Von der Kreditkrise in die Wirtschaftskrise? Teil 2
geschrieben am 25. Oktober 2007 von Spiegelfechter
Die Auswirkungen der Kreditkrise sind nicht nur auf den Finanzsektor begrenzt, sondern haben auch signifikante Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Die direkten Opfer der Kreditkrise und ihrer Ursachen sitzen hauptsächlich in den USA. Jede Hypothek, die nicht bedient werden kann, steht für eine Privatinsolvenz. In den ersten sechs Monaten dieses mussten rund 640.000 Zwangsversteigerungen eingeleitet werden. Diese haben den schwächelnden US-Immobilienmarkt Stück für Stück noch weiter unter Druck gesetzt und einen Kreislauf in Gang gesetzt, der sich nur schwer stoppen lässt. Jeder dieser 640.000 Haushalte hatte wahrscheinlich auch andere Kredite, die von der Insolvenz betroffen sind und abgeschrieben werden müssen. Dies und der zusammengebrochene Mark für Kreditrisiken führen zu einer rigideren Kreditvergabe seitens der amerikanischen Geldinstitute – in einem Land, in dem der Konsum 72% des Bruttosozialproduktes ausmacht und die Sparquote negativ ist, drückt dies natürlich aufs Konsumklima, worunter der Handel und letztendlich auch das Dienstleistungsgewerbe und das produzierende Gewerbe leiden.
Als erste Indizien weisen rückläufige Containerzahlen in den größten Häfen der USA und eine rückläufige Nachfrage im Einzelhandel auf ein Abkühlen der US-Wirtschaft hin. Einzelne Branchen, wie die Baubranche, das Handwerk oder die Baumärkte, haben einen herben Auftrags- bzw. Umsatzrückgang zu verzeichnen. All diese direkten Faktoren sind zwar bedeutend, stellen für die gesamte Volkswirtschaft aber ein eher geringes Problem dar, zumal die Opfer meist der Unterschicht und der unteren Mittelschicht angehören. Viel bedeutsamer als die direkten Folgen sind die indirekten Folgen, die weniger durch die Immobilien- und Hypothekenkrise, als mehr durch das in Schieflage geratene Finanzsystem verursacht werden.
Als die Kreditkrise ihren Höhepunkt hatte, war von einem Liquiditätsengpass die Rede. Auch damals stimmte das eigentlich nicht – es war immer genügend Liquidität im Markt, nur wollte niemand handeln, da das Vertrauen in die Marktpartner nicht vorhanden war. Auch wenn die schlimmste Phase der Vertrauenskrise überwunden ist, hat sich daran hat sich daran nicht all zu viel geändert. Institute und Fonds, die „strukturierte Investmentprodukte“ (engl. Abkürzung SIV) in ihrem Portfolio haben, werden in Finanzkreisen als SIV-positiv bezeichnet, so als hätten sie einen tödlichen Virus in ihren Adern. Am Markt herrscht momentan keine Unterliquidität, sondern eine Überliquidität, nur wollen die Kunden ihr Geld in einem sichern Hafen parken, bis das Gewitter sich aufgeklart hat. Kurzfristige US-Staatsanleihen sind derart gefragt, dass der Zinssatz bereits auf 3,7% gesunken ist. Während Investmentbanken und –fonds händeringend (billiges) Kapital fordern, um ihre „Knallfrösche“ zurückzukaufen und aus dem Portfolio zu nehmen, wissen Geschäftsbanken gar nicht so recht, wohin mit dem Geld ihrer Kunden, die plötzlich das Risiko scheuen.
Da Investmentbanken und –fonds ein elementarer Teil des US-Wirtschaftssystems sind, wird die FED auch bei ihrer nächsten Sitzung den Leitzins senken müssen – die Geister die ich rief. … Die unter Inflation leidenden Europäer werden zum gleichen Zeitpunkt wahrscheinlich den Leitzins anheben, um die Inflation abzuflachen. Dies alles passiert in Zeiten eines immer schwächer werdenden Dollars und eines starken Euros und verstärkt diese Disparitäten noch einmal, mit Folgen, die massive Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Ein sinkender Dollar bedeutet im Umkehrschluss höhere Ölpreise. Die OPEC kann die Höhne aufdrehen, so viel sie will, das Angebot kann kaum mit der Nachfrage mithalten und der Winter steht vor der Tür. Bei Ölpreisen über 100$ pro Barrel wird dies die amerikanische Wirtschaft aber vor allem die amerikanische Haushalte, die mit Öl heizen, treffen wie ein Orkan. Die Folgen sind absehbar – jeder Dollar, der wegen stark gestiegener Energiekosten das Land verlässt, wird dem privaten Konsum entzogen. Importierte Produkte werden durch die Dollarschwäche immer teurer. In Kombination mit den Leitzinsen, die wegen der angeschlagenen Finanzinvestoren gesenkt werden müssen, kann dies der Startschuss für eine signifikant steigende Inflation sein.
Auch Europa wird die Folgen spüren. Europäische Produkte werden auf allen Märkten, deren Nachfrageseite an den Dollar gekoppelt ist, teurer und somit unattraktiver. Darunter hat vor allem das exportorientierte Deutschland zu leiden, das politisch nicht gewillt war, die Binnenkonjunktur während den Zeiten einer sehr starken Exportkonjunktur zu stärken. Daher wird Deutschland ein Opfer seiner vermeintlichen Stärke – so wie die US-Volkswirtschaft extrem anfällig für einen Rückgang beim Konsum ist, ist Deutschlands wirtschaftliches Schicksal durch eine kurzsichtige Politik auf wohl und wehe vom Export abhängig.
Andere EU-Staaten werden die Konkurrenz durch Billiglohnländer zu spüren bekommen. Der starke Euro verteuert den Faktor Arbeit, während der schwache Dollar ihn verbilligt. Länder, wie Polen, Tschechien oder Rumänien, die zwar nicht den Euro haben, aber an ihn gebunden sind, werden die Konkurrenz am härtesten zu spüren bekommen. Hier ist Deutschland „fit für den Wettbewerb“ – lohnkostenintensive Produktion wurde schon längst ausgelagert.
“China wird seitens der USA immer stärker den Druck zu spüren bekommen, seine eigene Währung aufzuwerten. Seit dem 21 Juli 2005 ist der Renminbi nicht mehr fest an den Dollar gekoppelt, wie häufig falsch berichtet wird, sondern wird von der chinesischen Nationalbank in einem engen Korridor kontinuierlich gegenüber dem Dollar aufgewertet. Seit Lösung der festen Koppelung hat der Dollar bereits 10% an Wert gegenüber dem Renminbi verloren – der Euro gewann in diesem Zeitraum 10% an Wert. China hat ebenfalls mit einer trabenden Inflation zu kämpfen. Im August betrug sie 6,5 %, während einzelne Produkte, wie z.B. Nahrungsmittel mit 18,2%, sich extrem verteuert haben.
Ein schwächerer Dollar und eine chinesische Inflation werden den Renminbi von alleine aufwerten – ohne das die chinesische Regierung ihr Gesicht verliert. Dies wiederum kann nur zum Vorteil der EU sein. Mit steigenden Bedürfnissen des chinesischen Marktes und steigenden Lohnstückkosten wird China seine Rolle als Fabrik der Welt zwar immer noch behalten, aber die relativen Vorteile und damit verbunden die horrenden Außenhandelsüberschüsse werden langsam abschmelzen, was durchaus von Vorteil für die aus dem Gleichgewicht geratene Weltwirtschaft ist.
Das amerikanische Jahrhundert implodiert mit steigender Geschwindigkeit und mit ihm der Dollar. Es ist fraglich, ob die USA es schaffen, die Vorteile, die sich aus der Dollarschwäche ergeben, zu nutzen. Die Wirtschaft hat sich über Jahrzehnte von der Produktion abgewandt und dem Konsum zugewandt. US-Produkte, für die keine Rohstoffe und Komponenten benötigt werden, die importiert werden müssen, werden auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähiger – das Volumen dieses Exportzuwachses wird die negativen Folgen der Dollarschwäche allerdings keinesfalls ausgleichen können.
Die Weltwirtschaft wird dies allerdings nicht so schnell in eine Krise reißen. Und es gibt auch ein paar Gewinner – sämtliche Staaten, die beim IWF verschuldet sind, müssen ihre Schulden in Dollar zurückzahlen. Sinkt dieser im Wert sinken auch, relativ betrachtet, die Schulden.
Jens Berger
Kategorien: Wirtschaft
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“Ein sinkender Dollar bedeutet im Umkehrschluss höhere Ölpreise. Die OPEC kann die Höhne aufdrehen, so viel sie will, das Angebot kann kaum mit der Nachfrage mithalten und der Winter steht vor der Tür. Bei Ölpreisen über 100$ pro Barrel wird dies die amerikanische Wirtschaft aber vor allem die amerikanische Haushalte, die mit Öl heizen, treffen wie ein Orkan.”
bisher dachte ich immer, Öl wird in Dollar gehandelt, so dass sich Wechselkursschwankungen des Dollar auf den Ölpreis nur für Nicht-Dollar-Regionen auswirken? Der steigende Ölpreis ist doch ausschließlich der höheren Nachfrage und nicht dem sinkenden Dollar geschuldet? Und müsste ein sinkender Dollar sich auf den Ölpreis in EURO-pa nicht sinkend auswirken?
Ja nee, is klar und die Verkäufer und Händler nehmen das als Gott gegeben hin, dass sie pro verkauftem Barrel sich dann 20% weniger Kartoffeln, Weizen oder sonstwas für kaufen können, statt einen Preisausgleich einzufordern. ;-)
Pax
@Jörg
Ein weitverbreitetes Mißverständnis. Der Preis wird, wie das auf Märkten üblich ist, (vereinfacht ausgedrückt) durch Angebot un Nachfrage bestimmt. Ob die Währung, in der fakturiert wird, Dollar, Euro oder Zltoy ist, spielt keine Rolle. Wenn sich an der Marktsituation nichts ändert und der Dollar gegenüber dem Euro 10% verliert, wird der Ölpreis um den Teil, den Kunden aus Euroland nachfragen, 10% (in Dollar) steigen. Das hat für die USA den Nachteil, dass der Ölpreis dort – relativ – stärker steigt, als in Euroland oder jeder anderen Region, die eine Währung hat, die stärker als der Dollar ist.
Die Folgen des Einbrechenden Konsums kann man zB an der sinkenden Kundenzahl bei eBay sehen (http://www.kriegs-recht.de/entwicklung-der-ebay-nutzerzahlen-update-q3-2007/).
Die Geschichte mit dem Ölpreis habe ich zwar immer noch nicht begriffen, aber vielleicht morgen früh…
Jetzt fragt sich nur, welches Land die USA angreifen müssen, um aus dieser Abschwächung raus zu kommen…
@Marnem
-> Ebay
Ja, ein weiteres Beispiel – vor allem ein für das “normale” Volk repräsentatives Beipiel.
-> Ölpreis
Das ist idT recht komplex. Versuch´s mal damit: Stell Dir eine imaginäre Währung namens “Öltaler” vor, in der Öl gehandelt und fakturiert (der reale Handel) wird. Jeder Käufer sucht sich die Währung seiner Wahl aus, um die Öllieferungen zu bezahlen (er kauft Öltaler) und der Verkäufer tauscht die Öltaler wieder in die Währung zurück, die er haben will. Ober eine der Währungen dabei Dollar, Franken oder Euro ist, ist per se unwichtig, wenn es um die Preisfindung geht. Entscheidend für Währungsfragen sind drei Aspekte: a) Wer kauft wieviel b) Was macht der Verkäufer mit den Einnahmen und c) spielt die Transaktionswährung eine Rolle im Währungskorb einer Zentralbank eines kleineren Landes, das sich gegen die Transaktionswährung absichern muß (bei einem stetig fallenden Dollar ist dies eher unwichtig).
Japan, Südkorea, Euroland und Großbritannien … klingt seltsam, ist aber so ;-)
@Spiegelfechter
Hmm, jetzt wirds klarer.
Interessant, dass Du China nicht genannt hast.
Es scheint, dass die Besitz- und Geld-Umverteilung von unten nach oben derzeit etwas ins Stocken kommt, weil diese miesen Sklaven aus der Unter- und Mittelschicht einfach ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.
In einer Welt, in der ein Templer, der den Ärmsten der Armen Kredite mit Wucherzinsen gibt, den Friedensnobelpreis (!) bekommt, darf es natürlich nicht sein, dass nichts mehr fliesst, wenn man den Sklaven auswringt.
Deswegen sind alle so “nervös”.
Ich halte fest, dass der Kapitalismus in einer mehrere tausend Jahre währenden Geschichte bisher ausnahmslos kläglich versagt hat und ein instabiles, menschenverachtendes System zum Vorteile einiger weniger und Nachteil fast aller ist.
Ich persönlich lächele immer zufrieden, wenn ich Bilder sehe, wie Kapitalismusmitläufer z.B. bei einem Börsencrash aus dem Fenster hüpfen und selbst mal ganz real auf dem Boden der Tatsachen endgültig ankommen.
@Spiegelfechter: Ich hab’s noch nicht kapiert, werde aber das Wochenende über darüber nachdenken.
@ Schwitzig
Das ist sogar für einen Freitagvormittag etwas zu viel Verschwörungstheorie.
Das ist schlicht und ergreifend falsch: Der Kapitalismus ist weder mehrere tausend Jahre alt, noch hat er – im Vergleich – kläglich versagt.
Es läuft einiges schief – vor allem in der Verteilung des Wohlstandes – in der Geschichte sucht der Kapitalismus aber ein vergleichbares Beispiel an Stabilität.
@Jörg Friedrich (und andere)
Über den Dollar und den Ölpreis hatte ich vor langer Zeit schon mal einen Artikel geschrieben, der dieses spezielle Thema ein wenig näher beleuchtet.
@9· charaktersau (der Name ist Programm?)
Nun – es hat letztes Jahr tatsächlich ein Geldhändler den Friedensnobelpreis bekommen.
Und zu Deinem Kapitalismus-gibt-es-erst-seit-neuestem-Geschwurbel:
Fast jedes bisherige System war ein kapitalistisches, spätestens wenn die Regierungsrepräsentanten von Wirtschaftsrepräsentanten gekauft wurden. Die jeweils postulierte Staatsform war i.d.R. schlicht Etikettenschwindel. Jedes System ist mit vielen Toten untergegangen. Dein verschwurbeltes “Verschwörungstheorie”-Gekreische und Gezeter kannst Du Dir sonstwohin stecken – das Geschwurbel wirkt bei mir nicht.
China ist übrigens kein kommunistisches, sondern ein kapitalistisches System – nur mal so als Denkanstoss.
Übrigens: Auch wenn sich die Deutsche Demokratische Republik “demokratisch” genannt hat, heisst das noch lange nicht, dass sie demokratisch war.
@Schwitzig
Was ist für Dich “Kapitalismus” und was wäre eine realistische Alternative?
“Das ist sogar für einen Freitagvormittag etwas zu viel Verschwörungstheorie”
das Problem an ‘Verschwörungstheorien’ liegt leider darin, dass man oft etwas eine Verschwörungstheorie nennt, um das so Genannte in den pejorativen Kontext zu bringen, wozu dieser Begriff in der Alltagssprache reduziert wurde (siehe zB seine Verwendung in den deutschen Mainstreammedien, um das neue Buch von Naomi Klein zu diffamieren)
@ Schwitzig
Der Nobelpreis ist nichts anderes als eine PR-wirksame Veranstaltung, den sollte man nicht überbewerten.
Zetern und kreischen sehe ich hier nur einen. Hier geht es nicht um „postulierte“ Staatsformen oä, sondern schlicht und ergreifend darum, dass der Kapitalismus rund 400 – 500 Jahre alt ist. Davor gab es feudale Systeme, geschlossene Hauswirtschaften uä.
Dass diejenigen, die sich „Demokraten“ nennen, oft am weitesten davon entfernt sind, weiß man nicht erst seit der DDR. Wie Du nun auf China kommst, keine Ahnung.
Außerdem musst selbst Du zugeben, dass „Templer“ sehr nach Dan Brown, bzw einer „Weltverschwörung“ klingt.
@salvo
Bei aller gerechtfertigten Kritik an Yunus … die Erwähnung, er sei Templer (was mir neu wäre) diskrediert den Beitrag selbst zu Verschwörungsgeschwurbel. Dabei wäre dies gar nicht nötig. Gegen Mikrokredite kann man wenig sagen, gegen Mikrokredite mit 40% Verzinsung sehr wohl und der Friedensnobelpreis für Yunus ist eine Farce.
Daraus mit einem Einwurf “Templer” ein große VT abzuleiten, ist allerdings absurd und entzieht der (zu 100% korrekten!) Kritik die Basis.
@spiegelfechter
ob Yunus Templer ist oder nicht, weiß ich nicht, und ich habe keine Zeit, das zu recherchieren (obschon es schön wäre, wenn schwitzig das belegen und uns diese Arbeit erparen könnte). Es mag sein, dass das einfach falsch ist. Eine falsche Aussage ist aber per se keine ‘Verschwörungstheorie’ – in keinem der zB bei wikipedia beschriebenen begrifflichen Anwendungsfälle, zu denen auch durchaus positive gehören (siehe zB seine Verwendung im historischen Kontexts des Reichtagsbrands). Mich stört diese inflationäre Verwendung eines Begriffs, der vielfach, von den Medien vorgemacht, nur noch seiner ‘Bannwirkung’ wegen benutzt wird.
@Salvo
Das mag ja alles sein. Mir geht es zumindest so, dass ich aufhöre Texte zu lesen, sobald der Begriff “Templer”, “Bilderberger”, “Illuminaten”, “Freimaurer” oder “
FinanzjudentumRothschild/Rockefeller” auftaucht. Mit solchen Anleihen aus der Unterhaltungsliteratur kann man politische Texte “aufsexen”, die Glaubhaftigkeit geht dabei allerdings den Bach runter.@spielgelfechter
apropos Dollar und Öl, Dir ist vermutlich schon bekannt, dass der Iran bei Handelsgeschäften keine Dollars mehr annehmen will, d.h. auch die Ölverkäufe würden nicht mehr in US Dollar gehandelt
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2007-10/artikel-9269369.asp
was die infolge ihres ökonomischen Dogmatismus vom Export abhängige deutsche Wirtschaft anbelangt, da fängt Einigen der so genannten Experten zu dämmern, welche Gefahr diese Abhängigkeit birgt und hoffen jetzt – wohl unbegründet, da wirtschaftspolitisch erwürgt – auf den Binnenmarkt
http://www.jjahnke.net/rundbr34.html
@salvo
-> Iran, Öl, Dollar
M.W. nimmt Iran seit geraumer Zeit kaum Dollars für seine Ölexporte – aus dem ganz einfachen Grund, da US-Sanktionen bestehen und Dollarkonten leichter beschlagnahmt werden. Iran muß also eh die kompletten Öleinnahmen umfakturieren … warum also überhaupt Dollar nehmen?
@17 · Spiegelfechter
“Templer” lustig, wer hier Verschwörungstheorien kennt :-). “Templer” in eurem Sinne kenne ich nicht – ich meinte damit die Geldhändler, die Jesus aus ihrem Tempel geworfen hat.
Ich fand das irgendwie witzig, da Christentum scheinbar automatisch zu Kapitalismus führt.
Mit euren “Templern”, “Illuminaten” und sonst etwas habe ich nichts am Hut, abgesehen davon dass ich davon ausgehe, dass es
Parasiten gibt, denen kein Mittel zu mies ist, sich an der Allgemeinheit zu bereichern.
Das ist keine VT, sondern Realität – man sehe sich nur mal die Rüstungsindustrie an.
Und generell heisst Kapitalismus, dass ein Geldsystem Werten gegenüber steht und dass alles in irgendeiner Form käuflich ist.
Das ist die einzige Staatsform, die es bisher gab.
Sie kam ab und zu mit freundlichen Masken, ist in letzter Konsequenz aber immer das Diktat der Rücksichtlosigkeit.
Sobald ein System Geld für Menschenrechte verlangt, ist es ein kapitalistisches System und damit Schmutz.
Nochmal zu der Öl-Dollar-Problematik. Ich schreib den Absatz mal um in der Form, wie ich das verstehe und wüsste gern, ob das dann so richtig ist:
Ein sinkender Dollar bedeutet im Umkehrschluss höhere Ölpreise für die Verbraucher in den USA, da die Ölexportierenden Länder ihre Erlöse nicht komplett in Dollar behalten wollen sondern teilweise in Landeswährung zurücktauschen. Wollen sie da den gleichen Einheitspreis erzielen, steigt automatisch der Preis in $. Das wird zusätzlich dadurch begünstigt, dass die Nachfrage weiter steigt, auch wegen des herannahenden Winters. Bei Ölpreisen über 100$ pro Barrel wird dies die amerikanische Wirtschaft aber vor allem die amerikanische Haushalte, die mit Öl heizen, treffen wie ein Orkan.
Für Verbraucher in Nicht-Dollar-Ländern ist die Auswirkung des fallenden Dollars auf den Ölpreis jedoch eher gering, hier kann es sogar zu einem tendenziellen Fall des Ölpreises (z.B. in EURO berechnet) kommen, da die Ölexportierenden Länder eben nicht den gesammten $-Erlös in ihre Landeswährung zurücktauschen sondern zum Teil wieder in Dollar ausgeben und damit der Währungsbedingte Anstieg des $-Ölpreises nicht genaus hoch ist wie der positive Effekt, den ein fallender Dollar auf den Euro-Ölpreis hat. Dieser Effekt dürfte aber auch für die Euro-Länder durch die steigende Nachfrage aufgehoben werden, so dass diese (in EURO) mit gerade einmal konstanten Preisen rechnen können. Aber immerhin.
Richtig?
“Ich fand das irgendwie witzig, da Christentum scheinbar automatisch zu Kapitalismus führt.”
@Schwitzig
Wenn du damit auf Webers “protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus” anspielst. Weder führt das Christentum automatisch zum “Kapitalismus” noch meinte er das ganze Christentum, sondern gerade die Besonderheit protestantischer Denominationen wie Calvinismus, Puritanismus, Pietismus etc. in ihrem Verständnis der Prädestinationslehre und der daraus hervorgehenden “innerweltlichen Askese”, die sich häufiger in Form eines rationalen Kapitalismus ausdrückt als es zB. bei Unternehmern katholischen Glaubens der Fall ist.
@Schwitzig
*g*
Dann mußt Du aber auch sagen, was Du meinst. Das Wort “Templer” beschreibt die aus Fiktion und Geschichte bekannten Tempelritter, die so vielen VTs als Verschwörerbösewichte dienen. Das war idT mißverstänlich.
Das Christentum in seiner “reinen” Lehre ist sogar antikapitalistisch -> siehe Bergpredigt etc.. Was die alten Männer in Rom daraus gemacht haben, ist etwas komplett anderes.
@Jörg
-> Richtig?
Ja, obgleich ich den Geldfluß auf der Verkäuferseite damit nicht einmal gemeint habe und ihn eigentlich bei dieser Betrachtung auch ceteris paribus herauslassen würde.
@23 · Spiegelfechter
öhm … hüstel … nun, die meinte ich nicht :-).
Ich persönlich gehe davon aus, dass Religionen ihren Ursprung immer in einer Art Versuch hatten, eine Ethik in Regeln zu gießen, damit moralisches und ethisches Verhalten auch weniger selbstreflektierenden Personen nahe gebracht werden kann.
Ethik und Moral sind meinem Verständnis nach das genaue Gegenteil der Kosten/Nutzen-Basis kapitalistischer Weltanschauungen und demnach wären Religionen und Sekten wie z.B. das Christentum oder der Islam im Prinzip eine positive Sache, wenn sie in ihrer Aussage nicht so pervertiert worden wären.
Dem gegenüber steht das Opium für’s Volk-Prinzip, welches mir auch schlüssig erscheint, da Machtmenschen wohl kaum auf ein derartig mächtiges Werkzeug verzichten wollten.
Wahrscheinlich ist es wie bei vielen Angelegenheiten nicht schwarz oder weiss, sondern eher grau, mit steuerbaren und veränderlichen Tendenzen.
Dass in offen kapitalistisch orientierten Systemen das Christentum als begleitender Glaube prozentual stärker als andere Religionen vertreten ist, mag Zufall sein oder historisch durch das besonders aggressive “Missionieren” (Kreuzzüge und andere christliche Vernichtungsfeldzüge) bedingt sein. Es mag sein, dass statt des Christentums der Netter-Molch-Glauben heute der Bruder des Kapitalismus’ wäre, wenn im Mittelalter die Netter-Molch-Horden eine dem Christentum ähnliche gewalttechnische Überlegenheit gehabt hätten :-).
Ich denke, dass man zwischen katholischer und evangelischer Religion bei dieser Frage differenzieren muss. Denkt an das Werk “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus” von Max Weber…
Mein Blog: http://www.liberphil.blog.de
Mich erinnert der Kapitalismus an ein Schneeballsystem. Demnach dürfte es noch eine Weile lang funktionieren, auf jeden Fall solange, bis der Kapitalismus weltweit umgesetzt wurde, oder ein großer Krieg ausbricht.
Mir ist allerdings noch nicht ganz klar, wie man die Verlierer dieses Systems, die ja über die Zeit immer mehr werden (absolut & prozentual) auf Dauer, trotz Medienkontrolle, diverser Überwachungsmechanismen und einer Militarisierung des Landes/Region/etc., unter Kontrolle halten kann.
Nuja, werde mal, falls ich Lust habe, darüber nachdenken ;o)
Wenn ich Deine Auslegungen richtig verstanden habe, so wird es nach drei bis fünf Jahren sehr lustig sein. Vorausgesetzt, alles bleibt tendenziell beim Alten: “Wirtschaft, Wirtschaft über alles”. Möglicherweise besinnen sich Menschen danach wieder darauf, dass ‘Wirtschaft’ eigentlich kein Selbstzweck ist und die Gesellschaft nicht nur eine Ressource dafür.
Zu ‘Kapitalismus’. Das ist m.E. viel zu abstrakter ideologischen Begriff – jeder neigt dazu, ihn mit eigenem Inhalt zu erfüllen. Er hat viel mehr mit Moral und Ethik (und somit Religion, Glauben), als mit realem Wirtschaften zu tun.
MfG
COPOKA
Seit meiner Kindheit wird dem Kapitalismus das Ende vorhergesagt, das (fast) unausweichliche. Der Sozialismus ist darüber verstorben – der Kapitalismus gedeiht und wächst an allen Enden der Welt.
Bisher ist ein System, welches mehr gerechtigkeit oder Wohlstand oder sogar beides bringt, nirgens auch nur im Ansatz in Sicht. Ich glaube, wer sich auf eine Welt nach dem Kapitalismus vorbereitet ist genauso ein Träumer wie die, die sich aufs Jenseits vorbereiten.
Na, da war ich mit meinen Gedanken schon weiter ;)
Der Kapitalismus erinnert mich natürlich an ein Pyramidensystem, der Schneeball steht am Ende, wenn die Pyramide langsam wegbricht.
@COPOKA
Nicht nur Glauben, sondern damit zusammenhängend auch Vertrauen. Ohne das berühmte Vertrauen in den Markt und deren Teilnehmer würde dieses System nicht funktionieren.
Im Prinzip ist der Kapitalismus schlimmer als das Christentum; es wäre mal interessant zu sehen, wie viele Kriege im Namen des Kapitalismus geführt wurden, wie viele Menschen für das Wohl einiger weniger ausgebeutet wurden und werden, wie viele Existenzen durch Entlassungsorgien vernichtet wurden….. in sofern leisten die Kirchen einen wichtigen Beitrag: sie eignen sich herrlich als Sündenbock, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.
In dem Artikel steckt sehr viel interessantes und wahres, jedoch hört man jedes Jahr aufs Neue, dass die Abkoppelung der Währungen vom Gold und die Damit verbundene Inflation über den ihr innewohnenden Zinseszinseffekt unweigerlich zum Kollaps kapitalistischer Wirtschaftssysteme führen muss. Und Jahr für Jahr passiert… nichts. Ein System, welches Leistung und Ideen belohnt, wird auch nicht deswegen zusammenbrechen, weil einige hinter jedem Ereigniss Geheimbünde und Verschwörungen wittern oder bestimmte Indikatoren aus dem Ruder laufen. Die besten Volkswirte können nicht einmal annähernd exakte Prognosen über die Höhe des Wirtschaftswachstums in den nächsten 3 bis 6 Monaten abgeben, aber jeder selbsternannte Experte weiss natürlich ganz genau, wieso das System bald zusammenbrechen wird. Da stell ich doch einfach mal die Frage in den Raum, wer irrt.
@Daniel
Meinst Du damit den Artikel oder die Kommentare?
Ich schließe mich nämlich Deinen Aussagen an und wüßte nicht so recht, welche Passagen im Text dem widersprechen würden ;-)
@Daniel
Der Kollaps des Kapitalismus wird kommen, dafür muss man kein Prophet sein. Zwar hat das nur sekundär etwas mit der Abkoppelung der Währungen vom Gold zu tun, aber primär damit, wie der Kapitalismus in seinem “Wesen” funktioniert.
Wann das System genau kollabieren wird, das weiß niemand, und jeder der etwas anderes behauptet, hat möglicherweise ein eigenes Interesse daran (z. B. einen steigenden Goldpreis, um das eigene gewinnbringend zu verkaufen). Deine Aussage “und Jahr für Jahr passiert nicht” verstehe ich da nicht so ganz.
Mir ist auch der Zusammenhang zwischen Vorraussage des Wirtschaftswachstum und dem Systemkollaps, nicht so ganz klar. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Das eine, nämlich das Wachstum, kann nicht vorraussgesagt werden, sondern nur geschätzt, also vermutet, und dass das System irgendwann kollabiert ist systemimmanent; man versucht durch staatliche Eingriffe das zu verhindern bzw. zu verzögern, aber irgendwann wird dies nicht mehr funktionieren.
Wie Du zu Deiner Schlußfolgerung kommst, so nach dem Motto: da solange trotz all dieser Warnungen nichts passiert ist, wird auch zukünftig nichts passieren, verschließt sich mir ebenfalls.
@Spiegelfechter
Es ging mir um die Kommentare. Der Artikel ist in sich absolut schlüssig.
@7Schläfer
Mit “und Jahr für Jahr passiert nichts” besagt einfach, dass seit Jahrzehnten immer wieder Propheten auftauchen, die den unmittelbaren Zusammenbruch des Kapitalismus vorhersagen, trotzdem ist das bis heute nicht eingetreten. Und der Zusammenhang zwischen der Berechnung volkswirtschaftlicher Größen sowie einem Systemkollaps ist für mich relativ klar: wenn ich nichtmal das eine vorhersagen kann, wie kann ich dann mit Bestimmtheit das andere behaupten?
Davon, dass “…da solange trotz all dieser Warnungen nichts passiert ist, wird auch zukünftig nichts passieren,…” hab ich allerdings nichts geschrieben, da interpretierst Du irgendwas in meine Aussagen hinein, was ich weder gemeint noch niedergeschrieben habe.
@Daniel
Wann das System zusammenbrechen wird, also ob morgen, in 10 Jahren oder in 100 Jahren, dass weiß niemand; das hatte ich mit meiner Aussage auch gemeint
Ich versuche es nochmal anders: Man kann Dinge, also hier die Berechnung volkswirtschaftlicher Größen, deren genaues Zustandekommen man vorher nicht kennt, auch nicht vorhersagen.
Etwas völlig anderes ist es, eine Aussage zu treffen, von der man weiß, dass sie eintreten wird, auch wenn man nicht weiß wann das der Fall ist.
Nun ja, ich habe versucht, anhand Deiner Aussagen ein Fazit herzuleiten, und bin offensichtlich damit gescheitert.
Du hast Dich zu Gründen pro Zusammenbruch gar nicht positiv geäußert, und daraus habe ich geschlossen, dass Du nicht davon ausgehst, dass das System irgendwann kollabiert. Du hast dagegen den Zeitfaktor angeführt so ungefähr: wenn die “Propheten” recht (gehabt) hätten, hätte schon längst etwas passieren müssen.
Über dieses Thema bin ich auf Ihren Blog aufmerksam geworden. Ich habe hier schon viel gelesen und bin über die Gründlichkeit der Beiträge überrascht, das findet man nicht oft. Auch möchte ich Sie für das Eingehen auf die Kommentare loben, auch das zeugt davon, dass Sie hier Qualität anbieten.