Gabor Steingart und das chinesische Pearl Harbor
12. November 2007 von Spiegelfechter - Drucken
SPIEGEL-Redakteur Gabor Steingart hat sich in letzter Zeit zum Glück rar gemacht. Der ehemalige Hauptstadtbürochef, Merkel-Groupie und Chefanwalt der “Gürtel-Engerschnallen-Politik”, der vor einiger Zeit bereits als Aust-Nachfolger gehandelt wurde, wurde von seinem Blatt mit einer Drittel-Stelle in Washington abgefunden, bei der er genug Zeit hat, sich noch ausgiebiger seiner eigentlichen Mission zu widmen.
Herr Steingart schreibt nämlich nicht nur schlechte Artikel für den SPIEGEL, sondern auch schlechte Bücher, die sich dank der kostenlosen Werbung seines Hausblattes auch leidlich gut verkaufen. Diese Bücher tragen dann so Namen wie „Deutschland. Der Abstieg eines Superstars“ und sind typische Machwerke des Kampagnenjournalismus. Steingart schießt sich auf eine (meist abstruse) Grundthese ein, und versucht fortan auf Biegen und Brechen alles so umzuinterpretieren, dass es in seine These passt. Ist ein solches Vorgehen bei eigentlich talentierten Schreibern, wie beispielsweise Frank Schirrmacher, schon durchschaubar manipulativ, so ist es bei publizistischen Geisterfahrern wie Steingart abstrus und lächerlich.
Steingarts letztes Buch handelte vom “Weltkrieg um den Wohlstand” - bellizistische Superlative sind halt Steingarts Masche, eine Spur kleiner geht´s bei ihm nicht. Hinter dem großspurigen Titel verbergen sich indes nur unausgegorene Schlichtheiten. Europa und die USA befinden sich im einen Wirtschaftskrieg gegen das aufstrebende Asien, den sie nur verlieren können, wenn sie nicht den Gürtel enger schnallen und Schulden abbauen. Hallelujah!
In Washington gibt Steingart neuerdings den Intimus der Washingtoner Politprominenz - natürlich garantiert sinnfrei, wie eh und je. In seiner “Insiderkolumne” West-Wing verfasste er jüngst ein nachdenklich machendes Nekrolog auf George Bush, nur um zwei Wochen später sein vermeintliches Comeback zu feiern. Die Grundtendenz seiner Berichte ist: Es gibt keine Alternative zur US-Politik. Die USA stünden vor zwar fast unlösbaren außenpolitischen Problemen, aber weder die Demokraten noch die Republikaner dürften den Dolch an den Rücken des tapferen, im Felde unbesiegten, GIs legen - so das tiefsinnige Fazit von Herrn Steingart. Auf die Idee, dass alle aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten dies auch gar nicht vorhaben und sich ihre Außenpolitik nicht sonderlich von der Bush-Doktrin unterscheidet, kommt er freilich nicht.
Da Steingart seit seinem letzten Buch ja selbsternannter Fachmann für Handelspolitik im Allgemeinen und Chinahandel im Besonderen ist, kann er es auch nicht sein lassen, einen Artikel zu diesem Thema zu verfassen. In der typisch steingartschen martialischen Diktion dichtet er eine gänzlich unüberraschende Mitteilung über die chinesische Devisenpolitik in einen epochalen und unvermeidbaren Angriff auf die USA um. Sein Artikel “Pearl Harbor ohne Krieg” ist eher ein publizistisches Waterloo ohne Sinn:
Die chinesische Zentralbank erklärte [], dass der Dollar seinen Status als Weltwährung verlieren werde.
So prophetisch sind nicht mal die chinesischen Zentralbanker. Die Rolle des Dollars als Leitwährung wurde letzte Woche von Chef der chinesischen Zentralbank in Frage gestellt. Der Unterschied zwischen einer Leit- und einer Weltwährung sollte Herrn Steingart eigentlich bekannt sein. Auf der gleichen Veranstaltung kündigte ein hoher chinesischer Funktionär auch eine weitergehende Umschichtung des Devisenkorbes an, die dazu führen soll, dass stärkere Währungen auch dementsprechend stärker darin berücksichtigt werden. Dies ist allerdings keinesfalls neu – seit der Aufhebung der Dollarbindung des Renminbi, die im Juni 2005 durch eine Bindung an einen Währungskorb aus Dollar, Euro, Yen und verschiedenen asiatischen Währungen ersetzt wurde, verlagerten die Chinesen bereits häufiger die Zusammensetzung des Währungskorbes weg vom Dollar. Dies führte im letzten Jahr zu einer Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar um 10%. US-Finanzspezialisten gehen derweil immer noch von einer Unterbewertung von 20-30% aus, so dass eine Umschichtung weg vom Dollar hier nur korrigierend einwirkt, ohne dass die Chinesen das Gesicht verlieren, indem sie sich von lautstarken US-Politikern ihre eigene Währungspolitik fremd bestimmen lassen. Solange die Chinesen nicht massiv ihre Dollarbestände verkaufen, stützt eine solche Devisenpolitik langfristig eher den Dollar, als sie ihn unterminiert.
Das für Amerika wichtigste Land der Erde heißt nicht England, Deutschland, Saudi-Arabien, Russland oder Irak. Das wichtigste, weil am wenigsten verzichtbare Land für die USA heißt China. Ohne dessen Bereitschaft, nahezu unbegrenzt US-Staatsanleihen zu kaufen, gäbe es kein amerikanisches Konsumwunder.
Ohne diese „Bereitschaft“ gäbe es vor allem kein so großes Handelbilanzdefizit. Die US-Verbraucher geben ihr Geld aus, weil es ihnen preisgünstig offeriert wird. Ob sie dafür billige chinesische, oder teure amerikanische MP3-Player kaufen, spielt dabei keine Rolle. Das „Konsumwunder“ wäre sicherlich noch wundersamer, wenn mehr Amerikaner in besser bezahlten Jobs in der Produktion arbeiten würden.
Auch ist die chinesische „Bereitschaft“, unbegrenzt US-Staatsanleihen zu kaufen, längst vorbei. China verkauft seit Frühjahr 2007 deutlich mehr Anleihen als es einkauft - im letzten Halbjahr wurden die US-Staatsanleihen bereits um 5% reduziert. Eine „grenzenlose“ Bereitschaft zeigt indes Großbritannien, das innerhalb eines einzigen Jahres seine US-Staatsanleihen vervierfacht hat und mittlerweile hinter Japan und China an dritter Stelle der US-Staatsgläubiger steht. Die Käufer werden in der City of London und den Steuerparadiesen unter britische Flagge sitzen, und verfügen zusammen mit den Finanzzentren der Karibik, Luxemburg und der Schweiz über ungefähr die gleiche Summe, wie China. Ob es für die politische Unabhängigkeit eines Staates schlimmer ist, wenn man bei Hedge-Fonds verschuldet ist, anstatt bei der chinesischen Zentralbank, ist eine Frage, die Herr Steingart natürlich nie stellen würde.
Ohne Konsumwunder gäbe es kein Wirtschaftswachstum. Kurz gesagt: Ohne China stünde die Großmacht Amerika deutlich kleiner da.
Dass auch ohne Konsumwunder ein Wirtschaftswachstum möglich ist, stellt Deutschland par exemple Jahr für Jahr unter Beweis.
Bisher verhält sich Peking wie der gütige Kaufmann, der seinen Kunden anschreiben lässt.
Ein Kaufmann, der anschreiben lässt, obgleich er weiß, dass er seinen Schulden nicht wiederbekommt und mit den angeschriebenen Schulden die Besitztümer des „Kunden“ aufkauft, ist nicht gütig. China braucht die USA mehr als die USA China brauchen. Rund ein Drittel der chinesischen Exporte geht in die USA und es ist hauptsächlich der künstlich niedrig gehaltenen chinesischen Währung geschuldet, dass dabei extreme Handelbilanzdefizite entstehen. Würde man weniger exportieren, bekäme man massive Probleme mit einer grotesk überhitzten Volkswirtschaft, die auch ohnehin schon problembehaftet ist. Obwohl die chinesische Staatsbank in diesem Jahr bereits acht mal die Mindestreservequote für Banken erhöht hat und damit letztendlich die Geldmenge verringerte, leidet das Land trotzdem unter einer hohen Inflation und Spekulationsblasen.
Die Chinesen geben sich mit US-Staatsanleihen zufrieden, auch um ihren wichtigsten Kunden flüssig zu halten. Mittlerweile verfügt die Staatsbank in Peking über einen Devisenschatz von 1,4 Billionen Dollar.
Davon sind rund 400 Mrd. $ Staatsanleihen – gerade einmal 3% des US-Bruttoinlandsproduktes und 4% der US-Gesamtschulden. „Flüssig halten“ lässt sich die größte Wirtschaftsmacht der Welt mit diesen Summen sicher nicht, auch wenn es hier um gigantische Zahlen geht.
Geradezu mit Eselsgeduld sahen die Chinesen zu, wie ihr bester Kunde seine Lieferfähigkeit verlor.
Zuerst sorgten die Chinesen mit ihrer Devisenpolitik dafür, dass ihr bester Kunde wegen ungleicher Wettbewerbschancen die „Lieferfähigkeit“ verlor, und nun sieht man mit einer Eselsgeduld zu, wie dieser beste Kunde wieder an „Lieferfähigkeit“ gewinnt – nichts anderes bedeutet der gegenwärtig schwache Dollar.
Der Verfall des Dollars aber kann den Männern in Peking nicht gleichgültig sein. Er entwertet den Dollarschatz ihrer Zentralbank. In ihm ist ein Teil der chinesischen Exporterfolge zu Geld geronnen. Ein Rückzug der Chinesen aus dem Dollar würde für die USA ein Pearl Harbor ohne Krieg bedeuten.
Ein „Rückzug“ – was auch immer das sein möge – hätte bei einem drastischen Verkauf von Dollarbeständen (Pearl Harbor) eben die Folge, dass der „Dollarschatz“ der chinesischen Zentralbank ad hoc entwertet wäre. Worin sieht Steingart die Motivation für ein solches Handeln?
Und die USA könnten den Chinesen kaum einen Vorwurf machen. Denn sie sind keine Kamikaze-Politiker. Der Angriff auf den Dollar wird nicht heimtückisch vorbereitet. Im Gegenteil, die Vorbereitung findet in aller Öffentlichkeit statt. Was die Chinesen den Amerikanern in der vergangenen Woche auf ihre höfliche Art mitgeteilt haben, heißt auf Texanisch übersetzt: Wenn nichts passiert, kommt der große Rumms.
Was die Chinesen letzte Woche gesagt haben, ist das genaue Gegenteil von einem „großen Rumms“. Ebenfalls das genaue Gegenteil von Steingarts Verschwörungstheorien ist auch die Haltung der Chinesen zu diesem Thema.
„Wenn etwas passiert kommt der große Rumms“ - diese offene Drohung kommt von selbstbewußten chinesischen Kadern neuerdings immer dann, wenn in den USA lautstark über protektionistische Maßnahmen nachgedacht wird. Dass dies einem Verfechter des Protektionismus, wie Steingart, nicht gefällt, ist klar – dass er es ins Gegenteil umkehrt, ist allerdings symptomatisch nur für seine krude Weltsicht.
Die einst stolze Exportnation USA wurde zum Importweltmeister. Das Handelsbilanzdefizit betrug 1992 erst 84 Milliarden Dollar, in 2007 wird es oberhalb von 700 Milliarden Dollar abschließen.
Steingarts Spezialität ist die linearere Interpolation von Trends in die Zukunft. Dass sich bei geänderten Umgebungsvariablen diese Zahlen umkehren können, sollte man nicht unerwähnt lassen. Das Volumen der US-Exporte nimmt allen Unkenrufe zum Trotz stetig zu, die USA sind hinter Deutschland immer noch die Nummer Zwei bei den Exporten, die US-Exporte nach China steigen kräftig, und die Dollarschwäche hat der US-Volkswirtschaft einen wahren Exportboom beschert. Die USA konnten im dritten Quartal dieses Jahres einen Anstieg der Exporte von 16,2% verzeichnen. Es liegt halt in der Natur einer schwächer werdenden Währung, dass diese Schwäche die Exporte steigen lässt - oder “die Lieferfähgikeit stärkt”, wie Steingart es auszudrücken pflegt.
Der größte Kreditgeber der Welt ist innerhalb einer Generation zum größten Schuldner der Welt abgestiegen
Auch wenn die USA der „größte Kreditnehmer“ sind, sind sie auch heute noch gleichzeitig der (mit Abstand) größte Kreditgeber. Klingt kompliziert, ist aber so, Herr Steingart.
Dabei müssten er und George W. Bushs Regierung handeln, anstatt zu schmollen. Die Lieferfähigkeit der USA müsste erhöht, ihre industrielle Basis erneuert werden. Der Konsum von Staat und Privaten, der in Wahrheit ein Zukunftsverzehr ist, müsste gedrosselt werden. Das Wachstum wäre dann geringer, aber nachhaltiger.
Und genau dies sind die direkten Folgen eines schwächer werdenden Dollars, Herr Steingart - das geht auch ganz ohne spektakulären Aktionismus.
Die Bemerkung des Pekinger Zentralbankers in der vergangenen Woche ist als Warnung zu verstehen, nicht als Drohung. China hat angesichts der anhaltenden Dollarschwäche gar keine andere Wahl als zu reagieren.
China hat in realiter kaum eine Möglichkeit zu reagieren. Würde China signifikante Mengen Dollars in die Märkte „pumpen“, würde der Dollar stark unter Druck kommen, dann liefe China die Gefahr, „den golddukatenscheissenden Esel“ zu schlachten. Der Preis wäre eine Implosion des chinesischen Wachstums mit unabsehbaren Folgen. Nicht nur für die Weltkonjunktur, sondern vor allem für das chinesische System. China hat die Büchse der Pandora geöffnet – eine Rückkehr zum Drittwelt-Land ist nicht mehr gangbar. Innere Unruhen wären dann nicht zu vermeiden. Angesichts dessen tut China das einzig richtige – es korrigiert behutsam die Wechselkurse und nutzt die Dollardevisen um staatseigene Betriebe mit Kapital zu versorgen (z.B. durch den Aufkauf von Banken, die Aktien ausgeben) und um einen Staatsfonds aufzulegen, der weltweit interessante Unternehmen aufkauft. Die arabischen Staaten haben es vorgemacht, der Teil des Westens, der nicht dem Westen gehört, wird immer größer – auch das ist eine Folge der globalen Wirtschaft.
Ein Angriff auf die US-Volkswirtschaft ist deshalb das bestprognostizierbare Ereignis der kommenden Jahre.
Der alte Sermon aus Steingarts Buch – die ganze Welt ist „uns“ feindlich gesinnt und wartet nur darauf, den Abzug zu drücken.
Was ist der Unterschied zwischen der US-Regierung des Jahres 1941 und der heutigen? Womöglich keiner.
Doch doch, Herr Steingart - es gäbe da vermutliche tausende zu nennen. 1941 standen die USA prächtig dar, die Politik des New-Deals hat den Amerikanern reale Einkommenszuwächse in einer noch nie gekannten Art und Weise beschert. Die Einkommensverteilung wurde komprimiert und es herrschte annährend so etwas wie soziale Gerechtigkeit. Gleichzeitig waren die USA bis Pearl Harbor isolationistisch und haben ihre Steuergelder zu großen Teilen in Ausbildung, Infrastruktur und Wirtschaftsförderung investiert. Heute ist das genaue Gegenteil der Fall.
Der japanische Angriff auf die Pazifik-Flotte in Pearl Harbor galt als undenkbar - obwohl die Geheimdienste Anhaltspunkte gemeldet hatten. Damals war man sich in Washington sicher: Die Japaner würden es nicht wagen und nicht schaffen, einen Angriff über 8000 Kilometer Distanz zu organisieren. Die Mannschaften schliefen, als die Kampfbomber kamen.
Das ist heute dank dem wachem Geist eines Herrn Steingarts ganz anders, der das „chinesische Pearl Harbor“ ja für das „bestprognostizierbare Ereignis der kommenden Jahre“ hält – womit er selbst diesen dümmlichen Vergleich ad absurdum führt. Aber in Steingarts Artikeln muss es halt krachen, auch wenn die dabei Logik und Sinn auf der Strecke bleiben.
Jens Berger
Bildnachweis: Spiegelfechter, The American Conservative, China-Daily (2x), Coll.SRL, China-Mobile
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Ausgezeichneter Artikel. Glückwunsch. Wird man jawohl auch mal sagen dürfen ;-)
Dem möchte ich mich anschiessen.
Bei allem Respekt, ich habe mir schon überlegt, ob die Aufregung auf Politblog an sich was haben soll. Pustekuchen!
Danke.
Ganz so unkritisch kann ich diesen Artikel nicht sehen. Bei der ganzen Betrachtung der Handelsbilanzen fehlt mir ein Blick auf die wohl wichtigste Gegenleistung der Amerikaner (und eigentlich auch der Europäer) für die im Prinzip selbst bezahlten Exporte der Chinesen. Das ist der Technologie-Transfer. China ist aus verständlichen Gründen ganz scharf aus westliche Technologie. Offiziell tauschen sie ihre Exporte in amerikanische Staatsanleihen. Aber viel Wert werden sie denen nicht zumessen. Technologien, die sie selbst nicht erst ewig entwickeln müssen, sind für sie aus meiner Sicht die eigentliche Währung, mit der sie sich bezahlen lassen.
Ich bezweifle ausserdem, dass die chinesische Ökonomie implodiert, wenn der RMB aufwertet. Eine Aufwertung der chinesischen Währung verteuert nicht nur die chinesischen Waren im Rest der Welt und hemmt damit den chinesischen Export. Sie wertet gleichzeitig die Einkommen der Chinesen auf. Damit dürften die chinesischen Konsumenten die Amerikaner als Nachfrager ablösen. China will bestimmt nicht ewig die Werkbank der Welt bleiben. Und chinesische Teenager hätte sich auch alle gern einen mp3-Player.
Eine Zusatzfrage an den Experten: Ist die Handelsbilanz der Eurozone eigentlich positiv oder nicht? Ich finde nirgends die passenden Zahlen.
@firefly
Die Technologietransfers sind freilich ein Problem … aber ein hausgemachtes, das man recht leicht umgehen kann, wenn man gemeinsam agiert.
Die Implosion würde passieren, wenn China plötzlich seine Märkte verlieren sollte - bei einem Dollarsturz (nicht einer schleichenden Schwächung) wäre dies der Fall. Als Markt ist China nicht so fürchterlich konkurrenzfähig - die kapitalstarke Schicht, stellt jetzt bereits einen recht ordentlichen Markt dar (so ungefähr das Volumen der Niederlande). Die Werkbank würde indes bei steigenden Löhne schnell ihren Konkurrenzvorsprung verlieren. Im Niedriglohnsektor springt da schnell die Konkurrenz aus Bangladesh oder den Phillipinen ein. Langfristig wird in China natürlich ein Binnenmarkt entstehen, aber so etwas geht nicht Knall auf Fall.
Die EU hat ein ganz leichtes Außenhandelsdefizit - bei der Eurozone müsste ich selbst nachschauen. Die Extreme reichen hier von Deutschland mit einem riesigen Exportüberschuß bis Spanien, dass relativ noch defizitärer als die USA ist - in jeder Hinsicht. Problematisch ist, dass in Statistiken häufig nicht sauber zwischen “echten” Außenhandel und Binnenhandel zwischen den Euroländern unterschieden wird. Ich werde das morgen aber nachreichen.
Einen aussichtsreichen Kandidaten gibt es:
Ron Paul:
End of the Dollar Hegemony
video.goog...
ronpaul200...
@SF
> Die Technologietransfers sind freilich ein Problem …
Wessen Problem ist es eigentlich, und warum ist es überhaupt ein Problem?
MfG
COPOKA
@COPOKA: Die Aufregung im Politblog hat sehr wohl seine Berechtigung. Ihr wollt euch doch wohl nicht selber etwas vormachen,indem ihr euch einredet,dass das Geldsystem so weiterlaufen kann und wird? Ich habe bisher auch keinen Artikel oder Bericht gelesen,der mich auch nur annähernd überzeugen könnte,dass Amerika wirtschaftlich nicht fallen wird. Das der Dollar und das momentane Geldsystem eine tickende Zeitbombe im Endstatium ist,kann auch der Spiegelfechter nicht verleugnen. Denn letztlich ist es egal wer den entscheidenen Schuß auslöst,es wird eine Kettenreaktion folgen,die man sich nicht wirklich wünscht. Denn eines dürfte klar sein,die wirtschaftliche Lage und Verschuldung Amerikas ist mit normalen Mittel nicht mehr zu retten.Natürlich freuen sich die Amis über die von Ihnen mit buntbedruckten und wertlosen Papier bezahlten Sachgüter,denn diese Werte verlieren ihren Wert nicht,doch die Leute,die dann ihr Spielgeld auf dem Konto haben,verlieren alles.
Nicht umsonst wird doch schon lange über eine Nordamerika-Union mit neuem Geld (Amero)nachgedacht,oder geplant.Warum tun die das,wenn doch alles in Butter mit dem Dollar ist? Ich bin mir 100% sicher,dass wir in den nächsten 6-12Monaten alle schlauer sind.
“Das der Dollar und das momentane Geldsystem eine tickende Zeitbombe im Endstatium ist,kann auch der Spiegelfechter nicht verleugnen. Denn letztlich ist es egal wer den entscheidenen Schuß auslöst,es wird eine Kettenreaktion folgen,die man sich nicht wirklich wünscht. Denn eines dürfte klar sein,die wirtschaftliche Lage und Verschuldung Amerikas ist mit normalen Mittel nicht mehr zu retten.”
1981, als der Goldpreis das erste Mal auf ca 600 $ je Feinunze stieg, gab es zwar noch keine Blogs, aber an den Stammtischen der Studenten der aufgeklärten Welt konnte man ähnliche Prognosen hören. Ich frage mich immer wieder, woher die Menschen die Sicherheit nehmen, die Katastrophen der Weltwirtschaft vorhersagen zu können. Keiner weiß, was kommt, und das, was eintritt, ist immer genau das, was niemand erwartet hat.
Das wirkt auf mich immer wie eine Lust auf die Katastrophe, wie man sie von Weltuntergangssekten kennt.
@chaolan
Was soll „fallen“ bedeuten? Das die USA relativ geringer am zukünftigen Weltwirtschaftswachstum partizipieren? Sicher wird das so sein – alles andere wäre unlogisch, wenn man den Wachstum in China und Indien betrachtet. Dies heißt aber noch nicht, dass sie auch absolut verlieren werden – obgleich sogar hier gewisse Rückschritte denkbar sind. Auf keinen Fall heißt dies, dass die USA plötzlich in ein tiefes Loch fallen und zahlungsunfähig werden.
Selbstverständlich leugnet der Spiegelfechter dies. Der US-Staatshaushalt ist durch die Kriege Bushs und die Steuergeschenke aus dem Ruder gelaufen – die Hypothek für diese Politik werden die Amerikaner noch lange bezahlen müssen. Daraus einen zwingenden Kollaps des gesamten Systems zu machen, ist aber nicht schlüssig.
Auch wenn dies oft behauptet wird, ist es nicht unbedingt richtig.
Die Schulden der USA betragen rund 9,1 Billionen Dollar – zweifelsohne eine gigantische Zahl. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt von rund 13 Billionen Dollar ist diese gigantische Zahl aber nicht mehr so gigantisch. Wir reden hier von einer Verschuldung, die 70% des jährlichen Volkseinkommens ausmacht. Das ist problematisch, aber keinesfalls eine unabwendbare Apokalypse für den Dollar oder die USA. Die Clinton-Administration hat es vorgemacht, wie man hohe Schulden abbauen kann.
Japan ist mit 177% des BIP verschuldet, Italien mit 106%, Belgien mit 89%, Griechenland mit 82% und auch Deutschland und Frankreich stehen mit 68% bzw. 64% den USA kaum nach. Die Eurozone hat eine höhere Verschuldung als die USA – warum sollte aus diesem Grund der Dollar zum Scheitern verurteilt sein und der Euro oder gar der Yen (der doppelt so schuldenbelastet ist) nicht?
War die DM stabil? Warum wurde dann über einen Euro nachgedacht?
Der Amero entwickelt sich langsam zum Internethoax – drei Think-Tanks haben ihn in einer Initiative für eine enger Verzahnung der drei nordamerikanischen Staaten, als eins von vielen verschiedenen Denkmodellen vorgestellt. Er ist eine Idee eines Think-Tanks und nicht mehr.
Wegen des Dollars oder wegen des Ameros?
Da Du den Zeitraum so präzise vorgibst, würde ich sogar auf eine Wette eingehen, wenn Du Dir schon zu 100% sicher bist ;-)
@5 Transwarp
Ron Paul soll ein “aussichtsreicher” Kandidat sein?
Das ist doch wohl nicht Dein Ernst?
Ich kann der allgemeinen Euphorie im alternativen Netz für Ron Paul auch nicht das geringste abgewinnen. Er ist ein als Libertarist ein bekennender Marktradikaler, der für das Recht des Stärkeren steht. Wie mit solchen Ideen in einer Gesellschaft, deren Vermögen derart ungleich verteilt ist, eine auch nur halbwegs gerechte Welt möglich sein soll, ist mir ein Rätsel. Der Mensch ist nicht gut, sondern gierig und böse - wenn man sämtlich Regeln weglässt, führt dies ganz sicher nicht dazu, dass der Mensch plötzlich altruistisch und gut wird.
Sehr interessanter und gut geschriebener Artikel. Die Argumente des Herrn St. werden hier fachgerecht zerpflueckt und widerlegt. Schade, dass es Herr Steingart wohl nie auf die Seite schaffen wird, um Stellung zu nehmen, denn das koennte interessant werden.
@firefly
Wie versprochen, reiche ich die Außenhandelsbilanz der Eurozone nach:
Laut Eurostat hatte die Eurozone 2006 ein leichtes Handelsdefizit von 11 Mrd. €.
Die aktuellen Daten der EZB weisen für die ersten 8 Monate dieses Jahres allerdings einen leichten Überschuss von 26 Mrd. € aus.
@chaolan
“Ich habe bisher auch keinen Artikel oder Bericht gelesen,der mich auch nur annähernd überzeugen könnte,dass Amerika wirtschaftlich nicht fallen wird. Das der Dollar und das momentane Geldsystem eine tickende Zeitbombe im Endstatium ist,kann auch der Spiegelfechter nicht verleugnen.”
Wie schon oben gefragt, wie tief wird oder kann dieses Fallen sein, und wie laut wird diese Bombe nun knallen?
Mir kommt es nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie und Warum an.
Und da, wie ich denke, liefert Jens schon sachkundige und ausgewogene Berichte/Artikel, die ggü allgemeiner Aufregung diesbezüglich etwas abkühlend wirken. Menschen neigen nun in ihrer Wahrnehmung zu Übertreibungen - das kenne ich auch von mir. Meist aus fehlendem oder unzureichendem Fachwissen.
In 80-rn hatte ich mir auch so manche Horrorszenarien über bevorstehenden UdSSR-Zusammenbruch ausgemalt, der damals schon zu ahnen war. Es kam jedoch bei weitem nicht so schlimm, wie ich es befürchtet hatte. Angenehm war es trotzdem nicht.
Erstens, kommt es anders, … ;)
MfG
COPOKA
@Spiegelfechter
Wo steht das er nicht an Regeln glaub? Er ist der Meinung das der Staat als Instutition nicht “alles” regulieren, subventionieren, kontrollieren soll.
Aber die Durchsetzung des Gesetz , Eigentums (Darunter fällt auch Umweltverschmutzung), persöhnlichkeits-Rechte etc. sind für ihn wichtig.
Das in der Sicht Reformationbedarf des amerikanischen Gerichtswesens besteht, ist wohl klar.
Woran er nicht glaub ist das der Staat über so ein riesiges Geldmonopol durch hohe steuern und Machtmonopol verfügen sollte.
Zieht so ein Geldtopf doch sämtliche Lobbyisten der Gossen Konzerne(etc.) an, die es dann auch deutlich einfacher haben grossen Einfluss auszuüben.
Und das Macht korrumpiert, dürfte wohl auch klar sein.
Eine Hauptthese von ihm ist: Nahezu kein Firmenmonopol in der jüngeren Zeit konnte existieren ohne staatliche Unterstützung. Stichwort Coorporatism, Faschism.
Er ist auch weniger auf die gänzliche Abschaffung dieses Regierungsmonopols aus, als auf die Umverteilung und Dezentralisierung dieser Macht zurück zu den einzelnen
“BundesLändern”.
Seine Thesen mögen radikal wirken, aber wir müssen uns einmal überlegen ob es nicht Zeit wird endlich wieder mündige Bürger zu werden. Zurzeit läuft leider alles auf die Entmündigung des ach so bösen Bürgers durch den bald globalen Staat hinaus.
Deine pessimistische Menschen Beurteilung teile ich zu einem gewissen Grade, aber wir dürfen nicht hinnehmen das das immer so bleiben wird.
Im gegenteil durch das Internet(web2.0 etc) und freie Meinungsäusserung des FREIEN mündigen Bürgers wird es immer schwieriger böse und gierig zu sein.
Schau dir deinen Bericht über Eon an, nicht wenige haben nach so einen Bericht den Anbieter gewechselt”.
Glaubst du an die Macht des einzelnen vernetzten Bürgers? Wird es nicht an der Zeit umzudenken?
Ich bin der überzeugung das es höchste Zeit wird umzudenken. Wir haben nicht mehr viel Zeit.
Früher konnten mächtige Interessen leicht grossen einfluss nehmen, und ihre propaganda über kontrollierte Medien verbreiten. Das wird nun immer schwieriger.
Und was ist die konsequenz, sie versuchen nun mit Erfolg die Rechte der Bürger einzuschränken.
Da ist es nun einmal Zeit für eine Revolution!
Kritisch an Ron Paul finde ich seine Ablehnung einer universellen Krankenversicherung, und seine Ablehnung in irgendeiner Weise den Waffenbesitz zu regulieren.
Aber bezogen auf die negativen Auswirkung sämtlicher anderer AUSICHTSREICHEN Kandidaten, empfinde ich dies als weitaus kleineres Übel.
BTW: Ich finde sämtliche AUSICHTSREICHEN Kandidaten radikaler als RON PAUL!
@ 10 / Spiegelfechter
Das US-Budgetdefizit ist an sich tatsächlich kein sehr großes Problem. Es kann schnell mit politisch unpopulären, aber effektiven Maßnahmen runter gedrückt werden, z. B. mit einer Erhöhung der Mineralölsteuer.
Hat aber mit dem “Dollar-Problem” wenig zu tun (eigentlich gar nichts). Es geht nur um das chronische Handelsbilanzdefizit der USA. Insofern sind auch die Größenordnungen der Staatsanleihen im chinesischen Besitz wenig aussagekräftig: was zählt ist alleine die Anhäufung der Dollar-Bestände bei der chinesischen Zentralbank und den Staatsfonds. Die USA lassen anschreiben - Tag für Tag für Milliarden von Dollarn, seit Jahren. Mit fiskalen Instrumenten ist diesem Problem nicht beizukommen, es sei denn durch die Zölle, was aus mehreren Gründen (nicht nur ökonomischen) nicht möglich ist. Mit monetären Mitteln könnte man den Konsum und dadurch die Importe zügeln, dies ist aber offensichtlich nicht das Ziel der Fed. Man macht also weiter wie bisher und dadurch erscheint die Frage durchaus berechtigt: Wie lange wird es noch klappen? Schon jetzt zeichnet es sich ab, dass die Abschreibungen der US-Banken und Fonds infolge der Hypothekenkrise viel größer ausfallen werden, als noch vor wenigen Wochen angenommen. Es scheint, als stünden ähnliche Krisen bei den Konsumkrediten bevor. Ewig wird die Notenbank an der Zinsschraube nicht drehen können. Und die für die Exportwirtschaft günstige Effekte aus der abgewerteten heimischen Währung sind immer zeitlich begrenzt. Darauf kann man nicht langfristig bauen.
@transwarp: Danke, schön, einmal eine differenzierte Beurteilung zu lesen.
Da bin auch noch bei ihm, nur geht er (und der Libertarismus) weit darüber hinaus.
Kaum jemand zahlt gerne Steuern – so viel ist klar. Lassen wir die Einnahmenseite mal außen vor, was macht der Staat mit diesen Steuern? Neben einer Menge unsinniger Sachen, die absolut zu recht zu kritisieren sind, sorgt er für einen sozialen Ausgleich und für die Wahrnehmung der Interessen der Allgemeinheit. Hierzu zählt Sicherheit, Infrastruktur und Bildung. Anders als in Deutschland ist der amerikanische Staat auf diesen Gebieten schon recht schlank – und wer profitiert davon? Sicher nicht die Kleinen und Schwachen – als Besserverdienender bekommt man in den Staaten eine exzellente Gesundheitsversorgung, die besten Universitäten und Privatschulen und die „Gated-Communities“ werden von privaten Sicherheitsdiensten sicher sehr gut bewacht. Aber was ist mit dem Mittelstand, was ist mit der Unterschicht? Miese Schulen, miese Gesundheitsversorgung usw.. Sinn und Zweck von Steuern ist es, diese Schieflage nicht entstehen zu lassen bzw. sie zu entschärfen. Der Libertarismus will das nicht, er glorifiziert die persönliche Freiheit vor dem Staat, und überlässt es den Bürgern selbst, für ihr „Pursuit of happiness“ zu sorgen. Das ist (auf den ersten Blick) toll für die Reichen und Starken, die noch reicher und stärker werden, da sie den Rest nicht mehr „durchfüttern“ müssen, für die Schwachen und Armen klingt die Idee nach der eigenen Freiheit zur Selbstverwirklichung wie Hohn.
Na aber sicher – aber kann es die Lösung sein, den Auftraggebern der Lobbyisten das Spielfeld zu überlassen? Eine Welt, in der Lobbyisten einen zu großen Einfluss auf die Politik haben, ist schlecht … aber eine Welt, in der die Lobbyisten bzw. deren Hintermänner die direkte Macht haben, ist noch schlechter.
Ja, ja, die goldene Hand des freien Marktes, die alles regelt. Letztendlich ist dies eine ideologische Frage. Ich persönlich kenne kein Beispiel eines wirklichen freien Marktes, der ohne externe Einflussnahme nicht zu Ungleichgewichten tendiert. Der Freilandversuch der Chicago Boys ist ebenfalls gescheitert.
In diesem Punkt stimme ich zu 100% mit Dir (und Paul) überein, bis auf wirtschaftliche Belange bin ich ein überzeugter Liberaler (kein Libertärer).
Dein Wort in Mammons Ohr ;-)
Ja sicher – aber die Kernpunkte am Programm der Libertären, denen ich massiv Kritik entgegenbringe, räumen auch diese Probleme nicht aus.
Freiheit ist gut für die Wölfe, aber die Freiheit der Wölfe ist schlecht für die Schafe. Eine Politik, die Schafen und Wölfen die gleiche Freiheit ermöglicht und die Schafe nicht vor den Wölfen schützt, findet nicht meine Zustimmung.
Ja, aber doch nicht hin zum Wirtschaftslibertarimus, der das Feld den Starken gänzlich überlässt. Ich bin (ohne Kompromisse) für die Meinungsfreiheit und Freiheit des Individuums vor dem Staat, aber in einer Welt mit einem sagenhaften Ungleichgewicht des Vermögens kann man mE keine bedingungslos freien Märkte erlauben, da diese den Kleinen das Überleben in den Märkten letztendlich verunmöglichen würde.
Paul vertritt eine Politik, die der des marktradikalen Flügels der FDP nahe steht. Sehr viele äußerst kritisch zu sehende Positionen der Libertären wurden in der Diskussion noch gar nicht erörtert.
@neuraum
Oder durch eine Rücknahme der Steuergeschenke für die oberen 10.000, die Bush ja gleich zwei mal verteilt hat, und eine gewisse Ausgabendisziplin. Clinton hat ja auch die Schulden zurückgefahren, ohne das gleich eine Revolution von rechts stattgefunden hat.
Und eben dieses Handelsdefizit wird durch den schwächelnden Dollar so langsam abgebaut. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder im normalen Rahmen ist. Umsonst ist dies freilich nicht zu haben - der Reichtum der USA sinkt dadurch natürlich (relativ).
Insofern sind auch die Größenordnungen der Staatsanleihen im chinesischen Besitz wenig
Auf Parameter, wie den Dollarkurs hat man bei der FED kaum mehr einen Einfluss - und das ist auch gut so. Wie ich im Artikel bereits schrieb - wenn man nichts tut, heißt das nicht, dass sich nichts ändert. Der Markt hat seine Regeln und korrigiert Fehlentwicklungen auf lange Sicht, wenn alle sich an die Regeln halten. Wenn China peu á peu über eine Umsortierung des Währungskorbes den Renminbi gegenüber dem Dollar aufwertet, wird dies korrigierend wirken. Noch besser (v.a. für die EU) wäre es indes, China würden den Renminbi frei geben - aber dies kann China momentan nicht wollen, da man momentan die Kontrolle über die überhitzte Volkswirtschaft nicht abgeben will.
Da möchte ich aber widersprechen. Hier geht es nicht um saisonale Schwankungen, sondern um fundamentale Neubewertungen.
Titel-Cover
Hinten Krieg und vorne Gabor S. - im Anzug mit Schlips.
Weltenerklärungen auf zeitgeistigem SPIEGEL-Niveau.
Wenn’s sonst nichts gibt, dann schenken wir uns das.
@Otti
Das Cover ist natürlich eine Montage von mir ;-)
Der Hintergrund ist aus dem Film “Pearl Harbor”. Sooo dreist ist Steingart noch nicht … hoffe ich zumindest ;-)
Steingart: Der größte Kreditgeber der Welt ist innerhalb einer Generation zum größten Schuldner der Welt abgestiegen
Spiegelfechter:
Auch wenn die USA der „größte Kreditnehmer“ sind, sind sie auch heute noch gleichzeitig der (mit Abstand) größte Kreditgeber. Klingt kompliziert, ist aber so, Herr Steingart.
@Spiegelfechter
Ich bin mit einigen Punkten in der Analyse nicht ganz einverstanden.
Besonders interessiert mich aber der obige Punkt. Könntest Du mir bitte erklären, wie die USA nun doch “der (mit Abstand) größte Kreditgeber” der Welt sein sollen?
@Spiegelfechter zu 10: Moin Meister, natürlich meinte ich den Dollar mit meiner Aussage ,bzgl der 6-12 Monate. Hier wird der Dollar ganz schmerzhafte Erfahrungen machen. Letztlich wird der Dollar ganz baden gehen. Wahrscheinlich wird dann wieder ein Anschlag gefaked,der für den wirtschaftlichen Zusammenbruch verantwortlich gemacht wird. ;-)
Übrigens,woher hast Du den die Zahl 9,1 Billionen? Bist Du Dir da sicher? Ich bin der Meinung dass die Gesamtverschuldung der USA im weiten zweistelligen Billionenbereich ist.
Wenn man dann noch bedenkt,dass die USA jedes Jahr mehr Schulden macht als alle Nationen zusammen,dürfte doch mal dem einen oder anderen das Licht aufgehen,dass hier etwas nicht stimmt.
Und ja,die D-Mark war sehr wohl stabil. Ich glaube kaum,dass wir bei einer Volksabstimmung den Euro bekommen hätten. Auch wäre die EU nicht so wie heute fortgeschritten. Ist aber ein anderes Thema.
Ich finde es immer sehr amüsant,wenn mir studierte BWL’er,Kapitalexperten oder Hobbyaktionäre erklären wollen:” das muß so laufen….das geht nur in die Richtung…logisch dass es so……wenn die,dann kann es nur so…aktionär-mathematisch ist das logisch…alles wird sich wieder einrenken…blablabla. Sie verteidigen alle ein System,wo sie allerdings den Kern nicht verstehen wollen. Ich komme aus dem Sektor und weiß wie es um die finanzielle Situation vieler Bürger aussieht. Und in Amerika sieht es finanziell beim Volk richtig beschissen aus. Wenn es arbeitende Menschen dort mit 2-3Jobs gibt,die sich aber dennoch keine Wohnung leisten können,und mit ihren Kindern im Auto leben müssen,was keine Einzelfälle sind,sollte einem das doch zu denken geben.
Doch was meine ich mit “den Kern” nicht verstehen wollen? Dazu mal hier einen netten Artikel. Dann verstehst Du auch was ich meine,mein lieber Jens. ;-)
Artikel:
detlef-oua...
Übrigens,was die Wette angeht….ich trinke gerne Bacardi-Co hehehe. Wenn Du was anderes vorziehst….no Prob. :-)
@Albertus
Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben US-Banken offene Forderungen an Schuldner außerhalb der USA in Höhe von 6,43 Billionen US$. Damit rangieren sie vor Großbritannien mit 4,24 Billionen US$ und Deutschland mit 2,23 Billionen US$ (jeweils ebenfalls bei ausländischen Schuldnern)
@chaolan
Es geht um die Schulden der öffentlichen Hand - private Kredite hier mit einzubeziehen wäre müßig.
Die USA sind auch die größte Volkswirtschaft mit dem größten BIP. Das die Bushisten zu hohe Schulden aufnehmen um ihre Kriege zu finanzieren steht außen vor. Aber sooo dramatisch, wie Du es schilderst, ist die Lage auch nicht ;-)
Und der Euro ist instabil?
Na aber hallo - mir geht es keineswegs um die Verteidigung des US-Systems. Da mußt Du mich gründlich falsch verstanden haben.
Ich verstehe ganz genau, was Du meinst, mein lieber chaolan ;-)
Nur unser Ansatz unterscheidet sich grundlegend. Ich bin der Meinung, dass mit einer Einkommenskompression, so wie es sie in Zeiten des New-Deals in den USA gegeben hat, und mit starken Korrekturen im Regelwerk “das System” keinesfalls zwangsmäßig vor die Wand fahren muß. Wenn dies ausbleibt, ist die Entwicklung langfristig natürlich selbstzerstörerisch.
*g*
Gerne, gerne - mach mal eine konkrete Formulierung ;-)
@Spiegelfechter: Nun gut,wenn Du weißt was ich meine,dann wirst Du mir sicherlich bei folgendem zustimmen. Wenn also unsere Ansätze verschieden sind,dann ist das wohl so.Doch wenn ich im Kerne recht habe,dass dieses Finanzsystem aus den Gründen im obigen Link gesetzten Beitrag nicht funktionieren kann,wieso sollte man dann dieses System aufrecht erhalten,bzw verteidigen? Es ist ja schön dass sich viele Experten in einem falschen System auskennen,doch für mich letztlich nicht mehr zukunftsfähig,auch wenn Du richtiger Weise sagst,dass alles nicht gegen die Wand fahren muß.Für mich ist das alles nur noch ein hinauszögern,und hat auch von mir aus nix mit Weltuntergangsstimmung zu tun. Denn schauen wir uns doch mal nur hier in Deutschland um. Immer mehr Stellenstreichungen,immer weniger Geld für AN und die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer.Wie bitte schön soll denn die Kaufkraft bzw die Wirtschaft aufrecht erhalten werden? Obwohl,sicherlich,wir haben ja laut unseren reisenden Hosenanzug in Deutschland Aufschwung. *rofl*
Doch nun konkret. Ich wette mit Dir,dass der Dow Jones in den nächsten 6-8 Monaten unter 11500 fallen wird und der Dollar danach krachen geht,und als Leitwährung abgelöst wird. In dieser Zeit wird der Iran unter was für einen Vorwand auch immer angegriffen,was zu der Krise im Allgemeinen dazu beiträgt. China und Japan werden ebenfalls in den 6-8Monaten herbe Verluste hinnehmen müssen und in ein Loch fallen.
Sollte also weder was mit dem Dow oder Dollar passieren,darfst Du Dir einen Festplatten-Formatierer von Jacky,Baci oder was auch immer wünschen. Wenn es eintrifft,kriege ich eine Flasche Bac (damit ist nicht das Deo gemeint)…hehehe ;-)
@chaolan
Die “These”, dass ein zinsbasiertes kapitalistisches Finanzsystem “vor die Wand fahren muß”, gibt es schon so lange, wie es zinsbasierte kapitalistische Finanzsysteme gibt. Die konkreten Kritikpunkte, die Du nennst, (Einkommensschere, ungerechte Verteilung, Gier, Fixierung auf Shareholder-Value) kritisiere ich ganz genau so. Cross my heart and hope to die! Nur halte ich sie nicht für systemimmanente Fehler, die nicht innerhalb des Systems zu korrigieren wären. Roosevelts “New Deal” und auch Erhards “soziale Markwirtschaft” sind ja keine Systemsteuerungsmechanismen, die außerhalb des Systems lägen. Nur “glaubt” heute leider(!) keiner mehr an diese Dinge - aber ich bin hoffnungsvoll (mehr oder weniger :-(), dass sich dies ändern kann. Kritische Stimmen, von sehr hellen Volkswirten (s.o.) propagieren den Umschwung - “noch” hören die wenigsten auf sie, aber das mag sich (hoffentlich) ändern.
Aber nun zum wichtigen, der Wette ;-)
-> Doch nun konkret. Ich wette mit Dir,dass der Dow Jones in den nächsten 6-8 Monaten unter 11500 fallen wird
… das halte ich durchaus für möglich …
-> und der Dollar danach krachen geht
… was heißt krachen? ;-) …
-> ,und als Leitwährung abgelöst wird.
… das ist er ja schon heute …
-> In dieser Zeit wird der Iran unter was für einen Vorwand auch immer angegriffen,
… das bezweifele ich, aber darauf würde ich nicht wetten.
OK - dann formuliere ich es mal etwas anders:
Ich wette, dass der Dollar bis zum 1.6.2008 nicht:
… unter 0,50 Eurocent fällt
… unter 80 Yen fällt
… unter 35 GB-Pence fällt
Wenn er eine dieser Marken unterschreitet, kriegest Du Deine Fledermaus (wieso trinkst Du den ollen CIA-Rum?), wenn er keine dieser Marken unterschreitet, kriege ich eine Flasche Havanna Club.
Schlägst Du ein?
@Spiegelfechter: *GG*…..ich mag Fledermäuse ;-) Das andere Zeug schmeckt wie Laternenpfahl ganz unten riecht. ;-)
Die Wette ist gebongt. Schau mal ob Du noch die Flasche mit dem Glas oben drauf bekommst. *rofl*
@chaolan
> … Ich finde es immer sehr amüsant,wenn mir studierte BWL’er,
> Kapitalexperten oder Hobbyaktionäre erklären wollen:” das muß so laufen….
> das geht nur in die Richtung…logisch dass es so……wenn die,dann kann
> es nur so…aktionär-mathematisch ist das logisch…alles wird sich wieder
> einrenken…blablabla.
Köstliche Passage ;)
Ich habe beim Lesen wahrlich einen selbstgerechten TV-Börsenklugscheißer, der im Nachhinein brav tägliche Kursentwicklungen dem dummen Volke erklärt, vor meinem inneren Auge wiedererkannt. Damit wird man leider sogar auf “Kultursender” täglich konfrontiert - dem gibt’s kein Entrinnen.
Nur führen sich nicht selten auch Propheten des Untergangs genau so auf und bauen all ihre Prophetie auf einem einzigen Mechanismus wie beispielsweise Zinssystem. Das ist aber nicht mehr als ein Mechanismus in einem komplexen System. In der Latenz können sich ja auch Katzen exponentiell vermehren …
Alle Menschen sind klug - manche vorher, und alle anderen nachher :)
@ COPOKA: Nun ja,Du scheinst aber etwas überlesen zu haben,nämlich dass ich ca 50%(habe es ein bissel anders geschrieben) damit beruflich zu tun habe,daher nix mit TV!!Was ich aber zu 100% weiß,ist,wie es im Portemonaie der Leute aussieht! Wenn Du dann noch die Beiträge zwischen mir und dem Spiegelfechter verstanden hättest,wäre uns Dein …naja…Beitrag erspart geblieben. Es ist egal was es ist oder wie Du es bezeichnest.Es bleibt auf langer Sicht ein nicht funktionierendes System,ob Du nun der Top-Broker sein solltest oder nicht.Wenn es nicht annähernd so wie der Spiegelfechter es gesagt hat gehändelt wird,geht das System krachen. Ich bin halt davon überzeugt,dass es letztendlich wirklich krachen geht. Wenn Du einer der von mir im Beitrag erwähnten Person bist,mußt Du Dich nicht gleich auf den Schliiippps getreten fühlen,und mich als Klugscheißer titulieren.Vor allem weil der Kern meiner Aussage auch so falsch ist. Glaube Du mal an das komplexe System,denn den Glaube möchte ich Dir noch sonst wem nehmen.
Wenn Du dann noch der “Vorher-Kluge”bist,gratuliere ich Dir herzlich! Mach was draus und investiere ordentlich in Deinem System. Viel Glück ;-)
@chaolan
> … Was ich aber zu 100% weiß,ist,wie es im Portemonaie der Leute aussieht!
Das weiß ich auch, u.z. aus eigener Erfahrung.
> … Wenn Du dann noch die Beiträge zwischen mir und dem Spiegelfechter
> verstanden hättest, …
Meiner Meinung nach sind eure Standpunkte näher, als Du es dir selber vorstellen kannst. Ich kann mich selbstverständlich auch irren - nur so ein Gefühl.
> … Es ist egal was es ist oder wie Du es bezeichnest. Es bleibt auf langer
> Sicht ein nicht funktionierendes System …
Ich glaube in Deinen Ausführungen eine allgemein herangetragene Forderungen (oder zumindest einen Wunsch) nach einem besserem System erkannt zu haben.
Ich bin zwar nicht der Meinung, dass “das System” gar nicht funktioniert, es sei auch auf eine längere Sicht, aber wir sind, wie ich vermute, uns zumindest darin einig, dass es bei weitem nicht so funktioniert, wie es aus Sicht einen vernünftig denken Menschen funktionieren soll. Schlechtes Funktionieren ist nun mal auch Funktionieren, auch wenn es uns nicht gefällt.
Nur was ich in deinen Gedanken nicht teilen kann - eine Forderungen nach etwas ganz neuem, was prinzipiell anders als der ggw. Status Quo ist. Oder zumindest eine Erwartung. Wär’s schön, nur bin ich diesbezüglich äußerst skeptisch, schon alleine aus meiner Lebenserfahrung. Und wenn man sich alle historischen revolutionären Umbrüche genauer ansieht, haben sie extrem selten was besseres für die Gesellschaft angeboten. Meistens - für eine oder andere Minderheit. Und sogar in “bessern” Ausnahmefällen nur auf sehr lange Sicht
Ich bin der Überzeugung, dass das ggw. System sich zwar nicht perfekt machen lässt, hat jedoch sehr großen Verbesserungspotential. Schließlich ließe es sich erheblich verschlechtern, also, im Umkehrschluss …
> Wenn es nicht annähernd so wie der Spiegelfechter es gesagt hat gehändelt
> wird,geht das System krachen.
Kracht leider nicht so im System, wie in der Gesellschaft. Das System verändert sich danach zwar auch, aber nicht so dramatisch, wie es oft vorgetragen oder gewertet wird. Bei klugem Handeln könnte man es auch ohne Krachen bewerkstelligen.
> … und mich als Klugscheißer titulieren.
^^ Wie kommst du denn darauf?
Nein, ich habe wirklich die aus dem täglichen TV gesehen, als ich deinen schönen Satz las - fand sehr treffend. Anscheinend hast du es als Sarkasmus an dich aufgefasst.
Und ja, ich bin überzeugt, dass menschliche Gesellschaft doch viel komplexer ist, als wir es uns vorstellen können. “Das System” ist nur ein Teil davon - man kann es leider nicht herausnehmen und ein besseres hineinstecken, so etwa wie auf einem PC - herunterfahren und was anderes hochbooten.
Genau das ist mein Kritikpunkt zu deinen Ausführungen. Ansonsten - keinen Einwand.
@COPOKA: Sicher könnte das System anders laufen,doch wir hätten da ein Prob. Nämlich die Gier nach Geld und Macht Einzelner Leute. Was glaubst Du denn wer die globale Macht hat? Die Banken. In dem Artikel den ich als Link einstellte,steht genau drin was ich meine. Zudem kommt auch noch das Zinssystem dazu. Daher meine ich,NA SICHER könnte man ein anderes System laufen lassen.Vielleicht eines,was ja nun schon probiert wurde,wo das Geld nach einer bestimmten Zeit kontinuirlich an ganz klein wenig Wert verliert. Denn die Knete muß im Umlauf sein!!! Es nutzt nämlich nicht viel wenn Du es hortest.Jedenfalls nicht der Wirtschaft,der Allgemeinheit und den Kauffluß. Denn eines ist wohl klar,den imaginären Geldwert imo,der so täglich durch die Gegend transferiert wird,den kannst Du gar nicht auf einen Schlag mit tatsächlichen Werten decken.Wenn man es genau nimmt,ist die USA so gut wie pleite.Die Frage die sich dann das amerikanische Volk irgendwann stellt,ist,wo ist unser Gold geblieben. Das hat nämlich die FED. Zu aller Schande ist die FED auch noch eine Privatbank!! Wenn die Amis erst mal dahinter kommen brennt eh der Baum.
Das mit dem Klugscheißer habe ich dann wohl falsch verstanden,SORRY. ;-)
@ chaolan
Papiergeld ist doch nichts anderes als ein Versprechen mir bei Bedarf entsprechende Sachwerte auszuhändigen. Deshalb schadet es auch überhaupt nicht (prinzipiell) wenn man es temporär hortet. Genausowenig wie Gold im Tresor anfängt zu schimmeln.
Und, könntest Du bitte daran arbeiten weniger zu klempen?
Weil ich krieg da leider echt Augenkrebs von. Danke. ;-)
@chaolan
Ein solches System haben wir doch … Inflation und “Opportunitätskosten” sorgen dafür, dass es unklug ist, sein Bares unter dem Kopfkissen zu verstauen und es stattdessen kreisen zu lassen, da es sonst an Wert verliert. Ich verstehe die Aufregung nicht.
Na aber sicher kannst Du das. Teilst Du M3 durch die Anzahl der Personen, so kommst Du auf einen sehr reelen Wert. Der Fehler, den Du machst (und andere) ist es Geld mit Vermögen zu verwechseln. Ich nenn Dir mal ein Beispiel, wie man Geld “druckt”: Ich leihe Dir 100 Euro, Du leihst diese 100 Euro COPOKA, der sie wiederum Corax leiht. An “Vermögen” sind 100 Euro in Umlauf an Geld aber 400 Euro, da in jeder unserer Bilanzen die Euronen als Geldmenge auftauchen. So einfach kann man Geld drucken.
Das alles wissen die Amis schon recht gut ;-)
Nur stört es niemanden, was auch richtig ist.
@chaolan
Ja, dieses Prob. ist idT. das Kreuz unserer Gesellschaft, das wir zu tragen haben. Das lässt sich leider nicht ändern - Menschen sind und bleiben so wie sie sind. Sehr wohl aber lässt es sich damit arrangieren. Ich denke, es liegt einfach in menschlicher Natur, ob nun Kapitalismus, Sozialismus oder was auch immer. Was denkst du denn, warum ist nun das Experiment mit Sozialismus so kläglich gescheitert? Genau darum!
Mit Arrangieren meine ich jedoch keinesfalls - die Arroganz der Macht duldsam und ergeben hinzunehmen. Nein, das nicht. Es liegt im Ermessen der Gesellschaft, diesem menschlichen Trieb Schranken zu setzen. Es zu “bekämpfen” oder gar anzustreben, diese “schädlichen” Neigungen den Menschen gänzlich auszutreiben - sie total umzuerziehen, wäre fatal. Schließlich sind wir alle von der Natur her auch geil, treiben es jedoch nicht unkontrolliert um jede Ecke. Und diese zeitweilen durchaus anrüchige Neigung hat noch einen positiven gesellschaftlichen Nebeneffekt - Kinder ;)
Auch Streben nach Geld und Macht lässt sich in Schranken weisen, mit positiven gesellschaftlichen Nebeneffekten. Es bedarf aber einer anhaltenden gesellschaftlichen Anstrengung. Und Verstandes. Der Traum nach einem “gerechten System”, wo alles von selbst in Lot kommt, ist und bleibt auf Dauer nur ein Traum.
Was glaubst Du denn, wer hat es zugelassen?
Wie kam denn dazu und wie lässt es sich ändern?
Ja, hab manches gelesen. Der Mann stellt zweifelsohne die richtigen Fragen -
auch mich beschäftigen sie seit geraumer Zeit. Und viele anderen Menschen - willkommen im Club ;)
Ob er die Fragen auch erschöpfend beantwortet, ist allerdings ein anderes Thema. Mein Motto lautete schon immer - wer glaubt, die Welt verstanden zu haben, der irrt :)
Das wurde bereits - siehe z.B. Brakteaten. Aber das Hauptproblem - s.o., ist mit Freigelt oder ähnlichem noch längst nicht aus der Welt. Es kommen bloß andere Probleme damit hinzu. Und ich würde jeden davor warnen, menschlichen Erfindungsgeist zu unterschätzen. Ich meine jetzt die “Bösen”. Macht lässt sich auch ganz ohne Geld erlangen.
Daher tue ich es auch nicht :))
Meine ggw. Ersparnisse reichen g’rade mal aus, meine Kinder aus Studienschulden herauszukaufen. Dann bin ich wieder auf 0,nix :)
Den Rest hat dir schon Jens beantwortet.
Aber eines möchte ich den Geldgebern und Banken doch zugutehalten.
Dank ihrem “Wucher” kann ich mir endlich ein Eigenheim leisten. Bei Sozialismus ist meine Sparerei zu diesem Zwecke mächtig in die Hose gegangen - über Nacht war mein ganzes Geld auf einmal weg!
Dinge und Mechanismen können nicht “gut” oder “schlecht” sein - das ist und bleibt den Menschen vorbehalten, die dies zum Guten oder Schlechtem einsetzen.
Keine Ursache. Ab und an kriegen wir alle was in falschen Hals.
MfG
COPOKA
Wenn wir, um die wahre Beschaffenheit eines Sachverhaltes erkennen zu können, lediglich die Äußerungen eines Deppen zerpflücken müssten - dann könnten wir wirklich alles wissen, denn Deppen haben wir doch genug, oder!?
Hallo Spiegelfechter,
ich habe gestern einem Vortrag unseres Herrn Ministerpräsidenten Rüttgers lauschen dürfen. Der hat das Buch auch gelesen und redet ziemlich genau wie Du darüber. Kennst du Rüttgers neuestes Buch “Die Marktwirtschaft muss sozial bleiben”? Nach dem, was er gestern so geredet hat, müsste es dir ganz gut gefallen.
@Jörg
Das Buch kenne ich nicht, aber vielleicht lohnt es sich tatsächlich, es sich mal näher anzuschauen. Wirtschaftspolitisch halte ich Rüttgers idT für einen Lichtblick, seine Rede, in der der CDU eine Abkehr von den “neoliberalen Lebenslügen” vorwarf, hätte ich (mit einigen kleineren Ausnahmen) auch unterschreiben können. Schade, dass es (Kinder statt Inder) so häufig zum polemischen Populismus neigt.
@Stefan
Ich schätze, die Intention des Artikels war eine andere …
spiegelfec...
und Steingart hat ein weiteres Mal
zugeschlagen^^
Über Rüttgers könnte man nen eigenen Beitrag machen.
Der Mann ist mit seinen “10-lebenslügen” ja schon ziemlich
der Wahrheit nahegekommen. Allerdings ist das Ganze als reines
Ablenkungsmanöver, als dreiste Lügnerei zu werten, weil
er ja in NRW eine ganz andere Politik macht (Hochschulfreiheitsgesetz etc. ).
Er spielt eben den sozialen Hampelmann in der Union, da Merkel aus der
Wahlniederlage 05 gelernt hat. Mit offenem Antisozialprogramm gewinnt man
eben keine Wahlen (doofe Demokratie :) ). Also für die Öffentlichkeit
ein Rüttgers her. Dazu passt, das Merkel Rüttgers so offen agieren lässt,
obwohl seine Thesen ja eigentlich völlig gegen den Regierungsmainstream
gerichtet sind.
Das schmälert allerdings nicht den Inhalt seiner Thesen. Man müsste
sie nur aufgreifen und wirksam gegen ihn und Merkel einsetzten.
@7Schläfer
Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten - das Gabor Steingart sich auf eine Ebene mit Schmidt stellt, kann getrost als Größenwahn bezeichnet werden. Sei lächerlicher Versuch, ihm zu widersprechen, ist an Lächerlichkeit nur schwer zu übertreffen.
@Pittiplatsch
Nun ja - ich neige natürlich auch dazu, zu glauben, dies sei eine Anbiederung an den traditionell eher sozialdemokratischen NRW-Wähler. Dennoch glaube ich nicht, dass dies eine rein abgekartete Sache ist - dafür sind seine Thesen zu populär und gefährlich. Ich schätze eher, Merkel versucht ihn totzuschweigen.
Den kannt ich noch nicht *ROFL*
Steingart ist einfach nur peinlich, und hat jetzt Rückenschmerzen
aber genug OT ;)
@7Schläfer
O-Ton Schmidt:
“Für den Frieden der Welt geht von Russland heute viel weniger Gefahr aus als etwa von Amerika. …”
Steingart:
Aber warum sind die Amerikaner gefährlicher als die Russen? Wieso müssen wir uns vor dem Heimatland der Demokratie mehr fürchten als vor …
————-
Diese Art von Polemik erinnert mich stark an die “Argumentation” der TP-Trolliban-Fraktion.
Traurig das.
@COPOKA
Wer weiß, wer hinter diesen tatsächlich steckt….. wir wollen es wahrscheinlich gar nicht wissen^^
und bitte nicht den “lupenreinen Demokraten” unterschlagen, der reflexartig angeführt wird; Rußland ist ein extrem schwieriges Land, und man kann ja von Putin halten was man will, aber ich denke, dass er für Russland einen sehr guten Job macht; es soll sogar sehr viele Russen geben, die mit seinen Leistungen sehr zufrieden sind.
Was wirklich nervt sind die Doppelmoralisten: “Ja sicher, die USA sind Sch…e und halten sich an keine Spielregeln…. aber sie sind eine Demokratie”
Auf alle Fälle hat sich Steingart auf das vermeintliche sichere Boot USA begeben, und somit kritiklos deren Politik akzeptiert….. vielleicht ist das auch die Washingtoner Luft
Da Rußland aber nicht, was die “Ressourcenverwaltung” anbelangt, nach der USamerikanischen Pfeife tanzt, müssen halt so armselige Menschen wie der Herr Steingart Rußland und Schmidt, der ja es gewagt hatte den USA Gefährlichkeit zu attestieren, diskreditieren.
@7schläfer
> … Rußland ist ein extrem schwieriges Land, und man kann ja von Putin
> halten was man will, aber ich denke, dass er für Russland einen sehr guten
> Job macht;
Das denke ich auch, daß auf der Liste derer, für die er seinen Job macht, Russland und russ. Bürger bei weitem nicht auf dem letzten Platz stehen.
> es soll sogar sehr viele Russen geben, die mit seinen Leistungen sehr
> zufrieden sind.
Meinem Eindruck nach - die überwiegende Mehrheit. Aber mein Respekt vor Putin beruht sich nicht darauf - die Mehrheit unterstützt fast immer und überall die ggw. Führung, sondern darauf, daß er diese Lage nicht dafür mißbraucht hat, die russische Verfassung an seine Ambitionen umzubiegen - die Chance hatte er sehr wohl gehabt.
> Was wirklich nervt sind die Doppelmoralisten: “Ja sicher, die USA sind Sch…e
> und halten sich an keine Spielregeln…. aber sie sind eine Demokratie”
Was Steingart in dem von dir verlinkten Elaborat betreibt, ist viel übler als das. Ich erkläre dir die Trolliban-Masche noch ein Mal.
Herr Schmidt sagt offen, differenziert und präzise: “Für den Frieden der Welt geht von Russland heute viel weniger Gefahr aus als etwa von Amerika. …”
Da ich einem ehemaligen Bundeskanzler a priori gehöriges Maß an Differenziertheit und Präzision seiner Aussage unterstellen kann, bedeutet es für mich folgendes: “Gegenwärtig gibt’s in Amerika politische Kräfte, die willig und _in_der_Lage_ sind, Weltfrieden massiv zu stören”. Diese Gefahr bezieht er nicht auf “uns”, sondern auf den Weltfrieden. Er sagt nicht, daß es in Russland oder sonstwo solche politische Kräfte nicht gibt, sondern, daß sie gegenwärtig(!) weniger gefährlich sind. Er sagt nicht, daß diese Gefahr von allen(!) Amerikanern ausgeht, oder daß alle Russen weiß und kuschelig sind.
Nun nimmt der Spögel-Trolliban diese Aussage vor, wirft alle Amerikaner zusammen mit allen politischen Kräften des Landes und dem Land selbst in einen Topf, setzt “uns” dem Weltfrieden gleich, und münzt nach bester BLÖD-Tradition folgende absurde Unterstellung daraus: “Aber warum sind die Amerikaner gefährlicher als die Russen? Wieso müssen wir uns vor dem Heimatland der Demokratie mehr fürchten als vor …”
Davon war bei Schmidt nicht den leisesten Hauch zu spüren. Und danach setzt unser “Amerikafreund” seinen Eiertanz um diese Absurditäten munter fort, bis es einem ganz übel wird.
Nein, das ist keine Doppelmoral, das ist perfide Propaganda übelster Sorte. Und glaub mir, es zeigt seine Wirkung bei durchschnittlichem BLÖD- und Spögel-Leser.
> Auf alle Fälle hat sich Steingart auf das vermeintliche sichere Boot USA
> begeben, und somit kritiklos deren Politik akzeptiert …..
Es sieht viel mehr nach einer vorauseilenden Unterwürfigkeit den Machthabenden gegenüber. USA sind viel mehr als die Neocon-Junta.
MfG
COPOKA
@47 COPOKA
Nicht schlecht ;-)
Du bist Dir sicher, dass Du keine Artikel schreiben willst? *fg*
@COPOKA
Meine Doppelmoralisten bezog sich wohl eher auf diejenigen, die sich im Steingart’schen Fahrwasser bewegen, und in der Regel sehr naiv sind, oder dafür bezahlt werden…. Steingart selber (oder die Trolliban) hatte ich gar nicht analysiert, mir ging es nur um den Tenor, und der war schon ausreichend schlimm.
Daher bedanke ich mich für den kurzen und prägnanten Einblick in die Agitationsweise dieser Menschen :)
Es mag danach aussehen, aber es gibt tatsächlich intelligente Menschen, die diesen USA-Schmonzens voll abnehmen; bei Steingart bin ich mir nicht so sicher, vielleicht, weil er stellenweise selber ein bißchen unsicher und nervös wirkte (in diesem Artikel); aber vielleicht stärkt gerade das wieder Deine Einschätzung
Auf alle Fälle ist dieser Steingart ein übler Zeitgenosse, da muß ich Dir beipflichten
@Spiegelfechter
In Sachen Ron Paul und auch politblog möchte ich auf folgende Texte von mir aufmerksam machen:
Warum ich nicht mehr für den poltblog schreibe
nemetico.m...
In eigener Sache: Politblog und der Ron Paul Hype
nemetico.m...
Mythos Ron Paul. 1.Teil: Boston Tea Party
nemetico.m...
Mythos Ron Paul. 2.Teil Das Wahlprogramm I
nemetico.m...
(wird fortgesetzt)
Kommentare und Diskussionsbeiträge herzlich willkommen
herzliche Grüße
nemetico
@nemetico
Kompliment - die beiden ersten Teile sind hervorragend! Ich werde mich sicher in nächster Zeit auch diesem Thema annehmen und Deine Artikelreihe als Hintergrundinformation verlinken.
Zum Thema Politblog halte ich mich lieber bedeckt … nur so viel: ich finde das Abdriften in eine bestimmte politische Ecke sehr bedenklich und hoffe die Leser und Kommentatoren lassen sich nicht ins Bockshorn jagen. Dafür sind Artikel wie Deiner wohl die beste Medizin.