie haben nur dann recht, wenn sie die Jahre ab 2005 nehmen. Bis zu diesem Jahr musste Deutschland die lohnpolitischen Fehler im Zuge der Wiedervereinigung ausbügeln und Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.”

      Rürup räumt im Gegensatz zu den übrigen neoliberalen “Experten” zumindest indirekt ein, daß der Vorwurf des Lohndumping ab dem Jahre 2005 gerechtfertigt ist.

      Jedoch: Der Vorwurf des Lohndumping trifft bereits auf den Zeitraum vor 2005 zu, wie Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker in ihrem bereits im Jahre 2005 veröffentlichten Aufsatz “Die deutsche Lohnpolitik sprengt die Europäische Währungsunion” aufzeigen.

      Die Abbildungen 2 + 3 dieses Aufsatzes zeigen die Entwicklung der Lohnstückkosten in Deutschland und den übrigen EWU-Mitgliedsländern im Zeitraum 1980 bis 2005:
      http://www.flassbeck.de/pdf/2005/8.11.2005/Die%20deutschen%20Lohnst%FCckkosten.pdf

      – Abbildung 2: für den Zeitraum 1980 bis 1998
      – Abbildung 3: für den Zeitraum 1999 bis 2005.

      In diesem 25-Jahreszeitraum stiegen die deutschen Lohnstückkosten nur in den auf die Wiedervereinigung folgenden Jahren 1992-1994 stärker als im Durchschnitt der übrigen EWU-Staaten. Der Zeitraum ab 2006 wird in diesen Grafiken nicht mehr aufgezeigt (der Aufsatz stammt aus dem Jahre 2005). Jedoch: Selbst Prof. Rürup räumt in dem oben von mir wiedergegebenen Interview-Zitat ein, daß die hiesigen Lohnkosten ab 2005 stärker hätten steigen können.

      Wenn Rürup allerdings davon spricht, daß bis 2004 die “lohnpolitischen Fehler im Zuge der Wiedervereinigung” hätten ausgebügelt werden müssen, dann muß man ihm entgegenhalten, daß diese “lohnpolitischen Fehler” im Jahre 1998 bereits ausgebügelt waren. Und hierbei ist noch nicht berücksichtigt, daß die deutschen Lohnstückkosten in den Jahren 1980 bis zur Wiedervereinigung in keinem einzigen Jahr stärker stiegen als beim Durchschnitt der übrigen EWU-Staaten. Nur: In den Jahren bis zur Euro-Einführung wurden die vergleichsweise niedrigen deutschen Lohnstückkosten-Steigerungen durch die Aufwertung des Wechselkurses der DM weitestgehend neutralisiert. Durch diesen Aufwertungseffekt wurde verhindert, daß es innerhalb der EWU zu jenen gravierenden außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten kam, die wir heute v.a. als Folge des deutschen Lohndumping zu beklagen haben.

    37. Omom schrieb am 27. März 2010 at 01:18 - Permalink

      @ 31 – Kaffee ole

      Sie schreiben:

      “Egal, ich fordere: Macht High-Tech und Industriegüter aus Deutschland endlich teurer, damit die Griechen verkaufen ? und Oliven natürlich nicht zu vergessen.
      Oder wie???”

      So simpel, wie Sie versuchen, die Kritik am deutschen Lohndumping hier lächerlich zu machen, ist die Sachlage nicht! Die Frage sei erlaubt: Hört der Unsinn nie auf, den Zusammenhang zwischen der aus dem deutschen Lohndumping resultierenden ?zurückhaltenden? Entwicklung der deutschen Lohnstückkosten und dem dramatischen Anstieg des deutschen Außenhandelsüberschusses in Abrede zu stellen?

      Der drastische Anstieg des hiesigen Aussenhandelsüberschusses seit der Einführung des Euro als gemeinsame Währung innerhalb des Euro-Währungsraums: Eine Folge der ?Innovationskraft? der hiesigen Unternehmen, wie unsere neoliberale Glaubensgemeinde so gerne in die Welt hinausposaunt? Rein ?zufällig? fallen die Euro-Einführung und der drastische Anstieg des deutschen Außenhandelsüberschusses zeitlich zusammen? Dieses neoliberale Ammenmärchen von der komischerweise ausgerechnet seit der Jahrtausendwende angeblich so dynamisch hochgefahrenen ?Innovationskraft? der deutschen Unternehmen ist und bleibt ein Ammenmärchen!

      Die ?Agrumentationskette? der neoliberalen Fangemeinde lautet:

      1.) Der drastische Anstieg des deutschen Aussenhandelsüberschusses hat mit dem hiesigen Lohndumping nichts zu tun (?wir sind innovativ?).

      2.) Auf die Forderung nach einer Rückkehr zur produktivitätsorientierten Lohnpolitik bzw. ? zur Wiederherstellung der ökonomischen Stabilität innerhalb der Euro-Zone ? zu einer Lohnpolitik, die für einige Jahre deutsche Lohnsteigerungen leicht oberhalb des mittelfristigen Produktivitätswachstums zuzüglich der Zielinflationsrate der EZB zuläßt, beantworten die neoliberalen deutschen Wirtschafts-?Experten? mit dem Vorwurf, damit würden wir unserem Wirtschaftsmodell Schaden zufügen und den Ast absägen, auf dem wir sitzen.

      Die Argumentationsketten 1) und 2) sind völlig widersprüchlich: Zunächst (1) wird der aussenhandelsüberschuss-treibende Effekt des hiesigen Lonhndumping bestritten, dann (2) wird die Aufrechterhaltung der ?zurückhaltenden? Lohnpolitik zur Voraussetzung für den weiteren Erfolg des stark exportlastigen deutschen Wirtschaftsmodells erklärt. Wat denn nu?

      Im übrigen führte die miese deutsche Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren dazu, dass die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – um in Ihrem Beispiel zu bleiben – “weniger Schafskäse und Olivenöl” kaufen und sich weniger Urlaub im schönen Griechenland leisten konnten.

    38. gerhardq schrieb am 27. März 2010 at 09:34 - Permalink

      Neben den Folgen für unsere Nachbarn hat unsere Lohnpolitik noch einen ganz anderen, meiner Ansicht ebenfalls sehr gefährlichen Nebeneffekt.
      Wenn die Lohnkosten nicht steigen, sondern effektiv sinken, werden wir weniger rationalisieren und weniger innovativ, d.h. unsere Unternehmen werden im Laufe der Zeit immer weniger wettbewerbsfähig. Schon an unserer Regierung in Berlin sehen wir, wie sich alle auf den Lorbeeren ausruhen – von Veränderung keine Spur. Die Lohnzurückhaltungen und Steuersenkungen haben zu einer Gewinnillusion geführt, die die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen kaschiert. Und wenn die Selbstbeweihräucherung der Wirtschaft und Politik so weiter geht, wird Deutschland in ein paar Jahren wieder Schlußlicht in Europa sein. Spekulationsgewinne oder Gewinne aus Steuersenkungen sind Scheingewinne, die die wirkliche Wettbewerbsfähigkeit nicht widerspiegeln!

      Wenn wir Deutschland und Europa für die Zukunft wirklich fit machen wollen, müssen die Löhne und Gehälter dramatisch steigen, genauso wie die Ertragssteuern. Erst dieser Druck sorgt für eine wirkliche Anpassung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Meiner Meinung nach haben weder die Schröder-Regierung noch ihrer Nachfolger begriffen, welchen immensen volkswirtschaftlichen Schaden mit der Einführung von HartzIV, der Senkung der Gewinnsteuern und der Steuerfreiheit von Unternehmensverkäufen angerichtet wurde. Aber das war das typische kurzfristige Denken moderner Manager, orientiert an Quartalszahlen. Außerdem hat sich kein Mensch in den Regierungen Gedanken darüber gemacht, welche nachteiligen Folgen es haben könnte, z.B. die Unternehmenssteuern dramatisch zu senken. Was würde passieren, wenn die Körperschaftssteuer wieder auf über 50% erhöht würde? Oder der Spitzensteuersatz? Welche Folgen hätte dieses für unsere Volkswirtschaft – kurzfristig, mittelfristig und langfristig?

      Ich bin der festen Überzeugung, daß wir in Deutschland die Gewinnsteuern wieder drastisch anheben sollten, damit wir langfristig wettbewerbsfähig sind. Parallel dazu müssen die Gewerkschaften ihre Lohnzurückhaltung aufgeben und Einkommensverbesserungen im zweistelligen Bereich durchsetzen.

    39. Systemfrager schrieb am 27. März 2010 at 10:23 - Permalink

      @ gerhardq 37

      Wenn die Lohnkosten nicht steigen, sondern effektiv sinken, werden wir weniger rationalisieren und weniger innovativ, d.h. unsere Unternehmen werden im Laufe der Zeit immer weniger wettbewerbsfähig.

      Das ist wirklich die gefährlichste Folge der sinkenden Löhne. Dass der Kapitalismus nach der Dritten industriellen Revolution nur ein Produktivitätswachstum erreichen konnte, das nicht einmal die Hälfte davon ist, was wir in den drei Jahrzehnten nach dem Krieg kannten, lässt sich eindeutig auf sinkende Löhne zurückführen. Das Problem ist bekannt, dank der genialen Keynesianerin Joan Violet Robinson (1903-1983) aus Cambridge (GB) und ihrer Gruppe. Dieses bekannte Problem heißt Reswitching. Eine katastrophale Niederlage für die neoliberale (marginalistische) Theorie! Spätestens seitdem wissen wir, dass die ganze neoliberale Theorie nur eine akademische Idiotie im wahrsten Sinne des Wortes ist.

      Pars-pro-Toto als eine primitive und längst überholte Denkweise
      Das Reswitching: Der Sargnagel für die neoliberale Produktionstheorie
      dahin >>>

    40. ppp schrieb am 27. März 2010 at 11:43 - Permalink

      Omom schrieb:

      Die Argumentationsketten 1) und 2) sind völlig widersprüchlich: Zunächst (1) wird der aussenhandelsüberschuss-treibende Effekt des hiesigen Lonhndumping bestritten, dann (2) wird die Aufrechterhaltung der ?zurückhaltenden? Lohnpolitik zur Voraussetzung für den weiteren Erfolg des stark exportlastigen deutschen Wirtschaftsmodells erklärt. Wat denn nu?

      Ja was soll denn sein? ;)
      Die Experten und Lenker unseres geliebten Landes werden sich von solchen Lappalien doch nicht beeindrucken lassen und die EU an die Wand fahren inklusive Deflation. Alles andere wäre wirklich überraschend.

    41. Omom schrieb am 27. März 2010 at 12:01 - Permalink

      @ 37 – gerhardq

      Den von Ihnen beschriebenen negativen Zusammenhang zwischen “zurückhaltender” Lohnpolitik und Produktivitätsentwicklung sehe auch ich. Nach meinem Kenntnisstand hatten die Niederlande mit diesem Problem zu kämpfen, nachdem auch dort Anfang der 80er Jahre auf eine “zurückhaltende” Lohnpolitik umgeschaltet wurde. Die der Produktivität vorauseilende Innovation droht bei einem fortgesetzten Lohndumping unter die Räder zu geraten, was zeitversetzt zu gravierenden Wettbewerbsproblemen führen kann.

      Auch in Sachen Unternehmenssteuern gibt es mitterweile ein deutsches Steuerdumping. Man darf bei den Unternehmenssteuern nicht nur auf die nominalen Steuersätze blicken, sondern muß zusätzlich in Rechnung stellen, welche steuerlichen “Gestaltungsspielräume” das Steuerrecht im Vergleich zu anderen Staaten bietet. Und diese steuerlichen “Gestaltungsspielräume” sind in Deutschland vergleichsweise üppig.

      Zumindest die von Schröder/Eichel eingeführte Steuerbefreiung der Gewinne aus Unternehmens(teil-)verkäufen sollte wieder abgeschafft werden. Diese Steuerfreiheit hat den “Heuschrecken” den Roten Teppich erst so richtig ausgerollt!

      Bezüglich der Höhe der in den kommenden Jahren vorzunehmenden Lohnerhöhungen teile ich Ihre Auffassung, daß diese im zweistelligen Prozentbereich stattinden sollten, nicht. Die Lohnsteigerungen sollten sich an der mittelfristigen Produktivitätssteigerung zuzüglich der Zielfinflationsrate der EZB zuzüglich eines Zuschlages zum Ausgleich des deutschen Lohndumpings (zwecks Abbau der aus diesem Lohndumping resultierenden aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichte) orientieren. Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft würde dies in den kommenden Jahren auf Lohn- und Gehaltssteigerungen in Höhe von ca. 5 Prozent hinauslaufen.

    42. Karl Heinrich schrieb am 27. März 2010 at 12:08 - Permalink

      @Omom #36

      Die ?Agrumentationskette? der neoliberalen Fangemeinde lautet:

      1.) Der drastische Anstieg des deutschen Aussenhandelsüberschusses hat mit dem hiesigen Lohndumping nichts zu tun.

      Das ist auch so. Leute wie Flassbeck und der Spiegelfechter machen imer wieder den Fehler, gesamtwirtschaftliche mit sektoralen Größen zu verwechseln.

      Dass gering bezahlte Beschäftigung zugenommen hat, beweifelt niemand. Das ließ sich in Deutschland gar nicht vermeiden und hält natürlich den Lohndurchschnitt unten.

      Es hatte jedoch mit der Investitionsgüterindustrie, die hinter dem deutschen Exporterfolg steht, nichts zu tun. Die lässt sich mit solcher Beschäftigung nicht betreiben.

      (?wir sind innovativ?)

      Leider sind wir das über die Standardbranchen hinaus viel zu wenig. Dazu müssten die F&E-Investitionen – auch staatliche – drastisch zunehmen. Leider steht das zu wenig im politischen Fokus, der seiner Natur nach stets konservierend ist.

    43. Axel schrieb am 27. März 2010 at 17:12 - Permalink

      Wie ist Lohndumping eigentlich möglich?
      Eigentlich müßte doch der “Markt” die Löhne regeln, inbesondere in den Branchen die beim Export erfolgreich sind und hochwertige Produkte herstellen.

      Da die Tarifparteien über Lohnerhöhungen beschließen müßte ich statt Markt wohl eher Gewerkschaften schreiben. Aber hinter den Gewerkschaften müßten doch in erfolgreichen Branchen selbstbewußte Arbeitnehmer stehen die ihren Marktwert kennen.

      Wenn ich mal was von Tarifverhandlungen mitbekomme, so nur, das es nur geringen Lohnzuwachs geben könne, weil sonst entlassen werden muß. Das ist doch die Keule die dahinter steht und sie scheint wirksam zu sein.

      Wie kann das in erfolgreichen Branchen sein? Anscheinend stehen auch diese Branchen unter einem Konkurrenzdruck der den Lohnzuwachs drückt. Oder lassen sich die Arbeitnehmer und Gewerkschaften von der Politik und der Öffentlichkeit einen Bären aufbinden?

      Oder was regelt in Deutschland die Löhne? Wenn es stimmt, das im Ausland die Löhne stärker gestiegen sind als in Deutschland welche Kräfte waren dann dort dafür verantwortlich? Zum Beispiel war ich überrascht davon, das in Frankreich (meine ich) Leiharbeiter höher bezahlt werden als regulär Angestellte. Das könnte m. E. schon was erklären. Aber ist das schon alles? Konnte man sich anderswo besser gegen Niedriglöhne wehren?

    44. Omom schrieb am 27. März 2010 at 18:14 - Permalink

      @ 42 – Axel

      Sie haben Recht: In Frankreich werden Leiharbeiter in der Tat sogar höher bezahlt als die Stammbelegschaften, da die Leiharbeiter im Vergleich zu den Stammbeschäftigten einem höheren (Weiter-) Beschäftigungsrisiko und einem häufigeren Firmen- und damit Arbeitsplatzwechsel ausgesetzt sind.

      Ich denke, in Deutschland sind die Gewerkschaftsspitzen mittlerweile häufig recht konservativ strukturiert. Ein Beispiel hierfür: Der ehemalige Vorsitzende der IG Metall, Walter Riester. Nach seinem Wechsel ins Bundesarbeitsministerium wurde er zum Vollstrecker der Wünsche der privaten Versicherungskonzerne (Stichwort: “Riester-Rente”). Ich vermute, der Konservatismus vieler führender deutscher Gewerkschafter rührt zumindest teilweise aus dem spezifischen deutschen Mitbestimmungsmodell: Diese Gewerkschaftler sitzen häufig Seit an Seit mit den Vertretern der Kapitalseite in den Aufsichtsräten großer Konzerngesellschaften. Sie finden mehr und mehr Geschmack daran, scheinbar mit den Großen “pinkeln” zu dürfen und übernehmen Schitt für Schritt die Argumentationsmuster der Vertreter der Kapitalseite.

      Warum war das früher anders? Hier zeigen sich gewisse Analogien zur politischen Entwicklung führender sozialdemokratischer Politiker: Früher kamen viele Sozialdemokraten und Gewerkschaftler aus den sog. “kleinen Verhältnissen”. Heute hingegen durchlaufen diese häufig ähnliche Ausbildungsstufen und berufliche Entwicklungswege wie deren Gegenüber, die Manager: Hochschule, Schulungen in Führung und Rhetorik, Führungsfunktionen in den Gewerkschaften und irgendwann trifft man sich (wieder) in den Aufsichtsratsgremien der Großkonzerne. Auf politischer Ebene ist Gerhard Schröder das klassische Beispiel dafür, wie ein “sozialdemokratischer” Politiker Schritt für Schritt die Bodenhaftung verliert und sich irgendwann nicht einmal dafür schämt, in teuren Armani-Anzügen herumzulaufen, teuere Zigarren zu rauchen und sich vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos damit zu brüsten, in Deutschland den Niedriglohnsektor massiv ausgeweitet zu haben.

      Viele führende Gewerkschafter und Sozialdemokraten haben sich von ihrer eigentlichen Basis, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, zu stark entfernt. So haben sie z.B. in der Lohnpolitik zu stark die betriebswirtschaftliche Sichtweise zu den Löhnen und Gehältern übernommen: Löhne und Gehälter sind nach dieser Logik vor allem Kosten. Wirtschaftspolitiker müssen jedoch gesamtwirtschaftlich denken: Löhne und Gehälter sind nicht nur Kosten, sondern auch Nachfrage. Und: Fließt im Zuge der immer ungleicheren Einkommensverteilung ein wachsender Anteil der Löhne und Gehälter an die Spitzenverdiener, dann wird wegen deren hoher Sparquote dem Wirtschaftskreislauf kaufkräftige Nachfrage entzogen und die Ersparnis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ins “internationale Spielcasino” gepumpt, wodurch die Gefahr ansteigt, daß sich auf den Kapitalmärkten spekulative Blasen bilden.

      Auch die Gefahren des Lohndumping werden bei der vorwiegend betriebswirtschaftlichen Betrachtung der Löhne und Gehälter ausgeklammert. Lohndumping führt in dem gemeinsamen Währungsraum “Eurozone” zu gravierenden aussenwirtschaftlichen Verwerfungen, wie sie im aktuellen Beitrag von Jens Berger beschrieben werden.

    45. Omom schrieb am 27. März 2010 at 18:20 - Permalink

      @ 41 – Karl Heinrich

      Beim Thema Innovation bin ich bei Ihnen. Allerdings argumentieren die wirtschaftsliberalen “Experten”, Medien und Politiker, nicht deutsches Lohndumping sei für die hohen deutschen Aussenhandelsüberschüsse verantwortlich, sondern unsere angeblich im Weltmaßstab aussergewöhnlich innovativen Produkte.

    46. Beate schrieb am 27. März 2010 at 18:45 - Permalink

      Sind die Löhne, in der Exportindustrie nicht auch deshalb zurückgeblieben, weil Produktivitätsfortschritte die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitskräften, aus den Binnenmarktsektoren, begrenzte?
      Die Arbeitnehmer sind auch erpresst worden, (mit angedrohten Firmenverlagerungen ), weil der Gesetzgeber Firmenübergaben,- die jetzige Erbengeneration hat wenig Interesse an den väterlichen Betrieben -, an die Banken erleichterte.

      Wen erpressen die Banken eigentlich nicht?

    47. Bernd schrieb am 27. März 2010 at 19:08 - Permalink

      @35 – omom

      Vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Um es etwas präziser zu sagen: Vor 10 Jahren war ich noch der Meinung, auch durch die ständige Erweiterung der EU, das es innerhalb von Europa LANGSAM eine Lohnangleichung geben sollte. Also nur moderate Erhöhuungen in den Hochlohnländern und deutlich stärker steigende Löhne in den jetzigen Billiglohnländern.
      Aber mein Vorstellung war, dass man z.B. in Deutschland auf einem um 2000 bestehendem Niveau stagniert (und das selbstverständlich inflationsbereinigt).
      Dass die Globalisierung als Ausrede dafür herhalten muss um eben durch Senkung des Lebesstandards eine vermeintliche “Konkurrenzfähigkeit” wieder herzustellen finde ich vollkommen abwegig. Da konnen wir doch gleich die Löhne auch noch knapp unter das chinesische Niveau senken und damit garantiert wieder Exportweltmeister werden. Die Unternehmer würde es natürlich freuen!

    48. Beate schrieb am 27. März 2010 at 19:23 - Permalink

      Konjunkturprogramme wirken:

      http://www.dradio.de/dlf/sendungen/einewelt/1152220/

      Leider wurde, dass dafür notwendige Geld in die Taschen Ackermanns umverteilt.

    49. Cobra liberaleusis schrieb am 27. März 2010 at 23:33 - Permalink

      @Karl Heinrich #41

      Dass gering bezahlte Beschäftigung zugenommen hat, beweifelt niemand.

      Allerdings!

      Das ließ sich in Deutschland gar nicht vermeiden ….

      Woher zum Teufel hast du diese Weisheit?

    50. Beate schrieb am 28. März 2010 at 16:17 - Permalink

      @Karl Heinrich

      Das einzige was die Menschen von Hartz IV wegbringt:

      Stopp aller Lohnsubventionen und Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden.

    51. Titus schrieb am 28. März 2010 at 16:41 - Permalink

      Hallo bin hier neu, also nicht gleich über mich herfallen ;)

      @Lemmy Caution

      Leider wird genau in diesen Bereichen auf niedrig Lohn gesetzt, natürlich nicht alle Betriebe, aber viele die ich kenne.

      Ich bin Maschinenbau Student und durch Praktika und auch Nebenjobs hab ich einiges erlebt.

      Beispiel 1: Automobil Konzern in Ruhrgebiet

      Komplette Abteilungen wurden ausgegliedert,die Beschäftigten entlassen und als Leiharbeiter wieder eingestellt.

      Beispiel 2: Maschinenbau Bergwerksmaschinen und Windkrafträder, der Weltweit operiert USA, Russland, China, Kanada & Co

      seit Jahrzehnten dümpeln die mit Werkstarif und niedrig löhnen, aktuell auch Leiharbeiter.

      Beispiel 3. Hersteller der auch Zweigstellen in Kanada, USA & Co besitzt

      Mehr als die Hälfte der beschäftigten sind Leiharbeiter ( 7,38?/h) davon ein Großteil nur auf Teilzeit.

      Trotz voller Auftragsbücher waren die Produktionsstätten wirklich peinlich, eine Große Messlehre für die ganze Halle XD

      Die Festangestellten verdienten kaum mehr ~9?, Meister 11?.
      Ausgenommen ein alter Mitarbeiter, 64 Jahre alt, der hat 17? bekommen da seit 35 Jahren im Betrieb beschäftigt und alter Vertrag.

      Ich könnte das hier so weiter machen, der große deutsche Maschinenbau, der mit verantwortlich ist für die Export erfolge, wird schon lange durch Leiharbeit getragen!

    52. Schweigsam schrieb am 28. März 2010 at 18:03 - Permalink

      Das Thema hatten wie doch vor kurzem. Aber jetzt doch etwas deutlicher und meiner Meinung nach besser. Prima!

    53. egal schrieb am 29. März 2010 at 11:25 - Permalink

      @ systemfrager

      Zum switchen zu einer arbeitsineffizienteren Produktionsweise kann es bei LohnVERÄNDERUNGEN kommen? Also auch bei steigenden Löhnen, oder?

      Ich habe keine Ahnung, aber so auf den ersten laienhaften Blick scheint das Argument, sinkende Löhne beeinträchtigten langfristig die Wettbewerbsfähigkeit, unter diesen Vorraussetzungen nicht zu passen, könnten allgemein steigende Löhne, und damit steigende Löhne in der Investitionsgüterindustrie, doch ebenfalls zu einer arbeitsinefizienteren Produktionsweise führen?

      Könntest du mir einfach sagen, ob ich deiner Meinung nach Recht habe oder nicht? Eine Begründung wäre nicht notwendig (wenn auch schön).

      Ich finde es übrigens bewundernswert, dass du dich mit ernstahftem Erkenntnisinteresse durch Berge an Literatur wälzt. Nur die Navigation auf deiner Seite ist wirklich unterirdisch.

    54. Systemfrager schrieb am 29. März 2010 at 12:07 - Permalink

      @ egal

      Mein Vorschlag: Ich erkläre kurz Reswitching – was da “nicht zu passen” scheint -, du erklärst mir, warum die Navigation bei mir so schrecklich ist. Danke, dass du einverstanden bist. Mach es öffentlich – ist doch egal ;-)

      Es geht nicht um nominale Löhne. Es geht um die Lohnquote – und zwar brutto. Unsere Löhne netto sind zwar nicht hoch, aber Lohnnebenkosten – wo man den Arbeitenden alle Kosten der Gesellschaft und der Vereinigung aufgebürdet hat. Und das wollen die Neoliberalen beseitigen. Dann sei uns Gott gnädig.

      Was du meinst, dass es ?nicht passt?, sind die nominalen Löhne. Ja, wenn sie hoch sind, zieht das globale Kapital weiter. Das ist klar. Aber man muss sich was dagegen ausdenken. ZB MWSt auf 25-30%. Es ist nur ein Beispiel.

    55. egal schrieb am 29. März 2010 at 20:09 - Permalink

      1. Man sieht nicht auf den ersten Blick, ob es Kommentare gibt
      2. Es sind generell zu viele clicks nötig
      3. Es gibt Unterverzeichnisse
      4. Man sieht nicht ohne click, ob in einem Unterverzeichnis was drin steht, oder wieviele Artikel es zu einer Kategorie gibt
      sowas wie ein Inhaltsverzeichnis in einem Buch wäre schön
      5. Themenbereich und Schwerpunkt, muss man erstmal drauf kommen, dasss das ein Unterschied ist
      wenn ein Neunutzer das zweite mal automatisch zur Themenbereichauswahl gekommen ist, ist er völlig entnervt oder denkt, aha, die Seite habe ich durch, mehr Texte gibt es nciht (ist mir zweimal passiert; ich dachte, ich hätte alle deine Textüberschriften durchgelesen, und dann hast du kurze Zeit später Texte verlinkt, die ich nciht kannte)
      6. es gibt leere Kategorien? voll nervig

      ein Gesamtinhaltsverzeichnis würde schon sehr viel bringen
      insegsamt gibt es eher zu viele möglichkeiten, irgendwo zu klicken, als zu wenig.

    56. Lohnpresser schrieb am 29. März 2010 at 20:38 - Permalink

      Apropos Rauswurf der Deutschen aus der Eurozone: Die DMark hatte noch eine “natürliche Giergrenze” d.h.wenn die Arbeitskosten zu stark gedrückt wurden drohte eine Aufwertung und der Vorteil war wieder perdu.

    57. titus schrieb am 29. März 2010 at 21:24 - Permalink

      @Titus

      dieser name ist schon seit längerer zeit vergeben…

    58. Systemfrager schrieb am 30. März 2010 at 06:48 - Permalink

      @ egal

      Vielen Dank – ich werde darüber sehr intensiv nachdenken ;-)

      Ein nicht gerade kleines Problem ist aber darin zu sehen, dass

      nicht jeder Inhalt und nicht jede Menge
      zu
      jeder beliebigen Form und Struktur passen

      Trotzdem – noch einmal: Vielen Dank

      PS
      “Themenbereich und Schwerpunkt, muss man erstmal drauf kommen, dasss das ein Unterschied ist” – ja, das war in der Tat eine sehr schmerzhafte Geburt, aber ich weiß auch heute noch nicht, ob es anders ginge – wenn die Struktur dermaßen verschachtelt ist

    59. egal schrieb am 30. März 2010 at 08:59 - Permalink

      noch zwei generelle Hinweise:

      1. es ist übersichtlicher, wenn man etwas scrollen muss, als wenn man klicken muss
      2. Deshalb ist so ein Buchinhaltsverzeichnis (als Ergänzung) wirklich übersichtlich. Wenn man auf einen Artikel klickt, muss man nicht sehr viele Navigationsmöglichkeiten haben. Der Nutzer is schließlich nicht doof. Zum Inhaltsverzeichnis findet er alleine zurück,

      Deine Verschachtelungen erinnern an ein Ordnungssystem, das unter MS-Dos sehr sinnvoll war, im web 2.0 aber nur verwirrt (wenn ich das mal so lifestylemagazinmäßig sagen darf)

    60. Systemfrager schrieb am 30. März 2010 at 09:48 - Permalink

      @ egal

      Das mit einem quasi Buchinhaltsverzeichnis … Du bist (wahrhaftig!) nicht der erste, der das ausdrücklich “verlangt”. Wo platziere ich aber auch das noch – um Gottes Willen. (Um hier – bei SF – nicht zu “wildern”, kannst du es mir – natürlich völlig ananym – per meine Web-Mail mitteilen.)

    61. Maschinenblogger schrieb am 31. März 2010 at 07:54 - Permalink

      Ab “den Gürtel enger schnallen” wird es mir zu oberflächlich…

      Man muss ja nur mal schauen wer den Gürtel enger schnallen musste : 90+% der arbeitenden Bevölkerung. Weder bei Staatsausgaben, Beamtengehältern, Umverteilungswahn, Subventionen oder sonstigem wurde der Gürtel enger geschnallt.

      In Griechenland verdienen Beamte 2-4 mal mehr als Menschen in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen und das bei einem völlig überdimensionierten Beamtenapparat. In Deutschland sind wir auf dem besten Wege uns das als Beispiel zu nehmen.

      Es wird Zeit, dass die richtigen mal den Gürtel enger schnallen und lernen mit weniger (Steuergeld) auszukommen.

    62. Ulrike Maria Beck schrieb am 31. März 2010 at 18:53 - Permalink

      Ich hab da mal eine Frage: Warum bloggt MANN/FRAU eigentlich immer in der – Anonymität ?
      Warum nennt MANN /FRAU die Dinge beim NAMEN nur den Eigenen nicht?

      Frohe Ostern
      wünscht allen Spiegel-Fechtern
      Ulrike Beck

    63. Meerbuscher schrieb am 6. April 2010 at 12:47 - Permalink

      Kleine Ergänzung – lese ich gerade (heute ist der 06.04.2010) auf FTD: ” … Die Finanznachrichtenagentur Market News International berichtete indes, Athen wolle die EU-Hilfszusage nachverhandeln und erreichen, dass der IWF nicht beteiligt wird. Die Regierung habe sich über die mit einer solchen Unterstützung verbundenen Auflagen informiert und fürchte angesichts harter Schnitte politische und soziale Unruhen … ”

      Quelle 06.04.2010
      http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:schwindendes-vertrauen-griechen-holen-ihr-geld-von-der-bank/50097116.html?page=2

      In meinen Augen ein Brüller, wenn den Griechen (um niemandem Unrecht zu tun – “der griechischen Politik”) wirklich jetzt erst klar wird, welches Osterei Mutti ihnen da ins Nest gelegt hat? Und irgendwann wird auch den anderen EU-Mitgliedern klarwerden, welch unangenehme Verwandtschaft man sich da an Land gezogen hat. Und wenn die Geldeintreiber dann anfangen richtig Druck auszuüben, wird Mutti vermutliche den Kopf einziehen und leise sagen: “Ich bins nicht gewesen …”

    64. Alex Bermann schrieb am 15. April 2010 at 17:59 - Permalink

      Das Problem bei Mindestlöhnen ist, dass wir in einer globalisierten Welt leben. Das heisst konkret, dass es zwar enorme Vorteile hätte, global das Lohnniveau zu heben, man aber nie ausschließen kann, dass sich dann jemand nicht dran hält und dadurch enorme Wettbewerbsvorteile bekommt.

      Andererseits sorgt die globale Niedriglohnpolitik dafür, dass so viel Geld von unten nach oben verteilt wird, dass wir langfristig einen drastischen Nachfrageeinbruch bekommen werden, welcher das Wirtschaftssystem zerschmettert.

      Aus diesem Dilemma können wir nur entkommen, indem Europa autonomer wird. Je weniger wir auf aussereuropäische Exporte angewiesen sind, desto größer ist die Macht der EU, Regelungen zu Lohnniveaus einzuhalten. Im Gegenzug dürfen wir auch im Import nicht allzu abhängig sein, da sonst zu viel Kapital aus Europa heraus fliessen würde.

      Ferner wäre eine Einstellung der unfairen Handelsbedingungen mit der dritten Welt sehr hilfreich, da wir dadurch global das Whlstands- und Lohnniveau anheben könnten, was uns das Problem der internationalen Konkurenz etwas abnehmen würde.

      Wird dies nicht geschehen sehe ich schwarz für unsere Zukunft. Der globale Anarchokapitalismus ist im Begriff, sich selbst aufzulösen. Mit einem Zusammenbruch des internationalen Systems würde unser Wirtschaftssystem in eine Krise gestürzt, die den Staat in letzter Konsequenz zwingen würde, sich durch Privatisierung selbst aufzulösen. Im Bereich Bildung und Soziale Sicherheit ist dieser Prozess bereits im Gange.

      Was würde geschehen, wenn sämtliche Staatsgewalt privatisiert würde? Das wäre die Selbstauflösung der Demokratie.


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