Hühner und die Rezession
geschrieben am 22. Januar 2008 von Spiegelfechter
Ein Gespenst geht um in der Medienberichterstattung – dieses Gespenst heißt „Rezession“ und wird eigentlich immer dann beschworen, wenn es darum geht, dass Arbeitnehmer, Wähler oder – einfacher ausgedrückt – die unteren 95% bittere Pillen verschrieben bekommen sollen. Momentan geht es allerdings „noch“ nicht um die übliche „Gürtel enger schnallen“ Rhetorik, sondern um einen Haufen kopfloser, aufgescheuchter Hühner – im Volksmund „Börsianer“ genannt.
„Börsianer“ sind ein seltsamer Menschenschlag. Logik und Kausalitätsketten sind ihnen gemeinhin fremd und ihr Erfolgsrezept besteht meist darin, das erste gackernde Huhn zu sein, dem die aufgescheuchte Hühnergruppe hinterher rennt. Die gestrigen und heutigen Verluste werden mit Gerüchten begründet, der Abu Dhabi Staatsfond würde sich aus dem Citibank Investment zurückziehen, nachdem er die Bücher gesehen hätte. Über die Société Général und die Bank of China kursieren Gerüchte, sie würden in Kürze Abschreibungen von jeweils 10 Mrd. US$ bekanntgeben. Die Hühner flattern panisch.
Mit einer Pseudo-Wissenschaft namens technischer Analyse (Charttechnik) „verdienen“ selbsternannte Börsenfachleute Unsummen. Das Geheimnis dieser Kaffeesatzleserei ist allerdings nicht die Mathematik, die hinter den seltsamen Kurven steht, sondern die Suggestionskraft dieser Kurven auf die Akteure.
Es geht an der Börse nun einmal nicht darum „recht“ zu haben, sondern darum, die Massenpsychologie der Hühner richtig einzuschätzen. Der Kurs der Boeing-Aktie brach nach 9/11 um fast die Hälfte ein, obgleich doch jedem klar sein musste, dass durch den Anschlag nicht wesentlich weniger Flugzeuge verkauft werden und die Zeichen auf Krieg stehen, was Boeing, einem der größten Rüstungsunternehmen der Welt, dicke Auftragsbücher verschaffen wird. Querdenker sind nur dann erfolgreich, wenn sie nicht rein ökonomisch denken, sondern ökonomisches Wissen mit einer sehr ausgeprägten Gabe verbinden können, die Psychologie des Hühnerhaufens vorherzusehen.
Momentan haben die „Börsianer“ angeblich Angst vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten. In diesem Satz stecken gleich zwei Fehler. Für die „Börsianer“ ist das, was die Medien „Rezession“ nennen, bezüglich der Vereinigten Staaten längst in die Kurse eingepreist, es geht eher darum, dass die Wachstumsmotoren in den Schwellenländern sich verlangsamen könnten und dadurch die Weltwirtschaft abkühlt – China steht vor dem Problem eines jahrelang überhitzten Wirtschaftswachstums. Wie China auf ein Abflachen des Wachstums reagieren wird, ist eine offene Frage, zumal die chinesische Finanzwirtschaft vor diversen Blasen steht, die zu platzen drohen.
Der zweite Fehler im zitierten Satz, ist die Aussage, die USA stünden vor einer Rezession. Eine Rezession ist ein normaler Bestandteil des Konjunkturzyklus und wäre von daher auch keine Katastrophe. Nur weil die Weltwirtschaft im letzten Jahrzehnt durch die Globalisierung extrem fest war und somit ein langer, kräftiger Aufschwung stattgefunden hat, mögen einige Medien vergessen haben, dass die Konjunktur sich immer noch in Zyklen bewegt. Medien haben auch ein allgemeines Verständnisproblem, wenn es um die Unterscheidung zwischen absoluten und relativen Prognosen geht. Wenn ein Unternehmen meldet, es habe den Gewinn im letzten Jahr um 80% steigern können, so heißt dies erst einmal gar nichts – da es auch 80% von einem einzigen Euro sein könnten. Genau so verhält es sich bei Konjunkturprognosen. Ein Rückgang des amerikanischen Wirtschaftswachstums ist sehr wahrscheinlich, da diverse Rahmenbedingungen (Energiepreise, Immobilienkrise, Zwangsversteigerungen) negativ wirken. Im letzten Jahr hatten die USA 2,5% Wirtschaftswachstum, die FED geht momentan für 2008 ebenfalls von 2,5% Wachstum aus. Es mehren sich aber Stimmen, die einen Rückgang des Wachstums prognostizieren.
Ein Rückgang des Wachstums ist allerdings keine Rezession – als Rezession wird allgemein ein Konjunkturzyklus dann bezeichnet, wenn ein negatives Wirtschaftswachstum vorliegt. Ein Abnehmen der Steigerung des Wirtschaftswachstums ist allerdings mitnichten ein negatives Wirtschaftswachstum, genau so wie ein Gewinnrückgang bei einem Unternehmen nicht automatisch ein Verlust ist. Eigentlich wissen dies die Börsianer und eigentlich wissen dies auch die Medien. Der Crash auf Raten, der der Kreditkrise folgen musste, ist in vollem Gange. Allerdings sollte bei den Kursverlusten an den Börsen so langsam die Talsohle erreicht sein. Seit Beginn des Jahres gab der DAX um 18% nach – ein Gesamtrückgang von über 25% wäre wirtschaftlich kaum zu vertreten, da die Folgen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft zwar sicherlich signifikant sind, aber keinesfalls so bedrohlich, wie es ein Einbruch der Kurse über 25% suggerieren würde.
Aus fallenden Aktienkursen sollte man auch keine negativen Prognosen auf die Realwirtschaft erstellen: Achtmal gab es laut FTD in den letzten 20 Jahren einen “schwarzen Tag” an der Frankfurter Börse, an dem die Kurse um über 5 Prozent fielen. In zumindest sieben der bisherigen acht Fälle folgte dem Aktiendebakel alles andere als ein realwirtschaftlicher Absturz. Nach dem großen Crash 1987, als der Dax fast zehn Prozent verlor, ging wie heute wochenlang die Rezessionsangst um, und die Notenbanken senkten ihre Zinsen. Am Ende gab es nicht den Hauch einer Rezession, sondern im Gegenteil den weltweiten Boom von Ende der 80er-Jahre.
Die herben Verluste zu Wochenbeginn waren daher eher ein reinigendes Gewitter. Die Märkte brauchen unbedingt Volatilität, um das Finanzsystem gesunden zu lasen. Die Unmengen an Geld, die nach der Niedrigzinsphase, die nach 9/11 und der New-Economy Krise eingeleitet wurde, die Märkte überschwemmt haben, stellen ein Risiko dar, da sie auf der Suche nach Rendite bei gesättigten Märkten in immer riskantere Geschäfte „investiert“ werden mussten. Dies ging viel zu lange gut – mit der Kreditkrise (die eine direkte Folge dieser Niedrigzinspolitik ist) kam die Volatilität zurück in die Märkte und bestrafte Anleger, die ihre Risiken nicht richtig eingeschätzt hatten. Dies ist zu begrüßen und die Abschreibungen der Banken (mittlerweile über 100 Mrd. US$) sind nichts anderes als eine „Rücknahme“ des billigen Geldes, dass vor Jahren die Märkte geflutet hat.
Außer den amerikanischen, britischen und spanischen Statistiken aus dem Wohnungsbau und den Verlusten im Bankensektor gibt es keine relevanten Entwicklungen in der Realwirtschaft, die eine Weltwirtschaftskrise begründen könnten. Die Verluste auf den Finanzmärkten sind ein reinigendes Gewitter, das einige Heuschrecken und Hasardeure wegspülen wird und einigen fragwürdigen Finanzpraktiken ein Ende machen wird. Dies ist gut für die Realwirtschaft, da zu einem die Renditeforderungen auf ein realistisches Maß sinken werden und zum anderen tausende Unternehmen nicht mehr akut Gefahr laufen, von PE-Fonds aufgekauft und ausgequetscht zu werden. Nachteilig für die Realwirtschaft werden allerdings strengere Richtlinien für Eigenkapital sein, die die Banken aufstellen werden.
Die Märkte werden sich in den nächsten Tagen wieder beruhigen. Heute hat die FED den Leitzins um 75 Basispunkte gesenkt, was natürlich die Kurse gestärkt hat. Langfristig ist dies schlecht für den Dollarkurs, was wiederum für die US-Wirtschaft kein Nachteil ist. Die Probleme bleiben bei den Europäern.
Momentan sind die Hühner wieder nervös am gackern und rennen aufgescheucht durch die Gegend. Kluge Profis nutzen die Lage aus und nehmen Amateuren ihr Geld ab. In einer derart angespannten Lage, reichen einige große Verkaufsorder um einen Abwärtsstrudel in Gang zu setzen. Gepaart mit Leerverkäufen ist dies ein gigantisches Geschäft für geschickte institutionelle Anleger. In den nächsten Tagen müssen die Leerverkäufe allerdings bedient werden und mittelfristig ist davon auszugehen, dass institutionelle Anleger ihr freies Kapital wieder in die Märkte bringen müssen, womit die Talsohle erreicht sein sollte. Also Abwarten, Tee trinken und die Hühner beobachten.
Jens Berger
Kategorien: Wirtschaft
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Tatsächlich ist es nur gut, dass den Finanzhühnern mal die Flügel gestutzt werden.
Den Obergockel macht aber wieder mal Axel Weber, der tatsächlich erklärt:
“Den Grund für die Finanzmisere sieht Weber bei den Geschäftsbanken: “Deren Jagd nach Rendite ging oft zu Lasten eines ordentlichen Risikomanagements und hat die Kreditvergabestandards aufgeweicht”" (tageschau.de)
ääh, jaaa Herr Weber, aber wäre es nicht Aufgabe von ihnen und ihren Kollegen
gewesen, da vielleicht mal etwas ordnungpolitischen Einsatz zu zeigen?!
ach nein, die Inflation erfordert ja ihren ganzen Einsatz….
Hallo Jens,
ich beginne mal mit dem Schluss des folgenden Artikels.
“Die Krise ist noch lange nicht überstanden. Sie hat in Wahrheit gerade erst begonnen. Das dämmert nun auch den optimistischen Aktienhändlern.”
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1275442
Wenn ich in der Sparte ” Wirtschaft” bei Net-News-Global schaue, wird ganz anderes geschrieben. Nämlich genau das Gegenteil von dem, was Du in Deinem Artikel bringst.
Ich bin auf jeden Fall nicht Deiner Meinung. Mir kann keiner erzählen, dass das nicht bekannt, bzw nicht erwartet wurde. Die Leute die das behaupten, wie Politiker und die Big Bosse, sowie die Börsianer, heucheln uns eh nur ein vor. Das jetzige Systhem ist so nicht mehr zu halten.
@chaolan
Macht nichts ;-)
Ähnlicher Meinung sind z.B.:
- Thomas Fricke
- Tobias Bayer
- Martin Weber
und viele viele andere.
Nicht derjenige, der am lautesten kräht, hat recht. Auch das ist eine “Hühnerweisheit” ;-)
Wieso “nicht meiner Meinung” – natürlich wurde der kleine Einbruch erwartet und natürlich war bekannt, dass im Januar die Kurse um rund 20% sinken können, wenn die US-Geschäftsbanken ihre Gewinnwarnungen etc. pp. herausgeben. Ich habe mW auch irgendwo im Blog geschrieben, dass ich rund 20% Kursverlust für realistisch halte. Nun ist es passiert und zumindest ich bin nach langer Abstinenz wieder investiert.
p.s.: Der momentane Verlust des DJ ist wesentlich(!) geringer, als ich dachte. Ich hätte trotz Bernankes 75 Punkten mit rund 5% gerechnet. Wenn der DJ bei -1% bleibt, oder gar steigt, wird es in Asien heftige Korrekturen nach oben geben und die akute Krise ist erst einmal durch.
Die Bezeichnung “Hühnchen” scheint auch so eine sozialdarwinistische Umschreibung für diejenigen zu sein, denen der mit enormen finanziellen Aufwand betriebene, über Betrugspraktiken abgesicherte, von Insiderwissen geschwämmte mediale Terror aus der “Sei dabei Kauf mit” Propaganda den Kopf abgerissen hat. Die restlichen Wettexperten freuen sich hemmunglos und bilden sich ein, sie hätten die Umverteilungsmaschinerie begriffen. Da kann man insgeheim nur hoffen, dass die Insider noch besser täuschen können, als es ein Hühnchenwettexperte sich in seinen künsten Träumen ausmalen könnte.
Besonders schick wird es, wenn es in diesem Jahr 2008 den Subprime Opfern richtig real an den Kragen geht, und diese sich dann untereinander und allen anderen in allen Verbrechensvarianten Geschichten erzählen werden: erschlagene Kinder, überfallende Banken, Raub, Selbstmorde on tour und all die anderen Delikte, die das Wettbüro Börse gratis mitliefert.
@name
Leider wird da gar nichts passieren. Es wird rund 1 Millionen “Opfer” geben – keines davon mit einer Lobby im Hintergrund. In Deutschland gibt es rund 5 Millionen “Opfer” des “Systems”, die lieber RTL gucken, als sich zu erheben. In den USA ist dies nicht anders.
@Spiegelfechter:
An dem Zahlenmaterial kann etwas nicht stimmen. Laut Berliner Mieterschutzbund beziehen allein in Bln. 600.000 Bürger sog. Transferleistungen. Dem gegenüber wird die Zahl der Erwerbslosen mit nur 300.000 angegeben. Wenn man diese Methode der Desinformation auf den Rest der Republik ansetzt…
Gruß
@Michael
Was für Transferleistungen? Wenn darunter auch Kindergeldzahlungen und BAFÖG sind, so würde ich keineswegs alle Empfänger als “Opfer” bezeichnen.
Der Artikel strahlt etwas viel Selbstsicherheit aus, obwohl das ehrlicher ist, als ein Sowohl-als-auch. Sicher an der Börse ist nur, dass nichts sicher ist.
Die Finanz- und Vertrauenskrise bei den Banken ist ohne Zweifel nicht gelöst und wird noch auf die reale Wirtschaft durchschlagen. Amerika fällt als Wachstumsmotor aus.
Tja Eure Lordschaft,
soweit zur Theorie. Dein Problem ist jedoch, dass die Hühner immer noch dort sind. Und wenn die alle vor lauter Panik “den Hof” verlassen, sieht´s erstma ganz anders aus.
Mein Tip: Wenn Gazprom auf 2$ steht, die selbe Menge nochmal Kaufen. Dann hast nen Schnitt von 7 ;-)
@Anon
*g*
Das ist das Problem mit Hühnern. Vor allem, wenn man ihnen den Kopf abschlägt, laufen sie ziemlich unkontrolliert herum ;-)
-> Gazprom
Was meinst Du, warum ich Gazprom kaufe? Putin ist nicht bekannt dafür, ein kopfloses Huhn zu sein ;-)
p.s.: Ich habe Gazprom auch schon zu 2$ gekauft – das muss so um 2000 herum gewesen sein.
Hab ich Halluzinazionen oder stand da nicht vorher, dass Eure Lordschaft Gazprom für 12 $ gekauft hat??
Die standen heute aber bei rund 35 Euro –> http://ard.gedif.de/ard/kurse_einzelkurs_uebersicht.htm?portal=ard&s=903276&b=2&l=276&n=OAO GAZPROM NAM.AKT.(SP.ADRS REG.S)4/RL
Wo hast Du denn die Aktien gekauft ? Beim selben Händler am Strand, bei dem ich immer meine original Cartier-Uhren kaufe?
ok, wer lesen kann, ist im Vorteil:
Hab mir die falschen Papiere angekuckt es müssten die sein
–> Link funz nicht WKN A0J4TC
Aber dass Du den Text editiert hast, da liege ich richtig. Oder?
@Anon
Nein, Eure Spektabilität haben keine Halluzinationen. Aber der Feind (in Gestalt des Finanzamtes) liest vielleicht ja mal irgendwann mit. Darum behaupte ich jetzt mal kackfrech, es handelt sich nur um ein Börsenspiel *fg*
Der Händler ist schon recht seriös, es handelt sich um die RTS-Aktien und nicht um die Frankfurter Auslandsaktien.
Nachtrag: Nein, die A0J4TC sind ADRs und keine “echten” Aktien
Optimist! Die Banken haben in letzter Zeit über 100Mrd. abgeschrieben, noch zwei/dreimal soviel würden sie oder auch andere Anleger abschreiben müssen – so stand es, wenn ich mich nicht irre, sogar in einem von deinen Texten hier.
Und das geschieht mit Sicherheit nicht in [wenigen?] nächsten Tagen, bis die verbliebenen Bubbles endlich *blub* machen und die Ruhe wieder einkehren kann. Nicht?
Im übrigens, denke ich, dass die spektakuläre Leitzins-Senkung die Endzeitstimmung im Hühnerstall eher anheizen wird, als sie zu kühlen.
Ich rechne fest mit Fortsetzung des Affentheaters in nächsten Monaten.
Gruß,
COPOKA.
PS. Prima Bilder mit den Hühnern :))
@COPOKA
Einen sehr interessanten Gedanken zum Thema “75 Punkte runter” hat übrigens Paul Krugman geäußert. Er spekuliert darauf, dass Bernanke nicht die Fehler machen will, die Japan in die Deflation getrieben haben und nun vorhat, die Inflation erst einmal anzuheizen um den Einfluss der Notenbankpolitik aufrecht zu erhalten. Ein sehr kluger Gedanke, wie ich finde. Dadurch könnte er es schaffen, dass (wie so oft) die Welt für die US-Pleiten zahlt.
@Spiegelfechter:
Mein Fehler, zu allgemein meine Aussage. Wahrscheinlich falsch verstanden. Pardon.
Falls doch richtig verstanden (Du bezogst dich doch auf unseren Pool an nicht in offiziellen Arbeitsverhältnissen stehenden Erwerbsfähigen?):
Die Transferleistungen über die der Berliner Mieterschutzbund schrieb, beinhalteten nur Leistungen zur Bestreitung des sog. Lebensunterhaltes nach dem gültigen Warenkorb. Präziser wurde dort definiert, dass in der Hauptstadt rund 600.000 Bürger unter der sog. ortsüblichen Armutsgrenze leben (Leistungen der Verwaltung inbegriffen). Wenn ich diese Zahl der offiziellen Zahl der Agentur für Lohnsklaven gegenüberstelle ergibt sich eine beachtliche Diskrepanz. Mich selbst aus dem Fenster lehnend würde ich aber feststellen, dass die Agentur in Bln. die gleichen Mittel und Methoden zur Zahlenmanipulation verwendet, wie die anderen Niederlassungen im Rest der Republik.
wie bitte will er eine inflation “anheizen” (höhö), wenn er die zinsen senkt? die sollen übrigens bis april auf 2,75 runter – siehe hier. bin ja mal gespannt auf die inflation aus dem niedrigzins.
einer hauptursache aller problem auf die schliche gekommen und kein kommentar dazu… hooray! ein toller hecht, dessen aussagen man völlig kritiklos übernehmen kann… nejnej.
@tar
Höhö?
Anscheinend “glaubst” Du nicht an die Grundlagen der Geldpolitik. Es ist allgemein wissenschaftlich anerkannt, dass ein sinkender Leitzins die Geldmenge erhöht und somit die Inflation steigert.
Klär mich auf: Woher hast Du Deine unkonventionellen Ansätze?
Von Youtube oder von Alex Jones? ;-)
es ist allgemeinkenntnis, dass wenn die rendite sinkt, sich auch das geld zurückzieht. wo da inflation herkommen soll, bleibt fraglich.
Ein paar Anmerkungen:
1. Die “Rezession” ist bei weitem noch nicht eingepreist. Vielmehr ist noch lange nicht klar, wer auf den faulen Krediten sitzt. Das kann noch einige Banken, aber auch Versicherer betreffen. Dies würde bedeuten, dass weitere Abschreibungen (nicht nur bei den faulen Krediten, sondern auch bei den “assets”, also den Immobilien) nötig sind und das Kreditvolumen deshalb sinkt -> Probleme für die Unternehmen, die jetzt frische Kredite bräuchten um fällige Kredite zu bedienen oder zu investieren. Wer davon betroffen sein wird, können wir erst in einigen Monaten sagen. PS: Ich glaube vielmehr, die Zinssenkung wird gerade “eingepreist”…für ein paar Tage wird es deshalb relativ moderat an der Börse zugehen.
2. Die Wirtschaft ist in den USA im Dezember tatsächlich in 23 Staaten geschrumpft siehe pdf. Eine “definierte” Rezession ist also sehr wahrscheinlich. Der entsprechende Artikel stand erst heute in der NYT, insofern konnten Sie ihn nicht kennen.
3. Kleine Stilkritik am Rande: Der Absatz von “Aus fallenden”…bis “Ende der 80er-Jahre” ist komplett aus dem FTD-Kommentar gepasted. Ich fände es fairer, wenn Sie dies etwas besser als mit einem kleinen Link kenntlich machen oder sich eigene Formulierungen ausdenken würden. Das wäre zumindest die weltweit gängige Zitierform.
@tar
Wo Du Deine Kenntnisse herhast, willst Du ja leider nicht verraten. Da Du mir anscheinend nicht glaubst, zitiere ich nur mal kurz die Wikipedia. Ich schätze mal, jede weitere “Diskussion” über dieses Thema sollte damit überflüssig sein:
Geldpolitik.
Eine Erhöhung (Senkung) des Refinanzierungssatzes hat Folgendes zur Folge:
* Es wird für die Banken teurer (billiger), sich bei der Notenbank mit Geld zu versorgen
* Sie geben die gestiegenen (gesunkenen) Kosten an ihre Kunden weiter.
* Es werden weniger (mehr) Kredite vergeben.
* Der Geldumlauf sinkt (steigt) dadurch.
* Ein geringerer (höherer) Geldumlauf dämpft (erhöht) die Inflation.
* Höhere (niedrigere) Zinsen führen zu Kapitalimporten (exporten) und damit zu einer Aufwertung (Abwertung) der eigenen Währung.
* Aufwertungen (Abwertungen) dämpfen (steigern) Inflation und Wirtschaftswachstum zusätzlich.
Inflation:
Empirisch ist die Quantitätsgleichung sehr gut belegt. Dabei hat sich auch herausgestellt, dass Inflation nur erscheint, wenn die Zentralnotenbank die Geldmenge ausweitet.
Hauptrefinanzierungsinstrument:
Das bedeutet, dass die EZB durch das Hauptrefinanzierungsinstrument jederzeit Einfluss auf den Geldmarkt hat. In einer wirtschaftlich schlechten Phase betreibt sie eine expansive Geldpolitik (wodurch Kredite billiger werden), in einer wirtschaftlich guten Phase eine restriktive bzw. kontraktive Geldpolitik (wodurch die Inflation niedrig gehalten werden soll).
Inflation targeting
Because interest rates and the inflation rate tend to be inversely related, the likely moves of the central bank to raise or lower interest rates become more transparent under the policy of inflation targeting.
@19 tar
Witzbold ;-)
Die Umlaufrendite spiegelt das Zinsniveau auf dem Kapitalmarkt wieder und ist natürlich von der Inflation abhängig.
Aber die Zentralbanken senken doch nicht die Umlaufrendite sondern den Refinanzierungssatz – das ist etwas komplett(!) anderes.
nach dieser schlußfolgerung sollte japan in inflation ersticken. dass dem nicht so ist, weißt du ja (hoffentlich).
die umlaufrendite ist – wie im bild deutlich (1986-1995) zu erkennen – keine folge der inflation, sondern vice versa.
die quelle des bildes ist geldcrash.de und damit günter hannich. war es für dich wirklich ein problem, die adresse eines bildes herauszubekommen?
wie kann man sich das vorstellen, wenn eine zentralbank die “geldmenge ausweitet”. legt sie dafür nen schalter um und ermöglicht damit den geschäftsbanken eine kreditverteilung zum nulltarif? geldmenge kann nicht einfach so ausgeweitet werden – man muss sie irgendwo als kredit nachfragen, woran es im augenblick ja schonmal scheitert.
@Stan
Das stimmt natürlich – ich habe mich da zu schwammig ausgedrückt. Allgemein sind die wahrscheinlichen realwirtschaftlichen Entwicklungen eingepreist – was Banken und Finanztitel angeht, so herrscht immer noch Unklarheit. Auch wenn man die Kurse 2007 für etwas zu hoch hält, so rechtfertigen die genannten Nachteile bei der Kreditbeschaffung keinesfalls Kursverluste von über 25% für Unternehmen, die nicht im Finanzsektor tätig sind und mit der US-Konjunktur nicht über Gebühr verbunden sind.
Das ist eine schwammige Diskussion, in der man recht haben kann, egal welchen Standpunkt man vertritt. Man kann einzelne Staaten messen, oder die ganze USA, man kann die reale oder die nominale Entwicklung nehmen, man kann die Zahlen der FED oder die der statistischen Ämter nehmen. Ich möchte mich da auch keineswegs verrennen, zumal ich aufgrund der fragwürdigen US-Erhebungsmethoden (hedonisch) dazu neige, zu behaupten, die USA stecken schon sehr lange in einer Rezession.
Was ich eigentlich andeuten will, ist, dass die momentane realwirtschaftliche Entwicklung keinesfalls so dramatisch ist, als das sie die Baisse am Markt rechtfertigen könnte.
Du hast recht, das war gestern alles ein wenig mit „der schnellen Nadel“ gestickt. Ich habe den Text jetzt “kursiv” gesetzt – das wollte ich eigentlich eh machen.
@tar
Jooo, das ist ja eben das Phänomen des “Zero lower bounds” oder der “Liquiditätsfalle”, das Krugman in seinem Artikel anspricht, den Du kritisierst. *rolleyes*
Was auch immer Du sagst *rolleyes*
Bring das zu Papier und der Nobelpreis ist Dir sicher ;-)
Sorry, aber das ist Unfug.
Ich habe Deinen zweiten Post erst gesehen, nachdem ich meine erste Replik gepostet habe.
Hatten wir zwei das nicht schon mal? Geldschöpfung – Realität kontra YouTube?
Geld wird über Kredite der Zentralbanken “geschaffen”, je geringer der Zinssatz, desto stärker läuft die Druckpresse … letzteres bitte nicht wörtlich nehmen ;-)
Wenn dem so wäre, könnten die Zentralbanken ja ihren Dienst einstellen.
die zentralbanken dienen als bank der geschäftsbanken, die als einzige dort konten besitzen. da können die drucken, bis das öl der presse zur neige geht. solange niemand das gedruckte geld nachfragt, wird es nicht in den umlauf gelangen. so einfach ist das. und genau aus diesem grunde muss ich hannich zustimmen, dass “fiat money” ein mythos ist. ohne nachfrage eben kein fiat.
im übrigen: spätestens seit gore, aber eigentlich schon wegen kissinger solltest du wissen, was der nobelpreis für einen “wert” besitzt.
auch in dieser liste entdecke ich niemanden, der eine lösung der weltweiten wirtschaftlichen probleme aufgezeigt hat. geschweige denn, die beiden hauptursachen des geldproblems auch nur im ansatz zu lösen bereit war.
@tar
lieber nicht so viel Hannich lesen ;-)
Umgekehrt wird ein Schuh daraus – wenn Geld in Umlauf gelangt, wird es “gedruckt”. Erst dann, dies ist der Geldschöpfungsprozess. Dieses kleine Detail ist wichtig für das Grundverständnis.
Ach nein?
James Tobin? Joseph Stiglitz? Amartya Sen? Niemand macht sich Gedanken übe die Läsung weltweiter wirtschaftlicher Probleme?
Na, wenn Du das sagst, wird das wohl stimmen. Nun ja – irgendwann wird auch ein Kreationist den Nobelpreis für Biologie und Günter Hannich den für Wirtschaftswissenschaften bekommen. Ganz bestimmt! Die Welt verblödet und wir schauen zu. Hat noch wer Popcorn?
gut, ich muss mich korrigieren: 3 von 61 – macht einen irrsinnigen prozentsatz von 4,9%. da weiß man, dass der nobelpreis der wirtschaftswissenschaften wahrhaft ein nobler ehrenpreis ist.
findet die tobinsteuer mittlerweile schon praktische anwendung? oder ist sie immer noch nur als entwurf auf dem papier existent?
also stimmst du mir zu? seltsam, erst hieß es noch
@tar
Mein Satz “Wenn dem so wäre, könnten die Zentralbanken ja ihren Dienst einstellen”, bezog sich auf den von Dir “geschickterweise” weggelassenen Passus “woran es im augenblick ja schonmal scheitert”.
also, ob das wirklich nur eine ‘normale’ konjunkturbedingte Rezession ist?
“Die US-Rezession wird lang und hart”
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2008/01/22/die-us-rezession-wird-lang-und-hart_269#more-269
wenn sich sogar unter Kapitalisten solche Weisheiten zu verbreiten beginnen
“Amid the mayhem on world financial markets, it is becoming clear that capitalism’s most dangerous enemies are capitalists.”
http://economistsview.typepad.com/economistsview/
@salvo
Ich gebe zu – der Artikel ist missverständlich, was natürlich mein Fehler ist. Ich will keineswegs die US-Konjunktur gesundbeten, das ist sinnlos. Mir ging es darum, auf das irrationale Verhalten der Börsianer hinzuweisen, die diese Woche die gleichen Konjunkturinformationen haben, diese sie vor zwei Monaten hatten. Es hat sich kaum etwas geändert, es nicht ja nicht etwa so, dass die USA seit Jahresbeginn in eine tiefe Wirtschaftskrise gefallen wären. Die Rahmendaten sind schlecht und es wird wohl zu einer Rezession kommen, so sie noch nicht da ist. Aber das ist nichts(!) neues und nebenbei bemerkt, ist dies keine logische Begründung für die Schwäche z.B. am deutschen Markt, der ja wesentlich schwächer ist, als der US-Markt selbst.
Aber darüber werde ich heute abend oder morgen noch mal was schreiben.
p.s. Den Artikel von Samuelson hatte ich heute mittag schon gelesen und er hat mir sehr gefallen.
Ein ziemlich interessanter Bericht der die momentane Lage ziemlich gut trifft:
http://play.rbn.com/?url=demnow/demnow/demand/2008/jan/video/dnB20080123a.rm&proto=rtsp&start=11:44
@ulfgar
Mein OS kann mit dem Link leider nichts anfangen – hast Du einen Link auf die Quelle?
@ulfgar
Danke für den Link
wenn ich es richtig verstanden habe, wird die Rezession nicht als ‘normale’ Rezession gewertet, sondern als Folge der weitreichenden Deregulierung, die bis auf Carter zurückgeht
das Interview mit Kuttner gibt es hier
http://www.democracynow.org/2008/1/23/recession
@jens
probier es damit
http://www.democracynow.org/
@salvo
Danke für den Link – ich stimme mit Kuttner in vielen Punkten überein. Heute wird das nichts mehr, aber morgen werde ich dem Thema einen umfangreichen Artikel widmen.
“At last the market has what it wanted. A traditional fiscal stimulus package, as announced last Friday by President Bush, had no effect. Neither did a quite remarkable attempt at providing a monetary stimulus, as announced on Tuesday morning by the Federal Reserve.
But news that New York state’s banking regulator was trying to engineer a bail-out for monoline bond insurers, which started to seep out on Wednesday afternoon, was enough to trigger a truly extraordinary market rally. The S&P 500, which had been slipping inexorably into bear market territory, rallied 5.4 per cent on the news. The financial sector swung upwards by 10 per cent during the day.
This is not surprising. This market crisis has not been prompted by macroeconomics as usual. Instead, it was triggered by fears for the architecture of the modern financial system – and the potential devastating effects its collapse might have on the economy.”
http://www.ft.com/cms/s/0/93387d20-c9fd-11dc-b5dc-000077b07658.html
“Heute nun versagen die Versicherungen, die Garantien, weil die Gegenparteien herabgestuft werden und damit die Garantien an Wert verlieren oder weil die Gegenparteien ausfallen. Über welches Volumen reden wir? Die Kreditversicherer, die Monoliner, garantieren ausstehende Bonds im Volumen von 2,5 Billionen Dollar! Der gesamte Credit Default Swap Markt sichert einen Nominalwert von 43 Billionen Dollar ab (BIZ). Was passiert, wenn die Gegenparteien herabgestuft werden oder ausfallen, weil sie pleite gehen? Na? Die Banken haben das Risiko wieder in ihrer Bilanz, aber das Eigenkapital ist weg, beziehungsweise finanziert Yachten, Jagden und Porsches der Banker und Aktionäre. Dumm gelaufen für die Öffentlichkeit, die jetzt erschrocken von hohen Verlusten erfährt, denen viel zu wenig Puffer gegenübersteht und der Staat nun in die Bresche springen soll.”
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2008/01/23/weg-von-der-bewertung-zu-marktpreisen_271#more-271
@salvo
*g*
Du scheinst die gleiche Morgenlektüre zu haben, wie ich ;-)
Diesen Artikel finde ich auch interessant: Danke Ben Bernanke!