Die fünf Weisen von Absurdistan
geschrieben am 09. November 2007 von Spiegelfechter
Die deutsche Politik befindet sich mitten in einem Linksruck – zumindest wenn man den Medien und den Wirtschaftsinstituten Glauben schenken mag. Auslöser dieser seltsam realitätsfernen Debatte war der SPD-Parteitag, auf dem die Führungsspitze der Mehrheitssozialisten mit zahnlosen Worthülsen ihre kognitive Dissonanz überspielte. Die einzige konkrete Forderung, die gestellt wurde, war die Verlängerung der Bezugsdauer von ALG-I für Menschen über 50 Jahre – gemessen an den neoliberalen Grausamkeiten, die mit tatkräftiger sozialdemokratischer Schützenhilfe durchgesetzt wurden, ist dies freilich eine Petitesse.
Die ganze Aktion war daher weder sonderlich relevant, noch glaubwürdig – die Reaktion fiel indes überraschend scharf und deutlich aus. Nachdem die üblichen Verdächtigen aus Politik und Wirtschaft vor dem Untergang des Abendlandes warnten, wenn man auch nur daran denke, die neoliberalen Scheuklappen ein wenig zu lockern, schlugen diese Woche die fünf Weisen von Absurdistan Alarm. Man möge „das Erreichte nicht verspielen“, so heißt es in ihrem gleichnamigen Jahresgutachten, in dem sie die Politik der Bundesregierung alljährlich an die Kandare nehmen. Damit wird zunächst suggeriert, der wirtschaftliche Aufschwung hätte etwas mit der Politik der Bundesregierung zu tun, außerdem wird schwarzmalerisch gewarnt, jedes Abweichen von der wirtschafts- und sozialpolitischen Agenda hätte einen negativen Effekt auf die Konjunktur. Beide Annahmen sind falsch und lassen sich durch das umfangreiche Zahlenwerk, das dem Jahresgutachten beigefügt ist, nicht herleiten. Die fünf Weisen von Absurdistan können anhand dieser Zahlen auch gar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Arbeitsmarktpolitik und gesamtökonomischer Entwicklung herleiten – sie können die Zahlen interpretieren, mehr nicht.
Genau so, wie ein zu 50% gefülltes Glas Wasser, für den einen Betrachter halbvoll und für den anderen Betrachter halbleer ist, so haben die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Agenda 2010 je nach Sichtweise positive oder negative Effekte auf die Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Medien hat die Sichtweise der neoliberal geprägten Lobbygruppen beherzigt und nimmt unreflektiert Kausalzusammenhänge, die nicht belegbar sind, als gegeben hin. Eigentlich kann die Regierung machen was sie will, gegen Konjunturzyklen kann sie wenig machen. Seit 2003 brummt die Weltkonjuntur, und selbstverständlich profitiert auch Deutschland als ungemein exportorientiertes Land davon. Schaut man sich die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre an, so sieht man, dass es die Exportwirtschaft ist, die alleine für die positive konjunkturelle Entwicklung in Deutschland verantwortlich ist. Das Wirtschaftswachstum von 2,6% im akutellen Jahr wäre (mit leichten Abweichungen nach oben oder unten) aufgrund dieser externen konjunkturellen Effekte in jedem Falle gekommen – ob die Wirtschaftspolitik dabei von der FDP, den LINKEN oder der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands gemacht wäre, würde da eine wesentlich geringere Rolle spielen, als man es denken mag.
Wenn man sich das Zahlenwerk des Jahresgutachtens näher anschaut, so kann man ebenso gut auf ganz andere Schlüsse als die fünf Weisen von Absurdistan kommen:
Seit 2000 stellt sich die Entwicklung folgendermaßen dar:
- Entwicklung des Volkseinkommens:
- Arbeitnehmerentgelte: + 4%
- Unternehmens- und Vermögensgewinne: + 42%
- Lohnstückkosten im produzierenden und weiterverarbeitenden Gewerbe: – 7,8%
- Arbeitsproduktivität im produzierenden und weiterverarbeitenden Gewerbe: + 24%
- Exporte: + 50,9%
- Hauhaltseinkommen aus Vermögen: + 22%
- Haushaltseinkommen aus Arbeitnehmerentgelten: + 9%
- Verbraucherpreise: + 10%
- Konsumausgaben der Privathaushalte: + 2,4%
- Primäreinkommen der Kapitalgesellschaften: + 443%
- Kapitalertragssteuer (seit 2000): – 6%
- Kapitalertragssteuer (seit 2001): – 35%
Erklärung: 2001 fand, ähnlich wie 2007, ein signifikanter konjunktureller Aufschwung statt
Die Schlussfolgerungen aus diesen Zahlen können auch so aussehen: Auf eine kräftige Weltkonjunktur konnte der Standort Deutschland durch gesunkene Lohnstückkosten und eine kräftig gestiegene Produktivität im Exportsektor stark zulegen. Die Mehreinnahmen aus diesem Wachstum wurden allerdings primär von Kapitalgesellschaften einkassiert und weder über Steuern vergesellschaftet noch über Löhne an die Allgemeinheit weitergereicht. Dadurch wurde die Chance verspielt, die Mehrheit des Volkes am Wachstum teilhaben zu lassen und durch eine breitere Verteilung die konsumorientierte Binnenwirtschaft zu stärken. Nun ist Deutschland aber kein Mischkonzern, der sich auf profitable Kernkompetenzen konzentrieren kann und das weniger profitable Mengengeschäft stilllegt oder verkauft – der profitabel Nischensektor “Export” muss das ganze Volk ernähren. Das ist in der Tat schwer und macht den Standort Deutschland extrem anfällig für konjunkturelle Effekte, auf die die Politik keinen Einfluss hat – ein immer stärker werdender Euro und steigende Energiepreise sind solche Effekte.
Ziel sollte es also ein, die Binnenkonjunktur zu stärken, ohne gleichzeitig die Exportwirtschaft über Gebühr zu belasten. Für letzteres sind die Lohnstückkosten ein recht guter Indikator. Diese sind durch gestiegene Produktivität tendenziell seit Mitte der 90er Jahre rückläufig. Seit Einführung der Hartz-Gesetze sind sie daher ebenfalls rückläufig, dies ist aber nicht kausal auf die Hartz-Gesetze zurückzufügren, sondern auf diverse andere Faktoren, wie die Zurückhaltung der Gewerkschaften, steigende Effizienz und steigende Rohstoffkosten, die in die Produktpreise eingehen. Die Exportwirtschaft ist kein Niedriglohnsektor, so daß die Einflüße der Agenda 2010 marginal sind.
Von einer Stärkung der Binnenkonjunktur kann allerdings nicht mal im Ansatz die Rede sein. Durch einen systematischen Entzug von Kaufkraft haben die Haushalte nicht die Möglichkeit, stärkend auf die Binnenkonjunktur Einfluss zu nehmen. Dies wird durch Agenda 2010, reale Lohnsenkungen und eine “leistungsorientierte” Besteuerung nur noch verstärkt. So wird nicht nur die Chance vertan, die positive Weltkonjunktur nachhaltig für einen selbsttragenden Aufschwung und bessere Lebensverhältnisse zu nutzen, sondern der Standort wird ohne Not externen Faktoren ausgesetzt, auf die man keinen Einfluss hat.
Das ist es, was die Politik erreicht hat – und dies soll nicht verspielt werden? Welch Pharisäertum, für eine Durchsetzung von Partikularinteressen der Exportwirtschaft und der Finanzbranche. In dieser kruden Denke sind sich übrigens nicht einmal die fünf Weisen von Absurdistan einig. Der Weise Bofinger, von der FAZ als “Enfant terrible” bezeichnet, tritt als einer der wenigen Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland für einen nachhaltigen Kurs ein, was ihn freilich zum Feind der Medien macht. In den USA ist diese Kritik am Neoliberalismus übrigens unter Wirtschaftswissenschaftlern keineswegs so exotisch, wie in Deutschland. Starökonomen, wie Paul Krugman, Martin Feldstein, Joseph Stiglitz oder George Akerlof haben sich längst vom Turbokapitalismus und der in Deutschland vorherrschenden Angebotspolitik abgewandt und entdecken Elemente der Nachfragepolitik wieder, die die FAZ lediglich als “Minderheitsmeinung” und “heute kaum noch geteilt” zu erwähnen vermag. Jedes Land scheint die Weisen zu haben, die es verdient – armes Deutschland.
Update: Ein einsamer Rufer in der Wüste der “Mainstreammedien” ist Thomas Fricke, der sich in seinem Aritkel Weisheit oder Voodoo-Kunst? kritisch mit dem Jahresgutachten auseinandersetzt. Auch die Kommentare sind teilweise sehr interessant. (via: Oeffinger Freidenker (auch ein guter Artikel zum Thema))
Jens Berger
Bildnachweis: Wikicommons
| Tags: Deutschland Neoliberalismus Wirtschaft | |
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Ein Fehler im
letzen Absatz: “,sie es verdient”
@Nülls
Yep – Mörci!
Mag ja sein dass die Wirtschaftswissenschaftler langsam umschwenken, Aber bis das in der Politk ankommt wird noch ne Weile ins Land gehen. Wir sehen zwar was wir davon haben, dass Kapitalerträge steuerlich deutlich günstiger sind, unter anderem eine durch Spekulation künstlich aufgeblasener Ölpreis, aber die Nachteile werden irgendwie immer auf andere “nicht kontrollierbare” Einflüsse geschoeben. So lange es die Leute glauben wird das schon gutgehen.
Habe heute noch gelesen das man in Südamerika nen recht großes Ölfeld entdeckt hat. Das wird aber sicher nicht als Argument gelten mal etwas den Ölpreis zu senken.
Nun ja, interessanterweise wird ja im Grunde auch der Inflationsschub durch den Euro immer bestritten. Meine Schwester hat mir am Wochenende ein ziemlich drastisches Beispiel gezeigt: Sie benutzt im Unterricht einen Lebensmittelprospekt von “Kaisers”. Auf den ersten Blick wirkten die Preise auf mich relativ normal (nun fehlt mir ein wenig der Vergleich, da ich seit mittlerweile 7 Jahren in der Schweiz lebe) und es kam mir alles recht plausibel vor. Dann sagte sie mir aber, dass der Prospekt von 1998 sei und die Preise in DM. Das bedeutet, das sich die Lebensmittelpreise seither verdoppelt haben (sicher nicht nur wegen des Euros, damals kämpfte ja auch Walmart um den Markeintritt, mit entsprechenden Konsequenzen). Wie aber eine Preisverdoppelung keinen Einfluss auf die Inflation haben kann ist mir echt schleierhaft.
Deinen Artikel fand ich übrigens sehr interessant …
Gruss Stefan
zu jens’ letztem absatz:
man könnt’ ja auch da einmarschieren. (scnr)
Den grotesken Meilenstein in der “Linksruckhysterie” setzte wieder mal
Guido W. bei einem Interview auf Spiegel Online.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-516296,00.html
Nach seiner Ansicht stehen wir kurz vor der DDR. Der Mann rastet förmlich
aus, verwendet dabei aber selber eine widerliche Sprache, wenn er linkes
Denken als Krankheitserreger (“Bazillus”) bezeichnet.
Naja, Westerwelle kann so viel quäken wie er will, zur Zeit ist die FDP
in den Umfragen die schwächste Partei…höhö
@Stefan
Das mit der “gefühlten” Inflation ist so eine Sache. Der Preisindex ist genau das – ein Index der Preise, nicht aber der Ausgaben, d.h. Produkte deren Preis gesunken ist, müßen nicht zwingend auch gekauft werden und das kann seltsame Effekte habe. Die Preise für “Nachrichtenübermittlung”, also Telefon/Handy/Internet, sind zwar massiv gesunken seit 2000, aber dennoch geben die Bundesbürger wesentlich mehr für “Nachrichtenübermittlung” aus – warum das? Es liegt am Preismodell (hohe Fix-, niedrige Mengenkosten, man gibt mehr aus, obgleich die Preise gesunken sind.
Der Index ist wissenschaftlich aber korrekt. In den Gesamtindex gehen natürlich auch sehr viele verschiedene Produkte ein. Laut Destatis sind z.B. die Preise für Kleidung (4,5% des Indexes), Elektroartikel (0,8%) und Haushaltsgeräte (1,2%) seit 2000 gesunken und die Kaltmieten (22%) sind um “nur” 6% gestiegen. Artikel, bei denen man die Teuerung extrem merkt, gehen teilweise nicht so hoch in den Gesamtindex ein, wie man denken mag. Strom mit einer Gesamtteuerung von 60% macht beispielsweise nur 1,9% des Gesamtindex aus, was nur 1% in der Gesamtteuerung von 10% seit 2000 darstellt.
Die Gewichtung der verschiedenen Punkte mag auch nicht den Ausgaben vieler Haushalte entsprechen. Milch- und Molkereiprodukte, die jüngst massiv verteuert wurden, machen z.B. nur 1,4% des Gesamtindexes aus. Andere Preissenkungen kann man schwerlich nachvollziehen – IT-Artikel sind laut Index beispielsweise um 65% seit 2000 gesunken.
Es gibt übrigens ein interessantes volkswirtschaftliches Phänomen namens Giffen-Paradoxon. Es besagt, dass bei Haushalten, die am Existenzminimum leben, steigende Preise für Grundnahrungsmittel eine erhöhte Nachfrage nach diesen Artikeln mit sich bringen. Auch dies mag in die Diskussion mit hineinspielen.
Bei den fünf Weisen sehe ich schwarz.
Was ist der Unterschied zwischen den Professoren Sen (Nobelpreis) und Sinn (Ifo, Talker)?
Sen macht Sinn.
@pittiplatsch
SPIEGEL und die Schwesterwelle – da haben sich zwei gefunden *rolleyes*
SPON hat auch zum Thema Wirtschaftsweisen einen absoluten Tiefpunkt in Sachen Anstand und Moral gesetzt – der Artikel “Wenn es dem Esel zu wohl ist …” ist an Dümmlichkeit schwer zu übertreffen.
@8 Otti
Apropos Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: Die im Artikel genannten Akerlof und Stiglitz zählen auch zum erlauchten Kreis und Krugman gilt als heißer Kandidat. Dagegen sind Sinn und seine Kollegen idT wissenschaftliche Blindgänger.
@spiegelfechter
Danke für das Update, das war mir schon klar und ich argumentiere mit Freunden auch eher so, es hat mich aber einfach schockiert, die Zahlen zu sehen (na ja, ich bin ja hier nicht wirklich verwöhnt, aber Essen ist nicht mehr doppelt so teuer, wie in D).
Viele Grüsse
Stefan
P.S.: nur mal als kleiner Masstab: Kalbsfilet ca 60 Euro pro kg :)
@Stefan
Das ist mW hier auch nicht wesentlich preiswerter. Ich habe mal den großen Fehler begangen, eine Bouillabaisse nach Originalrezept zu kochen und habe die Zutaten im Fischladen bestellt ohne mich zuvor nach den Preisen zu erkundigen – 120 Euro für so eine blöde Suppe, ich habe mich zwar fast zu Tode geärgert, aber geschmeckt hat´s und ich war um eine Erfahrung reicher: “Bei seltsamen Nahrungsmitteln, die man nicht wirklich kennt, sollte man immer zuerst nach dem Preis fragen” ;-)
Eher was für die Spielwiese:
Aber ich habe letztes Wochenende ein Pfund Kalbschnitzel für 4, 95 gekriegt. Das macht einen Kilospreis von äh 10 Euren.
Schön zu lesen, dass Du auch kochst, na wenigstens Fisch ist hier eher auf deutschem Preisniveau (übrigens in ner echten Bouillabaisse sind auch schon ein paar ziemlich absurde und schwer zu bekommenden Fische drin). Aber die Geschichte mit den Essenpreisen hier ist schon recht extrem, ich ess Fleisch (im Restaurant) fast nur noch im Ausland, das wirkt wahrscheinlich auf die “besuchten” etwas seltsam:)
Gruss Stefan
@ Alberto Green,
beim rauslegen meines geplanten morgigen Essens (Hase :) ) sah ich doch mal den hiesigen Preis für Kalbsschnitzel, 51 SFr, das dürften ca. 35 Euro sein (pro kg), so wird man schnell Vegetarier :)
Gruss Stefan
@Alberto
10€/kg für Kalbschnitzel? Sind das Restbestände aus BSE-Zeiten? ;-)
Ok, ich tapere da immer in einen recht teuren Ökoschlachter-Laden, aber ich habe so Preise von rund 30€/kg für Kalbschnitzel und rund 50€/kg für Kalbsfilet im Kopf. Da ich aber eigentlich nur am Wochenende koche, gönne ich mir hin und wieder mal den kleinen Luxus.
Mein Preis war übrigens der von einem nicht “Ökohändler”, sondern von einem Grossverteiler (wie man das hier so nennt) :)
Abert ich wollte auch nicht rumjammern, denn man kan sich sehr wohl drauf einstellen und wenn ich für Freunde koche, ist der Preis des Essens so ziemlich das Letzte wohin ich schaue.
Gruss Stefan
ik koof mir imma die dosengerichte vom LiDL, mehr is mit hartz iv holt net drinne, ihr booonzen
@Horry Patter
Durch die Zeit bin ich auch gegangen, aber manchmal wirds besser, nicht alle Menschen sind per Geburt Bonzen
Hab den Zettel gerade wieder gefunden 4,95. waren aber nur 400 gr. Habs bei mir in B-Neukölln beim Türken gekauft. Da ist die Kalbfleischnachfrage größer (da funktioniert die Marktwirtschaft noch so, daß es auch wirklich billiger wird). Die Qualität ist fantastisch. Kaufe meine Fleisch nirgendwo anders (dafür ist deren Obst Schrott).
@SF, 7
> Das mit der “gefühlten” Inflation ist so eine Sache …
Zweifelsohne, Aber was Stefan schreibt, kann dir jede Kassiererin aus Massenladen und Supermärkten bestätigen, falls sie auch in DM-Zeiten dabei war – kenne einige.
Ich denke jedoch, dass ausgerechnet mit Billigwaren wurde da ein böser Schildbürgerstreich durchgezogen. Als Beispiel ziehe ich immer folg. Beobachtung heran. In DM-Zeiten hat das Publikum herumgepoltert, dass die Preise auf Misik-CD zu hoch wären – 10 – 15 DM für eine CD wäre in Ordnung.
Nun heißt es mittlerweile, 10 – 15 € für eine CD wäre in Ordnung :)
Magie der Zahl.
> Der Index ist wissenschaftlich aber korrekt.
Jö, wie Durchschnittseinkommen ;)
Es ist eben ein gesamtwirtschaftlicher Parameter.
Leute empfinden jedoch Verteuerungsrate, die für ihre Einkommensgruppe oder sogar individuelle Lage durchschlägt. Da sieht es für die unteren Einkommensgruppen wirklich nicht so erheiternd aus.
> Giffen-Paradoxon …
idT. Muss ich nachforschen.
Gruß,
COPOKA.
@stefan-aber ein anderer:)
danke für die anteilnahme… war allerdings nur spaß.
@COPOKA
Das dies psychologisch so wirkt, steht außer Frage, da man sich auf die Artikel, die idT exorbitant verteuert wurden konzentriert. Aber wenn ich mal scharf nachdenke, fallen mir beispielsweise folgende Mark/Euro Preise ein:
- 1 Kister Bier: 22DM/12€
- 1 Kilo Rumpsteak (nicht im Angebot): 30DM/17€
- 100g Parmaschinken: 6DM/3,40€
- 1 schmale Baguettestange: 2DM/1€
- 500g Kaffee ungemahlen (gute Qualität): 8DM/5€
Das sind alles samt moderate Preiserhöhungen, die im Rahmen der Inflation liegen. Packe ich zu diesen Artikel allerdings noch …
- 1 Liter Milch: 1,50DM/1,35€
- 250g Butter: 1,40DM/1,30€
… so mag ich idT an eine exorbitante Preissteigerung denken und eine 1:1 Anpassung denken.
Mein kleiner und nicht repräsentativer Warenkorb kostete zu DM Zeiten 70,90 DM, das sind rund 36,32€ – heute bezahle ich 41,05 dafür, eine Preissteigerung von 13%, die nur ganz leicht über der von Destatis festgestellten Preissteigerung liegt.
Zu den oben genannten Kritikpunkten kommt natürlich hinzu, dass diese Waren im Rahmen des frei verfügbaren Einkommens liegen. Versicherungen beispielsweise – ein Artikel, der nur moderat im Preis gestiegen ist – werden kaum wahrgenommen, bei Benzin ist dies ganz anders.
Aber tröste Dich, als Raucher und Pendler (150km mit dem Auto pro Tag) bin ich mir der “gefühlten” und “realen” Preissteigerungen sehr bewußt :-(
Update: Ein einsamer Rufer in der Wüste der “Mainstreammedien” ist Thomas Fricke, der sich in seinem Aritkel Weisheit oder Voodoo-Kunst? kritisch mit dem Jahresgutachten auseinandersetzt. Auch die Kommentare sind teilweise sehr interessant. (via: Oeffinger Freidenker (auch ein guter Artikel zum Thema))
ja sag mal, was kaufst du denn für ne teure milch? ich kauf das weiße blut für (neuerdings) 66 cent den liter bei fast allen supermärkten (h-milch, 1,5 % fett).
tipps zum sparen: bahn statt auto fahren und aufhören zu rauchen! ist eh gesünder und man gilt auch nicht mehr als charkterschwaches subjekt, das andere potentiell in ihrer gesundheit gefährdet *ggg*
@Horry Patter
Meine Milch (Vollmilch 3,8%) kaufe ich volkswirtschaftlich sinnvoll beim kleinen Bäcker direkt vor meiner Haustür ;-)
Die Bahn ist zu teuer und zu unflexibel (miese Taktzeiten) und die Sache mit den Rauchen …. das schönste an der Sünde ist doch, ihr nachzugeben. Und ich liebe die Sünde! Nicht nur in Punkto Rauchen ;-)
Außerdem … Hunde, wollt Ihr ewig leben?
na ja, wenn du den kleinen händler an der ecke (der sowieso irgendwann stirbt) durchfüttern helfen magst… ich bin da ganz billigheimer und kauf das zeug beim LiDL, wo ich zwar irgendwelche konzernbonzen unterstütze, aber du weißt ja… erst kommts fressen (in diesem fall: trinken), dann die moral… hehe.
bahnfahren ist übrigens ökonomisch höchst sinnvoll (von dem ätzenden umwelt-hype mal abgesehen), jedoch ist’s in den meisten fällen sicher bequemer mit der eigenen karre durch die gegend zu heizen. finanziell fährt es sich mit der bahn (zumindest bei zeitkarten) dann schon besser. man denke nur an die perversen kraftstoffpreise. aber ich glaub, du bist auch ein semi-bonze und kannst es dir locker leisten, wenn du deine milch schon beim kleinen bäcker am eck kaufst ;-)
@Horry Patter
Ich bin ein Voll-Bonze, der sich wegen der Spritpreise einen Smart-Diesel mit einem Durchschnittsverbrauch von 3l/100km zugelegt hat ;-)
Lässt man mal die Unterhaltskosten weg, fahre ich so wesentlich(!) günstiger als mit der Monatskarte der Bahn.
“Lässt man mal die Unterhaltskosten weg, fahre ich so wesentlich(!) günstiger als mit der Monatskarte der Bahn.”
Wenn man Kosten einfach weglässt, kann man immer alles günstiger machen als alles andere. Ist der, der solche klugen Sätze schreibt der gleiche wie der, der klüger ist als fünf anerkannte Ökonomen? Ah ja.
Mir scheint dieser Satz smpomatisch für eine ganze Methode der Weltbetrachtung. Man kann mit ihr immer genau das belegen, was man zu belegen wünscht.
Obrigkeitshörigkeit ist in Teuschland halt noch weit verbreitet.
Ökonomie ist eine ‘Wissenschaft’ bei der zwei und zwei eben nicht immer vier ist. So klug ist selbst das Volk, um das zu erkennen und damit nicht auf die ‘Weisheiten’ dieser Leute hereinzufallen.
Prioritätenfestsetzungen oder -gewichtungen kann getrost jeder für sich selbst vornehmen.
Jörg Friedrich……. willst du jens berger etwa was unterstellen???
er ist doch immer sehr objektiv, finde ich. nun meistens zumindest. vielleicht nicht so sehr, wenn’s um themen wie islamisierung und schleichende unterwanderung durch “personen mit migrationshintergrund” (also ausländer) geht… ja, da hat er ne rot-grüne multikulti-brille auf, aber sonst… doch, doch, der jens berger ist ein guter mann. wirklich, jörg!
@Jörg
Is´scho recht, Bua. Schade, dass Du Dich nur aufs Stänkern beschränkst. Jedem das seine.
Hallo Jens, dass ich mich nur aufs Stänkern beschränke, kann ich eben so wenig nachvollziehen wie deine Argumentationen. Für den vorliegenden Artikel gilt das in besonderer Weise. Ich will dir das an einem Absatz deutlich machen:
“Damit wird zunächst suggeriert, der wirtschaftliche Aufschwung hätte etwas mit der Politik der Bundesregierung zu tun, außerdem wird schwarzmalerisch gewarnt, jedes Abweichen von der wirtschafts- und sozialpolitischen Agenda hätte einen negativen Effekt auf die Konjunktur. Beide Annahmen sind falsch und lassen sich durch das umfangreiche Zahlenwerk, das dem Jahresgutachten beigefügt ist, nicht herleiten. Die fünf Weisen von Absurdistan können anhand dieser Zahlen auch gar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Arbeitsmarktpolitik und gesamtökonomischer Entwicklung herleiten – sie können die Zahlen interpretieren, mehr nicht.”
Dass wirtschaftliche Entwicklungen etwas mit der Politik der Bundesregierung zu tun haben ist also falsch? Du machst es dir zu leicht, wenn du nur solche Entwicklungen im Auge hast, die einem einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang entsprechen. Politik schafft gewisse Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln, sie schaft nicht alle Voraussetzungen und schon gar nicht *die* Voraussetzungen, aber auch nicht gar keine. Deshalb hat das, was Politik tut, auch mit dem zu tun, wie sich daraufhin Wirtschaft entwickelt – und das siehst du vermutlich auch nicht anders, sonst würdest du nicht immer wieder davon sprechen, was Politik tut, nicht tut oder tun müsste. Sie wäre schlicht irrelevant.
Weiter: Ökonomen erklären kausale Zusammenhänge nicht aus empirischem Material, dann wären sie keine Wissenschaftler. Wissenschaftler arbeiten mit Theorien, innerhalb derer gibt es kausale Zusammenhänge. Empirische Daten können solche Theorien allenfalls stützen oder widerlegen.
Da also die von dir so abfällig titulierten Wissenschaftler gar nicht das versucht haben, was du ihnen unterstellst, können sie darin auch nicht scheitern.
So könnte ich deinen ganzen Artikel durchgehen, ich kann statt dessen aber auch einen symptomatischen Satz aus einem Kommentar nehmen, der m.E. für ein gewisses naives Ökonomieverständnis (oder für eine gewisse Laxheit im Umgang mit ökonomischen Zusammenhängen) charakteristisch ist. Das ist dann kein Stänkern, sondern exemplarische Kritik.
@Jörg
Das tue auch nicht, was offensichtlich ist, wenn man den Text liest.
Natürlich ist dem so, aber gestatte mir folgende Frage: Hast Du das Jahresgutachten und die Pressemitteilung dazu gelesen? Du willst also idT abstreiten, dass das Jahresgutachten kausale Zusammenhänge suggeriert, die, das gibst Du ja selber zu, gar nicht belegbar sind, sondern nur eine Theorie, die falsch oder richtig sein kann, stützen oder widerlegen? Lies Dir das Gutachten noch einmal durch und suche an den von mir kritisierten Stellen den Konjunktiv – Du wirst ihn nicht finden.
So wird aus einer Theorie plötzlich eine Wahrheit und daraus werden Handlungsemfehlungen abgeleitet, die auf die Politik abzielen. Selbstverständlich kann und muß man das kritisieren.
Zum Thema Stänkern: Einen flappsigen Kommentar aus dem Diskussionsbereich als Gradmesser für ökonomisches Verständnis zu nehmen, ist unredlich.
Ich gebe dir im gewissen Umfang sogar Recht: So ein Jahresgutachten hat ein ähnliches Problem wie die IPCC-Berichte. Wissenschaftler sehen ihre Theorien durch Messergebnisse und Berechnungen bestätigt und schreiben dann ihre Berichte, die ja Handlungs-Hilfen für Politiker sein sollen, indem sie empirisch bestätigte Theorien als Wahrheiten darstellen und Unsicherheiten und Annahmen verschweigen.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es sich um empirisch gestützte wissenschaftliche Theorien handelt.
@Horry Patter
klar eigentlich kann ich mir das im mom auch nicht leisten als hartzler, aber überleg mal wer mit dafür verantwortlich ist, das wir immer weniger verdienen und deswegen gezwungen sind bei LIDL & Co einzukaufen
@Jörg Friedrich, 33
Sorry, dass ich auch darauf antworte, aber ich konnte dem wirklich nicht widerstehen, wenn es um Wissenschaft geht.
>…
> Dass wirtschaftliche Entwicklungen etwas mit der Politik der Bundesregierung
> zu tun haben ist also falsch?
Dass es Eine mit dem Anderen etwas zu tun haben soll, wurde m.E. im Text gar nicht in Zweifel gezogen. Es wäre auch schwerlich vorzustellen, dass diese zwei Naturgewalten keine Notiz voneinander zu nehmen vermochten.
> Du machst es dir zu leicht, wenn du nur solche Entwicklungen im Auge hast,
> die einem einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang entsprechen.
Das scheint idT eine Methode zu haben. Sogar die Wirtschaftswaisen, sofern ich es nachvollziehen kann, haben sich von keinen auch so abgegriffenen monokausalen Flachheiten aus dem herbstlich anmutenden Blätterwald zurückgeschreckt. Mit Professor Sinn anstelle Bofinger wäre das Team wirklich perfekt. Die Herren scheinen im Ernst zu glauben, dass man mit banalem Zwang und sozialen Scheußlichkeiten wirklich Konjunktur “ankurbeln” und Aufschwung “schaffen” kann. Diese Tradition, wenn ich so nachdenke, lässt sich bis zu “Weisen von Zion” zurückverfolgen.
> Politik schafft gewisse Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln, sie
> schaft nicht alle Voraussetzungen und schon gar nicht *die* Voraussetzungen,
> aber auch nicht gar keine.
Jö, sie tut was. Dem ist auch sehr schwer zu widersprechen.
Mir ist allerdings gar nicht aufgefallen, dass diese Voraussetzungen bis dato völlig gefehlt haben.
> Deshalb hat das, was Politik tut, auch mit dem zu tun, wie sich daraufhin
> Wirtschaft entwickelt.
Deshalb? Das war doch deine Prämisse am Anfang gewesen. Oder?
> Weiter: Ökonomen erklären kausale Zusammenhänge nicht aus empirischem
> Material, dann wären sie keine Wissenschaftler.
Das ist aber sehr eigenartige Sichweise auf die Wissenschaft. Aber wie ich vermute, die meisten Politiker teilen mit dir diese Sichtweise.
> Wissenschaftler arbeiten mit Theorien, innerhalb derer gibt es kausale
> Zusammenhänge. Empirische Daten können solche Theorien allenfalls
> stützen oder widerlegen.
Eine erhellende Erkenntnis. Wie “stützen” denn empirische Daten die Theorien?
Laut Verlautbarungen, die ich aus diesem “wissenschaftlichen” Werk wahrgenommen habe – durch bloße Korrelation. Es ist zugegebenermaßen eine durchaus gängige Vorgehensweise für allerlei “Stützen” bei allen, die etwas tun, um etwas zu bewirken. Z.B. in der Versicherungsbranche, wenn es um titulierten Wissenschaftler Rürup geht.
Ich glaube, es hat noch Anaximander einmal bemerkt – Korrelation impliziert noch keine Kausalität. Oder war es Zenon von Elea? Egal.
Auf jeden Fall ist diese Binse so alt, dass es mittlerweile jeder halbwegs intelligente Mensch endlich kapieren muss, dass der Regen nicht deshalb herunter fällt, weil der Schamane so fleißig getanzt und herumgetrommelt hat.
heuschrecken und all die sozialfernen politiker machen uns kaputt!
wie steht es doch geschrieben…….. “das wasser wird zu blut und es wird heuschrecken regnen!” oh, wie dies doch (sinnbildlich) zutrifft… halleluja!!!
@Copoka: Entschuldige, dass ich auf deinen Text, der ja so viele Fragezeichen enthält, nicht antworte, aber ich habe den Eindruck, das die meisten der Fragen rhetorische sind. Falls dich meine Antworten auf die von dir gestellten Fragen, insbesondere zu meiner “eigenartigen Sicht auf die Wissenschaften” wirklich interessieren, schick mir eine Mail, dann kann ich dir einen längeren Text dazu schicken. Hier wäre das doch etwas neben dem Thema.
@Jörg Friedrich
> Entschuldige, dass ich auf deinen Text, der ja so viele Fragezeichen
> enthält, nicht antworte, aber ich habe den Eindruck, das die meisten
> der Fragen rhetorische sind
Das hast du richtig erkannt.
Rhetorische Fragen dienen bekanntlich dem Zwecke, Kern des Zweifels an verinnerlichten Grundfesten der Realität zu sähen und eigenständiges Nachdenken darüber anzuregen.
> … Hier wäre das doch etwas neben dem Thema.
Wie denn das? Es ging doch im Artikel, auch wenn nicht primär, um Wirtschaftswissenschaften und Wissenschaftler, worauf du auch in deinem Posting rhetorisch zurückgegriffen hast.
Noch ein Mal zurück zum Thema. Hörtip:
http://www.dradio.de/dkultur/programmtipp/zeitfragen/680830/
MP3-Version wird im Balde rechts auf der Seite zu finden sein. Oder auf:
http://www.dradio.de/rss/podcast/sendungen/zeitfragen/
Passt m.E. ganz wunderbar zum Thema, aber hört es euch selber an.
MfG
COPOKA
@COPOKA
Danke für den Link – hört sich interessant an.
@SF
Ich schätze, du wirst deine Freude daran finden ;)
Ich will sie mir auch noch ein Mal anhören – hab’ wegen Hektik zwischendurch einiges Verpasst.