Raubkopierer sind Terroristen
26. November 2007 von Spiegelfechter - Drucken
„Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“
„Nur durch verschärfte Gesetze können wir den Terrorismus bekämpfen.“
„Hier geht es nur um die Abwehr von Gefahren durch den Terror und schwere organisierte Kriminalität.“
Wer den Politikern der Großen Koalition tatsächlich Glauben schenkt, denkt wahrscheinlich immer noch, das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung würde ihn nicht betreffen und nur die bösen Buben müssten nun zittern, da die Strafverfolgungsbehörden ab 2008 wirksame Mittel zur Bekämpfung von Schwerstkriminalität haben. Wer so denkt, wird bereits jetzt widerlegt: Wie kaum anders zu erwarten, dauerte es nicht lange, bis aus der Politik die ersten Änderungen des Gesetzes gefordert werden.
Am 30. November wird der Bundesrat wieder zusammentreten. Dann wird auch das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung zur Abstimmung vorgelegt. Es ist zu erwarten, dass die Großkoalitionäre dem Gesetzesentwurf zustimmen werden. Eine Empfehlung des Rechtsausschuss des Bundesrates fordert indes sogar eine Ergänzung des Gesetzes, die auch eine zivilrechtliche Auskunft über die Bestandsdaten ermöglichen soll. Der Hintergrund ist, dass die Lobbyvertreter der Software-, Film- und Musikindustrie gerne in einem noch höheren Maße rechtlich gegen Urheberrechtsverletzungen, d.h. “Raubkopien” über Tauschbörsen, vorgehen würden.
Im ersten Halbjahr 2007 hat alleine der Lobbyverband der Musikindustrie 26.000 Strafanzeigen gegen Nutzer von Tauschbörsen eingeleitet. Auch mit der jetzigen Form des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung ist bereits eine massive Erleichterung der „Ermittlungsarbeit“ der professionellen Abmahner gegeben. Da die Provider die Personalien zu den dynamischen IP-Adressen 60 Tage speichern müssen, können die Kläger in Zukunft noch mehr Klagen erwirken. Ein Problem der Lobbyisten und Abmahnkanzleien ist es allerdings, dass viele Staatsanwaltschaften derartige Anzeigen gar nicht mehr entgegennehmen und wegen Geringfügigkeit gar nicht erst bearbeiten. Verfahren dieser Art werden strafrechtlich in den meisten Fällen komplett oder gegen die Zahlung einer geringen Spende eingestellt. Für die Lobbyisten ist vielmehr die zivilrechtliche Seite interessant. Hier winken hohe Abmahngebühren und Schadensersatzzahlungen.

In der jetzigen Form erzeugt das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung kein „Mehr“ an Sicherheit, sondern wird dazu führen, dass die Ermittlungsbehörden sich massiv mit Bagatelldelikten beschäftigen müssen – die Zeit, die sie für Ermittlungsarbeit in relevanten Bereichen haben, wird dadurch knapper. Wie sollen die Staatsanwaltschaften und die Kriminalbehörden „uns“ vor „bösen Terroristen“ schützen, wenn sie ihre kostbare Zeit mit der Verfolgung von Teenies verbringen müssen, die sich im Netz ihre Musik herunterladen? Dieses Problem hat auch der Rechtsausschuss im Sinn, wenn er eine Änderung des Gesetzes fordert.
Von einem alternativlosen Sachzwang zu sprechen, der eine nicht zu tolerierende Aufweichung der gesetzlichen Hürden zum Zugriff auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung bedingt, ist indes falsch. Man könnte das Gesetz auch ganz einfach in der Art abändern, dass in den Passagen des Gesetzestextes, die die IP-Datenspeicherung betreffen, schwere Straftaten als Voraussetzung für eine Herausgabe der Daten genannt werden. Dies würde die Staatsanwaltschaften und die Ermittlungsbehörden entlasten, so dass sie ihre kostbare Zeit wichtigeren Dingen widmen können, zehntausenden Teenies blieben hohe Abmahngebühren erspart und einige Angehörige des Berufszweigs der Abmahnanwälte würden gezwungen, einem rechtschaffenen Broterwerb nachzugehen.
Eine Auskunft an Abmahnanwälte ist auch aus Gründen des Datenschutzes abzulehnen. Wer garantiert dem Gesetzgeber, dass die Daten korrekt erhoben wurden und es nicht darum geht, dass IP-Adressen, die in einem ganz anderen Zusammenhang gesammelt wurden, mit den Datencontainern der Vorratsdatenspeicherung personalisiert werden? Die Aushöhlung des Gesetzes beginnt bereits zu einem Zeitpunkt, an dem es noch nicht einmal in Kraft ist – schlimmeres ist zu erwarten. Es ist an der Zeit, dass der Bürger aufwacht und Totschlagargumenten, wie „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“ keinen Glauben mehr schenkt.
“Recht sichert Freiheit! Man kann Freiheit nicht sichern, in dem man Recht abbaut.”
Heribert Prantl
Jens Berger
Bildnachweis (von oben nach unten): Bilder 1,2 und 4: Spiegelfechter (CC), Bild 3: Frans (CC) via Wiki Vorratsdatenspeicherung
Posted in Deutschland, Stasi 2.0 |
































































„Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“
















Guter Artikel! Es wird Zeit, dass die ganzen DAUs da draußen endlich mal aufwachen. “Geht mich nichts an” und “Mir doch egal” hört man einfach noch zu oft.
Vorratsdatenspeicherung, Biometrie, RFID - drei Begriffe, mit denen viel zu wenige Menschen überhaupt etwas anfangen können. Dabei sind dies die Dinge, die unsere (sowieso bereits angekratzte) Demokratie und unsere persönlich Freiheit bedrohen! Und zwar genau in dieser Reihenfolge.
Ich hoffe nur, dass zumindest die Vorratsdatenspeicherung durch den Bundesgerichtshof noch gekippt wird. Im Idealfall - ich weiß, eher eine Illusion - setzt vielleicht sogar der Horst seinen Köhler nicht unter das Papier.
Wenn irgendwelche Lobbyverbände an die Daten dürfen darf ich als Privatperson das doch hoffentlich auch! Es gibt da so eine Website ohne Impressum, die klaut ständig die Katzenbilder aus meinem Blog, gegen die müsste man mal vorgehen…
@Peter
Kein Problem, da müßte man nur noch den 129a ein wenig “lockern”, und um den Tatbestand, des “gemeingefährlichen Raubes von Katzenbildern” ergänzen. Der schwäbische Rollstuhlterrorist hätte sicher keine Probleme damit, denn man darf seine Augen nicht davor schliessen, dass hier und jetzt in Deutschland “Katzenbilder” auf schändlichste Weise entwendet werden.
Hi Jens.
Sehr schöner Artikel. Ich hatte ja eigentlich gedacht, dass die Meschpoke noch eine gewisse Schamfrist verstreichen lässt, zumal ja auch noch die “GröVaz” abzuwarten bliebe, bei der sich immerhin (bis jetzt) 13.000 Bürger beteiligen werden. Aber so etwas ficht den Bundesrat natürlich nicht an.
Interessant ist auch die SpOn-Meldung aus Frankreich:
spiegel.de...
“Wenn ein Franzose zu viele Daten aus dem Internet saugt oder hochlädt, kommt er unter besondere Beobachtung: Internetprovider sollen auffällige Kunden einer neuen Behörde melden. Die überprüft, ob die Intensiv-Surfer Raubkopien tauschen. Entdeckt die Urheberrechtsaufsicht solches Material, bekommt der Nutzer eine Warnung per E-Mail. Und wenn jemand zum dritten Mal erwischt wird, klemmt der Internetprovider den Zugang ab.”
Das ist zwar auch in Frankreich verfassungsrechtlich äußerst fraglich, aber zur Not gibt es ja noch die Demokratie- und Grundrechteverhinderungsinstanz “EU-Kommission”, die ja derartige Problematiken nur allzu gerne ignoriert.
Nun gut, passionierte “Tauscher” werden schon Möglichkeiten finden, die Leitungen weiter glühen zu lassen. Mir schweben da kleine Netzwerke vor, die per Zugangskontrolle abgeschirmt werden, und nach außen als “Freundschafts-Netzwerke” auftreten können. Dann ist man halt Mitglied in zwei oder drei Mini-Netzwerken, oder man zieht sich komplett aus dem Netz zurück, und macht einen offline-Tauschring auf. Dann trifft man sich halt im Bürgerzentrum, oder so, und jeder bringt seine 1 TB externe Festplatte mit;-)
David
P.S.: Eine kleine Korrektur: Teenies “laden” ihre Musik herunter.
Vor allem ist es eigentlich völlig egal, ob die Staatsanwälte das Verfahren einstellen oder nicht. Die Abmahnanwälte kommen so oder so durch die Akteneinsicht an die begehrten Adressdaten, um zivilrechtlich ihre Ansprüche geltend zu machen.
Einzige Möglichkeit der Staatsanwälte ist nur die Anzeigen komplett zu ignorieren:
spiegel.de...
@David
Ich bezweifele, dass die Franzosen mit einem solchen Gesetz durchkommen. “Kommunikation” ist ein individuelles Grundrecht. Ein gesetzlicher Eingriff, wäre mE mit der europäischen Grundrechtscharta nicht zu vereinbaren.
“Der schwäbische Rollstuhlterrorist hätte sicher keine Probleme damit,…”
WOWOWOWOW - gaaaanz langsam, da fühl ich mich jetz grade mal ein bisschen angepisst, unser rollstuhlfahrender Stasi-Schräuble kommt zwar aus BaWü, aber bestimmt nicht aus Schwaben!
Geboren is der Staatsterrorist in Freiburg im Breisgau, das is im tiefsten Baden.
Normalerweise is mir dieser alte Konflikt zwischen Schwaben und Baden ziemlich Latte, aber in diesem Fall dürfen die Badenzer ‘ihren’ Export gerne behalten, nee, ich bestehe sogar darauf.
auch wenn es jetz klugscheisserisch klingt, bitte ich dennoch um Richtigstellung - wir wollen ja nicht, dass der Rest von Deutschland ein schlechtes Bild von Schwaben bekommt ;)
zum Thema:
dass das passiert war ja klar, aber so früh hätte ich denn doch nicht damit gerechnet…
Hoffentlich wachen jetz mal noch ein paar von den lieben Leutchen auf, die bisher Alle ‘nix zu befürchten hatten’.
Was die allerdings reitet, das jetz schon einzubringen is mir nicht ganz klar, ist das deutsche Volk wirklich schon so verdummt, dass das jetz so mir-nichts-dir-nichts, kurz und knackig abgehandelt wird? Dann wärs echt an der Zeit zu packen und dieses unsägliche Land und seinen grossen Bruder EU zu verlassen…
mfg der Verdächtige
@der Verdächtige
ICH WIDERRUFE:
“Der badensische Rollstuhlterrorist hätte sicher keine Probleme damit, denn man darf seine Augen nicht davor schliessen, dass hier und jetzt in Deutschland “Katzenbilder” auf schändlichste Weise entwendet werden.”
;-)
Hi,
@spiegelfechter
“Der Hintergrund ist, dass die Lobbyvertreter der Software-, Film- und Musikindustrie gerne in einem noch höheren Maße rechtlich gegen Urheberrechtsverletzungen, d.h. Raubkopien über Tauschbörsen, vorgehen würden.”
Ist es nicht absolut unverantwortlich, bzw. unüberlegt, die “Raubkopie”-Propaganda zu übernehmen?
Aus Wikipedia:
“Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen….”
@Stefan
Och, ich sehe die Benutzung des Wortes nicht so eng. Als ich selbst noch Teenie war und wir C-64 Spiele mit der Datasette (*g*) kopiert haben, haben wir auch schon von “Raubkopien” gesprochen. Ich bin kein großer Freund von Neologismen, wenn es in der deutschen Sprache doch allgemein verständliche Begrifflichkeiten gibt.
Schöner Artikel in gewohnter Qualität!
Doch leider sind es nur sehr wenige in der Bevölkerung, die dieses Wissen teilen, und der Rest hüllt sich gewollt und ungewollt in Ahnungslosigkeit.
Bei den Volksvertretern ist dieses Verhältnis ganz ähnlich. Fatal.
@spiegelfechter
ich habe diese Zeit noch sehr gut in Erinnerung, und der Begriff “Raubkopie” ist damals bei uns sicher nicht gefallen. Wir haben einfach von Games gesprochen…waren eh alle kopiert.
Ehrlich gesagt kenne ich das Wort “Raubkopie” ausschließlich aus den Medien. Würde ich höchstens mal zum Spaß verwenden ala:” Komm lass mich doch mal eine Raubkopie ziehen ;) ”
Raubkopie ist ein Kunstbegriff den es damals so auch bestimmt noch gar nicht gegeben hat.
Diesen Begriff ohne Erklärung einfach zu übernehmen ist entweder dumm, oder verantwortungslos. (gerade wo sich dieser Artikel ja auch mit eben dieser Problematik beschäftigt)
Genauso gut kann man vom Irakkrieg als Befreiungskrieg sprechen o.ä.
Zeigen Sie doch ein wenig Größe…
@Stefan
Auch wenn ich Dir widersprechen muß, und eine Blitzrecherche meine Erinnerung unterstützt, so komme ich Dir doch ein wenig entgegen und setze das Wort in Gänsefüßchen.
@Spiegelfechter
Dankeschön
Hallo,
ich dachte mir das wird euch allen sicherlich gefallen…
…Jeder einzelne braucht Freiheit und Verantwortung
Unser Bild vom Menschen geht von der unveräußerlichen Würde jedes einzelnen aus, die nicht erst geschaffen werden muß, sondern jedem Individuum verliehen ist und die keine Macht dieser Welt ihm nehmen darf. Unser Verständnis bettet sich dabei ein in das abendländische Menschenbild und einen Wertekanon, der auf der Grundlage von Christentum und Humanismus in und für ganz Europa entwickelt worden ist. Daran sollten wir denken, wenn in wenigen Wochen die Europawahl ansteht. Ohne eine solche gemeinsame historische und geistige Grundlage gäbe es keine Europäische Union und kein Parlament. Lassen wir die Grundlagen verschwimmen, gefährden wir letztlich auch das europäische Einigungswerk.
Der Mensch ist in unserem Menschenbild nicht nur Einzelwesen, er braucht auch zur Entfaltung die Gemeinschaft, und besser eine freiwillig akzeptierte Gemeinschaft freier Individuen. Aus der
Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, folgt die Einsicht, daß der Mensch fehlen kann. Nicht zuletzt deswegen ist es so entscheidend, ein politisches System zu errichten, das davon ausgeht, daß auch bei bestem Streben nicht alles gelingen wird. Ein solches System wird deshalb die Freiheit sichern, Fehler zu korrigieren und einen besseren Weg zu suchen. Das gilt für die Freiheit jedes Einzelnen, seinen Lebensentwurf verändern, anpassen, erneuern zu
können, genauso wie für die Freiheit von Gemeinschaften auf verschiedenen Ebenen, Macht nur zeitlich begrenzt zu verleihen und Verantwortliche auch zur Verantwortung ziehen zu können. Aus unserem Menschenbild folgt deshalb, daß vor allem anderen der Freiheit die zentrale Bedeutung zukommt.
Wenn der Mensch nicht nur Einzelwesen sondern auch Gemeinschaftswesen ist, dann wird daraus auch deutlich, warum wir keiner Entwicklung zustimmen können, die die Freiheit des Einzelnen vor allem als Freiheit von allen Grenzen und Bindungen begreift. Uns sollte es nicht in erster Linie um eine Freiheit von etwas, sondern um eine Freiheit zu etwas gehen. Der Mensch soll sich nicht nur um sich selbst kümmern müssen, oder glauben, es zu sollen. Er soll gerade
frei sein, auch für andere oder gemeinsam mit anderen das Leben zu gestalten.
Freiheit darf also nicht als Beliebigkeit sondern als verantwortete Freiheit verstanden werden…
…und wer bitte gibt solche Worte von sich?
Richtig: Der einzig wahre Freund der Freiheit Dr. Wolfgang Schäuble
Link zum Gesamtdokument:
wolfgang-s...
Gruß
Da wollte ich doch endlich mal selbst etwas zusammenschreiben und schon wieder ist mir jemand zuvorgekommen, der das besser kann :-)
Link:
schwittay-...
Ich werde den Denkansatz aber dennoch mal weiterführen, solange ich es noch darf und mich in der Eurozone befinde.
@SF - ein guter Artikel; wie so oft, Danke!
Grüsse
Das war doch der ganze Sinn der VDS. Terroristen kann man so weder erkennen noch fangen. … und die alten Gesetze hätten zur Totalüberwachung von “Terror-Attentätern” wie Demonstranten, Linken & “TanteTrude” vollkommen ausgereicht. :)
@ Stefan & Jens :
Gab’ es damals (bei den C=64′ern) denn Original zu kaufen? Wenn ja: Wo?? Also im örtlichen Computerladen (HardwareOnly) hat man mir gleich zwei 100′er-Kästen 5 1/4-Zoll (das war doch die Größe, oder?) -Disketten dazugelegt… mein Commodore hatte sogar Speed-Dos!
@Tobias Meier
Ja, so etwas gab es. Dafür wurde von Versandshops in den Zeitschriften geworben - gleich neben den Anzeigen der “Raubkopierer”, die damals noch in irgendeinen “Maschinensprachecode” verfasst waren, den man erst “decodieren” mußte ;-)
Hach, das waren noch Zeiten *g*
Die ganze Debatte um böse Raubkopiermordterroristen wäre nicht nötig (ist sie sowieso nicht, aber dann wäre sie es noch weniger), wenn die Musikindustrie ihr Geld nicht in Anwälte und Hetzkampagnen inverstieren würde, sondern in Innovation.
Ich bin bekennender emule-Nutzer, aber ich habe überhaupt nichts dagegen, für die Musik, die mich interessiert, auch zu bezahlen. Das Problem ist die Kundenunfreundlichkeit der kommerziellen Downloadportale:
- die Preise sind schlichtweg zu hoch. Ich stehe vor der Wahl, mir ein Album zu kaufen, von dem ich das meiste gar nicht haben will, oder mir einzeln Songs zusammen zu suchen, die dann jeweils 1,99 € kosten.
- die Bezahlung ist oft umständlich. Als ich noch bei musicload war, ist mir die Einfachheit positiv aufgefallen: als T-Online-Kunde wurde einfach via Rechnung abgebucht. Nichtkunden haben es da schwieriger, und viele Portale wickeln die Bezahlung über Kreditkarten ab, die auch nicht jeder besitzt, ich jedenfalls nicht.
- oft genug, auch bei iTunes und anderen eigentlich seriösen Anbietern, sind die Dateien DRM-verseucht. Das ist für mich außerhalb jeder Diskussion, für so einen Beschiß gebe ich kein Geld aus.
- die Auswahl ist unter aller Kanone. Selbst aktuelle Charts-Titel findet man bei musicload und co. oft nicht, von älteren Songs oder unbekannten Künstlern mal ganz zu schweigen. Bei emule habe ich immer alles gefunden, was ich gesucht habe.
- von Datenschutz wollen wir gar nicht erst anfangen.
Solange die MI diese Baustellen nicht in den Griff kriegt, wird sie auch das Problem “Raubkopierer” nicht in den Griff kriegen. Anstatt zu jammern und mit ihrem Kontra-Kurs auch noch die letzten Kunden zu vergraulen, wäre es sinnvoller, auf die Kunden zuzugehen und zur Abwechslung mal nachzufragen, was diese denn eigentlich wünschen.
Als Musiker reib ich mir ja die Hände. Kann ich mal meinen Nachbarn ausspionieren weil ich behaupte er hat meine Lieder getauscht ;-)
@xconroy
100% ACK!
Das sehe ich ganz genau so - ich würde meine Schmerzengrenze bei 3 Euro pro Album oder 50 Cent pro Lied sehen - kein DRM, aber dafür auch nur 192Kbit als “echtes” MP3 in einem Shop mit einfachem Bezahlsystem (meinetwegen auch Zahlung als Monatsrechnung (kein Abo) per Kreditkarte … und ich würde den Esel nicht mehr nutzen. Cross my heart and hope to die ;-)
Ist zwar schon durch einige Blog gegangen, aber vielleicht kennt es ja der eine oder andere noch nicht. :)
musikindus...
Internetseite der MI: Man beachte die Hand oben links.
Wie immer den Nagel auf den Kopf getroffen.
Ich kaufe mir seit 2 Jahren fast keine DVDs mehr. Letzt seh ich aber die Harry Potter 5 DVD im Laden und konnte nicht widerstehen, 1-4 stehen bei mir schon im Regal.
Nachdem ich die DVD dann eingelegt hatte, kam was? Genau 1 Minute Raubkopierkifimörder sind alles Schwerverbrecher. Ich fühlte mich gleich viel Besser, daß man mir zutraut, diesen Film komplett mit der Denunziation der kompletten Kundschaft zu kopieren.
Ziehen wir mal ein Resümee zum Thema Musik und Video:
- Die MI bringt die CD auf den Markt. Herstellungskosten wurden somit halbiert, Verkaufspreis aber um ~30% erhöht.
- Das Internet boomt, die Menschen hätten gerne neue Lieder gleich. Statt daß die MI auf den Zug aufspringt und Lieder im Internet günstig anbietet, fängt sie an, CDs mit “Abspielschutz” zu versehen (Rootkit etc.). Die Leute installieren sich eDonkey, Kazaa + co. und tauschen die Lieder. Früher hat man seine CDs mit zu Freunden genommen, damit die sich die CD auf Kassette und später auch auf CD kopieren können, nun gehts halt verlustfrei per Internet.
- Die Musikindustrie veranstaltet eine Hexenjagd gegen ihre Kundschaft, überzieht Tauschportale und deren Nutzer mit einer beispiellosen Klagewelle.
- Die Kunden weichen auf andere Netzwerke aus (eMule z.B.) oder nutzen z.B. allof-ihrwisstschon - die Menschen wollen einfach nur günstig an Musik für ihren PC kommen ohne irgendwelche CDs zu kaufen, wo oft 50% und mehr nur Füller sind für 1-2 Hits.
- Die Musikindustrie hats kapiert und verklagt allof…, eMule etc. - eigene Inhalte im Internet kommen nicht.
- die ersten Internetshops für Musik entstehen (garnicht so einfach, da die MI die Rechte nicht gerne an Dritte gibt
- Die neue Geißel der Menschheit wird geboren - DRM - du darfst zwar alles hören und sehen - aber nur da, wo wir wollen
- Apples iTunes legt einen raketenmäßigen Start hin, nachdem es Jobs gelungen ist, einen brauchbaren Deal mit der MI abzuschliessen. Leider DRM-Verseucht was viele abschreckt aber nichts destotrotz ein voller Erfolg
- Die MI schläft ansonsten weiter, beklagt sich über Umsatzeinbrüche und RAKOKIFIMÖrder und verklagt nach wie vor jeden armen Musikkopierer. Alle Register werden gezogen, irrsinnige Schadenersatzforderungen werden gestellt.
Ja, ich finde, daß der gewerbsmässige Handel mit Kopien strafbar ist aber sonst? Sonst erreichen Musik- und Film-Industrie nur, daß ich immer mehr auf ihre Produkte verzichte. Ich bezahl doch nicht dafür, daß die mich ungestraft unter Generalverdacht stellen können.
gruß
Sehr schöner Text, wie immer.
Angesichts des Spruches „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“ frage ich mich immer, warum unsere Politiker von der Überwachung ausgenommen sind. Ich meine, die haben doch nichts zu verbergen oder? Nein, natürlich nicht. Wahrscheinlich sind Politiker so grundehrliche Menschen, dass sie keiner Überwachung bedürfen…
An und für sich finde ich Überwachungsmassnahmen eine gute Sache. Die sollte man erst mal auf alle Politiker, Richter, Staatsanwälte, Polizisten, Beamte und so weiter anwenden. Wenn sich dann gezeigt hat, das bei denen alles in Ordnung ist, können die von mir aus abhören und überwachen was sie wollen. Von wegen zuerst vor der eigenen Haustür kehren und so…
Hier noch mal was zum Thema Raubkopien und Musikindustrie:
-> ccc.de/cam... (CCC ruft zum Boykott der Musikindustrie auf)
-> ccc.de/cam... (sehr viele gute Banner zur Kampagne, unbedingt anschauen!)
Vor allem die mit den 4 Schallplatten gefallen mir (”Industry kills music”).
@Corny
Schade, dass die Banner alle im anachronistischen Querformat sind - sonst hätte ich eins in meinen neuen “Werbeblock” in die Sidebar genommen ;-)
„Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“
mdr.de/fak...
Moin Moin mein Fechter der Spiegel ! ;-)
Netter Artikel, doch Du schreibst mir manchmal einfach zu lieb. Die VDS ist der Startschuß zu dem, was wir hier im Lande schon mal hatten.
Doch wie weit wir in Deutschland gekommen sind, kann man hier mal lesen. Ich darf also noch nicht mal mehr den Oberhampelmann der Hampelmänner vom Vatikan, (dass sind die, die immer rauchende Metallhandtäschchen hin und her schleudern), kritisieren ???? Da wird mir mal eben das SEK ins Haus geschickt ??
Quelle:
kirchensum...
Ach noch was Jens, hast Du die Fledermaus schon kalt gestellt ???
Die Flasche wird mir bestimmt die Kehle runter”dollern” ;-)) hehehehe
@Chaolan
Für Alarmismus und Aktionismus gibt es bereits genug Blogs und Foren - da muß ich nicht auch noch den Kassandrarufer machen ;-)
Was die Fledermaus angeht … *lol* lass mal, ich hoffe, Du hast Deine “wertlosen Lappen” noch nicht alle in “alternative Anlageformen” gesteckt. Auch Fidels Rum gibt es nicht für Glasperlen ;-)
Ich muss nochmal auf das Wort “Raubkopie” zurück kommen. Ich hab noch nie eine Raubkopie gesehen. Und das was ich Zuhause hab, sind SICHERHEITSKopien. Original Datenträger sind so verdammt empfindlich, die muss man sicherheits-Kopieren. Zusätzlich ist es am besten, wenn die beiden Datenträger räumlich voneinander getrennt sind. Am besten bei´nem Bekannten deponieren. Wenn´s nämlich brennt, ist ein Datenträger geschützt.
@SF hast Du an Deiner Datasette auch immer mit dem Schraubendreher am Tonkopf rumgespielt? Ergebnis: Loading Error
Recht und Gesetz dient nicht den Bürgern, sondern den Macht- und den Recht(ein)habern.
Ein ganzes Volk soll kriminalisiert werden, damit es sich in Zukunft wegduckt und wegsieht bei den Vorhaben der Machteliten zur schamlosen Ausplünderung des Volkes im Namen neoliberalen Terrors.
@anon
Aber sicher dat ;-)
Man konnte ja anhand der Streifenrythmen beim “Turboloader” schon sehen, ob der Tonkopf justiert werden muß - digital goes analog *g*
Wenn man bedenkt, daß Radiohead mit ihrem neuem Album in Selbstvermarktung schon geschätzte 6 Mio Euro Umsatz gemacht haben, obwohl das Album auch kostenlos zum Download angeboten wird, kann ich die Angst der MI verstehen. Wenn das Schule macht gucken die Shareholder in wenigen Jahren ganz blöd aus der Wäsche und in den Chefetagen von Sony, Bertelsmann, EMI etc. gibt es bald nur noch Selters statt Sekt.
Kombiniere ich kostenlose Musikportale wie Finetune.com oder LastFM mit der Aussicht auf kostengünstige mobile Datenflatrates und die dementsprechende Hardware, wie etwa dem iphone, sehe ich schwarz für den konventionellen Musikvertrieb. Darunter fällt mittlerweile auch Musicload, Napster und Apples Geschäftsmodell. Warum soll ich noch eine Datei auf meiner Festplatte beherbergen, wenn die Musik jederzeit kostenlos direkt aus dem Netz abspielbar ist? Ich sogar online Playlists erstellen kann?
Zur Vorratsdatenspeicherung ist schon alles gesagt worden, da kann man sich drüber aufregen, verhindern werden wir diese jedoch nicht. Leider.
@Verschwender
Ganz einfach - ich will überall Musik hören und nicht nur vor einem Endgerät mit Internetanschluß. Außerdem möchte ich eine “Rechtssicherheit” *g* Wer sagt mir, dass morgen nicht das Portal teurer wird oder pleite geht?
@spiegelfechter
Ich sprach daher auch von der Zukunft. Ich mag nicht vorauszusagen wie es in 10 oder 15 Jahren aussieht.
@verschwender
OK, das mag wohl sein.
@32
“Zur Vorratsdatenspeicherung ist schon alles gesagt worden, da kann man sich drüber aufregen, verhindern werden wir diese jedoch nicht. Leider.”
Wer nicht kämpft hat schon verloren!
Die MI braucht ja nicht einmal Leute in die Lage zu versetzen, dass sie sich nicht wehren können. Man muss sie nur in die Lage versetzen, dass sie denken sie können sich nicht wehren… Ist leider auf jedem politische Feld so, aber wir haben schon mehr als eine Diktatur überwunden und da dachten die meisten auch, das geht nicht.
Ich meinte der Staat, aber auf die MI trifft das auch zu.