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  • Zwischenfall in der Strasse von Hormus

    geschrieben am 08. Januar 2008 von Spiegelfechter

    Die Straße von Hormus am Sonntagmorgen um 8.00 Ortszeit ? fünf kleine Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden, die weder mit Torpedos noch mit Anti-Schiffsraketen bewaffnet sind, kreisen um einen bis an die Zähne bewaffneten amerikanischen Marineverband, bestehend aus dem Kreuzer USS Port Royal, dem Zerstörer USS Hopper und der Fregatte USS Ingraham. Laut Schilderung der Amerikaner sollen die Iraner den amerikanischen Verband über Funk damit ?bedroht? haben, dass die Schiffe ?explodieren? werden. Gleichzeitig sollen die Iraner weiße Kartons ins Wasser geworfen haben, denen die Großschiffe allerdings problemlos ausweichen konnten. Als der US-Verband das Feuer eröffnen wollte, haben die Iraner abgedreht und sind wieder in ihre Gewässer zurückgefahren. Iranische Offizielle sprechen hingegen von einem ganz normalen Vorfall, der sich entspannt hatte, als ?beide Seiten? sich identifiziert haben.

    Was sich am Sonntag im Persischen Golf wirklich abspielte, wird man wohl aller Voraussicht nach nie erfahren. Fest steht indes ? sowohl die Amerikaner, die aus diesem Vorfall eine halbe Kriegserklärung machen, als auch die Iraner, die den Vorfall als Normalität bezeichnen, vertreten eine sehr subjektive Linie. Natürlich stellten die Schnellboote keine echte Bedrohung für die Amerikaner dar. Das Schnellboote auch für Kriegsschiffe gefährlich sein können, wissen die Amerikaner zwar spätestens seit dem Anschlag auf die USS Cole, aber anders als im jemenitischen Hafen von Aden, waren alle Geschütze der Kriegsschiffe besetzt und es wäre ein leichtes gewesen, die Schnellboote im Falle eines möglichen Angriffs zu versenken. Auch die Iraner erzählen nur die halbe Wahrheit. Drei markante Kriegsschiffe unter amerikanischer Flagge müssen sich nicht extra identifizieren, um von den Iranern erkannt zu werden, wozu die Iraner in internationalen Gewässern auch gar nicht berechtigt sind. Parallelen zum Vorfall im Golf von Tonkin erscheinen auf den ersten Blick offensichtlich, sind aber wahrscheinlich unzutreffend. Für den Vorfall gibt es anhand der momentan bekannten Erklärungen verschiedene Interpretationen.

    Eine möglich Variante ist die gezielte Falschdarstellung der US-Regierung, bei der die Iraner keine Mitschuld tragen. Sinn und Zweck einer solchen False-Flag Operation könnte der ?October Suprise? Effekt sein. Mitten in den Vorwahlen für die nächste Präsidentschaft haben die Falken ein Interesse daran, günstige Rahmenbedingungen für einen außen- und sicherheitspolitischen Hardliner zu schaffen. Eine stufenweise Eskalation der Beziehungen zu Iran käme Kandidaten gelegen, deren außenpolitischer Kurs eine härtere Gangart im Nahen Osten beinhaltet. Gegen diese Variante spricht vor allem die zähneknirschende Bagatellisierung des Vorfalls durch die Iraner.

    Eine weitere Möglichkeit ist eine gezielte Provokation durch iranische Falken, bei der die Amerikaner ?Opfer? sind. Die fünf Schnellboote gehören, wie die gesamte Küstenwache, den Revolutionären Garden an. Diese gelten als reaktionäre Hardliner, die bereits mehrfach auf eigene Faust operierten, um die Spannungen zu den westlichen Mächten am Köcheln zu halten. Die Festnahme von 15 britischen Seeleuten in den hoheitlich umstrittenen Gewässern des Shat-el-Arab im März 2007 war auch eine Operation der Revolutionären Garden, die wahrscheinlich ohne Zustimmung der Regierung vorgenommen wurde. Sinn und Zweck eines solchen Vorgehens könnte es sein, die arabischen Staaten, mit deren Oberhäuptern George Bush sich nächste Woche auf seiner Nahost-Tour trifft, davon zu überzeugen, dass Iran gewillt ist, den Fehdehandschuh notfalls aufzunehmen und auch in der Lage ist, die Strasse von Hormus zu blockieren, die die Schlagader des Nahen Ostens darstellt, durch die lebenswichtige Handelsrouten verlaufen. Auch ein Opponieren gegen die Annährungspolitik der iranischen Regierung an IAEO und EU stellt ein mögliches Motiv für iranische Falken dar. Gegen diese Variante spricht vor allem die verbale Überhöhung des Vorfalls durch Vertreter der US-Administration. Entweder man hätte den Vorfall ?totgeschwiegen?, um Verbündete nicht unnötig zu beunruhigen, oder man hätte ?Beweise? vorgelegt. Was war in den Boxen, warum wurden sie nicht untersucht? Warum gibt es keine Aufzeichnung der angeblichen Bedrohung über Funk?

    Kombiniert man beide Varianten, erhält man die wohl wahrscheinlichste Erklärung für den Vorfall. Die iranischen Schnellboote haben von ihrem Kommando ein “Go!” bekommen, die Amerikaner mal ein wenig zu reizen. Ein übereifriger Soldat wird wahrscheinlich einen Schuhkarton mit lausbübischen Inhalt ins Wasser geschmissen haben und sich über Funk über die hochgerüsteten Amerikaner an den Geschützen lustig gemacht haben “Boom! Gleich explodiert ihr”. Als der verantwortliche Offizier gemerkt hat, dass der Rahmen ausgereizt ist, werden die Iraner abgedreht haben. Die US-Administration hat wohl nur auf eine solche Gelegenheit gewartet – aus dem grenzwertigen Rowdietum der Iraner wird ein Zwischenfall auf höchster Ebene gesponnen. Als Medienkonsument könnte man fast glauben, hier habe sich eine neue Variation der Kuba-Krise abgespielt- “We’ve been eyeball to eyeball and the other fellow just blinked”.

    Das prekäre an dem Vorfall ist, dass der Vergleich mit der Kuba-Krise keinesfalls hinkt, auch wenn es hier natürlich nicht um den Beginn eines Atomkrieges geht. Die Lage im Persischen Golf ist angespannt und ein kleiner Funken reicht, um das Faß zum Explodieren zu bringen – ein iranischer Kommandeur, der sein “laizzes faire” zum Ausdruck gibt und ein Greenhorn oder ein Falke am Abzugshebel der Amerikaner reichen aus. Diesmal ist es gut gegangen, wenn die Israelis Bush diese Woche überzeugen können, dass ein militärisches Vorgehen gegen Iran doch besser wäre, könnte aus dem nächsten Vorfall dieser Art schnell eine veritable Krise entstehen.

    Jens Berger

    Bildnachweis: Views of the Earth, FARS, Wikicommons (die Bilder stellen die beteiligten Schiffe dar)

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    1. PatJe.de » Iranisch-amerikanischer Zwischenfall auf hoher See
    2. Der Spiegelfechter » Blog Archive » Bushs Tour de Blamage

    19 Kommentare:

    1. chaolan schrieb am 8. Januar 2008 at 16:25 - Permalink

      Hallo Jens,
      dennoch ist es lächerlich was hier wieder seitens des demokratischen Westen fabriziert wird. Wir wissen ja nun durch belegbare Beweise, wie die Amerikaner ihre Kriege beginnen. Zwischenfall am Golf von Tonking, USS Liberty, Südamerika in den 80′ern, oscarverdächtige Lüge einer Botschaftstochter (Babys aus Brutkästen..) zum Irak die erste, Massenvernichtungswaffen Irak die zweite usw usf.

      Doch wenn ich mir dieses Boot hier anschaue, kann ich mir schon vorstellen, wie die Amis gezittert haben. Was sagst Du denn als alter Marinesoldat zu dieser Bedrohung an Boot?
      Hättest Du Dir auch die Hosen vollgemacht?
      http://worldcontent.twoday.net/stories/4591832/
      http://www.tagesschau.de/ausland/irankonflikt2.html

      Zudem sollte man mal erwähnen, dass der Iran als Kriegsgegner ein ganz anderes Kaliber darstellt als der Irak oder Afghanistan. Hier mal ein älterer Artikel. Mit den Waffen, könnte die US Marine mal locker baden gehen.
      http://www.freace.de/artikel/200502/030205a.html

      Ich gebe Dir natürlich recht in Bezug auf den Nutzen eines solchen Zwischenfällchen.

      Ich wünsche übrigens noch ein frohes neues Jahr mein Bester. ;-)

    2. gewitter schrieb am 8. Januar 2008 at 18:08 - Permalink

      “Wir wissen ja nun durch belegbare Beweise, wie die Amerikaner ihre Kriege beginnen. ”

      Nicht zu vergessen die Inszenierungen, die den 2. Weltkrieg haben entstehen lassen.

    3. Spiegelfechter schrieb am 8. Januar 2008 at 20:28 - Permalink

      @Chaolan

      Zum Glück ist ja nichts passiert. Dieser Vorfall hätte aber zu einem “Golf von Tonkin” werden können, wenn die Befehle so gelautet hätten.

      Was sagst Du denn als alter Marinesoldat zu dieser Bedrohung an Boot?
      Hättest Du Dir auch die Hosen vollgemacht?

      Na aber hallo, die kleinen Biester sind ganz schön wendig ;-)

      Aber mal im Ernst: Ich kann die Offiziere durchaus verstehen – es zwar nicht eben wahrscheinlich, aber auch so kleine Boote können – richtig präpariert – zig Menschenleben zerstören, wie der Anschlag auf die USS Cole zeigte. Wäre ich Offizier an Bord der besagten US-Schiffe hätte ich sicher auch einen scharfen Schießbefehl erteilt, wenn ein solchen Boot sich in gefährlicher Weise genährt hätte ohne bei Warnschüßen abzudrehen.

      Dir auch alles Gute und stell schon mal den Havanna Club kalt ;-)

    4. chaolan schrieb am 8. Januar 2008 at 21:49 - Permalink

      @ Jens : Keine Panik mein Bester, wir haben noch ein paar Monate bis ich meine Fledermaus bekomme. Doch no Prob, Dein Clubgetränk sollst Du haben, wenn es anders laufen sollte. ;-)

    5. transwarp schrieb am 9. Januar 2008 at 00:56 - Permalink

      und wer ist der einzige Kandidat der vor solch einem Zwischenfall warnt?

    6. Spiegelfechter schrieb am 9. Januar 2008 at 09:47 - Permalink

      @transwarp

      und wer ist der einzige Kandidat der vor solch einem Zwischenfall warnt?

      Frank Moore?

    7. chaolan schrieb am 9. Januar 2008 at 15:42 - Permalink

      Moin,
      hier noch mal das vom Pentagon freigegebene Video zu den, nun ja….bösen Provokationen. Ich finde es lächerlich, was daraus seitens der USA gemacht wird.
      http://worldcontent.twoday.net/stories/4600131/

    8. Spiegelfechter schrieb am 9. Januar 2008 at 20:58 - Permalink

      @chalon

      Huch wie süß ;-)
      Da muß man ja Angst haben, dass die Bötchen sich in der Bugwelle der Dickschiffe überschlagen ;-)

    9. chaolan schrieb am 10. Januar 2008 at 23:01 - Permalink

      @ Jens: Da hast Du wohl recht. ;-)

      Doch hier mal die Version der Iraner, sieht irgendwie ganz anders aus, findest Du nicht?

      http://derstandard.at/?url=/?id=3174988

      Das Video ist links neben der Titelzeile:
      http://www.presstv.ir/detail.aspx?id=38190&sectionid=351020101

    10. Goldfield schrieb am 11. Januar 2008 at 23:16 - Permalink

      Die iranischen Provokateure in den Grund des Golf zu versenken wäre zu peinlich gewesen ;-)

    11. dot tilde dot schrieb am 12. Januar 2008 at 16:01 - Permalink

      längerer bericht auch in democracy now vom 11.1.08, mit beiden videos.

      .~.

    12. rettz schrieb am 15. Januar 2008 at 23:35 - Permalink

      großartiger Artikel in der ATimes:
      Gulf allies turn their backs on Bush

      “Filipino Monkey”…

    13. COPOKA schrieb am 16. Januar 2008 at 00:36 - Permalink

      Ahja, wie ich sehe, rettz hat es bereits angesprochen.
      Wollte g’rade folgendes einbringen:
      http://www.navytimes.com/news/2008/01/navy_hormuz_iran_radio_080111/

      Grüße,
      C.

    14. Steve schrieb am 8. März 2009 at 07:56 - Permalink

      Obwohl es jetzt schon ein Jahr her ist, “toller” Artikel, nur die Sache an sich, ist noch lange nicht ausgesessen…

    15. Sensor schrieb am 28. April 2009 at 23:31 - Permalink

      Die Amerikaner führen doch immer wieder gerne Krige. Sei es wegen den Anschlägen am 11. September oder wegen Massenvernichtungswaffen. Zum Glück ist nun keiner der Kriegstreiber an der Macht. Nur wer weiß wie lange Obama ohne Kriegstreiberei bestehen kann. All die Lobiisten wollen ja weiterhin damit Geld verdienen und ob Obama bzw. Amerika auf dieses Geld verzichten kann wird man sehen. Früher oder später wird ein Land den Iran angreiffen meiner Meinung nach. Ob dies nun Amerika oder Israel sein wird sieht man dann.

    16. suki schrieb am 13. Mai 2009 at 19:53 - Permalink

      wir sollten eigentlich den Amis dankbar sein, da nur die durchgreifen. wenn ich an das Problem mit den Piraten in Afrika denke, unsere Bundeswehr schaut zu und wirft wenn es sein muss mit Wattebäuschen. Die Amerikaner greifen durch und zwar mit Waffen Gewalt. Ich würde mal sagen Versenken ist die beste Lösung.

    17. Lowrance schrieb am 6. Juni 2009 at 22:54 - Permalink

      unglaublich was sich manche idioten raus nehmen. ich hoffe dieser misstand wird sehr bald abgestellt, kann doch nicht sein dass hier schiffe entführt werden als wäre das ein kinderspiel.


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