Nokia und der Arbeiterführer
17. Januar 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Populismus ist der erste erkennbare Politiktrend des noch jungen Jahres. Der eine will ausländische Jugendliche wegsperren, der andere ausländische Telefone aussperren. Jürgen Rüttgers ist nicht nur Populist, sondern - so wollten es seine Berater - der neue Arbeiterführer Deutschlands. Nachdem die alte Tante SPD die „Malocher“-Kneipen gegen hippe Lounges ausgetauscht hat, und anstatt bei Pils und Rothändle über Beschäftigungspolitik, lieber bei Brunello und Cohiba über Dieter Bohlens Neue plaudert, hat sich eine politische Nische aufgetan, in die Rüttgers hineingeschlüpft ist.
Wo immer Rüttgers eine Möglichkeit sieht, sich als Arbeiterführer zu gerieren, schlägt er gnadenlos zu. Manchmal kommen dabei sogar so unumstößliche Wahrheiten heraus, wie seien Forderung aus dem Jahre 2006, die CDU solle sich von “neoliberalen Lebenslügen” verabschieden und sich klar zu sozialen Werten bekennen. Wäre Rüttgers nicht Rüttgers, so müsste man ihn wegen dieser klaren Worte loben. Leider ist Rüttgers aber Rüttgers und weiß, dass man im „Malocher-Land“ Nordrhein-Westfalen nur Ministerpräsident bleiben kann, wenn man die Herzen der „Malocher“ anspricht.
Der finnische Handyproduzent Nokia wird nach fast 20 Jahren Engagement seine Produktion in Bochum einstellen – die Zukunft der 2300 Mitarbeiter am Standort ist ungewiss. Einst wurde Nokia mit Subventionen in die ehemalige „Blume des Reviers“ gelockt. Nun, da die Subventionen in Höhe von 90 Millionen Euro ausgelaufen und der deutsche Markt gesättigt ist, zieht der Tross des freien Kapitals weiter nach Rumänien. Dabei geht es nicht, wie man zunächst denken könnte, um rote Zahlen, hohe Lohnnebenkosten und Dumpinglöhne – nein, das Bochumer Werk schreibt schwarze Zahlen und die Lohnkosten betragen in der der Handyproduktion nur 5% der Gesamtkosten. Die Investitionen im Lande Draculas hat sich Nokia allerdings bereits mit 33 Mio. Euro aus den EU-Töpfen versilbern lassen und in Rumänien herrschen bekanntlich auch andere Standards, was Arbeitssicherheit, Arbeitszeiten, Sozialregelungen und Umweltschutz angeht.
Arbeiterführer Rüttgers will nun die Subventionen überprüfen und sie notfalls zurückzahlen lassen. Dieser Vorschlag entbehrt nicht einer gewissen Komik. Gibt es im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium denn kein Controlling, das die Rechtmäßigkeit von Subventionen prüft, bevor sie ausgezahlt werden? Wenn dem so wäre, wäre dies ein starkes Stück und Rüttgers sollte entweder den Mund halten oder den Hut nehmen. Wenn dies allerdings nicht so ist, sind Rüttgers Forderungen a priori sinnlos und daher als Populismus in Reinkultur zu verstehen. Rüttgers Drohungen nach Espoo, man spiele dort mit dem Marken-Image, sind durchaus ernst zu nehmen und man könnte sie als vernünftig einschätzen, wenn sie denn stringent und konsequent wären.
Die SPD kann Arbeiterführer Rüttgers natürlich nicht das populistische Feld überlassen – diesmal wurde der wirtschaftspolitische Sprecher Wend losgelassen, die „Ehre“ der ehemaligen Arbeiterpartei noch weiter zu beschädigen. Wend kündigte an, nicht mehr mit Handys der Marke Nokia zu telefonieren. Wie Wend in Zukunft kommunizieren will, ließ er freilich offen. Nach den Werksschließungen der Produzenten BenQ und Motorola und der Verlagerung der Handyproduktion nach Asien, war Bochum der letzte Handyproduktionsort in Deutschland. Da neben Nokia folglich auch BenQ und Motorola ausscheiden müssten, wird es für Herrn Wendt nicht mehr einfach – er könnte in Indien produzierte Handys von Sony-Ericsson kaufen, oder in China und Korea produzierte Telefone der Marken Samsung, LG oder auch das dort produzierte neue iPhone. Ein rein teutonisches Handy gibt es seit langem nicht mehr. Vielleicht sollte Wend sein Glück mit einem guten alten Pocky C 450 der anständigen deutschen Firma Standard Elektrik Lorenz aus Stuttgart probieren. Die Firma gibt es nicht mehr? Das C-Netz auch nicht? Da wird Herr Wend sich wohl in Schweigsamkeit üben müssen, was für die Republik sicher kein Verlust ist.
Wer Neoliberalismus säht, wird auch Neoliberalismus ernten – die Kritik an Nokia geht am wesentlichen vorbei. Es wäre schön, wenn Unternehmen keine Organisationen wären, deren primäres Ziel die Erzielung guter Renditen ist, sondern auch soziale Verantwortungen übernehmen würden. Solch Anachronismen gibt es freilich noch in Familienunternehmen und bei einigen Mittelständlern; dort, wo Fremd- und Eigenkapital anonym sind und moderne Manager als CEOs nach standardisierten Renditevorgaben Entscheidungen treffen, ist für Moral kein Platz mehr übrig. Dies kann und muss man kritisieren, aber man darf es nicht bei der Kritik belassen. Wenn es beim letzten Spaziergang einen Regenschauer gegeben hat, ist es nicht die klügste Entscheidung, beim nächsten Spaziergang keinen Schirm mitzunehmen und im Falle eines Schauers über die Ungerechtigkeit des Wetters zu lamentieren.
Der berühmt-berüchtigte George Soros bezeichnete den Finanzinvestor einmal als Wolf, der sich die alten und schwachen Tiere aus einer Herde heraussucht und so zum gesunden Zustand der Herde beiträgt. Kann man dem Wolf Vorwürfe machen, weil er ein Tier reißt? Sicher nicht. In diesem Beispiel wären Rüttgers und Co die Schäfer, deren Aufgabe der Schutz der Herde vor Wölfen ist. Dieser Schutz klammert selbstverständlich in gewissem Maße auch den natürlichen Selektionsprozess aus – nicht nur die starken Tiere überleben, sondern auch schwache, junge und alte. Daher ist dieser Schutz bei Marktapologeten auch nicht gerade sonderlich beliebt. Über dieses Thema kann man diskutieren, was man nicht machen kann ist, so wie Rüttgers zu argumentieren. Der Schäfer, der sich über die Wölfe beklagt, hat nicht nur seinen Job nicht ordentlich gemacht, sondern versucht die Verantwortung dafür weg zu schieben. Dies ist im höchsten Maße unredlich.
Wenn es Herr Rüttgers ernst meinen sollte, so würde er für eine komplette Beendigung der Subventionitis eintreten. Man muss ihm zwar zugestehen, dass er im Rahmen der EU-Subventionen schon immer forderte - diese dürften keine Arbeitsplatzverlagerungen innerhalb der EU fördern, aber dennoch kassiert er natürlich gerne Gelder aus Brüssel. Gegen die alltägliche innerdeutsche Subventionitis, die Arbeitsplätze im Westen vernichtet und sie im Osten entstehen lässt, war bis dato auch sehr wenig vom Arbeiterführer zu hören.
Zwischen den Zeilen haben allerdings sowohl Rüttgers als auch Wend recht – die einzige Sprache, die Unternehmen verstehen, ist die der Zahlen. Wenn sich durch Arbeitsplatzabbau und Raubtierkapitalismus wirklich ein schlechtes Image aufbauen würde, das in einem der Kernmärkte signifikante Umsatzrückgänge erzeugt, so würde dies in die Kosten-/Nutzenrechnung eingehen. Natürlich hätten weder Nokia noch BenQ oder Motorola ihre Werke in Deutschland geschlossen, wenn sie erwartet hätten, dass sie so ein Sturm der Entrüstung wie weiland Shell im Falle „Brent Spar“. treffen würde. Das Gedächnis der “RTL-Generation” ist aber denkbar kurz. Wenn morgen Herr Koch die Todesstrafe für ausländische Intensivtäter unter 12, die nicht abgeschoben werden können, fordert, so ist das Thema Nokia schon wieder durch und die nächsten Säue warten schon ungeduldig auf ihren Einlass ins mediale Dorf. Michel kann sich besonders viel Informationen ohnehin nicht merken, der übermäßige TV-Konsum führt zu einer deutlich verkürzten Aufmerksamkeitsspanne und tut das Übrige dazu.
Leider interessiert es den oberflächlichen deutschen Konsumenten kaum noch, wer und unter welchen Umständen die Produkte herstellt, die ihm das Konsumparadies offeriert - Hauptsache „billig“, „schick“ und „angesagt“. Da die Politik kein echtes Interesse daran hat, den “Status Quo” zu verändern, wäre der Weg zum mündigen Konsumenten das einzige Werkzeug, um Unternehmen für ihre Grausamkeiten zu bestrafen..
Jens Berger
Posted in Deutschland, Neoliberalismus |
































































Auf den mündigen Konsumenten zu hoffen, scheint mir aussichtslos. Die Schizophrenie der Menschen, die einerseits den Niedergang des Einzelhandels in ihren Städten beklagen, dort aber nie gekauft haben (sondern lieber bei Tchibo oder Aldi), ist doch das beste Beispiel. Eine Lösung des Dilemmas habe ich natürlich nicht. Hat wohl auch keiner, was die so verzweifelten wie unsinnigen Reaktionen der Politik erklären könnte.
Ein Abschaffen der Subventionen wäre zwar wünschenswert, aber Subventionen sind wohl nur ein Faktor einer Standortentscheidung eines international agierenden Konzerns.
Der Link bei “Brent Spar” ist falsch. ;)
Ansonsten wiedermal ein toller Artikel!
Bei der Gelegenheit erinnere ich mich gut an unseren allseits geliebten und hochgeschätzten Wirtschaftsminister Glos, der, zusammen mit seinem Adlatus, dem Wuermeling, ebensolchen Mißbrauch von Subventionen verhindern wollte.
Bei der Gelegenheit möchte ich die Bitte äußern, das Wort Neoliberalismus gemäß seiner Definition zu verwenden, statt es als Kampfbegriff zu mißbrauchen.
Nach der Definition in Wikipedia sagt der Neoliberalismus nämlich aus, daß die Wirtschaft der Gesellschaft dienen soll und sich eben auch der Gesellschaft unterzuordnen hat.
Unsere Damen und Herren Politiker scheinen das falsch verstanden zu haben und ordnen sich selbst nebst der Gesellschaft der Wirtschaft unter. Nicht anders kann ich mir erklären, daß finanzkräftige und gewinnbringende Unternehmen mit Geldern subventioniert werden, die Mittelstand und Bürger erwirtschaften.
vorwaerts....
handelsbla...
@arno
Ich weiß nicht, wie die Wikipedia “Neoliberalismus” definieren will. Es gibt nicht den Neoliberalismus. Neoliberalismus ist der Ordoliberalismus eines Herrn Erhard, der einen starken Staat fordert, der die Freiheit der Märkte “verteidigt”. Neoliberalismus ist aber auch der Traum der Herren Mises und Hayek, die jeden Eingriff des Staates als Grund für ein “Versagen” der Marktmechanismen sehen, die das “heilige Kalb” ihrer Religion sind.
Du hast allerdings recht - weder die Subventionitis noch die Werksschließung durch Nokia haben etwas mit Neoliberalismus zu tun. Im Gegenteil, jeder Vertreter dieser Denkschule würde sagen, dass ein Scheitern der Subventionspolitik systemimmanent sein muß, da es Marktmechanismen aushebelt. Der Satz “Wer Neoliberalismus säht, wird auch Neoliberalismus ernten” ist insofern tatsächlich unglücklich bis falsch. Ich wollte ihn einleitend für eine Kritik an der renditeorientierten Unternehmensethik verstanden wissen, die idT auf eine neoliberale Wirtschaftspolitik zurückgeht, da Unternehmen als reine Marktakteure, die als solche immer im Recht sind, gesehen werden/wurden.
@arno
Du hast zwar vermutlich einerseits recht, wenn du auf die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs verweist. Das kann sogar Sinn machen, wenn man die aktuelle Form des Wirtschaftens kritisieren will. Dass der Neoliberalismus ursprünglich eine sozial positive Bedeutung hatte, heißt aber nicht, dass die heute damit bezeichnete Wirtschaftsform auch an sich positiv zu bewerten wäre. Wie alle anderen Begriffen erleidet aber auch dieser im Diskurs im Laufe der Geschichte Bedeutungsveränderungen: Der Begriff hat eine eigene Geschichte. Er kommt sicher auch als Kampfbegriff vor. Im Sprachgebrauch hat sich jedoch heute weitgehend diese Bedeutung durchgesetzt, ebenfalls aus wikipedia:
“In many respects, the term is used to denote a group of neoclassical-influenced economic theories, right-wing libertarian political philosophies, and political rhetoric that portrayed government control over the economy as inefficient, corrupt or otherwise undesirable.”
Sicherheitshalber habe ich jetzt noch mal die Definitionen im Netz nachgeschlagen. Die kürzeste, treffende Beschreibung fand ich in Meyers Lexikon: lexikon.me...
Der entscheidende Punkt ist nach meiner Ansicht, daß staatliche Eingriffe eben nur dann erfolgen sollen, wenn der Markt nicht mehr funktioniert, z. B. durch die wirksame Bekämpfung von Monopolen. Tatsächlich greift die Politik entgegen dieser Richtlinie ein, und deshalb beobachten wir die fortschreitende Monopolisierung.
Wenn heute ein großes Unternehmen Zeder und Mordio schreit, wird der Staat zu dessen Gunsten eingreifen. Der Mittelstand, der noch immer größter Arbeitgeber in Deutschland ist, bleibt dabei auf der Strecke.
Ich habe den Eindruck, daß das Wort Neoliberalismus sehr häufig in einem Zusammenhang genutzt wird, wo der Begriff Amigo-Politik sehr viel angemessener wäre.
@salvo:
Ich weiß, daß der Begriff häufig so falsch verwendet wird, daß er sich geradezu ins Gegenteil verkehrt. Das ist aber eher ein Grund, das Wort gar nicht zu verwenden, als es entgegen der Definition zu verwenden.
Wie ich gerade durch Nachschlagen ermittelt habe, scheint die Definition des Begriffs in den wesentlichen Medien durchaus noch die ursprüngliche Gültigkeit zu besitzen. Lediglich die linke Kampfpresse scheint daraus ein Schimpfwort machen zu wollen.
@arno: Aus eigener Erfahrung würde ich empfehlen,in diesem Blog keine Diskussion über den Begriff des Neoliberalismus zu führen. Wie jede “-ismus”-Diskussion lenkt auch diese vom eigentlichen Problem ab.
Denn in der Beurteilung des aktuellen Falls sind wir im Kern ja hier erstaunlich einig.
@arno
“Der entscheidende Punkt ist nach meiner Ansicht, daß staatliche Eingriffe eben nur dann erfolgen sollen, wenn der Markt nicht mehr funktioniert,”
das sit sicher das, was nach dem heutigen Sprachgebrauch kritisch als neoliberal bezeichnet wird. Kritische Begriffe sind nicht gleich Kampfbegriffe. Ich habe eine positive Definition des Staates, der nicht nur eine bloße Funktion von Wirtschaft sein darf, sondern der eine Funktion der in einer Gesellschaft lebenden Menschen ist - und menschliches Leben definiert sich - wie Natur - nicht nur ökonomisch.
@salvo
Womit Du Hayek in einem Kernpunkt widersprichst ;-)
Ein Neoliberaler wirst Du also zum Glück nie *lol*
Jörg hat insoweit Recht, als es sich nicht lohnt, in einem Blog Diskussionen über Ismen zu führen. Sein Artikel im eigenen Blog zu dem Thema ist wirklich köstlich, wenn ich ihm auch nicht vollinhaltlich zustimmen kann.
Wir verwenden Worte, und hinter diesen Worten verbergen sich oftmals komplexe Zusammenhänge. Diese Zusammenhänge wollen wir nicht immer wieder neu erläutern, trotzdem wollen wir uns in unserer Unterhaltung verstehen. Deshalb ist es wichtig, daß wir uns über die Bedeutung der verwendeten Worte einig sind. Daraus folgt wiederum, daß wir die Worte so verwenden und verstehen sollten, wie sie in allgemein zugänglichen Nachschlagewerken definiert sind.
Nokia boykottieren zu wollen ist tatsächlich selten dämlich, würden ohne Nokia doch zusätzlich tausende Arbeitsplätze bei der unbeweglichen Siemens in München und u.A. Berlin, Düsseldorf, Bruchsal, Ulm, Greifswald wegfallen.
Pax
Konsumentenmacht wirkt: BenQ ist mittlerweile mit jedem Produkt ein Ladenhüter. Ebenfalls scheint es sich herumzusprechen, dass BenQ nur die Abwicklungsfirma von Acer ist, was sich auch dort in den Verkäufen niederschlägt.
Siemens Elektronik und Haushaltsgeräte werden mittlerweile gemieden, während Miele Zulauf verzeichnet.
Nokia wird auch Verluste einfahren.
Der Witz:
Niemand führt und wird das auf die Geschäftspolitik zurückführen - nein, es liegt dann daran, dass der “Deutsche spart” oder dass “Geiz geil ist”.
Der Klassenlehrer meines Sohnes hat mir heute gesagt, dass einer der Schwerpunkte in seinem Lehrplan die französische Revolution sein wird. Ich habe ihm gratuliert, dass er ein Thema mit aktuellem Bezug durchnimmt.
Wer Wind säät, wird Sturm ernten.
@all
Apropos Rainer Wend:
Ist dies überhaupt ein Nokia-Handy?:
@Schwitzig
Hast Du Zahlen, die dies bestätigen könnten? Natürlich hat z.B. BenQ auf dem deutschen Markt nicht das Markenimage, für das Siemens über 100 Jahre recht gut gearbeitet hat. Das werden sie auch nie erreichen, daher sind solche “Geschäfte” in meinen Augen auch Unfug. Aber dass sollen die Herren in Taiwan beurteilen - dies steht mir nicht zu. Kunde dieses Hauses werde ich übrigens ganz sicher nicht. Ich meide deren Produkte selektiv und sehr bewußt - genau so wie Produkte des Hauses “Müller Milch” und einige andere.
Tja, der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit lässt sich halt nicht lösen: wer Kapitalismus brüllt, bekommt diesen in und mit allen seinen Formen und Folgen, ab und zu auch in der faschistischen Variante.
Wer diesen marxschen Widerspruch nicht erkennt und deren Folgen nicht wahrnimmt, der dreht sich letztlich nur im Kreis und wird viel zu spät begreifen, dass es keinen dritten Mittelweg zwischen beiden ökonomischen Systemen geben wird.
@name
Warum sollte es auch einen Mittelweg zwischen den beiden (ich schätze Du meinst Kapitalismus und Kommunismus) ökonomischen Systemen geben?
Ich weiß, ich verstoße schon wieder gegen Jörgs “Ismusregel”, aber “Kapitalismus” ist letzendlich nur ein sehr schwammiger Oberbegriff für eine riesige Facette an “ökonomischen Systemen”. Selbstverständlich gibt es innerhalb des “Kapitalismus” 1000 “dritte Wege”, die zielführend sind. Der momentane Kasino-Kapitalismus ist es nicht, so viel ist klar.
@Spiegelfechter
Die einfache Frage ist:
Wollen wir die Anarchie des Finanzkapitals oder eine geplante Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Mehrheit der Menschen gegen eine Minderheit orientiert.
Dazwischen gibt es kein “Vielleicht” “doch doch”.
Das Kaptial frisst sich selbst und rottet seine Produzenten aus, und, es wird damit nicht aufhören können, und es kann die Tatsache, dass für die Bedürfnisse der Menschen dieser Erde nur noch 20 % der Menschen , sinkend, benötigt werden, nicht negieren.
@name
Was sind die Bedürfnisse der Mehrheit? Ein märktebasiertes System findet dies sicher besser heraus, als jede Planung ;-)
Es gibt nicht nur “weiß” und “schwarz”, sondern Unmengen an Grautönen.
“Ein märktebasiertes System findet dies sicher besser heraus, als jede Planung ;-)”
na ja - das real existierende Marktsystem findet jedoch leider eher heraus, dass ein Milliardär aus Langeweile gerne ins All geschossen werden möchte als dass Millionen Hunger leiden, da der erste als Konsument in Frage kommt, die anderen nicht
und andereseits wird auch in marktbasierten Systemen ‘geplant’, oder nicht? Also ist vielmehr die Frage, wie eine Gesellschaft, wie auch immer definiert, solche Planung demokratisch organisert
@spiegelfechter
Wenn die ersten 500 Millionen Inselbewohner samt ihren Inseln abgesoffen sind und Spanien , Frankreich und Italien einen auf Wüste Gobi machen dürfen, München, Paris und Berlin aussieht wie das in Zonen gegliederte Bagdad, wirst Du schon sehen, wie ertragsreich in der Lebensnahme ein kapitalistischen Marktsystem noch sein wird.
Ich bin nur ein wenig verwundert, dass es kein Erkenntnis darüber geben soll, was die Bedürftnisse der Mehrheit der Menschen angeht, gerade dann, wenn wir das in der Rolle einer Minderheit behaupten. ;)
Unsere Erde und deren ökologischer Zustand wird genau eine gezielte nicht marktbasierende Planung erzwingen.
@salvo
Sicher, das sind die Grautöne, von denen ich sprach.
@Name
Stammt dieser Text aus dem Neuen Testament? Hört sich so nach Offenbarung des Johannes an ;-)
Von der ganzen Klimahysterie halte ich wenig. Sicher, für Eisbären und Bewohner Tuvalus ist das alles fürchterlich, aber es gab immer Klimawandel und nichts ist so beständig, wie die Veränderung.
Was “Bedürfnisse” angeht, so ist dies eine recht komplexe Diskussion. Was ist in einer “Überflußgesellschaft” ein Bedürfnis? Der Porsche, Liebe, Anerkennung, Sex, Gerechtigkeit? An der Immaterialität des Materiellen geht jede Planwirtschaft zugrunde.
@spiegelfechter
Was mich ein wenig verwundert, sind deine erste Weltaugen und aus denen du von einer Minderheit Porsche Porsche, auf die Mehrheit schliessen willst, die nicht einmal genügend saueres Trinkwasser zum saufen hat.
Was noch viel ungewöhnlicher ist, dass diese von dir im Raum schwebende Veränderung, deren menschlichen, bewussten und unbewussten entscheidenen Anteil du erst gar nicht erwähnst, sich selbst in der von dir bezeichneten ersten Welt oder um es in deinen Worten zu schildern “Überflussgesellschaft” ein ganz anderes Gesicht mit anderen Bedürfnissen zeigt. Und dieses reale, andere Gesicht Jens, wird zunehmen. Der Igel ist schon da. Vergiss das nie.
Zu den vermeintlich einmaligen, immateriellen Bedürfnissen liesse sich in 200 Jahren sicherlich noch viel mehr feststellen: Wer weiss, vielleicht gibt es ja dann eine Kopie vom Spiegelfechter für den Hausgebrauch, eine von Einstein dazu, zwei von Reagan, und drei andere Weibliche, je nach Bedarf. Auch da wird der menschliche Anteil der Veränderung sein Gesicht noch viel deutlicher zeichnen und zwischen Kopie und Original wird sich schwer ein Unterschied feststellen lassen. ;)
Der Faktor der Veränderung der Natur auf dieser Erde ohne menschliches, zufälliges oder geplantes, Tun oder Unterlassen ist heute fast nicht mehr vorhanden. Das Thema ist sehr sehr komplex, um es in drei Zeilen irgendwo hinwerfen zu können.
Ach ja, deine letzten Artikel waren wieder zu gut: Soviel Ordnen kannst du doch gar nicht tragen, die man Dir dafür immer verleihen müsste ;)
@name
Ich hoffe, Du meinst “sauberes” Wasser ;-)
Dieser Ansatz ist mir viel zu internationalistisch - ich habe schon Probleme, mir ein vernünftiges Konzept für eine friedliche und soziale Gesellschaft in Deutschland oder der EU auszudenken. Den internationalistischen Ansatz lass ich da mal lieber ganz raus, zumal er die Diskussion mE verunmöglicht. In der heutigen Gesellschaft hat nun einmal “der Europäer” diametral andere Interessen, als “der Inder” oder “der Chinese”. Und die Bedürfnisse einer übersättigten europäischen Gesellschaft sind nun einmal nicht “sauberes Wasser” und “frisches Brot” sondern materielle und immaterielle Wünsche jenseits der elementaren Überlebensfunktion. Aber lassen wir das - in der Analyse sind wir zumindest eins, da müssen wir uns nicht um abstrakte Visionen streiten ;-)
interesting
youtube.co...
@ transwarp,
yes indeed
Pax
@14 SF
Ich habe einfach mal befreundete Händler gefragt, die z.B. BenQ Monitore geführt haben und der Grundtenor war, dass die meisten Kunden über BenQ-Artikel die Nase rümpfen und noch nicht einmal auf den Preis schauen.
Es ist keine repräsentative Anzahl, aber überall verschwindet BenQ aus dem Sortiment. Schön kann man das auch bei Blöden-Händlern der Metro-Gruppe beobachten.
Ab und zu liest man auch mal etwas:
golem.de/0...
Übrigens: IBM war mal DER Vorreiter bei SCSI und IDE Festplatten und verkaufte hochprofitabel - die Platten wurden als Referenz genommen. Dann beschlossen IBM-Manager “Kosten zu sparen”, so dass sowohl R&D als auch die Endmontage in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das endete in der Deathstar-Serie mit anschließendem Verlustverkauf an Seagate. Gier tötet Qualität.
Ich glaube, dass wir uns mit der Verabschiedung aus der sozialen Marktwirtschaft der BRD-Prägung mittlerweile auf einem gefährlichen Weg befinden. Es läuft entweder auf neue Kriege hinaus, wofür die Afghanistan-Erweiterungsbestrebungen und die Militarisierung Deutschlands inklusive der Justiz spricht oder auf einen blutigen Bürgerkrieg.
Der Bürgerkrieg kann allerdings durch Verbotsschilder auf dem Rasen und Nichtverfügbarkeit von Bahnkarten abgewendet werden. Zumindest in Deutschland - in Polen und Frankreich sieht das anders aus.
Vielleicht haben wir ja Glück und die Neo1789er zerschlagen für uns den Parasitenfilz der EU und der lokalen ReGIERungen.
@ SF Nachtrag
Übrigens: IBM war mal DER Vorreiter bei SCSI und IDE Festplatten und verkaufte hochprofitabel - die Platten wurden als Referenz genommen. Dann beschlossen IBM-Manager “Kosten zu sparen”, so dass sowohl R&D als auch die Endmontage in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das endete in der Deathstar-Serie mit anschließendem Verlustverkauf an Seagate. Gier tötet Qualität.
heise.de/n...
Damit der arme Herr Wend, sich nicht in Sprachlosigkeit üben muss, würde ich ihm den Tipp geben, sich bei Ebay ein etwas älteres Handy aus deutscher Produktion kaufen…
Aber wie Du schon in Deinem wiedereinmal super Artikel geschrieben hast: “…billig, schick und angesagt…”. Mit nem alten Siemens Handy ist man das wohl nicht…
Michael
Ich wusste nicht, dass des Spiegelfechters Leser fast durch die Bank dogmatische Untergangspropheten sind.
OT
@Jens
schon gelesen?
“Warum Günther Oettinger RTL beschimpfen kann”
freitag.de...
@salvo
Netter Artikel, obgleich ich arg verwundert bin, Oettinger in einem Punkt auch einmal recht zu geben - auch wenn seine Motive vielleicht andere sind.
@Spiegelfechter
Deine Vorstellung von Planwirtschaft scheint mir doch sehr vom ‘real existierenden’ geprägt, in dem aber gerade nicht nach dem Bedarf geplant wurde, sondern der untaugliche Versuch unternommen wurde, einem quasi-kapitalistischen System eine Bedarfslenkung aufzudrücken. Eigentlich ist es aber alles andere als ‘rocket science’, wenn Konsumenten(!) sich über ihren Bedarf verständigen und eine entsprechende Produktion aufziehen würden. Der Bedarf an alltäglichen Gütern von Brötchen über Socken und Hemden bis hin zu Wohnungen lässt sich sogar mit einfachen statistischen Mitteln feststellen, und auch höherwertige Konsumgüter müssen nicht auf Verdacht und Halde produziert werden, sondern genausogut ‘auf Bestellung’, und zwar nach Produktmustern, die wiederum in erster Linie nach den Wünschen der Konsumenten und nicht nach Profitinteressen gestaltet sind. Ein Gutteil davon ist übrigens bereits jetzt schon in jedem einzelnen Unternehmen und Konzern verwirklicht, der Kernunterschied wäre ‘nur’, dass das Angebot in weit höherem Maße der Nachfrage folgen als das versucht würde, für ein Angebot die entsprechende Nachfrage zu generieren. Kombiniert mit einer strengen Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips (unsinnig, die Anzahl der Brötchen auf Bundesebene zu ‘planen’) ist das wie gesagt alles andere als schwierig oder gar unmöglich. Korrekturen sind in einem solchen Modell auch weitaus leichter und effizienter durchzuführen als in einer Marktwirtschaft, in dem der eine Produzent nicht weiss (und nicht wissen darf), was der andere gerade an Reaktion plant und so ua ständig ‘Schweinezyklen’ entstehen bzw Überproduktion und Unterkonsumtion. Und trotzdem gäbe es natürlich so etwas wie einen Gütermarkt, und natürlich auch einen Wettbewerb der Ideen.
Dann müsste man auch schon keinen großartigen ‘internationalistischen’ Ansatz verfolgen - ausser dem natürlich, dass dem längst internationalisierten Kapital auf nationaler Eebene längst nicht mehr beizukommen ist. Und der Verzicht auf ‘verrechtlichte’ Besitz- und Gewinnansprüche aus nicht nur Kapital, sondern auch Patenten, Lizenzen etc würde auch erst den übrigen Weltgegenden eine ganz eigene, ihnen gemässe Entwicklung ermöglichen - statt nur ‘verlängerte Werkbänke’ darzstellen für die Metropolen, die sich unterdessen immer mehr als reine Dienstleistungsgesellschaften ohne eigene nachhaltige Wertproduktion begreifen. Und insbesondere die immateriellen Bedürfnisse könnten sich entfalten, die gegenwärtig auch gerade in den Metropolen immer mehr unter die Räder kommen, nach dem neuen Leitbild ‘jeder ein Unternehmer seiner selbst’, die internalisierte oder Selbstausbeutung unter immer weiterer Verleugnung gerade dieser immateriellen Bedürfnisse, die in ‘gesättigten’ Märkten erst die eigentliche Lebensqualität ausmachen.
Zum Thema Subventionen:
Gibt es da neue Informationen?
Bislang habe ich (um ein anderes Thema hier anzusprechen: auf DLF) ein Interview gehört, dass Nokia alle Forderungen eingehalten hat und die Subventionen auch “erfolgreich” waren, da alleine letztes Jahr die Stadt über 20 Millionen Steuerneinnahmen hatten.
Ah ja,
da hier ein paar mit BenQ argumentieren.
Das war doch der Grund, warum Siemens gekauft wurde. Man wusste, dass viele ihre Produkte nicht kaufen, weil es keine Marke ist. Sie wollten es sich einfach machen und durch den Kauf einfach Siemens auf ihre Produkte schreiben zu können. Hat nicht geklappt.
Mein Bruder ist zufrieden mit seinem Rechner.
@Peinhard
Das ist die Grundlage der Marktwirtschaft. Der Bauer baut Getreide an, der Fischer fischt Fische, der Schmied stellt Werkzeuge her … Der Produzent ist Konsument, daran hat sich per se nicht so viel geändert, nur das die sich Arbeitsteilung extrem(!) gesteigert hat und dadurch der Faktor Finanzwirtschaft ins Spiel kam, der aber letztendlich als “Produzent” von Finanzdienstleistungen auch seine Rolle hat und auch ein Konsument ist.
Ich werde auch nie verstehen, warum es besser sein sollte, statistisch zu erfassen, wie viele Socken das Volk benötigen wird, um diese dann zu produzieren. Das alles erledigen Märkte wesentlich besser.
Die von Dir angesprochenen Angebotsmärkte kennen wir aus Not-, Kriegszeiten und dem Kommunismus. Sie funktionieren nicht und führen zu Schwarzmärkten.
Das Hauptproblem an der ganzen Diskussion ist aber: Die freie Marktwirtschaft erzeugt ein Überangebot und das ist gut so. Stell Dir vor, die komplette Allokation von Waren und Dienstleistungen wäre beim heutigen Stand der Technik planwirtschaftlich optimiert. Was denkst Du, wie viel Prozent der Bevölkerung überhaupt noch nötig wären, diese Wirtschaft aufrecht zu erhalten? 25%? Diese Zahl wurde einmal auf einer Konferenz genannt, deren Namen ich vergessen habe ;-) 15%? 10%? Und was macht der Rest? “Geisterarbeit”? Das wird nicht funktionieren und dazu führen, dass die vorhandene Arbeit geteilt wird, wobei wir wieder bei Ineffizienzen wären. Wo läge also der Vorteil staatlich gesteuerter Ineffizienzen gg.über unseren Ineffizienzen, die sogar eine gewisse Lebensqualität erzeugen können?
Guter Artikel, Herr Spiegelfechter, der v. a. den politischen Populismus sehr treffend entlarvt. Das das mediale Gedächtnis der “RTL-Generation” zu kurz ist und sich daher keine nachhaltige Rufschädigung von Markenkonzernen nach solchen Aktionen ausbildet, sehe ich auch als Hauptproblem an.
BTW:
Darf man Ihre Grafik “…connecting people” (natürlich mit Quellenangabe) artikeltechnisch verwenden?
@red.cloud
Ja, kein Problem.
@Spiegelfechter
Du vergisst bei deiner Kritik meines Beitrags eines - dass die Konsumenten sich in ihrer Gesamtheit über die Produktion verständigen sollten, konsquent von unten nach oben, etwa in einem Verbund kooperierender Genossenschaften. Das ist etwas grundsätzlich anderes, als blind für einen anonymen Markt zu produzieren. Das ist auch etwas komplett anderes, als wenn Planungskommisionen in Kriegs- und Notzeiten einen Mangel schon an lebenswichtigen Gütern zu verwalten haben. Über den ‘real existierenden’ hatte ich mich bereits ausgelassen.
Vollkommen ‘verrückt’ aber finde ich deinen Einwand im letzten Absatz - was soll bitte daran ineffinzient sein, die vorhandene Arbeit auf alle aufzuteilen, die fähig und willens sind zu arbeiten? Höre ich da ein implizites ‘Sozial ist, was Arbeit schafft’? Immerhin gibst du aber sogar explizit zu, Produktion könne planwirtschaftlich optimiert werden. Und was bitte - ausser Raubbau an der Natur - sollte eine Gesellschaft, die ‘überflüssiges’ Arbeitspotential hat, das sich zudem nicht mehr darum scheren muss, ob Produktion für einige wenige Kapitalbesitzer eine Rendite abwirft, daran hindern auch soviel materielle Lebensqualität herzustellen, wie ihr wünschenswert dünkt? Und es geht dabei wie gesagt auch nicht um die Abschaffung von ‘Märkten’ - die wird es geben, solange es Angebot und Nachfrage gibt - sondern primär um die Frage, wie und nach welchen Kriterien sie ‘beschickt’ werden. Und Statistik und Planung, auch das möchte ich nochmal wiederholen, sind auch heute schon die gängigen Mittel - jeder Bäcker richtet seine Produktion danach aus, was er gestern und vorgestern produziert und verkauft hat - was also sollte dagegen sprechen, diese ohnehin angewandten Mittel zu koordinieren?
Ich kann mich da ‘Name’ nur anschliessen - wir werden nie aus den immanenten Widersprüchen der profitorientierten Marktwirtschaft heraustreten können, wenn wir sie nicht grundsätzlich in Frage stellen. Und ‘Neoliberalismus’ ist auch nicht etwa nur eine ‘falsche Politik’, die man einfach mal so ändern könnte, sondern sie ist nur der ideologische ‘Überbau’ dessen, was der Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Ausdehnung nötig hat, um die Kapitalverwertung überhaupt noch am laufen zu halten. Alles was man da, lässt man das ganze prinzipiell unangetastet, ändern kann, sind Nuancen. Nicht dass Nuancen nicht auch schon oft ‘was wären’, aber gleichzeitig ist auch schon die weitere Verschärfung vorprogrammiert, mit jeder weiteren Akkumulation von nach Verwertung strebendem Kapital.
@red cloud
In einem Oligopol sich grundsätzlich nach den gleichen Kriterien ausrichtender Konzerne die ‘Macht des Verbrauchers’ zu beschwören halte ich auch für ausgesprochen naiv. Konsequenter Weise müsste das in totaler Konsumverweigerung enden. Selbst was das ‘täglich Brot’ betrifft - denn am Ende stehen da auch bereits Monsanto, Bayer, Pioneer und Klein-Wanzleben, die ‘energy four’ etc pp. Dann müsste man sich aber auch sofort schon wieder Gedanken machen, was man denn statt dessen aufziehen will.
Zum Thema “Kapitalismus”bzw “Liberalismus” und “Neoliberalismus” fällt mir nur ein:
“Nur wer das Neueste als Gleiches erkennt, dient dem, was verschieden wäre.”
Th.W. Adorno
PS: passt auch zur Kurzlebigkeit des Gedächtnis der RTL- Generation
Hi Jens,
nicht einverstanden, Herr Vorsitzender!
Baroso sagt, es wäre nicht so, Schulz sagt, es wäre nicht so, die Rumänen sagen, es wäre nicht so … es ist (allgemein) in Infrastruktur und in einen Industriepark, in dem sich neben anderen auch Nokia einnistet, der genannte Betrag investiert worden. Willst Du vielleicht auch noch x-beliebige andere Strukturmaßnahmen in RU zu “… hat sich Nokia reingepfiffen” umdeklarieren? Bringt nix. Zumal - und meine grundsätzliche Meinung wird Dich sicher erstaunen ;) - folgendes m. E. nur gelten kann:
1. Weg mit Subventionen! Wer in einen Markt, passende Rahmenbedingungen Geschäftsmöglichkeiten (Vorsicht, so etwas “kann” sich ändern) und Zukunft sieht, kommt auch ohne!
2. Nur Nokia entscheidet: Bleiben oder gehen! Und die entscheiden z. B. auch im Interesse von Altersvorsorgeanlagen kleiner Leute (Rendite für die Rente).
3. Nokia verhält sich wie der Verbraucher, dieser Kannibale an sich. Der handelt doch täglich nach dem Motto: “Was stört mich die deutsche Textilindustrie? Können Dir mir 3 Unterhosen für 1,99 € verkaufen - Nein? Siehste!” Wo bleibt die Moral? Usw., usf.
Und wenn’s um zehn Ecken gedacht ist: Des einen sein Export (-weltmeister BRD!), dem anderen sein Import - Nokia gibt rumänischen Arbeitern zu verdienen, die kaufen teilweise Dacia (Renault - unsere französichen Nachbarn, Handelspartner Nr. 1, die kaufen dann bei uns), teilweise VW, Audi, BMW. Nee, noch besser: Der rumänische Arbeiter, bei Nokia, verdient gut, kauft sich direkt ‘n neuen Dreier (weil nur die richtigen Rumänen, die die noch arm sind, also die, die nicht bei einer schicken Firma wie Nokia arbeiten) Dacia fahren … schade für Bochum, gut für Deggendorf!
Zitat von mir an Dich (an anderer Stelle) “… soll die Straße über Unternehmenspolitik entscheiden?” Das darf doch wohl nicht wahr sein!!! Das führt dann wohl direkt ins Paradies? (Haste so nicht gesagt, ich krieg aber leider solche Assoziationen wenn ich solche Texte lese wie Deinen vorstehenden, deshalb: Ich bin :( und bin :))
Der Mann weiß (’mal wieder) nicht was er schwätzt, und Du bist drauf gehüpft (ttttt). Was hat das denn mit Controlling unter Rüttgers (den ich ebenfalls nicht schätze - um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen) zu tun? Eine Vorgängerregierung hat auf gesetzlicher Grundlage subventioniert, die Bindungsfristen sind abgelaufen, Nokia hat noch ‘ne Schamfrist draufgepackt … und tschüss.
Zugegeben: Alles nicht lustig, aber so iss dat pralle Leben, so sinn de Minschen!
Halte Deinen Beitrag für “suboptimal” ;)
Trotzdem grüße ich aus vollem Herzen
Vogel
PS.: Denkst Du noch an “unsern” Hobbes und “seinen” Naturzustand des Menschen(?) - der, contre nous, auch nur metaphorisch steht für den durchschnittlich 1,60 bis 1,90 m hohen Haufen Biologie - anderswo “Krone der Schöpfung” genannt.
@Vogel
Eben nicht - warum sollte ich mich mit meinem Unternehmen z.B. in Mecklenburg Vorpommern ansiedeln? Da gehe ich doch lieber an einen feinen Standort in z.B. Hessen direkt an der Autobahn. Subventionen sind ein Mittel um Strukurpolitik zu betreiben - ich würde sie nicht per se ablehnen, aber sie beinhalten natürlich immense Gefahren. Dennoch - ohne Subventionen wäre z.B. die Ex-DDR ein noch trauriger und vor allem fast menschenleerer Raum. Wer Regionen - gegen die marktwirtschaftlichen Mechanismen - erhalten will, kann Subventionen nicht ablehnen.
Sicher - das ist die Freihandelslogik, die hinter den Vorgängen steckt. Smith/Ricardo in modern - so what? Was sagst Du, wenn ich behaupte, dass Egoimsus nicht falsch und Protektionismus zwar schlecht für die Armen aber (nur in gewissen Bereichen) gut für uns ist. Der Markt mag zwar ein goldenes Kalb sein, man muß ihn aber nicht anbeten, um ein gutes Leben führen zu können.
Wer “entscheidet” denn sonst über Unternehmenspolitik? Wir leben in einem Nachfragemarkt, in dem der Kunde über Unternehemspolitik entscheidet. Der Griff ins Regal ist eine Bewertung der Unternehmenspolitik des Anbieters - nichts anderes.
Aber sicher ;-)
@Jens: Was ja mal wieder sehr “interessant” ist. Gestern noch heulten die ganzen Medien mit Rüttgers & Co - Nokia sollte man verdammen, etc. pp. Heute lesen sich die Kommentare alle wieder dieser Artikel, oder der halt nebenan von mir.
Sicherlich alles nur Zufal… ;-)
@Chris
Hast Du eigentlich auch heute das neue Nokia mit der Post bekommen? ;-)
@Christian #2
Muss wohl “Brennt REWE” heißen??
Grüße Vogel
Tschulligung, iss mir so eingefallen, hoffe Du kannst mitlachen!
Danke, jetzt ist mir wieder eingefallen, wie diese verdammte Yacht von Shell damals hieß, ohne recherchieren zu müssen.
@Jens: :D
Klar, inklusive Urlaubsgutschein…
… am Schwarzen Meer . :D
@Jens
hier stand ein Kommentar zur #X, dann hab’ ich noch weiter gelesen, jetzt steht hier:
Pffft
Jens! Denk lange nach bevor Du - schon zu spät, Du hast bereits die Tasten gequält!
Mfg
Vogel
Hi Jens,
Deine Nummer vierzig, Jaja … was soll ich sagen? Der Reihe nach:
ein Faktor unter vielen Du hast ja nicht Unrecht … mit “einem” Wort: Suboptimale Antwort!! (Wie soll’s auch anders sein: Grober Klotz auf groben Keil)
Meine Worte … vor dreißig Jahren!!! Uns trennen (?) ca. 20 Jahre (?): “Wer in der Jugend kein Sozialist ist, hat kein Herz, Wer im Alter noch Sozialist ist hat kein Hirn!”(Zitat: Jakob Timmermann) Zugegeben, die Wahrheit (die bekanntlich drei Seiten hat), liegt in der Mitte! (”Wo!” “In der Mitte, Du Esel!” “Ach so …!”) Wenn Du mein Tafelsilber nicht klaust, les’ ich in 30 Jahren noch Deinen Blog, dann woll’n merr ma sehn …
Stimmt, da haste mich erwischt (Hab’ ich nicht aufgepasst), tzrotzdem: Suboptimal! Vergiss nicht Marketing … bitte ganz, ganz, gaaaaaanz weit verstehen (also vor allem(!) auch jenseits von Werbung) vergiss’ nicht die Zwänge des homos …
Allerbeste Grüße
Vogel
PS.: “… aber sicher” gilt als gesetzt! D’accord?
“Wer “entscheidet” denn sonst über Unternehmenspolitik? Wir leben in einem Nachfragemarkt, in dem der Kunde über Unternehemspolitik entscheidet. Der Griff ins Regal ist eine Bewertung der Unternehmenspolitik des Anbieters - nichts anderes.”
Nee, also beim besten Willen nicht. Das lässt wirklich noch die bestvorgetragene Kritik zu letztlich einem reinen Lamento verkommen. Schade eigentlich.
@characktersau #29
Untergangspropheten? Lies weiter, vielleicht lieferst Du ‘mal ‘n Knaller!? Halte durch, widersprich Deinem Aliasnamen!
Grüße
Vogel
Hi Jens,
ich hab’ schon wieder so’n Hammer entdeckt, Deine #34:
Jetzt mach’ ich ‘mal einen auf Moral: Und macht Euch die Erde untertan …( bis sie aussieht wie der Mond!) (”Treffen sich zwei Planeten …”)
hier ohne Grüße
Vogel
@Jens
zu guter Letzt, noch ‘mal Deine #40: Adam Smith’s “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” ist von 1776 und David Ricardo’s “Principles of Political Economy and Taxation” ist von 1817. Das nennst Du modern?
Merke: Willst Du etwas Neues finden schau’ in alten Büchern nach!
Gutes Nächtle
Vogel
PS.: Bedie haben, natürlich, recht!
Viele nennen es Ökonomie oder auch mal gesellschaftliches Umverteilungskonzept, wieder andere bemühen die schwierigen Ismen. Ich selbst nenne es Krieg. Wieso? Weil es präziser ist, ohne Schnörkel und Schönrederei.
Hier findet ein Kampf der Interessen statt. Sachlich zu benennen, einfach zu verstehen.
Das worüber sich hier so episch beschwert wird ist der schlichte Umstand, dass der Gegner von Nokia so zerstreut und zersplittert ist. Es wird sich darüber erregt, dass dieser nicht in der Lage zu seien scheint eine geordnete Frontlinie zu formieren. Um hierdurch die seinen Interessen denen von Nokia im Gefecht effektiv gegenüber zu stellen. Und über allem schwebt die Angst einen Krieg zu verlieren, der aber für keine der beteiligten Seiten gewinnbar ist. Nur ordentliche Regeln sollten wir langsam mal festlegen. Denn wo kommen wir denn da hin, wenn jeder ohne schriftliche Genehmigung (in dreifacher Ausführung) dem anderen die Existenz zerstören kann?
Richtig, zu den absolut befreiten Märkten. Denn die werter Spiegelfechter, kennen kein Erbarmen, keine Gnade und weit schlimmer noch keine klaren Regeln. Dort gilt nur das blanke Faustrecht, dass Überleben des Stärkeren. Die ultimative Fehlinterpretation der uns umgebenden Natur.
Blicke einmal in den Spiegel und sage mir was Du persönlich lieber hast:
1. Einen schön geordneten Krieg, mit klaren einfachen Regeln. Bei denen man sich darauf verlassen kann, dass auch der Gegner sie einhalten muss (weil z.B. jeder der sich nicht an die Regeln hält, von Freund und Feind gemeinsam vernichtet wird)?
oder
2. Einen Bürgerkrieg mit Millionen kleinen und kleinsten Fronten. Bei dem Du sicher davon ausgehen kannst, dass dir alle und jeder in den Rücken stechen werden, so dies ihre eigene Position auch nur minimal verbessert?
@46, 48, 50 Vogel
O´ha! Da hast Du mich ja während meiner Abwesenheit mit einem gangzen Stakkato eingedeckt ;-)
Dann peau á peau:
Ich bin zwar kein Sozialist, aber meine Sozalisation war genau anders herum. Elitärer Bestandteil des obersten Drittels des dreigliedrigen Schulsystems in einem kleinen ziemlich elitären Städtchen, von der Marine endlich mal ein wenig sozialisiert und in das elitäre deutsche Universitätssystem weitergereicht. Man lernte so vieles, wurde auf “Markt” und die dem innewohnende Logik getrimmt … geistig verarbeiten und einordnen konnte ich das Gelernte erst wesentlich später. Daraus meine Schlüsse zu ziehen, die denen der “innewohnenden Logik” widersprechen, noch mal wesentlich später. Timmermann mag für die Vergangenheit sprechen, heute verläuft die Sozialisationsphase meist umgekehrt.
Oh … in 30 Jahren, ob ich dann noch blogge? Ich hoffe doch mal nicht - ich bin dann 65 und wollte schon längst irgendwo im Süden in der Sonne liegen und mit der profanen Realität abgeschloßen haben ;-)
Was hat das Alte Testament bitte mit Moral zu tun?
Nein, drum schob ich auch XYZ in modern.
Das würde ich heute so nicht mehr sagen. Ihre Theorie der komparativen Kostenvorteile geht davon aus, dass ein Handelsparnter ein Gut verhältnismäßig günstiger erzeugen kann. In der globalisierten Welt ist dem nicht mehr so. Aber dies wäre eine lange Diskussion - das Faß mache ich nur bei Bedarf auf ;-)
@47 Peinhard
Wenn Du der Meinung bist, es herrschte in der EU kein Nachfragemarkt, so begründe dies doch bitte. Szenen, wie bei iPhone-Launch, die tatsächlich etwas anderes suggerieren könnten, sind mW recht rar ;-)
@Jens,
will Dich nicht schulmeistern, aber mir ist sofort aufgefallen, dass “peu à peu” vielleicht doch besser wäre?? *schmunzel*
Ich hab Dir nix unterstellt, halte Dich für einen sehr demokratischen, aufgeklärten, disziplinierten und intelligenten Menschen (lass’ einfach so stehen!), habe mit dem Zitat nur eine Grundhaltung auggegriffen, die Du da betest. Sollte das Deine wirkliche Überzeugung sein, so gehörst Du halt zu den Einen von den Beiden *hämischgrins*.
Ob Du dann noch bloggst? 100 % Ja! Da bin ich sicher! (Übrigens: Hab’ mich um 3 Jahre verschätzt: wir sind nur 23 Jahre auseinander! Boah, was Du noch alles vor Dir hast ;-))
Das Alte Testament? Nix! Du hast nur so schön “in Überproduktion” geschwelgt (iss ja auch richtig soweit’s unser Wirtschaftssystem betrifft). Nehme den Part zurück und heb’ ihn auf bis irgendwann ‘mal die Umwelt explizit dran ist (und die Verantwortung dafür - Deine #21 lässt Böses ahnen?!). Excusez moi!
Stimmt. Ansonsten kein Kommentar zu Deiner Drohung ;-) - oder isses doch ein Versprechen?
Beste Grüße
Vogel
@SF #21
“Von der ganzen Klimahysterie halte ich wenig. Sicher, für Eisbären und Bewohner Tuvalus ist das alles fürchterlich, aber es gab immer Klimawandel und nichts ist so beständig, wie die Veränderung.”
Wenn Du von Tuvalu sprichst, musst Du zum Beispiel auch von Bangladesch sprechen…
Klar, dir gefällt der Medienhype nicht… Verständlich- aber dann gleich so alles runterzuspielen ist schon ein bisschen sehr provokant.
Fände ich mal interessant, wenn Du mal einen ausführlichen Artikel drüber schreiben würdest!
Grüße,
David
@david
Fände ich auch interessant - aber leider habe ich auf dem Gebiet doch arge Defizite, so dass ich wochenlang recherchieren müßte. Anlässlich der realen Probleme, die überall existieren, empfinde ich die Klimadiskussion allerdings immer mehr als “hysterisch”. Es wird auch der Eindruck vermittelt, “wir” könnten den Klimawandel stoppen. Für mich ist dies erst einmal extrem arrogant und typisch “menschlich” - wir sind nicht die Krone der Schöpfung. Außerdem sind die Stellschrauben, die nötig wären, außerhalb unserer Möglichkeiten. Wir müssten wohl die “Überflußgesellschaft” zivilisieren - dies ist allerdings nicht der demokratische Wille. Jeder will etwas ändern, aber niemand die Konsequenzen tragen. Daher halte ich es für wesentlich sinnvoller, sich mit den Folgen des Klimawandels zu beschäftigen und diese so anzugehen, dass größeres Leid verhindert wird.
@54 Vogel
Das heißt, Du hast mich für 38 gehalten. Früher wurde ich immer für jünger gehalten, als ich war *seufz*
Das muss an meinem Profilbild liegen ;-)
Vielleicht sollte ich lieber dieses nehmen:
Oder dieses (zur Abschreckung von Koch-Sympathisanten) *lol*:
Da muss sich der Herr Spiegelfechter mal an die eigene Nase fassen. Jedenfalls wenn er sich an seine eigenen Ratschläge hält.
Im Eifer des Gefechts, Jürgen Rüttgers etwas Nachteiliges an die Backe zu schmieren, übersieht er offenbar, dass staatliche Leistungen durchaus an die Einhaltung von Bedingungen und Auflagen geknüpft werden können und unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne besondere Vereinbarung die Rückzahlung gefordert werden kann. Ob ursprünglich die Voraussetzungen für die Gewährung einer Subvention vorlagen, ist in diesem Zusammenhang völlig irrelevant, zumal die Gründe für die Rückforderung ohnehin erst nachträglich eingetreten sind. Mit Populismus hat diese öffentliche Äußerung also rein gar nichts zu tun.
@53 Spiegelfechter
“Wenn Du der Meinung bist, es herrschte in der EU kein Nachfragemarkt, so begründe dies doch bitte.”
Implizit habe ich das schon in meiner Antwort an red cloud in Sachen Verbrauchermacht getan. Wir haben aber auch schon deshalb einen ‘Angebotsmarkt’, weil wir bei den allermeisten Gütern nur aus dem auswählen können, was bereits fertig in den Regalen liegt, die Nachfrage ist also dem Angebot iA nur nachgelagert. Wenn mich bei einem bestimmten Produkt keines der vorhandenen Angebote wirklich befriedigt, weil ich zB etwas mit weniger ‘Gimmicks’ und längerer Haltbarkeit wünsche, habe ich als Nachfrager iA keine Möglichkeit, das über die Angebote des Marktes den Herstellern mitzuteilen. Ich habe die Wahl, entweder das Produkt zu wählen, das meinen Vorstellungen noch am nächsten kommt (aber sie vielleicht dennoch nur zu 20% oder weniger erfüllt) oder die ganze Produktkategorie mit Missachtung und Konsumverweigerung zu strafen. Bei Gütern des täglichen Bedarfs oder solchen, die ich zB zu meiner Berufsausübung brauche, heisst die Parole dann aber doch ‘friss oder stirb’.
Ich kann also die Unternehmen iA nur im Rahmen dessen beeinflussen, was mir von ihnen bereits angeboten wird, das gilt für Produkte ebenso wie für die Unternehmenspolitik(en), auf die du mit deinem ‘Nachfragemarkt’ ja hinauswolltest. Es gilt für diese sogar noch weitaus rigoroser, ich kann vielleicht versuchen, den Hersteller zu bevorzugen, der am wenigsten Lohndumping, Arbeitsverdichtung, Outsourcing, Verlagerung etc betreibt - sofern mir der Markt diese Information überhaupt verlässlich mitteilen kann, und das geht ganz gewiss nicht über den Preis, da muss ich schon selber tätig werden, von Schlagzeilen abgesehen, fallen solche Informationen aber oft genug in die Rubrik ‘Betriebsgeheimnis’. Ich werde aber zB in der heutigen Marktsituation in vielen Produktkategorien nur sehr schwer oder gar nicht ein Unternehmen finden, das nichts davon mitmacht - dafür sorgt allein schon die Konkurrenz.
Ich kann mich natürlich direkt an den Hersteller wenden und ihm mitteilen ‘ich hätte gern’. Das wird aber iA auch wirkungslos bleiben, solange er von seinem Schund und trotz seiner inakzeptablen Politik genug absetzt. Dann kann ich natürlich eine Initiative oder am besten gleich eine Konsumgenossenschaft gründen, um meinen Wünschen Nachdruck zu verleihen. Oder mich an die Politik wenden mit der Bitte, solche Praktiken gesetzlich zu unterbinden. Das liegt aber ausserhalb der üblichen Marktmechanismen oder geht sogar ‘gegen’ den Markt. Gar keine Chance habe ich, wenn die Hersteller sich ‘einig’ sind, dass mit den von mir gewünschten Produkten oder Politiken kein oder zuwenig Profit zu erzielen sei; in diesem Falle wird auch die Politik sich nicht rühren, da sie nun einmal für die Finanzierung des Staates auf einen möglichst erfolgreichen Geschäftsablauf angewiesen ist. Und im Zweifelsfall lieber das Volk entsprechend zurichten und verschachern hilft, als etwas in seinem Interesse zu unternehmen. Eigentlich habe ich nur dort überhaupt noch eine Chance, wo ich wirklich mit einem Erzeuger direkt, ohne Vermittlung durch den Handel, kommunzieren kann und dieser Erzeuger klein genug ist, um in mir einen ausreichend ‘großen’ Nachfrager zu sehen.
Mein Vorwurf der Kritik als reines ‘Lamento’ bezog sich aber, das sollte aus meinen bisherigen Beiträgen hervorgegangen sein, auch nur exemplarisch auf die Geschichte mit dem Nachfragemarkt und der ‘Gestaltung der Unternehmenspolitik durch den Verbraucher’, sondern auf die allem Anschein nach nicht vorhandene Bereitschaft, die ‘Marktwirtschaft’ auch als ganzes in Frage zu stellen - obwohl wir da meiner Erinnerung ja doch auch schon mal ‘weiter’ bzw näher zusammen waren. Einen ‘echten’ Nachfragemarkt kann ich mir wie gesagt eigentlich nur so vorstellen, dass der Nachfrager von vornherein einbezogen und mit dem Produzenten jenseits blinder Marktmechanismen identisch ist, und gleichzeitig auch über die Mittel verfügt, seine Wünsche und Vorstellungen umzusetzen. Das ist aber mit den heutigen profitorientierten Eigentumsverhältnissen unvereinbar.
Hi Jens,
Dein Bild im Spiegelfechter: Du guckst halt so richtig arrogant und besserwisserisch ;-) trotzdem, lass es stecken!
1. Bild oben: Viel zu nett, aber auch gut!
2. Bild oben: Uguttugutt!! Du rauchst ja noch!!?? Bäh! Übe wenigstens schon ‘mal Zickzack zu laufen, seit fünfuhrfünfundvierzig wird auf Raucher geschossen! (Weiß ich aus eigener Erfahrung ;-))
Alles Gute für Dich
Vogel
PS.: Du kannst es ab, wenn ma ma so rischtisch vom Leder zieht! Dess iss Klasse, dess gefällt merr! (Ab und zu bricht der Hessebub in mir dosch, seit 67 bin ich aber in und um Kölle z’ Huss [85-89 Intermezzo in bayrisch Schwaben, Allgäu])
PSS.: Was ist mit “peu à peu”? Mach’ wenigstens ‘n Knicks vorm Spiegel, wenn Du schon nicht Danke sagen willst.
PSSS.: Hat Herr CORAX in der Spielwiese auch beschrieben, wie ich ‘n Bild in die Mail einbauen kann? Ich habb da nix gefunne, un wisse duh ich dess aach nedd.
Hi, Jens,
bin’s noch’mal. Hab’ jetzt erst Deine #56 gelesen: Nachtigall (dess iss ‘n Vochel ;-)), ick hör’ dir trapsen!
Gutes Nächtle
Vogel
@Michael
Hi, schön Dich auch hier zu sehen :-). Zu Deiner #51
1. Es sind die -ismen, die Egoismen nämlich, da hast Du völlig recht. “Alle Menschen sind schlecht, jeder denkt nur an sich, nur ich denk’ an mich”! ;-)
2. Vergiß Nokia, der Kaffee iss auf! (Vielleicht schneidet D’dorf denen noch ‘n paar Peanuts aus den Rippen - so what!, abwarten)
3. Krieg gefällt mir - was Du vielleicht nicht weißt: Der “running Gag” (für mich ist das richtig, richtig ernst) zwischen Jens und mir ist: Th. Hobbes: “Der Mensch in seinem Naturzustand, im Bellum omnium contra omnes”
4. Die Regeln sind einfach und überschaubar: Groß frißt klein, schnell frißt langsam, stark frißt schwach! Außerdem gilt die Regel: Keine Regel einhalten! Und: Nietzsche hatte durchaus nicht unrecht: “Amor fati”
Iss nich nett, iss aber das pralle Leben!
Beste Grüße
Vogel
PS.: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Asymetrische Kriegsführung, Guerillataktik usw.: Lass uns wenigstens ‘n bisschen Spaß in diesem Krieg haben!
@Vogel
Wenn Du magst, können wir dieses Diskussion gerne auf der Spielwiese fortsetzen (ich weiß, das COPOKA da sicher auch Interesse dran hätte). Ich teile übrigens so ziemlich die Meinung, die der Herr Behringer in seinem Buch “”Kulturgeschichte des Klimas” aufgreift. Dazu der passende Podcast (wo wir schon mal beim Thema Podcast waren) ;-)
Gerade eben pausiere ich, wegen einer “bescheuerten” Wette. Ich werde das erst mal durchziehen, da ich ja für meinen Dickkopf bekannt bin. Aber ich sehe es eher als “Pause” ;-)
Na aber hallo - ein verschrobener introvertierter Denker bin ich sicher nicht ;-)
Danke Danke Danke! Ich bin unwürdig *lol*
Natürlich hast Du recht. Mein Französisch ist übrigens extrem mies, ein Wunder, dass ich nicht peaux á peaux geschrieben habe ;-)
Der Herr Corax nicht, aber ich im Kommentar unter dem Herrn Corax
Nächtle auch Dir, bzw. carpe noctem, die Nacht ist zu schön, um sie zu verschlafen ;-)
@Vogel
Ja. Spass werden wir haben, dass ist nun wirklich gewiss!
Sie werden es nicht kommen sehen,
weil sie es nicht verstehen können.
Sie werden es nicht wahrnehmen,
weil es sie nicht bedrohen wird.
Sie werden ohnmächtig erstarren,
wenn sie der Krieg sie erreicht.
Sie werden schnell untergehen,
wenn sie sich ihm stellen.
Wir sollten die Schlachten nicht gewinnen, damit unsere Kinder ein bequemeres Leben führen können. Wir sollten sie gewinnen um, ihnen die Chance zur Würde zu schenken.
Mit bestem Gruß
Die Reaktionen und Antworten der Politik auf derartige Fälle folgen einem seit Jahren eingeübten Ritual. Ungeachtet dessen wandert eine Hochtechnologiebranche nach der anderen aus Deutschland ab - und mit ihr die Arbeitsplätze. Das jetzt wieder zu hörende Erstaunen aus der Politik, wieso es mit Subventionen überraschender Weise doch nicht dauerhaft gelingt, einen global agierenden Konzern zur Immobilität zu bewegen, ist lächerlich. Ich halte es jedoch für eine Illusion zu glauben, man könnte um Deutschland einen Schutzschild gegen die Globalisierung errichten. Was in Deutschland stattdessen fehlt ist eine offene und tabulose Debatte über die tatsächlichen Möglichkeiten der Gesellschaft und des Einzelnen, sich auf die Welt, so wie sie momentan ist, einzustellen. Was ist z.B. mit einer verpflichtenden Vorschrift für die Betriebe zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter? - Um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt bei einer Kündigung zu erhöhen - Was mit einer viel weiter gefassten Abschreibung bzw. Berücksichtigung der Kosten von privat initiierter Weiterbildung bei der Steuer und der Arbeitslosenversicherung? Was mit einer aktiven Industriepolitik - jenseits der einfallslosen Subventionitis - die Ziele und Chancenfelder zu erarbeiten hätte?