TITANIC und der britische Humor
01. November 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Hin und wieder bringen sogar seriöse Medien wochenlang Storys über irgendwelche Dinge, bei denen man sich ernsthaft fragt, wen denn so etwas eigentlich interessiert und warum solch boulevardeske Unwichtigkeiten journalistisch ausgeschlachtet werden, während wirklich wichtige Fragen gar nicht behandelt werden - Dieter Bohlen, irgendwelche Casting-Deppen, Britney Spears, Paris Hilton und seit längerem ein britisches Kind, das irgendwie in Portugal verschwand - wahrscheinlich wurde es umgebracht, vielleicht sogar von seinen Eltern selbst - wer weiß, wen interessiert es? Für die Eltern ist dies natürlich tragisch und so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren kann. Aber jeden Tag sterben 25.000 Menschen an Hunger, darunter 13.000 Kinder. Keine Titelseite verliert auch nur einen Kommentar darüber.
Problematisch wird es in Fällen von vermissten oder ermordeten Kindern immer dann, wenn die Eltern entweder geschäftstüchtig, skrupellos und profilneurotisch sind, geschäftstüchtige, skrupellose und profilneurotische Berater und Anwälte haben oder auf geschäftstüchtige, skrupellose und profilneurotische Journalisten treffen. Im Fall McCann trafen wahrscheinlich alle dieser Punkte zu, anders ist der mediale Hype, der sich nun schon über ein halbes Jahr hinstreckt, kaum zu erklären. Ein gefundenes Fressen für die Medien, um das verschwundene Kind geht es dabei schon lange nicht mehr. Die Eltern sind Stars, Personen im Fokus des öffentlichen Interesses und werden gnadenlos verramscht, um Quote zu machen. Durch private Spenden hat das Ärzteehepaar mittlerweile über eine Million Pfund für einen Fonds eingesammelt, der Medienkampagnen, Medienberater, Anwälte und die Hypotheken für das Haus der McCanns bezahlt – letzteres stieß allerdings auf öffentliche Kritik, als die McCanns selbst unter Mordverdacht gerieten. Mit dem Geld einen Fonds für Kinder in Not einzurichten, ist den McCanns sicher nie in den Sinn gekommen.
Während der Hype Deutschland wie ein nicht schwächer werdender Sturm überzieht, trifft er Großbritannien wie ein Orkan. Kein Tag ohne „Breaking-News“, über faule portugiesische Beamte, arabische Sklavenhändler, marokkanische Kinderhändler und alles, was ins xenophobe Bild des britischen Boulevards passt. Alles? Nein, das Lieblingsthema des britischen Boulevards ließ sich bis jetzt noch nicht verwursten – „Don´t mention the war“, wo bleiben die Pickelhauben, Nazis und humorlose Hunnen? Zum Glück gibt es noch die Titanic, das Urgestein der Satire, das sich stets zynisch und im stetigen Kampf mit der geschmacklichen Schmerzgrenze über gesellschaftliche und politische Themen lustig macht. In ihrer aktuellen Ausgabe persifliert die Titanic den Medienhype um Maddie McCann anhand einer doppelseitigen Anzeigenparodie, in der Produkte mit dem „bekanntesten Gesicht der Welt“ – Maddie McCann - werben. Dürfen die das? Ja, sie dürfen!
Was darf die Satire?
Alles!
Kurt Tucholsky

Wer die Titanic liest, erwartet genau das von ihr: Böse Satire, mit politisch unkorrekter Häme, die sich über den Rest der Medien und deren geistlose Berichterstattung und verwerfliche Aufmerksamkeitsökonomie lustig macht. Schwarzer Humor in Reinkultur – früher ein Paradefeld der Briten, wer erinnert sich nicht an Monty Pythons Flying Circus? Die Redakteure britischer Zeitungen fanden die Satire vielleicht auch lustig, aber das dürfen sie freilich nicht sagen, so etwas passt nicht ins Vermarktungskonzept. Wer täglich den Fall „Maddie“ auf die Titelseite bringen muß, braucht Nachschub und dafür eignet sich eine solche Satire – zumal, wenn sie von den „Hunnen“ kommt - natürlich hervorragend. „Disgusting“ findet die SUN, freilich nicht ohne ihren Ekel mit ihren Millionen Lesern zu teilen. Wie kann man dies den netten McCanns zumuten? Die netten McCanns werden kaum Abonnenten der Titanic sein, da ist es doch schon ausgesprochen taktvoll von SUN und Co. ihnen die Satire zu präsentieren, um sich anschließend über den Schmerz der McCanns über eben diese Satire auslassen zu können. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis aufgebrachte Briten vor der deutschen Botschaft Fahnen verbrennen und Volkswagen in Großbritannien boykottiert wird.
Der Anwalt der McCanns zeigte indes, wie recht die Titanic mit ihrer Satire doch hat. Ihn stört weniger der Inhalt, als mehr die Copyrightverletzung. „Das Magazin hat nicht nach einer Abdruckgenehmigung gefragt“, denn, so weiß Anwalt Clarence Mitchell, „diese wäre nahezu sicher (almost certainly) nicht erteilt worden“. „Nahezu sicher“ … so so – alles ist wohl nur eine Frage des Preises?
Wahrscheinlich wusste die Titanic selbst nicht, wie sehr ihre Anzeigenparodie mit dem Kindergesicht auf diversen Produkten doch am Kern der Sache rührt. Im Jahre 2005 ging der Fall „Ricky Holland“ durch die amerikanischen Medien. Der 7jährige verschwand spurlos, das Thema wurde Medienhype, tausende Freiwillige spendeten und halfen bei der Suche, das Bild Rickys wurde auf Milchtüten und andere Produkte gedruckt und ein halbes Jahr später gestanden die Eltern den Mord und führten die Polizei zur Leiche.
Update: In einem Interview im Stern erklärt sich Mitherausgeber Martin Sonnenborn, nebenbei Vorsitzender der PARTEI und derjenige, dem Deutschland die WM 2006 zu verdanken hat. Zitat:”Ich würde sogar sagen, es handelt sich um eine Kriegserklärung an England.”
Jens Berger
Bildnachweis: Bilder 2,3 und 5 (von oben): Montage Spiegelfechter (CC) und Bild 1 und 4:Titanic
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Eben so. Wobei ich wirklich nicht genau weiß, ob ich die McCanns nun bemitleiden soll - eigentlich ja - oder verdächtigen. Das bauchgefühl am Anfang war nicht wirklich gut, doch dieser Fall ist eben vielleicht nicht wie der aus den USA.
Aber unbestritten hat Titanic das Recht, sich mit dem Hype - und nicht mit der Entführung - zu beschäftigen. Auf jeden Fall muss man das im Auge behalten.
medienrepu...
na-blogo.d...
@ Spiegelfechter
“Aber jeden Tag sterben 25.000 Menschen an Hunger, darunter 13.000 Kinder. Keine Titelseite verliert auch nur einen Kommentar darüber.”
Wohl war, aber: Nur weil um soundsoviel Menschen kein Aufhebens gemacht wird, bedeutet es nicht, daß es lächerlich, übertrieben … ist, um genau einen Menschen Aufheben zu machen. Strenggenommen müsste über alle diese Menschen (und zig andere mehr) so ein Wirbel gemacht werden. (Mir ist schon bewusst, daß das nicht realistisch, als keine Häme bitte.)
Das Hauptproblem scheint mir aber folgendes: Warum verwendet die Titanic das Kind und nicht die Eltern (Anwälte, etc)? An den Eltern (…) gibt es doch wohl genug kritisierendswertes. Das ausgerechnet ein Toter, der auf die ganze Angelegenheit doch wohl den geringsten Einfluss haben dürfte, zur Kritik an dem Medienrummel verwendet wird, finde ich deutlich geschmacklos.
Nur zur Klarstellung: Mir geht es nicht darum, daß man die ganze Angelegenheit nicht kritisieren solle, ich denke nur die Richtung ist die falsche. Titanic tritt nach unten (Maddie), um die oben zu treffen (Eltern, Anwälte, Zeitungen).
Gruß,
nebu
@nebu
Ich weiß schon, wie Du das meinst. Aber “Satire” ist nun einmal unerbittlich, sie muss ihre Wirkung erzielen und dafür muss sie das passendste und nicht das gerechteste Objekt nutzen.
Im konkreten Fall spielen die Medien mit der Geschichte des toten Kindes und nutzen die “süßen” Bilder, um Auflage zu machen. Glaub mir (auch das mag sich jetzt zynisch anhören), wäre das verschwundene Kind ein kleines häßliches Pummelchen von pakistanischen Einwanderern, hätte kein Hahn danach gekräht. Mit eben diesen Mechanismen spielt die Titanic in ihrer Satire - eine Satire, die die Eltern zum Inhalt hat, greift primär die Eltern an, genau so wie eine Satire, die sich “nur” auf die Medien fokussiert, auch “nur” diese angreift.
Die Titanic-Satire mit dem “Kinderbild” greift alle an und vor allem (was am wichtigsten ist!), sie greift den Betrachter an, der natürlich (so er denn nicht verroht ist, wie Herr Schirrmacher uns unterstellen will ;-)) einen gewissen Ekel empfindet. Das ist Methode, der geneigte Zuschauer nutzt diesen Ekel aber, um die Mechanismen und letztendlich seine Rezeption dieser Mechanismen zu überprüfen. So funktioniert Satire und das ist auch gut so.
@ 3: Spiegelfechter
Ich habe nur meine Zweifel, ob die von Dir angedeutete Aufklärung der “Massen” durch die Bewusstmachung von Widersprüchen mittels Übersteigerung ins Extreme (wo Maddie überall sonstnoch sein kann) tatsächlich wirksam ist. Und wenn sie nicht wirksam ist, verkommt der aufklärerische Zynismus zu einer reinen Intellektuellenbespaßung. Das ist, was ich meinte, mit der Richtung, in die Titanic tritt. Titanic hat den Anspruch aufgegeben, aufklärerisch zu sein, mit der Folge, daß der lobenswerte Ansatz in Verachtung der Nichtwissenden untergeht.
Gruß,
nebu
@nebu
Nun ja, wenn die “Intellektuellenbespaßung” einen guten Zweck erfüllt ;-)
Du hast sicher in Teilen recht - die Titanic hat ihre Zielgruppe, und die unterscheidet sich natürlich von der Masse. Allerdings ist der Humor der Titanic auch keinesfalls(!) massentauglich. Dennoch (so denke ich) erfüllt die Satire der Titanic die klassischen Regeln von “Satire”. Über die Wirkung kann man sicher streiten und Du liegst vielleicht gar nicht so falsch.
Gruß
Jens
Jegliche Berichterstattung zum Ermittlungsstand der Polizeibehörden in diesem Fall erwiesen sich als reine Spekulation. Ich glaube auch nicht das die Öffentlichkeit dieses Falles den Ermittlungen zu Gute kommt. Ich bedanke mich dennoch bei der britischen Presse, die mich auf die geniale Titanic Satire aufmerksam machte. Die Kriegserklärung an England war natürlich überfällig.
Immer locker bleiben
Ganz ehrlich: Ich habe mir fast in die Hose geschissen - vor lachen!
Ich lese die Titanic nicht, doch diese fiktive Anzeige ist genial, denn sie ist nicht nur lustig, sondern es steckt i.d.T. sehr viel Wahrheit dahinter. Der Hype um dieses Kind ist nicht mehr normal! Wer sagt uns, dass die “Marke Maddie” nicht tatsächlich weiter kommerzialisiert wird, also über die Presse hinaus?
Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Selbstverständlich bedauere ich das Mädchen, welches ja vermutlich tot ist. Sie ist das Opfer, ganz klar. Was man von diesen Eltern und dem ganzen Rummel um den Fall halten mag, steht jedoch auf einem anderen Blatt.
It they had it would almost certainly not have been given.
Also spontan aus dem Bauch heraus haette ich das eher mit “ganz bestimmt nicht” uebersetzt. Aber vielleicht hab ich da schon zu viel in den Satz hinein interpretiert :-D
AZ
@AZ
Das “almost” macht´s.
Auch die sieht das so wie meiner einer.
Wenn die Schuhe mit denen man zutritt groß genug sind sollten die kleinen ohne Probleme im Profil unterkommen während die großen das bekommen was sie verdienen.
Was darf die Satire?
Alles!
Kurt Tucholsky
Schließe mich dem Zitat uneingeschränkt an!
Cooles Feature Herr “Spiegelfechter”, daß mit dem Nacheditieren. Respekt! Sehe ich so zum ersten Mal. ;)
Hm, jetzt wird der Spiegelfechter auch verklagt werden. Schoene Fotomontagen uebrigens. Im Uebrigen gilt Tucholskys Zitat immer noch eineingeschraenkt. Wenn ich mir ein Magazin wie Titanic oder Eulenspiegel kaufe, dann einfach aus dem Grund, dass ich solche Sachen lesen bzw, sehen will. Wem Satire nicht passt, der moege bitte bei “Bild” und Co. bleiben.
Also - ich fand es lustig und ganz nebenbei möchte ich noch mal anmerken, dass ich es nicht schlimm finde, wenn die Eltern die Brand Maddie ordentlich vermarkten.
Vorausgesetzt dass sie sie nicht selbst um die Ecke gebracht haben, ist es doch verständlich, dass sie aus dem Verlust wenigstens noch ein bißchen Cash ziehen wollen, oder?
Wenn ihnen dabei Mainstreammedien zu Hilfe springen und so’n Plunder wie die Personenkennziffer, PNRs, Volkserfassung & Kategorisierung etc. gar nicht erst thematisieren und lieber die Marketingmaschine für Maddies Eltern mimen - that’s European Democracy!
Und überhaupt! Die KINDER!!! Es ist schließlich ein KIND!!!
Also ein besserer Mensch (bis 17 Jahre und 364 Tage).
haha, das bild mit´m bush!
ist das maddie?…
ißt das maddie?
sehr, sehr guter artikel, und titanic einmal mehr überragend!!!
Greetz
Super Kommentar vom alten Gsella zu der Frage, ob das nicht grenzüberschreitende Satire wäre, sinngemäß:
“Ja, natürlich ist das grenzüberschreitend, in diesem Fall, kanalüberschreitend.” Fühl mich in meiner Kauftreue bestätigt, nach ein, zwei schwächeren Ausgaben wieder bundesweit Thema in allen Medien. ;)
“Wem Satire nicht passt, der moege bitte bei “Bild” und Co. bleiben.”
Der war gut ;-)
Ich dachte bisher Bild sei die größte Satire Publikation Deutschlands. Meinen die das wirklich alles ernst?
@ 18: Oliver
” ‘Wem Satire nicht passt, der moege bitte bei ‘Bild’ und Co. bleiben.’
Der war gut ;-)”
Nein, der ist nicht gut, denn: Der Satz deutet eine zwingende Alternative zwischen Satire und Boulevardjournalismus an. Außerdem wird in der Tradition des Gütesiegels “Tucholsky hat das auch schon gesagt” (s.o.) eine konkretes satirisches Werk unangreifbar gemacht. Allerdings kann man sehr wohl beide, die aktuelle Titanicsatire und die Bild (etc.) geschmacklos finden.
Ich hab den Eindruck, daß einige Kommentare durch die Idee, die Freiheit der Satire verteidigen zu müssen, bewegt sind. Dabei stellt sich die Frage, ob die Titanic “das” darf, doch überhaupt nicht. Natürlich darf sie das. Die eigentliche Frage ist doch, ob sie “das” in dieser Form muss.
Gruß,
nebu
p.s. eigentlich richtet sich der Kommentar eher an Baikinman als an Oliver. Ich fand die Einleitung nur so nett. Sieh’s mir bitte nach.
@nebu
Unabhängig zu dem Punkt, den Du ansprichst, finde ich es schon fast groteskkomisch, dass genau die Medien, die sich im Falle des Karikaturenstreits so vehement für künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit eingesetzt haben, nun die beleidigte Leberwurst mimen und die persönliche Beleidigung der Familie McCann höher werten, als die künstlerische Freiheit der TITANIC.
Wir lernen: Zwei weiße Briten darf man nicht beleidigen, 1,5 Mrd. Muslime hingegen schon.
p.s.: Bevor das wer in den falschen Hals kriegt: Natürlich darf man mit Satire auch 1,5 Mrd. Muslime beleidigen, nur sollte die Kunst/Satire Zweck der Sache sein und nicht die Beleidigung im Fokus stehen, der die künstlerische Freiheit nachgezogen wird, wie es beim Karikaturenstreit der Fall war.
Das aus dieser Satire jetzt soviel Aufhebens gemacht wir überrascht mich nur insofern, dass sich die britische “Private Eye” vor einigen Wochen schon satirisch mit dem ganzen Rummel um Maddie auseinandergestzt hat. Wie das genau aussah weiß ich zwar nicht mehr so recht, aber als Skandal wurde das anschließend nicht bewertet. Zumindest nicht so, dass ich es bemerkt hätte.
(Die Aufgaben bei deinem Spam-Schutz werden immer komplizierter, am Anfang bewegt sich alles im einstelligen Bereich, dann musste ich den Zehner überspringen und jetzt gehen die Lösungen schon knapp bis zur 20! Werde ich hier gemobbt?????)
Mir gefällt das Urlaubsfoto besonders. Auch die Spiegelfechter Serie. Wer hier denkt, es würde Spaß auch Kosten eines vermissten Mädchens getrieben, will Satire nicht vertehen. Denn diese Satire karikiert kein Mädchen, sondern die Kampagne. Das ist nicht so schwer zu erkennen.
Interview des Sterns mit M. Sonneborn, Mit-Herausgeber Titanic
stern.de/p...
@23 Jörg Friedrich
Sag das nicht! Früher hatte ich als Spamschutz die Aufgabe eingebaut, die “Riemannsche Vermutung” zu beweisen. Leider ist die Zahl der Kommentare danach merklich zurückgegangen. Da bin ich doch wieder auf Grundschulen-Algebra zurückgekommen ;-)
“p.s.: Bevor das wer in den falschen Hals kriegt: Natürlich darf man mit Satire auch 1,5 Mrd. Muslime beleidigen, nur sollte die Kunst/Satire Zweck der Sache sein und nicht die Beleidigung im Fokus stehen, der die künstlerische Freiheit nachgezogen wird, wie es beim Karikaturenstreit der Fall war.”
Auslegungssache. Satire provoziert immer irgendwen, eine beleidigungsfreie Satire, oder zumindest eine ohne potentiell Beleidigte gibt es nicht. Der Karikaturenstreit war m.A.n nicht auf pure Beleidigung ausgelegt, er war provokant und satirisch zugleich.
Außerdem zünden die McCanns dafür keine deutsche Botschaft an oder drohen, Herrn Gsella umzubringen, zumindest in der B-Note daher Abzüge für die Muslime würd ich sagen. Wir lernen: Wenn eine Satire Muslime beleidigt und diese gewalttätig Dänemark (und Öland) angreifen findet der Spiegelfechter die Reaktion angemessen genug um keinen Bericht zu schreiben, wenn zwei britische Eltern beleidigt werden und diese die Möglichkeiten des Rechtsstaates zur Verteidigung wahrnehmen, nicht. ;)
Ich wollte mich auch mal zu wort melden.
Ein Freund hat mir den Link geschickt.
Es hat mich sehr erschrocken wie die Anwälte darauf reagiert haben und das Verhalten als der Vater wieder arbeiten ging und allgemein dieser Fall ist für mich sehr … suspekt.
Ich schliesse nicht aus dass die Eltern dass Kind selbst getötet haben.
Ich finde die Satire gut, dieser ganzer Rummel ist einfach nur unwirklich.
Aber mich überrascht die reaktion der britische Presse nicht. Sie stört mich auch nicht unbedingt.
VIel spass noch beim Lesen.
Mfg
Johanna
“Aber jeden Tag sterben 25.000 Menschen an Hunger, darunter 13.000 Kinder. Keine Titelseite verliert auch nur einen Kommentar darüber.”
Wie sagte der alte Georgier ganz treffend:
Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie -
Der von Millionen eine Statistik.
@ 28: Martin
“Wie sagte der alte Georgier ganz treffend:
Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie -
Der von Millionen eine Statistik.”
Besonders wenn besagter Georgier für den Tod dieser Millionen verantwortlich ist. Ganz ehrlich: Sarkasmus zeugt von viel feinerem Humor.
Gruß,
nebu
Mir scheint der Rummel der in Deutschland (um den angeblichen Rummel in GB) gemacht wird wesentlich groesser zu sein als jener in GB selbst. Ich habe mich gefreut, als ich morgens in der U-Bahn in der Metro den Verweis auf die Titanic las. Ansonsten hat sich primaer noch die Sun darum gekuemmert (so what?!) und sonst interessiert es nicht allzu viele. Dass es den McCanns nicht passt ist ja eigentlich klar - schon allein weil ihnen bestimmt ihr Anwalt dazu raet.
Ich find’s nett - die erste Meldung ueber den Fall die mich nicht genervt hat
@EE
Als in Deutschland Lebender, bin ich leider voll und ganz auf das Netz angewiesen und dort war die Meldung in sehr vielen britischen Onlineausgaben der Zeitungen, so z.B. Daily Mail, Daily Star (die üblichen Verdächtigen halt)). Schön, dass der Rummel doch nicht so groß ist … da schöpfe ich ja doch wieder ein wenig Vertrauen in den britischen Humor ;-)
@all
Köstlich: Martin Sonnenborn wird von Sky News interviewt
Zitat: “I think it´s funy, so i think you lough about it, if you have a satirical tradition in your country … [Denkpause] … like Germany” *lol*
Die armen Briten ;-)
Ehm, ich kann das jetzt net übersetzten. Kann mir jmd helfen?
Mfg
Johanna
@Johanna
Solltest Du [32] meinen:
“Ich denke schon, dass das lustig ist und daher denke ich, dass man darüber lachen kann, wenn man eine satirische Tradition in seinem Lande hat [] wie Deutschland”
Dann hatte ich es also richtig übersetzt. Aber erst jetzt ist der groschen gefallen….
Trotzdem vielen Dank.
Mfg
Johanna
Herrlich! Was habe ich mich vor Lachen weggeschmissen…. die Anzeige ist in guter alter Titanic-Tradition (wer erinnert sich noch an die VW-Golf Werbekampagne?), aber die Spiegelfechtermontagen waren auch der Brüller (3 und 5).
Das Video auf Sky war auch nicht schlecht, vor allem, wie Sonnenborn bei dem Seitenhieb auf die Inselaffen keine Miene verzog; im Anschluss Maddies Vater beim Arbeitsantritt: das war eigentlich auch Satire, nicht?
Da hat Titanic ja eine offene Wunde gefunden, in der man ganz hervorragend bohren kann. Abgesehen davon, dass es natürlich beste Werbung für das Blatt ist, zeigt Titanic doch nur, wie schwachsinnig und hysterisch, ja letztlich moralisch verachtenswert die ganzen Journalisten sind, die keine Pietät kennen und denen kein Dreck schmutzig genug ist, um ihn nicht immer und immer wieder durchzuspülen. Von den Eltern, ihrem Anwalt und allen, die das Spiel mitspielen, ganz zu schweigen. Touché, kann ich da nur sagen. Kein Wunder, dass die Schreiberlinge jetzt umso lauter bellen.
Schlimm finde ich auch, dass hier seitens der Eltern und der Medien eine Art Alleinvertretungsanspruch an Empörung formuliert wird. Ganz nach dem Motto: Wenn wir empört sind, ist es moralisch verwerflich, wenn alle anderen es nicht auch sind. Das zeigt für mich ganz deutlich, dass Menschenleben offenbar nur etwas wert sind, wenn sie den Medien die große Auflage bringen. Insofern finde ich des Spiegelfechters Vergleich (”ein kleines häßliches Pummelchen von pakistanischen Einwanderern”) absolut passend. Das ist das typische Muster der Instrumentalisierung von persönlichem Leid, um die Öffentlichkeit zu manipulieren.
Die Spiegelfechter-Montagen sind herrlich komisch und können mit denen von des Satire-Magazins “Titanic” mithalten! Es lebe die Satire…
Mein Blog: liberphil....
Ob man so mit einem solchem Vorfall umgehen darf? Was sagen die Soziologen?
Echt traurig, so etwas geht echt zu weit. Also das ist echt armseelig, so auf sich aufmerksam machen zu müssen.
@40 damit ist jetzt die Presse gemeint , die das Thema seit einem halben Jahr genüßlich auschlachtet , gell ?
Nur mal zur Erinnerung: seit über einem halben Jahr sitzt ein gewisser Marco W. in einem türkischen Gefängnis wegen nicht stattgehabtem Sex mit einer Engländerin. An der Front ist es eigenartig ruhig. Niemand scheint es zu interessieren, wenn jemand im einem ausländischen Knast verrottet.
@Gilbert
So sind nun einmal die Gesetze. Wäre der Fall umgekehrt und Marco hieße Mehmet und es ginge nicht um Antalya sondern um Westerland sähe die Sache ganz genau so aus. Deutsches und türkisches Recht sind in diesem Punkt gleich.
Glaub ich nicht. Hier lässt man ja selbst Vergewaltiger nach Feststellung der Personalien wieder laufen, wenn sie einen festen Wohnsitz nachweisen können. Außerdem läuft das da nach einem stereotypen Muster ab: das Gericht tritt zusammen, stellt fest, dass die Tommies zum wiederholten Mal die Aufforderungen des Gerichts zur Abgabe von Aussagen und Beweisen missachtet haben und vertagt das Ganze, und das jetzt seit mehr als 6 Monaten. Da wäre schon längst ein Freispruch wegen Mangel an Beweisen fällig gewesen.
@Gilbert
Aber nicht, wenn dieser in der Türkei liegt.
Wir hier buchten sogar Ausländer, die hier geboren und aufgewachsen sind, ihren Lebensmittelpunkt hier haben und zu dem Land ihrer Eltern so gut wie keine Beziehung haben, wegen Fluchtgefahr ein.
Ein urlaubender Türke, der hier überhaupt keine Bindungen hat und beschuldigt würde, ein 13-jähriges Mädchen mindestens sexuell belästigt zu haben, der könnte, wenn er zum Beispiel in Mügeln Urlaub gemacht hätte, froh sein, wenn man ihn einbuchtet und vor den “aufgebrachten” Bürgern schützt…
PS: Ich jedenfalls würde mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass da nichts vorgefallen ist, solange ich nicht dabei war…
@Lara: mag in Mügeln so sein; im Westen hätte man i.d.R. gleich ein paar Integrationsfanatiker am Hals.
Außerdem maße ich mir da keine Behauptungen an, sondern referiere nur das, was in den Medien verbreitet wird. Tatsache ist jedenfalls, dass das Ganze nun sein mehr als einem halben Jahr von den Briten offenbar vorsätzlich und von den Türken durch Unfähigkeit oder wie man das nennen will so weit verschleppt worden ist, dass bereits die U-Haft in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu einer Strafe steht, wenn man den Presseberichten über den Tathergang glauben schenkt. Der Bursche ist schließlich selbst erst 17 und würde hier nach Jugendstrafrecht abgeurteilt.
Mich stört jedenfalls, dass für Deutsche, die aus Profitsucht oder Ideologie im Irak oder Aghanistan in Probleme kommen, ein Heidenaufstand gemacht wird, während über solche Zustände wie in der Türkei der Schleier des Vergessens gebreitet wird. Aber wenn euch das nicht stört, dass man durch Verweigerung der Mitarbeit beim Gerichtsverfahren eine Haftstrafe erzwingen kann, die sonst nicht zustande gekommen wäre, soll er ruhig weiter brummen.
@Gilbert
Presseberichte? Schon klar ;-)
Wie wäre denn in D deiner Meinung nach die Höchststrafe für Kindesmißbrauch nach Jugendstrafrecht, so daß 6 Monate U-Haft unverhältnismäßig wären?
p.s. apropos “Integrationsfanatiker” - Du weiß, warum in der Türkei das Gesetz gegen Kindesmißbrauch verschärft wurde? Ein kleiner Tipp: Es hat etwas mit Brüssel zu tun. Man kann der Türkei nicht auf der einen Seite sagen, sie muß ihre Gesetze mit denen der EU harmonieren, um beitrittsfähig zu werden und auf der Seite meckern, wie diese Gesetzesharmonisierung EU-Staatsbürger betrifft.
p.p.s.: Verstehe mich nicht falsch, ich halte den Burschen für ein armes Schwein, dass aufgrund eines total verkorksten gesellschaftlichen Gesetzes- und Moralbildes für eine typisch jugendliche Eselei weit(!) über Gebühr bestraft wird. Aber die Gesetze sehen dies so vor, in der EU und in der Türkei. Shit happens, so etwas kann jedermann passieren.
@Spiegelfechter: Sehe ich das so richtig? Die Medien lügen grundsätzlich? Die Beschuldigung gilt auch gleich als Überführung? Und bei der Aburteilung darf man sich beliebig Zeit lassen? Weil sowieso die Höchststrafe verhängt wird?
@Gilbert
-> Die Medien lügen grundsätzlich?
Nein, die Medien “lügen” natürlich nicht grundsätzlich, aber die Medien sind süchtig nach Auflage. Über diesen konkreten Fall (die BILD lassen wir da mal raus) gab es in den Medien durchaus auch unaufgeregte und sachliche Kommentare und Berichte - leider gehen die allerdings im populistischen “Vox-Populi Krakele” unter.
-> Die Beschuldigung gilt auch gleich als Überführung?
Nein - jedermann ist gilt als unschuldig, bis ihm die Schuld bewiesen wurde.
-> Und bei der Aburteilung darf man sich beliebig Zeit lassen?
Nein - das regeln Gesetze.
-> Weil sowieso die Höchststrafe verhängt wird?
Sicher nicht, ich sehe bei diesem Fall einige strafmildernde Gründe, ohne mich jedoch mit türkischem Recht auseinandergesetzt zu haben.
@Spiegelfechter: Also wo liegt dann mein Denkfehler, wenn ich erwarte, dass sich mein Land zumindest mal dafür einsetzt, dass so ein Verfahren vernünftig abläuft - entweder, in dem mal kritisiert wird, dass die türkische Strafprozessordnung ein Katastrophe ist, oder indem man auf Verfahrensfehler hinweist. Schließlich können die für jeden Pasalacken aus Hinterschmutzistan einen Krisenstab gründen und Lösegelder zahlen.
[Nein - jedermann ist gilt als unschuldig, bis ihm die Schuld bewiesen wurde.] Noch! Zumindest spielen die Gerichte bei AGG, einigen Steuersachen und anderen Versuchen der Politik, hier das Mittelalter wieder einzufühen, bislang nicht mit.
@Gilbert
Zum Glück wird Politik nicht nur in der BILD-Zeitung oder auf den Sesseln irgendwelcher Talkshows gemacht, sondern vor allem hinter den Kulissen. Aber ich weiß auch nicht recht, was Du eigentlich willst und was das mit dem Thema zu tun hat.
Dann geb ich mal kurz meine zwei Senfe dazu:
@Gilbert: so OT das jetzt auch ist, wenn die türkische Regierung intervenieren sollte, einen kritischen Journalisten umzunieten, wäre das Geschrei gross, von wegen Gewaltenteilung, also warum soll die deutsche Regierung die Türken zwingen, ihre eigenen (ist ja noch ein unabhängiges Land) Gesetze zu brechen?
Zu deinem (Spiegelfechter) Artikel, hab ich mit Vergnügen gelesen, Titanic sowieso, kriegt Titanic eigentlich jetzt seinen ersten internationalen Prozess?
Ach ja (total OT), und noch was, Friedman-Mahle, gibts von Dir auch dazu was?
Gruss Stefan
Hi!
Auch wenn der Fall Marco hier nicht ursprünglich Thema war, will ich doch kurz etwas zur Klärung der Rechtslage beitragen.
“Du weiß, warum in der Türkei das Gesetz gegen Kindesmissbrauch verschärft wurde? Ein kleiner Tipp: Es hat etwas mit Brüssel zu tun.” [48]
So stimmt das nicht. Die Gesetze gegen Kindesmissbrauch wurden in der Türkei verschärft, weil es in einigen ländlichen Regionen immer noch Gang und Gebe ist 13 oder 14 jährige Mädchen mit erwachsenen Männern zu verheiraten.
Die Türkei hat bereits die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, die in Art. 6 ein Recht auf ein faires Verfahren statuiert. Das faire Verfahren umfasst unter anderem einen Anspurch auf schnelle Abwicklung des Prozesses:
“(1) Jede Person hat ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten in bezug auf ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen oder über eine gegen sie erhobene strafrechtliche Anklage von einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren, öffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird.”
Nur sollten auch wir Deutschen uns diesbezüglich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, denn auch bei uns klafft eine Lücke zwischen Idealität und Realität des Strafprozessrechts. Soweit ich richtig informiert bin, ist die Verschleppung des Verfahrens ohnehin eher auf die Anwälte des Opfers zurückzuführen.
Ob man von einer unverhältnismäßigen Länge der U-Haft sprechen kann, hängt maßgeblich von der Beweislage ab. Dazu kann ich mir aufgrund fehlender Informationen kein Urteil bilden.
Ansonsten hat mir der Ausgangsartikel sehr gut gefallen. Nur muss ich auch da einwenden: die Satire ist nach deutschem Recht selbstverständlich nicht uneingeschränkt zulässig. Sie ist den grundrechtsimmanenten Schranken unterworfen. Das heißt bei Verletzung anderer Grundrechte sind diese miteinander abzuwägen. Das nur als kleiner Hinweis am Rande.
@den ganz anderen Stefan
Nee ;-)
Arschloch trifft Arschloch und das ganze wird im Leitmedium der Arschlöcher veröffentlicht. Diese Spitze der Aufmerksamkeitsökonomie lasse ich mal an mir vorbeiziehen ;-)
@people in motion
Nun gut, ich bin kein Jurist. Aber nach meinen Informationen wurde das türkische Strafrecht 2005 reformiert, (auch) um es mit EU-Recht zu harmonisieren. Dies war eine Forderung der EU an die Türkei im Rahmen der Beitrittsverhandlungen. Korrigiere mich, wenn ich mich täusche. Der betreffende Artikel 103 hatte mW sogar den deutschen StGB-Paragraphen 176 als direktes Vorbild.
@all aber dennoch OT
Eine mE neutrale und gute Zusammenfassung des Falls gibt der Jurist Prof. Christian Rumpf.
Na ja, die Türken werden selbst in 20 Jahren noch nicht fit für einen EU-Beitritt sind. Dazu müssten sie erstmal Staat und Religion *richtig* trennen und nicht nur davon reden… ach ja, und den Marco sollten sie auch endlich freilassen ;-)
Ich habe es gefunden, nachdem ich damals zu faul war^^
Es ist die Titanic-Ausgabe März 1997 (mit dem Harald als Titelbild) ;)
ich fand titanic auch sehr treffend - denn der ganze maddie-hype war mir verdächtig, denn wer auf dieser welt sollte inzwischen noch nicht wissen, dass das mädchen gesucht wird? da wird keine neue kampagne noch mehr bewusstheit bringen. allerdings kann sie davon ablenken, was wirklich passiert sein kann (sollten die eltern was mit dem verschwinden des mädchens zu tun haben). und es nimmt aufmerksamkeit weg von den stilleren alltäglichen dramen, wo menschen spurlos verschwinden, es aber medien weit weniger interessiert (es gibt immer wieder fälle, wo teenager abgängig sind und dann ein-, zweimal berichtet wird, obwohl es im eigenen land passiert, dh berichterstattung hier auch mehr bringt als bei maddie; ansonsten bleibt es sache von internetseiten und flugzetteln, nach derlei vermissten zu suchen).
bei uns war vor eineinhalb monaten ein mädchen aus dem kosovo verschwunden, dessen eltern nach der ablehnung des asylantrags (eine eindeutige sache, da dort kein krieg herrscht und sie albaner sind) nicht freiwillig zurückkehren wollten.
eine riesige medienhysterie brach los, bei der jedes vernünftige denken ausgeschaltet wurde. man tat so, als wäre eine 15jährige medienprofi (botschaften, in denen sie mit selbstmord drohte, wobei in einer botschaft darauf glatt vergessen wurde) und würde sich auch ganz eigenständig sogar im ihr fremden wien (1,7 mio einwohner) verstecken.
dem innenminister wurde präventiv schon in medienkommentaren schuld gegeben, wenn sich das mädchen was antut. für mich war sofort klar, dass es sich um eine reine inszenierung handelt, das mädchen instrumentalisiert war (später stellte sich heraus, dass es von anfang an “medienbetreuung” durch “unbekannte” hatte, die sich zb mit dem fernsehen in verbindung setzten, was der öffentlich-rechtliche sender ORF der regierung, gegen die das ganze ging, eigentlich sofort hätte sagen müssen).
ich habe das auch mehrmals immer wieder geschrieben und auch laut nachgedacht, wie weit “kräfte” wohl zu gehen bereit sind, die selbstmordbotschaften fingieren und einem minister präventiv die schuld an einem etwaigen selbstmord gehen lassen. das ganze ging dann nochmal “gut” aus, da das mädchen einem pfarrer übergeben wurde, der misstrauensantrag gegen den minister scheiterte, da niemand die grünen unter diesen umständen unterstützte.
ich wurde wegen meiner berichte von anderen medienleuten eiskalt geschnitten (selbst bei der verleihung eines preises an mich, wo mich langjährige bekannte ignorierten), von anonymen webphantomen überall verleumdet (im stil von counter intelligence programs von geheimdiensten), auch persönlich unter druck gesetzt und hatte da erstmal keine unterstützung (auch weil man, wenn man sich nicht kritisch mit dingen beschäftigt, zunächst gar nicht begreift, was ablief).
im mittelpunkt der verleumdungen stand dann aber, und damit entlarvten sich die (US) geheimdienste, meine unterstützung für unseren USA-kritischen verteidigungsminister. über ihn fallen die mainstream-medien gerne unisono her, was besonders schlimm war wegen seiner kritik am geplanten raketenschild in osteuropa (”qualitätsmedien” war kein untergriff zu mies). er blieb weiter bei seiner position und versucht immer wieder, unterstützung bei den anderen EU-verteidigungsministern zu bekommen, die sich aber nur trauen, ihm hinter vorgehaltener hand recht zu geben.
ich habe die beiden fälle, die inszenierung gegen die regierung (wo es in wahrheit mehr darum ging, dass ihr so ein verteidigungsminister angehört als um die person des innenministers) und die beschriebene art der berichterstattung, auch vor ein paar tagen bei einem mediensymposium über freie medien als zeichen für einseitigkeit und inszenierungscharakter von berichterstattung gebracht. freie medien werden von etablierten medien und fördergebern gerne als eine art “schulung” für kommerzielle medien angesehen, da manche wirklich zuerst hier lernen und dann da arbeiten. aber was, wollte ich wissen, soll ich in einem kommerziellen medium noch lernen - wie man sein gewissen verliert? (natürlich waren meine ersten gehversuche vor jahren auch bei einer tageszeitung)
inzwischen gibt es kommentare in medien über pressefreiheit und das man nicht einseitig sein darf, aber weiter staatliche förderung braucht (die bei uns zb tageszeitungen kriegen, deren einnahmen nicht die ausgaben decken, von wegen medienvielfalt). ich habe auch gemeint, dass pressefreiheit nicht nur bedeutet, frei zu sein vom einfluss der eigenen regierung, sondern auch frei vom einfluss anderer regierungen - huch, darüber spricht man natürlich nicht gerne, aber wie soll man sich sonst 100% negative kommentare in sachen kritik am raketenschild und auch über unsere neutralität erklären? in beiden bereichen ist nämlich die bevölkerung in einer weise heterogen, dass sie die US-kritik überwiegend teilt und zu mehr als drei viertel für die neutralität eintritt….
also sollten medien, ehe sie förderungen erhalten, ein bekenntnis zu verfassung und gesetzen abgeben (= zur souveränität der republik österreich), ähnlich einem abgeordneteneid, habe ich vorgeschlagen….(sowas würde in deutschland auch ganz andere berichterstattung bewirken, wenn es ernst genommen wird….)