Das Rennen ist gestartet

04. Januar 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Die USA haben es besser als Deutschland – während hierzulande die Kanzlerkandidaten in dunklen Hinterzimmern oder beim Frühstück in Wolfratshausen ausgekungelt werden, entscheiden in den USA die registrierten Wähler. Wer sich beispielsweise als Republikaner registrieren lässt, darf mitentscheiden, für welchen Präsidentschaftskandidaten die Delegierten seines Staates stimmen. Traditionell ist es der kleine hinterwäldlerische Staat Iowa, der als erstes die Vorwahlen stattfinden lässt. Da dieser Staat keinesfalls repräsentativ ist, gilt das Votum allenfalls als erste Trendbestimmung.

Die gestrigen Vorwahlen endeten zumindest auf Seite der „Demokraten“ mit einem Paukenschlag. Die Favoritin Hillary Clinton landete überraschend deutlich deklassiert nur auf dem dritten Rang, hinter dem strahlenden Sieger Barack Obama und dem „Schatten-Vize“ von John Kerry, John Edwards. Da man US-Präsidentschaftskandidaten nie danach werten darf, was sie sagen (George W. Bush predigte in seinem ersten Wahlkampf auch eine isolationistische Außenpolitik), sondern nur nach dem, was sie tun, ergibt sich bei näherer Betrachtung ein größtenteils erschütterndes Bild.

Man könnte Miss Clinton als rückgratlose Opportunistin bezeichnen und täte ihr wahrscheinlich damit sogar noch einen Gefallen. Bis auf die Tatsache, dass sie die ehemalige First Lady des bekennenden Zigarrenfreundes Bill Clinton ist, zeichnet sie eigentlich nichts für das mächtigste Amt der Welt aus – außer dass sie eine Frau ist, was allerdings keine politische Kategorie darstellt und schon gar keinen Vorteil fürs Volk, wie man seit Thatcher und Merkel weiß. Miss Clinton hat die Anbiederung bei den Mächtigen perfektioniert. Von allen Kandidaten hat sie die meisten Spenden kassiert.

Sein und Schein klaffen bei keinem der Kandidaten so sehr auseinander wie bei ihr: Clinton fordert ein Krankenversicherungsmodell wie in anderen zivilisierten Staaten, stimmte aber als Senatorin Bushs Kahlschlägen im Gesundheitssystem zu und kassiert dafür jetzt die Spendengelder der Pharma- und Gesundheitslobbys. Sie biedert sich beim AIPAC an, indem sie darauf verweist, dass sie den Irakkrieg immer unterstützt hat. Gleichzeitig versucht sie der „demokratischen“ Basis beizubringen, die Geheimdienste hätten sie getäuscht – hätte sie „damals“ (bis März 2007 hat sie jeder Irak-Vorlage der Bush-Administration zugestimmt) gewusst, was man heute weiß, so wäre sie natürlich gegen den Irakkrieg gewesen. Und das soll ihr das Wahlvieh glauben? Große Teile der Wähler wussten schon lange, dass sie an der Nase herumgeführt wurden und 23 Senatoren stimmten von Beginn an gegen den Krieg.

Nehmen wir einmal an, ihre Aussagen stimmen und sie ist tatsächlich Dummchen Blöd, das sich von den Geheimdiensten an der Nase herumführen lässt – will man so etwas als Präsidentin? Wohl kaum. Dummdreist verlogen oder blödnaiv … in jedem Fall ist Miss Clinton wohl die schlechteste Wahl. Da die Realität leider aber bitter ist, ist sie dennoch die aussichtsreichste Kandidatin, da sie die volle Medienunterstützung genießt.

Mit dem Sieg in Iowa rückt die Nummer Zwei der „demokratischen Hoffnungen“ immer stärker ins Rampenlicht – Barack Obama, die stets grinsende, stets schwammige und stets belanglose Inszenierung einer Mischung aus Kennedy und Martin Luther King. Anders als Miss Clinton, sagt er lieber gar nichts Konkretes und hält so den Kontakt zur „demokratischen“ Basis. Vor seiner Karriere war er gegen den Irakkrieg. Lippenbekenntnisse sind allerdings billig zu haben – seit er Senator ist, hielt er sich eher bedeckt und stimmte während seiner Amtszeit jeder Vorlage der Bush-Administration zu.

Ein Wolf im Schafspelz? Wohl eher ein machtgeiler Opportunist im Pelz eines engagierten Bürgerrechtlers. Obama ist das Greenhorn unter den Kandidaten – sollte er Präsidentschaftskandidat der „Demokraten“ werden, hätten ausgeschlafene „Republikaner“, wie Giuliani oder McCain, ein leichtes Spiel mit ihm. Sollte er sogar Präsident werden, wäre er Wachs in den Händen der „altgefahrenen“ Falken und Hardliner. Als Afro-Amerikaner wird er aber nicht gewinnen – eher wird eine Frau aus dem Osten Bundeskanzlerin.

Der dritte im Bunde der ernstzunehmenden Kandidaten der „Demokraten“ ist die grinsende Fönfrisur John Edwards. Mit 29,7% erreichte er ein sensationell gutes Ergebnis und konnte sogar Miss Clinton auf Platz 3 verweisen. Von allen aussichtsreichen Kandidaten der „Demokraten“ ist Edwards der einzige, der glaubhaft linksliberale Positionen vertritt. Außer bei der „Homeland-Security“ könnte man ihn als progressiv bezeichnen – er gilt als Gegner eines unkontrollierten Freihandels, setzt sich vehement für eine universelle Krankenversicherung ein, will die Vermögens- und Einkommensschere durch höhere Mindestlöhne, niedrige Steuern für die untere Einkommenshälfte und höhere für die Spitzenverdiener zurückdrehen und Bushs Steuergeschenke und Sondervergünstigungen für Hedge-Fonds und Einkommensmillionäre mit sofortiger Wirkung streichen. Auch außenpolitisch verspricht er eine Kehrtwende – er will die US-Truppen binnen eines Jahres aus dem Irak abziehen und diplomatische Beziehungen mit Iran aufnehmen.

Freilich sind dies nur Versprechungen und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie eingehalten würden, säße er im Weißen Haus, aber immerhin ist dies ein Hoffnungsschimmer. Auch Edwards stimmte dem Irakkrieg anfangs zu, hat sich bereits relativ früh von seiner ursprünglichen Haltung distanziert und sich bei seinen Wählern dafür entschuldigt. Für ernste Chancen auf das Amt des Präsidenten ist er eindeutig zu “links”, was in den USA allerdings nicht viel heißen mag. Die “demokratische” Volksseele spricht er jedenfalls an, wird sich aber wahrscheinlich dem Sunnyboy Obama oder der Opportunistin Clinton geschlagen geben müßen. Vielleicht holt ihn Miss Clinton ja als Vize ins Boot?

Für die „Republikaner“ war Iowa weniger aufschlussreich, da der absolute Favorit, Rudolph Giuliani erst am 29.1 bei den Vorwahlen in Florida aktiv eingreifen wird. Sämtliche aussichtsreichen Kandidaten der „Republikaner“ vertreten ähnliche Positionen, die sich nur in einigen Punkten signifikant unterscheiden, die eher für Hillbillies und die religiöse Rechte interessant sind. Da geht es um die “Schwulenehe”, Abtreibungen und den Kreationismus.

Giuilani ist smart, kann Babies küssen, den harten Mann geben und hat Erfahrung - er ist der ideale Präsidentendarsteller. Sollte er sich gegen die reaktionären Kandidaten durchsetzen, so wäre er wohl kaum zu stoppen, da Al Gore, Erfinder des Internets, Klimakasper mit Nobelpreis und einziger “Demokrat” mit reelen Chancen 2008 Präsident zu werden, ja genug damit zu tun hat, den Oscar zu polieren und Glühbirnen zu verteufeln. In allen Punkten vertritt Giuliani die „liberalsten“ Ansichten unter den “Republikanern”. Guiliani gilt als überzeugungskräftiger Populist, der in der Mitte mehrheitsfähig ist, dem rechten Rand aber schwer zu vermitteln ist. Da Iowas „Republikaner“ für ihre reaktionäre Linie bekannt sind, hat Giuliani konsequenterweise ganz auf diesen Staat verzichtet.

Der überragende Sieg des Bassgitarre spielenden Baptistenpredigers Huckabee ist demnach auch kaum überraschend. Er muss sich nicht bei den fundamentalistischen Christen anbiedern, er ist einer von ihnen. Gäbe es den grandiosen Film Bob Roberts noch nicht, so könnte man meinen, er sei an die Figur Huckabees angelehnt. Huckabee ist einer der wenigen Kandidaten, die offen den Kreationismus unterstützen. Er bezeichnet gleichgeschlechtliche Beziehungen als Sünde und lehnt folglich auch die „Schwulenehe“ ab – genau so, wie Abtreibungen und einen Rückzug aus dem Irak. Von George W. Bush unterscheidet ihn eigentlich nur seine „soziale Ader“ – er will die Steuern für Besserverdienende erhöhen und für Schlechtverdienende senken. Präsidentschaftskandidat wird er nicht – schon bei den nächsten Vorwahlen in New Hampshire wird er auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Dort spielt die religiöse Rechte eine weniger bedeutende Rolle.

Klarer Verlierer der „Republikaner“ ist Mitt Romney. Der Mormone Romney vertritt ebenfalls den rechten Flügel der Partei und ähnliche Positionen wie Huckabee. Sozialpolitisch verspricht er den Wählern das Blaue vom Himmel, ohne ihnen zu sagen, wie er das finanzieren will. Im Falle eines Wahlsieges würde es also bei Versprechungen bleiben. Romney steht - anders als Huckabee - auch für das große Geld. Von allen „republikanischen“ Kandidaten hat er die meisten Spenden kassiert und darf so als eigentlicher Gegner von Giuliani gelten.

Ähnlich, wie bei den „Demokraten“ stehen beide vor dem Problem, ihre „wahre Natur“ erst herauslassen zu können, nachdem sie von der eigenen Partei gekürt werden. Bis dahin müssen sie ihre Klientel ansprechen – die „Demokaten“ müssen so tun, als seien sie für Bürgerrechte und ein Ende des Irakkrieges, die „Republikaner“ müssen den Religiösen, den Hillbillies und dem großen Geld vorspielen, sie träten für deren Interessen ein. Sind sie erst einmal nominiert, stürzen sie sich auf die politische Mitte. Miss Clinton war zu siegessicher und hat diesen Schritt bereits getan, wofür sie abgestraft wurde. Giuliani ist zweifelsohne konsensfähig, die Frage ist allerdings, ob er gegen die reaktionären Kandidaten in den Vorwahlen bestehen kann. Die beiden Außenseiter Thompson und McCain glänzen allenthalben durch dröge Uninspiriertheit und spielen keine direkte Rolle bei der Postenvergabe. Entscheidend dürfte indes sein, für welchen Kandidaten sie sich aussprechen, wenn sie das Handtuch werfen.

Der Sieg Huckabees ist somit das Beste, was ihm passieren konnte. Huckabee ist in den großen Staaten und an der Ostküste chancenlos – hier darf man dem weltgewandten Romney weitaus größere Chancen zubilligen, als dem Bassgitarre spielenden Hinterwäldler. Wenn sich die beiden Kandidaten gegenseitig ihre Delegierten wegschnappen, so kann Giuliani „in der Mitte“ punkten und beide ausstechen. Während das Rennen bei den „Demokraten“ noch offen ist, scheint Giuliani sich als Kandidat der „Republikaner“ positionieren zu können. Bis zum November kann allerdings noch viel passieren. Interessant wird es am „Super-Tuesday“, dem 5. Februar – dann wird in 20 Staaten gleichzeitig über die Kandidaten abgestimmt und erst dann beginnt die heiße Phase des Wahlkampfes.

Ein Kandidat fehlt? Richtig, der Spiegelfechter ist ja kein Mainstream-Medium und gehört nicht der großen Verschwörung an. Das Internet-Phänomen Ron-Paul hat auch in Iowa teilgenommen und einen – für seine Verhältnisse – sensationellen fünften Platz auf Seiten der „Republikaner“ errungen. Chapeau! Der Hype - der mittlerweile bis tief ins deutsche Kleinbloggersdorf Einzug genommen hat - scheint viele Bewohner Iowas dazu bewogen zu haben, sich als „Republikaner“ registrieren zu lassen. Da Pauls libertäre Ansichten aber so gar nicht mit denen der „Republikaner“ zu vereinbaren sind – außer seine Liebe zu Schusswaffen und seine Forderung nach hermetisch abgeriegelten Grenzzäunen zu Mexiko – wird er nie von dieser Partei nominiert werden. Und das ist auch gut so. Paul hat begrüßenswerte Positionen, wenn es um Militär und Interventionspolitik geht. Er war neben dem „Demokraten“ Kucinich der einzige Kandidat, der von Anfang an gegen den Irakkrieg war, obgleich er bei wichtigen Abstimmungen nicht für einen Abzug der US-Truppen gestimmt hat. Als „Libertärer“ ist Paul selbstverständlich auch (ebenso wie Kucinich) gegen die Gesetze zur „Homeland-Security“ und sämtliche Einschränkungen der Bürgerrechte.

Allerdings ist Paul auch der Kandidat, der für einen rücksichtlosen Anarcho-Kapitalismus steht. „Freiheit“ in Pauls Sinne steht wirtschaftspolitisch für das Recht des Stärkeren zu Lasten des Schwächeren. Kein Kandidat tritt derart hemmunglos für einen Turbokapitalismus ein und negiert soziale Gesichtspunkte wie Paul. Einen sozialen Ausgleich über Bundessteuern lehnt er ab, die Steuerbehörde will er gleich ganz abschaffen. Wer die Schulen für Normal- und Geringverdiener bezahlen soll, wer die Infrastruktur aufrechterhalten soll und wer Polizei, Feuerwehr und staatliche Stellen finanzieren soll, wenn nicht über Steuern, bleibt im Schwammigen. Nun ja, man kann ja alles privatisieren, dies ist übrigens ein klassisch „libertärer“ Standpunkt. Wirtschafts- und sozialpolitisch wäre Paul eine Katastrophe – was die USA brauchen, ist eine Neuauflage von Roosevelts New Deal und kein Ultrakapitalismus. Survival of the Fittest – Paul ist fit. Er will die FED abschaffen und wird dafür von gewissen Kreisen bejubelt. Als ob es einen Unterschied machen würde, wenn Privatbanken Geld emmitieren und nicht die FED, deren Spitze immerhin demokratisch legitimiert ist. Den Dollar sieht Paul ins Bodenlose fallen und predigt Gold als Alternative – wenn man Großaktionär diverser Goldförderunternehmen ist, ist dies natürlich eine vollkommen „uneigennützige“ Empfehlung. Gut, dass Paul nur ein Internet-Hype ist und kein ernst zu nehmender Kandidat. Wer sich ausführlich über Ron Paul informieren will, dem sei Nemeticos exzellente mehrteilige Hintergrundreihe empfohlen.

Jens Berger

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  1. [...] der als aussichtsreich gehandelt wird und in Iowa Clinton sogar auf Rang Drei verwies. Beim Spiegelfechter kommt “die Fönfrisur” noch mit am besten weg, Obama und Clinton sind für Jens Berger [...]


  2. [...] Das Rennen ist gestartetJens zu der Zirkusveranstaltung in den USA - wie immer grandios… [...]


Kommentare:

  1. · value am 4. Januar 2008 um 20:00 - Permalink

    Also, wer den erwiesenermaßen wahnsinnigen Norman Podhoretz als außenpolitischen Berater hat, kann nur als die größte Gefahr für den Weltfrieden seit, ja, seit G. Bush bezeichnet werden. Von wegen “liberal”!

    Was Ron Paul betrifft, so würde ich sagen, der Anarchokapitalismus, bzw. Korporatismus kombiniert mit Scheindemokratie und Überwachungsstaat sind die aktuellen Probleme unserer Zeit, und wer glaubwürdig einen demokratischeren Weg vertritt, der hat meine Unterstützung. Mr. Paul ist von allen Kandidaten (ausser vielleicht Kucinich) der einzige, der diese Probleme anspricht. Wenn sein Weg radikal ist, ist mir das lieber als die brutale Radikalität seiner scheinbaren Mainstreamgegenspieler.

    v.


  2. · Klaus am 4. Januar 2008 um 20:01 - Permalink

    Aus meiner Sicht sind alle Kadidaten Oppertunisten anders könnten sie gar nicht kandidieren weil sie das Geld nicht zusammen bekommen würden.

    Für Hillary Clinton spricht die Erfahrung und die Hoffung das sie nicht so eine Marionette wie Bush sein wird jedenfalls ist sie nicht dumm. Und sie hat vermutlich die grössten Chancen gegen die Republikaner zu gewinnen. Man muss das kleinste Übel wählen sonst wäre der Wunschkandidat Ralph Nader.


  3. · Spiegelfechter am 4. Januar 2008 um 20:09 - Permalink

    @value

    Von wegen “liberal”!

    Ich schrob auch, er sei von den aussichtsreichen republikanischen Kandidaten der “liberalste” - mit Gänsefüßchen ;-)

    Glaubst Du etwa, der Mormone und der Bapistenprediger wären “liberaler”? OK, McCain ist sicher vernünftiger, aber ihn zähle ich aus diversen Gründern nicht zu den aussichtsreichen Kandidaten.

    Was Paul angeht: Warum sollte man den Teufel mit dem Belzebub austreiben? Als Blogger, der regelmäßig gegen Auswüchse des Neolibarlismus wettert, werde ich wohl kaum Sympathien für jemanden empfinden können, der das Ganze noch um ein vielfaches toppt.


  4. · Spiegelfechter am 4. Januar 2008 um 20:31 - Permalink

    @Klaus

    Miss Clinton ist eine Frau, die es den Männern beweisen will, dass Frauen die härteren Männer sind und sie ein echter Kerl im Oval Office sein wird. So etwas kann sehr gefährlich sein - Komplexe gehören auf die Couch aber nicht an die Macht.

    Gegen Nader hätte ivh auch nichts ;-)


  5. · Dr. Dean am 4. Januar 2008 um 21:08 - Permalink

    Ron Paul ist in meinen Augen eine politische Witzfigur mit einem Urteilsvermögen, dass nur knapp meinen Guppies überlegen ist. So weiß er beispielsweise nicht, ob Kreationismus und die Idee von “inteligent design” wissenschaftlich sind - oder nicht. Was ihn nicht hindert, sich in derartigen Fragen zu äußern. Das mag jetzt nur eine Kleinigkeit sein, aber Ron Paul ist insgesamt unfähig, politische Zusammenhänge zu bewerten. Was im Übrigen sehr gut zu seinem extremistischen Anarchokapitalismus passt, welcher die Dimension des Gesellschaftlichen vollständig negiert bzw. “dem” Markt überlässt.

    Barack Obama wird vom Spiegelfechter m.E. unterschätzt. Es stimmt zwar, dass man sich bei ihm mitunter einige Mühe machen muss, um seine politischen Positionen zu finden, aber: Man findet sie - z.B. direkt auf seiner Homepage, wo auch deutlich wird, warum er sich für einen zügigen Abzug aus dem Irak einsetzt: Auch, um auf diese Weise Militär- und Rüstungskosten einzusparen, und mit den dann freien Geldern allen Amerikanern eine Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

    Ein kleiner Versuch zur Erklärung der ausgleichenden Rhetorik von Obama:

    In der politischen Kultur von Amerika, auch bedingt durch die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte, muss ein demokratischer Kandidat höllisch aufpassen, wenn er politische Position bezieht, schon allein, um sich vor der Medien- und Kampagnenmachinerie der Konservativen zu schützen. Ich denke, das ist ein wichtiger Hintergrund, wenn man begreifen möchte, warum sich praktisch alle (!) demokratischen Kandidaten ausgesprochen vorsichtig äußern.

    Barack Obama hat - meiner Meinung nach - deutlich mehr Tiefgang und Fundament, als es Spiegelfechter für möglich hält. Im Übrigen halte ich eine Politik eines “new deal” nur für eine Übergangslösung für bestimmte Krisensituationen, denn auf Dauer wird es keiner Wirtschaft gut tun, wenn staatliche Behörden die Preisfestsetzung für praktisch alle Güter, Dienstleistungen und Löhne vornehmen.

    M.E. besser als eine Neuauflage eines “new deal” wäre es, wenn die Wirtschaft in Richtung einer fairen und am Nutzen von Konsumenten und Arbeitnehmern ausgerichteten Wettbewerbsökonomie umgesteuert wird - durchaus sehr zu Lasten von Monopolen und einigen Großkonzernen, auch inklusive moderater Mindestlöhne und dem Ausbau von Arbeitnehmerschutzrechten - und Beteiligungsmöglichkeiten.

    Dabei ist jedoch der von den Gewerkschaften präferierte Weg (für den Edwards steht mit seinen Visionen von einem fetten und hochgradig regulierten Staat) nicht unbedingt der Weg, welcher den größten Wohlstand verspricht.

    Wirtschaftspolitisch halte ich Edwards für einen klassischen gewerkschaftlichen Interventionisten, welcher Bürokatien zur Aufblähung bringt, Hillary Clinton für die Kandidatin der Großkonzerne und der dort verbreiteten krankthaften Vorstellungen hinsichtlich eines guten Wirtschaftens und Barack Obama für jemanden, der zwischen nichtinterventionistischer Sozialdemokratie einem modernen Linksliberalismus steht.

    Ökonomisch sowie vom Gesichtspunkt eines notwendigen Kampfes gegen Industrielobbyismus und Rüstungswahns her halte ich Obama Barack für den interessantesten Kandidaten.


  6. · value am 4. Januar 2008 um 23:38 - Permalink

    @Dr. Dean:

    Obama hat sich wie alle anderen “ernstzunehmenden” demokratischen Kandidaten in der Vergangenheit für einen Krieg gegen den Iran ausgesprochen. Außerdem hat er noch einen möglichen Pakistankrieg angesprochen. Solche Äußerungen sind es die Kandidaten in meinen Augen zu “politischen Witzfiguren mit einem Urteilsvermögen… etc” machen.

    Das aktuelle US Militärbüdget beträgt 623 Milliarden $, deutlich mehr als alle anderen Staaten auf dieser kranken Erde zusammen!!! Zitat Obama:

    “We need to maintain a strategic force posture that allows us to manage threats posed by rogue nations like North Korea and Iran, and to meet the challenges presented by potential rivals like China. Indeed, given the depletion of our forces after the wars in Iraq and Afghanistan, we will probably need a somewhat higher budget in the intermediate future just to restore readiness and replace equipment.”

    Viel Spaß,

    v.

    PS: Hier ist noch was zum Lesen, was Dich vielleicht Deinen letzten Satz überdenken lässt:

    salon.com/...


  7. · Dr. Dean am 5. Januar 2008 um 00:09 - Permalink

    Für einen Krieg mit dem Iran? Nein, sorry, dafür gibt es kein Zitat. Er hat gesagt, dass es immer eine militärische Option bei feindlichen Staaten gäbe, aber im Fall des Iran hätte man die nichtmilitärischen Möglichkeiten bei weitem noch noch nicht ausgeschöpft. Richtig ist aber, dass Obama eine relativ beknackte Rede zur Außenpolitik gehalten hat (die ihm Beifall z.B. bei Neokonservativen wie von Kagan eingebracht hat), deren Positionen er aber später relativiert hat.

    Diese Rede diente wohl dem Zweck, nicht als “außenpolitisches Weichei” dazustehen. Tatsächlich aber kommt es ihm vor allem darauf an, dass die USA ihr militärisches Engagement zurückfährt und die Beziehungen zu den Verbündeten erneuert.

    Man mag es bescheuert finden, aber ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat kann sich nicht einfach hinstellen und sagen, dass die Militarisierung der amerikanischen Außenpolitik weitaus mehr Probleme verursacht hat als sie gelöst hat.

    Dabei ist das die Wahrheit. Und bemerkenswerter Weise auch Konsens innerhalb seines Wahlkampfteams. Bei der Rede vor Studenten in Iowa war Obama verblüffend kämpferisch - und antimilitaristisch. Und ich denke nicht, weil er ein Opportunist ist.

    Der Link zu Glenn Greenwald von Salon.com ist ziemlich prima (ich kannte das alles schon von antimilitaristischen US-Blogs). Wenn Obama von einem “revitalizing” spricht, dann meint das keine Mehrausgaben. Und was ihm als Befürwortung der Präventivschlagsdogmas ausgelegt wurde (u.a. von Kagan und auch von Greenwald), bindet er klar an eine “Stabilisierung”svorgabe. An anderen Stellen (nicht in dieser Rede) macht er aber klar, dass er die meisten Militärinterventionen für ausgesprochen destabilisierend hält.

    Er jongliert mit Worten. Weil er das muss.


  8. · axhel am 5. Januar 2008 um 00:19 - Permalink

    Nur mal am Rande.
    Die FED ist eine Privatbank, die 1913 von Präsident Woodrow Wilson ermächtigt wurde, den Dollar zu drucken.
    Siehe u.a.
    goldseiten...
    und viele weitere Quellen


  9. · Vogel am 5. Januar 2008 um 00:36 - Permalink

    Hi Jens!

    Zugegegeben: Man kann in wenigen Zeilen nicht groß differenziert argumentieren … aber Miss ist falsch!, Mistress wäre richtig! Oportunistin stimmt! (und noch ‘n “!”) - obwohl: Trotz aller Leichen im Keller hat Mrs. Clinton sich in der Vergangenheit ganz gut geschlagen (und darauf kommt es an - deshalb: rückgratlos?? weis ich nich’)! Bei der Gelegenheit einen Schuss in Dein Knie: “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte …” Was Du anderen vorwirfst betreibst Du hier selbst in hohem Grad! Etwas mehr Neutralität … mmmh! lassen wir das! Was Du ihr sonst noch vorwirfst: So sind Menschen! Es kommt immer auf den Blickwinkel an!

    Bei B. O. hab’ ich nicht so ganz den von Dir wiedergegebenen Eindruck - aus 10.000 km und aus zweiter, dritter Hand! Was war falsch an Kennedy? Vieles (wie an Dir und mir) - aber alles? Was war falsch am Martin Luther King? (und was an Louis Armstrong? - überleg’ Dir Deine Antwort gut: Mein erster “Amifreund” war ein “Nigger”: Scottie Hill - ich hab’ nächtelang geheult, als Dreizehjähriger, als Scottie ‘63 “zurück” musste mit seinen Eltern). “… und stimmte während seiner Amtszeit jeder Vorlage der Bush-Administration zu.” kannst Du das beschwören? Ansonsten - B. O.: Ein Mensch! (Btw: Das Bild zu B. O. ist einfach nur schlecht!)

    Edwards hat wohl das Problem, dass niemand über ihn reden wird: “Haste gehört? B. O. ….!, und Mrs. Clinton nur …!!!” Ansonsten setz’ ich genausoviel Hoffnung (Vertrauen) in ihn, wie ich nur in Deine Zeilen hineingeheimnissen kann - aber: Er ist auch nur ein M….!

    Die Republikaner sind nicht der Diskussion wert - jedenfalls für mich nicht, auch nicht Ron Paul (und nicht “John Redneck”)!

    Iowa wird überbewertet! Am 5.02. wissen wir mehr, am 23.08.011 (oder isses am 4.05.011?) wissen wir noch mehr.

    In summa: Gut - aber es gab schon bessere Beiträge von Dir!

    Beste Grüße
    Vogel

    PS.: Ich weiß: Miss C. iss’ nur ironisch gemeint!
    PSS: Beachte die Beiträge von Dr. Dean!


  10. · Dr. Dean am 5. Januar 2008 um 00:51 - Permalink

    4.10.2007: “There is no military solution in Iraq, and there never was,” he said.
    12.10.2007: “Five years after that vote for war, we should all have learned the lesson that the cowboy diplomacy of not talking to people we don’t like doesn’t work. We do need tougher diplomacy with Iran. But the way to support tough diplomacy is not to vote for reckless amendments — the way to support diplomacy is to actually pursue it.”

    Klingt so ein Mann, der einen Krieg mit dem Iran anstrebt? Eher nicht.

    Quellenangaben: Quelle und Quelle.


  11. · Vogel am 5. Januar 2008 um 00:59 - Permalink

    @Dr.Dean!
    Danke für Deine wohlgewogenen - und offensichtlich recht sachkundigen - statements.

    Grüße
    Vogel


  12. · transwarp am 5. Januar 2008 um 04:19 - Permalink

    Ron Pauls Gruende gegen den Rueckzug zu stimmen:

    I believe our troops should be brought back to the United States without delay. Unfortunately, one of the reasons I oppose this legislation is that it masquerades as a troop withdrawal measure but in reality may well end up increasing US commitments in the Middle East.

    lewrockwel...

    Ron Paul Medien zensur ist mehr als real: Nur zwei BSP der letzten Zeit:

    youtube.co...

    youtube.co...

    FED, ich muss nur die Videos anschauen und Bernakes Gesicht sehen, und ich weiss Ron Paul liegt absolut richtig…
    youtube.co... paul bernanke&search=Search

    Obama, Hillary(schlimmste), Edwards, MacCain, Guiliani sind nichts anderes als NEOCONS…. (Council of foreign affairs)… und zu jedem findet man Kriegstrommelnde Propaganda nachplappernde reden auf youtube.. man muss nur danach suchen…

    Wie gesagt ich teile die Kritik an Ron Paul bzgl. Umwelt, Healthcare, und das Recht des stärkeren…. Waffenbesitz find ich auch nicht so toll…

    Aber alleine die Zensur von Ron Paul sagt mir das viele MÄCHTIGE Leute MÄCHTIG Angst vor ihm und seiner Message haben… Wenn alles so negativ wäre wie der Spieglfechter und nemetico beschreiben….

    Warum wird Ron Paul nicht mal ein echtes Interview mit einem fähigen Talkshow Host(kein Wolf Blitzer, Larry King etc) zur Prime Time gewährt….?

    Man könnte ihn so zerflücken….tut es aber nicht…. Vermutlich weil man von Ron Pauls “wahrheit” Angst hat… Das der amerikanische Staat massivst korrupt/unterwandert ist, nichts mehr auf die Reihe bekommt, und seine bürger entmuendigt um sie weiter abzuzocken…

    Und noch was zu seiner Immigrationspolitik… Immer dieses geschwätz von Ron Paul ist gegen immigration und ein altnazi… Ron Paul ist für legale Immigration… Was ist daran so falsch?..

    Und wenn millionen illigale einwanderer im Land leben und nicht abgeschoben werden (können), weil sie morgen wieder über die Grenze sind.. dann gehört die Mexikanische Grenze nun mal dicht gemacht……. was soll denn die alternative sein?

    Nach “offiziellen” Angaben aus Mexiko haben im vergangenen Jahr rund 400 000 illegale Einwanderer die Grenze zu den USA überquert, eine weitere Million Menschen ist bei diesem Versuch gescheitert. Mittlerweile leben in den USA 40 Millionen gebürtige Lateinamerikaner, etwa acht Millionen von ihnen ohne gültige Papiere. 2006
    mexico-mex...

    400 000?, wer soll da mit Infrastruktur bauen nachkommen? Wie kann das sowieso kaum vorhandene Soziale System der USA dies bewältigen?

    und noch was Ron Paul wird zwar wohl keine Chance haben als Kanditat gewählt zu werden, aber ich Glaub wir werden noch einiges vom singel digit- 11Prozent Kandidat zu sehen bekommen…


  13. · schwitzig am 5. Januar 2008 um 09:45 - Permalink

    Also wirklich:

    der kleine hinterwäldlerische Staat Iowa

    Immerhin hat Iowa Slipknot hervorgebracht :-)

    Und dann dieser Fauxpas:

    Miss Clinton ist eine Frau, die es den Männern beweisen will, dass Frauen die härteren Männer sind und sie ein echter Kerl im Oval Office sein wird. So etwas kann sehr gefährlich sein - Komplexe gehören auf die Couch aber nicht an die Macht.

    Wenn man “Komplexe” als komplizierter Charakter (miß)versteht, bekommt der Satz eine ganz neue Bedeutung :-).

    Ja und zu Ron Paul: Der erinnert mich frappierend an den Partei-der-Besserverdienenden-Guido. Solche Kapitalfaschisten scheint es überall zu geben. Bei den anderen Kandidaten weiss ich ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll, denn ich gehe davon aus, dass der letztendlich gewählte wie der aktuelle auch nur Marionettencharakter haben wird. Wäre ich zynisch, würde ich z.B. für Huckabee votieren, da wohl am wenigsten Steuergelder zum Maul-halten-und-gehorchen-Kaufen des Kandidaten verschwendet werden müssen.
    Aber ich bin ja kein Zyniker und daher denke ich, dass jeder Kandidat ausser Ron Paul für die USA eine Verbesserung sein wird :-).


  14. · rintintin am 5. Januar 2008 um 11:15 - Permalink

    also ich fasse zusammen, “egal wen ihr demokratiegläubigen deppen wählt es wird immer einer von uns sein, ansonsten würden wir diese wahlen generell verbieten”

    wer das geld aus dem nichts schöpft hat die macht

    eine gute zeit wünscht euch
    rintintin


  15. · Spiegelfechter am 5. Januar 2008 um 12:38 - Permalink

    @8 axhel

    Die FED ist eine Privatbank, die 1913 von Präsident Woodrow Wilson ermächtigt wurde, den Dollar zu drucken.

    Darin sind gleich zwei Fehler. Die FED ist keine(!) Privatbank, sondern eine öffentliche Institution, deren Mitglieder Privatbanken sind. Das ist ein riesiger Unterschied, da die Mitgliedsbanken keinen Einfluss auf die Politik der FED haben. Die verantwortlichen Zentralbanker werden vom Präsidenten ernannt und sind somit politisch legitimiert. Der Unterschied zur rein öffentlichen EZB ist marginal. Die Gewinne der EZB gehen in den Staatshaushalt (so viele sind das gar nicht) und die der FED gehen an die Mitgliedsbanken, was anlässlich der Einlagen allerdings ein ziemlich mieses Geschäft für sie ist.

    Auch druckt die FED kein Geld - die übernehemen die Mint und das BEP. Die FED “schöpft” Geld über Kredite - das macht aber jede andere Zentralbank genau so.


  16. · Spiegelfechter am 5. Januar 2008 um 12:59 - Permalink

    @9 Vogel

    Miss ist falsch!, Mistress wäre richtig!

    *g*
    Du kennst doch meinen Hang zu Diminutiven. Aber Mistress wäre idT auch nicht schlecht ;-)

    “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte …” Was Du anderen vorwirfst betreibst Du hier selbst in hohem Grad! Etwas mehr Neutralität … mmmh! lassen wir das!

    Bei Kommentaren dieser Art versuche ich gar nicht neutral zu sein. Möglichst “objektiv” ja, aber nicht “neutral”, natürlich beziehe ich Stellung und dies laß ich bewußt auch in die Bilderwelt einfließen - sie sollte den Text unterstreichen.

    Bei B. O. hab’ ich nicht so ganz den von Dir wiedergegebenen Eindruck - aus 10.000 km und aus zweiter, dritter Hand! Was war falsch an Kennedy? Vieles (wie an Dir und mir) - aber alles? Was war falsch am Martin Luther King?

    Der Unterschied zwischen Schein und Sein ist es, auf den ich eingehe. Obama ist weder Kennedy noch King, er wird als eine Mischung aus beiden Personen verkauft. Das US-Politikgeschäft ist noch abstrakter als das sein deutsches Pendant. Die Spin-Doctors sorgen dafür, was die Kandidaten sagen und wie sie gesehen werden. Obama ist bis dato noch ein reines(!) Produkt. Man kann solche virtuellen Kandidaten nicht mit realen Personen der Vergangenheit vergleichen. Sollte er Präsident werden, wird man sich nach mehreren Monaten ein Blid von ihm machen können. Bis dato ist er die Werbebotschaft, die ein leckeres gutaussehendes Fertiggericht verspricht, dass aufgetaut und zubereitet fad aussehen kann und keinesfalls schmackhaft sein muß - von den künstlichen Zusatzstoffen in solchen Fertiggerichten mal ganz abgesehen.

    Mein erster “Amifreund” war ein “Nigger”

    Und? Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich negativen Rassismus vertete. Aber Du solltest aufpassen, dass Du nicht positiven Rassismus verfällst. Ein Farbiger ist genau so gut oder(!) schlecht, wie ein Weißer. Die Hautfarbe ist für die Bewertung eines Menschens nicht abwertend zu gebrauchen, aber(!) auch nicht aufwertend. Ich glaube, Du siehst BO ein wenig zu naiv und optimistisch … vielleicht hast Du recht und das Fertiggericht ist wirklich lecker und hübsch … meine Erfahrungen mit Politikern/Fertiggerichten lassen mich dies allerdings bezweifeln.

    Die Republikaner sind nicht der Diskussion wert

    Leider wird man sich aber noch ernsthaft mit ihnen beschäftigen müßen. Dabei kommt mir immer ein Zitat von Nixon in den Kopf (ich weiß nicht, ob es wirklich so gefallen ist, es stammt aus Stones Film “Nixon”): Keine andere Person außer mir hätte es geschafft, unsere Truppen aus Vietnam abzuziehen, ohne gleichzeitig einen Putsch von Rechtsaußen auszulösen. Insofern bin ich kritisch, was die Demokraten angeht - sie mögen wollen, können sie aber? Anders als viele Andere, würde ich z.B. Herrn Giuliani nicht als Katastrophe empfinden, da er wenigstens kann, was er will. Ich weiß, das klingt extrem desillusioniert, aber so ist der Mensch ;-)


  17. · Spiegelfechter am 5. Januar 2008 um 13:05 - Permalink

    @Dr.Dean und Value

    Politik ist nicht nur ein schmutziges, sondern auch ein volatiles Geschäft. Heute will keiner der Kandidaten Iran angreifen, noch schwerer wäre es, dies öffentlich zu fordern - ein politischer Selbstmord. In einer Zeit der Wendehälse ist mE Kontinuität das wichtigste. Jemand, der seine Grundpositionen der allgemeinen Wetterlage anpasst, ist wenig glaunhaft. Das trifft mE auch auf Obama zu. Klar, ist momentan gegen einen Iran-Krieg - in der Zeit als Bush noch die Kriegtrommeln gespielt hat, war von ihm jedenfalls kein lautes “Nein!” zu hören. Taktiererei und Schaumblasen … man kann ihn nicht nach seinen Worten messen, ohne den Kontext und den Zeitpunkt zu beachten - und selbst dann kann man daraus keine Prognosen für seine zukünftigen Positionen herleiten.


  18. · Spiegelfechter am 5. Januar 2008 um 13:19 - Permalink

    @transwarp

    Aber alleine die Zensur von Ron Paul sagt mir das viele MÄCHTIGE Leute MÄCHTIG Angst vor ihm und seiner Message haben…

    Ich weiß, der Vergleich ist unfair: Aber genau in dieses Horn blasen NPD und Konsorten auch. So what? Paul ist natürlich kein Nazi - aber allein aus der “Nichtbeachtung” seiner Person zu schliessen, er habe a) recht und sei b) eine Bedrohung ist doch recht einfach gedacht.

    Man könnte ihn so zerflücken….tut es aber nicht…. Vermutlich weil man von Ron Pauls “wahrheit” Angst hat…

    Keinesfalls - anders als in Deutschland, haben die USA eine lange Tradition mit politischen Paradiesvögeln. Seine “Wahrheit” besteht größtenteils aus Halbwissen und Verdrehungen, wie es gewisse Internetseiten ja auch gerne machen. Das Problem: Man kann diese einfache “Wahrheiten” nicht so einfach widerlegen, ohne fachlich tief in die Kiste zu greifen. Wenn Paul sagt “Der Dollar ist nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt ist”, so hat das die gleiche Qualität, wie Koch mit seinen “Ausländerkinder sind Kriminelle”. So etwas prägt sich ein, die Widerlegung ist wissenschaftliches, trockenes Gefasel, bei der die meisten Leute abschalten.

    Das das “System” korrupt ist, steht natürlich außer Zweifel. Das kann Paul feststellen, das kann die NPD feststellen. Die Feststellung ist nicht falsch, die Lösungen, die beide anbieten, sind es aber.

    p.s.: Warte mal ab, in NH wird er besser abschneiden - zumindest, wenn man den Umfragen glauben darf. Dann werden die Medien sich mit ihm beschäftigen …. und ihn zerreißen. Für die Paul-Jünger wird dies der Beweis der Verschwörung gegen Paul sein, der droht zu mächtig werden. Das ist natürlich falsch, es gibt unzählige Angriffspunkte und Ungereimtheiten bei ihm - man muß nur den Finger in die Wunde legen. Das hat nichts mit Verschwörung etc. pp. zu tun.


  19. · Spiegelfechter am 5. Januar 2008 um 13:25 - Permalink

    @13 Schwitzig

    Ja und zu Ron Paul: Der erinnert mich frappierend an den Partei-der-Besserverdienenden-Guido.

    Das ist kein Zufall, wäre er in Deutschland doch (politisch) ein Anhänger des libertären Flügels der FDP. Auch die Konnotationen seiner Worte sind ähnlich: Freiheit, Markt und Leistung - hört sich alles “toll” an, wenn man nicht weiß, was diese Kreise damit meinen ;-)

    Aber ich bin ja kein Zyniker und daher denke ich, dass jeder Kandidat ausser Ron Paul für die USA eine Verbesserung sein wird :-).

    Das denke ich idT auch. Das Leben ist kein Wunschkonzert und manchmal kann die Wahl des geringsten aller Übel auch eine Verbesserung sein.


  20. · nemetico am 5. Januar 2008 um 17:07 - Permalink

    einige Anmerkungen noch zu Ron Paul, den ich deswegen verstärkter Aufmerksamkeit würdige, weil er zum Objekt eines “Kleinbloggersheim”-Hype im Schatten der MSM - medien geworden ist, und nicht etwa deswegen, weil sein Programm (vom Abzug aus dem Irak abgesehen) so interessant oder gar attraktiv wäre.

    “Allerdings ist Paul auch der Kandidat, der für einen rücksichtlosen Anarcho-Kapitalismus steht.”

    Das ist nicht ganz richtig. Sogenannte “Anarcho-Kapitalisten” (auch Kapitalismusfetischisten genannt) verherrlichen zwar gern Ron Paul, aber dieser selbst ist keineswegs “Anarcho-Kapitalist”, sondern müßte in der Nomentklatur dieser “Bewegung” “Minarchist” genannt werden. “Minarchist” (von “Minimalstaat”) bedeutet konkret, daß der Staat gefälligst AUSSCHLIESSLICH die Aufgabe wahrnehmen soll, das “Eigentum und seine Freiheit” zu schützen. Im Sinne dieser Definition war auch Pinochets Militärdiktatur ein minarchistisches Regime (wenn man davon absieht, daß die unter Allende verstaatlichten Kupferminen unter Pinochet im Besitz des Militärs blieben, was sicher nicht ganz im Sinne der Vordenker Mises/Hayek etc. war, aber im Sinne des Prinzips, daß Freiheit gelegentlich in Blut gebadet werden müsse, durchaus hinzunehmen war).

    “Aber alleine die Zensur von Ron Paul sagt mir das viele MÄCHTIGE Leute MÄCHTIG Angst vor ihm und seiner Message haben… Wenn alles so negativ wäre wie der Spieglfechter und nemetico beschreiben….”

    Ich sehe es keineswegs so, daß mächtige Leute vor Ron Paul Angst haben. Ron Paul repräsentiert die Interessen (lax gesagt) der “armen Millionäre” und der hochsubventionierten Farmer der Südstaaten, vielleicht noch allenfalls die Interessen von (selten gewordenen) “Shooting Stars” in der “New Economy”. Außerdem zieht Ron Paul natürlich alle diejenigen in den Bann, die verblödet genug sind, die geschilderten Interessen für ihre eigenen zu halten.

    Diese Klientel ist nicht wahléntscheidend. Wahlentscheidender sind da die Schichten vom Abstieg bedrohter “Upper-middleclass” - Klientel, die beispielsweise ein Hampelmann wie Huckabee mit seiner konservativen Sozialromatik anspricht. Ron Paul spricht nicht die Interessen abstiegsbedrohter Middleclassler an, sondern nur stolzer “Eigentumsbesitzer”

    Ron Paul ist aus der Sicht des Militärindustriellen Komplexes kein geeigneter Kandidat, weil ihm jede Sozialdemagogie fehlt. Sein Programm ist - näher besehen - für mehr als 80 % der Bevölkerung (oder mehr) so völlig unattraktiv, daß er getrost gegen den Irak - Krieg agitieren darf. Das weiß der Militärindustrielle Komplex selbst selbst, daß dieser Krieg ein “mistake” war, und zu gegebener Zeit wird man Figuren wie Ron Paul gewiß aus der Versenkung ziehen, um die USA ggfs. in die Erholungsisolation zu führen.

    In diesem Zusammenhang sollten alle Ron Paul - Verehrer, so sie moch einen Funken Verstand beieinander haben, vielleicht noch zur Kenntnis nehmen, daß Ron Paul sich entschieden dagegen verwahrt, daß jemals US - Soldaten vor internationale Gerichte gestellt werden dürfen, und er führt die Kriegsteilnahme der USA im Irak vor allem auf die finsteren Machenschaften der UNO zurück.

    Was die “Mächtigen” angeht: die “Mächtigen” übergehen auch die Front National oder die NPD in Deutschland mit Schweigen, es sei denn, es ist nützlich, sich mit ihnen abzugeben.
    Aber Ron Paul wird auch KEINESWEGS so mit Schweigen seitens der MSM übergangen, wie es die Ron Paul - Supporter hinstellen, schließlich würdigte auch FOX den RP als würdigen Nachfolger des Geistes von Ronald Reagan (dieser soll angeblich auch “Nichtinterventionist” gewesen sein, was eine so lachhafte Lüge ist, daß sich jede weitere Äußerung darüber erübrigt).

    “Ja und zu Ron Paul: Der erinnert mich frappierend an den Partei-der-Besserverdienenden-Guido. Solche Kapitalfaschisten scheint es überall zu geben. ”

    Ja, es handelt sich um eine politische Strömung mit Sitz in den USA und diversen Ablegern in verschiedenen Ländern des Imperiums. In meiner Artikelserie stelle ich die Zusammenhänge dar: nemetico.t...

    ” Immer dieses Geschwätz von Ron Paul ist gegen immigration und ein altnazi…”

    Das ist kein Geschwätz, sondern eine Tatsache. Vielleicht mal das Programm von RP lesen. Ein Altnazi im deutschen Sinne ist er nicht, weil die extreme Rechte in den USA andere Präferenzen und Isignien hat als die deutsche.
    Im amerikanischen politischen Spektrum allerdings ist Ron Paul EXTREM RECHTS. Als Konstitutionalist müßte er konsequenterweise die Abschaffung der Sklaverei (1865) eigentlich für verfassungswidrig erklären, was er aber aus Klugheit nicht (jedenfalls nicht öffentlich) tut. Also schlauer als ein Guppy ist er da schon. Nach “konstitutioneller” Ansicht sind nämlich nur solche Gesetze verfassungskonform, die ALS SOLCHE bereits in der Verfassung von 1776 vorgesehen sind (was man über “Konstitutionalismus” wissen sollte).
    Nein, die Wiedereinführung der Sklaverei (und die Wiederherstellung der entsprechenden “Eigentumsrechte”) ist aktuell keine Forderung von Ron Paul, aber da muß man ihn wohl des Opportunismus beschuldigen, denn alle anderen politischen Fragen geht er genau auf diese Methode an: Sozialstaat - verfassungswidrig, Schußwaffenkontrolle - verfassungswidrig, FED - verfassungswidrig, Social Security - verfassungswidrig, usw usf. Ja, aber dass der amerikanische Bürgerkrieg im Prinzip zum Sieg der falschen Seite führte, das ist schon Position von R.P. und etwa seiner Fans von der “League of the south”, die eine neue Sezession ins Auge faßt.
    Naja, und was kann Ron Paul schon dafür, daß in den USA die KKK- und NSDAP - Rechte längst massiv für ihn Wahlkampf macht?

    Kennt man die amerikanische politische Szenerie, so kommt einem Ron Paul gar nicht so ungewöhnlich vor, hatte er doch in Ronald Reagan, Ross Perot und Barry Goldwater seine unmittelbaren Vorläufer.

    Geradezu erschütternd und frappierend aber die Verwandlung gar so mancher hoffnungsvoller politischer Blogs (politblog, radio-utopie) in rechtslibertäre Fanklubs dieses reaktionären Südstaatenromantikers. Offenbar wird da im kleinen die Korrumpierung der Mainstreammedien nachgeäfft, Hauptsache, am amerikanischen Wesen soll mal wieder transatlantisch die Welt genesen. Mir erscheint es so, als ob die Verblödungswelle in den kommerziellen Massenmedien (Abschreiben von Public Affairs - Pressemeldungen als “Journalismus”) nun in der Bloggosphäre seine Entsprechung findet.

    Ein Glück, daß sich der Spiegelfechter nicht auch so entwickelt hat und mit diesem Artikel beweist, daß er zu einer exzellenten und objektiven politischen Analyse dieser ganzen medialen Verwirrspiele rund um die US - Wahlen in der Lage ist.


  21. · value am 5. Januar 2008 um 18:48 - Permalink

    @nemetico:

    Du schreibst: “Das weiß der Militärindustrielle Komplex selbst selbst, daß dieser Krieg ein “mistake” war, und zu gegebener Zeit wird man Figuren wie Ron Paul gewiß aus der Versenkung ziehen, um die USA ggfs. in die Erholungsisolation zu führen.”

    Wieso soll der Krieg ein Fehler gewesen sein, wenn er dem MIK die gewaltigsten Gewinne aller Zeiten gesichert hat und weiterhin sichert (und zwar mit oder ohne demokratischen Präsidenten)? Der Krieg war und ist ein Riesenerfolg für die Machthaber und Ihre Proteges, die unglaublicherweise in vielen Fällen dieselben Leute sind!. Lies doch mal bei Naomi Klein nach. In der “Schock-Strategie” sind diesbezüglich mehr Quellen gelistet als man verkraften kann, ohne nach Revolution zu schreien. Oder lies Greg Palasts “Armed Madhouse”. Auch so eine nette Bettlektüre.

    Dieser Terrorkrieg, der uns täglich medial um die Ohren gehauen wird, dient einzig und allein dem Zweck, dem MIK die Taschen zu füllen, und ALLE Kanidaten außer Paul (und Kucinich, der aber leider keine größere Rolle spielen wird) dienen, zumindest nach ihren Äußerungen zu urteilen, diesem Herren.

    Paul ist der einzige, der die Urlüge, die dem allen zu Grunde liegt, angesprochen und mit der Wahrheit konfrontiert hat:

    “They don’t hate us for our liberty, they hate us, ’cause we’re there!”

    Das rechne ich ihm hoch an! Wenn der Glaube an den Terrorkrieg ein Kennzeichen gemäßigter oder gar “liberaler” Politik sein soll, dann bin ich eben nicht gemäßigt oder liberal. Der jetzige Brutalokapitalismus verbreitet sein Konzept mit Gewalt in der ganzen Welt. Dafür stehen alle anderen republikanischen Kandidaten sowie Frau Clinton. Ron Paul will genau das nicht. Warum also sollte er der schlechteste Kandidat sein?

    v.


  22. · Albi am 5. Januar 2008 um 19:31 - Permalink

    wollt nur mal kurz darauf hinweisen, dass die Wahl vermutlich längst entschieden ist. habt ihr garnich gesehn wer da bei den ansprachen nach der iowa-wahl immer hinter mike huckabee stand?
    Chuck Norris!


  23. · nemetico am 5. Januar 2008 um 19:44 - Permalink

    @value

    Ich bin keineswegs ein Gläubiger des Terrorkrieges und habe selbst in zahlreichen Artikeln nachgewiesen, daß “Al - Qaida” (nicht: Taliban) im wesentlichen ein Label für False - Flag - Attentate imperialistischer Geheimdienste ist.
    Aber das sagt beispielsweise Ron Paul AN KEINER STELLE.

    Was an dem Ron Paul - Zitat “They don’t hate us for our liberty, they hate us, ’cause we’re there!” so spektakulär sein soll, ist mir nicht aufgegangen. Das mag vielleicht noch das äußerste sein, was in eine stockkonservative Birne noch als Erkenntnis reingeht, aber mehr ist es nicht.

    Ron Pauls Wahlprogramm jedenfalls enthält im Kapital “Krieg und Außenpolitik” Beschönigungen und offene Lügen im besten Reaganschen Stil:

    “Der Krieg im Irak wurde uns mit falschen Informationen verkauft. Das Gebiet ist jetzt gefährlicher als vor unserer Invasion.”

    Es ist also nur die Frage, wie der Krieg verkauft wurde. Gemeint sind wohl die plumpen Lügen von wegen Uran aus Niger und Giftgaslabors in Lieferwagen. Man muss diese Zeilen aufmerksam lesen, denn sie enthalten deutliche Signale an verschiedene “Mächtige”. Es ist keinesfalls eine Absage an den “Interventionismus” sondern eine Anlage “schlecht verkauften Interventionismus”. Das muß man wissen, denn Ron Paul ist ein Zögling von Ronald Reagan.

    “Wir haben ein von unseren unmittelbaren Feinden, den Jihadisten, gehasstes Regime zerstört und schufen tausende neue Rekruten für sie.”

    Eine nette Beschönigung, und zwar eine bewußte. Auch dem ehrbaren Ron Paul ist durchaus wohlbekannt, daß die “Taliban” ihre Geburt 60 Milliarden US - Dollar aus Washington verdanken.

    “Sowohl Jefferson als auch Washington warnten uns vor der Einmischung in die Angelegenheiten anderer Nationen.”

    Bedachte Worte! Beide, Washington wie Jefferson, leiteten aber auch verantwortlich Interventionskriege der USA, Jefferson sogar einen imperialistischen Krieg der USA im Mittelmeer. Letztlich heißt dieser Satz nichts anderes als: Vorsichtig bei Interventionen im Ausland, und bitte nicht so dilettantisch, wie es Bush tat.

    Aufschlußreich auch folgende Zeilen:

    “Kein Krieg sollte jemals ohne eine vom Kongress abgestimmte Kriegserklärung geführt werden, so wie es die Verfassung gebietet. Unter keinen Umständen sollte die USA jemals wieder aufgrund einer Resolution in den Krieg ziehen, die von einer ungewählten, ausländischen Körperschaft wie den Vereinten Nationen beschlossen wird.”

    Klar doch, Schuld hat die UNO, die die arme USA gewissermaßen in den Krieg genötigt hat. Natürlich lesen stockblöde Rednecks so was gern, eine Lüge ist es allemal trotzdem.

    “Der Internationale Strafgerichtshof will versuchen, unsere Soldaten als Kriegsverbrecher abzuurteilen.”

    Steht so in RPs Wahlprogramm. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Haager Gerichtshof will nach diesen Zeilen anscheinend ALLE “unsere Soldaten” “als Kriegsverbrecher aburteilen”. Da sei Gott der Herr davor! Trefflich die ganze Frage vernebelt durch eine Lüge. Ron Paul - Revolution eben.

    “Wir dürfen uns gleichzeitig nicht isolieren. Die Freigiebigkeit der Amerikaner ist rund um den Globus spürbar gewesen. Viele haben Gott dafür gedankt, in vielen Sprachen. Lasst uns ein starkes Amerika haben, das mit anderen Nationen offenen Handel, Kommunikation, Verkehr und Diplomatie betreibt”

    Die Freigiebigkeit der “Amerikaner” in Form von Splitterbomben, Cruise Missile und Napalm ist in der Tat rund um den Globus “spürbar gewesen”. Was ist an diesem Müll in irgendeiner Weise “revolutionär” oder selbst nur diskutabel?

    Tatsächlich öffnet RP dem rechtsradikalen Lager bequeme Erklärungen für das Geschehene.
    “Viele haben Gott gedankt” - ein unfreiwilliger Hinweis darauf, wie massiv die US - Geheimdienste sich allein nur religiös - fundamantalistischer Bewegungen bedienten, um weltweit ihre Interessen durchzusetzen (Afghanistan, Pakistan, Indonesien 1965, Irak, Libanon)? Klar haben Mullah Omar und OBL seinerzeit “Gott gedankt” für die reichen Gaben aus USA.

    “Wieso soll der Krieg ein Fehler gewesen sein, wenn er dem MIK die gewaltigsten Gewinne aller Zeiten gesichert hat und weiterhin sichert (und zwar mit oder ohne demokratischen Präsidenten)?”

    Das sehe ich in der Tat auch so. Der Irakkrieg war kein Fehler aus der Sicht des MIK, denn der Krieg und die Leiden der Bevölkerung sind eine Goldgrube. Aber mit Ron Paul (!!) bin ich der Meinung, daß dieser Krieg schlecht verkauft wurde. Im Unterschied zu ihm bin ich aber eher glücklich darüber, daß die Maskerade so schlecht war (Powell vor der UNO).
    In der Tat liegt hier ein zentrales propagandistisches Problem des MIK vor. Geschäftlich ist der Krieg eine Goldgrube, “moralisch” und “politisch” eher ein Desaster.
    Wenn ich geschrieben habe, daß der Irakkrieg aus Sicht des MIK ein “mistake” war, dann meine ich die propagandistische Niederlage, die der Krieg für das Imperium mit sich brachte.
    Kein republikaner wird sich hinstellen können vors Wählervolk und händereibend verkünden: “Also der Krieg läuft wie am Schnürchen, die einzige wachstumsbranche, die es für uns noch gibt”. Es muß also geheuchelt werden, entweder auf Variante Clinton, auf Variante Obama, auf Variante Huckabee oder Variante Ron Paul.


  24. · nemetico am 5. Januar 2008 um 19:54 - Permalink

    Das sehe ich ja jetzt erst.

    Vielen Dank an Spiegelfechter für diesen Link:
    cq.com/gra...

    jeder weitere Kommentar zum Thema Goldstandard überflüssig.


  25. · Spiegelfechter am 6. Januar 2008 um 00:53 - Permalink

    @24 nemetico

    Eigentlich wollte ich die Finanzverhältnisse von Miss Clinton in Erfahrung bringen und bin eher zufällig für Ron Pauls Finanzerklärung “gestolpert”. Ich war selbst erstaunt, dass sie (obgleich offen zugänglich) noch nirgends thematisert wurde ;-)


  26. · transwarp am 6. Januar 2008 um 02:37 - Permalink

    Ich war selbst erstaunt, dass sie (obgleich offen zugänglich) noch nirgends thematisert wurde..

    Stimmt nicht ganz… google ron paul und goldcorp…
    Und was soll ich dazu sagen, für jemanden der den Dollar am abgrund sieht und an Gold glaubt.. und das auch allen anderen konstant predigt.. in was wird er wohl seine Kohle investieren.? Und ganz so unnlohned wars dann wohl doch nicht….

    nemetico

    Was an dem Ron Paul - Zitat “They don’t hate us for our liberty, they hate us, ’cause we’re there!” so spektakulär sein soll, ist mir nicht aufgegangen.

    Es ist also nur die Frage, wie der Krieg verkauft wurde.

    Eine nette Beschönigung, und zwar eine bewußte. Auch dem ehrbaren Ron Paul ist durchaus wohlbekannt, daß die “Taliban” ihre Geburt 60 Milliarden US - Dollar aus Washington verdanken.

    Sorry, aber du kennst dich einfach zu wenig über Ron Paul in dem Bereich aus….. Wenn du so ein youtube junkie wie ich wärst.. wuerdest du wissen was ROn Paul so alles gesagt hat.

    We gave him (saddam) the gas!
    We were responsible for throwing over Iran democratic elected government….installed dictators all over the world..
    BACKFIRE!
    Israel got 200 nukes, they can defend themselves…
    Iran is not a Thread, Iran got no Nukes, wont get any in 10 Years.. (da war der CIA Report noch lang nicht drausen)
    We supported the taliban against the russians… We gave them the money…
    911 (interview mit alex jones) wurde einiges vertuscht….

    Ron Paul hat ein sehr umfrangreiches geschichtliches verständniss… und sämtliche interviews hat er damit geownt..

    Du beziehst deine Kritik nahezu Komplett auf seine Homepage…. oder auf zitate dieser LÄCHERLICHEN Debatten… Btw: Ron Paul hat als einziger vernuenftige Sätze formuliert Die nicht mit USA USA USA begonnen haben… Alleine das kann man ihm hoch anrechnen…..

    Ron Paul hat zu allem was er sagt fachkentnisse und kann damit überzeugen wenn man ihn lässt…

    Der Mainstream Wahlkampf ist auf patriotische einzeiler ausgerichtet, angepasst für das nicht lese begeistertes amerikanische Volk …
    Und schau dir mal an wieviele Stimmen Maccain, Huckabeeee, Hillarie bekommen haben..Das ist einfach unerklärlich…
    Die Republikanischen Kandidaten sind bis auf Ron Paul alle komplette Idioten! Marionetten, talking Heads, Dumpfpatrioten…

    Ron Paul muss sich da anpassen…. Wie du da konstant nur auf Ron Paul rumhacken kannst, wenn doch der standard der anderen so dermassen niedrig ist…..
    weiss ich auch nicht….

    BTW: Natuerlich kann er keine IsraelLobby direkt ansprechen.. Wenn er das täte wäre er sofort weg vom Fenster….

    Aber der SPruch mit Israel got 200 nukes, they can defend themselves… ist revolutionär! Israels Atomwaffen offen anzusprechen…und das zur Primetime..Das hat noch keiner amerikanischer Politiker gewagt….

    Also komm mir nicht mit Ron Paul wär nicht revolutionär…..Er ist es!….


  27. · hannilein am 6. Januar 2008 um 03:07 - Permalink

    [o.t.]
    “hannilein” verabschiedet sich hiermit von Euch und vom “Spiegelfechter” - ich hab’ gerade meine letzte Korrektur gelesen (nachdem ich schon seit Monaten leider kaum noch Zeit dafür übrig habe…) und ich wünsche Euch allen noch viele konstruktive Debatten , denn - “der Diskurs ist notwendig!”

    A dieu
    hannilein (vormals auch “Hannibal Lektor”)


  28. · transwarp am 6. Januar 2008 um 03:22 - Permalink

    Du musst den Mainstream Wahlkampf von den eigentlichen Aussagen Ron Pauls trennen…

    Wie kann Ron Paul gewinnen, wenn er konstant den Leuten klar macht, das die USA mit ihrer Aussenpolitik zum grossen Teil verantwortlich für so einge Krisen dieser Welt sind….?

    Er muss der USA auch honig ums maul schmieren……..Aber immer wieder bekundet er massive detailirte Kritik, und das unterscheidet ihn von den anderen ausichtsreichen Kandidaten…. und glaube mir von den anderen wirst du keine Kehrtwende erleben wenn sie mal president sind.. Da gibts einfach zuviele youtube videos;) und informationen im netz…

    Ich denk nicht das Ron Paul President wird, auch sehe ich seine Aussagen bzgl. healthcare, gun controll, environment als falsch an. Bin auch der Meinung das die Regierung wichtige funktionen hat für diese Probleme zu sorgen…

    Aber ich seh jeden “Dollar” der für Ron Paul gespendet wird, jedes Prozent das er im Wahlkampf erreichen wird (denke er wird so einige Staaten gewinnen) als eine direkte Ohrfeige für die korrupten, kriegsgeilen, machtgeilen, Poizeistaat suchenden, Paranoiden Menschen dieser Welt an, und einen schlag ins gesicht der kontrollierten Mainstream medien…..und als einen triumpf des Internets… Ich kann mir richtig vorstellen das Schäuble so einige nächte nicht mehr schlafen kann, weil er überlegen muss wie er das Internet auschaltet….

    Ron Paul und das Internet hat bewiesen und wird die naechsten monate weiter beweisen das Demokratie noch eine chance hat…. Und Mainstreammedien wie der Spiegel und Konsorten an Macht verlieren.. Die Leute wachen auf…. Es gibt Hoffnung…

    Danke Ron Paul !


  29. · transwarp am 6. Januar 2008 um 03:56 - Permalink

    Und noch zum Bürgerkrieg:

    youtube.co...
    youtube.co...

    Iran:
    youtube.co...

    Israel:
    youtube.co...


  30. · value am 6. Januar 2008 um 09:26 - Permalink

    @nemetico:

    Du schreibst: “Was an dem Ron Paul - Zitat “They don’t hate us for our liberty, they hate us, ’cause we’re there!” so spektakulär sein soll, ist mir nicht aufgegangen. Das mag vielleicht noch das äußerste sein, was in eine stockkonservative Birne noch als Erkenntnis reingeht, aber mehr ist es nicht.”

    Es ist das äußerste, was man in den MSM noch sagen kann, wenn man nicht als irrer Verschwörungsspinner dargestellt werden will. Komm schon, das weißt Du doch selbst.

    Zitat RP:
    “Kein Krieg sollte jemals ohne eine vom Kongress abgestimmte Kriegserklärung geführt werden, so wie es die Verfassung gebietet. Unter keinen Umständen sollte die USA jemals wieder aufgrund einer Resolution in den Krieg ziehen, die von einer ungewählten, ausländischen Körperschaft wie den Vereinten Nationen beschlossen wird.”

    Du schreibst: “Klar doch, Schuld hat die UNO, die die arme USA gewissermaßen in den Krieg genötigt hat. Natürlich lesen stockblöde Rednecks so was gern, eine Lüge ist es allemal trotzdem.”

    Wo steht, dass er damit den Irakkrieg meint? Natürlich sind die USA noch nie von der UNO in einen Krieg genötigt worden. Was Deutschland und die EU angeht, habe ich diesbezüglich übrigens für die Zukunft so meine Zweifel. In den Überwachungsstaat werden wir ja schon von der undemokratischen EU gezwungen. Jedenfalls ist RPs Satz keine Lüge, solange er nicht den Irakkrieg meint.

    v.


  31. · Peinhart am 6. Januar 2008 um 11:58 - Permalink

    “Was Deutschland und die EU angeht, habe ich diesbezüglich übrigens für die Zukunft so meine Zweifel. In den Überwachungsstaat werden wir ja schon von der undemokratischen EU gezwungen.”

    Und wer besetzt bzw bildet die einschlägigen EU-Institutionen? Es sind unsere Regierungen, die via EU die jeweils eigene Legislative umgehen und unter Druck setzen. Und insbesondere Deutschland kann man dabei wohl kaum als ‘Opfer’ ansehen. Von der gleichen Qualität ist Ron Paul’s Lamento über die UNO - deren missliebige Resolutionen von der Veto-Macht USA jederzeit geblockt werden können, wovon auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde und wird. In der UNO geht ohne die USA sogar noch weniger als in der EU ohne Deutschland.


  32. · nemetico am 6. Januar 2008 um 12:09 - Permalink

    @transwarp

    Was Ron Paul alles zu außenpolitischen Fragen der USA gesagt hat, bestreite ich gar nicht, warum auch? Es mag sicherlich auf manche “revolutionär” wirken, wenn ein amerikanischer Politiker ausspricht, was seit Jahrzehnten die Spatzen schon weltweit von den Dächern pfeifen.
    Und daß Äußerungen Ron Pauls zur internationalen Politik der USA jeden Vergleich mit den neoliberalen, us-imperialen Auftragsejakulaten etwa des SPIEGEL erfolgreich bestehen, gebe ich gern auch zu. Aber wovon reden wir denn eigentlich?
    Wir reden vom anstehenden Wahlkampf um die US - Präsidentschaft im Zeichen eines verlorenen imperialistischen Kolonialkrieges.
    Man kann diesbezüglich einem Ron Paul offene und ehrliche Aussagen zu der blutigen imperialistischen Politik der USA diesem gewiß “hoch anrechnen”, wogegen ich überhaupt nichts habe. Aber diesen reaktionären Südstaatenromantiker zum Befreier der Menschheit hochzustilisieren, wie es gewisse naive Blogs (wie politblog und radio-utopie) gemacht haben, ist etwas ganz was anderes, denn dieser nette HerrDoktor ist gleichzeitig auch Repräsentant der im wahrsten Sinne des Wortes reaktionärsten Sektoren der amerikanischen Gesellschaft, die nicht bereit sind, früher oder später die Verantwortung für die Aktionen der neokonservativen Bush-Fraktion zu übernehmen.
    Man muß wirklich begreifen, daß Ron Paul der politische Erbe des Interventionspräsidenten Ronald Reagan ist und die Ideologie dieses Mannes mit der eines Augusto Pinochets und Milton Friedmann identisch ist. Das mag Illusionen rauben, aber es ist genau so die Wahrheit wie “We gave him (saddam) the gas!” auch die Wahrheit ist.
    Und bitte nicht vergessen: auch die NPD ist gegen den Irakkrieg, und das auch mit Losungen, die bisweilen sehr klar und sehr treffend sind.
    Würde ich der Argumentation so mancher naiver Ron Paul - Supporter folgen, dann müßte ich auch Wahlkampf für die NPD machen, weil die Aussagen der NPD zum us - amerikanischen Irakkrieg meistens sehr treffend und sehr richtig sind.
    Muß ich wirklich erklären, warum ich trotzdem auf keinen Fall Wahlkampf für die NPD machen würde?
    Zurück zu Ron Paul.
    So dumm wie man glaubt sind viele Amerikaner gar nicht. Das schlechte Abschneiden Ron Pauls in Iowa TROTZ seiner Aussagen gegen den Irakkrieg ist wohl eindeutig seinen ultrakapitalistischen sonstigen Positionen zu verdanken. Wo ein Huckabee wenigstens Mitgefühl mit den von der Immobilienkrise betroffenen middleclass-Leuten heuchelt, da verspricht Ron Paul nur Schutz vor der NAFTA-Autobahn, von der nur vergleichsweise wenige betroffen wären, und das auch nur, um die mexikanischen Untermenschen draußen zu halten. Wer RPs Programm genau liest, wird schnell zu dem Schluß kommen, daß es - gewissermaßen im Gegenzug für den Verzicht auf Abholzung gewisser Bäume in Nationalparks - die komplette Abholzung der kläglichen Überreste der amerikanischen Social Security beinhaltet. In den Blogs seiner Fans, die ich durchaus interessiert studierte, wird sogar von der Abschaffung der Rentenversicherung geschwärmt und der völligen Privatisierung des Krankenversicherungswesens.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Kriegsende im Irak plus einer Zukunft unter einer Straßenbrücke versus Sozialdemagogie plus diverse laue Aussagen zum Irakkrieg wird vielen speziell “dummen” Amerikanern die Wahl möglicherweise nicht schwer fallen.
    Ich hoffe, ich muß nicht betonen, daß ich die Sozialdemagogie der anderen Kandidaten deswegen nicht für “besser” halte.
    Tatsächlich - würde man von Ron Pauls Kandidatur seine Aussagen zum Irakkrieg abziehen, so gäbe es nichts an dieser Figur, das bemerkenswert wäre. Zwischen rechts”libertären” und “paläokonservativen” Strömungen balancierend repräsentiert er in Reinform die traditionelle extreme Rechte der USA. Schön unter den Tisch gekehrt wird die Tatsache, daß nach diesen “Konstitutionalisten” die Abschaffung der Sklaverei im Prinzip verfassungswidrig war und die Sache des Südens eigentlich die gerechte war. Das verdeckt man schön mit Floskeln wie daß die Bundesregierung eigentlich am Rassismus schuld sei, weil die “Gruppeninteressen” fördere statt die Freiheit des Individuums und seines “Eigentums”. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich nicht auf die Widersprüche der - aus meiner Sicht protofaschistischen - Ron Paul - Bewegung zu sprechen kommen, sondern nur die Frage aufwerfen, wie politisch verwirrt man eigentlich sein muß, wenn man außer die offenen Worte des RP zum Irak diesem “hoch anzurechnen” diesen politischen Geisterfahrer auch noch zum Menschheitsretter hochstilisieren muß.


  33. · Spiegelfechter am 6. Januar 2008 um 13:33 - Permalink

    @27 hannilein

    Adieu Hannilein!
    Du wirst mir fehlen, mit Deinen Anregungen und mit Deiner Kritik. Ohne Dich hätte es den Spiegelfechter nie gegeben und mit ihm bleibt etwas von Dir im Netz. Bon Chance!

    Dein
    Jens


  34. · Nero am 6. Januar 2008 um 15:28 - Permalink

    Laut neusten Umfrageergebnissen sind Obama und Clinton in New Hampshire gleich auf, Clinton muss immer mehr Prozentpunkte einbüßen. Mein Favorit ist auf jeden Fall Obama, von allen Übeln ist er der kleinste. Clinton, die rechtsaußen Demokratin, ist einfach nur unsympathisch und ich hoffe sie verliert…


  35. · Der_Jo am 6. Januar 2008 um 15:51 - Permalink

    Amerika hat ein ein-Parteien System mit 2 Rechten Flügeln.
    Wobei mir abhanden gekommen ist wer das ursprünglich sagte. Jedenfalls warum ist die Wahl denn interessant? Wird sich doch eh nicht viel ändern!


  36. · Dr. Dean am 6. Januar 2008 um 20:02 - Permalink

    Oh, ist das hier die Ron-Paul-Gedächnis-Debatte? So kommt es mir beinahe vor. Oder ging es um demokratische Bewerber im Vorwahlkampf in den USA? Ehrlich, ich halte Ron Paul für einen irrelevanten Tattergreis politischen Vollpfosten - und seinen Unterstützerkreis bewerte ich nur unwesentlich günstiger. Wer Ron Paul breit diskutieren will, der gehe dafür bitteschön in den sozialdarwinistischen FDP-Blog “Antibuerokratieteam”.


  37. · nemetico am 6. Januar 2008 um 23:10 - Permalink

    @Dr.Dean
    Ich stimme ausdrücklich zu, daß sowohl die politische Geisteswelt eines Ron Paul als auch die der Mehrzahl seiner Supporter im wesentlichen eine sozialdarwinistische ist. Eine andere Schlußfolgerung ist nach Studium seines Wahlprogramms und seiner “geistigen Hintergründe” (Mises, Hayek usw.) gar nicht möglich. Und gewiß lohnte es sich in der deutschen Bloggosphäre gar nicht, mit diesem poltischen Geisterfahrer zu beschäftigen, wenn nicht (aufgrund seiner Stellungnahme für den Abzug aus dem Irak) sich einige für (aus welchen Gründen auch immer) “links” eingeschätzte Blogs (u.a. radio-utopie, politblog) für einen Pseudowahlkampf zugunsten dieses Mannes hergegeben hätten.
    Von Seiten der Ron Paul - Supporter wird gern geltend gemacht, daß dessen Kandidatur von den “Massenmedien totgeschwiegen” würde (ein Eindruck, den ich im übrigen nicht teile).
    Allein deshalb ist eine Diskussion, so sie sich ergibt, schon notwendig, und wenn möglich, nicht ausgerechnet auf sozialdarwinistischen Blogs. Jedenfalls tat Spiegelfechter ein gutes Werk, dieses Thema eben NICHT totzuschweigen.
    Es fiel mir keineswegs leicht, die Artikelserie zu dem Thema zu verfassen (auf die Spiegelfechter dankenswerterweise hingewiesen hat), weil allein schon die Vorstellungswelten eines Ludwig von Mises oder eines Hayek in mir ein -hm, wie soll ich es sagen? - intensives Übelkeitsgefühl in mir hervorriefen, was ich nur durch das Verfassen einer passenden Satire kompensieren konnte
    (http://nemetico.myblog.de/nemetico/art/5398574/Der_Carzinomismus_bzw_Cellulismus).
    Das Unwissen eines durchschnittlichen Ron Paul - Fans hierzulande über Hintergründe und Ideologie dieser “Bewegung” ist nämlich geradezu uferlos.
    In diesem Sinne…


  38. · hannilein am 7. Januar 2008 um 01:18 - Permalink

    @ #33, den “Cheffe”:

    “Ohne Dich hätte es den Spiegelfechter nie gegeben…” ist zwar ein sehr freundliches Kompliment, allein - es stimmt halt nicht ;-) Dein Blog würde dann halt vermutlich einen anderen Namen tragen und und eventuell etwas später das Licht der Welt erblickt haben, aber die Fakten wären dieselben: Nur DU hast ihn geschaffen und nur durch DICH lebt er!
    Da hat es mich einfach nur gefreut, Dich in Deiner ‘Entscheidungsfindungsphase’ bestärken und gelegentlich rechthaberisch, äh… rechtschreiberisch aushelfen zu können ;-)

    btw.: “Bon Chance” würde Dein altes Hannilein übrigens gerne noch in “Bonne chance” verzaubern, aber leider ist sie akut mindestens 4 Umzugskartons im Rückstand und hat auch noch keine neue Bleibe :-P

    Überforderten Gruß
    hannilein

    P.s.: Das Clinton-Photo ist wirklich mal wieder “ganz großes Kino” - die Dame guckt so verwirrt und “gesprengt”, wie sie denn wohl auch ist :-D Dankeschön!


  39. · salvo am 7. Januar 2008 um 10:13 - Permalink

    da ich es auf seinem eigenen Blog nicht konnte - so oft ich es versucht habe, so oft gelangte ich auf eine weiße Seite -, so nutze ich die Gelegenhei, mich hier bei nemetico zu bedanken für seine aufklärende Arbeit über den Ron Paul Mythos.

    der politblog, der sich in mehreren beiträgen unkritisch und bedingungslos zum Fürsprecher von RP gemacht hat, hat mit nemetico eine wichtige kritische Stimme verloren, schade

    @SF
    auch wenn der Realismus als Grund dafür angegeben sein mag - hat denn das Leben und die Welt so viel Resignation verdient? Wenn man das so liest und dem folgt, kann man sich nur noch resigniert abwenden. Wie kommt es, dass Millionen Menschen zwar die Freiheit haben etwas zu tun, und letzten Endes aber das tun, was sie nie getan hätten, wenn sie dazu die Freiheit gehabt hätten? Die Wahl zum nächsten US-Präsidenten wird unabänderlich dazu führen, dass der/die nächste ‘mächtigste Mann bzw Frau der Welt’ zum selben Albtraum für die Welt wird wie es der Vorgänger war/ist. Da bleibt nicht einmal die Wahl des geringeren Übels übrig.

    Die bedingungslose Parteinahme für Ron Paul könnte man übrigens auch als ‘Rebellion’ gegen solche Resignation sehen - zumindest was viele der eigentlich kritischen Geister angeht (denn als solch sehe ich noch Menschen wie pony-hütchen beim politblog doch)


  40. · Spiegelfechter am 7. Januar 2008 um 11:05 - Permalink

    @salvo

    Die Wahl zum nächsten US-Präsidenten wird unabänderlich dazu führen, dass der/die nächste ‘mächtigste Mann bzw Frau der Welt’ zum selben Albtraum für die Welt wird wie es der Vorgänger war/ist. Da bleibt nicht einmal die Wahl des geringeren Übels übrig.

    There are different Shades Of Grey ;-)

    So negativ würde ich die Lage nicht mal bewerten. Vor allem muß man “Pop” und “Politik” trennen. Nehmen wir den Popstar Kennedy - was hat er eigentlich großes für sein Land und die Welt getan? Außer “heißer Luft” kann ich wenig konkretes sehen, das seinen Ruhm rechtfertigen würde. “Antistars”, wie Nixon oder Carter hatten eine ähnliche Bilanz, wobei Nixon es sogar schaffte, dem Vietnam-Desaster ein Ende zu bereiten (wenn auch ein unrühmliches (Bombardements)). Ein anderer Präsident, der eigentlich nur durch militärische Dinge bekannt ist, Franklin D. Roosevelt, war beispielsweise der Mann, der wirtschaftspolitische Wunder vollbracht hat. Ich denke man sollte abwarten. Wie ich schrieb, halte ich von den aussichtsreichen Kandidaten idT nichts bis gar nichts. “Besser” als Bush werden sie aber alle sein. Vielleicht heißt der nächste Präsident wirklich Obama. Aber kann ein Präsident heute überhaupt noch seinen Worten Taten folgen lassen? Oder anders gefragt: Wie groß ist der Handlungsspielraum bzw. der Entscheidungshorizont? Ich bezweifele ernsthaft, dass ein “demokratischer” Präsident die Truppen aus Irak abziehen kann, ohne einen “Putsch” von rechts auszulösen. Dennoch kann ein neuer Präsident kleine Schritte unternehmen. Warten wir ab.

    Die bedingungslose Parteinahme für Ron Paul könnte man übrigens auch als ‘Rebellion’ gegen solche Resignation sehen - zumindest was viele der eigentlich kritischen Geister angeht (denn als solch sehe ich noch Menschen wie pony-hütchen beim politblog doch)

    Ja sicher, das glaube ich auch. Leider sehe ich bei den “Paul-Fans” abseits der FDP-Extremisten eklatante Defizite im volkswirtschaftlichen Wissen. Die Jungs und Mädels meinen es sicher nur gut, ihnen fehlt aber die Fähigkeit, aus Pauls abstrakte Zielen konkrete Folgen herauszulesen. Die angesprochene Klientel ist bitter enttäuscht vom Kapitalismus - wer könnte es ihnen verdenken. Getäuscht und verwirrt durch haltlose Propaganda und Halbwahrheiten, die im Netz verbreitet werden, sind sie leichte Ziele für einen Rattenfänger wie Paul. Meist sind die einfachen Antworten auf komplexe Probleme eben nicht die “richtigen” Antworten.

    Das Schema, das dahinter steht, ist ja auch nicht eben neu. Extremisten jeder Couleur bedienen sich solcher Mittel. Die “Leichtgläubigen” sind nur all zu oft deren Opfer - die meisten merken es, und wenden sich ab.

    Ich habe übrigens gerade mal testen lassen, wen ich denn so wählen würde. Leider haben meine Wunschkandidaten Kucinich und Gravel keine realen Chancen. Ginge es nach diesem Test, so müßte ich Herrn Obama als kleinstes Übel unterstützen ;-)


  41. · nemetico am 7. Januar 2008 um 17:41 - Permalink

    @salvo

    Vielen Dank für den Hinweis auf die sehr unzuverlässig funktionierende Kommentarfunktion auf meinem Blog nemetico.myblog.de. Da ich jenes System nicht selbst administriere (es ist ein kostenloser Blog-Anbieter), bin ich dem Rätsel leider auch nicht auf die Spur gekommen, wann die Kommentarfunktion funktioniert und wann nicht.
    Ich habe mir kurzerhand einen Notbehelf geschaffen und ein Diskussionsforum eingerichtet, das offen zugänglich ist.

    Die URL des Diskussionsforums lautet:
    nemetico.c...

    Wer an der Diskussion des einen oder anderen Themas Interesse hat, der sei herzlich eingeladen.

    Ja, der politblog ist seltsam still geworden seit Weihnachten. Ich bin auch gespannt, ob und wann er sich endgültig als kapitalismusfetischistischer Blog in der Art von “antibürokratieteam”, “bavaria-für-ron-paul”, “opponent” oder “capitalista” outet. Für eine gewisse Zeit war die Erfolgsstory des politblog ja beeindruckend und er hatte durchaus das Zeug zu einem alternativen online - Nachrichtenmagazin einer kritischen Gegenöffentlichkeit - und das mit einer mehr als dünnen “Personaldecke”.
    An einer kritischen Öffentlichkeit “von unten” besteht nämlich in der Tat ein großer Bedarf - auch der Erfolg und das Renomee des Spiegelfechters beweisen es ja -, an einer marktradikalen Super - FDP (die vorhandene FDP ist echten Ron Paul - Fans viel zu “sozialistisch”) allerdings wohl kaum.
    Positiv würde ich daher formulieren: der zeitweilige Erfolg des politblog ist wiederholbar und vielfach reproduzierbar.
    Ich mache mich daher stark für die Gründung entsprechender Gemeinschaftsblogs, deren “Personaldecke” (es handelt sich ja letztlich um unbezahlte journalistische Arbeit) ausreichen müsste, um den von “Public Affairs” - Agentur abschreibenden Mainstreammedien Paroli zu bieten und eine verantwortliche Gegenöffentlichkeit aufzubauen.
    Das mit der “Personaldecke” ist nicht zu unterschätzen. Ich selbst bin Schichtarbeiter und jeder Artikel - das verlangt schon das eigene Ethos - soll natürlich durchdacht und fundiert sein, und nicht einfach bildzeitungsmäßig hingerotzt. Das kann ein einzelner Blogger, der (hoffentlich) auch eine geregelte Arbeit hat, gar nicht schaffen (Ironischerweise möchte ich bemerken, daß ich die meisten Artikel natürlich während einer zeitweiligen Arbeitslosigkeit schreiben konnte).
    Das alles spricht für Gemeinschaftsblogs mit einer entsprechenden Breite an Themen und Autoren. Vielleicht ist das ja im Kommen. Was die seichte imperiale Propaganda etwa des SPON angeht, da haben unabhängige Amateurblogs (wie zeitweise der politblog) ja durchaus bewiesen, daß man nicht von “Public Affairs” - Instituten geschmiert sein muß, um Nachrichten und informative Kommentare aus aller Welt und über alles in der Welt zu produzieren. Ironische Bemerkung am Rande: deutschsprachige Texte von “Al-Qaida” aus dubiosen Webseiten heraus zu kopieren und als Sensation zu veröffentlichen, womit gewisse professionelle Autoren ihr Geld verdienen, dazu braucht es gewiß keine journalistische Ausbildung. Aber vielleicht braucht es eine journalistische Ethik, die den Interessen der Mehrheit der Menschen verpflichtet ist. Das ist etwas, wovon beim zeitgenossischen “professionellen” Journalismus nur nur sehr wenig zu spüren ist, da Geld bekanntlich auf unnachahmlich diskrete Weise korrumpiert.
    Wahrscheinlich hat Thomas Immanuel Steinberg völlig recht, wenn er seinen exzellenten Blog mit folgendem Marxzitat überschreibt:
    “Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein.”
    steinbergr...
    Jedenfalls vielen Dank an den Spiegelfechter für diesen differenzierten Artikel über die Vorwahlen in Iowa, der eines Spiegel vor etwa 40 Jahren durchaus würdig gewesen wäre.


  42. · Spiegelfechter am 7. Januar 2008 um 19:13 - Permalink

    @Nemetico

    Ja, mit der Bloggosphäre ist das so eine Sache. Bei Politblog schlugen bei mir immer zwei Herzen in einer Brust. Die Artikel waren teils wirklich gut, nur leider neigten die Macher zu einem Hang zu VTs. Was ich bei 9/11 ja noch ganz spaßig finde, stößt mir (als VWLer) im wirtschaftspolitischen Teil immer besonders bitter auf. Letztendlich erkenne ich auch hier das konsequente Band zum Abdriften in Paul-Klaqeur Ecke. Wer wirklich glaubt, ein internationales Finanzjudentum (ich benutze absichtlich den Begriff, der eigentlich hinter den Euphemismen steckt, da er die Intention ist, die dahinter steht) würde die ganze Welt mittels eines von ihnen “erfunden” Zinssystems verskalven und Aufgabe der Medien und der Politik sei es, dies zu verschleiern, der mag in Paul vielleicht wirklich eine Art “Hagbard Celine” sehen, der gegen die Kräfte des Bösen arbeitet. Man muß ja nicht komplett in diesen VT-Sumpf stecken, es gibt unzählige Spielarten. Leider ist ein recht ansehnlicher Teil der alternativen Blogszene, ebenso wie ein großer Teil der alternativen Webseiten, von diesem Virus infiziert. Und ich mag das noch nicht einmal großartig kritisieren, da es hier letztendlich um die gleichen Mechanismen geht, die politischer Blogs nötig machen. Wenn die “Mainstreammedien” Lügen verbreiten, so ist die Reaktion einiger Netzbewohner, dass sie nur Lügen verbreiten und nichts stimmt - seltsamerweise wird im Umkehrschluss alles geglaubt, was alternative Medien verbreiten. So schaukeln sich diese Kreise schnell gegenseitig auf und am Ende entsteht jenes krude “Produkt”, bei dem man “Wahrheit”, “Unwahrheit” und “Phantasie” nicht mehr auseinander halten kann. Daher versuche ich auch stets, in beide Richtungen “auszukeilen” und aufzuzeigen, wo “Mainstream-Medien” recht haben und wo “alternative Medien” recht haben - und umgekehrt. Freunde macht man sich damit natürlich nicht ;-)

    Was den Zeitaufwand des Bloggens angeht, so gebe ich natürlich 100% recht. Ich bemühe mich, zumindest drei Artikel pro Woche zu verfassen. Da weder die Themenvielfalt noch mein spezifisches Vorwissen ausreichen, drei Hintergrundartikel zu verfassen, habe ich mich darauf verlegt, zu 2/3 Kommentare zu verfassen, die zwar auf das Hintergrundwissen zurückgreifen, aber nicht so gründlich recherchiert werden müssen (mit zig Quellen und Querverweisen). Daher würde ich den SF als eine Art “Leitartikler” sehen, wie es ein Kritiker mal bezeichnete. Ich denke, das trifft es ganz gut.

    Auch wenn mich der Vergleich mit dem alten SPIEGEL natürlich ehrt, so muss ich ihn von mir weisen. Kommentare waren es natürlich auch, die den alten SPIEGEL auszeichneten, aber es waren vor allem die investigativen Reportagen. Und genau dieses Metier ist für einen Blogger kaum zu meistern. Wenn ich tatsächlich investigativ arbeiten würde, so käme (vielleicht) alle zwei Wochen ein Artikel raus. Dann würde aber wohl kaum jemand mehr den Blog lesen ;-)

    Ein Gemeinschaftsblog für solche Artikel wäre sicher eine feine Sache. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob es überhaupt Blogger gibt, die (regelmäßig) investigativ arbeiten wollen/können.