Herr Malzahn, Herr Obama und Frau Clinton
geschrieben am 08. Januar 2008 von Spiegelfechter
Das erstaunliche Experiment des ehemaligen Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL ging heute in seine nächste Runde. Claus Christian Malzahn, ein ehemaliger Journalist, der den Abstieg des SPIEGELS maßgeblich mitbegleitet hat und darüber seinen Verstand verlor (DER SPIEGELFECHTER berichtete), darf in diesem wohl einzigartigen Projekt seine krude Sicht der Dinge, zum Zwecke der Selbstfindung und Verarbeitung der berufsbedingten Traumata, ungefiltert auf die Leserschaft loslassen. Ein mutiges und löbliches Experiment, dessen Ergebnis exklusiv im SPIEGELFECHTER kommentiert wird. Die behandelnden Ärzte plädieren nach Informationen des SPIEGELFECHTERS sogar für eine Schocktherapie, bei der der Patient künftig Chefredakteur spielen darf. Heute wurde Malzahn erst einmal die Aufgabe gestellt, den US-Präsidentschaftswahlkampf zu kommentieren. Das Ergebnis war leider wenig überraschend, woraus man schliessen kann, dass die Therapie noch lange dauern wird.
Für falschen Beifall kann man nichts. Andererseits gilt: Sage mir, wer dich lobt – und ich sage dir, wer du bist.
Dies ist ein zweifelsohne falscher Satz – kein Wunder, hat sich doch Malzahn mit dem ihm innewohnenden Hang zur Rabulistik über Lenin hergemacht, der einst sagte: „Sage mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht.“ Einen solchen Satz könnte ein SPIEGEL-Redakteur natürlich nicht äußern, würde dies doch die eigenen Lobhudeleien in einem sträflich ehrlichen Licht dastehen lassen.
Dreht man Lenins Satz indes um, so ergibt Malzahns sinnfreie Einleitung plötzlich doch einen Sinn: „Sage mir, wer dich kritisiert, und ich sage dir, was du richtig gemacht hast.“ Ich gebe zu, für Barak Obama bislang nicht all zu große Sympathien empfunden zu haben. Wenn allerdings niemand anders als der bekennende Bush- und Merkel-Groupie Malzahn extra wegen Obama zum Stift greift, um ihn zu kritisieren und Miss Clinton zu verteidigen, kann Obama kein schlechter Mensch sein.
Da hätten wir zum Beispiel David Brooks, einen der wichtigsten konservativen Essayisten in den USA, der den eher liberalen Lesern der “New York Times” mit seinen kernigen Kolumnen regelmäßig das Frühstück vergällt.
Also eine Art Malzahn auf amerikanisch, so der SPIEGEL denn noch liberale Leser hat. Brooks als „konservativen“ Essayisten darzustellen, mag einem deutschen Konservativenbild entsprechen, in den USA stellt Brooks eher einen gemäßigten Rechtsliberalen dar. Wirklich konservative Essayisten sind da eher William F. Buckley oder Ben Shapiro.
Neuerdings hat er sein Herz für einen führenden Demokraten entdeckt. Barack Obama wäre seiner Ansicht nach ein besserer Präsident als Hillary Clinton, weil er keine “Widersprüche in seiner Vergangenheit” aufweise und von dem “pessimistischen Optimismus” vergangener Jahre gelernt habe.
„Widersprüche in der Vergangenheit“ – so etwas kann einem konservativen Merkel-Anhänger wie Malzahn natürlich das Frühstück vergällen.
Brooks nennt Obama dabei in einer Reihe mit Abraham Lincoln und Martin Luther King.
Was auch nicht weniger albern ist, als die „Luther-King“ und „Kennedy“ Vergleiche des SPIEGELS.
Wenn aber der Vordenker der amerikanischen Konservativen so viel Lametta über einen Demokraten ausschüttet – dann muss man dahinter keinen plötzlichen Anfall von Philantropie vermuten.
Brooks ist also jetzt bereits der „Vordenker“ der amerikanischen Konservativen – das wird ihn sicher freuen. Ansonsten könnte man diesen Satz auch 1:1 auf den Nachdenker der deutschen Neoliberalen ummünzen. Wenn Malzahn Lametta über Sozen wie Steinbrück oder Grüne wie Metzger ausschüttet, so hat auch das wenig mit Philantropie zu tun. Brooks und die USA sind allerdings von Malzahn und Good Old Germany zu unterscheiden. Während in Deutschland noch immer der Schein erweckt wird, es handele sich bei der CDU um eine rechte und bei der SPD um eine linke Partei – die sich allerdings selbst in der Mitte wähnen -, sind diese Grenzen in den USA schon längst aufgesprengt. Die Grenzen zwischen Demokraten und Republikanern sind fließend – was allerdings viele Republikaner auszeichnet, ist ihre Religiösität und das damit verbundene Wertesystem. Brooks ist Jude und die jüdischen Konservativen in den USA stehen der christlichen Rechten traditionell skeptisch gegenüber. Wenn Romney/Huckabee gegen Obama stünden, so würde ein Großteil der jüdischen Konservativen Obama bevorzugen.
Mit dem Irak-Desaster hat bei vielen amerikanischen Konservativen auch ein Umdenken eingesetzt – hier sind an erster Stelle die Neokonservativen zu nennen, die sich fast alle von alten Idealen verabschiedet haben. Ihre Ziele sind zwar noch die gleichen, aber die Mittel, diese zu erreichen, werden neu definiert. Brooks war vor dem Irakkrieg ein überzeugter Befürworter einer militärischen Intervention, der davon überzeugt war, die amerikanischen Soldaten würden in Bagdad eher mit Blumen als mit Granaten totgeschmissen. Brooks hat seinen Standpunkt geändert. Für einen deutschen Transatlantiker wie Malzahn, der unerschütterlich in Nibelungentreue zu „seinem Amerika“ steht, wäre ein solches Umdenken schlicht unvortellbar. Malzahns Scheuklappen behindern seine Wahrnehmung, und wer in seiner Wahrnehmung behindert ist, muss sich über so einiges in der Welt wundern.
Brooks ist nicht allein im konservativen Obama-Fanclub. Da hätten wir noch George Will, “Washington-Post”-Kolumnist der ersten Garde und bekennender Bewunderer des früheren New Yorker Bürgermeisters und jetzigen republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rudy Giuliani. Will freut sich jetzt schon darauf, dass Barack Obama die Clinton-Epoche gnadenreich beenden werde.
Anders als Brooks gehört Will den „echten“ Konservativen an – er war schon Redenschreiber für Reagan und kann zu den „späten“ Bush-Kritikern gezählt werden. Von daher passt seine Unterstützung für Obama zu 100% ins Bild. Miss Clinton steht zweifelsohne für die 68er-Generation, die bei Konservativen in etwas so beliebt ist wie Malzahns Artikel bei intelligenten Menschen. Als Giuliani-Anhänger hat er gleich doppelten Grund, Obama Miss Clinton vorzuziehen. Obama gilt vielen Konservativen als Greenhorn, das das „alte Schlachtroß“ Giluiani mit List, Tücke und Erfahrung schlagen kann. Miss Clinton ist erfahrener und verfügt über Berater ihres Mannes, die mit allen Wassern gewaschen sind. Wer will, dass Giuliani Präsident wird, würde aus rein taktisch-strategischen Gründen lieber Obama als Miss Clinton zum Gegner haben.
Obama sei “erfrischend geistreich”, er sei ein lebender Vertreter des “nicht-paranoiden” Politikstils. Obama sei ein Erwachsener, der die echte Welt reformieren wolle und kein Adoleszent, der pseudo-heroische Kämpfe gegen fiktive Bösewichter führe (wie diese ganzen 68er, die im Schlepptau der Clintons nach Washington gekommen sind).
Hier müsste Malzahn doch eigentlich feuchte Äuglein bekommen – die 68er-Schelte ist ganz nach seinem Geschmack.
Um die Truppe endgültig abzurunden gäbe es da noch Karl Rove. Ja, Karl Rove, der ehemalige Chefberater des amtierenden Präsidenten. Anfang Dezember gab er dem Newcomer Obama in der “Financial Times” ein paar wichtige Tipps. Der Frischling aus Illinois müsse unbedingt Iowa gewinnen – und in seinen Attacken auf die ehemalige First Lady viel härter und präziser werden.
Bei Karl Rove ist der Grund für die „Obama-Freundschaft“ ziemlich offensichtlich. Er äußerte sich bereits seit Monaten negativ über Miss Clinton, da er hofft, ihre Kandidatur zu verhindern. Der Grundgedanke ist der gleiche, wie bei Will – er hat Angst, dass eine ausgeschlafene Kandidatin ihren republikanischen Konterpart an die Wand fährt, während er Obama für einen zu schlagenden Kandidaten hält.
Brooks, Will und Rove erhoffen sich von Barack Obama, was sie selbst nie geschafft haben. Es geht nicht nur darum, die verhasste Clinton-Dynastie zu entmachten, sondern die noch immer gültigen Bezugspunkte amerikanischer Politik zu den Umbrüchen von 1968, zum Vietnam-Desaster und zur Watergate-Katastrophe, für immer aus der aktuellen Politik zu tilgen.
Zumindest Will und Rove treibt wohl eher das Kalkül an, mit Obama einen händelbaren Gegner für die Präsidentschaftswahlen zu bekommen. Um dies zu erreichen, wird er „hochgelobt“ – eine recht durchschaubare Taktik, die Malzahn freilich nicht in den Sinn kommt.
Wenn Obama die Vorwahlen gewonnen hat, werden seine neuen Freunde vermutlich über ihn herfallen – und ihm mangelnden Patriotismus wegen seiner kritischen Haltung zum Irak-Krieg vorwerfen.
Messerscharf erkannt! Das Sie, Herr Malzahn, dennoch anscheinend nicht Eins und Eins zusammenzählen wollen, ist ihr Privileg als SPIEGEL-Kommentator. Jeder andere Journalist wäre für so viel Weitsicht zum hauseigenen Anzeigenblättchen „weggelobt“ worden.
Es ist geradezu unglaublich: Barack Obama hat es geschafft, diese Wahl, die eine Anti-Bush-Wahl werden sollte, in eine Anti-Clinton-Wahl zu verwandeln. Vielleicht war das gar nicht seine Absicht, aber es ist passiert.
Kunststück, tritt doch bekanntlich kein Bush bei den Wahlen an. Er wäre folglich ziemlich dumm, wenn er etwas als Wahlkampfziel ausgeben würde, das sowieso eintritt. Da ist seine „Change“-Kampagne, mit der er zwei Fliegenfamilien mit einer Klappe schlägt, doch irgendwie sinnvoller. Gut, dass Obama nicht Malzahn als Wahlkampfleiter hat, sonst wäre er wahrscheinlich schon nach dem Iowa-Desaster nicht mehr als ernsthafter Präsidentschaftskandidat wahrgenommen worden.
Es geht nicht darum, Obamas Anliegen zu verteufeln oder ihn in eine Verschwörungskiste mit führenden Konservativen zu stecken.
Potzblitz! Welch Wunder! Die Verschwörungskiste wäre auch sehr hohl.
Und natürlich wäre es eine historische Zäsur, wenn ein Schwarzer ins Weiße Haus ziehen würde. Dasselbe gilt natürlich für den Fall, wenn eine Frau im Oval Office als Chefin ihre Koffer auspackt.
Gott bewahre das amerikanische Volk vor Zäsuren. Eine ostdeutsche Frau im Kanzleramt war gleich eine doppelte Zäsur für das peinerprobte deutsche Volk.
Obamas Aufstieg hat jedenfalls einen hohen Preis – die Rechnung werden die Demokraten noch bekommen. Denn der Mann aus Illinois präsentiert sich immer mehr als Kandidat einer imaginären Independent-Bewegung, eine politische Verankerung auf dem Boden der Demokratischen Partei ist nicht erkennbar – da finden sich nur Luftwurzeln.
Welch interessante Theorie. Hat Herr Obama etwa keine Hausmacht im SPD-Ortsverband Wanne-Eickel? Malzahn weigert sich beharrlich das amerikanische Politiksystem verstehen zu wollen. Wenn Obama bei der Convention der Demokraten gewählt wird, ist er der Kandidat dieser Partei. In den USA sind Parteien nun einmal reine Wahlvereine und keine mächtigen Vereinigungen, die Grundsatzprogramme herausgeben und mit deren Vorsitzenden, Fraktionsvorsitzenden und Generalsekretären ein Kandidat sich herumschlagen muß.
Obamas Strategie bestand bisher darin, vom Konkreten ins Allgemeine zu flüchten
… nennen wir es einmal „das Merkel-Prinzip“. Eigentlich findet Herr Malzahn so etwas doch faszinierend …
Für Obama gibt es nicht etwa acht Jahre Bill Clinton (Kampf für Chancengleichheit, staatliche Entschuldung und militärische Intervention bei Genozidgefahr)
Militärische Intervention bei Genozidgefahr? Meint Malzahn hier die amerikanische Intervention in Ruanda, von der man so viel gehört hat? Oder meint er die Bombardierung des Irak, die von der zeitgleich stattgefundenen Lewinski-Affäre ablenken sollte? Oder geht es hier um die Bombardierung einer sudanesischen Arzneimittelfabrik? Vielleicht spielt Malzahn hier aber auch nur auf die hellseherischen Fähigkeiten der NATO an, einen Hufeisenplan ausgemacht zu haben, den es nie gab? Wir werden es wohl nie in Erfahrung bringen.
[] und anschließend acht Jahre George W. Bush (zwei grotesk vorbereitete Kriege in Afghanistan und Irak, die drohende Wirtschaftskrise).
Nur „grotesk vorbereitet“? So spricht der Ewiggestrige – Angriffskriege bleiben Angriffskriege und sind per Völkerrecht verboten. Folter, die teilweise Abschaffung der Bürgerrechte, die Zerstörung des amerikanischen Images auf lange Zeit und die vielen anderen Sünden der Bush-Regierung scheinen Malzahn noch nicht einmal zu stören. In einem Satz wie diesen, drückt sich Malzahns widerliches Weltbild aus. Und das schlimmste ist: Er merkt es wahrscheinlich noch nicht einmal.
Für Obama gibt es einfach nur 16 Jahre “Washington-Kultur”, das “kaputte System” der US-Hauptstadt. Die Wunde in Washington “eitert” schon länger als die Ära Bush, ruft Obama in die Menge – was für ein unglaublicher Revisionismus, der von manchen Demokraten sogar noch beklatscht wird.
Warum auch nicht? Es wäre auch nicht gerade abartig (allerdings überraschend), wenn ein SPD-Politiker sich über die Schrödersche Agenden-Ära dereinst so äußern würde.
Immerhin: Vor nicht allzu langer Zeit verhalf sie einem jungen, talentierten schwarzen Rechtsanwalt aus Illinois zu einem Senatorenposten im US-Kongress. Dass dieser junge Mann kaum zwei Jahre später eine Kampfkandidatur gegen seine Ziehmutter ankündigen würde, hat sie wohl in ihren schlimmsten Alpträumen nicht geahnt.
Undank, Dein Name ist Obama. Der schwarze Ziehsohn, der seine gütige weiße Mutter rücklings meuchelt, um ihre Ämter zu übernehmen – ein Stoff, der einer griechischen Tragödie zu Ehre gereichen würde. Dass Miss Clinton Obamas Ziehmutter sei, ist indes ebenso falsch, wie die Aussage, sie hätte ihn in Amt und würden gebracht. Gegen sein Erzreaktionären Gegner Keyes, der Homosexuelle als selbstsüchtige Hedonisten bezeichnete, Obamas Meinung zu Abtreibungen als Position der Sklavenhalter charakterisierte, und meinte, Wähler von Obama würden sich genauso schuldig machen wie Deutsche, die 1933 die NSDAP gewählt hatten, hätte wahrscheinlich sogar Kurt Beck gewonnen – und das will was heißen.
Malzahn bräuchte auch gar nicht über den Teich schauen, um einen eklatanten Fall von Undank im politischen Geschäft auszumachen. Der gütige Altkanzler Kohl hievte einst eine junge Physikerin aus dem Osten ins politische Rampenlicht. Zum Dank für so viel Altruismus stieß sie ihn nicht nur vom Thron, sondern sorgte auch dafür, dass er nicht den Friedensnobelpreis bekommt. „An Schäbigkeit kaum zu überbieten“ – so lautet Kohls Charakterisierung des Merkels. Herr Malzahn nimmt solche Kritik an seiner Heldin natürlich nicht so gerne wahr.
Obama kritisiert Bill Clinton gern für dessen Kompromissbereitschaft – dabei biedert sich der Senator schon jetzt unverhohlen den Republikanern an. Dick Cheneys Energiegesetz fand seine Zustimmung, die Mehrheit der Demokraten lehnte ab. Man kann das Wahltaktik nennen, um die Mitte zu gewinnen – oder Opportunismus.
Und Opportunismus ist Miss Clinton natürlich total fremd. Dass sie jeder Irak-Vorlage der Bush-Regierung zugestimmt hat, ist natürlich kein Opportunismus, sondern echte patriotische Überzeugung? Oder wie würde Malzahn dies interpretieren?
In Europa, vor allem in Deutschland, hat sich das Gerücht verbreitet, der Mann sei ein Linker. Welch ein Irrtum!
Wenn sich dies wirklich so verbreitet haben sollte, ist dies in der Tat ein Irrtum. Da aber sogar die Google-Suche „Obama ist ein Linker“ erwartungsgemäß keinen einzigen Treffer ergibt, darf man Malzahns „Gerüchte“ wohl in das Reich der Phantasie verbannen. Kein ernstzunehmendes Medium hat je behauptet, Obama sei „links“. Vielleicht sieht man das in der SPIEGEL-Redaktion so, wo ja auch die SPD als linke Partei, Mindestlöhne als linke Politik und Becks Sonntagsreden als Linksruck gesehen werden.
[] Der Mann steht in dieser Frage, die für die Zukunftsaussichten des kleinen Mannes in Amerika vermutlich wichtiger ist als der Truppenabzug aus Bagdad – rechts vom Mormonen und Republikaneraspiranten Mitt Romney.
Republikaneraspirant? Das wird Herrn Romney jetzt aber nicht gerade erfreuen, war dieser doch schon vor 14 Jahren republikanischer Senator. Nun ja, Malzahn ist demnach wohl ein Journalistenaspirant. Dass Obama ein äußerst schwammiges Programm in punkto „Gesundheitssystem“ hat, ist freilich richtig. Ob man die Unterschiede zu Romneys Programm in rechts und links bemessen kann, ist hingegen mehr als fraglich. Diese Anleihe an die Gesäßgeographie der alten Franzosen ist bei SPIEGEL natürlich immer noch beliebt – das ändert allerdings nichts daran, dass sie überholt ist.
Kein Wunder, dass Mrs. Clinton die Tränen in die Augen steigen. Hat man je Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush oder Bill Clinton an ihrer “Gefühlskälte” gemessen? Was für eine politische Kategorie ist das eigentlich? Solche Fragen muss sich wohl nur eine Frau gefallen lassen.
Wenn eine Frau denkt, „Frau zu sein“ sei eine politische Kategorie, muss sie wohl damit leben können. Man(n) kann nicht einerseits stets darauf hinweisen, wie bahnbrechend progressiv es sei, eine Frau als Mächtigste aller Mächtigen zu küren, und im gleichen Atemzug negieren, dass in einer Gesellschaft, die nun einmal nicht geschlechtsneutral denkt, das Frausein auch gewisse Nachteile mit sich bringen kann. Man kann sich halt nicht nur die süßen Kirschen herauspicken, Herr Malzahn.
[] Dass jemand mit einem Null-ouvert-Programm durch die Vorwahlen segelt, darauf war sie nicht eingestellt.
So geht es halb Deutschland, wenn Merkel zum Wahlkampf trötet. Dann hat ein Herr Malzahn allerdings vollstes Verständnis für „Null-ouvert-Programme“.
Man darf gespannt sein, mit welchen Weisheiten Malzahn in seiner nächsten Therapiestunde aufwarten wird.
Jens Berger
Kategorien: Ausland Medien US-Wahlen 08 USA
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Für falschen Beifall kann man nichts. Andererseits gilt: Sage mir, wer dich lobt – und ich sage dir, wer du bist.
Neuerdings hat er sein Herz für einen führenden Demokraten entdeckt. Barack Obama wäre seiner Ansicht nach ein besserer Präsident als Hillary Clinton, weil er keine “Widersprüche in seiner Vergangenheit” aufweise und von dem “pessimistischen Optimismus” vergangener Jahre gelernt habe.
Um die Truppe endgültig abzurunden gäbe es da noch Karl Rove. Ja, Karl Rove, der ehemalige Chefberater des amtierenden Präsidenten. Anfang Dezember gab er dem Newcomer Obama in der “Financial Times” ein paar wichtige Tipps. Der Frischling aus Illinois müsse unbedingt Iowa gewinnen – und in seinen Attacken auf die ehemalige First Lady viel härter und präziser werden.
Obamas Aufstieg hat jedenfalls einen hohen Preis – die Rechnung werden die Demokraten noch bekommen. Denn der Mann aus Illinois präsentiert sich immer mehr als Kandidat einer imaginären Independent-Bewegung, eine politische Verankerung auf dem Boden der Demokratischen Partei ist nicht erkennbar – da finden sich nur Luftwurzeln.
Obama kritisiert Bill Clinton gern für dessen Kompromissbereitschaft – dabei biedert sich der Senator schon jetzt unverhohlen den Republikanern an. Dick Cheneys Energiegesetz fand seine Zustimmung, die Mehrheit der Demokraten lehnte ab. Man kann das Wahltaktik nennen, um die Mitte zu gewinnen – oder Opportunismus.
Kein Wunder, dass Mrs. Clinton die Tränen in die Augen steigen. Hat man je Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush oder Bill Clinton an ihrer “Gefühlskälte” gemessen? Was für eine politische Kategorie ist das eigentlich? Solche Fragen muss sich wohl nur eine Frau gefallen lassen. 
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guten abend,
hab den artikel vorhin auf spon gelesen und mich schon köstlich amüsiert.
dann dachte ich mir, mal schauen was es neues beim sf gibt; mir laufen noch die tränen runter! absoluter topartikel!
danke
@SF
Danke! Die Pickel, die mir beim Lesen des Malzahn-Auswurfs gewachsen sind, klingen dank dieses Artikels langsam wieder ab.
Gruß
hmm…. mag sein, dass ich hier etwas übersehe, aber einen Widerspruch sehe ich schon in der Art und Weise, wie Obama als Greenling bewertet wird, der gegen den republikanischen Präsidentschaftsanwärter ja keine Chance hätte. Ich weiß nicht, ob wir all die so viel besseren Wahlkampfstrategen sind als Obama und seine Berater – ich bin mit Sicherheit keiner. Aber nun zum Widerspruch: wenn er, Obama, tatsächlich das Zeug nicht hat, um gegen einen mit allen Wassern des politischen Show Business gewaschenen republikanischen Anwärter zu bestehen – wie schafft er es denn gegen die vermeintlich ebenso abgebrühte Profi Frau Clinton, der als einziger unter den Demokraten reale Chancen eingeräumt werden? Der Einwand, dass er das eben mit der Hilfe vermeintlicher republikascher falscher Freunde schafft, die tatsächlich nur den schwächeren Demokraten durchsetzen wollen, scheint mir etwas weit hergeholt (das Wort ‘verschwörungstheoretisch’, das ich zuvor gebraucht hatte, habe ich ganz schnell wieder entfernt -:)
LG
@Salvo
Das ist die Denke der republikanischen Strategen. Obama ist für Miss Clinton schwer zu fassen – sie hat z.B. für den Irak-Krieg gestimmt, im demokratischen Lager ist dies eher “ehrrührig”. Da man davon ausgehen kann, dass für die Gesamtheit der Wähler ein tougher Patriot tendenziell besser ankommt, als ein Greenhorn, das man als “vaterlosen Gesellen” hinstellen kann, wäre eine Kandidatur Obama für die Republikaner ein Erfolg. Kriegsgegner würden ihn genau so wählen, wie sie Miss Clinton wählen würden, aber die “Gemäßigten”, und das ist ein großer Teil, würden eher für die Opportunistin Clinton stimmen, als für den “vaterlandslosen Gesellen”, der die US-Interessen verrät. Warte nur ab, was die Reps noch in petto haben.
Herr Malzahn ist wieder mal typisch-deutsch-neu-bürgerlich.
Teile von Amerikas Rechte loben taktisch Obama, weil er im Gegensatz zu
Hillary leicht zu knacken ist, wenn es hart auf hart kommt.
Herr Malzahn nimmt das aber alles für bare Münze,
weil er, wie seine Freunde (Mattussek, Vanity Far etc.), einfach
kein Reflexionsvermögen, kein Ironieverständnis etc. hat.
Stattdessen posaunt er sein erschütternd einfältiges Weltbild
hinaus, denn als typisch-deutsch-neu-bürgerlicher besitzt er
natürlich ein lächerlich aufgeblasenes Sendungsbewusstsein.
Das dieser Mann nun eine solche Position innehat, spricht Bände
über unsere publizistischen Eliten. Naja, je mehr sich Malzi
und Co. der Lächerlichkeit Preis geben, so mehr haben wir hier
zu lachen.
@pittiplatsch
Moment … ich hoffe, Du hast mich jetzt nicht falsch verstanden. Die Sache mit dem Chefredakteur war natürlich nur Spaß. Er ist immer noch Politikchef bei SPON – was natürlich immer noch eine viel zu wichtige Stellung für einen solchen bornierten Fatzke ist.
Malzi … ach wie süüüüß. Wobei ich “Zähnchen” noch schöner finden würde ;-)
@ Cheffe
Meinst du er kommt vielleicht nochmal irgendwann nach Ping? ;-)
Pax
@corax
Das wäre zu wünschen, dann würde er sich ja “in einen goldenen Drachen der Weisheit verwandeln” ;-)
“Im Auge des Sturms wirst du einen Stern erblicken …”
Es gibt wahrlich nichts spannenderes als “Analysen” von “Analysen” von Vorwahlkampfstrategien von Vorwahlkämpfern in den USA. Das würde nur noch übertroffen werden von Analysen der Auftritte der Kandidaten bei “The Next Uri Geller”
Obama doch ein Linker? Einen Treffer gibt es bei Google ;-)
Eine OT-Frage hätte ich. Wie recherchierst Du eigentlich immer die herrlich unvorteilhaften Fotos von Clinton und das Merkel?
@anon
Da kannst Du mal sehen, auf wen sich der SPIEGEL bei seinen politischen Expertisen bezieht ;-)
Einige habe ich archiviert. Aber im Normalfall mache ich das ganz schlicht über die Google-Bildsuche.
na ja, die Trefferquote hängt doch sehr von den ausgewählten Suchkriterien ab. Gibt man zB anstatt ‘Obama ist ein Linker’ lediglich Obama und Linker als zwei Strings ein, so erhält man Einiges mehr, z.B.
“Ich sehe Barack Obama als politisch linker an, denn Hillary Clinton oder John Edwards”
oder das hier
“Nicht nur in solchen Momenten ist Obama schwer zu fassen: Mal klingt er wie ein linker Weltverbesserer, mal wie ein Prediger des amerikanischen Traums”
“Obama ist ein Rechter” ergibt übrigens keinen einzigen Treffer – oder jetzt doch?
wenn ich aber lediglich Obama und Rechter als zwei Strings eingebe, bekomme ich jede Menge Treffer: Auf dem ersten Blick geht aus keinem davon hervor, dass Obama ein rechter ist, wohl aber, dass er von der US-Piratenpartei unterstützt wird
:-)
@salvo
Die Suchphrase war auch eher ironisch gemeint.
Ein Treffer aus einem Politikforum ;-)
Ich bezweifele das Malzahn solche Äußerungen meint. Ich habe jedenfalls spontan keinen Artikel im Hinterkopf, der auch nur zwischen den Zeilen behauptet, Obama sei irgendwie “links” … was auch immer das ist.
@sf
die Ironie war mir durchaus bewußt
Obamas Unterstützung durch die Piratenpartei fand ich aber eine Mitteilung wert
LG
oops ..
ich habe den Link vergessen
warum die Pirate Party Obama unterstützt
http://www.pirate-party.us/files/PPUS_press_release_010308.pdf
:-)
Interessant diese Vermischung zweier Themen.
Auf Mahlzahn einzuschlagen ist ja gut und schön, aber Leute die am Boden liegen sollte man nicht treten. Daran wie Aust abgesägt wurde und wie hektisch nach einem neuen Chefredakteur des SPIEGEL gefahndet wird zeigt doch, dass den SPIEGEL-Besitzern durchaus bewußt ist, dass in ihrem Hause etwas schief läuft.
Interessant erscheint mir aber die Position des Spiegelfechters bezüglich Obamas und Clintons. Findet er nun Clinton besser als Obama? Meint er wirklich, dass Obama gegen Giuliani unterliegen würde, weil dieser 8 Jahre Bürgermeister einer Großstadt war und somit mehr Erfahrung habe als Obama, der “nur” 8 Jahre Senator von Illinois (in etwa ein MdL) und danach bisher 3 Jahre Senator im US-Senat (in etwa MdB) war? Finde ich alles in allem etwas verwirrend.
Nein, der Spiegelfechter meint, daß Malzi Blödsinn verzapft und daß den Republikanern ein Gegenkandidat Obama lieber wäre, weil sie glauben, daß sie gegen ihn leichtes Spiel haben.
Steht aber alles im Artikel.
@Jens: Klasse Artikel, danke, hab Tränen gelacht :-)
Frank
@Marnem
Das weiß ich selbst nicht, da ich zu Obama eigentlich keine Meinung habe, außer, dass er ein Politikerdarsteller ist. Miss Clinton steht auf meiner Sympathieskala ganz weit unten … cross my heart and hope to die, wenn sie Kandidatin werden sollte, würde ich im Zweifelsfalle sogar den ollen Baptistenprediger Huckabee vorziehen. Für mich steht Miss Clinton für widerwärtigen Opportunismus. Da ich kein Amerikaner bin, spielen bei meiner Bewertung primär weltpolitische Belange einen Grund. Und Miss Clinton steht außenpolitisch eben nicht für einen Wechsel, sondern für ein “Weiter so!”. Da ist mir sogar der Haudegen McCain lieber, der zwar tendenziell der gleichen Meinung ist, aber wenigsten Charakter hat und glaubhaft für Menschenrechte eintritt.
Obama spielt (und an dieser Stelle zitiere ich mal Malzahn) ein Null-Ouvert. Für was er steht ist völlig offen. Außenpolitik? Was ist das? Mal sagt er, er hätte (bzgl. Irak) wie Bush gehandelt, mal distanziert er sich komplett vom Irak-Krieg, stimmt aber allen(!) Vorlagen der Bush-Regierung zu. In anderen politischen Feldern ist er ähnlich flexibel. Wer ist Obama, was ist Obama? Für mich ist er ein Marketinggeschöpf, ein Produkt mit dem kauf mich, fühl mich, kuschel mich Feeling und kein Politiker.
Das Malzahn in allerdings auch nicht mag, macht ihn mir schon wieder ein Stückchen sympathischer ;-)
Giuliani ist seit 74 in der Politik, er wurde 94 Bürgermeister von New York. Obama machte erst 79 seinen High-School Abschluss. In die “echte” Politik stieg er erst 2004 ein. Ja, Obama fehlt viel Erfahrung.
nein, nein, schon klar das Malzimann “nur” Politikchef des Spiegels ist…
das Wörtchen “nun” in meinem Satz war missverständlich.
Jedenfalls bezeichnet SPON Hillary jetzt als “Comback-Mutter”
(übrigens Bindestrich-Wortungetüme wie in BILD – wen wundert’s).
Offenbar hat Hillary’s Weinkrampf gewirkt…mein Gott, das
wird sich doch Merkel nicht etwa abgucken?
Ich sehe schon ergreifende Szenen im nächsten TV-Duell 2009 auf uns
zukommen. :)
@pittiplatsch
Genau zu diesem Thema schreibe ich gerade … obwohl ich eigentlich diese Woche gar nichts mehr zur Präsidentschaftswahlshow schreiben wollte ;-)
In der monde diplomatique wurde mal ein interessanter Artikel über Obama veröffentlicht, in dem man ausnahmsweise auch etwas über dessen politische Positionen erfährt. http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/01/12/a0033.text.name,asku7qD1S.n,2
@no85
Danke für den Link. Ein relativ aufschlussreicher Text … aber für mich persönlich ist er noch nicht aufschlussreich genug. Ich kann mit abstrakten Visionen wenig anfangen. Wie sagte einst Helmut Schmidt? “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.” OK, so hart würde ich es nicht formulieren, aber ich bezweifele zu 100%, dass Obama die “Käseglocke”, von der der Autor spricht, knacken kann. Ich persönlich zweifele sogar, dass er dies überhaupt ernsthaft vorhat. Letztendlich finde ich die letzten drei Sätze des Textes bemerkenswert, der ja immerhin ein Jahr alt ist:
Eben dies versäumt Obama sträflich! Darum hat er mE die Charakterisierung als Phänomen eben nicht verdient.
OT: Der Spiegel hat passend zum Thema Jugendgewalt einen passenden Aufhänger gefunden: “Die Migration der Gewalt” Junge Männer: Die gefährlichste Spezies der Welt. Aha, sie mal einer an, Migration, Männer, gefährlich, wer Koch und der Union Rassismus, Hetze und das Schüren von Fremdenfeindlichkeit vorwirft muss seine Kritik auch an die verdammten etablierten Massenmedien richten die in den letzten Jahren großen Schaden angerichtet haben.
“Den Schlechten mißfallen heißt gelobt werden.” (Seneca) In diesem Sinne muß Obama schon sehr viel Lob über sich ergehen lassen!