Ein Fünkchen Hoffnung
24. Dezember 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Alle Jahre wieder - die Christenheit feiert die Geburt ihres Heilands mit einem Fest, dessen Ursprünge heidnisch sind. Süßer die Kassen nie klingeln, als zu der Weihnachtszeit. Gäbe es Weihnachten nicht schon, so müsste es von PR-Agenturen erfunden werden. Der Einzelhandel hat endlich Grund zur Freude, da dem vom Aufschwung abgekoppelten Volke die Brieftasche vor “den Feiertagen” ganz besonders locker sitzt. Freilich können immer mehr Menschen in Deutschland die Wünsche ihrer Liebsten zum Weihnachtsfest nicht mehr erfüllen. Diese Entwicklung hat in den 90er Jahren angefangen und ein Ende ist nicht in Sicht. Dennoch war das Jahr 2007 in diesem Punkt ein gutes Jahr. Die Bevölkerung ist aufgewacht und übt immer lauter Kritik am Gerechtigkeitsdefizit der globalisierten, ökonomisierten und rationalisierten Gesellschaft.
Heute vor einem Jahr schrieb der ehemalige Herausgeber der Zeit Theo Sommer folgendes:
“Nur verbohrte Marktliberale können glauben, dass die Menschen sich nicht irgendwann gegen diesen Trend [Gerechtigkeitsdefizit A/N] auflehnen werden. Wenn genügend Leute glauben, dass die krasse ökonomische Vernunft sie ihrer Lebenschancen beraubt, werden sie sich erheben. Jedenfalls kann selbst in unserem Teil der Welt niemand die Hand dafür ins Feuer legen, dass es künftig keine Revolution mehr geben wird. Man sollte die Geschichte nicht durch einen Mangel an Fantasie beleidigen. Der Notschrei der Gräfin Dönhoff hat nichts von seiner Aktualität verloren: Zivilisiert den Kapitalismus!“
Der Ruf scheint so langsam anzukommen. Die öffentliche Meinung ist mittlerweile gekippt. Quer durch die sozialen Schichten und quer durch alle Parteizugehörigkeiten wird mehrheitlich Kritik an der Politik der neoliberalen Reformen geübt. Die PR-Trommel der Feinde des Sozialstaates scheint ihren süßen Klang eingebüßt zu haben, eine Fortführung und Verschärfung der „Reformen“ ist in diesem Umfeld schwer machbar.
Nicht zuletzt die Gründung der LINKEN hatte einen signifikanten Einfluss auf die Spindoktoren der großen Parteien. Die Mehrheitsozialisten können nicht mehr still zusehen, wie das Wahlvieh in Scharen zur Konkurrenz abwandern und selbst die CDU kann es sich nicht leisten, den Wirtschaftslobbyisten in Nibelungentreue zu folgen, da auch die politische Mitte diese Politik schon lange nicht mehr versteht und mittragen will.
Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt – es sind noch viele Schritte zu gehen und der Weg ist steinig. Auch werden die Wegelagerer aus dem neoliberalen Lager das Feld nicht kampflos räumen, der Spin mag momentan ein wenig fad daherkommen, aber Spiegelfechtereien auf Nebenschauplätzen werden die Interessen der Bevölkerung schon bald auf andere Themen lenken. 2008 wird ein spannendes Jahr, in dem einige Weichen gestellt werden. „Der Spiegelfechter“ wird die Diskussion auch weiterhin kritisch beobachten.
Der Autor bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich bei seinen Lesern und wünscht sich zu Weihnachten, dass die Kommentar-Funktion auch 2008 wieder regelmäßig genutzt wird, um Kritik, Anregungen, Querverweise und Lob zu äußern. Den Lesern wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und „ein sonniges Herz“.

Jens Berger
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Interessanterweise werden “zu heftige” Reaktionen auf ein “zu heftiges” Gerechtigkeitsdefizit von Behörden wie der Bundesagentur für Arbeit scheinbar vorausgesehen: in der bisherigen Hartz4-Gesetzgebung werden zum 1. 1. 08 einige Änderungen eingebracht - unter anderem wird der bezahlte Urlaub für die “Ein-Euro-Jobber” gestrichen, da diese ja keine “echte Arbeit” leisten, sondern nur eine Mehraufwandsentschädigung kriegen - Urlaub ist halt kein Mehraufwand. Dazu fällt der “Beständigkeitsbonus” von 10 €/Monat weg. Zumindest hier (in Bremen) wird dafür die besagte Entschädigung von 1 €/Stunde auf 1,20 € erhöht - die hauptsächliche Begründung dafür ist offenbar, wie ich von mehreren Seiten zu hören bekam, in befürchteten Protesten der 1 €-Jobber zu finden, die man verhindern möchte.
Wenn das stimmt, dann klingt das ja fast so, als ob man Angst vor einer bevorstehenden Revolte hätte ;-) … und dabei sind die Verhältnisse hier noch nicht mal so assig wie zb in Köln…
…auch ein frohes Fest.
Dir und Deiner Familie auch alles Gute zu Weihnachten. :)
@ XCONROY : Die Revolte, von der Du sprichst, wird kommen. Spätestens dann, wenn “dank” Bankenkrise etc. das globale Finanzsystem abstürzt. Wenn das nicht passieren sollte gibt es dennoch für viele genug Gründe eine solche zu starten - für Frieden & Gerechtigkeit.
Gleich ist der heilige Abend. Leider noch nicht viel davon mitgekriegt :( … trotzdem wünsche ich allen, die dies lesen, Hoffnung und angenehme Tage.
Auch wenn das die erste Gelegenheit ist, bei der ich die Kommentarfunktion nutze, möchte ich doch für deine Arbeit und damit die interessanten und wirklich herrlich lebaren Artikel danken! Und natürlich wünsche ich auch ein frohes Fest und besinnliche Feiertage!
Hallo,
auch von mir schöne Weihnachten und bei der Gelegenheit herzlichen Dank für m.E. eines der besten deutschsprachigen Blogs! Ich freue mich auch das nächste Jahr auf interessante Artikel, abgefahrene Bildmontagen und lebhafte Diskussionen.
In diesem Sinne: “Let’s rol!” :-)
Immer feste druff!
Gegen neoliberalen Terror.
Ich wünsche in diesem Sinne kein “frohe Fest” , ich wünsche allen den Seelenfrieden , Gesundheit und einen freien Geist.
Kompliment an den Spiegelfechter und den Blog der zur heutigen Zeit der “Information” seinen Namen gerecht wird ..
MFG
g e d a n k e n √ e r b r e c h e r
Stalin soll gesagt haben (wofür ich jetzt nicht meine Hand ins Feuer legen möchte, aber es ist dennoch ein überlegenswerter Gedanke), in Deutschland gebe es keine Revolution, weil man dafür den Rasen betreten müsste.
Zumindest im Ostteil haben wir das schon widerlegt…
Vielen Dank für die vielen lesenswerten Artikel und gedanklichen Anregungen und noch ein paar frohe Rest-Weihnachtsstunden!
Erstmal wünsche ich allen, frohe Weihnachten gehabt zu haben. Vielen Dank für die interessanten Artikel im Blog, ohne die mir eine Menge Dinge, die dieses Jahr passierten, entgangen wären.
Trotzdem mag ich an eine Revolution, oder ein Fünkchen Revolution, in D einfach nicht glauben. In D wird ein Gericht gefragt, bevor man streiken darf, in D D-montiert man seit Jahren die Bürgerrechte und bastelt sich seinen Vasallenstaat, und bisher kamen die heftigsten Proteste trotz aller Unstimmigkeiten nach der juristisch rechtmäßigen Einbuchtung eines Jugendlichen, der eine Britin besamte. Die Majorität der Deutschen kriegt nunmal nur die Fresse auf. Und wer soll bitte revolutionieren? Die LINKE/Transferpartei doch bitte nicht? Ich habe die große Befürchtung, dass ansonsten das Zitat gilt, Revolution bedeute, eine schlechte Regierung durch eine noch schlechtere zu ersetzen..
Ein großes Danke auch von mir, für ein knappes Jahr Spiegelfechtern.
Auf ein 2008 das schnell und ohne große Zwischenfälle an uns vorüber zieht.
@ “Cheffe”:
Bei düsem Büld der Reichskanzlerin würd mür übel… :(
Sayonara!
hannilein