Bravo, Frau Kanzlerin! Merkel löst Flächenbrand aus
geschrieben am 29. April 2010 von Spiegelfechter
Das deutsche Wahlkampfgeplänkel rund um die Griechenlandhilfen hat dazu geführt, dass Griechenland vor der Pleite und Portugal sowie nun auch Spanien vor ernsten Problemen stehen
Es ist eine Ironie der Weltgeschichte, dass epochale Ereignisse oft durch sehr banale Dinge ausgelöst werden. So könnte in zukünftigen Geschichtsbüchern stehen, dass der Funke, der den Flächenbrand auslöste, der zum Einsturz der Eurozone und später auch der Europäischen Union führte, dem wahlkampfstrategischen Geschacher in einem deutschen Bundesland entsprang.
Um nicht als zu großzügige Nachbarschaftshelferin dazustehen, spielt die deutsche Kanzlerin mit dem Feuer. Nun muss die deutsche Regierung ? natürlich erst nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen ? noch mehr Geld in die Hände nehmen, um einen Kollaps der Eurozone zu verhindern. Die Rechnung zahlt, wie stets, der Steuerzahler. Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen könnte so indirekt als der mit Abstand teuerste Wahlkampf aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Bravo, Frau Kanzlerin!
Selbsterfüllende Prophezeiung
Hätten EU und IWF die Entwicklung verhindern können, die dazu führte, dass Ratingagenturen und die Märkte einem Euroland den Todesstoß versetzen können? Sicher, man hätte Griechenland beispielsweise Überbrückungszahlungen zusichern können, die zumindest die Verpflichtungen der nächsten 18 Monate decken und dies an die Gründung eines europäischen Währungsfonds koppeln können, der nicht nur die längerfristigen Schulden der Griechen, sondern vor allem die Sicherheit der Staatsanleihen Portugals, Spaniens, Irlands und Italiens sicherstellt. Dies hat man verabsäumt. Stattdessen macht Angela Merkel ? im Einklang mit dem SPD-Vorsitzenden Gabriel ? die Spekulanten für den zu erwartenden griechischen Staatsbankrott verantwortlich. Das ist freilich grober Unfug, denn es sind nicht etwa Spekulanten, sondern Lebensversicherungen und Pensionsfonds, die nun griechische Papiere notgedrungen auf den Markt werfen müssen.
Nach welchen Mechanismen funktioniert eigentlich die Preisfindung bei Staatsanleihen? Wer sein Geld einem Staat leiht, geht damit auch immer ein Risiko ein. Dieses Risiko ist mal klein und mal groß ? es hängt von der Wahrscheinlichkeit ab, mit der man sein Geld zurückbekommt. Wer dem deutschen Staat Geld leiht, ist auf der sicheren Seite ? daher muss die Bundesregierung auch nur sehr geringe Risikoaufschläge zahlen. Wer dem griechischen Staat Geld leiht, verlangt ? vollkommen zu Recht ? einen höhere Risikoaufschlag. Da sich die Aufschläge direkt an der Liquidität eines Staates orientieren, ist es auch überhaupt nicht verwunderlich, dass der verlangte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen steigt, wenn deutsche Politiker offen den deutschen Beitrag zum Rettungspaket in Frage stellen oder gar eine Umschuldung ? was nur ein schöneres Wort für einen Staatsbankrott ist ? fordern. Das alles hat nichts mit Spekulation oder halbseidenem Finanzglücksspiel zu tun, sondern ist Volkswirtschaft für Anfänger und sollte damit selbst den Damen und Herren Merkel, Gabriel und Westerwelle bekannt sein.
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Die Katze ist voll in die Berberitze gelaufen.
Toll.
Unsere geliebte Führerin, wo hast du uns nur hingebracht? Langsam glaube ich wirklich das dieses trojanische Pferd die Rache der SED für die angliederund der DDR an die BRD ist.
@Rold
Angie, der letzte aktive IM von Erich?
Dann wäre sie Profi.
Das ist doch mal erhellend gewesen:
http://mediathek-video.br-online.de/o16/br/b7/player/public/b7mediathek.html?bccode=both
Da links “Griechenland” eintippen und die Münchner Runde anschauen.
Griechendland sollte Lettlands Weg wählen und aus dem Euro austreten.
Gruß!
Sehr sehr ordentliche Analyse!
Schuld sind Frau Merkel und die Banken. Nur die Griechen nicht.
Man könnte Frau Merkel in diesem Zusammenhang durchaus als Griechin verstehen. :)
@Westerwellenreiter
Wenn ein Ketterraucher mit Herzinfarkt in eine Klinik eingewiesen wird und der Chirug bei der Bypass-Operation nicht weiß, was er tut, und der Patient stirbt. Wer ist dann “schuld”? Natürlich ist der Raucher ursächlich schuld, hätte er sein Laster gelassen, wäre er nie unters Messer gekommen. Dennoch trägt der Operateur hier die eigentliche Schuld, schließlich hat er versagt.
Lieber Jens Berger,
genauso wie in diesem Kommentar wieder bestens analysiert, sieht es aus.
Die kurzatmige Politik dieser Albtraumkanzlerin und ihrer Regierung dient einzig und alleine dem eigenen Machterhalt, an kurzfristigen Tagesereignissen ausgerichtet, z.Zt. eben der NRW Landtagswahl, bar jeder mittel – oder gar langfristigen Perspektive.
Wer sich mit Wirtschaftsökonomie auskennt weiß, dass seit dem großen US Börsencrash 1929 in Wahrheit durch keine einzige Regierung effektive Instrumente entwickelt wurden, um die Wiederholung eines solchen Crashs zu verhindern.
Wir stehen kurz vorm Zusammenbruch der gesamten Eurozone, es ist weniger als fünf vor zwölf!
Da hilft die Kohlmerkelsche Taktik der aussitzenden Vogel Straußpolitik nicht weiter, im Gegenteil, genau diese Taktik hat die Krise rasant verschlimmert.
Es ist aberwitzig von neoliberalen Politikern, um vor der NRW Wahl die Oberhoheit über die Stammtische zu gewinnen, wider besseren Wissens laut zu tönen, dass Griechenland kein Geld deutscher Steuerzahler bekommen dürfe, aus der EU austreten solle und was da nicht alles für blanker Unsinn gebrabbelt wurde und wird.
Der erste Dominostein, Griechenland befindet sich im Fall, Portugal, Spanien, Italien stehen am Nächsten. Und auch die BRD steht in der Kette der Dominosteine, es ist nicht so, dass nicht auch dieser Stein kippen kann, mit seinen über 1,7 Billionen Euro Schulden und den hunderte Milliarden, welche deutsche Banken und die deutschen Steuerzahler über mehr oder weniger verstaatliche deutsche Banken, wie die Landesbanken, die HRE und Commerzbanken in den Wackelländern investiert haben, sei es über Kredite oder Anlagen.
Es war von daher absolut unverantwortlich, Griechenland nicht umgehend zu helfen. Die Ratingagenturen spielen wieder einmal im Interesse der Haie an den Kapitalmärkten ihr böses Spiel, indem sie der Politik nun den Handlungskurs aufzwingen.
Gäbe es auch nur eine einzige Ratingagentur mit auch nur einem Ansatz von ökonomischen Verstand, so hätte diese spätestens ab 2002 die jetzigen wackelnden Dominosteine deutlich herabstufen müssen und vor der Einführung des Euro warnen müssen.
Andere haben es viel früher getan. Bereits 1991 warnte der amerikanische Ökonom Martin Feldstein: ?Der Verlust an währungspolitischer Unabhängigkeit auf nationaler Ebene und potenzieller Wechselkursflexibilität in Europa kann negative Folgen haben, die weit schwerer wiegen als die handelsfördernden Erleichterungen.?
Bleibt festzuhalten: Im Staate Absurdistan, vormalige Bundesrepublik Deutschland, regiert politische Perspektivlosigkeit bar jeder wirtschaftsökonomischen Kompetenz.
Die hunderte Milliarden, welche Kanzlerin Merkels Aussitzen der Griechenlandkrise nur aufgrund der NRW Landtagswahl den Staat Absurdistan nun zusätzlich kosten wird, vor einem Monat noch wäre es wesentlich günstiger gewesen, hätten wir z.B. zur Erhöhung von Hartz IV zu einem menschenwürdigen Grundbetrag, der Schaffung hunderttausender fehlender Stellen im öffentlichen und sozialen Bereich und der damit verbundenen Ankurbelung der Binnenwirtschaft besser einsetzen können.
Diese Regierung handelt also, wie nachgewiesen, absolut unverantwortlich und schadet damit letztlich dem eigenen Staat, indem sie ihn in den ökonomischen und sozialen Abgrund führt. Das ist die eigentliche Katastrophe dabei!
M.f.G.
Dieter Carstensen
Interessant – aber wenn wir jetzt mal von der metaphysischen Finanz”markt”-Ebene abgehen – Was bedeutet es für die Menschen und die trotz der Banken immer noch real existierenden Märkte?
Grundsätzlich müssen wohl alle Völker immer für die Schulden ihrer Staaten aufkommen, die ich sage mal 90% der Angehörigen dieser Völker weder verursacht haben, noch irgendeinen Vorteil dadurch gehabt haben und haben werden. Man sieht es z.B. bei jjahnke.net schön an den lustigen Pyramiden der Vermögensverteilung, deren Entwicklung offensichtlich nur noch eine Richtung kennt: Die letzten Reste von den Ärmsten werden für die Reichsten zu den Reichsten transferiert.
Von aussen betrachtet sind unsere 10% Staatsausbluter einfache Parasiten, die ihren Wirt überfordern. Die Realwirtschaft wird geschwächt, indem immer mehr finanzielle Potenz konzentriert und akkumuliert wird.
Was macht man normalerweise mit Parasiten? Richtig: Man nimmt Mittel gegen sie ein oder martialischer: Man rottet sie aus, bevor sie den Wirt zerstören.
All dieses Finanz”markt”-Geschwalle ist im Prinzip überflüssig. Sicherlich hat der SF mit seiner Einschätzung recht, dass das Merkel einen Flächenbrand ausgelöst hat. Aber prinzipiell ist das gar nicht so wichtig, weil genaugenommen sowieso die Geldpumpe bei egal welcher Lösung dennoch von unten nach oben weitergepumpt hätte. Das Merkelin ist einfach nur ein Katalysator, der die Reaktion beschleunigt — mehr nicht. Quasi ein Speed und Koks-Cocktail für die Parasiten.
Ich finde, dass die bevorstehenden Crashs eindrucksvoll belegen, dass das kapitalistische Geldsystem in gesellschaftspolitischer und entwicklingstechnischer Hinsicht auf ganzer Linie weltweit grandios gescheitert ist und sich zu einer Evolutionshemmenden Perversion entwickelt hat. Durch den Saugdruck des Parasiten auf den Wirt haben wir mittlerweile nicht mehr nur die Situation, dass Werte und Wohlstand in einer Welt, in der genügend Produktivität vorhanden ist, um jeden einzelnen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen, ungerechtfertigt immer ungleicher verteilt werden, sondern zunehmend versagen jetzt auch die Organe des befallenen Wirtes, wie z.B. Innovationskraft, Erfindungsgeist, Entwicklungspotential und Sorgfalt bzw. Nachhaltigkeit.
Erfindungen werden nicht gemacht, weil die Menschen die sie machen könnten, damit beschäftigt sind, ihr Talent und ihren Geist zugunsten von Finanz”märkten” in irgendwelchen Frondiensten zu zerstören. Potentiale werden in immer schneller wachsenden Weltfavelas daran gehindert aufzublühen. Innovationspotentialfördernde Bildung gibt es vorwiegend für die Parasiten des Wirtes, die sie nicht brauchen und die aufgrund ihrer Ideologie zu beschränkt sind, eigene Potentiale zu entwickeln und evolutive Schritte zu vollziehen. Sorgfalt und Nachhaltigkeit (siehe z.B. BP & Halliburton und die Ölquellen) werden zugunsten von “Sparzwängen” mit unkalkulierbaren Folgen für die Population unserer Welt abgebaut.
Dieses System ist ein perverses Sklavensystem und auch wenn der Artikel ein winziges Fensterchen unserer Probleme durchaus richtig beleuchtet, kann das Fazit meiner Ansicht nur folgendes sein: Alles Scheisse!
Dieses Geldsystem ist weder tragfähig, noch in der Gesamtheit positiv und schon mal gar nicht fair. Jedes Arbeiten daran und damit ist reine Kosmetik, die die Entstehung einer düsteren Dystopie mit farbiger Schminke überdeckt. Der Treppenwitz der Geschichte ist es, dass es dem Parasiten über kurz oder lang wie den Parasiten in der Natur ergehen wird: Wenn er seinen Wirt kontinuierlich überfordert, geht er zum Schluss auch selbst über den Jordan, da ihm seine Nahrungsgrundlage – der Wirt(90%Volk) – über kurz oder lang wegstirbt.
@ schwitzig
Genau so. Danke.
@schwitzig
Sehr treffend formuliert.
Ausgerechnet die einzigen(!), die in Griechenland ihre Steuern zahlen (die gehen auch in GR nämlich direkt vom Lohnzettel weg), nämlich Lohn- und Rentenempfänger, müssen nun zur Rettung der europäischen Banken bluten und machen als künftige Niedrigstlöhner die griechischen Unternehmer reich, die weitestgehend ungeschoren davonkommen werden. Ist wie in Deutschland. Da kommen die einen nicht ums Steuer zahlen herum und die gewissen anderen haben einen Steuerberater und ein Konto in der Schweiz, um sich kreativ arm zu rechnen. DAGEGEN demonstrieren jetzt viele Griechen.
Derweil wird die deutsche Öffentlichkeit unter anderem von der BLÖD-Zeitung gegen die griechischen Renter aufgehetzt. Dabei wird gar nicht behauptet, dass es irgendeinem deutschen Renter/Lohnempfänger besser gehen würde, wenn die “reichen” griechischen 700?-Renter im Alter nur noch die Tapeten von den Wänden zu essen hätten, sondern es wird an das NIEDERSTE GERECHTIGKEITSEMPFINDEN appelliert: Egal wie schlecht es mir geht, hauptsache es geht wem anders noch schlechter. Das haut in die gleiche Kerbe wie die Hetze gegen die Hartz-IVler vom Westerwelle: Löhne auf Hartz-IV-Niveau? Kein Problem! Hauptsache, die anderen kriegen noch weniger. Und den Leserkommentaren auf der BILD-Homepage kann man entnehmen, dass die Leute sich diesen Schuh allen Ernstes anziehen. So können sich die Armen schön untereinander zerfleischen, nach unten treten und nach oben selbstverständlich weiterhin buckeln.
Zum vermeintlichen Gegensatz von Zockern und Anlegern:
“Das alles hat nichts mit Spekulation (…) zu tun”. Bei allem Resperkt, Herr Berger, sie sollten wirklich in die Finanzbranche einsteigen, wenn sie als einziger auf der Welt fähig sind, bombensichere von fragwürdigen Papieren zu unterscheiden. Da könnten sie reich werden mit.
Schon die Eingangsthese ist barer Unsinn. Nicht deutsches Wahlkampfgeplänkel hat zur Pleite Griechenlands und den Problemen anderen Staaten geführt. Sondern die haben diese Länder sich in den vergangenen Jahren fröhlich selbst erfeiert.
Dass die deutsche Regierung klare Vorgaben machen muss, unter welchen Bedingungen die Hilfe (das ‘dass’ stand ja nie in Frage) geleistet wird, war die einzig richtige Haltung. Nun im Nachhinein konjunktivistische Mutmaßungen anzustellen, wie die Kosten ausgesehen hätten bei einer ‘hier nehmt’ Attitüde, je nu…
Deutschland hat übrigens Glück im Unglück, dass keine von der SPD geführte Regierung mehr am Ruder ist. Denn es war die rotgrüne Schröder-Regierung, die Griechenland trotz aller bereits damals bekannter Statistiktricksereien den Eintritt in die Eurozone erlaubte. Und es war dieselbe Regierung, die zur Vermeidung von Strafzahlungen an die EU wg. Verfehlung der Maastricht-Kriterien über mehrere Jahre (zusammen mit Frankreich) die EU zwang, die Kriterien nicht strikt anzuwenden. Was letztlich mit eine Ursache für das heutige Desaster ist. Daher darf man davon ausgehen, dass von der SPD die Steuergelder noch weit großzügiger in das griechische Faß geworfen worden wären.
Der eigentliche Skandal ist, dass die Altgläubiger nicht an den Kosten beteiligt werden. Hier haben Strauss-Kahn und Trichet aus reinem Patriotismus einen Riegel vorgeschoben, schließlich wären französische Banken am stärktsten von einer Restrukturierung betroffen. An zweiter Stelle übrigens Schweizer Banken. Durch die nun gewählte Hilfsform behält die Schweiz mal wieder einen schlanken Fuß.
Und ohne einen Hair-Cut wird Griechenland niemals seine Schulden in den Griff bekommen. Dass der auch Versicherungen und Pensionsfonds etc. schädigen wird, ist halt so. Dafür haben dieAnleger ja die Risikoprämie bekommen. Durch den jetzt gewählten Weg wird das Unausweichliche nur aufgeschoben – und verteuert.
Deine freundliche Sicht auf die Beteiligung von Spekulanten an dieser Staatspleite teile ich übrigens nicht.
Im kleinen wie im großen
Mein Vorschlag: Ein länderfinanzausgleich nach dem Vorbild unseres Systems, nur in anderer Gößenordnung. Funktioniert hierzulande seit jahrzehnten – was spricht dagegen ?
@SF: Könntest du mal eine grobe Schätzung abgeben über die zusätzlichen Kosten, die Frau Merkel verursacht hat? ;-)
@16 Linus
Das wäre unseriös. Als Hausnummer könnte man aber folgendes in Betracht ziehen. Ohne die Querelen und mit der klaren Bekenntnis im Notfall ohne Limit nachzuschießen hätte der vielleicht der ursprüngliche Kredittahmen von 45 Mrd. Euro ausgereicht. Nun werden es wohl mindestens 120 Mrd. Euro, wahrscheinlicher aber 150 Mrd. Euro.
@Hartmut
Das wäre eine sehr gute Lösung, um künftig die Feuergefahr einzudämmen – gegen den aktuellen Großbrand hilft das nicht mehr.
Und was spricht dagegen? Populistische Politiker – die Bayern maulen ja schon wegen Brandenburg, wie würden sie maulen, wenn sie auch noch an Griechenland zahlen müssten?
@15 Hartmut:
Der Länderfinanzausgleich ‘funktioniert’ auch hierzulande nur für die Nehmerländer. Im europäischen Maßstab eingeführt, würde die Umverteilungslast noch weitaus größer, das ist schlicht unbezahlbar. Man sollte man endlich akzeptieren, dass es nun mal unterschiedliche Lebensstandards gibt, und diesen Ausgleich abschmelzen auf Null.
Zwischen Spiegel-online und Spiegelfechter gibt es diesmal eine beängstigende Übereinstimmung:
“Regierungschefin hat sich verzockt”
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,691783,00.html
Alle Mainstreammedien, die heute ein Merkel-Bashing betreiben, hätten es früher erkennen können.
Merkel war schon immer eine Getriebene, auch in Afghanistan.
Oder?
@elwu
Dort steht ja auch nicht, dass das Wahlkampfgeplänkel für die Schulden verantwortlich ist ;-)
Dafür gibt es viele Gründe, die ich in vorhergehenden Artikeln schon ausgelotet habe. Für die akute Refinanzierungskrise, also den Umstand, dass Griechenland sich gar nicht mehr an den Märkten refinanzieren kann und es für Portugal und Spanien ebenfalls immer teurer wird, ist jedoch vor allem das wahlkampfbedingte Zögern der Deutschen verantwortlich.
Ja und nein – so etwas kann man auch hart nach innnen und überzeugt nach außen verkaufen. Merkel machte genau das Gegenteil. Wenn es in einer dicht bebauten Stadt in der Nachbarschaft brennt, ist dies nicht der Zeitpunkt die Löschmaßnahmen von langwierig ausgehandeltetn Konzessionen beim Brandschutz abhängig zu machen – dann kann man 100% sicher sein, dass das Feuer auf Nebengebäude übergreift und vielleicht erreicht es sogar das eigene Haus.
Das ist nicht nur Blödsinn, sondern auch falsch. Die Entscheidung pro Griechenland fiel im Mai 1998 – und wer regierte da?
Das mag ungerecht erscheinen, ist es wohl auch. Wenn der Preis der Gerechtigkeit aber die nahezu sicherere Folgepleite Portugals und vielleicht auch Spaniens wäre, ist dieser Preis wohl zu hoch. Man kann (und muss) das Finanzsystem an den Kosten beteiligen – aber in einer allgemeinen Form und nicht anlagespezifisch, da dies zu Strafprämien führen würde. Eine solche Sippenhaft ist zwar ebenfalls nicht der Höhepunkt von Gerechtigkeit, aber sei es drum.
Jetzt sind die Schulden nun mal da.
Was ich verstehen möchte, wie können die Maastrichtkriterien so geändert werden, dass die produktivere Volkswirtschaft der unproduktiveren Volkswirtschaft wirklich hilft.
Da gibt es den Vorschlag Transferzahlungen. Bayern zahlt zum Beispiel in den Länderfinanzausgleich ein. Mecklenburg-Vorpommern entnimmt Geld.
Wenn Mecklenburg-Vorpommern seine Löhne und Sozialleistungen abbaut, werden die Gewerkschaften in Bayern erpresst, seinerseits Lohn- und Sozialleistungskürzungen zu zustimmen.
Nach kurzer Zeit ist der vorherige Produktivitätsabstand wieder da.
Meiner Meinung nach, ist dass die schlechteste Lösung.
Gibt es noch andere Vorschläge?
@Spiegelfechter / 17
Zitat: “Das wäre unseriös. Als Hausnummer könnte man aber folgendes in Betracht ziehen. Ohne die Querelen und mit der klaren Bekenntnis im Notfall ohne Limit nachzuschießen hätte der vielleicht der ursprüngliche Kredittahmen von 45 Mrd. Euro ausgereicht. Nun werden es wohl mindestens 120 Mrd. Euro, wahrscheinlicher aber 150 Mrd. Euro.”
Ist doch interessant, wie hier die Sündenböcke hin und her geschoben werden. Ich möchte mal auf folgendes aufmerksam machen:
Wieviel sind 3×8,4 Mrd Euro? 25,2. Mittlerweile werden die Schätzungen nach oben korrigiert. Brüderle spricht jetzt von 30-35 Mrd für den deutschen Steuerzahler.
Wieviel schuldet Griechenland deutschen Banken insbesamt?
“Insgesamt, so heißt es bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, schuldet Griechenland deutschen Geldinstituten rund 43 Milliarden Euro.” http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691559,00.html
Ist doch interessant, dass die Summe für die angebliche Rettung leicht darunter liegt. Die Schätzungen werden immer unterhalb der Summer von 43 Milliarden bleiben, damit der Deutsche Michel denkt, es sei billiger, Griechenland den Kredit zu geben, als deutsche Banken zu retten.
In drei Jahren dürften aber die tatsächlichen Kosten aufgrund von Murphys-Gesetz auf 60 Mrd. angeschwollen sein. Und die Griechen werden immer noch die gleichen Schulden haben, wie zum jetzigen Zeitpunkt.
Wenn Herr Schäuble heute behauptet, wir würden das Geld jemals wiedersehen (mit 5% Gewinn) dann lügt er. Das ist nach rationalen Maßstäben nicht möglich.
@ 21 Spiegelfechter
wie geht das denn hier mit dem zitiieren… *g*
1) Da steht ‘Das deutsche Wahlkampfgeplänkel rund um die Griechenlandhilfen hat dazu geführt, dass Griechenland vor der Pleite und Portugal sowie nun auch Spanien vor ernsten Problemen stehen’ und genau das ist eben ganz sicher nicht der Fall.
2) man kann hier derselben Ratio auch genau andersherum argumentieren: wenn Deutschland sich ohne Bedingungen spendabel gezeigt hätte, wären die anderen Pleitekandidaten (dazu gehören übrigens letztlich alle EU Länder, einschließlich Deutschland selbst – und wer hilft und wenn es so weit ist?) noch schneller vor der Tür gestanden und hätten um Hilfe ersucht. Das Grundproblem bei all diesen Betrachtungen ist eh: man kann spekulieren wie man lustig ist darüber, was wäre hätte könnte gewesen sein wenn nicht dann uswusf. Derlei konjunktivistische Betrachtungen sind vorwiegend geistige Onanie, aber die kann ja durchaus viel Spaß machen.
3) I stand corrected
4) Ich hätte schon Griechenland nicht unterstützt. Ja, ich hätte schon die letzten Jahre die Banken nicht rausgepaukt. Denn all das verschiebt nur die unabwendbare große Operation am Finanzsystem in die Zukunft. Und macht sie noch gefährlicher und folgenschwerer.
@Dieter Carstensen
In fast allen Punkten stimme ich Dir zu, aber …
… ich sehe hier keine Schuld bei den Ratingagenturen. Ohne felsenfeste Zusage des wichtigsten Geberlandes ist die Griechenland-Anleihe nun einem Ramsch. Das ist logisch erklärbar und auch transparent. Auch die Abwertungen für Portugal und Spanien sind nachvollziehbar. Ich würde auch nicht sagen, dass die Ratingagenturen im Interesse der Märkte ein böses Spiel spielen. Die Märkte, das ist eine große Gruppe von Akteuren, von denen einige wenige gegen, die meisten aber für Griechenland investiert sind.
2002 gab es zwar Anzeichen, die ökonomische Rahmensituation war aber noch gut – Griechenland wurde außerdem schon immer schlechter als Deutschland, Frankreich oder die Schweiz bewertet. Dass die Agenturen, ebenso wie die EU und die EZB, bei der Risikoanalyse versagt haben, steht auf einem anderen Blatt.
hmmm … im großen und Ganzen teile ich Deine Einschätzung, die natürlich nur systemimmanent bleibt (ein ‘Revoluzzer wirst Du wohl nie) :-). Schwitzig hat sicher auch recht, auf einer anderen Ebene. Erschreckend ist aber das Ausmaß an Dummheit und Ignoranz, das sich hier in diesem Land offenbart. Vor dem deutschen Stammtisch kann einem wirklich Angst und Bange werden.
p.s.
die grundlegende Ursache der Krise ist übrigens weder die sicher reale notorische Unfähigkeit Merkels noch der vom deutschen Stammtisch imaginierte griechische Schlendrian
“There wouldn?t be a crisis among nations if banks? toxic gambling debts hadn?t been assumed by the world?s central banks.
As I pointed out in December 2008:
The Bank for International Settlements (BIS) is often called the ?central banks? central bank?, as it coordinates transactions between central banks.
BIS points out in a new report that the bank rescue packages have transferred significant risks onto government balance sheets, which is reflected in the corresponding widening of sovereign credit default swaps:
The scope and magnitude of the bank rescue packages also meant that significant risks had been transferred onto government balance sheets. This was particularly apparent in the market for CDS referencing sovereigns involved either in large individual bank rescues or in broad-based support packages for the financial sector, including the United States. While such CDS were thinly traded prior to the announced rescue packages, spreads widened suddenly on increased demand for credit protection, while corresponding financial sector spreads tightened.
In other words, by assuming huge portions of the risk from banks trading in toxic derivatives, and by spending trillions that they don?t have, central banks have put their countries at risk from default.
No wonder Greece, Portugal, Spain and many other European countries ? as well as the U.S. and Japan ? are facing serious debt crises.”
http://www.nakedcapitalism.com/2010/04/guest-post-no-wonder-the-eurozone-is-imploding.html
@ r_surfer
Genau so ist es. Die Reichen haben die EU ausgeplündert und ruiniert, jetzt werden die Mittel- und Unterschichten bluten müssen.
Jeder, der nur ein bisschen die Geschichte kennt, weiß, dass es schon immer so war. Am Vorabend der großen französischen Revolution, als das Volk schon hungerte, haben die Barone beim König durchgesetzt, dem Staat gar keine Steuern mehr zahlen zu müssen.
Es geschieht nichts Neues unter der Sonne! – so der schlaue Prediger schon damals.
Ähm… blöde Frage – wurde der Artikel davor (Buchkritik) gelöscht?
@24
Wenn Frau Merkel mit ihrem Zögern nicht zumindest dazu beigetragen hätte, das die Griechen für ihre Staatsanleihen exorbitant hohe Zinsen zahlen müssten, dann stünden sie, zumindest nicht jetzt, vor der Zahlungsunfähigkeit. Sie könnten die am 19.05. fällig werdende Anleihe nämlich durch die Aufnahme einer neuen Anleihe ablösen.
Das geht jetzt nicht mehr, da niemand der bei klarem Verstand ist den Griechen diese Anleihe noch abnehmen wird. Das sah noch vor wenigen Wochen anders aus. Da konnten Griechische Staatsanleihen erfolgreich platziert werden.
@22 Beate
manche Gewerkschaften brauchen nicht erst erpresst zu werden. Etwa die IG Metall: die hat seit einer Dekade im Durchschnitt Tariferhöhungen unterhalb der Inflationsraten erzielt, und zwar bewusst. Etwa durch ‘Strukturkomponenten’ (im Wesentlichen ist das eine auf Dauer gefasste Umverteilung von etwas besser verdienenden an etwas schlechter verdienende Mitarbeiter. Sozusagen ein Länderfinanzausgleich auf Tarifangestelltenebene), mit denen Beschäftigte die Einführung des sogenannten ‘ERA’ finanzierten. Und dieses Jahr hat die IGM von den Arbeitgebern sogar eine Nullrunde gefordert und die erstaunlicherweise auch bekommen.
IMO können die Maastrichtkriterien nicht ‘so geändert werden, dass die produktivere Volkswirtschaft der unproduktiveren Volkswirtschaft wirklich hilft’. Es gibt jedenfalls keine Lösung durch Transferzahlungen.
@elwu
Dazu sage ich nur 2% Inflationsziel in der EU und Lohnentwicklung. Wurde an vielen Stellen ausführlich beschrieben, und kannst Du z.B. auch hier beim SF lesen. Thema ist hier aber nicht die Ursache, sondern die Wirkung vom deutschen Wahlkampfgeplänkel!
Interessante Art bei akuter Not zu helfen. Wenn jemand die Leiter runterfällt, disuktiere ich auch erstmal ausführlich darüber, wer denn die Leiter gebaut hat, wer sie unten festhält und warum der Grieche da überhaupt hochgestiegen ist. Danach probiere ich natürlich den Griechen aufzufangen. Oder doch schon vorher?
@ 29 Eastwood
Ob Griechenland nun am 19. Mai nicht mehr zahlen kann oder bei der nächsten Fälligkeit, ist doch irrelevant. Die haben ja über 305 Milliarden Euro Schulden. Wenn sie nicht mal die nun anstehenden knapp 9 bedienen können wegen zwei Prozent hin oder her, ist das Land Pleite. Völlig unabhängig von dem, was die Haltung der deutschen Regierung (die ich aus anderen Gründen ablehne – nämlich der Schonung der Anleger) zu diesen Zinserhöhungen vielleicht rein theroetisch möglicherweise beigetragen haben könnten oder auch nicht.
@19 elwu
In diesem Satz kommt die ganze Menschenverachtung kapitalistischer Systeme zum Ausdruck. Wieso verdammt noch mal “sollte man akzeptieren”, dass es “unterschiedliche Lebensstandards” (vergleiche z.B. Slums in Mexiko) gibt?
Grenzdebile, egomanische Arschlöcher würden so etwas “akzeptieren”. Echte Menschen würden versuchen, das bestehende System so umzubauen oder zu optimieren, dass diese TINA der “Akzeptanz” Schritt für Schritt obsolet wird.
Lieber Jens,
ich versteh das völlig anders. Der Sinn des Rettungspakets besteht darin, dass Griechenland überhaupt keine Anleihen auf den freien Markt herausgeben muss!!! Die EU und der IWF gibt Griechenland nun Kredite, um reife Anleihen zu bedienen und neue Schulden aufzunehmen.
Wenn das erst einmal läuft und Griechenland glaubwürdig darstellen kann, dass die nun einmal zu hohen Schulden nachhaltig gesenkt werden, dann wird die Risikoprämie auch wieder sinken. Wenn die griechische Regierung das nicht darstellen kann, dann gibts halt einen haircut. Dabei kann vermutlich sogar vereinbart werden, dass die EU Kredite prioritär zurückgezahlt werden.
Die Schuld liegt nun wirklich zuletzt bei der Bundesregierung. Eine Staatsverschuldung von 115% ist halt nicht finanzierbar. Wenn die Rating-Agenturen da einfach so tun, als ob diese Probleme nicht vorhanden wären, würde die griechische Regierung fröhlich immer weitere Anleihen auflegen. Die Verschuldung würde immer schlimmer und der Haircut wär am Ende noch größer.
In Irland, Spanien und Portugal sieht die Situation ganz anders aus. Portugal hat ein leichtes Wachstum von allerdings unter 1% für dieses und das nächste Jahr. Eine Verschuldung von 80% BIP. Irland hat ein wirklich strenges Sparpaket aufgelegt. Italien hat seit Jahren einen primären Haushaltsüberschuß. Spanien ist mit ca. 60% BIP verschuldet. Die sind auch fleißig am Sparen. Bis Mitte der 90er waren dort die aktuellen Arbeitslosenzahlen von 20% völlig normal.
Bei Staatsschulden ist halt irgendwann Ende im Gelände. Wir sollten das als Warnung annehmen und versuchen selbst unser Haushaltsdefizit in den Griff bekommen. Die Schuld bei Merkel zu suchen, halte ich für ziemlich populistisch.
Laut El País SANK gestern die Risiko-Prämie Spaniens um 4 Basispunkte (0,04%), obwohl sie von S&P von AA+ auf AA zurückgestuft wurden. Die Investoren haben die Erhöhung des default Risikos nämlich bereits vorher eingepreist. Die Rating Agenturen laufen nämlich den Markterwartungen HINTERHER und führen nicht – wie du das hier darstellst – die Markterwartungen.
@Schwitzig
Für die Menschen in Deutschland bedeutet das, dass durch mögliche zukünftige Ausfälle bei der KfW noch weniger Geld in den staatlichen Haushalten sein wird. Das ist nicht metaphysisch, sondern sehr real.
Das ist eine ideologische Frage. Wofür werden Schulden aufgenommen? Um Unternehmen zu subventionieren, um Banken zu retten oder um den Sozialstaat zu zahlen? Alles drei ist richtig. Aber das ist schlussendlich eine politische Willensfrage – will man sich das Geld von den Verursachern zurückholen? Will man beispielsweise ein Bankenabgabe einführen, die den Namen auch wert ist, und will man Steuern erhöhen? Dass Staatsschulden nur 10% der Bevölkerung nutzen, ist genau so ideologisch einseitig, wie die Gegenaussage, dass mit Staatsschulden nur der Sozialstaat finanziert wird.
Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Nein, das “Geschwalle” ist so lange nicht überflüssig, bis es irgendwann gelingen sollte, die Entwicklung unserer Gesellschaft von den Finanzmärkten abzukoppeln. Das Ausblenden dieser Mechanismen ist übrigens so eine typisch linke Unart. Das mag ja alles verständlich und nachvollziehbar sein, solange wir aber in dieser unserer Welt leben, ist es blauäugig und kontraprodukitv. Wer die Märkte domestizieren will, muss sie auch verstehen. Mit reinem Goodwill, ist da aber nichts zu holen.
Nicht für die Parasiten, sondern für das neoliberale System. Der Geniestreich der Neoliberalen war es ja, Liesschen Müller mit ins Boot zu holen. Wenn nun die Lebensversicherung oder die Riester-Rente von Liesschen Müller ausfällt, findet sie das gar nicht mehr so unwichtig und wird jedem Politiker ihre Stimme geben, der ihre Altersvorsorge rettet. Man muss(!!!) dieses System von hinten aufrollen, mit der Brechstange ist da aber nichts zu wollen.
Das wird bei Dir so ankommen (wenn es denn überhaupt einen großen Crash gibt) – Liesschen Müller, die BILD und die CDU werden das zunächst auf die faulen Griechen und dann auf den Wohlfahrtsstaat als solchen schieben. Die Schlagrichtung steht doch schon fest – seht her liebe Mitbürger, wozu “üppige Renten und Sozialtransfers” führen.
Und wie soll die Alternative Deiner Meinung nach aussehen?
Es ist sicher von Wert immer wieder darauf hinzuweisen, dass den Leuten die heutzutage unsere Politiker dartsellen selbstverständlich die eigene Karriere und der Machterhalt vorgehen. Zumal es ja letztlich nicht ums eigen sondern nur umdas Geld des Steuerzahlers geht.
Nichts desto trotz ist das Unsinn:
“Hätten EU und IWF die Entwicklung verhindern können, die dazu führte, dass Ratingagenturen und die Märkte einem Euroland den Todesstoß versetzen können? Sicher, man hätte Griechenland beispielsweise Überbrückungszahlungen zusichern können, die zumindest die Verpflichtungen der nächsten 18 Monate decken und dies an die Gründung eines europäischen Währungsfonds koppeln können, der nicht nur die längerfristigen Schulden der Griechen, sondern vor allem die Sicherheit der Staatsanleihen Portugals, Spaniens, Irlands und Italiens sicherstellt. ”
Alleine Griechenland hat in den nachsten 1,5 Jahren 135 Milliarden Euro Kredite zu tilgen. Und Griechenland ist ein Zwerg verglichen mit Spanien oder gar Italien. Wenn man den Griechen das Geld, werden sie es sicher nicht in den Zeiten einer Weltwirtschaftskrise zurück zahlen können, wenn sie es nicht mal in einer der Hochkonjunktur konnten. Die Garantien der anderen EU Staaten werden also eingefordert werden, und da es sie gibt haben ALLE anderen Pleitegeier, wie Portugal, Spanien, Italien und die Balten keinerlei Anlass sich irgendwie um Rückzahlung zu bemühen. Man weiss ja, den doofen Deutschen liegt soviel am Euro, die werden auch noch ihr letztes Hemd für “Stabilität” hergeben.
Natürlich ist es Schwachsinn wegen der Wahl zu warten bis das Kind in den Brunnen fällt. Nur, wer erwartet von diesen lächerlichen Politikern etwas anderes, ihr im Thread hier vielleicht? Müssen die in Berlin befürchten, dass irgend jemand sie dafür zur Verantwortung zieht??
Ich fall gleich vom Hocker vor Lachen…
Ja. Die Transferzahlungen herunterfahren und die Subventionierung der “Neues Deutschland” Zone gezielt auf wenige nicht völlig hoffnungslose Kerne konzentrieren. In den restlichen Gebieten wieder Wölfe, Luxe, Wisente, Auerhähne und Bären ansiedeln.
@33 schwitzig:
Es ist nicht kapitalistischn sondern menschlich, dass die Lebensstandards unterschiedlich sind. Denn die Menschen, ihre Umstände, Fähigkeiten, Wünsche, Begabungen usw, also all ihre Kontexte sind unterschiedlich. Wer das verneint, verkennt und verachtet das Mensch-Sein.
Übrigens ist dein Sprachgebrauch recht ungewöhnlich für eine Sachdiskussion, zu der zwingend immer anständiges Verhalten dem Gegenüber gehört, aber das hält jeder so, wie er kann.
Vielleicht wäre es ja hilfreicher, wenn man statt von Schuld von einer (Mit-)Verantwortung der deutschen Regierung am Desaster spricht?
Hört Euch diesen ARD-Kommentar an:
http://www.tagesthemen.de/multimedia/video/video695240.html
Wie könnte es nun weiter gehen?
Das Land ist tief gespalten und getäuscht.
Neuwahlen?
Mistrauensvotum?
Aktuelle Stunde?
Bürgerempörung?
Wer hat eine Lösung? Was ist die Lösung?
@Beate
Zum Beispiel mit der Einführung eines Länderfinanzausgleichs und mit einem Maßnahmenpaket, das zu halbwegs ausgeglichenen Aussenhandelsbilanzen innerhalb der Euroländer führt. Beides ist für Deutschland ein absolutes “no go”.
Das setzt natürlich voraus, dass die Gewerkschaften sich auch erpressen lassen. Kluge Gewerkschaften würden stattdessen die Arbeitgeber in McPomm “erpressen” ;-)
@Zwischenspeicher
Wieso “3x”? Die 8,4 Mrd. Euro waren auf drei Jahre ausgelegt – nicht pro Jahr!
Mein Reden ;-)
Da haben die Kollegen vom Spiegel Dollar und Euro verwechselt. Nach meinen Informationen sind es 32 Mrd. Euro bzw. 43 Mrd. Dollar.
Freilich – nur dass es nicht mehr nur um Griechenland geht, wie ich im Artikel darzustellen versuchte ;-)
Tröste Dich – mehr als 300 Mrd. Euro können es nicht werden ;-)
Wenn ich mir da die 8-Billionen-Bombe anschaue, die in den PIIGS-System hängt, sind selbst die pessimistischen 150 Mrd. immer noch die bessere Wahl.
Abwarten – es wird zu einem Haircut kommen, soviel ist sicher. Ob der auch die “Neuschulden” betrifft, wird sich erst zeigen. Immerhin sind ja auch IWF und EZB im Bund, die nicht nach Merkels Pfeife tanzen.
@42 Spiegelfechter
nein, die 8,4 Milliarden waren von vornherein stets nur für das Jahr 2010 ausgelegt, lies’ es nach.
@elwu
Text markieren und am oberen Rand auf “Zitat” klicken ;-)
Nun denn ;-)
Die Vermutung, eine schnelle Griechenland-Hilfe hätte zu flux zu einem Schuldenaufnahmetyphoon in der EU geführt, halte ich allerdings für sehr unwahrscheinlich.
@pinkinson
ja
@32 elwu
Das ist doch barer Unfug! Schließlich nimmt die griechische Regierung das Rettungspaket auch zu Zinsen an, die den griechischen Marktzins von vor ein paar Wochen entsprechen. Der einzige Unterschied ist, dass dieser Zins nun von EU und IWF gefordert wird und nicht mehr von den Märkten, die nun – dank Merkel – höhere Risikoaufschläge fordern.
@ elwu 38
Was du nicht sagst! So etwas haben reiche Schweine immer behauptet. Weißt du was der Urvater des Kapitalismus sagt, ja ja !!! den meine ich auch: der gewisse Adam Smith
Willst du es genauer? Man grupiert alle Menschen in 5 genau gleich große Gruppen. Untere Gruppe die Dümmsten, die oberste Gruppe die intelligentesten. Wie ist der Unerschied? Hast du keine Ahnung! Stimmt? Ich wusste es. Die von oben bringen nur 41% mehr auf die Waage. Man hat auch den IQ den Reichen und den Armen getestet. Was ist der Unterschied? KEINER!
Ich weiß, du wirst mir sagen, ich bin neidsich. Ich weiß, du kannst dir überhaupt nicht vorstellen, dass für mich Reichtum nichts bedeutet. Wäre mir egal, ob irgendwelche dekadente und blöde Menschen steinreich sind. Problem ist dass solche Idioten die Gesellschaft ruiniern. Kannst du es verstehen. Sie vernichten biologisch die ganze Völker.
@ 47 Systemfrager:
Offenbar drehst du heftig unrund. Gehab’ dich wohl.
@Lada
Können wir uns darauf einigen: Mitverantwortung an der Schuldenkrise, Schuld an der eskalierenden Situation der letzten Woche, die nun auch andere Länder bedroht?
Das ist eine seit langem übliche Redeweise in der deutschen Sprache:
Da muss man nicht vom Haircut reden.
@ 46 Spiegelfechter
Die ‘Märkte’ fordern nicht ‘dank Merkel’ höhere Zinsen. Sondern die Zinsen wurden und werden durch die Einstufungen der Ratingagenturen und die Risikoeinschätzung der Anleihekäufer gebildet. Dass diese die griechische Anleihen nicht erst seit dem offenen Ausbruch der Krise und der Diskussion zu Hilfsmaßnahmen, also im März 2010, für sehr riskant halten, lässt sich aus den entsprechenden langjährigen Graphen leicht ablesen
Kein Wort von Merkel zu den subversiven Praktiken der Rating-Agenturen.
“Sollten Ratingagenturen nicht antizipierend ihre Urteile und Bewertungen treffen?
Hätten sie nicht vor zwölf Monaten die Bewertung aller wesentlichen Industrienationen vor dem Hintergrund des Einbruchs der Weltkonjunktur herabsetzen müssen?
Wieso werden jetzt in der Erholung nur die Länder abgestraft, die nachhaltige Reformpolitik betreiben?
Und noch viel entscheidender ist die Frage, wieso werden die USA und Großbritannien verschont? ”
http://www.goldseiten.de/content/marktberichte/marktberichte.php?storyid=13357
Die Rating-Agenturen sind Handlanger des US-Finanzimperialismus.
Wie weit will Merkel die Vasallentreue noch treiben lassen?
@elwu
Sicher – und die Risikoeinschätzungen basieren u.a. auf den Aussagen der Heckenschützen in der deutschen Regierung. Wenn zwei Koalitionspartner der Regierungskoalition das Paket als Ganzes offen in Frage stellen und der dritte Partner laut über eine Umschuldung nachdenkt, so ist dies ein tragender Grund für Ratingagenturen und Käufer, na der Bonität Griechenlands zu zweifeln.
@51
Die Rating Agenturen bewerten u.a. das Ausfallrisiko. Dieses wäre, zumindest aktuell, deutlich geringer gewesen, wenn die anderen Euro Länder sich auf ein, wie auch immer geartetes Modell zur Rettung der griechischen Finanzen geeinigt hätten. Dies hat Frau Merkel mit Rücksicht auf den Wahlkampft in NRW verschleppt.
Mit den vom SF skizierten Folgen.
Wie dreist die politische Klasse in Berlin “argumentiert”, lässt sich an den Äußerungen eines hohen CSU-Politikers, Friedrich exemplarisch festmachen
Wie meldet gegen 10.00 Uhr das “dradio”:
CSU-Landesgruppenchef Friedrich verteidigt geplante finanzielle Hilfe für Griechenland und stellt sich hinter Merkel
Zur Höhe des nötigen Hilfspakets für Griechenland gibt es nach wie vor keine konkreten Angaben. CSU-Landesgruppenchef Friedrich sagte im Deutschlandfunk, bei den gestern genannten Zahlen von rund 120 Milliarden Euro über drei Jahre handele es sich um “Über-den-Daumen-Schätzungen”. Friedrich bezeichnete den Umgang von Bundeskanzlerin Merkel mit der Krise als richtig. Nur durch die standhafte Haltung der Kanzlerin, nicht sofort ohne Bedingungen Geld zuzusagen, sei Griechenland jetzt zu harten Reformen bereit.
Kann sich noch jemand an die gerade aus Bayern, dem Land der “Wittelsbacher” gen Griechenland abgefeuerten Salven erinnern?
also die Artikeln, die ich heute gelesen haben, gehen alle von einem default aus und Schlimmerem. Krugmann fragt sich schon, ob das der Anfang vom Ende des Euro ist.
http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/04/28/how-reversible-is-the-euro/
Martin Feldmann meint zB, dass Griechenland gar nicht in der Lage sein, die Verschuldung in dem Maßen zu reduzieren, dass sich das Land wieder an den Märkten refinanzieren könnte:
“The only way that Greece could avoid a default would be by cutting its future annual budget deficits to a level that foreign and domestic investors would be willing to finance on a voluntary basis. At a minimum, that would mean reducing the deficit to a level that stops the rise in the debt-to-GDP ratio.
To achieve that, the current deficit of 14% of GDP would have to fall to 5% of GDP or less. But to bring the debt-to-GDP ratio to the 60% level prescribed by the Maastricht Treaty would require reducing the annual budget deficit to just 3% of GDP ? the goal that the eurozone?s finance ministers have said that Greece must achieve by 2012.
Reducing the budget deficit by 10% of GDP would mean an enormous cut in government spending or a dramatic rise in tax revenue ? or, more likely, both. Quite apart from the political difficulty of achieving this would be the very serious adverse effect on aggregate domestic demand, and therefore on production and employment. Greece?s unemployment rate already is 10%, and its GDP is already expected to fall at an annual rate of more than 4%, pushing joblessness even higher.
Depressing economic activity further through higher taxes and reduced government spending would cause offsetting reductions in tax revenue and offsetting increases in transfer payments to the unemployed. So every planned euro of deficit reduction delivers less than a euro of actual deficit reduction. That means that planned tax increases and cuts in basic government spending would have to be even larger than 10% of GDP in order to achieve a 3%-of-GDP budget deficit.”
http://www.project-syndicate.org/commentary/feldstein22/English
Nich Rowe maint, dass in der Situation nur noch die EZB helfen könnte, und zwar indem sie nach FED Manier einfach das Geld druckt, was nicht nur Griechenland braucht. Das würde aber eher aus politischen Gründe nicht passieren, da in der EU die politische Instanz fehlt, die das durchsetzen könnte und die einzelnen Staaten sich nicht darauf einigen werden. Im Gegenteil, da viele europ. Banken Staatsanleihen von EURO-Länder halten und diese an Wert verlieren, würde das zur Insolvenz vieler kommerzieller Banken nicht nur im EURO-Bereich und zu einem bank run führen. Das wird die Geldzufuhr schwächen und zu einer Rezession führen. Und die EZB wird wieder, weil sie auf falscher Grundlage gestellt worden ist, das Falsche tun
“And the solution is for the central bank to do whatever it takes to increase the money supply by however much it takes to eliminate the excess demand for money.
I don’t see how the ECB will do this, if it can’t buy bonds, can’t lend to insolvent banks, and can’t lend against junk bond colateral.
Instead, the ECB will point to its nice low interest rate target and say “Look how loose monetary policy is!”. And it will be low, because the only people who can borrow at that rate won’t need to, and all those who desperately want to borrow at that rate won’t be allowed to.”
http://worthwhile.typepad.com/worthwhile_canadian_initi/2010/04/the-euro-money-supply.html
Rbecca Wilder sieht das Desaster der EURO Zone in drei Schritten
1. First, there is a liquidity crisis in Greece (already underway).
2. Second, it turns into a full-fledged financial crisis for the GIIPS. The capital account drops precipitously with investor confidence in GIIPS markets, leaving the very vulnerable countries, like Portugal and Spain with current accounts very much in the red, seriously short of cash.
(übrigens wie Feldmann für Griechenland meint auch Wilder, dass diese Länder mit dem Eintritt in die EURO-Zone massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben). Die Austeritätsprogramme, die EU unter deutscher Führung und IWF fordern, sind einfach nicht umsetzbar
“What Germany wants out of Greece (and any bailout thereafter) is the equivalent of an economic anaconda. It will force Greece to meet the limits of the EMU Stability and Growth Pact (3% of GDP) by some period, let?s say 2012.
Of course that cannot happen without an epic surge in exports. Here?s the death spiral: sharp austerity measures translate into unemployment, economic contraction, deflation, and yes, higher deficits. There?s just no way out of it.”
3. So we get to the final stage, GIIPS go depressionary, and the economic contagion spreads across the Eurozone, hitting yes, Germany.
http://www.newsneconomics.com/2010/04/greece-giips-eurozone-big-problem.html
… aber es wird sich doch auf ein Modell zur Rettung der griechischen Finanzen geeinigt…
Aktuell gibt Griechenland überhaupt keine neue Anleihen auf dem freien Kapitalmarkt aus. Der Kursverfall der griechischen Schuld Papiere trifft Griechenland nicht, weil sie aktuell keine Anleihen herausgeben. Der kurzfristige Kursverfall/Renditesteigerung betrifft aktuell nur die Investoren, die mit diesen Papieren handeln. Und der Finanzierungsbedarf wird in den nächsten Monaten von Geldern aus dem IWF und den EU Mitgliedern bedient. In der Vergangenheit bewirkten Ankündigungen von Rettungsplänen NÜSSE für das Länderrisiko. Das sank erst immer, wenn die ersten Kredite flossen. Griechenland gewinnt damit Zeit für eine Haushaltskonsolidierung. Die Haushaltskonsolidierung ist aber notwendig. Die Verschuldung der EU Mitglieder ist halt objektiv zu hoch. Auch im internationalen Vergleich.
Griechenland genießt gegenüber ALLEN Ländern, die in ähnliche Haushaltsturbulenzen gekommen sind, eine absolute Vorzugsbehandlung.
Andere können nur mit dem IWF als lender of last resort verhandeln. Und wenn sie das nicht mögen, müssen sie zu obskuren Mitteln wie dem Verkauf von Devisenreserven der Zentralbank – die bereits zur Geldschöpfung verwendet wurden – mit dem entsprechenden Inflationsrisiko oder 10-jährige Öl-Lieferverträge mit China für 57 $ das Barrel.
Falls sich jemand für diesen Beitrag von Karen Horn interessiert. Ich verlinke ihn, weil hier auf Feldstein hingewiesen wurde
“Der Euro als Mausefalle”
Nein nein nein. Genau das ist doch das Problem. Von Volkswirtschaft haben die genannten überhaupt keine Ahnung. Und ihre Berater sind doch fast durchweg Betriebswirte. Sogesehen bekommt das ganze Handeln der deutschen Politik doch wieder einen Sinn, oder? ;)
@elwu, Systemfrager
Marx hat dasselbe als “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!” formuliert. Dummerweise sorgt der Kapitalismus dafür, dass die unterschiedlichen Kontexte sich der internationalen Kapitalkonkurrenz unterordnen müssen und die Masse der Menschen untereinander einen immer kleiner werdenden Anteil der des gesellschaftlichen Reichtums aufteilen müssen.
Die Griechen sollen selber feststellen, welchen Lebensstandard sie erreichen wollen. Das ist ihnen bestimmt auch lieber so. Dass sie unter den gegebenen systemischen Umständen ihr Potential nicht ausschöpfen, ist wahrscheinlich auch allen klar. Meine Hoffnung ist, dass da jetzt ein konstruktiver und gesellschaftsweiter Denkprozess beginnt.
Es ist ein ewiges Dilemma der Linken, dass sie sich auf Marx berufen und einen entscheidenden Punkt seiner Argumentation nicht verstehen: der Wunsch, Arbeit “gerecht” zu bewerten, führt geradewegs zur Warenproduktion (Kapitalismus) oder zu ihrer fiesen Schwester, der zentralistischen Planwirtschaft.
goodnight hat bei Weissgarnix gestern ausnahmsweise mal was sehr Richtiges in Bezug auf Kultur gesagt:
Den kulturellen Aspekt zu ignorieren, ist der größte Fehler der @Systemfrager.
Und nun der Link
Fehlt da etwa die ordnende, die ruhige Hand von Peer Steinbrück! :-)
Hach, isset nich schön: Wer Merkel wählt kriegt auch Merkel!
Beste Grüße
@ salvo 56
Großartig! Ja, dass ist das Hauptproblem. Lange Beobachtung der Tatsachen hat schon die klassischen Ökonomen auf den Gedanken gebracht, das Geld mit dem Öl der Wirtschaft vergleichen: Es sei ein Mittel, mit dem die ökonomische Maschine geschmiert wird. Dieser Vergleich muss aber weiter geführt werden. Die Wirtschaft ist genauer gesagt ein Mechanismus, der ständig Öl verliert, das folglich ständig ersetzt werden muss, soll die Maschine sich nicht festfressen. Genauer gesagt: Sie verliert ständig die Nachfrage.
Bisher haben die Amis mit ihren Papierchen für dieses Öl gesorgt – fleißig nachgefüllt. Aus mehreren Gründen können sie es nicht mehr. Keine Nachfrage kein Wachstum! Jetzt wird uns die ganze EU um die Ohren fliegen
Ja, sie ist das Produkt des deutschen Neoliberalismus: Jeder Staat soll seinen Nachfragemangel durch Exportüberschüsse kompensieren. Und was ein Staat kann, das können auch alle Staaten zusammengenommen. Eine idiotische pars-pro-toto Denkweise.
Die Ratingagenturen werden verschiedentlich angesprochen: Ich glaube, dass viele Menschen mit klarem Verstand nich viel von diesen Schmarotzern und Trittbrettfahrern halten – diesem anglo-amerikanischen “Finanz-Kanonenboot” (!). Aber, man muss ihnen geradezu zu Gute halten, dass sie auf ihre Weise auf “die Fehlerstellen im System” deuten; auch wenn sie gern vergessen, dass, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, gleichzeitig drei Finger zurück zeigen (z. B. nach USA, GB und auf ein nicht mehr zukunftsfähiges System)!
Ich drink’ heute’ abend ‘n Schoppen auf Moody’s, S & P und Fitch. Prost!
Beste Grüße
Hier, der fundierteste Artikel, den ich bisher zum Thema Griechenland gelesen habe.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,691762,00.html
Hier wird mal ausnahmsweise mal nicht aus der Perspektive der Finanzwirtschaft berichtet, sondern die griechischen Verhältnisse beschrieben.
Ich behaupte: Die griechischen Aussenstände, die wir auf unseren Banken haben, abschreiben und dann Griechenland reloaded!
Das ist das einzig realistische Szenario. Das ganze Gewürge mit dem Versuch, die Gläubiger zu retten, führt dazu, dass die bittere Erkenntnis erst in 3 Jahren kommt und das ist dann ein Vielfaches teurer
Eine Kettenreaktion wird es nicht geben bei einer Umschuldung. Siehe meinen Einwand (102/104) bei Weissgarnix auf den Einwand von Ergo Sum/ 98:
http://www.weissgarnix.de/2010/04/28/drohendes-desaster/#comment-61567
@ memoon 60
Du hast Recht. Ich halte von der sog. “Kultur” gar nichts. Und ich will sehr hoffen, dass ich Recht habe. Sonst würde man schnell bei der Idee zurück, dass wir unsere ökonomischen Probleme wie gewohnt lösen. Wir massakrieren und legen in Schutt und Asche unsere Nachbarn.
SF – Jetzt könntest du diese zwei Kommentare wieder verstecken. Würde ich sagen ;-)
PS
Da fällt mir unser größte Soziologe M. Weber ein: Der mit der blöden protestantischen Askese. Er hat bekanntlich Chinesen für immer abgeschrieben. Die schaffen es ökonomisch nie: keine protestantische Askese … So ein Unfug
Soll ich mir Geld leihen, damit ich meinem hoch verschuldeten Nachbarn Geld leihen kann? Denn wenn es sich rumspricht, dass er pleite ist, sinkt der Schufa-Wert für die ganze Straße.
@Carsten Penkella
Das “Schöne” an der Sache ist ja, dass der Bund sich das Geld noch nicht einmal leihen muss, sondern das Rettungspaket über die KfW finanziert – Gewinne und Verluste gehen dann natürlich auf die KfW-Bilanz.
@ Carsten Penkella 67
Gerade habe ich es gelesen, bei Feynsinn, was du als Antwort suchst:
dahin >>>
@systemfrager 66: kultur, bildung, geologie, regierungsform, ideologie, religion, kultur, kunst usw. sind alles dinge die mind. indirekt positiven/negativen/neutralen einfluss auf die prosperität eines landes haben – und ebenso auch auf dessen nachbarn. ich kann dir unendlich viele bsp. dafür nennen – auch gerne auf die finanzkrise oder noch konkrter auf griechenland bezogen. wenn du das nciht verstehst frage ich mich, wie du auf deiner website derart kompetent und leicht verständlich das system erklären kannst.
wo du recht hast: es muss langfristiges ziel der menschheit sein, eine möglichst gerechte allkation von ressourcen, gütern usw. zu erreichen. denn sonst vernichten wir uns selbst. und damit wir uns nciht falsch verstehen: mit “gerecht” meine ich nicht nach sog. “leistung”, sondern nach bedarf.
EU und IWF tun alles, um die Situation noch zu verschlimmern
Umsatzsteuer auf 23-25% erhöhen, Steuern auf Tabak, Alkohol und Benzin um 10% erhöhen
und natürlich Löhne senken
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/04/29/215731/greek-austerity-take-two/
@ Mordred 70
Ich weiß nicht, ob ich dir – so wie du es dargelegt hast – richtig widersprechen könnte. Aber ein “kultureller” Ansatz/Methode hat mit den ökonomischen Problemen in der EU wenig zu tun.
Ich gebe dir ein Beispiel:
Was gehört zu unserer deutschen Kultur? Bismarck war doch der erste soziale Reformator in der EU. In der Weimarer Zeit waren unsere Eliten die brutalsten der ganzen Welt. Nach dem Krieg hatten wir wirklich einen tollen sozialen Staat. Und in den letzten 2-3 Jahrzenten sind unsere Eliten wirder die raffgierigsten, rücksichtslosigsten und räuberischsten. Was ist NUN UNSERE KULTUR?
@ Jens Berger (25.)
ich bleibe dabei, ich finde die Ratingagenturen gehören verboten und sind ursächlich wesentlich verantwortlich für viele ökomische Krisen der letzten Jahre.
Ich zitiere aus Spiegel online von heute, Titel:
“Rating-Entscheidungen: Heute Gold, morgen Ramsch”
(Auszug) “Dabei ist ihre Rolle alles andere als lupenrein. In den USA wirft ihr Verhalten zunehmend Fragen auf. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman von der “New York Times” hält das System der Agenturen für “zutiefst korrupt”. US-Senator Carl Levin rechnet sie sogar zu den Hauptschuldigen der Krise: “Ließe sich ein einziges Ereignis als unmittelbarer Auslöser der Finanzkrise identifizieren, meine Stimme gälte den massenhaften Downgrades von 2007.”
Mit anderen Worten, korrupte Vereinigungen entscheiden über wesentliche wirtschaftliche Ereignisse! Korrupte Organisationen gehören verboten, da kriminell!
So sieht es aus. Keine Ratingagentur hat auch nur ansatzweise etwas seriöses, objektives, überparteiliches für mich an sich, bei den Summen, um die es finanziell geht, ist jeder käuflich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – und die sitzen bestimmt nicht in den Rating Agenturen!
Nachtrag zu 73.
Der Spiegelartikel vom 29.04.2010 , “Rating-Entscheidungen” – “Heute Gold, morgen Ramsch” findet sich unter diesem Link:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,691929,00.html#ref=rss
@salvo
Seh´s positiv – wenn schon bankrott, dann zumindest gesund bankrott, ohne Kippen und Vino ;-)
p.s.: Danke für die Links, sehr interessante Artikel
@71 salvo:
ist ein harter doch nötiger, aber nicht ausreichender Anfang. Was leider (wie nicht anders zu erwarten) fehlt, ist die Einbeziehung der Unternehmen und der oberen Einkommens- und Vermögensschichten durch Einführung und/oder Anhebung von Steuern auf Vermögen, Erbschaften, (sehr) hohe Einkommen, Kapitalerträge usw. Dasselbe Grundproblem also wie hierzulande, und wie auch fast überall sonst.
@75 ja, Jens, ich bin aber leider etwas ‘dünnhäutig’, wie meine Frau zu sagen pflegt :-)
apropos IWF und Austaritätsprogramme, die haben zwar noch nie funktioniert, wie man auch am neuesten beispiel, Ungarn, sehen kann, aber die könnens scheinbar nicht anders
http://www.creditwritedowns.com/2010/04/contagion-turns-east.html
ob mensch das noch mit Humor bewältigen kann?
@systemfrager 72: konkret auf dein bsp bezogen: unsere kultur wandelt sich zusehends von einer sozialen zu einer egoistsichen denkweise. dies unterstützt unsere sog. eliten massiv. jeder ist sich selbst der nächste und will seinen profit maximieren. (das hast du auch sehr anschaulich auf deiner website mit dem knast und der nutzenmaximierung als grundlage des neoliberlalen paradigma erläutert. )
diese denkweise, gepaart mit ökonomischen nichtwissen, führte bei vielen menschen dazu, die fdp zu wählen – stichwort “mehr netto vom brutto”.
weitere bsp. für o.g. kultur: dsds, immer später kinder kriegen, hartz4=sozialschmarotzer….
was die ratingagenturen angeht: die gehören für mich genauso abgeschafft, wie irgendwelche aktienanalysten. ok, ist eher unrealistisch. was vielleicht klappen könnte:
1. nicht nur das urteil einer ratingagentur als tina ansehen
2. insgesamt mehr ratingagenturen parallel konsultieren.
wie kann es bitte sein, dass diese 3 größten agenturen quasi als oligopol agieren, welches indirekt über geldmengen im 3stelligen milliardenbereich entscheidet? Und wie kann man bitte davon ausgehen, dass bei solchen beträgen in den agenturen keine korruption vorhanden ist?
Nimm den Herrn Westerwelle vom Verdacht der Minimalkompetenz besser aus, sonst triffst Du in diesem sowieso schon risikorelevanten Thema auch noch selber Hochrisikoannahmen.
Viele Grüsse,
VB.
…aus Leibeskräften auf dem OP-Tisch weiter raucht, kann niemand etwas für ihn tun.
Es ist ja nicht nur jahrelange Misswirtschaft, die Griechenland dort hin gebracht hat, sondern etwas wie das “griechische System”, das auch daraus bestand, überall falsche Angaben zu machen.
Ausserhalb des Euroraumes ist die Sache klar. Wenn ein Land nach jahrlanger Misswirtschaft da hin kommt, dass es die Schuldenwirtschaft nicht mehr finanzieren kann, geht es entweder Pleite oder wendet sich an den IWF. Dieser leitet dann die Reformen ein bzw. verlangt diese gegen die Kreditvergabe, die das Land selbst vorher alleine nicht auf die Reihe bekommen hat.
Das läuft in der Reihenfolge, dass das Land nicht mehr anders kann und dann den IWF anruft.
Es ist ein schwerer Fehler gewesen, zu glauben, dass es innerhalb des Euroraumes anders sein müsse. Das ist der eigentliche Fehler der Bundeskanzlerin.
Damit lag die Lösung auf dem Tisch noch bevor das Land eigentlich um Hilfe gebeten hat. Und ein Stück weit glauben eben aus diesem Grunde die Griechen, sie könnten sich den teilweise seit 30 Jahren fälligen Reformen nach wie vor entziehen und so weiter machen, wie bisher. Und das wäre praktisch ein Blankocheque für die Griechen, der ausserdem noch durch den EU-Vertrag ausgeschlossen ist.
So haben das auch die Finanzmärkte verstanden. Die Wette an den Finanzmärkten läuft so, dass entweder auf den griechischen Freibrief gewettet wird oder auf die Pleite.
Es hat sich nun gezeigt, dass die EU auf diesen casus nicht vorbereitet war, nicht an einem Strang zieht, die Debatte unnützerweise öffentlich geführt wird und zudem auch nicht geeignet ist, die notwendigen Reformen voran zu treiben.
Ohne letztes ist eine EU-Hilfe aber nur ein Aufschieben der Probleme und dies nicht nur in einem Land, sondern in mehreren. Welchen Sinn soll es machen, auslaufende Bonds mit 4,5% Zinsen durch welche mit 8,5% Zinsen abzulösen. – das funktioniert nicht. Und einen Aufschub der Pleite mit europäischen Steuergelden zu finanzieren, löst das Problem eben nicht.
Letztlich bleibt daher nichts anderes übrig, als auf das bisherige Procedere zu verweisen. Spanien, Griechenland und Portugal müssen umschulden und ihre Finanzen konsolidieren – Entlastungsgeld kommt vom IWF gegen Erfüllung von Auflagen. Und diese bedeuten heftige Reformen und Einschnitte in Griechenland. Und erst dann beteiligt sich die EU daran angemessen, indem sie den Griechen beispielsweise die Zinslast erträglich hält.
Dieses Procedere sollte schnell ressourcenschonend weiter entwickelt werden. Dann kommt es weder in Spanien noch Portugal zum Finanzcrash – entsprechende glaubhafte Eigenbemühungen voraus gesetzt.
Heiner Flassbeck schreibt in einem Beitrag auf den Nachdenkseiten.
Flassbeck schreibt nichts von den eigenen Schludrigkeiten (oder das “griechische System”) durch die Griechenland in diese Krise geraten ist und die man in dem unter #65 verlinkten Artikel nachlesen kann. Also wenn man diesen Artikel liest ist Schludrigkeit wohl eher unangemessen milde ausgedrückt. Was nutzen Lohnsteigerungen, wenn dahinter ein schludriges korruptes System mit verantwortungslosen radikalisierten Gewerkschaften und einem korrupten Beamten-Wasserkopf steht.
Vielleicht ist ja ein Teil oder mehr dieser Investitionen in Maschinen möglicherweise folgendermaßen oder ähnlich verpufft:
Das hätte die deutsche Regierung vorhersehen müssen und die Griechen insbesondere die Landwirtschaftsgewerkschaft (wenn es denn eine solche gibt) hätten sich sicherlich diese “Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten” erbeten.
Ja in der Tat Griechenland hätte nicht aufgenommen werden dürfen. Wie das alles jetzt seinen Lauf nimmt, kann ich nicht beeinflussen und habe ich nicht zu entscheiden.
Warum ist es eigentlich eine solche Schreckensvision, daß die Eurozone insgesamt scheitert?
Was soll schlimm daran sein, wenn sich die versagenden Europäer erst mal wieder in ihre Nationalstaatlichkeit zurückziehen?
Was spricht konkret gegen die Abschaffung des Euro und eine Regionalisierung?
Mir schalten sie demnächst den Strom ab, das Auto ist zwangsstillgelegt und das Wasser wird sicherlich noch folgen. Als Gehbehinderter werde ich also in Bälde hier auf meiner Scholle einen (aus meiner Warte jedenfalls) tragischen Verreckenstod sterben. Warum also sollte mich Lieschen Müllers vergeigte Riesterrente aufregen?
Was soll noch Schlimmeres kommen?
Der einzige Beitrag hier, der noch Zeugnis über die Existenz gesunden Menschenverstandes und Herzenswärme ablegt ist der von @schwitzig #10.
Danke dafür!
Und was du ihr darauf geantworte hast, erbärmlicher kleiner spiegelfechter, läßt dich vom links-aufklärerischen Möchtegern zum niederen Knecht der Nutzmenschenhalter und TINA-Sänger der untersten Kategorie degenerieren.
…ich möchte auch ein artgerechtes Leben führen… Fischmob
@Degnapahta
Es kommt darauf an für wen und unter welchen Bedingungen. Für Deutschland wäre diese Entwicklung jedenfalls sehr schlecht, da die D-Mark dann “ultrahart” wäre – für ein exportorientiertes Land eine einzige Katastrophe. Wäre Deutschland durch eine Steigerung der Binnennachfrage auf eine solche Entwicklung vorbereitet, wäre das gar nicht so schlimm. Aber so wären die Folgen leider verheerend.
Für Dich nicht – aber für zig Millionen andere schon. Sei mal nicht so egozentrisch.
@81 – Axel
Sie schreiben:
“Flassbeck schreibt nichts von den eigenen Schludrigkeiten (oder das ?griechische System?) durch die Griechenland in diese Krise geraten ist und die man in dem unter #65 verlinkten Artikel nachlesen kann. Also wenn man diesen Artikel liest ist Schludrigkeit wohl eher unangemessen milde ausgedrückt. Was nutzen Lohnsteigerungen, wenn dahinter ein schludriges korruptes System mit verantwortungslosen radikalisierten Gewerkschaften und einem korrupten Beamten-Wasserkopf steht.”
Flassbeck erwähnt in seinen Beiträgen stets daß Griechenland bzgl. der Entwicklung der Lohnstückkosten nach oben “gesündigt” hat, Deutschland jedoch in noch stärkerem Maße nach unten.
Auffällig häufig wird von unseren Mainstream-Medien und unseren politisch Verantwortlichen der hohe Korruptionsgrad in Griechenland, die laxe griechische Steuermoral sowie das hohe griechische Rentenniveau zum Schuldigen für die dortige Wirtschaftskrise erklärt.
Es liegt im wohlverstandenen Interesse der Mehrheit der griechischen Bevölkerung, Korruption und ?Steuervermeidung? zu bekämpfen. Jedoch scheint es zweifelhaft, daß diese zu den maßgeblichen Ursachen der derzeitigen Krise zählen, da diese Faktoren auch in den Jahren und Jahrzehnten vor der Euro-Einführung zu den negativen Begleiterscheinungen der griechischen Gesellschaft zählten.
In der gestrigen ARD-?Hart aber fair?-Sendung wurde ausgiebigst auf dem Thema Korruption und ?Steuervermeidung? herumgeritten. Der FDP-Vertreter bemühte in diesem Zusammenhang das schon häufiger in den Medien vorgebrachte Beispiel des Taxifahrers, der den Fahrgästen keine Quittung ausstellt. Daß sowohl die ?Steuervermeidung? als auch die ausgeprägte Korruption in ganz besonderem Maße von den griechischen ?Eliten? praktiziert wird, wird von unseren Medien und unseren politisch Verantwortlichen gerne unterschlagen. Da hackt die eine ?Eliten-Krähe? der anderen ?Eliten-Krähe? nur ungern ein Auge aus. Auch den griechischen Arbeitnehmern wird die Lohnsteuer direkt vom Lohn abgezogen. Die steuerlichen “Gestaltungsspielräume” machen sich vor
allem die dortigen “Eliten” zu Nutze.
Und: Es ist ja keineswegs so, daß wir uns in Deutschland in einem korruptionsfreien Biotop bewegen würden. Ein Blick in die tägliche Berichterstattung z.B. der NachDenkSeiten zeigt, daß wir allen Grund haben, uns mit großkotzigen Spüchen nicht zu allzu weit aus dem Fenster zu lehnen.
Unsere hiesigen Medien und politisch Verantwortlichen, welche beständig auf den Themen ?Korruption? und ?laxe Steuermoral? in Griechenland herumreiten, vergießen m.E. Krokodilstränen, denn sie empfinden die griechische ?Steuervermeidung?, die dortige Korruption und erst recht Griechenlands Mogeln bei den Staatsschulden in Wirklichkeit eher als großartiges Gottesgeschenk. Denn das bietet ihnen den willkommenen Anlaß, antigriechische Ressentiments zu schüren, um so von der gravierenden Mitverantwortung des deutschen Lohn- und Sozialdumping abzulenken. Welche Ablenkungsmanöver und Ausreden werden diese Kreise wohl ersinnen, wenn Spanien, Portugal, Italien und / oder Irland ebenfalls in ökonomische Schieflagen geraten werden?
Flassbeck schreibt nicht auf den Nachdenkseiten. Er wird da nur aus einem Artikel im Hamburger Abendblatt zitiert. Aus dem Artikel wird aber auch nicht klar, was Herr Flassbeck mit den Maschinen und Ausrüstungen, in die dort so doll investiert wurde meint. Je nach statistischen Aggregat kann da nämlich auch der schnittige Sportwagen, mit dem der Sohn des nicht-Steuerzahlenden leitenden Angestellten drunter fallen.
Und die Freunde dieser “Hungerlöhne in Deutschland” These: Überlegt doch mal, wo diese geringeren Löhne bezahlt werden. In deutschen Exportunternehmen? Nein. Sie wird gezahlt für Dienstleistungen für nicht handelbare Güter. Wenn jetzt per Order Mufti die Löhne der deutschen Exportindustrie steigen, damit die oft sehr autoritär und bürokratisch geführten südeuropäischen Unternehmen ruhig weiterwursteln können, dann würde das zu einer noch ungerechteren Verteilung der Einkommen in Deutschland führen. Die ohnehin schon gut bezahlten Arbeiter in der deutschen Exportindustrie werden mehr Geld erhalten und der Friseuse in Magteburg oder Kotbus gehts wie vorher.
Lohnstückkosten sinken doch auch deshalb, dass arbeitsintensive Arbeitsplätze dorthin verlagert werden, wo die Löhne nicht so hoch sind.
Zumindest Robert von Heusinger sieht die Sache ähnlich wie ich.
@ 85 – Lemmy Caution
Sie schreiben:
“Und die Freunde dieser ?Hungerlöhne in Deutschland? These: Überlegt doch mal, wo diese geringeren Löhne bezahlt werden. In deutschen Exportunternehmen? Nein. Sie wird gezahlt für Dienstleistungen für nicht handelbare Güter. Wenn jetzt per Order Mufti die Löhne der deutschen Exportindustrie steigen, damit die oft sehr autoritär und bürokratisch geführten südeuropäischen Unternehmen ruhig weiterwursteln können, dann würde das zu einer noch ungerechteren Verteilung der Einkommen in Deutschland führen.”
In einem früheren Spiegelfechter-Blog hatte ich zu einer ähnlich lautenden Thematik folgendes geschrieben:
Sie schreiben:
?In der Metallindustrie legten die Tariflöhne seit 2000 um 27 Prozent zu, die Chemieindustrie stand mit 26 Prozent kaum nach.?
In diesem Zitat möchte ich die Betonung auf das Wort ?Tariflöhne? legen! Denn: Die Tarifbindung der deutschen Unternehmen hat sich in den vergangenen 10 Jahren deutlich reduziert. Das IAB schreibt hierzu unter der Überschrift ?Tarifbindung nimmt weiter ab?:
http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen-2007/140607.aspx
?Die Zahl der tarifgebundenen Betriebe ist in den letzten zehn Jahren erheblich zurückgegangen. Das zeigen die Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Befragung von 16.000 Betrieben und Verwaltungen durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten wird von Flächentarifverträgen erfasst.
1996 arbeiteten in Westdeutschland 69 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, in denen ein Flächentarifvertrag galt. Im Jahr 2006 waren es nur noch 57 Prozent. In Ostdeutschland sank der entsprechende Anteil der Beschäftigten von 56 auf 41 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um zwei Prozentpunkte im Westen bzw. um einen Prozentpunkt im Osten. Die Erosion der Flächentarifverträge ist zumindest im Westen bislang nicht gestoppt. In Ostdeutschland deuten die Zahlen der letzten Jahre dagegen eher auf eine Stabilisierung hin ? allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.
Die ganze Bedeutung des Flächentarifs wird jedoch erst deutlich, wenn man berücksichtigt, dass zudem fast jeder fünfte Arbeitnehmer davon indirekt profitiert. 18 Prozent der westdeutschen und 22 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiten nämlich in Betrieben, die sich an einem Flächentarifvertrag orientieren.?
Das heißt: Unter Einschluß der Unternehmen, die sich zumindest an Tarifverträgen orientieren, sind lediglich noch ca. 77 Prozent der Betriebe tarifgebunden.
Und: Der Anteil der Unternehmen, für die ein ?betriebliches Bündnis zur Wettbewerbs- und Standortsicherung? greift, beträgt mittlerweile 12 Prozent (bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sogar 20 Prozent). Diese ?Bündnisse? laufen in den allermeisten Fällen für den Fall schlechter Beschäftigungslage auf Lohnkürzungen und damit auf ein Aushebeln der Tarifverträge hinaus.
Des weiteren ist zu berücksichtigen, daß in den Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze in schlechtbezahlte Leiharbeitsplätze und in 400-Euro-Jobs umgewandelt wurden.
FAZIT:
Die Lohnsteigerungen in den von Ihnen ausgewählten Branchen (andere Branchen haben sich schlechter entwickelt) sind für viele der dort Beschäftigten von rein theoretischer Natur, d.h. sie haben auf dem ?Lohnzettel? in dieser Höhe überhaupt nicht stattgefunden.
Dies gilt erst recht für die Dienstleistungsbranchen, deren niedrige Löhne als Vorleistung auch in die exportorientierten Branchen einfließen und somit indrekt zum Lohndumping der Exportbranchen beitragen.
Die deutsche Wirtschaft, unterstützt von neoliberalen Politikkonzepten (?Agenda 2010?, Hartz IV etc.) gehört, neben der unsoliden Politik früherer griechischer Regierungen, zu den Hauptkrisenverantwortlichen innerhalb der Euro-Zone. Neben Griechenland sind hiervon auch Spanien, Portugal und Italien betroffen.
Zwischen Vollbremsung und Vollgas.
Merkel und ihr Polizei-Finanzminister halten den Autocarren Deutschland in Atem.
Die europäische Finanzserpentin wird beide Profis in ein packendes Finish schicken.
Das Tandem ist ein Klassiker
Meine Lösung sähe so aus:
- Gründung eines EWF, der unverzüglich Portugal und Spanien mit Krediten stützt
- Griechenland-geschädigte Banken und Versicherung werden mit hunderten Milliarden Steuereuros rekapitalisiert und gleichzeitig teilverstaatlicht
Griechenland selbst können wir verfaulen lassen. Sollen sie sich doch bei amerikanischen Investmentbanken Geld leihen. Sie haben sie selbst mit ihrem unverschämten Verhalten aus der europäischen Solidargemeinschaft verabschiedet. Sollen sie doch nun selbst sehen, wo sie bleiben.
Arm und strukturschwach kann man ja sein. Dafür gibt es Transferzahlungen. Aber Lügen und Betrügen geht einfach nicht.
Keinen Cent für Griechenland.
Is ja wieder mal lustig hier. Die kapitalistischen Marktgläubiger jammern darüber, wie ihr ganzer Laden auseinanderfliegt, und zwischen den Zeilen, hört man schon ganz laut “Deutschland zuerst” brüllen, ohne einen Hinweis darauf, wer hier eigentlich in nationalstaatlichen Wahn Deutschland für sich beansprucht.
Tja, die kapitalistische Balkanisierung der sozialen Verhältnisse führt eben zu Armut, Mord, Totschlag und Monopolen, die die Art und Weise der Rechnung bestimmen. Da kann der bürgerliche Bwler mit dem bürgerlichen Volkswirtschaftler noch so rumtanzen, und sich daran erfreuen, wie schön logisch doch alles auf dem Weg in die weitere Barbarei ist. Wer die kapitalistische Produktionsweise nicht ändern will, dreht sich um Kreis und mutiert am Ende zum schönsten völkischen Sozialdarwinisten.
Wenn ich diese großkotzige Getue von einigen hier lesen muss, die vollgefressen die letzten 20 Jahre Europa mitgeplündert haben, und nun dämlich “keinen Cent” die bürgerlich deutschen Strategen zitieren, wie Sie der völkisch deutsche Spiegel vorgibt, dann sehe ich genau, wohin die Reise geht.
Bomber Harris do it again!
Die einzig richtig Lösung ist
I.) Die komplette Vergesellschaftung europaweit (und nicht die bürgerliche Verstaatlichung) alle Finanzkonzerne -mögen Sie X, Y, oder sich Ratingagenturen schimpfen
II.) Die komplette Vergesellschaftung aller lebenswichtigen Konzerne von Wasser bis Storm europaweit
III.) Eine komplette Planung nach den Bedürfnissen der Menschen und nicht nach den Kritieren kapitalistischer Verwertung
All das wird natürlich nicht passieren. Vielleicht sind die Griechen ja klüger, und jagen die ganze Kapitalistenbande zum Teufel.
@ SF
Habe mich auch schon wieder beruhigt… nützt ja nix :-)
Deine Antwort klingt erklärend und läßt doch so Vieles offen.
OK, die heilige Kuh ‘geeintes Europa’ erfährt Verzögerung.
Die bisher erreichten Teilziele wie gemeinsame Währung, Reisefreiheit und der Berg an EU-Richtlinien sind ja sehr durchwachsen, was die tatsächliche Erhöhung der Lebensqualität angeht. Reisefreiheit und das noch ohne Kohle wechseln ist ja toll, keine Frage, aber wenn sowas wie die Agenda2010 ein Teil des Preises dafür ist, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Und weder den Griechen noch einem anderen Volk auf Mutter Erde wünsche ich eine derartige Reform.
Den ganzen Richtliniendreck empfinde ich ziemlich umfassend als Rückschritt für allerhand Errungenes. Verbraucherschutz als Stichwort sollte genügen.
Und ernsthafte Profiteure der Europäisierung kann ich nirgends ausmachen unter den 90% der von @schwitzig erwähnten. Obwohl ich in einer europäischen Sonderzone lebe, hat sich der grenzüberschreitende Handel nicht merklich intensiviert. Einem Dänen vertickst du nach wie vor nur etwas, wenn du mit ihm Dänisch redest. Und attraktivere Arbeitsangebote von dänischer Seite kommen und gehen wie eh und je.
Zudem sind diese Teilziele jeweils an andere Vertragswerke gebunden, sodaß man gezielt selektieren kann beim Abspecken.
Daß wir so exportorientiert sind, ist ja ein Teil der einheimischen Misere. Davon abzurücken ist ja ohnehin ratsam. Da ist es egal, ob wir nen DM-gestützten Binnenmarkt oder einen mit Euros fördern.
Und egal welche Partei die entpsprechenden Schritte einleitet, wird jede Befruchtung des Binnenmarktes zu explosiver Anregung des zombinösen Binnemarktes führen. Wenn sich 80Mio Leute Unterwäsche, Haferflocken und Gummistiefel rüberschieben, dann gibt es immer positive Binnenmarkteffekte. Dazu noch Bildung, Kranken- und Altenpflege sowie die armen PÜolizisten auf Vordermann bringen und schon kann man sich überlegen, wie man Gesamteuropa2.0 angeht… aber diesmal bitte sinnvoll bereits in der Grundkosntruktion.
Tja, Binnenmarkt funktioniert fast von selbst, wenn die Leute Knete in der Tasche hätten. Da muß man weder Ökonom oder irgendwie in Sorge sein.
Daß wir auf Außenhandel nicht verzichten können, liegt ebenfalls auf der Hand, aber das ist ja nicht grundsätzlich problematisch oder problematischer als jetzt, müßte unsere ‘harte DMark’ doch gern genommen werden,…und wollen respektive müssen die Herkunftsländer ihren Kram ja auch loswerden.
Mich wundert und ärgert, daß jetzt eine Diskussion stattfindet, die nicht alle bestehenden Optionen abklappert, obwohl es ja wesentlich mehr Möglichkeiten gibt, als durch die Medien geheizt wird.
Es scheinen ja fast Denkverbote zu bestehen, was den Freidenker in mir brüskiert. Doch dieses nebulöse ‘verheerend’ ist genau dieselbe Schiene wie ‘die Rettung des Abendlandes’ in anderen Themenkreisen.
Der Status quo ist doch schon die Schallgrenze, aber es wird noch schlimmer kommen (hier ein Kommentar mit entprechendem Beleg). doch wenn ich mir eine gewaltige Teuerungswelle vorstelle, die unseren sowieso schon toten Binnenmarkt noch weiter schreddert, dann sehe ich nicht den Unterschied zu ‘verheerend’.
Gestern in den nächtlichen VOX-Nachrichten war ein geradezu offizieller Kampfaufruf für den ersten Mai. Rinks vs Lechts soll es abgehen, und das gewürzt von staatlichem Eingriff durch die Ordnungshüter. Sone Art Mega-event wurde angekündigt. Dazu noch ein paar Beteuerungen eines Sabbelkopfe, der ‘die linke Gewalt nimmt zu’-Mühle drehte, und fertig ist 1a hooliganismus ohne Fußball, denn politischer als prügelnde Fußballfans sind wohl weder die ‘Nazis’, die ‘Links-Autonomen’ oder die ‘Schwarzen Ritter der Ordnungsmacht’. Das hat ja schon fast was Innovatives.
Danach gab es als Bonbon den Bericht von irgendnem ‘Wirtschaftsinstitut’, demzufolge man heute wesentlich kürzer für eine Tankfüllung, eine Flasche Bier oder einen Fernseher arbeiten müsse als in den 60ern… natürlich am ‘durchschnittseinkommen’ bemessen. doch als Niedriglöhner dürfte man sich von dem Bonschie verarscht fühlen…Geschmacksrichtung Ohrschmalz oder Darminhalt eines Gänsegeiers.
Was soll nun noch verheerender werden? Daß dir einer das Netbook klaut, wenn du deinen Kaffeelatte im Straßencafé schlürfst?
Lieber Omon,
willst du jetzt bestreiten, dass in der deutschen Exportindustrie hohe Löhne gezahlt werden? Und mit dem “Flächentarifvertrag” hat das auch nicht unbedingt etwas zu tun. Ich fiehl nie unter sowas und find trotzdem, dass ich mehr als ausreichend verdiene.
In meinem Job (Progger und Admin) verdienen Spanier mit meinen Kompetenzen ungefähr 60% meines Gehalts. Und mir wird ein Dumping-Lohn gezahlt. Ich find deinen Katechismus rational nicht nachvollziehbar.
peace
Lemmy
@ schwitzig Nr. 10
Danke!!!! Einer der besten Kommentare, die ich gelesen habe (und das waren viele).
Es ist einfach nur ein “Tanz um das goldene Kalb”, welcher mit realer Wirtschaft absolut nichts zu tun hat. Laß die Griechen doch ihre Zahlungen einstellen. Wir werden dann sehen, was passiert und erstaunt feststellen, das Leewe geht weiter.
Gruß
H. Müller
Zum Thema öffentliche Schulden und persönlicher Reichtum, eine bekannte Geschichte.
Eine Offenbarung eines griechischen Investmentbankers:
“Either that, or this trading floor alone has more rich people than Greece. Hell, our new recruits for this season alone could probably do it. If you have any doubts about Greek wealth, check out on Bloomberg the balance sheet of the National Bank of Greece, Eurobank, Alphabank and Piraeus bank, the top four. The four of them alone command EUR 164 billion in deposits! Slightly misleading, since they all have operations in the Balkans, but that?s almost one GDP, lying in deposits!!! More to the point, how many Greeks do you know who keep their money in Greece? That?s merely our spending money, it?s a small fraction of our savings and assets. Don?t even mention that a square meter costs less in Belgravia than in Psychico, Philothei or Kifissia.”
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/02/15/149206/greeces-personal-wealth-comedy/
und … die Schweiz fällt plötzlich auf der Liste der Gläubigerländer von ganz oben nach ganz unten
“None of the parties involved in compiling the statistics agreed to go on the record, but several officials confirmed that the change in the Swiss exposure was due to a reclassification of Greek bank EFG Eurobank. The BIS statistics show claims based on the nationality of the lender?s ?ultimate owner?. EFG, Greece?s No. 3 bank by assets, is controlled by Greek billionaire Spiros Latsis via a holding company, which until last year was based in Geneva and has since moved to Luxembourg.”
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/04/29/215636/greek-tycoons-and-eu-commissioners/
Das ist der selbe Spiros Latsis, auf dessen Yacht unser Haupt EU Kommissar Barroso Dienst zu tun pflegte
Es liegt mir fern, Frau Merkel oder die Herren Westerwelle und Gabriel zu verteidigen. Aber wer sein eigenes Haus anzündet, soll sich bitte nicht beschweren, wenn die Feuerwehr zu spät kommt oder den Weg nicht findet.
Und der Zusammenhang mit dem deutschen Binnenmarkt ist mehr als fraglich. Lasst die Griechen Pleite gehen und dann sehen wir mal weiter. Eines hätten wir dann schon mal erreicht. Eine Warnung an betrügerische Politker und zu gierige Anleger.
@Degnaphata
Oh, die heilige Kuh ist doch schon geschlachtet. Von einem geeinigten Europa spricht doch niemand mehr. Sogar in der deutschen Politik, die sich immer als sehr europafreundlich verkauft hat, ist das Thema doch spätestens seit der Griechenland-Krise endgültig gestorben, zumal nun die Kritiker am deutschen Wesen in ganz Europa Gehör finden. Das ist nicht mehr das devote Europa, von dem Kohl geträumt hat.
Natürlich nicht, zumal Reisefreiheit auch das falsche Wort ist. Als Westdeutscher genoss ich immer Reisefreiheit ;-)
Hier gehst Du m.E. zu weit, da Du die vermurkste Politik mit dem System Europa gleichsetzt. Es steht nirgends geschrieben, dass Europa (per ordre Merkel) neoliberal sein muss. Europa ist ein gute Idee, ein leerer Krug, der gefüllt werden muss. Man kann ihn mit rotem Wein oder mit gelber Fettbrühe füllen. Dafür kann der Krug aber nichts ;-)
Richtig, manchmal kann Ökonomie sehr einfach sein ;-)
Na freilich, nur “unsere” Produkte will dann niemand in harter Mark bezahlen. Ohne Strukturwandel heißt das Rezession, Arbeitslosigkeit, steigende Staatsschulden.
@Ernst Wilhelm
Nur, dass in diesem Fall die Feuerwehr nicht nur jahrelang alle Brandschutzmaßnahmen vernachlässigt hat, sondern dass sie auch den Hydranten abgestellt und Brandbeschleuniger verteilt hat.
Du scheinst die Nachrichten nicht zu verfolgen. Das ist Wahlkampfgeplenkel und keine Politik. Schau Dir die Schäuble-Zitate an, es steht fest, dass Deutschland voll(!!!) zahlen wird, das hat mit Warnungen so gar nichts zu tun. Die tolle Wahlkampftaktik hat nur die Schadenssumme aufgebläht, nichts anderes.
@H.Müller
Na sicher geht das Leewe weiter, was auch sonst. Wenn “wir” das Feuer aber ohne Not(!) auf Portugal und Spanien übergreifen lassen, wird das Leewe dann nicht mehr so nett sein, da wir dann eine echte Krise – mit Rezession, noch höherer Arbeitslosigkeit, noch höheren Staatsschulden und noch mehr Problemen – haben. Auch dann geht das Leewe natürlich weiter, die Frage ist, wollen wir das?
Zu Griechenland:
@Salvo
Holla, das ist sehr interessant. Der Herr Latsis scheint seine Hände in einge Töpfen zu haben.
@ schwitzig # 10
Besten Dank.
@name # 90
Wäre nur ‘schön’, wenn denn auch verstanden würde, was Vergesellschaftung bedeutet.
Heißt ja nicht nur, es gehört allen – nein, d.h. auch und gerade – sie müssen sich selbst dafür verantwortlich fühlen.
Nix mit mal eben an einen anderen ‘delegieren’.
Hübsch selbst ‘kümmern’.
Falls hier noch irgendwer außer uns beiden ‘einsieht’, daß es nur so ‘geht’ – wird derjenige kaum die Konsequenz ‘erfassen’ und mittun.
Sorry, aber die ‘kleinbürgerliche Denke’ will bezahlen können, daß das andere genauso tun, wie sie das gern hätte.
Gut, geschenkt nähme sie es auch, aber selbst dafür ständig die Finger, Hände, Birne bewegen – nee, so weit sind diese (sorry) Kleingeister noch lange nicht.
Von gemeinsamem Tun dürfte ich davon ausgehend noch nicht einmal träumen…
Keine Panik, ich verfolge hier aus dem ruhigen Kasachstan. Zunächst geht es ohnehin nur um Hilfe bis zum Jahresende, optimistisch prognostiziert. Und um eine kurzfristige Beruhigung der Märkte. Mittelfristig wird aber eine Umschuldung, auch politisch, wohl unumgänglich sein. Und dann werden sich alle Gläubiger Griechenlands an der Restrukturierung der Schulden beteiligen müssen. Auf die endgültige Schadenssumme wird dann der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen kaum einen Einfluss gehabt haben. Das Grundproblem ist und bleibt schlechtes und kriminelles Wirtschaften in Griechenland.
Netter Artikel, eine Frage bleibt jedoch: Was geschieht wenn, nach und nach, alle europäischen Staaten unfähig werden, Ihre Schulden bei den Geschäftsbanken begleichen zu können und schlussendlich nur noch ein europäischer Staat – unglücklicherweise vielleicht Deutschland – kreditwürdig sein sollte? Schultern dann die deutschen Steuerzahler die Verbindlichkeiten aller Euro-Länder oder wäre es nicht besser, bedeutend früher, z. B. am 19. Mai, auf einen (drastischen) Schuldenerlass hinzuarbeiten?
@Ernst-Wilhelm
Da bin ich mit Dir übrigens vollkommen einer Meinung. Ich muss anscheinend nur präzisieren, was ich mit “Mehrkosten” meine. Zum einen geht es um Griechenland – hätte das Land den IWF und die EU nicht anrufen müssen, wären die Kosten naturgemäß geringer, auch wenn es später zu einer Umschuldung käme. Hätte man schnell eine Garantie für neu emittierte Anleihen (nicht für die alten!) ausgesprochen, hätte sich Griechenland wahrscheinlich selbst über die Märkte refinanzieren können und die Garantie würde nie in Anspruch genommen, da der Haircut ja nur Altschulden betrifft. Zum anderen geht es um den Rest der PIIGS-Staaten – ob das Gezündel der letzten Wochen und Tage hier zu katastrophalen Folgen führen wird, werden wir noch sehen. Zum Glück hat Merkel sich ja beraten lassen und ist heute um 180 Grad geschwenkt.
@dummschwätzer
Gute Frage ;-)
Das wäre natürlich das Ende des Euros – schwer zu sagen, welche Entscheidungen dann in Berlin getroffen werden.
Nein, wieso sollte Deutschland für andere Schulden aufkommen müssen? Natürlich muss es das nicht.
Was bekommt das deutsche Publikum eigentlich zu den dramatischen Vorgängen von Regierung und Medien mitgeteilt? Nichts als Unsinn und nationalistische Angeberei!
?Die Griechen sind selbst schuld!? , heißt es, sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt; zu viel importiert und konsumiert, zu wenig gearbeitet und exportiert.
Zu Außenhandelsbilanzen aber gehören zwei Seiten! Der Ex-Exportweltmeister erzielt Überschüsse im europäischen Handel haargenau in dem Maß, wie andere Länder ? von überlegener Kapitalmacht und Kampf-Preisen niederkonkurriert ? Defizite ansammeln. Die griechische Pleite ist das Spiegelbild des deutschen Erfolgs. Der EU-Binnenmarkt ist kein Kooperationsprojekt zur gegenseitigen Unterstützung benachbarter Völker, sondern ein Kampfplatz der Nationen, auf dem jede die Partner für ihr Kapitalwachstum auszunutzen strebt. Den Siegern stehen notwendig Verlierer gegenüber.
?Die Griechen können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen!?, lautet ein Vorwurf.
Als ob das irgendein anderer Staat innerhalb oder außerhalb der EU könnte. Alle tilgen sie Schulden, indem sie neue machen. Und stets machen sie mehr neue Schulden als sie alte tilgen. Die Not der Hellenen besteht darin, dass sie für neue Staatsschulden keine Käufer mehr finden. Finanzkapitalisten halten den Staat nicht mehr für eine sichere Zinsmaschine ? und entmachten ihn dafür.
?Die Griechen müssen ihre Probleme selbst lösen; ihre Schulden sind nicht unsere!?
Unsinn. Längst beschädigt der Bankrott den Euro. Griechische und deutsche Schulden lassen sich eben nicht mehr ganz trennen, wenn sie in derselben Währung anfallen. Die europäischen Partner fragen sich in Wahrheit nur noch, ob sie den Euro mehr schädigen, wenn sie einen Staatsbankrott in der Gemeinschafts-Währung zulassen oder wenn sie ihn durch Notkredite abwenden. So oder so demonstriert die griechische Unfähigkeit, Schulden zu akzeptablen Zinsen am
Markt unterzubringen, ein Misstrauen der globalen Finanzkapitalisten gegen Europa und sein Geld.
?Wenn ?wir? Griechenland doch helfen, dann nur unter strengen Sparauflagen und voller Kontrolle des
Staatshaushalts!?
Die Kanzlerin führt sich auf wie die Herrin im Haus Europa: ?Wir? sind als Geldgeber gefragt, ?wir? haben die Mittel, also schaffen wir an! Sie nutzt die Krise, von der sie noch gar nicht weiß, wie viel die von der deutschen Kreditmacht übrig lässt, als Gelegenheit, die Unterordnung der Partner unter deutsche Finanzaufsicht voranzutreiben und ihnen ihre Souveränität abzukaufen. So gemütlich geht es zu in unserem Europa ? und so gerecht: Deutschland darf seine gerade anspringende Konjunktur keinesfalls kaputt-sparen: ?Wir? müssen ordentlich neue Schulden machen, damit ?wir? aus der Krise gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Für die Griechen ist das Gegenteil richtig: Die müssen hart sparen, noch viel ärmer werden, als sie ohnehin schon sind, um ihre Staatsausgaben ihrer impotenten Wirtschaft anzupassen. Das braucht unser harter Euro.
Alles richtig, was hier über Merkel und Co. geschrieben wurde. Nur: Wer hat die Bande gewählt ?
Nachtrag
Ziel des Hilfspakets für Griechenland ist, den Käufern der Staatsanleihen zu versichern, dass sie ihr ganzes Geld zurückbekommen. Das ist nichts als eine staatliche Bürgschaft, eine Garantieerklärung der Staatengemeinschaft, allen voran Deutschlands, zugunsten der Griechen. Und die Lage ist so, dass ohne diese Erklärung die Griechen kreditunwürdig, also zajlungsunfähig sind.
Kann man das verantworten ohne eine Menge Kontrolle auszuüben, zumal das ganze ja wahrscheinlich als Musterlösung für ähnlich gelagerte Fälle heran gezogen werden wird? Und eben weil diese Kontrolle notwendig ist, sollte das eine neutrale Instanz tun.
Diese Diskussion, Merkel in eine “Schuld-”Ecke zu treiben, ist vollkommen absurd. Weder sind die Deutschen die Verursacher der Misere noch der Bote. Im Gegenteil: Wir versuchen eine Lösung zu finden. Wir HELFEN!
Warum Merkel jetzt aus Frankfurt den schwarzen Peter zugeschoben und sehr viel in dieser Richtung argumentiert wird, ist ersichtlich.
Denn diese Art “Lösung” ist zuallererst ein FreeLunch + Homerun für die Banken, praktisch eine Aufforderung, einen bereits pleite gegangenen Staat weiterhin mit Krediten zu versorgen. Die Banken werden dies natürlich tun und sich einmal mehr eine goldene Nase verdienen.
Erst wetten die GoldmanSuckser und die anderen Banken gegen die Griechen. Die Kreditversicherungen gehen ja nicht von allein durch die Decke.
Dann schiebt man der Merkel die “Schuld” zu und bringt sie in Handlungszwang. Doch die Dame hat an der Stelle nichts zu suchen, sollen das die Griechen doch mit dem IWF ausmachen! Es ist nichts als schlechte Kommunikation von Seiten der Bundesregierung!
Und dann bekommen obendrein die Banken ihre Gewinne auch noch staatlich garantiert und der Verlustfall wird gesetzlich sozialisiert. Das wären dann vollkommen risikolose Zinsgewinne!
Und an dem Problem, dass die Griechen wegen Höhe und Art der Verschuldung an ihremn System, etwas ändern müssen, ändert sich nur vielleicht etwas.
Die Griechen sind pleite, weil sie ihre Substanz “verfressen” – die Verschuldung steigt wegen staatlichen Konsums. Das ist das Problem und daran rührt das “Rettungspaket” nicht im geringsten.
Goldene Zeiten für Ackerman & Co.
Unter diesen Umständen gibt es nur eins: lasst Griechenland pleite gehen. Das kann der Neuanfang für Griechenland und ähnlich gelagerte Fälle sein.
@Dr. Valentin # 107
‘Ihr’ findet ‘alle’ verdienen, sparen und vorsorgen toll – das ist die Konsequenz daraus – immer!
Und in der Konsequenz dann auch, daß es egal ist, wer gewählt wurde.
Nur daß gewählt wurde – daß bürgerliche, parlamentarische Demokratie als demokratisches Prinzip (Volksherrschaft) anerkannt wird, allein das reichte schon aus – daß sich immer eine Elite abhebt.
Hier läuft noch zusätzlich ‘das Spiel’ mit Kapital.
@105
Das Ende des Euro, mmh… Was muss gleich nochmal passieren, damit die Euro-Ländern die Hoheit über ihre Währungen wieder erlangen und eine Insolvenz abwenden können? Vielleicht lohnt es sich doch, darüber nachzudenken, was geschieht, wenn Griechenland nicht zahlt.
Klar doch. Aber im Moment sieht es ganz danach aus
@106
Danke! Genau so ist es & klar auf den Punkt gebracht. Merkel spielt die bürgerlichen Konkurrenzkapitalisten ganz geschickt gegen die Wand (das ist vorallem ein “Krieg” gegen Frankreich, England und Italien und deren bürgerliche Kapitalistenklasse), und wenn da kein Konkurrenzpotential mehr vorhanden ist, wird bereinigt und übernommen. Bezahlt wird der ganze Dreck von den armen Schweinen europaweit, und hier redet man den Menschen als politische Waffe gleichzeitig noch ein, die anderen armen Schweine wären schuld. Im Zweifel schlagen die sich dann gegenseitig auch noch den Kopf ein.
Die Ursache, dass solche Taschenspielertricks von deutsch bürgerlicher Seite überhaupt möglich sind, ist absolut fehlendes Klassenbewußtsein auf der Seite der armen Schweine.
@Wat
Tja, nur leider hilft uns die richtige Erkenntnis wenig ..
hmmm…. weißgarnix hat schon darauf hingewiesen, schon mal die Grafik gesehen?
“Banking crises tend to be associated with / followed by debt crises. We just had a systematic banking crises and the share of countries with debt crises is at a 100 year low”
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/04/29/215296/sovereigns-you-had-it-coming/
@name
Stimmt, eigentlich bin ich immer froh über (neue) Erkenntnisse, aber ich habe eben auch erfahren dürfen und darf das immer weiter, daß es deprimierend sein kann…
Manchmal frag ich mich, ob ich es nicht ‘leichter’ hätte, mir weniger ‘Sorgen’ machen würde, wenn ich nicht all das mittlererweile zu wissen meine.
Bei Feynsinn schrieb letztens jemand, daß er langsam ein Gefühl dafür zu haben scheint, wie sich Tucholsky vorgekommen sein muß – am liebsten hätte ich ‘trollmäßig’ drunter gepinselt – Ich auch.
Aber es nützt nichts, davon, daß man mit dem Kopf ständig gegen eine Wand rennt, wird die gewiß nicht weicher.
Nachdem ich einige Beiträge gelesen habe, hätte ich fast ein Schleudertraume (vom Kopfschütteln) bekommen.
http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/17.html
Die dort gemachten Aussagen treffen den Kern der Sache (in meinen Augen)
Und Pispers:
http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/detail.phtml?id=493439
Die USA drucken dann einfach neue Dollar! Da sollte Griechenland doch auch …
@ Salvo
Aber hallo…da fehlt es ja schonmal fundamental massiv am Verständnis…
Die deutsche Informationspolitik funktioniert doch prima. Nach wie vor kennen sich 60% der Bevölkerung, oder noch besser gesagt, der Wahlberechtigten, nicht gut mit dem internet aus. Sie klicken hier, sie klicken dort, aber die Topseiten sind immernoch Amazon und Ebay.
Nicht jeder hat die zeit, das Wissen und die Geduld, sich Seiten wie SF zu googeln und dann auch zu lesen. Viele von euch mögen das in der Arbeit in der Mittagspause tun…ich kenne keinen Maurer, der sein WLAN fähiges Notebook mit auf die Baustelle schleppt. Der Bäcker hat dazu um 3 Uhr früh auch kaum Zeit und die Verkäuferin bei Norma wird ja schon gekickt, wenn sie einen 1,30? Pfandbon aufhebt, also wann soll die sich nach ihrer 10 Stundenschicht noch über Politik informieren, ausser eben mal schnell in der Bildzeitung, ARD und ZDF? Und was von diesen Nachrichten zu halten ist muss hier ja keinem erklärt werden.
Hier von Dummheit und Ignoranz zu sprechen, ist schon sehr vermessen. Ausnahmslos alle meiner Bekannten interessieren sich für Politik und sie hören interessiert zu, wenn ich einiges, was ich im Internet so lese, erzähle. Es fehlt ihnen lediglich die Zeit und das Wissen, wie man sich richtig informiert. Seien wir ehrlich….wer das wirklich durchhalten möchte, für den ist eine Stunde am Tag kaum ausreichend. Wer jemandem Dummheit und Ignoranz unterstellt, weil jemand diese eine freie Stunde lieber mit seiner Familie verbringt, dem fehlt, wie eingangs gesagt, das nötige Verständnis.
Ich will Salvo aber nicht niedermachen. Wir diskutieren ja hier .
Letztendlich will ich darauf hinaus, warum die Masse eben den Mainstreammedien glauben und eben, wenn es mal wieder soweit ist, ihr Kreuz and der entsprechenden Stelle machen. Es ist nicht Dummheit und Ignoranz (ok, bei Einigen vielleicht), sondern eher mangelnde Kenntnis über Informationsbeschaffung und Zeitmangel.
Die Mainstream Medien wissen das…wie sonst sind die platten Nachrichten im täglichen Morgenmagazin der öffentlich rechtlichen Sender zu erklären? Wie sonst ist es zu erklären, dass die Bildzeitung die auflagenstärkste Zeitung im Lande ist?
Dummheit möchte ich da als Argument nicht gelten lassen. Eher viel zu schlecht informiert.
@ 92 – Lemmy Caution
Du schreibst:
“In meinem Job (Progger und Admin) verdienen Spanier mit meinen Kompetenzen ungefähr 60% meines Gehalts. Und mir wird ein Dumping-Lohn gezahlt. Ich find deinen Katechismus rational nicht nachvollziehbar.”
Bei dem “geringen” Gehalt (angeblich “Dumpinglohn”) frage ich mich, warum Du in einem früheren Spiegelfechter-Blog (das dürften schon ca. 1 1/2 Jahre her sein) in einem Kommentar an Jens Berger einmal geschrieben hattest, er könne Dein Gehaltsniveau (sofern er Deine Leistungen in Anspruch nehmen würde) gar nicht bezahlen. Gaubst Du tatsächlich, Jens Berger sei finanziell so schwachbrüstig, daß er sich nicht einmal einen angeblichen Dumpinglöhner leisten könne?
;-)
Ich bleibe bei den Feststellungen aus meinem Kommentar 87.
Du darfst die Löhne und Gehälter der im Exportsektor tätigen Arbeitnehmer nicht vom absoluten Betrag her mit den entsprechenden Daten der spanischen Arbeitnehmer vergleichen. Ob Lohndumping vorliegt, zeigen erst die Lohnstückkosten, die neben den Löhnen und Gehältern (einschließlich Lohnnebenkosten) auch die Produktivität berücksichtigen.
Zu diesem Kommentar möchte ich noch eine Ergänzung anbringen. Ich schrieb:
“Dies gilt erst recht für die Dienstleistungsbranchen, deren niedrige Löhne als Vorleistung auch in die exportorientierten Branchen einfließen und somit indrekt zum Lohndumping der Exportbranchen beitragen.”
Zu diesen aus der Dienstleistungsbranche zugekauften Vorleistungen zählt u.a. die schlechtbezahlte Leiharbeit.
Noch eine Anmerkung zu Deinem Kommentar 85. Dort heißt es:
“Aus dem Artikel wird aber auch nicht klar, was Herr Flassbeck mit den Maschinen und Ausrüstungen, in die dort so doll investiert wurde meint. Je nach statistischen Aggregat kann da nämlich auch der schnittige Sportwagen, mit dem der Sohn des nicht-Steuerzahlenden leitenden Angestellten drunter fallen.”
Schnittige Sportwagen, sofern sie nicht zum Firmenvermögen zählen, zählen in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht zu dem Aggregat “Investitionen” sondern zum Privaten Verbrauch.
Bei aller Liebe, aber wenn das Finanz- und Wirtschaftssystem so besch… funktioniert dann habe ich lieber den Zusammenbruch und hoffentlich sozialmarktwirtschaftlichen Neuaufbau als weiterhin die oberen 100 (Top-Hedgefonds, Banker usw.) mit unserem Steuergeld zu bewerfen, unweigerlich, weil nun mal “das System so ist” und “die” so wichtig für selbiges sind.
Eine US-Ratingagentur stürzt halb Europa – bin ich der einzige der das total irre findet? (Jaja, die sagen ja nur die Wahrheit).
@ SF #96
Das ist sicherlich korrekt formuliert, aber trifft die Realität eben nicht ganz.
Obwohl sich öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung bezüglich der Europäisierung langsam decken, sprich “Die Kuh ist tot.”, existieren und wirken ja noch die ganzen Regelwerke aus Abkommen und Veträgen nebst der ominösen Quasiverfassung Namens Lissabon-Vertrag. Ich halte es für angebracht und sauber getimed, würde man jetzt allerhand Murks über Bord werfen, um Platz für einen nächsten Versuch zu schaffen. Dieser nächste Veruch könnte dann besser geplant werden und ohne undemokratische Überzeugungsgewaltaktionen vonstatten gehen.
Denn ohne einen gefühlten Konsens über ein tatsächliches Zusammenwachsen wird die EU-Beamtokratie noch faschistoider rüberkommen, als sie es bisher bereits schafft.
Klar, Reisefreiheit ist nicht das richtige Wort. Wäre Grenzenlosigkeit besser?
Freizügigkeit kanns auch nicht sein, war die doch gestern, oder wie weit glaubst du kommt man heutzutage mit 15?/Monat?
Da habe ich mich wohl ungeschickt ausgedrückt.
Eigentlich halte ich ein Zusammenwachsen der Völker (nicht nur für Europa) für ne tolle Sache. seit über drei Dekaden bezeichne ich mich als Kosmopolit, was meine Metaprogrammierung dahingehend beflügeln soll, daß ich eben doch Emapthie für die Bewohner ferner Kontinente aufbringe. Das ist mir nach meiner subjektiven Wahrnehmung auch ziemlich gut gelungen. Ohne in irrationale Multikulti-Spinnerei zu verfallen meinen humanistischen Wertekanon auf jeden Erdenbürger zu erstrecken, erschien und erscheint mir nach wie vor als fortschrittlich und fruchtbar.
Doch deswegen hat mich die Art und Weise, wie die Europäisierung medial durchgeprügelt wurde, kurz nach Beginn der Kampagne ziemlich irritiert und verärgert. Zu offensichtlich waren die Schwächen und vermutlich absichtlich eingebauten Fehler. Der Teuro, die Richtlinien ohne demokratische Legitimierung. Dann der Binnenmarkt mit der Aushebelung sämtlicher Verbraucherschutzgesetze und so fort. Und am schnellsten und freiesten aller Komponenten war das Geld zwischen den Nationen unterwegs. Eine Rundummogelpackung.. OK, das ist jetzt am Scheitern.
Aber im Laufe der letzten Dekade habe ich häufiger mit Bekannten aus verschiedensten Branchen (und Ländern) darüber gesprochen, wer nun eigentlich der Profiteur beim schlichten Volk ist.
Den Außenhandelskaufmann gibt es schon urlange. Der kann es nicht sein.
Es blieben innerhalb meines Beobachtungraumes nur eine Randgruppe hochspezialkisierter EDVler, die aber wahrscheinlich auch ohne EU-Prozess ihre Tätigkeiten grenzüberschreitend ausgeübt. Und natürlich sämtliche europäischen Geldsäcke, die genug Knete zum Hinundherpumpen hatten.
Und die italienischen Cerealien meines discounters haben mich immer nervös gemacht, sind mir die italienischen Verbraucherschutzstandards gänzlich unbekannt. Der andere Discounter bezieht seinen Müslikram aus Lübeck. Aber da ich weiß, daß beispielsweise polnischer Spargel, der in Deutschland gewaschen und verpackt wird, als deutscher Spargel verkauft werden darf, ist das auch keine echte Alternative die cerealienmäßige Beruhigung betreffend.
Mir wäre es sehrt lieb, würde man diese ganze Abnteilung mit den Richtlinien mal wieder zurückfahren. Die elendige Raucherhatz, die Vereinheitlichung von Garten- und Landschaftsbau (nur als ein Beispiel für den Blödsinn), die ganze übereifrige Gleichmacherei sehe ich nirgends als Vorteil sondern bestenfalls als ‘keine besonderen Komplikationen erzeugend’ und das ist mir zu wenig. Dafür müssen Völker nicht zusammenwachsen. Dafür sollten Völker nicht zusammenwachsen.
Sicherlich, aber was soll’s?
Die Staatsschulden sind eh uneinbringlich. Das wird ohne cut nie was… und das ist mir jedenfalls seit langem klar. Sie tatsächlich ‘abzutragen’ wäre ja auch ein mächtiger Tritt gegen das Schienbein der Profiteure… und volkswirtschaftlich dürfte es gar nicht gehen, ohne daß sich das Volk bei sich selbst verschuldet. Also eine gewisse ‘staatsverschuldung’ dürfte als technisch-logistisches Muss immer bleiben.
Rezession haben auch sowieso, oder wie willst du die Kaputtsparerei bei der öffentlichen Hand sonst einstufen? Weniger Lehrer, weniger Verwalter, weniger Polizisten, weniger Pfleger usw bedeuten insgesamt ein rasantes Schwinden von Kaufkraft aus dem gebeutelten Binnenmarkt. Das fängt kein Exportboom auf, wobei der ja eher nur LSD-Konsumenten als Vision zugänglich ist.
und ob Griechenland gesprengt wird oder mit Gold überzogen, ändert auch nichts an der innerdeutschen Situation.
Na und die Arbeitslosigkeit ist jetzt ein Problem, das sich verschärft, und wird es auch bleiben. Selbst wenn man die Finanzierung als Fragestellung in die zweite Reihe stellt, sehe ich keine Branche, die ernsthaft in der Lage wäre, Millionen in renditerechnerisch tragfähige Erwerbstätigkeit zu bringen. die ausgemergelten Bereiche der Pflege, Bildung und Sicherheit geben zwar genug her, um die manpower zu beschäftigen, aber da steht ja die Finanzierungsfrage wieder in der ersten Reihe. Eigentlich will jeder, den ich so treffe, gerne, daß diese Bereiche besser bedient werden, aber keiner sieht die Realisierbarkeit.
Eine nationale Zenztralbank, die eine nationale Währung nach Bedarf liefern kann, müßte zwar eigentlich funktionieren, aber das müßte dann ja nach ganz anderen Renditegesichtspunkten vonstatten gehen, womit die aktuellen Absahner auf jeden Fall vor der Tür wären. Die mit durchzuziehen und dazu in dem Umfang, den die Herrschaften inzwischen erwarten, ist ja schlicht unmöglich. Einen vollkommen unproduktiven Finanzsektor, der nicht unter 25% Rendite einfahren will, kann keine Volkswirtschaft dauerhaft füttern. Will ja auch keiner mit ner Mofa 230km/h fahren, warum sollten wir einen dermaßen schlecht funktionierenden und dazu autotoxischen Casino-Sektor weiterhin dulden?
“die Hilfen sind im ureigensten deutschen Interesse.” wird Köhler grade im RTL-Journal zitiert. Dann kommt die hellenische h4-Version in grober Beschreibung gewürzt mit Gemecker über Widerwillen und Streiks. Verdammt, warum sind die Hellenen bloß schlauer als die Deutschen? Warum streikt hier keiner?
@Spiegelfechter:
Nein? Die neoliberale Ausrichtung der europäischen Wirtschaftsordnung ist nicht in den Verträgen fixiert?
Ich habe im VWL-Studium gelernt, dass die Marktwirtschaft eine optimale Güterversorgung herstellt. Da kann ich heute nur laut lachen drüber. Wieso ist es denn so, dass wir alle den Gürtel enger schnallen sollen, obwohl die Produktionsstätten der Industrie nur zu 70% ausgelastet sind und Millionen arbeitslose Europäer was schaffen könnten? Merkt ihr nicht, wie irrational die Marktwirtschaft ist? Immer größeren Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung steht eine immer größere Armut der kleinen Leute gegenüber. Ganze Völker verarmen, obwohl kein einziges Produktionsmittel zerstört worden ist, sondern lediglich große Mengen Geldkapital.
Der Artikel und die Kommentare sind das Beste,
das ich seit langer Zeit in dieser Ansammlung lesen durfte.
Danke.
@salvo
Ich weiß, dass derlei Charts bei Ökonomen sehr beliebt sind – ich sehe allerdings nicht einmal im Kern, was weißgarnix uns mit diesem Chart sagen will ;-)
@Der Flaschengeist
Sehr richtig, ich hatte gestern das “Vergnügen” mit nicht-internetaffinen Menschen, die keineswegs dumm sind, über die Griechenlandkrise zu sprechen. Es ist beileibe nicht nur der Stammtisch, der in diesem Punkt komplett indoktriniert wurde. Auch die größtenteils komplett unkundigen Kommentare im TP-Forum zu diesem Artikel lassen Böses ahnen, denn hier handelt es sich sogar um internetaffine Leute. Da können Heusinger, Zeise, Strobl oder auch ich schreiben, was sie wollen – das Volk WILL das gar nicht hören.
@ r_surfer
Das ist noch harmlos, was du jetzt dem Markt vorwirfst – fast lächerlich. Wir hatten doch mittlerweile die dritte Industrielle Revolution – man hat sie so gelobt und man war so stolz – und nach ihr leben wir noch ärmer als davor. !!!!!!!!! Das ist die Folge der Lohnsenkung. Und wie wir es wissen, man hat schon vor einem halben Jahrhundert bewiesen, dass sinkende Löhne Produktivität ruinieren.
Das Reswitching: Der Sargnagel für die neoliberale Produktionstheorie
dahin >>>
Bemerkuing: Nicht mir dem andern Phänomen zu verwechseln, nämlich Lohndumping, um die Märkte der anderen Ländern zu ruinieren und zu obern.
Das allerdings sollte kein Grund sein zu “resignieren”. Im Gegenteil, Ansporn. Nur wird leider wieder etwas deutlich. Ein latent vorhandener Charakterzug, der bei uns Deutschen immer wieder zum Ausbruch kommt.
Diese erbärmliche Feigheit nach “OBEN” und diese unerträgliche “Klugscheißerei” , wenn es darum geht andere Staaten, Völker etc. einzuordnen, zu bewerten, sobald sie nicht so ticken, handeln wie uns immer “vorgedacht” wird.
Und da spielt es eben keine Rolle ob REICH, ARM, DUMM, KLUG, GEBILDET, UNGEBILDET, LINKS, RECHTS, MITTE, OBEN oder UNTEN.
Da handeln und denken wir als Volksgemeinschaft. Helmut Schmidt hat nicht so ganz unrecht, wenn er von der Verführbarkeit der Deutschen spricht.
Gerade wird die ULTIMA RATIO zum Totschlagargument erhoben, dabei wäre es schon ausreichend, erstrebenswert, wenn in diesem Land wieder die RATIO Oberhand gewinnen würde.
@SR123
TP-Forum
Ich bin auch erschrocken, vor allem über diese aggressiven Reaktionen.
Und der Schreibstil lässt bei vielen auch keine Mangelbildung erkennen.
Nein, viele denken sehr kurzatmigl. Die Ichbezogenheit ist extrem.
Die Inzucht wird gepflegt.
Wie bei West gegen Ost.
Dafür wird die deutsche Isolation kommen.
Die Griechen können ihre Autos auch wo anders kaufen. Es muß kein VW sein.
Die Ursachen liegen im System. Der Blog beweist es.
Beim Schwächsten wird es am deutlichsten.
Sucht Euch doch ein anderes Volk.
Interessanter Beitrag und viele interessante Kommentare dazu, naja ich sehe das jedenfalls so, das am Ende egal was passiert nur der kleine Mann wieder der dumme sein wird und diese ganze Wahlkampftaktik von Frau Merkel kostest uns noch mehr Geld und ist schädlich für uns alle.
Nicht die Griechischen Rentner oder Arbeiter sind schuld an diese Misere, sondern verfehlte Politik und die Banken, wie übrigens auch hier, stürzt Griechenland dürfte es eine Kettenreaktion geben und es ist doch auch schon längst ein Krieg des Kapitals gegen die Bürger und gegen Staaten selbst geworden!
Das Traurige: selbst wenn der politische Wille über Nacht kommen sollte, können wir morgen keine Revolution machen. Wie soll der Sozialismus aussehen? Soll es Preise geben, und wenn ja wie viele? Soll es nach Außen, im Handel mit nichtsozialistischen Staaten, Eigentum geben? Einen Sektor mit selbstständigen privaten Kleinunternehmern?
Und selbst wenn man ein schönes Modell entworfen hätte: der Weg, den man geht, um dieses Modell politisch umzusetzen, bestimmt, wie das Modell nachher aussieht. Verstaatlicht man erstmal Konzerne, wird die wirtschaft dirigistischer. Wenn es Krieg gibt, der Staat autoritärer…
Kaum jemand macht sich über diese Dinge Gedanken, weil die radikale Linke damit ausgelastet ist, den Kapitalismus zu analysieren und zu beschimpfen. Das ist einerseits eine gewisse Denkfaulheit. In die Klage über den Kapitalismus stimmt es sich leichter ein, als ein neues Instrument zu erlernen. Andererseits – und darin liegt die Perfidität des bürgerlichen Staates, die niemand erfunden hat, aber auch niemand hätte besser erfinden können – es ist auch notwendig. Der Kapitalismus, der leidlich “funktioniert”, ist der Spatz in der Hand. So wie die radikale Linke jahrzehnte lang mit der reformistischen die bürgerlichen Freiheiten gegen das Bürgertum verteidigen musste, muss sie jetzt den Kapitalismus gegen die Kapitalisten verteidigen. Für Revolution bleibt da einfach keine Zeit.
Die Kapitalisten haben nicht nur Lieschen Müller mit ins Boot geholt, sie haben sogar ihre Feinde dazu begracht, sich um die Lecks zu kümmern. Was für eine Scheiße.
Tja, so ist die Welt. Wir Menschen sind wie ein Schwarm Heuschrecken, lassen nur totes Land zurück. Und nun? Das Schiff sinken lassen kann nicht die Antwort sein..
@ Flaschengeist und Spiegelfechter
Meine Erfahrung ist sogar, dass es weder etwas mit mangelnder Internetaffinität, noch mit Dummheit zu tun hat. Möglicherweise fehlt einfach der Abstand zur gegebenen Umwelt und dem damit verbundenen Zeitgeist. Wenn ein Topf Wasser langsam erhitzt wird, bleibt der Frosch darin sitzen, bis er totgekocht wird. Würde man den Frosch in kochendes Wasser werfen, spränge er sofort heraus. Der Frosch ist aber in beiden Fällen der gleiche.
Dazu kommt nochwas: Wenn ich in den Blogs von Bonds und Haircuts und was weiß ich für Fachbegriffen höre, raucht mir oft der Kopf. Mir ist anderseits aber klar, dass die Komplexität der Themen entsprechendes Vokabular anzieht, wenn der Informationsgehalt tiefgründiger werden soll. Mit der Zeit wächst auch das VWL-Wissen und die Thematiken machen mehr und mehr Spass. Es verwundert mich aber nicht, dass viele auf dem Weg dahin den Nutzen garnicht erkennen können. Also zurück in die heile Medienwelt, die mir meine kleinen und gut verdaulichen Portiönchen Aufklärung servieren. Schmeckt einfach besser. Man kann nur hoffen, dass z.B. sowas mehr Leute auf die “Suche” schickt.
@egal # 129
Ich schon, ich habe in dem gelebt, was sich als Sozialismus bezeichnet hat.
Allein eine Bezeichnung reicht aber nicht, wie die Realität erwies…
Ich meine, es geht auch nicht so unbedingt darum, nun die perfekte, feststehende Theorie auszubrüten, wie ein solcher denn nun aussehen muß, gar noch bis ins kleinste Detail.
Wir sollten uns angucken, was das war – wie das war – warum es war, wie es war – warum es ‘schiefgehen mußte. (?)
Es reicht eben nicht, wenn Ergebnisse aus Produktionsmittel-Eigentum nicht privat angeeignet werden können.
Das ist wohl nur das Mindeste, um etwas als nach-kapitalistisch bezeichnen zu können – aber Sozialismus, gar Kommunismus. Nee, niente, njet!
Es muß schon etwas mit Klassenbewußtsein zu tun haben – wenigstens das der Lohnarbeiter – sind eh fast die meisten, auch wenn sie sich anderes/besseres dünken – nicht unbedingt des nur-produktiven-Lohnarbeiters. Im Wandel der Zeit (Produktivität, Veränderung der ‘Arbeit’) scheinen sich mir da die nochmaligen Dividierungen innerhalb einer Klasse nicht recht angebracht.
Fakt ist: Lohnarbeiter haben nur sich und ihre Arbeitskraft.
Und einer mit Klassenbewußtsein weiß, daß ohne ihn nichts geht – ohne ihn zusammen mit den anderen Lohnarbeitern.
Das ist es.
Kapital produziert nichts, Geld arbeitet nicht.
Alle wirklichen Werte werden von ihm/ihnen/uns geschaffen.
Das können sie jetzt gut alleine und in Zukunft auch – ob da noch ein Pausenclown abkassieren kommt, kluge Sprüche und Bedingungen diktiert, wurscht – der ist flüssiger als überflüssig – der kostet nur Geld – der, nicht wir.
Nur in die Köpfe sollte das kommen (können).
Genauso, wie das was ich weiter oben schon schrieb und eine meiner ‘Lehren’ aus der DDR sind – nixda mit parlamentarischer Demokratie, nix mit Parteiensystem, Gewerkschaftsobleuten und weiß der Fuchs, was es noch alles so gibt, an wen man seinen angeblichen Willen, seine Erwartungen, seine Hoffnungen abgeben/delegieren kann.
Selbst und zusammen ist der Mann und die Frau.
Sonst kann man sich wohl wirklich alles sparen und landet wieder in der Rückrunde.
Wie man Menschen zu diesen Erkenntnissen bringt – ich dachte mal durch lernen, auch von theoretischenZusammenhängen (verstehen), aber der größte und beste und nachhaltigste Lehrer ist wohl wie immer das Leben selbst – dh. (sorry) persönlich richtig auf die Schnau… kriegen und fallen.
Der Kopf allein scheint es bei den wenigsten ‘zu machen’ – und das scheint mir wiederum keine Frage der Intelligenz, eher der persönlichen Erfahrung/Prägung.
An dem Punkt bin ich – meine Meinung allein zählt nicht – das darf sie auch nicht!
Wir müssen uns zusammen ‘raufen’, denke ich, jeder vertritt seine Interessen mit den anderen zusammen.
Wann? Keine Ahnung.
Aber daß es ungefähr ‘so laufen’ muß, davon bin ich nach jetzigem Stand der Dinge, überzeugt.
@ Carsten Penkella 127
… ich dachte mir, jemand antwortet … will aber nicht … na ja ?politische Korrektheit? … dann muss ich es tun … egal, also:
Mach die keine falschen Hoffnungen. Eine Revolution hat nie etwas mit der Ratio zu tun. Sie ist immer soz. ein Überschwang der Gefühle – der Hoffnungslosigkeit. Kapiert?! Deshalb ist es unwichtig was die Masse denkt oder eben nicht denkt … ob sie falsch oder richtig denkt. Kapiert? Und komme nicht auf den Gedanken, wie damals, im Jahre 1941, der Generalstabschefs Halder:
(Ich habe neulich mit einem offensichtlich rechtsextremen Blogger bei WGNX diskutiert, der nicht sicher sein wollte, ob damals wir die Angreifer waren. Gerade weil die Russen, heute kann man es sagen: so unvorstellbar dumm waren, dass sie sich nicht vorstellen konnten, Adolf würde wagen ?sie? anzugreifen, war es so wie es war.)
Und bist du wirklich so naiv (richtig wäre: ordentlich beschränkt), dass du glaubst, die bisherige EU-Konstruktion ist überlebensfähig?
Ich könnte dir auch verraten, wie es in der nächsten Zeit laufen wird, würdest du daran bestehen
Wichtig ist was anderes. Die rEvolution kommt wie Amen in der Drofkirche. Ob wir aber eine Idee haben, was dann zu tun wäre?
Eine Idee ist nicht alles, aber ohne eine Idee ist alles NIX! Daran muss man arbeiten ;-)
@#124 Systemfrager
Ich bin mal dem Link gefolgt. Allerdings werde ich nie die Zeit haben, das ganz zu lesen.
Aber ich will das Folgende einfach mal als richtig unterstellen.
Aber was nutzt diese Erkenntnis in der Praxis? Bundesregierung und Parteien wollen ja keine Arbeitslosigkeit bekämpfen, sie haben es ja auch noch nie geschafft. Sie sabbeln nur anmaßend darüber, weil es halt immer zu einem Wahlkampfthema gemacht wird.
Was wenn die Bundesregierung sich die obige Erkenntnis zunutze machen würde und also den Tarifparteien nicht empfehlen würde beim Lohnabschluß maßvoll zu sein (Ich weiß jetzt gar nicht ob das die Regierung tut oder nicht eher die Wirtschafts”experten”.):
Die Regierung hat doch höchstens die Möglichkeit über Mindestlöhne und Erhöhung der AL-Unterstützung einzugreifen. Insbesondere die Erhöhung der AL-Unterstützung ist natürlich auch Kostenfaktor und dürfte nicht zu einer Konsumeinschränkung auf Seiten der Zahlenden führen, so das es gesamtwirtschaftlich ein Nullsummenspiel wird.
Ich denke das Prinzip die Löhne niedrig zu halten, wird immer das natürliche Prinzip bleiben. Die Löhne werden sich in etwa daran ausrichten, was der Konsument bereit ist für das Produkt zu bezahlen und werden sich an den Löhnen orientieren, die sich für ähnliche Tätigkeiten über Jahrzehnte herausgebildet haben. Das hat sich doch irgendwie eingespielt. Das kann man doch nicht willkürlich verändern. Das einzelne Unternehmen wird doch immer versuchen die Löhne niedrig zu halten, um möglichst konkurrenzfähig zu bleiben. Außerdem muß es die Löhne doch an seinen Absatzmöglichkeiten und Einnahmen ausrichten. Freilich muß es die Löhne auch hoch genug halten, um qualifizierte Leute zu bekommen, bzw. sie bei Laune zu halten und wird diese auch relativ gut bezahlen Der Staat hat doch eigentlich keine Möglichkeit, sinnvoll in die Gestaltung der Löhne einzugreifen.
Das regelt doch irgendwie der Markt.
Nach welchem Prinzip sollen denn Löhne von einer den Unternehmen und den Tarifparteien übergeordneten Instanz sinnvoll festgesetzt werden? Und insbesondere, wie sollen die Löhne in der Bundesrepublik mit Hinblick auf Griechenland festgesetzt werden. Soll man das etwa einer neu zu schaffenden Bürokratie in Brüssel anvertrauen?
M. E. nimmt der allgemeine Wohlstand höchstens dann einen Aufschwung wenn genügend neue Ideen da sind, für die qualitizierte Arbeitnehmer benötigt werden die dafür entsprechend ausgebildet sind. Die dadurch entstehende Ausweitung der Produktion zieht dann höhere Löhne nach sich. Ich kann mir nicht vorstellen, das es umgekehrt ist und eine Erhöhung der Löhne die Ideen für neue Produkte nach sich zieht.
Aber das sind nur so meine eigenen hilflosen Gedanken.
Also ich halte es mit Franklin Delano Roosevelt: “In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, das es auf diese Weise geplant wurde.” Und gerade in der Ministerialbürokratie sollten schon ein paar schlaue Leute sitzen.
Überlegen wir also mal anders herum, welchen Sinn die vorsätzliche Verschärfung der Krise noch ergeben könnte. Es wird zwar immer kolportiert, den Griechen ginge die Luft aus, aber eigentlich geht ja den Inhabern der Anleihen die Luft aus. Nach einem Bankrott geht es weiter für das Land. Boden, Straßen, Werkhallen: alles noch da. Die GR haben wieder Jahrzehnte Zeit, einen neuen Schuldenberg aufzubauen, weil finanziell wieder beweglich. Ist ja auch der eigentliche Sinn eines Bankrotts. Auf der Strecke bleiben allerdings: die Zeichner der alten (z.t. oder völlig entwerteten) Anleihen. Und das ist nicht Lieschen Müller, sondern das sind in allererster Linie französische und deutsche Finanzinstitute. Die Krisenverschärfung trifft vor allem sie. Und gerade die drängen ja merkwürdigerweise auf einen Bail-out. Warum wohl?
Ich finde, man kann das also auch so sehen: Angie hat die Banken an der Nudel und stellt hinter den Kulissen Forderungen an diese oder andere Regierungen, um Boden der Geldindiebankenpumporgie 2008/09 wieder gut zumachen. So gesehen wäre der Einmarsch der Staatsanwaltschaft bei der Deutschen Bank dieser Tage auch kein Suchen nach ein paar Umsatzsteuermilliönchen, sondern ein Blick in die sonst unzugänglichen Bücher. Ob wir “Mutti” also in dieser Angelegenheit feiern oder teeren und federn müssen, ist ergo noch gar nicht entschieden.
Kann jemand meine krude Theorie nachvollziehen?^^
@ Axel 134
Stelle dir vor, du hast etwas gehört, was du dir nie vorstellen konntest, dass ein Mensch so etwas “denken” kann. Alle diese Atributen, die du dann nutzen würdest, gehören ME diesem Satz. Ich sage jetzt nur ganz nett: Unbegraiflich!
Sonst folgendes:
Natürlcih dass du es richitg siehst, dass es schwirig ist, Löhne zu heben. (Außerdem will das keiner.) Und diese Maßname für sich allein würde die Writschaft ruinieren. Die Ursache – Wirkung muss auf eine andere Weise hergestellt werden. Das es möglich ist, hat Adolf bewiesen. (Er hatte mehr ökonomische Kompetenz in einem Finger, als damals alle deutschen Ökonomen. Nicht deshalb, weil er auch Nuteznprinzip kannte … wie man es weiß. Qautsch … Und das meine ich ernst.) Heute werden dies Chinesen wiederholen. Stichwort: Friedrich List >>>>
Wir könnten jetzt eine wirklich seriöse ökonomische Diskussion anfagen, aber dasgehört nicht zum Thema ;-)
@ MNB 135
So ist es.
Aber gewiss nicht von Politikern.
Sie sind ja selber ratlos und kratzen sich am Kopf.
Irgendwie können sie einem fast leid tun.
Bokatov
Hallo miteinander!
mal zum Punkt, was wäre, wenn die griechischen Anleihen ausfallen, was geht das Lieschen Müller an?
Nun, es wird geschätzt (=ich weiß es ;-), dass etwa 1,5% der Kapitalanlagen der deutschen Lebensversicherer mit Griechenland zusammenhängen. Fällt davon ein Viertel aus (muss abgeschrieben werden), hätte das einen entsprechenden Effekt auf die Überschussbeteiligung. Also alle mit privater Rente oder einer Riester-Rente oder eine Kapitalbildenden Versicherung müssten im nächsten Jahr entweder weniger Überschuss oder bei manchen Instituten auch auf den ganzen Überschuss verzichten.
(Kämen Portugal und vor allem Spanien dazu, dann ginge die Post aber richtig ab…)
Wenigstens würde es dann die treffen, die Geld für so etwas übrig hatten. Allerdings macht sich das ganz schlecht auf dem “Riester-Flyer”.
Soweit es um die Versicherer geht, kann man also mutig behaupten: Griechenland-Ausfall ist verkraftbar.
Bei den Banken… die können das ja nur an Aktionäre weitergeben… und die haben ihre Leute in die Regierung gewählt ;-)
Gibt es eigentlich inzwischen Berichte, wie die griechsiche Regierung das ganze Thema “Steuerehrlichkeit”, “Korruption”, “Einkommenssteuer” und “Vermögenssteuer” angehen will. Ich höre immer nur “Sparen”, aber es gibt ja nicht nur arme Griechen…
@107 Valentin
Wenn man es genau betrachtet: Gar keiner – oder stand die Koalition auf dem Wahlzettel?
Und wenn man es nicht so genau betrachtet: Eine Minderheit – so etwa 1/3 der Wahlberechtigten.
Und wenn man sich was in die Tasche lügt: “Die Deutschen …”
Im Grunde dürfte es aber egal sein, denn bezüglich des akuten Problems “Europa” wurde sowieso kaum ein Bürger dieses Staatenverbundes um sein Einverständnis gebeten und die die gefragt wurden, die hat man ignoriert oder so lange befragt, bis aus einem “Nein” ein “Ja” wurde … ach … ich kann mich schon gar nicht mehr genau erinnern.
@ 134 Axel
Löhne durch politische Maßnahmen erhöhen ist nicht so schwer. Beweis: durch die agenda wurde die Löhne gesenkt.; die Löhne würde allein schon steigen, wenn bestimmte Maßnahmen zurückgenommen werden (HIV-Sätze anheben, Sanktionen abschaffen, Minijobs abschaffen, equal pay bei Leiharbeit. vorschreiben…)
@ 132 Wat.
Es geht nicht ohne Organisation und Ordnung. Es muss eine demokratische politische Organisation geben, die die Revolution durchführt. Spontanerhebungen werden wirkungslos verpuffen, wenn es niemanden gibt, der den ganzen Unmut in eine Richtung lenkt. Ökonomisch reicht es nicht aus zu sagen: wenn wir erstmal herrschaftsfrei disskutieren können, werden wir uns schon einigen, wie Produktion und Verteilung zu organisieren sind. Das hat in Rußland während des Bürgerkrieges überhaupt nicht geklappt. Die beschränkte einzelwirtschaftliche Perspektive des Kapitalisten wird nicht dadurch überwunden, dass der Kapitalist ein Arbeiterrat ist. Sozialismus heißt: demokratische planvolle Wirtschaftsorganisation, -ordnung, -macht. Wir sind nicht aufm Dorf, wo man mal eben so die Felderbewirtschaftung der nächsten Saatperiode besprechen könnte. Ein “einigen” reicht nicht aus, die Willensbildung und Umsetzung muss organisiert werden, und die Wirtschaft muss in einem Ordnungsrahmen organisiert werden. Alles andere ist Romantik.
Auch wenn Teile der Mittelschicht sich für Leistungsträger halten: die Mehrheit der Deutschen sieht sich als kleinen Mann und ahnt sehr wohl, dass er vom Kapitalismus nicht profitiert. Es gibt aber niemanden, der ihm eine sozialistische Alternative bietet. Selber entwickeln kann die kaum jemand, schon gar nicht, wenn er vollzeit arbeitet oder Familie hat (es ist nicht undemokratisch, wenn die Revolution freiwillig delegiert wird). Und deshalb sind die einzigen, die den ganzen Hass, der in den letzten Jahren entstanden ist, ernten könnten, die Faschisten.
Es müsste irgendeine demokratische Avantgardeorganistion geben, die Konzepte entwickelt und anbietet. Sonst wird das nie was.
[Oder wenigstens eine Nakam, die den ganzen Herrenmenschen in Nadelstreifen und Behörden das Grinsen aus dem Gesicht wischt. Die schafte zwar keine bessere Welt, aber Gerechtigkeit. Gerechtigkeit, auf das Wesentliche entkleidet, ist nunmal Terror (Walter Burkert).]
Krugman zum Thema:
http://www.nytimes.com/2010/04/30/opinion/30krugman.html
Schon mal jemand auf die Idee gekommen, daß diese Strategien vielleicht sogar Absicht deutscher Politik sein könnte?
Planspiel Eurozone fällt, wem nutzt es, wem schadet es?
Der Euro in der Staatenkonkurrenz?
Vielleicht der Wunsch Rückkehr zur Deutschen-Mark?
Zusammenbruch provozieren, den man auf das Versagen anderer schieben kann, um selbst nicht als Vertragsbrüchig erscheinen zu müssen?
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Am Ende ist jede künstliche “Rettung” des Systems heute nur ein Aufschub. Oder?
Das System wankt und schwankt … das Kartenhaus klappt halt eines Tages zusammen, ob heute oder morgen ist dabei doch unerheblich.
Eine richtige Krise, sie kommt ganz sicher. Das konnte man schon vor 50 Jahren wissen, wenn man es denn wissen wollte. Krise ist so sicher wie der Stuhlgang nach dem Essen.
Lehnen Sie sich zurück, genießen Sie die Show, lassen Sie sich nicht die Nerven kaputt machen oder in Angst und Panik versetzen. Das Auf und Ab von Kulturen, Staaten, Fürsten. Das marschieren der Armeen, das Elend, die Freude und Bitterkeit. Ist doch nichts neues, sehts von dieser Position und gewinnt Gelassenheit: Es geht immer weiter bis zum jüngsten Tag.
Besinnliche Tage bis dahin.
Tolle Kacke!
Egal in welcher Richtung man spuckt, trifft man einen Schuldigen.
Auch dann, wenn der Wind ins Gesicht bläst.
Nun ist die Diskussion schon sehr weit fortgeschritten und hat sich leider vom eigentlichen Thema abgewendet. Ich hab für mich persönlich mal meine Schlüsse zusammengefaßt und würde mich über Feedback freuen.
Aktueller Sachstand:
Griechenland steht am Rand der Pleite, ein weiteres Dutzend EU-Länder ist angezählt.
Die tiefere gemeinsame Ursache dafür auf EU-Ebene(!) ist ein strukturelles Ungleichgewicht. Deutschlands Wirtschaftskraft drückt die anderen an die Wand. Für viele EU-Länder war und ist es schlicht illusorisch, dagegen konkurrieren zu wollen.
Innerhalb der EU haben sich diese Länder bisher mit Schuldenmachen, Blasenbildung, Finanzmarkterei und ähnlich unsoliden Geschäften beholfen und auf nachhaltigere Investitionen verzichtet. Wofür auch? Dieses System hat über 10 Jahre weitgehend reibungslos funktioniert und zu einer beachtlichen Stärke des Euro geführt.
Deutschland hat dem Treiben wohlwollend/stillschweigend zugesehen und es in weiten Teilen sogar befördert, denn damit war sein Export gesichert. Die damit verbundene Stärkung des Euro wurde in Kauf genommen und durch Reduzierung der Lohnstückkosten kompensiert. Wie das im Detail ging, dürfte bekannt sein.
EU-exportwirtschaftlich haben die meisten anderen Länder aber nahezu kein Bein auf den Boden gebracht, dazu wurde und ist der Euro zu stark. Unglücklicherweise, oder besser logischerweise hat jetzt nur noch Deutschland ausreichend niedrige Lohnstückkosten, um mit so einem starken Euro international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Nun haben sich die unsoliden Geschäfte in Luft aufgelöst und das strukturelle Ungleichgewicht innerhalb Europas tritt klar zu Tage.
Dieses Ungleichgewicht war zwar schon vor Einführung des Euro latent vorhanden. Jedoch wurde es weitgehend durch mehr oder weniger flexible Wechselkursverhältnisse ausgeglichen und war daher nur sehr begrenzt wirksam. Erst durch die gemeinsame Währung wurde es dauerhaft manifest.
Danach wurde der Markt in weiten Teilen sich selbst überlassen. Das Ungleichgewicht hat sich daher getrieben von Profitmaximierung weiterentwickelt. Dies ist nur natürlich und durch die BWL Brille gesehen auch sinnvoll. Dumm nur, daß dies nicht zu einer Verringerung, sondern einer massiven Verschärfung des Ungleichgewichts geführt hat. Eine volkswirtschaftlich eher unerfreuliche Entwicklung.
Lösungen?
Austeritätsprogramm:
Griechenland verordnet sich ein Austeritätsprogramm. Löhne und Sozialleistungen werden radikal gekürzt, es wird privatisiert, was das Zeug hält, der Staat wird quasi abgeschafft, Ausverkauf. Ein großes Loch tut sich auf. Und dann – kommen dann wirklich die rettenden Investoren-Engel, um auf verbrannter Erde nochmal gegen Deutschland anzutreten? Griechenland war doch schon vorher Billiglohnland, ebenso Portugal, ebenso Rumänien, ebenso Spanien etc.. Ist es nicht eher so, daß damit das letzte Huhn geschlachtet würde, was den Griechen Eier legt?
Und weiter gedacht: Das gleiche Programm für weitere 30% der EU. Ähnlich trostlos, und nebenbei – in dieser Dimension bereits brandgefährlich für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.
Es ist mehr als fraglich, daß ein solches Vorgehen tatsächlich das Ungleichgewicht verringern könnte, und wenn, dann nur auf Kosten ALLER. Nein, es macht wohl keinen Sinn, daß wir uns gegenseitig mit unserer Armut Konkurrenz machen.
Austritt aus der EU: Griechenland von einem Tag auf den anderen auf sich allein gestellt, mit einer auf die EU ausgerichteten Wirtschaft und Struktur, die es während der EU-Mitgliedschaft entwickelt hat, samt den dazu gehörigen Untugenden, Lastern und (Drogen-) Abhängigkeiten? Gleiches für die anderen Staaten? Auch hier würden wohl ALLE, auch Deutschland dran verlieren.
Bailout: Dieser ändert erstmal nix an den bestehenden Verhältnissen. In drei Jahren sind die Probleme die gleichen. Vielmehr werden wieder einmal Banken und Großkapital auf Kosten der Allgemeinheit saniert.
Das dürfte jedoch nicht das letzte Mal sein. Denn es gibt noch mehr Pleitekandidaten. Die USA müssen für die nächste Zeit jährlich 2 Billionen Staatsschulden refinanzieren. Für GB ist es zwar absolut weniger, prozentual aber wohl ähnlich hoch. Beide Länder haben zwar die Hoheit über die Notenpresse. Dennoch werden die einhergehenden Verwerfungen auch die europäische Bankenlandschaft gehörig beuteln. Fraglich, ob es GB dann als Finanzplatz noch gibt. Also nochmal Bailout, nochmal Kreditklemme, nochmal Deflation.
Meine Meinung:
Gerade in solchen Zeiten wäre es absolut kontraproduktiv, die EU zu schwächen, indem man einzelne Mitgliedsländer verhungern läßt.
So, wie es im Moment läuft, haben die Banken die Politik in der Hand. In der EU kommt verschärfend hinzu, daß sich die Mitglieder nicht bei der Zentralbank direkt, sondern nur über die Geschäftsbanken refinanzieren dürfen.
Diese Regelung war wohl mal dazu gedacht, daß die EZB nicht zum Selbstbedienungsladen verkommt. In der aktuellen Situation führt dies jedoch dazu, daß Staatsanleihen nicht erstmal im Tresor der Zentralbank verbleiben, sondern sofort auf den freien Markt geworfen und als eine Art Ersatzgeld gehandelt werden. Folge ist eine weitere Aufblähung des Finanzmarktes (ich hoffe mal, das stimmt so).
Dringendes Ziel einer ‘weisen’ Politik müßte es daher sein, sich aus der gegenwärtigen Abhängigkeit der Banken zu befreien. Als kurzfristige Maßnahmen gehören dazu:
- die direkte Refinanzierbarkeit der Mitglieder bei der EZB oder auch einem Euro-Fond im Falle einer drohenden Pleite, natürlich unter Aufsicht eines gemeinschaftlichen EU-Gremiums. Damit können Mitglieder auch ohne Geschäftsbanken saniert werden. Länder, die dies in Anspruch nehmen, kommen in Quarantäne, erhalten Gläubigerschutz und werden unter Aufsicht saniert.
- Aufbau eines alternativen Geldverteilungssystems, das im Falle eines Bankencrashs die Geldversorgung der Wirtschaft sicherstellt, also Auftreten des Staates als Bank. Damit wird es wieder möglich, Privat-Banken notfalls pleite gehen zu lassen.
Alles in allem können wir wahrscheinlich froh sein, in solchen Zeiten eine EU zu haben, die uns einen halbwegs funktionierenden Wirtschaftsraum gewährleistet. Es wäre idiotisch, jetzt daran zu sägen. Vielmehr sollten wir die Gelegenheit wahrnehmen, die Kuh vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Man wird ja wohl noch träumen dürfen ;-)
@ egal # 140
Bestimmt, denn das ist ja dann nach meinem Verständnis auch höchstens eine Revolte.
Das wird nur ein Blutbad.
Ein Blutbad kann auch eine Revolution werden, aber eins mit Sinn…
Avantgard birgt die große Gefahr, daß sie sich anschließend als Elite ‘obendrüber etabliert – und das wird Käse.
Der geht es, ob gewollt oder nicht, in erster Linie um sich selbst.
Daß es Menschen geben muß, die Wissen verbreiten, Selbstbewußtsein stärken, Wege aufzeigen, da werden wir uns sicher einig.
Wenn’s denn unbedingt sein muß, meinetwegen auch eine Partei, Bewegung wäre mir ‘lieber’.
Nur – wie kriegste die als Allesbestimmer da wieder raus.
Gut gemeint ist selten der Freund des Guten.
Fakt ist eins, nach dem wie ich es mir bisher erarbeitet habe, gab es ‘selbstbestimmte’, von einer Masse getragene Revolutionen immer erst dann, wenn die Produktivkräfte ‘so weit’ waren.
Wenn sie an die Grenzen der Produktionsverhältnisse stießen.
Das hatte dann auch was mit Klassenbewußtsein zu tun.
Die bürgerliche Revolution in Frankreich gab es ja nicht, daß alle frei sind (dat stand nur oben drüber, man brauchte halt auch die (untere) Masse.
Diese gab es, weil das sich entwickelte Bürgertum endlich selbst frei über die Produktionsmittel verfügen können mußte, um sich als dieses weiter ‘entwickeln’ und leben zu können.
Denen war schon bewußt, daß ohne sie nichts mehr geht…
Alles was Du von oben rein bringst, nur als Ideologie ‘verkaufst’, kann deshalb mE nichts nachhaltiges sein.
Sonst versuchen nämlich wirklich die ‘neuen Eigentümer’ nur die alten zu kopieren.
Sozialismus, vielleicht braucht es den als Zwischenschritt gar nicht mehr(?) – ernähren könnte man schließlich schon locker alle, bzw. Kommunismus hat eben auch was mit Bewußtsein zu tun.
U. a. damit, daß man allein ein gar-nie-nix ist, daß jeder die anderen braucht und niemand als Person oder seine Fähigkeit in der Endabrechnung mehr ‘wert’ ist.
Lohnarbeit, Wertgesetz, Parlamentarische Demokratie sind alles Sachen, die darin nichts mehr zu suchen haben.
Ansonsten machen wir einen Kleinbürgerstaat – mag eine Zeit lang funktionieren, so lange die Hoffnung überwiegt, aber kann nur nachhaltig sein, wenn das Gebilde dann die Kurve kriegt zum allgemeinen Mittun.
Wie willst Du das hinkriegen?
Dort ist es einerseits so, daß Du Deinen Willen an vermeintlich kluge Köpfe delegierst, aber wenn Du Dich zusammen mit anderen eines Tages entscheidest, das in Zukunft doch selbst gestalten zu wollen, geht das in diesem Konstrukt aber nicht – glaub es mir oder nicht – dann braucht es noch mal eine Revolution.
Und bevor es die gibt, geht es die Rolle rückwärts – nannte man früher einmal Konterrevolution.
Es steht und fällt mit dem Bewußtsein – wie man den wirklichen Bildungsprozeß (nicht Ideologie) künstlich beschleunigen kann – würde mich sehr interessieren.
Ich mag mich nicht hinstellen und eines als das richtige und das andere als das falsche Bewußtsein definieren. Ich meine nur mehr als zu ahnen, welche Einsichten verbreitet sein müßten, um bestimmte Projekte in Angriff nehmen zu können.
Bin bei einer Art neue Äufklärung immer dabei.
Aber weder mag ich meine Interessen weiter dauerhaft(!) auf andere Personen delegieren, noch als der als Delegierter dauerhaft ‘Gewählte’, die Konzert- und Gastspieldirektion für andere sein, in der Hoffnung deren Wünsche, Kritiken und Änderungen richtig erahnen zu können!
Und nur meine eigenen Interessen umsetzen, tut mir leid – wenn ich das irgendwie vermeiden kann, werd ich nicht immer können, weil ich es gar nicht merke – aber wenn denn doch – werde ich das zu vermeiden suchen.
Entschuldige bitte @Linus, wollte Deine Abschlußbemerkungen nicht verhauen ^^
Diese haben selbstverständlich mit dem Thema hier mehr zu tun.
An egal und andere:
Warum sollen eigentlich die Leute, die die katastrophalen Zustände des Kapitalismus kritisieren, eine Lösung und einen neuen Modellvorschlag bereitstellen?
Wir bezahlen Milliarden für Regierungen! Es ist die Aufgabe dieser Profis, sich ein funktionierendes System auszudenken, nicht die der Kritiker!
Und vor allem gehen mir diese Leute auf den Geist, die stumpfsinning vor sich hin schwadronieren “Du darfst erst kritisieren, wenn Du etwas Besseres hast”.
Unter anderem DIESE Leute sind es, die menschwürdige Lebensbedingungen verhindern. Es sind Menschenverächter.
@Axel
Das ist Mumpitz.
@Wat #146:
Da bist du – mal wieder – richtig nett. Welch freundliche Revoluzzer-Seele :-).
Ich habe ja immer noch diesen Post mit dir offen, den ich wohl nicht mehr schreiben werde. Es ergibt sich eh bald wieder eine Gelegenheit, wo das Thema nochmal auf den Tisch kommt. Da fällt die Antwort dann umso fundierter aus.
Derweil: Gesundheit und ein langes Leben ;-)
interessante Diskussion, schön zu sehen, dass das Nachdenken einer Alternative zum herrschenden System im Sinne seines Überschreitens auch in diesem Blog möglich ist. Ich habe mich schon gefragt, wie es möglich sein könnte, dass sich ein alternativer nicht-elitärer nicht-sektierischer Diskurs im Sinne einer Systemüberschreitung im Netz etabilieren könnte, der demokratisch-partizipativ arbeitsteilig ist. Was mich an Blogs stört, trotz ihrer sicher grundsätzliche positive Bedeutung, ist der streng individualistische Ansatz, auf den Betreiber, Autor zugeschnitten, mag er noch so offen gestaltet sein. Das ist sicher kein Ersatz für das, was Chomsky neulich beschrieben hat, der Raum, in dem sich ein breites kolektives Bewußtsein bilden kann, das er in seiner Jugend vorgefunden und gelebt hat.
Auf der bloßen verbalen Ebene einer virtuellen unverbindlichen flüchtigen Begegnung kann sich so ein Bewußtsein wahrscheinlich gar nicht bilden. Vielleicht ist es auch gar nicht möglich und vielleicht auch nicht notwendig.
“Remembering Fascism: Learning From the Past”
http://www.truthout.org/remembering-fascism-learning-from-past58724
Der Sieg des Neoliberalismus war eigentlich nur möglich, weil es ihm gelungen ist, die realen materiellen sozialen Strukturen zu zerstören, auf deren Grundlage sich dieses kollektive progressive Bewußtsein herausbildete. Dazu hat aber auch die institutionalisierte parteipolitisch organisierte Linke beigetragen, die im System angekommen sozusagen den sozialen Boden unter den Füßen verloren hat.
Italien steht dazu paradimatisch: Ich bin dort aufgewachsen. Die kommunistische Partei war in das Leben der Menschen hineingewachsen. Diese Strukturen besetzt heute die extreme Rechte.
Schade, meine Frau ist nach Hause gekommen und wir müssen jetzt weg.
Zum Ende noch ein Punkt zum topic. Eine interessante Sicht, die ich wohl auch teile. Ein wichtiger Aspekt, meine ich. Ein Kommentar aus einem US-Blog
“Germany wants to have it both ways. They want to be the export world champion. Most of the German exports go to other European countries, particularly the ones of the Euro-zone. These countries pay the imports from Germany (e.g. the largest relative fraction of imports to Greece comes from Germany) through deficits, which, in turn, are being financed for instance by German banks and their owners and investors. So the deficits of the Med countries actually support Germany?s export companies and their workers. On the other hand, Germany also wants the other Euro-countries, like Greece, practice austerity to strengthen the Euro so that the Euro can compete against the Dollar as world currency and a Germanized Europe can compete against the United States as an economic world power. This is the conflict, in which Germany is currently, since they can?t have it both ways. Either they bail Greece out with loans from the EU to secure the continuing wealth transfer out of Greece to its creditors, which opens the door to more bailouts of other Euro-countries. The consequence will be a weakened Euro and an obstacle to German-Europe?s world power ambitions. Or, they push Greece into default and out of the Euro-zone. But then the creditors will have to take a haircut and German exporters are being hurt. I think, all the conflicting statements from German politicians, who often contradict the next day what they said themselves the day before, are actually a reflection of this conflict.”
@salvo # 150
Vielleicht geht es auch darum, dieses Konstrukt EU zu zerschlagen – von ganz offizieller Seite.
EU ist von der exportorientierten deutschen Seite sprichwörtlich ‘abgegrast’, ok, die Franzosen waren wohl auch ganz gut ‘dabei’, und ‘Übersee’ so und so (auch wenn vielleicht mehr im Hintergrund – ‘die’ sind immer dabei)
Da kann auf Dauer keiner mehr wirklich bezahlen, die haben ‘wir’ niedergewalzt mit unserer Lohnzurückhaltung etc.
Wenn diese Länder nun aus dem Euro ausbrechen, dann können sie zwar endlich gegen den Euro abwerten, aber was schert das das Kapital – Ihre Rechnungen kriegen diese eh nur noch von ihren ‘Ursprungsstaaten’ bezahlt, und die anderen verlieren halt. So läuft halt das System.
Kapital kann nur ‘überleben’, wenn es sich immer neue Märkte und Ressourcen erschließt. Sind Bereiche ‘ausgelutscht’, für das Kapital nicht mehr verwertbar, also können keine entsprechenden Gewinne mehr erzielt werden, ‘zieht’ es weiter…
Was gibt es denn noch so auf der Welt…
Ressourcen braucht es immer – Krieg war (leider) schon immer eine ‘Lösung’ und es läßt sich darüber hinaus prächtig mit ihm ‘verdienen’.
Ansonsten, was geht noch zu kapitalisieren?
- noch mehr Genmaterial des Menschen
- Landwirtschaft – siehe Monsato und Samen…
- Wissen, jede Menge Wissen, geschriebenes, zu schreibenes, zu lehrendes, (bisher) zu lernendes.
Also wenn ‘wir’ sie lassen – da können ‘die’ noch so einiges (abgrasen).
Und die Staaten, als letzten Schuldner, haben sie bereits im Boot.
So lange also Staaten Zinsen ‘bedienen’ können, geht die Party weiter.
Btw. Staaten können so lange Zinsen bedienen, wie wir uns als Steuerzahler oder Lebenserhalt-Transferempfänger das so gefallen lassen…
@Linus # 149
Bitte gern geschehen – und Danke Dir.
(Ich versuche wenigstens, auch wenn mir Themen ‘auf der Seele brennen’, nichts über’s Knie zu brechen)
Der Rest ist einfach – ‘Anstand’ – dh. die Achtung vor jedem lebenden Wesen ‘Mensch’ – da ich ähnliches für mich auch gern hätte.
Einer muß aber schließlich mal damit anfangen ;-)
@Linus 144
Nach meinem Verständnis hast du es ziemlich exakt getroffen.
Ich denke, was ebenfalls eine exit-Strategie sein könnte: Aufgabe des Währungsstabilitäts-Ziels der EZB. Euro-Raum druckt sich das Geld an den Banken vorbei selbst, was die Wirtschaftsbeziehungen in den Nicht-Euroraum erheblich schikanieren wird, und daher vor allem DE trifft, aber es kann zumindest zu einem Reset innerhalb des Euro-Raumes kommen. Da die EU-Staaten ohne Euro auch angezählt sind, können die mitziehen.
Letztlich lässt es sich nicht vermeiden, dass die wirtschaftliche und steuerpolitische Angleichung innerhalb Europas kommen muss. Die wurde bisher versäumt, stattdessen wurde konkurriert. Im Prinzip kommt dann auch der Länderfinanzausgleich auf Europa-Ebene. Es muss immer so laufen, dass die Starken die Schwchen mitnehmen müssen. Was soll sonst bei rumkommen außer ein Zerfall der Gemeinschaft. (Irgendwann kommt der Grieche drauf, dass er ohne uns besser dran ist. Für uns gilt das umgedreht nicht so, weil wir ihm ja unsere Volkswagens andrehen müssen. Auch wenn es der Stammtisch-Michel noch nicht so sieht.)
Und die Banken in der heutigen Aufstellung gehören selbstredend abgebrannt. Aber sowas am Vorabend der Walpurgisnacht von Berlin aus zu schreiben, ist vielleicht unklug. Dann gibt’s bei mir zu Hause Razzia.
@ Linus #144
Deine Zusammenfassung gibt immerhin einen recht guten Überblick über diverse Stationen des Diskurses.
Allerdings teile ich den einen oder anderen standpunkt nicht, respektive halte die von dir gewählte Formulierung für unzutreffend, verwaschen oder gar falsch.
Zu einer Blasenstärke, super gemacht Europa.
Die vor der ?-Einführung verlautbarte Kritik hatte zu keinem Zeitpunkt ihre Relevanz eingebüßt. Nur weil die Augen der Öffentlichkeit an diesen Tatbeständen konsequent vorbeigesehen haben, hat es scheinbar prächtig funktioniert.
Nun platzt die Blase und laut SZ
Aha, es geht um ein politisches Experiment. So ist das also, da geht ein Experiment schief. Na, wenn’s weiter nichts ist…
Ist es nicht stinknormal für einen Spezialisten, daß er den Boden unter den Füßen verliert, wenn sein Spzialistentum nicht mehr gefragt ist? Wird in kreisen von Anlegern nicht sogar laut über jene gelacht, die sich nicht genügend diversifizieren?
Daß Deutschland dem Binnenmarkt den Rücken kehrte, indem man dem Volk den Rücken kehrte respektive die Taschen leerte, erhöhte -und das war zu jedem Zeitpunkt bekannt und erfuhr entsprechend Kritik- das Risiko mit dieser singulären Wirtschaftsstrategie auf die Fresse zu gehen.
Jetzt haben wir schon zwei fundamentale Fehler der politischen Kaste. Die Blasenbildung als Teil der Europäisierung mitgetragen/gefördert zu haben plus einer sträflichen Vernachlässigung des Binnenmarktes.
Wenn man jetzt bedenkt, daß diese Vernachlässigung zur Förderung des Spezialisierung möglicherweise sogar unabdingbar war, dann wird das Versagen der Regierenden ganz krass zum Verbrechen der Regierenden.
Da das Rattenrenne wohl erst da sein ende erreichen wird, wenn wir die Lohnkosten von Bangladesch oder Somalia unterbieten können, wird es einen Wettlauf der Asketen geben müssen, oder wer wird die Werbekampagne mit “Selbstbeschränkung ist geil!” als zentraler Parole bezahlen? Der IWF bestimmt nicht ;-)
Das will mir nicht in den Kopf.
Alles geht den Bach runter, was fundamentale Umwälzungen für alle Beteiligten bedeutet. Und hier soll jetzt das Klammern an was helfen?
Wenn umgewälzt werden muß, weil der Status quo es nicht bringt, soll der Status quo auf Deibel komm raus erhalten bleiben? Mir entzieht sich die Logik dahinter. Wir sind doch schon alle Verlierer. Wieso soll es jetzt einen Unterschied geben zwischen Verlieren und Verlieren?
Entscheidend ist doch, daß man sich aufrappelt und neu loslegt… und da erscheint es mir wesentlich fruchtbarer, erstmal den schädlichen Schrunz abzuschütteln und möglichst den Holzweg zu verlassen.
Die griechische h4-Version, die den Hellenen jetzt übergestülpt werden soll, ist ein Verhungern lassen oder das Gegenteil?
Der Krugmann sieht es realistisch:
Man mag ja von rating-Agenturen halten, was man will, aber derlei Prognosen dürften in der Tendenz allemale zutreffen.
Für Griechenland sieht’s zappenduster aus. Das ist mal sicher.
Deine Vorschläge zur ‘Rettung’ teile ich bezüglich der Notwendigkeit der Entmachtung aller Banken, doch sehe ich es als unmöglich an, einen solchen Schritt auf europäischer Ebene in Gemeinsamkeit zu vollziehen. Es würde bereits an ein Wunder grenzen, wenn eine einzelne Nation einen solchen Schritt für sich selbst bewerkstelligte. Daß aber die Europäer tatsächlich dazu in der Lage sein sollen, wo doch die Vergangenheit allzu deutlich aufzeigt, daß man sogar über Bananenkrümmungswinkel in jahrelangen zwist verfallen kann, halte ich diese Erwartung für das,was du als Schlußsatz formulierst: einen schönen Traum.
In dem verlinkten Artikel aus der Sueddeutschen heißt es ua:
Aha, Einsparungen auf Kosten von Souveränität und Selbstbestimmung, das war ein Grund für den Euro? ehrlich gesdagt entsinne ich mich nicht mehr aller Details der damals stattgefundenen Diskussion. doch genau eine solches Argument, und dann noch offen vorgetragen, ist doch ein Killerargument für die gemeinsame Währung plus politischem Zusammenwachsen.
Ich erinnere mich eigentlich nur noch an die Ankündigungen von goldenen Zeiten, die ein gemeinsamer Währungsraum angeblich alternativlos erzeugen sollte.
Da sollten die Italiener und Spanier aber froh sein, wenn keine ausländer ihr schönes Land stückchenweise aufkaufen. So hat jede Krise auch was Gutes.
Diese ganze Investorenlüge trifft doch auf jedes Land zu. Wozu sollte man ausländisches Geld in Land holen? Wenn es gute Geschäfte zu machen gibt, kann man das selber machen.
Sollte man mit einem anderen Land Geschäfte machen müssen, weil die etwas haben, weil man es braucht, muß man wohl oder übel auch etwas liefern können, was die Handelsbilanz dann ausgleicht, damit es eben nicht zu den Verwerfungen kommt, die am Ende das eine Land dem Anderen gehören lassen.
angeblich sollte ja der globale Finanzsektor mal als übergeordnete Ausgleichsinstanz für die jeweils bestmögliche Ressourcenallokation dienlich sein. War wohl nix… also umdenken und neue Lösungen her, ihr kreativen Macroökonomen.
Hier sehe ich einen Punkt, der die europainterne Logik ad absurdum führt.
Ist im Lissabon-Vertrag eine stetige Deregulierung der Märkte zum Verfassungsziel erhoben, zeigt die europäische Praxis, folgt man dem Autor des Artikels, daß aber europastaatlicher Dirigismus zwingend erforderlich ist.
Meine Kritik, daß das gegenwärtige Europa eine faschistoide Monstranz ohne jeglichen Wert für die es bevölkernden Menschen darstellt, sehe ich mal wieder bestätigt.
Deswegen lautet meine Empfehlung, den ganzen Mist zu Klump zu hauen respektive gezielten Rückbau zu betreiben (möglicherweise sind ja das Schengenabkommen und vielleicht das Eine oder Andere erhaltenswert?), um dann den eigenen Hof aufzuräumen und was Neues, Besseres auf die Beine zu stellen.
Und dabei sollte man sich Wat und Schwitzig als Ratgeber ins Boot holen. Dann wird’s auch was mit dem Nachbarn :-)
@Alexander
Ich würde sogar noch weiter gehen. Weg mit dem Euro als einziges Zahlungsmittel aller EU Staaten und wieder zurück zu nationalen Währungen. Imo ist das sogar der einzige Weg um die nationalen Währungen wieder Wertgerecht für alle zu halten, den Euro für den internationalen Handel zu stabilisieren und das Ungleichgewicht innerhalb der EU zu kompensieren. Der Euro als feste europäische Währung für den Welthandel, aber mit entsprechendem Umtauschwert.
Wir hatten das schonmal zum Beginn der EU, und meines Wissens nach klappte das ja auch recht gut. Der ECU.
Den wieder einführen, das ganze Spekulantenpack am nächsten Baum aufhängen…und alles wird gut :D
Man kann das Thema auch anders sehen ….
http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/17.html
In den USA formiert sich der Zorn und Protest
http://www.youtube.com/user/RussiaToday
Der Messias hat alle Hände voll zu tun.
Und jeden Tag kommen neue Baustellen dazu.
Wie lange halten das die Börsenkurse noch aus?
@Heinzi #155:
Kreutzer macht es sich an dieser Stelle entschieden zu billig. Was er da schreibt, ist leider nur die halbe Wahrheit. Natürlich verschwindet das Geld nicht. Alles, was die Banken etc. nicht einsacken können, behalten “wir” in der Tasche. Jedoch: In den Forderungen stecken ja nicht nur Interessen von Finanzhaien, sondern Lebensversicherungen, Pensionsfonds usw., also durchaus Werte von “Kleineigentümern”, deren Verlust für sie durchaus schmerzliche Konsequenzen bedeuten würde. Dies ist ein Teil des Pfundes, mit dem Banken wuchern bzw. erpressen können. Ein weiterer Teil ist der Zusammenbruch der Geldversorgung. Ein dritter der damit verbundene Vertrauensverlust in die Währung. Hierbei wird kein Geld vernichtet, jedoch wird die Wirtschaft schockgefroren. Das ist der springende Punkt. Da ist es zunächst egal, wer das Geld im Endeffekt einsackt.
Man stelle sich vor: 1 Monat lang kein Geld, danach geht alles wieder normal weiter. Während dieser Zeit stehen buchstäblich alle Räder still, weil keiner sich sicher sein kann, daß er für seine Vorleistung jemals was zurückbekommt – es könnte ja sein, daß sein Gegenüber de facto pleite ist. Ein Monat keine Versorgung mit Nahrungsmitteln, Energie etc.. Die Kettenreaktion, die dabei ausgelöst würde, dürfte durchaus beachtlich sein. Das bedeutet Systemrelevanz. Und das sind ernstzunehmende Daumenschrauben.
http://www.n-tv.de/wirtschaft/kommentare/Kalinikta-Euro-article842867.html
Ich kann keinen wesentlichen Fehler in diesem Kommentar entdecken, obwohl er von einem bürgerlichen Journalisten ist. Außer das es natürlich sein könnte, das der deutsche Export natürlich bereits jetzt Einbrüche erleben könnte. Aber die Ursachen Analyse ist einleuchtend. Einleuchtender als das Lohn-Dumping Argument. Die Länder der Euro-Zone sind einfach zu unterschiedlich. Die Euro-Zone hätte unter diesem Aspekt von Anfang an als “Sozialamt” eingerichtet werden müssen.
Korrektur zu #158. Ich meinte ja Brichta würde für den deutschen Export zu optimistisch sein. Aber das wird ja nur für den Euro-Raum gelten. Ich denke Brichta denkt an den Weltmarkt, auf dem deutsche Waren durch eine mögliche Abwertung des Euro noch konkurrenzfähiger werden. Aber das ist ja nur nebensächlich. Dann sehe ich in dem Kommentar eigentlich gar keinen Fehler mehr.
@ Linus
Sorry, aver ist das nicht eher Gewäsch aus einer Panik geschüttelten Ecke?
besonders das hier muß doch andersrum verstanden werden: weil keiner sich sicher sein kann, daß er für seine Vorleistung jemals was zurückbekommt ? es könnte ja sein, daß sein Gegenüber de facto pleite ist. Weil Alle gleichermaßen ‘in der Tinte sitzen’, kann doch nur die Vorleistung dafür sorgen, daß die Zukunft die Belohnung überhaupt erbringen kann.
Nur wenn jeder ganz brav seinen kram weitermacht, kann überhaupt etwas passieren. Das wird nicht nur jeder einsehen, sondern das ist dann auch die einzige ‘Ablenkung’ von der Misere. Schultern Hoch, Kopf nach vorn, Mors tohopen kniepen und Augen zu und durch… wie sollte es sonst klappen?
— Nicht jeder Gedanke verdient es gesagt zu werden —
deletet
Beste Grüße
Über GR werden offenbar jede Menge Lügen verbreitet. Es wäre sicher interessant, auch hier einmal draufzusehen:
http://print-wuergt.de/2010/05/02/interessiert-eigentlich-jemanden-was-in-griechenland-wirklich-passiert/comment-page-1/#comment-2117
http://print-wuergt.de/2010/05/02/die-rentenluge-folge-192/
@ #142, #151, #152:
Es wurde schon angesprochen: Die EZB könnte wie die FED das Geld drucken. Aber ist das nicht genau der Plan bzw. Fall bei der derzeitigen Rettung? Was passiert denn? Die KfW gibt Kredit – wo hat sie das Geld her? – EZB – das geht aber nur, wenn zentralbankfähige Sicherheit => BRD bürgt für Kredit? EZB druckt Geld.
Wem nützt es am meisten? Behauptung: den Amis. Warum? Was war die Situation vor der Griechenlandkrise? Die FED musste massiv Geld drucken um der Bankenkrise Herr zu werden, Folge: Druck auf Dollar/EUR Wechselkurs (Zwischenhoch 1,60$/EUR?). USA finanzierten ihre Wirschaft über Exportüberschüsse und Export ihrer Inflation, da der Dollar Weltleitwährung ist. Dies war in Gefahr.
Situation jetzt: Griechenland in Krise, Dollar steigt im Kurs, weil als sicherer Hafen angesehen bei schwächelndem Euro. Wechselkurs ist wieder bei 1,30 Tendenz fallend. Zumindest beim Euro sind aus Ami-Sicht die Kohlen aus dem Feuer.
Warum Griechenland? Es gibt sicherlich einige Kandidaten. Aber Griechenland ist klein. Deshalb ausgezeichnet zum EUR-Aushebeln geeignet, wer will sich schon mit Spanien etc. anlegen um zu prüfen, ob eine Spekulation gegen Euro möglich ist. Bzw. wie sich die Euro-Politiker so machen.
Weitere Fragen: Rating-Agenturen – hier müsste man den Begriff “zentralbankfähig” mal beleuchten. Wieso macht sich die EZB abhängig von 3 (amerikanischen) Ratingagenturen in ihrer Beurteilung was zentralbankfähige Sicherheiten sind und was nicht? Warum tut die EZB nichts? Ist der Auslöser für das Griechenland-Debakel nicht die Herabstufung auf nichtzentralbankfähiges Rating gewesen? Gibts irgendwo mal einen Artikel der den Zeitverlauf mal deutlich macht? Ein Artikel der Staatsschuldfinanzierung USA und EU vergleicht, wäre auch mal toll.
Zur Merkel: diletantisch, wohl war. Aber ich halte es da eher mit Georg Schramm. Man sollte nicht alles für eine Fehlentwicklung halten. So blöde wird die Merkel doch nicht sein. Und wenn doch, die hat doch Berater. (Aber nagut, Goldman Sachs wird dran verdienen, also weiss man ja, was die geraten haben)
Fazit: Aus Ami-Sicht außerordentlich praktisch, dass ausgerechnet jetzt eine Euro-Krise stattfindet. Das einzige was dagegen spricht: Schlecht für amerikanischen Export (aber wie groß ist der?). Wäre ich FED-Chef bzw. Regierungsmitglied der USA, ich würd zuschauen, den Soros und Freunden sagen, macht ruhig weiter, braucht ihr Geld? Den Rating-Agenturen würd ich sagen: naja, Portugal noch ne Stufe runter und wir halten euch mal die SEC, den Staatsanwalt und das Volk vom Hals.
Was würde mich brennend interessieren: Ausweitung der Geldmengen USA/EU/Japan, harte ökonomische Fakten/Statistiken warum denn jetzt Griechenland (So ziemlich jeder Artikel kommt mit Verweis auf Korruption etc. aus, das ist ein bisschen wenig. Weiter wär auch interessant: ist wenig Korruption volkswirtschaftlich besser oder schlechter?)
Zu Flassbeck: Hat jemand denn mal fundiertere Kritik als: “Na guck doch, die Löhne in der Exportindustrie sind doch so hoch, das kann nicht stimmen!” Oder unser Wirtschaftsminister: “Es wäre ja unsinnig, beim Joggen dem schnellsten Bleigewichte an die Füße zu binden.” Flassbeck hat recht und spätestens bei der Wiedereinführung der DM werden wirs sehen und den Irrtum entsprechend bezahlen.