Mindestlohn und Effizienz
geschrieben am 05. Dezember 2007 von Spiegelfechter
In der Volkswirtschaftslehre spricht man von Effizienz, wenn eine bestimmte Allokation von Ressourcen die Wohlfahrt aller Mitglieder der Gesellschaft maximiert.
In der Betriebswirtschaftslehre spricht man von Effizienz im Sinne einer Zielerreichung mit geringstem Aufwand bzw. die richtigen Mittel zur Zielerreichung innerhalb einer Organisation einzusetzen.
Durch die Abschaffung des Briefmonopols wird kein einziger Brief mehr geschrieben, es geht also um den gleichen Kuchen, der durch die elektronische Konkurrenz sogar tendenziell kleiner wird. Allerdings soll dieser Kuchen nun unter mehreren Essern aufgeteilt werden. Privatisierungsfans argumentieren stets, die Preise würden im Wettbewerb fallen und hochinnovative Produkte würden nur in einem offenen und freien Markt entstehen. Ob es wirklich so fürchterlich innovativ ist, seinen Brief bei einem Kleingewerbler, der eine Annahmestelle betreibt, abzugeben, anstatt ihn einfach in den Briefkasten zu schmeißen, darf bezweifelt werden. Dass der Wettbewerb, der nicht auf den Schultern der Angestellten ausgetragen werden soll, keine günstigeren Preise für den Kunden abwerfen kann, haben die neuen Wettbewerber selbst bewiesen, indem sie sich vom Markt verabschieden wollen, wenn sie ihre Lohnsklaven nicht zu Hungerlöhnen anstellen dürfen..
Da der Kuchen gleich groß bleibt, ist auch die Zahl der auszuliefernden Briefe konstant. Ein Post-Briefträger trägt also weniger Briefe aus, wenn die Konkurrenz Marktanteile gewinnt; dennoch geht er die gleiche Strecke. Bei konstanten Preisen und konstanten Löhnen wäre dies mit einem Profitrückgang verbunden. Es kann nicht effizient sein, wenn drei verschiedene Briefträger den gleichen Weg mit einer Tasche gehen, die nur zu einem Drittel gefüllt ist, wenn die Alternative ein Briefträger mit einer vollen Tasche wäre. Um die herrliche Vielfalt zu ermöglichen, gibt es zwei Möglichkeiten – man kann die Einnahmen erhöhen, oder die Kosten senken. Die Einnahmen zu erhöhen, ist für Neueinsteiger schwer umsetzbar – so etwas ist Monopolisten vorbehalten. Die Kosten zu senken, ist heutzutage aber sehr einfach. Man minimiert die Löhne, so daß es auch profitabel sein kann, drei Menschen den Job machen zu lassen, den einer machen könnte.
Betriebswirtschaftlich macht das Sinn, volkswirtschaftlich wäre es jedoch ineffizient, wenn man die Niedriglohnproblematik herausliesse und es keine Marktverschiebung durch Hartz-IV gäbe. In der Realität würde das ganze sogar auf eine schädliche Umverteilung hinauslaufen – die Unternehmer würden Gewinne einfahren, die von den Briefträgern durch Lohnverzicht erwirtschaftet werden. Da von diesen Hungerlöhnern niemand leben kann, ist es der Steuerzahler, der über Hartz-IV die Differenz zwischen Hungerlohn und Existenzminimum zu tragen hat. Es handelt sich also um eine Umverteilung im doppelten Sinne. Diese Ineffizienz ist natürlich bekannt, nicht umsonst bekleidet das INSM-Mitglied Florian Gerster das Amt des Verbandsvorsitzenden der neuen Postdienstleister – der Florian Gerster, der aus dem alten Arbeitsamt die moderne effiziente “Agentur für Arbeit” machen sollte und dabei an seiner Inkompetenz und seiner Großmannssucht gescheitert ist. Ein “Reformer“, wie er im Buche steht.
“Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben. [] Mit einem zum Leben ausreichenden Lohn meine ich mehr als das bloße Existenzminimum ? ich meine Löhne, die ein anständiges Leben ermöglichen.”
Franklin D. Roosevelt
Der von der Großen Koalition für das Postgewerbe beschlossene Mindestlohn ist also volkswirtschaftlich effizient und betriebswirtschaftlich ineffizient. Zum Glück ist es noch nicht die Aufgabe der Politik, betriebswirtschafltiche Effizienzen den volkswirtschaftlichen Effizienzen gegenüber vorzuziehen. Auch wenn das oft der Fall ist und von INSM, den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden wie auch ihren Sprechern, die sich Wirtschaftsweisen nennen, so gefordert wird. Im Allgemeinen enden solche raren Entscheidungen für das Allgemeinwohl und gegen die Interessen Weniger im üblichen Sermon – ?Wir gehen ins Ausland, Deutschland geht vor die Hunde, das ist uns zu viel DDR?. So lange man allerdings in Deutschland auch weiter den Staat und abhängig Beschäftigte schröpfen kann, bleiben es in der Regel nur hohle Phrasen.
?Die dunkle Seite der Macht ist der Pfad zu mannigfaltigen Fähigkeiten, welche manche von uns für unnatürlich halten.?
Star Wars
Diesmal könnte sich das aber ändern – die Gefahr ist gegeben, dass den wirklich mächtigen Vampiren der mordernen Reformergesellschaft ?Frischblut? vorenthalten wird. Kein anderer als der Springer-Verlag wollte mittels Lohndumping seine Gewinne anheben. Und wer die Dunkle Seite der Medienmacht und ihre Schattenkrieger in den Redaktionen kennt, der weiß, dass es diesmal um mehr geht, als um normale Politik. Deutschlands Gossenblatt Nr.1 tat so ziemlich alles, was in seiner Macht stand, um den Mindestlohn zu diskredieren. “Neutrale” Experten, wie Floran Gerster, Hans-Werner Sinn, weitere INSM-Prediger und auch PIN-Chef Günhter Tiel schossen in BILD ihre giftigen Pfeile ab und manipulierten das Publikum – freilich ohne dass der Anwalt des kleinen Mannes erwähnte, dass sein Verlag größter Nutzniesser von Hungerlöhnen im Postbereich ist. Konsequenterweise zog die Deutsche-Post AG ihre Anzeigen aus der Spinger-Presse zurück. 800.000 Euro Mindereinahmen für den Verlag. Es dürfte klar sein, in welchem Lichte die Post zukünftig in der BILD dargestellt wird.
Mit dem Springer-Verlag hat sich vor allem die SPD einen mächtigen Feind gemacht, wusste doch schon der verblasste Medienkanzler Schröder, dass man nur mit “BILD, BAMS und Glotze” regieren kann. Das Durchsetzen eines Mindestlohnes im Postgewerbe gleicht dem Wurf eines Fehdehandschuhs. Auch wenn es nicht etwa der Mindestlohn ist, der Springers PIN-Group zu den medial ausgeschlachteten Entlassungen führte, sondern Managementfehler des Konzerns, so wird man im Springer-Hochhaus nie vergessen, wer es gewagt hat, die Dunkle Seite der Macht herauszufordern.
p.s.: Der Autor dieses Artikels geht mit gutem Beispiel voran und zahlt seiner Raumpflegerin gerne sogar mehr als den Mindestlohn.
Jens Berger
Bildnachweis (von oben nach unten): Inida.de, Die LINKE, BILDBlog, F!XMBR


Blablabla..
Mit dieser Argumentation kann man so gut wie jedes Monopol begründen. Es ist eben in einer Marktwirtschaft so, dass manche Arbeiten doppelt und dreifach ausgeübt werden. Werbungsblätter werden auch von verschiedenen Leuten verteilt – und wie man am Werbeaufkommen sieht, lohnt es sich wohl.
Es ist die Aufgabe der Firmen hier zu rationalisieren. Zum Beispiel kann ich mir vorstellen, dass sich lokale, von Unternehmen unabhängige, Briefverteiler etablieren, oder Briefe in Verteilkästen gelagert werden, aus denen dann die Kunden ihre Briefe abholen könnten…etc
Dass der Fall des Postmonopols Vorteile bringt, sieht man in unserer Region, wo verschiedene Zeitungsunternehmen eine Konkurrenz zur Post aufgebaut haben – und es funktioniert.
Dass die Beschäftigten in dieser Konkurrenz die Verlierer sein werden, vemute ich auch, von daher kann ich die Mindestlohnforderung verstehn. Grundsätzlich halte ich eleantere Methoden (Grundeinkommen, Tarifvertrag) für die bessere Lösung.
Offensichtlich haben die Verfechter eines strengeren Reformkurses recht, das nur eine Verschärfung der 2010-Agenda, also eine denklogische Weiterentwicklung durch unsere allerhöchsten Exzellenzen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, mit dem Ziel der Senkung der Arbeitskosten, unsere deutsche Wirtschaft Wettbewerbsfähig zu halten vermag, wo die Preisrisiken durch Weltwährungsvolatlitäten gegenüber unserem hemischen Euro zunehmen und einzig der Lohn eine weiterhin variable Größe in der Kalkulation darstellt.
Die Ausbildung und Weiterbildung unserer deutschen Arbeitnehmer und Innen ist dabei so Wertvoll, das nicht einzusehen ist, warum die Arbeitnehmer und Innen dies nicht finanziell honorieren sollten.
Eine Lohnzahlung zum Zwecke des Lebensunterhaltes ist in der Regel nämlich unnötig:
Aufgrund der demographischen Entwicklung muß Wohnraum immer zahlreicher und billiger werden, man kann Spekulieren, das Wohnraum zwecks Zustandserhalt an renovierungsfreudige Insassen kostenlos abgegeben werden kann, Lebensmittel können auf Grünflächen durch selbstständige familienangehörige Agrarwirtschaftler zum Zwecke der Grundversorung angebaut werden, Wasser fällt vom Himmel, Wärme wird durch engagiertes Arbeiten erreicht, medizinische Versorgung ist durch Heilkräuter gewährleistet.
Die Aus- und Weiterbildungszeiten werden mit etwa 12-16h pro Tag, zwecks einer zeitlich unkritischen allumfassenden Schulung der Arbeitnehmer und Innen, großzügig ausgestaltet
Der Kostenbeitrag je Stunde kann Individuellvertraglich frei verhandelt werden, Gold, Silber und Naturalien, sowie Dienstleistungen (insbesonders Textilarme) sind akzeptable Formen des Zahlungsverkehrs von Arbeitnehmer und Innen gegenüber den Kassenberechtigten des Aus- und Weiterbildungsbetriebes.
Aufgrund des großen Bildungsgewinns der Aus- und Weitergebildeten werden kostengünstige Innovationen und Produkte den Weltmarktanteil unserer deutschen Unternehmen weiter erhöhen, während Importe zunehmend abnehmen und am Ende nur noch in Deutschland unvorhandene Rohstoffe umfassen.
Am logischen Schluß steht die Vollbeschäftigung, selbst die Agrarwirtschaft wird gegen den Trend der jüngeren Vergangenheit wieder einen Zuwachs an selbstständigen Agrarwirtschaftlern erleben, alles wird Gut, die Zukunft ist Golden und Merkel ist Mis Erfolg!
Jens Berger leistet sich ‘ne Raumpflegerin?
Alter Bonze! ;-)
Quersubvention – das ist das Schlagwort, was die Mindestlohngegner vermeiden.
Menschenwürde muss man in Deutschland kaufen.
?Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben. [] Mit einem zum Leben ausreichenden Lohn meine ich mehr als das bloße Existenzminimum ? ich meine Löhne, die ein anständiges Leben ermöglichen.?
Sehr richtig, etwas ähnliches habe ich selbst gedacht, als die Ankündigung von 1000 Entlassungen kam. Solche Unternehmen sind auch nicht effizient, sondern Schmarotzer an der Allgemeinheit. Ist ein hartes Wort, aber es trifft zu. Wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, ohne solche Almosen von der Aldi-Kassiererin, dem kleinen Verkäufer oder wer sonst noch zu den Dummen gehört, die in Deutschland Steuern zahlen, dann ist es auch nicht schade drum.
Der Politik möchte ich sagen: Lasst sie ziehen. Sollen sie doch ins Ausland abwandern. Die kommen schneller wieder zurück, als die Löhne dort steigen können, denn Ausbildung der Arbeitnehmer, Infrastruktur, Sprache und noch einiges anderes mehr sind unsere Standortvorteile. Darauf sollten wir uns konzentrieren und uns nicht von unfähigen Managern, deren einziges Instrument Senkung der Personalkosten ist, erpressen lassen.
Abgesehen davon, dass sich allewelt hauptsächlich über die Bezahlung sog. “Aufstocker” mokiert, damit nichts zur Situation der gerade darüber liegenden Lohnabhänigen sagt, geht es hier laut Kurzbericht des IAB um rund 345tsd. verfestigte Aufstocker im Jahresschnitt; konjunkturabhänig schwankender Verlauf.
Ein Aufstocker sollte in der Regel weniger Leistungen des SGBII beziehen als ein regulär Arbeitsloser, sonst müsste man davon ausgehen, dass er seinen Job kündigt.
Wenn das so ist, ist die Annahme meiner Vorposterin falsch: Es ist dann volkswirtschaftlich sogar auf diesem perfide niedrigen Niveau sinnvoller aufstocken zu lassen, da sonst nur ein Vollbezug infrage kommt, was den Regelsatz nachzöge. Was wiederum höhere Ausgaben sein sollten.
Das aktuelle Procedere der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen sollte weitergeführt und schrittweise auf antragstellende Branchen ausgedehnt werden.
@NoSir
Gott sei Dank hat Jens eine Raumpflegerin. Is mir lieber. In der Zeit, in der er putzt, kann er nicht schreiben.
Also NoSir: Hinsitzen, anschnallen, Klappe halten ;-)
Im Link zu “Effizienz” im Zitat am Anfang fehlt ein “>”.
:)
der erste satz war leider schon so ein haarsträubender unsinn, dass ich danach das mitlesen aufgegeben musste. schade, eigentlich. das ist mir in diesem blog zum ersten mal passiert.
Es ist sicherlich ein grosses Dilemma, dass das, was für die Wirtschaft gut ist nicht zwangsläufig auch für die Menschen gut ist. Das ist wahrscheinlich auch das stärkste Argument gegen das Aufbrechen des Post-Monopols.
Dass aber eine Privatisierung der Post wirtschaftlich unsinnig ist, dem würde ich widersprechen. Sicherlich würde es nicht drei Briefträger geben, die mit weniger Briefen alle den gleichen Weg gehen. Neue Unternehmen werden Nischen schaffen, neue Mikromärkte, auf individuelle Kundenwünsche eingehen können. Schau dir die Dienste und Produkte an, die im Internet geschaffen wurden und werden. Da sind völlig neue Märkte entstanden, die niemand vorhersehen konnte. Da entstanden Monopole so schnell wie sie wieder verschwanden. Kleine machten mit ihrer Schnelligkeit und Flexibilität den grossen eine Nase. Auch die Post wird ihre Überraschungen erleben.
@1 Stefan
Keinesfalls, eigentlich lässt dich mit dieser Argumentation so gut wie kein Monopol begründen – weder im Strom-, Gas-, Wasser-, Bahn-, Telekommunikations- noch im Mineralölbereich herrschen ähnliche Ausgangssituationen vor. Wenn ein Monopolist beispielsweise im Strombereich 100% aller Kraftwerke betreibt, kann der Neueinsteiger, der mit 5% der Kapazität in den Markt geht, volkswirtschaftlich effiziet agieren – dies ist sogar sehr wahrscheinlich, da der Monopolist seine Preise wahrscheinlich senken müßte.
Meine Argumentation ist wohl nur in Sektoren anzuwenden, bei denen der Lohnkostenanteil sehr hoch ist und Unteilbarkeiten vorherschen – dies ist sehr selten der Fall.
Lokale Zusteller gibt es ja zu genüge und dies kann auch durchaus sinnvoll sein, wenn sie einen Extranutzen generieren, wie beispielsweise die Expresszustellung. Auch über den Preis sind sie sicher konkurrenzfähig, da sie schlankere Strukturen haben können. Wenn Dumpinglöhne nicht das entscheidende Wettbewerbsmerkmal sind, so sind diese Strukturen durchaus zu begrüßen.
Natürlich besteht hier das Problem der Fehlallokation in der Preisstruktur. Große Anbieter haben eine Mischkalkulation, die profitable Gebiete (z.B. Großstädte) und unprofitable Gebiete (z.B. ländliche Gegenden) preispolitisch gleichbehandelt – was auch gesetzlichs so gewollt ist. Wenn also kleine Anbieter sich die Kirschkerne herauspicken, so ist dies nur dann auch volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn “die Großen” nicht im Umkehrschluss die Peripherie über Gebühr benachteiligen müßen.
Na, das ist doch schön – so lange sie ordentliche Löhne zahlen, begrüße ich dies auch.
@MadThorax
Gib´s zu … diesen Beitrag hast Du aus dem neuen Programm der FDP geklaut! ;-)
@10 “Sicherlich würde es nicht drei Briefträger geben, die mit weniger Briefen alle den gleichen Weg gehen.”
Nicht? Bei mir hier ist genau das der Fall. Und nur der Zusteller von der gelben hat den Schlüssel fürs Haus. Die anderen beiden (Pin und Tnt) klingeln (zum Teil Sturm). Ganz klasse. Danke Privatisierung.
_Ich_ habe gar nichts von einer Liberalisierung des Postmarktes. Außer mehr Verkehr, Preisvergleiche machen zu sollen, und Löhne, die ich über Steuern subventioniere. Die Qualität der Briefzustellung ist nach meiner Kenntnis in den letzten Jahren immer schlechter geworden (in Bezug auf Brieflaufzeiten und verlorenen Sendungen)
Danke für den guten Blogbeitrag. Says it all.
@5 Kati
Unser größter Standortvorteil sind immer noch wir – die Kunden. Paradoxerweise haben Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, kaum Probleme mit Dumpinglöhnen. Diese werden in den Sektoren gezahlt, die ausschliesslich auf die heimischen Märkte zielen. Friseure, Supermärkte, Briefträger und Wachleute lassen sich nicht “internationalisieren”, sie müssen vor Ort, beim Endkunden, sein.
@6 Diemo Schaller
Bei Deiner Betrachtung vergisst Du die zu erwartenden Reaktionen des Marktes. Wenn “Aufstocken” zur Normalität wird und es kein großer Nachteil für den Arbeitnehmer sein sollte, so wäre es nur logisch, wenn sich der Markt verschiebt und große Teile des Niedriglohnsektors in diesen Zuschußsektor abrutschen. Den Unternehmer freut es, dem Niedriglöhner ist es eher egal, wo das Geld herkommt, nur der Steuerzahler (also wir alle) ist massiv benachteiligt, da er so Unternehmen, die von dieser Regelung Gebrauch machen, quersubventioniert – und dies auf seine eigenen Kosten.
Dazu passt auch ein Kommentar aus der Financial Times, der das Problem wirtschaftswissenschaftlich ausleuchtet.
@10 Fragezeichner
Das gibt es doch alles schon – hier geht es nur noch um das letzte Monopol der Post, den Privatkundenbereich. Wenn Dir hier Innovationen einfallen, so kannst Du sie mir gerne mitteilen – mir fällt hier nichts ein, das über das Preisargument hinausginge. Private Briefschreiber haben wenig Interesse daran, dass ihnen gegen einen Aufpreis die Post zu hause abgeholt wird oder das ihre Briefe am Folgetag bei spätestens 9.00 morgens sogar in Madrid ankommen. Auch Mengenrabatte oder ein Outsourcen des Logistikbereiches sind für Privatkunden uninteressant.
@16 Spiegelfechter
Kann leider mit keinen Innovationen oder Geschäftsideen dienen. Ich bin aber auch kein Experte in dem Bereich. Grundsätzlich habe ich aber Vertrauen in die Innovationskraft von Menschen und Skepsis gegenüber Theorien vom Reissbrett.
@17 Fragezeichner
Ich bin auch keineswegs innovationsfeindlich und würde mein Placet mit Freude vergeben, wenn sich die Marktteilnehmer an die Regeln des Anstandes halten und ihre Leute so bezahlen, wie es eben dieser Anstand gebietet. Die vereinbarten Mindestlöhne erscheinen mir da keineswegs ruinös für diese Anbieter zu sein – und wenn sie es sind, dann stimmt etwas mit deren Geschäftsmodell nicht und es geht weniger um Innovationen als mehr um Dumpinglöhne als Alleinstellungsmerkmal. Dafür werden sie mein Placet allerdings nicht bekommen.
@Spiegelfechter
Ich glaube, was die Bezahlung betrifft und die gesellschaftlichen Konsequenzen von Niedriglöhnen sind wir nicht weit auseinander.
Mir ist aber doch noch eine Innovation eingefallen: ein Zusteller könnte sich auf Liebesbriefe spezialisieren und die Briefe auf besondere Art ausliefern (z.B. mit einem Ständchen). ;)
@ Mitleser, schade, gerade der erste Satz lässt sich rational kaum bestreiten, das Briefaufkommen wird durch eine Privatisierung nicht größer.
Das Problem an Mindestlöhnen ist eher, dass sie vor allem dort durchgesetzt werden müssen, wo geringqualifizierte AN in großer Zahl tätig sind. In der Industrie, Technik, Forschung und Entwicklung zahlen AG trotz hoher internationaler Konkurrenzdichte deutlich über Mindestlohn, um Qualität und Know-How am Unternehmen zu halten. Obwohl es auch in diesen Bereichen teilweise Lohngefechte bsw. in der Produktion gibt, ist es hier für den AG nicht derart simpel, AN auszutauschen wie in zb. der Briefzustellung. Ein Briefträger lässt sich innerhalb von Tagen anlernen, muss außer lesen und radfahren keiner speziellen Talente habhaft sein und ist deshalb einfach zu ersetzen.
Man wird sehen müssen, ob im Briefgeschäft langfristig genug Umsatz gefahren wird um den Mindestlohn zahlbar zu halten, und wie es in anderen Branchen wie dem Friseurgeschäft, Callagenturen oder der Gastronomie machbar ist.
Natürlich ist aber auch Geringqualifizierten durch Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen, das deutlich über den unsäglichen ALG2-Sätzen liegt.
@Ralf,
woher bist du so sicher, dass es neuen Anbietern nicht gelingt, neue Kunden zu gewinnen und zu motivieren, mehr Briefe oder was auch immer zu verschicken?
@Ralf
Und wenn dies nicht der Fall ist, muß halt der Umsatz gesteigert werden. Dies kann durch höhere Preise geschehen, aber auch durch zusätzliche Benefits. Dann bezahle ich (als Unternehmen) halt 5.800 Euro für eine Panel-Analyse durch ein Call-Center, anstatt “nur” 5.500 Euro. Wenn alle Mitbewerber so verfahren müssen, werden diese zusätzlichen Kosten eingepreist – es entsteht kein Nachteil im Wettbewerb. Das gleiche gilt für Mailingaktionen etc. pp.. Auf den Konsumentenpreis wird sich dies kaum durchschlagen.
Auch im Privatbereich sehe nicht das Problem – dann nehmen halt alle Friseure 2 Euro mehr für einen Haarschnitt und alle Kneipiers 20 Cent mehr für ein Bier. Volkswirtschaftlich ist das Geld gut angelegt, wenn es bei den schlechtverdienenden Angestellten landet, da diese den “Mehrverdienst” ja wieder verkonsumieren und davon keine internationalen Unternehmen aufkaufen oder sich an Hedge-Fonds beteiligen ;-)
@21 Fragezeichner
Würdest Du einen Brief mehr schreiben, wenn das Porto 10% billiger wäre? Oder wenn der Briefträger den Brief bei Dir zu hause abholt und Dir garantieren kann, dass er um spätestens 8.24 beim Empfänger ankommt?
Für Unternehmen mag dies interessant sein, für Privathaushalte und Kleingewerbler ist es eher uninteressant.
@Ralf
niedrigerer Preis? bessere Zustellungsgeschwindigkeit? ist das nicht das, was die Post selbst unter Innovation versteht?
Natürlich müssen da frische Ideen umgesetzt werden, um den Kuchen zu vergrössern. Natürlich ist das schwierig. Vielleicht gibt es gar keine tragbaren Geschäftsmodelle für neue Kommunikationsformen per Brief. Aber zu sagen: das ist einfach nicht möglich, das ist mir zu phantasielos.
Ich nehme mal an, der Investor, der Facebook abgelehnt hat, hat sich wahrscheinlich auch gesagt: wozu braucht man das? Es gibt doch schon E-Mail. Ein hinkender Vergleich mal wieder, aber es liegt eine vergleichbare Einstellung zugrunde.
Interessante Kunststückchen vollbringen Sie da, Herr Berger. Die “volkswirtschaftliche Effizienz” von Mindestlöhnen zu postulieren klingt für mich nobelpreisverdächtig!
Sie schreiben ja ganz nett, ungelogen. Aber sobald Sie anfangen, sich auf den diffizilen Pfaden der Ökonomik zu bewegen, sollten Sie dickeres Schuhwerk besorgen.
@Wilfried
Für den Nobelpreis wird es nicht reichen ;-)
Quelle
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Auch wenn ich Deine Sicht auf die Post-Wettbewerber weitgehend teile, du gehst in der Betrachtung der volkswirtschaflichen und betriebswirtschaftlichen Effizienz von falschen Prämissen aus:
Der Wettbewerb im Briefmarkt findet vor allem im Geschäftskundenbereich und nicht im Privatkundenbereich statt. Zwischen Geschäftskunden und auf dem Weg Geschäftskunde zu Privathaushalt werden aber nicht weniger Briefe geschrieben, sondern teilweise sogar mehr. Hier ist viel Platz für Wettbewerb, und für innovative Produkte (Lettershops z.B.).
Das Problem der Bezahlung wird man aber nicht durch einen gesetzlichen Mindestlohn lösen, der kurbelt nur die Inflation an. Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden, und die sehe ich darin. dass dem Arbeitsmarkt zu viele gering qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
die ausführungen des herrn berger, grade in fragen der ökonomie, stoßen ja scheinbar durchaus auf kritik. leider versäumen es die kritiker irgendwie gerne ihren standpunkt etwas dezidierter darzulegen. grade die leser, die nicht unbedingt tiefergehende kenntnisse im bereich der vwl/bwl haben, werden durch solche informationsasymetrien massiv in ihrer meinungsfindung behindert und könnten sich auf die positionen des herrn berger zurückziehen (mangels alternativen).
eine wunderbare eigenschaft der kommentarfunktion in blogs ist ja, das man neben schmäh auch fundierte kritik an den ergüssen des autors üben kann.
eine zensur für dem autor unbequemes geschreibsel findet, meines wissens nach, nicht statt
danke fürs lesen dieser zeilen pseudohochgestochenen geschwurbels. inhaltlich halte ich meinen post jedoch für so sinnvoll wie angebracht.
Es wurde bei der Telefonprivatisierung im Übrigen auch nicht mehr telefoniert …
natürlich überlegt man es sich noch eine oder zwei Postkarten mehr zu verschicken wenn es günstiger ist …
Ich habe mich immer über Briefe und Karten zum Geburtstag gefreut und jetzt gibt es nur noch eine kurze Mail der eine schnell getippt SMS ;-)
is ja auch umsonst oder günstiger …
PS: wie viel bekommt denn ihre Raumpflegerin!? auch mindestens 9,80 ? oder meinen Sie ihre Arbeit wäre weniger wert als die des Briefträger!?
@Jörg
Verglichen mit inflationsbefeuernden Faktoren wie Stromkosten oder Öl-/Gaspreisen sollte sich das allerdings im kaum messbaren Bereich bewegen. Ich bin jetzt zu faul, um bei destatis nachzuschauen und auszurechnen, wie viel Prozent Inflation aus einer 10% Preissteigerung bei Friseurdienstleistungen, Gaststättenbesuchen und Briefdienstleistungen entstünde, aber ich schätze mal, dies läge im kaum messbaren Bereich.
Ja und Nein – ich bin mit Dir einer Meinung, dass Bildung und Fortbildung Schlüsselelemente sind, wenn es um Chancen am Arbeitsmarkt geht und das hier viel zu tun ist. Aber auf das Angebot an Arbeitskräften um Niedriglohnbereich würde sich dies nur unter Rahmenbedingungen auswirken, die ich für unrealistisch halte. Die wenigsten Briefzusteller haben ja ihren Job, weil sie nichts anderes können, sondern weil der Arbeitsmarkt in ihrer Kernqualifikation nichts hergibt. Ein arbeitsloser Soziologe muss beispielsweise im Niedriglohnsektor (z.B. als Kellner oder Briefzusteller) arbeiten, weil der Arbeitsmarkt für Soziologen schlecht ist und nicht weil er ungebildet oder schlecht ausgebildet ist. Wenn man es nicht schafft, ausgebildete und qualifizierte Personen in den ersten Arbeitsmarkt zu holen (was heute sehr schwer sein dürfte), so konkurrieren diese (dank Hartz-IV) mit unqualifizierten Arbeitskräften und werden dementsprechend entlohnt.
@29 kno
Na aber hallo! Selbstverständlich wurde seit der Privatisierung im Telekommunikationssektor massiv(!) mehr telefoniert. Auch stiegen die Kosten für Telekommunikation, obgleich die Minutenpreise massiv sanken – das ist aber auch prinzipiell ok, da die Kosten auch zum Großteil Fixkosten sind und sie so besser abgebildet werden können.
p.s.: 10 Euro, das ist einfach zu rechnen und mE auch fair.
@markus
Auf diesem Gebiet wird immer gestritten ;-)
Aber so klar, wie es die deutschen Medien gerne darstellen, ist die Sicht der “Experten” nicht. Eine große Umfrage unter Ökonomen in den USA ergab beispielsweise, dass rund 50% einen Mindestlohn befürworten, während die anderen 50% ihn ablehnen. In Deutschland dürfte das Ergebnis wesentlich schlechter (für den ML) ausfallen.
@markus
So ist das nun mal mit BWL/VWL, nennen sich zwar auch wissenschaftlich, es gibt aber nichts zu beweisen, bestenfalls empirisch zu belegen. Deswegen lässt es sich da ja auch so trefflich streiten und spekulieren. Auch die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler teilen sich stets in mindestens zwei etwa gleichgrosse Lager (je nach Mode).
@ Fragezeichner, sicher bin ich nicht, es scheint mir aber wahrscheinlich. Die Post macht ihre Aufgabe sehr gut, die Briefversendung ist günstig, flächendeckend möglich, es gibt für jede machbare Zustellungsspanne einen Tarif. Wo sollen Private da Innovationen bieten können? Selbst der Preis der Post lässt sich wie es aussieht nur über Lohndumping bekämpfen, die Post ist kein schlafender Staatsgigant, der uneffizient und rückwärtsgewandt arbeitet, sie ist im Vergleich zu anderen Briefsendeunternehmen stark konkurrenzfähig und im Europavergleich vorne mit dabei. Wenn würde es nur Innovationsmöglichkeiten für sehr spezielle Postsendungen geben, wobei mir selbst da wenig einfällt was die Post nicht im Portfolio hat oder bereits von anderen Spezialunternehmen abgedeckt ist.
“Und wenn dies nicht der Fall ist, muß halt der Umsatz gesteigert werden. Dies kann durch höhere Preise geschehen, aber auch durch zusätzliche Benefits. Dann bezahle ich (als Unternehmen) halt 5.800 Euro für eine Panel-Analyse durch ein Call-Center, anstatt ?nur? 5.500 Euro. Wenn alle Mitbewerber so verfahren müssen, werden diese zusätzlichen Kosten eingepreist – es entsteht kein Nachteil im Wettbewerb. Das gleiche gilt für Mailingaktionen etc. pp.. Auf den Konsumentenpreis wird sich dies kaum durchschlagen.”
Da sehe ich eben das Problem. Im Realfall zahlt nämlich nicht das Unternehmen die 300? Aufschlag, sondern der Endverbraucher/Nutzer. Kein Unternehmen wird freiwillig Mehrkosten durch Gewinnverknappung ausmaneuvrieren, selbst wenn die Gewinnspanne dies bei der Mehrheit zuließe.
Das heisst also, bestimmte Produkte werden, vllt auch durch Erhöhung der Sattelkosten, direkt oder indirekt teurer soviel weiter es den Mindestlohn trägt. Im geschlossenen System kann das funktionieren, da der höhere Preis von Kunden getragen wird, die dank Mindestlohn auch mehr Geld bekommen. Real wird aber die Majorität der Branchen zunächst keinen Mindestlohn sehen.
Versteht mich nicht falsch, ich bin strikt dafür arbeitenden Menschen ein für ein würdiges Leben ausreichendes Endgelt zu zahlen, auch wenn die Arbeit geringe Qualifikation erfordert.
Ein Mindestlohn bleibt für sich allein trotzdem ein Pyrrhussieg, weil die Mehrkosten der Endverbraucher tragen wird, nicht das Unternehmen. Die Post hat die Erhöhung der Preise für Standardbriefe von 0,55 auf 0,65 auch bereits angekündigt, da sie ja nun unfairerweise umsatzsteuerpflichtig wird -_-
Im Endeffekt hätte ich daher eine Lösung bevorzugt, bei der die Unternehmen die Zeche nicht auf den Verbraucher abwälzen können ..
Eine Frage an Jörg Friedrich
Es stimmt sicherlich, dass es ein wichtiges Ziel sein muss, Menschen so zu qualifizieren, dass sie auch höherwertige Arbeiten durchführen können.
Aber das ändert noch immer nichts daran, dass man als z.B. hochqualifizierter Ingenieur morgens sein Brot bei der Bäckereifachverkäuferin holt, dass man, um seine Waren zu bekommen, an einer Kassierer vorbei muss, dass irgendjemand den Mülleimer abholen muss usw.
Und für eine Gesellschaft wäre es eine Katastrophe, wenn man diesen notwendigen Dienstleistungssektor nur mit Niedriglohnsklaven besetzen würde.
Eine 10%ige Lohnerhöhung per Mindestlohn in diesem Bereich würde binnen kurzem dazu führen, dass alle Löhne um 10% steigen, und das würde sich sehr wohl auf die Inflation auswirken.
Dein Soziologen-Beispiel zeigt zwar eine weitere Dimension des Problems auf, die aber im Kern nicht smit dem hier verhandelten zu tun hat. Arbeitslosen Soziologen fehlen die notwendigen Kompetenzen um Arbeit für hoch qualifizierte zu bekommen, in so fern sind sie de facto eben nicht hoch qualifiziert. Daran ändern das Diplom-Zeugnis leider nichts.
@Mile: Da hast du mich falsch verstanden: Das Problem ist, dass es für die Arbeit der Kassiererin so viele Leute gibt, die sie machen können, die keine Arbeit haben und die sie auch machen wollen, und – das ist das entscheidende – die keine Qualifikation haben, etwas anderes zu tun.
Wenn wir uns nun mal vorstellen, dass es mehr hoch qualifizierte Leute gäbe, deren hohe Qualifikation auch nachgefragt würde. Dann müssten die Discounter ihren Kassiererinnen auch höhere Löhne zahlen, um überhaupt Personal zu bekommen. So war es ja schon mal in Deutschland, wenn ich recht informiert bin, bis Anfang der 1970er. Damals gab es noch sehr viele Arbeitsplätze, die fast jeder nach kurzer Anlernzeit ausführen konnte, die Nachfrage nach entsprechenden Mitarbeitern war höher als das Angebot, also wuchs der Preis. Aber heute stehen im Sektor der sog. einfachen Arbeit, eine geringe Nachfrage (nach Arbeitskräften) ein riesiges Angebot gegenüber. Da man die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich aber kaum wieder vergrößern kann, muss man die Zahl der potenziellen Arbeitnehmer in diesem Bereich verkleinern – und das schafft man mit umfassender Ausbildung. Da muss der Staat investieren, in Kindergärten, Schulen, und Fachschulen (in die Unis noch am wenigsten, weil es hier nicht um den höchsten, sondern den mittleren Bildungsweg geht) – und wenn er das schon z.B. seit dem Niedergang der Steinkohle gemacht hätte, statt einen Wirtschaftszweig ohne Zukunft künstlich am Leben zu erhalten, hätten wir gar kein Problem.
Es ist unglaublich, was derzeit in Deutschland passiert.
Millionen Menschen werden in Hartz 4 gedrückt, zu 1 Euro Jobs genötigt (ja, Nötigung, sonst gibts kein Geld mehr) und verschwinden auf wunderbare Weise aus den Arbeitslosenstatistiken. Immer mehr Menschen werden zu Dumpinglöhnen beschäftigt und könnten sich ohne Wohnungsgeld etc. nicht mal mehr Nahrungsmittel leisten. Die Steuerzahler finanzieren diesen Quatsch auch noch durch Subventionierung der Ausbeuter. Es wird langsam Zeit für eine Revolution.
Und daß Springer, Burda und Merkel Tee aus dem selben Teeservice trinken ist ja auch gut bekannt. Die Medien sind fleißige Erfüllungsgehilfen von Politik und Wirtschaft. Furcht und Angst wird verbreitet durch totale Überwachung. Langsam muß man sich schämen Deutscher zu sein.
Weg mit der Mafia aus Medien, Ausbeutern und Politikern!
gruß, Frank
@31 Jörg
Wo hast Du denn das her? Aus der BILD oder von Herrn Sinn? ;-)
Das ist doch Quark, warum sollte ein mittlerer Angestellter 10% mehr Lohn bekommen, weil es ein Mindestlohn gibt?
@ S p i e g e l F e c h t e r J e n s :
Sag’ Deiner Raumpflegerin, daß sie wirklich sehr sinnvolle Arbeit tätigt, damit Du in Zukunft noch mehr Zeit für noch mehr gute Artikel hast, damit auch andere Raumpflegerinnen einen ordentlichen Lohn bekommen :) … WEITER SO !
” M e i e r”
Aber natürlich gibt es ‘Innovationen’ – so können sich zB Kurierdienste ein Zubrot verdienen, indem sie Adressen ‘qualifizieren’: welche Automarken und -modelle stehen vor der Tür, welche Haustür oder Fassade könnte mal eine Überholung gebrauchen usw. Ausserdem kann ich hier in letzter Zeit auch innovative Zustellmethoden ‘unter Einbeziehung Dritter’ beobachten – ich habe jetzt zum wiederholten Male Briefe von privaten Zustellern in meinem Briefkasten gefunden, die an allerlei Adressen in unserem Städtchen adressiert waren, nur nicht an mich. Auch kann von einem Versehen keine Rede sein, das waren Adressen in anderen Strassen, anderen Bezirken. Die ersten Male habe ich mir noch die Mühe gemacht, die betreffenden Adressaten anzurufen und habe die Briefe teilweise – natürlich mit deren Einverständnis – geöffnet und vorgelesen. Darunter befanden sich auch rechtlich relevante wie zB Bestätigungen von Vertragsschliessungen bzw -kündigungen. Mittlerweile landet das bei mir aber gnadenlos im Müll, zumal sich auch die Post natürlich zu recht dagegen verwahrt, die Verteilung dieser ‘Irrläufer’ zu übernehmen.
@Jörg
Chapeau! Du hast den Finger in der Wunde!
Beitrag von Jens ist sehr gut, spricht den meisten Menschen, bis hin zu Teddy Roosevelt, aus der Seele – und wird noch durch das Bildungsproblem verschärft! Das war allerdings schon immer so (“Viele Indianer, wenig Häuptlinge” – auch und gerade im Bereich Bildung/Wissen).
Es gibt halt Bereiche, die gehören trotz Politik und Effizienzdiskussion in öffentliche Hand, Post und Bahn zählen dazu! Weder Privatisierung noch Effizienz allein taugen dazu, als Monstranz herumgetragen zu werden.
Rechnet man die Dumpinglohn-/Privatisierungsdebatte mit der Akribie, mit der deutsche Länder “das Prekariat” und Migranten von Bildung fern hält, und teilt das Ganze dann noch durch die Demographie multipliziert mit dem prinzipiell stärker als bei jungen Menschen ausgeprägten Beharrungsvermögen (Besitzstandswahrung) alter Menschen – dann kann einem ganz schön schwindlig werden! Da wird uns noch einiges auf die Füße fallen!
Eine der Kernfrage für mich wird hier berührt: Wie kann man Menschen dafür interessieren, sich zu interessieren, sich zu bilden? Ich hab’ keine Antwort, hieran verzweifle ich immer wieder! Gottseidank tragen wir alle in diesen Blogs und mit unseren Beiträgen ein bisschen dazu bei. Lasst uns so weitermachen, lasst uns mehr werden! (Ein böser Scherz wäre jetzt zu sagen: Amen! Ich meine es ernst!)
Grüße an alle Debattanten und an Jens
Vogel
PS @Jens: Naaaa, obwohl die Thematik sooo einläd: Ich hab’s vermieden meinen Säulenheiligen zu zitieren! Iss dess nix? ;)
Also, ich möchte mal zu dem Thema was sagen, das Kurierdienste Zeit für dies und das haben.
Der Mitarbeiter in der Auslieferung hat in der Regel keine Zeit, es wird mit Sekunden kalkuliert und die Vorgaben werden in der Regel verschärft und nicht erleichtert, für Nebengeräusche ist schlicht kein Spielraum.
Man kann natürlich Subunternehmer zwingen, sowas nach der normalen Tagestour zu tun, aber ich denke, selbst diese geduldigen unterbezahlten Packesel werden dann einsehn, das die Branche zum Teufel geht und aufgeben, oder Sterben.
Die Innovation am Postmarkt ist die E-Mail und das andere elektronische Gedöns, Papierbriefe werden zunehmend weniger in Zukunft, sobald die Generation der E-Mailer die Papierbriefler (sprich Oma und Opa) überlebt hat.
@Jörg
Woher sollen denn mehr Arbeitsplätze kommen, nur weil die Leute höher qualifiziert sind?
Gerade durch Hartz IV buhlen doch bald schon Akademiker um die einfachen Arbeitsplätze. Einfach weil sie müssen, um nicht zu verhungern. Somit stehen für die einfachen Jobs folgende Personengruppen zur Verfügung:
Die, die keine Lust auf Arbeit haben (Jetzt müssen sie)
Die Überqualifizierten
Die Qualifizierten
Das Problem sind also nicht die Menschen, die die Arbeit machen WOLLEN, sondern die die sie machen MÜSSEN.
Dass unter diesen Voraussetzungen die Löhne für in den Keller rasseln, liegt auf der Hand. In den 70ern bekam man mit Hauptschule noch Jobs, von denen kann heute jemand mit mittlerer Reife nur träumen. Also an der Bildung kann es nicht liegen.
Jein ;-)
Post und Bahn müssen(!) nur sicherstellen, dass sie einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag erfüllen – dazu gehört die bezahlbare Versorgung der Peripherie (die keinen “Privaten” interessiert) genau so, wie die anständige Bezahlung ihrer Mitarbeiter.
Ich habe gar nichts gegen Privatisierungen auf den beiden Gebieten, wenn beides sichergestellt ist und dafür Sorge getragen wird, dass Tafelsilber des Volkes nicht an Einzelpersonen verscherbelt wird.
Die vielen Paketdienste und Expressdienste machen ja eine recht gute Arbeit, die die Post in Teilbereichen so nicht leisten kann. Das ist schon ok, wenn auch sie sich an die Regeln halten und soweit ich weiß, tun sie das meistens. Eine damaliger Kommilitone von mir hatte mal für UPS gejobbt, und dabei recht gut verdient, die Kunden werden auch ihre Gründe haben, ich sehe daher keinen Grund hier einen Staatsmonopolisten zu fordern. Bei der Bahn ist die Sache komplexer, aber dazu habe ich ja einige Artikel geschroben ;-)
@anon: Es gibt eine Reihe von Branchen in denen werden händeringend Leute gesucht. Gerade gestern rief ein geschäftspartner bei mir an und fragte mich, ob ich noch Bewerbungen hätte, er würde dringend Leute suchen, aber es gäb keine Bewerber mehr.
Das betrifft nicht nur Akademiker, auch Facharbeiter. Motivierte und gut ausgebildete Leute werden fast überall gesucht.
?Die dunkle Seite der Macht ist der Pfad zu mannigfaltigen Fähigkeiten, welche manche von uns für unnatürlich halten.?
Star Wars
Was für ein Zitat , herrlich !
wir suchen auch wie irre… und finden nix.
Jörg Friedrich,
und woran liegt das?
Ist jetzt eventuell ein wenig abseits des Thema aber nicht völlig.
Die deutsche Gesellschaft glaubt, auf einen grossen Teil potentieller gutausgebildeter Arbeitskräfte verzichten zu können. Und zwar auf die Kinder des Prekariats und der Migranten.
Hier kann man auch wieder auf das eigentliche Thema zurückkehren. Es scheint mir, dass es einigen wichtiger ist, einen gewissen Prozentsatz an Leuten zu haben, der für einen Hungerlohn arbeiten muss als diese Menschen zu bilden.
In Deutschland wirst du es nicht schaffen, das Bildungsproblem zu lösen, wenn man nicht zuerst das Billigarbeiterproblem in Angriff nimmt.
natürlich sind für die neoliberale Propagande Mindestlöhne an der Inflation schuld, d.h. Löhne an sich sind ja als Arbeitskosten ja schlecht, als Garant eines Abhängigkeitsverhätnisses zwischen Arbeitskraftverkäufer und Arbeitskraftverwerter hingegen erwünscht – am Besten man führt hier in Deutschland die Sklaverei (der Anfang dazu wurde ja mit Hartz IV getan) wieder ein – zur Inflationsbekämpfung: Das Abhängigkeitsverhältnis wird beibehalten, die Arbeitskosten und so die Inflation bekämpft, und die Profite maximiert (denn allein darum geht es)
zur Inflation, d.h. deren Ursachen, siehe hier
inflation is …
“…caused by an increase in available currency and credit beyond the proportion of available goods and services.”
“In other words, the common usage of the word inflation is the effect that people see. When they see prices in their local stores going up they call it inflation.
But what is being inflated? Obviously prices are being inflated. So this is actually “price inflation”.
Price inflation is a result of “monetary inflation”. ”
http://www.inflationdata.com/Inflation/Inflation_Articles/Inflation_cause_and_effect.asp
So ist es zu erklären, warum zB in den USA die Inflationsrate höher ist als der Wachstum der Arbeitseinkommen, die u.U. sogar sinken. Auch in Deutschland, wo in den letzten Jahren, die Arbeitseinkommen sogar gesunken sind, kommt es dennoch zu einer Erhöhung des Inflationsanstiegs
http://www.jjahnke.net/rundbr34.html#infl
http://www.jjahnke.net/rundbr33.html#zeitgeist
@Jörg und Mile
Die Arbeitgeberverbände machen es sich auch sehr einfach, wenn sie einen Arbeitskräftemangel beklagen. Ich sage mal ganz ketzerisch: Es gibt keinen Arbeitskräftemangel, es gibt nur eine mangelnde Bereitschaft seitens der Arbeitgeber mit Marktmitteln auf diesen Mangel zu reagieren. Vergessen unsere Herren Arbeitgeber denn die Regeln des Marktes? Wenn man bereit ist mehr für eine Arbeitskraft zu zahlen als der Konkurrent, so heuert die gesuchte Arbeitskraft bei einem selbst an – so einfach ist das. Es ist ja nicht so, dass es die gesuchten Leute nicht gäbe, sie sind nur nicht bereit zu den gebotenen Konditionen den Job anzunehmen. Auch regionale Schieflagen können so beseitigt werden. Für 1.200 Euro netto ist der ortsgebundene Brandenburger sicher nicht fürchterlich scharf darauf, einen Job in Baden-Württemberg anzunehmen. Doppelte Haushaltskosten und die Fahrtkosten jedes Wochenende machen dieses Angebot uninteressant. Für 1.600 Euro netto sähe das vielleicht schon anders aus. Hört mir also auf mit Arbeitskräftemangel ;-)
btw.: Dort, wo es wirklich keine Arbeitskräfte gibt, ist es nicht Aufgabe des Staates diese auszubilden, sondern auch Aufgabe der Unternehmen. In “meinem” Unternehmen werden beispielsweise ab nächstem Jahr Stipendien an geeignete Abiturienten vergeben, da wir befürchten in ein paar Jahren keine Fach-Ingenieure mehr auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Die Abiturienten studieren bestimmte Fachrichtungen, kriegen das Studium von uns bezahlt und dazu noch ein Taschengeld von 500 Euro pro Monat, dafür verpflichten sie sich, nach Abschluss des Studiums mindestens 5 Jahre bei uns zu arbeiten. Wenn man ein wenig im Voraus denkt, geht einiges.
@51 salvo
Sklaverei ist volkswirtschaftlich uninteressant. Leihe dem Ex-Sklaven Geld, dass er mit Zinsen zurückzahlen muss. Verkaufe ihm (überteuert) die Güter, die er benötigt. Versorge ihn mit Alkohol, unterhalte ihn. Er ist zwar pro forma “frei”, muß aber dennoch für Dich arbeiten, um seine Schulden zu begleichen und nebenbei generiert er noch Gewinne. Das ist der Preis der “Freiheit”.
@sf
natürlich – im ‘reich der freiheit’ des totalen kapitalismus sind selbst die sklaven frei
apropos Bildung
was meint man hier damit? das Wissen, das sich ein Arbeitskraftverkäufer aneignen muss, um für den Preis seiner Ware den bestmöglichen Preis zu erzielen? Das hat nichts mit dem Bildungsbegriff zu tun, den der Humanismus definiert hat – denn solches Ware-Sein impliziert Bildungsverzicht (im humanistischen Sinne) – und führt zum eindimensionalen Menschen (Marcuse) bzw zum intelligenten Barbaren (Adorno)
Spiegelfechter,
aber der Staat hat sich eingemischt, zwar indirekt aber er hat es getan, und sehr negativ für die heutige Wirtschaft.
Ich kann mich nämlich an die Zeiten erinnern, in der Arbeitsämter Leute an die Schulen geschickt hat, um Schüler zu zeigen, was für Jobs man erlernen kann.
Und man mag es nicht glauben, wenn man das aktuelle Gezeter hört, aber es war so, dass davon abgeraten wurde, Maschinenbau zu studieren. Genau diese Leute fehlen jetzt, die sich davon haben wirklich beeinflussen lassen.
salvo,
schön und gut aber das gilt nur für schon ein bestehendes Bildungsbürgertum.
Für Leute, die ich meinte, ist es ein erster Schritt, dass sie durch Bildung einen festen Stand in der Arbeitswelt bekommen. Es ist schwer, gleich zwei, drei Schritte auf einmal zu nehmen.
Wir reden hier von Menschen, die in Haushalten aufwachsen, in denen kein Buch existiert, deren Eltern vielleicht nur 4 Jahre zur Schule gegangen sind usw.
Die humanistische Bildung kann eventuell paralell dazu erfolgen (was ja auch in unserem Schulsystem geschieht) aber das wichtige ist, dass diese Menschen auch endlich daran glauben, dass sie was wert sind.
Und das erreicht man nun mal durch das Bezahlen von anständigen Löhnen und Wertschätzung der Arbeit.
@Mile
An diese Zeiten kann ich mich auch noch erinnern. Kurz vor dem Abi (1994) besuchte mein Jahrgang eine Uni und wurde von “Experten” informiert, was man denn so studieren sollte. “Bloss kein Informatik, das machen bald die Inder und in kürze schreiben sich Programme selbt” – aha?!? “Bloss kein Lehramt/Medizin, es gibt viel zu viele Lehrer/Ärzte” – das Gegenteil ist offensichtlich der Fall. “Jura kann man immer gebrauchen” – darum arbeiten einige meiner Freunde, die Jura studiert haben, heute auch für 10 Euro die Stunde.
Ich kann nur jedem Penäler raten, das zu studieren oder das zu erlernen, was im Spaß macht und für das er Talent hat. Expertentipps sind ein schlechter Ratgeber. Diejenigen aus meinem Freundeskreis, die etwas “Exotisches” studiert haben, stehen (rein beruflich) heute im Schnitt besser dar, als der Rest, der “solide” Studiengänge besucht hat.
(Zitat Anfang!!!)Spiegelfechter am 6. Dezember 2007 um 14:34 – Permalink
@29 kno
Es wurde bei der Telefonprivatisierung im Übrigen auch nicht mehr telefoniert ?
Na aber hallo! Selbstverständlich wurde seit der Privatisierung im Telekommunikationssektor massiv(!) mehr telefoniert. Auch stiegen die Kosten für Telekommunikation, obgleich die Minutenpreise massiv sanken – das ist aber auch prinzipiell ok, da die Kosten auch zum Großteil Fixkosten sind und sie so besser abgebildet werden können.
(Zitat Ende!!!)
Endlich mal wieder was zu lachen, ich finde es einfach lustig wie man diese eindeutige Ironie missverstehen kann!!!
Zwar wird es im Briefsektor nicht den gleich straken Effekt haben, aber wenn die Briefpreise sinken kann ich prophezeien das wieder mehr Post verschick wird. Ergo wird der Kuchen größer!
Jens,
so so, einige Deiner Freunde arbeiten heute für 10 Euronen, die Stunde. Kann es sein, dass die Deine Wohnung putzen. :-)
als historiker, der dieses jahr 35% gehaltserhöhung durchgeboxt hat, gebe ich dir einfach mal vollkommen recht.
Die Verdienstmöglichkeiten bei den Paketdiensten und Kurierdiensten sind im letzten Jahrzehnt immer weiter eingebrochen.
Überall wo auf Subunternehmer umgestellt wurde, überall wo 400-Euro-Kräfte genutzt werden, überall, wo heute neu eingestellt wird.
1300 Brutto im Monat sind da noch viel…
@58 kno
Bei dem Wust von Kommentaren muss man mir nachsehen, dass ich manchmal Ironie nicht als solche erkenne … oder sollten die etwa alle ironisch gemeint sein? ;-)
Aber mal ernsthaft. Briefe könnten auch kostenlos transportiert werden, und ich würde keinen einzigen Brief mehr schreiben. Eigentlich nutze ich privat das Medium Brief nur dann aktiv, wenn aus irgendwelchen juristischen Gründen ein Original verschickt werden muß. Beruflich sieht es ähnlich aus – 90% der schriftlichen Korrespondenz gehen über Mail und Fax. Die Kosten sind dabei sekundär, es geht v.a. um die Geschwindigkeit und die Einfachheit der Übermittlung.
Passiv nutze ich das Medium vor allem zum ungeliebten Rechnungsempfang. Werbesendungen verbitte ich mir und da ich mit meinen Personalien sehr vorsichtig bin, hält sich diese ungewünschte Kommunikation auch im Rahmen. Beruflich sieht das freilich anders aus, aber mir ging es im Text ja auch nicht um den B2B Bereich.
Es mag sein, dass Du plötzlich in eine Schreibwut verfällst, wenn das Porto 10% günstiger wird, ich kann dies nicht nachvollziehen und prophezeie mal, dass es einen Großteil ähnlich geht, wie mir.
@59 anon
*g*
Nee, die sind bei diesen hochbeliebten Abmahn- und Inkassokanzleien beschäftigt. Geschädigte Schädlinge könnte man sagen. Neulich hatte ich einen Rechnungsstreit mit der Telekom – die gab meinen Fall an irgend so eine dubiose Inkassokanzlei weiter. Im Telefongespräch kam mir die naßforsche Juristin mit dem “Totschlägerargumen” “Haben Sie Jura studiert oder ich?” entgegen, was ich mit der Riposte “Sitzen Sie für 10 Euro die Stunde am Telefon oder ich?” gekontert habe, worauf nach einem langen Schweigen Einsicht bei der Gutesten einsetzte ;-)
@ Spiegelfechter:
Liebesbriefe kommen, nach eigener Erfahrung per Post besser an als per eMail …
O-Ton: Ich kann mich in einen Mann nur verlieben wenn ich was handschriftliches von ihm habe!
Ne aber ich glaube das wird nicht so in Gewicht fallen, denn für solche Sachen bezahlt man freiwillig auch etwas mehr als nötig… Aber wenn man dann etwas Geld für Blumen oder so sparen kann freut sich die Geliebte und der Blumenhandel (man muss volkswirtschaftlich denken …)
Aber bei Vereinen , etc. die schriftliche Einladungen rausschicken müssen is es natürlich schon ein Kostenvorteil wenn es günstiger geht … Denn da kommen schon mal große Summen zusammen … war schon mal bei einen Verein bei dem ich die mich um die Postsachen kümmern durfte, das geht ganz schön ins Geld…
Ich fänd es per eMail natürlich auch pratischer aber rein rechtlich müssen manche Dinge schriftlich raus, und man kann auch nicht jeden verpflichten eine eMail-Postfach zu unterhalten (und manchmal übersieht man mal eine Mail) …
Ah so,
hier eine Idee von mir, wie man als Postversender Geld verdienen kann.
“Sich mit dem örtlichen Lebensmittelmärkten kurzschliessen.”
Lebensmittelmärkte haben das schon öfters versucht aber es ist immer an den Kosten gescheitert.
In jedem Bezirk sollte es min. einen Markt alle 5min Fahrweg geben, so dass fast keine zusätzliche Arbeitszeit anfallen sollte.
Ausgezeichnete Argumentation, die ich gern in meinem eigenen Beitrag
(http://www.blogsgesang.de/2007/12/07/der-mindestlohn-als-ordnungsfaktor/)
verlinke.
@Mile
Das ist prinzipiell eine sehr gute Idee, leider aber logistisch wohl kaum machbar. Ich habe von einigen Beispielen in den USA gehört, wo das wohl sogar machbar ist.
Dies ist aber wohl eher eine Sache für Paketdienste, die armen Briefträger werden kaum noch zusätzlich unsere Einkäufe tragen können ;-)
Ich habe diese Seite vor kurzem erst entdeckt und muss Sagen: Hut ab! Lieber Spiegelfechter die Qualität und Quantität an Artikeln die Du hier postest ist wirklich beeindruckend. Es tut gut so eine Seite als Informationsquelle nutzen können. Weiter so !
@Jens
Deine #52 hat mir Spaß gemacht, Bingo, Volltreffer. Könnte es sein, dass Geiz doch nicht ganz so geil ist und manch intelligiente Mensch blöder ist als er glaubt?
btw.: Dat iss nu ‘ma ‘n Rat wie ich ihn schätze – weiter so!
Grüße Vogel
@ “Cheffe”:
Guter Artikel, habe ich nichts zu mäkeln oder zu lektorieren daran ;-) Die ‘Idiotie’ des Ganzen sollte eigentlich damit offen darliegen…
Und für #65, “Mile”: Fast eine geniale Idee :-P Warum nicht gleich Lebensmittelpakte vom örtlichen Supermarkt ausliefern lassen? *g*
Gruß
hannilein, die immer noch selber putzt
@hannilein
Schön, dass Du Dich mal wieder blicken lässt ;-)
@ SF
Das sehe ich anders: Sklaverei ist in bestimmten Arbeits”märkten” die einzige Möglichkeit das derzeitige 4 + 1-Kastensystem aufrechtzuerhalten. Allerdings funktioniert das nur, wenn die Sklaven – oder Merkel/Beck-Deutsch – “Prekarianer” keine Bildung genießen durften und täglich für ihr blosses Überleben sorgen müssen, bzw. gesellschaftlich verachtet werden.
In Deutschland funktioniert das derzeit ziemlich perfekt.
@Schwitzig
Das kommt wohl auf die Definition von Sklaverei an. Die klassische Skalvenhaltung beinhaltet Vollverpflegung, Unterkunft und Versorgung mit Kleidung etc. pp.. In einem “Hochkostenland”, wie Deutschland, ist dies ökonomisch nicht sinnvoll. Die eingesparten Lohnkosten sind im Niedriglohnbereich viel niedriger, als die Zusatzkosten für die sklavengerechte Haltung. Mit einem outgescourcten Arbeitsplatz in China könnte ein deutscher Sklave schon gar nicht mithalten. Der Casinokapitalismus hat das Sklaventum längst überwunden – moderne Wertschöpfungsmethoden sind für den Arbeitgeber wesentlich lukrativer. Denke nur an die Opportunitätskosten! So ein Sklave ist gebundenes Kapital und muß mit den Kapitalrenditen alternativer Anlageformen konkurrieren.
Wer Zynismus findet, darf ihn behalten ;-)
SF:
Und genau da setzt der oft als Neoliberalismus betitelte neue Darwinismus an: “Eigenverantwortlichkeit”
Der moderne Sklave hat Rechte und ein paar Privilegien wie z.B. Behandlung bei Krankheit, die zum Hauptteil durch die dritte Kaste, der immer noch vorhandenen Mittelschicht, finanziert wird. Dadurch fühlt sich der Sklave geachtet und wird nicht so schnell aufmüpfig. Ausserdem wird ihm das Gefühl eingetrichtert, dass es ihm nur deswegen so “gut” geht, weil andere ihm helfen ( -> zahlen).
Dann wird ihm erzählt, dass aber leider jede Hilfe auch ihre Grenzen hat und dass er z.B. seinen “Lebensstandard im Alter” bitte selbst (“privat”) absichern möchte, womit selbst das letzte bißchen Geld, was er noch hat, wieder an die Kaste 1 – die oberen 10.000 – umverteilt wird, die wiederum davon einen kleinen Teil der Mittelschicht (Kaste 3) zufließen lassen, um die Sklavenhaltung rentabel zu gestalten. Die Mittelschicht muss ja etwas haben, was in die Unterschicht (Kaste 4) und von da in die 1-Schicht der Mittellosen fließen kann und dann wieder bei den oberen 10.000 landen kann.
Und da ist auch der logische Fehler im System, denn dieses Prozedere führt mit der Zeit zu einer Akkumulation von Werten bei den oberen 10.000 und zu einer kontinuierlichen Ausdünnung der Mittelschicht durch Verarmung und folgendes Kastenrutschen in die Unterschicht und danach in die 1-Schicht.
Der Kapitalismus, wie wir ihn seit dem Mauerfall geniessen dürfen, hat sich bisher immer selbst vernichtet. Allerdings wurden im Zuge der Selbstvernichtung auch immer lustige Kriege und Massenvernichtungen veranstaltet, über die man sich während der Laufzeit des Pyramidensystemes Kapitalismus immer entsetzlich echauffieren muss und am besten vorauseilend “verurteilt”, die aber Systembedingt sind und paradoxerweise durch ihre Verneinung und die Unterstützung des kapitalistischen Systemes erst wieder möglich werden.
@SF
China?
Grad gesehen, heute Abend kommt um 21:35 Uhr eine Reportage auf arte über die Schuhstadt Whenzhou, ob die interessant ist weiß ich nicht, aber hier steht, dass erste Unternehmer von dort anfangen, kostengünstigere Niederlassungen in Afrika zu gründen. Ich vermute mal, damit ist nicht Kapstadt oder Windhoek gemeint.
Wenn jetzt schon die Chinesen mit 80 Millionen Wanderarbeitern zu teuer sind …
Pax
@ S C H W I T Z I G :
Der Krieg ist doch ein großes Element des Kapitalismus – erst werden Waffen patentiert, gebaut und verkauft und damit werden dann auf globaler Ebene die Menschen zum Kapitalismus gebeugt (O.K. – das war jetzt Theorie). Ob sog. “legale” oder illegale Waffengeschäfte: Meistens wird es damit erst ermöglicht, Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Und die Deutschen sind auf dem Gebiet Spitzenreiter.
@ C O R A X :
So wird der Kapitalismus nach Afrika exportiert – in manchen Gebieten hat man als Unternehmer eben die Möglichkeit, die Menschen ganz legal zu versklaven. Warum sonst will u.a. auch Europa in Afrika investieren (oops… falsches Wort ich meine natürlich) “helfen”. Und mit dem positiven Hintergrund der “Hilfe zur Selbsthilfe”, “Unterstützung für die 3.Welt” und so weiter wird es dann verkauft. Das die europäischen Firmen, die dort jetzt schon “stationiert” sind, sich auch mal an Menschrechte halten sollten, wird in den Massenmedien ignoriert.
S K L A V E R E I & P Y R A M I D E N S Y S T E M
Erst das politisch-gewollte Pyramidensystem erschafft die Klassengesellschaft. Und dabei sollte jeder Bürger lautt GG§ wenigstens die gleichen Chancen haben – das Ergebnis sieht man dann bei den monatlich-erscheinenden Meldungen über Bildung,Beruf&Wohlstand (selbst bei “SPON” bzw. Spiegel). Seit Jahren wird alles dafür getan, daß es so bleibt. …obwohl immer das Gegenteil behauptet wird.
Schönen Tag wünscht
M e i e r
Die Einstellung der Springer-Gruppe paßt doch gut zu der Tatsache, daß ein hochrangiges Vorstandsmitglied, nebst einiger anderen namenhafter Personen, als Teilnehmer der Bilderberg-Treffen in Erscheinung getreten ist.
Eine solche Haltung ist ein passender Wegbereiter zur Erstellung einer “neuen Weltordnung”.