Wildwestzustände beim Versandhaus Quelle
19. November 2007 von Spiegelfechter - Drucken
„Es herrschen Wildwestzustände in Deutschland, und sie zahlen dort Hungerlöhne“ – diese Worte stammen vom dänischen Gewerkschafter Jens Peter Bostrup. Bereits seit längerer Zeit wird in Dänemark eine Debatte darüber geführt, inwieweit die deutsche Politik, die aus dem Standort Deutschland ein „brutales Billiglohn-Paradies” (Bostrup) macht, eine Bedrohung für das dänische Modell ist. Anders als in Deutschland gibt es hier eine geringe Einkommensspreizung und verhältnismäßig hohe Sozialleistungen.
Wie recht Bostrup doch hat, zeigt ein Beispiel von fataler Unternehmenspolitik aus dem Wilden Westen der deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik - ein Beispiel von vielen. In den 80er Jahren errichtete das Versandhaus Quelle im dänischen Padborg - nur wenige Kilometer nördlich von Flensburg - ein Call-Center, um den deutschen Kunden auch am Sonntag Waren verkaufen zu können. In Deutschland war so etwas damals noch verboten. Die rund 500 Mitarbeiter in diesem Call-Center kommen zum überwiegenden Teil aus Deutschland und zählen aufgrund ihrer Qualifikation und langen Berufserfahrung zu den Angestellten des Konzerns, die besonders kundensensitive Aufgaben, wie Reklamationsannahme oder das Mahnwesen, wahrnehmen.
Damit ist ab dem 30.4.2008 allerdings Schluss - die Angestellten des Padborger Call-Centers sind dem Primondo-Konzern, zu dem Quelle gehört, zu teuer. Sie bekommen dort einen Stundenlohn von rund 9 Euro – das liegt zwar weit unter den Löhnen anderer dänischer Call-Center, die rund 14 Euro pro Stunde bezahlen, ist aber für deutsche Verhältnisse anscheinend zu hoch. Im Niedriglohn-Paradies Deutschland schafft es Quelle, seine Mitarbeiter für 6,50 Euro pro Stunde zu bezahlen. Die Call-Center wurden dafür in eine Tochtergesellschaft ausgelagert. Die Mitarbeiter aus „alten“ Call-Centern werden von Quelle entlassen und ihnen wird es freigestellt, sich an neuen „Modellstandorten“ zu bewerben. Dort wird freilich anstatt einer 38-Stunden Woche eine 42-Stunden Woche gefahren und die Bruttolöhne betragen 1.100 bis 1.450 Euro pro Monat.
Diese Löhne sind nach der europäischen Sozialcharta sittenwidrig, da sie unter dem Existenzminimum von 68% des Durchschnitteinkommens liegen. Aber was kümmert dies den Quelle-Konzern, der Steuerzahler greift den Niedriglöhnern ja im Bedarfsfall unter die Arme. So produziert Quelle fröhlich Hartz-IV Kosten, die der Steuerzahler erbringen muss und lässt sich dies von der Politik mit Subventionen vergolden – denn, die neuen „Modellstandorte“ sind natürlich in Deutschlands Osten. Die Quelle-Mitarbeiter in Berlin und Leipzig, „dürfen“ in der neuen schönen Quelle-Welt sogar vor Ort bleiben und müssen sich nur neu bewerben, um einen der neuen alten Jobs zu ergattern, die zwar rund 25% schlechter bezahlt sind, dafür aber dank der längeren Arbeitszeiten helfen, zu Hause die Heizkosten zu reduzieren, die bei den neuen Stundenlöhnen und der Raffgier der Versorger wohl bald sowieso nicht mehr bezahlt werden können. Die Mitarbeiter in den ausgegliederten Servicegesellschaften in Nürnberg/Fürth, dem Stammsitz des Quelle-Versands, dürfen derweil beweisen, wie flexibel sie sind – 2/3 von ihnen dürfen sich für einen der begehrten Arbeitsplätze an den neuen „Modellstandorten“ bewerben, bei einer 42-Stunden Woche bei voller Lohnhalbierung.
„Ich mache Ihnen ein Angebot, dass Sie nicht ablehnen können“, sagte Marlon Brando in „Der Pate“ – für Hunderte Arbeitslose in Deutschlands Osten wird es ähnlich klingen, wenn der „Fallmanager“ der Arbeitsagentur ihnen den schlecht bezahlten Job bei Quelle anbietet, den sie nicht ablehnen dürfen. Ob diese Mitarbeiter auch nur annährend so qualifiziert sein können, wie die entlassenen Telefondamen in Padborg, mag bezweifelt werden. Aber was interessiert ein Versandhaus in den schönen neuen globalisierten Zeiten auch die Kundschaft? Lange Warteschleifen und inkompetentes Call-Center Personal werden dann akzeptiert, wenn sie zur Regel geworden sind. Diese Praxis ist bei Internetprovidern und Telefongesellschaften im Privatkundengeschäft schon eingezogen. Die Leidensfähigkeit des Kunden scheint unendlich zu sein, ansonsten würden Konzerne wie Quelle noch nicht mal über eine solche Unternehmenspolitik nachdenken. Der Satz “Wir wollen die zufriedensten Kunden Europas”, der auf den Internetseiten des Quelle-Versands zu finden ist, klingt anlässlich der Firmenpolitik wie Hohn.
Die Argumente des Managements sind stets die gleiche alte Leier – Kostendruck, Konkurrenzdruck, Globalisierung. Freileich verschweigen die Verantwortlichen, dass sie zum Standort Deutschland kaum eine Alternative haben. Call-Center Mitarbeiter, die akzentfrei deutsch sprechen, sind rar und auch nicht wesentlich billiger, als deutsche Mitarbeiter. Aber warum auch ins Ausland gehen, wenn man in Deutschland Dumping-Löhne zahlen kann und damit durchkommt? Da die Politik weder willens noch fähig ist, an diesen Zuständen etwas zu ändern, liegt die vage Hoffnung, auf der Macht des Verbrauchers. Nur wenn ein signifikanter Anteil der Kunden solche Praktiken nicht mehr unterstützt und Unternehmen wie Quelle boykottiert, wird sich etwas ändern. Reden wir mit ihnen endlich in der einzigen Sprache, die sie verstehen.
Jens Berger
Posted in Deutschland, Neoliberalismus, Wirtschaft |





























































“Da die Politik weder willens noch fähig ist, an diesen Zuständen etwas zu ändern, liegt die vage Hoffnung, auf der Macht des Verbrauchers. Nur wenn ein signifikanter Anteil der Kunden solche Praktiken nicht mehr unterstützt und Unternehmen wie Quelle boykottiert, wird sich etwas ändern. Reden wir mit ihnen endlich in der einzigen Sprache, die sie verstehen.”
Da kann ich dir nur zustimmen, auch wenn ich nicht glaube, dass die Verbraucher aus moralischen Gründen wegbleiben, sondern wegen des automatisch schlechter werdenden Service. Um so weniger das Unternehmen bezahlt, um so schwerer wird es, halbwegs qualifizierte und geeignete Leute zu bekommen, die Nachfrage nach guten Callcenter-Mitarbeiter ist nämlich nicht klein. Und dass die Leute bei dem Gehalt dann auch nicht wirklich motiviert sind, schlecht gelaunte Kunden nachsichtig und freundlich zu behandeln, kann ihnen keiner verdenken.
Der Kunde will billigen Service. Den interessiert nicht was der arme Kerl am anderen Ende der Leitung bekommt. Traurig aber wahr…
@Kil und Jörg
Ich schätze, die Sache wird etwas komplexer, wenn ein Konkurrent alternativ handelt und dies auch in seine Marketingstrategie einbaut.
@Kil
Wenn es denn mal so wäre ;-)
Bei einem Katastrophenservice á la Freenet bezahlt am Ende der Kunde die Zeche. Alleine die lange Zeit in der Warteschleife und beim computergesteuerten Servicemenue kostet den Kunden bei einer kostenpflichtigen 01805-Nummer ein kleines Vermögen. Ich wäre definitiv bereit, für guten Service auch mehr zu bezahlen, die Strategie der Unternehmen führt allerdings oft dazu, für einen schlechteren Service mehr zu verlangen.
Ich kaufe am liebsten bei Aldi ein; wenn man sich noch vor Augen hält, dass die einer ungelernten Kraft mindestens 12 Euro die Stunde zahlen, dann wundert man sich nicht mehr: ein gut gelaunter, flinker motivierter Mitarbeiter ist halt doch was wert.
Wozu sollte man sich für so wenig Geld wie bei Quelle (und anderen) auf gut deutsch den Arsch aufreisen?
Teuschland - wo viele Menschen arm und wenige reich werden.
Der Begriff des Sozialschmarotzers müsste mal neu definiert werden, genau wie das widerwärtige Gehabe um die angebliche Teilhabe!
Teuschland - wo Ausbeutung Rendite bringt.
Ja, der Kunde will den billigen Service, weil er unter den gegebenen Umständen auf sein Geld schauen m u s s ! Und das Unternehmen will am Service selbstverständlich nochmals v e r d i e n e n.
Die Unwilligkeit der Politik besteht darin, angemessene Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu setzen. Mit Unfähigkeit hat das nichts zu tun, es rührt von einem menschenverachtenden Wirtschaftsverständnis her (neoliberaler Terror).
@7schläfer,
Ich fürchte nur, dass sich nach dem Tode der beiden schon recht alten Albrecht-Brüder die Firmenphilosophie ändert durch eine Generation eiskalter neoliberaler Erben. Bis zu diesem GAU bleibt Aldi aber auch unser Familienkaufhaus, da wir mit Service und Qualität sehr zufrieden sind.
Vielen Dank für den Artikel! Ich fürchte aber, daß ein Boykott und ein eventuelles (achtung: Metapher) Versiegen von Quelle dazu führt, daß irgendjemand auf die Idee kommt, daß ein solches Traditionsunternehmen gerettet werden muß, und Unsummen von Steuergeldern reinpumpt.
Ich hab mich immer gefragt, wie der Jens das alles mit einem nine-to-five-Job hinbekommt. Hat der überhaupt noch Zeit zum schlafen?
Wenn dann aber sechs Tage kein Beitrag kommt, dann werde ich schon etwas nervös. (Dachte schon mein Feedreader sei kaputt;-) . Das soll jetzt aber bitte nicht als Kritik verstanden werden. Im Gegenteil das ist jetzt einfach mal der Aufhänger, um mich bei Jens zu bedanken. Danke!
Damit ich hier nicht ganz OT gehe, nochmal zurück zum Thema: Ich hatte einen Bekannten, der ist in den 80ern mit seiner Familie nach Dänemark ausgewandert. Ich kenne zwar den genauen Hintergrund nicht, aber nach rund 10 Jahren sind sie zurück gekommen, weil´s finanziell nicht mehr ging. Also so doll scheint das dort auch nicht zu sein.
Ich weiß zwischenzeitlich wirklich nicht mehr, wo wir hier in Deutschland stehen. Meine Welt scheint hier irgendwie zweigeteilt. Wenn ich so die Blogs lese, dann wird mir Angst und Bange. Mit Deutschland scheint es ganz schön bergab zu gehen. Im real life jedoch erhalte ich einen ganz anderen Eindruck. Die Kaufhäuser sind voll. Jetzt wo es Richtung Weihnachten geht, bekommst du in den Shopping-Centern an den Wochenenden schon keinen Parkplatz mehr. Meine Bekannten schauen auch schon ganz schief, wenn ich alles so schwarz und negativ sehe.
Vielleicht lese ich einfach zuweit links? Kann mir vielleicht mal bitte jemand sagen, wo wir stehen ?
@8 / anon
mit Verlaub, aber das Schicksal *einer* Familie zur Beurteilung der wirtschaftlichen Situation Dänemarks heranzuziehen ist vielleicht doch ein wenig gewagt!
@anon
Das frage ich mich idT auch ;-)
Grundsätzlich strebe ich an, drei Artikel pro Woche zu verfassen. Manchmal klappt das allerdings nicht, da das Leben noch viele andere schöne Seiten hat ;-)
Danke für Deinen Dank ;-)
Da möchte ich doch mal den alten Brecht zitieren:
Denn die einen sind im Dunkeln
und die andern sind im Licht
und man siehet die im Lichte
die im Dunkeln sieht man nicht.
Natürlich gibt es mehr als genug Menschen, die genug Geld haben, zu konsumieren – es wäre ja auch eine Katastrophe, wenn dem nicht so wäre. Nur sind die Tendenzen leider eindeutig rückläufig. Bei einem Großteil der Bevölkerung steigt das Realeinkommen langsamer als die Inflation, bei einigen sinkt es erheblich (wie bei den Quelle-Telefonisten über die ich schrieb), bei andern steigt es erheblich. Generell betrachtet, hätte allerdings alle, die nicht an der Rendite solcher Unternehmen direkt beteiligt sind, einen Vorteil davon, wenn diese Entwicklung sozial gerechter wäre. Wir sind(!) ein reiches Land, nur teilt sich dieser Reichtum leider auf immer weniger Köpfe auf und der Anteil derer, die von Zugewinnen der Volkswirtschaft profitieren ist viel zu klein, der Anteil derer, die überproportionale Nachteile haben, ist indes viel zu groß. Das festzustellen, ist nicht „links“ – sondern entspricht Ludwig Erhards Idee der sozialen Markwirtschaft.
@anon: In der Tat ist die aktuelle Blogosphäre in Deutschland für das politische Spektrum sicher nicht repräsentativ. Das wäre einmal einen gesonderten Artikel wert. Aber es gibt auch nicht-linke Blogs. Das Problem ist sicher auch die Art der Vernetzung der Blogs, die meisten Blogger verlinken ja Blogs mit ähnlichen Ansichten und Themen (natürlich gibt es rühmliche Ausnahmen…) Aber grundsätzlich hängt das vermutlich auch damit zusammen, dass Leute, die mit dem System Alles in Allem ganz zufrieden sind und ihre Meinungen und Kritiken in den etablierten Medien finden, wenig Grund zum politischen Bloggen haben.
Guten Tag zusammen!
@ #5 otti
>> Teuschland - wo Ausbeutung Rendite bringt.
Nenne mir mal ein Land, wo sich das nicht grundsätzliche genauso verhält.
>> Ja, der Kunde will den billigen Service, weil er unter den
>> gegebenen Umständen auf sein Geld schauen m u s s !
Da gibt es sicher einge auf die dies zutrifft. ABER auch wohlhabende Menschen verhalten sich imho fast alle wie ein “Homo Oeconomicus”, d.h. sie kaufen immer beim (vorgeblich) billigsten Anbieter. Rahmenbedingungen, die einen selbst nicht direkt betreffen (wie hier die Dumpinglöhne im Call-Center), spielen dabei idR. keine Rolle.
>> Und das Unternehmen will am Service
>> selbstverständlich nochmals v e r d i e n e n.
Eine gewagte Behauptung. Sicherlich ist es aber so, dass (zumindest beim Beispiel Telekommunikation) der Service nicht mehr durch den Produktpreis quersubventioniert wird. Bei dem derzeitigen Preisverfall in einigen Telko-Bereichen kann das imho auch anderes gar nicht gehen.
>> Die Unwilligkeit der Politik besteht darin, angemessene
>> Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu setzen.
Da stimme ich prinzipiell zu. Da könnte mehr passieren, z.B. in sachen Mindestlohn.
>> Mit Unfähigkeit hat das nichts zu tun, es rührt von einem
>> menschenverachtenden Wirtschaftsverständnis her
>> (neoliberaler Terror).
Da stimme ich nicht zu.
Jens-Flens
PS: Dies ist mein erster Post hier, und ich möchte nicht versäumen, meinen Namensvetter zu diesem erstklassigen Blog zu gratulieren! In diesem Sinne: Weiter so!
@7schläfer
die aldi- mitarbeiter sind übrigens deshalb so flink, weil die scann-zeit vom ersten artikel bis zum öffnen der kasse gestoppt wird, am ende des tages aufsummiert wird und dann mit den anderen mitarbeitern verglichen wird…
und:
“Wehe, die Arbeitnehmer wollen sich organisieren. Im vergangenen Jahr versuchten Mitarbeiter einiger Münchner Filialen von Aldi Süd erstmals in der Firmengeschichte, einen Betriebsrat zu gründen. Der Plan scheiterte in letzter Minute. Zwar erschienen 50 von 54 Mitarbeitern wie geplant zur Betriebsversammlung, »aber vorher mussten alle zum Einzelgespräch beim Chef antanzen«, berichtet eine Betroffene. Plötzlich stimmten nur noch drei für die Ernennung eines Wahlvorstandes. Aldi Süd möchte sich zu einzelnen Vorwürfen nicht äußern. Die rund 1500 Filialen von Aldi Süd bleiben eine betriebsratsfreie Zone.”
Quelle: zeit.de/20...
@Jens-Flens:
ABER auch wohlhabende Menschen verhalten sich imho fast alle wie ein “Homo Oeconomicus” - Das ist ein veraltetes ökonomisches Modell, schau bitte z.B. hier:
e-collecti...
@Jens-Flens
Das wiederum sehe ich ganz anders. Neben dem rein ökonomischen Kalkül, dass die Theorie des „Homo Oeconomicus“ betrachtet, unterstellt sie auch, dass dieser rational handelt und seinen eigenen Nutzen maximiert, wobei dieser nicht nur ökonomischer Natur sein muß. Nehmen wir mal den „Image-Effekt“. Wenn ich zwei Güter habe, von denen ich mir bei einem einen Zusatznutzen verspreche, so kann dieses auch teurer sein, wenn ich den Nutzen höher bewerte, als den Preisunterschied. „Image“ kann so ein Nutzen sein – egal ob, es hier um Markenartikel oder auch biologische Nahrungsmittel oder Kleidung aus dem Dritte Welt Laden geht. Wenn ich einen Nutzen erwarte, zahle ich auch mehr. Das kann einerseits daher rühren, dass ich über einen solchen Artikel ein Image transportieren will („seht her, der Mann denkt „altruistisch“, den finde ich toll“) oder mich selbst mit einem guten Gewissen belohne. Hier geht es um „Hedonistisches Kalkül“, dass keineswegs rational sein muß.
Andererseits gibt es noch den Pareto-Altruismus als Handlungsgrundlage. Wenn zwei Güter die gleichen Kosten und den (ansonsten) gleichen Nutzen haben, entscheidet man sich für das Gut, dass ein Wirtschaftssubjekt besser stellt, ohne ein anderes Subjekt schlechter zu stellen. Bieten also Anbieter ein Produkt zu ähnlichen Konditionen an, wählen (bei transparenten Informationen) viele Kunden das Produkt des ethisch sozialer agierenden Anbieters.
Gruß
Der Namensvetter
Was wäre eigentlich, mal ein Gedankenspiel, wenn sich die Mitarbeiter nicht auf die neuen Stellen bewerben und auch sonst keine Bewerbungen, also wenn solche Firmen allgemein keine Mitarbeiter bekommen würden???
Das wäre da mal eine interessante Betrachtung …
Wenn die Mitarbeiter solcher Firmen wegbleiben, fallen auch die Kunden weg (mangels Geld), das heißt, das diese Firmen dann gerne dahingehen sollen, wo sie hinwollen. Ins Ausland. Die Regierung hätte auf einmal das Problem, dass unheimlich wenige arbeiten und keine Steuern für das unsägliche Schmarotzertum der Politiker zahlen, und die Regierung müsste zunächst die Zahlung für ALG2 zahlen… bis endlich vernünftige Lösungen kommen.
Aber wahrscheinlich ist diese Lösung zu naiv, für Euch Intellektuellen.
@Spamschutz
fünfzehn
@ danielj
Klar ist das gewagt. Aber für mich persönlich sind das 100% aller mir persönlich bekannten Dänemark-Auswanderer. Ich wollte damit nur darauf hinweisen, dass in Skandinavien auch nicht nur Milch und Honig fließt.
@SF
Wie nicht anders zu erwarten, sehr anschaulich rübergebracht. Aber das alles macht mir Angst.
Was kann ich (wir) tun? Insbesondere in Anbetracht, dass ich mich noch auf der helleren Seite des Brecht-Zitates befinde. Noch!
Wie weit ist es schon?
Wie lange geht das noch gut?
Wird es alles so bleiben, weil es uns ja “durchschnittlich” gut geht.
Vielleicht ist ja jemand hier, der eine Prognose wagt, wie die Zukunft aussieht.
@Jörg
“Aber grundsätzlich hängt das vermutlich auch damit zusammen, dass Leute, die mit dem System Alles in Allem ganz zufrieden sind und ihre Meinungen und Kritiken in den etablierten Medien finden, wenig Grund zum politischen Bloggen haben.”
Das wäre doch mal was: Ein “Alles-ist-Gut-Blog”.
@Martin
Nicht zu naiv Martin. Solange es jedoch in unserem Lande Menschen gibt, die sagen “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht Essen”, wird das nicht funktionieren.
@martin:
Das Problem ist das die Arbeitsagentur die Arbeitsverweigerer ganz schnell dazu zwingt diese Jobs anzunehmen. Job Abgeleht –> keine ALG2 Zahlung mehr.
ein naiver.
a) den Mund aufmachen
b) über Kaufentscheidungen bzw. privaten Boykott Unternehmen meiden, die gegen die Regeln des Anstandes verstoßen
c) hoffen, dass möglichst viele Andere auch von a) und b) Gebrauch machen
Dass über die Politik noch Einfluss ausgeübt werden kann, glaube ich nicht.
Das ist schwer und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es wird sich etwas ändern, so viel ist klar, ob dies zum Guten oder zum Schlechten passieren wird, ist offen und sicher auch nicht so einfach voneinander zu trennen. Wichtig ist, dass man etwas gegen das Weggucken und den Egozentrismus tut. „Noch“ sind es die Anderen, aber es kann sehr schnell gehen und man gehört selbst zu denen, die nicht mehr im Lichte stehen.
@David
danke für die Infos, das wußte ich nicht.
Es scheint wohl eine allgemeine Unternehmungshaltung im Einzelhandel zu sein: Lidl, Penny oder früher Wal-Mart haben sich mitarbeitertechnisch auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert; immerhin zahlt Aldi (noch) recht anständig….. fast das doppelte; da arbeitet man dann doch lieber als wenn man zusätzlich zu diesen schlechten Rahmenbedingungen nur 6-7 € die Stunde bekommt.
Tja, da werden tatsächlich wieder Liedertexte aktuell, die wir vor über 20 Jahren am Lagerfeuer gesungen haben.
..Alle, die nicht schweigen, auch nicht wenn sich Knüppel zeigen, sollen aufstehn
Alle, die zu ihrer Freiheit auch die Freiheit ihres Nachbarn brauchen, sollen aufstehn
Alle für die Nehmen schön wie Geben ist, und Geld verdienen nicht das ganze Leben ist
die von ihrer Schwäche sprechen und sich kein’ dabei abbrechen, soll’n aufstehn…
lyricsarch...
Schöner Artikel und ich muss schon sagen es ist sehr bezeichnend wenn jetzt sogar ein Unternehmen(Easyjet), welches damit wirbt “billig” zu sein, sein Service und Call Center nach Deutschland verlegt.
welt.de/wi...
Scheint mir irgendwie die Aussage des dänischen Gewerkschaftlers aus dem ersten Satz zu bestätigen.
@16 Namensvetter:
Ja, den „Image-Effekt“ gibt es natürlich bei vielen (Marken-/Status-)Produkte. Ich hatte bei meiner Überlegung aber Produkte im Sinn, bei denen dies nicht oder nur im geringen Maße zutrifft (z.B. Telefon-/DSL-Anschlüsse oder eben die Entscheidung, bei Quelle oder oder Otto einzukaufen).
Was den Pareto-Altruismus als Kriterium angeht, stimme ich Dir natürlich zu und versuche auch mein Konsumverhalten daran zu messen. Jedoch muss ich leider in meinem Bekanntenkreis stets aufs neue feststellen, dass solche Überlegungen den meisten Menschen fremd zu sein scheinen.
Konsumentscheidungen zugunsten sozialer und ethisch handelnder Anbieter setzt aber auch ein hohes Maß an Informiertheit und vor allem Interesse voraus. Es wäre in der Tat schön, wenn ein solches Verhalten häufiger stattfinden würde. Ich bleibe da aber skeptisch.
Tja, Dumpinglohnland Deutschland. Wer hätte das noch in den 90ern gedacht? Da war deutsche Arbeit noch ein Luxusgut, die sich kaum ein Unternehmer leisten konnte, hüstel… Mittlerweile haben ja ost-deutsche Spargelbauern Probleme Erntehelfer zu finden, da die Saisonarbeiter aus Osteuropa gleich nach England oder den Niederlanden durchreisen, aufgrund besserer Verdienstaussichten. Ich überlege ja schon meinem Briefträger Trinkgeld zu geben, für 3,86 Euro netto hätten wir ja als Studenten die Finger nicht krumm gemacht, ganz ehrlich.
@all
Der oberste Wirtschaftsweise *hüstel* Bert Rürup fordert übrigens in der ZEIT einen flächendeckenden Mindestlohn von … 4,50 €. Diesen nennt er doch tatsächlich modert und sozial verträglich. Schon lustig, der Bert.
Und die Schweizer bekommen auch schon das Muffensausen vor den deutschen Wirtschaftsflüchtlingen.
blick.ch/s...
@27
Vorsicht Satire!
Die haben doch nur Angst, daß wir das Nazi-Gold finden.
@anon
Danke für den Link … ich sehe es schon kommen, das bald die Tschechen und die Polen Angst vor den deutschen Billiglöhnern haben *kopfschüttel*
Moin an alle,
ich bin gerade auf dieses nette blog gestossen worden, und vom Thema (leider) selbst betroffen.
@otti “Die Unwilligkeit der Politik besteht darin, angemessene Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu setzen.”
Die Rahmenbedingungen für Quelle sind geradezu ideal. Man spart an den teuren Gehältern der “Urbelegschafft” und zahlt das erste halbe Jahr noch nicht einmal etwas für seine neuen Mitarbeiter. Die werden nämlich, wenn möglich, direkt aus der Arbeitslosigkeit genommen. Um Langzeitarbeitslose besser vermarkten zu können werden diese über diverse Fortbildungsgesellschafften “vertrieben”. D.h. der neue Mitarbeiter erhält von der Arge einen sogenannten Bildungsbutschein für bis zu 6 Monate, den bringt er mit zu Quelle und wird eingestellt. Er ist die Zeit, die der Bildungsgutschein gilt allerdings nicht über Quelle, sondern über einen Bildungsträger angestellt. Im Falle des Grossversandhauses ist es die Seminar Zentrum Göttingen. In dieser Zeit erhält der Mitarbeiter weiter seine Bezüge der Arge, und erst nach Ablauf der sechs Monate seinen Lohn von Quelle. Quelle garantiert in dieser zeit mindestens 14 Wochen Schulung, in denen natürlich auch viel telefoniert wird - nennt sich dann Training on the job oder Amtsdeutsch “Anwendungs orientierte Kommunikation”. Wenn man einmal über die Einsparungen bei der bisherigen Belegschaft, die Subventionen für “neue” Arbeitsplätze, Räumlichkeiten und Infrastruktur hinwegschaut, dürfte Quelle an seinen beiden neuen schon in Betrieb genommenen Modellstandorten Berlin und Magdeburg, bei niedrig angesetzter Zahl von 1.000 auf diese Art eingestellter Mitarbeiter, 2007 mindestens 12 Mio Euro an Personalkosten eingesparrt haben.
Zusätzlich lässt man sich übrigens vom Seminarzentrum Kosten für Trainingspersonal und Räumlichkeiten erstatten, also Kosten die bei neuen Mitarbeiters auf jeden Fall angefallen wären. Dazu hat Quelle dann quasi auch noch “Vorkaufsrecht”, auf die Mitarbeiter nach Ablauf der Zeit - das längste Accessmentcenter, dass es je gab.
Die Politik billigt dies ausdrücklich, sie hat die Regeln so aufgestellt (na wenigstens sind diese Menschen aus der Arbeitslosenstatistik raus). Ein Schlaraffenland für Firmen, die den Kniff raushaben.
Der einzelne bleibt dabei leider auf der Strecke, aber wer kann sich denn um den einzelnen kümmern, wenn es 80 Mio in unserem land gibt?
Mal ehrlich: wer würde nicht einen Vorteil in Anspruch nehmen, wenn er kann? Den Firmen einen Vorwurf zu machen, halte ich daher für ziemlich scheinheilig, weil man selbst genauso seinen Vorteil suchen würde. Die eigentliche Ursache hat Yafta Üsir angesprochen. Mit Verabschiedung der heutigen Gesetze haben viele Leute vor ein paar Jahren genau vorgerechnet, dass dadurch nur so-und-so-viele Leute aus der Arbeitslosenstatistik herausgelogen werden, ohne dass wirklich was passiert. Heute treffen genau diese Vorhersagen zu, und auf einmal will sich keiner mehr erinnern können und lässt die Politfuzzis ihre Lügenpropaganda auch noch als Erfolg feiern.
IM MITTELPUNKT UNSERES HANDELNS STEHT DER MENSCH.
Das sind die Worte des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz.
Wenn er wüsste, was seine gierige Tochter Madeleine, die immer noch die Aktienmehrheit hält, mit seinem Lebenswerk machen lässt, …
Soziale Verantwortung kennt das obere Management in Deutschland heute wohl nicht mehr.
QUALITÄT SPIELT SCHON LANGE KEINE ROLLE MEHR.
WER FÜR 399 EURO EINE WASCHMASCHINE KAUFT, HAT KEINEN ANSPRUCH AUF SERVICE.
Das sind die Worte des Vorsitzenden der Geschäftsführung von Quelle.Contact, Christian Holtmann. Diese Sätze sollten zukünftig auf jedem Quelle-Katalog stehen. Damit wären die Kunden vor bösen Überraschungen geschützt.
@gilbert
Natürlich ist niemand ein Vorwurf zu machen, der nach dem Vorteil für sich sucht. Wenn er das aber auf Kosten anderer macht, ist das schlicht und ergreifend asozial. Und ob es langfristig überhaupt ein Vorteil ist, einen Sozialstaat zu vernichten, wage ich zu bezweifeln.
Dass es auch anders geht zeigt z.B. Götz Werner (Gründer von DM Drogerie Markt)
iep.uni-ka...
@SF
Wäre das nicht auch mal einen Bericht wert. Das würde evtl. unser Weltbild korrigieren, dass nicht alle Manager Halsabschneider sind und durchaus Hoffnung besteht.
@31 gilbert
Du hast einerseits recht, andererseits aber auch unrecht.
Einem Unternehmen Vorwürfe zu machen, wenn es gesetzliche “Grauzonen” (die wahrscheinlich aus der Feder der Arbeitgeberverbände stammen) mag rein formal nicht korrekt sein, moralisch und ethisch gelten indes andere Maßstäbe. Der Unternehmer, der seine Mitarbeiter nur als Kostenfaktor und als Humankapital sieht, geht außerdem nicht nur ethisch moralisch fragwürdig vor, sondern in vielen Fällen auch betriebswirtschaftlich. Die Qualität des Services ist mit solchen Maßnahmen beispielsweise ganz sicher nicht zu steigern und es ist letztendlich eine Kosten-/Nutzenrechnung, ob die kurz- bis mittelfristig gesparten Kosten die mittel- bis langfristigen Imageschäden und Umsatzrückgänge überwiegen. Ein traditionell geführtes Familienunternehmen käme wahrscheinlich gar nicht auf die Idee, sich selbst den Ast abzusägen, auf dem man sitzt. Für ein “modern” geführtes Unternehmen am Kapitalmarkt, ist dies leider eher die Regel als die Ausnahme. Kurzfristige Bilanzvorteile und Bullshit-Rhetorik werden dort höher bewertet als langfristige Perspektiven. Warum sollte Otto Normalverbraucher eigentlich bei einem traditionellen Versandhaus bestellen, wenn er die Ware bei einem x-beliebigen Internetshop - bei dem man gar keinen Service erwartet - billiger bekommt? Und damit tue ich den Internetshops wahrscheinlich sogar unrecht - bis dato habe ich mit dem Service dieser Shops sehr gute Erfahrungen gemacht. Will Quelle also wirklich zum Billigheimer werden?
Grundsätzlich schwer zu bewerten, ist die ethisch-moralische Funktion eines Unternehmens. Man kann dies einfordern, bewegt sich aber auf dünnem Eis, was die Umsetzbarkeit dieser Forderung angeht. Ich halte es da eher frei mit George Soros, der einmal einen Vergleich zwischen Marktteilnehmern und Marktreglenmenten aufstellte, den man sinngemäß auch auf Unternehmen und den Staat ummünzen kann, was ihm als Vertreter der “offenen Gesellschaft” sicher gar nicht schmecken würde ;-)
Der Unternehmer ist ein Wolf, der die Schafe der Herde fressen will. Das ist nicht unmoralisch. Es ist Aufgabe des Schäfers (der Staat) dies zu verhindern. Dem Schäfer, der sich nicht um seine Schafe kümmert, ist auch moralisch ein Vorwurf zu machen, dem Wolf, der die Unmoral des Schäfers ausnutzt, nicht. Es ist ein zugegeben sehr düsteres Menschenbild, das mit dieser Aussage transportiert wird, aber wenn man sich die Realität anschaut, so ist dieser Vergleich wohl passend.
@33 anon
Dieses Weltbild teile ich auch nicht - vor allem die traditionellen Familienunternehmen (unter ihnen auch die sog. Hidden Champions) sind in den allermeisten Fällen gut gemanagt und nehmen auch ethisch-moralisch einen korrekten Standpunkt ein. Leider wird die öffentliche Diskussion zunehmend von den Söldnern des schnellen Geldes, den Dampfplauderern der Unternehmensberatung und den Parikularinteressenvertretern der Exportindustrie bestimmt. Werner ist ein moralisch 100% integrer Mann und ein guter Unternehmer obendrein - nur leider habe ich mit seinem Modell des “bedingungslosen Grundeinkommens” einige Probleme. Es geht von einem guten Menschenbild aus, verkennt aber die düsteren egoistischen Triebkräfte, die es unterminieren würden. Ferner geht es von funktionierenden Märkten aus, an die ich nicht glaube. In der Realität würde sein Modell (da bin ich mir sicher) zu kräftigen Lohneinbußen führen, die zwar durch das GE zum Teil wettgemacht würden, aber dennoch durch die Finanzierung über Konsumsteuern zu einem realen Kaufkraftverlust führen würden. Aber dies ist ein ebenso interessantes, wie komplexes Thema. Vielleicht beschäftige ich mich mal mit einem Artikel darüber, in dem ich möglichst objektiv mögliche Pros und Contras gegenüberstelle und erst in der Diskussion Stellung beziehe.
Danke für den Beitrag. Ich werde wohl nie wieder bei Quelle bestellen. Schade nur, dass nicht jeder so konsequent ist wie ich.
Eigentlich ist das weniger ein Menschen- denn ein ‘Gesellschaftsbild’ bzw es ist das Menschenbild, das eine ‘marktförmige’ Gesellschaft zwangsläufig mit sich bringt. Und je mehr sie den Markt vergöttert, desto ausgeprägter ist es.
@Peinhart
Und Du meinst, dies sei ein einer “nicht marktförmigen” Gesellschaft anders? Wie soll diese “nicht marktförmige” Gesellschaft mit “markförmigen” Menschen eigentlich aussehen? Dass das quasireligiöse Tanzen des goldene Kalb “freier Markt” diese Tendenzen verstärkt, ist mE hingegen evident.
Je weniger ‘marktförmig’ eine Gesellschaft, desto geringer der ‘Anreiz’ die entsprechenden ‘Tugenden’ auszubilden und die ihr widersprechenden zu unterdrücken. Wie eine ‘nicht marktförmige’ Gesellschaft aussehen könnte, darüber müsste man sich unterhalten. Aber selbst wenn man dieses Ziel nicht anstrebt, wäre weit mehr Grundsatzkritik am ‘Markt’ angebracht, um zu erkennen was der Markt nicht leistet und auch gar nicht leisten kann. Nur so lässt sich schliesslich auch der ‘freie’ Markt fundiert kritisieren.
Was ich aber eigentlich ‘nur’ ausdrücken wollte ist, dass man nicht einfach ‘den Menschen’ in einer bestimmten historischen oder gesellschaftlichen Situation beobachten kann, um sich ein Bild davon zu machen, was der Mensch ‘ist’. Und noch weniger, was er nicht ist. Denn das, was er in einer gegebenen Situation ist, ist ihm zumindest möglich. Oder kurz, der Satz ‘Das Sein bestimmt das Bewusstsein’ ist so falsch nicht.
@ Spiegelfechter:
Dem kann ich nun wieder nur teilweise zustimmen.
Die Unternehmen nutzen ja keine Grauzonen, wenn sie Billigjobs auflegen. Die gesetzliche Ansagen lauten ganz klar: “Lieber Arbeitsloser, wir zwingen dich durch Geldentzug zur Annahme eines Billiglohnjobs” und “Wir legen was drauf”. Würde der zweite Satz fehlen, hätte sich das Problem vermutlich in ein paar Monaten mit Hilfe von Baseballschlägern gelöst, die sowohl in der Agentur für Arbeit als auch in solchen Unternehmen gewütet hätten.
Unternehmer müssen ihre Arbeitnehmer als Kostenfaktor und Humankapital betrachten. Die japanische Geschäftsphilosophie lautet ziemlich einfach “Geschäft ist Krieg”, und im Krieg ist auch schon mal eine Kompanie, ein Regiment oder eine ganze Division abzuschreiben. es gibt lediglich große Unterschiede, wie dieses Kapital bewertet wird. Ein traditionell geführtes Familienunternehmen wird vermutlich mehr auf langfristige Strategien bauen, ein Kapitalunternehmen muss auch seine Kapitaleigner befriedigen, und da sitzen zum Teil die gleiche Leute und meckern über mangelnde Dividenden, die sich hier über unsoziale Zustände aufregen. Aber man sollte sich nichts vormachen: auch ein traditionelles Unternehmen wird gnadenlos eine Sparte schließen und die Leute an die Luft setzen, wenn keine Gewinne mehr absehbar sind.
Gekauft wird heute - wie du selbst bemerkst - vorzugsweise über den Versandhandel/das Internet. Service spielt immer weniger eine Rolle, was zum Einen daran liegt, dass kaum noch Service geboten wird (welcher Verkäufer kann einen denn heute wirklich noch beraten? Meist wissen die kaum mehr als die Kunden), zum Anderen daran, dass er für den Kunden viel zu teuer geworden ist. Das fängt bei der Lagerhaltung an - Verkaufen über ebay ist allemal billiger als ein Geschäft mit kompletter Einrichtung - und geht beim Folgeservice weiter, der für den Kunden meist so teuer ist, dass Wegwerfen und Neukaufen billiger ist. Wenn die Geschäftsentscheidung bei Quelle dahin geht, auf dieser Geschäftsebene mit Discountern, die ab Container verkaufen, mitzuhalten, kann man das zwar bedauern, aber es ist halt so. Ob das richtig ist, wird sich zeigen.
Zum letzten Komplexe: Reglementierung oder nicht. Die wenigen echten Erfahrung, auf die man da blicken kann - überwiegend die US-Großindustriellen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts - zeigen, dass ohne staatliche Reglementierung meist alle, Kunden und Mitarbeiter, stärker profitieren. Reglementierungen dienten meist dem Schutz wenig qualifizierter Unternehmer, die sich mittels Geld der Dienste mehr oder weniger korrupter Politiker bedienten (heute heisst das Lobbyismus), und von den dadurch verursachten Reibungsver lusten haben meist nur sehr wenige profitiert. Und die Erfahrungen allein in diesem Jahrtausend mit verschiedenen Gesetzen zeigt ja mehr als deutlich, dass in Parlamenten und Ministerien Unmengen von Hohlköpfen rumlungern, die die Konsequenzen ihrer eigenen Taten nicht überblicken können.
@39 Peinhart
OK, so formuliert stimme ich Dir zu.
@ Gilbert
Ich würde es mal als ethisch-moralische Grauzone bezeichnen.
Darum sind die Japaner seit Beginn der 90er auch so erfolgreich ;-)
Länder, in denen es eine korporative Zusammenarbeit von Management und Arbeitnehmerschaft gibt, fahren sehr gut damit – sowohl betriebs- als auch volkswirtschaftlich. Die Niederlande, Dänemark, Skandinavien und Finnland sind da als positive Beispiele zu nennen.
Aber natürlich – darum gehr es mir aber nicht. Wenn ich beispielsweise einen zuverlässigen Zulieferer habe, der mich nie im Stich gelassen hat und dessen Produkt nur zu einem kleinen Teil in mein Fertigprodukt eingeht, aber relevant für die Qualität/Funktionalität dieses Endproduktes ist. Ab welchem Preisvorteil würde ich diesen Zulieferer gegen ein „windiges“ Unternehmen eintauschen, mit dem ich keine Erfahrungen habe, dass in Niedriglohnländern produziert und sich daher meiner Qualitätskontrolle weitestgehend entzieht? Der potentielle Gewinn ist eher gering, der potentielle Schaden kann existenzgefährdend sein. Bei Rohstoffen und Halbfertigprodukten, die kaum qualitätssensitv sind, zu einem hohen Anteil in den Preis des Fertigproduktes eingehen und austauschbar sind, sieht die Sache anders aus. Nur ist der telefonische Service, bei einem Unternehmen, dass traditionell serviceorientiert agiert, austauschbar, nicht qualitätssensitiv und (relativ) sehr teuer? Ich meine: nein.
Das kommt auf das Produkt und den Kunden an. Bei Produkten, deren Qualität und Funktionalität ich einzuschätzen vermag (oder es zumindest glaube), ist das sicher richtig. Bei anderen Produkten gehe ich allerdings in ein Geschäft, in dem ich gut beraten werde, auch wenn ich dort einen höheren Preis bezahlen muss. Leider muß sich diese Erkenntnis bei vielen Verbrauchern wohl noch durchsetzen, Produkte mit sinnlosen Features, einer schlechten Qualität/Useability hätten es nicht so einfach am Markt. Es kommt auch auf die Qualität des Services an – warum sollte ich beispielsweise Kleidung bei H&M oder Karstadt kaufen, wenn die kaugummikauenden Gören, die stets vor dem Kunden reißaus nehmen, mich nicht ansatzweise so gut beraten können, wie die Fachverkäufer in Fachgeschäften. Wer China-Billigware haben will, akzeptiert wahrscheinlich auch einen miesen Service – wer Qualität kaufen will, akzeptiert ihn nicht.
US-Großindustrielle? Meinst Du damit die zerschlagenen Standard-Oil, DuPont, American Tobacco und Co? Ich bezweifele doch mal, dass deren Kartelle zum Vorteil der Gesellschaft waren.
Das genaue Gegenteil ist heute der Fall. Unternehmen, wie E.ON, die Mineralölkonzerne und andere Oligopolisten nutzen den Lobbyismus massiv(!) um gegen Reglementierungen vorzugehen. Die Zeche zahlt der Kunde, die Wirtschaft und der Standort.
@Gilbert
“Geschäft ist Krieg” trifft es gar nicht schlecht, wie man ua auch der Spreche entnehmen kann - Märkte erobern, Nischen besetzen etc. Und nicht wenige Unternehmensberater haben sowohl Clausewitz als auch Sun Tzu im Regal. Trotz dieser ‘ernüchternden’ Erkenntnis dann jedoch für ‘Krieg’ möglichst ohne Reglementierungen zu plädieren, erstaunt aber doch etwas. Und auch ich wüsste gern, welche ‘Erfahrungen’ dir da im letzten Absatz vorschwebten, so ala Pullman vielleicht…?
Tag !
Mein Name ist Tobias Meier und ich habe zweimal mit dem Quelle-Konzern zu tun gehabt.
Einmal habe ich freiberuflich bei Windi Winderlich Enterprise IG Moodboards für deren Katalog gestaltet - es war eine gute Arbeit, wo ich mich sogar Sonntag’s mit Freude hingefahren bin. Es ist eine Vorzeigefirma, in der einfach alles gestimmt hat.
Das zweite Mal sollte ich hauptberuflich bei Fritsche Werbeagentur ( fritsche.d... ) den Katalog gestalten. Mein Rechtsanwalt (Hinrich Rodatz / Lüneburg, welcher schon damals mehr als ein Vierteljahrhundert Erfahrung in dem Bereich Arbeitsrecht hat) meinte zu mir: “So etwas habe ich noch nie gesehen - das ist moderne Sklaverei”. Die wollten mich praktisch 24h täglich wie 365 Tage im Jahr für wenig Geld aufkaufen. D.h. alles was ich tue (in einem Paragraphen wurde mir zugesichert, daß ich freiberuflich als Illustrator/Künstler weiter tätig sein könne) würde rein rechtlich denen gehören. Auf Anfrage zur Änderung des “Sklavenparagraphen” bei der Vorgesetzten wurde mir ihrerseits Zigarettenrauch in das Gesicht gepustet.
Für mich gehört Frau Schickedanz, der gesamte Konzern sowie noch viele weitere Menschen hinter Gitter. Die Deutschen Gesetze wie Regeln werde ich u.a. deshalb nicht (mehr) achten und befolgen. Den Staat wie viele meiner (reichen) Mitbürger werde ich von A bis Z ausnutzen sowie bewußt demütigen bzw. denen die Wahrheit “um die Ohren hauen” (evtl. nicht nur auf geistiger Ebene).
Zu verlieren habe ich nichts mehr - mein Leben ist nichts Wert (HartzIV ohne Chancen/Perspektiven). Sollen “die” mir doch endlich das Leben nehmen. “Die” = die Familien, welche dieses Land beherrschen und lachend durch die Welt tingeln. Ich freue mich auf meinen Tod - habe aber leider nicht den Mut sowie die Gedanken selbstständig Suizid zu begehen.
Dies ist nicht meine Heimat… in einer Heimat würde man sich heimisch oder zumindest wie ein Mensch vorkommen. Mein Leben wird seit mehr als 10 Jahren missbraucht.
Danke für’s lesen.
MfG Tobias “Tezen” Meier
@Tobias und alle anderen
Diese Einzelschicksale sind hart und sie sind zwar Einzelschicksale aber in der Masse sind sie Schicksal der ganzen Gesellschaft. Ich hatte mich vorhin mit einem Freund über dieses Thema unterhalten und auch er konnte mir zig Fälle nennen, in denen Unternehmen Arbeitnehmer und auch freie Mitarbeiter wie Dreck behandelt haben. Auch er stellte mir die Frage, die auch hier schon gestellt wurde: Was tun?
Ich spielte schon länger mit dem Gedanken eine Art “Schwarze Liste” zu initiieren, die natürlich nur funktionieren kann, wenn sie auf breiter vernetzter Basis gemacht wird. Da die Politik Einzelschicksale nicht interessieren und ein “Boykott” nur dann zu einem Einlenken oder Umdenken der betroffenen Firmen führt, wenn er möglichst große PR-Wirkung hat, denke ich eine solche Liste könnte Sinn machen. Dafür sind natürlich einige Voraussetzungen zu treffen, aber wer, wenn nicht wir, könnte da etwas ausrichten. Daher werde ich mal diese Idee in Worte fassen und hier posten. Mal schauen, ob die Möglichkeit besteht, eine kritische Masse an Bloggern und “Zuträgern” zu organisieren.
Service: ist ja schön und gut, wenn ihr lieber in Fachgeschäften kauft, weil ihr dort den Service besser findet. Fakt ist einfach: viele tun es nicht, und wenn der Kundenmarkt wegbricht, ist halt Platz für weniger. Wer sich halten kann - ok. Die anderen passen sich entweder an oder gehen vor lauter Sozialempfinden ebenfalls vor die Hunde (die leeren Läden in vielen Innenstädten sprechen da eine sehr deutliche Sprache). Die Abstimmung mit den Füßen hat nichts mit fehlender Erkenntnis bei den Verbrauchern zu tun, das ist schlicht und einfach ganz normale Abschätzung des persönlichen Kosten-Nutzen-Verhältnisses.
Großindustrielle: ja, ich meine u.a. Vanderbilt, Hill oder Rockefeller. Schlechter ging es im Allgemeinen, nachdem der Staat reglementierend eingegriffen hat. Genauso geht’s mit den Energiefritzen hierzulande. Wer ist in der Regel Hauptaktionär bei den meisten Unternehmen, genehmigt die Preiserhöhungen und streicht auf den Hauptversammlungen die Dividenden ein? Genau, Vatter Staat in verschiedenen Versionen. Wer lässt sich von Lobbyisten bestechen und schafft Reglementierungen, die Ungleichgewichte zementieren? Unsere Politker. Wer hat diese Scheiße mit den Dumpinglohnjobs verbockt? Schaut nach Berlin.
Ich find’s schon sehr eigenartig, wie konsequent ihr an den Fehlern der Politik vorbeischaut und euch vor Aussagen dazu drückt. Wenn Tobias sagt “Die Deutschen Gesetze wie Regeln werde ich u.a. deshalb nicht (mehr) achten und befolgen. Den Staat wie viele meiner (reichen) Mitbürger werde ich von A bis Z ausnutzen sowie bewußt demütigen bzw. denen die Wahrheit “um die Ohren hauen” (evtl. nicht nur auf geistiger Ebene).”, dann hat er das schon ganz richtig verstanden: Quelle und andere können das nur machen, weil eine korrupte Politikerclique uns diese Lebensart tagtäglich als Erfolgsmodell vorführt und auch noch die Weichen in die Richtung stellt, und viel zu viele schreien auch noch nach Mehr.
@Gilbert
Nur kurz - bin gerade auf dem Sprung:
Da hast Du aber etwas grundsätzlich falsch verstanden - der Unterschied zwischen Politik und Wirtschaft ist allerdings der, dass die Wirtschaft sich durch das Stimmverhalten ändern kann; bei der Politik ist da längst Hopfen und Malz verloren. Mit Krokodilstränen wird eine vermeintliche Politikverdrossenheit beklagt - was fälscher nicht sein kann - und es wird mit ernsten Gesicht die nächste skandalöse “Reform” beschlossen, die von den stets kritiklosen Medien bejubelt wird, da es ja angeblich keine Alternative gibt. Es langweilt und man verfällt als engagierter Bürger in Sarkasmus und Zynismus. Unternehmen “hören” auf direkte Demokratie, da haben sie keine Wahl. Lediglich in Sparten, in denen man keine echte Wahl hat (z.B. Energie oder Mineralöl) hat der Bürger keine Möglichkeit, Konzerne abzustrafen.
@ SpiegelFechter
Es gibt in der Tat noch viel mehr Menschen mit ähnlichen Erlebnissen. Die Idee mit der “Schwarzen Liste” ist sehr gut; man könnte die Puzzlestücke (=”Einzelschicksale”) zu einen klarem Bild zusammensetzen - es müßten sich nur genug Menschen beteiligen.
Merkwürdigerweise häufen sich bei vielen derartige negative Erlebnisse - wie bei mir. Meiner Meinung wird diese Form der Unterdrückung mit eiskaltem Kalkül geplant wie umgesetzt, um damit einige Mitbürger einfach aus der allg. Gesellschaft praktisch auszuradieren. Wenn man dann erst einmal gesellschaftlich ganz unten angelangt ist, hat man “natürlich” (Ironie) selber Schuld und bekommt z.B. Pillen vom Arzt verschrieben, HartzIV als “Überlebenshilfe” oder ähnliche weitere Schikanen, welche die Probleme nicht lösen - eher noch verschlimmern. Die Wurzel der Probleme werden als “Gottgegeben”, “Normal”, “Man-kann-ja-eh-nichts-ändern!” etc. hingestellt.
Noch eine passende “Werbekampagne” der besonderen Art, welche ich von meinem Vater zugesteckt bekommen habe: ” Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis investieren in Aktien. SO WERDEN SIE PROFI! Samstag, 17. November 2007 im HOTEL HILTON - Beginn 15:00 Uhr - Preis: 170 € (all inclusive) - Nähere Informationen unter www . bullvestor . com - Melden Sie sich jetzt bei Frau Kristina Suchan an! 43 / 7435 540 77 - 11 / kontakt @ bullvestor.at ” .
Ist doch eigentlich ein Fall für die Staatsanwaltschaft, oder?
Noch etwas zum Abschluß (Achtung:Satire?!) : In Süditalien nennt man es “Mafia” - bei uns in Deutschland heißt es immer “Politiker”, “Manager” oder “Vorstand”.
Schöne Grüße
Tobias Meier
@Tobias
-> Bullvestor
Zunächst habe ich den Link in Deinem Post mal unkenntlich gemacht ;-)
Es ist schon “lustig”, wie gerade ein m.E. windiger Börsenbriefherausgeber wie Bullvestor mit der Abwandlung des Brecht-Zitats, es sei das größere Verbrechen eine Bank zu gründen, als eine zu überfallen, wirbt. Das sie dafür auch noch Geld nehmen, ist freilich ein Witz, denn ihr eigentliches Geschäftsmodell ist es m.E., den Leuten mit ihren Empfehlungen und (schwer nachweisbaren) Kursmanipulationen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Einen Fall konnte ich live miterleben, da mich ein Freund auf den Hype aufmerksam machte:
DeBeira Oilfields
Es war ein Spektakulum ohne Gleichen. In einem Börsen-Forum habe ich die euphorisierte Masse mit sachlichen Argumenten gewarnt und ihnen gesagt, dass es sich hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen fingierten Betrugsfall handelt (OTC-Papiere sind idR Nullsummenspiele, bei denen Profis Amateure bis aufs Blut ausnehmen). Keiner wollte hören, alle haben gefeixt und gelacht - eine Woche später, waren ihre “Aktien” nur noch das Papier wert, auf dem sie gedruckt waren.
Ein Fall für die Staatsanwaltschaft? Auf jeden Fall! Nur hat diese arge Probleme, stichhaltige Beweise für den Betrug zu finden - im Dickicht der internationalen Finanzmärkte sind Profis anonymer als Unsereins im Internet.
@ Spiegelfechter :
Wenn Du den Link schon rausnimmst, solltest Du die BullVestor-eMail-Adresse auch tilgen :) … Danke für den FTD-Link zu DeBeira Oilfields. Bin jetzt gerade am durchlesen - und BullVestor empfiehlt diese “Wert”-Papiere auch noch…
Es ist verboten kriminelle Handlungen zu begehen. Möchte nicht wissen, was passieren würde, wenn ich Menschen in einem “Workshop” alá BullVestor zeige, wie man z.B. Frauen billig im Osten kauft und an Westler verkauft? Das ist doch gegen jedes Menschenrecht und verboten. Aber mittels Börse/Aktien das Geld für sich selbst arbeiten zu lassen und mit dem Wissen, daß man durch Renditen praktisch die Arbeiter bzw. seine Mitbürger betrügt, soll erlaubt sein? Und ganz offensichtlich damit auch noch zu werben ist einfach mehr als dreist. Ja, entweder die Teilnehmer werden abgezockt (wie bei DeBeira) oder aber die Teilnehmer zocken ab mit dem Wissen, daß es praktisch nichts besseres als Bankraub ist. Ist ein solches “Modell Börse” in einer Demokratie eigentlich legitim? Meiner Meinung ist es nicht mehr in der gesetzlichen “Grauzone”, sondern nichts anderes als international organisierte (Schwerst?!-) Kriminalität. U.a. macht’s BullVestor möglich bzw. organisiert dieses.
MfG T.Meier
@Tobias
Ich habe sowohl Link als auch eMail-Adresse durch Leerzeichen “entlinkt” ;-)
BullVestor hat DeBeira nicht einfach so empfohlen, sondern war Urheber des Hypes. Bei diesen Nullsummenspielen gewinnt meist der, der als erstes auf den Zug springt. Da hat natürlich derjenige die besten Karten, der den Zug steuert.
Zur Frage der Legalität und Moral: Im Normalfall sind in diesen Märkten und in diesen Papieren nur Zocker investiert, die eine Art Glücksspiel veranstalten. Sie eint die Gier und so lange dies Nullsummenspiele bleiben und nicht auf Unschuldige oder die Realwirtschaft übergreifen, habe ich auch keine Probleme damit. Die Leute wissen was sie tun, sie sind ein gieriges Narrenschiff mit Kurs auf die Klippen. Wie im Casino kann man Geld gewinnen, aber über kurz oder lang gewinnt die Bank, bzw. bei den Pennystocks und OTC-Papieren der Insider.
DeBeira wurde erst zum Problem, als die Sache durch Empfehlungen im Focus “übergeschwappt” ist. Auf einmal kam sehr viel “Stupid Money” in den Markt und das ganze wurde zu einem 600 Millionen Selbstläufer, bei dem die alten Narren im Schiff auf einmal fast alle gewannen, da sie zumindest die Spielregeln kannten. Die frischen Narren wurden freilich ausgenommen, sie wußten meist nicht einmal was Leerverkäufe sind und wie man so etwas macht. Unter ihnen waren sicher auch zum Großteil gierige Gestallten, die eine Lektion verdient haben und bei denen sich mein Mitleid in Grenzen hält, aber sicher hat es auch kleine Sparer erwischt, die einfach mal was neues ausprobieren wollten und Leute, denen das Risiko gar nicht bewußt war. Soll man das ganze unter Lehrgeld verbuchen? In einigen Fällen war dieses Lehrgeld sicher eine Tragödie, die Existenzen vernichtet hat. Daher sollten diese “Spiele” nur echten Spielern vorbehalten sein und es muß gesetzliche Regeln geben, die den Erwerb solcher Papiere für Otto-Normalverbraucher untersagen. Für jede Hypothek muss man zum Notar gehen, der einen aufklärt, was die Konsequenzen eines solchen Vertrages sind. Höchst spekulative Papiere kann indes fast jeder erwerben, der auf dem “Risikoformular” seines Internetbrokers die höchste Risikopräferenz ankreuzt, um sich nicht selbst zu beschränken. Bei internationalen Brokern ist m.W. noch nicht einmal das vorgeschrieben.
Daher werte ich die Einladung von Bullvestor auch äußerst kritisch, da sie offensichtlich darauf angelegt ist, neues “Stupid Money” zu akquirieren.
Gruß
Jens
@ Jens/SpiegelFechter :
Existenzen werden durch diese “Börsenspiele” nicht nur bei den “Stupid Players” vernichtet - würde das Geld in Güter, “normale Aktien” oder Arbeitsplätze gesteckt werden, würde es dort sicherlich besser arbeiten.
Durch diese Form der Abzocke gehen doch praktisch Arbeitsplätze verloren, auf die Millionen von Menschen angewiesen sind. Dadurch würde der Wohlstand, der Abbau der Staatsverschuldung sowie der soziale Frieden gesteigert werden.
Also ich kenne mich persönlich (wie viele andere Menschen) fast gar nicht mit dem Handel von Aktien aus. Wenn man dieses System endlich verständlich der Allgemeinheit “vorstellen” würde, dann würde es doch mit großer Wahrscheinlichkeit so stark auf Ablehnung stossen, daß politisch etwas getan werden müßte. Zumindest hätten die großen Parteien ein neues großes Pro/Contra-Wahlkampfthema.
Im Grundgesetz gibt es doch den Paragraphen “Eigentum verpflichtet”.
Wieso wird nicht einfach das bestehende GG auf derartige Praktiken angewendet ?
Oder will der Staat bzw. die Gesetzeshüter, daß Eigentum wie im Casino verspielt wird ??
Wieso gibt es für international-agierende Broker, welche in diesem Land “zocken”, keine Gesetze - es wird hier doch sonst alles (bis in das letzte Detail) mit Gesetzen reguliert ???
MfG Tobias/TeZen
@Gilbert
Vielen bleibt bereits gar nichts anderes übrig als sich nur noch an den Kosten zu orientieren und sich mit dem Nutzen zu bescheiden, der dafür geboten wird - der ‘Abwägungsspielraum’ ist eingeschränkt. Aber auch wenn er das nicht auf diese Weise ist - die ‘Kosten-Nutzen-Relation’ selbst ist keinesfalls transparent. Dem Preis sieht man iA weder an, unter welchen Bedingungen das Produkt entstanden ist noch erfährt man ‘Belastbares’ über die externalisierten Kosten, man erfährt allenfalls mal anhand von Artikeln wie diesem, ‘dass da was ist’. Dabei stört das den tatsächlichen Kunden nach dem Marktgesichtspunkt ‘Kosten-Nutzen-Relation’ nicht einmal, für ihn persönlich verbessert es sich ja sogar auf Kosten der (möglichst fernen) Umwelt oder von der Allgemeinheit getragener Lohnersatzleistungen. Der gelackmeierte ist der berühmte Dritte, der beim Vertragsschluß zwischen Produzent und Verbraucher gar nicht zu Wort kommt - wir alle subventionieren das Quelle-Callcenter, ob Kunde oder nicht.
Das erinnert an die gängigen Vorwürfe der ‘Dritten Welt’ gegenüber - alle so fürchterlich korrupt. Nur - wer korrumpiert sie? Ich habe bei diesen Reglementierungen BDI, BDA, DIHK etc keine Tränen vergiessen sehen, im Gegenteil, wie der ‘Kleine Häwelmann’ kennen sie nur den Ruf ‘mehr, mehr!’. Dabei ist die Klage, die sich gegen diese Entwicklung an die Adresse des Staates richtet und sich von ihm eine Art ‘neutrale Mittler- und Beaufsichtigungsfunktion’ erwartet, ziemlich naiv. Schliesslich schmarotzt der Staat genauso am Faktor Arbeit wie das Kapital auch. Und sowohl seine inneren wie seine äusseren Handlungs- und Einflussmöglichkeiten hängen daran, wie gut die von seinem Boden ausgehenden Geschäfte laufen. Wenn eine Handelsdelegation einen Auslandsbesuch begleitet, dann geht es nicht um Arbeitsplätze im Sinne eines Auskommens des heimischen Personals, sondern es geht um Steuereinnahmen, und es ist dem Staat erstmal pretty egal, ob er die aus den Löhnen gesicherter oder neu geschaffener Arbeitseinkommen oder aus Gewinnbesteuerung zieht. Das ist ein Rechenexempel und selbst eine ‘Kosten-Nutzen-Relation’, durchaus auch mit Risiko behaftet wie zB unsere Exportabhängigkeit zeigt. Aber auch der (vermeintlich) ‘gute Hirte’ macht nichts anderes als seine Schäfchen nach Marktgesichtspunkten zu verhökern. Der Staat ist nichts anderes als - und jetzt muss ich schon wieder den Herrn aus Trier zitieren - der ‘ideelle Gesamtkapitalist’.
Gut - aber noch mal die Frage: wer korrumpiert sie, und warum kann er? Die Klage ist doch ebenso vordergründig und naiv wie die von zB attac, die G8 hätten ja gar keine demokratische Legitimation, das zu tun, was sie tun. Die Antwort ist simpel - sie brauchen keine. Ihre Eliten aus Wirtschaft und Politik gebieten über soviel wirtschaftliche (und infolge dessen auch militärische) Macht, dass sie das einfach können. Es gibt keine Macht über ihnen, die da irgendwelches Recht geltend machen könnte, und wenn es sie gäbe, könnte sie unter den obwaltenden Verhältnissen auch nur wieder von ihnen selbst gestellt werden. Natürlich gibt es auch Korruption, aber die betrifft grösstenteils nur die inneren Machtbalancen, aber nicht das Machtverhältnis selbst. In diesem sind sich Staat und Kapital wie gesagt vollkommen einig, die Geschäfte müssen laufen, die Profitraten attraktiv sein. Was Meinungsverschiedenheiten in Detailfragen keinesfalls ausschliesst - und nur auf dieser Ebene lohnt es tatsächlich, von Korruption zu sprechen. Für unsere Lebensverhältnisse weitaus entscheidender ist aber das prinzipiell gemeinsame Interesse von Staat und Kapital.
@Spiegelfechter
Ich tät ja sagen, dass es in beiden Fällen auf die ‘kritische Masse’ ankommt. Das Primat der Politik über die Wirtschaft im Sinne der ‘Schäfchen’ zu erwarten ist allerdings aus den og Gründen auch wieder naiv - da müssten uns schon andere Mittel zur Verfügung stehen bzw ergriffen werden, vorzugsweise solche, die Politik und Wirtschaft in eben ihrem gemeinsamen Interesse treffen. Dass auch solche wieder ausgesprochen zweischneidig sind (wie Streik, Generalstreik, aber auch Boykott) und nicht nur die eigentlichen Adressaten treffen, liegt wieder in der Natur der Abhängigkeitsverhältnisse, denen wir ausgesetzt sind und denen wir uns unter den gegebenen Umständen auch (weit überwiegend) aussetzen müssen. Die ‘Freiheit’ des Lohnempfängers ist in erster Linie ‘frei’ zu sein von anderen ‘Lebensmitteln’ als eben dem Lohn.
@Peinhart
Der Ruf nach Freiheit für den Lohnempfänger erinnert mich an das kleine Mädchen, dass seinem Kanarienvogel die Freiheit schenkt und in ihm an nächsten Morgen tot vor dem Fenster liegen sieht. Freiheit ist eine Illusion und nicht immer erstrebenswert. Ich sehe es als Ideal an, eine Unfreiheit mit dem möglichst größten Nutzen für alle Unfreien anzustreben.
Die Schäfer/Schaf Allegorie ist natürlich naiv, da der “reale” Schäfer es nicht mit einem Wolf zu tun hat, sondern mit einem Schafsfresser in dessen Diensten er steht. Wie sollen die Schafe diesen Umstand ändern? Das Beispiel greift nicht, so viel ist klar.
Politiker haben längst keine Ideale mehr, die Wünsche und Nöte der Bürger sind ihnen egal, ihnen geht es darum Macht um ihrer selbst willen zu erlangen, was heißt, sie müssen gewählt werden. Gewählt von den Parteiinternen Gremien und letztendlich vom Volk. Auch Hitler wurde vom Volk gewählt, Stalin ließ sich wählen und viele Potentaten der Geschichte und Gegenwart haben ihren Auftrag vom Volke erhalten.
Stopp! Werden jetzt einige sagen, diese Wahlen waren aber nicht frei und es gab keine Alternativen. Richtig, aber gibt es die heute? Es ist keine parlamentarische Alternative in Sicht, daher bleibt lediglich die Parteibasis als möglicher “Putschfaktor” über. In den Parteien haben sich Netzwerke und gegenseitige Abhängigkeiten gebildet, so daß dieser Putsch von unten bei den Schafen an der Basis kaum möglich scheint. Die einzige Alternative wäre es, wenn außerparlamentarische Oppositionelle die Parteibasis stürmen würden, wenn es erst einmal genug Kritiker gibt, fallen die Voten naturgemäß anders aus, und die momentanen Parteispitzen werden ganz einfach weggeputscht. Wenn die SPD weiter Mitglieder verliert, ist sie bald zum Abschuss frei gegeben ;-)
Unternehmen kennen im schlimmsten Falle nur einen Wert und der heißt Profit. Unternehmen schützen nicht die Umwelt, weil sie sie für unsere Kinder erhalten wollen, sondern weil es in D Gesetze gibt, und Sünden im Ausland schlechte Presse bedeuten, die den Umsatz und das Image gefährden. Diese Gefährdung muß auch für Arbeitsplatzvernichter geschaffen werden - erst dann hat der Korrumpierer kein Interesse mehr, die Korrupten zu korrumpieren (toller Satz ;-)) und entdeckt, dass es ja auch noch einen Binnenmarkt gibt, mit dem man auch ganz gut verdienen kann.
Das Schweigen der Quandts
Heute um 21.15 Uhr auf NDR.
faz.net/s/...
@Tobias
Na so weit sind wir ja zum Glück noch nicht, dass der Staat einem vorschreiben kann, was man mit seinem persönlichen Geld macht. Mit wird ja schon fast überall das Rauchen verboten, da muß mir auch noch der Spaß am Verplempern und Spielen genommen werden ;-)
Es muß natürlich nur sicher gestellt werden, dass kein Mitspieler übers Ohr gehauen wird und von dem Spiel kein Schaden für die Allgemeinheit entsteht. Leider machen den Spielern interne Spiele nicht so viel Spaß, so daß sie “Stupid Money” brauchen. Aber einen großen Schaden für die Allgemeinheit sehe ich nicht, so lange die neuen Spieler aufgeklärt werden, auf was sie sich einlassen.
Der normale Börsenhandel ist etwas anders - er ist weitestgehend zivil und dient seinem Zweck Unternehmen mit Eigenkapital auszustatten. Es gibt hier nur ein Problem, dass alle Finanzinstrumente haben - Finanzkapital erwirtschaftet mehr Gewinn, als es Arbeit je tun kann. Welcher normale Arbeiter schafft es, dass er am Ende des Jahres 10% reicher ist (nur vom Lohn). Wohl keiner, daher werden die, die ihr Kapital für sich arbeiten lassen (relativ und absolut) immer reicher, der Arbeitnehmer aber (relativ) immer ärmer, manchmal auch absolut. Hier müssen Umverteilungsmechanismen über Steuern etc. pp. greifen, dass dieses Missverhältnis nicht zu sozialen Ungerechtigkeiten führt. Das wird leider immer weniger so gesehen. Es gibt sogar an sich recht vernünftige Menschen, die tatsächlich sämtliche Umverteilungsmechanismen abschaffen wollen - die Ron Paul Fans auf Poliblog.net gehören beispielsweise dazu. Mir will so etwas nicht in den Kopf ;-)
Der GG-Artikel “Eigentum verpflichtet” wird kaum noch beachtet, aber ihn so, wie Du zu interpretieren, ist mE auch nicht richtig. Es muß der Grundsatz gelten, dass ich mit meinem Geld machen kann, was ich will, so lange ich keine anderen Menschen schädige oder gegen Gesetze verstoße. Der Aktienhandel schädigt per se niemanden, im Gegenteil.
@ SpiegelFechterJens :
… Deine Argumentation kann ich in großen Teilen zustimmen. Vielleicht hast Du mich in meiner Begründung etwas mißverstanden - es ging mir nicht um die gesammte Börse, sondern um die korrupten / quasi-kriminellen Unternehmen (wie Du auch beschrieben hast). M.E. entsteht dadurch für die Allgemeinheit Schaden und es werden viele gutgläubige Mitbürger “über’s Ohr gehauen”. Bei der DeutschenBank werden 20% Rendite ausgeschüttet, womit viele Arbeitnehmer Ihren Arbeitsplatz verlieren oder weniger bzw. gleichbleibenden Lohn bekommen. Eine solche Firma oder eben BullV….. kann doch nicht im Sinne des Staates (=Volkes) sein ?!
Natürlich soll jeder machen, was er für richtig hält ohne andere Menschen zu schädigen oder gegen Gesetze zu verstoßen. Die Gesetze sollten aber im Sinne des Volkes sein und nicht im Sinne einiger börsenorientierter Industrieunternehmen. Als gutes Beispiel nehme ich z.B. einfach mal Bioprodukte & “Normale Nahrungsmittel” - dort ist “billig/preiswert” eben nicht das beste sondern für die Umwelt wie Arbeitsplätze das schlechteste. M.E. kann Aktienhandel doch schaden anrichten; Arbeitsplätze, Löhne, Umwelt…
MfG Tobias
PS: “TheWhiteGhandi” -RonPaul ist vielleicht eine Alternative. Vielleicht.
Ich finde ja immer wieder interessant, wie man auf der Basis einer 150 Jahre alten ökonomischen Theorie (peinhart und der Herr aus Trier) und den politischen Idealen des Real existierenden Sozialismus (”Ich sehe es als Ideal an, eine Unfreiheit mit dem möglichst größten Nutzen für alle Unfreien anzustreben.”) der heutigen Gesellschaft begegnen kann. Und dann staune ich, wenn ich in diese angestaubten Gesellschaftsmodelle immer mal wieder so Wörter wie “externalisierte Kosten” finde, die ja doch den Eindruck nahe legen, dass da schon mal ein Lehrbuch der Neuen Institutionen-Ökonomik in der Nähe gelegen haben könnte.
Ehrlich: Ich versteh es nicht.
Zumindest scheinen sich alle einig zu sein, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Bei jedem Spiel gibt es Gewinner und Verlierer, und die primäre Aufgabe gerade eines “demokratischen” Staates sollte es wohl sein, die Menge der Verlierer zu minimieren. Da gibt es sicher unterschiedliche Meinungen, wie man das hinbekommt, ab