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  • Deutschlands Angst vor der Inflation

    geschrieben am 19. April 2010 von Spiegelfechter

    ein Gastbeitrag von Marshall Auerback. Übersetzung aus dem Englischen: Lars Schall.

    Der Euro dürfte, nach kurzzeitiger Erholung, nachhaltig schwach bleiben, da die beschlossenen Rettungsmaßnahmen aller Wahrscheinlichkeit die Defizite der Euro-Staaten größer werden lassen und somit die möglichen Zahlungsprobleme der Euroraumländern noch weiter verschärfen.

    Die allgemeine deutsche Haltung hierzu ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit von, sagen wir, Kalifornien genauso wenig die Überlebensfähigkeit des Dollar bedroht, wie die griechische Zahlungsunfähigkeit den Euro. Allerdings besitzen die Vereinigten Staaten von Amerika auch eine nationale geldpolitische Autorität, die auf die wachsenden Zahlungsschwierigkeiten der Bundesstaaten durch Dollarschöpfung und selektive Verteilung der Steuereinnahmen an die Bundesstaten reagieren kann. Eine vergleichbare geldpolitische Instanz gibt es im Euroraum nicht.

    Obwohl man Griechenland bisher durchaus als das ?Lehman?-Problem der Europäischen Währungsunion bezeichnen konnte, lässt das vor kurzem verkündete Rettungspaket eher einen Vergleich mit Bear Stearns zu. Durch Bears ?Rettung? im März 2008 sah es anfangs so aus, als ob es den weltweiten Finanzmärkten möglich sei, eine Krise in dem durch Vermögenswerte gesicherten Wertpapiermarkt zu verhindern. In Wirklichkeit verlagerte sie die Probleme lediglich nach hinten, da die zugrunde liegenden strukturellen Probleme, die die Krise überhaupt erst hervorriefen, ungelöst blieben. Die Kreditkrise, die im August 2007 begann, beinhaltete das Versagen der Liquiditäts- und Solvenz-Risiko-Systeme gleichermaßen. Die daraufhin einsetzende Gefrierstarre enstand, weil die nachfolgende Pleite von Lehman und der Kollaps von AIG die (durch jahrelange Bailouts aufgebaute) Erwartung der Märkte zerstörte, dass es einen ultimativen Marktregler geben würde, der schon stets mit diesen Wertpapierinstrumenten umzugehen verstünde.

    Ähnlich schuf der Aufbau einer gemeinsamen Währung die Markterwartung, dass das Geld des einen Landes so gut sei wie jedes anderen auch ? was erklärt, warum solch ?ausgabenpolitisch unverantwortliche? Nationen wie Italien jahrelang Geld zu deutschem Zinssatz-Niveau leihen konnten. Allerdings war es die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, eine grundlegende ?Rückkauf?-Funktion zu blocken, bei der europäische Geschäftsbanken diese Schulden über Rückkauffunktionen mit der EZB in deutsche und französische Staatspapiere wandeln können, die die Griechenlandkrise ausgelöst zu haben scheint.

    Wie wir die Dinge verstehen, wurde die Einstellung dieser Rückkauffunktion größtenteils auf Wunsch der Deutschen durchgeführt, die in dieser Aktivität eine Art von ?Hintertür-Monetisierung? sahen, die unweigerlich zur Inflation führt. Und das trotz der Tatsache, dass der gesamte Euroraum von großer Arbeitslosigkeit, hohen Entlassungsraten und zusammenbrechender Binnennachfrage gekennzeichnet ist. All das wird im Kern von der pathologischen Angst der Deutschen vor der Inflation bestimmt, die sie als die unausweichliche Folge von großen Staatshaushaltsdefiziten erachten.

    Doch Deutschlands unvernünftige Inflationsbefürchtungen erhöhen nur die Wahrscheinlichkeit für eine sehr viel größere Krise. Die “Euro-Infektion” könnte nunmehr leicht auf Italien, Portugal, Spanien und Irland übergreifen, von denen alle (unter den Bedingungen des Rettungspakets) Griechenland zu beleihen haben, und zwar zu je 5%. Was wird also mit ihren Finanzierungskosten geschehen? Sie werden demnächst die 5%-Marke übersteigen. Als in den USA die good banks die bad banks übernahmen, wurden sie selbst zu bad banks (siehe Bank of America und Countrywide). Und was ist mit der Vorrangigkeit dieser Kredite? Werden sie den Inhabern von griechischen Regierungsanleihen untergeordnet sein? Man könnte zwar annehmen, dass dem so sei, aber durch das Rettungspaket ist das keinesfalls klargestellt. Kurzum, es scheint eine zusammengeschusterte Lösung zu sein, und sie wird weder für Spanien noch für Italien funktionieren. Es besteht nicht einmal Klarheit darüber, ob sie ratifiziert wird. Die EU sagt, sie sei beschlossene Sache, aber Deutschland und die Niederlande sagen, sie bräuchten das parlamentarische Einvernehmen (was sich leicht verschleppen lässt).

    Um es klarzustellen: in den Nachwehen des Ersten Weltkriegs waren die Produktionskapazitäten Deutschlands entweder erheblich beschädigt oder aber auf die Anforderungen des Militärs ausgerichtet. Die alliierte Blockade schränkte Importe bis weit ins Jahr 1919 ein, und 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, das einen Großteil der deutschen Produktionsbasis beheimatete. All diese Maßnahmen begrenzten die deutsche Produktionsfähigkeit auf beträchtliche Weise, was die Verteilungsprobleme anheizte, die die Hyperinflation nährten.

    Nichts von alledem trifft auf das heutige Deutschland zu, und doch dominiert das ?Weimar 2.0?-Denken auf ähnliche Weise die Deutschen, wie das ?Maginot-Linien?-Denken das französische Militär-Establishment vor dem 2. Weltkrieg. Die Verteidigungs-Obsession gegen eine ?äußere? Gefahr der Inflation macht Deutschland blind. Es sieht nicht die Gefahr, dass ein Zusammenbruch der Gesamtnachfrage innerhalb der Europäischen Währungsunion am Ende zu einem Kollabieren des deutschen Exportsektors führen wird (der zu einem wesentlichen Teil das Produkt innereuropäischen Handels ist), und zu einer damit einhergehenden Ausbreitung der PIIGS-Krankheit des langsamen Wachstums und der hohen Arbeitslosigkeit auf das Herzland der Eurozone. Wir wissen, wie es für Frankreich endete, nachdem sich die Maginot-Linie eher als eine scheinbar vorhandene denn wirklich existente Verteidigung herausstellte.

    Wir hoffen, dass Deutschlands ähnlich ?erfolgreiche? Inflations-Verteidigung nicht zu vergleichbar desaströsen Resultaten für das heutige Europa führen wird.

    Marschall Auerback

    Marshall Auerback ist ein kanadischer Fondsmanager, Fellow von Economists for Peace & Security und dem Japan Policy Research Institute in California. In seiner Funktion als Berater des Franklin and Eleanor Roosevelt Institute veröffentlicht Auerback regelmäßig Artikel auf ?New Deal 2.0?. Momentan lebt Auerback in Denver.

    49 Kommentare Print This Post
    ein Gastbeitrag von Marshall Auerback. Übersetzung aus dem Englischen: Lars Schall. Der Euro dürfte, nach kurzzeitiger Erholung, nachhaltig schwach bleiben, da die beschlossenen Rettungsmaßnahmen aller Wahrscheinlichkeit die Defizite der Euro-Staaten größer werden lassen und somit die möglichen Zahlungsprobleme der Euroraumländern noch weiter verschärfen. Die allgemeine deutsche Haltung hierzu ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit von, sagen wir, Kalifornien ...
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    49 Kommentare:

    1. Schneemann schrieb am 19. April 2010 at 21:58 - Permalink

      Auf Englisch liest sich der Text besser, und vor allem ohne Gefrierstarre im Herzland. :)

      Zum Thema: nachdem uns Deutschen schon in der Weimarer Zeit alles Geld wiederholt vernichtet wurde, nachdem uns nach dem 2. Weltkrieg genommen wurde, was den Bombenterror überlebt hat, nachdem wir mittlerweile den ganzen Mittelmeerraum, Balkan und Osteuropa durchfüttern, mußten wir per EURO-Währungsreform schon wieder den Kürzeren ziehen. Da ist doch verständlich, daß die Leute an dem bißchen festhalten, was sie noch besitzen. Nur auf einer gesunden Währung kann eine gesunde Wirtschaft basieren, andernfalls hätten wir besser die Lira als Leitwährung akzeptiert.

      ein Zusammenbruch der Gesamtnachfrage innerhalb der Europäischen Währungsunion am Ende zu einem Kollabieren des deutschen Exportsektors führen wird…

      Auf Bloomberg kam heute, daß die Großinvestoren (sprich: Großspekulanten) fest mit einem griechischen Bankrott rechnen. Vielleicht wird auch Deutschland rechtzeitig erkennen, daß ein Verbleib in der Eurozone das finanzielle Verderben bedeutet.

    2. ppp schrieb am 19. April 2010 at 23:38 - Permalink

      In der Welt war heute Folgendes zu lesen:

      So wie der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, der Interviews zum Thema Euro derzeit ablehnt. Dabei dienten sein stabilitätspolitischer Kurs und die von ihm geführte Bundesbank als Blaupause für die Europäische Zentralbank (EZB). Diese ist als Inflationsbekämpferin lange erfolgreich gewesen [...] “Er sollte ein Bollwerk sein gegen Inflation, gegen ausufernde Staatsverschuldung und gegen zu starke Markteingriffe des Staates, mit einer EZB als unabhängiger Wächterin” [...]

      So siehts wohl aus – der Euro als Vehikel um eine wirtschaftspolitische Dogmatik durchzudrücken. Tja, so wurde die eigentlich sehr nützliche Idee einer gemeinsamen Währung an die Wand gefahren.

    3. Frank Powers schrieb am 19. April 2010 at 23:53 - Permalink

      Im Inhalt keine Übereinstimmung mit dem Schneemann, in einer Sache jedoch schon:
      Auf Englisch las sich der Text tatsächlich… sinnvoller. Kann man das nicht in der Originalsprache querposten? Oder wenigstens besser übersetzen?
      (An Lars Schall: Nicht böse gemeint – aber manche Ausdrücke und Redewendungen sollte man doch anders als wortwörtlich übersetzen; und wenn das dann etwas länger dauert als die Kraut-und-Rüben-Übertragung, na, dann postet man eben ein paar Stunden oder ‘nen Tag später. Von halbgaren Texten hat keiner was.)

    4. Ranger schrieb am 20. April 2010 at 01:44 - Permalink

      Öhem, will da der VWLler nix dazu sagen? Ich kann kaum glauben was ich hier lese. Ich hoffe der gesamte Text ist ein Übersetzungsfehler. Aber wie ich die Amerikaner inzwischen kennen lernen MUSSTE denken die wirklich so.

    5. muffin schrieb am 20. April 2010 at 06:23 - Permalink

      “nachdem uns Deutschen schon in der Weimarer Zeit alles Geld wiederholt vernichtet wurde”.. klingt nach einem anomymen Vernichter, ach naja, Hauptsache Deutschland wird als Opfer dargestellt.

      “nachdem uns nach dem 2. Weltkrieg genommen wurde, was den Bombenterror überlebt hat”… diese Aussage ist schon unverschämt. Deutschland hat im höchtsen Maße vom Marshallplan profitiert, ohne die finanzielle Hilfe und Unterstützung der Alliierten wäre Deutschland ein Dritt-Welt Land geworden. Aber wird hier als beraubtes Opfer des “Bombenterrors” dargestellt, als ob Deutschland überfallen wurde…. Dass, was sich Deutschland im 2ten Weltkrieg in der Welt zusamengeraubt hat, (alleine das Vermögen der Tschechen war immens) ist zum größten Teil in Deutschland verblieben, zusammen mit dem Geld aus dem Marshalplan (und innerer Stabilität, gewährleistet durch die Allierten) hat es ausgereicht Deutschland zu einer Witschaftmacht zu machen.

      “nachdem wir mittlerweile den ganzen Mittelmeerraum, Balkan und Osteuropa durchfüttern”… jaha, da ist er wieder, der arrogante, wahrheitsverleugnende, überhebliche Deutsche, der sich selber immerwieder als Opfer und Zahlmeister sieht. Zur Erinnerung, der “Balkan” und Osteuropa hatten keinen Marshallplan im Ar… stecken und haben auch nicht ganz Europa ausgeraubt. Eigentlich füttert Deutschland ja die ganze Welt… oder ? “wir werden weiter marschieren, auch wenn alles in Scherben fällt …”

      “mußten wir per EURO-Währungsreform schon wieder den Kürzeren ziehen. ”
      Die Euro “Währungsreform” war und ist ein deutsches Projekt. Der Euro wurde in Frankfurt konzipert, die EZB hat ihren Sitz in Frankfurt, Deutsche bestimm(t)en über das Wohl oder Wehe des Euro. Also Schluß mit dem wehleidigen Opfergewinsel. Deutschland ist zu einem sehr großem Teil daran Schuld, dass es so läuft wie es läuft. Deutschland hat sich wirtschaftlich wesentlich schwächere, kaum industrialisierte Staaten in die EU geholt, um sich ein Billigstarbeiterreservoir zu schaffen und um seinen Absatzmarkt zu vergrößern. Zu letzt Bulgarien und Rumänien. Deutschland hat sich durch Dumpinglöhne sehr große Export-Vorteile gegenüber anderen EU Staaten erzwungen. Gleichzetig hat man im Ausland Arbeitsplätze vernichtet, weil niemand in der EU billiger produziert als deutsche Unternehmen. Während der Reallohn in den anderen EU Ländern mit und über der Inflation gewachsen ist, ist er in Deutschland real, im letzten Jahrzehnt, im Minusbereich gelandet. Gleichzeitig hat man den Binnenmarkt in Deutschland kaputtgemacht. Das macht die deutsche Führung, die deutsche “Elite”, nicht irgendjemand aus dem Ausland.

    6. Systemfrager schrieb am 20. April 2010 at 08:27 - Permalink

      Nett gesagt, es gibt in der Tat bessere Texte über Inflation/Deflation als dieser von Marschall Auerback. Ich habe Eindruck: eine konstruierte Geschichte und alles Wischiwaschi. “@muffin #5 muss 100% zugestimmt werden. Aber was noch wichtiger ist! Was uns die Geschcihte über Inflation/Deflation sagt, ist sehr viel klarer und deutlicher als es Marschall Auerback erzählt:

      Neben der Konfiszierung und dem Steuersystem – die sinnvoll funktionieren könnten, wenn der Staat die Gelder produktiver anlegt als die besteuerten Individuen – hat die Inflation eine bedeutende Rolle in den verschiedenen Aufstiegsperioden gespielt. Es besteht kein Zweifel, dass die Kapitalbildung Englands in den späten 1790er Jahren, der Vereinigten Staaten um 1850 und Japans um die 1870er Jahre durch eine Preisinflation unterstützt wurde.

      Walt W. Rostow, ein US-amerikanischer Ökonom und Wirtschaftshistoriker

      In der Vergangenheit hatte Inflation immer mit Wachstum, oftmals sogar übermäßig schnellem Wachstum, in Zusammenhang gestanden.

      Tony Judt, ein britischer Historiker, sein Arbeitsschwerpunkt ist die europäische Geschichte.

      Mehr darüber:
      Das Preisniveau – Inflation und Deflation – aus empirischer Sicht
      Das Sparen und das allgemeine Gleichgewicht der Marktwirtschaft
      dahin >>>

    7. lars schall schrieb am 20. April 2010 at 09:06 - Permalink

      soll nicht wieder vorkommen, dass ich die spiegelfechter-leser mit meinen unzureichenden übersetzungen von auerback-texten belästige – es sei denn, jens veröffentlicht sie, ohne von mir dazu gepeitscht zu werden. marshall, der des deutschen mächtig ist, hat die übersetzung so durchgewunken, was soll ich sagen? dass seine texte im original besser sind, ist mir auch klar, immerhin lese ich sie seit jahren, ohne dass ich a) seine positionen im großen u. ganzen teile, und b) obwohl ich finanzen persönlich ohnehin eher langweilig finde. marshalls schreibe erachte ich dagegen als ungemein ansprechend und exakt deswegen lese ich sie.

      marshall und ich gingen davon aus, dass es nicht schaden könnte, den einen oder anderen text von ihm auf deutsch bereitzustellen. da haben wir uns getäuscht.

      im übrigen ist herr auerback kein us-amerikaner, sondern kommt aus kanada. wenn schon alles über einen kamm scheren, dann bitte korrekt…

    8. Spiegelfechter schrieb am 20. April 2010 at 09:13 - Permalink

      Sicher – man hätte Text noch lektorieren und vielleicht auch ein wenig redigieren müssen … dazu fehlte mir aber gestern Abend die Zeit. Außerdem denke ich doch mal, dass er auch so sehr interessant ist und eine Meinung darstellt, die durchaus diskutabel ist. Man muss natürlich nicht 100% hinter jedem Gastartikel stehen – darin sehe ich nun gar kein Problem.

    9. Systemfrager schrieb am 20. April 2010 at 09:19 - Permalink

      @ lars schall 7

      … ich weiß es nicht … aber unklare und unpräzise Gedanken kann man auch nicht anders als unklar und unpräzise übersetzen … oder?

      Wenn etwas schwer verständlich klingt, dann deutet das nur in den wenigsten Fällen auf ein besonders kompliziertes Thema hin; nie ist es ein Zeichen für besondere Gelehrsamkeit. Meist drückt sich darin lediglich die Unfähigkeit aus, klares Englisch oder Deutsch zu schreiben, oder – was noch häufiger vorkommt – ein verworrenes, unvollständiges Denken.

      J. K. Galbraith, einer der am meisten gelesenen USA-Ökonomen des vorigen Jahrhunderts – weil er klar denken und auch noch klarer schreiben konnte

    10. lars schall schrieb am 20. April 2010 at 09:50 - Permalink

      naja, herr galbraith u. herr auerback kannten sich persönlich. irgendwie müssen sie sich verständigt haben. wahrscheinlich mit händen und füßen. oder sie sind ins französische gewechselt, da hört sich auch der größte nonsense wenigstens klasse an.

      wenn man die texte von marshall im original liest, kann man sie durchaus genießen. versucht man sie zu übersetzen, verursachen sie kopfschmerzen. da muss man aber auch dazu sagen, dass ich kein übersetzer bin und auch nicht vorhabe, einer zu werden. ich bin lediglich der auffassung, ähnlich wie jens in kommentar 8 und der gute marshall persönlich, dass es nicht schaden kann, einen kleinen farbtupfer hie und da in einem finanz-diskurs zu sehen, der hierzulande doch eher grau und mau daherkommt. die meinungen von marshall sind jedoch auch in den usa absolute minderheitsauffassungen. kann daran liegen, dass man ihm unterstellen kann, dass er weiß, wovon er spricht.

      ich hab übrigens zwei ausführliche interviews mit ihm für mmnews veranstaltet – beide en anglais.

    11. Linus schrieb am 20. April 2010 at 09:51 - Permalink

      aber unklare und unpräzise Gedanken kann man auch nicht anders als unklar und unpräzise übersetzen

      Den Eindruck habe ich auch. Ich kann in dem Artikel keine durchgängige Argumentationslinie erkennen, eher einen Flickenteppich aus verschiedenen Themen. Die werden dann irgendwie mit dem Reizwort Maginot-Linie zusammenklebt. Wirklich schlauer fühl ich mich nach dem Lesen nicht.

      Ich hatte den Artikel vorher schon auf Englisch gelesen. Das liest sich tatsächlich viel besser. Dennoch, eine schöne Schreibe macht noch keinen guten Artikel.

    12. Spiegelfechter schrieb am 20. April 2010 at 10:01 - Permalink

      @all

      Ich habe den Text nun “leicht” überarbeitet ;-)

    13. Spiegelfechter schrieb am 20. April 2010 at 10:07 - Permalink

      Meines Erachtens unterschlägt Auerback bei seiner historischen Ursachenforschung für die deutsche Inflationsangst einen wichtigen Punkt: Die Hyperinfaltion von 1920 bis 1923 war genauso wie die Deflation zu Beginn der 1930er Jahre politisch gewollt und zu einem großen Teil politisch herbeigeführt. Auerback sei verziehen – sein Artikel richtet sich an amerikanische Leser, die sehr wohl wissen, dass es so etwas wie Geldpolitik gibt. In Deutschland werden solche Entwicklungen immer als externe Faktoren dargestellt, auf die man bestensfalls reagieren, die man aber nicht durch eigenes Agieren steuern kann. Das ist natürlich grundfalsch. Wenn unsere Mitbürger wissen würden, dass Inflation und Defaltion kein Gottesurteil sind, sondern steuerbar, würde wohl auch die kaum erklärbare Angst schwinden.

    14. Linus schrieb am 20. April 2010 at 10:41 - Permalink

      @SF: Da hast du natürlich recht. Jedoch: Das Problem des wirtschaflichen Ungleichgewichts wäre auch in normalen Zeiten nicht einfach zu lösen. Ungleich schwieriger wird es vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise. So sind sich die Wiwis derzeit durchaus nicht drüber einig, ob Inflation, Deflation, Stagflation oder sonst was droht.
      Gerade deshalb ist eine wirklich tiefgehende Analyse angesagt. Es mag ja sein, daß es eine Inflations-Obsession der Deutschen gibt. Na schön, stellen wir das ab. Aber was ist anstelle dessen konkret zu tun? Dann wär’s auch einfacher, sich von Inflationsangst frei zu machen.

    15. Spiegelfechter schrieb am 20. April 2010 at 10:48 - Permalink

      @Linus

      Sagen wir es mal ganz “verschwörerisch” ;-)

      Eine Inflation ist nicht im Interesse der deutschen Meinungsbildner und die Diskussion, die Du vorschlägst, ebenfalls nicht. Daher hält sich auch das Interesse an einer angstbefreiten Betrachtung des Phänomens Inflation arg in Grenzen.

    16. Frank Schenk schrieb am 20. April 2010 at 10:51 - Permalink

      Öhm, die Banken – allen voran Deutsche Bank, Dresdner Bank/Commerzbank, KKB/City/Targo verpulvern mit unglaublichen Hebeln ohne Sicherheiten Milliarden von Einlagen und Kredite auf die Einlagen – was regen wir uns hier über Griechenland auf? Das ist ja, wie wenn der Bankräuber, der gerade 20 Millionen geklaut hat, auf den Jungen zeigt, der einen Lolly geklaut hat.

      Die Amis haben es vor gemacht, Schröder, Merkel und andere Hohlbirnen haben es nachgemacht und den völlig schrankenlosen Hebelgeschäften Tür und Tor geöffnet – und statt die Banken pleite gehen zu lassen, die Manager zu feuern und haftbar zu machen, wird über Griechenlands Krise gefaselt. Die Deutsche Bank handelt doch pro Tag mit mehr Geld, als Griechenland brauchen würde, um das heil zu überstehen.

      Wenn der Fisch vom Kopfe her stinkt, nützt es nichts, die Schwanzflosse zu polieren.

      gruß

    17. Systemfrager schrieb am 20. April 2010 at 11:08 - Permalink

      # 13

      In Deutschland werden solche Entwicklungen immer als externe Faktoren dargestellt, auf die man bestensfalls reagieren, die man aber nicht durch eigenes Agieren steuern kann. Das ist natürlich grundfalsch. Wenn unsere Mitbürger wissen würden, dass Inflation und Defaltion kein Gottesurteil sind, sondern steuerbar, würde wohl auch die kaum erklärbare Angst schwinden.

      # 15

      Daher hält sich auch das Interesse an einer angstbefreiten Betrachtung des Phänomens Inflation arg in Grenzen.

      Jetzetle … dumm gelaufen, nicht war – für mich! Was kann ich jetzt noch kommentieren? Dann eben nicht! Der Tag ist prächtig, ich hole mir ein Bier … ein Weizenbier – ist schon klar … nein, nicht ein klares, ein dunkles Weizenbier.

    18. Spiegelfechter schrieb am 20. April 2010 at 11:17 - Permalink

      @Systemfrager

      Wenn es mal immer so einfach wäre, Dich auszukontern ;-)

      Lass Dir das Weizen schmecken, ich muss einstweilen noch mit Kaffee vorlieb nehmen.

    19. Systemfrager schrieb am 20. April 2010 at 11:27 - Permalink

      @ SF 18

      Wenn es mal immer so einfach wäre,

      … dann wäre das Leben doch sehr langweilig. Prosit! ;-)

    20. AndreasM schrieb am 20. April 2010 at 11:54 - Permalink

      Ich denke nicht, daß es momentan überhaupt möglich wäre, in Deutschland mit den üblichen geldpolitischen Massnahmen eine Inflation von Gebrauchsgüterpreisen zu erreichen.
      Die Wirtschaft ist kaum vollständig ausgelastet und wirkt damit als Puffer bezüglich Preiserhöhungen.

      Nehmen wir einmal an, irgendwie hätte sich eine starke Inflation entwickelt und die Leute würden die Inflation akzeptieren und weitere starke Inflation erwarten.
      Viele Menschen in Deutschland leben aber gerade nur so eben von dem, was sie verdienen bzw. als Unterstützung erhalten. Es ist nach den Erfahrungen der Krise kaum zu erwarten, dass diese Leute plötzlich noch mehr Kredite bekommen, selbst wenn den Banken durch die Notenbanken Unmengen an Geld zur Verfügung gestellt wird (und ist das nicht jetzt schon halbwegs so und die Grenzen eher bei Sicherheiten und Vertrauen?). Wie also sollen sie an das Geld kommen, um die höheren Preise zu bezahlen? Mehr Hartz IV? Weniger Sozialbeiträge? Entlastung niedriger Einkommen? Grundeinkommen? In Deutschland? Wohl kaum.
      Eine Inflation im Bereich der Gebrauchsgüter würde hier also sehr schnell zu niedrigerem bzw. noch niederwertigerem Konsum führen. Wie sollen sich diese höheren Preise also halten, wenn sofort Absatz wegbricht?

      Ich kann mir nur eine Inflation im Bereich der Spekulationsgüter vorstellen und irgendwie haben wir das mit starken Schwankungen einhergehend schon eine Weile.

    21. Linus schrieb am 20. April 2010 at 12:24 - Permalink

      @SF #15:

      Eine Inflation ist nicht im Interesse der deutschen Meinungsbildner und die Diskussion, die Du vorschlägst, ebenfalls nicht. Daher hält sich auch das Interesse an einer angstbefreiten Betrachtung des Phänomens Inflation arg in Grenzen.

      Und darum bleibt der vorliegende Artikel so an der Oberfläche? Oder was willst du mir sagen? Langsam glaube ich, ich bin im falschen Film – ähh Blog.

      Ich habe ja nicht wirklich ein Problem damit, daß der Artikel nicht viel hergibt. So what!
      Aber wir sind doch alle an einer ernsthafte Diskussion interessiert, zur Not auch ohne Artikel. Darum starte ich gleich mal mit einer These:

      Das Geschäftsmodell “Deutschland und die anderen” lief doch in etwa so:

      Ich leih dir was, und du kaufst mein Zeug dafür und wenn du pleite bist, dann sehn wir weiter. Hauptsache der Rubel rollt, denn so lange läuft das Geschäft ***kopfindensandsteck***. Naja, im Zweifelsfall sorgen wir dafür, daß uns das Fußvolk wieder raushaut.

      Das war schon seit Kohl so. Der hat damit angefangen, sich seine Freunde zusammenzukaufen (man denke an den völlig verhunzten Agrarmarkt in den 90-ern). Anders wäre wohl keine EU entstanden.

      Das Ganze kann man noch ein wenig länger am Laufen halten, indem man aus Deutschland ein Billiglohnland macht. Nun aber ist der Topf leer und wo ist die ganze schöne Kohle hin. Die haben irgendwelche reichen Säcke eingesackt, die prächtig Geschäfte gemacht haben.

      Da wird von Ungleichgewichten im Außenhandel geschwafelt. Das eigentliche Problem liegt doch woanders. Der Graben verläuft doch nicht zwischen Deutschland und Griechenland, sondern zwischen Arm und Reich. Und der wurde von der Politik der letzten 25 Jahre gewaltig ausgeschaufelt.

      So, das scheint mir provokant genug, um für Streit zu sorgen und damit Aufklärung zu “katalysieren” ;-)

    22. lars schall schrieb am 20. April 2010 at 12:34 - Permalink

      in einem der angesprochenen interviews, “many years of economic stagnation”, erklärt marshall die gründe, die aus seiner sicht zur hyperinflation in der weimarer republik führten (er kennt sogar w. rathenau, man staune) und warum diese entwicklung seiner ansicht nach für die usa einstweilen nicht zu befürchten steht. die inflation tobt sich derzeit, überraschung, überraschung, im us-aktienmarkt aus. irgendwo muss das geld ja hin.

      so, und ich bereite jetzt ein (englisches) interview zur federal reserve vor – stichwort geldpolitik und “inflation im aktienmarkt”.

    23. name schrieb am 20. April 2010 at 15:52 - Permalink

      @muffin & systemfrager

      Genau so ist es! Wir haben eine Überproduktions- und Unterkonsumtionskrise weltweit, deren Kapazitäten und Produkte keiner mehr zahlungsfähig nachfragen kann, daß es nur so kracht. Die einzigen, die wenigstens diese Nachfrage noch eigenständig bedienen, sind die Piraten in Afrika und die Diebe, Räuber und Betrüger rund um den Rest der Welt.

      Das deutsche Kapital jedenfalls könnte mit der Inflationswaffe allen anderen innereuropäischen Konkurrenten den Hals so gewaltig umdrehen, daß von diesen Hälsen nichts mehr übrig bleiben würde, nur, die Folge wäre ein völliger Ausfall der künstlichen Spekulationsnachfrage in Finanzsektor in Europa gegen die japanische und ameriaknische Konkurrenz. Diesen Luxus, diese Spekulation als Nachfragemotor unter diesen kaptalistischen Bedingungen mit einer Inflation zu erdrosseln, können sich die deutschen Kapitaleliten noch viel weniger leisten, wenn auf dem Battelfield Europa noch um die Spekulationssonnenplätze Krieg geführt wird.

    24. schwitzig schrieb am 20. April 2010 at 16:12 - Permalink

      Hmmm.

      Ich persönlich sehe seit 2000 eine geradezu galloppierende Inflation (noch keine Hyperinflation). Das Volksvertreter-Gebrabbel von ca. 2% ist mir völlig egal: Ich sehe, was ich verdiene und was ich dafür noch bekomme.
      Mit meinem aktuellen Verdienst hätte ich im Jahr 2000 wie ein König leben können.

      Und nebenbei: Inflationen sind bei Staaten sehr beliebt, um Schulden abzubauen. Die, die viel Geld haben, lagern dieses vorübergehend in Sachwerte oder andere stabile Währungen aus, während hingegen die Nichts- und Wenighaber den Spass bezahlen.
      Da Regierungen von denen die viel Geld haben gekauft sind, agieren sie also in deren Interesse – ein Widerspruch zu SF#8.

    25. Lemmy Caution schrieb am 20. April 2010 at 18:54 - Permalink

      Was haben wir eigentlich davon, wenn wir uns von dieser german angst gegenüber der Inflation befreien?

      Inflation heisst doch zunächst mal, dass Unternehmer versteckte Lohnsenkungen besser verbergen können.

      Anhand eines Beispiel:
      Wir haben eine Inflation von 10%.
      Der Arbeiter erhält 5.000 ? im Monat.
      Der Unternehmer überreicht ihm freudestrahlend einen Brief, in dem von einer Gehaltserhöhung von 500 ? die Rede ist.
      Nominal bekommt er: 10% (boar supa).
      Problem ist halt, dass dies real nüsse bedeutet…

      Wir haben halt diese inflationsskeptische Kultur und können damit an sich gut leben.
      Und wer bestimmt, was eine “gesunde Inflation” darstellt. Kanada?

      Gibt auch keine positive Korrelation zwischen hoher Inflationsneigung und besonders sozialen Verhältnissen. Ganz im Gegenteil: In Europa ist das Einkommen in Ländern mit niedriger Inflation tendentiell gerechter verteilt.

      In Ländern mit einem starken Wachstumspotential macht Inflation bestimmt Sinn. Aber in einer reifen Volkswirtschaft mit gewissen Demographie-Problemen…

      Für Kanada machte eine ein wenig lockere Geldpolitik bestimmt Sinn. Ihr Haupthandelspartner machte das unter Greenspan genauso. Aber ist das ein leuchtendes Vorbild. Wie sah denn die kanadische Geldpolitik 1983 aus? Und die haben übrigens in der ersten Hälfte der 90er mächtig in die Staatsausgaben reingeholzt. Nicht das ich dagegen wäre, aber eine losere Geldpolitik schützt halt EBEN NICHT vor einer restriktiven Fiskalpolitik, Freunde der Blasmusik. Die Phillips Curve ist nun wirklich empirisch eher widerlegt…

    26. Blockpartei schrieb am 20. April 2010 at 19:38 - Permalink

      # 24 Das nennt sich nicht Inflation sondern Gier.

      Aber ich verstehe, was du meinst: Zum Stichtag 2002 hat sich die Kaufkraft in Deutschland einfach halbiert, weil Preise 1:1, Löhne aber fein säuberlich auf den damaligen Euroreferenzkurs umgerechnet wurden. Bis heute liest man kaum etwas über diese Volkswirtschaftliche Katastrophe (für Lohnabhängige natürlich), die u.a. den deutschen Binnenmarkt endgültig um die Ecke gebracht hat. Und sicherlich kommen jetzt Kreti & Pleti um die Ecke und argumentieren mit Warenkörben und den Yachten und Einfamilienhäusern, die ja sooo billig geworden sind, während sie vergessen, dass Brot und Milch mal eben doppelt so teuer geworden sind. Das ist die Wahrheit.

    27. elwu schrieb am 20. April 2010 at 20:35 - Permalink

      #26: Natürlich ist die reale Inflation enorm, nicht erst seit Einführung des Euro. Zum 1.1.2002 eine Verdoppelung von Preisen zu verorten ist allerdings völlig unsubstantiiertes Geschwafel auf dem Niveau spinnerter Verschwörungstheorien. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Behauptung erübrigt sich daher, ganz ohne Warenkörbe und Häuser.

    28. Lesefuchs schrieb am 20. April 2010 at 20:37 - Permalink

      “Englischer Text besser”…
      Man sollte nie vergessen wo wir leben. Wir leben in einem deutschsprachigen Raum. Die MASSE spricht kein Englisch und kann darum mit solchen Texten nichts anfangen. Auch Douglas hat das erkannt und seine Werbung verändert. Würde man keine Texte übersetzen, ob gut oder schlecht, würden viele Deutsche als Mitdenker und -streiter verloren sein.
      Meine Devise deshalb – Lieber schlecht als gar nicht (übersetzen) !!!

    29. FK schrieb am 20. April 2010 at 22:27 - Permalink

      @28: Nö das sehe ich anders – die Masse die du meinst interessiert das ganze Politik+VWL geschreibsel im Spiegelfechter eher wenig bis garnicht. Allein schon weils aktuell keine deutschen ökonomen von Weltrang gibt, kommt man bei interesse also garnicht umhin englisch zu lernen, wenn man seine Quellen gern aus erster hand konsumiert.
      Ich bin mir jedoch sicher, dass die Masse, auf die es ankommt, und die Masse, die hier in den Blog schaut (die übrigens beide nicht unbedingt deckungsgleich sind ;) ), können mittlerweile durchgehend englisch, so dass sich sogar Jens mal überlegen könnte ob er in zukunft den Blog (oder vielleicht nur ausgewählte Artikel) direkt in englisch führen sollte. Das würde eine viel größere Zielgruppe ansprechen, nämlich Weltweit.
      Der Diskurs in den Kommentaren könnte dann durch milliarden potenzieller Mitdenker vielleicht so richtig abheben, eben weil man die politischen und wirtschaftlichen Probleme die uns globalisierungsbedingt seit Jahren plagen auch global diskutieren könnte.

    30. tar schrieb am 20. April 2010 at 22:32 - Permalink

      @ #13 – Spiegelfechter

      Wenn unsere Mitbürger wissen würden, dass Inflation und Defaltion kein Gottesurteil sind, sondern steuerbar, würde wohl auch die kaum erklärbare Angst schwinden.

      Entschuldige mal, aber dass genau das nicht stimmt, beweist Japan seit Jahren wunderbar.

      Ich kann da nur #20 zustimmen.

      @ #22 – lars schall

      in einem der angesprochenen interviews, ?many years of economic stagnation?, erklärt marshall die gründe, die aus seiner sicht zur hyperinflation in der weimarer republik führten (er kennt sogar w. rathenau, man staune) und warum diese entwicklung seiner ansicht nach für die usa einstweilen nicht zu befürchten steht.

      Ein gute Zusammenfassung zu den Ursachen der Hyperinflation von 1922/23.

      Die Quintessenz:

      Ab Ende Mai 1922 war es also mit der Kontrolle der Reichsbank durch die Reichsregierung zu Ende! (…) Nun ist es aber so, dass die Inflation erst nachdem die Reichsbank “autonom” geworden war, zu galoppieren anfing (…)

      Anscheinend ließ man ab Juni 1922 den privaten Notenbanken in Sachen Geldemission freiere Hand als vorher. Zu Beginn des 1. Weltkriegs hatte man außerdem die gesetzliche Noteneinlösungspflicht der Reichsbank in Gold aufgehoben. Dasselbe wird wohl auch für die privaten Notenbanken gegolten haben…

      Gruß!

    31. salvo schrieb am 21. April 2010 at 09:43 - Permalink

      der Blog von Yves Smith hat auch ein Kommentar von Marshall Auerback veröffentlicht, der das Szenario einer anhaltenden Schwäche des Euro, steigender Inflation und einer wahrscheilichen Zinserhöhung durch die EZB beschreibt, das zum finanziellen Kollaps führen könnte. Er geht dann auf die Folgen, die dieses Szenario für die USA haben könnten.

      “In times of high unemployment, government deficits are required to underwrite growth, given that the private sector shift to non-government surpluses has left a huge spending gap and firms responded to the failing sales by cutting back production. Employment falls and unemployment rises. Then investment growth declines because the pessimism spreads. Before too long you have a recession. Without any discretionary change in fiscal policy (now referred to in the public media as ?stimulus packages?) the government balance will head towards and typically into deficit, unless the US miraculously becomes an export powerhouse along emerging Asia lines, and runs persistent current account surpluses, to a degree which allows the governments to run budget surpluses.

      This is not going to happen, particularly when the largest current account surplus nations, notably Germany, cling to a mercantilist export led growth model, an inevitable consequence of that country?s aversion to increased government deficit spending. The German government?s reticence to counter any kind of shift in regard to its current account surplus is particularly significant in light of the ongoing and intensifying strains developing in the EMU nations (see here) . Last week?s Greek ?rescue? is Europe?s ?Bear Stearns event?. The Lehman moment has yet to come. One possible outcome of this could well be significantly larger budget deficits in the US and a substantial increase in America?s external deficit, given the unlikelihood of America becoming an export super power again. Let me elaborate below.

      In the euro zone, I now see one of two possible outcomes. Scenario 1: the problem of Greece is not contained, and the contagion effect extends to the other ?PIIGS? countries, leading to a cascade of defaults and corresponding devaluations as countries exit the EMU. Interestingly enough, the country which could well be affected most adversely in this situation is France, as the country?s industrial base competes largely against countries like Italy and the corresponding competitive devaluation of the Italian currency in the event of a euro zone break-up could well destroy the French economy (by contrast, as a capital goods exporter with few euro zone competitors, Germany?s industrial base will be less adversely affected in our view).

      In Scenario 2 (more likely in my opinion) we get some greater fears about other PIIGS nations (discussion is now turning to Spain, Portugal and Ireland). The EMU might well hold together but the corresponding fear of contagion might well provoke capital flight and drive the euro down to parity (or lower) with the dollar. Of course, the euro?s weakness creates other problems: when the euro was strengthening last year due to portfolio shifts out of the dollar, many of those buyers of euro bought euro denominated national government paper (including Greece). The resultant portfolio shifts helped fund the national EMU governments at lower rates during that period. That portfolio shifting has largely come to an end, making national government funding within the euro zone more problematic, as the Greek situation now illustrates.

      The weakening euro and rising oil prices raises the risk of ?inflation? flooding in through the import and export channels. With a weak economy and national government credit worthiness particularly sensitive to rising interest rates, the European Central Bank (ECB) may find itself in a bind, as it will tend to favor rate hikes as prices firm, yet recognize rate hikes could cause a financial collapse. And should a government like Greece be allowed to default, the next realization could be that Greek depositors will take losses, and, therefore, the entire euro deposit insurance lose credibility, causing depositors to take their funds elsewhere.”

      http://www.nakedcapitalism.com/2010/04/marshall-auerback-troubles-in-the-eurozone-will-the-contagion-affect-the-u-s.html

    32. Griabiger Batzi schrieb am 22. April 2010 at 08:38 - Permalink

      @lemmy caution, 25

      Die Phillips Curve ist nun wirklich empirisch eher widerlegt?

      Erklär mir das mal bitte.

      Könntest Du weiterhin erklären, warum sie dann immer noch viel diskutiert wird?

      Auch erfreute mich eine Erklärung in wie weit “Blanchard, O. and J. Galí (2007), “Real Wage Rigidities and the New Keynesian Model”" und die darin enthaltenen Ausführungen zur erweiterten Phillipskurve empirisch widerlegt wären.

      Könntest Du mir desweiteren auf die Sprünge helfen und mir erklären, in wie weit die Betrachtungen zur erweiterten Phillips-Kurve von Ricardo Llaudes ( http://www.ecb.int/pub/pdf/scpwps/ecbwp441.pdf) widerlegt wären?

      Viele grüsse

      Batzi

    33. Systemfrager schrieb am 22. April 2010 at 10:06 - Permalink

      # 32

      Was wirklich empirisch brutal widerlegt ist, ist der Neoliberalismus

      Ein Kommentator, “Keynesianer” hat dies auf seiner Website treffend ausgedrückt:

      Mit den makroökonomischen Argumenten von Keynes führen wir seit Jahrzehnten die falsche Diskussion, als wären unsere neoliberalen Gegner Idioten und nicht skrupellose Vertreter ihrer Interessen. Die Neoliberalen wissen genau, dass ihre Politik die Reichen reicher und die Armen ärmer macht und sie vertreten diese Politik nicht aus mangelnder Einsicht in die ökonomischen Zusammenhänge.

      Wirtschaftskrisen wurden schon immer mit Absicht verursacht und nicht aus Irrtum. Die makroökonomischen Erkenntnisse der an Keynes orientierten Schule sind also dem Problem nicht angemessen. Es ist, als wollte man einem Straßenräuber mit einem Messer erklären, dass Stichwunden ungesund sind, aber er weiß es schon und hat deshalb sein Messer gezogen.

      mehr >>>

      Trotzdem: So ganz einfach ist es nicht. Man hat den Keynesianismus doch 3 Jahrzehnte getestet. Er hatte zweifellos Probleme, auch wenn diese bei weitem nicht so fatal waren, wie die des Neoliberalismus. Gerade habe ich gute Formulierungen für den Neoliberalismus gelesen

      Der Neolbieralismus als die dritte Diktatur der Moderne
      Der Neoliberalismus als der dritte apokalyptische Reiter, neben dem kommunistischen Terror und dem faschistischen Tod

    34. Linus schrieb am 22. April 2010 at 10:45 - Permalink

      @Systemfrager #33:

      Klasse Kommentator :-)

      Vergessen wir also den Neoliberalismus und klopfen wir den Keynesianismus auf Probleme ab.
      Und da sehe ich schon eines: Daß nämlich das Problem der ‘von unten nach oben’-Verteilung auch nicht dauerhaft gelöst ist. Ein ‘deficit spending’ ist bestenfalls eine symptomatische Behandlung.
      Wir hatten ja das Thema schon öfter angeschnitten, allerdings nie ernsthaft eine Lösung diskutiert.

    35. Systemfrager schrieb am 22. April 2010 at 11:05 - Permalink

      @ Linus

      Du sprichst mir aus dem Herzen ;-)

      Ja, da gebe ich dir auch Recht, dass nämlich der klassische Keynesianismus hauptsächlich an den Symptomen kuriert hat. Ich sage es offen, auch wenn ich ein Keynes-Verehrer, ein überzeugter Keynesianer bin.

    36. Axel schrieb am 22. April 2010 at 11:53 - Permalink

      @#33 Systemfrager

      Mit den makroökonomischen Argumenten von Keynes führen wir seit Jahrzehnten die falsche Diskussion, als wären unsere neoliberalen Gegner Idioten und nicht skrupellose Vertreter ihrer Interessen.

      Diese Formulierung ist ausgezeichnet und ich möchte sie verallgemeinern, auch wenn ich damit off topic bin. Mir geht die obige Überlegung schon seit 10 Jahren durch den Kopf, wenn ich mir die “Arbeitsmarktpolitik” der Bundesregierung ansehe.

      Ich kann das obige Argument nicht für die “neoliberale Wirtschaftspolitik” nachvollziehen, da ich diese mangels volkswirtschaftlicher Kenntnisse nicht beurteilen kann. Aber diese Formulierung paßt zumindest wunderbar auf die herrschende “Arbeitsmarktpolitik” im allgemeinen.

      Ich wollte es schon öfter anmerken, das auch der Spiegelfechter die Auseinandersetzung mit der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung “political correct” führt. Diese Politik ist aber so “falsch”, das man sich eigentlich argumentativ damit nicht auseinandersetzen kann. Wenn man etwas als falsch kritisiert, so muß es eigentlich so beschaffen sein, das es im Prinzip auch richtig sein könnte. Das ist aber bei der offiziellen Politik hinsichtlich der definierten Ziele nicht der Fall. Diese Politik ist “so falsch” (ich muß Anführungszeichen setzen, weil der Begriff falsch eigentlich nicht anwendbar ist), das in der Tat nicht einmal mehr der Begriff idiotisch darauf anzuwenden ist. Damit ist diese Politik eigentlich nicht mehr rational kritisierbar. Etwas Idiotisches könnte man noch kritisieren.

      Ob nun z. B. eine von der Leyen aber eine skrupellose Vertreterin bestimmter Interessen ist, darüber zerbreche ich mir auch seit ca 10 Jahren bereits den Kopf. Ich kann nicht entscheiden, ob diese Leute bewußt und skrupellos ihre Politik vertreten oder ob sie die wehrlosen Bla Bla Marionetten einer Ideologie sind und daher an ihre Politik glauben.

      Ich will am jüngsten Beispiel illustrieren was ich meine: V. d. Leyen hat beschlossen, das HartzIV Empfängern unter 25 Jahren innerhalb 6 Wochen ein Arbeitsplatz, eine Ausbildung oder eine sonstige sinnvolle Arbeitsgelegenheit verbindlich angeboten werden soll. Aber das Alles ist im Prinzip bereits schon immer so geregelt. Das hat also bisher nicht funktioniert und nun soll das durch einen neuen Beschluß unter v. d. Leyen funktionieren.

      Ich halte das nicht mehr für rational kritisierbar. Es liegt jenseits von richtig und falsch und in der Tat auch jenseits dessen was man als idiotisch bezeichnen kann.

      Was passieren wird ist klar: was dort formuliert wird kann ja nicht funktionieren, sonst hätte es ja in der Vergangenheit bereits funktioniert. Und wenn es funktionieren würde, hätten wir eigentlich keine Probleme, hätten also auch nie welche gehabt. Zumindest die unter 25-jährigen wären nie langzeitarbeitslos gewesen!

      Nein die betreffenden Personen werden zusätzlich unter Druck gesetzt, mit der Aufnahme irgendeiner eigentlich (möglicherweise gar nicht existenten) unzumutbaren Arbeit bedroht, um Ihnen wenn sie nun die leiseste Kritik äußern oder das leiseste “Fehlverhalten” zeigen, die Unterstützung zu kürzen.

      Ob v. d. Leyen und die anderen “Verantwort”lichen so skrupellos sind, das sie das wissen (ob sie also wissen, wie das auf der ARGE funktionieren wird) oder wehrlose Marionetten der “durchschnittlichen gesellschaftlichen Umlaufideologie” sind, werden wir wohl nie erfahren. Aber so idiotisch, das sie die Idiotie des Beschlusses nicht erkennen, wenn sie nicht skrupellos oder ideologisiert sind, können sie eigentlich nicht sein. Daher ist die Arbeitsmarktpolitik ein Beispiel dafür, das die aktuelle Politik in manchen Bereichen rational nicht mehr kritisierbar ist.

    37. Systemfrager schrieb am 22. April 2010 at 12:37 - Permalink

      @ Axel

      Ja, so ist es!

      Es war nicht unsere ?tolle? Demokratie, die uns das ?goldene Zeitalter? des Kapitalismus bechert hat, sondern der Klassenfeind im Rücken: der Kommunismus. Vereinfacht aber wahr: Wir verdanken der DDR für unser Wirtschaftswunder. Sie gibt es aber nicht mehr. Wir sind dem brutalen Menschenfresser hilflos ausgeliefert: dem neoliberalen Kapitalismus.

      Davon wollten wir aber nichts wissen. Dass würde uns zutiefst beleidigen, erschüttern und verunsichern. Aber irgendwann wird man sich der Wahrheit stellen müssen. Weil der Neoliberalismus der Selbstmord des Abendlandes ist.

      Ob wir wirklich fähig sind das Abendland noch ökonomisch und politisch radikal zu ändern, um zu überleben?

      Ich bin ein sehr besorgter Zeitgenosse. Aber weil es ein ?goldenes Zeitalter? einmal gab, will ich optimistisch sein. Die Marktwirtschaft kann also auch richtig funktionieren. Man muss aber über Keynes hinaus. Und man muss wieder herausfinden, wie man das Kapital an die Kette legen kann. Es sind zwei gigantische Baustellen: eine ökonomische und eine politische.

    38. AndreasM schrieb am 22. April 2010 at 14:16 - Permalink

      @ #34 Linus:

      Und da sehe ich schon eines: Daß nämlich das Problem der ?von unten nach oben?-Verteilung auch nicht dauerhaft gelöst ist. Ein ?deficit spending? ist bestenfalls eine symptomatische Behandlung.
      Wir hatten ja das Thema schon öfter angeschnitten, allerdings nie ernsthaft eine Lösung diskutiert.

      Da Symptombehandlung schwierig ist, sollte man eben mit einer vorgegebenen Einkommens- und Vermögensverteilung beginnen anstatt zu versuchen, damit zu enden.
      Das soll nicht heissen, die Verteilung auf bestimmte Leute so zu belassen sondern die Kurve über alle Bevölkerungsteile gleich zu lassen.

      Nach jedem Jahr wird also die Bevölkerung nach Einkommen sortiert und je nach Abweichung von der festgelegten relativen Verteilungskurve die Einkommenssteuer für jeden einzeln oder in Gruppen (Perzentile vielleicht?) festgelegt (das geht dann durchaus auch zu negativer Einkommenssteuer). Somit wird die Einkommensverteilung erreicht.
      Beim Vermögen mache man es genauso, aber nur 10% von der Abweichung zum festgelegten Wert oder so (also keine allzu plötzliche Anpassung).

      Klar, das regelt noch nicht, wie das bezüglich all den Problemen mit dem Ausland in dieser Beziehung aussieht.

    39. Systemfrager schrieb am 22. April 2010 at 17:45 - Permalink

      Interview mit Lord Robert Skidelsky: Der britische Wirtschaftshistoriker über die Dummheit der Ökonomen

      Frage: Wenn man Ihr Buch liest, hat man den Eindruck, die Hauptverantwortung für die Finanzkrise hat die Wirtschaftswissenschaft. Haben uns die tatsächlich die Ökonomieprofessoren eingebrockt?

      Skidelsky: Ja, das kann man so sagen. Natürlich gibt es eine Kette der Verantwortlichkeit. Aber ganz an der Spitze steht die dominante ökonomische Idee, dass Regierungen das Problem und Märkte die Lösung seien, und dass die Regierungen nicht gebraucht werden in der Wirtschaft, weil Märkte sich selbst regulieren.

      weiter >>>

      Lord Robert Skidelsky, 71, ist der führende Wirtschaftshistoriker Großbritanniens. Skidelsky bekleidete unzählige akademische Stellen, zuletzt war er Professor für Politische Ökonomie an der University of Warwick. Dieser Tage erschien von ihm im Kunstmann-Verlag sein jüngstes Buch: ?Die Rückkehr des Meisters. Keynes für das 21. Jahrhundert.“

    40. Griabiger Batzi schrieb am 22. April 2010 at 18:16 - Permalink

      @AndreasM

      Verstehe ich es richtig, dass Du gerade einen Vorschlag gemacht hast, nach dem jeder gleich viel haben soll? Egal was er leistet?

      Hallo?
      Natürlich sollte es weiter starke Einkommenunterschiede/Vermögensunterschiede geben!

      Die Wirtschaft sollte sich endlich aus der Politik raushalten und die Klüngeleien sollten weniger werden (Ganz verhindern wird man sie nie können). Ein erster Schritt wäre es, wenn Deutschland endlich das UNCAC ratifizieren würde. Die Politik sollte eine effiziente Wirtschaftspolitik machen und eine menschenwürde Grundsicherung/ bzw genügend Arbeitsplätze auf die Beine stellen.

      Anfangen kann man mal damit, wie es sein kann, dass einige ob des Bürokratiewahnsinns gar nichts beziehen; oder warum die Mehrzahl der Leistungsbescheide fehlerhaft ist.

      Ich gehe nämlich davon aus, dass das gut kalkulierte Absicht ist.
      Der Staat spart sich jedes Jahr sehr viel Geld, da Hartz-4 Empfänger nicht die Leistungen bekommen, die ihnen zustehen.

      PS:
      Das ist zum Lachen/oder zum Weinen:

      http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Ratifiers_of_the_UN_anti_corruption_treaty.png&filetimestamp=20090228203529

      Ecuador hat ratifiziert, Jemen hat ratifiziert, Myanmar hat ratifiziert……

    41. Griabiger Batzi schrieb am 22. April 2010 at 18:23 - Permalink

      Wobei ich mir bei dem UNCAC nicht sicher bin, ob man da nicht unter dem Label einer positiven Sache einige Mistsachen ala Weltregierung einzuführen versucht.

      Ich bin kein Weltregierungsfreund.

    42. Griabiger Batzi schrieb am 22. April 2010 at 18:45 - Permalink

      Natürlich sollte es weiter starke Einkommenunterschiede/Vermögensunterschiede geben!

      Natürlich sollte es weiter Einkommensunterschiede/Vermögensunterschiede geben!

      Reicht auch aus. :-)

    43. Griabiger Batzi schrieb am 22. April 2010 at 19:44 - Permalink

      Sorry,

      Ich bin ein wenig übermüdet.

      Klar sollten Einkommen-/Vermögensunterschiede bei bestehen bleiben, aber diese Gaunereien im Anzug und die Korruption müssen/muss endlich aufhören. Wenn einer reich wird und ein Milliardär ist, dann soll er sich diesen Wohlstand mir der Allgemeinheit/der Volkswirtschaft Mehrwert bringenden Tätigkeiten verdient haben.
      Und nicht mit der Allgemeinheit/der Volkswirtschaft schadenden Tätigkeiten, nicht mit Korruption und anderen Absprachen.

      Einem Wolfgang Grupp, einem Götz Werner, einem Dietmar Hopp, einem Bill Gates oder einem Franz Fehrenbach gönne ich ihr gesamtes Einkommen/ Vermögen.

      Aber andere Gauner dürfen nicht zu Milliardären werden, indem sie der Allgemeinheit/der Volkswirtschaft Schaden zufügen.

      Sollte einem Leser die Personalie Bill Gates verwundern:

      Bill Gates trennt sehr scharf zwischen unternehmerischen Ehrgeiz und egoistischen, finanziellen Motiven.
      Er mag als Unternehmer vielleicht die ein oder andere der Allgemeinheit wenig Wohl bringende Entscheidung getroffen habe; privat setzt er sich aber vehement für Steuererhöhungen und gegen den Predator-Staat in den USA ein. Das hat ihm natürlich nicht nur Freunde gebracht, sondern er hat deswegen viele Nachteile erleiden müssen. Die er aber in Kauf nimmt, da er Gutes tun will.
      Da er von der schädlichen Wirkung von zu starker Kapitalakkumulation weiß, werden seine Kinder bis auf je m.W. 10 Millionen nicht erben. Den Rest müssen sie sich selbst erarbeiten. Herr Gates hofft m.E. dass die Kinder die 10 Millionen als Startkapital nützen und über die Schaffung eigener Unternehmen/eigenen Wohlstandes der Volkswirtschaft Mehrwert zuführen können.
      Ich habe weiterhin die Vermutung, dass der teils “schlechte” Ruf von Herrn Gates von einflussreichen Kreisen intendiert ist und bewusst gefördert wurde/wird.

      Sorry, aber ich musste das nochmals richtig stellen, wie ich das mit Einkommen-/Vermögensunterschieden gemeint hatte.

      Vielleicht kann der liebe Spiegelfechter die Hälfte meiner vorangehenden Kommentare löschen.
      Also Kommentar 2 und 3.

      Bei Kommentar 1 und 4 würde ich mir wünschen, dass sie stehen blieben.

    44. AndreasM schrieb am 22. April 2010 at 19:56 - Permalink

      @ #40 Griabiger Batzi:
      Das ist ein Missverständnis. Ich schlage nicht vor, die Unterschiede abzuschaffen (was wirklich das ganze ad absurdum führen würde), sondern die Unterschiedskurve festzulegen und dann die Unterschiedskurve im realem Brutto-Einkommen durch die Einkommenssteuer daran anzupassen.

      Ein Beispiel mit 4 Unterteilungen (was im Realen definitiv eine deutlich zu geringe Auflösung wäre):
      Es wird festgelegt, dass des unterste Viertel 10%, das zweite Viertel 20%, das dritte Viertel 30% und das oberste Viertel 40% des Gesamteinkommens minus Staatsausgaben netto verdienen soll.
      Die reale Verteilung liege aber bei 5%, 10%, 30%, 55% brutto. Die Einkommenssteuersätze werden jetzt so berechnet, dass diese Verteilung netto auf 10%,20%,30%,40% abgebildet wird.
      Das oberste Viertel kann also noch so sehr versuchen, sich an den anderen drei Vierteln zu bereichern und wird damit doch nur die eigene Einkommenssteuer erhöhen und die der anderen verringern.

    45. Linus schrieb am 22. April 2010 at 20:36 - Permalink

      @AndreasM:

      Genau bei der Lösung waren wir auch schon mal hier (müßte ich suchen). Es geht jedoch nicht nur um Umverteilung, sondern auch darum, daß Kapitalakkumulation ab irgendeinem Niveau uninteressant werden soll (z.B. ab 50 Millionen, mehr braucht einer wirklich nicht zum Leben).

      Bleibt die Frage, wie man die eingesammelte Kohle sinnvoll unter die Leute bringt bzw. wer wo investiert? Denn gerade bei Investitionen ist dann der zu erwartende Gewinn eben nicht mehr das Maß aller Dinge. Was soll ich mit Gewinn, der mir sofort wegversteuert wird?

      Es würde sich also auch investitionstechnisch und damit wachstumstechnisch eine Menge ändern.

    46. Griabiger Batzi schrieb am 22. April 2010 at 20:46 - Permalink

      @AndreasM, 44

      Was mit dem ärmsten Viertel?

      Die müssen nichts tun und kriegen trotzdem 10%?

      Dies halte ich für hochgradig ungerecht und auch nicht praktikabel, da irgendwann ein Wettbewerb einsetzt, wer noch weniger verdient.

      Es gibt auch noch viele andere Gründe, warum dies m.E. nicht praktikabel ist.

    47. AndreasM schrieb am 22. April 2010 at 21:22 - Permalink

      @ #45 Linus:
      Gewinn bringt dir immer noch was, denn je mehr Gewinn/Bruttoeinkommen du hast, desto weiter vorne auf der sortierten Liste bist du und desto mehr bleibt dir unterm Strich (bei hinreichend grosser Menge an Unterteilungen und/oder Interpolation).
      Aber eben bei weitem nicht so viel wie jetzt.

      Je nach gewählter Verteilungskurve können Menschen mit einem hohen Einkommen u.U. auch mehr unterm Strich davon profitieren, den Gesamtkuchen, der verteilt wird, zu erhöhen, als zu versuchen, noch weiter in der Einkommensliste aufzusteigen.

      Natürlich bedeutet das gewaltige Änderungen bezüglich Investitionen, die nur schwer ganz vorhersagbar sind. Die Menge der für Investitionen vorhandenen Gelder ist aber damit auch auf mehrere Weisen steuerbar.

      @ #46 Griabiger Batzi:
      Deswegen sind 4 Unterteilungen noch bei weitem zu wenig. Aber schon mit Perzentilen (also 100 Unterteilungen), würde wohl kaum jemand freiwillig zum ärmsten Prozent gehören wollen, selbst wenn er dann nicht mehr weiter abstürzen kann (und heutzutage sind deutlich mehr als 1% der Bevölkerung so arm, dass sie kaum noch ärmer werden können).
      Und man muss bei 100 Unterteilungen noch nicht aufhören. Selbst 40 Millionen Unterteilungen sind denkbar.

    48. ebook-blog schrieb am 24. April 2010 at 06:20 - Permalink

      Wie man heute der Presse entnehmen konnte ist Griechenland fertig. Finanziell am Ende. Und was bekommt man so am Rande mit. Deutschland soll 8 Milliarden dazu beitragen. Die Politiker reden immer von Verantwortung. Wo ist eigentlich ihre eigene Verantwortung. Die haben doch alle befürwortet, dass die Griechen den Euro bekommen. Einfach klasse.

    49. Outlook schrieb am 24. April 2010 at 07:29 - Permalink

      Die Systemmetastasen breiten sich aus.
      Der deutsche Michel kann sein Fell nur noch retten, indem er die CDU zur absoluten Mehrheit verhilft.
      Das wäre dann die rettende Totalinfusion, für einen schnellen Abgang.
      Für Durchhalteparolen war der Deutsche oft zu haben.


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