Der Lotse geht von Bord
geschrieben am 13. November 2007 von Spiegelfechter

Nachdem er sich auf dem Parteitag in Hamburg geopfert hat, um seinem Vorsitzenden Kurt Beck zur Profilierung zu verhelfen, tritt der Architekt der Agenda 2010 ab. Er wird wohl als Abwickler der alten Tante SPD in die Geschichtsbücher eingehen – den Job des Nachlassverwalters überlässt er seinen Genossen.
Es ist unfair Politiker an den Wahlversprechen zu messen
Franz Müntefering
Update: Einen vortrefflichen Nachruf auf Herrn Müntefering hat Chris von F!XMBR geschrieben – er hat deutlich mehr Worte gefunden, als ich.
Jens Berger
Bildnachweis: Spiegelfechter
Kategorien: Allgemein
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Sehr schön gemacht, die Karikatur-Montage.
Danke :-) – wobei ein Großteil der Leser/Sichter mit INSM wohl nicht wirklich etwas anfangen können.
Geht es eigentlich nur mir so oder stößt andere hier das Niveau dieser Schmierenkomödie ab? Ich finde, dass die sich diesmal noch nicht einmal richtig um Glaubwürdigkeit bemüht haben, genau so wenig wie bei den “zufällig” verschwundenen Daten der Bundeswehr. Nach denen jetzt übrigens kein Hahn mehr kräht, zumal Steinmeier jetzt Vizekanzler wird – das ist wohl aus dem Knast zu schwer zu bewerkstelligen.
Sehr schön, danke! Mehr ist dazu wohl auch nicht nötig zu sagen. Einer pfeift und die andere Pfeife geht.
@SF
schöne zusammenfassung!
@schwitzig
…wobei ein Großteil der Leser/Sichter mit INSM wohl nicht wirklich etwas anfangen können…
na,na, mal nicht so hochnäsig. wer sich hier rumdrückt kann i.d.r. mit INSM auch was anfangen und im zweifel wird man/frau unter ungefähr 457.000 hits bei google schon was passendes finden.
Und die Kommentatoren überschlagen sich gegenseitig mit belanglosen Interpretationen. Das einzige was für die Mehrheitsozialisten zählen dürfte ist, dass sie mit Müntefering einen der Hauptverantwortlichen für die Agenda 2010 aus der Sichtlinie bugsiert haben. So können sie “glaubhafter” ihren neuen Protestkurs fahren – zumindest meinen sie das anscheinend. Ein Schmierentheater hoch zehn, Politik goes Entertainment, Deutschland such die Supersoze … was macht eigentlich Siggi-Pop?
INSM hat bei mir erstmal die Assoziation “Im Namen seiner Majestät” ausgelöst. Komisch irgendwie.
@Nülls
Wie wär´s mit: “Im Namen (des) Schnöden Mammons”? ;-)
Das Zitat Münteferings beschreibt die gesamte Politik.
Das Schicksal, das ihn als Funktionär und Technokraten nun im persönlichen Bereich ereilt hat, gibt im unfreiwillig Gelegenheit, wieder Mensch zu sein – oder zu werden.
Mein Gott, jetzt wird Scholz Nachfolger von Müntefering.
äääh…Scholz war sogar zu d****** den SPD-Generalsekretärs zu mimen,
so dass man darauf sogar einem wie Hubertus Heil den Posten gegeben hat.
Update: Einen vortrefflichen Nachruf auf Herrn Müntefering hat Chris von F!XMBR geschrieben – er hat deutlich mehr Worte gefunden, als ich.
Danke fürs Kompliment. :)
Ich hab jetzt seit ein paar Stunden Fernsehen an – ich will schon fast anfangen zu singen, “Hurra, ich bin verblödet”. Das geht alles gar nicht. Bei Mutter Theresa gab es weniger Sondersendungen und Respektbekundungen. ;-)
@Chris
dazu fällt mir “spontan” folgendes Zitat ein:
“Die Aufgabe der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, gerade heraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse um sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es und ich weiß es.”
John Swinton, Redaktionsleiter der NY-Times (1880)
Das spiegelt perfekt die letzten Jahre wieder…
@ Spiegelfechter
Ja, auch nicht schlecht *g*
Danke für das Swinton-Zitat. Der Mann hat Weitsicht bewiesen.
Moin,
ich finde ihr seid alle ganz schön gemein. Habt ihr ihm denn nicht schon genug damit angetan,dass ihr ihn und die SPD anhand von Wahlversprechen gemessen habt? Nun auch noch solche Zeilen…..,ihr seid echt unfair,….ich bin tief traurig….! :-)
Wie hat es der Unsympath und Verkörperer aller Anti-Politiker Clichés Kurt Beck eigentlich geschafft derartige Gefolgschaft zu erringen ?
Kanzlerkandidat ?
Mit seinem Verbleib in der Heimat ja nun vorerst nicht mehr… aber wer weiß.
Ich fand es sehr treffend dass sich Michael Herbig auf die Frage warum der Yeti in seinem Film Kurt Beck ähneln würde umgehend entschuldigte!
Beim Yeti.
Machs jut Münte, war nicht alles schlecht!
;o)
Genau! – Als aufrechter SPD-ler sage ich zu Müntefering:
Es war nicht alles schlecht unter Deiner Ägide:
- Wir haben die Autobahnen gebaut, ah: Agenda 2010 gemacht.
- Wir haben für den Überwachungsstaat gestimmt, äh: wir haben für mehr Sicherheit für deutsche Staatsbürger gesorgt, die nichts zu verbergen haben.
- Wir haben die deutsche Wirtschaft auf Vordermann gebracht, äh: wir haben den Bonzen noch mehr Geld in den Arsch geschoben.
- Wir haben auf die Wirtschaftsweisen gehört, äh wir haben uns für zukünftige Posten verkauft.
Jetzt wollen wir SPD-ler auch mal Gegenleistungen sehen!
Wie? Keine Gegenleistungen, nur der eine oder andere. An Schily verdient Ihr richtig, aber die Geschichte mit der privaten Rentenversicherung habt Ihr längst eingetütet. Alles Verarsche — oder was?
Ach so: bei PPP geht noch was? OK – sagt mir, was ich sagen soll.
Wunderbar montiert, auch wenn ich mit dem Inhalt so nicht einverstanden bin…
Grüße aus Münster
Müntefering war nicht nur Reformer, sondern stand auch für Gewerkschaftsinteressen und gegen Sozialabbau:
- Festhalten am Kündigungsschutz
- branchenbezogene Mindestlöhne
- Große Koalition verabschiedet am Beginn ihrer Amtszeit ein Konjunkturprogramm (25 Milliarden), nicht gerade neoliberale Wirtschaftspolitik
Alles Punkte, die eng mit seiner Person verbunden waren.
Er hat einen guten Grund für seinen Rücktritt. Eigentlich kann man hier nichts kritisieren
Auch wenn ich politisch nicht immer einer Meinung mit Herrn Münterfering war, so hat es mir doch immter wieder Freude bereitet seine energischen und ambitionierten Reden anzuhören.
Er war wohl einer der wenigen Vollblutpolitiker, die im Bundestag sitzen.
Mein Blog: http://www.liberphiler.wordpress.com
@ 20 people in motion am 16. November 2007 um 20:42 – Permalink
Hm – es scheint immer noch SPD-Kader zu geben, die einfach nicht einsehen, dass der SPD-Wahlkampf obsolet wurde, als die SPD zur CDU wurde.
Erstaunlich.
Das Zitat: “Es ist unfair, einen Politiker an seinen Wahlversprechen zu messen.” ist schlicht falsch wiedergegeben.
Der originale Wortlaut aus der FAZ: “Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair.”
Der Bezug auf die Koalition in dem Zitat ist wesentlich – wenn keine Koalitionspartei bezüglich ihrer Wahlversprechen Kompromisse eingehen würde, würde das System der Koalition nicht funktionieren.
Ein derart verzerrtes Zitat wiederzugeben ist populistisch.
Wer nichts arbeitet, braucht auch nichts zu essen.
Wen stört es da, wenn in Asozial-Teuschland dann ein Mitmensch verhungert (Speyer)?
Wen stört es da, wenn in Neoliberal-Teuschland Kinderarmut stetig zunimmt?
Wen stört es da, wenn HartzIV-Jugendliche sich in Überfluss-Teuschland nicht satt essen können?
Wen stört es da, wenn solche Leute öffentlich von Gerechtigkeit schwadronieren und hinterrücks schamlos das Gegenteil tun?
http://www.souebbes.de/muDrexler2006.pdf
Armselig reiches Teuschland, wo Lug und Trug herrscht.
“Ein derart verzerrtes Zitat wiederzugeben ist populistisch”
ich nehme niemand mehr ernst, der diesen Kampfbegriff verwendet
„Populismus“ als Kampfbegriff ist die gegenseitige Verpflichtung der Gebildeten auf diese gemeinsame Distanz zum „Volk“, ist die gegenseitige Verpflichtung innerhalb der politischen Klasse, in der Werbung um Anhängerschaft und Wahlstimmen die Grenzen der vorrangigen Solidarität innerhalb der Klasse nicht zu überschreiten.
http://www.links-netz.de/K_texte/K_steinert_popshow.html
das “Swinton-Zitat” ist übrigens ein Hoax, zumal der Mann nie gelebt hat
kann man übrigens auch and der für die NYT eher ungewöhnliche Wortwahl “Rasse” erkennen,
u daran dass der Mansch angeblich bei der “liberaleren” der 2 grossen Zeitungen gearbeitet haben soll –
noch mehr OT, aber interessanter : Aust verlässt den Spiegel, u Spiegel wechselt den Besitzer
@salvo: So, wie du den Begriff Populismus bestimmst, wird er aber im allgemeinen nicht benutzt. Man könnte es als populistisch bezeichnen, eine “gegenseitige Verpflichtung der Gebildeten auf diese gemeinsame Distanz zum „Volk“” zu behaupten.
Es ist übrigens nicht nur das Weglassen des Bezuges auf die Koalition, die den Inhalt dessen, was Müntefering da gesagt hat, verzerrt, sondern auch schon der Begriff “Wahlversprechen” – ein Begriff nicht der Politiker, sondern der Journalisten. In Deutschland machen nur die Politiker “Wahlversprechen” die sowieso keine Chance haben, in die Regierung zu kommen. Alle anderen sprechen über “Ziele” und “Schwerpunkte” weil sie wissen, dass sie immer in Koalitionen Kompromisse machen müssen.
@allegro
Das Zitat ist kein Hoax, obgleich es oft falsch bzw. im falschen Kontext angeführt wird. Es ist allerdings idT fraglich, ob das Zitat 1880 gefallen ist.
The managing editor of the New York Times during the Civil War, John Swinton later became a crusading journalist in the movement for social and labor reform. Scottish_born, he learned typesetting in Canada before moving to the United States. During the trouble in Kansas he was active in the freesoil movement and headed the Lawrence Republican. Moving back to New York he wrote an occasional article for the Times and was hired on a regular basis in 1860 as head of the editorial staff. Afterward holding this position throughout the Civil War, he left the paper in 1870 and became active in the labor struggles of the day. He later served eight years in the same position on the New York Sun and published a weekly labor sheet, John Swinton’s Paper.
Quelle
“Man könnte es als populistisch bezeichnen, eine “gegenseitige Verpflichtung der Gebildeten auf diese gemeinsame Distanz zum „Volk“” zu behaupten”
du bezeichnest eine Definition des Kampfbegriffs ‘Populismus’ als populistisch?
möglicherweise wolltest du aber nur die inhaltliche Richtigkeit der Begriffsbestimmung mit einem beispiel veranschaulichen
@Salvo: Das, wovon ich sage, dass man es (entsprechend des allgemeinen Sprachgebrauchs) als populistisch bezeichnen könnte, ist die Behauptung, dass es eine “gegenseitige Verpflichtung der Gebildeten auf diese gemeinsame Distanz zum „Volk“” gibt. Selbst wenn es aber so eine “gegenseitige Verpflichtung” gäbe bliebe völlig unklar, wie das eine Begriffsbestimmung von “Populismus” sein könnte.
Die “Gebildeten” sind übrigens auch Teil des Volkes, schon deshalb dürfte es ihnen schwerfallen, sich auf eine Distanz zum Volk zu verpflichten. Und es gibt sicherlich viele Gebildete, die Mittel des Populismus einsetzen, um Macht und Einfluss zu gewinnen, und die sich damit eher von den anderen “Gebildeten” zu distanzieren versuchen, wenigstens in den Augen der übrigen. Wie man es dreht und wendet – diese Begriffsbestimmung ist nicht praxistauglich.
@ SF 29 – ok, womöglich gab es wirklich einen Mensch diesen Namens der auch mal für die NYT geschrieben hat, die (Sekundär-, bzw Tertiär-) Quelle die die verlinkst überzeugt mich allerdings nicht 100% …. – will aber auf dem Thema nicht weiter rumreiten, (zumal es mit dem Thema nicht so viel zu tun hat, u an der Aussage des Zitats eh nichts ändert )
Lange, lange habe ich suchen müssen nach der erneuten Verwendung der guten alten Karrikatur des Lotsen.
Alle, alle haben sie sich verkniffen.
Nun wurde ich doch fündig!
Danke dafür!
Ansonsten: tolle Site, schön viel Werbung. Werde nicht wiederkommen.
Versprochen!