Behemoth
geschrieben am 18. Mai 2010 von Spiegelfechter
Das menschliche Hirn neigt zum Abstrahieren und zum Personifizieren. Schon unsere Vorfahren in der grauen Vorzeit konnten sich nicht damit abfinden, dass ihr Leben sich innerhalb eines höchst komplexen und dynamischen Systems abspielt. Um nicht vor der Komplexität kapitulieren zu müssen, dachte sich der Mensch Götter und Dämonen aus. Fiel die Ernte schlecht aus, zürnten die Götter der Gemeinschaft, breiteten sich Seuchen aus, waren dafür sinistere Dämonen verantwortlich. Die Dämonen von heute sind Spekulanten und Investmentbanker. Da man nicht weiß, wie deren System funktioniert ? und es wahrscheinlich auch lieber nicht wissen will ?, greift man lieber zu Abstraktionen und Personifizierungen.
Spekulantenbilder
Als sich in den späten 80ern das System des spekulationsbasierten Investmentbankings etablierte, war es die Kunstfigur Gordon Gekko aus Oliver Stones ?Wall Street?, der seitdem als Stereotyp des skrupellosen Finanzcowboys in den Köpfen der Menschen herumspukt. Ein Stereotyp beinhaltet natürlich immer auch ein Körnchen Wahrheit. Es gab sie, die ?Wall-Street-Cowboys? mit ihren breiten Hosenträgern und ihrem selbstsicheren, großspurigen, aber stets stillosen Auftreten. Mit James Cayne von Bear Sterns hat die Finanzkrise allerdings das letzte Prachtexemplar dieser Gattung hinweggefegt.
Ein wesentlich realitätsgetreueres Stereotyp schuf Tom Wolfe in seinem berühmten Roman ?Fegefeuer der Eitelkeiten?. Sein Protagonist Sherman McCoy ist der Prototyp des Goldman-Sachs-Bankers ? weiß, gebildet, feingeistig, aus gutem Hause, mit guten Manieren und dem stolzen ?Yale-Kinn?, ein moderner ?Master of the Universe? in einem Umfeld des großen Geldes und der großen Macht. Die Sherman McCoys dieser Welt sitzen heute nicht nur in den Chefetagen der Banken und Hedge-Fonds, sie haben auch den Sprung in die hohen Positionen der Politik geschafft und gestalten die Parameter, innerhalb derer ihr System gedeihen kann.
Die späten 80er und die 90er waren die Zeit der Gordon Gekkos und der Sherman McCoys. Zwischen Mythos und Wirklichkeit klaffte allerdings bereits damals eine große Lücke. Der Mythos, das britische Pfund sei 1992 durch den Finanztycoon George Soros aus dem EWS gedrängt worden, existiert beispielsweise heute noch. Soros Kriegskasse, die damals mit 10 Milliarden US$ gefüllt war, hätte allerdings alleine nie ausgereicht, um die Bank of England in die Knie zu zwingen. Nicht Soros Finanzvehikel ?Quantum?, sondern ?das System? besiegte damals die Bank of England und wenige Jahre später während der Asienkrise auch verschiedene asiatische Zentralbanken. War ?das System? früher ein loser Bund von Spekulanten, die erkannten, dass sie mit der Wolfsrudeltaktik auch große Gegner reißen konnten, hat es sich seit jenen Tagen zu einem anonymen, beinahe autarken Finanzmechanismus entwickelt, der über Wohl und Wehe ganzer Nationen entscheidet. Will man das System abstrahieren, so entspräche es wohl am ehesten dem mythischen Behemoth, der schon in Thomas Hobbes Leviathan das personifizierte Sinnbild eines ?Anti-Systems? war, das den Menschen Unheil bringt.
Die fleißigen Bienchen in Jeans
Der Spekulant unserer Tage trägt keine breiten Hosenträger, ja er trägt noch nicht einmal Nadelstreifen und Aktenkoffer. Die wackeren Arbeitsbienen im Finanzsystem tragen Jeans und Rucksack und haben mit ?Wirtschaft? nicht viel zu tun ? sie haben ihr Studium in den naturwissenschaftlichen Fächern oder in Mathematik und Informatik mit Prädikat abgeschlossen und verstehen etwas von komplexen Systemen und Algorithmen. Wann und zu welchem Kurs welches Papier gekauft, verkauft, gehedgt oder geshortet wird, entscheiden heute leistungsstarke Computersysteme, die kontinuierlich mit Daten gefüttert werden. Dieses System hat kein Gesicht, es ist nicht gut oder böse, es ist nicht unmoralisch, sondern amoralisch. Es besteht nicht aus einzelnen Dämonen, sondern aus einem ganzen Heer fleißiger Bienchen, die gemeinsam den Behemoth konstruierten, der heute unsere Welt beherrscht.
Die einzelnen Akteure wissen nur zu genau, dass das System nur dann gewinnen kann, wenn es geschlossen agiert. Jeder noch so große Einzelakteur, sei es ein Hedge-Fonds oder eine Investmentbank, ist auf sich alleine gestellt zu klein, um als ?Spekulant? Staaten oder Volkswirtschaften in die Knie zu zwingen. Als geschlossenes System sind die Akteure jedoch nahezu unbesiegbar.
Schneeball im luftleeren Raum
Das System handelt mit Papieren, die manchmal auf der Realwirtschaft basieren, manchmal jedoch auch rein synthetisch sind und sich ausschließlich im luftleeren Raum bewegen. Mit realer Wirtschaft hat das moderne Finanzsystem nur noch sehr wenig zu tun ? laut der Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beträgt das Volumen aller ausstehenden Derivate (Wetten auf die künftige Preisentwicklung von Gütern, Zinsen und Währungskursen) unvorstellbare 615 Billionen US$. Ausgeschrieben sind dies 615.000.000.000.000 ? dies entspricht dem Zwölffachen des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.
Selbstverständlich gibt es für diese Summe keine Deckung, es handelt sich vielmehr um ein gigantisches Schneeballsystem. Dabei ist es nicht sonderlich wichtig, das Volumen zu betrachten, da es aufgrund der Geldschöpfungsmechanismen und der nicht vorhandenen gesetzlichen Regulierung nahezu beliebig variierbar ist. Interessanter ist es, die Finanzmärkte als Black Box zu betrachten und einen Blick auf die Ein- und Ausgänge zu werfen.
Auch wenn Geld innerhalb des Systems nahezu beliebig vermehrbar ist, wird es dennoch als Basis zwingend benötigt, da man dem System schließlich kein virtuelles, sondern nur reales Geld entnehmen kann. Wer füttert das System mit neuem Spielgeld? Neben den ?Oberen Zehntausend?, die vornehmlich die Hedge-Fonds anfüttern, ist es das normale Volk, das ? meist ohne konkretes Wissen ? seine Ersparnisse in das Schneeballsystem ?investiert?. Pensions- und Rentenfonds sind die Big Player, die ihrerseits die Hedge-Fonds und Investmentbanken mit frischem Kapital mästen. Auch Lebensversicherungen füttern das System tagein, tagaus mit frischem Kapital. Wer glaubt, dass er im Alter auch die prognostizierten Beträge aus dem System ausgezahlt bekommt, kennt den Mechanismus von Schneeballsystemen jedoch nicht. Wenn plötzlich nicht nur Lieschen Müller, sondern auch alle anderen Mitspieler ihren Einsatz (auch ohne Zins und Rendite) wiederhaben wollen, kollabiert das System im gleichen Moment.
Es war ein genialer Trick des Behemoths, sich den Kleinsparer einzuverleiben und zu einem Teil des Systems zu machen. Wer auf die Rendite seiner eigenen Altersvorsorge schielt, verliert das Interesse an einer Domestizierung des Systems und lässt sich von unerfüllbaren Prognosen blenden. Die fleißigen Bienchen sind da schon schlauer ? kein Investmentbanker, kein Programmierer und kein Mathematiker lässt sich seine üppigen Boni in Anteilen der betreffenden Fonds oder Banken auszahlen, sondern kassiert das Geld in bar und investiert es möglichst schnell in so schöne Dinge wie Penthouse-Appartements, Villen am Meer, Sportwagen oder Kunstwerke. Wenn das System kollabiert, bleiben Lieschen Müller, Joe Sixpack und ihre weltweiten Leidensgenossen hingegen auf ihren unerfüllbaren Forderungen sitzen.
Kampf gegen das Ungeheuer
Wer den Behemoth bändigen oder gar domestizieren will, wird sein Ziel verfehlen, wenn er sich an Personen abarbeitet. Josef Ackermann und Lloyd Blankfein sind sicherlich keine Sympathieträger, aber sie sind auch nicht die tragenden Pfeiler des Finanzsystems ? sie sind vielmehr Rädchen im System, illuster aber austauschbar. Der Spekulant hat kein Gesicht, er hat keinen Namen. In einem Finanzsystem, das auf Spekulation aufbaut, ist das System der Spekulant. Wer sich öffentlichkeitswirksam am Spekulanten als Sündenbock für systemische Fehler abarbeitet, betreibt daher meist eine Verschleierungstaktik. Ein komplexes und überaus flexibles System wird sich auch jeder halbherzigen Regulierungsmaßnahme anpassen ? zumal dann, wenn die Botschafter des Finanzsystems, die als trojanische Pferde in den zuständigen Ministerien positioniert wurden, Sollbruchstellen und Schlupfwinkel einbauen.
Es ist fraglich, ob sich das Zeitfenster für tiefgreifende Reformen des Finanzsystems nicht bereits seit langem geschlossen hat. Wer dennoch den Kampf gegen das System nicht scheuen sollte, müsste dafür sorgen, dass sich nicht nur die Spielregeln ändern. Der einzige Weg, das System zu bändigen, könnte in seiner schöpferischen Zerstörung bestehen. Sowohl die Geldzufuhr, als auch das Volumen der Finanzmärkte müssen dabei behutsam zurückgefahren werden. Ohne Verluste ist dies freilich nicht mehr möglich. Das ist nicht nur eine Herkulesaufgabe, sondern innerhalb unseres politischen Systems wohl auch unmöglich. Wer könnte sich ernsthaft vorstellen, dass die private Altersvorsorge von den Finanzmärkten abgekoppelt wird? Eine falsche Politik hat alles in ihrer Macht stehende getan, um den Behemoth aufzupäppeln ? ihn nun auf Zwangsdiät zu setzen, wäre eine 180-Grad-Wende. Wir haben leider keinen Leviathan, der als allmächtiger Staat ein wirkmächtiger Gegenspieler zum Behemoth des Finanzsystems wäre. Das Spiel ist aus, die Ära des relativen Wohlstands neigt sich dem Ende zu. Wir haben es verbockt, hoffentlich lernen wir wenigstens aus unseren Fehlern.
Jens Berger
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Yep Spiegelfechter,vielleicht steckt in dieser grausamen Wahrheit, ja auch die bittere Medizin – die Pille die uns die Augen öffnet?
glaube allerdings kaum, dass dir jemand zu diesem Artikel einen “flattrn” wird ;-(
Glück auf!
G.
ps. hab einen Bekannten in England, der hat kürzlich erst seine gesamte, falsch angelegte Altersvorsorge verloren. Zuvor hatte er mich zurechtgewiesen indem er meinte, ich wäre mit meinem Geschäft sicher nur pleite gegangen, weil ich mich dort zuviel mit Kunst und Politik beschäftigt hätte und zuwenig mit BWL. Er ist ein halber Schotte, bzw. an der Grenze zu Schottland geboren. War immer sehr sparsam! Jetzt kann er mir auch keine Reiseberichte mehr aus Fernost schicken, sondern hockt verarmt auf seiner Insel und beschäftigt sich mit Kunst und Politik!
Worin lag denn aus Ihrer Sicht diese “falsche Politik”, die den Behemoth aufgepäppelt hat?
Bin gespannt, ob wir die gleiche Ursache im Sinn haben.
An ein “behutsames Zurückfahren” der Geldzufuhr und des Volumens der Finanzmärkte glaube ich übrigens nicht. Kann man denn einen Schwerst-(Drogen)abhängigen behutsam entwöhnen? Nee!
Da hilft nur die Radikalkur und diese kann nur brutal sein, leider!
Der Spekulant und die gehandelte Ware – beides sind wir. Faustische Zeiten warten auf uns.
In einem bin ich Optimist. Wir haben noch ein klein wenig Zeit. Nutzen wir sie und bauen uns ein Leviathan. Wird schon nicht so schwer sein. Und mit Google lässt sich bestimmt der ein oder andere Bauplan finden, die alternativlosen Zeiten sind ja bald vorbei.
@Geheimrätin
Doch, ich würde es tun,
wenn ich entsp. Account und Guthaben bei dem flattr.com hätte ;)
Aber das klären wir noch bald – Jens hat’s ja versprochen.
Mich interessiert vor allem, was die von flattr.com mit den anfallenden Daten alles anstellen und ob man mit denen auch ohne Kreditkarte, die ich nicht habe, spielen kann.
@SF
Sag mal Jens, von wem sind das 1. und das 3. Bilder im Text?
@ Spiegelfechter
“Nicht Soros Finanzvehikel ?Quantum?, sondern ?das System? besiegte damals die Bank of England…”
Ein System kann nicht ohne handelnde Individuen funktionieren. Also bitte nicht etwas mystifizieren, was simple Ursachen hat, nämlich den schlappen Versuch von GB, den überbewerteten Kurs des Pfundes zu verteidigen.
“Will man das System abstrahieren…”
Ach, jetzt doch nicht?
“Als geschlossenes System…”
Genau das wird doch im folgenden Text widerlegt!
“…rein synthetisch…Preisentwicklung von Gütern, Zinsen und Währungskursen…”
Das heißt doch nur, daß selbst “synthetisch” nicht von realen Dingen abgekoppelt ist!
“…gigantisches Schneeballsystem.”
Das kann man glauben, nur dazu müßte man es auch als solches nachweisen können. Behauptungen zählen nicht.
“Black Box”
“Wieso? Es ist von Menschen geschaffen und deswegen kann man es auch nachvollziehen. Es sei denn, man behauptet, daß diejenigen, die es geschaffen haben, keine Erklärung dafür abgeben können. Das können die Spezialisten sehr wohl, nur, die kommentieren hier nicht!
“Auch wenn Geld innerhalb des Systems nahezu beliebig vermehrbar ist…”
Nettogeldvermögen ist aus saldenmechanischen Gründen nur innerhalb eines Teilsystems vermehrbar – und dann noch nicht mal unabhängig von den anderen Teilsystemen! Also was soll das, das wird doch weiter unten gerade in Abrede gestellt?
“…kein virtuelles, sondern nur reales Geld…”
Eben! Jedes beschissene Derivat beurkundet eine Forderung oder Verbindlichkeit auf Zentralbankgeld, wer was anderes glaubt, ist schief gewickelt.
“…Lebensversicherungen füttern das System tagein, tagaus mit frischem Kapital.”
Also eben nix mit der Autonomie des Finanzsystems.
“…Kleinsparer einzuverleiben…”
Genau, Riester, Rürup und (demnächst) Rösler…
“…ist das System der Spekulant.”
So nun auch wieder nicht. Daß das Ganze mehr oder weniger anonym erfolgt, heißt nicht, daß dahinter keine Menschen stehen. Selbst wenn es (eventuell finanzmarkttheoretisch unbedarfte) Programmierer sind.
“Sowohl die Geldzufuhr, als auch das Volumen der Finanzmärkte müssen dabei behutsam zurückgefahren werden.”
Korrekt, sagt Bofinger in etwa auch. Aber das ist was anderes, als vor einer imaginären Macht zu kapitulieren.
“…die private Altersvorsorge von den Finanzmärkten abgekoppelt wird?”
Wieso wird? Ist sie doch schon. Die Stabilisierungsreaktionen des Kreditgeldkapitalismus erzeugen doch die Entwertung von Finanzanlagevermögen, was ist denn eine Finanzkrise sonst??? (Daß die Staaten meinen, die Garantien zur Abwendung der Forderungsentwertung schultern zu können, liegt doch nicht daran, daß sie darüber ökonomisch nachgedacht hätten.)
Ansonsten: Na gut, Behemoth. Ich hätte gesagt:
Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben…
Der nächste Versuch Lieschen Müller eine Mitschuld zu geben, weil sie doch unbedingt ihre unverschämten 3% für ihre Riesterrente haben wollte. Dazu: Geldvermögen Dtl.: 6 Billionen. Davon ließen sich so 60 Billionen an Krediten und damit zusätzlichem Geld erzeugen. Nun wird Lieschen Müller wohl kaum über 100% des Geldvermögens der BRD verfügen, sondern eher um optimistische 10-20%. Das ist ein relativ kleiner Teil der 600Billionen $, woher kommt denn dann der Rest. Statistiken wären schon schön. Ich bezweifle das Lieschen Müller einen wesentlichen Anteil hatte.
Die Argumentation geht wohl in die Richtung von A.Smith, nach dem Motto, der Einzelne kann nicht moralisch oder unmoralisch handeln, sondern handelt immer so, wie das System es ihm erlaubt bzw. ihn zwingt. Das ist sicherlich richtig, nur hat Lieschen Müller keinerlei Einfluss auf das System. Sie könnte höchstens “extremistische” Parteien wählen und das Beste hoffen. Sie kann auch nicht darauf verzichten, bei dem ganzen Riester-Zertifikate-Spiel mitzumachen, weil sie dann auch verliert (Den Teil, der den Banken nach Geldschöpfung als Anteil am BIP zufällt und L.Müller dann fehlt.) Ich kann nichts finden, was man Lieschen Müller vorwerfen könnte, sie ist schließlich auch nur Teil des Systems.
Neben der Wolfsrudellogik darf man aber auch nicht vergessen, dass die Spekulanten heute mit ihren CDS einen größeren Hebel haben. Soros brauchte damals noch seine 10Mrd. Es ist erstaunlich, dass sich niemand fragt, wieso denn Firmen/Fonds/”der Markt” überhaupt in der Lage sind, gegen ein Land mit mehreren Millionen Einwohnern zu spekulieren und das auch noch erfolgreich.
Schrecklich schöner Artikel.
Es gäbe noch eine Chance, wenn der wahnsinnige Reichtum der Wenigen weggesteuert würde.
Manchmal entsteht ein Leviathan aus der Not und spontan. Der Druck der Straße könnte dazu führen. Aber die Rahmenbedingungen sind nicht da, denn die Straße weiß – dank nahezu gleichgeschalteter Massenmedien – nicht, was überhaupt läuft, darum auch kein Druck bislang.
Aber es könnte sich ändern, wenn Hunderttausende “freigesetzt” werden, wenn der Mittelstand endlich versteht, dass seine Vertretungen von der Finanzmafia geschmiert sind. Wenn sich Parteibasis z.B. in SPD und Grünen, aber auch CD/SU gegen ihre überwiegend verräterischen Parteispitzen positionieren und diese ausmisten würde.
Ein sehr interessanter Artikel.
Dennoch möchte ich auf eines hinweisen: In der verlinkten Tabelle von der Bank für internatonalen Zahlungsausgleich ist von “billions of dollars” die Rede. Das entspricht m.E. Milliarden und nicht Billionen.
Aber trotzdem ist diese Summe so hoch, dass damit ganze Banken und Hedge Fonds dartan pleite gehen können.
MfG
Theo
Unter deiner Annahme, dass unter den derzeitigen Regeln das virtuelle Geld innerhalb des Systems beliebig vermehrbar ist, und nur an den Schnittstellen von/in reales umgemünzt wird: um langsam die Luft aus dem Ballon zu lassen, müssen also die Regeln geändert werden. Als sinnvolle Ansätze dazu erscheinen mir Laien
- eine drastische Anhebung der Eigenkapitalanforderungen zur Reduzierung der Hebel, z.B. auf 20 oder 25 Prozent für jeden Akteur, ob bank oder Hedgefonds oder sonstwer
- eine Transaktionssteuer, die v.a. das Hochgeschwindigkeitsgezocke unprofitabel macht
- bei Geschäftsbanken zudem: der Eigenhandel darf das Volumen der ausgereichten Realkredite an Privatleute und Unernehmen nicht übersteigen
Mit dem nötigen politischem Willen wäre das machbar, auch und gerade im nationalen Alleingang beginnend.
Ach ja, ich widerspreche deiner stets wiederholten Theorie, die Lieschen Müllers wären mit verantwortlich für den Zustand. Nicht ‘wir haben es verbockt’, denn Lieschen Müller hat nicht das geringste Verständnis von derlei Dingen. Das geht schon los mit der Exponentialfunktion des Zinseszins.
Nein, das war schon die selbsternannte Elite aus Politik und (Geld-)Wirtschaft, die der Welt das Desaster beschert hat. Und gerade Spekulanten haben an der Entwicklung des Systems zentral mitgewirkt, es geht fehl, die so hinzustellen, als wären sie an der Konstruktion unbeteiligt und hätten ‘nur’ die Möglichkeiten zum zocken genutzt, die ihnen andere hingestellt haben.
@albertus
Na dann schauen wir mal: Der Kardinalfehler war es, die Märkte mit Geld zu überschwemmen. Da wäre zum Einen die private Altersvorsorge zu nennen – anders als bei der Umverteilungsrente, die aus dem normalen Wirtschaftskreislauf finanziert wird, werden bei der privaten Altersvorsorge Unsummen in die Märkte gespült, die allerdings bald an ihre Grenzen stoßen. So viele vernünftige, rentable Anlagemöglichkeiten gibt es nun einmal nicht. Der größte Fehler waren allerdings die parallele fehlende Regulierung und die laschen Gesetze – wenn Banken und Fonds mit den Einlagen über CDS nahezu unbegrenzt Risiken aus der Bilanz rechnen und damit die Bilanz mit zusätzlichen Geld aufblähen können, ist dies bereits die Vorstufe zur Blase. Ein weiterer Fehler war es, immer mehr Werte aus dem Allgemeinbesitz in den Geldkreislauf zu ziehen – beispielsweise über die unsinnigen Pachtmodelle mit Private Equity Fonds. Eine lasche Geldschöpfung mit viel zu geringen Leitzinsen tat ihr übriges.
@Copoka
Yep, heute nachmittag ;-)
Liefere ich ebenfalls heute nachmittag nach – habe die Daten auf meinem Bürorechner ;-)
Erstens sind die Spielregeln, nach denen die ‘Finanzindustrie’ jetzt vorgeht nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden genau von den Vertretern dieser Finanzindustrie durch Mietmäuler und Lobbyisten gekauft. Die trojanischen Pferde des Finazsystems werden also nicht nur kommende Regulierungen vereiteln, sondern haben auch die seinerzeit bestehenden erfolgreich abgeschafft.
Zweitens haben die sogenannten Qualitätsmedien durch ihre Meinungsmache in den letzten zwanzig Jahren kräftig dabei mitgeholfen, die kapitalgedeckte Altersvorsorge als dem Umlageverfahren überlegen zu propagieren, um Lieschen Müller besser schröpfen zu können. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass das Umwerben von Kleinanlegern für die ‘Beteiligung’ an ‘Renditechancen bisher noch immer dann erfolgte, wenn Gewinnmitnahmen der ‘Big Player’ anstanden. Etwa so wie in einer Spelunke, bei der man zu einer Pokerrunde eingeladen wird und alle anderen Mitspieler treuherzig versichern, dass sie die offensichtlichen Markierungen auf den Karten nicht beachten werden.
Drittens wäre die einfachste Lösung, die nach einem finalen Crash ohnehin umzusetzen wäre, die Überführung der kapitalgedeckten Altersvorsorge ins Umlageverfahren. wer sich zum Abschluss einer Riester- oder Rürupvorsorge überreden lässt, dem ist anders schwerlich zu helfen.
Ironischerweise werden die grössten Gaunereien in der Latrinenrepublik bisweilen nach ihren Urhebern benannt: Riester, Rürüupp, Hartz, Gauck…
@Enigma
Natürlich wäre eine solche Aktion ohne falsch gesetzte Prioriäten der Politik nicht möglich. Das entschuldigt die Sache aber nicht. Wo kommen wir denn hin, wenn sich die Politik das Primat des Handelns von den Märkten (oder dem System) nehmen lässt?
Das ist aber nicht der eigentliche Zweck von moderenen Derivaten. Der eigentliche Zweck ist es vielmehr, durch vermeintliche Sicherheiten (das Hedging von Risiken) Risiken aus den Bilanzen verschwinden zu lassen. Dabei geht es nicht nur um bilanzrechtliche Fragen und die Finanzaufsicht, sondern vor allem um die Geldschöpfungsfazilitäten.
Sicher, die “fleißigen Bienchen”, wie ich sie nenne.
Wer kapituliert, wird auch nicht “behutsam zurückfahren”.
Gefällt mir, fragt sich nur, wer der alte Hexenmeister ist.
@Interessierter
Was Du schreibst, ist ja nicht falsch. Ich wollte zusätzlich aber auch auf die Verantwortung des Wählers für die Aktionen der Politik hinweisen. Mit einem naiven “wir haben doch nichts gewußt” ist es heute nicht mehr getan. Die Politiker hatten ein übergroßes Mandat für ihre Taten, die Verantwortungen tragen damit nicht nur sie alleine, sondern auch ihre Wähler.
@7 noone
Dein Wort in Bobs Ohr ;-)
@enigma:
Nö man muss es nicht nachvollziehen können, sowas nennt sich Emergenz. Google das wort mal ruhig, von solchen Systemen, die auf einfachen Regeln basieren, aber eine unvorhersagbare Eigendynamik entwickeln, gibt es eine ganze Menge. Und unser Finanzwirtschaftstollhaus ist so ein Paradebeispiel.
@Theo
Neee, keine Angst, ich mache den berühmten Blogger- und Journalistenfeher nicht ;-)
615.000 billions = 615.000 Milliarden = 615 Billionen
Die Zahlen stimmen leider
@elwu
Sehr gut – das muss allerdings mit einer ganz strengen Regulierung von CDOs und CDSs verbunden werden, da Risiken in den Büchern bleiben müssen und nicht durch intransparente Mechanismen glattgezogen werden dürfen.
Ist längst überfällig und wird wohl auch bald kommen.
?Willst Du die Welt in Ordnung bringen,
musst Du erst das Land in Ordnung bringen.
Willst du das Land in Ordnung bringen,
musst du erst die Provinzen in Ordnung bringen,
Willst du die Provinzen in Ordnung bringen,
musst du erst die Städte in Ordnung bringen.
Willst du die Städte in Ordnung bringen,
musst du erst die Familien in Ordnung bringen.
Willst du die Familien in Ordnung bringen,
musst du die eigene Familie in Ordnung bringen,
Willst du die eigene Familie in Ordnung bringen,
musst du dich in Ordnung bringen.?
Prof. Dr. med. Nossrat Peseschkian
http://zeitgeist-online.de/feuilleton/nachdenkliches-und-humorvolles/730-positive-psychotherapie-im-dialog-der-kulturen.html
Auss der Sicht der Psychotherapie ist hier alles gesagt.
Ich frage nochmal. Was haelt der Spiegelfechter oder andere Experten hier von der 90er Jahre Doku: “The Money Masters”? Alles Spinnerei? Fuer mich als Laien dieser abstrusen Geld”markt”-Geschaefte klingt das ueber 3 Stunden dargebotene durchaus plausibel.
Die Doku gibts kostenlos auf video.google.com
@ 20
Habe mal kurz das dreieinhalb Stunden Filmchen etappenweise überflogen.
Die letzten 5 Minuten mit den vielen Papst-Zitaten sagen mir alles.
Oh, what a time!
Bokatov
Hab’ ich gerade gelacht.
Die FTD titelte online ‘Eilmeldung! Schwarz-Geld einigt sich auf Transaktionssteuer’
Den Screenshot’ heb’ ich mir auf *g*
(aus Geheimrätin #1)
Hab’ einen Bekannten in USA, Ende 2002 wollte der – mit 67 (!!!) – aufhören als Angestellter zu arbeiten, dann passt alles im Rahmen seiner Altersvorsorge. 2005 (!!!, er war jetzt 70) traf ich ihn auf der Messe in Köln: “Bob, du hier, immer noch am wörken?” “Ja, weist Du, meine Altersvorsorge, da fehlen 200.000 $ …!”
Alles klar?
Beste Grüße (auch an Lieschen Müller)
@spiegelfechter, vor einigen Tagen sah ich einen Film über einen Karrieregeneral Hitlers, der im Frühjahr 1945 auf dem Zenit der absoluten Macht angelangt war, der im Ruhrkessel mit einer einzigen Handbewegung Erschießungen von vermeintlichen Deserteuren auslöste. Im April 1945 flüchtete er mit einigen Getreuen in ein Waldstück und nach einigen Tagen Entwöhnung von der Droge Macht fing in Kälte und Schlamm sein Gehirn wieder an zu arbeiten: wie war der Wahnsinn möglich, dass Menschen auf ein Wort von ihm in den Tod gingen?
Beim Thema Kapitalismus ist völlig klar, dass der Weg der schöpferischen Zerstörung zwingend vorgezeichnet ist. Die geforderten Regulierungen der Finanzindustrie wollen die schöpferische Zerstörung nur etwas weiter hinausschieben. Die Transaktionssteuer ist auch so ein Plazebo, übrigens früher von Frau Merkel dauernd gefordert und vor Jahren in Paris von 29 Staatschefs gefordert. Es gibt wirksamere Mittel…
Übrigens glaube ich längst nicht mehr, dass im jetzigen Stadium die Akteure als ?geschlossenes System (?) nahezu unbesiegbar? sind. Die ?nukleare? Option Sarkozys, das ?750 Mrd. Rettungspaket?, wurde von manchen als ?Staatsstreich? interpretiert, der die EU in eine neue Dimension, die Dimension des Krieges geschossen hat, in den Offensivmodus.
Konkret könnte das jetzt durchaus bedeuten, dass gewisse Akteure des “geschlossenen Systems” im Falle des Falles mit ihrer physischen Verhaftung zu rechnen haben und die schöpferische Zerstörung sich in barbarischer Form innerhalb des Kapitalismus austoben könnte. Möglich ist alles.
Das “geschlossene System” ist ein System konzentrischer Kreise, wie die konzentrischen Befestigungen mittelalterlicher Burgensysteme. Auf den äußeren Mauern sehen wir Gesichter wie z.B. die von Ackermann. Zwei Aussagen waren bei seinem TV-Interview interessant: einerseits seine Zweifel, ob GR die Verbindlichkeiten jemals begleichen kann und andererseits zum Thema Schuldenerlass die Aussage, dass er nicht so enden will die der von (Finanz)Terroristen ermordete Ex-Deutsche Bank-Vorstand Herrhausen.
Ackermanns Zweifel an Griechenland erklären sich dadurch, dass der US-Kongress derzeit über einen Gesetzesantrag der FED-Bankenmafia debattiert, dem IWF die Auszahlung von “Mitteln” an Schuldnerländer zu untersagen, bei denen Zweifel bestehen, ob diese “jemals” zurückgezahlt werden können. Dieser Schlag ist massivst feindlich gegen die EU gerichtet, was die Frage beantwortet, auf welchem Ticket Ackermann steht.
Behemoth – großartig. Endlich mal einer, der was von Finanzwirtschaft versteht, und das Problem auch noch in schönen Metaphern beschreiben kann. So stell ich mir guten Journalismus vor. Warum erscheinst Du -leicht gekürzt- nicht mal auf der Hintergrundseite im Politikteil einer Tageszeitung?
Hast Du sowas schon mal dem “Darmstädter Echo” angeboten? Dem “Wiesbadener Kurier”? Oder sind die Verlegerfamilien dort alle zu reich (oder zu sehr selbst B-Leser), um sowas zuzulassen?
Klingt mir ganz nach Verschwörung und so. (Kopfschüttel)
Oh doch. Bald wird er die Bühne besteigen. Nur Geduld.
Bokatov
@ Speieglefechter
(Ich hoffe, es klappt mit den Zitatzeichen)
Das sind m.M.n. auch die Hauptgründe. Diese konten jedoch nur eintreten, weil man das Finanzsystem seinerzeit entsprechend “justiert” bzw. umgekrempelt hat.
Die lasche Geldschöpfung war zunächst das Arbeitsinstrumentarium der Monetaristen, die Ende der 70-er, Anfang der 80-er die Macht übernommen hatten. Diese Strömung hat dann auch Einzug in die akademischen Kreise gehalten und zum alles beherrschenden Mainstream geworden.
Man wollte eben die Nachfrage auf Kredit (besser gesagt af Pump) stimulieren. Als dies später zu den gigantischen Blasen auf verschiedenen Märkten geführt hat, war man eben nicht mehr bereit, den Geldhahn wieder zuzudrehen und die Party zu beenden. Als die Blasen anfingen zu platzen, gab es praktisch nur noch eine (für die herrschende Klasse) annehmbare Option: neues Geld, neue Blasen, neue Partys usw.
Dies wird bis heute fortgeführt bis die Schuldenpyramide (in nicht allzu ferner Zukunft) zusammenbricht.
Der Ursprung der Misere liegt jedoch wohl darin, dass man die quasi unbegrenzte Geldschöpfung durch die Entfernung der Golddeckung Anfang der 70-er ermöglicht hatte.
Ich weiß, Sie sind kein Anhänger des Goldstandards, aber darum geht es auch nicht. Seine Wiedereinführung würde das bestehende Finanz- und damit Wirtschaftssystem zusammenbrechen lassen mit allen erdenklichen sozialen Folgen. (Obwohl dies ohnehin unvermeidlich sein wird)
Tatsache ist ist jedoch: Damals wurde die sprichwörtliche Büchse der Pandora geöffnet!
Und damals nahm die Schuldenexplosion (am Anfang moderat, dann immer stärker) Ihren Anfang.
Die Folgen sehen wir heute.
Wenn die Banken und die Regierungen die Möglichkeit bekommen, neues (Schuld-)geld, dass durch nichts gedeckt ist, zu schöpfen und auszugeben (und zwar egal, ob für Kriege, soziale Wohltaten o.ä.), dann ist das Startsignal für den Systemuntergang gegeben.
Ich weiß, dass diese Ansichten nicht von vielen geteilt werden. Aber bisher konnte mich auch niemand überzeugen, wie das System dauerhaft anders funktionieren soll. Ich habe im Sozialismus gelebt und seinen Untergang hautnah miterlebt. Und jetzt erlebe ich den Untergang des pervertierten Kapitalismus.
Die Finanzmärkte gedeihen prächtig, weil es auf ihrer Ebene (im internationalen Wirtschafts- und Finanzbereich) keine zuständige Stelle – weder Legislative noch Judikative – gibt. Dasselbe gilt für internationale Konzerne.
Wenn unsereins sich so verhalten würde wie die Damen und Herren Investmentbanker (z.B. Ramsch zusammenstellen und dagegen wetten), würden wir für min. zehn Jahre in den Knast gehen. Diese Herrschaften bekommen dafür zehn Millionen Boni!
Was die Herrschaften da treiben ist weder legal noch illegal, mangels einer gültigen Regelung. Und solange das so bleibt wird das auch ungehindert so weiter gehen wie bisher. Es muss, denn nur so können die Renditen gleich oder höher als bisher ausfallen. Dass dieser Raubtierkapitalismus sich selbst auffrisst ist den Protagonisten gleichgültig.
Wie man jederzeit in der Presse verfolgen kann, haben es die internationalen Banken nicht schwer, die lokalen “Provinz”-Politiker (a,k.a Obama, Merkel, Sarkozy, …) von ihren Interessen zu überzeugen. Diese (oder ihre Vorgänger im Amt) haben die Regulierung und Kontrolle immer weiter zurück gefahren – auf Anraten der Banker selbst, unter Gebrauch der Standardkeule “Standortnachteil”, die auch die Industrie seit Jahrzehnten fröhlich schwingt.
Als würde die Mafia durchsetzen, dass sie Bestechungsgelder von der Steuer absetzen kann und für “Vermögenseinkünfte ohne Herkunftsnachweis” keine Steuern zahlen muss.
Dieser Selbstbedienungsladen kann nur durch verbindliche international einheitliche Regelungen aufgehalten werden. Aber mit den momentanen Marionetten und Laiendarstellern sehe ich das nicht kommen.
Ja hallo erstmal,
leider bin ich kein Profischreiber und kann mich deshalb nicht so eloquent Ausdrücken wie der Spiegelfechter aber sei’s drum.
Klare Ansage: In meinen Augen widersprechen sich dieser Artikel und der letzte “Königsweg Inflation?” grundsätzlich. Aktuell wird eine Lösung bzw. Denkansatz ausserhalb des “Systems” dargestellt, die Ansätze von gestern waren überwiegend systemkompatibel. Nur eins wird für mich deutlich, wenn die aktuellen Aussagen stimmen (IMO ist das so) braucht man ja wohl nicht mehr über Inflation und/oder Sparen als “gute Lösung” (d.h. im Sinne der Mehrheit dieser Gesellschaft) diskutieren.
Die hier aktuell dargestellten Größenordnungen der virtuellen Finanzsmärkte sind so monsrös das keine Lösung innerhalb des Finanzsystems machbar erscheint. Jeder real erwirtschaftete Euro wird von diesem Behemoth aufgesaugt und macht ihn nur noch grösser. Es ist m.E. so, dass man zur Zeit versucht “auf der letzten Rille” mit Steuergeldern (bzw. mit Optionen auf zukünftige Steuereinnahmen) und Einsparungen dieses Schneeballsystem aufrechtzuerhalten. Wenn die damit erzeugte “Mutter aller Blasen” platzt, was sie zwangsläufig tun muss, ist Ende im Finanzgelände. Die Auswirkungen werden wir und vor allem die Leute in der dritten Welt schmerzhaft spüren.
Zitat: “Wir haben es verbockt, hoffentlich lernen wir wenigstens aus unseren Fehlern.”
Sind das die selben “Wir” die auch ständig über ihre Verhältnisse leben?
Gruß
Die Heldentasse
ist im Prinzip richtig, aber nicht umsetzbar. Auch Stalin und Mao sind mit dieser Strategie gescheitert.
Was haben wir heute in Russland und China? Die schlimmsten Finanzauswüchse.
Auch wird eine Finanztransaktionssteuer nicht kommen. Sie wird “diskutiert” und “Details müssen noch festgelegt werden” – Schäuble hat sich schon diesbezüglich geäußert. Merkel hat sich gegen diese Steuer in Fernsehen am Montag (18.5.10) ausgesprochen – Westerwelle schon immer.
Wer diesen leeren Ankündigungen glaubt, schätzt den Weltfinanzmarkt falsch ein.
Ebenso könnte man in der EU beschließen, nur noch Straßenlaternen mit stabilen Querstreben zu installieren……
@ Spiegelfechter
?Um nicht vor der Komplexität kapitulieren zu müssen, dachte sich der Mensch Götter und Dämonen aus.?
Was für eine sinnfreie Behauptung. Sie lässt sich weder wissenschaftlich belegen noch widerlegen, also gehört sie in den Bereich des Glaubens, wo sie auch bleiben sollte. Wer so etwas als erwiesene Tatsache in den Raum stellen will, kann sich nur selbst disqualifizieren.
?Wir haben es verbockt, hoffentlich lernen wir wenigstens aus unseren Fehlern.?
Auch so eine pauschale Unterstellung. Wer hat was vebockt? Ich persönlich habe nichts verbockt, wer ist also ?wir??
?Die Politiker hatten ein übergroßes Mandat für ihre Taten, die Verantwortungen tragen damit nicht nur sie alleine, sondern auch ihre Wähler.? (18.5. um 8:40).
Darf man bei einer solchen Aussage laut schreien? CDU, CSU, SPD, FDP und GRÜ haben versagt, die Linke mit ihren DDR-Rezepten schon lange. Wer also hat hier Verantwortung? ?Der? Wähler? Den gibt es nicht. Die Wähler? Lol! Wir leben in einer repräsentativen Demokratie, da geben wir unsere Stimmen ab, und ab diesem Zeitpunkt haben wir keine mehr.
Alles VT!
So jedenfalls wurde ich bisher vom Spiegelfechter abgebügelt, wenn ich derlei Kritik äußerte und bewußt diffus von ‘sith-Lords dieser Welt’, grauen Männern oder den Geldsäcken schrieb.
Nun gut, besser die Einsicht kommt überhaupt als gar nicht.
Einen sehr markanten Punkt aus den 70ern möchte ich als Zwischenstation auf dem Weg in den Abgrund nennen. Dieses Interview ist sehr lesenswert, um weitere Hintergründe respektive Teilschritte in der Entwicklung ‘des Systems’ zu erfahren.
Als die gesellschaftlichen Gruppen bezeichnet der Interviewte Kapitaleigner, Unternehmer und Arbeitende. Also ‘meine Geldsäcke’, die Ackermanns und Lieschen Müller.
Wie der SF-Artikel aufzeigt, ist es inzwischen eben auch gelungen, Lieschen Müller mit in die Gruppierung hineinzuziehen, was dann die Frage aufwirft, wer denn noch die Opposition zu diesem Triumvirat bildet. Etwa das Leben schlechthin?
Rüstungsindustrie verstaatlichen und auf nationale Bedürfnisse schrumpfen
Unerwünschte Werbung verbieten (Wer beworben werden will, kann ja im Inet entsprechend klicken)
Nur noch Sendung mit der Maus oder Löwenzahn im TV (oder Geschichtsdokus, Tierfilme usw hauptsache keiner hat mehr Bock drauf)
Jede Art von Geldhandel verbieten (Tauschmittel darf nicht zum wirtschaftsgut mit Profit als Belohnung werden)
Ökologische Aspekte als Planungsgrundlage
Fremdbetreuung von Nachwuchs ausschließlich als Notlösung betrachten
Schulzeit um zwei Jahre verlängern bei einer Klassenstärke von max 24 Leuten
Das wäre mal ein Maßnahmenkatalog. Der bedroht keine Leben.
Der schafft das Umfeld für outlooks Vorschlag aus #19, worin sicherlich die einzige tatsächliche Chance besteht.
zu radikal? zu extremistisch?
na dann eben morgens europol und abends frontex, da das die alternativlosen Alternativen sind
Ich stimme mit einigem überein, allerdings nicht mit den Schlussfolgerungen.
Ähnliches wird sich vermutlich aus der Zeit nach der in seinen Auswirkungen wesentlich brutaleren Weltwirtschaftskrise 1929 bis weit in die 30er finden. Tatsächlich erwies sich das System in den USA als grundsätzlich reformierbar. Dagegen landeten Länder, die sich auf die Suche eines völlig neuen Kurses machten (Deutschland 33-45, zahlreiche lateinamerikanische Staaten), mittelfristig in einem viel tieferen Matsch.
Ich halte “das System” mit einem durchaus vorhandenen politischen Willen für reformierbar. Es müssen halt Risiken aus dem System genommen werden. Mehr “resilience” (Belastbarkeit, Widerstandsfähigkeit) auf Kosten der Effizienz. Die politischen Feinde gegen einen solchen Kurs werden wir eher in England und den USA finden, da deren Volkswirtschaft halt stärker auf modernes Banking ausgerichtet ist als die unsere. Sicher war das auch eine Ausweichsreaktion vor der Konkurrenz aus Schwellenländern raus aus der industriellen Produktion und nicht-Banking Dienstleistungen.
Die Wolfsrudeltaktik kann auch keine beliebigen Mitglieder reissen. In den Krisenländern der Asienkrise, in Mexiko 95, in Argentinien 1998-2001, in PIIGS 2010-201? gabs tiefe makroökonomische Ungleichgewichte. Im übrigen erholten sich viele Länder überraschend schnell nach dem allerdings für viel zu viele Menschen verheerenden Crash. Die Schwellenländer (und der IWF) haben ja auch gelernt. Das dolle “internationale” Finanzkapital wird heute dort mit deutlich mehr Skeptisch betrachtet. Durch verschiedene Maßnahmen wird der inflow in optimistischen Zeiten eben gedrosselt.
So haben die ein etwas weniger effizientes System, das aber wesentlich robuster (resilience) ist. Eine ähnliche Entwicklung wünsche ich mir auch bei uns. TÜV für Finanzderivate, Reduzierung der Hebel, steuerliche Belastung auf Finanztransaktionen, Regeln für die Anlageoptionen für Rentenfonds.
Hoffnung macht jedenfalls, dass sich die Opfer von Finanzkrisen vorher dieses mal eher im Trockenen standen (Indonesien, Süd-Korea, Argentinien, Brasilien, etc.). Das Lernen über den Griff auf die Herdplatte scheint also machbar zu sein. Allerdings ist es kein Selbstläufer.
Wir müssen natürlich unsere Ungleichgewichte wie die Neuverschuldung angehen (gerne über höhere Steuern) angehen. Nur sollten wir ein Finanzsystem besitzen, in dem das Wetter nicht dermassen ruckartig umschlägt.
Eine Finanztransaktionssteuer führt allerdings nicht nur zum Absaugen eines Teils der überflüssigen Geldmenge und der Verringerung der schädlichen Kurzzeitinvestitionen, sondern auch zur Verlangsamung der Geldbewegung und einer Erhöhung des Gelddrucks, da das Geld weniger durch andauernde Bewegung versteckt werden kann.
Das ist zwar notwendig, könnte aber auf kurze Sicht hin zu einer weiteren massiven Erhöhung der Asset Inflation führen.
Damit, das der Abbau öffentlicher Vorsorgesysteme in vielen “westlichen” Staaten und die Einspeisung der freiwerdenen Mittel in deninternationalen Kapitalmarkt das Kraftfutter ist und war, das die Krake zum Monstrum hat werden lassen, stimme ich überein.
Womit ich überhaupt nicht übereinstimme, ist die Verklärung des Finanzmarktes zum Schirrmacher-Datenleviathan. Die Computerprogramme der Banken und Hedgefonds sind nur Ausfluss der Erwartungen, Menschenbilder und moralischen Standards der Entscheidungsträger dieser Institutionen. Hinzu kommt sicherlich eine gute Portion volkommen banaler Spielsucht. Der Computer hat diese Prozesse beschleunigt, aber nicht grundsätzlich verändert.
Jedes Gesellschaftbild das auf einem “Leviathan” basiert, egal ob Kommunismus oder der radikale Liberalismus, dessen Ausflüsse wir heute erleben, bleibt im Kern infantil. Niemand muß Verantwortung für sein Handeln übernehmen, denn er ist ja nur Teil des Systems -die Welt ist ein riesiges Kinderzimmer. Geiz, Gier und Egoismus werden durch den Zauberstab des freien Marktes in Gemeinwohl umgewandelt. “Greed is Good”, “Unter Strich Zähl Ich” und “Geiz ist Geil” fasst diese Verantwortungsfeindliche Einstellung symptomatisch zusammen.
Jeder einzelne und erst Recht mächtige Entscheidungsträger in Politik un Wirtschaft hat die Fähigkeit, das Gesamtsystem zu beeinflussen und muss zur Verantwortung gezogen werden, wenn er die Allgemeinheit schädigt. Rechtliche Strukturen, die es erlauben indivduelle Verantwortung hinwegzudeligieren müssen unterbunden werden.
Franz Neumann beschreibt in seinem Klassiker ?Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933?1944? -1942 bzw. 1944 erschienen- den NS-Staat als eine Art Patchwork-Nazismus, eine totalitäre Diktatur, die jeden einzelnen Staatsbürger “durch vermeintlich kollektive Bedienung separierter Interessen in Schach hält und organisierten Widerstand parzelliert, isoliert und liquidiert?.
Der Zement dieses totalitären Patchwork-Nazismus, der alles zusammenhalte, heiße ?Profit, Macht und vor allem Angst vor den unterdrückten Massen?. Jegliche ?gemeinsame Loyalität” werde durch “Terror, Vergünstigungen und Propaganda” unterbunden. Dies erzwinge einen permanenten Ausnahmezustand, der sich im ständigen Zwang zum Expansionismus abbilde und im jeweils vermuteten Führerwillen konditioniere.
Vom Führer abgesehen, lasse sich im Patchwork-Nazismus “von keiner Institution sagen, dass sie Sitz der politischen Macht sei.? Jede gesellschaftliche Formation erhalte ihre Stabilität dadurch, dass sie nur in dem Maße mächtig sei, wie sie sich im Gleichklang mit vielen anderen konkurrierenden Organisationen befinde.
Im totalitären Staat des Behemoth gebe es nicht einmal mehr irgendwelchen Rest von Gesetzlichkeit. Recht und Gesetz bildeten im Patchwork-Nazismus lediglich tausendfache, indes nur ?technische Regeln?, ohne jede judikative Verbindlichkeit und absolut zur Disposition des Führer-Willens gestellt.
http://www.judentum-projekt.de/geschichte/altertum/behemoth/index.html
Ob man aus den Fehlern der Vergangenheit wird lernen können, wird sich noch zeigen müssen. Angesichts der Tatsache, dass nach 1929 aber erneut eine Weltwirtschaftskrise unglaublichen Ausmaßes über uns eingebrochen ist, habe ich aber leise Zweifel an der Erkenntnisfähigkeit und Lernbereitschaft unserer Politiker.
Gute Arbeit, lieber Herr Berger!
Auch hier treffen Sie den Nagel auf den Kopf! Das verkommene politische System lässt sich nicht mehr von innen heraus reformieren, weil sich die meisten Entscheidungsträger im Lobbysumpf und Klüngel verfangen haben. Muckt da nur einer auf, oder eine Hand voll, werden die massiv gemoppt, bedrängt, abgestraft, zwangsversetzt und kaltgestellt.
Die notwendigen Reformen können nur noch von einer neuen politischen Kraft, von außen, angeschoben werden. Eine Partei, die alle Parlamente mit einem perfekt organisierten Wahlkampf – blitzkriegartig – erobert. Eine andere Lösung gibt es definitiv nicht.
Es ist nicht einfach, aber ist zu schaffen.
@Cornelius
Meine volle Zustimmung.
Wäre ich jünger, ich würde den herrschenden Politikern den Arsch aufreißen.
Da stimme ich “albertus” in post no. 2 zu. Kollege Leviathan wird richtig reinkloppen. Wird ja auch Zeit.
Es ist wohl mal wieder Zeit für Volksaufstand, Krieg und Enteignung der Großgrundbesitzer (Nun gut, “Großgrund” muss heute wohl durch “Großkapital” ersetzt werden).
@ 16 Fieser Killer
Von Emergenz kann erst dann gesprochen werden, wenn innerhalb eines Systems eine Prozessierungsform von Sinn darstellbar ist, dessen Reproduktion von außersystemischen Aspekten unabhängig ist. Das ist hier m.E. nicht der Fall. Jens sagt ja auch in dem Artikel weiter unten, daß die Finanz “Black Box” einen Input braucht, um existieren zu können. Eine derartige Abhängigkeit macht aber die Anwendung des Systemkonzepts invalide.
Und der Umstand, daß in interdependenten Zusammenhängen, gelegentlich explosive Trajektorien vorkommen, weil die Rekursionseffekte zu sich aufschaukenlnden Ergebnissen führen, weiß man doch nicht erst seitdem Fahrzeugfolgetheorie und zusammenbrechende Brücken mit Differentialgleichungen analysiert werden. Das sind aber alles keine Phänomene, die als System im hier gebrauchten Sinne verstanden werden können. Der Finanzmarkt ist doch garnicht so unerklärlich, daß man mit mystischen Zuschreibungen ankommen muß. Er hat Tendenzen zur Selbstverstärkung, genannt Herdentrieb, ja und?
@ Thomas: …Konjunktur, dämonische, sozusagen.
@ enigma: Es ist ja gerade eben dieser, incl. “ja und?”
Führt der Weg etwa hierhin ????
http://info.kopp-verlag.de/news/bilderberg-2010-treffen-in-spanien.html
@Bilderberger
Anscheinend hast Du nichts verstanden, was im Artikel steht :-(
@ Spiegelfechter
glaubst Du wirklich an diese Plattitüde!? Stelle Dir einmal vor, es gäbe keine strukturierten Finanzprodukte mit denen man Lieschen Müller abzocken kann, keine Zweckgesellschaften mit denen Kreditblasen erzeugt werden können, stelle Dir einfach vor, das Geld könnte nicht gehortet werden sondern müsste in die Realwirtschaft investiert werden, denn nur dort kann es sich vermehren, weil Menschen damit arbeiten. Wenn Deine Fantasie dazu reicht, wirst Du erkennen, woran es hapert und was getan werden sollte. ;-)
Die Ursache für den Zwang zur Dauerspekulation ist das völlig kaputte realwirtschaftlich kapitalistische System, welches nicht mehr in der Lage ist, die überflüssige Ware Arbeitskraft dauerhaft zu verwerten. Die innere Wertschranke zwischen Produktion und Produktivität erschuf den Zwang den Arbeitslohn durch billige Kreditmöglichkeiten seit den siebziger Jahren zu ersetzen.
Die Finanzmärkte und die zeitlich gestreckte, fiktive , global erzeugte Nachfrage über die Megawetten sind nur Ausdruck dieser tiefengreifenen Krise der globalen kapitalistischen Produktion, mehr nicht.
Bloß gut, dass mir bei den über 600 Billionen fiktiven Dollarwetten nicht wirklich Angst und Bange wird.
Neuste Meldung.
Warum erst jetzt?
@Enigma #5
?Black Box?
?Wieso? Es ist von Menschen geschaffen und deswegen kann man es auch nachvollziehen. Es sei denn, man behauptet, daß diejenigen, die es geschaffen haben, keine Erklärung dafür abgeben können. Das können die Spezialisten sehr wohl, nur, die kommentieren hier nicht!
—
“Die Menschen machen ihre Geschichte selbst, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken”
Schon mein Gegenüber ist ‘ne black box – Spiegelneuronen hin oder her.
Sicher könnten die Spezialisten einiges mehr erklären, was sie treiben, aber letztlich:
Was der Experte tun kann, weiß er noch lange nicht zu erklären (dazu einiges bei Hubert Dreyfus & Bruder). Bin ich mir selber durchsichtig? Spätestens seit Freud gibt’s da Zweifel.
Ich mache mir Bilder von mir und meiner Situation. Ich sehe eine Situation. Ich sehe Ähnlichkeiten (s. “Abduktion” – Peirce) bei völlig verschiedenen Elementen (und agiere entsprechend) – das ist die Quelle von Kreativität (so auch Emergenz – die sich aus der Abhängigkeit von einzelnen Elementen löst – s. Maturana).
Schon wenn zwei Personen interagieren, entsteht ein Drittes (so entstehen Götter – oder Kapital), vom Einzelnen niemals völlig kontrollierbar.
—
@Outlook #19
“musst du dich in Ordnung bringen”
In welche Ordnung? Gib mir einen festen Hebelpunkt, Münchhausen! Am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen? Nee, du kannst dich nur beeinflussen, wenn du auf deine Situation einwirken kannst – mit anderen.
—
@Erkenntnistheoretiker #38
In der Schule habe ich noch gelernt, Lehre aus 1929 war das Verbot von Aktienkauf auf Pump in den USA – aber das wurde wohl in den 1990er Jahren abgeschafft.
@Christian
Liegt wohl hauptsächlich daran, dass ich zu faul bin, denen meine Artikel anzubieten ;-)
Da Zeitungen allgemein viel zu schlecht zahlen und bei ihrer Kommentarauswahl auch nur selten freie Autoren zu Wort kommen lassen (das ist in den USA und GB ganz anders), arbeite ich am liebsten für den ÖR-Rundfunk. Die zahlen gut und sind wesentlich mutiger was “unkonventionelle” Kommentare angeht.
@SF
“Die Märkte mit Geld überschwemmen”, das hört sich wie eine Formulierung derjeniger, die die (Sozial)Politik Clintons (niedrige Zinsen, damit sich jeder ein Haus leisten kann) und damit staatliches Handeln für die Krise verantwortlich machen. Dass zu viel Geld auf den Märkten war und ist hat weniger mit niedrigen Zinsen als vielmehr mit der zunehmenden Konzentration des Kapitals auf immer weniger Akteure zu tun. Umso mehr Geld jemand hat, umso mehr davon braucht er nicht und geht damit auf dem Kapitalmarkt spekulieren bzw. lässt es seine Bank für sich tun. Irgendwann sind dann alle vernünftigen Anlagemöglichkeiten ausgeschöpft (wie du ja auch schreibst) und das Geld muss noch irgendwo Rendite erzielen. Und schon kommt man auf die Idee, eigentlich insolventen Menschen unsinnig viel Geld zu leihen… Ansonsten stimme ich dir zu, wunderbarer Artikel. Aber erzähl mal all den Menschen, deren Reallöhne seit Jahren nicht wirklich steigen, es sei “zu viel Geld auf dem Markt”. Das ist zwar richtig, mit den Zinsen hats jedoch relativ wenig zu tun.
@albertus
Da stimme ich Dir sogar in fast allen Punkten zu. Die Vorgeschichte mit zu analysieren, hätte allerdings den Rahmen gesprengt. Vielleicht setze ich mich doch besser bald an mein erstes Buch ;-)
@29 Heldentasse
Die Ansätze aus “Königsweg” entsprechen dem “Ablassen der Luft aus der Blase”, also dem Herunterfahren des Systems. Auch hier wäre eine Inflation reinigend, da viele Spekulationen inflationsbereinigt bei einer moderaten Inflation nicht mehr möglich wären.
Leider – aber da die “monströsen Mengen” virtuell sind, halte ich es nicht für unmöglich, sie ohne große Kollateralschäden glattzuziehen, zumal sie meist auf Gegenparteienrisiken bestehen.
Nein, das sind diejenigen, die gerne vom System profitieren, aber mit den Fingern auf die Spekulanten zeigen, wenn es schief geht ;-)
Herr Winter, auch wenn die BaFin nun die Zügel ein klein wenig festzerrt, bedeutet das im Kern nur, daß die über jahrzehnte gewachsene deutsche Monoplstellung im Finanzbereich in Europa unmißverständlich manifestiert wird. Die Vormachstellung wird abgeschlossen, und gleichzeitig erklärt man dem Finanzplatz London den unmittelbaren Krieg.
Wie kann GB ohne seinen fiktiven Finanzstaubsauger in London dann zukünftig eine Nachfrage erschaffen, wie, ohne ausreichende Produktionsbasis, mit Krieg als letzten konkurrenzbedingten und nachfragenerschaffenden Ausweg gegen die Produktionssektoren der Konkurrenz?
@31 Deho
Wo sonst, außer im “Bereich des Glaubens” sollte dieser Umstand auch angesiedelt sein, zumal er sich ja explizit auf den Glauben bezieht?
Machmal wundere ich mich doch sehr über die Schlichtheit einiger Kommentare
@Degnaphata
Du scheinst den Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben … und zwar noch nicht einmal im Ansatz ;-)
@drmaus
Nein, eben nicht, zumal der “radikale Kommunismus” ja eher (um im Kontext zu bleiben) eine Huldigung des bellum omnes contra omnibus ist und nichts mit dem Leviathan zu tun hat. Der Leviathan ist ein ordnendes Überwesen, das dem Individuum nicht die Verantwortung abnimmt, sondern Regeln durchsetzt, innerhalb derer das Individuum friedlich leben kann.
Sehr richtig, so will ich auch die letzten beiden Sätze des Artikels verstanden wissen.
@36 goldman sachs
Sehr guter Kommentar, Danke. Diese Schrift kannte ich noch nicht, ich hatte mich eher von Hobbes inspireren lassen, dessen düsteres Weltbild ich antizipiert habe.
@51 luri
Beides, wobei beides m.E. auch nicht zu trennen ist.
Zu diesem Thema möchte ich (nicht nur Dir) diesen ganz hervorragenden Artikel empfehlen:
Paul Krugman: Der amerikanische Albtraum
@SF:
Was für eine Spiegelfechterei! Das Grundproblem ist seit Jahrhunderten bekannt.
Und da baust du hier eine Götterdämmerung von Pappkameraden auf. Viel Rauch und
Pulverdampf und Schicksal, die uns die Sinne vernebeln sollen.
Geld ist das einzige Gut, dessen unendliche Anhäufung Sinn macht.
Das liegt an seiner universellen Tauschbarkeit.
Was kriegt der Mensch für Geld?
1.) seinen täglichen Lebensunterhalt
2.) Sicherheit
3.) seine kleinen Freuden
4.) Faulheit
5.) Luxus
6.) Macht
Punkt 4 bis 6 sind zu streichen, den sie stehen im Widerspruch zum ursprünglichen Sinn des Geldes.
Für Punkte 1 bis 3 reichen 5 Millionen für den Einzelnen und danach ist Schicht im Schacht.
Jeder, der mehr davon hat, hat dies abzugeben, und zwar nicht auf Pump, sondern komplett. Damit wäre die ungefähre Richtung klar.
?Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.? – Bertolt Brecht. Dieser Spruch hat seit Schröder und Merkel an der Tete waren/sind seinen Wahrheitsgehalt definitiv verloren.
Sie müssen sich entscheiden, worauf Sie vertrauen wollen. Auf die natürliche Stabilität des Goldes oder auf die Ehrlichkeit und Intelligenz der Regierung. Bei allem schuldigen Respekt für diese Damen und Herren rate ich Ihnen, solange das kapitalistische System existiert, für Gold zu votieren.” – George Bernhard Shaw
Der Berni hat recht!!
Sorry, aber als Teil der Altersvorsorge-Industrie kann ich nur sagen: Lieschen Müller hat gar nicht das Kleingeld, um damit den Finanzmarkt zu überschwemmen. Auch vor der Riesterkatastrophe gab es steuerlich begünstige Lebensversicherungen, Pensionskassen gibt es seit lässig hundert Jahren und trotzdem ist nichts passiert. So wie die Anlagen in Riesterrenten in den letzten Jahren gewachsen sind, so sind die Lebensversicherungen wegen des Wegfalls des Steuervorteils geschrumpft. Das Volumen der kapitalgedeckten Altersvorsorge ist im angloamerikanischen Raum um ein Vielfaches höher, auch schon vor 25 Jahren, trotzdem reichte das allein nie für Blasenbildung in dem Maße wie wir es jetzt wiederholt gesehen haben.
Das Geld aller Lieschen Müllers ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Und der heiße Stein wurde mit billigem Zentralbankgeld und auch dem Geld der reichsten 5% (die privaten Vermögen sitzen eben nicht beim Lieschen!) und von neuerdings zockenden Industrieunternehmen alá Porsche und Merckle angehitzt. Da wurde global eine große Kugel geschoben und die hiesigen Versicherer wollten auch mitspielen, weil die nämlich nicht einfach Kredite für Zockergeld aufnehmen können. So wie Banken das tun.
Leider bin ich da ein bisschen angefressen, weil ich hier regelmäßig lese, wie wichtig gute Recherche und seriöse Quellen sind. Wenn Lieschen Müller so viel Geld zum Zocken hätte, hätten sich die deutschen Geschäftsbanken im letzten Jahrzehnt nicht alle als Investmentbanken versucht, die ihr Privatkundengeschäft in billige Töchterunternehmen abschieben. Siehe Deutsche Bank und Deutsche Bank 24.
Unabhängig davon ist es natürlich schlimm, wie die gesetzliche Rente geschleift wird. (Auch mit Blick auf Inflationsszenarien des SF. War Spaß…) Nicht dass ich hier als Verteidiger der Umstellung auf Kapitaldeckung dastehe. :-)
@Axelander
Ja und nein (meine Standardantwort ;-))
zunächst zum nein: Das Geld von Lieschen Müller ist weit mehr als Tropfen auf dem heissen Stein – wir sprechen hier von rund 2 Billionen Euro, die deutsche Kleinanleger (also alle Bürger, die nicht zu den oberen 25% der Einkommens- und Vermögensskala gehören) in irgendeiner Form in den Finanzmärkten herumschwirren haben.
nun zum ja: Alleine würde diese nicht eben kleine Summe den Kohl auch nicht fett machen. Durch die “modernen” Finanzkonstrukte lassen sich diese 2 Billionen aber mit den richtigen Mitteln als Einsatz vervielfachen, sie werden gehedgt, gehebelt und entfalten so Wirkmächtigkeit.
Ohne Lieschen Müllers Geld wären die Märkte nicht derart im Ungleichgewicht, ohne die “modernen Konstrukte” wäre jedoch auch Lieschens Müllers Geld kein Problem.
Hallo,
ich denke, dass mit komplexen Systemen nicht eine Mystifizierung von etwas menschengeschaffendem gemeint ist, sondern im Gegenteil das dieses System von einer Vielzahl von Menschen geschaffen wurde, die ohne zentrale Planung zu dazu in der Lage waren. Aus diesem Grunde ist es auch keinem Menschen, der an der Schaffung beteiligt war moeglich, das System als ganzes zu erfassen und seine Funktionsweise zu manipulieren, geschweige denn geziehlt zu veraendern.
Zu dem Thema empfehle ich Richard Dawkins Arbeit, welcher schon zu mehreren Gelegenheiten erlaeutert hat wie aus dem simplen das Komplexe entstehen kann, ganz ohne die Beteiligung eines universalen Schoepfers, ob Gott oder Spekulant ist dabei unerheblich.
Gruss,
Jakob
Der EUR-Halteapparat wird weiter zermürbt
EUR 1,2189 -1,7% 18.5.2010 23.07
@Outlook
Nun halte mal die Füße still – da sind noch mindestens 20 Cent Spielraum nach unten in den nächsten Monaten. Alles halb so wild ;-)
@SF
Einer der besten und schönsten Beiträge, die ich hier je gelesen habe. Kompliment!
Man sieht auch, wie die Qualität des Originalpostings auf die der Kommentare abfärbt ;-)
Aber warum nennst du das Kapital “Behemoth”? Das ist doch eine unnötige Mystifizierung.
Ansonsten braucht es kein “Zeitfenster”, um das System zerstören zu können, das besorgt es nämlich selbst. Wir sollten uns auf die Frage konzentrieren, wie wir die Kollateralschäden dieses (Selbst)Zerstörungsvorgangs minimieren…
@SF
Eins verstehe ich nicht: Warum sollten niedrige Zinsen cet. par. zu verstärkter Kapitalkonzentration führen? Sofern ich dein “ist nicht zu trennen richtig verstehe”.. Da ich da zumindest keinen starken Zusammenhang sehe ist das als wesentliche Ursache der Geldschwemme nicht zu halten, womit es sich für mich irgendwie ein wenig nach Instrumentalisierung der Krise gegen eine Niedrigzinspolitik anhört – die ja auch durchaus nicht im Sinne der lange vorherrschenden Monetaristischen Lehre ist. Das ist kein Vorwurf gegen dich, den Eindruck hatte ich nur öfter in der Presse. Niedrige Zinsen müssten doch ausserdem eher zu einer Realinvestition als zu einer auf dem Kapitalmarkt führen, da die Rendite der realen relativ steigen würde?
p.s. Danke für den Link. War zwar schon bekannt, aber meine Bookmarks sind mir irgendwie abhanden gekommen. Ach, und natürlich für den Artikel!
@33 Lemmy Caution
Soweit ich mich erinnere, haben die USA den Kurs Deutschlands übernommen. Die Leute um Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht führten Konjunkturprogramme durch (Infrastruktur z.B.). Dadurch kam Deutschland als erstes aus der Krise. Der New Deal in den USA orientierte sich auch an der Konjunkturpolitik Deutschlands.
@37 Erkenntnistheoretiker
Das Problem ist der Zins. Er enwickelt sich exponential. Daher ist es mathematische Notwendigkeit, dass irgendwann soviel “virtuelles” Geld vorhanden ist, dass das System crasht. Die Realität, Inflation etc. beeinflussen nur den Zeitrahmen bis zum nächsten Crash. Jetzt hats 80 Jahre gehalten.
Um einen neuen Weg zu gehen, wird wohl keiner die Kraft haben, einen großen weiteren Crash in 50-100 Jahren (vielleicht auch 200 Jahre, wenn man gerechter besteuert) erlebt sowieso keiner der heute Verantwortlichen. Daher brauchen die leider auch keine Lernbereitschaft, nach uns die Sintflut.
Das kann man denen auch nicht so richtig vorhalten, wenn das System nach einem Reset rund 100 Jahre hält, wird kaum jemand gegen aufbegehren.
@38 Cornelius
Die Partei ist dann aber nicht “regierungsfähig”, wird es von allen Medien tönen. Ohne eine Veränderung der Mainstreammedien wird eine solche Partei keine Chance haben, mal abgesehen von der Gefahr, dass charismatische Figuren mit einfachen Parolen, die besten Chancen für einen “Blitzkrieg” haben.
Ungedeckte Wechsel und hochgehebelte Roulette-Chips in Höhe von 615 Bio. Dollar “behutsam” abbauen? Eher glaube ich wieder an den Weihnachtsmann, bester Jens Berger … das System wird in einem globalen Riesen-Furz enden. Und die Welt wird danach anderen gehören, den ‘Schuldigen’ natürlich, denjenigen, die uns am Ende mal wieder ‘nichts schuldig’ bleiben werden. Womit ich aber nicht diese Algorithmen meine, denn sie sind ja nur die Methode …
Wir wissen zu wenig und könnten doch mehr wissen, wenn wir die entsprechenden Leute zum Offenlegen ihrer Praktiken und Insiderkenntnisse zwingen könnten.
Eine funktionierende parlamentarische Demokratie müsste es leisten können, alle grundsätzlichen, das Allgemeinwohl betreffenden Fragen öffentlich zu behandeln, mit dem nötigen Zeitvolumen und den notwendigen Ressourcen. Die Wirtschaftstheoretiker müssten hinsichtlich Finanz- und Geldsystem einen Grundkonsens erarbeiten, müssten dazu gezwungen werden diesen plausibel der interessierten Öffentlichkeit vorztragen. Es müssten Abwägungs-und Verständigungsprozesse erfolgen können, die notwendige Zeit muss gegeben sein, vorher dürfte niemand keine Exekutive, kein Parlament Entscheidungen fällen dürfen. Die Einbeziehung weiter Bevölkerungskreise in die Ausarbeitung der Neugründung des Finanz- und Geldsystems erst mal auf nationalstaatlicher Basis ist wohl unabdingbar, die Bereitschaft die EU-Verträge der letzten 18 Jahre bis Maastricht rückabzuwickeln ist Voraussetzung einer Neuordnung, Volksentscheide und Verfassungsgebende Versammlung werden dann diese Prozesse institutionalisieren.
Das wäre die positive Utopie. Eine negative spare ich mir zu erwähnen.
Nur mal als Hinweis darauf wo wir stehen, und wie der Parteienstaat versagt hat. Der Egoismus als Lebenshaltung, das Konkurrenzdenken auf allen Ebenen führt uns direkt in den Abgrund. Denn:
Warum sind wir nicht fähig uns zu organisieren in Bürgerinitiativen, zu kooperieren … wir haben alle wichtigen Fragen an das politische System delegiert…
Da stehen wir.
@Albertus:
Das hat mit der Schöpfung des Geldes als Schuld nichts zu tun. Es geht vielmehr darum, wohin der Kredit geht: Stell dir mal vor jeder Kredit würde in die Realwirtschaft gehen. Eine Bank würde (rein fiktiv) nur an ein Unternehmen, oder eine Privatperson, Kredit geben. Dann käme zwar auch Geld in den Wirtschaftskreislauf, dass quasi “durch nichts gedeckt ist” – wie du schreibst. Es würden sich aber keine Blasen bilden können, die platzen. Dass Geld als Schuld geschöpft wird ist ein gutes Prinzip, da Geld ja schließlich irgendwie verknappt werden muß, sonst hätten wir Geld ohne Ende und somit wertloses Geld.
Und trotzdem müßte dann immer noch ein Umverteilung von oben nach unten durch Steuern eingebaut werden, da sich die Vermögen irgendwann in den Händen weniger befänden, auch ohne Spekulation. (Nämlich dadurch, dass die Leute unterschiedliche Vermögen anhäufen, die unterschiedlich schnell wachsen. Und irgendwann würden nur wenige profitieren, so wie jetzt.)
@Geronimo: Ich denke mal, dass du auf Freigeld abzielst, weil du von Geldhortung sprichst. Die wird aber gerade dadurch bestraft, dass der, der Geld wirklich hortet, durch Inflation verliert.Und der Zins entgeht ihm. Bei Freigeld hätten aber die “kleinen Leute”die schlechteren Karten, denn eine Anlage, die Zinsen bringt findet sich immer. (Gold, Aktien, usw.)
@Andreas:
Wohin der (ungedeckte) Kredit geht, ist im Grunde genommen egal.
Wenn er in die Finanzwirtschaft geht und damit spekuliert wird, entstehen Blasen auf den entspprechenden Finanzmärkten. Wenn er in die Realwirtschaft geht, steigen dort die Preise und das Geld wird entwertet. Außerdem wird die Produktionsstruktur verzerrt. Durch den Kredit entsteht Nachfrage, die aber nicht durch das reale Einkommen aufrechterhalten werden kann, sondern nur durch einen neuen Kredit. Und wenn die Kredite irgendwann zurückgezahlt werden müssen, bricht die Nachfrage und später die Produktion um so stärker ein.
Für die Wirtschaft sind beide Altrernativen schlecht, nur dass das Problem im ersteren Fall viel später offen zutage tritt.
Und was die Umverteilung betrifft, wo sind deren Grenzen und wer setzt sie fest??
Wenn jemand das Vermögen ehrlich (solche Fälle gibt es, wirklich !!) erworben hat, warum muss man ihm das wegnehmen??
P.S. Kann mir jemand erklären, wie ich die Anführungszeichen fürs Zitieren in die Kommentiermaske reinkriege? Danke!
@albertus #74:
Ein Kredit in die Finanzwirtschaft landet irgendwann in der Realwirtschaft oder es handelt sich nur um ein Schneeballsystem.
Das Problem ist, daß je länger der Weg des Kredits in die Realwirtschaft ist, desto langsamer wird die Rückkopplung zwischen realen Daten und der Finanzwirtschaft. Der Glaube der Akteure (ob Computerprogrammierer oder Bankster) dominiert dann und dies wirkt als selbsterfüllende Prophezeiung (was die Akteure auch noch in jedem Glauben unabhängig von der Realität bestätigt).
Insofern finde ich das Bild eines Behemoth sehr passend, da der Gott der Märkte vom Glauben seiner Anhänger geprägt wird.
Es geht ja nicht darum, alles wegzunehmen, sondern
1. die Diskrepanz zwischen dem, was sich als Geld-Verdienst ergibt und dem, was er hätte verdienen sollen, abzuschwächen und
2. die Wirtschaft besser zu maximieren, indem diejenigen mit noch zu befriedigenden wichtigen Bedürfnissen auch genügend Geld bekommen, anstatt das Geld bei denen zu belassen, die es doch nicht brauchen
@58 Spiegelfechter, in der Philosophie Hobbes leben die Menschen im Naturzustand zwar frei, aber in Chaos und Anomie. Es herrsche ein ?Krieg aller gegen alle?, sodass Menschen in ständiger, unüberwindbarer Furcht leben. Diesen Zustand bezeichnet Hobbes als Behemoth.
Wegen des Chaos und der Furcht infolge des Krieges aller gegen alle streben die Menschen laut Hobbes somit einen Zusammenschluss aller an in einem starken, die Grundsicherheit bietendem Staatswesen. Diesen Staat nennt Hobbes Leviathan.
Franz Neumann betrachtet in seinem Werk ?Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933?1944? den deutschen NS-Staat nicht als Leviathan. Wegen des allgegenwärtigen Terrors und des Egoismus sah Neumann im NS-Staat eine Rückkehr, eine Regression in eine Form des Naturzustandes, als Behemoth.
Die Frage stellt sich, ob die zerfallende neoliberale Welt heute als eine neuartige, staatenlose Form von Hobbes chaotischem Naturzustand des Terrors und der Furcht bekämpft werden muß, als spezifische, das “NS-Original” noch übertreffende Gen-Mutation des Faschismus, als vollendete Welt Orwells, Orwell’s “1984″ revisited.
@ goldmann sachs
die Frage beantworte ich seit Jahren mit einem klaren “Ja! Es ist Faschismus… halt der aus der bürgerlichen Mitte.”
Die orwellsche Neudefinition der Sprache hat meisterliche Vollendung erfahren. Wir haben die Proles. Und den ‘entfernten ewigen Krieg’.
Das Ministerium für Liebe wird durch Wirkmechanismen innerhalb ‘des Systems’ substituiert.
Was fehlt jetzt noch?
sehr guter Beitrag auf dem Blog des australischen Ökonomen Bill Mitchell. Er zeigt, welche Rolle die Lücke zwischen Arbeitsproduktivität und realen Löhnen für das Aufkommen des financial engeneering spielt:
“What happened to the gap between labour productivity and real wages? The gap represents profits and shows that during the neo-liberal years there was a dramatic redistribution of national income towards capital. The Federal government (aided and abetted by the state governments) helped this process in a number of ways: privatisation; outsourcing; pernicious welfare-to-work and industrial relations legislation;… The question then arises: if the output per unit of labour input (labour productivity) is rising so strongly yet the capacity to purchase (the real wage) is lagging badly behind ? how does economic growth which relies on growth in spending sustain itself? This is especially significant in the context of the increasing fiscal drag coming from the public surpluses which squeezed purchasing power in the private sector since around 1997. In the past, the dilemma of capitalism was that the firms had to keep real wages growing in line with productivity to ensure that the consumptions goods produced were sold. But in the recent period, capital has found a new way to accomplish this which allowed them to suppress real wages growth and pocket increasing shares of the national income produced as profits. …The trick was found in the rise of ?financial engineering? which pushed ever increasing debt onto the household sector. The capitalists found that they could sustain purchasing power and receive a bonus along the way in the form of interest payments. This seemed to be a much better strategy than paying higher real wages. The household sector, already squeezed for liquidity by the move to build increasing federal surpluses were enticed by the lower interest rates and the vehement marketing strategies of the financial engineers. The financial planning industry fell prey to the urgency of capital to push as much debt as possible to as many people as possible to ensure the ?profit gap? grew and the output was sold. And greed got the better of the industry as they sought to broaden the debt base. Riskier loans were created and eventually the relationship between capacity to pay and the size of the loan was stretched beyond any reasonable limit. This is the origins of the sub-prime crisis.”
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=277
Ein guter Artikel finde ich! Und die von Hobbes und ursprünglicher der Bibel entliehene Methaphorik ist durchaus brauchbar. Man sollte eben nicht den Bedeutungsüberschuss bei Metaphern übersehen. Natürlich geht in einer Metapher niemals die Wirklichkeit unterschiedslos auf, aber sie schafft es viel besser als Abstrakta, ein prozesshaftes Verständnis und die Verdichtung von Vorgängen zu symbolisieren.
Im Behemonthen, einem apokalyptischen Tier, kommt das nimmersatte Verhalten verpolter, liebesgieriger Menschen zum Ausdruck, die Vereinnahmung und Bevormundung, die sich u.a. im Kapitalmarkt und im Staat gegenüber dem vereinzelten Bürger zeigt. Bevormundung beginnt, wo Politiker im Namen des Volkes sprechen und entscheiden.
Anmerken möchte ich gerne noch, dass Banken Sonderrechte besitzen, die kein Bürger für sich beanspruchen darf. Diese Sonderrechte haben gewaltige Konsequenzen und am Ende muss der Bürger verlieren. Große Konzerne wie Oetker, Oetker gehören fast alle großen Brauerreien in Deutschland, haben nicht von ungefähr eine eigene Privat-Bank und können daher diese Sonderrechte in vollem Umfang ausschöpfen. Eine Bank hat das Recht, Geld gegen Zins zu verleihen, sie hat das Recht, Geld herauszugeben und einzutreiben. Das verleiht ihr eine ungeheure Macht.
Madame Short hat heute das Signal geliefert.
Auch wenn sie nicht viel kann, die Märkte schockieren kann sie allemal.
Und ihre Berater sind die Adjektive zur Sintflut.
Brillanter kann man seine Titel nicht verteidigen oder neue erwerben.
Ein Genuss an Führungskompetenz.
Der Michel hat sie verdient, weil er sie gewählt hat.
Der Artikel gefällt mir auch gut. Der Übertragung einer größeren Verantwortung an den 0815 Bürger kann aber auch ich nicht zustimmen. Max Mustermann hat und hatte keine Ahnung was an den Finanzmärkten gespielt wird. Der Großteil der Ersparnisse des Normal-B(ürgers)ildzeitungslesers liegt in klassischen Absicherungen und Investitionen und entspricht leider auch nicht dem Großteil des Investitionskapital. Der gemeine Bürger hat keine Ahnung was die Versicherung oder Hausbank mit seinem Geld anstellt(e) und die Phrase “Dummheit schützt vor Strafe nicht” erinnert mich an den Start des Films “Per Anhalter durch die Galaxis” dort wahr ja auch jederzeit einsehbar weshalb die Erde dem Untergang geweiht war, nur hat sich niemand erkündigt.
Wäre es tatsächlich so, dass eben Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, könnten wir uns eben doch den nächsten greifbaren Spekulanten vorknöpfen. Er war Teil des Systems und hätte sich schlau machen müssen welche Ursachen seine Aktionen haben können.
Das System war aber eben auch ein Selbstläufer und ist so komplex geworden das neben der ohnehin ahnungslosen Lieschen Müller auch der Spekulant die Übersicht verloren hat.
Abgesehen davon ist dies durchaus auch schon bei vielen bekannt gewesen, es gab genügend “Investoren”/ Insider die bereits vor vielen Jahren wussten, dass das System zusammenbrechen muss. Aber Pessimisten gibts ja immer…
@72 Kaizen
Ja der Artikel ist erstaunlich interessant für Miegel.
Man sollte aber nicht vergessen, dass der Mann einer der maßgeblichen Rentenprivatisierer (und Beirat einer großen Versicherung) ist, sowie Mitglied mehrerer unappetitlicher Vereinigungen wie: “Institut für Wirtschaft und Gesellschaft”, “Bürgerkonvent” und “Denkwerk Zukunft” ist.
@ Spiegelfechter
horten von Geld bezieht sich nicht auf Freigeld oder ähnliche Theorien, Geldanlage in Gold und Finanzprodukte ist nichts anderes als horten in Form von Wetten. Es wird im Gegensatz zur Verwendung des Geldes in der Realwirtschaft kein Mehrwert generiert. Das hat Fürstenwerth in seinem Buch “Geld arbeitet nicht” sehr schön analysiert und klar herausgearbeitet. Leider wird in den Wirtschaftswissenschaften der Unterschied von Geldanlage (=horten) und Investition nicht wahrgenommen. Dort gilt das Dogma Sparen=Investition. Ein fundamentaler Irrglaube mit fatalen Folgen. Wenn Du Dein Geld gegen Gold oder ein Derivat eintauschst, investierst Du nicht, Du hortest Dein Geld, Du entziehst es dem Wirtschaftskreislauf. Die Finanzwirtschaft hat es geschafft, den Eindruck zu vermitteln, dass bei dem Wetten mit dem gehorteten Geld großer Profit gemacht wird. Es wird erfolgreich ausgeblendet, dass es ein Nullsummenspiel ist, was der eine gewinnt, verliert ein anderer. Es gewinnt nur der Buchmacher – die Bank – über seine Provision. Schlimm nur, dass die Politik auch nicht begriffen hat, das mit horten von Geld in Form von Gold oder “Wertpapieren” kein Mehrwert geschaffen wird. Die Politik fördert die Zockerei nach Kräften.
@Geronimo #83:
Wenn einer alleine das macht, entzieht er damit das Geld noch nicht dauerhaft dem Wirtschaftskreislauf, da nach der Transaktion ja der Transaktionspartner das Geld hat und nun seinerseits überlegen muss, was er damit anfängt.
Die Dauer der eigentlichen Geldübertragung in Form einer Transaktion und die Dauer, bis der Empfänger wiederum etwas mit dem Geld macht, bestimmt damit, welche Geldentzugswirkung eine solche Transaktion wirklich hat.
Es kommt darauf an, ob das Gold oder die Anlage erstmalig gehortet wird oder übernommen, die Frage ist außerdem, ob das “investierte” Geld vorher dem Umlauf entzogen wurde. Wenn sich Geld in Sachwerte flüchtet, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Sachwerte produktiv und nützlich sind, wo soll man daher unterscheiden, ob die Investition sinnvoll war oder ob es sich nicht um Hortung handelt?
Die vielen leerstehenden Hotels an der Südküste Spaniens sind so gesehen auch ein Hortungsprodukt oder die Bürohäuser aus Abschreibungen in Leipzig.
Die besondere Tragik zeigt sich nicht unbedingt in der fehlenden Investition oder dem fehlenden Wachstum meine ich, sondern darin, dass z.B. soziale Produkte nicht als wertsteigern angesehen werden, daher wird auch zuwenig Geld für Schulen, Krippen und Erziehungshilfen ausgegeben, das daraus entstehende Ungleichgewicht muss der Staat wieder über mediale Verdummung, Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe, Armut- und Kriminalitätsbekämpfung ausgleichen.
dieser Beitrag von Paul De Grauwe auf VOX deckt sich mit den Beobachtungen von Bill Mitchell. De Grauwe zeigt, dass in der Euro-Zone weniger die Verschuldung der öffentlichen Haushalte als die der privaten Haushalte das Problem ist. Erst der Ausbruch der Finanzkrise 2007 hat die Verschuldung der öffentlichen Haushalte stark ansteigen lassen. Vielmehr ist es so, dass die Verschuldung der öffentlichen Hauhalte vor Ausbruch dieser Krise abgenommen hat (auch in den so genannten PIGS).
Demgegenüber war die Verschuldung des privaten Sektors (private Hauhalte + Finanzsektor) vor Ausbruch der Krise stark angestiegen:
“While the government debt ratio in the Eurozone declined from 72% in 1999 to 67% in 2007) the household debt increased from 52% to 70% of GDP during the same period. Financial institutions increased their debt from less than 200% of GDP to more than 250%. ”
D.h. dass die aktuelle Zunahme der öffentlichen Verschuldung der Rettung des privaten Sektors gechuldet ist.
http://www.voxeu.org/index.php?q=node/5062
Interessant ist dabei aber auch die Beobachtung von Bill Mitchell, dass die in Folge von restriktiver Finanzpolitik (nach dem neoliberalen Modell) erfolgte Verringerung der öffentlichen Verschuldung (oder gar die Erzielung von Überschüssen wie in Australien) mit einer massiven Zunahme der Verschuldung des privaten Sektor einhergeht, was letzten Endes zu einem massiven Einbruch der aggregierten Nachfrage führt:
“While the current account deficit has fluctuated with the commodity price cycle, it has continued to deteriorate slightly over the longer term. Accordingly, the dramatic shift from budget deficits to surpluses from the mid-1990s onwards has been mirrored by a corresponding deterioration in private sector indebtedness. The only way the Australian economy could keep growing in the period after 1996 was for the private sector to finance increased spending via increased leverage. As I have explained in other blogs, this is an unsustainable growth strategy. Ultimately the private deficits will become so unstable that bankruptcies and defaults will force a major downturn in aggregate demand. Then the fiscal drag compounds the problem.”
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=277
@salvo lass Dich nicht durch die Massenmedien und einzelnen Analys(t)en vom eigentlichen Problem ablenken. Meine Beobachtung ist, dass gerade dort die eigentliche Ursache der Krise wieder – ob mit Absicht oder nicht – verwaschen wird. Dein Bericht zeigt einfach, dass die privaten Haushalte ja den öffentlichen Haushalt finanzieren.
Die Ursache liegt im System selbst, die letzte ausufernde Produktpalette der Finanzwirtschaft und die Verschuldung der privaten Haushalte sind kleinere Schritte zum Abgrund. Am Beispiel USA, ist es sehr gut zu sehen das die private Verschuldung Teil des Spiels ist und nur ein weiteres Symtom des krankenden Gesamtapparats ist.
@TheRebel
sorry, der Verweis auf das ‘System’ ist mir zu einfach. Ich selbst hätte nichts gegen eine Überwindung des kapitalistischen Systems, allerdings wodurch? Ich jedenfalls traue mir keine Definition eines alternativen Systems zu und begnüge mich derzeit mit der kritischen Auseinanderstzung mit dem real existierenden
Ich sehe auch keine Alternative welche dem aktuellem Entwicklungsstand der Menschheit gerecht wird, jedoch ist es mit dem Kapitalismus wie mit allem Dingen im Leben: man darf es nicht übertreiben und übertrieben wurde absolut. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf die Gesellschaft und müssen das Finanzsystem von der Geisel zurück zum Diener der Menschheit machen. Es funktioniert nicht mehr für sondern gegen uns.
Fabian – “Warum überall Geld fehlt” bzw. “Gib mir die Welt plus 5 Prozent”
Michael Moore – “Kapitalismus;Eine Liebesgeschichte”
Fabian ist Verschwörungsquatsch – in dem Filmchen wird es falsch dargestellt, so ungefähr die Zinsen fehlen ja, weil die ja nicht mitdem Geld miterschaffen wurde. – ist aber falsch! Es wird nicht alles Geld plus Zinsen wieder eingezogen! Dies Filmchen sind Unfug.
“…Es wird nicht alles Geld plus Zinsen wieder eingezogen…. ” ??? Abgesehen von Insolvenzen und Schmiergeldern sollte das doch ein Grundprinzip des Wirtschaftssystems sein.
Geld ist Kredit, die Schuld wird geschaffen. Wenn ich mir anschaue wie Geld ausgegeben wird, kann ich dem Argument das eine Forderung entsteht die mathematisch und auf das Gesamtsystem betrachtet nicht ausgeglichen werden kann nicht wiedersprechen auch wenn das an sich noch nicht die riesen Probleme verursachen sollte.
Man muss sicher differenzieren und kann nicht alle Aussagen der Filme (gerade Fabian driftet zum Ende leicht ab :) für 100% nehmen. Allerdings kenne ich Menschen aus der Branche und auch gelernte Betriebswirtschaftler die diesen Systemfehler bereits zugegeben haben und es ist klar das Profiteure der Masse etwas anderes glauben machen möchten. Die reale Basis hinter dem Geldwert ist verschwunden und das System dient nicht mehr der breiten Masse an Menschen.
auch aus der Verschwörungsserie:
Money as Debt — Geld als Schuld (deutsche Untertitel)
Ich kann nur jeden raten auch mal Verschwörungsmist und andere Alternativen zu begutachten, denn die klassischen Medien haben mich schon oft enttäuscht.
‘Das System’ besteht aus Elementen. Fleißige Bienchen, wie der SF sie verspielt nennt, entwerfen Algorithmen. HFT funktioniert mit den Elaboraten der fleißigen Bienchen. ‘Das System’ wird mit Kaffee vollgepumpt, schluckt ‘E’s und hat die Nase voller Koks.
Wie soll das gutgehen?
Vielleicht sollest Du erst prüfen, um zu verstehen.
Bestimmte Linien sind bedeutend.
Du bist ein großer Theoretiker.
Nur, es ist die Theorie, die ständig zappelt.
Denk nach und lerne dazu.
@SF 66
Vielleicht sollest Du erst prüfen, um zu verstehen.
Bestimmte Linien sind bedeutend.
Du bist ein großer Theoretiker.
Nur, es ist die Theorie, die ständig zappelt.
Denk nach und lerne dazu.
@ Denaphta, 92
Danke für den Link. Endlich verstehe ich halbwegs, wie HFT funktioniert.
@TheRebel
Ich habe Money as Debt vor einiger Zeit mal gesehen. Die zentrale These in MaD ist, dass ein Vielfaches von Kredit durch Einlage in eine Bank erzeugt wird und, noch irrsinniger, dass ein derartig generierter Kredit zumindest teilweise wieder als Anlage in eine andere Bank gesteckt werden kann, die daraus wiederum nicht gedeckten Kredit erzeugen darf (wie gesagt, nur eine These, nicht meine Gewissheit oder Meinung).
So gesehen wäre die Kreditspirale theoretisch unendlich. Weil Kredit nicht nur einer Forderung entspricht, sondern damit auch reale Geschäfte gemacht werden, wird es interessant, wenn die Liquidität der Bank versagt, eben weil die Kredite gar nicht gedeckt sind. Die fundamentale Kritik ist, warum Banken nicht gedecktes Geld als Kredit herausgeben dürfen.
Das Problem an MaD ist sicherlich, das Kreditwesen zu vereinfacht dargestellt zu haben. Ein Kredit muss auch zurück gezahlt oder abgeschrieben werden.
Allerdings sind Kredite sicherlich mittlerweile als ein Werkzeug der Enteignung anerkannt; sie stellen die beste Möglichkeit dar, durch angebliches Realgeld (Sachwert-gedecktes Geld) zu Sachwerten zu gelangen, wie man an der Immobilienblase es studieren kann.
Problem daraus ist nicht die Verbindlichkeit an sich oder die Bezahlung von Zinsen, sondern die Umverteilung aufgrund von Zahlungsunfähigkeit, die sich perspektivisch daraus ergeben muss.
Werde mich kurz schließen: Woher bist du dir so sicher, dass das “,” bei 615,000 billions of dollar als Punkt zu werten ist, was ja schließlich zu deinem Ergebnis von 615 Billionen führt?!
Wo soll das Geld herkommen, wenn laut anderen Statistiken ( siehe http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/0,2828,34973,00.html ) gerade einmal 1/6 der von dir angepriesenen 615 Billionen im Umlauf sein sollen. Wie entsteht diese enorme Diskrepanz?
Wäre jedem für eine einleuchtende Antwort sehr verbunden.
grüße
@97
Ein “,” in einer Zahl ist im englischsprachigen Bereich stets Dekoration. Wirf einen einzigen Blick in das PDF und du wirst einsehen, dass die SFsche Lesart korrekt ist.
Desweiteren sind “Vermögen” und der nominelle Wert ausstehender außerbörslicher Derivate zwei völlig unvergleichliche Dinge. Das ist ungefähr so als würdest du sagen, dass die jährlichen Bewegungen auf allen deutschen Konten die Summe der deutschen Vermögen nicht überschreiten könne – was offensichtlich Quatsch wäre.
Geld wird als Kredit erschaffen, um es zu verknappen. Das haben die Macher dieser Käse- filmchen eben nicht verstanden. Wie ich es weiter oben schon mal erläutert habe: Wenn der Kredit in die Realwirtschaft geht, ist es kein Problem. Problematisch wird es, wenn sich Banken gegenseitig Kredit für Spekulationsgeschäfte geben.
Wie wollt ihr denn Geld verknappen? Da habt ihr keine Antwort drauf.
Geld ist ein vom Menschen geschaffenes, abstraktes Werkzeug mit Verweischarakter. Etwa so wie die menschliche Sprache auch. Wir verweisen mit beliebigen, aber durch Vereinbarung festgelegten Lautfolgen auf Gegenstände, Dinge, andere Menschen, Abstraktes usw.
Genauso Geld. Geld repräsentiert im Grunde nur Waren und Dienstleistungen.
Geld —– Waren und Dienstleistungen.
Wenn es keine Waren und Dienstleistungen mehr gibt, repräsentiert das Geld eben genau das, nämlich nichts.
Wenn es weniger Waren und Dienstleistungen gibt, die Geldmenge aber stabil bleibt, dann repräsentiert das vorhandene Geld eben diesen geringeren Anteil an Waren und Dienstleistungen. auch genannt Inflation.
Wenn die Geldmenge aber stabil bleibt, aber die Waren- und Dienstleistungsmenge steigt, dann repräsentiert das Geld eben mehr und wird daher auch mehr wert.
Geld ist also relativ immer nur soviel wert, wie an Waren und Dienstleistungen produziert werden.
Wenn weniger Waren und Dienstleistungen produziert werden, wird das Geld weniger wert.
Nun kommt aber noch ein Haken ins Spiel:
Der Markt.
Alles, was produziert wird, wird nur produziert, um verkauft zu werden.
Was nicht verkauft werden kann, wird nicht produziert.
Und was keine Käufer findet, wird auch nicht produziert.
Also kann es passieren, dass Dinge nicht produziert werden, wenn es keine Käufer, aka “Menschen mit Geld”, gibt.
Wenn man also einen deutlichen Teil der Bevölkerung verarmen lässt, so dass diese nicht mehr viel bzw. garnichts kaufen können, dann wird für diesen Anteil der Bevölkerung eben auch nichts mehr produziert.
Das heißt aber dann, dass weniger produziert wird, weil es ja weniger Käufer gibt.
Denn diejenigen wenigen Menschen, zu denen das Geld der Verarmten fließt, können garnicht soviel konsumieren, um das wieder auszugleichen.
Verarmung der Bevölkerung bedeutet immer auch ein Verlust an Bildung, an Kultur, an zivilisatorischer Teilhabe, an Gesundheit…
Mit anderen Worten: wer verarmt, ist weniger produktiv. Genauso dessen Kinder.
Das heißt: es wird von diesen Verarmten nicht nur weniger gekauft, sondern sie produzieren auch weniger. Das ist die Armutsspirale.
Wenn ein Teil der Bevölkerung drastisch verarmt, wird also in gewisser Weise die gesamte Bevölkerung ärmer, weil die Geldmenge nicht weniger wird, die Produktion aber um den Teil, der von den Armen nicht gekauft wird und der von ihnen nicht produziert wird, sinkt.
Wer wirklich den Wert seines Geldes erhalten möchte, muss dafür sorgen, dass die produzierte Waren- und Dienstleistungsmenge nicht sinkt.
Demzufolge sind die Ackermänner und Schröders im Grunde genommen nicht nur für andere sondern auch für sich selber schädlich.
Vermutlich hoffen sie, längst ihr Schäfchen im Trockenen zu haben, wenn alles zusammenbricht.
@ Taler….
Du hast das Verhältnis von Geld zu Waren/Dienstleistungen sehr gut und verständlich dargestellt.
MMn müsste es aber statt “produziert” heißen “gehandelt” – wie in der Fisher´schen Verkehrsgleichung (“Handelsvolumen”). Daraus folgt dann allerdings mit Verzögerung das, was Du sagst.