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  • Wulffs Migrantencoup

    geschrieben am 27. April 2010 von Spiegelfechter

    Aygül Özkan gehört zweifelsohne zu der Sorte Mensch, die landläufig als Vorzeigemigrant bezeichnet wird. Doch bereits hier steckt der Teufel im Detail. Frau Özkan ist keine Migrantin, sondern eine in Hamburg geborene Tochter zweier Migranten. Hier offenbart die deutsche Sprache ihren Hang zur Euphemismus-Tretmühle ? während man früher von Gastarbeitern oder Ausländern sprach, spricht man heute von Einwanderern, Migranten, oder wenn man ein überzeugter Anhänger politisch korrekter Sprachpanscherei ist, von MenschInnen mit Migrationshintergrund. Welchen Namen man dem Kind gibt, ist allerdings zweitrangig ? wichtiger ist, mit was man die Begriffe verbindet.

    Es ist unerheblich, ob man von einem Krüppel, einem Behinderten, einem Gehandycapten oder einem anderweitig Begabten spricht, wenn man mit diesen Begrifflichkeiten ein und dasselbe Bild im Kopf verbindet. Wenn die CDU von Menschen mit Migrationshintergrund spricht, hat sie offensichtlich ein Bild im Kopf, das besser zum Begriff Gastarbeiter passen würde ? der Migrationshintergründler wird erst dann als gleichwertig akzeptiert, wenn er sich assimiliert und jegliche Vorstellung, die gegen das christlich-konservative Weltbild verstößt, aus seinem Kopf ausmerzt. In diesem Sinne ist Frau Özkan jedoch keine Vorzeigemigrantin, da sie weltanschauliche Positionen vertritt, die nicht vollkommen in der Leitkultur aufgehen, die in den Köpfen konservativer Unionsgranden umherspukt.

    Wulffs Coup

    Was brachte Christian Wulff auf die zweifelsohne mutige Idee, eine Muslima mit türkischen Wurzeln für das Amt der niedersächsischen Sozialministerin vorzuschlagen und dem Ministerium gleich noch den Aufgabenbereich Integration zu übertragen? Wulff, der ebenso wie Merkel eher für eine moderne CDU steht, arbeitet offensichtlich bereits im Hintergrund an seiner Positionierung für die Merkel-Nachfolge. Nachdem Merz vertrieben wurde, Koch sich selbst unmöglich gemacht hat und die ehemaligen Nachfolgekandidaten Müller und Rüttgers durch Erfolglosigkeit glänzen, steht der Name Wulff ganz oben in der Diadochenrangliste. Doch die CDU ist es leid, am nicht mehr satisfaktionsfähigen Mehrheitsbeschaffer FDP zu hängen und buhlt bereits seit Monaten offen um die Gunst der Grünen. Eine türkischstämmige Muslima zur Ministerin zu machen, ist ein genialer PR-Coup in diese Richtung. Der grüne Rechtsausleger Cem Özdemir jubilierte auch prompt und ließ sich zu der Aussage verleiten, dass nur Union und Grüne sich in diesem Land ernsthaft für Migranten einsetzen würden. Bis zu diesem Zeitpunkt war der PR-Coup geglückt, dann jedoch versagte ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums auf ganzer Linie, als er bei der Freigabe eines Özkan-Interviews die Brisanz einer einzigen Zeile übersah.

    Verplappert – Ehrlichkeit ist keine deutsche Primärtugend

    Der Focus lehnte eine nachträgliche Redigierung des Interviews ab und kurze Zeit später konnte jeder Unionspolitiker lesen, dass die designierte Ministerin nicht nur Kopftücher, sondern auch Kruzifixe in deutschen Schulen ablehnt, da beide Symbole das Prinzip der Neutralität verletzten. Natürlich, mit diesem Statement befindet sich Özkan in bester Gesellschaft ? schließlich beschreibt ihre Aussage im Großen und Ganzen die Position des Bundesverfassungsgerichts. Doch die Position der Union und die Position der Verfassungsrichter sind nur selten deckungsgleich, wie die jüngere Geschichte lehrt. Selbstverständlich kann und muss man Özkan den Vorwurf der Blauäugigkeit machen ? kann eine CDU-Politikerin wirklich so naiv sein und nichts von den unwürdigen Streitereien ihrer Partei mitbekommen haben, die immer dann einsetzen, wenn die Union das christliche Abendland vor dem Untergang retten will?

    Kruzifix! Verbietet die Kopftücher!

    Zeitblende: Wir schreiben das Jahr 1995, die Verfassungsrichter geben einem bayerischen Familienvater recht, der gegen ein Gesetz des Freistaats klagt, das Schulen vorschreibt, Kruzifixe in den Klassenräumen aufzuhängen. Die Aufregung des christlich-konservativen Flügels der Unionsparteien war groß, ein bayerischer Landtagsabgeordneter drohte gar damit, die Richter mit einem Dreschflegel zu empfangen, wenn sie kämen, um die Kreuze abzuhängen. Mehrere Folgeprozesse bestätigten und erweiterten dieses Urteil, was die Union allerdings nicht daran hindert, immer wieder aufs Neue für ihre Kruzifixe ins Feld zu ziehen ? zuletzt in Nordrhein-Westfalen, wo sich Richter tatsächlich erdreisteten, die Abbildung des gemarterten Leichnams aus ihren Gerichtssälen zu verbannen. Hat Frau Özkan von all dem nichts mitbekommen?

    Verfassungsrechtlich und politisch ist der zweite Teil ihrer Aussage jedoch um einiges brisanter. Das Bundesverfassungsgericht hat zwar dem Land Baden-Württemberg im Streit mit einer muslimischen Lehramtsanwärterin, die sich ihr Kopftuch nicht nehmen lassen wollte, im Kern Recht gegeben. Die Richter bestanden jedoch auf ein explizit formuliertes Gesetz, das das Tragen religiöser Symbole für Lehrer untersagt. Natürlich ist jeder Unionspolitiker für das Verbot von Kopftüchern bei Lehrerinnen, wie sieht es aber bei einem Verbot von Kreuzen als Kettenanhänger oder jüdischen Kippas aus? Welcher Landtag würde ein Gesetz beschließen, mit dem Lehrern das Tragen christlicher und jüdischer Symbole verboten werden soll? Anders als die Verfassungsrichter nehmen es Unionspolitiker mit der Gleichberechtigung der Religionen nicht so streng und erinnern stets an die christliche Tradition, die unsere Gesellschaft prägen würde. Liegen die Wurzeln des Christentums aber nicht im Judentum, und warum sollte unsere Gesellschaft gerade christlich geprägt sein und nicht von den Werten der Aufklärung, die vor allem das preußische Schulwesen prägte, das als Wiege unseres modernen Bildungssystems gilt? Aygül Özkan ist preußischer als ihre Partei, sie ist in diesem Punkt eher ein Bismarck, der sich im Kulturkampf mit der Zentrumspartei – eine direkte Vorgängerin der CDU – überwirft.

    Özkan macht sich zur Vorzeigeeinknickerin

    Man kann Frau Özkan zwar zu ihrer erfrischenden weltanschaulichen Offenheit beglückwünschen, für ihr fehlendes Rückgrat muss man sie jedoch scharf tadeln. ?Sie hat sich quasi auf dünnes und glattes Eis begeben und da kann man schon mal ins Rutschen kommen?, so Landesvater und Özkan-Entdecker Christian Wulff, der sich schneller von Özkan distanzierte, als es die Ticker der Nachrichtenagenturen vermelden konnten. Falsch, Herr Wulff, wer sich auf ?dünnes und glattes Eis? begibt, rutscht nicht, sondern bricht ein. Aygül Özkan ist eingebrochen und distanzierte sich letztlich sogar in demütigender Form von sich selbst ? sie habe die betreffenden Interviewaussagen ?voreilig? und ?ohne ausreichende Kenntnisse des Landes Niedersachsen? gegeben und begrüße natürlich das Kruzifix in niedersächsischen Schulen. So schnell kann man sich nicht nur selbst lächerlich machen, sondern auch vollständig diskreditieren.

    Wer seine Überzeugungen für Amt und Würden verrät, ist nichts weiter als ein rückgratloser Opportunist. So gesehen eignet sich Frau Özkan ganz hervorragend für ein politisches Amt und als ?Vorbild? für Migranten. Verbiege Dich, schmeiße Deine Werte und Überzeugungen über Bord, dann wird Deutschland Dir eine Chance geben. Bravo, genau das ist die Botschaft, die bei integrationsunwilligen Migranten ankommt. Alle Menschen sind gleich, aber einige sind gleicher, warum soll dies nicht auch für Religionen gelten? Selten wurde den Muslimen in Deutschland derart offen demonstriert, dass ihre Religion hierzulande unerwünscht ist und sie es nur zu etwas bringen können, wenn sie ihren Werten nicht nur entsagen, sondern gleichzeitig Loblieder auf das Christentum und dessen herausragende Bedeutung für die deutsche Leitkultur singen.

    Punktsieg für Wulff

    Was als genialer PR-Coup begann, endete in einer Farce. Der Verlierer dieser unwürdigen Machtdemonstration ist allerdings nicht Christian Wulff, sondern Aygül Özkan – und mit ihr aller muslimischen Migranten. Wulff konnte sowohl bei den Grünen und den progressiveren Unionskadern punkten, da er eine Muslima in sein Kabinett holte, als auch bei den konservativen Kreisen, da er ?dem Türken einmal so richtig gezeigt hat, wer hier Herr im Hause ist?. Mit Integrationsbemühungen hat das alles allerdings überhaupt nichts zu tun, außer man setzt Integration und Assimilation gleich.

    Jens Berger

    60 Kommentare Print This Post
    Aygül Özkan gehört zweifelsohne zu der Sorte Mensch, die landläufig als Vorzeigemigrant bezeichnet wird. Doch bereits hier steckt der Teufel im Detail. Frau Özkan ist keine Migrantin, sondern eine in Hamburg geborene Tochter zweier Migranten. Hier offenbart die deutsche Sprache ihren Hang zur Euphemismus-Tretmühle ? während man früher von Gastarbeitern oder Ausländern sprach, spricht ...
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    1. Und schon mag der MP sie nicht mehr. « Ein Blog zu meinem (politischen) Jahr 2010 – II
    2. Und noch einmal: Aygül Özkan « Evolutionäre Humanisten Berlin-Brandenburg e.V.

    60 Kommentare:

    1. lupusofnews schrieb am 27. April 2010 at 16:47 - Permalink

      eine schöne analyse, dasselbe habe ich gestern (sinngemäß) während der tagesschau richtung fernseher gebrüllt -.-

      wie weit es mit der trennung von staat und kirche beim bverfg her ist, hat allerdings auch das urteil von 1999 gezeigt, in dem hinsichtlich des neuen bayrischen erziehungs- und unterichtswesengesetzes kein verfassungsverstoß festgestellt werden konnte. die regelung fordert vom einzelnen sich zunächst einmal selbst als querulant zu outen, wenn einem die christlichen logos an den wänden nicht passen (vgl. art 7 BayEUG). während der schulzeit. in bayern. insofern fragt sich ja schon was das urteil von 1995 überhaupt wert ist.

    2. top schrieb am 27. April 2010 at 17:54 - Permalink

      nun, seien wir doch dankbar, schließlich ist jeder Schlag auf bzw. gegen die CDU/CSU ein klarer Gewinn..

      Dummerweise haben wir nicht wirklich eine Partei, die auch wirklich für die Interessen der
      Bevölkerung eintritt, alle 4 Jahre auf’s Neue können wir uns nur zwischen Pest und Cholera entscheiden, das ist meiner Meinung nach auch der Grund der politischen Resignation, die zeigt sich besonders in der niedrigen Wahlbeteilung.

      Interessant finde ich immer, dass über die Regierung und damit über CDU/CSU-Repräsentantin Hosenanzug FDJ-Trulla Mutti Merkel immer so abgeschimpft wird, aber keiner will Ihre Partei in die Regierung gewählt haben…

      …Es ist wie bei Modern Talking: Trotz der Tatsache, dass alle bestreiten, jemals eine Platte gekauft zu haben, wurden davon Millionen umgesetzt…

      …Ich verstehe nicht, wieso die Bevölkerung immer und immer wieder auf irgendwelche Wahlversprechen hereinfällt, es ist jedesmal das gleiche: Alles Lug und Betrug…

      Der krönende Abschluß dabei ist:
      Wir bezahlen dieses Pack auch noch dafür und wenn kein Geld mehr vorhanden ist, macht nix, dann legen wir eben einen Staatsbankrott auf’s Parkett und entschulden uns über die Bevölkerung, die oft ein Leben lang hart für Ihre Ersparnisse real und ehrlich gearbeitet hat.

      Jeder, der heute in der misslichen Lage ist, Insolvenz anzumelden, kann ( zumindestens theoretisch ) wg. Insolvenzverschleppung bzw. Insolvenzbetrug – der deutsche Staat ist faktisch schon lange pleite – strafrechtlich belangt werden. Das hier die Verfahren meistens nach § 153a eingestellt werden, ist eine andere Sache…

      Was passiert beim Staatsbankrott ?

      Nichts, keiner wird zur Rechenschaft gezogen, es folgt die Währungsreform als nächste Straftat: Die Enteignung

      …räuberischen Betrug und Diebstahl an der Bevölkerung nenne ich das…

      Die Anzeichen für eine B A L D I G E Währungsreform mehren sich, so sind bspw. schon Rechnungen und Quittungen aufgetaucht, die neben dem EURO auch auf DEM lauten, Frankreich wird offensichtlich auch wieder zu seinem FRANC zurückkehren.

      Rette sich, wer sich noch retten kann…

    3. Spiegelfechter schrieb am 27. April 2010 at 18:17 - Permalink

      @top

      ist zwar komplett Off-Topic – aber dennoch:

      Wir bezahlen dieses Pack auch noch dafür und wenn kein Geld mehr vorhanden ist, macht nix, dann legen wir eben einen Staatsbankrott auf?s Parkett und entschulden uns über die Bevölkerung, die oft ein Leben lang hart für Ihre Ersparnisse real und ehrlich gearbeitet hat.

      Das ist natürlich nicht wirklich so, schließlich ist es auch die Bevölkerung, die dem Staat Geld (gegen Zins versteht sich) leiht. Geld gegen Zinsen verleihen, heißt immer ein Risiko eingehen. So what?

      Jeder, der heute in der misslichen Lage ist, Insolvenz anzumelden, kann ( zumindestens theoretisch ) wg. Insolvenzverschleppung bzw. Insolvenzbetrug ? der deutsche Staat ist faktisch schon lange pleite ? strafrechtlich belangt werden.

      Eine Insolvenz liegt dann vor, wenn keine Kreditlinie ein Schieflage von Ein- und Ausgaben retten kann. Das ist beim deutschen Staat nun wirklich beileibe nicht der Fall.

      Was passiert beim Staatsbankrott ?

      Tja, die Welt geht zumindest nicht unter, die Riesterrentner und die Lebensversicherungskunden schauen jedoch in die Röhre.

      Nichts, keiner wird zur Rechenschaft gezogen, es folgt die Währungsreform als nächste Straftat: Die Enteignung

      Wie kommst Du auf “Enteignung”?

      Die Anzeichen für eine B A L D I G E Währungsreform mehren sich, so sind bspw. schon Rechnungen und Quittungen aufgetaucht, die neben dem EURO auch auf DEM lauten,

      Bullshit, aus welcher Internet-Postille hast Du denn das schon wieder?

    4. Truvor schrieb am 27. April 2010 at 18:23 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Sehr guter Artikel, Jens !

      Noch so eine rückgratlose Minister, oh Gott.
      Nach welchen Kriterien werden überhaupt die neue Minister ausgewählt, daß sie nicht mal ihre Worte filtern und kontrollieren können.
      Sie ist noch nicht mal im Amt und schon so ein Patzer.

      Ich habe irgendwie das blöde Gefühl, daß hinter ihrem Kommentar, Wulff persönlich steckt.

    5. janfrie schrieb am 27. April 2010 at 18:27 - Permalink

      Gelungener Artikel.

      Nachdem ich heute morgen in der FR diesen Kommentar gelesen habe und mir beinahe das Brötchen aus dem Mund gefallen ist, war ich schon kurz davor, mein Abo zu kündigen.

      Finde es einfach unfassbar, wie grundlegendste Verfassungsprinzipien von Parteien und Medien mit Füßen getreten werden und diese Diskriminierung von Religionen mit Verweis auf unsere “christlichen Wurzeln” schöngeredet wird.

    6. Unfassbar schrieb am 27. April 2010 at 18:45 - Permalink

      Aygül Özkan gehört zweifelsohne zu der Sorte Mensch, die landläufig als Vorzeigemigrant bezeichnet wird

      Google bringt 1340 Treffer für “Vorzeigemigrant”, scheint also nicht sooo landläufig zu sein. Aber moment, sie ist ja gar keine Migrantin, sondern wurde in Deutschland geboren.

      … während man früher von Gastarbeitern oder Ausländern sprach, spricht man heute von Einwanderern, Migranten, oder wenn man ein überzeugter Anhänger politisch korrekter Sprachpanscherei ist, von MenschInnen mit Migrationshintergrund

      Hm, was denn nun? Soll man jetzt doch wieder “Ausländern” oder “Gastarbeiterin” sagen? Denn:

      Es ist unerheblich, ob man von einem Krüppel, einem Behinderten, einem Gehandycapten oder einem anderweitig Begabten spricht, wenn man mit diesen Begrifflichkeiten ein und dasselbe Bild im Kopf verbindet.

      Vielleicht verbindet sich ihn ihrem Kopf dasselbe Bild bei “Ausländer” und “Migrant”, bei mir eher nicht. Aber sie verbinden ja auch mit “Schweinejournalismus” etwas anderes als ich.

    7. schwitzig schrieb am 27. April 2010 at 19:04 - Permalink

      @janfrie

      Nachdem ich heute morgen in der FR diesen Kommentar gelesen habe und mir beinahe das Brötchen aus dem Mund gefallen ist, war ich schon kurz davor, mein Abo zu kündigen

      Ich würde das Abo so oder so kündigen. Ein Abo gibt der Zeitung Sicherheit, dass Geld hereinkommt, egal was für ein Stuss oder welche Propaganda gerade veröffentlicht wird. Ich würde die Zeitung nur bei Bedarf kaufen und zwar genau dann, wenn überwiegend wertvolle Artikel enthalten sind. Ist der prozentuale Anteil von Desinformation und Hirnverkleisterung zu hoch, sieht der Verlag keinen Cent.
      Je mehr Leute so agieren, um so mehr kann eine Nachfragemacht ausgeübt werden, die es schon immer gab, die jedoch fast nie konsequent genutzt wurde.
      Und selbst wenn es keine Auswirkungen hat, kann man sich wenigstens selbst sagen, dass man den Stuss nicht auch noch bezahlt hat :-).

      Ein interessanter Artikel zu dem Thema Religionsheuchler mit lustigen Politikerzitaten (Christentum = = Toleranz etc.) ist hier:

      http://www.heise.de/tp/blogs/8/147515

      Diese Sekten (die sich gerne als Religion bezeichnen) sind sich auch für nichts zu schade :-).

    8. Spiegelfechter schrieb am 27. April 2010 at 19:23 - Permalink

      @Unfassbar

      Vielleicht verbindet sich ihn ihrem Kopf dasselbe Bild bei ?Ausländer? und ?Migrant?, bei mir eher nicht. Aber sie verbinden ja auch mit ?Schweinejournalismus? etwas anderes als ich.

      Offensichtlich verbinde ich mit einigen Dingen etwas anderes als Du ;-)

    9. Carsten Penkella (Westerwellenreiter) schrieb am 27. April 2010 at 19:49 - Permalink

      Ich glaube, in den Gegenden um Hannover und Braunschweig gibt es kaum Kruzifixe in den staatlichen Schulen. Das ist wohl eher in den katholisch geprägten Gebieten dieses Bundeslandes und der Bundesrepublik Deutschland so. Hat denn jemand in Hamburg, Bremen und Berlin und im kirchenfernen Osten schon Kruzifixe in Klassenzimmern gesichtet?

    10. Spiegelfechter schrieb am 27. April 2010 at 20:00 - Permalink

      @Carsten

      Nein, während meiner niedersächischen Schulzeit ist mir nie ein Kruzifix untergekommen.

    11. kapiernix schrieb am 27. April 2010 at 20:11 - Permalink

      Das Schauspiel war eindeutig notwendig. Wie sonst soll man sich dem Amt eines Ministers als würdig zeigen, als eine gewagte These aufzustellen und nach Zeigefingerwackeln vom ‘Papa’ zu kuschen und das Gegenteil zu behaupten ?

      Um Kruzifix oder nicht gings da primär sicher nicht.

    12. schwitzig schrieb am 27. April 2010 at 20:57 - Permalink

      Der SPIEGEL schießt mal wieder den Vogel ab: Özkan wird mißbraucht, um das SPIEGEL-typische Hurra-Merkel-Erbrochene ausfließen zu lassen und der Legendenbildung der “sozialdemokratisierten Union” zu frönen:

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,691603,00.html

    13. Mir schrieb am 27. April 2010 at 22:07 - Permalink

      Wulff wird die Berufung sicher schon bereuen. Ozkän scheint zwar die benötigten Wendehals Qualitäten zu besitzen, jedoch fehlt es wohl noch an Kompetenz im populistischen aufbereiten politischer Hirnpirouetten. Da hätten noch ein paar Interviews mit Lokalzeitungen zur Vorbereitung sicher nicht geschadet.

      @Unfassbar
      Respekt, den Text so zu interpretieren, das schafft nur ein geistig ganz speziell befähigter Mensch.

    14. GrooveX schrieb am 27. April 2010 at 22:46 - Permalink

      wenn eine türkin (ich weiss, sie ist deutsche, aber der name ist eben doch ziemlich türkisch) in der cdu eine karriere hinlegt, die sie zur landesmisnisterin befördert, dann hat sie das rösler-köhler-syndrom schon ziemlich deutlich.

      diese menschen an den schalthebeln der macht können angst einflößen. sie sind technokraten der korruption und ‘beziehungen’ und weitaus gefährlicher für unser gemeinwesen als sie scheinen.

    15. SwENSkE schrieb am 28. April 2010 at 05:35 - Permalink

      …ob man von einem Krüppel, einem Behinderten, einem Gehandycapten oder einem anderweitig Begabten spricht, ….

      Oder auch von einem “GehandIcapten ;)

      Zu viel telefoniert in letzter Zeit?^^

      Zum Thema:
      Was für ein unwürdiges, abstoßendes Schauspiel!
      Allerdings könnte ich nun nicht behaupten, daß mir Frau Özkan leid tut. Sie hat überzeugend dargelegt, daß sie keine Überzeugungen hat. Jedenfalls keine für die sie kämpfen und notfalls auch ihre politische Karriere opfern würde.
      Sie passt also ganz prima in die CDU bzw. in’s politische Geschäft allgemein. Rückgratlose Opportunisten wo man nur hinschaut – und die wundern sich über Politikverdrossenheit.

      Wobei die Menschen ja gar nicht politikverdrossen sondern politiker- bzw. parteienverdrossen sind.

    16. Lesefuchs schrieb am 28. April 2010 at 07:46 - Permalink

      Hier ist doch wieder der klare Beweis erbracht warum Politiker Politiker werden. Für eine Sache zu kämpfen ist es jedenfalls nicht. Es geht nur darum irgendwie in die Presse zu kommen, Macht zu bekommen und letztlich bis zum Lebensende finanziell versorgt zu sein. Wenn sich zwischendurch, durch die dann automatisch einlaufenden Konnektions, noch ein paar Milliönchen einfinden – nach gut.
      Wenn man die vorgenommene Schiene durchlaufen will, muss man halt auch mal umschwenken.
      Schlimm ist nur, wie auch in einem Kommentar geschrieben, dass alle 4 Jahre der Dödel wieder sein Kreuzchen an der gleichen Stelle macht. Am meisten “amüsiert” mich dann vor den Wahlen die Hetze auf Links und den Osten. Und dann wird wieder Frau Merkel gewählt, die ja bekanntermaßen aus dem tiefsten, kapitalistischen Ausland kommt. Daran kann man dann immer sehr gut ablesen, wie man das kleine Volk mit ein paar Propagandaartikeln lenken kann. Mich erinnert die heutige Presse sehr an die Presse die ich viele Jahre erlebt habe: Die Zentralorgane der Partei(en) !!!

    17. Diskussionsteilnehmer schrieb am 28. April 2010 at 08:03 - Permalink

      Wobei die Menschen ja gar nicht politikverdrossen sondern politiker- bzw. parteienverdrossen sind.

      Der erste, der es schafft eine vernünftige neue Partei zu grünen, wird 15% aufwärts ziehen. Ich weiß, “vernünftig” ist nicht konkret, ihr wisst schon wie ich das meine…

      Eine Partei, wo so Leute wie die neue Ministerin nicht Mitglied sind z.B. ^^ .

    18. Carsten Penkella (Westerwellenreiter) schrieb am 28. April 2010 at 08:54 - Permalink

      @ 16 Lesefuchs: Gut, dass wir (bzw. damals die Amerikaner und Briten in ihren Zonen) mehr Meinungsfreiheit zugelassen haben, als sie in Hitlers Volksstaat (Götz Aly) üblich war. Ein Fortschritt war es auch, dass wir in den Westzonen wieder frei wählen durften. Seit 1990 gilt das für ganz Deutschland, ja (fast) ganz Europa.
      Leider wählen die Dödel ja falsch. Alle doof, außer Lesefuchs. Kann es nicht sein, dass dumme oder schlaue Menschen aus freien Stücken zu anderen politischen Einsichten und Wahlentscheidungen kommen als der dumme oder schlaue Lesefuchs? Führe uns doch auf den richtigen Weg, Lesefuchs. Versuche es doch einmal mit Argumenten, anstatt mit primitiven Anti-Stammtischparolen auf Stammtisch-Niveau.

    19. Bokatov schrieb am 28. April 2010 at 09:05 - Permalink

      @ SF

      Mit Integrationsbemühungen hat das alles allerdings überhaupt nichts zu tun,…

      Zitat: “In einer Erklärung des Ministeriums hieß es, Özkan berufe sich als gläubige Muslimin ?ausdrücklich auf den einen und einzigen Gott?, der dem Judentum, dem Christentum und dem Islam gemeinsam sei…”

      Wart’s ab mein Lieber!
      Kommt alles noch.

      Bokatov

    20. Dirk schrieb am 28. April 2010 at 09:11 - Permalink

      Der Abschlusssatz des Artikels spricht mir aus der Seele, denn nicht nur Politik zeigt da gerade ihr wirkliches Gesicht, ein großer Teil der Landes tut es in Diskussionsforen und Stammtischen dieses Landes gerade sehr deutlich und wie so oft auf der Grenze zur Volksverhetzung.

      Wo immer so getan wird als wäre das Problem der nicht-deutsch-sprechende Mensch mit Migrationshintergrund, der arbeitslos ist, seine Frau schlägt und dessen drogendealender Sohn auf der Strasse Deutsche verprügelt zeigt sich hier doch, daß das alles nur noch billige Maskerade eines sehr offensichtlichen und generellem Rasssismus ist, der nun auch Frau Özkan als “U-Boot Erdogans” oder ähnlichem sieht obwohl ihre Aussagen von einem beachtlichen Teil dieses Landes geteilt werden, die werder Migranten noch Menschen mit Migrationshintergrund sind. Mein Leben lang lache ich mich tot über Leute für die ein Ausländer immer noch einfach jemand ist, der anders aussieht als sie… daß der dabei die deutsche Sprache besser beherrscht als sie selbst fällt ihnen dann schon nicht mehr auf. Auch wenn es nicht so deutlich gesagt wird… für viele scheint es “einmal Türke, immer Türke” zu sein und da ignoriert man dann auch Statistiken in denen klar abzulesen ist wie sich die Meinungen von Deutsch-Türken mit den generationen der von Deutschen angleichen und macht daraus, daß diese Gruppe sich kaum oder zu wenig integriert.

      Ein Trauerspiel auf allen Ebenen, vor allem dort wo es den Leuten nicht mal mehr auffällt wie zerbrechlich und lächerlich eine Identität ist, die offenbar meint sie würde ohne die Ausstellung von Symbolen ihren Halt verlieren.

    21. Fian schrieb am 28. April 2010 at 09:55 - Permalink

      So ist das nun mal in der Welt: man kann alles denken, aber nicht alles sagen. Das Problem sind nicht immer die Politiker, sondern deren Wähler…

      Mal ehrlich: wer kann schon immer alles so machen und sagen wie er es denkt? Wenn z.B. der Bekleidungsverkäufer seiner korpulenten Kundin sagt, dass er fette Frauen hässlich findet, wird er viele überlebenswichtige Kunden verlieren. Zwar arbeite ich in einer völlig anderen Branche, dennoch wäre auch ich vermutlich schon längst meinen Job los oder würde mit Betonschuhen in irgendeinem Hafenbecken tauchen. Mein Denken oder Handeln wird doch dadurch aber nicht (!) beeinflusst. Davon mal ab lernt doch kein Kind mit oder ohne Kreuz/Kopftuch besser oder schlechter – was bringt uns also diese ewige Diskussion darüber. Das (durch die Medien aufgeputschte) Thema finde ich daher völlig überbewertet….

    22. Carsten Penkella (Westerwellenreiter) schrieb am 28. April 2010 at 10:23 - Permalink

      @ 20 Dirk:
      Dieses Gerede von Volksverhetzung und Rassismus finde ich einfach nur dumm und überheblich. Wie provinziell und beschränkt muss man sein, um das immer wieder nachzuplappern? Können wir Deutsche nicht einfach ein mehr oder weniger normales Volk sein unter weniger oder mehr normalen Völkern? Zwischen Explosion und Implosion gibt es auch einen Mittelweg.
      Die Skepsis der Inländer gegenüber Ausländern ist weltweit Standard. Sie ist Teil der menschlichen Genetik und durch historische Erfahrungen gestützt. Man nenne mir die Beispiele aus der Geschichte, wo Fremde sich friedlich in ein Volk eingegliedert haben. Fragen wir doch mal nach bei den Indianern Nord-, Mittel- und Südamerikas. Schauen wir uns um, was aus den Völkern Sibiriens geworden ist. Wie geht es den Ureinwohnern Australiens und Neuseelands? Oder den nicht-chinesischen Völkern in China? Was ist aus den Völkern Anatoliens geworden, nachdem die Türken dort eingewandert sind? Wie ist die Lage der Mauren und Kopten in Nord-Afrika? Wollen wir über den Sudan reden?

    23. cnorthe schrieb am 28. April 2010 at 10:42 - Permalink

      Ausgezeichneter Artikel.

      Aber man sollte ob der Deutlichkeit der Heuchelei, die im CDU-Lager gewollt ist, glücklich sein. Selten ist der Opportunismus der Konservativen so schamlos offenbart worden. Schätze, daß auch viele Wähler anderer Parteien der Verteidigung der deutschen und christlichen Werte im Stillen vielleicht, aber von Herzen zugestimmt haben. Der Aufschrei ging schließlich deshalb durchs Land, weil die CDU-Rechte den feinjustierten Riecher für ihre Stammwähler hat. So dient der Vorgang zusammen mit dem Artikel zum Augenöffner.

      Religiöse Neutralität des Staates oder Gerechtigkeit interessieren eher nur “abgehobene Intellektuelle”. Schon mal versucht mit deutschen Eltern darüber zu diskutieren, Weihnachtsfeiern in Schulen und Kindergärten zu verbieten? Oder über die Einrichtung muslimischer Lehrstühle im staatlich finanzierten Theologiestudium?

      Genau diese Wertkonservative Grundhaltung in allen Lagern ist der Nährboden für die Rechtfertigung von Religionskriegen. Man verabscheut zwar den offenen Konflikt, aber befürwortet die ungerechte Bevorzugung der “eigenen” Gruppe.

      Aber es gibt auch für mich die sehr schwierige Frage der Volksidentität. Die Angst vor Überfremdung ist nicht dadurch lösbar, daß man nur anklagt. Sie kocht in Krisenzeiten besonders hoch, und vielleicht wäre die Aufregung nur halb so stark ausgefallen, wenn es an den Finanzmärkten nicht grade heftigst brodeln würde.

    24. mason schrieb am 28. April 2010 at 10:44 - Permalink

      Ist zwar etwas OT, aber zum ersten Absatz fiel mir dieser schoene Artikel vom Wischmeyer ein:

      Ein Text nach Dietmar Wischmeyer
      http://www.wischmeyer.de/

      Political Correctness, dafür gibt es kein Wort im Deutschen, was ausnahmsweise mal FÜR dieses Land spricht. Dennoch ist das angeschwult begriffliche Herumlavieren um harte Worte auch hier zu einem gesellschaftlichen Muss geworden. Der Neger und der Krüppel schieden zuerst dahin, aus Lehrling und Student wurden alsbald Azubi und Studierender.
      Der Idiot mauserte sich schließlich zum “geistig Andersbefähigten”. Gastarbeiter heißen ausländische Arbeitnehmer und Asylanten Asylbewerber. Als ob sprachliche Tünche auch nur ein Deut die Realität verbessern würde. In Lübeck brannte das Asylantenheim genau so gut, wie es das Asylbewerberheim getan hätte. Wenn die Menschen sich in die political Correctness fliehen, dann um in der Sprache eine heile Zuckerbäckerwelt zu erschaffen. Dieses heuchlerische Umrubeln der alten Wörter leugnet die Identität der Bezeichneten. Was soll man von einem Farbigen halten, der gestern noch Neger hieß, heute Afrikaner und morgen womöglich “pigmentmäßig Andersgeformter”? Immer war es ein Zeichen der totalitären Staatsgewalten, die Sprache nach ihrem Gusto zu formen: Aus dem fettwanstigen Deutschen wurde der Arier, aus dem Todesstreifen der antifaschistische Schutzwall. Heutiger Träger der totalitären Gewalt ist nicht mehr eine Partei oder eine Klasse, sondern der gesellschaftliche Konsens, dieses breiige Gefühl des irgendwie Zufriedenseins. Es ist das Gefühl nach einer McDonalds-Mahlzeit, das Gefühl nach dem RTL-TV-Roman oder dem Besuch eines Freizeitparks. Irgendwie nicht wirklich toll, aber auch nicht total Scheiße, es war halt ok, wie man heute so sagt, wenn man sich gelangweilt fühlt und man nicht weiß warum. Auf diesem Nährboden des schwiemeligen Gefühlsmorastes muss ein Neusprech für die fadenscheinige Oberfläche entstehen, die political correctness eben. Gebt dem irgendwie Gebeutelten die Illusion der Anerkennung, gebt ihm neue Wörter und er wird eine Zeitlang seine Schnauze halten. Noch gar nicht lange ist es her, da wurde aus den Eskimo die Inuit. Was war schlecht am Eskimo und wer weiß, ob Inuit in der Sprache der Eskimo nicht doch heimlich “Herrenrasse” heißt? Gerade beim kulturell gemordeten Arktisbewohner jedoch wird deutlich, wie die neuen Wörter der finalen Entmündigung nur um den Wimpernschlag der Geschichte vorausgehen. Drum seid lustig und seid froh, ihr Hottentotten, Kaffern und Kanaken und gebt Obacht, wenn sie Euch die neuen schönen Namen geben, denn dann geht es Euch gewiss recht bald an den Kragen!

    25. Spiegelfechter schrieb am 28. April 2010 at 11:21 - Permalink

      @mason

      Das ist gar nicht OT, sondern passt voll zum Thema. Wunderbar, was sich Wischmeyer da zusammengeschwurbelt hat, sollte in der Wikipedia beim Begriff “Euphemismus-Tretmühle” verlinkt sein!

    26. Mordred schrieb am 28. April 2010 at 11:53 - Permalink

      @Westerwellenreiter: ich denke, mit “Dödel” meinter der Lesefuchs z.B. diejenigen Mneschen, welche die FDP/CDU wählen, ohne etwas davon zu haben. Ich weiss jetzt nicht, was daran polemisch ist. oder soll er vielleicht besser nen 2 Seiten langen Aufsatz mit Quellenangaben etc. präsentieren, damit es für dich nciht dem Stammtischniveau entspricht?
      Wenn ich im übrigen Deinen Blog und Comments hier ansehe, bist Du um keinen Deut besser.
      Nur mal zu @22: Dein Totschlagargument
      “[...]Die Skepsis der Inländer gegenüber Ausländern ist weltweit Standard. Sie ist Teil der menschlichen Genetik und durch historische Erfahrungen gestützt. Man nenne mir die Beispiele aus der Geschichte, wo Fremde sich friedlich in ein Volk eingegliedert haben[...].”
      zeugt nciht gerade von Weitsicht und Entwicklungsfähigkeit. Vor einigen Jahren durfte z.B. in den USA ein farbiger Soldat kein Offizier werden. Heute ist so einer Präsident. Hierzulande sind Frauen und Männer mittlerweile vor dem Gesetz gleich – seid ein paar Jahren sogar Kinder ;) Dennoch gibt es immer noch Mißstände in Sachen Gleichbehandlung – u.a. das Thema des Artikels. Wenn sich keiner darüber aufregt und ggf. auch etwas polemisiert, ändert sich daran nunmal nix.

      @topic:
      Die Lobbyismus-Hörigkeit der CDU und Ihrer Parteimitglieder ist einfach zum Kotzen. In der Hinsicht ist mir sogar die SPD noch lieber. Die streiten sich zwar teilweise solange, bis sich daraus ne ganze Partei abspaltet, aber das ist mir wesentlich sympatischer, als dem Wählerstimmenfang und dem Machterhalt alles unterzuordnen. Nen guter Kollege von mir, welcher in der Jungen Union ist (oder nur noch “war”), argumentiert sogar nach dieser Devise: “Was Stimmen bringt und/oder erhält, hat oberste Priorität”.

    27. 7schläfer schrieb am 28. April 2010 at 12:20 - Permalink

      Ist doch alles “Business as usual”… die Ministerin hat der Partei bewiesen, dass diese sich auf sie verlassen kann, und sie im Rahmen des Parteiensystems funktioniert, welches ihr diesen Posten ermöglicht hat. Im selben Atemzug hat sie auch die Politikerprüfung “was interessiert mich mein Geschwätz von gestern” bestanden.

      Das ganze ist, wie im Artikel beschrieben, ein fast perfekter PR-Coup, mit dem sie nun bundesweit bekannt wurde. Gut, das Aufbäumen ist hierbei deutlich zu kurz geraten, also eine weitere Ja-Sagerin ohne eigene Persönlichkeit; perfekt für Wullf’s Heer und seine Kanzlerambitionen.

    28. cnorthe schrieb am 28. April 2010 at 13:15 - Permalink

      Nun hat Frau Özkan auch noch den falschen Gott angerufen!!!

      Es gibt wohl nirgendwo mehr Bigotterie als unter den “gläubigen” Frömmlern. Widerlich diese Scheinheiligen, die sich der Blasphemie garnicht bewußt sind, wissen zu wollen wie Gott genau ausschaut.

    29. Carsten Penkella (Westerwellenreiter) schrieb am 28. April 2010 at 14:30 - Permalink

      Christian Wulff verlor 1994 und 1998 gegen Gerhard Schröder, ehe er 2003 die kurze Amtszeit von Sigmar Gabriel als Ministerpräsident von Niedersachsen beendete. Zuvor war der Braunschweiger Lokalmatador Gerhard Glogowski in Hannover gescheitert.
      Mit seiner Kabinettsumbildung bringt Wulff frischen Wind in sein ermüdetes Kabinett. Die FDP ist nach dem Weggang von Rösler nach Berlin geschwächt. Bei der CDU sind nicht nur die entlassenen Minister enttäuscht, sondern auch einige aus der Landtagsfraktion, die sich Hoffnungen auf Ministerposten gemacht hatten.
      Da kommt nun eine hanseatische Türkin, die nie ein Kruzifix in einer staatlichen Schule in Hamburg gesehen hat, und will wenig vorhandene Kopftücher und überhaupt nicht vorhandene Kruzifixe aus den Klassenzimmern verbannen. Sie wusste wohl nicht, dass es in Niedersachsen noch quasi anatolische Landstriche gibt, in denen Katholiken automatisch CDU wählen und Klassenzimmer mit Kruzifixen geschmückt sind.

    30. Mordred schrieb am 28. April 2010 at 14:46 - Permalink

      @29 WWR: was willst du uns mit diesem post sagen?

    31. Frank Schenk schrieb am 28. April 2010 at 14:53 - Permalink

      “Sei gefälligst tolerant, du blöder Migrantenarsch” hört man die angeblich so christlichen Politiker poltern.

      Weil das (katholische) Christentum ja schließlich die toleranteste von allen Religionen ist.

      Tolerant mit allen, die den christlichen Glauben annehmen, an Gott, Jesus, die unbefleckte Empfängnis glauben. Dumpf jeden Scheiß, der von der Kanzel gepredigt wird glauben.

      Da möchte man mal sagen: Ja kruzifix nochamol, wir brauchen in Deutschland endlich eine strikte Trennung von Staat und Religion. Man kommt sich ja vor wie im Morgenland, wie die militanten, christlich-fundamenalistischen Katholiken ihre Symbole verteidigen. Ihre Werte.

      Und das arme Mädel lässt sich auch noch dafür hernehmen und beweist, daß die einzige Vorraussetzung für eine erfolgreiche Politikerkarriere fehlendes Rückgrat ist.

      “Amen” möchte man da sagen, “Amen”.

      Schönen Mittwoch

    32. Carsten Penkella (Westerwellenreiter) schrieb am 28. April 2010 at 15:03 - Permalink

      @30 Mordred: Warum gibt es keine Minister, deren Eltern Ausländer sind, aus den Reihen der SPD, der Grünen oder der Linkspartei?
      @31 Frank Schenk: Was qualifiziert Sie dazu, Frau Özkan so herablassend als “armes Mädel” zu bezeichnen. Und von einem “Migrantenarsch” hat auch kein CDU-Politiker gesprochen.

    33. Schweigsam schrieb am 28. April 2010 at 16:46 - Permalink

      Von mir aus lasst die Kruzifixe in den Klassen und die Musliminnen ihr Kopftuch.
      Aber trotzdem sind mir gerade die monotheistischen Religionen ein Greuel.

    34. Thomas schrieb am 28. April 2010 at 16:55 - Permalink

      @ 28 cnorthe: Warum? Was hat sie gesagt? “So wahr mir Gott helfe”? Nun, ihr Gott mag in der Sprache ihres Glaubens (Arabisch) Allah heißen. In der Sprache ihres Heimatlandes – immerhin ist sie Deutsche – heißt es/er/sie “Gott”. Wo ist also das Problem?

      Ich hätte allerdings nach ihren Äußerungen in Richtung Krizifixe und Kopftücher erwartet, daß sie auf die Graubensformel verzichtet. Aber wahrscheinlich hat Wulff sie schon weit genug eingenordet.
      Jedenfalls insgesamt ein kleverer Schachzug von ihm. Die Rechten in seiner Partei freuen sich, daß er “es der Migrantin gezeigt hat” und den Grünen bereitet er einen grün… roten Teppich für einen schwarz-grüne Koalition.

    35. Sulukol schrieb am 28. April 2010 at 16:57 - Permalink

      Bravo! Besonders die letzten drei Absätze. Wunderbare Analyse.

    36. Sulukol schrieb am 28. April 2010 at 17:08 - Permalink

      @32

      Warum gibt es keine Minister, deren Eltern Ausländer sind, aus den Reihen der SPD, der Grünen oder der Linkspartei?

      Zählen Sie mal alle Landes und Bundesminister der CDU und dann von den von Ihnen genannten Parteien. Dann geht Ihnen vielleicht ein Licht auf.

    37. Martin W. schrieb am 28. April 2010 at 20:54 - Permalink

      @34: Wieso wurde dann aber schnellstens seitens der Landesregierung erwähnt, dass es sich natürlich um den einen Gott gehandelt habe?

      Was mich bei dieser Personalie stört ist schlicht die Tatsache, dass hier wieder jemand in ein Amt gehoben wird, ohne dass offensichtliche Qualitäten entscheidend für deren Wahl gewesen sind.
      Vielleicht liege ich falsch, aber ich habe keinen Artikel in den letzten Tagen gesehen, der nennenswerte und vor allem fachliche Eigenschaften von Frau Özkan erwähnt hätte.

      Und was das Jubilieren von Herrn Özdemir angeht, so würde ich ihn gerne fragen, wieso es immer nur eine Nationalität hierzulande gibt, die irgendwas fordert. Und das lautstark.

    38. muffin schrieb am 29. April 2010 at 08:41 - Permalink

      “Frau Özkan ganz hervorragend für ein politisches Amt und als ?Vorbild? für Migranten. Verbiege Dich, schmeiße Deine Werte und Überzeugungen über Bord, dann wird Deutschland Dir eine Chance geben. Bravo, genau das ist die Botschaft–”

      Hehe, ich kenne “Migranten”, mit deutschem Pass, die können nicht mehr ihren eigenen Vornamen richtig aussprechen, dienen aber als Feigenblättechen in Ämtern, auf die (deutschen) Chefs gerne verweisen, wenn man Diskriminierungsprobleme bei der Jobsuche thematisieren will. Diese Feigenblättchen erzählen dann, hochmütig, anderen Ausländern, dass man als Ausländer keinerlei Probleme in dieser Gesellschaft hat und das es keine Diskriminierungsprobleme gibt. Ich bin auch hier geboren, wollte nie einen deutschen Pass, spreche die Spache meiner Eltern (ein paar andere noch dazu) und will auch nicht mehr Migrant genannt werden. Ich bin geseztlich gesehen Ausländer, obwohl ich sehrwohl als Vorzeigemigrant präsentiert werden würde, wenn ich ihnen die Möglichkeit zuließe. Mimikry? OHNE MICH! Dieses Land ist mehrheitlich( weit über 50%) von einer inneren Ablehnung und teilweise Hass gegenüber Ausländern erfüllt…. (hört meistens man ganz deutlich, wenn sie ein paar zuviel intus hatten). Obwohl man mit ihnen zusammensitzt und mitfeiert, wird dieses ekelhafte Draufdreschen praktiziert… da denke ich mir… ey, Moment mal… die haben wohl vergessen/nicht wahrgenommen, dass ich zu der Gruppe gehöre über die sie grade herziehen. Darf ich mich als integriert betrachten, wiel ich nicht als Ausländer erkannt/identifiziert wurde ?……Diskriminierung merke ich zum Teil sehr deutlich im Alltag. Icg frage mich sehr oft, wie es um die Ausländer bestellt ist, die die deutsche Sprache nicht so gut (oder garnicht) beherrschen wie ich…. oder zB. 14-jährige Türken in einer Hauptschule……immer öfter komme ich zu der Überzeugung, dass sie dieses Land als, mehr oder minder, feindliche Umgebung wahrnehmen. Weil sie es wahrscheinlich noch derber zu spüren bekommen, als ich. Das ist sehr traurig. Ich werde niemals alle “Deutsche” über einen Kamm scheren, ich habe auch schon sehr häufig große Auseinandersetzungen gehabt, als ich die “Deutschen” verbal verteidigt habe. Daher möchte aber noch hinzufügen, dass , wenn man in diesem Land auf nette Menschen trifft , diese wahrlich tolle Persönlichkeiten und sehr warmherzige Menschen sind. Eine davon ist meine Freundin

    39. Thomas schrieb am 29. April 2010 at 11:05 - Permalink

      @37 Martin W.: Vielleicht weil die ja alle so christlich tolerant sind?
      Aber mal im Ernst: Wenn es sich um “den einen Gott” handelt, so ist auch dies für Moslems Allah.
      Das ist ja das schöne an monotheistischen Religionen. Vielleicht reden wir ja alle von/mit ein und demselben Gott, wir verstehen ihn nur jeweils anders.

      Im Übrigen ist Religion sowieso Opium für’s Volk…

    40. Thomas schrieb am 29. April 2010 at 11:16 - Permalink

      @ muffin:

      Obwohl man mit ihnen zusammensitzt und mitfeiert, wird dieses ekelhafte Draufdreschen praktiziert?

      Hm… schwierige Sache das. Aber ist es nicht in “angeheiterten” Runden immer so, daß auf einem rumgehackt wird? Sei es nun der Bayern-Fan, der Beamte, der Lehrer,… oder eben der Ausländer? Sind Ausländer / bist du da so empfindlich? Oder schlägt Dir da wirklich blanker Hass entgegen? Würde mich wirklich mal interessieren? Muß ich jetzt meinem “Kollegen mit Migrationshintergrund” gegenüber aufpassen was ich sage? Darf ich nicht mehr über ihn / mit ihm flachsen so wie ich es mit meinen deutschen Kollegen tue?

    41. Degnaphta schrieb am 29. April 2010 at 13:43 - Permalink

      Die Analyse der Vorkommnisse als Entlarvung parapolitischer Planspiele ist sauber gelungen.

      Leider hat diese Farce das blöde Kreuz-in-der-Öffentlichkeit-Thema wieder befeuert. Wie dämlich ist das nur?
      Laßt die Dinger doch hängen, wo sie einer haben will. Ist doch egal. Neutralität zieht, denke ich … oder irre ich hier?
      Kreuz- und Kopftuchverbote sind das Gegenteil von Neutralität. Mir geht diese hintenrum-Bevorzugung nichtreligiöser standpunkte ziemlich auf den Sack. Das sage ich als Nichtreligiöser, der dieses erschummelten Vorteils nicht nur nicht bedarf, sondern ihn als Erschwernis für Alle empfindet.

      Die Neutralität des Staates kommt darin zum Tragen, daß eine kopftuchtragende Sachbearbeiterin oder ein Sachbearbeiter mit Jesusfigur auf dem Schreibtisch, seine Sachbearbeitung anständig und korrekt erledigt.
      Oder sie wird unterminiert, wenn eine Gemeinde 90% der Kosten für den evangelischen Kindergarten trägt, und hier das Sortierkriterium Konfessionszugehörigkeit diskutiert wird. Sowas darf es nicht geben.

    42. salvo schrieb am 29. April 2010 at 14:28 - Permalink

      irgend wie paßt das ganz gut dazu. Ich habe soeben darüber gelesen. Manchmal sollte man sogar über die obszöne Allgegenwart der Mainstream-Medien dankbar sein

      “Das Ende des Politikers Gordon Brown”

      http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-04/gordon-brown.-ausfall

    43. Nic schrieb am 29. April 2010 at 14:48 - Permalink

      Eine Frage an Dich, Jens,
      ist Frau Özkan tatsächlich gläubige und praktizierende Muslima? Oder stammen ihre Eltern aus einem vorrangig islamisch geprägten Land und wurden deshalb als Muslime charackterisiert/eingestuft?

      Der Hintergrund meiner Frage: es gibt viele Menschen, denen das Abzeichen “Moslem” angeheftet wird, besonders in Deutschland, obwohl sie säkular (atheistisch) sind.

    44. Frank Schenk schrieb am 29. April 2010 at 15:47 - Permalink

      @32

      @31 Frank Schenk:
      Was qualifiziert Sie dazu, Frau Özkan so herablassend als ?armes Mädel? zu bezeichnen.
      Und von einem ?Migrantenarsch? hat auch kein CDU-Politiker gesprochen.

      1. Lässt sich Frau Özkan mit Freuden instrumentalisieren und distanziert sich bereitwillig von einer eigenen Aussage.

      2. Eben diese Vorzeige-Menschen-mit-Migrationshintergrund sind doch genau das. Vorzeigefiguren. Aufsteller. Symbole. Es geht nicht darum, 2 Kulturen zusammenzubringen sondern zu zeigen, wie toll sich Frau Özkan migriert hat. Und wenn die Vorzeigefrau dann den heiligen Pfad der Tugend verlässt, sieht man, wie schnell der Rückhalt weg ist. Es geht nicht um die Person Frau Özkan sondern nur um dieses “Guckt, wir können auch mit Migranten”. Reine Symbolpolitik um ein paar Stimmen von Menschen mit 2 Pässen zu bekommen. Ob man dazu nun “Migrantenarsch” oder “Wir distanzieren uns von der Äusserung von Frau Özkan” sagt, ist egal, da sie beide das selbe ausdrücken, Zweiteres allerdings Printtauglicher.

      3. Meiner Meinung nach ist jemand, der sich so intrumentalisieren lässt, ein ganz armer Mensch/Mädel. Auch wenn man ihm vielleicht ganz anderes versprochen hat.

      Gruß, Frank

    45. C. H. schrieb am 29. April 2010 at 17:28 - Permalink

      Frau Özkan wird ihren Fauxpas in naher Zukunft mit Bestimmtheit durch Assimilationsaufforderungen an die Adresse der Migranten wettmachen, die sich erdreisten, die Leitkultur-Ideologie der CDU abzulehnen. Denn nur dann wird man in christdemokratischen Reihen geduldet, wofür sie ja nun ein Paradebeispiel darstellt. Da wird ihr der Applaus sogar der Irmers dieser Christen-Republik sicher sein.
      Eine Person, die bei solch einem ungerechtfertigtem Gegenwind, welcher noch dazu aus kulturchauvinistischer sowie xenophobischer Richtung (Goppel, Irmer) weht, aus Karrieregründen den Kotau macht, dient wahrlich nicht als Vorbild für die Allgemeinheit in Deutschland. Sorry, aber das hat sie sich selbst zuzuschreiben. Hätte sie zu ihrer eigenen Meinung gestanden, hätte sie Wulff, so glaube ich, dennoch zur Sozialministerin ernannt. Nun ist sie in Amt und ohne Würden.

    46. kapiernix schrieb am 29. April 2010 at 21:00 - Permalink

      Was passiert eigentlich wenn man zum Minister ernannt werden soll aber sich als Atheist weigert diese ?So wahr mir Gott helfe? Floskel zu sagen ?

    47. politopia schrieb am 29. April 2010 at 21:35 - Permalink

      Glückwunsch.
      Das ist bisher der beste Kommentar, den ich über das Thema Özkan lesen durfte.

      Liebe Grüße

      Politopia

    48. muffin schrieb am 30. April 2010 at 07:03 - Permalink

      @Thomas
      “Bayern-Fan, der Beamte, der Lehrer”
      ….. haben einen vollkommen anderen Status in der Gesellschaft…
      Man kann es sich aussuchen ob man Fan, Beamter oder Lehrer wird. Das kann man sich als ?Ausländer? nicht aussuchen. Abgesehen davon, schwingt in diesen Witzen, gegenüber den genannten Gruppen, in auch ein bißchen Neid mit. Diese Gruppe sind beim gemeinen Spießer zT auch hoch angesehen. Es rotten sich auch nicht Gruppen zusammen und gehen auf Beamtenjagd/Fanjagd und schlagen den Menschen tot. Bei den meisten “Witzen” über Ausländer werden diese zumeist ihrer Würde/Ehre beraubt. “Ayascha” -Witze zB. Wobei man sich klar machen sollte, dass Ausländer sowieso schon in der Gesellschaftshierarchie meistens ganz unten stehen. ( noch unter dem “Ossi”, den man auch sehr gerne diffamiert.) Durch Witze, die herabwürdigend und abwertend sind, zeigt man wer ?Hausherr? und wer ?Gast? ist. So entsteht sehr schnell das Gefühl von Ohnmacht, Unterlegenheit und Wut. In vielen Augen sind Ausländer niedere Wesen (Drogendealer, Verbrecher, Messerstecher, Frauenschläger, faule Abzocker, ectect) über denen man steht…. bei machen passiert das auch unterbewusst. “Gaskammer-Sprüche” , “SA-Hemden-wieder-rausholen”, “SS-Matel-von Opa-anziehen” -Sprüche hab ich schon dutzendweise gehört…. aber nicht darauf reagiert. Dachte mir nur dabei, was würde denn passieren, wenn ich die Partisanen-Uniform meines Großvaters anziehen würde?

      “Sind Ausländer / bist du da so empfindlich? ”
      Ich weiss nicht wie “die” Ausländer so sind. Aber bei Menschen kenne ich mich n bißchen aus :-) Manche Menschen sind empfindlicher, manchen ist es egal, manche sind wütend, manchen finden es witzig und machen mit. (Ich auch,mit guten Freunden.) Bei mir persönlich ist es so, wenn ich in kurzer Zeit viele Unverschämtheiten zu hören bekommen habe, dann platzt mir der Kragen. Dann wird ab 5:45 Uhr zurückgeschossen :-) Andere gehen gleich hoch wie ein Vulkan.

      “Oder schlägt Dir da wirklich blanker Hass entgegen?”
      Ja, es schlug mir auch offener Hass entgegen… mit schlimmsten Beleidigungen (“Dreckskanake”) mit Anschreien und geballten Fäusten. War nach der Wende zT echt schlimm. So etwas versucht man zu vergessen, aber man merkt es sich doch. Vor allem, wenn man lehrmeisterisch behandelt wird oder scheissfreundliche “Hinweise” bekommt. Da denke ich mir meinen Teil.

      “Muß ich jetzt meinem ?Kollegen mit Migrationshintergrund? gegenüber aufpassen was ich sage? Darf ich nicht mehr über ihn / mit ihm flachsen so wie ich es mit meinen deutschen Kollegen tue?”
      Erstmal einfach nur entkrampfen. Einfach nur menschlich sein. Keine herabwürdigende, abwertende beleidigende Witzchen, die ihn als Mensch und vllt als Vater treffen.Das würdest du ja auch nicht mögen. Menschen wirklich gleichberechtigt behandeln, dass wars eigentlich schon. Da findet man auch viele Freunde und lernt auch eine Menge dazu. Es gibt aber auch “Ausländer” mit denen ich nichts zu tun haben will, es sind ja nicht alle Menschen gut. Ich halte mich an die Menschen die ich mag, abgesehen von Nationalitäten. Mit Nationalisten und vorurteilsbeladenen Idioten, egal welchen, habe/hatte ich immer sehr große Probleme.

    49. Thomas schrieb am 30. April 2010 at 14:34 - Permalink

      @ muffin:

      Man kann es sich aussuchen ob man Fan, Beamter oder Lehrer wird. Das kann man sich als ?Ausländer? nicht aussuchen.

      Okay, vielleicht die falschen Gruppen. Aber der von Dir erwähnte Ossi (Ostdeutscher? Ostfriese? egal) oder der Bazi (Bayer) wären sicher adäquatere Beispiele.

      Es rotten sich auch nicht Gruppen zusammen und gehen auf Beamtenjagd/Fanjagd und schlagen den Menschen tot.

      Leider gibt es auch das. Zum Beispel bei Fußball-”Fans”

      Erstmal einfach nur entkrampfen. Einfach nur menschlich sein.

      Na dann mache ich’s ja garnicht so verkehrt :)
      Ich denke ein wenig mehr Entspanntheit kann beiden Seiten gut tun und es gibt auf beiden seiten nette Leute und Idioten.
      Danke jedenfalls für die aufrichtigen und (für mich) erhellenden Worte :)

    50. muffin schrieb am 30. April 2010 at 16:25 - Permalink

      @Thomas
      PS. Wir sind nur Gäste auf diesem Planeten. (von meinem verstorbenen Vater, gelernt )

    51. zwiebel schrieb am 30. April 2010 at 22:00 - Permalink

      Ein sehr gelungener artikel, brilliant gedacht und formuliert!

    52. Daniel schrieb am 1. Mai 2010 at 15:56 - Permalink

      Wie immer ein super Artikel Jens :),

      eine kleine Richtigstellung muss ich aber einfügen.

      Der grüne Rechtsausleger Cem Özdemir jubilierte auch prompt und ließ sich zu der Aussage verleiten, dass nur Union und Grüne sich in diesem Land ernsthaft für Migranten einsetzen würden.

      Das ist so nicht richtig, auch wenn es durch viele Breitenmedien kolportiert wurde. Er sagte

      dass sich die CDU nicht für Migranten einsetzt, sondern sich um ihre Wählerstimmen bemüht

      Das ist imho doch ein gewaltiger Unterschied. Letzteres mag nämlich durchaus zutreffen, während ersteres Absurd ist.

      Quelle: http://www.oezdemir.de/show/3275021.html

    53. Outlook schrieb am 2. Mai 2010 at 13:06 - Permalink

      Eine Scheinintegration wird immer scheitern.
      Manches Berliner Viertel besteht fast nur noch aus Türken.
      Kleinsatelitten der Türkei, mit enormen Potential.
      Für einen deutschen Traditionalisten wirkt das erdrückend und beängstigend.

      Wer glaubt, sich Loyalität durch politische Zukäufe zu erpressen, der irrt.

      Die USA müssen es jetzt zur Kenntnis nehmen.
      Wieder eine Baustelle:

      Massenproteste: ?Schande über Arizona?
      http://www.focus.de/politik/ausland/massenproteste-schande-ueber-arizona_aid_504214.html

      Die Fehler werden abgestraft.

    54. Ernst Wilhelm schrieb am 2. Mai 2010 at 14:22 - Permalink

      PR-Coup hin oder her. Letztendlich geht das ganze doch in die links-liberale Richtung, die nach wie vor die Politik in diesem Land bestimmt. Zwei Schritte vorwärts einen zurück. So geht es bei der CDU schon seit 30 Jahren. Hin zur Sozialdemokratisierung. Von den Ostverträgen bis zur Antidiskriminierungsrichtlinie. Insofern ist die Kritik an Wulff die wahre Spiegelfechterei. Es sei denn man ist ein besonders ungeduldiger Eiferer des gesellschaftlichen Umbaus.

      Wie dem auch sei. Die wesentliche Frage bleibt, wie lange sich Deutschland noch diesen Luxus leisten kann. In anderen europäischen Ländern treten die Konflikte schon deutlicher zu Tage. Und hier sehe ich unter anderem auch Konflikte innerhalb der türkischen Gemeinde auf uns zukommen. Die Assimilation hat in vielen Einwandererländern funktioniert, siehe zum Beipsiel die USA. Ob dies auch die Integration tut lässt sich erst in geschichtlichen Zeiträumen ermessen. Insofern sind wir Teilnehmer eines geschichtlich-gesellschaftlichen Experiments mit einer unbekannten Menge an Kollateralschäden.

    55. Lago schrieb am 2. Mai 2010 at 15:58 - Permalink

      Die Assimilation hat in vielen Einwandererländern funktioniert, siehe zum Beipsiel die USA. Ob dies auch die Integration tut lässt sich erst in geschichtlichen Zeiträumen ermessen.

      Also die heutige USA sind ein eher ungeeignetes Beispiel für “erfolgreiche” Assimilation. Vor 100 Jahren mag das noch zutreffend gewesen sein, aber heute? Gegen die ethnische Separation in den größeren Städten – also dort, wo sich Migranten fast ausschließlich ansiedeln – sind die berliner Türken wunderbar integriert. Fast überall, wo es größere Subpopulationen ähnlicher Ethnien gibt, bilden sich in den USA entsprechend isolierte Subgesellschaften mit eigener Sprache, eigener Kultur, eigener Moral und eigener impliziter Gesetzgebung.

    56. Irreversibel schrieb am 3. Mai 2010 at 15:32 - Permalink

      Manches Berliner Viertel besteht fast nur noch aus Türken.
      Kleinsatelitten der Türkei, mit enormen Potential.
      Für einen deutschen Traditionalisten wirkt das erdrückend und beängstigend.

      Ich lebe in einem solchen (wenn nicht sogar *dem*) Berliner Bezirk und man sollte nicht vergessen, dass hier trotz eines hohen Anteils türkischstämmiger Bürger mitnichten “fast nur noch Türken” leben, sondern auch eine Menge Menschen mit deutschen Wurzeln, auf die deutsches Traditionstum erdrückend und beängstigend wirkt und die deshalb dorthin geflüchtet sind.

    57. Latinitas schrieb am 4. Mai 2010 at 00:27 - Permalink

      Das Problem ist, daß die Nichtmuslime jede äußere Erscheinung der Muslime als ein Symbol für irgendetwas deuten. Damit haben sie dann eine rechtliche Handhabe, diese Erscheinung zu verbieten. Für eine gläubige Muslima aber ist das Tragen des Kopftuchs kein Vorzeigen eines Symbols, sondern die Erfüllung einer religiösen Pflicht. Dies scheint man in Deutschland und anderen westlichen Ländern nicht begreifen zu wollen. Führende österreichische Juristen haben sich gegen ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen an staatlichen Schulen in ihrem Land ausgesprochen. Das sei erstens kontraproduktiv für die Integration und zweitens sind Lehrer nicht solch unmittelbare Vertreter des Staates wie Polizisten oder Richter, was man auch daran sehen kann, daß letztere Uniform oder Robe tragen, während Lehrer und -innen keine besondere Dienstkleidung haben. In Nordrhein-Westfalen wurde einer muslimischen Lehrerinnen gerichtlich das Tragen sogar einer neutralen Baskenmütze verboten. Dieser Fall zeigt, daß es den Verantwortlichen eigentlich gar nicht um die Neutralität des Staates geht, sondern in Wirklichkeit nur darum, die Muslime zu demütigen. Das aber scheint Frau Özkan nicht begriffen zu haben. Vor einiger Zeit erregte ein Abgeordneter der CDU Aufsehen mit seiner Äußerung, die Muslime würden sich lieber die Hand abfaulen lassen als der CDU ihre Stimme zu geben. Das ist keine Beleidigung für die Muslime, sondern ein beschämendes Eingeständnis für die CDU. Daran wird auch Frau Özkan wenig ändern können, solange sie das Kopftuchverbot vertritt.

    58. Degnaphta schrieb am 5. Mai 2010 at 18:08 - Permalink

      @ Ernst-Willhelm

      Die Assimilation hat in vielen Einwandererländern funktioniert, siehe zum Beipsiel die USA.

      In den USA funktioniert mal nix. Da es ein Dauerzustand ist, erwächst es zur Normalität. Hierin aber ein Vorbild zu suchen, wird fürchterlich fhl gehen.
      Übrigens solltest du dich über den feinen unterschied zwischen Assimilation und Integration mal informieren. Was willst du dann tatsächlich haben oder ablehen?


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