Das große Wagnis
geschrieben am 14. April 2010 von Spiegelfechter
ein Gastbeitrag von Uri Avnery
Ich traf vor zwei Wochen Salam Fayad, den palästinensischen Ministerpräsidenten, und war wieder beeindruckt von der Ruhe und Bescheidenheit, die von ihm ausgehen.
Gewöhnlich treffe ich ihn bei Demonstrationen, wie den am Trennungszaun bei Bilin. Auch dieses Mal gab es nur die Gelegenheit für ein flüchtiges Händeschütteln und ein paar höfliche Worte.
Wir erschienen gemeinsam am ?Tag des Bodens? in einem kleinen Dorf nahe Qalqilya, dessen Name nur wenigen bekannt ist: Izbat-al-Tabib. Das Dorf entstand 1920, und die Besatzungsbehörden erkennen seine Existenz nicht an. Sie wollen es zerstören und sein umfangreiches Land der nahen jüdischen Siedlung Alfei Menasche zuschlagen.
Wir waren umgeben von einer großen Gruppe respektabler Persönlichkeiten ? den Bürgermeistern der benachbarten Dörfer und Offiziellen der Parteien, die zur PLO gehören, und natürlich auch von den Dorfbewohnern. Ich konnte nur vom Rednerpult aus zu ihm reden. Ich bat ihn dringend, die Zusammenarbeit zwischen der palästinensischen Führung und dem israelischen Friedenslager zu stärken, eine Zusammenarbeit, die seit den Morden an Yasser Arafat und Faisal Husseini geschwächt wurde.
Es ist unmöglich, Fayad nicht zu mögen. Er strahlt Anständigkeit, Ernsthaftigkeit und ein Gefühl für Verantwortlichkeit aus. Er fordert Vertrauen heraus. Nicht der geringste Verdacht von Korruption klebt an ihm. Er ist kein Parteifunktionär. Erst nach langem Zögern schloss er sich einer kleinen Partei an (?der dritte Weg?). Bei der Konfrontation von Fatah mit der Hamas gehörte er zu keiner der beiden Rivalen. Er sieht aus wie ein Bankmanager – und genau das war er tatsächlich: ein ranghoher Beamter der Weltbank.
Der 58jährige Fayad ist genau das Gegenteil von Yasser Arafat, der ihn zuerst zum Finanzminister ernannte. Der Rais strahlte Autorität aus, der Ministerpräsident Zurückhaltung. Arafat war extrovertiert, Fayad ist introvertiert. Arafat war ein Mann dramatischer Gesten. Fayad weiß nicht, was eine Geste ist.
Aber der größte Unterschied zwischen den beiden liegt in ihren Methoden. Arafat legte nicht alle seine Eier in einen Korb ? er hatte viele Körbe. Er war bereit – gleichzeitig oder nach einander ? Diplomatie und den bewaffneten Kampf, populäre Aktion und geheime Kanäle, moderate und radikale Gruppen zu nutzen. Er glaubte, dass das palästinensische Volk viel zu schwach wäre, auf eines der Instrumente zu verzichten.
Fayad andrerseits legt alle seine Eier und die der Palästinenser in einen Korb. Er wählte eine einzige Strategie und hält an ihr fest. Dies ist ein persönliches und nationales Wagnis – und tatsächlich kühn und gefährlich.
Fayad glaubt anscheinend, dass die Palästinenser nur durch gewaltfreie Mittel in enger Zusammenarbeit mit den USA eine Chance haben, ihr nationales Ziel zu erreichen
Sein Plan ist, die palästinensischen nationalen Institutionen aufzubauen, eine robuste wirtschaftliche Basis zu schaffen und Ende 2011, den Staat Palästina auszurufen.
Das erinnert an die klassische zionistische Strategie unter David Ben-Gurion. In zionistischer Redeweise wurde dies ?vor Ort Fakten schaffen? genannt.
Fayads Plan gründet sich auf die Voraussetzung, dass die USA den palästinensischen Staat anerkennen und Israel die wohlbekannten Friedensbedingungen auferlegen werden: zwei Staaten, zurück zu den 1967er-Grenzen mit kleinem und mit einander abgestimmtem Landtausch, Ost-Jerusalem wird die Hauptstadt Palästinas, Evakuierung der Siedlungen, die nicht in den Landtausch mit eingeschlossen sind, die Rückkehr von einer symbolischen Anzahl von Flüchtlingen in das israelische Gebiet und die Ansiedlung der anderen in Palästina oder sonst wo.
Das sieht wie eine vernünftige Strategie aus, aber es stellen sich viele Fragen.
Die erste Frage: Können sich die Palästinenser wirklich auf die USA verlassen, dass sie ihren Teil dazu tun?
In den letzten paar Wochen sind die Chancen dafür besser geworden. Nach seinem eindrucksvollen Sieg in der Innen- und Außenpolitik zeigte Präsident Obama neues Selbstvertrauen – auch bei der israelisch-palästinensischen Frage. Er könnte jetzt bereit sein, beiden Parteien einen amerikanischen Friedensplan aufzuerlegen, der diese Elemente einschließt.
Die US haben es deutlich gemacht, dass dies keine Nebenvorstellung, sondern eine Strategie ist, die sich auf eine nüchterne Einschätzung der amerikanischen nationalen Interessen gründet, die von der militärischen Führung unterstützt werden.
Aber die entscheidende Schlacht ist noch nicht ausgefochten. Man kann eine Schlacht der Titanen zwischen den beiden mächtigsten Lobbys in Washington erwarten: die militärische und die Pro-Israel-Lobby. Das Weiße Haus gegen den Kongress. Fayads Wagnis gründet sich auf die Hoffnung, dass Barack Obama diesen Kampf mit Hilfe von General David Petraeus gewinnen wird.
Es ist ein vernünftiges Wagnis – aber ein riskantes.
Die zweite Frage: ist es möglich, einen palästinensischen ?Staat im Werden? unter israelischer Besatzung aufzubauen?
Wie es jetzt aussieht, hat Fayad Erfolg. Tatsächlich gibt es einigen Wohlstand in der Westbank, von dem jedoch hauptsächlich eine bestimmte Klasse profitiert. Die Netanyahu-Regierung unterstützt diese Bemühung in der Illusion, dass ?wirtschaftlicher Friede? als Ersatz für wirklichen Frieden dienen kann.
Aber all diese Bemühungen stehen auf tönernen Füßen. Die Besatzungsbehörden können sie mit einem Streich auslöschen. Wir waren im Mai 2002 bei der Operation ?Defensive Wall? Zeugen davon, als die israelische Armee mit einem Streich alles zerstörte, was die Palästinenser nach dem Oslo-Abkommen aufgebaut hatten. Ich habe die zerstörten Büros der Palästinensischen Behörde in Ramallah mit eigenen Augen gesehen, die zermalmten Computer, die Haufen zerrissener Dokumente zerstreut auf dem Boden der Bildungs- und Gesundheits-Ministerien, die zerschlagenen Mauern der Mukata?a.
Wenn die israelische Regierung so entscheidet, gehen alle geordneten Regierungsbüros von Fayad, all die neuen Unternehmungen und die wirtschaftlichen Initiativen in Rauch auf.
Fayad verlässt sich auf das amerikanische Sicherheitsnetz. Und tatsächlich ist es fraglich, ob Nethanyahu 2010 in der Obama ?Ära das tun kann, was Sharon 2002 unter George W. Bush getan hat.
Eine wichtige Komponente der neuen Situation ist ?Dayton?s Armee?. Der US-General Keith Dayton trainiert die palästinensischen Sicherheitskräfte. Jeder, der sie gesehen hat, versteht, dass dies in der Praxis eine reguläre Armee ist. (Bei der Demonstration am Tag des Bodens waren die palästinensischen Soldaten mit ihren Helmen und in Khaki-Uniformen auf dem Hügel aufgestellt, während die israelischen Soldaten ? ähnlich gekleidet ? unten standen. Dies war in der Zone C, die nach dem Oslo-Abkommen unter israelischer Kontrolle steht. Beide Armeen verwendeten dieselben amerikanischen Jeeps ? nur in verschiedenen Farben.)
Zweifellos ist sich Fayad bewusst, dass es da mit seiner Strategie nur einen kleinen Schritt zur Anklage der Kollaboration mit der Besatzung gibt.
Die dritte Frage: Was wird geschehen, falls die Palästinenser ihren Staat Ende 2011 ausrufen ?
Viele Palästinenser sind skeptisch. Schließlich hat der Palästinensische Nationalrat schon 1988 einen unabhängigen palästinensischen Staat ausgerufen. Bei dieser festlichen Gelegenheit wurde die palästinensische Unabhängigkeitserklärung, die von dem Dichter Mahmoud Darwish verfasst worden war, vorgelesen. Dutzende von Staaten erkannten diesen Staat an, und die PLO-Vertreter erfreuten sich dort des offiziellen Status? eines Botschafters. Aber hat dies die Situation der Palästinenser verbessert?
Die Hauptfrage ist, ob die US den palästinensischen Staat am Tag seiner Gründung anerkennen werden und ob der UN-Sicherheitsrat folgen wird.
Im Mai 1948 erkannten die USA den neuen Staat Israel de facto an, aber nicht de jure . Stalin kam ihnen zuvor und erkannte Israel sofort de jure an.
Wenn Fayads Hoffnung sich erfüllt und die USA den Staat Palästina anerkennt, wird sich die palästinensische Situation dramatisch ändern. Ziemlich sicher wird die israelische Regierung keine andere Wahl haben, als das Friedensabkommen zu unterzeichnen, das praktisch von den Amerikanern diktiert werden wird. Israel wird fast die ganze Westbank aufgeben müssen.
Die vierte Frage: wird dies auch für Gaza gültig sein?
Wahrscheinlich ja. Im Gegensatz zum dämonischen Image, das von der israelischen und amerikanischen Propaganda geschaffen wurde, wünscht Hamas einen palästinensischen Staat, nicht ein islamisches Emirat. Wie unsere eigenen Orthodoxen, die einen jüdischen Staat wünschen, der nach dem religiösen Gesetz und von Rabbinern regiert wird, wissen sie, wie man mit der Realität einen Kompromiss macht. Hamas? Ziel ist nicht auf ihre kleine Enklave beschränkt. Sie wollen im zukünftigen Staat Palästina eine größere Rolle spielen.
Die offizielle Position von Hamas ist, dass sie ein Abkommen akzeptieren wird, das von der palästinensischen Behörde unterzeichnet wurde, wenn es in einem Referendum vom palästinensischen Volk oder in einem Akt des Parlamentes ratifiziert würde. Es sollte sogar jetzt bemerkt werden, dass Hamas das Fayad-Experiment mit relativer Nachsicht behandelt.
Fayad ist ein Mann des Kompromisses. Er würde mit der Hamas einen modus vivendi schon längst erreicht haben, wenn die USA nicht ein totales Veto auferlegt hätten.
Die palästinensische Teilung ist zu einem großen Teil ?made in? den US und Israel. Israel hat dazu beigetragen, dass der physische Kontakt zwischen der Westbank und dem Gazastreifen völlig unterbrochen ist ? eine grobe Verletzung des Oslo-Abkommens, die die Westbank und den Gazastreifen als ein zusammengehöriges Gebiet definiert. Israel verpflichtete sich, vier ?sichere Passagen? zwischen den beiden Gebieten zu eröffnen. Sie waren nicht einen einzigen Tag geöffnet.
Die Amerikaner haben eine primitive Vorstellung der Welt, die wohl noch aus der Zeit des wilden Westens stammt: überall gibt es gute Kerls und böse Kerls. In Palästina sind die Guten die Leute der Palästinensischen Behörde ? die Bösen sind die Hamas. Fayad wird noch hart arbeiten müssen, Washington davon zu überzeugen, einen Standpunkt einzunehmen, der etwas nuancierter ist.
Was wird geschehen, wenn sich Fayads Wagnis als historischer Fehler herausstellt? Wenn die Pro-Israel-Lobby gegen den Staatsmann und die Generäle gewinnt? Oder wenn irgend eine Weltkrise die Aufmerksamkeit des Weißen Hauses in eine andere Richtung lenken wird?
Wenn Fayad scheitert, wird jeder Palästinenser die offensichtliche Schlussfolgerung ziehen: es gibt keinerlei Chance für eine friedliche Lösung. Eine blutige Intifada wird folgen, die Hamas wird die Kontrolle über das palästinensische Volk übernehmen ? und auch diese wird von viel radikaleren Kräften verdrängt werden.
Salam Fayad kann tatsächlich sagen: nach mir die Sintflut.
Uri Avnery
(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

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Ende 4. Absatz: “…eine Zusammenarbeit, die seit den Morden an Yasser Arafat und Faisal Husseini geschwächt wurde”
Verstehe ich nicht – wer wurde ermordet?
Husseini died of a seeming heart attack in Kuwait on May 31, 2001. Israeli journalist-activist Uri Avnery believes that both Arafat’s seemingly natural death and Husseini’s were Israeli assassinations. In 2010 Hamas military commander Mahmoud al-Mabhouh died in a Dubai hotel room also of a seeming heart attack but his end was video-documented with a cast of Israeli secret agents. Authorities are now reexamining the death of Husseini.
Wikipedia
Da drücke ich fest die Daumen, dass es gelingt die endlose Spirale aus Gewalt und Gegengewalt zu brechen.
Frieden in Palästina und Israel – welch schöne Vorstellung.
Vor diesem Mann kann ich nur höchste persönliche Hochachtung empfinden. Es zeugt von Mut, sich gegen die überwiegende Mehrheit des eigenen Volkes zu wenden. Es würde mich interessieren, ob es auch auf palästinensischer Seite solche Männer gibt.
@Westerwellenreiter
Keine Ahnung aber in Deutschland gibts auf jeden Fall Leute die sich gegen die Mehrheit des eigenen Volkes wendet. Dein Namenspatron ist auf jeden Fall so jemand (aber im Gegensatz zu Avnery ist er auch anderswo nicht beliebter – höchstens in Clownhausen).
sehr interessanter essay, leider meiner meinung nach nicht sehr gut geschrieben(übersetzt) und dadurch etwas schwer zu lesen.
aber es lohnt sich!
Mögen wir das Beste hoffen für den Frieden in beiden Ländern!
Obwohl ich daran Leider nicht so dran glaube. Dafür ist schon zuviel passiert.
Die Gastbeiträge finde ich meistens sehr gut.
Ein wirklich guter Artikel, den ich mit Begeisterung gelesen habe.
Gerade in Deutschland, so zumindest mein Gefühl, ist ja nahezu alles geächtet, was auch nur ansatzweise Israel kritisieren könnte. Dementsprechend rar sind die Informationen, denn imo verstösst Israel schon seit Jahrzehnten gegen Völkerrechte, ohne dafür gross zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das darf man aber ja nicht sagen, denn sonst wird man gleich in die braune Ecke mit “Judenhassern”, “Nazis” und “Volksverhetzern” gestellt.
Mir persönlich ist es ein Rätsel, dass Israel heute ähnliche Mittel gegen die Palestinänser als Selbstverteidigung propagiert, unter der die jüdische Bevölkerung im “dritten Reich” so gelitten hat.
Zwangsenteignung und Umsiedlung, spezielle Genehmigungen für jede Kleinigkeit (die nicht genehmigt wurden), bis hin zum Panzereinsatz gegen Zivilisten, nein, das kann ich wirklich nicht begreifen. Gerade die Israelies sollten es doch besser wissen, aber es zeigt sich scheinbar mal wieder, dass der Mensch aus der Geschichte nicht lernt… oder besser…nicht lernen will, denn Dummheit möchte ich hier nicht unterstellen.
Sicherlich ist das Thema, die Gründe und die Ursachen wesentlich komplexer (ich war noch nie in Israel), aber muss es das im Fundament wirklich sein? Ein friedliches nebeneinander kann doch nicht wirklich so schwer sein. Krieg hat noch nie etwas Gutes bewirkt. Erst im Frieden laufen alle Staaten zu Hochtouren auf (so sie denn gut regiert werden).
Ich sag es als deutscher ganz frei heraus. Ich mag Israel nicht. Nicht weil ich etwas gegen Juden habe…ich kenne keinen und über Religion lässt sich ohnehin streiten.
Ich mag Israel nicht, weil es sich nicht an Verträge hält. Weil es Menschen vom Zugang zum Wasser abhällt und ihnen somit die Lebensgrundlage diktiert. Die besetzten Gebiete gehören Israel nicht. Diese Gebiete (Westbank, Golanhöhen) wurden militärisch erobert und sind bis heute Besetzt. Ich mag Israel nicht, weil es durch seine Besatzung tagtäglich das Leben von Hunderttausenden von Menschen behindert, schickaniert und penetriert, die eigentlich nur in Frieden leben, arbeiten, und ihre Familie ernähren wollen. Selbst Hilfskonvois der UN werden schickaniert und blockiert. So verhällt sich kein Staat, der sich ja nur selber schützt und im Gegenzug Friedensverhandlungen solange mit dummen Ausreden hinauszögert, bis wieder eine Siedlung fertig gebaut ist (erinnert mich an: Lebensraum im Osten?), die laut internationalen Vereinbarungen garnicht erst hätte gebaut werden dürfen.
Lug und Trug, Hinhaltetaktiken und militärische Brutalität. so sehe ich Israel und darum mag ich es nicht.
Nun, das ist sicherlich nicht objektiv, aber es ist das Resultat dessen, was ich mir so “zusammengelesen” habe.
Ich kann nur hoffen, dass beide Länder bald ihren Frieden finden werden damit dieser Irrsinn endlich ein Ende findet.
~40 jahre Krieg ist mehr als genug. Ich denke, niemand von uns hier auf SF kann auch nur ansatzweise nachvollziehen, was das wohl bedeutet.
Ein Artikel, der Hoffnung macht.
Ich würde mir wünschen, Europa würde sich diplomatisch und materiell hinter Salam Fayad stellen.
(In Deutschland würden einige eine solche Politik allerdings für antisemitisch halten.)
Meine Befürchtung ist: Israel (Netanyahu & seine Regierung) bereiten zurzeit die Große Deportation vor. Vielleicht dauert es noch ein bisschen, und es wird vielleicht erst einmal kleinere Testläufe geben. Israels Politik läuft vermutlich auf Eskalation und “daraus folgende” Deportation, auf ethnische Säuberung hinaus.
Umso klüger die Politik von Salam Fayad!
Hallo allerseits,
ein interessanter Artikel, ich bin gespannt auf die Entwicklung.
Ich möchte an dieser Stelle darum bitte, bei übersetzten Artikeln (egal aus welcher Sprache) auch immer den Originalartikel hier rein zu stellen. Nicht dass ich die Übersetzung an sich anzweifeln würde, oder behaupten möchte, dass ich es besser kann (das kann ich nicht).
Aber Übersetzungen bergen immer Raum und Gefahr von Interpretationen.
MfG,
schub
So schön es auch klingt, aus den Plänen von Salam Fayad wird wohl nichts werden, denn Israels ultrarechte Regierung tut zur Zeit alles, um friedliche Pläne zu sabotieren. Sie haben sich selbst gerade einen weiteren Freibrief ausgestellt:
Ab sofort darf das israelische Militär Personen aus dem Westjordanland ausweisen, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben – wie genau die gültige Erlaubnis aussieht, ist nicht näher definiert.
Seit Dienstag sind “illegale Einreise” oder der Mangel an einer nicht näher definierten “Erlaubnis” genug, um Maßnahmen zu veranlassen. Die neue Regelung könne Zehntausende Palästinenser betreffen, warnten israelische und palästinensische Menschenrechtsgruppen.
Den “Eindringlingen” droht nicht nur die Abschiebung, sondern auch Haft bis zu sieben Jahren, zuständig sind nicht staatliche Gerichte, sondern Militärgerichte.
Tausende von Palästinensern sind aus dem verarmten Gaza-Streifen ins wohlhabendere Westjordanland gezogen. Ihnen (und ihren im Westjorddanland geborenen Kindern) droht nun die Abschiebung, selbst wenn sie schon seit Jahrzehnten dort leben, da sie in ihren von Israel ausgestellten Personalausweisen immer noch als Einwohner des Gaza-Streifens geführt werden.
Vor allem darf man nicht vergessen, dass diese Willkür-Regelung für die (eigenen) palästinensischen Besatzungsgebiete gilt.
Nach dem Motto: “Wer
JudePalästinenser ist, bestimmen wir!”Eine schöne Analyse der momentanen Situation, die Hoffnung auf eine Beendung dieses schon viel zu lange andauernden Konfliktes macht.
Gerade die Entdämonisierung der Hamas und die Kritikfähigkeit gegenüber der USA könnten die USA unter Obama dazu bringen, einen echten Interressensausgleich zu schaffen. Die Zusage der Hamas, sich einem palästinensischem demokratischem Staat zu beugen kann man in der Beziehung nicht hoch genug bewerten, da dies den USA (und Europa) die Möglichkeit gibt, mit den Hamas reinen Gewissens zu verhandeln. Des Weiteren könnte dies eine deutliche Verbesserung der Menschenrechtslage dieser Region mit sich bringen.
Für Obama wiederum bietet sich die Chance, als Friedenspräsident in die Geschichte einzugehen und den Ruf der Usa- insbesondere in der islamischen Welt deutlich zu verbessern. Dies würde in letzter Konsequenz zur Terrorismusbekämpfung maßgeblich beitragen und somit sogar Sicherheit schaffen.
Mit einer Politik des Ausgleiches wäre allen beteiligten Parteien geholfen- insbesondere durch den nachhaltigen Frieden.
@ schub (10):
Wenn es um diesen speziellen Beitrag von Uri Avnery geht – bitteschön:
“The Big Gamble”
http://zope.gush-shalom.org/home/en/channels/avnery/1270906214/
Oder über http://www.gush-shalom.org/ – falls der Direktlink nicht funktioniert.
mfG
Das Problem ist, ob Israel sich unter Anerkennung der Grenzen von 1967 sicher fühlen kann?
Der israelische Außenminister Liebermann hat dies am 6. 4.2010 bestritten.
Ob es gelingt diese Frage bis 2011 zu klären?
Die folgenden strategischen Überlegungen müßten bis dahin wohl gegenstandslos werden.
“Als man in der Vergangenheit über Israels endgültige Grenzlinien debattierte, wurde der terroristischen Bedrohung als ernst-zunehmender Faktor noch nicht Rechnung getragen. In jüngster Zeit gibt es so manche, die das gegenteilige Argument anführen. Ihrer Ansicht nach hat man heutzutage weniger mit konventionellen Kriegen der klassischen Art zu rechnen, sondern vielmehr mit so genannten ?Kriegen von geringer Intensität? (low-intensity wars), die vor allem aus Guerilla- und Terrorangriffen bestehen. Der Terrorismus kann sowohl durch den Beschuss israelischer Ballungszentren, durch Steilfeuerartillerie wie Mörsergranaten und Raketen zum Ausdruck kommen, als auch durch Terroristen, die Explosivmaterial einschmuggeln oder durch Selbstmordattentäter, die sich unter Zivilisten in die Luft sprengen. Der Terrorismus kann sich konventioneller Waffen bedienen, aber auch chemischer, biologischer und sogar nuklearer Mittel.
Was nun die Art von Terrorismus anbelangt, die aus Steilfeuerartillerie auf Bevölkerungszentren besteht, so ist klar, dass der Entfernung dieser Zentren von den Grenzlinien eine entscheidende Bedeutung zukommt. Allein durch die unterschiedliche Entfernung kann erklärt werden, warum die von der Hamas-Bewegung aus dem Gazastreifen abgeschossenen Kassam-Raketen nur bis nach Sderot kommen und nicht bis zur Küstenstadt Ashkelon ? in diesem Fall spielen zwei Kilometer eine entscheidende Rolle. Falls es in naher Zukunft zu einem Krieg mit der Hisbollah kommen sollte, so kann diese mit ihren Raketen zwar Haifa beschießen, aber nicht Tel-Aviv, das weiter von der libanesischen Grenze entfernt liegt. Sollte Israels östliche Landesgrenze wieder an der Linie vom Juni 1967 liegen, können die Terroristen die Vorstädte Tel-Avivs beschießen, und das auch ohne Katjuscha-Raketen; und sollten diese Katjuscha-Raketen im Westjordanland stationiert sein, dann ist keine israelische Stadt mehr vor ihnen sicher. Da Israel keinerlei Möglichkeit hat, Steilfeuerartillerieangriffe aus einem Territorium aufzuhalten, das sich nicht unter seiner militärischen Kontrolle befindet, ist die Position der künftigen Grenzlinien für den Schutz seiner Bevölkerungszentren der ausschlaggebende Faktor.”
Juden und Araber können nicht friedlich zusammenleben.
@ 15
…Neve Shalom/Wahat al-Salam…
…Hand-in-Hand-Schule…
…das größtenteils friedliche Zusammenleben von Juden und Arabern in Marokko…
…der israelische Distrikt Gilboa, der mit dem palästinensischen Nachbarn in Jenin daran arbeitet, eine gemeinsame Industriezone zu entwickeln…
…Givat Haviva…
…Mimuhna… (ein jüdisch-marokkanisches Festival; in Israel – glaub ich – Mimouna genannt)
Alles nur Einbildung?
Die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels befindet sich iÜ im Iran – nur so am Rande.
Juden und Araber können und konnten schon immer friedlich zusammenleben – sofern man sie (in Ruhe?) lässt.
mfG
Schade dass man in D-Land immer solche Unsympathen wie den Avnery braucht, um sich hinter ihm zu verstecken.
Dabei ist das alles ganz einfach, die Zionisten begannen als die ganz klassischen Hofjuden unserer europäischen Herrscher & weshalb es ganz falsch ist, von Deutschland aus die Folgen der NS-Zeit in Form von spezifisch jüdischer Nationalreligiosität & Rechtradikalismus auch noch zu fördern ist doch auch nicht schwer zu formulieren…
@14
In Sachen Frieden genau den richtigen zitiert.
Wenn die Grenzen von 67 nicht sicher sind, dann vielleicht die von 48 oder um ganz sicher zu gehen, den Traum von Liebermann, vom Nil zum Euphrat?
Endgültige Sicherheit gibt es nur im Tod.
In den USA wird Obama in der viel geschauten Dreckschleuder FOX nun dafür “kritisiert”, sich ein bisschen vor dem chinesischen Ministerpräsidenten verbeugt zu haben. So viel genügt in solchen Kreisen, um den eigenen Präsidenten als Verräter zu brandmarken. Das interessiert zwar nur Freaks wirklich, aber die gibt es nicht zu knapp und aus ihnen politisches Kapital zu schlagen ist geradezu grotesk einfach.
Obama akzeptiert also 2011 einen hypothetischen Palästinenser-Staat und öffnet sich Verhandlungen mit der Hamas? In aller Öffentlichkeit und in krassem Widerspruch zu einer israelischen Regierung, die immer mehr anhand des Irans den Weltuntergang an die Wand malt? Ich sehe da eher wie immer mehr so getan wird, als seien die Palästinenser irgendwie zwischen einer ollen Kamelle und einem gewaltbereiten “Zigeunerproblem” anzusiedeln. Die israelischen Banlieues voller ungebildeter Problememacher, die man am liebsten los hätte, heißen dann einfach Gaza und West Bank.
Dazu sehe ich schon jetzt wie behauptet wird Obama telefoniert jeden Tag mit bin Laden und verkauft die Interessen der USA an böswillige islamische Terroristen (oder eher: schon wieder behauptet wird). Ich sehe aber nicht welche Chance Obama da hätte europäischer zu sein als die Europäer (oder wie man das nennen will), ganz gleich wie da in der konkreten Situation amerikanische Interessen bewertet werden. Da können noch so viele Generäle auf ‘seiner’ Seite sein, welche von Herrn Avnery schnell mal in einer Art Akt der Hoffnung zum Zeitalter erklärt wird. Eher ist das Obama-Zeitalter aber die neueste Hoffnungs-Rauchbombe in einer an Rauchbomben nicht armen Gegend.
Im Zweifelsfall wird dann einfach in den USA Propgaganda mit der Ablehnung gemacht, die so was in der israelischen Öffentlichkeit selbst hat. Bisher habe ich auch nicht den Eindruck hier wäre der politische Schneid vorhanden eine unterstellte “weak leadership” dadurch zu entkräften, richtungweisende Entscheidungen zu fällen und dann damit den politischen Gegner vor sich herzutreiben. Also ein amerikanischer Präsident zu sein so wie sich das die Amerikaner vorstellen. Vielleicht hat die Gesundheitsreform der demokratischen Partei das vor Augen geführt, würde sich Obama aber so wie bisher auch bei der Frage eines palästinensischen Staates verhalten, sehe ich keinerlei Chance. Ob er das überhaupt will und was es ihm aller Rhetorik zum Trotz wert ist, dass ist dann die nächste bzw. erste Frage. Übrigens hat das alles wenig mit Herrn Fayad und 2011 zu tun, er selbst ist wohl nicht so wichtig wie die Sinnflut und 2011 ganze Welten entfernt. Ich hoffe mal bis dahin ist die Ohnmacht noch nicht zum unheilbaren Knochenkrebs geworden.
Wenn der erklärte Zionist Uri Avnery auch noch so lange vom Frieden träumt, so sollte er doch trotzdem mal raffen, dass es diesen Frieden nie geben, solange a) Israel auch nur eine einzige Atombombe besitzt, mit deren allzeit möglichen Einsatz es die gesamte Welt bedrohen und erpressen kann und b) solange noch nichtjüdische Araber im grenzenlosen Appartheidstaat Israel zuhause sind – wo immer dieses Zuhause im künftigen Großisrael auch sein mag.
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Adel S. Elias gab 1997 seinem Buch über die feindlichen Brüder Israel und Palästina nach den Oslo´er “Friedensverhandlungen” , den schon damals einzig zutreffenden Titel: “Dieser Frieden heißt Krieg”. Ich denke, er hätte es lieber gesehn, wenn er nicht recht behalten hätte.
( Das Buch “Dieser Frieden heißt Krieg” von Adel S. Elias, erschienen im Droemer Knaur Verlag, wird – leider – seit seines Erscheines noch jeden Tag auf s Neue aktueller. Es bleibt wohl noch etliche Jahre besonders lesenswert !)
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“Leute, stellt euch auf einen netten Weltkrieg ein!” (John Pilger im März 2010)
Nach der jüngsten Atomkriegsdrohung gegen den Iran, ausgesprochen vom Friedensnobelpreisträger und Kriegsausweiter Obama, und den darauf folgenden russischen Warnungen vorm weltweitem Atomkrieg versuche ich mich nun auch mal als Prophet:
Obama AiPAC Israel´s anstehender Atomkrieg gegen den Iran und die zwangsläufige Ausweitung des gezielten atomaren Völkermordes auf den gesamten nahen Osten, wird zuverlässig dafür sorgen, dass das hundertjährige Partisanenproblem des zionnazistischen , rassistischen Massakerstaats bis Ende 2011 für immer und ewig erledigt ist. Es wird dann nämlich keine Palästinenser mehr geben, Und es wird dann natürlich auch keine Israelis mehr geben. Zumindest nicht in dem Land, das heute noch Israel heißt. Dieses Land wird es dann nicht mehr geben. Es wird in eine unbewohnbare Wüste verwandelt sein. Quasi ausgelöscht von den eigenen Atombomben, den israelischen Atombomben. Schliesslich soll möglichst niemals mehr ein Zionist lebend in die Hände der Feinde geraten.
@axel (#14)
Israel und Anerkennung der Grenzen – von wann auch immer . Nee, also das geht schon mal gar nicht., siehe “Palästina von der Landkarte getilgt”
http://www.steinbergrecherche.com/10israelpalaestina.htm#getilgt. ”
(ich überleg noch, ob ich das nu lustig finden soll oder traurig)
Und überhaupt, die GroßIsrael-Träume sind ja auch noch lange nicht ausgeträumt.
@axel (#14)
Israel und Anerkennung der Grenzen – von wann auch immer . Nee, also das geht schon mal gar nicht., siehe “Palästina von der Landkarte getilgt”
http://www.steinbergrecherche.com/10israelpalaestina.htm#getilgt. ”
(ich überleg noch, ob ich das nu lustig finden soll oder traurig)
Und überhaupt, die GroßIsrael-Träume sind ja auch noch lange nicht ausgeträumt.
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@wordpress (?)
NEE, hab ich nich! grrrr
hab ich wohl doch …. heul
äh , wieviel war gleich wieder 6+8 ?
Uri Avnery
vonund der Hamas ist zuzustimmen.Clemens Verenkotte gibt in diesem Interview ein paar interessante Einblicke in die israelische Gesellschaft:
http://www.andremarty.com/index.php?/archives/581-Herr-Kollege-Clemens-Verenkotte,-ARD-Radio,-Tel-Aviv.html
Die Haaretz-Umfrage, die da erwähnt wird, ist wirklich…da muss man erstmal schlucken. Und jeder Dritte-Reich-Vergleich drängt sich einem förmlich auf. “Zweitklassig”….meine Fresse…
Und dann möchte ich euch noch diese großartige Dokumentation ans Herz legen, sie heißt “Defamation” und behandelt auf tragikomische Weise (angeblichen?) Antisemitismus auf der Welt und wurde vom jüdischen Israeli Yaov Shamir gedreht, auch die von mir hochgeschätzten Uri Avnery und Norman Finkelstein kommen darin vor: http://www.youtube.com/watch?v=9qR1h-H7vNU (Teil 1, die anderen Teile stehen rechts in der Leiste)
@Axel #14
Dass die Kassam-”Raketen” auf Sderot nicht von der Hamas kommen, sondern von einem Fatah-Splitter, sollte aber langsam bekannt sein.
@axel
Gerade diese Besonderheit, dass wir es vor allem mit “Konflikten geringer Itensität” zu tun haben, sorgt dafür, dass die sicherheitspolitische Bedeutung der Grenze untergeht. Es schützt nicht gegen Terrorismus, wenn die Grenze 100km weg ist, denn die zukünftigen Terroristen könnten in deiner Hauptstadt sitzen und bereits eine Trinkwasservergiftung vorbereiten.
Mit der Abnahme der Bedeutung klassischer militärischer Verteidigung steigt die Bedeutung von Konfliktschlichtung, Kompromiss und nachrichtendienstlicher Operationen. Der Feind ist eben kein Staat sondern eine Idendität, die nicht vor Grenzen zurückschreckt. Zwar kann der konkrete Fall von Artilleriebeschuss durch Grenzverläufe maßgeblich beeinflusst werden, doch Artilleriebeschuss über Grenzen hinweg ist auch bei alten Kriegen ein Faktor gewesen.
Wenn man sich anschaut, wie sich dieser Konflikt von gewöhnlichen Konflikten unterscheidet wird schnell klar, dass es keine militärische Konfliktlösung gibt,