Wir retten den Euro! Aber vor wem
geschrieben am 20. Mai 2010 von Spiegelfechter
Als der Euro am 4. Januar 1999 zum erste Mal an den Devisenmärkten der Welt gehandelt wurde, notierte er bei 1,17 US$. Bis zum Oktober 2000 musste die schwächelnde Kunstwährung über 30% nachgeben und markierte am 26. Oktober 2000 mit 0,82 US$ ihren historischen Tiefpunkt. Die USA erlebten in diesen Jahren einen Boom, der vor allem die Finanzbranche in nie dagewesene Dimensionen torpedierte. Das Geld floss nach New York, der US$ war plötzlich eine ?harte? Währung, was der amerikanischen Realwirtschaft jedoch einen herben Schlag verpasste. Dann flogen auch noch zwei Flugzeuge in das WTC und die New-Econony-Blase platzte. Die FED reagierte, senkte die Leitzinsen, überschwemmte den Markt mit dem Dollar und löste damit neben einem Aufschwung der Realwirtschaft auch eine gigantische Blase an den Finanzmärkten aus, die als Urknall für die folgenden Finanzkrisen gelten kann. Die Geldpolitik der FED schwächte den Wechselkurs des Dollars nachhaltig und führte zu einer langen Abwertungsspirale. Als der Euro 2002 in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel wurde, notierte er noch unter 0,90 US$, kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers war er fast 1,60 US$ wert ? beinahe doppelt so viel wie acht Jahre zuvor.
Wer denkt, dass ein solch ein ultraharter Eurokurs Vorteile brächte, täuscht sich jedoch gewaltig. Vor allem Deutschland als Exportnation ächzte in dieser Härteperiode ganz gewaltig unter dieser Bürde und die deutsche Wirtschaft nahm es dankbar zur Kenntnis, dass das internationale Finanzkapital sich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den vermeintlich sicheren Hafen USA verkrümelte, was den Euro zum Zeitpunkt des Lehman-Kollaps wieder jäh auf 1,25 US$ drückte. Heute notiert der Euro nach einer vorübergehenden kurzen Stärkephase bei 1,24 US$ und sowohl die deutsche Politik als auch die deutschen Medien machen Spekulanten für diese Entwicklung verantwortlich und entdecken allerlei Reglementierungsmöglichkeiten, um diesen Spekulanten das Handwerk zu legen. Natürlich ist keine der angedachten Maßnahmen geeignet, den Euro nachhaltig zu stärken, aber das interessiert die gackernden und bisweilen kopflosen Hühner, die die öffentliche Meinung bestimmen, nicht im Geringsten. Es geht vielmehr darum, den Anschein zu erwecken, man sei gegenüber den Finanzmärkten aktionsfähig ? welch tragischer Treppenwitz der Geschichte.

Volkszorn
Das Fass ist übergelaufen und Deutschland steigert sich in einen (selbst)gerechten Volkszorn. Das Volk ist zwar indifferent wütend, weiß aber nicht so genau, wer oder was eigentlich für die Probleme mit dem Finanzsektor verantwortlich ist und will das wohl lieber auch gar nicht so genau wissen. Dieses Informationsdefizit ist freilich ein großes Glück für die Politik, die nun durch bloßen Symbolismus den Anschein erwecken kann, sie würde mit aller gebotenen Härte gegen das Finanzsystem vorgehen. Dabei geht es noch nicht einmal um das Finanzsystem, sondern um ?die Spekulanten?, die sich bereits jetzt als Unwort 2010 qualifiziert haben. Immer wenn in den Medien oder der Politik von ?den Spekulanten? die Rede ist, kann der vorbelastete Beobachter schon einmal getrost weghören, denn er weiß nur zu genau, dass nun mit großem verbalen Tamtam brutalstmöglich mit Wattebäuschchen gegen einen imaginären Feind geschmissen wird. Der Michel ist beruhigt, denn er weiß ja nicht, dass er soeben Zeuge eines unwürdigen Schmierentheaters geworden ist.
Die Spekulanten sind an allem schuld!
Wo findet man heutzutage die überzeugtesten Verschwörungstheoretiker? Im Internet? Ach was, richten Sie ihren Blick doch lieber in die Ausschlüsse und Plenarsäle des Bundestags oder die Redaktionen großer Zeitungen und Zeitschriften. Sinistere Spekulanten haben sich ? dieser Verschwörungstheorie zufolge ? verabredet, um mit allerlei Finanzvoodoo unser schönes Europa und unseren noch schöneren Euro dem Boden gleich zu machen. Ei der Daus, geht denn das? Nein, das ist natürlich blanker Unfug. Die relative Stärke des Euros ist vor allem seiner Funktion als zweite Leit- und Reservewährung zu verdanken. Es waren die Handelsüberschüsse und vor allem die Diversifizierung der asiatischen Devisenreserven und der Anlagen der großen Pensions- und Rentenfonds, die ? in Kombination mit der expansiven Geldpolitik der FED ? den Eurokurs erst in die Regionen brachten, von denen er sich jetzt ? vollkommen zu Recht – verabschiedet.
Heute schaut die Welt erstaunt und mit Sorge auf einen chaotischen Kontinent, der sich offenbar kollektiv totsparen will und schichtet ihre Anlagen wieder in andere Währungen um, was den Euro schwächt. Dies ist eine ganz normale und vor allem ganz rationale Entwicklung. Die sogenannten Spekulanten nutzen sie freilich zur Gewinnmaximierung aus – den Hebel, einen Markt mit Tagesumsätzen zwischen drei und vier Billionen Euro zu manipulieren, haben sie allerdings nicht.
Im Zusammenhang mit Währungsspekulationen fällt dann auch immer der Ausdruck ?Leerverkäufe?. Bei einem gedeckten Leerverkauf, leiht sich ein Spekulant, der beispielsweise auf einen fallenden Euro wettet, heute eine Summe in Euro, tauscht sie gegen Dollar und muss das Geld zu einem vereinbarten Zeitpunkt in Euro zurückzahlen. Fällt der Euro bis zu diesem Zeitpunkt, macht der Spekulant Gewinn. Bei einem ungedeckten Leerverkauf wettet der Spekulant, ohne physisch in Besitz der Devisen zu sein. Die Hebelwirkung solcher Leerverkäufe hängt natürlich immer vom anteiligen Umsatzvolumen ab ? bei Papieren mit einem geringem Handelsvolumen können Leerverkäufe den Kurs komplett außer Rand und Band bringen, beim Handel mit Devisen, ist der Hebel wesentlich geringer.
Zweifelsohne kann eine Gruppe von finanzstarken Spekulanten kurzfristig sogar den Eurokurs drücken, dieser Effekt ist allerdings zeitlich begrenzt. Wer geliehene Euro in Dollar tauscht, muss die geliehene Summe auch immer zurückzahlen, indem er den Tausch in umgekehrter Reihenfolge durchführt. Sollte beispielsweise ein sinisteres Spekulantenkartel sich 10 Billionen Euro leihen, um sie in Dollar umzutauschen und damit den Euro zu drücken, muss sie später die Dollar wieder in 10 Billionen Euro tauschen, um die Schulden zu begleichen. Der langfristige Effekt auf den Devisenkurs ist damit gleich Null. Das gleiche trifft unisono auf Devisenderivate oder Currency- und FX-Swaps zu. Aber so etwas müssen offenbar weder Politiker noch Journalisten wissen, wenn sie Volkes Zorn auf Spekulanten lenken.
Kapitulation
Natürlich könnte man all diese Geschäfte verbieten oder stark einschränken ? vor allem der Handel mit Devisenderivaten hat beinahe nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun. Man kann sich auch die Frage stellen, ob das System der freien Wechselkurse überhaupt noch zeitgemäß ist, China fährt mit seinem System der de facto festen Wechselkurse sehr gut und bietet den Finanzmärkten dabei noch nicht einmal ein Spielfeld für Spekulationsgeschäfte. All dies wird allerdings von der Politik noch nicht einmal angedacht, schließlich huldigt man immer noch dem Dogma der freien Märkte und will es sich mit der Finanzbranche nicht verscherzen. Stattdessen schimpft man lieber über Spekulanten, auch wenn die mit den mittel- bis langfristigen Währungsschwankungen fast überhaupt nichts zu tun haben. In einem seltenen Moment der Ehrlichkeit würde Frau Merkel sicher auch sagen, dass sie derlei Populismus nun einmal nichts kostet. Kostet nichts, bringt nichts, schadet aber auch nichts ? Politik und Finanzwelt leben in Parallelwelten.
Will die Politik (warum eigentlich?) den Euro stärken, muss sie die stetige Nachfrage nach dem Euro erhöhen. Sie muss also die Gelder der großen Fonds und staatlichen Devisenverwalter aus Fernost ins Euroland locken. Warum sollte ein Entscheider aber die ihm anvertrauten Gelder in eine Währung investieren, die sich höchstens durch ein substanzielles volkswirtschaftliches Ungleichgewicht innerhalb des Währungsraums und eine chaotische Wirtschaftspolitik, die letztendlich auf eine Drosselung der Nachfrage im gesamten Währungsraum hinauslaufen wird, auszeichnet? Auf diese Frage hat Frau Merkel natürlich keine Erklärung, die sie auch offen aussprechen könnte. Daher baut sie den Mythos des krummnäsigen Spekulanten von der Ostküste auf, das hat in Deutschland schließlich schon einmal funktioniert. Opposition und Medien schwätzen Merkels Verballuftblasen bereitwillig nach ? ob dies aus Unwissen, Dummheit oder Opportunismus geschieht, ist dabei unklar.
Symbolpolitik
Spekulanten, Spekulationen und auch viele reguläre Finanzmarktgeschäfte sind zweifelsohne die Feinde der Zivilgesellschaft. Man könnte sie in enge Schranken weisen, wenn man dies denn wollte. Man will dies nicht, will aber dem Volk aber das genaue Gegenteil Glauben machen. Es scheint fast so, als wolle die Politik sogar den Eindruck erwecken, das ganz normale Marktmechanismen, die Volkswirtschaften stürzen können, nichts mit den Problemen unserer Zeit zu tun hätten. Es wäre mehr als löblich, wenn bei der Kakophonie der letzten Tage und Wochen eine echte Reform der Finanzmarktregulierung herauskäme ? das Gegenteil ist allerdings der Fall.
Was könnte man machen, um das Schicksal ganzer Volkswirtschaften von den gnadenlosen Märkten zu entkoppeln? Gar nichts, wenn man denn am System der freien Finanzmärkte festhalten will. Man kann das Finanzsystem aber zähmen, um die Wahrscheinlichkeit systemischer Krisen zu senken. Unausgegorene Gesetzespakete zur Stabilisierung des Euros sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind und streuen dem Michel lediglich Sand in die Augen, indem sie den falschen Eindruck erwecken, die Politik würde sich tatsächlich um diese Probleme kümmern. Das fängt bereits mit der Definition des Problems an ? der ?schwache Euro?, der bei genauer Betrachtung alles andere als schwach ist, ist ganz sicher kein Problem für Europa und schon gar nicht für Deutschland. Die gigantische Blase an den Finanzmärkten ist ein epochales Problem. Reformen, die auf eine Stabilisierung des Eurokurses abzielen, würden daher ? selbst wenn sie wirkmächtig wären ? an den eigentlichen Problemen vorbeigehen. Mit jedem Gesetzesentwurf, der am eigentlichen Problem vorbeigeht, sinkt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann einmal eine echte Problemlösung in die Wege geleitet wird, bis an den Rand der Unkenntlichkeit.
* mit dem Thema “Finanzmarktreform” werde ich mich in den nächsten Tagen noch ausführlich beschäftigen
Jens Berger
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Einerseits schreibst du: “Spekulanten, Spekulationen und auch viele reguläre Finanzmarktgeschäfte sind zweifelsohne die Feinde der Zivilgesellschaft.” und man sollte sie “in enge Schranken weisen”.
Andererseits haetten Spekulationen aber wiederum kaum langfristigen Einfluss auf den Kurs. Irgendwas hab ich da nicht verstanden, widersprichst du dir da nicht selber?
@spiegelfechter, seit 2006 vertrete ich die These von http://www.leap2020.eu, dass die Eurozone aus den Kaskaden der Krisen verstärkt als Vereinigte Staaten von Europa, als solidarische Transferunion, als europäischer Wohlfahrtsstaat,, hervorgehen wird und die deutsche Wirtschaft darin von einem Exportmodell zu einem Gleichgewichtsmodell durch steigende Binnennachfrage umgebaut werden wird.
Die Ereignisse vom 7./8. Mai 2010 werden wie folgt interpretiert: ?es handelt sich um einen Staatstreich der Euro-Länder im System der EU: Die 16 Euroländer haben die Schaltzentrale Europas übernommen und neue Mechanismen geschaffen.. (?).. In Brüssel fand Anfang Mai eine (R)Evolution statt, die wir allerdings schon seit mehr als drei Jahren vorhersagen (?) 750 Milliarden Euro, also 1000 Milliarden USD, werden für den neuen Schutzmechanismus, die Vorstufe zur Schaffung eines Europäischen Währungsfonds bereitgestellt; und die Eurozone zieht die Kontrolle der EU an sich. Die Schaffung dieses Schutzmechanismus ist ein Riesensprung in dem Prozess der europäischen Wirtschaft- und Finanzintegration und richtungsweisend für das weitere Ziel der Errichtung einer politischen Union. (?) Es bleibt festzuhalten, dass mit den Entscheidungen vom 8./9. Mai 2010 440 Millionen Menschen in Europa zu Bürgern eines neuen Landes geworden sind: Euroland. Einige von ihnen besitzen bereits eine gemeinsame Währung, den Euro, alle haften von nun an gemeinsam für seine Schulden, und verfügen gemeinsam über die Instrumentarien, die notwendig sind, um die durch diese Verschuldung in Zeiten der umfassenden weltweiten Krise verursachten Probleme zu bekämpfen. (?) Plötzlich und vollkommen unvorhersehbar gibt sich Kontinentaleuropa die Möglichkeit, sich mit einer wahren europäischen Regierung auszustatten. (?)
Wir haben soeben eine wichtige Etappe in der Auflösung der Welt ? und öffentlichen Ordnung und dem Entstehen der neuen globalen Gleichgewichte zurückgelegt: Unter dem Druck der von der Krise hervorgerufenen Ereignisse hat sich die Eurozone aus der Abhängigkeit von den angel-sächsischen Ländern und ihren Finanzmärkten befreit. Die 750 Milliarden Euro und die neue Governance der Kontinental-EU, sind ein Schutzwall gegen die Stürme, die wegen der untragbaren Verschuldung der westlichen Staaten heraufziehen; diese Stürme werden aber nun Großbritannien und dann die USA erschüttern und dort Unruhen und Chaos erzeugen, im Verhältnis zu denen die ?Griechenlandkrise? nur ein schaler Vorgeschmack war. (?)
Eine der Auswirkungen der Entscheidungen der europäischen Regierungen von diesem Wochenende liegt darin, dass sich die Finanzierung des IWF verändern wird. Wir gehen davon aus, dass in spätestens drei Jahren, wenn der Interventionsfonds, der am 8. und 9. Mai geschaffen wurde, zu einem Europäischen Währungsfonds institutionalisiert wird, die EU ihren Beitrag zum IWF entsprechend reduzieren wird.?
http://www.leap2020.eu/GEAB-N-45-ist-angekommen-Die-umfassende-weltweite-Krise-Vom-Staatsstreich-der-Eurozone-zur-tragischen-Isolierung_a4660.html
@1 JayAr
Nein, das ist kein Widerspruch. Über die schädlichen Auswirkungen von Spekulationen brauchen wir uns wirklich nicht zu unterhalten – die sind offensichtlich. Doch da schweigen die Politiker. Dort wo die Politiker Spekulanten ausmachen (z.B. beim Eurokurs oder den Griechenland-Bonds), sind aber ganz normale Marktkräfte am Werk. Das macht die Sache ja umso gefährlicher, Spekulanten könnte man mit ein paar weltweit verabschiedeten Gesetzen das Handwerk legen; bei den Märkten als Ganzes, sieht das nicht so einfach aus.
@spiegelfechter, meines Erachtens sind die Funktionsweisen des modernen finanzgetriebenen und globalisierten Kapitalismus und der ökologischen Basis dieses Systems, das bald scheitern muss, von Elmar Altvater sehr gut analysiert worden.
http://www.paulofreirezentrum.at/index.php?art_id=670
Ein wichtiges Anliegen der Arbeit Altvaters ist die Zurückweisung der scheinbaren Alternativenlosigkeit des kapitalistischen Systems. Der Kapitalismus sei nicht der Höhepunkt und damit das Ende der geschichtlichen Entwicklung. Er sei im Gegenteil eine historisch gewachsene Form der Produktion und Reproduktion, die aus einem anderen (im europäischen Fall: feudalen) System hervorgegangen sei und mit diesem datierbaren Anfangs- auch einen Endpunkt erreichen würde. Doch der Kapitalismus mit seiner immensen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in Krisen würde sich nicht wie der reale Sozialismus von selbst auflösen. Altvater folgt hier der argumentativen Linie des französischen Historikers Fernand Braudel, der einen Zusammenbruch des Kapitalismus nur durch einen “äußeren Stoß von extremer Heftigkeit im Verein mit einer glaubwürdigen Alternative” für möglich hielt.
Die Grenzen des Kapitalismus, die äußeren wie inneren Stöße, würden sich überall zeigen, so Altvater: in der steigenden Ungleichverteilung der weltweiten Einkommen und Vermögen, in globalen Finanzkrisen sowie in der Verknappung der natürlichen Ressourcen und der Überlastung der Senken für die Emissionen von Produktion und Konsumption. Der Kapitalismus könne sich räumlichen und zeitlichen Koordinaten nicht weiter entziehen; die Maßlosigkeit der fossil angetriebenen Akkumulationsdynamik stehe im unauflösbaren Widerspruch zu den Grenzen der Natur. Und die von Braudel verlangten glaubwürdigen Alternativen würden in Form von gesellschaftlichen Initiativen für erneuerbare Energien und für die Verwirklichung solidarischer Wirtschaftsformen bereits rund um den Globus bestehen.
@goldman sachs
Über genau diesen LEAP-Artikel wollte ich noch einen ausführlichen Artikel schreiben. Er ist gut, aber sehr optimistisch. Mehr dazu, wenn ich den Artikel fertig habe.
Klar, eine maßvolle Entwertung des Euros ist überhaupt nicht so schlimm. Die allgemeine Panikmache ist schon sehr überzogen, und die Personalisierung von Systemproblemen peinlich bis gefährlich.
Richtig ist auch, dass der Euroraum ein Strukturproblem hat. (siehe Analysen Krugman)
Trotzdem bin ich aber der Meinung das in diesem Text die Rationalität der Märkte (d.h. die tatsächliche Abhängigkeit der Marktpreise von volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten) noch immer überschätzt wird.
Wirkliche in der Realwirtschaft fundierte Geschäfte machen ja nur noch einen winzigen Bruchteil der Transaktionen aus, der Großteil der Geschäfte ist Spekulation und hängt damit von den Zukunftseinschätzungen der Marktteilnehmer ab. Und diese Zukunftseinschätzungen sind, ganz ohne VT, zu einem großen Anteil davon abhängig, welchen Kurs die Leitwölfe einschlagen. Oder um es anders auszudrücken: Die Finanzmärkte schaffen sich weitgehend die Welt, die zu ihren Zukunfserwartungen passt. Am Beispiel Subprimes etc. kan man sehen, dass das auch schon mal über mehr als ein Jahrzehnt gutgehen kann. In diesem Kontext stellt sich dann letztlich doch die Frage, warum der Euroraum zum Schlachtfeld erklärt wird, der mindestens so angreifbare Dollar oder das englische Pfund aber bisher ungeschoren bleiben.
Aber werden solche Wetten nicht wiederum andere Marktteilnehmer zu Käufen bzw. Verkäufen bewegen und damit den Kurs beeinflussen? Das dieses “Spekulantenkartel” später wieder umtauschen muss ist klar, aber ob das der restliche Markt auch macht ist für mich nicht so offensichtlich. Die könnten danach doch auch aufgrund der Kursschwankungen abgeschreckt sein und ihr Geld anderweitig investieren.
@spiegelfechter, weil das Publikum das Zusammenspiel der Subsysteme nicht verstehen soll, läßt man sie sich auf die Spekulanten stürzen. Man wirft der Meute einige schwarze Schafe zum Fraß vor. Die Spekulanten werden zu Sündenböcken gemacht, weil das System als solches nicht in Frage gestellt werden darf.
Ein Punkt ist z.B. beim Aufbau der Finanzblase, dass die Renditen in der sog. Realwirtschaft, sagen wir nicht börsennotierten Unternehmen, in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich rückläufig waren und die Renditen in finanzgetriebenen Unternehmen kontinuierlich hochliefen.
Vor ca. 15 Jahren liefen junge Smarties von Frankfurter Privatbanken rum und versprachen ?vermögenden Privatanlegern? (= ab EUR 5 Mio Einlage aufwärts) nachhaltig garantierte EK-Renditen von 15%. Herr Ackermann legt heute die Latte für seine Smarties auf 25%+.
Was das für die sog. Realwirtschaft bedeutet, können sich viele nicht im Traum ausmalen. Beispiel: Man vergleiche mal die Bilanzierung deutscher Unternehmen vor 20 Jahren nach HGB und halte mal die Bilanzierung deutscher Unternehmen heute nach amerikanischen Bilanzrichtlinien (US-GAAP) dagegen. Einmal ist es ein wassergetränkter Schwamm, einmal ein völlig ausgequetscher Schwamm, der eine Dürre von 2 Jahren niemals überstehen wird und deshalb keinerlei nachhaltige Ideen mehr in der Pipeline hat.
@ spielfechter
Verrate uns doch einmal, was Glücksspiel im Casino mit Marktwirtschaft zu tun hat. Welcher Markt liegt bei Pferdewetten oder Lottospielen vor? Sind außerbilanzielle Zweckgesellschaften in Steueroasen unverzichtbare Bestandteile freier Finanzmärkte? Sind synthetische CDO für Volkswirtschaften lebensnotwendig? Die Geschichte der Derivate ist gepflastert mit Leichen, von der DG Bank in 1990 über Procter und Gamble in 1991, LTCM, Enron, worldcom etc etc. Welchen wirtschaftlichen Sinn haben derlei Wettspiele?
Ich habe überhaupt nichts gegen Spekulanten, nur sollten die in einem wirklich freien Markt agieren.
Aber so lange wir in den USA und Europa Regierungen haben, die die notwendigen Marktbereinigungen unterbinden, indem sie die Verluste einiger Markteilnehmer sozialisieren, wird der kleine Steuerzahler immer für die “Reichen”, d.h. die bösen Spekulanten aufkommen. Erst die Regierungen sorgen für ein Ungleichgewicht an den Märkten, seien es die Finanzmärkte oder auch die realen Wirtschaftsmärkte.
In Wirklichkeit haben wir eine feudalistische Marktwirtschaft, eine Marktwirtschaft in der vereinbart wurde, daß die Steuerzahler die Zeche bezahlen.
Beispielsweise sind die Großbanken in den USA und Deutschland in Wirklichkeit pleite und müssen abgewickelt werden. Allein, wenn die “toxischen” Papiere nach normalen Grundsätzen bewertet würden, also den Grundsätzen, nach denen ein sorgfältiger Kaufmann handeln sollte und sofern er nicht in der Finanzwirtschaft tätig ist, auch muß, müßten wahrscheinlich alle Großbanken Konkurs anmelden. Durch die Millarden-Steuergeld-Infusionen werden so kranke Unternehmen am Leben gehalten. Dummerweise wird das alles nichts nutzen, denn diese Konkurse werden kommen müssen, spätestens dann, wenn die Regierungen kein Geld mehr haben, daß sie einsetzen können.
Wenn die Regierungen wirklich etwas tun wollen, so brauchen sie nur auf die Einhaltung der Grundsätze eines ordentlichen Kaufmannes zu pochen und schon würden sich die “Märkte” bereinigen. Dazu braucht es keine Pseudotäter wie die Spekulanten. Ich finde überhaupt nichts anrüchiges an einem Spekulanten, jeder Unternehmer spekuliert! Probleme entstehen erst dann, wenn die Regeln für einige Marktteilnehmer verbogen werden. Dann entstehen Ungleichgewichte die nach den Regeln der Chaostheorie irgendwann zu einem Kollaps des Systems führen werden.
@ spiegelfechter
nachdem was leap da schreibt und ich das alles richtig verstanden habe, läuft ja alles super für uns und angie und die eu machen genau das richtige?
@DrMaus
Sagen wir es mal so – sie versuchen dies, ob es ihnen gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Der Dollar-Euro-Devisenmark ist allerdings (trotz gewaltiger Finanztransaktionen außerhalb der Realwirtschaft) anders als andere Märkte durch einen sehr starken Markt unterfüttert, was Finanzhassadeure, die gegen den “Real”markt wetten bestraft.
@spiegelfechter, http://www.leap2020.eu denkt französisch, wie ich übrigens auch. Das dunkle Dickicht in Deutschland ist ihnen zu unbeweglich kalt, zu neblig unklar, kurzum, zu barbarisch. Man darf nicht vergessen, dass Frankreich das mittelmeerische Denken kennt.
Frau Merkel genießt übrigens in Frankreich Sympatie, weil man sie als grundsolide, ernsthafte, uneigennützige, nicht primär auf Show bedachte, völlig pragmatische und nüchterne Politikerin ein schätzt. Sarkozy wird von der alten Bourgeoisie verachtet, aber als äußerst nützlich geschätzt, da er sehr schnell entscheidet, völlig skrupellos ist, jenseits von Gut und Böse ausschließlich am Ergebnis interessiert ist, aber nur, damit er sich vulgär damit brüsten kann. Dass Sarkozy Carla Bruni nach wenigen Tagen nachhaltig flachgelegt hat, dieses sein wahres Meisterwerk macht sie richtig stolz. Genau deshalb traute die französische Hochbourgoisie dem Ungarn Sarkozy auch zu, völlig überraschend Frau Dr. Angela Merkel, diese deutsche Kuh, im höheren Interesse Europas in Brüssel flachzulegen.
Frau Dr, Angela Merkel hat nun keine andere Wahl, als öffentlich zu leugnen, von Sarkozy flachgelegt worden zu sein und diese Tatsache als nun mal geschehen hinzunehmen. Man sieht in Paris aber noch ein paar Probleme, wenn Dr. Merkel die Sache mit dem IWF zeitversetzt checkt. Der IWF darf nämlich lt Satzung Finanzmittel nur ausreichen, wenn ein Mitgliedsland Knappheit in fremder Währung hat. Griechenland hat aber Knappheit an Euro, nicht an Dollars. Also dürfte der IWF Veto einlegen wg der US-Sperrminorität.
Dr. Merkel müßte jetzt skrupellos wie Sarkozy den USA drohen, wg. der IWF-Sperrminorität Europas das Veto Europas beim IWF einzulegen, wenn die USA ganz viele Dollars vom IWF brauchen sollten (was schon bald der Fall sein dürfte). Wenn das auch nix nützt, müßte Dr. Merkel völlig knallhart, unerbittlich und rücksichtslos durchziehen, dass die Europäer jetzt das komplette Rettungspaket von EUR 750 Mrd. allein durchziehen.
Die Franzosen wissen daher, dass Europa schon bald Staatsstreich Nr. 2 braucht, also Sarkozy!
@Christian S
Das kann passieren, es kann allerdings auch passieren, dass die “realen” Akteure bei Trends, die gegen die Ratio verstoßen, genau umgekehrt handeln. Eine klare Regel gibt es da nicht und die “ganz großen” Währungsumschichter, die auch für den langfristigen Trend verantwortlich sind, lassen sich durch derlei Kurzfristtrends meist nicht ins Bochshorn jagen. Oder glaubst Du, dass die chinesische Nationalbank auf Tageskurse schaut, wenn sie strategische Entscheidungen über die Zukunft der Devisendiversifizierung trifft?
@8 Goldman Sachs
Treffer, versenkt! Genau das ist der Punkt. Dieses Problem ließe sich beispielsweise durch neue Eigenkapitalanforderungen und strenge Reglements bei der Leverage-Finanzierung deutlich mindern. Ackermanns 25% sind kein Kunststück. Wenn ich mir auf meine 100 Euro 1.000 Euro zu 1% von der EZB holen könnte und sie als Festgeld anlege, schaffe ich auch ganz locker eine EK-Rendite von 25%. Ich darf das nicht, Ackermann schon und dass er das darf ist der Kern des Problems.
die Frage ist, ob diese Regulierung, ob sinvoll oder nicht, wirklich nur aus populistischen Motiven erfolgt ist. Yves Smith meint zB, dass die Regierung damit versuchen könnte, die deutschen Banken zu schützen (diejenigen übrigens mit der weltweit höchsten Leverage Ratio)
“But the ?what you see is what you get? assessment seems more plausible, that the Germans are worried about speculators?.because they legitimately feel vulnerable. The US and UK also implemented bans on short selling financial stocks during the financial crisis. Now these bans are ham handed and appear to be not terribly effective…Well, Germany, like the UK and Switzerland, has a banking system so large relative to its economy that it cannot credibly backstop it if it goes seriously off the rails. The problem is more acute in Germany because it does not control its own currency.. German banks, particularly the clueless Landesbanken, were major stufees for toxic US mortgage paper. Eurobanks in general are behind US banks in cleaning up their balance sheets….”
http://www.nakedcapitalism.com/2010/05/germanys-short-selling-bans-populism-or-bank-protection.html
“The leverage ratio is ?the ratio of total bank assets to the net worth of the bank. That could be misleading if the assets are very safe ? government bonds, for example, versus subprime mortgage loans ? but in general the higher the ratio the smaller the margin of safety.? …
This might trouble Germany as, according to this chart, their banks have the most leveraged position of all nations, with a leverage ratio of 52 compared to an average of 12. In theory, this means that should Germany?s banking assets fall by just 2%, then the whole of Germany?s net worth of the banking system would be wiped out overnight.”
http://www.gurufocus.com/news.php?id=47047
Yves Smith meint übrigens am Ende, dass die Aktion ein Zeichen sein könnte, dass die Rettungsaktionen die Risiken von der Periphärie auf das Kerneuropa verschoben haben
“The bailout plan shifted risk from the periphery to the core of Europe, and the core, upon examination, does not look too solid”
@Geronimo
Alles richtig, aber das meine ich nicht, wenn ich von den “freien Finanzmärkten” spreche. Ich meine hier eher z.B. Lebensversicherungen, die mit einer Tranche von 2% ihres Volumens in Bonds europäischer EM-Staaten investiert sind. Wäre ich einer der Entscheider bei einem solchen Institut und würde hören, dass Griechenland nicht 5% sondern 12% Defizit gemacht hat, würde ich meine Anleihen auch verkaufen, da das Ertrags-/Risikoprofil nicht mehr stimmt. Das ist in einer freien Marktwirtschaft vollkommen in Ordnung. Die Frage ist vielmehr: Wollen wir als Gesellschaft zulassen, dass eine Sache wie die Staatsfinanzierung von Marktreaktionen abhängig ist oder gibt es da kein clevereres Modell?
@Salvo
Natürlich! Ein Verbot von Leerverkäufen für Aktien deutscher Banken an (und nur da) deutschen Börsen, ist eine Hilfestellung für die Ackermänner … auch wenn diese Regelung gar keine reale Wirkung hat. Aber dazu wollte ich mich morgen in einem Artikel für TP auslassen ;-)
irgendwie regulieren die märkte wohl doch so einiges selbst, auch wenn das neoliberal klingt.
deutschland wird wohl auf ein paar vorteile verzichten müssen, aber letzendlich hoffe ich das dies dem kleinen manne zu gute kommt z.b. mit lohnsteigerungen in deutschland und die wahren verhältnisse werden zu tage treten.
europa wirtschaftet besser als america, denn dort ist das ungleichgewicht der einkommen noch viel stärker als hierzulande, was sicherlich einfach nur schädlich ist für einen wirtschaftskreislauf.
will aber nicht sagen das hier alles gut läuft sondern einfach nur gerade besser als zur zeit in america.
In Bezug auf “den Spekulanten” ein, wie ich finde ergänzender, erhellender Artikel aus dem Jahre 1998 bei den “Streifzügen”, die mit Sicherheit nicht spekulationsfreundlich sind.
http://www.streifzuege.org/2010/jagt-die-spekulanten-schlagt-sie-tot
(Nicht vom Titel irritieren lassen)
Eine gemeinsame Politik wäre für die EU-Länder wirklich erstrebenswert.
Ich kann ehrlichgesagt auch nicht nachvollziehen warum sich über all die Jahre nur so wenig in diesem Bereich getan hat. Wenn das so weitergeht haben wir in einem Jahrhundert vielleicht mal eine gemeinsame Politik.
Wie dem auch sei, wichtig wär für mich damit auch eine grössere Beteiligung der Bürger an der Politik. Mehr Wahlmöglichkeiten im Sinne von Liquid Democracy.
Dann ist die Wahrscheinlichkeit auch höher das die Politik etwas macht das dem Volk was bringt. Und nicht dauernd irgendwelche Scheingesetze & Debatten.
Schöne Grüsse,
Bonsaibäumchen
Ich bin leider nicht so optimistisch, was die Transformation der EU betrifft. Obwohl die Eurostaaten jetzt gemeinsam haften, sind die Entscheidungsstrukturen noch immer die diesselben. Ich befürchte, daß sobald der Druck von Aussen wieder nachläßt, die nationalen Egoismen und gegenseitiges Mißtrauen wieder in den Vordergrund treten. Naja, hoffen wir das Beste.
Echt lesenswerter Beitrag, der zum nachdenken anregt…
ABER:
Mit so Sätzen wie
“…Daher baut sie den Mythos des krummnäsigen Spekulanten von der Ostküste ab, das hat in Deutschland schließlich schon einmal funktioniert…”
wäre ich vorsichtig. Der Vorwurf des Antisemitismus wird mir in letzter Zeit zu häufig von verschiedenen Gruppen gebraucht und oft auch missbraucht.
Aber ansonsten guter Beitrag, wie gesagt.
Zweifelsohne bleibt der Unterhaltungswert Jens’scher Finanzmarktartikel beachtlich:
Nach dieser Logik werden auch Aktienkurse fallen, wenn der Erwerber von handelbaren Unternehmensanteilen diese wieder verkauft, ergo: Gewinnaussichten – beim langfristigen Effekt gleich Null – nicht vohanden. Oder?
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Wirklich nicht? An der Globex kann ich mit 3400 Dollar Einschuß 125.000 Euro bewegen, resp. mit 3,4 Mrd. Dollar bereits 125 Mrd. Euro kontrollieren. Auf die Billion ist zwar noch eine Zehnerpotzenz, doch genügen regelmäßig wenige Prozent eines Tagesumsatzes, um einen Trend auszulösen resp. zu verstärken. Spekulationsvereine, neudeutsch auch als Hedgefonds verrufen, verfügen oft über mehrere Milliarden Kapital, das kurzfristig und massiv in Positionen geknallt wird.
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Wir brauchen keine Reform der Finanzmärkte, sondern deren gnadenlose Knebelung. Damit ein solcher Schritt funktionieren kann, gehört dazu auch die Beseitigung des internationalen Großkapitals.
Ach Schneemann ;-)
Es geht hier nicht um Aktien, sondern um Devisen – hättest Du den Artikel gelesen und verstanden – was zweifelsohne zuviel verlangt ist -, könntest Du Dir Deinen Einwand sparen.
Jo, aber nicht mittel- und langfristig im Dollar-Euro-Markt, wie Dir jeder Experte, der schon einmal etwas mit dem Thema zu tun hatte, zweifelsohne bestätigen kann *seufz*
Ach so, da muß ich wohl was verpaßt haben. Kannst ja gerne mal en detail erklären, was der Unterschied zwischen ECZ11 und SPZ11 ist, vor allem, was das Settlement der Kontrakte betrifft.
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Ich halte mich ja schon soweit möglich zurück…
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Also gut: bist Du einer??
@Schneemann
Offensichtlich
Wen interessiert das? Es geht um die mittel- bis langfristige Auswirkung auf den Tauschkurs zwischen zwei Währungen. Angebot und Nachfrage, Du verstehst? Offensichtlich nicht, aber das macht nichts.
Sicher ganz anders als Du. Denn es geht keineswegs um irgendwelche mittel- bis langfristigen Auswirkungen, sondern darum, kurzfristig Trends auszulösen und diese zu fahren, bis Kasse gemacht werden kann. Ob so ein Trend lediglich minuten- oder gar monatelang anhält, ist dabei nachrangig.
@HAL9002
Schöner Artikel – besonders gefällt mir der Satz: “Spekulation und Spekulantentum soll aus der Kritik nicht ausgenommen werden, sondern vielmehr einbezogen werden in einer gesamtgesellschaftliche Sozialkritik, deren Antikapitalismus sich nicht an bloßen Aspekten abarbeitet, und dadurch unrichtig wird”. Diesen Satz kann ich voll und ganz unterstreichen.
@Schneemann
Ich weiß nicht, was diese Rabulstik soll. Was steht im Artikel? Schreibe ich, dass Spekulanten keine kurzfristigen Schwankungen auslösen können, um Gewinne einzustreichen? Nein, das schreibe ich nicht – im Gegenteil, ich schreibe:
Zweifelsohne kann eine Gruppe von finanzstarken Spekulanten kurzfristig sogar den Eurokurs drücken, dieser Effekt ist allerdings zeitlich begrenzt.
Eben nicht, wenn man – wie Politik und Medien – Spekulationen für langfristige Währungskursentwicklungen verantwortlich macht. Dem Spekulanten geht es um Minuten, Stunden, vielleicht sogar Tage, die Mittel den Euro-Dollar-Kurs langfristig, fundamental und irreversibel zu manipulieren, hat er nicht … und daran hat er auch gar kein Interesse.
Da hätt ich auch noch ne Frage. Wieso soll das ein Nullsummenspiel sein? Wenn ich als Spekulant es schaffe, die anderen Marktteilnehmer zu überzeugen, dass der Euro Müll ist, treff ich doch bei Rückkauf auf weniger Nachfrage nach Euro und höheres Angebot an Euro. Ein Nullsummenspiel ist es doch nur, wenn die Anzahl derer, die Euros kaufen wollen und das Volumen sich nicht geändert hat. Das will ich doch aber als Spekulant gerade erreichen.
Was die Möglichkeiten der Spekulation angeht, würde ich auch die “Herde” mit einbeziehen.(Ein hypothetisches Beispiel:) Ackermann hats doch mal wieder gezeigt, borgt sich bei der FED nen paar Dollars, erzaehlt bei Illner, Griechenland schaffe es nicht, alle fliehen in CHF, Norwegische Kronen und Dollars und der Josef verkauft dabei seine Dollars zu besserem Kurs. Dirk Müller meinte ebenso, das Auftauchen des Französischen Francs auf der Wallstreettafel war sicher kein Zufall. Um mal eben die “Herde” in Gang zu setzen.
Ich als Ami würde mich trotzdem freuen, ich verkaufe meine wertlosen Treasury-Bills, tausche gegen Euro und kaufe hier ein paar schöne Sachwerte (Ja, die Zahl der EUR Verkäufer muss dafür größer sein). Und danach, führ ich den Staatsbankrott auf.
Ob der Spekulant nun Schuld ist oder nicht, Regulierung wirds mit Sicherheit nicht geben. Vereinigte Staaten von Europa mit Wohlfahrt etc., sicher auch nicht, wem würde das nützen? Dem kleinen Mann – genau deshalb wirds das nicht geben. Wieso sollte ich denn überhaupt ein Europa wollen? Je weiter weg die Entscheidung, desto weniger Einfluss, desto weniger Demokratie.
@SF #30:
Nagut, ich nehm alles zurück, langfristig wird sich das ausgleichen.
Aber langfristig ist doch dem Spekulanten eh egal.
Den ?/$ Markt kann niemand gezielt beeinflussen. Z. B. auch kein Warren Buffet. Der Euro ist über 7 Jahre von 0,8 auf 1,6 Dollar gestiegen. Es gab aber innerhalb dieses Zeitraums eine Zwischenerholung des $ auf ca 1,17. Ich meine das was Anfang 2006. Also müßte die Erholung des $ in 2005 gelaufen sein. Das war das Jahr in dem Buffet auf einen fallenden $ wettete und sich im Mrd-Bereich eine blutige Nase geholt hat. Und das obwohl sein Wort die Märkte beeinflussen kann. Buffet meinte, das der $ wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits der USA weiter fallen müsse. Das meinte damals jeder. Aber in 2005 zog das nicht. Der $ fiel ja auch ab 2006 dann wieder. Aber in 2005 lag Buffet daneben. Die Spekulanten tappen mit Sicherheit auch beständig bezüglich der Kursentwicklung im Dunkeln. Was war mit denjenigen Spekulanten die den $ am Tag nach der Verkündung des 750 Mrd Rettungsschirms auf über 1,30 trieben? Haben die Kasse gemacht, wenn er jetzt wieder bei 1,23 steht? Jeder Amateur hätte darauf wetten können, das die 1,30 in der jetzigen Situation nicht halten würden. Aber wahrscheinlich gab es Spekulanten die das Gegenteil glaubten.
Es gerät zunehmend außer Kontrolle – Rumäniens Polizeigewerkschaft ruft zu Regierungssturz auf
Thousands protest over Romania austerity measures
http://news.bbc.co.uk/2/hi/world/europe/10127366.stm
Die zusammengenagelte und zusammengescharrte EU steht vor dem Gau.
Der Balkan wird schlimmer als Griechenland.
Die Realität wird die Theorie autperformen.
Der Volkszorn, so wie Du schreibst, SF, wird sich von außen nach innen seinen Weg suchen.
Madame Short und ihre Berater werden sich den Untiefen ihrer Banalitäten stellen müssen.
Die CDU hat keine Antworten auf diese Entwicklungen.
Und mit Steinmeier nutzt man nur ein infiziertes Pflaster für eine morbide EU.
Eine Rettung für den Euro kann ich nicht erkennen. Nur Nebel und Dummheit.
Das muss sicher “auf” heißen ;)
Laut Wikipedia bedeutet das: Wortverdreherei oder Haarspalterei
Du schriebst, was ich Dir ankreide:
Denn dies ist einfach nicht der Fall. Spekulanten lösen Trends aus, die großen Finanzströme folgen. Wie ein kleines Rinnsal einen Dammbruch verursachen kann. Das war bei Griechenland so, das ist beim Rohöl so (guck mal, wer da – an Spekulanten – tankerweise den Saft bunkert), das ist bei den Devisenterminkontrakten nicht anders. Und um ebensolche handelt es sich, was Du im Artikel gar nicht erwähnst — bei der Lektüre Deiner Auslassungen mag beim unbedarften Leser der falsche Eindruck entstehen, der drei oder vier Billionen schwere Devisenmarkt wäre der Spotmarkt, wo tatsächlich Ware resp. Devisen den Besitzer wechselt/n.
Du hast Expertise ins Spiel gebracht, ich fragte nach Deiner, bislang vergeblich, daher versuchte ich Dir den Schwachpunkt Deiner Argumentation aufzuzeigen.
Jens, bei Diskussionen fällt Deinerseits ungewohnt häufig der Begriff Unfug oder Blödsinn, weshalb Deine Ausführungen etwas besser unterlegt sein sollten.
Mir fällt schwer zu verstehen, wieso Du die Großspekulanten so leichtfertig davonkommen lassen willst. Merkel hat das erste Mal seit Jahrzehnten einen positiven politischen Schritt geschafft, da darf das gemeine Volk dieses Ereignis auch goutieren. Das System ist zwar am Ende, dennoch wird kein Politiker den Schritt zu weitergehenden, wirksamen Verbesserungen schaffen. Um so mehr ist es erfreulich, daß der Hedgefondsgemeinde schon mal die Flügel gestutzt werden. Genau diesen Punkt vermisse ich in Deinem Artikel, ebenso wie ein wenig mehr Verständnis über die Funktionsweise der Spekulation.
Zuguterletzt schreibst Du:
Wiederum, was ein paar gezielte Gerüchte, Insiderinformationen und geballte finanzielle Potenz bewirken können, ist jenseits der Vorstellungskraft der meisten Marktteilnehmer. Die Märkte sind zum Spielball des internationalen Großkapitals verkommen, auch wenn Du es nicht wahrhaben willst.
Erst lese ich, dass im Jahre 2000 der Dollar zu einer Hartwährung wurde, was der US-Wirtschaft einen herben Schlag verpasse. Einen Absatz weiter lese ich, dass ein ultraharter Eurokurs unserer Wirtschaft Nachteile bereitet.
Daraus könnte man folgern, dass nur Weichwährungen wirtschaftlichen Erfolg garantieren. Aber das stimmt nicht, sonst müssten Weichwährungsländer erfolgreich sein, was sie nie waren. Eine weiche Währung hat den Nachteil, dass Rohstoffe auf dem Weltmarkt teuer eingekauft werden müssen. Demnach ist der Umrechnungskurs niemals ?richtig?, was mir aus meiner beruflichen Praxis seit Jahren bekannt ist. Logische Stringenz sieht anders aus.
Dass Spekulanten an allem Schuld wären, glauben doch nur die Leser der BILD-Zeitung. Wenn man hier darauf eingehen muss?..
Es ist völlig richtig, dass Politiker keine Fachauthoritäten sind, das ist nun einmal in einer repräsentativen Demokratie so, in der die Ressorts ständig wechseln. Dafür haben sie ihre Ministerien und ihre externen Berater, z.B. die ?Wirtschaftsweisen?. Man kann den Politikern keinen Vorwurf machen, dass sich nicht wissen, wo es langgehen soll, wenn sie nur ökonomische Dampfplauderer als Berater haben, die es selbst nicht wissen.
Börsenblut und Volksverdummung.
Der Sensenmann wütet – Deflationsschock voraus.
Machiavelli für Zeitgenossen.
… oder even better: Warum eigentlich nur einen Euro Wechselkurs?
In Venezuela gibts schliesslich inzwischen auch 4 Wechselkurs… In Peru unter Alán García gabs sogar mal 14.
1 Wechselkurs für Waren aus und nach Spanien, Griechenland, Italien und Portugal.
Ein anderer für Frankreich. Ein anderer für West-Deutschland. Und noch einer für Ost-Deutschland…
So können wirkliche Experten den Kurs bestimmen, der voll gut für die jeweilige Wirtschaft ist.
;-)
@Schneemann
Dies ist eine Vermutung, die weder empirisch noch analytisch belegbar ist.
Nein, das war bei Griechenland nicht(!) so. Ich weiß, wir zwei hatten den Streit schon damals. Zeig mir doch bitte einen Marktbericht, der Dir Recht gibt und widerrufe gerne.
Dieser Eindruck wäre freilich falsch.
Das will ich nicht(!), herrjeh. Ich würde selbst lieber heute als morgen sehen, dass ihnen das Handwerk gelegt wird.
Nein! (Entschuldige meinen schroffen Ton) Das hat sie ja eben nicht! Was hat sie denn getan? Konkret? Sie hat dem Volk nach dem Maul geplappert und bislang nichts(!), aber auch gar nichts(!), getan, das gegen Spekulanten oder gar gegen die Märkte gerichtet ist. Einfach nur Ressentiments ausnutzen und populistisch daherzureden, reicht nicht. Ich (und wahrscheinlich jeder hier) will Taten und keine Worte sehen. Und was ich momentan sehe, ist nun einmal bestenfalls das Wattebäuschchen.
Aber wo denn? Lass Dich doch bitte nicht blenden. Was wurde denn beschloßen? Noch nichts, ok – aber was wurde als Arbeitspapier vorgelegt? Hier geht es nur um Transparenzregeln, die unter den Regeln in Deutschland stehen und keinem Hedgefonds in London Probleme bereiten. Das ist Symbolpolitik, nicht mehr.
Oh, dieser – und andere Punkte – zu den nicht vorhandenen Regulierungen, die diese Woche “gefeiert” werden, kommen morgen in einen separaten Artikel.
Geschenkt ;-)
Ich glaube Dir ja 100%, dass Du es gut meinst – aber Übertreibungen helfen nun einmal nicht weiter.
Mir kommt es so vor, als wenn es eigendlich garnicht mehr nur daum gehen sollte, die Finanzmaerkte so zu regulieren, dass sie keinen zu grossen Schaden anrichten koennen. Man muesste doch grundsaetzlich eroertern welche grundlegende Funktion diese Maerkte haben sollen und den “Marktplatz” dann dementsprechend regulatorisch auslegen.
Beispielsweise wurde von einem Oekonomen, dessen Name mir gerade entfaellt, vorgeschlagen, dass der Handel nicht jeden Tag statt finden muss, sondern auch einmal pro Woche oder Monat ausreicht. Das haette den heilenden Effekt, so der Herr Wissenschaftler, dass Massenhysterien bei den Anlegern nicht mehr binnen 24 Stunden zum Kursturz fuehren, sondern ihnen sozusagen eine gewisse Bedenkzeit aufgezwungen wird…
Ich bin nur ein bescheidener Oekonomiestudent, aber ich finde diesen Ansatz, den Finanzmarktplatz grundlegend zu hinterfragen konsequenter als an den verschiedenen Flickschustereien der Politik herumzukritteln.
Ich bin gespannt auf Reaktionen.
@41: Das dürfte wohl eher dazu führen, dass sich der Handel noch weiter neben die Börse verabschiedet. Soweit ich weiß, werden heute schon hübsche Sümmchen außerhalb der offiziellen Handelszeiten verschoben. Aber auch ich bin nur “bescheidener Ökonomiestudent” und habe wenig Zeit, alle Facetten kennenzulernen. Aber Bildung ist wieder ein anderes Thema und beim Auto-Anthropophag gerade in der Mache.
Wie sagte man in meiner Studienzeit so schön: zwei Volkswirte, drei Meinungen.
Bei aller berechtigter Kritik am Populismus der Regierenden: War es nicht die BaFin, die die ungedeckten Leerverkäufe verboten hat?
Was ist schlecht daran, sie zu verbieten? Wem schadet das? Zu den fallenden Aktien-Kursen sehe ich keinen Zusammenhang, weil im Moment die Kurse auch fallen wuerden, wenn ein Sack Reis irgendwo umfaellt. Die Märkte sind seit über einem Jahrzehnt außer Rand und Band und kurzfristige Ausschläge werden oftmals mit tagesaktuellen Neuigkeiten auf haarsträubende Weise begründet.
Stiglitz begrüßt übrigens den deutschen Schritt und ist für die Einführung einer Transaktionssteuer:
“Der US-amerikanische Finanzmarkt hat die ganze Welt mit seinen vergifteten Hypotheken verschmutzt, und nun ist es Zeit, die Verschmutzung und ihre Verursacher zu besteuern. ”
Wünschenswert sind natürlich keine nationalen Alleingänge, sondern internationale Abkommen. Nur wird es leider dazu niemals kommen – zuviele Lobbyisten und bezahlte “ExpertInnen” bis in die Regierungen hinein. Die Herrschaft des Geld eben!
Ich habe irgendwo gelesen, dass in den USA im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 ungedeckte Leerverkäufe verboten worden sind und erst in den letzten 10 Jahren wieder zugelassen worden sind? Stimmt das?
@ goldman sachs #8
kannst Du diese Behauptung belegen? Die Zahlen der Bundesbank geben etwas anderes her, werden hier zitiert
http://geld-arbeitet-nicht.jimdo.com/25-eigenkapitalrendite/
zur Hebelwirkung siehe hier
http://geld-arbeitet-nicht.jimdo.com/schulden-erhöhen-rendite/
wenn also die EK-Rendite der deutschen Industrie seit Jahren über 30% pa liegt und keinerlei Tendenz nach unten zeigt, kann Deine Behauptung nicht richtig sein.
Ist Dir bewußt, dass die “Renditen” der Finanzwirtschaft auf Provisionen und nicht auf “Handelsgewinnen” beruhen? siehe hier
http://geld-arbeitet-nicht.jimdo.com/ursachen-der-finanzkrise/
Kann mir jemand das mit der Zweckgesellschaft nach luxemburgischem Recht für die deutsche Beteiligung am Euro Rettungsschirm erklären, wovon im Bundestag geredet wurde? Und ist es wirklich wahr, dass die Parlamentarier lediglich ein DIN A 4 Blatt mit Informationen über das Gesetz ausgestellt bekommen, bevor sie das Ganze durchwinken sollen?
Dann haben wir gaaanz andere Probleme ;-)
@kaffee ole
mindestens ;-)
Das weiß ich noch nicht einmal … aber langsam und von vorne: Richtig ist, dass die BaFi eine Order erlassen hat, die ungedeckte Leerverkäufe von deutschen und österreichischen Staatsanleihen und deutschen Bankenaktien meldepflichtig macht. Das gilt natürlich nur an deutschen Börsen und ist mit derart vielen Ausnahmeregelungen versehen (z.B. müss beidie Gegenparteien Deutsche sein), dass es eigentlich nur noch ein Witz ist. Und wie gesagt: Ich habe bislang nur Dokumente erhalten, die von einer Meldepflicht, nicht aber von einem Verbot sprechen, vielleicht kann die BaFin heute dieses Missverständnis ausräumen.
Es ist richtig, sie zu verbieten – auch wenn die Fnanzwelt anderer Meinung ist.
Nur, dass in Deutschland niemand von einer Transaktionssteuer spricht. Es geht um eine Finanzmarktsteuer – was sich dahinter verbirgt, weiß bislang nur das Merkel.
Nein, dass stimmt so nicht. Im “Securities Exchange Act of 1934″ wurden allerdings Reglementierungen eingeführt, die de facto ungedeckte Leerverkäufe für den Zeitraum von drei Tagen erlaubten. Erst im Jahr 2005 wurde dieser “Zahlungsausgleichszeitraum” de facto auf 13 Tage ausgeweitet. Von einem Aufweichen der Regeln würde ich allerdings nicht sprechen, da gleichzeitig viele neue Regeln eingeführt wurden. Das Problem ist vielmehr: Kaum jemand hält sich an diese Regeln und es ist sehr schwer, Verstöße überhaupt festzustellen. Ein Großteil der ungedeckten Leerverkäufe in den USA ist immer noch illegal.
Moin Spiegelfechter
gerade lese auf spon:
und paralell dazu seehofer auf tagesschau.de
Wie soll man dieses geeiere denn nun verstehen? Was will Seehofer,? Ist nun Schäulbe derjenige, der Regulierunen sabotiert, oder sabotiert Seehofer Schäuble und spielt dadurch nur dem Hessenkoch und dessen
verfassungswidrigen Vorhaben in die Hände?ps. die "alle einbinden und nichts tun"- strategie unserer obersten Kaltmamsell sei hier mal außen vorgelassen
@Geheimrätin
Dazu schreibe ich gerade – nur kurz: Schäuble scheint die Propagandamaschine nicht verstanden zu haben. Ein Finanzmarkttransaktionsteuer ist nicht gewollt und sie wird auch nicht kommen.
@ Jens
Da bin ich anderer Meinung: wenn die Hohlköpfe aus den ersten Reihen auf die feinsinnige Idee kommen, einen Unterschied zwischen langfristigem Investment und täglicher Zockerei zu machen, dann erkennen sie irgendwann auch die Notwendigkeit einer Finanzmarkttransaktionsteuer. Zudem wird sich der Druck aus der Bevölkerung und den alternativen Medien weiter erhöhen.
Kommt ja nicht oft vor, aber ich hoffe sehr, dass Du mit der Aussage falsch liegst ;-)
Hallo,
Jens, ich glaube, den wichtigsten Punkt hast du übersehen. Ein schwacher Euro ist erwünscht. Dadurch können die europäischen Exportnationen ihre Exporte ins Ausland explosionsartig steigern.
Und die Geschäfte mit Griechenland (Kredite zum Ankauf von deutschen Rüstungsgütern) dienen auch wieder nur dazu, deutsche Exporte zu stärken.
Auch die so gut wie abgeschlossene Umwandlung Deutschlands in ein Niedriglohnland dient allein der heiligen Kuh “Export”.
Und wenn man dann wie gestern Abend bei Friedmann den Elmar Brok hörte (steht in Lohn bei Bertelsmann, war einer der Architekten der unsäglichen EU-Verfassung), merkt man, daß es garnicht geplant ist, irgendwas zu reglementieren. Das sind einfach nur Nebelkerzen für das “einfache Volk” damit die auch ja den Gürtel enger schnallen. Die Ausreden sind die üblichen – das geht nur International.
Eine echte Regulierung des Finanzmarktes wird es nicht geben.
Eine Regulierung der Wirtschaft wird es nicht geben.
Die Bürger werden auf dem Altar des heiligen Mammons geopfert.
Deutschland spart sich zu Tode. Wir müssen den Gürtel enger schnallen? Hallo? Was für einen Gürtel, den hat man uns schon lange abgenommen, genau wie das letzte Hemd.
Und die SPD hurt fleissig der CDU hinterher, siehe Nordrheinwestfalen. Die kriechen sich alle gegenseitig in den Arsch und alle zusammen den Bertelsmännern, Albrechts und co. Da ist keiner mehr ein gewählter “Volksvertreter”, alles nur noch bezahlte Pfeifen in Nadelstreifen, der mit dem besten Marketing gewinnt die Wahl wobei es eine echte Wahl garnicht gibt.
Schöne neue, alte Welt.
gruß
@Cornelius:
Zu wünschen wäre es. Ich bezweifle es allerdings ganz heftig. Zur Not wird eben damit argumentiert, daß sonst das “scheue Reh” Kapital sich verabschiedet und dahin geht, wo’s nicht reguliert wird.
@Olaf: Was den Over-The-Counter-Handel angeht (OTC) (d.h. außerhalb der Börse), das ist für einfache Anlegen keine Alternative. Und gerade die lassen sich ja gerne mal in eine Hysterie hineinreißen. Denen wäre damit schon “geholfen”. Übrigens ist OTC-Handel ja auch nicht ganz ohne, d.h. nicht ohne Risiko. Genau deswegen hat man ja den Börsenhandel mit Clearing dabei.
@Kaffee Ole: Ungedeckte Leerverkäufe sind problematisch, weil man das Spekulationsgut (sei es Getriede, Öl, whatever) eben nicht tatsächlich erwerben muß. Geringer Kapitaleinsatz – hoher Hebel. Das kann für den Spekulanten daneben gehen, aber das ist nebensächlich. Schlimmer ist, daß auf diesem Wege die Preise volatil werden können. Hat man z.B. bei Lebensmitteln schon gesehen.
Üblicherweise werden solche Verkäufe dann “glattgestellt”, d.h. es wird lediglich der Reingewinn eingestrichen bzw. der Verlust ausgeglichen, ohne daß die Güter tatsächlich erworben und transferiert werden. Daran haben die allermeisten Spekulanten keinerlei Interesse.
Daraus folgt auch, daß die Güter, auf die spekuliert wird, gar nicht vorhanden sein müssen. Die Folgen kannst Du Dir ausrechnen.
Die Reform des Finanzsystems ist halt unweigerlich kompliziert.
Ich persönlich halte den Aktionismus der letzten Tage eher für ein gutes Zeichen.
Das zeigt mir, dass der Wille zu Änderung da ist.
Auf liberaler Seite scheint man Mindestreserven zu bevorzugen. So sollen die Hebel der Jungs in der Finanzwelt zurechtgestutzt werden. Wird allerdings eine Riesen-Diskussion geben, welche Mindestreserve für welches Instrument. Und dann das ganze noch International, d.h. eine weitere Dimension an unterschiedlichen Vorstellungen.
Mal sehen, was der G20 Gipfel jetzt bringt.
Euro hat nochmal ganz andere Aspekte.
Umfragen in Spanien zeigen, dass der Euro dort wegen seiner Stabilität beim Volk sehr beliebt war. Funktioniert hat er nicht. Die waren an mehr Inflation als Nord-Europa gewöhnt und so benötigten die eine Senkung des Preisniveaus, um wieder ausreichend wettbewerbsfähig zu werden. Krugman nennt hier eine Zahl von 30%. Eine solche Senkung ist allerdings sehr schwierig und hat in der Zukunft nie wirklich funktioniert. Ein gutes Beispiel ist etwa die Argentinien-Krise 1998-2002. Aktuell steigen in Spanien trotz 20% Arbeitslosigkeit die Preise immer noch ein wenig mehr als in Nord-Europa. Deren Wettbewerbsfähigkeit nimmt also weiter ab.
Die Schwankungen des Wechselkurses zum Dollar hat offenbar unserer Exportwirtschaft nicht so irrsinnig geschadet. Zum Errechnen des gesunden Gleichgewichtskurs zwischen Währungen dominiert die Kaufkraftparitäts-Theorie. Meine mich zu erinnern letztens gelesen zu haben, dass danach der Euro-Kurs bei zwischen 1,10 und 1,15 $ liegen würde. Damit wär der Euro zur Zeit immer noch überbewertet.
Mövenpick-Partei auf 3% abgestürzt.
Die brauchen jetzt einen guten Psychiater.
Der Gysi könnte da helfen.
@ Outlook
3 %? Das geht ja runter wie Öl!
Dürfte nicht mehr allzu lang dauern, dass die Mövenpick-Partei in kein einziges Parlament mehr einzieht.
Wow, die Forschungsgruppe Wahlen misst die FDP tatsächlich mit 3%:
http://www.wahlrecht.de/umfragen/politbarometer/stimmung.htm
Kann das sein? Die Piraten haben weniger Unterstützung als die FDP?
Btw: Gibt es eigentlich Daten darüber, inwiefern die verschiedenen Formen der Risikoabsicherung wie etwa Leerverkäufe tatsächlich zu diesem originären Zweck eingesetzt werden?
Gysi ist aber Rechtsanwalt… ;-)
@lago, das mit den 3% für die FDP ist simples politisches Kunsthandwerk.
Wie macht man die FDP zu einer “5%-Prozent MINUS” -Partei?
Ganz einfach: Frau Merkel macht nach der Bundestagswahl erstmal garnichts . Es macht sich ein Vakuum breit und in diesem Vakuum läßt sie die FDP ihr Megaprojekt von der Steuersenkung aufblasen – aber nur solange, bis sich die Mehrheit der Bevölkerung dafür (d.h GEGEN Steuersenkungen) ausspricht. Merkels Freundin Friede Springer läßt im Dauerfeuer ihre BILD die Umfragen drucken, dass die Deutschen niedrigere Steuern angewidert ablehnen (d.h. die FDP). Dann mengt Friede Springer noch etwas Mövenpick nei!
Jetzt muss die Sache noch etwas vor sich hinköcheln, bis das Mövenpick sich gut neigmischt hat. DANN stellt Dr. Merkel die FDP-Granden aus dem Hinterhalt vor die “Schicksalsfrage” nach dem TINA-Prinzip (There is no Alternative): Wollt ihr das totale EUR 750 Mrd.-Paket? Wollt ihr es, totaler als ihr es euch überhaupt als liberale Partei vorstellen könnt??? Wollt ihr die Mega-Steuererhöhung statt Mega-Steuersenkung?? Wollt ihr sie ?? JAAAA????
Ergebnis:
FDP unter 3%
Dr. Merkel über 50% (=große Koalition)
@Label , wenn Herr Lafontaine Psychiater wäre, könnte die FDP einiges von ihm lernen!
Herr Lafontaine hat einen politischen Chaotenhaufen quasi zu einer Kaderpartei neuen Typs wie die Linke zusammengeschweißt! Bei der FDP läuft es genau andersrum und viiiieeeel schneller ab!
Auch Herr Lafontaine würde es nicht schaffen, aus der FDP wieder eine Kaderpartei des Kapitals zu machen! Die FDP wird sich nämlich zerlegen in viele braune Kaderparteien und aus dem heimatlosen “liberalen” Sumpf steigen populistische Sekten der übelsten Art auf.
Schwere Zeiten kommen auf unseren Verfassungsschutz zu, er wird bald den Überblick über die braunen “(neo)liberalen” Blasen verlieren!
Das heißt Unrechtsanwalt, verdammt nochmal. So wird das doch nie was mit der Regierungsfähigkeit …
Ups, ist es die “Neue Weltordnung”, die auf dem Index steht oder “nur” die “VT”? Womöglich beides?
Jens, kannst Du freundlicherweise für Aufklärung sorgen? Danke!
@44 Geronimo, du willst mit den Unternehmensstatistiken der Bundesbank belegen, dass die ? ?die EK-Rendite der deutschen Industrie (?) keinerlei Tendenz nach unten zeigt?. Somit könne meine These, dass ?dass die Renditen in der sog. Realwirtschaft (?) in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich rückläufig waren?, ?nicht richtig sein.?
Diese Statistiken der Bundesbank 1994-2007 -die glaub ich 20.000 Abschlüsse (auf dem Papier) erfassen sollen- sind mir durchaus bekannt. Gegenüber 1994 (=Index 100) stieg das Jahresergebnis v. St. auf 343, die (berichtigten) Eigenmittel unterproportional auf 258, dementsprechend kletterte die EK-Rendite nach oben. Übrigens stieg nach dieser zu schönen Statistik im gleichen Zeitraum die Bilanzsumme auf 139 Punkte, sodaß die EK-Quote überproportional auf 34% kletterte. Die Gesamtleistung verbesserte sich übrigens gleichzeitig auf 158 Punkte, das Ergebnis v.St. aber auf 343, sodaß die Vorsteuerrendite von 2,5% (1994) auf 5,4% (2007) schoss. Saldiert man Bankguthaben und Bankverbindlichkeiten, so schrumpfte der Saldo auf 1994-2007 auf 61.
Was soll man von solchen Statistiken halten? Ich halte mich in solchen Dingen nie an Statistiken, sondern erstmal an meine eigenen Erfahrungen in Corporate Finance. Ich habe schon mehr als eine Serie von Abschlüssen analysiert und schon mehr als einen Plausch mit erfahrenen Unternehmern geführt. Wie schon gesagt hat sich die Bilanzierung in Deutschland in o.g. Zeitraum grundlegend gedreht und die Ziele sind diametral verschieden, früher wurde wenig gezeigt, heute viel. Das bildet sich in papiernen Statistiken ab, die von manchen mit der Realität verwechselt werden.
“Der langfristige Effekt auf den Devisenkurs ist damit gleich Null.” Gewiss – langfristig sind wir alle tot. Interessant ist für uns jedoch, was zwischendurch passiert.
Vor einigen Tagen sauste der amerikanische Aktienindex plötzlich in den Keller, um sich nach wenigen Stunden wieder auf das ursprüngliche Niveau einzupendeln. Langfristig war nichts passiert, kurzfristig hatten diejenigen, die in der Zwischenzeit verkauften, ohne es zu wissen an einem Umverteilungsspiel teilgenommen, bei dem diejenigen, die den Kursverfall zum Kauf nutzten, gewannen was erstere verloren. Gänzlich sinnfrei sind Spekulationen, insbesondere wenn man sie mit Marktmacht manipulieren kann, also nicht.
Dass die Politik im Falle der Spekulanten “Haltet den Dieb!” ruft, um von eigenem Versagen abzulenken, nervt mich auch. Wer hat denn den Bösewichten per Gesetz das Spielfeld eröffnet?
Was mich mehr interessiert, ist die geänderte Wahrnehmung unserer Gesellschaft, die auch in diesem Artikel auftaucht. Warum sollte “Spekulant” ein Unwort sein?
Ich erinnere mich an ein paar Texte zur ersten Weltwirtschaftskrise, in denen die Begriffe “Börse” und “Spekulation” ganz selbstverständlich gekoppelt waren. Wer damals an die Börse ging, war Spekulant. Man spekulierte an der Aktienbörse. Die Spekulation war aufgegangen. Man hatte mit Börsenspekulation viel gewonnen.
Heute gelten die gleichen Leute, die damals Glücksträger weil Spekulanten waren, als Leistungsträger, da sie heute als “Investoren” firmieren, als würden sie mit ihrem Geld nicht überwiegend Nullsummenspiele, sondern Plussummenspiele, also reale Wirtschaft befeuern. Wer hat dafür gesorgt, dass dies heute so gesehen wird? Entspricht diese Sichtweise der Realität?
Dann noch eine weitere Frage zu den Leerverkäufen: “Bei einem gedeckten Leerverkauf, leiht sich ein Spekulant, der beispielsweise auf einen fallenden Euro wettet, heute eine Summe in Euro, tauscht sie gegen Dollar und muss das Geld zu einem vereinbarten Zeitpunkt in Euro zurückzahlen.”
Diese Erklärung scheint mir nicht ganz vollständig zu sein, denn es entsteht dabei für den Leihgeber ein Verlust. Warum sollte der Vermögenswertbesitzer seinen Vermögenswert (Aktie, Anleihe, Währung etc.) an jemanden verleihen, der dann diesen Wert in den Keller spekuliert? Selbst wenn er eine Gebühr für die Ausleihe erhält, steht er doch am Ende womöglich schlechter da, als vorher.
Hallo Spiegelfechter,
wir sind zwar Befürworter des “alten Finanzssystems” mit all seinen Möglichkeit der individuellen Loslösung aus den Zwängen der Produktionsgesellschaft (=individuelle Freiheit). Unserer Meinung nach wird zu Unrecht die sogenannte “Realwirtschaft” hochgehalten. Es ist eigentlich ein Konstrukt aus der Wissenschaft, dass als Krücke zur Unterscheidung in der akad. Diskussion dienen sollte, aber mit der Realität nichts zu tun hat und derweil als Kampfbegriff gebraucht wird. Dabei wird geflissentlich ignoriert, dass die Welt sich längst weitergedreht hat – nämlich zur Dienstleistungsgesellschaft hin und dass die Finanzwirtschaft, ebenso wie viele andere Bereiche – Berater, Ideenträger für Werbeideen oder Entwickler (z.B. von Avataren, virtuellen Spielen, Marktwert für Werbung wie Fussballer etc etc.) dazu gehört und im Prinzip alleine durch das Volumen die “eigentliche Realwirtschaft” bildet. Insoweit sind wir natürlich passagenweise anderer Auffassung – ABER – in großen Zügen trifft Deine Analyse den Kern der Sache.
Als Anregung zu möglichen Hintergründen möchten wir nicht versäumen ein Ei, das wir an anderer Stelle auch schon platziert haben, auch hier zu hinterlegen um vielleicht die eine oder andere Überlegung zur Diskussion zu stellen:
Also bitte:
Wessen Gläubiger waren drauf und dran eine zweite Leitwährung, nämlich den EUR, zu diskutieren und vielleicht sogar zu akzeptieren? Was wäre passiert, wenn es so weiter gegangen wäre mit dem steigenden EUR? Massive Umschichtungen zu Gunsten EUR und zu Lasten USD (China, Arabische Länder etc.)? Die Dollarschwäche hätte dadurch an Dynamik gewonnen. Ganz zu schweigen von der defizitären Grundsituation, die in USA schlimmer ist als in Europa. Kann es nicht sein, dass nun Frau Merkel die Exportunterstützung durch den schwachen EUR als Trostpflaster bekam, dass sie die Schuld auf die Finanzwelt und die Spekulanten schieben kann – sich mit der SPD durch neue Gemeinsamkeiten aussöhnen kann und eine zukünftig mögliche Dauergroßkoalition das Problem der lästigen kleinen Parteien (FDP und LINKE) löst? Zwei sinkende Sterne vereinen sich um politische Legitimität einer Mehrheit zu fingieren, die letztendlich nur noch aus vielleicht 30% der Gesamtbevölkerung besteht (wie in USA!). Nebenbei erledigt sich dieses für die USA lästige Europa z.B. durch unmöglich einzuhaltende IWF Bedingungen für Griechenland nach denen Europa sich früher oder später auseinander dividiert (und schwächer wird). Vielleicht schwächt sich auch Europa noch nebenbei selbst ein bisschen durch eine schwachsinnige Transaktionssteuer im Alleingang (positiv für SPD Annäherung der CDU) die nach diesem Szenario die USA selbstverständlich nicht einführen werden. Na ja – und als Trostpflaster – wer sagt schon nein zu zusätzlichem Geld in der Kasse? War nicht auch die CDU gegen die Schrödersche Ostseepipeline und Annäherung zu Russland mit Achse Frankreich Deutschland? Hätte die CDU nicht im Irak mitgemacht an der Seite der USA? Hat nicht die USA einen Keil zwischen Europäer getrieben, in dem sie den Konflikt mit Russland durch Raketenabwehr befördert hatte oder neues von altem Europa trennen wollte? Die CDU als Paladin der USA in Europa? Obama der cleverere Bush? Ist die Idee des Dollar als Waffe zum Machterhalt bei brökelndem eigenen ökonomischen Umfeld wirklich nur ein Sommermärchen?